{"id":1460,"date":"2014-11-20T12:00:00","date_gmt":"2014-11-20T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1460"},"modified":"2016-10-06T07:52:50","modified_gmt":"2016-10-06T05:52:50","slug":"die-wanderarbeiterinnen-aus-usbekistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-wanderarbeiterinnen-aus-usbekistan\/","title":{"rendered":"Die Wanderarbeiterinnen aus Usbekistan"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Zweimal in der Woche f&#xE4;hrt ein Zug aus Almaty in die Hauptstadt der usbekischen autonomen Republik Karakalpakistan. Seine Coup&#xE9;-Wagons sind f&#xFC;r illegale Wanderarbeiter aus Usbekistan eine M&#xF6;glichkeit, wieder unbemerkt ins Land einzureisen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Pl&#xF6;tzlich sind die oberen Betten leer. Aus Coup&#xE9;-Wagon nach Taschkent sind irgendwie sieben Passagiere verschwunden. Auch in meinem Wagon liegen die beiden Frauen nicht mehr in den oberen Betten. Eine von ihnen hatte einen gr&#xFC;nen Pullover an und sich mir&#xA0;als Nargiza vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die 67-J&#xE4;hrige war mit ihrer Tochter auf dem Weg nach Hause. In Almaty sind sie in den Coup&#xE9;-Wagon eingestiegen, der sie nach Nukuz bringen sollte. Das ist ihre Heimatstadt, 1.947 Kilometer von Almaty entfernt. Nukuz ist die Hauptstadt der usbekischen autonomen Republik Karakalpakistan. Hier m&#xFC;ndete einst der Armudarja in den Aralsee. Die Region leidet noch heute unter den &#xF6;kologischen Folgen der sowjetischen Baumwollproduktion, die zu gro&#xDF;en Bodenversalzungen und D&#xFC;rre f&#xFC;hrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nargizas Pullover ist auch aus Baumwolle. Sie spricht russisch und usbekisch mit ihrer 32-j&#xE4;hrigen Tochter. Beide haben in Almaty f&#xFC;r ein paar Monate gearbeitet. &#x201E;Wir sind Schwarzarbeiter in einer Ziegelfabrik. Dort verdienen wir 200 Dollar im Monat. Au&#xDF;erdem bin ich bei reichen Kasachen putzen gegangen&#x201C;, berichtet Nargiza und l&#xE4;chelt verlegen. Dabei blitzen ihre Goldz&#xE4;hne hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sie hat fr&#xFC;her als Krankenschwester gearbeitet in einer Poliklinik und versucht von ihrer Rente, je nach Kurs ca. 100 Dollar, zu leben. &#x201E;Ich habe sechs Kinder, die f&#xFC;r mich sorgen. Aber es sind noch nicht alle aus dem Haus. Ich muss noch die Ausbildung f&#xFC;r meinen j&#xFC;ngsten Sohn finanzieren. F&#xFC;r das College muss ich im Jahr 700 Dollar aufbringen&#x201C;, erz&#xE4;hlt sie. Fr&#xFC;her hat sie als Krankenschwester in einer Klinik gearbeitet und ist eigentlich seit f&#xFC;nf Jahren im Ruhestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erst vor Kurzem hat Pr&#xE4;sident Islam Karimov die minimalste Pension auf 210&#xA0;525 usbekische Som erh&#xF6;ht. Nach dem Devisenkurs vom Schwarzmarkt entspricht das ungef&#xE4;hr 68 Dollar. &#x201E;Ich muss mir also irgendwo etwas dazuverdienen. Das billigste Brot kostet 650 Som.&#x201C;, sagt Nargiza. 650 Som nach dem offiziellen Kurs 27 Dollar-Cents. Der Preis f&#xFC;r das so genannte &#x201E;soziale Brot&#x201C; steigt stetig. Anfang vergangenen Jahres kostete ein 600-Gramm-Laib noch 550 Som, berichtet das Nachrichtenportal &#x201E;Regnum&#x201C;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;Wir arbeiten f&#xFC;r ein paar Monate in Almaty und kehren dann zur&#xFC;ck&#x201C;, erz&#xE4;hlt Narzia. Ihre rauen H&#xE4;nde sind Zeugen ihrer schweren Arbeit. Sie bricht sich mit ihren schwieligen H&#xE4;nden ein St&#xFC;ck Brot ab, das auf dem Tisch im Coup&#xE9;-Abteil liegt. F&#xFC;r ihren Zuverdienst nimmt die 67-J&#xE4;hrige Frau nicht nur die harte Arbeit auf sich. Dazu geh&#xF6;rt auch eine beschwerliche R&#xFC;ckreise nach Usbekistan, denn in der Ziegelfabrik hat sie illegal gearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kasachstan ist neben Russland das gr&#xF6;&#xDF;te Ziel usbekischer Wanderarbeiter. Bhavar Dave ist Professorin an der Universit&#xE4;t f&#xFC;r Orient- und Asienstudien in London und ist Expertin auf dem Gebiet Arbeitsmigration in Zentralasien. Gegen&#xFC;ber dem <a href=\"http:\/\/rus.azattyq.org\/content\/migranty-stroitelstvo-bavne-dave-interview\/26658393.html\">&#x201E;Radio Azzatyk&#x201C;<\/a> erkl&#xE4;rt sie, dass es ungef&#xE4;hr eine Millionen zentralasiatische Wanderarbeiter in Kasachstan g&#xE4;be. Davon w&#xFC;rden sich allerdings nur 10 Prozent legal in Kasachstan aufhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz vor der usbekischen Grenze bleibt der Zug stehen. Das Licht geht an. Zwei M&#xE4;nner in Uniform fragen nach den Ausweisdokumenten und bekommen zwei P&#xE4;sse &#x2013; meinen und den meiner Mitfahrerin, einer Tatarin mit usbekischem Pass. Die beiden Reisenden nach Nukuz sind verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\n<\/p><p style=\"text-align: right\"><strong>Dominik Vorh&#xF6;lter<\/strong><br>\n<strong>ifa-Redakteur der <a href=\"http:\/\/deutsche-allgemeine-zeitung.de\/\">Deutschen Allgemeinen Zeitung<\/a><\/strong><br>\n<strong>Almaty<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\n<\/p><p>&#xA0;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zug aus Almaty in die Hauptstadt der usbekischen autonomen Republik Karakalpakistan ist f&#xFC;r illegale Wanderarbeiter aus Usbekistan eine M&#xF6;glichkeit, wieder unbemerkt einzureisen.<\/p>\n","protected":false},"author":213,"featured_media":1461,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[1304,693,1303,1289],"coauthors":[1302],"class_list":["post-1460","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","tag-gastarbeiter","tag-kasachstan","tag-migration","tag-usbekistan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/213"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1460\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1461"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1460"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=1460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}