{"id":1401,"date":"2014-12-30T12:00:00","date_gmt":"2014-12-30T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1401"},"modified":"2016-10-06T14:24:44","modified_gmt":"2016-10-06T12:24:44","slug":"magyaren-fluchten-vor-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/magyaren-fluchten-vor-der-krise\/","title":{"rendered":"Kasachstan &#8211; Ungarn: Bruderliebe aus Kalk\u00fcl? (1\/2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die F&#xFC;&#xDF;e fest im Steigb&#xFC;gel verankert. Das Haupt von breiten Schultern getragen. Der ernste Blick des F&#xFC;rsten &#xC1;rp&#xE1;d richtet sich in die Ferne, entlang der Prachtallee Budapests, eintausend Jahre zur&#xFC;ck. Als Anf&#xFC;hrer der Magyaren eroberte und besiedelte er einst das Karpatenbecken und bekam daf&#xFC;r ein Denkmal mitten am Heldenplatz der heutigen Hauptstadt. Der Mythos vom ungarischen Reitervolk, das aus dem fernen Asien stammt, war geboren, und st&#xFC;tzt seither die Identit&#xE4;t der Nation. Unter dem Motto der <\/strong>&#x201E;<strong>Ost&#xF6;ffnung&#x201D; verst&#xE4;rkt Ungarns F&#xFC;hrung zunehmend seine Kontakte nach Zentralasien. Als engster Partner gilt Kasachstan. Mit dem Br&#xFC;ckenschlag nach Osten schl&#xE4;gt das EU-Land jedoch eine umstrittene Richtung ein. <\/strong><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein Teil Asiens findet sich schon im Namen: In der Landessprache hei&#xDF;t Ungarn n&#xE4;mlich &#xA0;&#x201E;Magyarenland&#x201C; (Magyarorsz&#xE1;g), benannt nach jenen V&#xF6;lkern, die urspr&#xFC;nglich aus Gebieten des Urals nach Westen wanderten und sich im 10. Jahrhundert im Karpatenbecken ansiedelten. Seit damals haben zahlreiche Eroberungen und Fremdherrschaften ihre Spuren verwischt &#x2013; etwa durch den Mongoleneinfall, die Aufnahme verschiedener Turkv&#xF6;lker im Mittelalter, deutsche und slawische Einwanderer oder die Herrschaft der Osmanen. Dennoch behaupten nicht wenige Ungarn, dass&#xA0;heute noch&#xA0;die Verwandtschaft mit den Ethnien aus dem Ural und der zentralasiatischen Steppe nachweisbar sei. Gern wird eine Studie des ungarischen Wissenschafters Andr&#xE1;s Zsolt B&#xED;r&#xF3; zitiert, in der er behauptet eine genetische Verbindung zwischen dem kasachischen Stamm der &#x201E;Madjar&#x201C; mit dem Ungarn &#xA0;(Magyaren) gefunden zu haben. B&#xED;r&#xF3; bekam daf&#xFC;r 2008 eine Ehrung vom kasachischen Kulturministerium.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit dem Slogan &#x201E;Wir sind alle verwandt&#x201C; erkl&#xE4;rten bisher vor allem Politiker der rechtsradikalen Partei &#x201E;Jobbik&#x201C; den engen Kontakt zum selbsternannten Brudervolk, den Kasachen. Wissenschaftlich sei die genetische Verwandtschaft aber nicht beweisbar, meint eine ungarische Historikerin, die anonym bleiben m&#xF6;chte, im Novastan-Interview. &#x201E;Das ungarische Volk will daran glauben, dass wir in Europa etwas Wichtiges, Einzigartiges sind, etwas, das man unbedingt vor der westlichen Globalisierung oder vor was auch immer sch&#xFC;tzen soll.&#x201D; Der Glaube an die Einzigartigkeit der Ungarn m&#xFC;sse &#x201C;die wirtschaftliche und soziale R&#xFC;ckst&#xE4;ndigkeit und Erfolglosigkeit ausgleichen&#x201D;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/810\/neu1.jpeg\" alt=\"Arp&#xE1;ds Reiter - Heldenplatz\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ost&#xF6;ffnung unter Orb&#xE1;n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Inzwischen ist der Kontakt zu Kasachstan lange kein Projekt des rechtsradikalen Fl&#xFC;gels mehr. Der Premierminister Ungarns und Anh&#xE4;nger der national-konservativen Partei (Fidesz), Viktor Orb&#xE1;n, verwendet den R&#xFC;ckbezug auf die alten Verwandtschaften im Osten als Rechtfertigung f&#xFC;r das au&#xDF;en- und wirtschaftspolitische Programm der rechts-konservativen Regierung. Hinter dem Motto der &#x201E;Ost&#xF6;ffnung&#x201C; verbirgt sich eine umstrittene Au&#xDF;en- und Wirtschaftspolitik, die politische N&#xE4;he zu L&#xE4;ndern wie Russland, Aserbaidschan und die T&#xFC;rkei, bis hin zu China, Kuwait, Saudi Arabien oder dem Iran sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Politisch &#xE4;u&#xDF;ert sich die&#xA0;N&#xE4;he durch h&#xE4;ufige gegenseitige Besuche von diplomatischen Delegationen &#x2013; im Herbst dieses Jahres mit Aserbaitschan und im Sommer mit Kasachstan. Letztere scheinen f&#xFC;r Ungarn besonders profitabel zu sein. Orb&#xE1;n erkl&#xE4;rt das Interesse Ungarns an Kasachstan mit einfachen Worten: <q>Wir kommen aus einem Teil der Welt, in dem es eine Krise gibt und sind in einem Teil der Welt angekommen, in dem es keine gibt.<\/q>&#xA0;Das <a href=\"https:\/\/www.pism.pl\/files\/?id_plik=16891\">Polnische Institut f&#xFC;r Internationale Beziehungen (PISM)<\/a> sieht vor allem seit dem Regierungsantritt von Orb&#xE1;n im Jahr 2010 eine Wende in der ungarischen Au&#xDF;enpolitik, bei der gegen&#xFC;ber diplomatischen Beziehungen vor allem die Wirtschaft in den Vordergrund r&#xFC;ckt. Eine Reihe neuer Wirtschaftsabkommen zwischen Kasachstan und Ungarn unterst&#xFC;tzt diese These.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#xD6;l, Stein und Fisch &#x2013; kasachische Reize<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Angaben der kasachstanischen Botschaft in Budapest sind aktuell 58 ungarische Unternehmen und Joint Ventures in Kasachstan t&#xE4;tig. Darunter vor allem in der industriellen Produktion, in der Bau- und Agrarwirtschaft, ebenso wie im Energiesektor. Der gr&#xF6;&#xDF;te &#xA0;ungarische Mineral&#xF6;lkonzern, MOL (Magyar Olaj- &#xE9;s G&#xE1;zipari R&#xE9;szv&#xE9;nyt&#xE1;rsas&#xE1;g), h&#xE4;lt nach offiziellen Angaben Anteile von 25 beziehungsweise 49 Prozent an den Projekten zur Entwicklung der Lagerst&#xE4;tten &#x201E;Fedorov&#x201D; sowie &#x201E;Karpovskiy North&#x201C; im Westen Kasachstans. Kasachischer Partner ist dabei KazEnergy, ein Konglomerat aus &#xFC;ber 50 verschiedenen Konzernen aus der Mineral&#xF6;l- und Energiewirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bezeichnenderweise veranstalteten 2013 die kooperierenden Energie-Unternehmen MOL und KazEnergy <a style=\"line-height: 1.6em\" href=\"http:\/\/en.tengrinews.kz\/people\/Hungarian-businessmen-enhancing-historic-ties-with-Magyars-descendants-in-21200\/\">eine Rally<\/a>, um nach eigenen Angaben die &#x201E;historischen Wurzeln&#x201C; der magyarischen St&#xE4;mme zu verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dzhambulat Sarsenov, Vize-Pr&#xE4;sident von &#x201E;KazeEnergy&#x201C; <a href=\"http:\/\/oilnews.kz\/novosti\/novosti-tek-kazaxstana\/16862.html\">best&#xE4;tigte k&#xFC;rzlich<\/a>, dass weitere Kooperationen mit Ungarn im &#xD6;l- Gasbereich besprochen worden seien. Im Rahmen der Kooperation w&#xFC;rde der Partner im Westen Expertentreffen &#xFC;ber die Entwicklungsm&#xF6;glichkeiten von &#xD6;lindustrien veranstalten. Au&#xDF;erdem sei Ungarn bereit Kasachstan als Kandidat f&#xFC;r die Durchf&#xFC;hrung des World Petrolium Congress 2017 in Astana zu unterst&#xFC;tzen, so Sarsenov.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sehr attraktiv ist auch die Baubranche f&#xFC;r Ungarn. Hier steht die EXPO 2017 im Vordergrund des ungarischen Interesses. Ungarn h&#xE4;tte sich bei der Zuteilung der Austragung f&#xFC;r Astana eingesetzt, hei&#xDF;t es von Seiten des kasachstanischen Au&#xDF;enministeriums. Dabei ist das ungarische Engagement im Bau von Objekten bereits Bestandteil von <a href=\"http:\/\/strategy2050.kz\/ru\/news\/14159\">Nazerbajews Strategie f&#xFC;r 2050<\/a>. Kasachstans Bauwirtschaft ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Ungarn sieht hier, wie auch andere europ&#xE4;ische Staaten, neue M&#xF6;glichkeiten in Zentralasien. &#x201E;Kasachstan ist der lebende Beweis, dass es keine Weltwirtschaftskrise gibt. Es gibt Teile der Welt, die eine Krise haben, und Teile, die keine haben.&#x201C;, sagte Viktor Orb&#xE1;n kurz nach seiner R&#xFC;ckkehr von einem Kurzbesuch in Astana im Jahr 2012. Tats&#xE4;chlich aber war Kasachstans Bauwirtschaft stark von der Finanz- und Immobilienkrise 2008\/2009 betroffen. Eine Analyse des GTI (Germany Trade and Invest) zufolge sei die Bauwirtschaft infolgedessen &#x201E;nahezu zum Erliegen gekommen&#x201C;, erholte sich aber schrittweise vor allem durch &#xF6;ffentlich finanzierte und gef&#xF6;rderte Projekte. Hier gelten auch die Auftr&#xE4;ge f&#xFC;r die kommende EXPO als wichtiger<a href=\"http:\/\/www.politics.hu\/20140902\/kazakhstan-strategic-partner-for-hungary-says-varga\/\"> R&#xFC;ckenwind f&#xFC;r die Branche.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 432px;width: 640px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/810\/3786607130_2150fa00c9_z.jpeg\" alt=\"Balaton See in Ungarn\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zudem scheint Ungarn auf den kasachischen Fisch gekommen zu sein. Um das romantische Idyll auf dem gr&#xF6;&#xDF;ten ungarischen Binnengew&#xE4;sser, dem Balaton, zu bewahren, wurde bereits im Dezember letzten Jahres die gewerbliche Fischerei verboten. Der dadurch entstandene Fischbedarf wird derzeit zu 95 Prozent durch Importe aus Kasachstan und der T&#xFC;rkei gedeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut <a href=\"http:\/\/kashagan.today\/?p=5034\">Kashagan Today<\/a> betrug das ungarische Investment in Kasachstans Wirtschaft zwischen 2005 und 2013 mehr als 60 Millionen Dollar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein ungarischer Sonderweg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch wenn die vermeintliche &#x201E;Ost&#xF6;ffnung&#x201D; unter einem wirtschaftlichen Primat zu stehen scheint, werden zumindest die politischen Implikationen von der Orb&#xE1;n-Regierung schnell unter den Teppich gekehrt. Die ungarische Au&#xDF;enpolitik sei in erster Linie &#x201C;ungarnfreundlich&#x201D;, <a href=\"http:\/\/www.euractiv.com\/sections\/global-europe\/hungarys-orban-well-choose-our-own-path-russia-310185\">so die Wortwahl des&#xA0;Premierministers<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Besonders wird die Akzeptanz der Orb&#xE1;n-Regierung gegen&#xFC;ber den herrschenden autokratischen bis diktatorischen Systemen in den jeweiligen Partnerl&#xE4;ndern kritisiert.&#xA0;Auch auf manch&#xA0;Plakaten der Gro&#xDF;demonstration im November 2014 war zu lesen: &#x201E;Wir sagen nein zur aktuellen Au&#xDF;enpolitik!&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ungarns Premierminister weist die Vorw&#xFC;rfe mit Entschiedenheit zur&#xFC;ck. In offiziellen Statements werden Gemeinsamkeiten und gegenseitige Anerkennung verlautbart: &#x201E;Auch in der EU denken sie, dass Institutionen selbstst&#xE4;ndig funktionieren, aber sogar ein Auto funktioniert nicht ohne Chauffeur. Gl&#xFC;cklich sind jene L&#xE4;nder, die eine klare F&#xFC;hrung haben&#x201C;, <a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/wirtschaft\/id_71754020\/wirtschaft-ungarn-und-aserbaidschan-planen-gasgeschaeft.html\">sagte Orb&#xE1;n<\/a> bei einem Treffen ungarischer und aserbaidschanischer Gesch&#xE4;ftsleute Mitte November. &#xC4;hnlicher Auffassung sei man wohl auch beim politischen Stil. So hei&#xDF;t es etwa auf der <a href=\"http:\/\/mfa.gov.kz\/index.php\/en\/foreign-policy\/kazakhstan-s-relations\/kazakhstan-eu-cooperation\/16-materials-english\/1102-kazakh-hungarian-relations\">Webseite des kasachischen Au&#xDF;enministeriums<\/a>: &#x201E;Beide Seiten teilen &#xE4;hnliche Positionen zu den meisten wichtigen Themen internationaler Politik.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zus&#xE4;tzlich sorgt Ungarns Verhalten in der Ukraine-Krise in Br&#xFC;ssel und Washington f&#xFC;r Argwohn bis hin zum Fundamentalvorwurf der &#x201E;Russlandfreundlichkeit&#x201D;. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Stopp der Gaslieferungen in die Ukraine mit der Begr&#xFC;ndung eines gesteigerten Gasbedarfs sowie der Priorit&#xE4;t, die eigenen Gasspeicher auff&#xFC;llen zu wollen. Au&#xDF;erdem zeigte sich Ungarn an einer Kooperation mit Russland f&#xFC;r den Bau der South-Stream-Pipeline interessiert. In Kooperation mit dem staatlich kontrollierten Energiekonzern Gazprom sollte durch die Pipeline russisches Gas ohne Abh&#xE4;ngigkeit von den Transitl&#xE4;ndern Wei&#xDF;russland und der Ukraine nach Zentral- und Westeuropa geliefert werden. Die Pl&#xE4;ne <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/southstream-putin-droht-mit-stopp-der-pipeline-nach-suedeuropa-a-1006044.html\">scheitern vorerst<\/a> allerdings an der Blockadehaltung Bulgariens. Zum anderen steht das Engagement der ungarischen Regierung in der Karpatenukraine und der damit einhergehende Anspruch f&#xFC;r die dortige ungarische Minderheit als Schutzmacht aufzutreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine solche ungarische Au&#xDF;enpolitik wirkt langfristig als Sand im Getriebe, sowohl in der transatlantischen Partnerschaft als auch bei einer gemeinsamen europ&#xE4;ischen Au&#xDF;en- und Sicherheitspolitik. Inwiefern die propagierte &#x201E;Ost&#xF6;ffnung&#x201D; diesen Prozess aber beschleunigt oder nur eine vor&#xFC;bergehendes Krisensymptom ist, bleibt indessen abzuwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zu Gast bei Verwandten? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/810\/neu.jpeg\" alt=\"Astana-Stra&#xDF;e\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Philipp Karl forscht zu Rechtsradikalismus in Ungarn. Im Novastan-Interview weist er darauf hin,&#xA0;dass die vermeintlichen Abstammungszusammenh&#xE4;nge von Seiten der Politik&#xA0;als legitimatorisches Vehikel genutzt werden: &#x201E;Nach innen haben sie das klare Ziel die eigene Abstammung beziehungsweise Vergangenheit mythologisch und teils pseudowissenschaftlich zu &#xFC;berh&#xF6;hen und somit von der wenig rosigen Gegenwart abzulenken. Nach au&#xDF;en stellt es eine M&#xF6;glichkeit dar, die Ann&#xE4;herung an wenig demokratische beziehungsweise autorit&#xE4;re Regierungen legitim und nat&#xFC;rlich erscheinen zu lassen.&#x201D; Karl betont zudem, dass sich die Jobbik-Partei explizit in ihren Wahlprogrammen die Ost&#xF6;ffnung im wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bereich zur Aufgabe gemacht hat. Jobbik ist bei den&#xA0;Parlamentswahlen 2014 mit einem Anteil von 20 Prozent der Stimmen zur drittst&#xE4;rksten Partei aufgestiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dennoch sei es, Karl zufolge, unwahrscheinlich, dass ein gelebter Turanismus&#xA0;&#xA0;(also die Ideologie &#xFC;ber eine gemeinsame Abstammung der Turkv&#xF6;lker)&#xA0;eine weitreichende Renaissance in Ungarn erleben wird. Daf&#xFC;r sei&#xA0;die Christianisierung unter dem Heiligen Stephan (Szent Istv&#xE1;n), dem ersten ungarischen K&#xF6;nig, und der damit begr&#xFC;ndete Anschluss an das &#x201E;moderne Abendland&#x201D; zu fest in der kollektiven Identit&#xE4;t verankert. Nichtsdestotrotz dienen turanische Elemente &#x201E;als ideologischer &#xDC;berbau zu Treffen und Vereinbarungen der ungarischen Regierung insbesondere mit Kasachstan&#x201D;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Kulturaustausch zwischen Puszta und Steppe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht ganz 4000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der ungarischen und kasachischen Hauptstadt. Wie ungarische Medien im Sommer dieses Jahres berichteten, soll es bald auch Direktfl&#xFC;ge zwischen den L&#xE4;ndern geben. Seitens des Budapester Flughafens h&#xE4;tte man von den Pl&#xE4;nen geh&#xF6;rt, konkrete Informationen dar&#xFC;ber gebe es allerdings nicht. Auch die Fluglinie Wizzair, die auch Fl&#xFC;ge nach Baku und Dubai anbietet und laut der Kommunikationsabteilung des Flughafens f&#xFC;r Direktfl&#xFC;ge nach Astana in Frage k&#xE4;me, bel&#xE4;sst es auf Anfrage von Novastan bei dem Statement, dass man lediglich von Pl&#xE4;nen wisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vielleicht k&#xF6;nnen bereits im Sommer 2015 die ersten ungarischen Touristen Kasachstan direkt anfliegen, zeitlich passend zum ungarischen Filmfest, das j&#xE4;hrlich in Almaty stattfindet. Im Jahr 2010 wurde das Festival gegr&#xFC;ndet, und ist ein weiteres Beispiel f&#xFC;r den verst&#xE4;rkten Kulturaustausch der beiden L&#xE4;nder. Zudem finden bereits seit 13 Jahren &#x201E;Tage der Kultur Kasachstans&#x201C; in Ungarn und das ungarische Pendent dazu in Kasachstan statt. Die ungarische Akademie der Wissenschaften MTA pr&#xE4;sentierte dieses Jahr die ungarische &#xDC;bersetzung von Pr&#xE4;sident Nursultan Nazarbajews Autobiographie &#x2013; mit Unterst&#xFC;tzung seitens MOL. Und im Sommer erschien der Spielfilm basierend auf dem Buch im ungarischen &#xF6;ffentlich-rechtlichen TV.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu &#xC1;rp&#xE1;ds strammen Reitern am Budapester Heldenplatz gesellten sich j&#xFC;ngst auch weitere zentralasiatische Spuren ins Stadtbild. 2013 wurde im angrenzenden Stadtw&#xE4;ldchen eine Stra&#xDF;e in &#x201E;Astana-Stra&#xDF;e&#x201C; benannt. &#xA0;Und im Sommer 2014 weihte eine Delegation aus Kasachstan eine B&#xFC;ste des Dichters Abai Qunanbajuly ein. Das vier Meter hohe Denkmal, <a href=\"http:\/\/pusztaranger.wordpress.com\/2014\/05\/26\/ostoffnung-kasachischer-diktator-weiht-in-budapest-statue-ein\/\">so wird &#xA0;der ehemalige Vize-B&#xFC;rgermeister Mikl&#xF3;s Csom&#xF3;s&#xA0;(Fidesz)<\/a>&#xA0;zitiert, sei als &#x201E;Geschenk des kasachischen Volkes&#x201C; und Zeichen der &#x201E;ausgezeichneten ungarisch-kasachischen Beziehungen&#x201C; gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\n<\/p><p style=\"text-align: right\"><strong>Alina Kozhakhmetova<br>\nRedakteurin f&#xFC;r Novastan.org, Kasachstan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Daniela Neubacher<\/strong><br>\n<strong>Antje Lehmann<\/strong><br>\n<strong>Korrekteurinnen f&#xFC;r Novastan.org<\/strong>\n<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Motto der &#x201E;Ost&#xF6;ffnung&#x201D; verst&#xE4;rkt Ungarns F&#xFC;hrung zunehmend seine Kontakte nach Zentralasien. Als engster Partner gilt Kasachstan.<\/p>\n","protected":false},"author":209,"featured_media":1402,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[693,689,1403,751],"coauthors":[1163,1158,1288],"class_list":["post-1401","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","tag-kasachstan","tag-politik","tag-ungarn","tag-wirtschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1401","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/209"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1401"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1401\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1402"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1401"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1401"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1401"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=1401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}