Usbekistan ändert seine Position in Bezug auf das Energieprojekt CASA-1000

Usbekistan unterstützt den Bau des Energieprojekts CASA-1000, welches ermöglichen soll, Elektroenergie aus Tadschikistan und Kirgistan nach Pakistan und Afghanistan zu liefern. Dies teilte der usbekische Außenminister Abdulasis Kamilow während der internationalen Afghanistan-Konferenz mit, die Ende November in Genf stattfand. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf Fergana News.

Im Rahmen der Konferenz brachte Minister Kamilow außerdem ins Spiel, die von Usbekistan erbaute Hochspannungsleitung Surchan – Puli-Chumri (von Usbekistan nach Afghanistan, Anm. d. Ü.) in das internationale Projekt zu integrieren. Damit vollzieht die usbekische Politik in Bezug auf CASA-1000 eine Kehrtwende. Unter der Präsidentschaft Islam Karimows trat das Land gegen das Energieprojekt auf und begründete dies mit der Verletzung internationaler Vereinbarungen.

Kehrtwende in der Energiepolitik

Kamilow merkte an, dass die Hochspannungsleitung Surchan – Puli-Chumri Kabul an das einheitliche Energiesystem Zentralasiens anbinden würde. Des Weiteren könnten die Energielieferungen aus Usbekistan nach Afghanistan um 70 Prozent auf bis zu sechs Milliarden Kilowattstunden pro Jahr erhöht werden. Der Außenminister hob hervor, dass Usbekistan Projekte unterstützt, die bei Aufbau der Wirtschaft Afghanistans helfen – unter anderen TAPI und CASA-1000.

Die Vereinbarung zur Verlegung der grenzüberschreitenden Hochspannungstrasse CASA-1000 unterschrieben die Energieminister von Kirgistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan Ende 2015. Die Dokumente sahen eine jährliche Energielieferung in Höhe von 1300 Megawatt von Kirgistan und Tadschikistan nach Afghanistan und Pakistan vor. Das Projekt startete im Mai 2016.

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Usbekistan teilte sofort mit, dass CASA-1000 nur effektiv sein könne, wenn das Rogun-Wasserkraftwerk gebaut werde. Der Bau dieses Kraftwerks rief aber ebenfalls den Unmut Taschkents hervor, da man seine verschlechterte Wasserversorgung Usbekistans fürchtete. Unter dem neuen Präsidenten Schawkat Mirsijojew hat sich Usbekistans Position diesbezüglich geändert – im November 2018 nahm sogar eine usbekische Delegation an der Eröffnung des Rogun-Wasserkraftwerks teil.

Im Juli 2017 lud der afghanische Präsident Aschraf Ghani Usbekistan und Turkmenistan dazu ein, sich CASA-1000 anzuschließen. Eine offizielle Antwort blieb aber bis zuletzt aus.

Gute Nachbarschaft mit Afghanistan

Des Weiteren teilte Kamilow in Genf mit, dass Usbekistan Afghanistan Hilfe im Bereich Transport, Energie, Handel und Bildung leisten werde. So wird unter anderem der Bau eines Eisenbahnkorridors von Masar-i-Scharif nach Herat geplant. Die Realisierung des Projektes erlaubt es Afghanistan durch Transit einen Gewinn von 400-500 Millionen US-Dollar pro Jahr zu erwirtschaften und soll circa 30.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Auch der Ausbildung von Personal wird hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Im usbekischen Termez gibt es ein Bildungszentrum für afghanische Staatsangehörige, in der 130 Personen lernen. Deren Zahl soll in Zukunft auf 250 steigen.

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Kamilow erinnerte daran, dass auf dem Gebiet der Freihandelszone „Termez“ Industrie aufgebaut werde, deren Produkte für Afghanistan notwendig seien. Der Umsatz zwischen den beiden Ländern sei in den vergangenen Monaten um 25 Prozent auf 600 Millionen US-Dollar gestiegen. In näherer Zukunft könne er auf bis zu einer Milliarde US-Dollar steigen.

Außerdem merkte der Außenminister an, dass Usbekistan seinen Nachbarn auch humanitäre Hilfe leiste. So seien im Sommer aufgrund einer Dürre mehr als 3000 Tonnen Getreide, Lebensmittel und Kleidung nach Afghanistan geliefert worden. Im November schenkte der usbekische Präsident Afghanistan 25 Autobusse sowie landwirtschaftliche Geräte.

Fergana News

Aus dem Russischen von Robin Roth

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