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	<title>Urbanisierung Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Urbanisierung Archives</title>
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		<title>Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:39:10 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jedes weitere D&#xFC;rrejahr in Zentralasien birgt das Potenzial f&#xFC;r eine politische Krise. Experten warnen: Wenn die L&#xE4;nder Zentralasien ihre Wasserpolitik nicht reformieren, drohen ihnen bald &#xE4;hnliche Wasserknappheit wie in Teheran. Und das, obwohl zum Beispiel Tadschikistan mit seinem Zugang zu den Gletschern des Pamir und seinen Quellfl&#xFC;ssen eigentlich als wasserreich gilt. Ende 2025 ver&#xF6;ffentlichte das [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Jedes weitere Dürrejahr in Zentralasien birgt das Potenzial für eine politische Krise. Experten warnen: Wenn die Länder Zentralasien ihre Wasserpolitik nicht reformieren, drohen ihnen bald ähnliche Wasserknappheit wie in Teheran. Und das, obwohl zum Beispiel Tadschikistan mit seinem Zugang zu den Gletschern des Pamir und seinen Quellflüssen eigentlich als wasserreich gilt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 2025 veröffentlichte das Zukunftsforschungsinstitut&nbsp;<a href="https://nightingale-int.com/">Nightingale Intelligence</a>&nbsp;eine&nbsp;<a href="https://nightingale-int.com/central-asian-capitals-risk-a-tehran-moment-without-urgent-water-reform/">Studie</a>&nbsp;mit alarmierenden Prognosen. Demnach droht den zentralasiatischen Metropolen eine massive Verschlechterung der Wasserversorgung, sollte es nicht zu raschen und umfassenden Reformen kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wasserversorgung der Region hängt maßgeblich vom&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>&nbsp;und vom&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>&nbsp;ab, deren Zuflüsse aus den Gletschern des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir-</a>&nbsp;und des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan-Gebirges</a>&nbsp;stammen. Seit den 1960er-Jahren haben diese Gletscher jedoch einen erheblichen Teil ihrer Masse verloren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge werden die Flussläufe unberechenbarer – ein Risiko für die langfristige Wassersicherheit. Mindestens ebenso schwer wie der Klimawandel wiegt der ineffiziente Umgang mit Wasser in Landwirtschaft und Städten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das „Teheran-Szenario“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://nightingale-int.com/sobir-kurbanov/">Sobir Kurbanov</a>, Ökonom und Experte für internationale Entwicklung sowie Mitautor der Studie, beschreibt im Gespräch mit Asia-Plus das sogenannte&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tehran_water_shortage#:~:text=Iran%20faces%20a%20severe%20water,southern%20districts%20of%20the%20city">&#8222;Teheran-Szenario&#8220;</a>: einen drastischen Rückgang der Frischwasserversorgung in Städten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Szenario entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren – erschöpfte Wasserquellen, sinkende Zuflüsse in Stauseen, nicht nachhaltiger Verbrauch, marode Infrastruktur, hohe Verluste und eine rasante Urbanisierung ohne ausreichende Investitionen“,</em>&nbsp;erklärt Kurbanov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch herrschen in Städten wie&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a>,&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a>&nbsp;oder&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a>&nbsp;keine formellen Wasserengpässe. Doch die Kombination aus wachsender Nachfrage und maroder Infrastruktur macht sie anfällig für Störungen. In Duschanbe seien bereits viele Merkmale des „Teheran-Szenarios“ erkennbar, warnt der Experte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Marode Netze, hohe Verluste</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Großteil der städtischen Wasserversorgungssysteme stammt noch aus der Sowjetzeit und wurde seitdem vor allem notdürftig repariert. Die Folge sind hohe Wasserverluste, häufige Rohrbrüche und eine ungleichmäßige Versorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Duschanbe äußert sich dies laut Kurbanov in sinkendem Wasserdruck, zunehmenden Störungen, schlechterer Wasserqualität und einer wachsenden Abhängigkeit einzelner Stadtteile von Wasserlieferungen per Lkw oder privaten Brunnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt der hohe Verbrauch: In Taschkent liegt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 230 bis 270 Litern, in Spitzenzeiten sogar bei bis zu 400 Litern. In europäischen Städten mit vergleichbarem Lebensstandard sind es im Schnitt 140 bis 150 Liter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/tadschikistans-doerfer-sammeln-schmelzwasser/">Tadschikistans Dörfer sammeln Schmelzwasser</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig gehen in Tadschikistan schätzungsweise 20 bis 38 Prozent des Wassers bereits während der Verteilung verloren – möglicherweise sogar mehr, da verlässliche Messsysteme fehlen. Zum Vergleich: In Europa gelten 25 Prozent als Durchschnitt, Spitzenwerte liegen bei 10 bis 12 Prozent.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Management statt Mangel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie kommt zu dem Schluss, dass technische Verluste und hoher Verbrauch Symptome eines tiefer liegenden Problems sind: eines ineffizienten Wassermanagements. Das bestehende System basiert weitgehend auf sowjetischen Strukturen, die für stabile klimatische Bedingungen und zentrale Planung konzipiert waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute sind die Wasserbehörden dauerhaft unterfinanziert, Tarife decken die tatsächlichen Kosten nicht, Investitionen bleiben aus. Daneben fehlt es an umfassender Kontrolle über Wasserentnahmen und Verluste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tadschikistan bewegt sich auf eine Krise zu, selbst ohne formale Reduzierung der Wasserressourcen“, sagt Kurbanov. Ursache seien hohe Verluste, mangelhafte Zählersysteme, fehlende Sparanreize und eine unzureichende Koordination zwischen Wasser-, Energie- und Stadtentwicklungspolitik.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Landwirtschaft als Hauptverbraucher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich werden die Defizite in der Landwirtschaft, die 80 bis 90 Prozent der Wasserentnahmen in Zentralasien ausmacht. Noch immer dominieren offene Kanäle und Schwerkraftsysteme, bei denen bis zu 40 Prozent des Wassers durch Versickerung und Verdunstung verloren gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen sind sinkende Grundwasserspiegel, Bodenversalzung und geschädigte Ökosysteme – Prozesse, die bereits im&nbsp;<a href="https://nationalgeographic.de/umwelt/2017/11/zentralasien-es-war-einmal-ein-see/">Aralseebecken</a>&nbsp;sichtbar sind und langfristig auch Städte betreffen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan zeigt sich Wasserknappheit vor allem im ländlichen Alltag. Jede Verringerung des Bewässerungswassers wirkt sich unmittelbar auf Einkommen, Stromversorgung und Lebensbedingungen aus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-im-fluss-das-neue-themenheft-der-zeitschrift-osteuropa/">Zentralasien im Fluss: Das neue Themenheft der Zeitschrift „Osteuropa“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lage an den Quellgebieten wichtiger Flüsse verschafft Tadschikistan laut Kurbanov das Potenzial, eine führende Rolle im regionalen Wassermanagement zu übernehmen – vorausgesetzt, es gelingt eine koordinierte Steuerung von Wasser-, Energie- und Bewässerungssystemen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abwanderung aus ländlichen Regionen&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie warnt zudem vor den sozialen Folgen der Wasserknappheit. Sinkende Erträge und Einkommen führen zu einer schleichenden Abwanderung aus ländlichen Regionen – zunächst saisonal, später dauerhaft. Der Druck auf die Städte wächst dadurch weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist der&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Asht_District">Bezirk Ascht</a>&nbsp;in der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Region Sughd</a>, bekannt für seine Aprikosenplantagen. Dort hat der Mangel an Bewässerungswasser bereits existenzielle Folgen. Der Rückgang des Wasserflusses im Fergana-Kanal sowie marode Pumpanlagen aus Sowjetzeiten verschärfen die Lage.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wasser und Strom – ein doppeltes Risiko</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 80 Prozent des Stroms in Tadschikistan stammen aus Wasserkraft. Sinkende Wasserstände wirken sich daher direkt auf die Energieversorgung aus. Schneearme Winter führen zu Stromrationierungen, da Wasser in Stauseen zurückgehalten werden muss. „Wasser, Strom, Bewässerung und Trinkwasserversorgung hängen alle von derselben hydrologischen Basis ab“, betont Kurbanov.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Spannungen mit Anrainerstaaten&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzliche Unsicherheit bringt der Bau des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kusch-Tepa-Kanal">Kosh-Tepa-Kanals</a>&nbsp;in&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan">Afghanistan</a>, der künftig bis zu zehn Kubikkilometer Wasser jährlich aus dem Amudarja ableiten könnte. Dies entspricht rund einem Drittel seines aktuellen Abflusses und verschärft die Spannungen zwischen den Anrainerstaaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Usbekistan">Usbekistan</a>&nbsp;könnte betroffen sein, dessen Bewässerungssysteme stark vom Amudarja abhängen. Für Tadschikistan liegen die Risiken laut Kurbanov weniger in der Wassermenge als in politischen und systemischen Folgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Noch ist es nicht zu spät</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren der Studie betonen: Das „Teheran-Szenario“ ist kein Schicksal, sondern das Resultat von Untätigkeit. Notwendig seien Investitionen in Infrastruktur, die Reduzierung von Verlusten, Reformen in der Landwirtschaft und eine faire Wasserökonomie mit klaren Tarifen und Verantwortlichkeiten. Ob Zentralasien den vorherigen Kurs noch korrigieren kann, hängt davon ab, wie schnell Worten konkrete Maßnahmen folgen.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aliya Khamidullina für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/news/tajikistan/security/20260119/vodnie-resursi-v-tsentralnoi-azii-istotshayutsya-chto-budet-kogda-pridet-chas-h">Russischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>
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		<title>Auf direktem Weg in die Slums: Warum die Urbanisierung Usbekistans nicht ohne Risiken ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[juliaschulz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Apr 2019 10:05:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bauboom]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 2018 wird die Urbanisierung Usbekistans von der Regierung politisch gef&#xF6;rdert. Dennoch verl&#xE4;uft dieser Prozess nicht ohne Probleme. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei Fergana News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&#xA0; Ende 2018 verk&#xFC;ndete der Pr&#xE4;sident von Usbekistan Schawkat Mirsijojew in seiner traditionellen Ansprache an das Parlament, dass die Steigerung der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Seit 2018 wird die Urbanisierung Usbekistans von der Regierung politisch gefördert. Dennoch verläuft dieser Prozess nicht ohne Probleme. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei </strong><a href="https://fergana.agency/articles/104238/%20"><strong>Fergana News</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ende 2018 verkündete der Präsident von Usbekistan <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Schawkat Mirsijojew</a> in seiner traditionellen Ansprache an das Parlament, dass die Steigerung der Urbanisierung des Landes unvermeidbar sei. Heute beträgt der Verstädterungsgrad in Usbekistan etwa 35,5 Prozent. Bis zum Jahre 2030 soll er, so der Plan des Staatsoberhauptes, auf bis zu 60 Prozent ansteigen: <em>„Wenn wir keine Maßnahmen ergreifen, werden unsere Dörfer vollkommen verfallen.“</em> unterstrich er.</p>
<p style="text-align: justify">Kaum einen Monat später erließ das Präsidialamt ein Dekret mit dem Titel „Über Maßnahmen zur grundlegenden Verbesserung des Urbanisierungsprozesses.“ Dem Dokument zufolge lässt sich in Usbekistan bereits ein Wachstum der Städte beobachten. Allerdings verlaufe dieser Prozess eher schleppend: In den letzten Jahren seien nur sechs neue größere Siedlungen entstanden. Die Gesamtzahl stieg von 1065 auf 1071.</p>
<p style="text-align: justify">Tatsächlich findet nicht erst seit den letzten zehn Jahren eine Urbanisierung des Landes statt. Jedoch müsste man eher von einer „Taschkentisierung“ sprechen. Es ist kein Geheimnis, dass die Bewohner der Regionen in die Hauptstadt strömen. Unter dem früheren Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islam Karimow</a> war Taschkent praktisch eine geschlossene Stadt. Um dort eine Niederlassungserlaubnis zu bekommen brauchte man fast magische Kräfte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/islam-karimow-vom-waisenkind-zum-vater-der-nation/">Islam Karimow: Vom Waisenkind zum Vater der Nation</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Menschen aus den Regionen kamen dennoch zuhauf, aber bei jeder Dokumentenkontrolle durch die Bezirksinspektion mussten sie sich eine Geschichte ausdenken, z.B. dass sie nur für ein paar Tage zu Gast seien, oder ein Gespräch mit den Worten „Vielleicht können wir uns anderweitig einigen&#8230;“ beginnen (Bestechung). Das ist eine Besonderheit der usbekischen Urbanisierung. Gleichzeitig ließ sich eine andere Tendenz beobachten: die Landbevölkerung verließ die Dörfer auch auf direktem Weg ins Ausland. Inoffiziellen Angaben zufolge befinden sich über 5 Millionen usbekische Staatsbürger, auf der Suche nach einem besseren Leben, im Ausland.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-moskauer-traum/">Der Moskauer Traum</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Zurzeit lebt die Bevölkerung Usbekistans etwa zu gleichen Teilen in der Stadt und auf dem Land. Laut Angaben des staatlichen Komitees für Statistik wurden am 1.Oktober 2018 mehr als 33 Millionen Einwohner im Land gezählt, davon nur etwas mehr als 50 Prozent Stadtbewohner und der Rest ländliche Bevölkerung. Dieses Verhältnis wird sich jedoch aufgrund der beschleunigten Verstädterung bereits in den nächsten Jahren drastisch verändern.</p>
<p style="text-align: justify">Im Dekret des Präsidenten wird gar von der Gründung einer ganz neuen staatlichen Institution gesprochen – einer Agentur für Urbanisierung innerhalb des Ministeriums für Wirtschaft und Industrie. Sie wird ein Programm für die Umsiedlung der Arbeitskräfte von den Dörfern in die großen Siedlungen entwickeln. Darüber hinaus soll sich die Agentur darum kümmern, die neuen Stadtbewohner in den Arbeitsprozess einzugliedern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Usbekistans Bau-Boom</strong></p>
<p style="text-align: justify">Interessierte Agenturen wurden beauftragt, bis zum 1. Juli dieses Jahres ein Konzept für die Entwicklung der Urbanisierung Usbekistans zu erstellen und dabei die Schaffung neuer Städte und Satellitenstädte zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang wird vor allem der Bauwirtschaft eine besondere Beachtung zuteil. Allein in diesem Jahr werden laut Investitionsprogramm etwa 8 Milliarden US-Dollar investiert.</p>
<p style="text-align: justify">Es sieht so aus, als würde das vom Staat unterstützte Wachstum der Städte unter Zeitdruck stattfinden. Aber in wie weit ist diese künstliche Urbanisierung Usbekistans nötig und welche positiven und vor allem auch negative Folgen bringt sie mit sich? Der Forschungsleiter des Instituts für Demographie Nikita Mkrttschjan meint, dass die Regierung den Prozess der inneren Migration und Urbanisierung nicht kontrollieren sollte:</p>
<p style="text-align: justify"> <em>„Es ist schön zu hören, dass die Regierung sich zumindest auf dem Papier Gedanken um die Entwicklung der Städte macht. Aber man sollte sich die Erfahrungen von anderen Regierungen ansehen. In den Nachbarländern (in Kasachstan, Kirgistan, der Mongolei und in Russland – dort insbesondere im Kaukasus) wachsen die Vorstädte der Großstädte schnell und teilweise ungehemmt&#8230;allerdings ohne die entsprechende Infrastruktur (Anmerkung: Verkehr und soziale Infrastruktur). Daraus resultieren Probleme. In diesen Gegenden leben Menschen mit wenig Geld, die vom Land kommen, sich keine Wohnung in der Stadt kaufen können, aber dort arbeiten müssen, um Geld zu verdienen.“ </em></p>
<p><figure id="attachment_14786" aria-describedby="caption-attachment-14786" style="width: 3456px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-14786" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3.jpg" alt="Bauboom Duschanbe Tadschikistan" width="3456" height="2304" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3.jpg 3456w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/Tadschikistan-3-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 3456px) 100vw, 3456px" /><figcaption id="caption-attachment-14786" class="wp-caption-text">Baukräne prägen das Stadtbild vieler Hauptstädte in Zentralasien. Die Region erlebt gerade einen Bauboom</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><em> </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Wenn diese Prozesse in Usbekistan früher eingedämmt wurden, so ist mit einem Politikwechsel ein explosionsartiges Wachstum möglich. Die Bevölkerung außerhalb der Großstädte ist groß, das Migrationspotenzial gewaltig. Satellitenstädte sind eine gute Idee, aber in Moskau beispielsweise haben sie nicht den erwünschten Effekt gehabt. Die Stadt breitet sich immer noch aus wie ein Ölfleck. Bevor man neue Städte baut, sollte man also erst einmal überprüfen, ob in den Alten alles in Ordnung ist.“ </em>so der Experte für Demographie Mkrttschjan</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Sollten nicht zuerst dort die bestehenden Probleme, wie baufällige Wohnungen, Umweltprobleme, der Abbau schädlicher Industrien sowie die Abfallentsorgung gelöst werden? Es wäre gut, wenn die usbekische Regierung zumindest einige Probleme, die mit dem forcierten Wachsen der Städte zusammenhängen, lösen könnte. Ich denke, alle Probleme können auch mit großen finanziellen Möglichkeiten nicht gelöst werden.“ </em></p>
<p style="text-align: justify"><em> </em><strong>Die Probleme unkontrollierter Urbanisierung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sergej Abaschin, Professor an der Europäischen Universität Sankt Petersburg und Spezialist für Migration bezeichnet die geplante Urbanisierung zwar als normale Praxis. Allerdings bringe eine unkontrollierte Verstädterung eine Menge Probleme mit sich: <em>„Wir sehen das am Beispiel von Bischkek, wo sich am Stadtrand unkontrolliert tausende Menschen aus ländlichen Gebieten angesiedelt haben. Es gibt dort faktisch ganz neue Stadtteile ohne ausgebauter Infrastruktur und schwierigen sozialen Verhältnissen. Es muss etwas getan werden, um eine solche Situation zu verhindern.“, </em>meint Abaschin.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die ländlichen Gebiete in Usbekistan sind relativ überbevölkert. Dort gibt es viele Menschen und wenig Arbeit (deshalb migrieren die Menschen vor allem ins Ausland) und die neuen Arbeitsplätze, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor, entstehen in den Städten. Deshalb ist die Urbanisierung notwendig, und die Städte müssen darauf vorbereitet werden – eine vernünftige Infrastruktur muss geschaffen werden, sowie Sozialprogramme.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/angren-portraet-einer-der-aeltesten-industriestaedte-usbekistans/">Angren – Porträt einer der ältesten Industriestädte Usbekistans</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine ähnliche Sicht vertritt auch ein weiterer Spezialist, Artjom Kosmarskij, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften: „<em>Auf den ersten Blick sind die Initiativen der usbekischen Regierung zukunftsträchtig, ich würde sogar sagen revolutionär. Zumindest innerhalb der GUS kenne ich keine vergleichbaren Initiativen, bei der sich spezielle Regierungsorgane organisiert um die landesweite Urbanisierung kümmern. In Kasachstan beispielsweise wird die Urbanisierung als Problematik, sogar als eine Art Unglück betrachtet.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Auf der einen Seite verläuft die Urbanisierung sehr langsam, weil die Menschen eher auswandern, als in die Städte zu ziehen. Auf der anderen Seite kann sie zu Slums und einer chaotischen Entwicklung führen, sowie die soziale Infrastruktur (Kindergärten, Schulen, usw.) überlasten. Daher wirkt die derzeitige Politik Usbekistans wie die Neubelebung der Prinzipien des 20.Jahrhunderts, ich würde sagen –  der sowjetischen Prinzipien. Damals organisierte der Staat (so wie in vielen Ländern der Welt) selbst die Prozesse der Urbanisierung und forcierte diese sogar. Damit diese Politik gelingt braucht es aber natürlich Ressourcen und einen Willen, die mit den Ressourcen und dem Willen der UdSSR als Land mit einer Planwirtschaft vergleichbar sind,“ </em>erklärt Spezialist am Institut für Orientalistik Kosmarskij.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Nach den Gesetzen des Dorfes</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Nutzer der sozialen Medien kommentieren aktiv die neuen Entwicklungen. Vor allem die Stadtbewohner nehmen die Urbanisierung vorwiegend als „Taschkentisierung“ wahr. Seitdem sie das Recht auf eine vereinfachte Registrierung in der Hauptstadt erhalten hat, sowie die Möglichkeit, eine vergünstigte Hypothek zu beantragen und eine Anstellung zu erhalten, drängt die ländliche Bevölkerung nach Taschkent. So zumindest sehen es viele Kommentatoren und äußern diesbezüglich ihre Bedenken. Sie meinen, die Dorfbewohner kämen in die Stadt und brächten ihre eigenen Gesetze mit.<em> </em></p>
<p style="text-align: justify"><em> „Der Fahrstuhl ist für sie eine Toilette, der ganze Hof ist voller Sonnenblumenkerne, sie schließen die Türen nicht, sie verbrennen Öl in den Wohnungen&#8230; der Geruch ist einfach schrecklich&#8230; und dann gibt es noch einen mit Hühnern auf dem Balkon! Außerdem vermieten sie die Wohnungen unter, sie lassen 10 Leute dort übernachten&#8230;und sie lieben es, ihren Müll auf dem Spielplatz zu entsorgen“, </em>so beschreibt eine Hauptstadtbewohnerin ihre Erfahrungen mit den neuen Nachbarn.</p>
<p style="text-align: justify">Viele verstehen nicht, warum Umsiedlungen organisiert werden, wenn es auch in der Stadt schwierig ist, eine Arbeit zu finden. Dadurch würde schließlich nur die Anzahl der Arbeitslosen sowie die Kriminalität steigen. Denn die Menschen sind zu allem bereit, solange sie damit nur sich und ihre Familien ernähren können.</p>
<p><figure id="attachment_16957" aria-describedby="caption-attachment-16957" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-16957" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/04/34544910821_0c1d078f4a_b.jpg" alt="Boysun im Süden Usbekistans" width="1024" height="680" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/04/34544910821_0c1d078f4a_b.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/04/34544910821_0c1d078f4a_b-300x199.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/04/34544910821_0c1d078f4a_b-768x510.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/04/34544910821_0c1d078f4a_b-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-16957" class="wp-caption-text">Boysun im Süden Usbekistans ist bekannt für seine traditionelle Bauweise aus Lehm. Dorf- und Land gefälle werden in Usbekistan immer stärker</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Aber der, nennen wir es mal dörfliche Lebensstil, ist halb so schlimm. Den neuen Bewohnern der Städte kann man alles beibringen, sie sozusagen erziehen. Das wahre Problem ist die Infrastruktur. Bekanntermaßen gibt es in Usbekistan nicht ausreichend Schulen, eben sowenig Kindergärten und medizinische Einrichtungen. In den Plänen der Regierung ist der Bau von Bildungseinrichtungen und Kliniken vorgesehen, es wird davon ausgegangen, dass daran sowohl staatliche als auch private Unternehmer beteiligt sein werden. Aber es gibt ein weiteres Problem – ein personelles: Ein akuter Mangel an Pädagogen und Ärzten muss in den nächsten Jahren behoben werden. Das ist allen klar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-die-unterschtzte-landflucht/">Usbekistan- die unterschätzte Landflucht</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Man kann versuchen sich vorzustellen, wohin die Urbanisierung in den nächsten Jahren führen wird: Zuerst einmal sind das Schulen, die in drei Schichten arbeiten, mit Lehrern, denen die nötigen Qualifikationen fehlen oder sogar ganz ohne pädagogische Ausbildung. Dazu lange Schlangen für Krankenhäuser und Vorschuleinrichtungen. In Folge der stark wachsenden Nachfrage werden die Preise der Dienstleistungen privater Kliniken und Kindergärten steigen. Auch die Immobilienpreise werden steigen, was zu einer erneuten Inflation führen wird. Darüber hinaus wird es ständige Probleme mit der technischen Kommunikation und dem Verkehr geben. Und so weiter und so fort.</p>
<p style="text-align: justify">Vielleicht wäre es besser, das Programm zur Verbesserung der Dörfer fortzusetzen, anstatt zu versuchen, aus dem Agrarland Usbekistan ein Industrieland zu machen. Zum Beispiel könnte man abgelegene Dörfer mit Gas und Elektrizität versorgen, so dass die Bevölkerung unter besseren Bedingungen Landwirtschaft und Tierhaltung betreiben kann, sowie andere traditionelle Tätigkeiten, die nicht nur ihnen selbst, sondern dem ganzen Land Wohlstand bringen könnten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Erde den Bauern?<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine weitere durch Mirsijojews Dekret genehmigte Maßnahme soll es den Bürgern ermöglichen, Land zu privatisieren, auf dem sich bereits ihre Häuser befinden, oder auf dem Wohnungen geplant sind. Darüber hinaus soll die Privatisierung von Land auch Organisationen ermöglicht werden, wenn dort Industrieanlagen oder ähnliche Strukturen gebaut werden sollen. Bis zum 1.Juli 2019 erarbeiten Spezialisten entsprechende Privatisierungsverfahren. Es steht bereits fest, dass der Prozess kostenpflichtig sein wird, die genaue Höher der Gebühr wird das Kabinett allerdings erst noch bekannt geben.</p>
<p style="text-align: justify">Im vergangenen Jahr wurde in der Gesetzesvorlage über die Bereitstellung von illegal errichteten Gebäuden als Privateigentum die Höhe einer einmalige Gebühr bekannt gegeben – zehn Mindestlöhne: das sind etwas mehr als zwei Millionen usbekische Sum (243 US-Dollar). Es ist unwahrscheinlich, dass die Böden den Bürgern in Zukunft für weniger zur Verfügung gestellt werden. Diese Möglichkeit der Privatisierung gilt übrigens nicht für landwirtschaftliche Flächen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Initiative, die die Privatisierung betrifft, wurde vom Präsidenten auch in der bereits erwähnten Botschaft an das Parlament angesprochen: <em>„Der Unternehmer sollte Sicherheit für die Zukunft haben, in dem Sinne, dass nicht irgendein Beamter ihn zwingt, Gebäude abzureißen, oder ihm das Land wegnimmt. Soll er das Gebäude und das Land kaufen! Durch die Einführung des neuen Systems werden wir den Wohlstand der Menschen erhöhen.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/samarkand-for-sale-wer-kontrolliert-das-baugeschaeft-in-usbekistans-tourismuszentrum/">Samarkand for sale – Wer kontrolliert das Baugeschäft in Usbekistans Tourismuszentrum?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut Behörden soll der Verkauf der Böden auch die Urbanisierung in Gang bringen. Die Einnahmen aus der Registrierung von Grundstücken durch Unternehmer und Privatpersonen werden auf das Konto des neu geschaffenen Fonds für die Entwicklung der Urbanisierung fließen. Aus dieser „Spardose“ wird die Regierung sowohl die Erarbeitung der Generalpläne für Städte und Satelitenstädte, als auch den Bau von nötigen Transporteinrichtungen, sowie von technischer und sozialer Infrastruktur finanzieren. Ein Teil der Mittel wird zudem für die Bedürfnisse des nationalen Hypothekenmarktes eingesetzt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Urbanisierung der Zukunft- wie geht man damit um?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Privatisierung ist prinzipiell etwas Gutes. Allerdings, so bemerken einige pessimistische Nutzer der sozialen Netzwerke, sei es das Wichtigste, dass die Regierung nicht später dieses Gesetz zu ihren Gunsten nutze und die Erde für irgendwelche Verstöße missbrauche. Wie bei privaten Grundstücken, für deren ineffiziente Nutzung in Usbekistan Bußgelder verhängt werden oder gar das Eigentumsrecht entzogen werden kann.</p>
<p style="text-align: justify">Um zur Urbanisierung zurückzukehren: sie ist kein usbekisches Phänomen, sondern ein Prozess, der die ganze Welt erfasst hat. Laut Angaben der Weltbank ziehen täglich hundertachtzig tausend Menschen in größere Siedlungen/Städte und bis zum Jahre 2050 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung Städter sein (heute sind es etwa die Hälfte). Tatsächlich zählt der Großteil der Umsiedler am Ende zu den ärmsten Bewohnern der Städte. Deshalb stellen sich nationalen Führungskräften und internationalen Experten eine Reihe von Fragen: <em>„Wo werden die neuen Stadtbewohner leben? Welches Land sollen sie nutzen? Auf welche Schulen werden ihre Kinder gehen? Wie wird der Müll entsorgt werden? Wo sollen sie wählen? Wer wird sie schützen?“</em> Bis diese Fragen nicht eindeutig beantwortet sind, erscheint die Urbanisierung Usbekistans eher wie eine populistische Idee, als wie ein ernsthafter Versuch, den Lebensstandard der usbekischen Bevölkerung zu erhöhen.</p>
<p style="text-align: right"><a href="https://fergana.agency/articles/104238/%20"><strong>Fergana News</strong></a><br />
<strong>Aus dem Russischen von Julia Schulz</strong></p>
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<p>&nbsp;</p>
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		<title>Prigorodny – die ungewollte Vorstadt Astanas</title>
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		<dc:creator><![CDATA[abaldauf]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Aug 2017 15:36:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Prigorodny]]></category>
		<category><![CDATA[Sowchos]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Historisch gesehen war Prigorodny nichts anderes als ein Ferienort nahe einer gew&#xF6;hnlichen Stadt, n&#xE4;mlich Tselinograd. Parallel zur Entwicklung von Astana hat sich diese gew&#xF6;hnliche Stadt jedoch in einen permanenten Wohnort verwandelt, ohne dass die Bedingungen auf diese Situation angepasst wurden. Novastan &#xFC;bernimmt und &#xFC;bersetzt eine Reportage von Renat Tachkinba&#x457;ev und Tourar Kazangapov, die auf Tengrinews [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Historisch gesehen war Prigorodny nichts anderes als ein Ferienort nahe einer gewöhnlichen Stadt, nämlich Tselinograd. Parallel zur Entwicklung von Astana hat sich diese gewöhnliche Stadt jedoch in einen permanenten Wohnort verwandelt, ohne dass die Bedingungen auf diese Situation angepasst wurden. </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Novastan übernimmt und übersetzt eine Reportage von Renat Tachkinbaїev und Tourar Kazangapov, die auf </strong><a href="https://tengrinews.kz/fotoarchive/936/"><strong>Tengrinews</strong></a><strong> erschienen ist.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Dorf Prigorodny befindet sich in der Nähe des Flughafens von Astana, der kasachischen Hauptstadt. Die Einwohner scheinen sich trotz der ständig hörbaren landenden oder startenden Flugzeuge nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, diesen gar keine Aufmerksamkeit zu schenken. Vor geraumer Zeit war diese Region hauptsächlich von Menschen bewohnt, die in der Luftfahrtbranche oder in der Geologie arbeiteten. Die meisten dieser Arbeiter haben den Ort nach dem Ende der Sowjetunion verlassen, allerdings leben nun andere Menschen in den veralteten und  baufälligen Gebäuden.</p>
<p style="text-align: justify">Mittlerweile gibt es viele Neuzugezogene die normalerweise in der Stadt arbeiten und nichts mit der Luftfahrtbranche zu tun haben. Ein Großteil lebt in Wochenendhaussiedlungen. Diese Gartenhäuschen sind bewohnt und gut gegen die Kälte isoliert. Hier finden Sie eine Reportage über die alten und neuen Bewohner und Bewohnerinnen von Prigorodny.</p>
<p style="text-align: justify">Astana, so fern und doch so nah/ so nah und doch so fern…</p>
<p style="text-align: justify">Ein Kran, Silhouetten von modernen Häusern- das ist alles, was die Bewohner von Prigorodny zurzeit von Astana sehen. Direkt hinter dem Haus und neben der Kugel der Expo kann man ein Schild erkennen, das einer berühmten Fastfood Kette stark ähnelt.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10050" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Blick-in-Richtung-Astana-von-Prigorodny-aus.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Blick-in-Richtung-Astana-von-Prigorodny-aus.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Blick-in-Richtung-Astana-von-Prigorodny-aus-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Blick-in-Richtung-Astana-von-Prigorodny-aus-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Allerdings handelt es sich hierbei nur um ein Werbeschild, das an der Straße, die den Flughafen mit der Stadt verbindet, aufgestellt wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10051" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Straße-Richtung-Flughafen-liegt-hinter-dieser-Datscha.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Straße-Richtung-Flughafen-liegt-hinter-dieser-Datscha.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Straße-Richtung-Flughafen-liegt-hinter-dieser-Datscha-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Straße-Richtung-Flughafen-liegt-hinter-dieser-Datscha-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Die neu konstruierten Anhöhen von Astana sind sehr nahe. Der öffentliche Verkehr zirkuliert regelmäßig zwischen Stadt und Dorf. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass es aus der Sicht von sogenannten Hauptstadtkasachen sehr angesagt ist, sich in der nahen Vorstadt niederzulassen, die sich seit 1997 in Aufbau befindet.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10052" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-in-Richtung-Astana-von-der-Autobahn-in-der-Nähe-von-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-in-Richtung-Astana-von-der-Autobahn-in-der-Nähe-von-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-in-Richtung-Astana-von-der-Autobahn-in-der-Nähe-von-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-in-Richtung-Astana-von-der-Autobahn-in-der-Nähe-von-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Auf den ersten Blick fällt wahrscheinlich die Anzahl der Kinder in den Wohnanlagen Prigorodnys auf.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10054" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33364.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33364.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33364-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33364-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10053" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33365.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33365.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33365-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/photo_33365-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Straße im Zentrum des Dorfes, die direkt zur Schule führt, ist in einem guten Zustand. Wenn sie sich allerdings der Wohnhausanlagen nähert, wird sie unbefahrbar und selbst unbegehbar.  Der Schmutz verteilt sich in alle Windrichtungen. Dass ist ein Grund dafür, dass die Straßen hier sehr ungepflegt aussehen.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10055" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10056" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Straße-in-der-Innenstadt-von-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Straße-in-der-Innenstadt-von-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Straße-in-der-Innenstadt-von-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Straße-in-der-Innenstadt-von-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Stadt der Zweitwohnsitze</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dennoch bemühen sich die Bewohner, ihren Datschen einen schönen Anstrich zu verleihen.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10057" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Datscha-mit-verziertem-Eingangstor.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Datscha-mit-verziertem-Eingangstor.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Datscha-mit-verziertem-Eingangstor-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Datscha-mit-verziertem-Eingangstor-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Häufig sieht man Verkaufsschilder an den Zäunen und Häusern befestigt, die Grundstücke in den Gartenhausanlagen für 4 bis 8 Millionen Tenge anbieten (ca. 11.000 bis 23.000 Euro).</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10058" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Verkaufsschild..jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Verkaufsschild..jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Verkaufsschild.-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Verkaufsschild.-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Ein Teil der Häuser präsentiert sich in der typischen Bauweise, andere wiederum machen einen eher modernen Anschein.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10059" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-sogenannte-traditionelle-Datsch.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-sogenannte-traditionelle-Datsch.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-sogenannte-traditionelle-Datsch-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-sogenannte-traditionelle-Datsch-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10060" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-„moderne“-Datscha.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-„moderne“-Datscha.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-„moderne“-Datscha-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-„moderne“-Datscha-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Gleichzeitig mit dem Anstieg der Einwohnerzahl in der Region, öffneten auch einige Nahversorger dort ihre Türen, wie zum Beispiel Lebensmittelgeschäfte oder Friseure.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10061" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eines-der-wenigen-Geschäfte-in-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eines-der-wenigen-Geschäfte-in-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eines-der-wenigen-Geschäfte-in-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eines-der-wenigen-Geschäfte-in-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Wasser für den täglichen Bedarf erhalten die Dorfbewohner aus Schächten und Brunnenanlagen, allerdings hat das Wasser keine gute Qualität. Für das Kochen ist das Wasser ungeeignet, da es zu salzhaltig ist. Das Trinkwasser muss auf anderem Wege herbeibefördert werden.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10062" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Wasserträger.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Wasserträger.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Wasserträger-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Wasserträger-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"> „<em>Das wirkliche Problem, das sind die Straßen. Und der Mangel an Spielplätzen für die Kinder, die deshalb ihre Tage neben dem Müll verbringen müssen. Natürlich gibt es hier nur Ferienhäuser, die Menschen haben sich den Ort nun allerdings angeeignet, um ihn ganzjährig als Wohnort zu nutzen</em>“, erklärt Margarita Abdoulina, eine Bewohnerin.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10063" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita-Abdoulina.-Eine-Dauerbewohnerin-von-Prigorodny-und-ihre-Tochter.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita-Abdoulina.-Eine-Dauerbewohnerin-von-Prigorodny-und-ihre-Tochter.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita-Abdoulina.-Eine-Dauerbewohnerin-von-Prigorodny-und-ihre-Tochter-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita-Abdoulina.-Eine-Dauerbewohnerin-von-Prigorodny-und-ihre-Tochter-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Als wir hier zu bauen begonnen haben, hat man mir gesagt, dass das Haus ein Ferienhaus sei, und dass es eben beim Abriss nur noch für die Hälfte veräußert werden könne, was in der Stadt nicht so sei. Ich habe alle Dokumente, alles ist niedergeschrieben</em>“, erzählt die Dame weiter.</p>
<p style="text-align: justify">Die Frage nach einem Abriss wurde zwei Jahre zuvor zur Sprache gebracht. Margarita bestätigt, dass es sich um den Plan handelte, die beiden ersten Häuserreihen direkt an der Straße zu zerstören, entlang welcher vorgesehen war, eine Straßenbahn vorbeizuleiten. „<em>Zwei Jahre sind nun vergangen und die Häuser stehen immer noch</em>“, sagt sie.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Wir wohnen in der Feriensiedlung „Die Nelken“. Die, in der meine Schwiegermutter lebt, nennt sich „Abflug“. Ein wenig weiter entfernt in der Tulpen-Siedlung lebt unser Schwiegersohn. Wir haben die Straßen gebaut. Jeder begann sich einfach niederzulassen und die Hauptstraße füllte sich nach und nach“</em>, erzählt Margarita.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10064" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Margarita-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Das Dorf Prigorodny und seine Ferienhausanlagen ist an den 19. Verwaltungsbezirk angegliedert, dessen Vertreter der Abgeordnete Karakat Abden ist. In einem Interview von <a href="https://tengrinews.kz/fotoarchive/936/">Tengrinews</a> über die Probleme der Menschen, die in diesen Siedlungen lebten, antwortete er schlichtweg, dass er diese Domizile nicht als ganzjährige Behausungen ansehe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Es stand nie zur Debatte, dass diese Ferienhäuser feste Wohnsitze werden.“</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>In der Sowjetära, als die Ferienhaussiedlungen angelegt wurden, war dies aus dem Vorhaben passiert, aus diesen Siedlungen Sommerwohnsitze zu machen, mit Außenduschen. Die Leute sollten diese zum Anlegen von Gemüsegärten verwenden und sich bei Schönwetter dort ausruhen zu können,“ erklärt er. „Es war grundsätzliche nie die Rede von dauerhaften Wohnsitzen mit einer guten Infrastruktur, wie schönen Straßen, Schulen, Spielplätzen etc. Aber, wie sie sehen, sind die Leute jetzt dorthin gezogen, und leben dort wie in richtigen Häusern. Und nun kommen sie und beschweren sich bei den Behörden der Stadt, dass es dort keine gute soziale Infrastruktur gibt</em>,“ bedauert Karakat Abden.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10065" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Straße-in-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Straße-in-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Straße-in-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Straße-in-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Man muss verstehen, dass diese Häuser nicht dafür gemacht sind, das ganze Jahr über bewohnt zu sein, das sind nur Zweitwohnsitze, Feriendomizile. Dennoch stimme ich zu, dass die städtischen Behörden diese Frage behandeln hätten sollen, als es darum ging überhaupt der Bevölkerung diesen massenhaften Zuzug zu erlauben“</em>, erklärt der Abgeordnete.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>In der Regel wird das Leben in diesen Hausanlagen von der Kommunalabteilung für Wohnen verwaltet, die jene allerdings als Feriendomizile ansehen. Folglich ist ein auf eine Dauerhaftigkeit ausgerichtetes Leben dort quasi unmöglich. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass diese Häuser, die dicht nebeneinander erbaut wurden, im Falle von Brandfällen eine große Gefahr bergen. Und da können die Behörden der Stadt einfach nichts machen. Es handelt sich wie gesagt um Sommerwohnsitze, um Feriendomizile</em>“, bekräftigt Karakat Abden überzeugt.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10066" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-abgestellter-Bus-in-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-abgestellter-Bus-in-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-abgestellter-Bus-in-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-abgestellter-Bus-in-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Astana ist keine knausrige Stadt. Aber wenn man möchte, dass jede und jeder in komfortablen Bedingungen lebt muss man eine Art Filter entwickeln“, schätzt er die Lage ein. „Nun hat sich tatsächlich eine große Anzahl von Menschen aus unterschiedlichen Regionen hier niedergelassen um in diesen Datschen zu leben. Fast 50 Personen leben dort auf 100m2, die dann kommen um sich zu beklagen: „Wir können nicht ins Spital fahren, die Rettung kann nicht bis zu unserem Haus fahren, unsere Kinder können nicht in die Schule gehen, etc.“.</em> <em>Sicherlich werden all diese Probleme eintreten, denn dort wo sich Ferienhäuser befinden sind weder Schulen, noch Spitäler oder Zentralheizungen vorgesehen</em>“, erklärt er.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10067" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-auf-Astana-von-Prigorodny-aus.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-auf-Astana-von-Prigorodny-aus.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-auf-Astana-von-Prigorodny-aus-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Blick-auf-Astana-von-Prigorodny-aus-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Natürlich lassen die Behörden die Bewohner nicht sich selbst überlassen, und versuchen die Probleme zu lösen, allerdings handelt es sich um temporäre Maßnahmen“,</em> so aus der Sicht von Margarita Abdoulina.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10068" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Kind-aus-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Kind-aus-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Kind-aus-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Kind-aus-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Während eines offiziellen Besuchs haben die die BewohnerInnen Asset Issekechev, der <em>Akim </em>von Astana, ein Äquivalent eines Präfekten, dazu eingeladen nach Prigorodny zu Besuch zu kommen. Er hatte die Einladung angenommen und das Dorf bereits besichtigt. Allerdings bisher blieb die Wirkung aus.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10069" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10070" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-1.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-1.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-1-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-1-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Mittlerweile sind diese Häuser baufällig oder verfallen. Die darin Wohnenden warten auf eine neue Bleibe.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10069" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Teil-von-Prigorodny-überladen-mit-Müll-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /> <img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10071" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-baufällige-Behausung-in-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-baufällige-Behausung-in-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-baufällige-Behausung-in-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-baufällige-Behausung-in-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Einsturzgefährdete Häuser</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nur durch ein Wunder hält sich das Dach dieses zweistöckigen Hauses noch. Die Bewohner mussten einigen Aufwand betreiben, damit der Plafond nicht zusammenbricht. Die Decke im Eingangsbereich ist mit solchen Säulen verstärkt. Und in den Gängen gibt es kein Licht.</p>
<p style="text-align: justify"><u><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10072" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Dach-hält-Dank-der-Stützen.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Dach-hält-Dank-der-Stützen.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Dach-hält-Dank-der-Stützen-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Dach-hält-Dank-der-Stützen-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10073" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Gang-ohne-Licht.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Gang-ohne-Licht.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Gang-ohne-Licht-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Gang-ohne-Licht-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
</u></p>
<p style="text-align: justify">In diesem Viertel gehört dies zur Normalität. Die Nachbarin gibt zu, dass sie sich nicht an die dunklen Eingänge gewohnt hätte. Es sei wirklich stockdunkel.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich wohne nun seit 20 Jahren hier. Viele derer, die am Flughafen gewohnt haben, haben den Ort schon verlassen. Die Lebensbedingungen hier sind so, dass ich auch gerne fortgegangen wäre. Nur wenn ich mich dem Haus nähere habe ich Angst, dass es zusammenbricht</em>“, erzählt Rouslan, ein Einwohner. Er arbeitet in Astana als Installateur.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Alles hier wurde für temporäre Zwecke gebaut, für die Geologen eben. Und jetzt steht das Dach auf Stelzen, damit es sich nicht absenkt. Hier werden alle Dächer auf diese Weise gestützt</em>“, erklärt er. Hier sieht man einen solchen Dachboden. Die BewohnerInnen der Stadt halten es nicht für ratsam diesen Ort zu betreten.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10074" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Stütze-damit-das-Dach-nicht-einstürzt.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Stütze-damit-das-Dach-nicht-einstürzt.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Stütze-damit-das-Dach-nicht-einstürzt-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Eine-Stütze-damit-das-Dach-nicht-einstürzt-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Bald werden sie uns einfach zerstören. Dieses Jahr noch wird es vorbei sein, das ist sicher</em>,“ behauptet der Mann überzeugt während er mit dem Finger auf die neuen Häuser zeigt, die gerade in der Näher gebaut werden. In jene werden vermutlich die Dorfbewohner umgesiedelt.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10075" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-neu-gebauten-Häuser.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-neu-gebauten-Häuser.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-neu-gebauten-Häuser-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-neu-gebauten-Häuser-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10076" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-2.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-2.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-2-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-2-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10077" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-3.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-3.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-3-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/unnamed-file-3-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Es ist ein gutes Viertel, ja sogar ein tolles Viertel hier. In der Stadt erstickt man im Sommer, hingegen hier kann man die frische Luft genießen. Das ist gut. Es ist ruhig, friedlich, fast so wie zu Zeiten der Sowjetunion</em>“, beschreibt Rouslan seinen Wohnort.</p>
<p style="text-align: justify">Die Leute aus dem Viertel erzählen dass einmal eines der Häuser völlig eingestürzt ist und dass die Leute, die dort lebten, umgesiedelt werden mussten. Ein anderes Haus fing Feuer. In der Brandkatastrophe verlor eine Frau ihr Leben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Manche Leute leben seit mehreren Jahrzehnten in Prigorodny</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Hintergrund dieser grauen und baufälligen Wohnhäuser kann man die neuen Häuser, bunte, lichte Flecken, erkennen. Früher lebte das Flughafenpersonal hier. Einige davon sind geblieben, wie zum Beispiel Nadejda Aleksandrovna Mintinkenko, 72 Jahre alt. Sie arbeitete eine Zeit lange im Flughafenrestaurant.</p>
<p style="text-align: justify"><u><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10078" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Wohnhaus-von-Nadejda-Aleksandrovna-Mintinkenko..jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Wohnhaus-von-Nadejda-Aleksandrovna-Mintinkenko..jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Wohnhaus-von-Nadejda-Aleksandrovna-Mintinkenko.-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Das-Wohnhaus-von-Nadejda-Aleksandrovna-Mintinkenko.-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10079" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Nadejda-Aleksadrovna-Mintinkenko-72-Jahre.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Nadejda-Aleksadrovna-Mintinkenko-72-Jahre.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Nadejda-Aleksadrovna-Mintinkenko-72-Jahre-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Nadejda-Aleksadrovna-Mintinkenko-72-Jahre-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
</u></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Sonia, meine Sonietschka</em> (der Suffix -tschka ist im Russischen eine Form der Zuneigungsbekundung), <em>mein kleines Mädchen</em>“, ruft Nadejda während man die Schreie ihres Papageis hört. „<em>Man hat sie mir zu meinem Geburtstag geschenkt</em>“, erklärt sie während sie mit ihrem Kopf in Richtung Vogel deutet.</p>
<p style="text-align: justify">Das Leben in Prigorodny hat jener alten Frau immer gut gefallen, jetzt beginnt allerdings auch sie zu überlegen nach Astana umzuziehen. „<em>Wisst ihr, man hat einfach genug davon in diesem alten Plunder zu leben, deshalb verkaufen viele und ziehen nach Astana</em>“, gibt sie zu.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10080" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Im-Inneren-der-Wohnhausanlage.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Im-Inneren-der-Wohnhausanlage.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Im-Inneren-der-Wohnhausanlage-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Im-Inneren-der-Wohnhausanlage-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Bewohner beschweren sich nicht über das Leben in den Wohnanlagen. Vielmehr sagen sie, dass die Leute sich darum bemühen im Guten miteinander zu leben, dennoch ist es nicht mehr so wie früher, als jeder sich kannte. Es gibt nun viele Besucher, die kommen und sich in Zimmer einmieten.</p>
<p style="text-align: justify">Der Luftfahrtmechaniker Constantin Larine arbeitet am Flughafen. Er fühlt sich sehr verbunden mit dem Dorf Prigorodny. Früher führte er hier einen Fotoclub, deshalb besitzt er viele Fotoabzüge, die die Geschichte rund um den Flughafen von Tselinograd, dies ist der ehemalige Name von Astana, abbilden.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10081" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Constantin-Larine-arbeitet-seit-Jahrzehnten-am-Flughafen.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Constantin-Larine-arbeitet-seit-Jahrzehnten-am-Flughafen.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Constantin-Larine-arbeitet-seit-Jahrzehnten-am-Flughafen-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Constantin-Larine-arbeitet-seit-Jahrzehnten-am-Flughafen-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Es gab eine Zeit, da kam man mit dem Flugzeug die Frauen abholen, die bald ihr Kind zur Welt bringen würden, denn sie wohnten in den entlegenen Sowchose in der freien Natur, wo weder Bus noch irgendetwas anderes im Winter hinfuhr. Die Piloten waren die einzigen, die die Verkehrsverbindung sicherten, die Räder der Flugzeuge wurden durch Skier ersetzt, und sie konnten in egal welchem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aul">Aul (</a>befestigte Dörfer) landen</em>“, erzählt Constantin Larine.</p>
<p style="text-align: justify"><u><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10082" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-vom-Flughafen-in-Prigorodny..jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-vom-Flughafen-in-Prigorodny..jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-vom-Flughafen-in-Prigorodny.-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-vom-Flughafen-in-Prigorodny.-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10083" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Constantin-Larine.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Constantin-Larine.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Constantin-Larine-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Constantin-Larine-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
</u></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Einige haben sich eine Wohnung gefunden, andere sind hiergeblieben. Heute gibt es hier nicht mehr viel Flughafenpersonal. Immer mehr Leute finden sich einen Ort zum Wohnen und verlassen Prigorodny. Nur ich bin immer noch hier</em>“, sagt Constantin.</p>
<p style="text-align: justify">In seinen Archiven finden sich noch weitere Fotoabzüge von Prigorodny. Dieser Wasserturm steht auch heute noch.</p>
<p style="text-align: justify"><u><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10084" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Prigorodny-mit-seinem-Wasserturm.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Prigorodny-mit-seinem-Wasserturm.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Prigorodny-mit-seinem-Wasserturm-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Ein-Archivfoto-von-Prigorodny-mit-seinem-Wasserturm-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10085" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Der-Wasserturm-heute.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Der-Wasserturm-heute.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Der-Wasserturm-heute-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Der-Wasserturm-heute-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
</u></p>
<p style="text-align: justify">Das Leben hier in der Wohnanlage gefällt ihm. Trotzdem gibt es eine Sache, die ihn ein wenig beunruhigt. „Diese Handyantennen dort wurden einfach aufgestellt ohne dass wir darüber aufgeklärt wurden. Wir hätten gerne, dass man diese wieder entfernt, denn sie sind sehr schädlich, man denke nur an die Strahlung. Hier leben vor allem junge Leute und Kinder. Man muss an ihre Gesundheit denken. Diese Antennen sollten auf eigens dafür vorgesehenen Masten befestigt werden, und nicht auf Wohnhausanlagen“, erklärt er.</p>
<p style="text-align: justify"><u><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10086" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Antennen-die-Constantin-Larine-beunruhigen..jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Antennen-die-Constantin-Larine-beunruhigen..jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Antennen-die-Constantin-Larine-beunruhigen.-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-Antennen-die-Constantin-Larine-beunruhigen.-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10087" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Katzen-in-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Katzen-in-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Katzen-in-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Katzen-in-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><br />
</u></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Luftfahrt ist hier kein Thema mehr</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn man heutzutage von der Luftfahrt spricht, weiß niemand mehr so recht etwas damit anzufangen. Die Reporter von Tengrinews hatten Schwierigkeiten in diesem Mann einen Piloten der zivilen Luftfahrt zu erkennen. Er heißt Valentin Semenovitch Pirogov und hat lange in Tselinograd gearbeitet, wo er mit einer An-24 Flüge viele Luftstrecken zurücklegte.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10088" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Valentin-Semenovitch-Pirogov-war-Pilot.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Valentin-Semenovitch-Pirogov-war-Pilot.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Valentin-Semenovitch-Pirogov-war-Pilot-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Valentin-Semenovitch-Pirogov-war-Pilot-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Früher lebten die Piloten hier, sie kamen aus dem gesamten Gebiet der UdSSR. Ich selbst komme aus Weißrussland. Damals kannte man fast jeden hier, nun sind aber die jungen Leute gekommen und niemand sieht die Alten</em>“ meint er. Er war ein großer Kunstflug-Amateur, er flog eine Yak-18. Heutzutage bleiben ihm nur noch die Erinnerungen an diese Zeit. Sein Sehvermögen hat sich extrem verschlechtert, mittlerweile ist er fast blind.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10089" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Altes-Auto-in-Prigorodny.jpg" alt="" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Altes-Auto-in-Prigorodny.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Altes-Auto-in-Prigorodny-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Altes-Auto-in-Prigorodny-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Offensichtlich hat sich mein  Beruf auf mein Sehvermögen ausgewirkt, deshalb rate ich euch auf dem Boden zu bleiben</em>“, meint er halb scherzhaft, bevor er den Reportern von <a href="https://tengrinews.kz/fotoarchive/936/">Tengrinews</a> wünscht, sich einen guten (Weit-) Blick zu bewahren.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Renat Tachkinbaїev und Tourar Kazangapov<br />
</strong><strong> <a href="https://tengrinews.kz/fotoarchive/936/">Tengrinews</a><br />
</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Andrea Baldauf</strong></p>
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