{"id":11556,"date":"2017-11-24T11:48:05","date_gmt":"2017-11-24T10:48:05","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=11556"},"modified":"2024-02-22T20:48:48","modified_gmt":"2024-02-22T19:48:48","slug":"russlands-einfluss-in-zentralasien-medien-bildung-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/russlands-einfluss-in-zentralasien-medien-bildung-kultur\/","title":{"rendered":"Russlands Einfluss in Zentralasien: Medien, Bildung, Kultur"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marina Zhir-Lebed, Doktorandin an der Otto-Friedrich-Universit&#xE4;t Bamberg, erforscht in ihrer Dissertation die Wechselbeziehungen zwischen der Bildung einer nationalen Identit&#xE4;t und dem Gebrauch sozialer Medien am Beispiel Kasachstans. Im Interview mit <\/strong><strong>Central-Asian Analytical Network (<a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/10774\">CAAN<\/a>)<\/strong><strong>, das wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen, spricht sie &#xFC;ber die Parameter russischer &#x201E;<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/177268\/soft-power\">Soft Power<\/a>&#x201C;.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>CAAN: <\/strong><strong>Wenn man die Kulturpolitik der &#x201E;traditionell&#x201C; in Zentralasien aktiven Akteure wie Russland, der USA, China, der T&#xFC;rkei, Japan und S&#xFC;dkorea analysiert, wirken sie dann nicht wie die Teilnehmer eines &#x201E;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Great_Game\">The Great Game<\/a>&#x201C; (Das Gro&#xDF;e Spiel, Anm. d. Red.), in dem sich alle gegen&#xFC;berstehen? Im Rahmen Ihrer Forschungen haben Sie sich mit der Politik der Europ&#xE4;ischen Union in Zentralasien besch&#xE4;ftigt. Gibt es ein &#x201E;Great Game&#x201C; in der kulturell-humanit&#xE4;ren Sph&#xE4;re der Region?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marina Zhir-Lebed<\/strong>: Meiner Meinung nach zeichnet sich ein solches &#x201E;Gro&#xDF;es Spiel&#x201C; im kulturell-humanit&#xE4;ren Kontext Zentralasiens kaum ab. Dies h&#xE4;ngt vor allem damit zusammen, dass die aktive Pr&#xE4;senz Russlands im kulturellen-humanit&#xE4;ren Bereich im Hintergrund erfolgt, sowohl was die zentralasiatischen Staatsoberh&#xE4;upter angeht als die Bev&#xF6;lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland betrachtet sich als Besch&#xFC;tzer eines mit Zentralasien gemeinsamen humanit&#xE4;ren Raums, indem es in erster Linie die gemeinsame Geschichte sowie die Rolle der russischen Sprache in Zentralasien anf&#xFC;hrt. Unter dem Deckmantel von <a href=\"http:\/\/drf-berlin.de\/?q=ru\/rossotrudnitschestwo-0\">Rossotrunitschestwo<\/a> (der russischen staatlichen Agentur f&#xFC;r humanit&#xE4;re Zusammenarbeit, Anm. d. &#xDC;.) versucht Russland, die Idee einer &#x201E;Russischen Welt&#x201C; zu verbreiten, indem zum Beispiel Russische Zentren er&#xF6;ffnet werden oder AbiturientInnen aus zentralasiatischen L&#xE4;ndern die M&#xF6;glichkeit erhalten, in Russland zu studieren. Die zentralasiatischen Staaten haben offiziell nichts dagegen und unterst&#xFC;tzen dies sogar im Rahmen gutnachbarlicher Beziehungen. Aber parallel dazu bauen sie die humanit&#xE4;ren Beziehungen mit der westlichen Welt aus. So werden westliche Bildungsstandards an zentralasiatischen Universit&#xE4;ten eingef&#xFC;hrt und verschiedene Bildungsprogramme wie Erasmus oder die Programme des DAAD unterst&#xFC;tzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8956\" aria-describedby=\"caption-attachment-8956\" style=\"width: 3228px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8956\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/05\/Auf-B&#xE4;umen-Chaos-Dichten-1.jpg\" alt=\"Kirgisische Studenten DAAD Workshop Balasagyn Universit&#xE4;t\" width=\"3228\" height=\"1493\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/05\/Auf-B&#xE4;umen-Chaos-Dichten-1.jpg 3228w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/05\/Auf-B&#xE4;umen-Chaos-Dichten-1-300x139.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/05\/Auf-B&#xE4;umen-Chaos-Dichten-1-768x355.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/05\/Auf-B&#xE4;umen-Chaos-Dichten-1-1024x474.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/05\/Auf-B&#xE4;umen-Chaos-Dichten-1-1300x601.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 3228px) 100vw, 3228px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-8956\" class=\"wp-caption-text\">Teilnehmer eines Workshops des DAAD an der Kirgisischen Nationalen Balasagyn Universit&#xE4;t<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abseits des Politischen muss die sowjetische Vergangenheit und die &#xC4;hnlichkeit der Breitenkultur in Russland und Zentralasien hervorgehoben werden. In Zentralasien lebt eine gro&#xDF;e russische Diaspora, die im strategischen Interesse Russlands liegt, was die Russische F&#xF6;deration deutlich von anderen Akteuren in der Region unterscheidet. Dar&#xFC;ber hinaus beherrscht der Gro&#xDF;teil der Bev&#xF6;lkerung in den zentralasiatischen Staaten die russische Sprache und verf&#xFC;gt mit den Russen &#xFC;ber gemeinsame kulturelle Codes, weswegen sich Russland als untrennbar mit Zentralasien verbunden wahrnimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch werden auch in Zentralasien vor allem russische Medieninhalte konsumiert. Sowohl bei den Massenmedien als auch in den sozialen Netzwerken dominieren Informationen aus Russland ohne nennenswerte Konkurrenz. In der Folge steht die Bev&#xF6;lkerung der zentralasiatischen Republiken unter dem Einfluss des innerrussischen politischen Diskurses, der oft mit der &#xDC;berh&#xF6;hung der Geschichte und der Suche nach ideologischen Feinden einhergeht. Aber dennoch gibt es gerade bei der Jugend Zentralasiens ein Streben nach westlichen Standards und neoliberalen Werten, allerdings in einem Ausma&#xDF;, das die kulturelle Position Russlands in Zentralasien kaum gef&#xE4;hrden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nutzt Russland diesen Einfluss, damit die russische Diaspora nicht vergisst, dass es eine &#x201E;historische Heimat&#x201C; gibt oder zielt er auf die gesamte Bev&#xF6;lkerung der zentralasiatischen Staaten ab? Welche der beiden Optionen hat f&#xFC;r Russland Priorit&#xE4;t?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&#xFC;r Russland ist es wichtig, eine mindestens loyale Bev&#xF6;lkerung in Zentralasien zu haben. Dies ist sowohl mit der Bedrohung durch den radikalen Islam als auch mit wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Interessen verbunden. So hat Russland beispielsweise vorgeschlagen, in die syrischen Deeskalationszonen auch Soldaten aus Kasachstan und Kirgistan zu senden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au&#xDF;erdem zeigt das Beispiel der Ukraine, dass die russischsprachige Diaspora bei der Realisierung russischer au&#xDF;enpolitischer Strategien n&#xFC;tzlich sein kann. Das Ziel Russlands ist es, die Idee der &#x201E;russischen Welt&#x201C; zu verfestigen, auch in Zentralasien. Es geht hier also nicht nur um ein &#x201E;historische Heimat&#x201C;, sondern um eine &#x201E;gro&#xDF;e historische Vergangenheit&#x201C;, die den Angeh&#xF6;rigen der Diaspora das Gef&#xFC;hl gibt zu einem &#x201E;gro&#xDF;en Volk&#x201C; zu geh&#xF6;ren. Andererseits wird so das Risiko ethnischer Konflikte in Zentralasien erh&#xF6;ht, die die Pl&#xE4;ne Russlands in der Region potenziell bedrohen w&#xFC;rden. Deswegen ist es in Russlands Interesse, die Balance zu wahren, die aber in erster Linie von seinen weiteren Priorit&#xE4;ten abh&#xE4;ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Als einfacher Beobachter kann ich sagen, dass die russischen Medieninhalte mich wenig beeindrucken. Es gibt Krimiserien und die ewig schreienden Redner in Politik-Talkshows, aber keine positiven Erz&#xE4;hlungen, die dazu geeignet sind, eine Begeisterung f&#xFC;r Russland hervorzurufen. Mir scheint, dass der Eindruck t&#xE4;uscht, dass Russland aufgrund seiner medialen Vormacht mehr geliebt und geachtet wird. Der Inhalt ist vielmehr auf die eigenen Staatsb&#xFC;rgerInnen ausgerichtet. <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/\">Russia Today<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.sputniknews.com\/\">Sputnik<\/a> sind da nat&#xFC;rlich Ausnahmen, aber das, was wir sehen, ist doch haupts&#xE4;chlich f&#xFC;rs Inland bestimmt. Was meinen Sie dazu?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben Recht damit, dass die russischen Sender und sozialen Medien sich in erster Linie an russische Staatsb&#xFC;rgerInnen richten. Ihr Inhalt richtet sich nicht direkt an die Menschen in Zentralasien, kann aber von ihnen als Teil des gemeinsamen kulturellen Codes betrachtet werden. Wenn zum Beispiel Russland sich den USA gegen&#xFC;berstellt und das Bild eines Feindes zeichnet, so kann dies auch einen Effekt auf die Menschen in Zentralasien haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine andere Frage ist, wie die MediennutzerInnen in Zentralasien mit den erhaltenen Informationen umgehen. Und hier ist es meiner Meinung nach wichtig, den sozio&#xF6;konomischen und kulturellen Hintergrund zu beachten. Abgesehen davon gibt es eine Tendenz, dass eine Folge des Konsums russischer Medieninhalte eine wachsende Sympathie f&#xFC;r das russische Volk und die russische Sprache ist, w&#xE4;hrend sich dies in Bezug auf Russland als Staat eher andersherum verh&#xE4;lt. Hier greifen die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Filterblase\">Informationsblasen<\/a>-Theorie sowie der <a href=\"http:\/\/luhmann.uni-trier.de\/index.php?title=Uses-and-Gratifications-Ansatz\">Nutzen-und-Belohnungs-Ansatz<\/a> (Uses and Gratifications Approach), da die Jugend &#x2013; und dies ist die zahlenm&#xE4;&#xDF;ig st&#xE4;rkste Bev&#xF6;lkerungsgruppe &#x2013; soziale Medien dem Fernsehen vorzieht und sich so seine eigene Sicht bildet. Deswegen kann es hier keine Erfolgsgarantie geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erz&#xE4;hlen Sie uns &#xFC;ber die KasachstanerInnen, die zum Studieren nach Russland gehen. Laut Statistik ist ihre Zahl seit der Unabh&#xE4;ngigkeit stabil. Man h&#xF6;rt, dass russische Hochschulen in den Regionen Kasachstans qualitativ hochwertige Rekrutierungskampagnen fahren. Wie ergeht es unserer Jugend in Russland und wie beeinflusst das ihre Beziehung zum Nachbarland? Stellt die Ausbildung in Russland eine Art von Soft Power dar?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russische Hochschulen ziehen seit jeher AbiturientInnen aus Zentralasien an, vor allem aus Kasachstan. Die geografische und kulturelle N&#xE4;he sowie der Zugang zur russischen Sprache spielen hier ihre Rolle. Ein russisches Diplom erh&#xF6;ht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Zugang zu russischen Hochschulen wurde erleichtert und Rossotrudnitschestwo vergibt Stipendien, deren Zahl sich in den letzten paar Jahren verdoppelt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein ist Bildung an sich ein klassisches Instrument der Sozialisierung und stellt somit auch Soft Power dar. Insbesondere Russland geht offen damit um, dass es auf die Akquisition von Studierenden, unter anderem aus der <a href=\"http:\/\/www.dekoder.org\/de\/gnose\/gemeinschaft-unabhaengiger-staaten\">Gemeinschaft unabh&#xE4;ngiger Staaten (GUS)<\/a> abzielt. Immer mehr russische Universit&#xE4;ten nehmen an Bildungsmessen in den (kasachstanischen, Anm. d.&#xDC;.) Regionen teil. Au&#xDF;erdem muss man anmerken, dass allein in Kasachstan sechs Filialen russischer Hochschulen, an denen nach russischem Lehrprogramm unterrichtet wird, existieren. In Kirgistan und Tadschikistan gibt es die Slawische Universit&#xE4;t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die kasachstanischen Studierenden in Russland betrifft, so beeinflusst ihre Ausbildung in der Russischen F&#xF6;deration auch ihre Weltsicht. Indem sie sich im Land befinden, werden sie auch von Traditionen und Regeln beeinflusst, die sie selbst wieder unter FreundInnen und Verwandten verbreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Gibt es die Sorge, dass Zentralasien sich ver&#xE4;ndert und sich aus dem postsowjetischen Raum herausl&#xF6;st? Wenn es diese Sorge gibt, k&#xF6;nnte das bedeuten, dass Russland sein jetziger Einfluss nicht reicht. Andererseits ist auch das Budget Russlands nicht unersch&#xF6;pflich, sodass nicht jedem Wunsch nach Soft Power in der Region nachgegeben werden kann.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gefahr, dass sich Zentralasien aus dem postsowjetischen Raum l&#xF6;st, sehe ich nicht. Erst einmal kann man nicht von gr&#xF6;&#xDF;eren Ver&#xE4;nderungen reden. Auch wenn verschiedene ForscherInnen nach dem Maidan die Ambitionen Russlands in anderen postsowjetischen L&#xE4;ndern besprochen haben, ist die Situation in Zentralasien offensichtlich eine andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/kommt-der-maidan-nach-zentralasien-die-auswirkungen-des-umsturzes-in-der-ukraine\/\">Kommt der Maidan auch nach Zentralasien? Die Auswirkungen des Umsturzes in der Ukraine auf Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verhandlungen &#xFC;ber die Erweiterung der Eurasischen Wirtschaftsunion laufen, wenn auch langsam. Russische Gesetzte, die auf die Unterst&#xFC;tzung des Traditionalismus gerichtet sind, werden von den zentralasiatischen Republiken &#xFC;bernommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn der Einfluss Chinas in der Region w&#xE4;chst, so widerspricht das kaum den russischen Interessen. Sowohl f&#xFC;r Chinas als auch f&#xFC;r Russland sind stabile politische Regime, &#xF6;konomisches Wachstum und eine weltlich orientierte Regierung wichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube nicht, dass Russland anf&#xE4;ngt, seine Strategie zu &#xE4;ndern, solange der Diskurs &#xFC;ber die &#x201E;gro&#xDF;e sowjetische Vergangenheit&#x201C; und die russische Sprache durch Fernsehen, soziale Netzwerke und Sommerschulen zur Eurasischen Integration Zugang zu den BewohnerInnen Zentralasiens finden. Dieses Modell funktioniert prima und ich denke, dass Russland auch weiterhin seinen kulturellen Einfluss auf diesem Weg ausweiten wird. Und Sie haben Recht, dass auch wenn aus diesen oder jenen Gr&#xFC;nden die Ambitionen Russlands in der Region wachsen, die Frage der Finanzierung eine entscheidende Rolle spielen wird, zumal der Westen seine Sanktionen Russland gegen&#xFC;ber verl&#xE4;ngert und auch die &#xD6;lpreise weit entfernt von ihren besten Tagen sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10175\" aria-describedby=\"caption-attachment-10175\" style=\"width: 761px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10175\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Arbeitsamt.jpg\" alt=\"Arbeitsamt Schymkent\" width=\"761\" height=\"514\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Arbeitsamt.jpg 761w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Arbeitsamt-300x203.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Arbeitsamt-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10175\" class=\"wp-caption-text\">Schlange am Arbeitsamt Schymkent in Kasachstan. F&#xFC;r viele Kasachen ist eine Arbeit in Russland ein Ausweg aus der finanziellen Krise<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Auch wenn Russland und China an Stabilit&#xE4;t in der Region interessiert sind, gibt es dennoch eine Rivalit&#xE4;t im politischen und wirtschaftlichen Bereich. In Bezug auf Soft Power meinen aber viele ExpertInnen, dass China Russland nicht &#xFC;berholen wird, da die chinesische Kultur, Sprache und Mentalit&#xE4;t eine andere und Russland den ZentralasiatInnen folglich n&#xE4;her ist. Wenn man in Betracht zieht, wie schnell China lernt und &#xFC;ber welche finanziellen M&#xF6;glichkeiten und wirtschaftliche Pr&#xE4;senz es verf&#xFC;gt, kann man nicht zum Schluss gelangen, dass sich die Situation nicht zu Gunsten Russlands entwickelt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran, dass China versucht, seine Position mit Soft Power zu festigen, besteht kein Zweifel. Das Konfuzius-Institut, das chinesische &#xC4;quivalent zu Goethe-Institut oder British Council, hat zum Ziel, die chinesische Sprache und Kultur zu verbreiten. Es arbeitet auf der ganzen Welt, so auch in allen zentralasiatischen Republiken. In einem gewissen Ma&#xDF; erm&#xF6;glicht es das Interesse an China zu erh&#xF6;hen. Stipendien und alternative Studienprogramme aus China locken immer mehr AbiturientInnen und Studierende aus Zentralasien an. Aber im Vergleich zu einer Ausbildung in Russland steht jene in China weniger hoch im Kurs, was mit sprachlichen H&#xFC;rden verbunden ist. Im Bereich des Handels ist die Nachfrage nach Arbeitskr&#xE4;ften, die die chinesische Sprache beherrschen und die Besonderheiten der chinesischen Kultur kennen, kein Massenph&#xE4;nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teilweise tritt man China in Zentralasien mit Argwohn gegen&#xFC;ber. Ein Beispiel hierf&#xFC;r ist die Reaktion auf die Reform des Landrechts in Kasachstan, die einen weitgehend antichinesischen Charakter trug. Das wiederum verbessert das Ansehen Russlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Wie ist die Situation der zentralasiatischen ArbeitsmigrantInnen, die in Russland leben? Haben Sie Daten dazu, ob und wie sich ihre Wahrnehmung vor und nach der Arbeit in Russland &#xE4;ndert? Sind sie ein Art Agent, der nach der R&#xFC;ckkehr in die Heimat f&#xFC;r eine weitere Ann&#xE4;herung und kulturelle Zusammenarbeit eintritt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Thema Arbeitsmigration in Russland ist vielseitg und wenn man &#xFC;ber Migration aus Zentralasien redet, ist es wichtig, zu differenzieren, worum genau es geht. In letzter Zeit ist die Zahl der legalen MigrantInnen mit einer Arbeitserlaubnis f&#xFC;r die Russische F&#xF6;deration signifikant gestiegen und umfasst 1,5 Millionen Menschen. Die Folge ist aber auch eine strengere Migrationsgesetzgebung. Viele Menschen aus Zentralasien kommen mit dem Ziel nach Russland, sich beruflich selbst zu verwirklichen und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Sie sind bereit, b&#xFC;rokratische Hindernisse zu &#xFC;berwinden, zahlen Geld f&#xFC;r die Genehmigung ihrer Gesch&#xE4;ftst&#xE4;tigkeit und stimmen somit den russischen Spielregeln zu. Viele von ihnen erhalten das Aufenthaltsrechts oder sogar die Staatsb&#xFC;rgerschaft und holen ihre Familien nach Russland. Eine aktive Integration in die russische Gesellschaft ist eine Erfolgsgew&#xE4;hr f&#xFC;r viele legale MigrantInnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus wirtschaftlicher Sicht ist Russland an dieser Art der Migration interessiert, zumal sie au&#xDF;erdem die gewohnte Position des Kolonialherren in der Region wahrt. So ruft die Stiftung <a href=\"http:\/\/www.dekoder.org\/de\/gnose\/russki-mir\">Russki Mir<\/a> (zu deutsch: Russische Welt) &#xA0;dazu auf, &#x201E;Auswanderern aus Zentralasien&#x201C; die russische Sprache zu lehren und ihnen bei Erlernen neuer Berufe zu helfen, wobei niedrigqualifizierte MigrantInnen aus Kirgistan &#x201E;Zuwanderern&#x201C; aus China als das geringere &#xDC;bel gegen&#xFC;bergestellt werden. Obwohl die Mehrheit von ihnen ihre Zukunft in Russland und nicht in der Heimat sieht, k&#xF6;nnen sie &#xFC;ber die sozialen Medien dennoch f&#xFC;r eine weitere Ann&#xE4;herung und kulturelle Zusammenarbeit eintreten. Durch aktive Teilnahme in Gruppen auf <a href=\"https:\/\/vk.com\/\">Vkontakte<\/a> (das russische Facebook-&#xC4;quivalent, Anm. d. &#xDC;.), Skype-Gespr&#xE4;che mit Verwandten oder ausschlie&#xDF;lich positive Bilder auf Instagram, k&#xF6;nnen legale und hochqualifizierte MigrantInnen ein positives Russlandbild verbreiten, das in der Folge die Vorstellungen der B&#xFC;rgerInnen Zentralasiens beeinflusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was jedoch die illegalen MigrantInnen betrifft, f&#xFC;r die die Arbeit in Russland eine Notwendigkeit ist und die die R&#xFC;ckkehr in die Heimat planen, so ist bei ihnen die Situation v&#xF6;llig anders. Laut j&#xFC;ngerer soziologischer Umfragen ist die Mehrheit der RussInnen den MigrantInnen aus Zentralasien gegen&#xFC;ber negativ eingestellt und leider verst&#xE4;rkt sich diese Tendenz von Jahr zu Jahr. Nat&#xFC;rlich kann Diskriminierung legale wie illegale MigrantInnen treffen, aber gerade illegale MigrantInnen, m&#xFC;ssen sich angesichts ihres Status damit abfinden. H&#xE4;ufig genug bilden sie geschlossene ethnische Gemeinschaften und haben wenig Kontakt mit RussInnen, woraus die Bildung sozialer Stereotype und eine Teilung in &#x201E;wir&#x201C; und &#x201E;sie&#x201C; resultiert. Diese MigrantInnen k&#xF6;nnen auch &#xFC;ber die sozialen Netzwerke ihre Eindr&#xFC;cke von Russland teilen. Nur erscheinen diese in einem v&#xF6;llig anderen Licht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Mit Marina Zhir-Lebed sprach <a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/author\/rafael-sattarov\">Rafael Sattarow<\/a><\/strong><br>\n<strong> <a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/10774\">Central Asian Analytical Network<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">LinkedIn<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem&#xA0;<a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marina Zhir-Lebed, Doktorandin an der Otto-Friedrich-Universit&#xE4;t Bamberg, erforscht in ihrer Dissertation die Wechselbeziehungen zwischen der Bildung einer nationalen Identit&#xE4;t und dem Gebrauch sozialer Medien am Beispiel Kasachstans. Im Interview mit Central-Asian Analytical Network (CAAN), das wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen, spricht sie &#xFC;ber die Parameter russischer &#x201E;Soft Power&#x201C;. &#xA0; CAAN: Wenn man die [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":459,"featured_media":8881,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[1619,1197,2437,2436,1253,2435,1211],"coauthors":[2430],"class_list":["post-11556","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","tag-arbeitsmigranten","tag-identitat","tag-marina-jir-lebed","tag-nationalismus","tag-russland","tag-soft-power","tag-zentralasien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/459"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11556"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38442,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11556\/revisions\/38442"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11556"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=11556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}