{"id":14270,"date":"2018-07-11T17:00:19","date_gmt":"2018-07-11T15:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=14270"},"modified":"2018-07-05T15:08:15","modified_gmt":"2018-07-05T13:08:15","slug":"alexander-wolkow-begrunder-der-modernen-kunst-usbekistans-teil-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/alexander-wolkow-begrunder-der-modernen-kunst-usbekistans-teil-22\/","title":{"rendered":"Alexander Wolkow \u2013 Begr\u00fcnder der modernen Kunst Usbekistans (Teil 2\/2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Nikolajewitsch_Wolkow\"><strong>Alexander Nikolajewitsch Wolkow<\/strong><\/a><strong> z&#xE4;hlt zu den herausragenden K&#xFC;nstlern sowohl Russlands als auch Usbekistans. Der russischst&#xE4;mmige Maler und Graphiker, der in Usbekistan aufwuchs und dieser Heimat einen zentralen Platz in seinem Werk einr&#xE4;umte, gilt nicht nur als Begr&#xFC;nder einer eigenen Kunstschule, sondern auch einer K&#xFC;nstlerdynastie. Das Nachrichtenportal &#x201E;<a href=\"https:\/\/nuz.uz\/kultura-i-iskusstvo\/16134-sozvezdie-hudozhnikov-volkovyh-chast-1.html\">Novosti Usbekistana<\/a>&#x201C; widmete Alexander Wolkow und seinen S&#xF6;hnen eine Reihe von Artikeln, deren <\/strong><strong>zweiten<\/strong><strong> Teil wir hier &#xFC;bersetzen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1922 bekleidet Wolkow die Stellung als B&#xFC;hnenmaler im Atelier des Theater der Proletarierkultur. Er macht Skizzen f&#xFC;r Kost&#xFC;me und Dekorationen zu Theaterst&#xFC;cken. Im Laufe eines Jahres entstehen drei gro&#xDF;e &#xD6;lkompositionen: Karawane I, Karawane II und Karawane III. In ihnen dr&#xFC;ckt Wolkow sein plastisches Suchen aus, das f&#xFC;r sein Werk seit den 20er Jahren charakteristisch ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1923 wird Wolkows dritte Ausstellung in der Turkestaner Universit&#xE4;t durchgef&#xFC;hrt. 14 Gem&#xE4;lde aus den ersten von drei Ausstellungen des K&#xFC;nstlers waren vom Mittelasiatischen Kunstmuseum (z.Z. Staatliches Kunstmuseum Usbekistans) angeschafft worden. Diese Kunstwerke legten den Grundstein zur bedeutenden Sammlung von Wolkows Werken in Taschkent, die &#xFC;ber 130 Gem&#xE4;lde und Graphikarbeiten z&#xE4;hlt.<\/p>\n<p><strong>Erste Ausstellung in Moskau<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es folgte eine erste Ausstellung in Moskau, die mit Unterst&#xFC;tzung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Alexandrowitsch_Jessenin\">Sergei Jesenin<\/a> stattfand. Jesenin und Wolkow sahen sich im Fr&#xFC;hling 1921 w&#xE4;hrend des Aufenthaltes des Dichters in Taschkent. Yesenin nannte ihn &#x201E;Imaginist in der Malerei&#x201C;. &#xDC;ber die Begegnung der zwei Meister berichtet ein Artikel, der im Magazin &#x201E;Stern des Ostens&#x201C; (1999, Nr.6) ver&#xF6;ffentlicht wurde. Wolkow schreibt in seinen Erinnerungen an Jesenin: <em>&#x201E;Drei Stunden sa&#xDF;en wir so auf dem Fu&#xDF;boden. Pl&#xF6;tzlich fuhr er nerv&#xF6;s auf, lehnte sich an die Wand an und begann mit sch&#xF6;ner und heller Stimme vorzulesen. Sp&#xE4;ter gingen wir ins alte Stadtviertel &#x2026; Ja, es war etwas Seltsames in ihm. 1921 kam er unerwartet nach Taschkent &#x2026; Damals malte ich das Bild &#x201E;Begegnung&#x201C;. Augenwinkel und Augenbrauenbogen, Sonnenkreis &#x2026; es gefiel Jesenin.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/alexander-wolkow-begrunder-der-modernen-kunst-usbekistans-teil-12\/\"><strong>Alexander Wolkow &#x2013; Begr&#xFC;nder der modernen Kunst Usbekistans (Teil 1\/2)<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwei Jahre sp&#xE4;ter half Jesenin Wolkow, die Ausstellung in Moskau durchzuf&#xFC;hren. Sie fand eine gro&#xDF;e Resonanz. Die Best&#xE4;nde des Staatlichen Jesenin-Museums in Taschkent bewahren den Entwurf eines Gedichtbandes von Turkestaner Dichtern, den man zu ver&#xF6;ffentlichen plante. Der Entwurf ist voraussichtlich aus dem Jahr 1923 und enth&#xE4;lt vier Gedichte von Wolkow. Schon damals war Wolkow auch als Dichter bekannt. Aber zu seinen Lebezeiten ver&#xF6;ffentlichte man seine Gedichte nicht. Erst 1968 wurden zum ersten Mal seine 11 Gedichte und neun Vierzeiler im Magazin &#x201E;Stern des Ostens&#x201C; herausgegeben. Sie wurden auch in Miliza Semskajas 1975 erschienenen Buch &#x201E;Alexander Wolkow &#x2013; Der Meister der Granatapfel-Teestube&#x201C; nachgedruckt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14260\" aria-describedby=\"caption-attachment-14260\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14260\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/07\/7872150610_2e556de044_z-1.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"588\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/07\/7872150610_2e556de044_z-1.jpg 640w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/07\/7872150610_2e556de044_z-1-300x276.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-14260\" class=\"wp-caption-text\">Alexander Wolkow &#x2013; Granatapfel-Teestube (1924)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">In Moskau sah er auf der Stra&#xDF;e einmal <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wladimir_Wladimirowitsch_Majakowski\">Wladimir Majakowskij<\/a>, er trat an den Dichter heran und stellte sich vor: <em>&#x201E;Ich bin K&#xFC;nstler Alexander Wolkow. Kann ich Sie anschauen?&#x201C;<\/em> &#x2013; Majakowskij blieb stehen: <em>&#x201E;Hier bin ich &#x2013; liege auf der Hand!&#x201C;<\/em> Nachdem ich vom Alexander Nikolajewitschs Sohn Alexander Wolkow Geschichte &#xFC;ber dieses Treffen erfahren hatte, erinnerte ich mich unwillk&#xFC;rlich an die Zeilen Majakowskijs: <em>&#x201E;Hey, Sonne, zieh deinen Hut aus, &#x2013; ich komme!&#x201C;<\/em> Und ich l&#xE4;chelte und dachte, dass Wolkow seinen Hut nat&#xFC;rlich nicht abnahm, wie er ihn vor niemandem abgenommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ex oriente lux &#x2013; ein eigener Stil entwickelt sich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch wie wirkten Wolkows Kompositionen der Serie &#x201E;Karawane&#x201C;, die im Laufe der Zeit ein Symbol f&#xFC;r seine Arbeit und die Epoche der gro&#xDF;en &#x201E;nomadischen&#x201C; 20er Jahre wurde, auf die Betrachter? Wie Kritiker erw&#xE4;hnen, verschmelzen in den kubistischen Konstruktionen der Kompositionen die Traditionen der Avantgarde mit Motiven aus der Volkstradition, aus der Bibel und aus dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sufismus\">Sufismus<\/a>. Die Linie der hakennasigen, keuchenden Kamele, von der Sonne gebrannte Gesichter der Kameltreiber, die an die mythischen Gesandten aus vergangenen Jahrhunderte erinnern, die rotgl&#xFC;hende W&#xFC;stenluft &#x2026; Bilder dieser Serie faszinieren durch den &#x201E;Rhythmus des Weges&#x201C;, den Nomaden von Generation zu Generation bis heute gehen.<\/p>\n<p><em>Wir sind nur Nomaden hier &#x2013;<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Kamel, eine Jurte und eine Steppe.<\/em><\/p>\n<p><em>Berge &#x2013; Strahlungsempf&#xE4;nger &#x2013;<\/em><\/p>\n<p><em>Erdige Gl&#xFC;ckskette.<\/em><\/p>\n<p><em>Warum mehrst&#xF6;ckig &#x2013;<\/em><\/p>\n<p><em>Die Berge sind noch h&#xF6;her.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Erde wird Gier nicht ertragen,<\/em><\/p>\n<p><em>Wirf den ganzen &#xDC;berfluss weg &#x2026;<\/em><\/p>\n<p>(Aus dem Buch &#x201E;Der Weg in die Berge&#x201C;, 1923-1924)<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gro&#xDF;e und kleine &#x201E;Karawanen&#x201C; wurden bis zum Ende der 20er Jahre geschaffen: im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kunstmuseum_Nukus\">Sawitzki-Museum<\/a> in Nukus wird ein wundersch&#xF6;nes Gem&#xE4;lde bewahrt, das im Jahre 1928 zu diesem Thema geschaffen wurde. Dort kann man das im Jahre 1930 gemalte Gem&#xE4;lde &#x201E;Rote Karawane&#x201C; sehen, das die Merkmale der kommenden neuen &#xC4;ra bildlich widerspiegelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/die-grosen-sieben-der-turkmenischen-kunst\/\"><strong>Die &#x201E;gro&#xDF;en Sieben&#x201C; der turkmenischen Kunst<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wolkow hatte ein gutes Gesp&#xFC;r f&#xFC;r die Musik und die Melodik des Ostens, die er in seinen Bildern einf&#xE4;ngt. Verbundkonstruktionen, Kontrastrhythmen der hellen Farben und die geometrisch angepassten Ebenen seiner Bilder kann man in seinen poetischen Zyklen sp&#xFC;ren und in den Namen der Bilder wiederholen sich manchmal diese oder andere Verse der von ihm geschriebene Gedichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Volksleben in den Gem&#xE4;lden und poetischen Experimenten des K&#xFC;nstlers ist untrennbar mit der Natur Turkestans verbunden. In ihnen kommt der Nachhall der alten Zivilisation zum Vorschein, der sich in geistigen und allt&#xE4;glichen Traditionen des Volkes erh&#xE4;lt. Das Leben des Volkes war f&#xFC;r ihn eine gewohnte Umgebung. Das Licht aus dem Osten (ex oriente lux) erscheint auf Wolkows Leinw&#xE4;nden wie eine Kohlenglut. Das lebendige Feuer und das Leuchten seiner Farben sind bis heute un&#xFC;bertroffen.<\/p>\n<p><strong>Gr&#xFC;ndung einer Kunstfachschule<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ab 1929 lehrte Volkov am Taschkenter Kunsttechnikum, auf deren Basis eine Kunstfachschule gegr&#xFC;ndet wurde. Man kann sagen, dass Wolkow der Gr&#xFC;ndungsvater dieser Lehranstalt war, die sp&#xE4;ter den Namen eines anderen K&#xFC;nstlers &#x2013; Benkow erhielt, aber nicht den Namen des f&#xFC;r Neuerertum und Kompromisslosigkeit in Ungnade gefallenen Wolkow. Es ist erw&#xE4;hnenswert, dass der K&#xFC;nstler sein Bestes gab, um das Interesse der lokalen Jugend an der Kunst zu wecken. Das bescheinigen Aufzeichnungen, die er w&#xE4;hrend seiner Arbeit in der Kunstschule gemacht hat: <em>&#x201E;Einer der Kunstlehrer sagte, dass Usbeken nur dekorativ arbeiten k&#xF6;nnen. Sie waren sehr dadurch beleidigt, und alle wollten die Fachschule verlassen. Ich sagte, dass sie in der Lage sind, als Staffeleifachleute zu arbeiten, und ich nahm auf mich, es zu beweisen. F&#xFC;nf Jahre lang habe ich in der Klasse der Usbeken gearbeitet und bewiesen, dass ich recht hatte. &#x201E;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Viele usbekische K&#xFC;nstler betrachten Wolkow als ihren Lehrer. Hierzu z&#xE4;hlen vor allem seine S&#xF6;hne, die jetzt bekannten Moskauer K&#xFC;nstler Valerij und Alexander Wolkow, sowie befreundete K&#xFC;nstler wie Ewgenij Krawtschenko und der usbekische Bildhauer und Maler Damir Rusybajew. Obwohl der Meister ihnen keinen Unterricht im herk&#xF6;mmlichen Sinne gab &#x2013; Die Anwesenheit und sein Anblick waren genug.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14271\" aria-describedby=\"caption-attachment-14271\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14271\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/07\/7872230120_03acd9f309_c.jpg\" alt=\"\" width=\"630\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/07\/7872230120_03acd9f309_c.jpg 630w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/07\/7872230120_03acd9f309_c-300x236.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-14271\" class=\"wp-caption-text\">Alexander Volkov &#x2013; &#x414;&#x43E;&#x440;&#x43E;&#x433;&#x430; &#x432; &#x433;&#x43E;&#x440;&#x44B; (1931)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach vier Ausstellungen wurde Wolkows k&#xFC;nstlerisches Schaffen Gegenstand des unverwandten Interesses, es wird dar&#xFC;ber gesprochen und geschrieben, indem man die k&#xFC;nstlerischen Merkmale und den Stil der geschafften Gem&#xE4;lde im Vergleich zu russischer und westlicher Kunst analysiert, So &#xE4;u&#xDF;erte sich 1923 der Kritiker Alexej Sidorow &#xFC;ber Wolkows Werke: <em>&#x201E;In vielen Dingen mehr Paris als Taschkent, mehr <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henri_Matisse\"><em>Matisse<\/em><\/a><em> und <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pablo_Picasso\"><em>Picasso<\/em><\/a><em> als Orientteppich&#x201C;<\/em>. 1924 wird der Artikel &#x201E;der Turkestanische K&#xFC;nstler A. Wolkow&#x201C; in der ersten Ausgabe der Zeitschrift &#x201E;Kunst und Industrie&#x201C; dem K&#xFC;nstler gewidmet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">im selben Jahr schafft Wolkow eines seiner ber&#xFC;hmtesten Gem&#xE4;lde, das ihm den Ruhm des gro&#xDF;en Meisters gebracht hat: Die &#x201E;Granatapfel-Teestube&#x201C; mit ihrem ungel&#xF6;sten, verborgen intuitiven Wissen und den Geheimnissen der Sufis. Es wird in der Tretjakow-Galerie in Moskau bewahrt.<\/p>\n<p><strong>Der extravagante K&#xFC;nstler<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1924 hat Wolkow den verdienten Erfolg. Seine Jugend und seine rastlose Energie rei&#xDF;en andere mit. Zeitgenossen bemerkten, dass er den Eindruck eines Menschen der Renaissance machte &#x2013; ein harmonischer, vielseitig begabter, von den G&#xF6;ttern g&#xFC;tig behandelter. Nicht von den irdischen &#xDC;bergangsherrschern, sondern von denjenigen, die ihre Lieblinge von oben belohnen. So beschrieb seine Erscheinung einer seiner Zeitgenossen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Ich sah einen Mann, an dem man nicht vorbeigehen konnte, ohne auf ihn zu achten. Und es kommt nicht nur auf die ungew&#xF6;hnliche Kleidung an: eine Art von einer schwarzen, auf der Brust aufgemachte Jacke, darunter &#x2013; eine Art von einem Matrosenhemd, knapp &#xFC;ber dem Knie kurze Hosen, schwarze Str&#xFC;mpfe und schwarze Stiefeletten. Nein! Es kommt eben auf ihn selbst, auf sein Aussehen an: eine mittelgro&#xDF;e, kr&#xE4;ftige, sportliche Figur, eine breite Brust, ein auf einen kraftvollen Hals gesetzter Kopf und das Gesicht eines R&#xF6;mers. Schwarze, d&#xFC;nne, sch&#xF6;n geformte Augenbrauen, klassische Nasenform, kreisf&#xF6;rmig von Schl&#xE4;fe zu Schl&#xE4;fe leicht in die sch&#xF6;n geformte Stirn gek&#xE4;mmte Haare. Und, am wichtigsten, die Augen! Schwarze, tiefe &#x2026; Augen eines Adlers, der auf die Sonne starrt, ohne ein Auge zuzutun.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistans-kunst-ololohaus\/\"><strong>Kirgistans Kunst &#x2013; Ololohaus<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Oft war der K&#xFC;nstler auf den Bergpfaden von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chimgon\">Chimgan<\/a> zu sehen, wohin er zu Fu&#xDF; mit Farbkasten und Gitarre ging. Als er einmal er in der sternenklaren Nacht aus dem kleinen Bergdorf Brichmulla zur&#xFC;ckkehrte, traf er mit einer Gruppe bewaffneter Reiter auf der Stra&#xDF;e zusammen. Als sie einen so seltsam gekleideten Mann sahen, hielten sie ihn f&#xFC;r einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Derwisch\">Derwisch<\/a> und ber&#xFC;hrten ihn nicht. Wenig sp&#xE4;ter fuhren die M&#xE4;nner der Roten Armee die Stra&#xDF;e entlang und fragten, ob der Reisende die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basmatschi\">Basmatschi<\/a>-Abteilung gesehen hatte. Dies war die Zeit, die durch den Bruch der Linien und den Kontrast der Farben, durch die Verwirrung der Karawanenspuren der Charaktere seiner Gem&#xE4;lde beeinflusst wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Athletisch, mit der bronzenen Sonnenbr&#xE4;une, extravagant gekleidet im Stil der ihm nahestehenden Futuristen zog Wolkow &#xFC;berall unwillk&#xFC;rlich Blicke auf sich. In den Bergen, wo sich die Taschkenter Jugend oft sammelte, versammelte sich immer ein Schwarm von Bewunderern um den charismatischen K&#xFC;nstler, auch wenn er mit der Staffelei von Urlaubern wegging. Einmal, m&#xFC;de von ihrer aufdringlichen Aufmerksamkeit, warf er im Zorn seine Kleidung von sich und begann Skizzen zu zeichnen, indem er im Adam-Kost&#xFC;m blieb. Damit befreite er sich von ungebetenen Beobachtern.<\/p>\n<p><strong>Schwerer Schicksalsschlag <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenso sch&#xF6;n und hell, mit einer sch&#xF6;nen Opernstimme begabt war seine Frau Maria Wolkowa (geborene Taratunina). Sie verstand, wie gl&#xFC;cklich ihr Schicksal war &#x2013; die Frau eines Mannes von Wolkows Begabung zu sein &#x2013; und war bereit, alles f&#xFC;r ihn zu tun, sogar das Unm&#xF6;gliche. Einmal als sie sp&#xE4;t am Abend heimkehrte, betrat sie aufgeregt den Raum mit geheimnisvoll brennenden Augen. Ihr Rock stand seltsam ab &#x2013; es stellte sich heraus, Maria, diese feine Operns&#xE4;ngerin, hatte auf der Stra&#xDF;e eine Gans gefangen und eigenh&#xE4;ndig ihren Hals gebrochen, um ihren Mann zu s&#xE4;ttigen. Die Zeiten waren hart und kalt, der K&#xFC;nstler ersch&#xF6;pfte sich hinter der Staffelei, achtete nicht auf das h&#xE4;usliches Leben. Seine Geliebte versuchte ihn irgendwie zu unterst&#xFC;tzen. Sie erkannte, wie schwierig es f&#xFC;r ihren Mann war, in gefroren H&#xE4;nden den Pinsel zu halten. Sie riss einmal in der Nacht die Zaunt&#xFC;r der Nachbar ab, zerlegte sie f&#xFC;r Brennholz und heizte den Ofen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wahrscheinlich hat das Gl&#xFC;ck der jungen kreativen Familie den Neid der G&#xF6;tter verursacht, und unerwartet traf die junge Familie einen schweren Schlag. Eine schonungslose Krankheit nahm Maria das Leben. Sie lebten zehn Jahre zusammen und fl&#xF6;&#xDF;ten einander Kraft und Ausdauer ein. Hunger und K&#xE4;lte schienen nichts im Vergleich zu jener hei&#xDF;en Liebe und selbstaufopfernden F&#xFC;rsorge, mit der Maria ihn umgaben den schweren Tagen der Einsamkeit und der hoffnungslosen Schwermut ging Wolkow auf den Friedhof und wollte seine Trauer mit keinem teilen. Dies waren seine einzigen Begegnungen mit jener, die in seiner Erinnerung warm und hell geblieben war, aber pl&#xF6;tzlich zu dem grauen Buckel Erde geworden war, der das frische Gl&#xFC;ck bedeckte. Allein mit der Vergangenheit, sich vom ihn verratenen Himmel abkehrend, erstarrte er, indem er den lieben H&#xFC;gel mit starken H&#xE4;nden umarmte. Die nahen Verwandten und Freunde hatten Angst um sein Leben. Einer von ihnen folgte Wolkow bis zum Friedhof. Er wagte es nicht, den auf dem Grab vorn&#xFC;ber liegenden K&#xFC;nstler anzusprechen. Nach einer Stunde kehrte er ebenso leise heim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nur Gedichte und Farben retteten Alexander Nikolajewitsch. Er ging zu ihnen wie in die W&#xFC;ste, indem er bettelte, das Recht zu atmen zu haben. In dieser Zeit erschienen immer wieder neuer Bilder und der zweite Gedichtzyklus &#x201E;Die Tage der Nomaden&#x201C;.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Tamara Sanajewa <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><a href=\"https:\/\/nuz.uz\/kultura-i-iskusstvo\/16708-sozvezdie-hudozhnikov-volkovyh-chast-2.html\"><strong>Novosti Usbekistana<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Esmira Saudkasowa<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander Nikolajewitsch Wolkow z&#xE4;hlt zu den herausragenden K&#xFC;nstlern sowohl Russlands als auch Usbekistans. Der russischst&#xE4;mmige Maler und Graphiker, der in Usbekistan aufwuchs und dieser Heimat einen zentralen Platz in seinem Werk einr&#xE4;umte, gilt nicht nur als Begr&#xFC;nder einer eigenen Kunstschule, sondern auch einer K&#xFC;nstlerdynastie. 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