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	<title>Unternehmen Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Unternehmen Archives</title>
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		<title>Etienne, 28 Jahre – Unternehmer in Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Dec 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Etienne Mottet ist Absolvent der Pariser &#x201E;&#xC9;cole des Mines&#x201C;, eine der renommierten franz&#xF6;sischen Ingenieursschulen. Mit seinen 28 Jahren hat er in Kirgistan Fu&#xDF; gefasst.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Etienne Mottet ist Absolvent der Pariser „École des Mines“, eine der renommierten französischen Ingenieursschulen. Mit seinen 28 Jahren hat er in Kirgistan Fuß gefasst. Nach einem Praktikum in Indien und zwei Jahre in Afghanistan hat er sich schließlich in Bischkek niedergelassen. Dort gründete er 2013 OPENCBS, ein Startup-Unternehmen, das Open Source Programme für Mikrokredite verkauft. Ein Portrait.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Zwei mal kräftig an die Tür geklopft und man tritt ein, zieht seine Schuhe aus und hängt seine von dem Schnee des Tian-Schan schon gealterte Jacke auf. Und wenn die Augen sich endlich von dem harten Winter befreien und den Raum betrachten, ist es als, ob man sich plötzlich hinter Alices Zaubertür bei einer Art Google wiederfände. Zuerst fallen die Wände ins Auge, mit bekritzelten Klebezetteln bedeckt. Die Berichte der letzten Versammlung dieses jungen Unternehmens erinnern den uneingeweihten Beobachter an Kinderzeichnungen.</p>
<p style="text-align: justify">Diese bescheidene Wohnung in Bischkek befindet sich ein paar Schritte von dem Orto-Saj Markt entfernt. Drinnen stört nur das Klappern der Tastaturen die Stille. Es kommen auch oft Witze auf, und Papierkugeln fliegen durch den Raum. Hier hat Etienne Mottet, Franzose und frankophil, 2013 seine IT-Entwicklungsfirma gegründet. Hier hat sein aktuelles Berufsleben, sein persönliches Leben, seine aktuelle Existenz begonnen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/804/img_6300.jpeg" alt="Entreprendre à Bichkek" /></p>
<p style="text-align: justify">Als er 2009 seinen Abschluss von der „École des Mines“ in Paris erhielt, hätte er sich einen solchen Weg wohl nur schwer vorstellen können. Der Stubenhocker, der er war, hat Frankreich erst 2008 zum ersten Mal verlassen. Damals war Indien seine kühne Wahl. Während der achtmonatigen Studienzäsur arbeitete er für die französische NGO Acted an deren Mikrofinanzsoftware, Octopus. Daher kommt auch seine Leidenschaft für dieses Feld, wie auch für das Ausland. „Es war brutal, ein wahrer Schock. Die ersten Wochen dachte ich daran, aufzugeben“. Doch er blieb, und ließ nicht los. „Als ich nach Frankreich zurückkehrte, fühlte ich ein Unbehagen. So habe ich gemerkt, wie glücklich ich im Ausland gewesen war.“</p>
<p style="text-align: justify">Seitdem hat er mit dem Startup in Kirgistan seine eigene Version des Programms erschaffen. <u><a href="http://opencbs.com/">OPENCBS</a></u> bietet freie (open source) Software für Mikrokredite. „Es ist als würde ich eine kleine Bank managen“, erklärt Etienne: Je nach Anfrage des Kunden plant das Programm die Zinsen, die Rückzahlungsprozedur, die Leihbedingungen und den Rest der Kreditkette. „Es verwaltet Kredit- und Sparportfolios“. Sind die Grundinformationen einmal eingegeben, berechnet das Programm einen Zeitplan, die Gesamtbilanz und verfolgt langfristig die Entwicklung des Darlehens. „Ein gutes Werkzeug hat Wirkung auf die Qualität des Produktes. Darauf setzen wir.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Von den „Mines“ nach Kirgistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Software ist sehr einfach zu bedienen und unterscheidet sich darin von seiner Konkurrenz, die von den großen französischen Banken genutzt werden. „Monsterprogramme, die vor mehr als zwanzig Jahren erschaffen wurden. Es ist sehr schwer, sie zu ersetzen“, vertraut Etienne an. Seine Firma hat im Moment 12 Kunden rund um die Welt und ungefähr 30 Nutzer der kostenfreien Version des Programms.</p>
<p style="text-align: justify">Etienne verdeckt nicht sein Lächeln, etwas jugendlich, aber auf keinen Fall naiv. Zwischen Indien und Kirgistan hat er auch zwei Jahre in Afghanistan gearbeitet, weiterhin mit Acted. Dort beaufsichtigte er den Betrieb von Oxus, dem Mikrofinanzprojekt der französischen Organisation.</p>
<p style="text-align: justify">Das Fazit ist kurz: „Es war super.“ Seine blauen Augen zeigen auch ein wenig Nostalgie. „Ich war dort andauernd mit Leuten in Kontakt. Auf den Basaren konnte ich die Handwerker und Unternehmer treffen. Als Außenstehender könnte man glauben, dass Afghanistan ein schwieriges Erlebnis war, aber das ist gar nicht der Fall. Im Gegenteil: die Mitarbeiter waren sehr motiviert, es fehlte nur ein wenig Wissen in Sachen Methode und Struktur. Dort hattest du das Gefühl, wirklich etwas beizutragen.“</p>
<p style="text-align: justify">Nach seinem wissenschaftlich orientierten Bac S (das französische Abitur), studierte Etienne Physik, Chemie und Ingenieurswissenschaften in Rouen. Mit seinen 28 Jahren hat ist er nun schon viel durch die Welt gekommen. „Afghanistan war ein bedeutender Impuls. Du ziehst dort hin und gegen alle Erwartungen gefällt es dir. Du kannst dich dort unheimlich wohl fühlen.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 398px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/804/dsc_3314.jpeg" alt="En Afghanistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Zu diesem Zeitpunkt hat er auch Zentralasien und Kirgistan zum ersten Mal für sich entdeckt. Bischkek war keine Liebe auf den ersten Blick, doch heute hängt er an dieser Stadt. „Nach zwei Jahren war ich von Afghanistan abgenutzt. Auch wenn es ein reizendes Land ist. Kirgistan ist ein sehr gutes Gegengewicht: Dort gibt es zusätzlich die Freiheit.“</p>
<p style="text-align: justify">Und letztendlich etabliert er sich auch in Bischkek, im Juli 2012.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Bischkek: „Ein wahrer Geheimtipp“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Überraschung in seiner Umgebung antwortet Etienne mit einer Liste von Vorteilen, die er schon lange auswendig kennt. Zuerst die unschlagbaren Preise: seine fünfköpfige Mannschaft kostet ihn so viel wie eine einzige Vollbeschäftigung in Frankreich. Dazu kommt ein einfacher und sehr unbürokratischer Start für seine Firma. Und vor allem „die motivierte, dynamische Jugend.“</p>
<p style="text-align: justify">Sein eigenes Unternehmen zu leiten beschreibt er als eine „Achterbahn der Emotionen. Es ist ein solch intensiver und tiefer Prozess. Man kann es nicht erfahren ohne es selbst auszuprobieren.“ Der einzige Nachteil ist der sehr kleine und schon ausgeschöpfte Markt für Mikrofinanzen. So gab es vor kurzem auch <u><a href="http://www.kabar.kg/society/full/35856">Demonstrationen</a></u> gegen den Wirtschaftszweig der Mikrofinanzen.</p>
<p style="text-align: justify">„Es gibt hier ein unglaubliches menschliches Potential“, beharrt er, wie auch viele der Geldgeber aus Europa und zahlreiche NGOs. All diese Talente müssen nur aktiviert werden. Etienne zufolge sollten vor allem die Methoden, mehr noch als die Ideen, vom Westen übernommen werden. „Lösungen müssen immer vor Ort gefunden werden, das vergisst man allzu oft.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/804/img_6295.jpeg" alt="Etienne Mottet" /></p>
<p style="text-align: justify">„Ich fühle mich viel weniger mutig als die, die jeden Morgen aufstehen um in die U-Bahn Richtung La Défense (das Hauptgeschäftsviertel von Paris, Anm. d. Red.) zu steigen.“ scherzt er, nicht ohne Ernst. „Ich habe früh gemerkt, wie unglücklich ich auf der sogenannten königlichen Schiene geblieben wäre, wenn ich ein Ingenieur unter 10000 in einer großen Firma geworden wäre.“</p>
<p style="text-align: justify">Dennoch verbleibt er nicht bei einer Ablehnung seiner Heimat. Umso weiter er reist, desto näher fühlt er sich Frankreich. „Im Endeffekt fühlst du dich hier immer französischer.“</p>
<p style="text-align: justify">Seine Reise wird gewiss nicht in Bischkek enden. Dieser nomadische Normanne hat die Taschen voller Projekte. Wie zum Beispiel eine Filiale seiner Firma in Nairobi (Kenya) oder der Aufbau einer IT-Entwicklungsschule in Bischkek. Vielleicht wird er auch nach Frankreich zurückkehren. Doch wie das Sprichwort sagt: Der Prophet gilt nichts in seinem eigenen Land.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Etienne Mottet wird am 8 Dezember um 17h eine Konferenz bei der Amerikanischen Universität Zentralasiens (AUCA) halten. Mehr Infos <u><a href="https://www.facebook.com/events/691345884318328/">hier</a></u>.</strong></em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion</strong></p>
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		<title>&#8222;Persönliche Kontakte in Kirgistan sind mehr wert als die Gelben Seiten&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Mar 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kancha]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tobias Gerhard lebt in Bischkek und leitet von dort das Start-up, in dem Design-H&#xFC;llen f&#xFC;r Smartphones, Tablets und Laptops hergestellt. Im Interview erz&#xE4;hlt er &#xFC;ber seine Arbeit und das Leben in Bischkek.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Dieser Artikel erschien zuerst in der <a href="http://deutsche-allgemeine-zeitung.de/de/content/view/2941/1/">Deutschen Allgemeinen Zeitung</a>. Wir veröffentlichen ihn mit der freundlichen Erlaubnis der Redaktion. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Tobias Gerhard hat mit zwei Freunden ein deutsch-kirgisisches Joint Venture gegründet. Tobias lebt in Bischkek und leitet von dort das Start-up, in dem Design-Hüllen für Smartphones, Tablets und Laptops hergestellt werden. Im Interview erzählt er, was sein Unternehmen besonders macht, warum er nach Bischkek gezogen ist, wie er in Kirgisistan lebt und arbeitet.</em></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 276px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/546/1.jpeg" alt="Tobias, Lidya, Artur, Aigul" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Tobias, Du bist der Mitbegründer des Unternehmens „Kancha“. Wie ist die Idee entstanden, dieses Unternehmen zu gründen, was macht es so besonders?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Idee kam mir bei meinem ersten Besuch in Kirigisistan im Jahr 2011. Ich war sofort fasziniert von der traditionellen Handwerkskunst und dem Material Wollfilz, welches man überall in Zentralasien findet. Andererseits fiel mir auf, dass immer wieder die gleichen Dinge daraus hergestellt werden: Hausschuhe, Hüte, Teppiche, und natürlich Jurten. Viele Hersteller produzieren in erster Linie für Touristen, haben jedoch kaum Zugang zum Exportmarkt. Kirgisistan ist aufgrund seiner geografischen Lage und politischen Situation weitgehend vom Weltmarkt abgeschnitten. So kam mir die Idee, die traditionelle Handwerkskunst mit europäischem Design zu verknüpfen und mit KANCHA ein Projekt zu starten, welches Entwicklungsarbeit und Unternehmertum miteinander verbindet.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Warum der Name „Kancha“?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.kancha.de/" target="_blank">„</a><a href="http://www.kancha.de/" target="_blank">Kancha“ </a>(Kantscha) bedeutet auf Kirgisisch „wie viel?“ oder „wie teuer?“. Wir wollen mit dieser Frage die Kunden einladen, hinter die Kulissen zu schauen, um besser zu verstehen, wie Menschen am anderen Ende der Welt leben und arbeiten. Auf unserer Webseite werden alle Hersteller porträtiert. Wir bieten größtmögliche Transparenz über die Produktionsbedingungen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Du arbeitest nun seit über einem Jahr in einem deutsch-kirgisischen Unternehmen in Kirgisistan. Welche interkulturellen Herausforderungen oder Probleme sind bisher aufgetreten, wie habt ihr diese gelöst?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dadurch dass ich schlecht Russisch und kein Kirgisisch spreche, kommt es immer wieder zu Verständigungsschwierigkeiten, insbesondere in der Kommunikation mit den Workshops. Aber im Team sprechen wir aber alle gut Englisch, daher haben wir bisher alle Missverständnisse schnell ausräumen können. Ein anderes wichtiges Thema für mich ist der Umgang mit Informationen und Sicherheiten. Da hier viel Unvorhersehbares passiert, scheinen sich die Leute auch in der Geschäftswelt daran gewöhnt zu haben, dass nichts feststeht und Probleme ad hoc anstatt im Voraus gelöst werden. Ich versuche hingegen immer vorab Informationen zu sammeln und zu planen, was sich schwer mit dem hier vorherrschenden Management-Stil vereinbaren lässt.<br />
Letztlich gibt es natürlich noch das alte Thema der Auffassungen von Zeiten und Fristen.<br />
Aber ich denke, ich habe mich auch daran langsam gewöhnt. Dadurch dass wir im Team Kirgisen und Deutsche haben und uns viel austauschen, haben wir mittlerweile einen Weg gefunden, dass sich die deutschen und kirgisischen Arbeitsweisen sinnvoll ergänzen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Du hast ja bereits in Deutschland Arbeitserfahrungen gesammelt. Was hast Du so gemacht und was sind die größten Unterschiede zu deinem Arbeitsalltag in Kirgisistan?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bevor ich nach Bischkek gezogen bin, habe ich in Berlin beim Magazin „The European“ im Verlag gearbeitet. Auch dort habe ich eigenständig Projekte durchgeführt, wobei ich viel für meine jetzige Tätigkeit lernen konnte. Den Hauptunterschied zwischen der Arbeitswelt in Deutschland und in Kirgisistan sehe ich darin, dass hier vieles informeller und über Verbindungen anstatt über offizielle Kanäle läuft. Wer in Deutschland beispielsweise Zulieferer sucht, wird eher die Gelben Seiten aufschlagen oder im Internet suchen. Hier in Bischkek fragt man als erstes Verwandte oder Freunde, ob sie jemanden kennen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wann und warum hattest Du das erste Mal Kontakt mit Kirgisen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich hatte in Budapest an der Central European University studiert, welche auch beliebt unter Kirgisen und anderen Zentralasiaten ist. Dort habe ich meine Partnerin kennengelernt, mit der ich jetzt glücklich in Bischkek lebe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was macht das Land für Dich besonders, warum hast Du dich entschieden, dorthin zu gehen?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="float: right;height: 206px;width: 300px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/546/2.jpeg" alt="Tobias und seine Freundin Maja" /></p>
<p style="text-align: justify">In erster Linie natürlich der Liebe wegen. Aber ich fand es schon immer spannend, neue Länder, Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Insofern war der Schritt, tatsächlich für eine Weile nach Kirgisistan zu ziehen, für mich gar nicht so groß.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Man kann also sagen Du bist für eine Beziehung in eine völlig andere Gesellschaft, ein fremdes Land gezogen. Welches Bild hattest Du von Kirgisistan beziehungsweise von Zentralasien? Was hast Du erwartet?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bevor ich das erste Mal kam, hatte ich ehrlich gesagt überhaupt keine Vorstellung von Kirgisistan. Zentralasien ist in Deutschland ein blinder Fleck auf der Weltkarte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wurdest Du positiv von Kirgisistan überrascht?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Absolut. Ich finde es spannend, hier zu leben. Bischkek hat mehr zu bieten als ich vorher dachte. Es gibt eine relativ kleine, aber spannende Kulturszene und zahlreiche Ausgehmöglichkeiten vom japanischen Restaurant bis hin zum Rock-Club. Die Berge bieten zu jeder Jahreszeit genug Raum für Abenteuer.<br />
Insgesamt finde ich aber die Gemeinsamkeiten fast bemerkenswerter als die Unterschiede. Da wir in Deutschland oft gar keine Vorstellung haben, wie es in anderen Ländern aussieht, haben manche die wildesten Fantasien davon. Letztlich finde ich das Leben hier gar nicht so anders als in Europa.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie ist es im Alltag? Welche kirgisischen Gepflogenheiten und Traditionen schätzt Du?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Gegensatz zu Deutschland ist der Familienzusammenhalt hier viel stärker, was ich sehr schätze. Das hat allerdings auch negative Seiten, da es Einschnitte der persönlichen Freiheiten mit sich bringen kann, wie im Extremfall die kirgisische Brautraubtradition zeigt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was vermisst Du aus Deutschland?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ein oder andere Lebensmittel wie Vollkornbrot oder Schweizer Käse. Und die Nähe zu Familie und Freunden. Aber ich habe auch in der Vergangenheit viel Zeit im Ausland verbracht und kann für eine Weile darauf verzichten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie oft fährst Du nach Deutschland? Was für ein Gefühl ist es, wenn Du wieder dort bist?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bisher reise ich mehrmals im Jahr geschäftlich nach Deutschland, da wir gerade erst im Aufbau sind und es noch viel zu koordinieren gibt. Wenn ich deutschen Boden betrete, merke ich schon, dass dies meine Heimat ist, aber nach meiner letzten zweiwöchigen Deutschlandreise hatte ich mich am Ende auch wieder darauf gefreut, zurück „nach Hause“, nach Bischkek zu fahren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es für Dich Heimat oder bist Du ein Nomade?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich kann mich überall auf der Welt zu Hause fühlen, aber meine Heimat ist und bleibt Deutschland.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Ziele, Projekte stehen in nächster Zeit bevor?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Augenblick sind wir mit KANCHA in einer spannenden Phase, da sich das Team stetig vergrößert und wir viele neue Projekte, neue Produkte, ländliche Herstellung, Erhöhung der Sozial– und Umweltstandards in der Produktion angestoßen haben. Unser Ziel ist es, ein Unternehmen aufzubauen, welches finanziell, sozial und umwelttechnisch eine positive Bilanz ziehen kann.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Tobias, vielen Dank für das Gespräch.</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Mit Tobias sprach Elmira Schaltuganow<br />
Deutsche Allgemeine Zeitung </strong></p>
<p style="text-align: right">
<p><img decoding="async" style="height: 89px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/546/logo_daz.jpeg" alt="Deutsche Allgemeine Zeitung" /></p>
<p><strong>Dieser Artikel erscheint im Rahmen der <a href="http://francekoul.com/partner/DAZ-Almaty">Partnerschaft</a> von Novastan.org mit der Deutschen Allgemeinen Zeitung, Almaty. </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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