{"id":1058,"date":"2015-09-07T12:00:00","date_gmt":"2015-09-07T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1058"},"modified":"2023-08-20T16:17:03","modified_gmt":"2023-08-20T14:17:03","slug":"usbekistan-verbietet-die-politikwissenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistan-verbietet-die-politikwissenschaften\/","title":{"rendered":"Usbekistan verbietet die Politikwissenschaften"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Die usbekische Regierung hat beschlossen,&#xA0;<\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>die Lehre der Politikwissenschaft, <\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>welche<\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong> sie als &#x201E;Pseudo-Wissenschaft&#x201C;&#xA0;<\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>bezeichnet, zu verbieten. Dies ist vor allem <\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>ein neuer<\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong> Ausdruck der zwanghaften Umsetzung&#xA0;rund um das &#x201E;Usbekische Modell&#x201C;.<\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz vor dem Unabh&#xE4;ngigkeitsfest am 1. September wurde zur allgemeinen &#xDC;berraschung die Lehre der Politikwissenschaft in Usbekistan <a href=\"https:\/\/meduza.io\/en\/news\/2015\/09\/01\/uzbekistan-bans-political-science\">verboten<\/a>. Laut dem Bildungsministerium sei die Politikwissenschaft eine &#x201E;Pseudo-Wissenschaft&#x201C; und ein &#xFC;berfl&#xFC;ssiges Duplikat anderer Geisteswissenschaften wie der Philosophie, der Soziologie und der Rechtswissenschaften. Die Disziplin hat der Regierung nach keine eigenen Methoden, w&#xE4;hrend sich die &#x201E;Pseudo-Wissenschaft&#x201C; auf Werke und Theorien aus westlichen Staaten beziehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Gruppe usbekischer Politologen und Intellektueller haben in verschiedenen <a href=\"http:\/\/anhor.uz\/news\/politologi-uzbekistana-vistupili-v-zashitu-svoey-nauki\">russisch<\/a>&#x2013; und <a href=\"https:\/\/kun.uz\/l\/2015\/09\/01\/ozbekistonlik-siyosatshunos-agar-siyosatshunoslik-fan-bolmasa-unda-davlatimiz\/\">usbekischsprachigen<\/a> Medien gegen diese Entscheidung protestiert. Geleitet wird sie von <a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/content\/uzbekistan-political-science-abolished\/27222937.html\">Farchad Talipow<\/a>, einem der Mitbegr&#xFC;nder der usbekischen Politikwissenschaften nach dem Ende der Sowjetunion. Er sagt: &#x201E;Schweigen kann wie eine Zustimmung wirken, aber wir sind mit dem Verbot der Politikwissenschaft in Usbekistan nicht einverstanden.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Grund ist der<\/strong><\/em><\/strong> <strong><em><strong>ungewollte <\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>&#x201E;westliche Einfluss&#x201C;<\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Verbot beruht auf der Idee, dass der sogenannte &#x201E;westliche&#x201C; Einfluss der Politikwissenschaft nicht kompatibel ist mit dem &#x201E;Usbekischen Modell&#x201C;, auf dem die usbekische Nation aufbaut. Indem sie die Politikwissenschaften bannt, geht die usbekische Regierung einen Schritt weiter in Richtung einer zwanghaften Umsetzung diese Modells, dem auch die politischen und ideologischen Eliten des Landes anh&#xE4;ngen. Fast alle diese Eliten stammen aus der Kommunistischen Partei des sowjetischen Usbekistans.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie f&#xFC;r alle Staaten der Region, waren die ersten Jahre der Unabh&#xE4;ngigkeit sehr schwer f&#xFC;r Usbekistan. Nach langem Z&#xF6;gern bis zur Aufl&#xF6;sung der Sowjetunion entschied sich das Land schnell, seine neugewonnene Unabh&#xE4;ngigkeit und Souver&#xE4;nit&#xE4;t um jeden Preis zu verteidigen. Dabei hatte Usbekistan sehr gute Karten: Ein reiches kulturelles Erbe, eine Geschichte voll gro&#xDF;er Figuren als Anhaltspunkte, eine bemerkenswerte Demographie im Vergleich zu den Nachbarl&#xE4;ndern, aufgrund seiner gro&#xDF;en, gut ausgebildeten Bev&#xF6;lkerung, und die st&#xE4;rkste Wirtschaft der Region. Man erwartete, dass Usbekistan schnell zu einer zentralasiatischen F&#xFC;hrungskraft aufsteigen und die Nachbarstaaten um sich f&#xFC;gen w&#xFC;rde, um einen geopolitischen Pol zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Schritt f&#xFC;r Schritt, die Obsession einer nationalen Identit&#xE4;t <\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es geschah jedoch das Gegenteil. Usbekistan fand sich in der Mangel zwischen den politischen Krisen in Afghanistan und Tadschikistan und von innen durch pant&#xFC;rkische und islamistische Bewegungen bedr&#xE4;ngt. Um sich vor externen Feinden zu sch&#xFC;tzen, hat sich das Land isoliert. Damit einher ging die verzweifelte Suche nach einer tiefgreifenden nationalen Identit&#xE4;t, durch die es seine Werte gegen die Bedrohungen von au&#xDF;en sch&#xFC;tzen k&#xF6;nnte. Als Bedrohungen gelten vor allem kulturelle und au&#xDF;enpolitische Einflussnahmen, radikaler Islamismus bis hin zur westliche&#xA0;gepr&#xE4;gten Globalisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um sich effektiv zu sch&#xFC;tzen, bedarf es einer einmaligen Nationalidentit&#xE4;t. Usbekistan befindet sich historisch an einer Kreuzung der Zivilisationen, und seine Regionen unterscheiden sich kulturell und zum Teil auch sprachlich. Vor der sowjetischen Zeit entsprachen diese R&#xE4;ume verschiedenen Sprachen. Wie in der sowjetischen Politik h&#xE4;tte diese Vielfalt der Kulturen als ein politischer Vorteil genutzt werden k&#xF6;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Ein einmaliges Modell und eine einmalige Identit&#xE4;t <\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So wie alle politische und wirtschaftliche Macht zentralisiert wurde, wollte der neue usbekische Staat auch eine einheitliche und einmalige Identit&#xE4;t um ein entsprechendes Nationalmodell schaffen. Usbekistan bem&#xFC;hte sich, die Fehler der Sowjetunion nicht zu wiederholen, und erlag denselben politischen und wirtschaftlichen Irrt&#xFC;mern, nur in kleinerem Ma&#xDF;e. Betrachtet man das sowjetische System im Vergleich zu den ehemaligen Sowjetstaaten, so hat Usbekistan das strukturell &#xE4;hnlichste Modell, und dazu die allgegenw&#xE4;rtige Korruption.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 384px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/974\/flag_map_of_uzbek_ssr_1952_1991.svg_2.png\" alt=\"Usbekistan UdSSR\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um das Ziel einer starken nationalen Identit&#xE4;t zu erreichen, hat Usbekistan ein wirtschaftliches Entwicklungsmodell mit einer nationalen Ideologie erschaffen. Das &#x201E;Usbekische Modell&#x201C; bezeichnet sowohl den wirtschaftlichen, als auch den politischen Fl&#xFC;gel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Das &#x201E;<\/em><\/strong><strong><em>Us<\/em><\/strong><strong><em>bekische Modell&#x201C;<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was ist das &#x201E;Usbekische Modell&#x201C;? Es handelt sich um ein nationales wirtschaftliches und politisches Entwicklungsprogramm. In den Medien und in politischen Reden ist die&#xA0;Wirtschaftsideologie pr&#xE4;gnanter, da sie sehr allgemein gehalten wird. Das Modell beinhaltet f&#xFC;nf wesentliche St&#xFC;tzen f&#xFC;r die Politik des Landes. Zuerst kommt der Vorrang des Wirtschaftlichen vor die Politik: ein Gegensatz zu der Sowjetunion, wo die Wirtschaft der Ideologie geopfert wurde. Zweitens die Einf&#xFC;hrung eines Rechtsstaats. Wirtschaftlich verlangt das Modell einen sanften &#xDC;bergang zur Marktwirtschaft. Der Staat ist dabei der Hauptmotor f&#xFC;r Reformen und etabliert starke soziale Garantien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieses Modell hat ebenfalls einen Zusatztext, die &#x201E;Nationale Ideologie&#x201C;, in dem es darum geht, eine usbekische Nation um patriotische, humanistische, s&#xE4;kulare und sogar feministische Prinzipien zu bilden. Doch dieser Text wird von den meisten Institutionen ignoriert, da er oft nicht im Einklang mit der eher traditionalistischen und konservativen usbekischen Gesellschaft steht. Aus diesem Grund ist die &#x201E;nationale Ideologie&#x201C; im Alltag vor allem f&#xFC;r den Abschnitt bekannt, der auf die Konservierung der nationalen Werte, Sprache und Traditionen abzielt. Die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mahalla_(Uzbeks)\">Mahalla<\/a>, die traditionelle usbekische Gemeinschaft, erh&#xE4;lt dabei eine Schl&#xFC;sselrolle als Mittler zwischen Staat und Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Die nationale Ideologie als Diskriminierungsinstrument <\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Begriff der &#x201E;Nation&#x201C; ist nicht klar definiert und wird in Anlehnung an den sowjetischen Begriff genutzt. Die Nation wird meist mit einer Ethnie, nicht mit der Bev&#xF6;lkerung eines Staates identifiziert. Demnach entwickelte sich auch die nationale Ideologie von einem patriotischen und universalen Konzept hin zu einer nationalistischen und diskriminierenden Idee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heutzutage entspricht die usbekische Nation, also die usbekischen Ethnien, etwa 80% der Bev&#xF6;lkerung des Landes. Die nationale Ideologie f&#xF6;rdert usbekischen Traditionen und Werte und f&#xFC;hrt dadurch zu Diskriminierungen gegen&#xFC;ber anderen V&#xF6;lkern und Ethnien in Usbekistan und anderswo. Hier muss ber&#xFC;cksichtigt werden, dass Usbekistan aus geschichtlich sehr unterschiedlichen Regionen besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/974\/uni_taschkent.jpeg\" alt=\"Universit&#xE4;t Taschkent\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die nationale Ideologie, wie auch die usbekische Sprache, entspricht vor allem der Kultur und Sprache der Bev&#xF6;lkerung des Ferganatals, der Hauptstadt Taschkent und ihrer Umgebung. Im Westen des Landes unterscheidet sich insbesondere die Republik <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karakalpakistan\">Karakalpakistan<\/a> komplett von der usbekischen Kultur und Sprache. 2014 haben Dissidenten aus dieser Region die Unabh&#xE4;ngigkeitsbewegung &#x201E;<a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/2015\/feb\/05\/uzbek-separatist-movement-threatens-ancient-culture\">Alga Karakalpakistan<\/a>&#x201C; (Vorw&#xE4;rts Karakalpakistan) gegr&#xFC;ndet. Ein Zeichen, dass das &#x201E;Usbekische Modell&#x201C; allm&#xE4;hlich seine politische Bruchstellen zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em><strong><strong>Eine neue Welle der Usbekisierung <\/strong><\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Innerhalb dieses Schemas betrachtet ist das Verbot der Politikwissenschaft nur eine Etappe. Eine erste &#x201E;Usbekisierung&#x201C; begann Mitte der 1990er. Marxistische, leninistische und stalinistische B&#xFC;cher wurden aus den Bibliotheken des Landes ger&#xE4;umt und Namen wurden systematisch &#x201E;usbekisisert&#x201C;: St&#xE4;dte, Stra&#xDF;en, Viertel, Schulen und Universit&#xE4;ten wechselten ihren Namen. Diese Politik wurde so weit gef&#xFC;hrt, dass die Beh&#xF6;rden f&#xFC;r internationale Begriffe usbekischen Ersatz finden mussten. Diese erste Welle nahm gegen Ende der 1990er ab, als sich der Staat aufgrund terroristischer Bedrohung verst&#xE4;rkt der inneren Sicherheit zuwandte. Dieser Aspekt ist auch heute mit dem <a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/content\/imu-islamic-state\/27174567.html\">Anschluss der Islamischen Bewegung Usbekistans<\/a> (IMU) an die Gruppe &#x201E;Islamischer Staat&#x201C; sehr aktuell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die neue Welle der &#x201E;Usbekisierung&#x201C; kann schon seit ein paar Jahren beobachtet werden. Sie begann 2008 mit dem Namenswechsel eines der gro&#xDF;en Pl&#xE4;tze Taschkents. Der Xalqlar Do&#x2019;stligi (V&#xF6;lkerfreundschaft) Platz, der schon ein erstes Mal auf Usbekisch umbenannt wurde, erhielt den Namen Bunyodkor (Erschaffer, Erbauer). Die ber&#xFC;hmten Statuen der Schohmahmudow-Familie, die w&#xE4;hrend des Zweiten Weltkriegs 15 Kinder, die aus dem Westen der Sowjetunion deportiert wurden, adoptiert hatte, wurden <a href=\"http:\/\/enews.fergananews.com\/articles\/2524\">in einen Vorort versetzt<\/a>. Dieser Platz war ein Symbol der Freundschaft der Usbeken mit anderen V&#xF6;lkern und repr&#xE4;sentierte ebenfalls die usbekische Toleranz, Gutm&#xFC;tigkeit und Gastfreundschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sowjetische Embleme und Elemente anderer Kulturen verschwinden allm&#xE4;hlich aus dem Land. Der Namenswechsel der Metrostation <a href=\"http:\/\/www.uzdaily.com\/articles-id-32581.htm\">Hamza in Novza<\/a> im Juni war ein weiteres Zeichen daf&#xFC;r, dass sich das Land vom sowjetischen S&#xE4;kularismus distanzieren m&#xF6;chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Das <\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>S<\/strong><\/em><\/strong><strong><em><strong>owjetische verbannen <\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hamza_Hakimzoda_Niyoziy\">Hamza Hakimzoda Niyoziy<\/a> ist eine der wichtigsten progressiven Figuren der usbekischen Nation. Er wurde durch den sowjetischen Sozialrealismus inspiriert und engagierte sich w&#xE4;hrend des B&#xFC;rgerkriegs zwischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basmatschi\">Basmatschis<\/a> und Sowjets in den 1920ern f&#xFC;r die Abschaffung des religi&#xF6;sen Feudalsystems in Usbekistan. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Abschaffung der Vollverschleierung (Parandschi) und prangerte die Ungerechtigkeiten des Feudalsystems an. Er war auch Gr&#xFC;nder der ersten Theaterensembles Usbekistans und wird heute als erster Drehbuchautor und Vater des usbekischen Theaters angesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 427px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/974\/rus_convert_hamza_niyazi_wikipedia.jpeg\" alt=\"Hamza Hakimzoda Niyoziy\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber seit kurzem zieht diese historische Figur die Kritik mancher usbekischer Ideologen an. Sie meinen, der Name Hamzas m&#xFC;sste aus der Geschichtsschreibung gestrichen werden, weil er ein Sozialist war und durch seine Angriffe auf die Religion den usbekischen Traditionen geschadet hat. Trotz &#xF6;ffentlicher Proteste wurde der Name von Hamza von allen Orten Taschkents gestrichen, und seine Geschichte droht heute in Vergessenheit zu geraten. Novza dagegen bietet f&#xFC;r die meisten Usbeken keine Ankn&#xFC;pfungspunkte wie diese.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Moralistische Verbote <\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Verbote sind nicht nur auf politische Objekte angewandt, sie sind zum Teil sehr moralistisch. Lola Yuldasheva, eine in Usbekistan sehr beliebte S&#xE4;ngerin, wurde erst <a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/content\/central-asia-fashion-islamic-risque-western-national-mentality\/26932437.htmlhttp:\/www.rferl.org\/content\/central-asia-fashion-islamic-risque-western-national-mentality\/26932437.html\">von konservativen Religi&#xF6;sen<\/a>, und dann von &#x201E;Usbeknavo&#x201C;, der Organisation, die das K&#xFC;nstlerwesen reguliert, angegriffen. Nachdem ihr das Recht, in der &#xD6;ffentlichkeit zu singen, <a href=\"http:\/\/enews.fergananews.com\/news.php?id=3023\">entzogen wurde<\/a>, musste sie sich entschuldigen um &#x201E;sich auf eine mit der nationalen Mentalit&#xE4;t nicht konforme Art angezogen zu haben.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist kein Geheimnis, das Usbekistan auf drastische Mittel zur&#xFC;ckgreift, um gegen den islamischen Extremismus zu k&#xE4;mpfen. Doch gleichzeitig sch&#xFC;ren der Staat und seine Institutionen durch ihre moralistische und traditionalistische Politik, die jede intellektuelle Initiative unterdr&#xFC;ckt, eben diesen Extremismus. In dem Sinne ist das Verbot der Politikwissenschaftslehre symptomatisch. Die Bev&#xF6;lkerung hat allgemein kaum Verst&#xE4;ndnis f&#xFC;r politische Ideen und die Gesellschaft ist stark von dem ideologischen Vakuum nach der Sowjetunion gepr&#xE4;gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em><strong>Lesen Sie auch bei Novastan.org: <\/strong><\/em><\/strong><strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/articles\/religiser-extremismus-in-zentralasien-politischer-deckmantel-oder-reale-bedrohung\">Religi&#xF6;ser Extremismus in Zentralasien &#x2013; Politischer Deckmantel oder reale Bedrohung? <\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In diesem Kontext scheint das Verbannen der Politikwissenschaft vor allem einem Suizid gleichzukommen. Mit einer Elite, die diese Disziplin nicht kennt, riskiert Usbekistan, ein Land, das weiter eine wichtige geopolitische Rolle spielt, als politischer Akteur zwischen Gro&#xDF;m&#xE4;chten wie Russland und China vollkommen zu verschwinden. Die Gesellschaft selbst wird sich schwer tun, einer politischen Linie zu folgen, ohne das eine Elite sie dauerhaft f&#xFC;hrt, die Ideen hat, eine Weltanschauung und eine Strategie f&#xFC;r ihr Land. Usbekistan wird solche Eliten brauchen, denn niemand ist unsterblich.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong><em><strong>Akhmed Rahmanov<\/strong><\/em><\/strong><br>\n<strong><em><strong>Redakteur f&#xFC;r Novastan.org in Usbekistan<\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem franz&#xF6;sischen &#xFC;bersetzt von<\/strong><br>\n<strong>Florian Coppenrath<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die usbekische Regierung hat die Lehre der Politikwissenschaft in Usbekistan verboten. 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