{"id":11899,"date":"2017-12-17T18:48:26","date_gmt":"2017-12-17T17:48:26","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=11899"},"modified":"2017-12-17T18:48:26","modified_gmt":"2017-12-17T17:48:26","slug":"baumwolle-in-usbekistan-vom-sezessionskrieg-bis-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/baumwolle-in-usbekistan-vom-sezessionskrieg-bis-heute\/","title":{"rendered":"Baumwolle in Usbekistan vom Sezessionskrieg bis heute"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Seit der Sowjetunion ist Usbekistans Wirtschaft abh&#xE4;ngig von der Baumwollproduktion. Die massive Auswanderung und wirtschaftliche Schw&#xE4;che zeugen von den Schwierigkeiten des Landes, sich von dieser Monokultur zu l&#xF6;sen. Folgende Analyse vom <a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/7649#_ftn5\">Central-Asian Analytical Network<\/a> &#xFC;bersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als das Artilleriefeuer am 12. April 1861 auf Fort Summer erschallte, kennzeichnete es nicht blo&#xDF; den Anfang des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sezessionskrieg\">amerikanischen B&#xFC;rgerkriegs<\/a>, sondern setzte auch gro&#xDF;e Umw&#xE4;lzungen in der weltweiten Baumwollindustrie in Gang. Der amerikanische Baumwollexport, der sich damals zu 80% auf Gro&#xDF;britannien beschr&#xE4;nkte, kam zum erliegen. Die Preise schossen in die H&#xF6;he und an allen Enden der Erde, von Australien bis nach Indien und &#xC4;gypten, st&#xFC;rzten die Produzenten sich auf die Baumwollfelder und vernachl&#xE4;ssigten dabei jegliches Getreide und &#xFC;brige Anbaukulturen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Baumwolle war, neben geopolitischem Kalk&#xFC;l, einer der Gr&#xFC;nde f&#xFC;r die Expansionspolitik des russischen Reiches nach Zentralasien. Die Nachfrage im Textilbereich stieg in Russland seit 1860 enorm, weshalb die Gro&#xDF;macht nach neuen Baumwollressourcen zur Befriedigung des heimischen Textilmarktes strebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zentralasien als Zentrum des Baumwollanbaus f&#xFC;r Russland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ende des 19. Jh. brachten der Preisanstieg der amerikanischen Baumwolle, sowie der erschwerte Transport Russland dazu, selbst in die Baumwollproduktion in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Turkestan\">Turkestan<\/a> einzusteigen. Russland strebte danach, die Region zum Baumwollzentrum f&#xFC;r das gesamte Russische Reich zu berufen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Der Norden und Nordosten (Kasachstan und Kirgistan), wo die Klimabedingungen keinen Baumwollanbau erlaubten und die Bev&#xF6;lkerung einen nomadischen Lebensstil pflegte, wurden als Land f&#xFC;r die Bauern-Siedler festgelegt, die aus dem Osten Russlands und der Ukraine kamen. Der S&#xFC;den hingegen, der eine sesshafte Bev&#xF6;lkerung beheimatete, wurde als Zentrum des Baumwollanbaus ernannt, um dem Bedarf der russischen Textilindustrie gerecht zu werden,&#x201C;<\/em> <a href=\"http:\/\/www.centrasia.ru\/news2.php?st=1210739760\">beschreibt<\/a> der Historiker <a href=\"http:\/\/historick.ru\/\">Wjacheslav Baklanow<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nichtsdestotrotz war Zentralasien nicht in der Lage, den gesamten Bedarf der russischen Textilindustrie zu decken, auch weil <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Khanat_Chiwa\">Chiwa<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emirat_Buchara\">Buchara<\/a> noch nicht ganz vom Russischen Reich einverleibt worden waren. Diese beiden Khanate (vergleichbar mit europ&#xE4;ischen F&#xFC;rstent&#xFC;mern &#x2013; Anm. d. Red.) besa&#xDF;en eine fast grenzenlose Selbstbestimmung, obwohl sie zu Russland geh&#xF6;rten. Aus diesem Grund war Russland weiterhin gezwungen, amerikanische Baumwolle zu kaufen. Insgesamt wurden 60% des Bedarfs importiert. 1910 wurde erstmals in Betracht gezogen, Buchara und Chiwa als tats&#xE4;chliche Kolonien zu unterwerfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der erste Weltkrieg und seine Bremswirkung auf russische Bestrebungen&#xA0; <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor allem die russische Presse forderte dazu auf, sich dem&#xA0; franz&#xF6;sischen Kolonialismus in Tunesien anzupassen. In einem Artikel etwa <a href=\"http:\/\/historick.ru\/view_post.php?id=190&amp;cat=15\">hei&#xDF;t es<\/a> &#x201E;<em>ein europ&#xE4;ischer Staat wie Russland muss sich ein Beispiel an Frankreichs Umgang mit Tunesien nehmen und dieses asiatische Barbarenvolk regieren&#x201C;, <\/em>sowie seinen eigenen Vorteil aus dem Potential der F&#xFC;rstent&#xFC;mer ziehen um die Baumwollfelder zu erweitern. Dieses Vorgehen <em>&#x201E;wird dem russischen Baumwollmarkt helfen, sich von der amerikanischen Abh&#xE4;ngigkeit zu befreien&#x201C;<\/em> schreibt Baklanow ins seiner Studie &#xFC;ber Turkestan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Eintritt Russlands in den ersten Weltkrieg verdr&#xE4;ngte allerdings seine Annektierungsbestrebungen. Und so vermochte es Turkestan weiterhin nicht die Unabh&#xE4;ngigkeit Russlands von amerikanischer Baumwolle zu sichern- bis zur Revolution. Erst Anfang der 1930er Jahre, nach dem Sieg &#xFC;ber die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basmatschi\">Basmatschi<\/a> (also nach der definitiven Eroberung Zentralasiens), erlangte Russland, das mittlerweile zur Sowjetunion umbenannt worden war, eine vollst&#xE4;ndige Unabh&#xE4;ngigkeit in der Baumwollproduktion.<strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die wirtschaftliche Unabh&#xE4;ngigkeit- der neue sowjetische Gral <\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die neue russische Autorit&#xE4;t, die Bolschewiken, und insbesondere &#x201E;<em>Lenin ma&#xDF;en der Entwicklung der Baumwollindustrie eine beachtliche Bedeutung zu, indem sie den wirtschaftlichen Wert dieses Industriezweigs auf Augenh&#xF6;he mit jenem der Kohle aus dem Donezk und&#xA0; dem Erd&#xF6;l aus Baku stellten, und die Erreichung der Unabh&#xE4;ngigkeit der Baumwolle f&#xFC;r die Sowjetunion als eine der Hauptvoraussetzungen f&#xFC;r den Erfolg einer sozialistischen Gesellschaft nannten,&#x201C; <\/em>erkl&#xE4;rt Asada Chakimowa in <a href=\"http:\/\/www.dissercat.com\/content\/rol-sovetov-uzbekistana-v-borbe-za-obespechenie-khlopkovoi-nezavisimosti-sssr-i-za-dalneishe\">ihrem Werk<\/a> &#xFC;ber die Rolle des usbekischen Rats in der Erreichung der Unabh&#xE4;ngigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-sowjetische-geschichte-zentralasiens-12\/\">Die sowjetische Geschichte Zentralasiens<\/a><\/strong><em>&#xA0;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Eine vollst&#xE4;ndige technologische und wirtschaftliche Unabh&#xE4;ngigkeit des Landes wurde zu einem Hauptelement in Lenins Plan f&#xFC;r die Umgestaltung des Sozialismus der UdSSR&#x2026;Im Bewusstsein &#xFC;ber die Bedeutung der Baumwollindustrie f&#xFC;r das eigene Wirtschaftswachstum erarbeiteten die kommunistische Partei und die Sowjetunion ein komplexes Wiederaufbauprogramm dieses nationalen Wirtschaftszweigs f&#xFC;r den Zeitraum von 1928 bis 1932. In der Umsetzung dieses Programms spielte Usbekistan als Baumwollzentrum der UdSSR eine besondere Rolle&#x201C;<\/em>, so die Historikerin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Usbekistan als Hauptbaumwollzentrum der UdSSR<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die 1942 entstandene Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik (UsSSR) wurde zum Hauptbaumwollzentrum der Sowjetunion umgestaltet und sollte von nun an die Unabh&#xE4;ngigkeit des Landes im Baumwollsektor garantieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11903\" aria-describedby=\"caption-attachment-11903\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11903 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/16671686389_c983aea85c_o.jpg\" alt=\"Sprungbrunnen Baumwollknospe Taschkent Usbekistan\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/16671686389_c983aea85c_o.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/16671686389_c983aea85c_o-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/16671686389_c983aea85c_o-768x576.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/16671686389_c983aea85c_o-800x600.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-11903\" class=\"wp-caption-text\">Ein Springbrunnen in Form einer Baumwollknospe in der usbekischen Hauptstadt Taschkent<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Ab 1938 wurde mit dem Bau von Bew&#xE4;sserungskan&#xE4;len f&#xFC;r die Baumwollplantagen begonnen, an dem sich sowohl Stadtbewohner wie auch Landbewohner beteiligten. Die Arbeitsweise orientierte sich dabei an nationale Bauarbeiten wie dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Fer_Ferghanakanal\">Gro&#xDF;en Ferghanakanal<\/a>,&#xA0; den n&#xF6;rdlichen und s&#xFC;dlichen Kan&#xE4;len in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ferghanatal\">Ferghana<\/a>, sowie jenen in Taschkent, dem Kanal von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Serafschan\">Serafschan<\/a>, dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karakumkanal\">Karakumkanal<\/a>, dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kattaqo%CA%BBrg%CA%BBon\">Kattak&#xF6;rgon<\/a> Reservoir und vielen weiteren. Es wurden au&#xDF;erdem Entw&#xE4;sserungskan&#xE4;le neu gebaut oder renoviert, sodass der Zustand vieler Sumpfgebiete sich verbesserte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So kam es w&#xE4;hrend der gesamten Zeit der Sowjetunion zu Entw&#xE4;sserungsarbeiten im gro&#xDF;en Stil. Dank des breit angelegten Kanalnetzes wurden weite W&#xFC;stenfl&#xE4;chen Usbekistans in landwirtschaftliche B&#xF6;den umgewandelt und riesige neue Baumwollregionen entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Baumwollindustrie als Motor der Industrialisierung<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Entwicklung der Baumwollindustrie zog auch den Aufschwung der technischen Industrie und den Bau von Infrastruktur in Usbekistan mit sich. Neue Industrieunternehmen entstanden w&#xE4;hrend dieser Zeit, die landwirtschaftliche Produkte, und Maschinen zur Prim&#xE4;rverarbeitung oder zur Ernte von Baumwolle produzierten, darunter S&#xE4;maschinen, industrielle Spinnmaschinen sowie Fabriken zur Erarbeitung von chemischem D&#xFC;nger. F&#xFC;r Usbekistan markierte die Zeit den Beginn einer industriellen &#xC4;ra, denn der Ertrag aus den Baumwollfeldern war enorm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So wandelte sich das Land in eine Baumwollmacht und wurde zu einem wichtigen Zentrum der sowjetischen Baumwollmanufaktur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Aralsee- Opfer der industriellen Entwicklung der Baumwollbranche<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aufgrund der einseitigen Aufmerksamkeit, die man der Baumwollwirtschaft schenkte, fingen die sch&#xE4;dlichen Nebenwirkung mit der Zeit an, das Land zu belasten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese ungewollten Konsequenzen hatten sowohl &#xF6;kologische, wie auch sozio-&#xF6;konomische Folgen. Die ber&#xFC;hmtesten Opfer des usbekischen Baumwollanbaus sind der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aralsee\">Aralsee<\/a>, die von Pestiziden verseuchten B&#xF6;den und von Krankheit befallenen Menschen aufgrund der Pflanzengifte und anderer chemischer Produkte und aufgrund des Einsickerns von Salzeinlagen in der Luft, die sich am Grund des ausgetrockneten Meeresbodens gesammelt haben.<strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-vielen-gesichter-des-aralsees\/\">Gesichter des Aralsees<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die ineffiziente Bew&#xE4;sserung und exzessive Nutzung von Wasserressourcen f&#xFC;hrten zur Austrocknung des Aralsees, der einst der viertgr&#xF6;&#xDF;te See des Welt war und nun zu einer der gr&#xF6;&#xDF;ten Umweltkatastrophen der heutigen Zeit verk&#xFC;mmert ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6747\" aria-describedby=\"caption-attachment-6747\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6747 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/12\/aral1.jpg\" alt=\"Die W&#xFC;ste hat den See ersetzt\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/12\/aral1.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/12\/aral1-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/12\/aral1-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/12\/aral1-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-6747\" class=\"wp-caption-text\">Die W&#xFC;ste hat den Aralsee ersetzt<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dieser Politik entpuppten sich als weitaus gravierender wie anf&#xE4;nglich gedacht und markierten das Schicksal der Usbeken auch nach der erlangten Unabh&#xE4;ngigkeit. Das Land stand nun vor riesigen sozio&#xF6;konomischen Herausforderungen, viele davon ein sowjetisches Erbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wirtschaft ohne verarbeitende Industrie<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Usbekische Wirtschaft wurde zur Monokultur und basierte sich fast ausschlie&#xDF;lich auf den Baumwollanbau. Laut Statistiken aus den 1980ern machte dieser Industriezweig mehr als 65% der usbekischen Gesamtproduktion aus. Doch weniger als 10% der produzierten Baumwolle wurde in Usbekistan auch verarbeitet. Der Gro&#xDF;teil wurde nach Russland exportiert, wo die Leichtindustrie haupts&#xE4;chlich angesiedelt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zur Zeit der UdSSR gab es in der Teilrepublik Usbekistan weder eine Leicht- noch eine Schwerindustrie, mit Ausnahme der Landwirtschaftsmaschinen f&#xFC;r die Ernte der Baumwolle und einiger weniger gro&#xDF;er Industriekomplexe, wie die <em><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tashkent_Mechanical_Plant\">Tashkent Aviation Production Association<\/a><\/em>, die man in den Jahren 1941\/42 von Russland und der Ukraine umsiedeln musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Grund daf&#xFC;r, war der Eintritt der Sowjetunion in den 2. Weltkrieg, ohne den die Autorit&#xE4;ten nie auf die Idee gekommen w&#xE4;ren, eine Fabrik der Luftfahrtindustrie in eine so abgeschiedene Region zu installieren. Die UdSSR betrachtete Usbekistan als einen einfachen Baumwolllieferanten, der nur brauchte, was f&#xFC;r die Ernte n&#xF6;tig war: D&#xFC;nger und Traktoren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Niedrige Lebensstandards<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings war die Baumwolle nicht das einzig exportierte Gut aus Usbekistan. <em>&#x201E;Fast 50% der j&#xE4;hrlichen Goldf&#xF6;rderung der Sowjetunion stammte aus Usbekistan. Trotzdem behielt die Teilrepublik nur 1% des Werts dieser Produktion ein&#x201C;, <\/em>schreibt Baklanow.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Diese ausbeuterische Vorgehensweise nahm kolonialistische Z&#xFC;ge an und widerspiegelte nicht den Geist der Gerechtigkeit, Freundschaft und Br&#xFC;derlichkeit, in dem sich die UdSSR sah, und auch kaum eine sozialistische Kooperation. Gold, seltene Nichteisenmetalle, Uranium und andere strategische Ressourcen wurden mitten in der Nacht unter gro&#xDF;er Verschleierung aus der Republik abtransportiert, fast so wie bei einem Raub&#x201C;, <\/em>hei&#xDF;t es weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Es wurde nicht als n&#xF6;tig befunden, die lokalen Parteiableger und usbekischen Autorit&#xE4;ten dar&#xFC;ber zu informieren. Diese nationale Politik des &#x201E;Leninismus&#x201C; f&#xFC;hrte dazu, dass&#xA0; Usbekistan, trotz seiner Vielfalt an Bodensch&#xE4;tzen, zu einer der &#xE4;rmsten Republiken der Sowjetunion verk&#xFC;mmerte.&#xA0; Der durchschnittliche Lebensstandard erreichte das niedrigste Niveau der gesamten UdSSR. Das Einkommen pro Einwohner war zwei Mal niedriger, wie der Durchschnitt der Sowjetunion: Allgemein betrug das Durchschnittseinkommen 2118 Rubel. In Usbekistan lag es bei 1093 Rubel. Nur Tadschikistan wies ein noch geringeres Einkommen (948 Rubel) auf&#x201C;,<\/em> erkl&#xE4;rt der Historiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Abh&#xE4;ngigkeit des Getreideanbaus<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aufgrund der Vernachl&#xE4;ssigung anderer traditioneller Anbaukulturen zugunsten der Baumwolle, verschlechterte sich die Agrarwirtschaft Usbekistans weiter. Das Land war somit fast vollst&#xE4;ndig Abh&#xE4;ngig von Getreide- und Brotlieferungen aus Russland und anderen traditionellen Getreideanbaugebieten der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut Kahramon Jakubow, dem ehemaligen Vizeminister f&#xFC;r Landwirtschaft der UsSSR, war Usbekistan w&#xE4;hrend der Sowjetzeit gezwungen <em>&#x201E;aufgrund des Ungleichgewichts Grundnahrungsmittel aus anderen Teilrepubliken oder dem Ausland zu importieren &#x2013; Weizen, Kartoffel, Fleisch, Milchprodukte, Eier und Zucker. Aus irgendeinem Grund herrschte damals die Meinung, Usbekistan w&#xFC;rde f&#xFC;r seine Baumwolle ausreichend kompensiert. Das ist ein Mythos. Sicherlich, Taschkent und andere Mono-industriellen St&#xE4;dte wie <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Navoiy\"><em>Nawoj<\/em><\/a><em>, <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Olmaliq\"><em>Olmalik<\/em><\/a><em> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chirchiq\">Tschirtschik<\/a>, profitierten vom sogenannten &#x201E;Schutz der Union&#x201C;; was allerdings die Lebensmittel anging, so lebte das restliche Land in absoluter Armut, und die Personalleistungen reichten nicht aus um die Situation im Land auszugleichen.&#x201C;<\/em> Das hohe Bev&#xF6;lkerungswachstum in urbanen Lebensr&#xE4;umen verst&#xE4;rkte die Probleme zus&#xE4;tzlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die heutige Arbeitsmigraion als Resultat sowjetischer Baumwollkultur<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Selbst das Ph&#xE4;nomen der Arbeitsmigration, heute vielfach mit Usbekistan assoziiert, ist auf die Politik der Sowjetunion und ihrer Baumwollkultur in der damaligen Teilrepublik zur&#xFC;ckzuf&#xFC;hren. Heute hat sich der schlechte Ruf Usbekistans verfestigt, nicht allerdings das Bewusstsein dar&#xFC;ber, dass der &#xDC;berschuss an Arbeitskr&#xE4;ften, der seit der Unabh&#xE4;ngigkeit stetig gewachsen ist, ein Erbe der Sowjetunion ist.&#xA0; Zweifelsfrei liegt ein Teil des Problems an den Fehlern der UdSSR bei der Gestaltung ihres politischen Demografie-Entwurfs.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11904\" aria-describedby=\"caption-attachment-11904\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11904 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/33414230622_193fe4148a_k.jpg\" alt=\"Arbeiter bei der Baumwollernte in Usbekistan\" width=\"1024\" height=\"686\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/33414230622_193fe4148a_k.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/33414230622_193fe4148a_k-300x201.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/33414230622_193fe4148a_k-768x515.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/33414230622_193fe4148a_k-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-11904\" class=\"wp-caption-text\">Arbeiter bei der Baumwollernte in Usbekistan<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch in der Urbanisierung lag Usbekistan gegen&#xFC;ber den anderen Teilrepubliken der Sowjetunion zur&#xFC;ck. Die Urbanisierungsprozesse des Landes wurden durch eine gezielte F&#xF6;rderung der Nachfrage an Arbeitskr&#xE4;ften mit Absicht verlangsamt, um die Spezialisierung Usbekistans im Baumwollanbau zu sichern. Aus diesem Grund siedelte sich die Bev&#xF6;lkerung in ruralen Zonen an, aus denen aufgrund der Monokultur der Baumwolle f&#xFC;r Jahre das Haupteinkommen gesch&#xF6;pft wurde.<strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine baumwollbedingte Demographie <\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Bev&#xF6;lkerungswachstum der Sowjetischen Republik Usbekistan hing unzertrennlich mit dem Bruttoanstieg und der Fl&#xE4;chenerweiterung der Baumwolle zusammen. Ab 1960 beschleunigte sich die Baumwollproduktion und erreichte ihren H&#xF6;hepunkt in den 1980ern. W&#xE4;hrend dieser Zeit hat sich die usbekische Bev&#xF6;lkerung, von 8 Millionen Einwohnern in den 60ern zu 19 Millionen im Jahr 1987, mehr als verdoppelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Somit setzte w&#xE4;hrend der Sowjet&#xE4;ra ein Prozess ein, der dazu f&#xFC;hrte, dass die Bev&#xF6;lkerung schneller wuchs, als die nun vermehrt n&#xF6;tigen Ressourcen f&#xFC;r deren Grundversorgung. Im Jahr 1991 hatte die Bev&#xF6;lkerung die 20 Millionen Grenze bereits erreicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6155\" aria-describedby=\"caption-attachment-6155\" style=\"width: 940px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6155 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2015-10-14.jpg\" alt=\"Rang Usbekistan Baumwolle Ernte Fact\" width=\"940\" height=\"788\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2015-10-14.jpg 940w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2015-10-14-300x251.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2015-10-14-768x644.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-6155\" class=\"wp-caption-text\">Usbekistan ist weltweit vierter Baumwollproduzent<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gibt noch einen wichtigen Faktor. 1989 lebte ein Gro&#xDF;teil der usbekischen Bev&#xF6;lkerung im l&#xE4;ndlichen Raum, w&#xE4;hrend 74% der Russen in St&#xE4;dten lebte. W&#xE4;hrend der Sowjetzeit, waren die Lebensstandards in den St&#xE4;dten deutlich h&#xF6;her als auf dem Land. Jene Teilrepubliken, die einen h&#xF6;heren Anteil an Stadtbewohnern besa&#xDF;en, profitierten daher von einer besseren materiellen Absicherung sowie einem h&#xF6;heren Bildungsniveau. In Usbekistan allerdings war der Urbanisierungsanteil gering, und dementsprechend niedrig auch Modernisierung und Wohlstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zentralistische Baumwollpolitik<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die soziodemografischen Schwierigkeiten verschlimmerten sich und zogen weitere Probleme mit sich. Ende der 1980er Jahre erstarkten in den Teilrepubliken Zentralasiens und insbesondere in einer Reihe von besonders dicht besiedelten Regionen Usbekistans, Tadschikistans und Kirgistans Religiosit&#xE4;t und Nationalismus. Die willk&#xFC;rliche Ansiedlung eines Teils der Bev&#xF6;lkerung in der abgelegenen Peripherie und deren beschr&#xE4;nkte Kenntnisse in der Landnutzung f&#xFC;hrten zu Intoleranz und dem Wunsch, einen islamischen Staat zu gr&#xFC;nden, um sich aus dieser Situation zu befreien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Umst&#xE4;nde ebneten bereits w&#xE4;hrend der Sowjetunion den Weg f&#xFC;r die Entstehung einer armen und weniger gebildeten Bev&#xF6;lkerungsschicht in Usbekistan, die sich st&#xE4;rker mit Traditionen identifiziert. Dadurch wurde Usbekistan die M&#xF6;glichkeit einer gebildeten und auf bestimmte Bereiche spezialisierten Personalentwicklung entbehrt. Der Baumwollsektor h&#xE4;ngt somit untrennbar mit der Entwicklung aller anderen Agrarzweige sowie mit dem Aufschwung von Kultur und Wohlstand in Usbekistan zusammen. Allgemein assoziiert man die Omnipr&#xE4;senz der Baumwolle in der usbekischen Gesellschaft mit dem Begriff <em>Baumwollpolitik<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Zwang zum L&#xE4;ndlichen <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Um die wirtschaftliche Unabh&#xE4;ngigkeit der UdSSR sicherzustellen, schafften die sowjetischen Autorit&#xE4;ten willk&#xFC;rlich ein Monopol der Baumwolle in Zentralasien. Der Anbau von Baumwolle verlangt einen gr&#xF6;&#xDF;eren Arbeitsumfang, wie etwa der Getreideanbau, wodurch die zentralasiatische Bev&#xF6;lkerung mit allen Mitteln gezwungen wurde, in l&#xE4;ndlichen Gebieten zu bleiben&#x201C;, <\/em>beschreibt der Zentralasienforscher Sergej Abaschin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Die gesamte zentralasiatische Industrie und die urbane Kultur sind das Resultat der Zwangsumsiedlungen seit die europ&#xE4;ischen Seite der Sowjetunion sich allm&#xE4;hlich von der Landwirtschaft befreite&#x201C;,<\/em> erkl&#xE4;rt er weiter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11905\" aria-describedby=\"caption-attachment-11905\" style=\"width: 768px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11905 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/IMG_0786.jpg\" alt=\"Ein Weg in Parkent, in der N&#xE4;he von Taschkent\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/IMG_0786.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/IMG_0786-225x300.jpg 225w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/IMG_0786-600x800.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-11905\" class=\"wp-caption-text\">Ein Weg in Parkent, in der N&#xE4;he von Taschkent<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Anders gesagt, der Staat f&#xF6;rderte den Fortbestand einer &#x201E;b&#xE4;uerlichen&#x201C; Gruppe und eine Umwandlung einer anderen &#x201E;b&#xE4;uerlichen&#x201C; Gruppe in eine &#x201E;industrielle&#x201C; Gruppe. Diese Situation wird heute als Indikator &#x201E;ethnischer&#x201C; Unterschiede betrachtet, allerdings entstand er nicht vor dem 20. Jh., sondern zwischen 1940 und 1970.&#xA0; Zu exakt dieser Zeit entstanden die jeweiligen nationalen oder ethnischen Stereotypen, w&#xE4;hrend &#x201E;traditionelle&#x201C; oder &#x201E;moderne&#x201C; Mentalit&#xE4;ten als &#xF6;konomische Strategien angesehen werden k&#xF6;nnen&#x201C;, <\/em>so Abaschin.<em>&#xA0;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die Usbeken, Tadschiken und andere V&#xF6;lker Zentralasiens sind &#x201E;altmodisch&#x201C;, &#x201E;traditionell&#x201C;, tendieren zum &#x201E;Kollektivismus&#x201C; und sind der Natur sehr nahe. Allgemein verk&#xF6;rpern sie dieselben Charakteristika, die w&#xE4;hrend der 1920er und 1930er den Russen und Ukrainern, sowie am Ende des vorherigen Jahrhunderts den Franzosen und Deutschen zugeschrieben werden k&#xF6;nnen<\/em>&#x201C;, beschreibt der Historiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Versteckte Arbeitslosigkeit unter UdSSR-Zeiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Autor beschreibt eine Zeit, in der bereits w&#xE4;hren der Sowjet &#xC4;ra viele Landarbeiter in Arbeitslosigkeit lebten: &#x201E;<em>Laut Angaben des Landesrates von Mindon, einer usbekischen Ortschaft im Ferghanatal, z&#xE4;hlte die Gemeinschaft Anfang 1991 etwa 11.000 Personen, wovon mehr oder weniger 5.000 als besch&#xE4;ftigt galten. 2.500 Personen arbeiteten auf der Kolchose (landwirtschaftlicher Gro&#xDF;betrieb- Anm. d. Red.), also genau die H&#xE4;lfte jener Besch&#xE4;ftigten. Rund 2.000 Mitarbeiter der Kolchose&#xA0; waren Mitglieder der Baumwollbrigaden, d.h. sie arbeiteten direkt in der Landwirtschaftlichen Produktion. Die 500 restlichen Personen wurden als technisches Personal in der Verwaltung eingesetzt, oder als Kinderbetreuer und &#xE4;hnlichem&#x201C;.<\/em><em>&#xA0;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistan-die-unterschtzte-landflucht\/\">Usbekistan &#x2013; die untersch&#xE4;tzte Landflucht<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Das Erstaunlichste daran ist, dass von den 2.000 Mitgliedern der Baumwollbrigaden, nur 60 Arbeiter mehr als 300 Tage im Jahr arbeiteten, die anderen waren alle geringer besch&#xE4;ftigt. Zum Beispiel arbeiteten 600 davon weniger als 50 Tage im Jahr. Eine &#xFC;berw&#xE4;ltigende Mehrheit der Kolchosen-Arbeiter waren nicht mehr als zwei bis drei Jahre in der Baumwollproduktion besch&#xE4;ftigt. Die restliche Zeit arbeiteten diese &#x201E;Landwirtschaftskr&#xE4;fte&#x201C; entweder gar nicht, teilweise als Putzkraft oder inoffiziell in anderen Sektoren au&#xDF;erhalb der Landwirtschaft&#x201C;<\/em>, beschreibt der Forscher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Unabh&#xE4;ngigkeit und das Ende der Illusion<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Es gibt nat&#xFC;rliche Grenzen im Wachstum landwirtschaftlicher Produktion. Noch Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Mindon f&#xFC;r jeden Haushalt um die f&#xFC;nf bis sechs &#xA0;Hektar Anbaufl&#xE4;che. Anfang der 1990er waren es pro Haushalt weniger als ein Hektar, inklusive Privatgrundst&#xFC;cke wie jene der Kolkhosen Arbeiter&#x201C;,<\/em> erkl&#xE4;rt Abaschin den Grund f&#xFC;r die Entstehung von Arbeitsmigration.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Auch wenn man den Anstieg der Ums&#xE4;tze pro Anbaugebiet miteinberechnet, wird ersichtlich, dass sich der aus der Landwirtschaft gezogene Nutzen in den letzten Jahren schrittweise verringert hat. Das bedeutet, die Bev&#xF6;lkerung ist darauf angewiesen, &#xFC;ber Mindon hinaus Arbeit zu finden. Die &#xDC;berbev&#xF6;lkerung in den Landwirtschaftsgebieten hat eine kritische H&#xFC;rde erreicht und die einheimische Bev&#xF6;lkerung Zentralasiens verl&#xE4;sst nach und nach den Landwirtschaftssektor zugunsten anderer wirtschaftlicher Bereiche. Das ist ein entscheidender Faktor, der die Migrationsprozesse der zentralasiatischen Bev&#xF6;lkerung nach Russland in Gang gesetzt hat&#x201C;,<\/em> beschreibt der Forscher.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11906\" aria-describedby=\"caption-attachment-11906\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11906 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/6490991793_ab71345699_z.jpg\" alt=\"Ein junger Usbeke im Dorf Ajaktschi\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/6490991793_ab71345699_z.jpg 640w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/6490991793_ab71345699_z-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/12\/6490991793_ab71345699_z-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-11906\" class=\"wp-caption-text\">Ein junger Usbeke im Dorf Ajaktschi<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Die sozio-&#xF6;konomischen, demografischen, kulturellen und arbeitsmarktbezogenen Probleme von Heute h&#xE4;ngen zum Gro&#xDF;teil mit der sowjetischen Transformationspolitik Usbekistans in eine Monoindustrie zusammen. Diese zu l&#xF6;sen ist nicht einfach und bedarf enormer Anstrengungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Zukunft der Baumwollkultur h&#xE4;ngt von der Energie ab<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Konsequenzen wieder gut zu machen und zur Liste der entwickelten L&#xE4;nder aufzuschlie&#xDF;en, muss Usbekistan langfristig denken und verst&#xE4;rkt auf Modernisierung und Urbanisierung des Landes setzten. Au&#xDF;erdem ist es wichtig, sich auf erneuerbare Energien zu st&#xFC;tzen, um so die Abh&#xE4;ngigkeit von traditionellen Energiequellen wie Kohle und Gas zu reduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/goldene-zeiten-fur-das-weie-gold-in-usbekistan\/\">Goldene Zeiten f&#xFC;r das &#x201E;wei&#xDF;e Gold&#x201C; in Usbekistan<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zur H&#xE4;lfte des 21. Jahrhunderts werden die Rohstoffvorkommen der zentralasiatischen Republik, die w&#xE4;hrend der Sowjet&#xE4;ra entdeckt wurden, aufgebraucht sein. Die Zukunft der Baumwollindustrie ist ebenso ungewiss. Nach Erlangung seiner Unabh&#xE4;ngigkeit verringerte Usbekistan die Baumwollproduktion, um Jene im Lebensmittelbereich wiederzubeleben und somit die Grundnahrungsmittel f&#xFC;r die Bev&#xF6;lkerung sicher zu stellen. Nichtsdestotrotz k&#xF6;nnte die Entwicklung der Baumwollkultur und Landwirtschaft in Zukunft auf unvorhersehbare Schwierigkeiten sto&#xDF;en, etwa durch die Umsetzung hydroelektrischer Projekte der Nachbarl&#xE4;nder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Auf dem Weg zu erneuerbaren Energien?<\/strong><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Von diesem Standpunkt aus w&#xE4;re Usbekistan besser darin beraten, auf erneuerbare Energien zu setzen. In Deutschland zum Beispiel wird 8% der Elektrischen Energie aus Windparks und 5% der Energie aus Solaranlagen gewonnen. Der Anteil erneuerbarer Energien in der Herstellung elektrischer Energie ist f&#xFC;r Deutschland zwar noch nicht stark entwickelt, allerdings ist der Elektrizit&#xE4;tsverbrauch in Usbekistan zehn mal geringer, wie jener im hyper-industrialisierten Deutschland. Dies macht nochmal die Rolle deutlich, die erneuerbare Energien in der zentralasiatischen Republik spielen k&#xF6;nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Land muss au&#xDF;erdem auf eine weitere unersch&#xF6;pfliche Ressource setzten: Das menschliche Kapital. Usbekistan muss lernen, wie es seine Bewohner f&#xF6;rdern kann, um ihr Potential zu verbessern, ihren Ertrag, ihr Wissen und ihre Kompetenzen damit sie zum Hauptfaktor seiner Entwicklung werden k&#xF6;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Nurali Mingbajew<br>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/7649#_ftn5\"><strong>Central Asian Analytical Network<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>&#xA0;<\/strong><strong>Aus dem Russischen von Julia Tappeiner<\/strong><\/p>\n<p>Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. F&#xFC;r Zentralasien direkt in Eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr Euch auch zu unserem&#xA0;<a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Sowjetunion ist Usbekistans Wirtschaft abh&#xE4;ngig von der Baumwollproduktion. Die massive Auswanderung und wirtschaftliche Schw&#xE4;che zeugen von den Schwierigkeiten des Landes, sich von dieser Monokultur zu l&#xF6;sen. Folgende Analyse vom Central-Asian Analytical Network &#xFC;bersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Als das Artilleriefeuer am 12. April 1861 auf Fort Summer erschallte, kennzeichnete es nicht [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":459,"featured_media":11901,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[1316,1413,1575,1541,1233,1289,751],"coauthors":[2430,2407],"class_list":["post-11899","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-usbekistan","tag-baumwolle","tag-geschichte","tag-landwirtschaft","tag-russisches-reich","tag-sowjetunion","tag-usbekistan","tag-wirtschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/459"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11899"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11899\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11899"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=11899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}