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	<title>Zentralasien Sozial Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Wed, 23 Aug 2023 17:38:10 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Zentralasien Sozial Archives</title>
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		<title>„Wenn es an Kompetenz mangelt, ist es einfacher, dies mit Geld zu kompensieren“ – Über Sozialarbeit in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aislu Asan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Apr 2023 19:40:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Dinara Esimova]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien Sozial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Kasachstan braucht Sozialarbeiter:innen. In deren Ausbildung investiert der Staat aber kaum. Im Interview mit Almakz.Info spricht Dinara Esimova, Gesch&#xE4;ftsf&#xFC;hrerin der Nationalen Allianz der Sozialarbeiter &#xFC;ber den Arbeitsalltag ihres Berufsstandes, die Ausbildungssituation an kasachstanischen Universit&#xE4;ten sowie den Mangel an Anerkennung. &#x201E;Zentralasien Sozial&#x201C; ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts &#x201E;Consolidation of [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Kasachstan braucht Sozialarbeiter:innen. In deren Ausbildung investiert der Staat aber kaum. Im Interview mit Almakz.Info spricht Dinara Esimova, Geschäftsführerin der Nationalen Allianz der Sozialarbeiter über den Arbeitsalltag ihres Berufsstandes, die Ausbildungssituation an kasachstanischen Universitäten sowie den Mangel an Anerkennung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zentralasien Sozial“ <em>ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema Soziale Arbeit organisiert.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel erschien am 30. August 2022 auf </em><a href="https://almakz.info/archives/2635"><em>Almakz.Info</em></a><em>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen drei Jahren standen für die Ausbildung von Sozialarbeiter:innen an den Universitäten in Kasachstan jährlich 350 Stipendien bereit. Angesichts dessen, dass Expert:innen von den Ministerien eine Anzahl von 4000 Stipendien jährlich einfordern, ist dies wenig. Im Vergleich dazu wurde im Jahr 2019 nicht ein einziges Stipendium für diese Studienrichtung vergeben.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während an den Universitäten qualifizierte Sozialarbeiter:innen für die Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen vorbereitet werden, werden soziale Hilfsleistungen in Kasachstan durch NGOs erbracht. Dabei versteht die Mehrheit der Kasachstaner:innen Sozialarbeiter:innen als Haushaltshilfen. Warum der Beruf der Sozialarbeiter:innen nicht als relevant erachtet wird und wie sich diese Situation ändern könnte, erzählt Dr. Dinara Esimova, Geschäftsführerin der <a href="https://www.napsw.kz/en">Nationalen Allianz der Sozialarbeiter</a>, im Gespräch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dinara, was ist das für ein Beruf, Sozialarbeiter:in?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dinara Esimova: Wir haben ein Gesetz über spezielle soziale Dienstleistungen. Vor allem Staatsbedienstete und NGOs kennen es, in der Bevölkerung weiß aber kaum jemand davon. Sozialarbeiter:innen sind diejenigen, die die in diesem Gesetz beschriebenen Hilfsleistungen erbringen. Die Bezeichnung „Sozialarbeiter“ war im Jahr 2009 viel im Gespräch, als das Gesetz erschien. Heute kann man sagen, dass der Begriff des Sozialarbeiters und die Definition im Gesetz größtenteils fehlen. Soziale Arbeit wird in anderen Ländern als ein konkreter Beruf verstanden, der sich dem Kampf gegen Armut, der Wohlfahrt, positiven Veränderungen in der Gesellschaft und der Ausweitung der Rechte und Möglichkeiten von Menschen widmet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wenn-ich-damals-richtig-aufgeklaert-worden-waere-haette-ich-nicht-so-viel-zeit-verloren-ueber-hiv-selbsthilfe-in-almaty/">„Wenn ich damals richtig aufgeklärt worden wäre, hätte ich nicht so viel Zeit verloren“ – Über HIV-Selbsthilfe in Almaty</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Staat kommt das zugute. Jeder Dollar, der in Soziale Arbeit investiert wird, bringt 25 Dollar ein. Bei uns sind rund 79% aller Sozialarbeiter:innen Haushaltshilfen, die beim Putzen und dem Einkauf von Lebensmitteln unterstützen. Es gibt sie in jeder Stadt, jedem Bezirk oder Dorf. Auf dem Dorf können zu den Aufgaben der Sozialarbeiter:innen auch die Beschaffung von Kohle und Zubereitung von Essen hinzukommen. Ein Großteil der Sozialarbeiter:innen besitzt keine entsprechende Ausbildung. Würde man alle Sozialarbeiter:innen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be_(Gebiet)">Gebiets Aqtóbe</a> versammeln und sie fragen, wer von ihnen eine professionelle Ausbildung durchlaufen hat, würden wohl nur wenige die Hand heben. Dennoch gibt es auch unter ihnen einige, die eine vierjährige Ausbildung an der Universität erhalten haben, wir bilden sie in internationalen Kompetenzen aus und sie werden für 70.000 Tenge als „Hol- und Bringdienst“ in der Heimarbeit beschäftigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das bedeutet, die Universitäten bilden Fachleute aus, aber Arbeit gibt es keine?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der staatliche Arbeitsmarkt ist nicht bereit, Fachleute einzustellen. Deshalb sage ich auch, dass es für den Beruf des Sozialarbeiters einen Auftrag von staatlicher Seite geben sollte. Wir betreiben Lobbyarbeit in dieser Angelegenheit, besonders in den Regionen. Aber diesen Prozess kontrollieren können wir nicht, zumindest erhalten wir als Antwort, dass die Regionen sich selbst im Klaren darüber sind, was sie benötigen. Außerdem wird das Arbeitsministerium nicht in der Lage sein, den Bedarf an Sozialarbeiter:innen zu begründen, da diese in Kasachstan nicht in die Kategorie der strategisch benötigten Berufe fallen. Und alle Stellen für Sozialarbeiter:innen werden mit Menschen ohne Ausbildung besetzt. Dagegen schreiben Arbeitgeber in anderen […] Staaten, wie etwa Aserbaidschan, vor, dass lediglich Personen mit einer entsprechenden beruflichen Qualifikation eingestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aber auch NGOs können doch qualifizierte Mitarbeiter:innen einstellen, oder nicht?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">NGOs nehmen staatliche Aufträge an, bei denen in den Bedingungen festgehalten ist, dass es einen qualifizierten Sozialarbeiter geben sollte. Sie können jedoch auch einfach einen entsprechenden Mitarbeiter einstellen und wieder entlassen und selbst diese Aufgabe übernehmen. Das ist nicht professionell. NGO-Mitarbeiter:innen brennen nicht darauf, zur Arbeit zu gehen und eine Ausbildung zu machen, weil für sie sowieso überall grünes Licht gegeben wird. Sie erhalten Fördergelder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rueckkehr-ins-normale-leben-ueber-obdachlosenhilfe-in-astana/"><strong>Rückkehr ins normale Leben – Über Obdachlosenhilfe in Astana</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Qualität der Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Verwirklichung von Förderprojekten misst niemand. In diesem Bereich gibt es keine Kontrolle. An den Universitäten in Kasachstan gibt es kein einziges reines Soziologieinstitut. Wenn wir 4000 Stipendien fordern, dann ist das die Anzahl an Fachleuten für eine Bevölkerung von 20 Millionen und man muss zusätzlich bedenken, dass die sozialen Umstände in unserem Land nicht die allerbesten sind. Aber wir sind uns auch im Klaren, dass selbst wenn es eine solche Anzahl an Stipendien gibt, es offen ist, ob unsere Institute in der Lage sind, jedes Jahr 4000 fähige Fachleute hervorzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das heißt, dass nicht nur NGOs, sondern auch Beamte Kompetenzen eines Sozialarbeiters haben sollten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr verlieren bei uns mehr und mehr Familien die Fähigkeiten, selbstständig zu leben. Unterm Strich arbeiten alle nach dem Prinzip „Wir sind für diejenigen verantwortlich, die wir gezähmt haben“ [Anspielung auf ein Zitat aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_kleine_Prinz">Der Kleine Prinz</a>, Anm. d. Ü.]. Und dann beschweren sie sich, dass das Arbeitsministerium am meisten finanzielle Mittel erhält und diese für Sozialleistungen ausgegeben werden. Und Schuld daran ist nicht die Familie, sondern die Administration. Die Beamt:innen prüfen die Situation im Land nicht: die Entwicklung, was für Risiken und welche weiteren Möglichkeiten bestehen. Deswegen können sie auch keine richtig qualifizierte Hilfe leisten. Wenn es an Kompetenz mangelt, dann ist es einfacher dies mit Geld und Produkten zu kompensieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was könnte man von den Erfahrungen anderer Länder lernen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan wurden aus dem Kreis der Sozialarbeiter:innen bereits 12 Supervisor:innen ausgebildet. An der Nationalen Universität in Taschkent wurde bereits ein Institut für Soziale Arbeit eröffnet. Zusätzlich ist vorgesehen, Staatsbedienstete in Kompetenzen aus dem Bereich der Sozialen Arbeit zu schulen. In Kirgistan gibt es seit 2015 ein Sozialamt für Kinderschutz, das dem Ministerium für soziale Sicherung unterstellt ist. Bei uns ist das Komitee zum Schutz von Kinderrechten dem Bildungsministerium zugeordnet und das ist etwas ganz anderes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ist-es-einfach-sozialarbeiterin-zu-sein/"><strong>Ist es einfach, Sozialarbeiterin zu sein?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt, dass es in Kirgistan ein Ministerium für Kinderschutz gibt, dessen Spezialist:innen Case Management betreiben, was bei uns nicht geschieht. Vor kurzem haben wir an einer Sommerschule in Deutschland teilgenommen. Allein eine Hochschule in Frankfurt bringt jährlich 2200 Spezialist:innen hervor und im benachbarten Mannheim sind es 600 Sozialarbeiter:innen. Deutschlandweit beläuft sich die Zahl jährlich auf rund 12.000 Sozialarbeiter:innen. Hierfür sind Fakultäten an den Universitäten eingerichtet. In Frankfurt ist die entsprechende Fakultät bereits 40 Jahre alt. Es spielt keine Rolle, über die Erfahrungen welches Landes wir sprechen. Hauptsache, wir reden darüber, was wir können und was nicht. Wir sollten unser eigenes Rezept kreieren hinsichtlich der optimalen Gesetzeslage, damit Sozialarbeiter:innen sich international austauschen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Errungenschaften der Sozialen Arbeit motivieren Sie? Wie sind diese bereits für kasachstanische Familien greifbar geworden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann sagen, dass sich die Praxis der Sozialen Arbeit in unserem Land im Vergleich zur akademischen Disziplin weiterentwickelt hat. Wenn man etwa das Case Management betrachtet, also die soziale Begleitung von Familien, so erhält seit 2017 jede schwangere Frau sowie Familien mit Kindern unter 5 Jahren eine Beratung von einer ambulanten Pflegekraft. Wenn im Zusammenhang mit einer Familie Risiken bekannt sind, dann wird ein spezieller Plan zur sozialen Begleitung ausgearbeitet und die Familie an die Dienste der medizinischen Grundversorgung übergeben.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Heute ist Case Management nicht nur unter ambulanten Pflegekräften, sondern auch unter Allgemeinmediziner:innen und sogar Oberärzt:innen bekannt, nachdem dafür ein entsprechendes Programm ausgearbeitet und Zuschüsse gewährt wurden. Bei unserer Einschätzung legen wird nicht zugrunde, wie schlecht es in einer Familie läuft oder wodurch ein Mangel entsteht. Wir suchen positive Aspekte, um das Potenzial der Familie weiterzuentwickeln, damit sie langfristig auf eigenen Beinen stehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aislu Asan für <a href="https://almakz.info/archives/2635">Almakz.Info</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>


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		<title>„Wenn ich damals richtig aufgeklärt worden wäre, hätte ich nicht so viel Zeit verloren“ – Über HIV-Selbsthilfe in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aislu Asan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2023 11:31:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien Sozial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Zulf&#x131;a Saparova aus Almaty lebt seit 15 Jahren mit HIV. In den ersten zwei Jahren akzeptierte die dreifache Mutter die Diagnose nicht, weil sie nichts &#xFC;ber das Humane Immundefizienz-Virus wusste. Seit drei Jahren ber&#xE4;t sie Frauen, die erst k&#xFC;rzlich ihre Diagnose erhalten haben. Zulf&#x131;a spricht &#xFC;ber die Akzeptanz des HIV-Status, die Vorteile von [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Zulfıa Saparova aus Almaty lebt seit 15 Jahren mit HIV. In den ersten zwei Jahren akzeptierte die dreifache Mutter die Diagnose nicht, weil sie nichts über das Humane Immundefizienz-Virus wusste. Seit drei Jahren berät sie Frauen, die erst kürzlich ihre Diagnose erhalten haben. Zulfıa spricht über die Akzeptanz des HIV-Status, die Vorteile von Peer-Beratung und die Bedeutung von Informationen, damit die Betroffenen nicht verzweifeln oder wertvolle Zeit verlieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zentralasien Sozial“ ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema soziale Arbeit organisiert.</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zulfıa, 53, ist weder drogenabhängig noch eine promiskuitive Frau, wie man in der kasachstanischen Gesellschaft beim Wort <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/HIV">HIV</a> gemeinhin annimmt. Viele Jahre lang hatte sie Schuldgefühle gegenüber ihrem jüngsten Sohn: Das Virus wurde durch das Stillen auf ihn übertragen, als sie sich ihrer Diagnose noch nicht bewusst war. Zulfıa verstand nicht, wo sie sich mit dem Virus angesteckt haben könnte, leugnete die Diagnose und glaubte an eine Verschwörung in der Pharmaindustrie, die sich an Menschen wie ihr bereichern wollte. Und das alles, weil sie nichts über HIV und Therapiemöglichkeiten wusste, durch welche ein langes und erfülltes Leben möglich ist. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Erst später wurde ihr klar, dass sie sich in einer medizinischen Einrichtung infiziert hatte. Und sie realisierte, dass sie ihrem HIV-positiven Kind zuliebe etwas dagegen unternehmen musste. <em>„Ich habe mich zusammengerissen, weil ich sehen wollte, wie mein Sohn groß wird und zur Schule geht. Ihm zuliebe habe ich eine Therapie begonnen. Aber die Schuldgefühle haben mich nicht verlassen“</em>, erklärt Zulfıa.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hilfe zur Selbsthilfe</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Sie erkannte, dass sie nicht nur eine Behandlung brauchte, sondern auch Unterstützung und Kommunikation mit Menschen, die wie sie selbst HIV-positiv waren. Sie wollte verstehen, wie sie mit der Immundefizienz lebten. Deshalb zogen sie und ihr Sohn vom regionalen AIDS-Zentrum in das städtische um, wo es entsprechende Fachleute wie Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen gab. Im Jahr 2015 gründeten Eltern infizierter Kinder eine allgemeine Schulung zum Verständnis von HIV und dem Leben mit der Krankheit; so entstand der Eltern-Chatraum. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir wollten, dass auch unsere Kinder eine Invaliditätsleistung erhalten, unabhängig von zusätzlichen Krankheiten. So wie für die Kinder im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdkasachstan">Südkasachstan</a>, wo sich im Jahr 2006 Kinder mit HIV infiziert haben“</em>, erinnert sich Zulfıa. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rueckkehr-ins-normale-leben-ueber-obdachlosenhilfe-in-astana/">Rückkehr ins normale Leben – Über Obdachlosenhilfe in Astana </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel wurde erreicht, und die Mutter erfuhr danach immer mehr über die Lebensperspektiven ihres Sohnes. Aus dem Sommerlager in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sotschi">Sotschi</a> brachte er eine neue Erkenntnis mit: HIV-positive Menschen können gesunde Kinder bekommen. <em>„Ein Stein fiel mir vom Herzen. Ich dachte, dass er nicht in der Lage sein würde, eine Familie zu gründen. Er wollte keine Kinder haben. Als er zurückkam, hat er alle meine Fragen beantwortet. Ich wollte immer mehr über die Krankheit erfahren, alles Neue kennen lernen“</em>, erzählt die Mutter. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Von der Betroffenen zur Beraterin</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Zulfıa nahm aktiv an verschiedenen Schulungen teil. Heute ist sie Beraterin bei der Gemeinschaftsstiftung Peer Plus. Die Mitarbeiter:innen des Zentrums für AIDS-Prävention und -Kontrolle in Almaty vermitteln den Frauen ihre Kontakte, und Zulfıa hilft ihnen, sich selbst zu akzeptieren. Sie erklärt ihnen, wie sie mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Antiretrovirale_Therapie">ARV-Therapie</a> ein erfülltes Leben führen können. Eine von ihnen ist Svetlana (Name geändert). Als Zulfıa sie das erste Mal traf, weigerte sie sich, die Tabletten zu nehmen und bat darum, in Ruhe gelassen zu werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ehemann der Frau war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Als Zulfıa ihr sagte, dass auch sie HIV-positiv und zu einem Gespräch bereit sei, meldete sich die Frau nicht. Drei Monate später besuchten sie und eine Krankenschwester Svetlana erneut. <em>„Wir sagten, wir seien weiterhin bereit für ein Gespräch mit ihr und werden wiederkommen. Schließlich habe ich sie zum Reden gebracht und überredet, sich behandeln zu lassen. Ihr Immunsystem war bereits geschwächt“</em>, erinnert sich die Peer-Beraterin. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/code-103-wie-straftaten-nach-artikel-120-in-usbekistan-tatsaechlich-geahndet-werden/">Code 103 – Wie Straftaten nach Artikel 120 in Usbekistan tatsächlich geahndet werden </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend half sie Svetlana bei der Erstellung der Behandlungsunterlagen. So kam die Frau zur Selbsthilfegruppe der Stiftung, in der Frauen ihre Geschichten erzählten. Jetzt erhält sie nicht nur eine Therapie, sondern spricht auch bei Treffen darüber, wie sie gelernt hat, mit HIV zu leben. Zulfıa bezeichnet sich selbst nicht als Sozialarbeiterin, da sie keine spezielle Ausbildung hat. Sie ist jedoch davon überzeugt, dass Peer-Beratung mit ansprechenden Schulungen und verständlichen Präsentationen der effektivste Weg ist, um die Bevölkerung mit den nötigen Informationen zu versorgen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>HIV – immer noch ein heikles Thema in Kasachstan
</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Jahr 2020 stellten wir Fragen zu den Übertragungswegen von HIV in den Straßen von Almaty. Junge Menschen haben eher korrekt geantwortet, sie sind besser informiert. Doch die ältere Generation bat uns wegzubleiben. Sie sind überzeugt, dass HIV so ansteckend wie eine Grippe ist“</em>, so Zulfıa.

Sie ist der Meinung, dass der Ansatz der HIV-Behandlung selbst die Betroffenen diskriminiert. Warum sollten solche Patient:innen gesondert behandelt werden? Warum wird diese Krankheit nicht so wahrgenommen wie zum Beispiel Diabetes oder Krebs? Nur in den postsowjetischen Ländern bestehen separate AIDS-Zentren, in europäischen sind sie in allgemeinen Krankenhäusern untergebracht.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Im Jahr 2022 werden in Kasachstan über 30.000 Menschen mit HIV leben. Der Anteil von Frauen an neu entdeckten Fällen liegt bei 33 Prozent. Mehr als 3.000 bleiben unbehandelt.

Expert:innen zufolge weiß die Bevölkerung Kasachstans so gut wie nichts über HIV, bis sie direkt mit der Krankheit konfrontiert werden. Deshalb ist es wichtig, nicht nur über Übertragungswege und Vorbeugung zu informieren, sondern auch darüber, dass HIV keine Plage des 21. Jahrhunderts mehr ist, sondern dass es vor allem darum geht, sich selbst zu helfen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aislu Asan, Kasachstan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Michèle Häfliger</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Ist es einfach, Sozialarbeiterin zu sein?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rgolumov]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2023 11:18:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Caritas]]></category>
		<category><![CDATA[Shahritus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien Sozial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Der Bereich der sozialen Arbeit gewinnt in Tadschikistan an Interesse, da das Risiko des Alterns im Land gr&#xF6;&#xDF;er wird und die Geburt von Menschen mit Entwicklungsbesonderheiten zunimmt. Umso wichtiger ist es , Fachleute in ihrer N&#xE4;he zu haben. &#x201E;Zentralasien Sozial&#x201C; ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts &#x201E;Consolidation of CBR [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Der Bereich der sozialen Arbeit gewinnt in Tadschikistan an Interesse, da das Risiko des Alterns im Land größer wird und die Geburt von Menschen mit Entwicklungsbesonderheiten zunimmt. Umso wichtiger ist es , Fachleute in ihrer Nähe zu haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zentralasien Sozial“ ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema soziale Arbeit organisiert.</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2012 gibt es im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schahritus">Schahritus</a> im Süden Tadschikistans das „Zentrum für häusliche Sozialhilfe“. Dieses Zentrum wurde vom Ministerium für Gesundheit und Soziales dank der finanziellen Unterstützung der Europäischen Union und von Caritas Deutschland eröffnet. Momentan arbeiten 13 Mitarbeiter:innen im Sozialhilfezentrum, davon neun  Sozialarbeiter:innen. Eine von ihnen ist die 22-jährige Lailo Nuralijewa, die an der Universität von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bochtar">Bochtar</a> im dritten Jahr Grundschullehramt studiert. Seit 2021 arbeitet sie in diesem Beruf und unterstützt Menschen, die ihre Hilfe benötigen. Zurzeit betreut sie acht Personen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Vielseitige Aufgaben</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Dienstleistungsnutzende &#8211; wie sie von den Sozialarbeiter:innen genannt werden – sind Personen, die Kund:innen eines sozialen Dienstes sind. Oftmals handelt es sich um Menschen mit Behinderungen oder um alleinstehende Personen. Das Wort ist unter den Sozialarbeiter:innen sehr beliebt, weil sie es als unethisch empfinden, von Kund:innen zu sprechen. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Ursprünglich hatte Lailo viele Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit den Dienstleistungsnutzenden. Viele von ihnen wollten nur erfahrene Mitarbeiter:innen und sie hatte noch nie zuvor mit schwer kranken Menschen und Menschen mit Entwicklungsbesonderheiten gearbeitet. Sie musste dieses Handwerk von Null auf erlernen. Lailo wollte zuerst nicht, aber ihre Mutter überzeugte sie. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Meine Mutter arbeitet auch im sozialen Bereich und als sie mir erzählte, dass es für sie schwierig war, mit einigen ihren Dienstleistungsnutzenden umzugehen, dass sie unterschiedliche Charaktere und Temperament hatten und man jeden auf seine eigene Art und Weise behandeln müsse. Ich habe ihr nicht geglaubt. Jetzt sitze ich im selben Boot</em>“, schildert Lailo lachend während des Telefongesprächs. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/durch-not-zu-den-sternen/">Durch Not zu den Sternen</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Aufgaben aller Sozialarbeiter:innen gehören Aufgaben wie die Hilfe für schwer Kranke. Zusätzlich zu den medizinischen Fähigkeiten, sind die psychologische Fähigkeiten und andere wichtige Fertigkeiten notwendig. Darüber hinaus kümmert sich Lailo ums Putzen, Waschen, Kochen. Wenn nötig geht sie auch Medikamente und Lebensmittel einkaufen oder sogar zur Bank, wenn ihre Dienstleistungsnutzenden eine Rente oder sozial Sozialgeld bekommen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein Job mit Zukunft</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Im August schickte uns der Direktor nach</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hissor">Hissor</a>, <em>im Sanatorium „Schohambari&#8220;, zur Fortbildung über soziale Arbeit. Dort waren Sozialarbeiter:innen aus verschiedenen Regionen und Städten. Uns wurde über das Case Management erzählt. Die Aufgabe eines Sozialarbeiters ist es nicht, eine &#8218;Dienerin&#8216; für Bedürftige zu sein, sondern sie unterstützen dabei, selbständiger zu werden</em>“, erzählt Lailo. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher haben andere Kolleg:innen ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie wollten die Bedürftigen zur Selbstständigkeit motivieren. Aber anstatt den Anleitungen des Sozialarbeiters und dem Vorschlag zur Selbstständigkeit zu folgen, wandten sich die Dienstleistungsnutzenden sofort an das lokale Hokimiyat (Rathaus) mit Beschwerden, dass ihre Rechte verletzt werden würden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/menschen-mit-behinderung-in-zentralasien-uns-muss-man-nicht-bemitleiden/">Menschen mit Behinderung in Zentralasien: „Uns muss man nicht bemitleiden“ </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Dienstleistungsnutzende, haben die ganze Last der Hausarbeit auf die Sozialarbeiter:innen abgelegt, obwohl sie dazu selbst in der Lage wären. Sie glauben, dass dies ihre direkte Pflicht sei. Aber trotz der Schwierigkeiten in ihrem Beruf liebt Lailo ihre Arbeit und respektiert alle ihre Dienstleistungsnutzende. „<em>Ihre Kinder verließen sie, sie sind einsam und oft traurig. Wenn ich zu ihnen komme, freuen sie sich. Wir sprechen über verschiedene Themen beim Teetrinken. Manche schenken Leckereien und schicken sie zu mir nach Hause</em>”, schildert Lailo mit fröhlicher Stimme. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist sicherlich nicht einfach, in diesem Bereich zu arbeiten. Nicht jeder kann den Schmerz eines anderen teilen, auf einer Person zu hören, Ratschläge geben, unterstützen, mitfühlen und gleichzeitig ein Gesamtpaket sozialer Dienste bereitstellen. Daher haben sich eine große Anzahl von Sozialarbeiter:innen für diesen Beruf nach dem Ruf ihres Herzens entschieden.  Sozialarbeiter:in zu sein ist ein großes Privileg, da viele Fachleute ihre Arbeit lieben, schätzen und vor allem ihre Tätigkeit mit ihrer Seele durchführen, wie die Praxis in der Arbeit zeigt. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"> In diesem Zusammenhang stehen Einrichtungen der sozialen Dienste vor der Aufgabe, durch die Analyse der Bedürfnisse älterer Menschen und Menschen mit Behinderungen ein höheres Niveau zu erreichen. Sie müssen das Angebot an Dienstleistungen erweitern, einschließlich der Einführung und Erweiterung von bezahlten Dienstleistungen, und die Effizienz des Filialnetzes verbessern. Der Nutzen des Sozialen Dienstes besteht darin, dass ältere Menschen, Personen mit Behinderungen und andere gefährdete Bevölkerungsgruppen durch auf eine qualitativ hochwertige Betreuung angewiesen sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Beruf wird immer gefragt sein. Lailo antwortet auf die Frage, ob sie in diesem Bereich weiterarbeiten möchte, dass sie nach dem Fortbildungsbesuch sehr viel und Neues für sich entdeckt hat. Und sie wird versuchen, sich nach dem Studienabschluss, für ein zweites Studium zu bewerben. Aber dieses Mal im Bereich der Sozialarbeit. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Rustambek Golumov</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Aida Amangulova</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Durch Not zu den Sternen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[marhabo]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2023 11:59:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Caritas]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Soziales]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien Sozial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Menschen mit Behinderungen verstehen sich als integraler Bestandteil der Gesellschaft und sind stets bestrebt, ihre Kr&#xE4;fte f&#xFC;r den Fortschritt und Wohlstand ihres Landes einzusetzen. Rustambek Gulomov hat einen schwierigen Weg von der Bek&#xE4;mpfung innerer Komplexe bis hin zu Erfolgen als Freiwilliger im Projekt &#x201E;Niemand wird zur&#xFC;ckgelassen: Farogir&#x201C; hinter sich. Ein Portrait. &#x201E;Zentralasien Sozial&#x201C; [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Menschen mit Behinderungen verstehen sich als integraler Bestandteil der Gesellschaft und sind stets bestrebt, ihre Kräfte für den Fortschritt und Wohlstand ihres Landes einzusetzen. Rustambek Gulomov hat einen schwierigen Weg von der Bekämpfung innerer Komplexe bis hin zu Erfolgen als Freiwilliger im Projekt „Niemand wird zurückgelassen: Farogir“ hinter sich. Ein Portrait. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><i data-stringify-type="italic">„Zentralasien Sozial“ ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema soziale Arbeit organisiert.</i></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Rustambek ist 23 Jahre alt, er wurde im Bezirk Schahritus im Süden Tadschikistans geboren. Seit seiner Geburt leidet er an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Infantile_Zerebralparese">Zerebralparese</a>. Aufgrund der Krankheit zog er im Alter von 8 Jahren zusammen mit seiner Mutter zur Behandlung nach Russland. Nachdem er dort 13 Jahre gelebt hatte, kehrte er nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schahritus">Schahritus</a> zurück und sah sich vielen Stereotypen gegenüber Menschen mit Behinderungen gegenüber. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Vorher dachte ich, dass sie mich schnell akzeptieren würden, da ich Bürger Tadschikistans bin. Aber in Wirklichkeit stellte sich heraus, dass man als Mensch mit Behinderung als „Analphabet“ angesehen wird, der seine Rechte und Pflichten gegenüber dem Staat nicht kennt. Ich musste meine Rechte verteidigen“</em>, erinnert sich Rustambek.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Freunde, Interessen und Fähigkeiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eingewöhnungsphase war nicht einfach, aber dank seiner Offenheit fand Rustambek viele neue Bekanntschaften und Freunde. Er ergriff jede Gelegenheit, sich zu verwirklichen und neues Wissen zu erwerben. Und dies ist Folge eines glücklichen Zufalls. Einmal bat eine Cousine Rustambek, sie nach einem Training, an dem sie teilnahm, zu treffen. Rustambek kam viel früher am vereinbarten Ort an und beschloss, auf sie zu warten, indem er sich in die Ecke der Halle setzte, in der das Menschenrechtstraining stattfand. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So lernte Rustambek erstmals die NGO <a href="https://ru-ru.facebook.com/NGOShifo/">Shifo</a> kennen. Er wollte mehr über die Aktivitäten von Shifo erfahren und begann, an den Schulungen der Organisation teilzunehmen. Dank der aktiven Teilnahme an mehreren verschiedenen Schulungen wurde man auf Rustambek aufmerksam und er wurde in die Reihen der Freiwilligen dieser Organisation aufgenommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/menschen-mit-behinderung-in-zentralasien-uns-muss-man-nicht-bemitleiden/">Menschen mit Behinderung in Zentralasien: „Uns muss man nicht bemitleiden“ </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nachdem ich in diesem Bereich studiert habe, versuche ich als Freiwilliger, nützlich zu sein und gleichzeitig neue Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die mir helfen, meinen Horizont zu erweitern und die Möglichkeit zu bekommen, mich selbst zu verwirklichen“</em>, sagt Rustambek. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anderen auf Augenhöhe helfen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Bei Shifo leitete Rustambek Computerkurse für Menschen mit Behinderungen und beriet Eltern von Kindern mit Behinderungen. Mit seiner persönlichen Erfahrung in diesem Bereich hilft er Menschen in ähnlicher Situation bei der Lösung ihrer sozialen Probleme. 2021 startete Shifo das neue Projekt „Niemand wird zurückgelassen: Farogir“, das von der Europäischen Union und Caritas international gefördert wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt zielt darauf ab, Jugendliche, einschließlich Menschen mit Behinderungen, durch E-Governance umfassend und nachhaltig zu stärken und Lebensgrundlagen für sie zu schaffen. Im Rahmen des Projekts konnte Rustambek zum Wohle der Gesellschaft seine Talente entfalten und seine Freizeit sinnvoll nutzen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pläne für die Zukunft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Eines der Hauptziele von Caritas international ist es, Menschen mit Behinderungen zu unterstützen und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln. Dank seiner Neugier und seinem Wunsch, nützlich zu sein, konnte sich Rustambek unter den Jugendlichen der Region hervorheben und bekam die Gelegenheit, bei Caritas ein Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zu absolvieren.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich freue mich sehr über diese Möglichkeit und versuche mein Bestes zu tun, um möglichst viele Menschen, insbesondere junge Menschen, über dieses Projekt und die Aktivitäten von Caritas international im Allgemeinen zu informieren“</em>, fasst Rustambek zusammen. Als Student der juristischen Fakultät plant Rustambek nach seinem Universitätsabschluss, sein Leben und seine Arbeit mit Rechtshilfe für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien in seiner Heimatregion zu verbinden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Rustambek hilft anderen, während er seine Fähigkeiten und sein Selbstwertgefühl entwickelt, und hat das Bedürfnis, den Wissensstand von Menschen mit Behinderungen zu verbessern und ihre Rechte zu schützen. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Marhabo Ibragimova</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Rückkehr ins normale Leben &#8211; Über Obdachlosenhilfe in Astana</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rueckkehr-ins-normale-leben-ueber-obdachlosenhilfe-in-astana/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Aislu Asan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Feb 2023 17:40:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Astana]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien Sozial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Stra&#xDF;ensozialarbeit ist in Kasachstan wenig entwickelt. Obdachlosen stehen zwar sogenannte &#x201E;Zentren f&#xFC;r soziale Anpassung&#x201C; offen, allerdings erhalten sie dort keine Hilfe bei der R&#xFC;ckkehr in ein normales Leben. Diese Hilfe leisten Menschen wie Berik Orazbekov. &#x201E;Zentralasien Sozial&#x201C; ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts &#x201E;Consolidation of CBR structures in Tajikistan, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Straßensozialarbeit ist in Kasachstan wenig entwickelt. Obdachlosen stehen zwar sogenannte „Zentren für soziale Anpassung“ offen, allerdings erhalten sie dort keine Hilfe bei der Rückkehr in ein normales Leben. Diese Hilfe leisten Menschen wie Berik Orazbekov.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><i data-stringify-type="italic">„Zentralasien Sozial“ ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema soziale Arbeit organisiert.</i></em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan gibt es nur sehr wenige Organisationen, die Obdachlosen helfen. Im Allgemeinen gibt es im Land keine Straßensozialarbeit, sondern staatliche „Zentren für soziale Anpassung“ für Menschen, die auf der Straße leben. Hierbei geht es hauptsächlich um eine Nacht im Warmen und Essen. Nicht alle Obdachlosen ertragen die dort herrschenden Freiheitseinschränkungen und stigmatisierenden Einstellungen. Und wenn sie sich vom Zentrum lossagen, können sie nicht sofort dorthin zurückkehren. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Eine Rückkehr ins normale Leben scheint unmöglich. Dem 46-jährigen Ospan aus Astana (Name geändert) ist dies gelungen. Dabei wurde er von fürsorglichen Menschen von der Nationalen Allianz der Sozialarbeiter:innen unterstützt. Darüber, wie man einem Obdachlosen hilft, aus einer schwierigen Lebenssituation herauszukommen, haben wir mit Berik Orazbekov, den Leiter der Allianz-Niederlassung in Astana, gesprochen.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aus dem Leben auf die Straße</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Ospan hatte alles – Frau und Kinder, ein Business, Geld, Haus, Vieh und Auto. Er war gesund. Alles begann 2014 mit dem Alkohol, als seine Frau zu einem anderen ging und die Kinder mitnahm. Im Frühjahr 2020 lebte Ospan auf der Straße. Er stahl nicht, das Geld zum Leben erhielt er, indem er Metall sammelte. Barmherzige Menschen gaben Essen, Kleidung, Geld. Ospan lebte zwei Winter auf der Straße. Im „Zentrum für soziale Anpassung“ war er ein paar Mal. Aber er meint, dass es besser sei, auf der Straße zu leben. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Anpassungszentrum ist es wie im Gefängnis. Sie lassen dich nirgendwo hingehen, nur einmal am Abend. Und ich brauche Freiheit. Es ist besser, auf der Straße zu leben. Die Jungs dort haben ganze Tiere im Speisesaal abgeladen, aber Sie werden dennoch kein Stück Fleisch auf einem Teller finden. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand Papiere bekommen hat oder ihm mit der Rente geholfen wurde. Man braucht fürsorgliche Menschen, die wirklich helfen wollen“</em>, teilt Ospan mit. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der mühsame Weg zu gegenseitigem Vertrauen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Der 40-jährige Berik Orazbekov ist ein solcher Mensch. Er arbeitet in einer IT-Firma und hilft abends und am Wochenende Menschen, die auf der Straße leben. Wie die meisten Menschen, die in Kasachstan in der Sozialarbeit tätig sind, entspricht dies nicht seiner Ausbildung. Berik ist studierter Physiker und Mathematiker. Aber was ihn von einem barmherzigen Passanten unterscheidet, der Essen und Kleidung bringt, ist der Versuch, die Probleme der Menschen auf der Straße umfassend zu lösen und ihnen zu helfen, zu einem normalen Leben zurückzukehren: Eine Arbeit und Wohnung finden, Beziehungen zu Verwandten wiederherstellen, sich einer Behandlung unterziehen und vor allem nicht wieder auf die Straße zurückkehren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wunsch, Menschen zu helfen, führte ihn zu den Trainings der Allianz für Case Management. Er lernte Straßensozialarbeit mit Obdachlosen – eine erste und vertiefte Einschätzung der Situation, Kommunikationsfähigkeit, den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu den Betreuten und die Fähigkeit, Menschen in einer schwierigen Lebenssituation zu begleiten. Er übte dies an realen Fällen mit Menschen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/leben-in-der-monostadt/"><strong>Leben in der Monostadt </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ospan nahm von Berik Hilfe an, aber er traute ihm nicht. Menschen, die auf der Straße leben, gehören laut dem kasachstanischen Innenministerium zu den am stärksten gefährdeten Gruppen, Opfer von Menschenhandel zu werden. <em>„Ospan rief mich an, als ihm kalt war und er Hunger hatte. Er erzählte mir von seinem Leben, akzeptierte warmes Essen, Kleidung, aber er vertraute mir nicht. Als es um die Behandlung in der Narkologie ging, lehnte Ospan ab und sagte, er habe nicht einmal Papiere. Er hatte Angst, man wolle ihn versklaven oder noch schlimmer – seine Organe verkaufen. Es hat vier Monate gedauert, Vertrauen aufzubauen“</em>, sagt Berik. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ospan verstand, warum er auf der Straße war und dass er selbst an allem schuld war. <em>„Ich habe mich gefragt, wie ich zu diesem Punkt gekommen bin! Deshalb bin ich zu niemandem gegangen und habe nur Allah um Hilfe gebeten. Als Berik seine Hilfe anbot, habe ich ihm nicht geglaubt, ich vertraue den Menschen nicht auf Anhieb. Ich habe ihm geglaubt, als ich gemerkt habe, dass er gute Absichten hat. Als er mir geholfen hat, innerhalb eines Tages Papiere zu bekommen“</em>, erinnert sich Ospan. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rückkehr ins normale Leben</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Gegen den Alkoholismus ließ er sich freiwillig behandeln. Zwischen den Kursen kehrte er auf die Straße zurück. Berik suchte für ihn einen Job, erstellte einen Plan zu helfen – eine Bedarfsermittlung und einen individuellen Förderplan – wie man Ospan zu seinen Verwandten zurückbringt, was er tun könnte, wie man Geld verdient, was seine Stärken sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ospan trinkt seit einem halben Jahr nicht mehr. Er lernte den Beruf des Schweißers und fand selbst einen Job. Die Firma stellte ihm eine Unterkunft zur Verfügung. Er kommuniziert mit seinen Kindern, kauft für sie ein. Natürlich ist Ospan immer noch ein potenzieller Obdachloser. Es besteht die Gefahr, dass er auf die Straße zurückkehrt, wenn er seinen Job verliert. Beriks Plan ist es, Ospan zurück ins Unternehmertum zu bringen, was ihm Standfestigkeit verleihen würde. Und ihn an die Sozialarbeit heranzuführen. Arbeit mit denen, die wie er auf der Straße gelandet sind. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Entwicklung der Sozialarbeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Berik ist sich sicher, dass es sehr wichtig ist, die Straßensozialarbeit mit Obdachlosen zu entwickeln. Menschen werden aus verschiedenen Gründen obdachlos. Es gibt soziale Gründe wie Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Armut und Arbeitslosigkeit, aber auch Lebensereignisse – die Entlassung aus dem Gefängnis, aus der Vormundschaft oder aus der Armee. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Frauen fliehen vor Gewalt oder missbräuchlichen Beziehungen und landen so auf der Straße. <em>„Dafür brauchen wir nicht nur Notunterkünfte, sondern Organisationen mit umfassender professioneller Hilfe durch Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Rechtsanwälte. Wir brauchen die Zusammenarbeit mit AIDS-Zentren, Narkologie, öffentlichen Dienstleistungszentren, den Akimaten [Stadt- oder Regionalverwaltungen, Anm. d. Ü.]. Mit Ausbildung, Beschäftigung, individueller Begleitung einer Person [kommen wir] zu einem nachhaltigen Ergebnis“</em>, erklärt Berik. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Interessant ist die Erfahrung der Wohltätigkeitsorganisation <a href="https://homeless.ru/">Notschleschka</a> (russ. Nachtlager), die Probleme von Obdachlosen in Moskau und St. Petersburg löst. Es gibt eine Unterkunft, in der sie essen und übernachten können, und abends fährt ein Bus mit Lebensmitteln und Medikamenten durch die Stadt. Es gibt eine Wäscherei mit Maschinen, in der man seine Sachen waschen und trocknen kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hilft alkoholabhängigen Obdachlosen und man hilft beim Erhalt von Dokumenten und staatlichen Leistungen. Man hilft dabei, einen Job zu bekommen. In 32 Jahren haben Zehntausende von Menschen Hilfe von Notschleschka erhalten. Die Einrichtung lebt von Spenden. Berik plant, die Finanzierung für ein solches Zentrum zu finden, basierend auf den wahren Geschichten derer, die erfolgreich waren. Es gibt wenige solcher Geschichten. Aber Dank der Nationalen Allianz der Sozialarbeiter:innen Kasachstans wird es mehr von ihnen geben. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Ayslu Asan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



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