{"id":14479,"date":"2018-07-26T13:00:54","date_gmt":"2018-07-26T11:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=14479"},"modified":"2024-02-08T19:30:32","modified_gmt":"2024-02-08T18:30:32","slug":"wohin-fuhrt-die-antichinesische-hysterie-in-kasachstan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/wohin-fuhrt-die-antichinesische-hysterie-in-kasachstan\/","title":{"rendered":"Wohin f\u00fchrt die antichinesische Hysterie in Kasachstan?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In den letzten Wochen rollt in Kasachstan eine Welle der Chinaphobie durch das Land. <\/strong><a href=\"https:\/\/kaktakto.com\/analitika\/antikitajskaya-isteriya-v-kazaxstane-mozhet-li-sluchitsya-bolshaya-beda\/\"><strong>Kaktakto<\/strong><\/a><strong> sprach hier&#xFC;ber mit den PolitologInnen Aygul Omarowa und Schaksylyk Sabitow. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In letzter Zeit l&#xE4;sst sich in Kasachstan ein richtige Welle der Chinaphobie beobachten. In den sozialen Netzwerken erscheinen Posts, deren AutorInnen ihren Hass auf ChinesInnen ergie&#xDF;en und es tauchen Videos auf, in denen wackere kasachische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dschigiten\">Dschigiten<\/a> ihre Landsfrauen ermahnen keine Chinesen zu heiraten und nicht &#x2013; Obacht! &#x2013; die Heimat zu verraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 2. Juli wurde bekannt, dass eine Gruppe junger Leute nachts auf das Gel&#xE4;nde eines chinesischen Unternehmens in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schymkent\">Schymkent<\/a> gedrungen war, um Vergeltung zu &#xFC;ben. <em>&#x201E;Dies sind die Adler des Wohngebiets Schuldys der Stadt Schymkent im Turkestaner Gebiet. Es sind circa 100 Mann zusammengekommen. Wir haben uns versammelt um die Chinesen zu vertreiben&#x201C;<\/em>, schreibt in den sozialen Netzwerken ein Autor eines Videos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Vater einer Kasachin, die einen Chinesen geheiratet hat, erz&#xE4;hlt, dass ihn aufgrund der Wahl seiner Tochter st&#xE4;ndig Bedrohungen erreichen<em>. &#x201E;Seit dem 15. Juni gibt es aggressive &#xDC;bergriffe und Kommentare von mir bekannten und unbekannten Personen. Seitdem erreichen mich aus der Weite des Internets Bedrohungen und Beleidigungen, Anrufe von mir nicht bekannten Leuten, Verw&#xFC;nschungen meiner Sippe, bis hin zur Verbreitung von pers&#xF6;nlichen Bildern und Daten, die nur engen Freunden zug&#xE4;nglich waren, mit dem Hinweis, dass eine Kasachin einen Chinesen geheiratet hat. Zu meiner Verwunderung bef&#xF6;rdern einige in Kasachstan prominente Pers&#xF6;nlichkeiten den V&#xF6;lkerhass und verbreiten in den sozialen Netzwerken und in der Presse Bilder und Videos unserer Familie mit Kommentaren. So w&#xE4;chst das gesellschaftliche Interesse an dem interethnischen Konflikt&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt Askar Suleymen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aygul Omarowa: Kampf der Interessensgruppen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#x201E;Das Erscheinen verschiedener Videos, Posts und Ger&#xFC;chte verschiedener Art, die sich gegen ChinesInnen im Land richten, h&#xE4;ngt von mehreren Faktoren ab. In erster Linie kann man das mit der Angst der KasachstanerInnen vor dem &#xF6;stlichen Nachbarn erkl&#xE4;ren, dessen Bev&#xF6;lkerung unsere um ein Hundertfaches &#xFC;bertrifft. Die Leute f&#xFC;rchten, dass eine Assimilierung stattfindet und es weder KasachInnen, noch RussInnen oder andere V&#xF6;lker geben wird. Des Weiteren sorgen sich die KasachstanerInnen um ihr Territorium und die Souver&#xE4;nit&#xE4;t des Landes. Und diese Furcht ist berechtigt, da es wenig KasachstanerInnen gibt und niemand ein so gro&#xDF;es Territorium verteidigen kann.<\/p>\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/chinas-ruckkehr-nach-zentralasien\/\"><strong>Chinas R&#xFC;ckkehr nach Zentralasien<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir SinologInnen versichern, plant die chinesische F&#xFC;hrung aber nicht Kasachstan einzunehmen &#x2013; gibt es doch in China genug innere Probleme. Die sich entwickelnde Aggression gegen ChinesInnen auf derzeitigem Niveau kann man als zielgerichtete Politik werten, die einzelnen Machtgruppen entgegenkommt. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Aggression gar nicht direkt gegen die ChinesInnen richtet, sondern gegen Oligarchengruppen, die wirtschaftliche Verbindungen zu China haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig ist es beunruhigend, dass die Hysterie in Bezug auf China auf die B&#xFC;rgerInnen unseres Landes &#xFC;bergegangen ist. Es geht soweit, dass im Internet Videos auftauchen, in denen aufgerufen wird keine ChinesInnen zu heiraten. Solche Tatsachen sprechen f&#xFC;r eine zielgerichtete Arbeit um unter der Bev&#xF6;lkerung die Stimmung gegen B&#xFC;rgerInnen Chinas aufzuheizen. Und das ruft Beunruhigung hervor, da es dabei nicht bleiben muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt noch einen Grund zur Beunruhigung. St&#xE4;ndig vermehren sich die Ger&#xFC;chte, dass chinesischen ArbeitnehmerInnen mehr bezahlt werden w&#xFC;rde als den &#xF6;rtlichen MitarbeiterInnen, dass sie bessere Arbeitsbedingungen haben als die KasachstanerInnen. Und hier muss die Staatsmacht das Wort ergreifen. Es ist notwendig alle Unternehmen mit chinesischem Kapital dahingehend zu &#xFC;berpr&#xFC;fen, damit solche Reden erst gar nicht entstehen. Und wo sich solche Ger&#xFC;chte best&#xE4;tigen, m&#xFC;ssen Arbeitsbedingungen entsprechend den Gesetzen Kasachstans umgesetzt werden. Und das Gehalt muss gleich sein. Wenn sich die Ger&#xFC;chte als wahr erweisen und die Situation sich nicht &#xE4;ndert, kann dies &#xE4;u&#xDF;erst bedauerliche Folgen f&#xFC;r jene haben, die an der Macht sind. Es kann sein, dass sie an dem Ast s&#xE4;gen, auf dem sie sitzen.&#x201C;<\/p>\n<p><strong>Schaksylyk Sabitow: Nat&#xFC;rlicher Rechtsruck<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#x201E;Was antichinesische Aktivit&#xE4;ten in Kasachstan betrifft, so sehe ich hier keine zielgerichtete Politik. Hier sind einige Faktoren miteinander verflochten. Erstens die irrationale Angst vor dem gro&#xDF;en, &#xF6;stlichen Nachbarn. Unter DemografInnen gibt es den Witz: &#x201E;Die Bev&#xF6;lkerung Kasachstans entspricht der statistischen Fehlertoleranz bei einer Volksz&#xE4;hlung in China.&#x201C; Das sagt alles &#xFC;ber die Bedeutung Chinas und &#x201E;demografische Nichtigkeit&#x201C; Kasachstans. Und das erschreckt viele schon unterbewusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens ist es unumg&#xE4;nglich zu erw&#xE4;hnen, dass China sich in letzter Zeit sehr aggressiv gegen&#xFC;ber ethnischen Minderheiten verh&#xE4;lt. Es herrscht eine Politik der Assimilierung von Mongolnnen, TiberterInnen, KasachInnen und UigurInnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xinjiang\">Xinjiang<\/a> wurde praktisch ein Polizeistaat aufgebaut, der zeitgleich einen Kampf gegen den Islam und gegen die uigurische und kasachische nationale Identit&#xE4;t f&#xFC;hrt. Aus Sicht der chinesischen Regierung illoyale KasachInnen und UigurInnen schickt man in spezielle Umerziehungslager, wo man versucht ihnen eine allgemein-chinesische nationale Identit&#xE4;t aufzuzwingen.<\/p>\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/uigurische-region\/ich-komme-aus-xinjiang\/\"><strong>Ich komme aus Xinjiang<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die chinesische F&#xFC;hrung ist einerseits nicht von ethischen Bedenken in Bezug auf Menschenrechte belastet und strebt andererseits wie jedes Imperium danach, seine anders-ethnische Bev&#xF6;lkerung mit Gewalt zu halten. Die chinesische F&#xFC;hrung hat aus dem Zerfall der UdSSR gelernt und ist nicht bestrebt ein solches Szenario bei sich zuzulassen. Deswegen wird die Politik der Assimilierung von KasachInnen und UigurInnen noch ausgebaut werden. Es ist nicht auszuschlie&#xDF;en, dass in der n&#xE4;chsten Genration in China die kasachische Jugend die kasachische Sprache nicht mehr kennen und &#xFC;berwiegend auf Chinesisch sprechen wird. Angesichts dessen, was KasachInnen aus China &#xFC;ber die Vorg&#xE4;nge im Land berichten, w&#xE4;chst die Sympathie gegen&#xFC;ber ChinesInnen in Kasachstan keinesfalls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drittens verhalten sich chinesische Unternehmen nicht immer korrekt in Kasachstan, was auch das Verh&#xE4;ltnis belastet. Und viertens findet in Kasachstan ein Wandel der ethno-kulturellen Landschaft statt. Der Anteil der KasachInnen in der Bev&#xF6;lkerungsstruktur erh&#xF6;ht sich. Dies f&#xFC;hrt zum Erscheinen von W&#xE4;hlerInnengruppen, die recht unfreundlich gegen&#xFC;ber &#x201E;Fremden&#x201C; gestimmt sind. Das ist eine normale Situation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In europ&#xE4;ischen L&#xE4;ndern erhalten politische Parteien, die auf solche W&#xE4;hlerInnengruppen ausgerichtet sind regelm&#xE4;&#xDF;ig 10 bis 20 Prozent der Stimmen. Deswegen sind die antichinesischen Aktivit&#xE4;ten der letzten Zeit am ehesten ein Symptom dessen, dass sich in der politischen Landschaft Kasachstans Gruppen ultrarechter NationalistInnen eingerichtet haben, die derzeit noch keine politische Vertretung haben und m&#xF6;glicherweise auch noch auf lange Zeit nicht haben werden. Was die Folgen der &#x201E;antichinesischen Aktivit&#xE4;ten&#x201C; betrifft, so denke ich nicht, dass sie einen ernsthaften Einfluss auf die innenpolitischen Prozesse in Kasachstan haben werden.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Evgenij Andrejew auf <\/strong><a href=\"https:\/\/kaktakto.com\/analitika\/antikitajskaya-isteriya-v-kazaxstane-mozhet-li-sluchitsya-bolshaya-beda\/\"><strong>Kaktakto<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. F&#xFC;r Zentralasien direkt in Eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr Euch auch zu unserem&#xA0;<a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen rollt in Kasachstan eine Welle der Chinaphobie durch das Land. Kaktakto sprach hier&#xFC;ber mit den PolitologInnen Aygul Omarowa und Schaksylyk Sabitow. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. In letzter Zeit l&#xE4;sst sich in Kasachstan ein richtige Welle der Chinaphobie beobachten. 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