{"id":13687,"date":"2018-05-08T07:35:54","date_gmt":"2018-05-08T05:35:54","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=13687"},"modified":"2018-05-08T07:35:54","modified_gmt":"2018-05-08T05:35:54","slug":"margiana-ein-konigreich-der-bronzezeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/margiana-ein-konigreich-der-bronzezeit\/","title":{"rendered":"Margiana \u2013 Ein K\u00f6nigreich der Bronzezeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Was ein sowjetischer Arch&#xE4;ologe bereits Anfang der 1970er Jahre entdeckt hatte, darauf darf die westliche &#xD6;ffentlichkeit erst jetzt einen Blick werfen. &#x201E;Margiana. Ein K&#xF6;nigreich der Bronzezeit in Turkmenistan&#x201C; lautet der Name einer <a href=\"https:\/\/www.smb.museum\/ausstellungen\/detail\/margiana-ein-koenigreich-der-bronzezeit-in-turkmenistan.html\">Sonderausstellung im Neuen Museum in Berlin<\/a>, die am 25. April 2018 Er&#xF6;ffnung feierte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Wort &#x201E;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Margiana\">Margiana<\/a>&#x201C; befl&#xFC;gelt die Phantasie. Es kn&#xFC;pft ungeordnete Assoziationsketten, die zu exotisch Sch&#xF6;nem im abstrakten Irgendwo f&#xFC;hren. In facto wird damit eine historische Region im S&#xFC;dosten des heutigen Turkmenistans bezeichnet. Dort erbl&#xFC;hte vor ungef&#xE4;hr 4000 Jahren eine Zivilisation, deren arch&#xE4;ologische Zeugnisse noch heute beeindrucken und in Staunen versetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Ausstellung ist ein absolutes Novum. Erstmalig durfte &#x201E;Margiana&#x201C; die turkmenischen Landesgrenzen verlassen und einem Publikum pr&#xE4;sentiert werden, dem bis vor Kurzem weder der Ort noch die Existenz ihrer bronzezeitlichen Hochkultur bekannt gewesen sein d&#xFC;rften. Die Verhandlungen f&#xFC;r diesen &#x201E;<a href=\"https:\/\/news.artnet.com\/exhibitions\/turkmenistan-margiana-1275443\">diplomatischen und kuratorischen Coup<\/a>&#x201C; haben insgesamt f&#xFC;nf Jahre gedauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Entsprechend ist die Konzeption der Sonderausstellung. Sie begr&#xFC;&#xDF;t mit einer steckbriefartigen Einordnung Turkmenistans: ehemalige Teilrepublik der Sowjetunion, s&#xFC;dlichster Staat Zentralasiens, grenzt an Kasachstan, Usbekistan, Afghanistan, Iran und an das Kaspische Meer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/turkmenistan-tourismusentwicklung-in-einem-totalitaeren-staat\/\">Turkmenistan &#x2013; Tourismusentwicklung in einem totalit&#xE4;ren Staat?<\/a> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es folgt ein Rundgang. Im Zentrum steht Margianas bronzezeitliche Metropole Gonur Depe (Grauer H&#xFC;gel). Wer sich die ad&#xE4;quate Zeit zum Betrachten und den Ausstellungsobjekten die Zeit zum Betrachtet-Werden l&#xE4;sst, der erforscht in etwa anderthalb Stunden eine erstaunliche Kultur. Vorstellbar wird dies nicht nur mithilfe der Exponate, die allesamt Leihgaben aus Turkmenistan sind. Gro&#xDF;formatige Fotografien der renommierten Fotografin Herlinde Koelbl, die die Ausstellungsst&#xFC;cke visualisierend flankieren, geben der eigenen Imaginationskraft den n&#xF6;tigen Auftrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Leben in der W&#xFC;ste dank Tonr&#xF6;hren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Herlinde Koelbls Bilder zeigen Verschiedenes. Sie begleitete das Team des Museums f&#xFC;r Vor- und Fr&#xFC;hgeschichte nach Turkmenistan und machte Aufnahmen von Landschaften, den Ausgrabungsst&#xE4;tten, Menschen, Tieren und diversen Fundst&#xFC;cken. Im Hintergrund ist jedoch meist eine unendliche W&#xFC;stenlandschaft zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Tats&#xE4;chlich liegt Margiana damals wie heute in der W&#xFC;ste Karakum. Allerdings floss hier vor 4000 Jahren der Fluss Murgab. Der hohe zivilisatorische Standard Margianas l&#xE4;sst sich mitunter daran erkennen, wie die Menschen vermochten, den kostbaren Quell h&#xF6;chst effizient f&#xFC;r sich zu nutzen und nicht an den Sandboden der W&#xFC;ste zu verschenken. Sie entwickelten ein Wasserversorgungssystem aus gebrannten Tonr&#xF6;hren, die ineinandergesteckt wurden. Mithilfe des raffinierten R&#xF6;hrensystems konnte Gonur Depe inmitten einer W&#xFC;ste mit dem lebenswichtigen Element versorgt werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6192\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05.jpg\" alt=\"Kasachstan Steinformationen Arch&#xE4;ologie\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05.jpg 800w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-150x150.jpg 150w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-300x300.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-768x768.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-550x550.jpg 550w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-32x32.jpg 32w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-50x50.jpg 50w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-64x64.jpg 64w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-96x96.jpg 96w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-03-05-128x128.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gonur Depe ist per se als Stadt ein beeindruckendes Beispiel f&#xFC;r meisterhafte Stadtplanung fr&#xFC;herer Zeiten. Die insgesamt 28 Hektar gro&#xDF;e Stadt parzellierten einzelne Bezirke f&#xFC;r Wohnareale, Handwerkerviertel und Friedh&#xF6;fe, die sich allesamt um einen quadratischen Palastkomplex mit gewaltigen, turmbewehrten Mauern im Herzen der Stadt gruppierten. Ein dicker Mauerring aus Lehm schloss das gesamte Areal nach au&#xDF;en ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wo die Reichen und M&#xE4;chtigen ruhen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass im Verlauf der Menschheitsgeschichte vornehmlich die Reichen und M&#xE4;chtigen ihre Spuren hinterlassen, zeigt auch dieses Beispiel. S&#xFC;d&#xF6;stlich der Stadt befanden sich die sogenannten K&#xF6;nigsgr&#xE4;ber. Die exzeptionell reichen Grabst&#xE4;tten erinnern an unterirdische H&#xE4;user mit mehreren Zimmern, teilweise mit einem angebauten Vorhof. In diesen H&#xF6;fen pr&#xE4;sentierten sich vierr&#xE4;drige Wagen, &#xDC;berreste von Tieren sowie bis zu f&#xFC;nfzehn mitbestattete Bedienstete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/die-grosen-sieben-der-turkmenischen-kunst\/\">Die gro&#xDF;en Sieben der turkmenischen Kunst<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass die Menschen in Margiana nicht nur auf dem Gebiet der Wasserversorgung und Stadtplanung brillierten, sondern ihre Umgebung nach besonderen &#xE4;sthetischen Vorstellungen gestalteten, offenbart u.a. die einzigartige Mosaikkunst. In den mit h&#xF6;chst feingearbeiteten Mosaiken geschm&#xFC;ckten Innenr&#xE4;umen und Truhen fanden sich prachtvolle Grabbeigaben wie Gold- und Silbergef&#xE4;&#xDF;e, Schmuck, Waffen, bspw. &#xC4;xte mit Tierk&#xF6;pfen, oder verschiedene Ger&#xE4;te, die vermutlich rituellen Zwecken dienten. Dass man diese Kostbarkeiten heute noch bestaunen kann, liegt vor allem daran, dass sie vor Grabr&#xE4;ubern sicher in Gruben unter dem Grabboden lagerten. Aufgrund der aufwendigen Gestaltung der Ruhest&#xE4;tten darf davon ausgegangen werden, dass hier ausschlie&#xDF;lich die Oberschicht ruht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Vom Reichtum der Oberschicht zeugen Gr&#xE4;ber, vom Reichtum der Stadt blaue Steinchen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Bewohner Gonur Depes setzten ihre &#xE4;sthetischen Vorstellungen nicht nur auf dem architektonischen Tableau um. Die arch&#xE4;ologischen Untersuchungen brachten verschiedene Objekte ans Tageslicht. Darunter befanden sich filigran gearbeitete Sch&#xE4;lchen, Flakons, Spiegel und St&#xE4;bchen, die kosmetischen Zwecken gedient haben. Was als sch&#xF6;n gegolten haben muss, verdeutlichen Statuetten mit stark geschminkten Augen durch dicke schwarze Umrandungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gefunden wurden ferner verschiedene Schmuckst&#xFC;cke z.B. aus Gold, Silber oder Lapislazuli. Der Halbedelstein mit seiner charakteristisch tiefblauen Farbe war exotische Importware. Doch nicht nur das. Nahezu alle Produkte der Handwerkskunst zeugen von regen, in ferne Regionen reichenden Handelsbeziehungen, da sie aus Rohstoffen bestehen, die lokal nicht vorkamen. Dass Margiana keine isolierte Oase, sondern ein pulsierender und gut vernetzter Raum der Bronzezeit war, verdeutlich nicht zuletzt ihre Erw&#xE4;hnung durch Quintus Curtius Rufus (1. Jhd. n. Chr.). Der r&#xF6;mische Historiker, der eine mehrteilige Buchreihe &#xFC;ber Alexander den Gro&#xDF;en verfasst hat, verweist in seinen Schriften auf Margiana.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasiens-freiheit-der-kunst\/\">Zentralasiens Freiheit der Kunst<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Ausstellung endet dort, wo Margiana ihren zivilisatorischen H&#xF6;hepunkt mit Symbolen von Macht und Reichtum feierte. So blickt man auf die gewaltigen Ausma&#xDF;e des Palasts von Gonur Depe und kunstvoll gearbeitete &#xC4;xte mit Hahnenk&#xF6;pfen, bevor man sich wieder am Anfang des Rundgangs wiederfindet, wo der Besucherin und dem Besucher &#x201E;eines K&#xF6;nigreichs der Bronzezeit&#x201C; vorsorglich erkl&#xE4;rt wird, wo Turkmenistan &#xFC;berhaupt liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bis 7. Oktober 2018 ist <a href=\"https:\/\/www.smb.museum\/ausstellungen\/detail\/margiana-ein-koenigreich-der-bronzezeit-in-turkmenistan.html\">die Ausstellung<\/a> in Berlin noch zu sehen. Danach reist sie weiter nach Hamburg und Mannheim.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Vera Steschin<\/strong><br>\n<strong> Novastan.org<\/strong><\/p>\n<p>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">LinkedIn<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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