{"id":10341,"date":"2017-08-21T21:12:14","date_gmt":"2017-08-21T19:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=10341"},"modified":"2020-12-20T15:31:35","modified_gmt":"2020-12-20T14:31:35","slug":"karakols-soziales-cafe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/karakols-soziales-cafe\/","title":{"rendered":"Karakols soziales Caf\u00e9"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Am Ostufer des Issyk Kul hat ein besonderes Caf&#xE9; mit einer ungew&#xF6;hnlichen Besitzerin er&#xF6;ffnet. Ziel des Fat Cat Karakol ist es nicht nur, Kaffee und Essen zu verkaufen, es hat auch den Anspruch Karakols erstes sozial verantwortliches Unternehmen zu sein. Folgender&#xA0;Artikel ist im Russischen auf <\/strong><b><a href=\"http:\/\/russian.eurasianet.org\/node\/64566\">eurasianet.org<\/a> erschienen.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am fr&#xFC;hen Sommermorgen beginnen die Besucher, sich im Schatten vor dem Fat Cat Karakol zu sammeln. Zum Mittag wird die Sonne hoch stehen, aber noch ist es fr&#xFC;h, und laut. Das Caf&#xE9; geht auf eine belebte Stra&#xDF;e raus. Dzhamilya Sydygalieva geht rasch zu einem Tisch, an dem zwei M&#xE4;nner mit T-Shirts des World Wildlife Fund sitzen. Sie bestellen Cheesecake mit Beerenkompott. Ein ungew&#xF6;hnliches Fr&#xFC;hst&#xFC;ck hierzulande &#x2013; aber ebenso ungew&#xF6;hnlich ist das Caf&#xE9;, dessen Motto lautet: &#x201E;Kaffee, Essen und soziale Verantwortung.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach zentralasiatischen Ma&#xDF;st&#xE4;ben ist Kirgistan ein progressives Land. Doch mit ihrem Caf&#xE9;, das im August letzten Jahres am &#xF6;stlichen Ufer des Issyk-Kuls er&#xF6;ffnete, setzt Sydygalieva noch ein gutes St&#xFC;ck drauf. Sie sieht in ihrem Caf&#xE9; einen Motor f&#xFC;r soziale Bewegung und Verantwortung. &#x201E;Die Idee des Caf&#xE9;s besteht nicht nur darin, Touristen zu bedienen und kommerziell zu funktionieren. Es soll auch als Vorbild f&#xFC;r Unternehmensgr&#xFC;ndungen dienen&#x201C;, so Sydygalieva, &#x201E;Wir versuchen, Karakol mit dem Konzept sozialer Verantwortung vertraut zu machen, damit sich auch anderer lokale Unternehmen sozial engagieren und gesellschaftlich wichtige Arbeit leisten.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das bunte Bischkek als Vorbild<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Hauptstadt Bischkek verbreiten sich solch neue Gesch&#xE4;ftskonzepte immer mehr: Ungew&#xF6;hnliche Caf&#xE9;s, Bars mit Craft Beer, L&#xE4;den, die qualitativ hochwertige Lebensmittel verkaufen. Aber Karakol hinkt in dieser Hinsicht hinterher. Sydygalieva sieht es als ihre Pflicht, dem ein Ende zu bereiten und der lokalen Gemeinde und den benachbarten D&#xF6;rfern zu zeigen, dass sie nicht vergessen wurden. &#x201E;Ich wollte die Leute daran erinnern, was am wichtigsten ist. Wichtig sind Mitgef&#xFC;hl und F&#xFC;rsorge f&#xFC;r andere Menschen, selbst wenn sie dir fremd sind. Wichtig ist es, hilfsbereit zu sein und das zu teilen, was du hast&#x201C;, sagt Sydygalieva, &#x201E;Letzten Endes sind G&#xFC;te und gute Taten das, was wir hinterlassen, und das sind wahre Werte.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Besucher ihres Caf&#xE9;s sind eine Mischung aus Einheimischen, Bergsteigern und Touristen. Auch viele &#x201C;Peace Corps&#x201C;-Freiwillige kommen laut Sydygalieva vorbei, und insgesamt wird ihr Caf&#xE9; unter immer mehr Leuten bekannt. Auf der Speisekarte gibt es viele Gerichte, die man in Kirgistan nicht oft sieht: Fleisch in w&#xFC;rziger mexikanischer So&#xDF;e mit Paprika und Bohnen, Bananenbrot, gegrillter K&#xE4;se, French Toast, in Milch und Eiern angebraten (der, ihr zufolge, zu jeder Tageszeit weggeht). Aber das Hauptprodukt ist Kaffee &#x2013; auch wenn dieses Getr&#xE4;nk laut Sydygalieva traditionell nicht besonders beliebt ist bei der &#xF6;rtlichen Bev&#xF6;lkerung. Sie stellt jedoch fest, dass sich die Geschm&#xE4;cker nach und nach zu &#xE4;ndern beginnen. &#x201E;Neben den Touristen und ausl&#xE4;ndischen Expats beginnen auch viele Einheimische Kaffee zu m&#xF6;gen&#x201C;, so Sydygalieva, &#x201E;Mir gef&#xE4;llt es zu beobachten, wie die Kaffeekultur in Karakol allm&#xE4;hlich aufbl&#xFC;ht.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der soziale Aspekt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den Pausen zwischen dem Aufnehmen von Bestellungen bei den G&#xE4;sten und dem Kaffeekochen schafft Sydygalieva es, in die K&#xFC;che zu huschen, wo sie ihrer einzigen Mitarbeiterin beibringt wie man Pizza b&#xE4;ckt. In dem kleinen Raum ist es nicht m&#xF6;glich sich umzudrehen. Die junge Frau rollt den Teig aus, w&#xE4;hrend Sydygalieva K&#xE4;se reibt und Gem&#xFC;se schneidet. Sie ist Opfer h&#xE4;uslicher Gewalt. Dieses Problem ist sehr verbreitet und war einer der Faktoren, die Sydygalieva inspirierten ihr Caf&#xE9; zu er&#xF6;ffnen. &#x201E;Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der h&#xE4;usliche Gewalt als normal galt&#x201C;, so Sydygalieva. Ihr Vater misshandelte die anderen Familienmitglieder physisch und psychisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Sydygalieva 19 Jahre alt war, verlie&#xDF; der Vater die Familie und gab Mutter und Tochter die M&#xF6;glichkeit, ein neues Leben zu beginnen. Sydygalieva ging zum Studium an die American University of Central Asia in Bischkek und absolvierte dann ihr Masterstudium in Deutschland. Ihre Mutter fand ihre Berufung indem sie &#x201E;Arjun-Karakol&#x201C; gr&#xFC;ndete, eines von nur zwei Zentren in der Region f&#xFC;r Opfer h&#xE4;uslicher Gewalt. Obwohl Sydygalieva gut in einem der entwickelten L&#xE4;nder Europas h&#xE4;tte arbeiten k&#xF6;nnen, beschloss sie, nach Karakol zur&#xFC;ckzukehren, um ihrer Mutter mit ihrem Zentrum zu helfen. Deutschland gefiel ihr sehr, aber &#x2013; wie sie sagt &#x2013; es war nicht wie die Heimat. Die Zeit, die sie im Ausland verbrachte, &#xF6;ffnete ihr aber die Augen auf einige Dinge. &#x201E;In Deutschland ist soziale Verantwortung die Norm. Hier werden Hilfe f&#xFC;r andere und Mitgef&#xFC;hl wenig wertgesch&#xE4;tzt, und ich wollte das &#xE4;ndern&#x201C;, meint Sydygalieva.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Au&#xDF;ergew&#xF6;hnliche etablieren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In dem einen Jahr seit seiner Er&#xF6;ffnung hat das Fat Cat Karakol bereits eine Reihe von gemeinn&#xFC;tzigen Initiativen unterst&#xFC;tzt: Etwa ein Konditorei-Lehrgang f&#xFC;r Frauen im Zentrum f&#xFC;r Opfer h&#xE4;uslicher Gewalt oder eine Sammlung von Schulmaterialien f&#xFC;r benachteiligte Familien in den D&#xF6;rfern. Um Geld f&#xFC;r solche Projekte zu sammeln, verkauft Sydygalieva zus&#xE4;tzliche Backwaren: Apfelkuchen, &#x201E;Drei-Milchkuchen&#x201C;, &#x201E;Red Velvet Cake&#x201C;. Alles neue Rezepte und Zutaten f&#xFC;r Karakol, so ungew&#xF6;hnlich wie das Caf&#xE9; selbst. An der Wand hinter der Theke im Far Cat Karakol h&#xE4;ngen Kaffeetassen mit Aufschriften wie &#x201E;Zur H&#xF6;lle, gie&#xDF; mir noch eine Tasse ein&#x201C;. Alle Erl&#xF6;se aus dem Verkauf gehen an soziale Projekte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber Sydygalieva machen nicht nur die lokalen Geschm&#xE4;cker zu schaffen. Die Arbeit in dieser Gegend ist oft saisonal gepr&#xE4;gt, aufgrund der sehr kalten Winter. Dennoch arbeitet Sydygalieva weiter, trotz der Schwierigkeiten. &#x201E;Manchmal f&#xFC;hle ich mich wie ein Prediger wenn ich davon rede, dass nicht nur ich, sondern auch sie ihrer Gemeinde helfen k&#xF6;nnen, um andere f&#xFC;r &#xE4;hnliche Initiativen begeistern k&#xF6;nnen&#x201C;, erz&#xE4;hlt sie, &#x201E;Im Lauf der Zeit erfahren immer mehr Menschen vom Fat Cat Karakol, &#xFC;ber das Konzept und die Ziele des Caf&#xE9;s. Und immer mehr Einheimische sind bereit zu helfen, auch wenn es nur ein kleines bisschen ist.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Soziale Initiative goes viral<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz nach der Er&#xF6;ffnung des Caf&#xE9;s rief ein &#xF6;rtlicher Beamter an. &#x201E;Er sagte mir: Ich will helfen, aber ich wei&#xDF; nicht wie&#x201C;, erinnert sie sich. Sydygalieva versorgte ihn mit den Kontaktdaten derer, die Hilfe ben&#xF6;tigten. Auch die lokalen Unternehmen haben sich vom Aktivismus anstecken lassen. Vor Neujahr tat sich Sydygalieva mit drei &#xF6;rtlichen Tourismuszentren, einem Sch&#xF6;nheitssalon und einem Taxiunternehmen zusammen. Gemeinsam sammelten sie Geld f&#xFC;r Geschenke und ein Fest f&#xFC;r Waisen und behinderte Kinder, au&#xDF;erdem Lebensmittel f&#xFC;r sozial schwache Familien sowie Kosmetikartikel f&#xFC;r ein psycho-neurologisches Zentrum in einem benachbarten Dorf. Neben dem Verkauf von Backwaren sucht Sydygalieva auch andere Wege, um Geld zu sammeln. So trat sie zum Beispiel bereits im Radio auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf der Facebook Seite des Caf&#xE9;s finden sich viele Hinweise, wie den Menschen in der Region geholfen werden kann. Auch Veranstaltungen f&#xFC;r Einheimische oder Initiativen wie die &#x201E;Freundlichkeitswochen&#x201C; oder der Weltfrauentag am 8. M&#xE4;rz werden angek&#xFC;ndigt. Der Verkauf von Backwaren l&#xE4;uft st&#xE4;ndig. Auch eine Crowdfunding Kampagne wurde gestartet, um Geld f&#xFC;r ein M&#xE4;dchen mit spinaler Muskelatrophie zu sammeln, da das &#xF6;rtliche Rehabilitationszentrum &#x201E;Ornok&#x201C; nicht &#xFC;ber die n&#xF6;tige Ausstattung verf&#xFC;gte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan:&#xA0;<\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/menschen-mit-behinderung-in-zentralasien-uns-muss-man-nicht-bemitleiden\/\"><strong>Menschen mit Behinderung in Zentralasien: &#xAB;&#xA0;Uns muss man nicht bemitleiden&#xA0;&#xBB;<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;Das ist Fundraising auf Gemeinschaftsebene. Alles geht langsam, manchmal &#xE4;rgere ich mich dar&#xFC;ber, aber wir schaffen ein Bewusstsein f&#xFC;r die Bed&#xFC;rftigen in unserer Gemeinde und daf&#xFC;r, wie wir ihnen helfen k&#xF6;nnen&#x201C;, so Sydygalieva, &#x201E;Die Mission des Caf&#xE9;s ist es nicht nur, selbst Gutes zu tun, sondern auch andere dazu zu bewegen.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Alexandra&#xA0;Petri auf <a href=\"http:\/\/russian.eurasianet.org\/node\/64566\">eurasianet.org<\/a> &#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Alexandra Wedl<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify\">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ostufer des Issyk Kul hat ein besonderes Caf&#xE9; mit einer ungew&#xF6;hnlichen Besitzerin er&#xF6;ffnet. 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