{"id":10713,"date":"2017-09-20T10:56:36","date_gmt":"2017-09-20T08:56:36","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=10713"},"modified":"2024-02-21T20:48:36","modified_gmt":"2024-02-21T19:48:36","slug":"die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute\/","title":{"rendered":"Die j\u00fcdische Minderheit in Zentralasien &#8211; Wie lebt sie heute?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Judentum ist in Zentralasien wenig verbreitet, seit dem Ende der Sowjetunion fallen die Gemeinschaften in der Region deutlich kleiner aus. Das Internetmagazin The Open Asia <a href=\"http:\/\/theopenasia.net\/articles\/detail\/malenkie-religii-tsa-kak-zhivut-iudei-v-regione\/\">bietet einen &#xDC;berblick<\/a> &#xFC;ber j&#xFC;dische Gemeinschaften in der Region, den wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Judentum\">Judentum<\/a> ist die &#xE4;lteste der heute existierenden Religionen, eine traditionelle monotheistische Glaubenslehre, die verschiedenen Sch&#xE4;tzungen nach circa 13,5 Millionen Anh&#xE4;nger*innen in der ganzen Welt hat. Zahlenm&#xE4;&#xDF;ig handelt es sich also keinesfalls um eine kleine Religion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings sind J&#xFC;d*innen nicht nur eine religi&#xF6;se, sondern auch eine ethnoreligi&#xF6;se Gruppe. Jeder Mensch, der zum Judentum konvertiert, wird Teil des j&#xFC;dischen Volkes, unabh&#xE4;ngig davon, welcher Ethnie er von Geburt an angeh&#xF6;rt. Missionierung ist f&#xFC;r das Judentum nicht nur un&#xFC;blich, sondern verboten. &#xDC;bertritte zum Judentum gibt es zwar, allerdings selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aus diesen Gr&#xFC;nden ist das Judentum in Zentralasien nicht weit verbreitet. Dennoch gibt es hier j&#xFC;dische Gemeinden, wie ein Besuch in Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan zeigen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">Kasachstan<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Der 12. August 2017 war f&#xFC;r die j&#xFC;dische Gemeinde Kasachstans ein wichtiger Tag, denn an ihm feierte sie das 20-j&#xE4;hrige Jubil&#xE4;um der Zentralsynagoge Kasachstans. Und obwohl es sich um keinen religi&#xF6;sen Feiertag handelte, war es dennoch ein Tag von Bedeutung, denn diese Synagoge war die erste, die nach dem Zerfall der Sowjetunion in Zentralasien gebaut wurde. Bis dahin trafen sich die Gemeinden f&#xFC;r gew&#xF6;hnlich in umgebauten Wohnh&#xE4;usern zum Gebet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10717\" aria-describedby=\"caption-attachment-10717\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10717\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-1024x682.jpg\" alt=\"Synagoge Kasachstan Almaty\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10717\" class=\"wp-caption-text\">Die Zentralsynagoge Kasachstans befindet sich in Almaty<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Synagoge ist ein besonderer, ein heiliger Ort f&#xFC;r J&#xFC;d*innen. Abgesehen von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tora\">Thora<\/a> in Buchform, die das ganze Leben lang studiert wird, befindet sich in jeder Synagoge in einem speziellen heiligen Schrein eine Thorarolle aus Pergament. Sie wird dreimal die Woche sowie zu Feier- und Fastentagen herausgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Rolle der Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber die Synagoge ist nicht nur ein Ort des Gebets. Hierher tr&#xE4;gt man am achten Tag nach der Geburt die neugeborenen Jungen zur Beschneidung, hier erhalten die 13-J&#xE4;hrigen die <a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/lexikon\/stories\/2601607\/\">Bar Mitzwa<\/a>, es werden Hochzeiten gefeiert und Trauerfeiern abgehalten. Aber das ist nicht alles. Auch ganz gew&#xF6;hnliche Probleme des t&#xE4;glichen Lebens werden hier gel&#xF6;st.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10718\" aria-describedby=\"caption-attachment-10718\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10718\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0.jpg\" alt=\"Tora Synagoge Almaty\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0.jpg 900w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10718\" class=\"wp-caption-text\">Ausgaben der Tora in der Synagoge in Almaty<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Oberrabbiner von Kasachstan Jeshaja Cohen erz&#xE4;hlt uns die Legende, die erkl&#xE4;rt, warum an einem heiligen Ort &#xFC;ber Fragen des Alltags geredet wird: &#x201E;E<em>in neuer Rabbiner kam in die Stadt und sah, dass die Leute in der Synagoge nach dem Gebet &#xFC;ber den Alltag redeten. Der Rabbiner sagte: &#x201A;<\/em>Das darf man nicht, das hier ist ein heiliger Ort. Hier muss man die Thora lesen oder beten.<em> &#x2018; Am Sabbat klopfte ein Gemeindemitglied an die T&#xFC;r des Rabbiners: &#x201A;<\/em>Heute Abend ist Sabbat &#x2013; ich brauche Wein und Essen, aber ich habe kein Geld und jede Menge Schulden. <em>&#x2018; Der Rabbi gab ihm Geld aus einer speziellen Gemeindekasse. Danach kam ein zweiter zu ihm, dann ein dritter, vierter und so weiter. Der Rabbi lie&#xDF; den &#xC4;ltesten kommen um darzulegen, was passiert sei, dass pl&#xF6;tzlich alle arm geworden seien. Dieser antwortete dem Rabbiner, dass sich bis zu seiner Ankunft die Leute in der Synagoge trafen um Probleme zu l&#xF6;sen. Der Jurist half dem Doktor und der Doktor dem Schuster. Und er, der Rabbi, habe ihnen das verboten. Die Leute wissen nicht mehr, wie es den anderen geht und was f&#xFC;r Probleme sie haben, jeder blieb allein und viele wurden arm.&#x201C;<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_10719\" aria-describedby=\"caption-attachment-10719\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10719\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-1024x682.jpg\" alt=\"ynagoge von Almaty Tora Hut\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10719\" class=\"wp-caption-text\">In der Synagoge von Almaty<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Synagoge kann man nicht nur geistliche, sondern auch materielle Unterst&#xFC;tzung erfahren. Den Bed&#xFC;rftigen bringt man warmes Essen und leistet medizinische Hilfe. So unterst&#xFC;tzt die Gemeinde ihre Mitglieder. J&#xFC;d*innen beten dreimal t&#xE4;glich &#x2013; morgens, mittags und abends. In den Gebeten gibt es 18 Segen und einer davon ist folgende Bitte: &#x201C;<em>Segne uns, Vater, wenn wir alle beisammen sind.<\/em>&#x201D; Denn: Individualismus und jede*r f&#xFC;r sich &#x2013; das w&#xFC;rde dem Judentum widersprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Almaty und die Chabad-Bewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Almaty ist eine besondere Stadt f&#xFC;r J&#xFC;d*innen auf der ganzen Welt. Rabbiner Jeshaja Cohen wurde in Israel geboren und stammt aus einer Rabbinerfamilie. Er studierte in Amerika und bekennt, dass er bis zu seiner Ankunft 1994 keine Ahnung hatte, was Kasachstan f&#xFC;r ein Land sei, aber von Alma-Ata (der Name Almatys zu Sowjetzeiten, Anm. d. &#xDC;.) hatte er schon in der Kindheit geh&#xF6;rt. Das liegt an einer Bewegung innerhalb des Judentums: dem &#xA0;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chabad\">Chabad<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Chabad-Bewegung ist unter anderem im postsowjetischen Raum verbreitet. Sie entstand im 18. Jahrhundert unweit von Smolensk in der Ortschaft <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ljubawitschi\">Ljubawitschi<\/a> (heute im Gebiet Smolensk nahe der belarussischen Grenze, Anm. d. &#xDC;.). Ihr Gr&#xFC;nder war Rabbi Schneur Salman. Chabad wurde die einzige Bewegung, die J&#xFC;d*innen auf der ganzen Welt geistliche und materielle Unterst&#xFC;tzung leistet. Ihr geistliches Oberhaupt war der Rebbe (Rabbiner in chassidischen Gemeinden, Anm. d. &#xDC;.) von Ljubawitschi, der siebte und letzte von ihnen, Rabbiner Menachem Mendel Schneerson (1902-1994), floh 1941 vor den Nazis nach New York.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10720\" aria-describedby=\"caption-attachment-10720\" style=\"width: 261px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10720\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/Rebbi_Levi_Yitzchak_Schneerson.jpg\" alt=\"Rebbi Levi Yitzchak Schneerson\" width=\"261\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/Rebbi_Levi_Yitzchak_Schneerson.jpg 261w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/Rebbi_Levi_Yitzchak_Schneerson-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10720\" class=\"wp-caption-text\">Der Rebbi Levi Yitzchak Schneerson<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Vater eben jenes siebten Rebbe von Ljubawitschi war der Oberrabbiner von Dnepropetrowsk Levi Yitzhak Schneerson (1878-1944). Er wurde 1939 vom NKWD (damaliger sowjetischer Geheimdienst, Anm. d. &#xDC;.) unter anderem wegen antisowjetischer Propaganda verhaftet und in das s&#xFC;dkasachstanische&#xA0; Dorf Schiali verbannt, wo er im Untergrund als Rabbi wirkte. 1944 erhielt er die Erlaubnis nach Alma-Ata &#xFC;berzusiedeln, wo er im selben Jahr starb. Sein Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof der Stadt. Levi Yitzhak Schneerson wurde 1989 rehabilitiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit &#xFC;ber 70 Jahren ist Almaty in der j&#xFC;dischen Gemeinschaft bekannt, da hier Rabbi Levi Yitzhak Schneerson begraben liegt. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, zu dem Menschen aus der ganzen Welt kommen um hier zu beten oder um etwas zu bitten. Und auch jene, die nach Almaty gekommen waren, um das 20-j&#xE4;hrige Jubil&#xE4;um der Synagoge zu begehen, besuchten das Grab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Jeshaja Cohen, der Oberrabbiner Kasachstans<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Oberhaupt der j&#xFC;dischen Gemeinde Kasachstans Jeshaja Cohen ist ein Gesandter des letzten Rebbe von Ljubawitschi. Er war damals 23 Jahre alt. Mit vier Jahren hatte er angefangen die Thora zu lernen und mit 15 wollte er nicht etwa Kosmonaut oder Polizist sondern Rabbiner werden, aber unbedingt dort, wo die Gemeinde Hilfe braucht. Und 1994, als Rabbi Menachem Mendel Schneerson schon schwer erkrankt war, erhielt er die Erlaubnis nach Almaty zu gehen, wo Schneerson Senior begraben ist und es acht Jahre lang &#xFC;berhaupt keinen Rabbiner gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jeshaja Cohen erinnert sich, wie schwer es bei seiner Ankunft war. Er konnte weder kasachisch noch russisch. In der Stadt gab es eine kleine Synagoge und eine winzige Gemeinde. Viele J&#xFC;d*innen wussten nicht, wie man koschere Speisen zubereitet und hatten nie eine Thora in ihren H&#xE4;nden gehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Rabbi Cohen begann bei den Kleinsten: Er organisierte ein Ferienlager f&#xFC;r j&#xFC;dische Kinder und f&#xFC;hrte die ersten Beschneidungen durch. Nach einiger Zeit bat er beim Akimat (der Stadtverwaltung, Anm. d &#xDC;.) um ein Grundst&#xFC;ck f&#xFC;r den Bau einer Synagoge. &#x201E;<em>Als ich den Brief an die Gemeinde einreichte, bat ich um 1000 Quadratmeter. Aber sie gaben mir nicht 1000<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt Jeshaja Cohen. &#x201E; <em>Sie gaben mir 3500 Quadratmeter<\/em>&#x201C;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein Rabbiner ist nicht nur einfach ein Geistlicher. Er erf&#xFC;llt auch die Rolle eines &#x201E;weltlichen&#x201C; Gerichts in der Gemeinde. Mit der Bitte zu richten kommen zu ihm Gesch&#xE4;ftspartner*innen, die sich nicht einigen k&#xF6;nnen, zerstrittene Eheleute und auch Eltern, um Rat in Erziehungsfragen zu erhalten. Die wichtigste Regel ist beide Seiten anzuh&#xF6;ren und zu versuchen, sie zu vers&#xF6;hnen. Doch in seinem Rat und Urteil darf der Rabbiner sich nur auf die Thora und andere heilige B&#xFC;cher berufen. Diese muss er sehr gut kennen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10721\" aria-describedby=\"caption-attachment-10721\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10721\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-1024x682.jpg\" alt=\"Jeshaja Cohen Rabbiner Kasachstan\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10721\" class=\"wp-caption-text\">Jeshaja Cohen, der Oberrabbiner Kasachstans<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">&#xA0;&#x201E;<em>Ich danke dem Allm&#xE4;chtigen daf&#xFC;r, dass ich genau hierher nach Kasachstan gekommen bin, denn dies ist ein Ort, den ich als beispielhaft f&#xFC;r die ganze Welt betrachte. Und ich glaube, dass jeder Mensch, der nach Kasachstan kommt, dies so empfindet. Die Menschen hier scheinen mir so tolerant und freundlich wie kaum irgendwo anders<\/em>&#x201C;, erkl&#xE4;rt Rabbi Jeshaja Cohen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Und die Staatsorgane &#x2013; ich beobachte das seit 1994 &#x2013; vom Akim, &#xFC;ber die Regierung bis hin zum Pr&#xE4;sidenten, vermitteln stets, dass man in Freundschaft miteinander leben muss. Und obwohl es hier sehr <\/em><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/fact\/in-kontinuitat-mit-der-sowjetunion-sieht-sich-kasachstan-als-ein-mehrvolkerstaat\/\"><em>viele unterschiedliche&#xA0; Ethnien<\/em><\/a><em> gibt, leben alle friedlich miteinander. Wenn ich heute auf der Stra&#xDF;e unterwegs bin und alle wissen und sehen, dass ich Jude bin, muss ich mich nicht vor irgendwelchen Angriffen in Acht nehmen. Gott sei Dank verstehen uns die Leute. Wir sind zahlenm&#xE4;&#xDF;ig wenige, aber man behandelt uns wie Gleiche, mit Achtung. Ich bitte den Allm&#xE4;chtigen, dass das immer so bleiben m&#xF6;ge.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<figure id=\"attachment_10722\" aria-describedby=\"caption-attachment-10722\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10722 size-medium\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/cf69f6cdef7fa4268b08dc4a7832f86a-247x300.jpg\" alt=\"Die Zentralsynagoge Kasachstans auf einer Briefmarke\" width=\"247\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/cf69f6cdef7fa4268b08dc4a7832f86a-247x300.jpg 247w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/cf69f6cdef7fa4268b08dc4a7832f86a.jpg 648w\" sizes=\"auto, (max-width: 247px) 100vw, 247px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10722\" class=\"wp-caption-text\">Die Zentralsynagoge Kasachstans auf einer Briefmarke<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Seiner Sch&#xE4;tzung nach leben in Kasachstan circa 40.000 J&#xFC;d*innen. In sechs St&#xE4;dten gibt es vollst&#xE4;ndig funktionierende Synagogen mit Kulturzentren unter der Leitung eines Rabbiners: in Almaty, Astana, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qaraghandy\">Karaganda<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qostanai\">Kostanai<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pawlodar\">Pawlodar<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/&#xD6;skemen\">&#xD6;skemen<\/a>.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">Kirgistan<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Geschichte der J&#xFC;d*innen auf dem Territorium des heutigen Kirgistans ist nicht sehr alt. Nat&#xFC;rlich lie&#xDF;en sich vereinzelte Vertreter*innen dieses Volkes schon vor langer Zeit hier nieder, denn auch hier verlief die <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/uigurische-region\/vom-mythos-seidenstrasse\/\">Seidenstra&#xDF;e<\/a> &#x2013; auf der nicht nur Waren sondern auch neues Wissen sich seinen Weg bahnte. Eine richtige j&#xFC;dische Gemeinschaft entstand allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts, als Kirgistan in das Russische Imperium eingegliedert wurde. Eine zweite Welle erreichte die Republik zur Zeit der Massenrepressionen unter Stalin und w&#xE4;hrend des Zweiten Weltkriegs.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10723\" aria-describedby=\"caption-attachment-10723\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10723\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5.jpg\" alt=\"Rabbi Arie Reichman Judentum Kirgistan\" width=\"1000\" height=\"666\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5.jpg 1000w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5-768x511.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10723\" class=\"wp-caption-text\">Der Rabbi Arie Reichman<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>J&#xFC;d*innen kamen aus verschiedenen Gr&#xFC;nden hierher. Der Gro&#xDF;teil der Familien wurde nach Kirgistan verbannt. Andere flohen vor m&#xF6;glicher Verfolgung ins eher ruhige Zentralasien. Au&#xDF;erdem wurden Menschen aus den vom Krieg betroffenen Gebieten in Belarus und der Ukraine hierher evakuiert<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt Rabbi Arie Reichman.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die fr&#xFC;he j&#xFC;dische Gemeinschaft in Kirgistan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ungef&#xE4;hr zu dieser Zeit entstand auch die erste Synagoge der Republik. Viele Jahre befand sie sich in einem einfachen Haus, das sich in nichts von den Nachbarh&#xE4;usern unterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aleksandr Barschaj erinnert in seinen Notizen &#x201E;Evrejskoje slowo i delo w Kirgisii&#x201C; (&#x201E;J&#xFC;disches Wort und Tat in Kirgisien&#x201C;) an die fr&#xFC;here j&#xFC;dische Gemeinschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#xA0;&#x201E;<em>Als ich ein kleiner Junge war, f&#xFC;hrte mich mein Gro&#xDF;vater Chaim in die alte Synagoge von Frunse (das heutige Bischkek, Anm. d. &#xDC;.). Es war wohl am Sabbat und wir gingen sehr, sehr lange, fast bis an den Stadtrand. Dort in einem langen einst&#xF6;ckigen Holzhaus, das einer Baracke glich, waren alte mit Gebetsschals bedeckte Juden, die etwas fl&#xFC;sterten, leise auf Jiddisch sprachen und sogar versuchten zu singen.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut der Volksz&#xE4;hlung von 1959 lebten in Kirgistan 26.000 J&#xFC;d*innen. &#x201E;<em>Und das ist nur die offizielle Zahl. Es war recht gef&#xE4;hrlich zu der Zeit J&#xFC;d*in zu sein, weswegen viele ihre Nationalit&#xE4;t verbargen und sich als Russ*innen, Ukrainer*innen oder Belarus*innen registrierten<\/em>&#x201C;, so Rabbiner Reichmam. Mit dem Zerfall der Sowjetunion begann die <a href=\"http:\/\/www.eurasianet.org\/node\/66826\">Abwanderung der J&#xFC;d*innen<\/a>. Laut der Volksz&#xE4;hlung von 1989 waren nur noch 7200 J&#xFC;d*innen in der Republik. Die Zahl sinkt bis heute.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10724\" aria-describedby=\"caption-attachment-10724\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10724\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-1024x682.jpg\" alt=\"Synagoge Bischkek\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10724\" class=\"wp-caption-text\">In der bischkeker Synagoge<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>In unsere Synagoge &#x2013; und es ist die einzige in Kirgistan &#x2013; kommen noch ungef&#xE4;hr 1500 Personen<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt der Rabbiner. &#x201E;<em>Nicht alle kommen zum Gebet hierher. &#xDC;berhaupt bedeutet das Wort &#x201E;Synagoge&#x201C;, wenn man es aus dem Griechischen &#xFC;bersetzt &#x201E;Versammlung&#x201C;. Es ist also ein Ort der Gemeinde.<\/em>&#x201C; Lange war die Bischkeker Synagoge lediglich ein Ort f&#xFC;r die Gemeinde und j&#xFC;dische Vereine. Dies war die Folge davon, dass es in der Republik kaum noch J&#xFC;d*innen gab, die wussten, wie man betet oder Feiertage begeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der einzige Rabbiner des unabh&#xE4;ngigen Kirgistans<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Reichman kam 1989 nach Kirgistan. Nach seiner Ausbildung zum Rabbiner wollte er eigentlich nach Taschkent, aber der dortige Rabbiner machte ihn darauf aufmerksam, dass es in Kirgistan niemanden gebe, der dort helfe die Gebete und Feiertage durchzuf&#xFC;hren. Seitdem lebt er also dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Die Gemeinde hier ist klein, Helfer*innen habe ich wenige, weswegen&#xA0; es mir zukommt alle Rituale, die mit dem religi&#xF6;sen Leben der J&#xFC;d*innen verbunden sind, durchzuf&#xFC;hren. Ich wollte hier nicht f&#xFC;r lange Zeit bleiben. Aber das Judentum in Kirgistan formiert sich erst. Hier brauch man jemanden, der Fragen beantwortet, zum Beispiel, wie man koscheres Essen kocht und Hochzeiten oder Begr&#xE4;bnisse durchf&#xFC;hrt.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">2010 erlebte die j&#xFC;dische Gemeinde eine <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/Bishkek_Police_Investigate_Attack_On_Synagogue\/2154212.html\">schwere Ersch&#xFC;tterung<\/a>. Am 9. September gegen 17.20 Uhr warfen Unbekannte einen Sprengsatz in den Hof der Synagoge. Unter der &#xDC;berdachung im Hof war bereits alles f&#xFC;r das j&#xFC;dische Neujahrsfest Rosch-ha-Schana vorbereitet. Nur durch einen gl&#xFC;cklichen Zufall wurde niemand verletzt. Der Beginn der Feierlichkeiten war auf 17.30 Uhr angesetzt, wurde aber auf 18.00 Uhr verlegt. Das Verbrechen wurde von den Sicherheitsorganen als terroristischer Akt eingestuft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch nat&#xFC;rlich gab es auch gl&#xFC;ckliche Momente. So wurde eine j&#xFC;dische Mittelschule er&#xF6;ffnet und im letzten Jahr zog die Synagoge in eines neues, h&#xFC;bsches und angenehmes Geb&#xE4;ude um, das dank Spenden von J&#xFC;d*innen aus der ganzen Welt gebaut wurde. Eindr&#xFC;cke davon bietet ein Video des kirgisischen Internetmediums Kaktus:<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=15&amp;v=6LTskgfMzQM<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Synagoge gibt es kein einziges Bild. &#x201E;<em>Weil es verboten ist. Sie haben gewiss von den 10 Geboten geh&#xF6;rt. Um im 2. Gebot hei&#xDF;t es: Du sollst dir kein Bild noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben in Himmel, noch von dem was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich bin der Herr, dein Gott<\/em>&#x201C;, zitiert der Rabbi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Gebetsraum ist in zwei H&#xE4;lften geteilt. Hinter einer Abschirmung befindet sich die H&#xE4;lfte f&#xFC;r die Frauen. &#x201E;<em>Das macht man aus ganz gew&#xF6;hnlichen Gr&#xFC;nden des t&#xE4;glichen Lebens und hat nichts mit einer Diskriminierung von Frauen oder M&#xE4;nnern zu tun<\/em>&#x201C;, sagt Arie Reichman, &#x201E;<em>Stellen Sie sich vor, dass eine sch&#xF6;ne Frau in die Synagoge kommt. Die M&#xE4;nner k&#xF6;nnen sich nicht mehr auf das Gebet konzentrieren und werden die ganze Zeit abgelenkt sein. Das ist normal.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Lage des Redepults nach zu urteilen, drehen Sie sich w&#xE4;hrend des Gebets den R&#xFC;cken zu? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#xA0;&#x201E;<em>Die Frage ist wem. Wir wenden uns mit dem Gebet an Gott und ihm wenden wir uns zu.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Und kann man in jeder Sprache und Form beten oder gibt es spezielle Texte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Ich denke, man muss in Gott mehr Vertrauen haben, als die Mehrheit der Menschen meint. Nat&#xFC;rlich versteht er all Ihre Worte auf jeder Sprache. Sie k&#xF6;nnen sich an ihn wenden, wie Sie wollen. Aber nat&#xFC;rlich gibt es auch spezielle Texte. Da die Menschen verschieden sind, k&#xF6;nnen nicht alle formulieren, was ihnen auf dem Herzen liegt. Deswegen haben sich vor tausenden Jahren die Weisen besondere Worte &#xFC;berlegt.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ich habe geh&#xF6;rt, dass man als J&#xFC;d*in nur geboren wird und es nicht werden kann, im Unterschied zum Islam oder zum Christentum. Was ist der bedeutendste Unterschied zu diesen Religionen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Wollen Sie J&#xFC;din werden? Nichts ist unm&#xF6;glich. Es ist schwierig, aber m&#xF6;glich. Und was die Unterschiede betrifft, so wollen die anderen Religionen die Zahl ihrer Anh&#xE4;nger*innen erh&#xF6;hen. Im Judentum ist das verboten. Der Mensch soll selbst seine Entscheidung treffen.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Und d&#xFC;rfen wir fragen worin das Auserw&#xE4;hltsein des j&#xFC;dischen Volkes besteht<\/strong>?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Wissen sie woher dieser&#xA0;Ausdruck kommt? Aus der Bibel. Aber das bedeutet nicht, dass wir von Gott besonders behandelt werden. Das ist wie eine gro&#xDF;e Familie. Eltern lieben alle ihre Kinder. Aber manche haben ihre Bestimmung. Das Auserw&#xE4;hltsein der J&#xFC;d*innen besteht genau darin, dass sie eine Bestimmung haben, eine bestimmte Auswahl an Pflichten. Wer meint, dass daraus irgendwelche Pr&#xE4;ferenzen resultieren, der m&#xF6;ge auf die tausendj&#xE4;hrige Geschichte unseres Volkes schauen.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">Tadschikistan<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Einst lebten in Tadschikistan Tausende Anh&#xE4;nger*innen des Judentums. Die Volksz&#xE4;hlung von 1989 nennt zum Beispiel eine Zahl von ungef&#xE4;hr 15.000. Ihnen standen in Duschanbe drei Synagogen offen, von denen aber zwei schon in den 80er Jahren geschlossen wurde, sodass nur noch eine &#xFC;brigblieb. Ihr Geb&#xE4;ude war eines der &#xE4;ltesten im Zentrum der tadschikischen Hauptstadt. 2006 wurde sie abgerissen. Heute befindet sich an ihrer Stelle eine Gr&#xFC;nanlage, die an den Palast der Nation angrenzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/tadschikistan\/das-verschwindende-duschanbe\/\"><strong>Das verschwindende Duschanbe<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Abriss alter Geb&#xE4;ude ruft in Duschanbe immer den Zorn der Einheimischen hervor, aber im Fall der alten Synagoge entstand ein echter Skandal. Der Abriss begann im Februar 2006. Bulldozer zerst&#xF6;rten die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mikwe\">Mikwe<\/a> (das rituelles Bad), ein Klassenzimmer sowie einen koscheren Schlachthof, doch schon bald waren die Stadtoberen gen&#xF6;tigt mit der Zerst&#xF6;rung aufzuh&#xF6;ren, da sich Vertreter*innen des Weltkongresses der Bucharischen &#xA0;J&#xFC;d*innen dem Protest anschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Rechtsstreit mit der Stadtverwaltung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Folge schlug die Stadtverwaltung der j&#xFC;dischen Gemeinde ein Grundst&#xFC;ck am Stadtrand vor, um dort eine Synagoge zu bauen. Dies konnte aber die Gemeinde nicht zufrieden stellen, da es ihr an den finanziellen Mitteln f&#xFC;r einen Neubau fehlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">2008 klagte dann die Bezirksverwaltung gegen die Leitung der Synagoge, die sich weigerte der st&#xE4;dtischen Anordnung nachzukommen und das Geb&#xE4;ude zu verlassen. Das Gericht gab dem Kl&#xE4;ger Recht und die Synagoge wurde endg&#xFC;ltig abgerissen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10726\" aria-describedby=\"caption-attachment-10726\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10726\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/4a41750de96b409c0675bb871929775c-1024x682.jpg\" alt=\"Synagoge Duschanbe\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/4a41750de96b409c0675bb871929775c.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/4a41750de96b409c0675bb871929775c-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/4a41750de96b409c0675bb871929775c-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/4a41750de96b409c0675bb871929775c-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10726\" class=\"wp-caption-text\">Eingang der Synagoge in Duschanbe<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch damit war die Sache noch nicht&#xA0; vorbei:&#xA0; Nach genau einem Jahr schenkte Hassan Asadullosoda, Vorstandsvorsitzender der &#x201E;Orienbank&#x201C; <em>(eine der gr&#xF6;&#xDF;ten Banken des Landes, Anm.d.Red.)<\/em> und zuk&#xFC;nftiger Schwiegersohn des Pr&#xE4;sidenten, der Gemeinde ein <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/New_Synagogue_Opens_In_Dushanbe\/1621721.html\">Haus im Zentrum Duschanbes<\/a>. &#x201E;<em>Das Haus ist in gutem Zustand und es bedarf keiner Renovierung<\/em>&#x201C;, lie&#xDF;en Vertreter der j&#xFC;dischen Gemeinde damals die Presse wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heute befindet sich in diesem Haus die einzige Synagoge Tadschikistans. An ihr befindet sich kein einziger Davidsstern, nur das Tor ist in den Farben der israelischen Flagge gestrichen. In der neuen Synagoge ist es ruhig und leer, aber auch sauber und angenehm. Uns begr&#xFC;&#xDF;t ein Mann, der sich als Yakow Matajew vorstellt, er ist der Vorsitzende der kleinen j&#xFC;dischen Gemeinde Tadschikistans.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10727\" aria-describedby=\"caption-attachment-10727\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10727\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/36716d57122b3990e69f072bd75de483-1024x682.jpg\" alt=\"Innenhof der Synagoge in Duschanbe\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/36716d57122b3990e69f072bd75de483.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/36716d57122b3990e69f072bd75de483-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/36716d57122b3990e69f072bd75de483-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/36716d57122b3990e69f072bd75de483-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10727\" class=\"wp-caption-text\">Im Innenhof der Synagoge in Duschanbe<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Auf meiner Liste befinden sich 30 Personen, alle im sehr hohen Alter. Viele stehen gar nicht mehr auf und kommen selten hierher. Wenn man uns zum Feiertag Matze aus Israel oder der Ukraine schickt, verteile ich sie an die H&#xE4;user<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der tadschikischen Synagoge gibt es nicht einmal einen Rabbiner, denn nach den Gesetzen des Judentums m&#xFC;ssen zum Gebet nicht weniger als 10 M&#xE4;nner &#xE4;lter als 13 Jahre kommen &#x2013; eine Anforderung, die die Gemeinde nicht mehr erf&#xFC;llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine verschwindend kleine Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Die Emigration der J&#xFC;d*innen aus Tadschikistan begann schon in den &#xA0;70ern und dauerte in den 80ern an und als 1992 der B&#xFC;rgerkrieg begann, richtete man eine direkte Flugverbindung nach Israel ein und alle, die wollten, verlie&#xDF;en das Land. Seitdem ist praktisch niemand mehr da<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt Matajew.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10728\" aria-describedby=\"caption-attachment-10728\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10728\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-1024x682.jpg\" alt=\"Innen Synagoge Duschanbe\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/09\/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10728\" class=\"wp-caption-text\">Die tadschikische Synagoge hat keinen Rabbiner<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Oft besuchen zugezogene J&#xFC;d*innen, die f&#xFC;r internationale Organisationen in Tadschikistan arbeiten, die Synagoge. Und auch die ehemaligen Tadschikistaner*innen vergessen ihre Wurzeln nicht: Fast j&#xE4;hrlich kommt jemand von ihnen nach Duschanbe, um die Synagoge und die Gr&#xE4;ber der Verwandten auf dem Stadtfriedhof, die die Gemeinde mit finanzieller Unterst&#xFC;tzung des Weltkongresses der Bucharischen J&#xFC;d*innen pflegt, zu besuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Letztes Jahr kam eine gro&#xDF;e Delegation aus Amerika, manchmal besuchen uns Familien, die hier Halt machen<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt der Vorsitzende Matajew. Er f&#xFC;hrt uns durch ordentliche Zimmer, zeigt uns den Gebetsraum: f&#xFC;r die Ordnung in der Synagoge sorgen drei Personen &#x2013; er selbst und zwei seiner Helfer*innen. &#x201E;<em>Und so ist es gekommen, dass in unsere Synagoge jetzt Vertreter aller Weltreligionen zusammenkommen: Ich bin Jude, Andrjuscha ist Christ und Gulya Muslima. Wir leben in Eintracht, achten auf die Ordnung und sind immer froh G&#xE4;ste begr&#xFC;&#xDF;en zu d&#xFC;rfen.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Marina Mikhtajewa<br>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/theopenasia.net\/articles\/detail\/malenkie-religii-tsa-kak-zhivut-iudei-v-regione\/\"><strong>The Open Asia<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Judentum ist in Zentralasien wenig verbreitet, seit dem Ende der Sowjetunion fallen die Gemeinschaften in der Region deutlich kleiner aus. Das Internetmagazin The Open Asia bietet einen &#xDC;berblick &#xFC;ber j&#xFC;dische Gemeinschaften in der Region, den wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen. 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