{"id":10293,"date":"2017-08-18T10:10:40","date_gmt":"2017-08-18T08:10:40","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=10293"},"modified":"2017-08-18T10:10:40","modified_gmt":"2017-08-18T08:10:40","slug":"energieprojekt-casa-1000-mehr-politik-als-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/energieprojekt-casa-1000-mehr-politik-als-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Energieprojekt CASA-1000 \u2013 mehr Politik als Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Schon im Mai 2014 hatten wir &#xFC;ber <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/casa-1000-eine-elektrische-verbindung-zwischen-pakistan-afghanistan-tadschikistan-und-kirgisistan\/\">die ersten Entw&#xFC;rfe f&#xFC;r das Energieprojekt CASA-1000<\/a> berichtet. Zwischenzeitlich haben die beteiligten Staaten den Startschuss gegeben. Au&#xDF;erdem ist bisher nicht viel passiert, und das aus gutem Grund: CASA-1000 erweist sich zunehmend als Konkurrent zu anderen Projekten und steht gegen dem Interesse von Usbekistan und besonders Turkmenistan. CASA-1000, ein&#xA0;<\/strong><b>Politikum, das sich auf Kompromisse einlassen muss, will es &#xFC;berleben. Der Artikel basiert auf einer bei <a href=\"http:\/\/ru.sputnik-tj.com\/opinion\/20170708\/1022775318\/knyazev-kasa-turkmenistan-uzbekistan.html\">Sputnik&#xA0;Tadschikistan<\/a> erschienenen Publikation.&#xA0;<\/b><b>&#xA0;&#xA0;<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kirgistan und Tadschikistan versuchen zusammen mit Afghanistan, Pakistan und Indien mit CASA-1000 ein Energieprojekt auf die Beine zu stellen, das zum jetzigen Zeitpunkt so nicht realisierbar scheint. CASA-1000 h&#xE4;tte mehr mit Politik als mit Wirtschaft zu tun, so der Vorwurf des Zentralasien und Mittlerer Osten Experte Alexander Knjasjew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erst am 7. Juli hatte er einer Sitzung mit den Teilnehmerl&#xE4;ndern des Projekts beigewohnt. Alle waren sie in die Hauptstadt Tadschikistans gekommen: Afghanistans Pr&#xE4;sident Aschraf Ghani, der Premierminister Kirgistans Sooronbai Dscheenbekow und der inzwischen <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article167130745\/Pakistanischer-Regierungschef-ist-sein-Amt-los.html\">des Amtes enthobene Premierminister Pakistans Nawaz Sharif<\/a>. In einem Interview mit Russia Today &#xE4;u&#xDF;erte Ghani seinen Wunsch nach einem Beitritt Turkmenistans und Usbekistans in das Projekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alexander Knjasjew h&#xE4;lt diese Entwicklung f&#xFC;r sehr wahrscheinlich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die Tatsache, dass die Handelsroute im Rahmen des Projektes CASA-1000 derzeit von Norden nach S&#xFC;den verl&#xE4;uft (Kirgistan &#x2013; Tadschikistan &#x2013; Afghanistan &#x2013; Pakistan &#x2013; Indien) verschafft diesem Projekt einen Vorteil gegen&#xFC;ber anderen Energieprojekten, sodass sich Usbekistan und besonders Turkmenistan &#x2013; im Interesse ihres eigenen Energiehandels &#x2013; in Zukunft sicher nicht ausgeschlossen sehen wollen.&#x201C; <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>W&#xE4;rme gegen Wasser<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Knjasjew erinnert daran, dass es dort gleichzeitig das Energieprojekt TUTAP (Turkmenistan &#x2013; Usbekistan &#x2013;Tadschikistan &#x2013; Afghanistan &#x2013; Pakistan) f&#xFC;r die Elektrizit&#xE4;tsversorgung aus W&#xE4;rmekraftwerken gibt, die in Turkmenistan und Usbekistan stehen und Afghanistan und nachfolgend auch Pakistan und Indien mit Strom versorgen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Da Usbekistan und Turkmenistan die gr&#xF6;&#xDF;ten Produzenten f&#xFC;r Energie aus W&#xE4;rmekraftwerken sind, stehen sie in direkter Konkurrenz zu Kirgistan und Tadschikistan&#x201C;<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_10295\" aria-describedby=\"caption-attachment-10295\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10295 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Experte-Knjazjew.jpg\" alt=\"Experte Zentralasien Mittlerer Osten\" width=\"1000\" height=\"541\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Experte-Knjazjew.jpg 1000w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Experte-Knjazjew-300x162.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/08\/Experte-Knjazjew-768x415.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-10295\" class=\"wp-caption-text\">Alexander Knjazjew &#x2013; der Zentralasien- und Mittlerer Osten-Experte h&#xE4;lt das CASA-1000 f&#xFC;r schlecht durchdacht<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Au&#xDF;erdem sei aufgrund der aktuellen Situation in Afghanistan die Umsetzung des Projekts TUTAP in Sicherheitsaspekten ein wenig einfacher, als die von CASA-1000. Man darf auch nicht vergessen, dass W&#xE4;rmekraftwerke im Gegensatz zu Wasserkraftwerken das ganze Jahr &#xFC;ber Elektrizit&#xE4;t produzieren k&#xF6;nnen und nicht von Witterungsumst&#xE4;nden oder Jahreszeiten abh&#xE4;ngig sind; Das ist wichtig f&#xFC;r die Zufriedenheit der Kunden. Auch wenn hier Wasserkraft &#x201C;funktioniert&#x201C; kann sie ihr ganzes Potenzial nur im Sommer ausnutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(Anm. d. Red. Kirgistan und Tadschikistan <a href=\"https:\/\/www.azernews.az\/analysis\/83100.html\">haben immer wieder mit Stromausf&#xE4;llen<\/a> zu k&#xE4;mpfen; zum Teil wegen der schlechten Infrastruktur, aber auch wegen des hohen Anteils an mal mehr mal weniger zur Verf&#xFC;gung stehender Energie aus Wasserkraft im Energiemix des Landes)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Mehr Beteiligte = mehr Sicherheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Deshalb werden die Verbraucher aus Afghanistan, Pakistan und Indien wohl eher den Strom aus den W&#xE4;rmekraftwerken Usbekistans und Turkmenistans bevorzugen&#x201C;,<\/em> so Knjasjew. Wenn das Projekt CASA-1000 nun noch zwei weitere Staaten anziehe, sei es f&#xFC;r Afghanistan noch interessanter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Knjasjew sagt: <em>&#x201E;Afghanistan und damit auch die restlichen Staaten w&#xE4;ren interessiert, da es in diesem Fall teilweise Transitland aber auch Abnehmer w&#xE4;re. Deshalb ist das f&#xFC;r Afghanistan, aber auch die anderen Staaten profitabel.&#x201C; <\/em>Er f&#xFC;gt hinzu, dass Afghanistan derzeit Strom aus zwei Quellen bezieht: zum einen aus Tadschikistan via Kunduz zum anderen aus Usbekistan nach Kabul.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Damit ist ein vermehrter Energieexport aus Usbekistan wichtiger und wahrscheinlicher denn je.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das politische CASA<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Angesprochen auf die Realisierung von CASA-1000, sagt der Experte, das Projekt habe &#xFC;berwiegend keinen &#xF6;konomischen, sondern einen politischen Charakter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sowohl CASA-1000, als auch zu einem gro&#xDF;en Teil TUTAP, sowie das Gasprojekt TAPI (Turkmenistan &#x2013; Afghanistan &#x2013; Pakistan &#x2013; Indien) seien gro&#xDF;e geopolitische Projekte, die auch unter dem Namen &#x201C;Gro&#xDF;zentralasien&#x201C; laufen. Solche Projekte sollen die wirtschaftliche Abh&#xE4;ngigkeit vom gro&#xDF;en Bruder und gr&#xF6;&#xDF;ten Handelspartner Russland verkleinern; in diesem Fall die Abh&#xE4;ngigkeit vom Energiehandel mit Russland. Daf&#xFC;r wird der Wirtschaftsraum f&#xFC;r den Energiesektor Richtung S&#xFC;den verschoben.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/le-turkmenistan-vend-son-gaz-a-la-chine-a-tres-bas-prix\/\">Turkmenistan verkauft sein Gas zu sehr niedrigen Preisen an China<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Da flie&#xDF;t kein Strom<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Tadschikistans Pr&#xE4;sident Emomalij Rahmon sagte in einem Kommentar zu diesem Thema, dass man mit CASA-1000 den Erwartungen hinterherhinke, und dass die anderen Teilnehmerstaaten nicht mit vollem Einsatz an dem Projekt arbeiten w&#xFC;rden, so der Experte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das erkl&#xE4;rt die Tatsache, dass einige Planspiele noch nicht durchgerechnet, geschweige denn vereinbart wurden. Und Kirgistan m&#xF6;chte, obwohl es an dem Projekt beteiligt ist, noch keinen Vorsto&#xDF; wagen &#x2013; schlie&#xDF;lich ist das Wasserkraftwerk Kambaratinskaya noch nicht gebaut und wird wom&#xF6;glich auch gar nicht erst gebaut werden; also wenn &#xFC;berhaupt dann lange nach der Fertigstellung des Wasserkraftwerks Rogun in Tadschikistan. Derzeit sind Tadschikistan und Kirgistan L&#xE4;nder mit einem Energiedefizit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>CASA-1000 wie es ist kaum realisierbar<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">CASA-1000 kann bis Dato das Energiedefizit in Pakistan nur Saisonal durch den Verkauf der &#xDC;bersch&#xFC;sse im Sommer decken. Nur dann produzieren die Wasserkraftwerke Tadschikistans und Kirgistans genug Strom, um ihn &#xFC;ber Afghanistan nach Pakistan zu exportieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Angaben der Weltbank, werden im Rahmen dieses Projektes noch mehr als 1200 Kilometer Stromtra&#xDF;e gebaut werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/energiehunger-unstillbar-kirgisen-verbrauchen-mehr-strom-als-deutsche\/\">Energiehunger unstillbar &#x2013; Kirgisen verbrauchen mehr Strom als Deutsche<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Mai 2016 hatten Emomalij Rahmon, Afghanistans Regierungschef Abdullah Abdullah, der ehemalige Premierminister Pakistans Nawaz Sharif, und Kirgistans Premierminister Sooronbai Dscheenbekow das Projekt CASA-1000 gemeinsam ins Leben gerufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die voraussichtliche Realisierung von CASA-1000 &#x2013; nicht vor 2020.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><a href=\"http:\/\/ru.sputnik-tj.com\/opinion\/20170708\/1022775318\/knyazev-kasa-turkmenistan-uzbekistan.html\"><strong>Sputnik Tadschikistan<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Julius Bauer<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify\">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im Mai 2014 hatten wir &#xFC;ber die ersten Entw&#xFC;rfe f&#xFC;r das Energieprojekt CASA-1000 berichtet. 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