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	<title>Zweitfrau Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Zweitfrau Archives</title>
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		<title>Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Turkmenistan verbreitet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 22:15:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl Polygamie seit 2018 verboten ist, ist sie in der turkmenischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Bedeutung der Tradition und der sozio-&#xF6;konomische Kontext sind die Hauptursachen. Laut einer im Dezember von Radio Free Europe ver&#xF6;ffentlichten Recherche ist Polygamie in Turkmenistan weit verbreitet. Sie gilt als neue Norm im Alltag der Turkmen:innen. Allerdings hat das turkmenische [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Obwohl Polygamie seit 2018 verboten ist, ist sie in der turkmenischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Bedeutung der Tradition und der sozio-ökonomische Kontext sind die Hauptursachen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer im Dezember von Radio Free Europe veröffentlichten <a href="https://www.instagram.com/p/DR6h6_6gbtK/?img_index=1">Recherche</a> ist Polygamie in Turkmenistan weit verbreitet. Sie gilt als neue Norm im Alltag der Turkmen:innen. Allerdings hat das turkmenische Parlament 2018 ein Gesetz verabschiedet, das die Polygamie verbietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Quellen von Radio Free Europe zufolge ist Polygamie immer häufiger geworden, insbesondere unter Geschäftsleuten und Beamten. Diese Männer haben mehrere Ehefrauen, eine offiziell und weitere durch religiöse oder inoffizielle Vereinbarungen. Unter dem Sowjetregime war Polygamie bereits verboten und wurde mit bis zu zwei Jahren Arbeitslager bestraft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Last der Tradition</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tradition wird als einer der Gründe für dieses Phänomen benannt. &nbsp;Diese Begründung gab Turkmenistans erster Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saparmyrat_Ny%C3%BDazow">Saparmyrat Nyyazow</a> 1999, um Polygamie zu legalisieren. Er sprach insbesondere von der Notwendigkeit, „<em>lokale Gebräuche und alte Traditionen zu respektieren“</em>, ohne die Legalisierung jedoch offiziell umzusetzen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Polygamie ist ein fester Bestandteil der turkmenischen Kultur, ob es uns gefällt oder nicht. Sie ist ein Element der nationalen Identität“</em>, erklärt Aynabat Yaylymova, Leiterin der <a href="https://progres.online/">Progres Foundation</a>, einer auf Menschenrechte in Turkmenistan spezialisierten, in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation, gegenüber Novastan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Traditionelle Praktiken, die einst als ‚rückständig‘ und ‚frauenerniedrigend‘ galten (einschließlich Polygamie, Anm. d. Red.), tauchen wieder auf und werden durch die Untätigkeit und das Schweigen des Staates begünstigt“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Soziale Akzeptanz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Yaylymova befürworte ein Teil der turkmenischen Bevölkerung die Polygamie als Reaktion auf die Versuche der Behörden, sie während der Sowjetzeit zu verbieten. <em>„Zu Sowjetzeiten galt diese Praxis den Turkmenen als archaisch und entwürdigend für die Geschlechterbeziehungen. […] Die neue postsowjetische Generation der Turkmenen ist mit der Akzeptanz oder Normalisierung dieser Beziehungsform aufgewachsen. Es könnte deutlich mehr Akzeptanz für diese Praxis geben“</em>, erklärt die Expertin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Thema Polygamie ist in Turkmenistan jedoch weiterhin ein Tabu. <em>„Die Mehrheit der Bevölkerung betrachtet es als Privatsache, ähnlich wie häusliche Gewalt oder Abtreibung. Man spricht nicht gern offen darüber, zumal Polygamie unter Strafe steht. Das Thema wird selten öffentlich diskutiert“</em>, so Yaylymova.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sozio-ökonomische Faktoren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Praxis der Polygamie wird auch durch die sozio-ökonomischen Gegebenheiten des Landes begünstigt. Laut der Recherche von Radio Free Europe akzeptieren turkmenische Familien aus Gründen wirtschaftlicher Notlage mitunter die Verheiratung ihrer Töchter als Zweit- oder Drittfrau. Denn für arme Familien ist es schwierig, eine Hochzeit zu organisieren, da die Mitgift sehr hoch ausfallen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele dieser polygamen Beziehungen basieren auf religiösen Eheschließungen. Dies verhindert allerdings, dass die Frauen und ihre Kinder rechtlichen Schutz erhalten. Weitere zu berücksichtigende Faktoren sind familiärer Druck, Unfruchtbarkeit, die Stigmatisierung unverheirateter Frauen und arbeitsbedingte Migration.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwierige Umstände für Frauen und Kinder</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aynabat Yaylymova bietet die ultrakonservative Frauenpolitik der turkmenischen Regierung einen fruchtbaren Boden für die Polygamie. <em>„Häusliche Gewalt wurde entkriminalisiert, und die Frist für einen Schwangerschaftsabbruch wurde von zwölf auf fünf Wochen verkürzt. Es ist schwierig geworden, sich scheiden zu lassen und eine gewalttätige Familie zu verlassen“</em>, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Und wenn man Indikatoren wie den sich verschlechternden Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildung und reproduktiver Gesundheitsversorgung, die zunehmende Armut und Ungleichheit sowie die verstärkte Arbeitsmigration berücksichtigt, ergibt sich diese explosive Mischung“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/polygamie-in-zentralasien-zwischen-recht-und-realitaet/"><strong>Polygamie in Zentralasien: Zwischen Recht und Realität</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Turkmenische Männer, die zur Arbeit ins Ausland gehen, gründen dort oft Zweitfamilien und lassen ihre Familien in Turkmenistan vernachlässigt und in Armut zurück. Yaylymova ist überzeugt, dass Kinder in polygamen Beziehungen am meisten leiden, da das turkmenische Zivilrecht die religiöse Ehe nicht anerkennt. <em>„Daher fällt es ihnen schwer zu verstehen, wie schutzlos sie werden, wenn der Familienvater sie verlässt“</em>, so die Expertin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Machtsymbol einflussreicher Männer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ist die Forscherin der Ansicht, dass Polygamie ein <em>„Symbol des sozialen Status [und] der Macht in einer patriarchalischen Gesellschaft“</em> ist. <em>„Es ist eine Art der Behauptung: Ich habe die Mittel und die Ressourcen, und ich kann tun, was ich will, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen“</em>, meint Yaylymova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie weist aber auch darauf hin, dass einige Frauen, insbesondere alleinerziehende Mütter und Witwen, den Wunsch hegen, die zweite oder dritte Partnerin eines Mannes zu sein. Ihrer Ansicht nach sehen sie dies als eine Möglichkeit, <em>„die umständlichen zivilrechtlichen Verfahren zu umgehen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/"><strong>Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der zunehmende Konsum und die hohen Ansprüche an ein besseres Leben machen die Vorstellung, die Zweitfrau eines Mannes zu sein, der ihr einen angemessenen Lebensstandard bieten und ihre Bedürfnisse befriedigen kann, attraktiv. Offiziell ist es schön, Ehefrau und Mutter zu sein, aber inoffiziell scheint es einfacher zu sein, mit einem reichen und einflussreichen Mann zusammenzuleben“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Leugnung durch die Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Polygamie laut Verfassung und internationalen Verpflichtungen illegal ist, leugnen die turkmenischen Behörden deren Existenz und meiden es, die damit verbundenen Probleme öffentlich anzusprechen. Daher wird sie im Verborgenen praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aynabat Yaylymova sieht darin eine institutionelle und administrative Schwäche des Staates. <em>„Es gibt zwar ein Gesetz, aber keine Durchführungsrichtlinien, keine Finanzierung, keine Umsetzung, keine Evaluierung. Es ist ein systemisches Versagen“</em>, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/"><strong>„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Die Leugnung entspricht der Weltanschauung der Regierung. Sie dient ihren Interessen. Sie läuft darauf hinaus, einem Mann zu sagen, dass er in seiner Familie tun und lassen kann, was er will. […] Der Staat setzt Männer aber auch dadurch unter Druck, dass er von ihnen erwartet, die Ernährer der Familie zu sein“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie sind Gesetze in Turkmenistan lediglich eine Formsache. <em>„Die turkmenische Gesellschaft weiß nicht, wie dieses Gesetz angewendet und umgesetzt wird und welche Position die Regierung zu dieser Praxis und diesem tief verwurzelten kulturellen Problem vertritt. […] Viele Aspekte des turkmenischen Lebens entziehen sich jeglicher rechtlichen Grundlage.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>William Onkur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/malgre-son-interdiction-la-polygamie-reste-repandue-au-turkmenistan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Usbekistan bekämpft Polygamie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:29:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
		<category><![CDATA[Zweitfrau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 31. Oktober 2023 unterzeichnete der Pr&#xE4;sident Usbekistans, Shavkat Mirziyoyev, ein Gesetz zur &#xC4;nderung des Strafgesetzbuchs und des Gesetzes &#xFC;ber die Verwaltungszust&#xE4;ndigkeit, mit dem die Bef&#xFC;rwortung von Polygamie und religi&#xF6;ser Eheschlie&#xDF;ung (nikah) ohne offizielle Registrierung bei den staatlichen Beh&#xF6;rden unter Strafe gestellt wird. Polygamie ist in den letzten Jahren in Usbekistan zu einem hei&#xDF;en Thema [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 31. Oktober 2023 unterzeichnete der Präsident Usbekistans, Shavkat Mirziyoyev, ein Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Gesetzes über die Verwaltungszuständigkeit, mit dem die Befürwortung von Polygamie und religiöser Eheschließung (<em>nikah</em>) ohne offizielle Registrierung bei den staatlichen Behörden unter Strafe gestellt wird.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Polygamie ist in den letzten Jahren in Usbekistan zu einem heißen Thema geworden, insbesondere nachdem usbekische Blogger:innen skandalöse Videos in sozialen Netzwerken veröffentlicht hatten, in denen sie für Polygamie warben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bloggerin schenkt Ehemann eine zweite Frau</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein solcher Skandal war ein Video der beliebten Insta-Bloggerin Gulzoda Abdullaeva. Sie zeigt in einem Video, wie sie ihrem Mann zu ihrem Hochzeitstag scherzhaft <a href="https://t.me/digestuz/21647">eine zweite Frau schenkt</a>. Die als zweite Braut verkleidete Schauspielerin befand sich in einer Geschenkschachtel, die Abdullaeva vor ihrem Mann öffnete. Abdullaevas Community reagierte vor allem negativ auf das Video, da es Bigamie fördere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der öffentlichkeitswirksamen Resonanz in den sozialen Netzwerken wurden die Strafverfolgungsbehörden auf Abdullaeva aufmerksam. Die Bloggerin selbst postete ein Video auf ihrer Seite, in dem sie erklärte, dass es sich bei dem Video um einen Scherz handelte und ihre Follower an die Verantwortung des Landes für die Polygamie erinnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/trotz-verbot-polygamie-bleibt-in-usbekistan-verbreitet/"> Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Usbekistan verbreitet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenfalls viral ging der Beitrag eines Usbeken, der in einem Video ein Auto im Wert von 170‘000 Dollar zeigt, das er <a href="https://uznews.uz/posts/66317">seiner zweiten Frau schenken will</a>. Anstelle eines Kennzeichens trägt das Auto ein Schild mit der Aufschrift „02 Hotinimga“ (Usbekisch für „für seine zweite Frau“).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Polygamie offiziell verboten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht von Nargis Kosimova, Forscherin und Medienexpertin, beeinflussen solche Posts die Vorstellung von Ehe bei jungen Mädchen stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziell ist Polygamie in dem Land verboten und steht unter Strafe. Nach Artikel 126 („Polygamie“) des usbekistanischen Strafgesetzbuchs wird Polygamie, d. h. das Zusammenleben mit zwei oder mehr Frauen auf der Grundlage eines gemeinsamen Haushalts, mit einer Geldstrafe, Strafarbeit oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotz des offiziellen Verbots werden solche Ehen in der Gesellschaft als normal empfunden und oft romantisiert. Beobachtenden zufolge ist Polygamie in Usbekistan in den letzten Jahren alltäglich geworden. Die Folgen solcher Ehen sind jedoch oft traurig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zebos Geschichte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist die Geschichte von Zebo Shukurova, 35, aus Taschkent, die seit 10 Jahren mit einem Mann verheiratet ist, der zwei Ehefrauen hat. Als erste Frau hat sie ihrem Mann jedoch selbst die Erlaubnis gegeben, eine zweite Ehe einzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erzählt, dass ihr Mann nach sechs Jahren Ehe eines Tages an ihrem Arbeitsplatz vorbeikam und ihre Kollegin traf, während er auf seine Frau wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Mädchen war 20 Jahre alt. Ich habe dem keine Beachtung geschenkt. Ein paar Wochen später erfuhr ich von meinen Kolleginnen, dass mein Ehemann mit diesem Mädchen zusammen ist. Ich war am Boden zerstört, beschloss aber, mich zusammenzureißen und mit ihm zu reden. Mein Mann hat die heimlichen Treffen mit einer anderen Frau nicht einmal geleugnet. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber ich wollte auf keinen Fall meine Familie verlieren, indem ich mich scheiden lasse. Da habe ich ihm gesagt, dass es mir nichts ausmachen würde, wenn er sie zur Frau nehmen würde. Ich bat sie nur darum, getrennt zu leben. Zwei Monate später schlossen sie den Bund der Ehe“</em>, erinnert sich Shukurova.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/polygamie-in-kirgistan-ehemaliger-mufti-lost-polemik-aus/"> Polygamie in Kirgistan: ehemaliger Mufti löst Polemik aus</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz all ihrer Bemühungen gelang es ihr jedoch nicht, die Ehe zu retten. Nachdem die zweite Frau ein Kind zur Welt gebracht hatte, wurde sie eifersüchtig auf Zebo und bestand darauf, dass er sich von ihr scheiden ließ. Stattdessen schlug der Ehemann vor, in einem Haus zu leben. Das gemeinsame Leben der beiden Familien in einem Haus funktionierte nicht und Zebos Ehemann warf sie einen Monat, nachdem die zweite Frau eingezogen war, hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich erkannte, dass ich dumm gewesen war. Bei dem Versuch, die Ehe zu retten und meinem Ex-Mann zu gefallen, habe ich mich selbst gedemütigt. Jetzt haben wir ein Scheidungsverfahren laufen. Er versucht, mir unseren Sohn und das Haus wegzunehmen, das wir während der Ehe mit einer Hypothek gekauft haben. Nur zwei Menschen können in Liebe und Harmonie leben. Davon habe ich mich aus eigener Erfahrung überzeugt“</em>, erzählt Shukurova.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein strukturelles Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zebo ist nicht das erste Opfer von Polygamie in Usbekistan, so die in Taschkent ansässige Rechtsanwältin Ekaterina Denisova. Es gibt keine offiziellen Statistiken zu Zweit- und Mehr-Ehen in Usbekistan, da das Gesetz dies nicht zulässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Solche Ehen werden jedoch in der Gesellschaft ganz normal wahrgenommen und oft romantisiert“</em>, sagte die Rechtsanwältin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Männer in Usbekistan rechtfertigen Polygamie und sagen, dass der Islam ihnen erlaubt, bis zu vier Frauen zu haben. Auch einige Frauen unterstützen diesen Trend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Forscherin Kosimova stellt fest, dass in Usbekistan ein Trend zu beobachten ist: Junge Mädchen wollen bewusst als zweite Frau heiraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/">„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Laut Umfragen gibt es in Usbekistan viele Mädchen, die davon träumen, eine Zweitfrau zu werden. Das ist sehr traurig. Sie erklären diesen Wunsch mit der Tatsache, dass Zweitfrauen in der Ehe Anspruch auf ein Auto und ein Haus haben und von den Pflichten der Hausarbeit und der Pflege der Eltern ihres Mannes befreit sind“</em>, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihrer Meinung nach vergessen die Mädchen bei ihrem Streben nach materiellen Vorteilen jedoch die andere Seite der Medaille. Kinder, die in solchen Ehen geboren werden, haben keinerlei sozialen Schutz. Ein Mann kann die Beziehung zu einer solchen Frau jederzeit beenden und sie wiederum hat keinen Anspruch auf Sozialhilfe in Form von Unterhaltszahlungen oder Beihilfen für den Unterhalt ihrer Kinder. Ganz zu schweigen von den fehlenden Eigentumsrechten für das Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe sehr viele Situationen erlebt, in denen in solchen Ehen, wenn Kinder geboren werden, der Mann das Kind nicht unter seinem Nachnamen annimmt. Meistens werden die Kinder auf den Namen des Bruders oder des Vaters der Frau eingetragen, was den leiblichen Vater von jeglicher Verantwortung für das Kind in der Zukunft entbindet. Eine solche Ehe kann in der Zukunft zu einem großen Problem für die Frau werden“</em>, erzählt sie weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zweitehen im Ausland</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Fälle, so Kosimova, haben die Regierung dazu veranlasst, neue Änderungen am Strafgesetzbuch und am Gesetz über die Verwaltungshaftung vorzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekische Männer schließen Ehen mit Zweitfrauen nicht nur in Usbekistan, sondern auch außerhalb des Landes. Wenn sie das Land verlassen, um Geld zu verdienen, beginnen sie eine Lebensgemeinschaft mit einer Frau in einem anderen Land. Die Familien in Usbekistan werden ohne ausreichende finanzielle Unterstützung zurückgelassen. Wenn der Mann nicht nach Hause zurückkehren will, kann die Schwiegertochter einfach aus dem Haus geworfen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Problem ist ein Teufelskreis. Zuerst wollen sie den Mädchen keine Ausbildung geben und rechtfertigen dies damit, dass sie heiraten und zu Hause bleiben werden. Viele heiraten jung und verschulden sich, um eine üppige Hochzeit zu veranstalten. Die Schwiegereltern schicken ihren Sohn zum Arbeiten in ein anderes Land, wo der Mann in einer zivilen Ehe eine Familie gründet, während die Schwiegertochter zu Hause bleibt, wo sie für die Erziehung der Kinder und den Haushalt verantwortlich ist“</em>, so Kosimova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist der Meinung, dass dieser Teufelskreis nur durchbrochen werden kann, indem junge Menschen von der Schulzeit an erzogen werden: <em>„Eine gute Bildung, sowohl konventionell als auch religiös, kann die Situation verbessern. Vielleicht wird dann jedes Mädchen und jeder Junge, der eine inoffizielle Ehe eingeht, vorausdenken und sich der Konsequenzen bewusst sein.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Happy End?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zebo Shukurova, die in einer offiziellen Ehe Opfer der Polygamie wurde, zieht ihren Sohn allein auf und arbeitet weiter an ihrer Karriere.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich hatte Glück. Bereits vor meiner Heirat hatte ich einen Beruf, von dem ich jetzt meinen Sohn und mich ernähren kann. Ich bin eine erfolgreiche Visagistin in Taschkent. Selbst Geld zu verdienen ist schwer, aber es ist viel besser, als von einem Mann abhängig zu sein und eine schlechte Einstellung zu mir selbst zu ertragen. Der größte Fehler, den junge Mädchen machen können, ist, übertriebenen Versprechungen Glauben zu schenken und einer inoffiziellen Ehe zuzustimmen“</em>, meint sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den sozialen Medien sind die Gesetzesänderungen zu Polygamie wohlwollend aufgenommen worden. Die Zeit wird zeigen, wie sich das Gesetz nun auswirkt und ob es die Situation in Bezug auf Polygamie und inoffizielle Ehen in dem Land verändern wird. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Elina Beknazarova für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="/Users/mh23l754/Downloads/Am%2031.%20Oktober%202023%20unterzeichnete%20der%20Präsident%20Usbekistans,%20Shavkat%20Mirziyoyev,%20ein%20Gesetz%20zur%20Änderung%20des%20Strafgesetzbuchs%20und%20des%20Gesetzes%20über%20die%20Verwaltungszuständigkeit,%20mit%20dem%20die%20Befürwortung%20von%20Polygamie%20und%20religiöser%20Eheschließung%20(nikah)%20ohne%20offizielle%20Registrierung%20bei%20den%20staatlichen%20Behörden%20unter%20Strafe%20gestellt%20wird.">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



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