{"id":12116,"date":"2018-01-06T12:35:37","date_gmt":"2018-01-06T11:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=12116"},"modified":"2018-01-08T17:06:00","modified_gmt":"2018-01-08T16:06:00","slug":"highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien\/","title":{"rendered":"Highway to Heroin \u2013 vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zentralasien wird oft mit der Seidenstra&#xDF;e in Verbindung gebracht, diese ber&#xFC;hmten Antiken Handelsrouten, auf denen Waren aus aller Welt &#xA0;vom Okzident in den Orient und umgekehrt flossen. Kulturen tauschten sich aus, Wissen wurde weitergegeben. Der Stoff, der heute durch die zentralasiatischen Republiken flie&#xDF;t, besteht allerdings nicht aus Seide, sondern prim&#xE4;r aus Opiaten, als Droge bekannt unter Heroin. Und auch vom Westen her finden neuerdings chemische Substanzen ihren Weg in die alte Seidenstra&#xDF;e.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im 5. Jh. vor Christus feilschten und handelten am Drehkreuz zwischen Europa und Asien H&#xE4;ndler, ruhten sich Kamele aus und zogen weiter, reisten Intellektuelle aus aller Welt. Seide, Gold, Wolle und Silber wurden auf dem damals noch l&#xE4;ngsten Transportnetzweg vom Fernen Osten in den Westen transportiert. <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/fact\/seidenstrasse\/\">Man nannte<\/a> die Routen, die durch die heutigen f&#xFC;nf zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan f&#xFC;hrten, Seidenstra&#xDF;e.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die gro&#xDF;en Entdeckungsreisen im 15. Jh. verdr&#xE4;ngten Zentralasien als Handelsroute und erschlossen g&#xFC;nstigere und schnellere Seewege f&#xFC;r den Transport von Waren. Dennoch bildet die Region geografisch weiterhin eine Verbindung zwischen Asien und Europa. Und man hat auch relativ schnell neue Verwendung f&#xFC;r den Zentralasien-Korridor gefunden: den sogenannten Heroin Highway.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/uigurische-region\/vom-mythos-seidenstrasse\/\">Vom Mythos Seidenstra&#xDF;e<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken liegen an einer der beiden Haupttransportstra&#xDF;en f&#xFC;r Heroin aus Afghanistan, das fast ein Drittel des weltweiten Opiums herstellt. Opium und das daraus hergestellte Heroin wandern auf der sogenannten <em>Nordroute<\/em> &#xFC;ber Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan oder Turkmenistan weiter &#xFC;ber Kasachstan nach Russland und Europa.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12124\" aria-describedby=\"caption-attachment-12124\" style=\"width: 877px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12124\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Drogenhandel-aus-Asien.jpg\" alt=\"Drogenhandel aus Asien\" width=\"877\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Drogenhandel-aus-Asien.jpg 877w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Drogenhandel-aus-Asien-300x198.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Drogenhandel-aus-Asien-768x507.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Drogenhandel-aus-Asien-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 877px) 100vw, 877px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-12124\" class=\"wp-caption-text\">Die asiatischen Handelswege von Heroin<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Das <em>United Nations Office on Drugs and Crime<\/em> (UNODC) <a href=\"http:\/\/www.unodc.org\/documents\/wdr\/WDR_2010\/World_Drug_Report_2010_lo-res.pdf\">sch&#xE4;tzt<\/a>, dass j&#xE4;hrlich 25 Prozent des afghanischen Opiums und 15 Prozent des afghanischen Heroins allein auf der Nordroute nach Europa geschmuggelt werden. Der Wert dieses Marktes wird auf etwa 13 Milliarden Dollar pro Jahr gesch&#xE4;tzt, also dem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von Tadschikistan und Kirgistan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zentralasien- ein Paradies f&#xFC;r Drogenschmuggler<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neben der geografischen Lage machen auch politische Rahmenbedingungen Zentralasien zu einem begehrten Drogenkorridor. Im Unterschied zu Lateinamerika bekriegen sich hier keine Drogenbosse und Kartelle untereinander; Kriminalit&#xE4;t und Mordf&#xE4;lle in Verbindung mit Drogen sind relativ gering. Der Drogenhandel in Zentralasien ist sehr viel profitabler und weniger riskant, denn die im Drogenhandel t&#xE4;tigen kriminellen Gruppierungen haben ihre Verbindungen bis in die Regierungsspitzen hinauf. Die weit verbreitete Korruption und teils aktive Beteiligung von hohen Beamten erleichtert erheblich den Transport der Substanzen von einem Land zum N&#xE4;chsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit dem Beitritt Kasachstans und Kirgistans in die <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/eurasische-union-wiederbelebung-der-sowjetunion\/\">Eurasische Union<\/a> und der damit einhergehenden Erleichterung der Grenzkontrollen wurde der Weg des Heroins nach Russland noch st&#xE4;rker geebnet. Von dort ist es bis Europa nicht mehr weit.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasien-ferner-nachbar-der-eu\/\">Zentralasien, ferner Nachbar der Europ&#xE4;ischen Union<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das<em> Central Asian Regional Information and Coordination Centre<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.caricc.org\/index.php\/en\/\">CARICC<\/a>) in Kasachstans ehemaliger Hauptstadt Almaty bietet <a href=\"http:\/\/www.caricc.org\/index.php\/en\/authorization2-2\/according-to-official-data\">offizielle Zahlen<\/a> der beschlagnahmten Drogen. Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Kasachstan rund 120 kg Heroin beschlagnahmt, in Kirgistan und Usbekistan ca. 50 kg. Beim Opiumschmuggel liegen die Zahlen deutlich h&#xF6;her, in Tadschikistan und Usbekistan etwa zwischen 600 und 800 kg in einem halben Jahr. Allerdings geben die Zahlen keinerlei Aufschluss &#xFC;ber die tats&#xE4;chliche Menge an Drogen, die &#xFC;ber die Grenze geschmuggelt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Davon erz&#xE4;hlt Ernest Robell&#xF3;, Experte f&#xFC;r Drogenpolitik und -pr&#xE4;vention und fr&#xFC;herer Mitarbeiter beim UNODC: &#x201E;<em>Als ich in Jordanien arbeitete, habe ich alle m&#xF6;glichen Arten des Drogenschmuggels gesehen. Drogen wurden nicht nur mit Schiffen und Fahrzeugen transportiert. Man fand Heroin zu B&#xE4;llen gepresst in Ziegen. Wie soll man solche Grenzen auch kontrollieren? Es ist unm&#xF6;glich. Daher wird nur ein sehr kleiner Teil der Gesamtmenge entdeckt und beschlagnahmt.&#x201C; <\/em>Die Zahlen sagen wohl viel mehr etwas &#xFC;ber die Durchl&#xE4;ssigkeit der Grenzen aus, als &#xFC;ber die tats&#xE4;chliche Anzahl der illegal geschmuggelten Substanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zentralasien &#x2013; eine Region von Narco-Staaten? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn ein Staat einen gewissen Anteil seines BIPs aus dem Drogenhandel bezieht, spricht man von einem Narco-Staat. Kolumbien, Mexico oder Guinea-Bissau haben ein Image als Narco-Staaten. In einigen Quellen wird <a href=\"https:\/\/www.politico.com\/magazine\/story\/2014\/02\/tajikistan-the-narcostate-103886\">auch Tadschikistan so bezeichnet<\/a>. Das Land teilt eine 1.206 km lange Grenze mit Afghanistan, die sehr durchl&#xE4;ssig und schwach kontrolliert ist. Es gilt, neben Usbekistan, als Eingangstor der Nordroute. Jedes Jahr werden tonnenweise Opium &#xFC;ber die Grenze geschmuggelt, Quellen geben an, dass 80 Prozent des afghanischen Opiums der Nordroute durch Tadschikistan geschmuggelt werden. Mittlerweile leben ganze tadschikische D&#xF6;rfer an der Grenze zu Afghanistan vom Drogenschmuggel. Auch hier liegt nahe, dass die kriminellen Netzwerke sich bis in die Regierung erstrecken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12117\" aria-describedby=\"caption-attachment-12117\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12117\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/6127240700_7b0212de32_b.jpg\" alt=\"Drogen und Geld\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/6127240700_7b0212de32_b.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/6127240700_7b0212de32_b-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/6127240700_7b0212de32_b-768x576.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/6127240700_7b0212de32_b-800x600.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-12117\" class=\"wp-caption-text\">Die Drogennetzwerke in Zentralasien reichen bis hoch in die Regierungsebenen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">In Usbekistan herrschen &#xE4;hnlichen Umst&#xE4;nde: Eine gemeinsame Grenze mit Afghanistan, hohe Korruption, unzureichend gesicherte Grenzen. Es kommt hier noch ein geografischer Faktor hinzu: Die wilde, raue Landschaft und die offene W&#xFC;ste erleichtern es den Schmugglern, unentdeckt die Grenze zu passieren. Usbekisches Grenzterrain steht der W&#xFC;stenregion Mexikos und Drogenhochburg lateinamerikanischer Kartelle in nichts nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Vom Transit zum Konsum<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Wissen &#xFC;ber Zentralasien als ein Drogenkorridor, ist relativ weit verbreitet. Die lokalen Regierungen selbst berufen sich darauf, betonen allerdings den Aspekt des Transits. Die Staaten legen Wert darauf, dass es so bleibt, um nicht Aufmerksamkeit auf das eigentliche Problem der Region zu lenken, das besonders in den letzten Jahren verst&#xE4;rkt hervortrat: <em>&#x201E;Historisch gesehen wird Zentralasien bisher immer als eine Transitregion f&#xFC;r Drogen portr&#xE4;tiert, in der die Substanzen vom Ausland importiert, und ins Ausland wieder exportiert werden, aber nicht im Land bleiben. Die Realit&#xE4;t aber ist, es gibt einen lokalen Markt in Zentralasien&#x201C;,<\/em> daraufhin verweist der Experte Robell&#xF3;.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/nicht-kirgistan-sondern-schmuggelstan\/\">&#x201E;Nicht Kirgistan, sondern Schmuggelstan&#x201C;<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Logik nach muss in L&#xE4;ndern, durch die viele Drogen transportiert werden, auch der Zugang zu solchen Substanzen leichter sein. Eine Umfrage des UNODC von 2007 in Tadschikistan scheint die These zu best&#xE4;tigen. Demnach gaben 96 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren an, Drogen seien <em>&#x201E;ziemlich leicht zu besorgen&#x201C;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch in Kirgistan wurde ein Zusammenhang zwischen Transit und Konsum festgestellt. Der Gro&#xDF;teil des Drogenkonsums konzentriert sich in Bischkek und Osch, zwei Grenzst&#xE4;dte und Haupttransitbereiche, durch die auch ein Gro&#xDF;teil des Drogenvolumens in die benachbarten Staaten flie&#xDF;t. Somit beeinflusst die N&#xE4;he zu Afghanistan den lokalen Drogenmarkt in Kirgistan direkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber auch innere Faktoren tragen zu erh&#xF6;htem Konsum bei, wie etwa Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption. Diese Umst&#xE4;nde f&#xFC;hren dazu, dass weder ausreichende Ma&#xDF;nahmen f&#xFC;r die Grenzkontrolle, noch zur Suchtbehandlung zur Verf&#xFC;gung stehen. Doch wie sieht es mit dem tats&#xE4;chlichen Drogenkonsum in Zentralasien aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der lokale Markt <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Au&#xDF;er Turkmenistan, das einen nennenswerten Drogenkonsum im Land bestreitet, stellen die restlichen vier Staaten offizielle Zahlen zum lokalen Drogenkonsum zur Verf&#xFC;gung. Die Statistiken sind allerdings l&#xFC;ckenhaft und unzuverl&#xE4;ssig, die Methoden fragw&#xFC;rdig. Der Mangel an aktuellen Angaben und verl&#xE4;sslichen Quellen macht es schwer, die tats&#xE4;chliche Anzahl an Menschen, die Drogen nehmen in Zentralasien zu messen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dabei muss auch zwischen den Arten von Drogen unterschieden werden. Am meisten wird in Zentralasien weiterhin Cannabis und Heroin konsumiert. Die Anzahl von Konsumenten des Letzteren (per Injektion) liegt bei 25.000 in Kirgistan und Tadschikistan, bei 80.000 in Usbekistan und bei 117.000 in Kasachstan. Dies geht aus dem <em><a href=\"https:\/\/www.hri.global\/global-state-of-harm-reduction-reports\">Global State of Harm Reduction Report<\/a><\/em> von 2016 hervor. In Deutschland hingegen sind etwa 150.000 Menschen Opiatabh&#xE4;ngig, allerdings ist die Bev&#xF6;lkerungsanzahl im Gegensatz zu Kasachstan und Usbekistan etwa 3-mal so hoch, im Vergleich zu Tadschikistan und Usbekistan ungef&#xE4;hr 10-mal h&#xF6;her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Spitzenreiter unter den Rauschgiften bleibt weiterhin Cannabis. Und so manch ein Hanf-Fan w&#xFC;rde die Zentralasiaten f&#xFC;r ihr Gras beneiden. In Kirgistan und Kasachstan w&#xE4;chst die Pflanze wild und kann &#xFC;berall gefunden werden. Vor einigen Jahren wurde in den Medien <a href=\"https:\/\/yvision.kz\/post\/504155\">eine Polemik laut<\/a> &#xFC;ber die wild wachsenden Hanfpflanzen, die in Kasachstans Hauptstadt Astana sogar auf Verkehrsinseln wuchern. Das Thema tauchte eine Weile in den Medien auf, ge&#xE4;ndert hat sich aber nichts. Man spaziert im Sommer weiterhin an frischen Hanfpfl&#xE4;nzchen die Hauptpromenade entlang.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12118\" aria-describedby=\"caption-attachment-12118\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12118\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/8264024164_d1ccd6d5d6_k.jpg\" alt=\"Cannabis am Stra&#xDF;enrand\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/8264024164_d1ccd6d5d6_k.jpg 1000w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/8264024164_d1ccd6d5d6_k-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/8264024164_d1ccd6d5d6_k-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/8264024164_d1ccd6d5d6_k-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-12118\" class=\"wp-caption-text\">In manchen zentralasiatischen St&#xE4;dten w&#xE4;chst hanf gleich am Stra&#xDF;enrand<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein ber&#xFC;hmter Ort f&#xFC;r den Hanfanbau ist die legend&#xE4;re <em><a href=\"https:\/\/lenta.ru\/articles\/2013\/06\/17\/weed\/\">Tschuiskaja-Dolina<\/a><\/em>, ein Cannabis- Feld auf kasachisch-kirgisischem Grenzterritorium und das Gr&#xF6;&#xDF;te der Region. Laut Daten misst das Tsch&#xFC;i-Feld um die 130.000 Hektar (im Jahr 2013. Mittlerweile k&#xF6;nnte es aufgrund des Klimas und D&#xFC;rre geschrumpft sein). Aus den davon <em>drogentauglichen <\/em>Pflanzen lassen sich j&#xE4;hrlich 5.000-6.000 Tonnen Haschisch herstellen. Versuche der Autorit&#xE4;ten, die Felder zu vernichten oder sie auf &#x201E;neutralen&#x201C; Hanf ohne psychoaktive Substanzen umzupflanzen sind bisher misslungen. Es bleibt daher nichts, als darauf zu warten, dass der <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/welche-folgen-hat-der-klimawandel-fuer-kirgistan\/\">Klimawandel<\/a> und die <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/das-wasser-fehlt-kirgistan-vor-der-energiekrise\/\">Wasserknappheit<\/a> der Region das Tsch&#xFC;i-Feld irgendwann von selbst vernichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Geisterfahrer am Heroin Highway<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die Situation ist heute mit Sowjetzeiten nicht mehr zu vergleichen. Der Zugang zu Drogen ist viel einfacher geworden. Durch das Internet kannst du heute jegliche Droge ganz einfach online kaufen<\/em>&#x201C;, so der Drogenexperte Robell&#xF3;. Aber nicht nur das Internet, auch die neuen Arten von Drogen und damit einhergehend ver&#xE4;nderte Herstellungsweisen erleichtern die Produktion und den Absatz von Drogen in Zentralasien. Seit einigen Jahren warnen Experten vor vermehrtem Konsum neuer Arten von Drogen in der Region. Und diesmal stammen sie nicht aus Afghanistan, sondern aus dem Westen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Rede ist von synthetischen Drogen, wie Ecstasy zum Beispiel. <em>&#x201E;Diese chemischen Substanzen ahmen psychoaktive Effekte von Cannabis, Heroin oder Kokain nach, werden allerdings in Laboren hergestellt<\/em>. <em>Das hei&#xDF;t, du brauchst nur eine K&#xFC;che um Tausende solcher Pillen herzustellen, keine riesigen Felder f&#xFC;r den Anbau der Pflanzen<\/em>&#x201C;, meint Robell&#xF3;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Drogen werden in Europa, Russland oder China hergestellt und im Internet verkauft. Seit einigen Jahren tauchen diese chemischen Substanzen auch vermehrt in Zentralasien auf. Offizielle Daten zeigen, dass in den letzten sieben Jahren in Kasachstan das Volumen der beschlagnahmten synthetischen Drogen von 165 kg auf 22 Tonnen gestiegen ist. Insbesondere an Grenzregionen zu Russland steigt die Popularit&#xE4;t synthetischer Drogen. Dies deutet auf den russisch-europ&#xE4;ischen Ursprung hin und den entgegengesetzten Drogenfluss vom Westen nach Zentralasien. Der Geisterfahrer am Heroin Highway hei&#xDF;t Ecstasy, Spice oder Crystal Meth.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Neue Generation &#x2013; Neue Trends<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser neue Trend w&#xE4;chst besonders unter jungen Leuten in Ballungszentren. Sie geh&#xF6;ren zur ersten Generation, die aufgrund der Globalisierung mit <em>europ&#xE4;ischen<\/em> Tendenzen in Ber&#xFC;hrung kommt und beginnt, Nachtclubs und Raves nach <em>westlichem<\/em> Vorbild zu besuchen &#x2013; eben mit allem, was dazu geh&#xF6;rt, wei&#xDF; auch der Experte: <em>&#x201E;Es sind vor allem junge Leute in gro&#xDF;en St&#xE4;dten. Einige waren in Europa und haben dort das Nachtleben kennen gelernt. Und wir in Europa konsumieren viele Drogen. Wirklich viele.&#x201C; <\/em>Der moderne Party- und Drogenkult aus Europa h&#xE4;lt sozusagen Einzug in Almaty, Bischkek und Co.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12119\" aria-describedby=\"caption-attachment-12119\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12119\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Party-szene.jpg\" alt=\"Partyszene in Russland\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Party-szene.jpg 800w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Party-szene-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Party-szene-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/Party-szene-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-12119\" class=\"wp-caption-text\">Westliche Partykultur ist auch in Zentralasien angekommen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Genaue Quellen und Hintergr&#xFC;nde dieser neuen Tendenzen sind noch nicht in ausreichendem Ma&#xDF;e verf&#xFC;gbar. Laut Robell&#xF3; bilden diese neuen synthetischen Drogen ein zus&#xE4;tzliches &#x201E;<em>legales Vakuum&#x201C;<\/em>, da Hersteller dieser Pillen konstant die chemischen Verbindungen &#xE4;ndern, um den Nachweis illegaler Substanzen zu erschweren. Es ist daher fast unm&#xF6;glich mit der Dynamik der Drogenherstellung Schritt zu halten. Viel gr&#xF6;&#xDF;ere Probleme erzeugt in Zentralasien allerdings die aus Pflanzen gewonnene Droge Heroin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Einsatz von Opiaten zur Bek&#xE4;mpfung von Aids<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die h&#xE4;ufigste gesundheitliche Nebenwirkung des Heroinkonsums ist das HIV-Virus. Fr&#xFC;her wurden auf der Seidenstra&#xDF;e bereits viele Krankheiten &#xFC;bertragen. Jahrtausende sp&#xE4;ter, scheint dieses Problem den Heroin Highway erneut einzuholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aus dem <em>Global State of Harm Reduction <\/em>Bericht von 2016 geht hervor, dass Zentralasien zu den wenigen Regionen der Welt z&#xE4;hlt, wo HIV-Infizierungen unter Menschen, die Drogen konsumieren, <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistan-zunahme-von-hiv-infektionen-bald-eine-epidemie\/\">stark ansteigen<\/a>. Diese Situation ist allerdings nicht auf erh&#xF6;hten Konsum zur&#xFC;ckzuf&#xFC;hren, &#xE4;rgert sich Robell&#xF3;: <em>&#x201C;Die Tatsache, dass es unter Drogenkonsumenten h&#xF6;here HIV-Raten gibt, bedeutet nicht, dass mehr Menschen Drogen nehmen. Es bedeutet, dass es einfach weniger Ressourcen und Therapieprogramme gibt, die den Menschen helfen, insbesondere faktenfundierte Therapieans&#xE4;tze, welche in Europa ma&#xDF;geblich die HIV Rate verringert haben. Europa ist hier ein gro&#xDF;artiges Beispiel. Zwar konsumieren Patienten weiterhin Opiate. Aber bei uns gibt es Methadon, das hei&#xDF;t, viele spritzen die Opiate nicht mehr, sondern nehmen sie oral ein.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Opiat &#x201E;Methadon&#x201C; ist ein Heroinersatz und wird bei der Heroin-Ersatztherapie angewandt, einer medizinischen Suchtherapie, die nachweislich die Gesundheit der Betroffenen verbessert. W&#xE4;hrend ein abh&#xE4;ngiger Mensch vier bis f&#xFC;nf Mal t&#xE4;glich Heroin spritzen muss, h&#xE4;lt Methadon 24 oder gar 36 Stunden und erleichtert somit den Entzug. Au&#xDF;erdem nehmen die Patienten Methadon oral ein, anstatt durch Spritzen, was das Risiko einer HIV Infizierung enorm reduziert. Diese gesundheitsorientierte Drogenpolitik hat in Europa zu einer drastischen Verringerung drogenverursachter HIV Infektionen gef&#xFC;hrt und wird daher in allen L&#xE4;ndern der EU angeboten. Von den 150.000 Heroinabh&#xE4;ngigen in Deutschland, <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swr2\/programm\/sendungen\/wissen\/methadon\/-\/id=660374\/did=19263174\/nid=660374\/7qlql\/index.html\">werden etwa 77.000 mit dem Ersatzstoff Methadon versorgt<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der schwierige Zugang zu Methadon Ersatztherapien in Zentralasien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Studien haben ergeben, dass Methadon nicht nur der Gesundheit nutzt, sondern auch den Drogenkonsum verringert und somit vielen Suchtpatienten eine R&#xFC;ckkehr in den Alltag erm&#xF6;glicht. Und trotzdem, Turkmenistan und Usbekistan verbieten die Therapie entgegen ihrer nachweislichen positiven Effekte in der Suchtbek&#xE4;mpfung und trotz der ausdr&#xFC;cklichen Empfehlungen der Vereinten Nationen. In Kirgistan, Kasachstan und Tadschikistan gibt es die Methadon- Ersatztherapie zwar, allerdings steht sie in Tadschikistan und Kirgistan laut Studien des Global State of Harm Reduction Reports nur rund f&#xFC;nf Prozent der Betroffenen zur Verf&#xFC;gung, in Kasachstan nur einem Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die gr&#xF6;&#xDF;te Herausforderung f&#xFC;r die Bereitstellung solcher Therapien ist die fehlende Akzeptanz und Bereitschaft von Regierungen. Das Therapieangebot richtet sich nicht nach den Bed&#xFC;rfnissen der Patienten, da Sucht noch nicht als Krankheit anerkannt wird, sondern als ein Verbrechen, und Methadon-Therapien dementsprechend als Tolerierung von Drogen. Aus diesem Grund fehlt es an ausreichendem Zugang zu Therapieangeboten, Ersatzmitteln, und Pr&#xE4;ventionsstellen. Auch gibt es keine legislativen Rahmenbedingungen f&#xFC;r eine gesundheitsorientierte Drogenpolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dies spiegelt sich im Umgang mit Suchtpatienten in der &#xD6;ffentlichkeit wieder. Es gibt etwa ein Registrierungssystem f&#xFC;r Betroffene, das eigentlich Behandlungszwecken dienen sollte, jedoch h&#xE4;ufig dazu benutzt wird, die Suchtkranken unter Kontrolle zu halten f&#xFC;r die <em>&#xF6;ffentliche Sicherheit<\/em>. Aus diesem Grund hat eine Registrierung oft schwerwiegende Folgen f&#xFC;r die Betroffenen: Sie erhalten keinen Arbeitsplatz mehr f&#xFC;r bestimmte Stellen, ihnen wird der F&#xFC;hrerschein verweigert und es gibt sogar Berichte &#xFC;ber Bel&#xE4;stigungen von der Polizei. Aus diesem Grund verweigern Viele die Aufnahme in das Register und nehmen daf&#xFC;r in Kauf, keiner Behandlung unterzogen werden zu k&#xF6;nnen. Auch von Pr&#xE4;ventionsstellen f&#xFC;r Suchtkranke und deren Familien wird h&#xE4;ufig nicht Gebrauch gemacht, aus Angst vor den Konsequenzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12120\" aria-describedby=\"caption-attachment-12120\" style=\"width: 2048px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12120\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k.jpg\" alt=\"Nadel Drogen Kirgistan\" width=\"2048\" height=\"1365\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k.jpg 2048w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k-1300x866.jpg 1300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/01\/9514691057_6c6c75c8c1_k-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-12120\" class=\"wp-caption-text\">Drogenpolitik in Zentralasien ist vor allem Sicherheitspolitik<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Sucht &#x2013; ein Tabu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r den Gro&#xDF;teil der Bev&#xF6;lkerung gelten Drogen weiterhin als Tabu. Dieses Thema geht einher mit <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/hausliche-gewalt-in-kasachstan-ein-tabuthema-wird-angegangen\/\">h&#xE4;uslicher Gewalt<\/a> oder Alkoholismus. Dar&#xFC;ber redet man nicht. Zwischen <em>leichten<\/em> Drogen wie Marihuana und <em>harten<\/em> Drogen wie Heroin wird nicht immer ein Unterschied gemacht, erkl&#xE4;rt Robell&#xF3;: &#x201E;<em>Zur Zeit der Sowjetunion galt Cannabis als &#x201E;b&#xF6;se&#x201C;. Diese Meinung &#xE4;ndert sich nun besonders unter jungen Leuten. F&#xFC;r die &#xE4;ltere Generation allerdings, die noch in der Sowjetunion lebte und aufwuchs, gilt Marihuana als Droge und damit als Tabu.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Grad an Alkoholismus heute ist zwar nicht mit der Zeit der UdSSR zu vergleichen. Dennoch ist auch diese Sucht ein verbreitetes Ph&#xE4;nomen und zeigt neue Entwicklungen auf. Zum Beispiel w&#xE4;chst krankhafter Alkoholkonsum besonders bei jungen Frauen. Der Druck auf sie ist gro&#xDF;, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Familien- und Haushaltsbetreuung als Mutter, der Rolle als gute Ehefrau und Schwiegertochter und gleichzeitig der Bew&#xE4;ltigung des modernen Arbeitslebens. Platz f&#xFC;r ein Scheitern bleibt nicht, best&#xE4;tigt auch der Drogenexperte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Rolle von NGOs <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und internationale Organisationen spielen in der Pr&#xE4;vention, Aufkl&#xE4;rung und Bek&#xE4;mpfung von Drogensucht eine wichtige Rolle. Sie setzten sich f&#xFC;r moderne Therapieformen f&#xFC;r Suchtpatienten in Zentralasien ein. Allerdings haben es NGOs in der Region schwer, da ihre Rolle, unter anderem auch bei der Pr&#xE4;vention und Reduktion von Drogensucht und dem Umgang mit Suchtpatienten, von den Regierungen nicht anerkannt, und daher wenig unterst&#xFC;tzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Kasachstan wurden 2008 zwar erstmals Methadontherapien als ein Pilotprojekt vom <em><a href=\"https:\/\/www.theglobalfund.org\/en\/portfolio\/country\/?loc=KAZ&amp;k=cee65577-bd1c-4508-9205-3972358d659f\">Global Fund<\/a><\/em> gestartet, einem essentiellen internationalen Geldgeber im Bereich der HIV Pr&#xE4;vention. Mittlerweile hat das Gesundheitsministerium Methadon als Therapie akzeptiert und offiziell anerkannt. Allerdings ist das Innenministerium weiterhin dagegen und auch in Beh&#xF6;rden und Sicherheitsapparaten mangelt es nicht an Methadon-Gegnern. Wiederum ist hier das Motto: &#x201E;<em>Wenn eine Droge, egal ob f&#xFC;r medizinische Zwecke, erst einmal erlaubt wird, dann w&#xE4;chst die allgemeine Toleranz gegen&#xFC;ber solcher Substanzen<\/em>.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Krieg gegen die Drogen <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Durch seine Arbeit mit dem <em>Central Asia Drug Action Programme<\/em> (<a href=\"http:\/\/cadap-eu.org\/\">CADAP<\/a>) der Europ&#xE4;ischen Union in Kirgistan, kennt Robell&#xF3; den zentralasiatischen Ansatz im Umgang mit Drogen: <em>&#x201E;Das Drogenph&#xE4;nomen wird immer noch als ein Verbrechen, als nationales Sicherheitsproblem wahrgenommen, nicht als &#xF6;ffentliches Gesundheitsanliegen. Aus diesem Grund kooperieren internationale Programme wie etwa CADAP mit dem Innenministerium, nicht mit dem Gesundheitsministerium. Weil es als ein Sicherheitsproblem eingestuft ist.&#x201C; <\/em><\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-kirgisischen-gefngnisse-zufluchtsort-fur-schwerkriminelle\/\">Die kirgisischen Gef&#xE4;ngnisse &#x2013; Zufluchtsort f&#xFC;r Schwerkriminelle?<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese <em>Kriminalisierung<\/em> des Drogenkonsums war fr&#xFC;her in Europa ebenso &#xFC;blich. Dort gab es in den 60 und 70er Jahren erhebliche Probleme, als die Substanzen neu am Markt auftauchten und es noch keine Strategie im Umgang damit gab. Nach jahrelanger Erfahrung hat Europa allerdings eine Strategie entwickelt. In den 80er Jahren erfolgte &#xA0;eine Kehrtwende, vom Sicherheitsansatz, zum sogenannten<em> Harm Reduction- <\/em>Model. Dieser Ansatz versucht, durch verschiedene Strategien die negativen Konsequenzen, die auf den Konsum von Drogen zur&#xFC;ckzuf&#xFC;hren sind, zu reduzieren. <em>&#x201E;Fr&#xFC;her war das Ziel im Kampf gegen Drogen: totale Abstinenz. Bis man verstanden hat, dass es nicht wirkt, als Leute weiter an HIV starben. So ist man vom Sicherheitsansatz zum Ansatz der Schadensbegrenzung &#xFC;bergegangen. Denn man hat erkannt, dass man Drogen nicht ganz abschaffen kann&#x201C;, <\/em>sagt Robell&#xF3;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der wachsende Einfluss Russlands auf Zentralasien n&#xE4;hrt allerdings die Kriminalisierung der Drogenpolitik in Zentralasien und erh&#xE4;lt sie aufrecht. Denn Russland verfolgt Drogenkonsum sehr scharf, und gilt gleichzeitig als Sicherheitsgarant f&#xFC;r Zentralasien. Da die allgemeine Instabilit&#xE4;t der Region zur Erh&#xF6;hung von Drogenkriminalit&#xE4;t f&#xFC;hrt, wird das Ph&#xE4;nomen h&#xE4;ufig auch in Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung gebracht. Ob tats&#xE4;chlich ein Zusammenhang in Zentralasien besteht, wie es z.B. in Afghanistan der Fall ist, kann noch nicht gesagt werden. Es f&#xFC;hrt aber zur Schlussfolgerung des Problems als ein Sicherheitsanliegen und l&#xE4;sst so den Einfluss Russlands &#xA0;in diesem Bereich steigen. Auch die schwindenden Rechte f&#xFC;r NGOs und deren strengen Kontrollen erschweren eine gesundheitsorientierte Pr&#xE4;ventions- und Therapiearbeit sowie den Harm Reduction- Ansatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Dem Wandel voraus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Obwohl die wachsende Nachfrage an Ecstasy und Co. in St&#xE4;dten wie Almaty oder Bischkek die Ausma&#xDF;e Europas noch nicht erreicht hat, ist es eine Entwicklung, die mit der voranschreitenden Globalisierung nicht lange auf sich warten lassen wird. Der moderne Drogen Highway wird seinen Teil dazu beitragen, dass die Partydrogen ihren Weg in lokale Nachtszenerien finden. Besonders gef&#xE4;hrlich wird die Drogenszene dann, wenn der korrekte Umgang damit und das Wissen &#xFC;ber die Hintergr&#xFC;nde und Risiken fehlen. Der beste Schutz ist immer noch Aufkl&#xE4;rung. Je eher die zentralasiatischen Regierungen einen modernen und offeneren Ansatz zulassen, desto eher k&#xF6;nnen negative Folgen verhindert und vermindert werden. Denn wie Ernest Robell&#xF3;, einer, der sich seit seinem Studium mit dem Thema befasst, sagt: <em>&#x201E;eine Welt ohne Drogen gibt es nicht&#x201C;.<\/em> Wohl aber eine Welt, die sie unter Kontrolle hat und mit den Folgen besser umgehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Julia Tappeiner<br>\nNovastan.org<\/strong><\/p>\n<p>Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">LinkedIn<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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