{"id":1340,"date":"2015-02-23T12:00:00","date_gmt":"2015-02-23T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1340"},"modified":"2016-10-06T18:25:53","modified_gmt":"2016-10-06T16:25:53","slug":"die-geheimen-stdte-der-sowjetunion-in-kirgistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-geheimen-stdte-der-sowjetunion-in-kirgistan\/","title":{"rendered":"Die geheimen St\u00e4dte der Sowjetunion in Kirgistan"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em><strong>Zu Zeiten der Sowjetunion waren Ming-Kusch und Mailuu-Suu die sch&#xF6;nsten und entwickeltesten St&#xE4;dte Kirgistans. Heute ist der Glanz von einst geschwunden, die Einwohner f&#xFC;hren ein hartes Leben.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die fr&#xFC;here Sowjetrepublik Kirgistan ist reich an verschiedenen Rohstoffen wie Gold, Silber, Kohle und &#x2013; Uran. Zu Sowjetzeiten wurde hier Uran abgebaut, das auch milit&#xE4;rischen Zwecken diente. An den Orten des Uranbergbaus entstanden St&#xE4;dte, in denen die Arbeiter lebten. Sie waren geschlossen und geheim. In Kirgistan gab es insgesamt <u><a href=\"http:\/\/kabar.kg\/kyr\/analytics\/full\/34323\">sieben dieser St&#xE4;dte<\/a><\/u> (Mailuu-Suu, Ming-Kusch, Kajy-Sai, Schakavtar, Sumsar, Ak-Tuez, Orlovka). Am meisten Uran wurde aber in Ming-Kusch im Osten und in Mailuu-Suu im S&#xFC;den des Landes abgebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Von damaligen Paradies ist nichts mehr zu sehen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ming-Kusch, was &#xFC;bersetzt &#x201E;Tausend V&#xF6;gel&#x201C; bedeutet, war damals eine der sch&#xF6;nsten und fortschrittlichsten St&#xE4;dte Kirgistans. Die geschlossenen St&#xE4;dte wurden von Moskau unterst&#xFC;tzt und die <u><a href=\"http:\/\/www.eurasianet.org\/departments\/insightb\/articles\/eav092209.shtml\">Mehrheit ihrer Einwohner waren Russen<\/a><\/u>. Sie erschienen nicht auf Landkarten und f&#xFC;r die Einreise bedurfte es einer speziellen Erlaubnis. Trotzdem waren die St&#xE4;dte mit allem Notwendigen versorgt, das Angebot an Lebensmitteln und anderen Waren war sogar gr&#xF6;&#xDF;er als im Rest des Landes.<!-- Das hatte ich noch so im Kopf, kannst du das so best&#228;tigen? Ja, das klingt besser. --> Der Bergbau bot viele Arbeitspl&#xE4;tze, die L&#xF6;hne lagen 50 &#x2013; 100% &#xFC;ber dem landes&#xFC;blichen Verdienst. Ming-Kusch hatte deshalb eine sehr gute Reputation und die Menschen schrieben sich auf Wartelisten ein, um in den Fabriken der geschlossenen St&#xE4;dte zu arbeiten. &#x201E;<u><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_5JKxUv854w\">Unser Dorf war ein Paradies<\/a><\/u>&#x201C;, sagen die Einwohner heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch der Wohlstand hatte auch Schattenseiten. Der Tagebau in Ming-Kusch war die wichtigste St&#xE4;tte f&#xFC;r Uranabbau in der Sowjetunion. Wer dort arbeitete wurde gut bezahlt und lebte ohne materielle Sorgen, musste jedoch Schweigen &#xFC;ber seine Arbeit bewahren und das durch die Radioaktivit&#xE4;t entstehende Gesundheitsrisiko ignorieren. 20 Jahre lang, von 1950 bis 1970, wurde Uran abgebaut. Danach schloss der Tagebau und es wurde eine Fabrik f&#xFC;r Filzstifte er&#xF6;ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine der schmutzigsten Orte der Welt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die geschlossene Stadt Mailuu-Suu, was &#x201E;Fettiges Wasser&#x201C; bedeutet, war nach Ming-Kusch die zweitgr&#xF6;&#xDF;te Quelle von Uran in der Sowjetunion. Hier wurde es bis in die 60er Jahre abgebaut und auch Mailuu-Suus Einwohner genossen einen hohen Lebensstandard.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Zusammenfall der Sowjetunion wurden die St&#xE4;dte sich selbst &#xFC;berlassen. Auch Ming-Kusch und Mailuu-Suu haben sich in verlassene D&#xF6;rfer verwandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 860px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/842\/img_7205_222_0.jpeg\" alt=\"Ming-Kusch\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Ming-Kusch lebten damals mehr als 20.000 Menschen, heute sind es weniger als 3.000. Vor allem&#xA0;sind dies alte Leute und Kinder, die keine M&#xF6;glichkeit haben, wegzuziehen, oder auch patriotische B&#xFC;rger, die ihr Dorf nicht verlassen wollen. Arbeitspl&#xE4;tze gibt es auch kaum mehr, 80% der Bev&#xF6;lkerung sind arbeitslos. Deshalb sammeln einige Eisen um sich und ihre Familie zu ern&#xE4;hren. Die freigesetzte Radioaktivit&#xE4;t wirkt sich bis heute auf die Gesundheit der Einwohner aus. Allerdings &#x201E;nicht so stark, dass es uns schaden w&#xFC;rde. In unserem Dorf gibt es Leute, die 80, 90 oder 100 Jahr alt sind, Frauen bringen gesunde Kinder auf die Welt. In unserem Dorf geht das Leben weiter. Alles ist wunderbar&#x201C;, behaupten Einwohner Ming-Kuschs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>[Beim Video die deutschen Untertitel Aktivieren]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_5JKxUv854w]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Leider kann die Bev&#xF6;lkerung in Mailuu-Suu nicht das gleiche &#xFC;ber ihr Dorf sagen. Die radioaktive Belastung ist hier noch h&#xF6;her. Obwohl manche Einwohner zum Spa&#xDF; sagen, sie h&#xE4;tten sich an die Radioaktivit&#xE4;t gew&#xF6;hnt und k&#xF6;nnten hier leben, bleibt dies nicht ohne Folgen. In Mailuu-Suu sterben viele Menschen jung, an verschiedenen Krankheiten. Studien zufolge sterben hier viele an Krebs; Schwangerschaften verlaufen oft problematisch, sodass die Kinder entweder noch im Bauch der Mutter sterben oder mit Behinderung zur Welt kommen. Wodka ist ein beliebter &#x201E;Schutz&#x201C; gegen die Radioaktivit&#xE4;t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Mailuu-Suu ist bis heute eine in den 60er Jahren erbaute <a href=\"http:\/\/www.msel.kg\/index.php\/kontakty\">Gl&#xFC;hbirnenfabrik<\/a> in Betrieb, die verschiedene Arten von Lampen, unter anderem f&#xFC;r Autos, produziert. Dadurch gibt es hier mehr Arbeitspl&#xE4;tze als in Ming-Kusch. Dennoch sind viele auf der Suche nach Arbeit nach Russland ausgewandert. Die radioaktive Strahlung in Mailuu-Suu ist noch immer stark genug, um die Stadt auf die Liste der 30 schmutzigsten Orte der Welt zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine Bedrohung f&#xFC;r ganz Zentralasien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen die Umweltverschmutzung vorzugehen kostet viel Geld, das Kirgistan nicht hat. Abgeordnete des kirgisischen Parlaments Dschogorku Kenesch sagen<!-- Ich habe mal vermutete, dass es sich um kirgisische Abgeordnete handelt, oder? Einen deutschen Leser sollte man das lieber noch mal sagen. Ja, es geht um ein kirgisische Abgeordnete. -->, dies w&#xE4;re nicht ein Problem Kirgistans, sondern <u><a href=\"http:\/\/kabar.kg\/kyr\/analytics\/full\/34323\">ganz Zentralasiens<\/a><\/u>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So sieht es auch der <u><a href=\"http:\/\/kabar.kg\/kyr\/analytics\/full\/34323\">ehemalige Premierminister Kirgistan<\/a><\/u>, Jantoeroe Satybaldiev. &#x201E;Wenn das Uran, sowohl in Ming-Kusch als auch in Mailuu-Suu, sich l&#xF6;st und in den SyrDarya ger&#xE4;t, wird damit ein Fluss kontaminiert, der durch ganz Zentralasien flie&#xDF;t. Das ist eine gro&#xDF;e Bedrohung f&#xFC;r ganz Zentralasien. Au&#xDF;erdem war es die Sowjetunion, die Uran in Kirgistan abbaute. Damals waren wir alle ein Land. Deswegen ist es ein allgemeines Problem.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Nuriipa Abdumalik Kyzy<br>\nRedakteurin f&#xFC;r Novastan.org, Bischkek<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Redigiert von Luisa Podsadny<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Zeiten der Sowjetunion waren Ming-Kusch und Mailuu-Suu die sch&#xF6;nsten und entwickeltesten St&#xE4;dte Kirgistans. 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