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	<title>Ungleichheit Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Ungleichheit Archives</title>
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		<title>Hauptsache, es ist ein Sohn: Über Familien in Tadschikistan, die ausschließlich Töchter haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 21:10:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan, wie auch in ganz Zentralasien, ist die Geburt von S&#xF6;hnen ein Grund zum Stolz, ein Zeichen f&#xFC;r Reichtum und eine sorgenfreie Altersvorsorge der Eltern. Bei der Geburt eines Jungen wird in der Familie ein gro&#xDF;es Fest gefeiert. Wenn jedoch T&#xF6;chter geboren werden, kann dies f&#xFC;r die Mutter zu Vorw&#xFC;rfen und Anschuldigungen f&#xFC;hren, sie [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan, wie auch in ganz Zentralasien, ist die Geburt von Söhnen ein Grund zum Stolz, ein Zeichen für Reichtum und eine sorgenfreie Altersvorsorge der Eltern. Bei der Geburt eines Jungen wird in der Familie ein großes Fest gefeiert. Wenn jedoch Töchter geboren werden, kann dies für die Mutter zu Vorwürfen und Anschuldigungen führen, sie sei minderwertig und unzulänglich. Wie es ist, als Mädchen in eine tadschikische Familie geboren zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> erinnert sich an ihre Kindheit nur als einen Albtraum voller Demütigungen, Tränen, Angst und Liebesentzug. Und das alles nur, weil sie als Mädchen geboren wurde. Sie wuchs als Älteste in einer Familie mit insgesamt vier Töchtern auf. Ihr Vater träumte immer von einem Sohn als Erben, und als wieder eine Tochter geboren wurde, wurde Nosanins Mutter beschuldigt, unzulänglich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Die Beziehung zwischen meinem Vater und meiner Mutter begann sich zu verschlechtern, als meine zweite Schwester geboren wurde“</em>, erzählt Nosanin. <em>„Mein Vater wünschte sich sehnlichst einen Sohn und hatte schon im Voraus einen Namen für einen Jungen ausgesucht. Aber dann wurde das dritte Kind geboren, und wieder war es ein Mädchen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie er meine Mutter nur deshalb erniedrigte, weil sie nur Töchter zur Welt brachte.&#8220;</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nosanin hat in ihrer Kindheit keine väterliche Liebe erfahren. <em>„Wäre sie als Junge geboren worden, hätte sie wie ein Prinz gelebt“</em>, rechtfertigte ihr Vater oft seine Haltung gegenüber seinen Kindern. Von Verwöhnung konnte keine Rede sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin war bereits erwachsen, als ihre Eltern begannen, ein viertes Kind zu planen. Astrologen, Heiler, Mullahs – sie wandten sich an alle möglichen Leute. Ein gesundes Kind kam zur Welt, aber wieder war es ein Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als meine vierte Schwester geboren wurde, war das einfach schrecklich. Wir hatten Angst, unserem Vater zu begegnen und ein falsches Wort zu sagen“</em>, erzählt Nosanin mit zitternder Stimme, wenn sie sich an diese unangenehmen Erinnerungen zurückerinnert. <em>„Papa wollte nichts von seiner jüngsten Tochter wissen. In den ersten sechs Monaten hat er sie nicht einmal angesehen. In diesen sechs Monaten wuchs sie ohne Namen auf, da ihre Eltern bereits einen Namen für einen Sohn ausgewählt hatten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/miss-world-2025-vertreterin-kirgistans-prangert-gewalt-gegen-frauen-an/">Miss World 2025: Vertreterin Kirgistans prangert Gewalt gegen Frauen an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Skandale in der Familie nahmen zu. Nach der Arbeit kam der Vater wütend nach Hause und stritt sich mit der Mutter. Nosanin und ihre Schwestern lebten ständig in Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Viele Leute in der Stadt kannten meinen Vater. Deshalb war er sehr abhängig von der Gesellschaft und der Meinung seiner Freunde“</em>, sagt Nozanin. <em>„Wenn sie sich trafen, prahlten seine Freunde mit ihren Söhnen und fragten jedes Mal, wann er endlich einen Erben bekommen würde.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beeinflusst von der Meinung anderer ließ mein Vater seine ganze Wut und Hilflosigkeit an meiner Mutter und mir aus. <em>„Das sind deine Töchter, nicht meine“</em>, wiederholte er seiner Frau gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Worte schmerzen Nosanin noch heute im Herzen. Und dann ist da noch dieses schreckliche Gefühl der Leere, wenn man nicht geliebt wird, nur weil man als Mädchen geboren wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Zuhause arbeiteten wir wie Sklaven&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Kind fragte Nosanin ihre Mutter oft, warum sie alles ertrage und weiterhin mit einem Mann zusammenlebe, der seine Töchter nicht anerkenne und sie als fremd bezeichne. Aber ihrer Mutter fehlte die Willenskraft, und ihre Zuversicht und Entschlossenheit waren durch Demütigungen und Beleidigungen endgültig zermürbt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise wollte sie nicht mit dem Stigma einer alleinerziehenden Mutter leben und fürchtete die Verurteilung durch die Gesellschaft. Damit der Vater nicht schimpfte, bat die Mutter ihre Töchter immer, ihm zu helfen und so die Söhne zu ersetzen. Aber egal, wie sehr sich die Mädchen auch bemühten, alles war vergeblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zu Hause arbeiteten wir wie Sklaven, um wenigstens ein gutes Wort von unserem Vater zu verdienen“</em>, erzählt Nosanin. <em>„Und wenn ich das Haus verließ, setzte ich eine Maske auf, die mich als glückliches und sorgloses Mädchen zeigte, das in elterlicher Liebe badete. Niemand wusste, was in meiner Seele vorging, wenn ich lächelte. Äußerlich gepflegt, mit perfekter Maniküre, hätte niemand gedacht, dass meine Hände die schmutzigste Männerarbeit verrichten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/social-media-trend-in-tadschikistan-wie-frauen-gegen-stereotype-kaempfen/">Social Media Trend in Tadschikistan: Wie Frauen gegen Stereotype kämpfen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie die Schule mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, träumte Nosanin davon, an die Universität zu gehen. Aber ihr Vater war dagegen – es gebe genug Arbeit im Haushalt, und die zusätzlichen Kosten seien unnötig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Verlass dich nicht auf mich“</em>, entgegnete der Vater auf die erneute Bitte seiner Tochter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Ablehnung ihres Vaters hielt das Mädchen nicht auf. Nosanin schrieb sich dennoch an der Universität ein, arbeitete nebenbei und finanzierte ihr Studium selbst. Ihr Vater wusste, dass seine Tochter sich selbst eingeschrieben hatte, interessierte sich aber nicht dafür, wo und für welchen Studiengang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„So habe ich gelernt, mich nur auf mich selbst zu verlassen. Als ich an der Universität gefragt wurde, wer mein Vater ist und was er beruflich macht, sagte ich allen, dass er Testpilot ist und vermisst wird. Von allen vier Schwestern haben nur ich und meine jüngste Schwester versucht, einen Hochschulabschluss zu machen&#8220;</em>, erzählt sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kindheitstrauma für ein ganzes Leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Erwachsene und verheiratete Frau hatte Nosanin Angst, das Schicksal ihrer Mutter zu wiederholen. Die Angst vor der Geburt einer Tochter war so stark in ihrem Bewusstsein verankert, dass sie ihre gesamte Schwangerschaft nicht in freudiger Erwartung ihres ersten Kindes verbrachte, sondern mit Bildern aus ihrer Kindheit und ihrem streitsüchtigen Vater, die immer wieder in ihrem Gedächtnis auftauchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte das Gefühl, dass alle um sie herum erwarteten, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde. Aber sie gebar eine Tochter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Die zweite Schwangerschaft war von starker Übelkeit begleitet, und aus heiterem Himmel stieg plötzlich meine Temperatur. Meine Ängste wurden immer stärker, es war unerträglich. Ich hielt es nicht mehr aus und ließ eine Ultraschalluntersuchung machen – man sagte mir, es würde ein Junge werden. Sie werden es nicht glauben, aber danach verschwanden die Übelkeit, das Unwohlsein und die Temperatur wie von Zauberhand. Ich habe verstanden, dass unsere Ängste sich direkt auf den Körper auswirken und einen Selbstzerstörungsprozess in Gang setzen“</em>, erzählt Nosanin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kindheitstrauma und Erinnerungen lassen die junge Frau nie los. Und obwohl sie bereits eine eigene Familie und Kinder hat, ist das Gefühl der Liebesentbehrung immer präsent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eigentlich träume ich gar nicht von materiellem Reichtum. Das Wertvollste für mich ist das Gefühl, dass man dich nicht wegen etwas liebt, sondern trotz etwas. Einfach dafür, dass du auf dieser Welt bist“</em>, sagt sie. Heute ist Nosanin eine erfolgreiche junge Frau, aber das sei allein ihr Verdienst. Seit ihrer Kindheit ist sie es gewohnt, sich nur auf sich selbst zu verlassen, und hat ohne die Unterstützung ihrer Eltern viel erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweifellos ist das ein Grund zum Stolz, aber es schmerzt die junge Frau bis heute, zu wissen, dass die Demütigungen, die sie in ihrer Kindheit erdulden musste, nur darauf zurückzuführen sind, dass sie nicht als Junge geboren wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin erzählt: <em>&#8222;Jetzt unterstütze ich meine Eltern sowohl physisch als auch finanziell. Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen, und ich bin ihnen dankbar, dass sie mir das Leben geschenkt haben. Oft höre ich jetzt von meinem Vater, dass ich besser bin als zehn Söhne. Diese Worte machen es mir jedoch nicht leichter, sondern im Gegenteil, sie tun mir noch mehr weh. Seit meiner Kindheit sehnte ich mich nach der Liebe meines Vaters, träumte davon, dass er mich umarmt und mir sagt, wie sehr er mich liebt und auf mich stolz ist. Aber in meinen Erinnerungen gibt es keine solchen schönen Momente.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/arbeitslosigkeit-armut-und-missbrauch-das-leben-der-frauen-in-den-entlegenen-gebieten-tadschikistans/">Arbeitslosigkeit, Armut und Missbrauch: Das Leben der Frauen in den entlegenen Gebieten Tadschikistans</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin ist der Meinung, dass diese tief verwurzelten Stereotypen der Gesellschaft die Rechte von Mädchen von Kindheit an beeinträchtigen. Infolgedessen wachsen sie mit einem geringen Selbstwertgefühl und einer traumatisierten Psyche auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Es steht uns nicht zu, zu entscheiden, wer auf die Welt kommt. Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes, das leider nicht allen zuteilwird. Viel wichtiger ist, zu welchem Menschen das Kind heranwächst und ob es seinen Eltern im Alter eine Stütze sein wird. Die unsinnigen ungeschriebenen Gesetze unserer Gesellschaft, dass in einer Familie unbedingt ein Junge geboren werden muss, zerstören Familien und machen Kinder unglücklich. So kommt es, dass manche Frauen so lange gebären, bis sie einen Jungen bekommen, um ihrem Mann zu gefallen, der einen Erben braucht. Dabei spielt es keine Rolle, was die Frau dabei empfindet&#8220;</em>, so Nosanin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie selbst erklärt ihren Kindern, dass die Meinung der Gesellschaft niemals an erster Stelle stehen sollte. Sie versucht, ihnen das zu geben, was ihr in ihrer Kindheit so sehr gefehlt hat. Denn alles, was einem Kind in Erinnerung bleibt, ist die Liebe und Fürsorge seiner Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, wofür Nosanin ihren Eltern dankbar ist, ist ihre Selbstständigkeit, Entschlossenheit und ihr Mut. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt sie es auch um, egal was es sie kostet. Ihren männlichen Charakter verbirgt sie hinter einem femininen, gepflegten Äußeren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin gibt zu, dass viele sie für eine verwöhnte „Weißhand“ [leicht spöttischer Begriff für eine nicht körperlich arbeitende Person, Anm. d. Übers.] halten, aber nur wenige wissen, was sie diese Verschleierung kostet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vorzüge von Töchtern im Islam</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Nachrichten aus Zentralasien liest man immer wieder von Aufsehen erregenden Selbstmordfällen von Frauen – sie haben sich vor einen Zug geworfen, sind von einer Brücke in einen Fluss gesprungen oder haben sich erhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im März dieses Jahres erschütterte der Selbstmord einer jungen Frau in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Navoiy">Navoiy</a>&nbsp;in Usbekistan die Öffentlichkeit. Sie versuchte, sich zusammen mit ihren drei Kindern vor einen Zug zu werfen. Es stellte sich heraus, dass der Grund für den Selbstmord ein Konflikt mit ihrem Ehemann war, der ihr vorwarf, dass sie ihm keinen Sohn gebären könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Gesellschaften Zentralasiens gilt es bis heute als selbstverständlich, dass ein Sohn besser ist als eine Tochter. Diese Stereotypen reichen weit in die Vergangenheit zurück, als Väter gemäß einem grausamen Brauch ihre neugeborenen Töchter beseitigten, indem sie sie lebendig begruben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glücklicherweise sind diese vorislamischen Zeiten (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsch%C4%81hil%C4%ABya">Dschahiliya</a>) längst vorbei. Der Islam, der die Unwissenheit abgelöst hat, verkündete, dass eine Tochter ebenso wie ein Sohn ein Segen Gottes ist. Davon zeugen zahlreiche <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>, die von den unzähligen Segnungen für diejenigen berichten, die Töchter großziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdulvohid Chimidow, Experte für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a>-Verwaltung beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_H%C3%B6chsten_Religionsgelehrten">Rat der Ulemas</a> von Tadschikistan, führte mehrere Hadithe als Beispiele an. In einem davon wird erwähnt, dass Gott diejenigen ins Paradies aufnehmen wird, die Töchter haben und ihnen keinen Schaden zufügen, sie nicht erniedrigen und sie nicht ihren Söhnen vorziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chimidow betont die Bedeutung der Erziehung von Mädchen, da sie die zukünftigen Mütter sind, die Helden und Gestalter der Geschichte zur Welt bringen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Alija Chamidullina für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20250425/eto-tvoi-docheri-ne-moi-kak-zhivut-tadzhikskie-mnogodetnie-semi-v-kotorih-rodilis-tolko-devochki">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Wie ausländische Investitionen die Entwicklung der Regionen Kasachstans erschweren</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wie-auslaendische-investitionen-die-entwicklung-der-regionen-kasachstans-erschweren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Berenika Zeller]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2023 18:29:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Investitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan ist bestrebt, ausl&#xE4;ndische Direktinvestitionen anzuziehen und erzielt damit nennenswerte Erfolge. Zum Ungl&#xFC;ck seiner Regionen, denn Investor:innen der Rohstoffindustrie sind nicht daran interessiert, nachhaltig, sozial und &#xF6;kologisch zu wirtschaften. Regionale Ungleichheiten treten in Kasachstan in verschiedenen Formen auf, &#xE4;u&#xDF;ern sich aber meist in ungleicher Verteilung des inl&#xE4;ndischen Verm&#xF6;gens. Wo dieses Kapital eigentlich erarbeitet wurde, wird [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstan ist bestrebt, ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und erzielt damit nennenswerte Erfolge. Zum Unglück seiner Regionen, denn Investor:innen der Rohstoffindustrie sind nicht daran interessiert, nachhaltig, sozial und ökologisch zu wirtschaften.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Regionale Ungleichheiten treten in Kasachstan in verschiedenen Formen auf, äußern sich aber meist in ungleicher Verteilung des inländischen Vermögens. Wo dieses Kapital eigentlich erarbeitet wurde, wird dabei außer Acht gelassen. Der Wohlstand konzentriert sich in „Wachstumszentren“, also in Millionenstädten und regionalen Zentren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Betrieb und die Konsolidierung eines solchen Systems ist eine zumindest minimale Aufrechterhaltung funktionsfähiger Siedlungen erforderlich, in denen, wie im Fall kasachischer Monoindustriestädte, Naturalrenten erzielt werden.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">So wurde am 1. Januar 2023 ein Gesetz über die Entwicklung von Ballungsräumen verabschiedet, das bereits seit Mitte der 2010-er Jahre in der Vorbereitung war. Diese sollen zu „Wachstumspunkten“ werden, um die sich ein intensives Wirtschaftsleben konzentriert. Die Festlegung der Grundsätze für die Entwicklung ebensolcher Agglomerationszentren ist Teil einer der modernen säkularen Ideologien – des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konomismus">Ökonomismus</a>, der von der Ökonomie unterschieden werden sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wirtschaft und Ökonomismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgabe der Wirtschaft ist es, die Voraussetzungen für eine fortschreitende Entwicklung und das Wachstum des Wohlstands zu schaffen, darunter auch für die Bewohner:innen unserer Regionen. Im Ökonomismus wiederum wird die soziale Realität durch abstrakte Theorien und Modelle der neoklassischen Wirtschaftswissenschaften ersetzt, die keinen Bezug zu konkreten Gesellschaften nehmen. Das führt zur dogmatischen Auslegung einer Reihe von Bestimmungen der Mainstream-Ökonomie, die niemand kritisch hinterfragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehören die Theorien des komparativen Kostenvorteils, die Bedeutung der Anziehung ausländischer Direktinvestitionen (ADI) für die Entwicklung eines Landes oder einer Region sowie die überragende Bedeutung des BIP-Wachstums als Indikator für den Erfolg einer Volkswirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings sollte im Falle Kasachstans die Wirtschaftspolitik – sofern sie das Kriterium einer progressiven Entwicklung erfüllen will – dazu beitragen, verschiedene regionale Entwicklungsschwierigkeiten zu überwinden. Eine solche Entwicklung sollte sich in steigenden Löhnen, einer höheren Lebenserwartung, besseren ökologischen Bedingungen und einer höheren Bildungsqualität in den örtlichen Schulen äußern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Bedeutung des neuen Gesetzes über die Entwicklung von Ballungsräumen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das zu Beginn des Jahres verabschiedete Gesetz bezieht sich ausdrücklich auf die Entwicklung von Ballungsräumen, nicht auf die territoriale Entwicklung des Landes oder die Verbesserung der Situation der Menschen, die außerhalb der Ballungsräume leben. Demnach umfasst das lokale Agglomerations-System Kasachstans die Hauptstadt, eine Stadt von republikanischer Bedeutung (wie beispielsweise <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent">Shymkent</a>) oder eine Stadt von regionaler Bedeutung (von denen es 38 gibt) „und die um sie herum liegenden Siedlungen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung der Ballungsräume wird auf den Grundsätzen „wirtschaftlicher Tragfähigkeit“ beruhen, was „die Annahme wirtschaftlich vernünftiger Entscheidungen durch den Staat“ impliziert, „günstige Bedingungen“ zu schaffen, einschließlich der Attraktivität für Investitionen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Investitionsattraktivität Kasachstans führt zu Ungleichheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit mehr als 30 Jahren ist die Investitionsattraktivität für Kasachstan zum Selbstzweck geworden. In Wirklichkeit führen ausländische Investitionen jedoch zu einer ungleichen Verteilung von Wohlstand und Einkommen zwischen den Regionen. Dieser Prozess wird mit dem Argument gerechtfertigt, dass Wirtschaft ohne Investitionen nicht wachsen kann und dass menschliche Siedlungen zu verfallen drohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Logik nach führen Investitionen (vor allem ausländische) automatisch zu Wirtschaftswachstum. Dieses wiederum soll die Regionen angeblich &nbsp;mit allen elementaren Gütern versorgen, von Straßen bis zu Wärmenetzen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/44193566945_3ff2b18432_k-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-32699" style="width:1024px;height:683px" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/44193566945_3ff2b18432_k-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/44193566945_3ff2b18432_k-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/44193566945_3ff2b18432_k-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/44193566945_3ff2b18432_k-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/44193566945_3ff2b18432_k.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Astana, die Hauptstadt von Kasachstan, ist einer der Ballungsräume, die zu entwickeln sind (<a href="https://www.flickr.com/photos/konradlembcke/44193566945/in/photolist-2akezLM-KcNpVS-27gAVQs-YLL7df-HxP1wH-26eWpXJ-HFBWhx-26eWpKQ-27gAVTd-2bicBDS-26eWpW1-24zZKp5-27gAVWj-27gAUou-YLL7eY-26eWpJY-HFBWx2-YLL7h3-241Z8FS-24zZKTG-2aRe1nS-PBwSPN-27gAVUW-27gAVQY-G7HE8x-fjuWcB-2bLi5Se-fjK7vs-P2ZAFj-K7SMq8-2cFkskA-Fmeuzn-5m8Zna-p6fQuB-2428AN1-22GriMr-dQMXRc-EqVf4e-dQTxSq-g4GH1L-jXudnR-2caHwnC-ELP7XT-G7HEmZ-24zZKV5-HpfmFT-gLYjMQ-242baP7-K7T9mg-FW9gQd">Konrad Lembcke/ Flickr</a>)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zur Mainstream-Ökonomie betrachtet die politische Ökonomie &#8211; basierend auf den Erfahrungen spezifischer Gesellschaften und nicht auf abstrakten Modellen &#8211; unregulierte Investitionen einen Faktor für den Rückstand eines Landes. Das Beispiel Kasachstans bestätigt leider die negativen Erfahrungen anderer Länder des „globalen Südens“. Anstelle von Wohlstand wird durch Ausländische Direktinvestitionen die Ungleichheit zwischen den Regionen verstärkt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kolonie ausländischen Kapitals</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens ermöglichen ausländische Direktinvestitionen die Kontrolle über die regionale Wirtschaft zu erlangen und sie faktisch in eine Kolonie ausländischen oder Kompradorenkapitals zu verwandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Großteil der erdölproduzierenden Industrien in den Regionen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtóbe</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Westkasachstan">Westkasachstan</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Qaraǵandy,</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qysylorda">Qysylorda</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangghystau_(Gebiet)">Mańǵystaý</a> stehen unter der Kontrolle von Investor:innen. Die meisten dieser Regionen gehören zu den am stärksten benachteiligten, was den sozioökonomischen Status und die zunehmende Ungleichheit der Bevölkerung angeht. Und das, obwohl ihr Bruttoregionalprodukt zu den höchsten im Land gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel erreichte das durchschnittliche Bruttoregionalprodukt pro Kopf in der Region Atyraý im Jahr 2010 36 Tausend US-Dollar (gut 33.000 Euro), was mit dem Niveau von Kuwait vergleichbar war. Hinter diesem „Durchschnittsvermögen“ verbarg sich jedoch ein enormes Maß an Ungleichheit, die 2011 zu den bekannten <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zwei-busse-voll-leichen-zeuginnen-berichten-ueber-die-ereignisse-von-janaozen/">Ereignissen in Jańaózen</a> führte (Demonstration wegen sozialer Ungleichheit, die gewalttätig niedergeschlagen wurde. Anm. d. Red. von Novastan), welche sich zehn Jahre später wiederholten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-zunehmende-streiks-gegen-leiharbeit-im-oelsektor/">Kasachstan &#8211; Zunehmende Streiks gegen Leiharbeit im Ölsektor</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens erhalten ausländische Investoren enorme Steuervergünstigungen und andere Privilegien, meist auf Kosten ungleicher Löhne und unzureichender Umweltschutzvorschriften. Investor:innen sind nie daran interessiert, die Löhne der einheimischen Arbeitnehmer:innen zu erhöhen oder den Lebensstandard generell zu verbessern. Die Hauptgewinne werden aus der Region abgezogen und in den regionalen Zentren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> und Almaty angesiedelt, meist aber auf den Offshore-Konten der eigentlichen Eigentümer:innen der Produktionsanlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens können wir nicht auf die technologische Aufrüstung unserer Produktion zählen, die angeblich mit dem Zufluss ausländischer Direktinvestitionen einhergeht. Investoren investieren nicht, um die neueste Technologie zu nutzen, sondern um Gewinn zu erzielen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Last für Umwelt und Gesundheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sie werden für einen achtsameren Umgang mit der Umwelt keine Extrakosten eingehen. Wie viele alternative Industrien sind in den oben genannten Gebieten entstanden, die umweltneutral sind und zudem die lokale Wirtschaft diversifizieren? Ohne eine strategische Wirtschaftspolitik des Staates nimmt die Abhängigkeit vom Export natürlicher Ressourcen immer mehr zu, während die positiven Spillover-Effekte der Rohstoffindustrie minimal bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-gruende-fuer-das-robbensterben-im-kaspischen-meer/">Die Gründe für das Robbensterben im Kaspischen Meer</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stellt sich also heraus, dass je mehr Öl und Erz auf unseren Feldern gefördert wird, je höher das BIP in Kasachstan oder die Bruttowertschöpfung in unseren rohstoffhaltigen Regionen ist, desto größer die Ungleichheit und sozialen Spannungen. Die Arbeitsbedingungen in unseren Minen und auf den Feldern gehören nach wie vor zu den schwierigsten und es gibt viele arbeitsbedingte Verletzungen und Todesfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bildung ist immer weniger integrativ: Laut Weltbank sind sechs von zehn kasachstanischen Schulkindern funktionale Analphabet:innen. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass die Mehrheit, wenn nicht alle dieser 6 Schüler:innen Schulen besuchen, die sich nicht in regionalen Zentren und größeren Städten befinden. Zudem verschlechtert sich die ökologische Situation von Jahr zu Jahr. Ein deutliches Zeichen dafür war das Massensterben von Robben an der kaspischen Küste.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wirtschaftliches Erbe Nursultan Nasarbajews</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Erinnerung: im 1997 veröffentlichten Programm „Kasachstan-2030“ machte der damalige Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> solche Investitionen zu einer der wichtigsten Prioritäten des Landes. Darin heißt es ausdrücklich, dass die „Strategie für ein gesundes Wirtschaftswachstum“ unter anderem auf der „Anziehung bedeutender ausländischer Investitionen“ beruht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies führte zu einer direkten Umsetzung eines der Grundsätze des ökonomischen Mainstream-Denkens und wurde zum vorherrschenden Wirtschaftsdenken in Kasachstan. In den letzten 30 Jahren hat Kasachstans Wirtschaft 330 Milliarden Dollar angezogen und ist damit in dem Bereich zum absoluten Spitzenreiter unter den zentralasiatischen Ländern und zu einem der führenden Länder in der eurasischen Region geworden. Leider hat dieses Geld die Regionen in ihrer Entwicklung zurückgeworfen.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Folgt man der Logik des Ökonomismus, welcher Effizienz mit „Investitionsattraktivität“ gleichsetzt, ergibt es zum Beispiel keinen Sinn, dass der Staat in der Stadt <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-ist-termirtau-baby-13/">Temirtaý</a> investiert, wenn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chromtau">Hromtaý</a> mehr Investitionen anzieht und daher mehr Aufmerksamkeit verdient. Einwohner:innen von Temirtaý sollten sich also dringend Gedanken über einen Umzug nach Hromtaý machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Realität ist viel komplizierter. Bekanntlich verlassen immer mehr Menschen ihre Dörfer und Kleinstädte: Der Saldo der interregionalen Migration in Almaty und Astana für den Zeitraum 2017 bis 2021 betrug 177.100 bzw. 150.000 Menschen. Und dies geschah bereits, bevor sich um Almaty und Astana „Agglomerationen“ bildeten. Genau aus diesem Grund sollten Zentren nicht noch zusätzlich zum Ziel von Entwicklung gemacht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/suisse-secrets-die-offshore-geheimnisse-des-kasachstanischen-praesidenten/">Suisse Secrets: Die Offshore-Geheimnisse des kasachstanischen Präsidenten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Regionalpolitik soll darauf abzielen, Mechanismen und Institutionen zu schaffen, die das Leben in unseren 89 Städten (minus drei Republikstädte und minus 38 Oblaststädte), 45 Kreisstädten, 31 Dörfern und 6828 ländlichen Siedlungen attraktiver machen. Nur dann werden die Zentren der Republik und der Regionen als „Motoren des Wirtschaftswachstums“ in der Lage sein, sich ohne zusätzliche Anstrengungen des Zentrums selbst zu versorgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der neue rechtliche „Grundsatz der Gerechtigkeit“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In demselben Programm zur Entwicklung der Agglomeration wird der „<em>Grundsatz der Gerechtigkeit</em>“ genannt, der als „<em>Wahrung der Interessen der administrativ-territorialen Einheiten, die die Agglomeration bilden</em>“, verstanden wird. Offensichtlich ist dies ein weiterer Schritt im Rahmen der proklamierten Ideologie eines „gerechten Kasachstans“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn diese Ideologie durch die bisherigen Methoden verkörpert wird, die der „Investitionsattraktivität“ frönen, dann kann man die Gerechtigkeit vergessen. Die Gesetze, die wir zuvor in unserem Land verabschiedet haben, legitimierten lediglich die mangelnde Bereitschaft des Staates, in regionale Infrastruktur zu investieren, während seine Eigentümer-Investoren Spitzenplätze der Forbes-Liste eroberten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher kann und darf die Entwicklung der kasachstanischen Regionen nicht davon abhängen, wie „investitionsattraktiv“ sie sind.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Verfasst von K</strong><strong>ú</strong><strong>at Akischanov, Ökonom, für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/jekonomika/53952-kak-inostrannye-investicii-mesaut-razvitiu-oblastej-kazahstana.html">Russischen</a> von Berenika Zeller</strong></p>


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		<title>Kasachstan – ein Paradies für Zentralasiens Ultrareiche?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Agathe Guy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2020 17:56:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtum]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlstand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Zahl der Ultrareichen, also jener Menschen mit einem Privatverm&#xF6;gen von mehr als 30 Millionen US-Dollar, ist in Zentralasien gestiegen. Laut der j&#xFC;ngsten Ausgabe des Wealth Report trifft das Kriterium allein in Kasachstan auf 660 Personen zu. Die Zahl der Ultrareichen Zentralasiens steigt weiter. Laut dem im M&#xE4;rz ver&#xF6;ffentlichten Wealth Report 2020, einem j&#xE4;hrlich erstellten [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die Zahl der Ultrareichen, also jener Menschen mit einem Privatvermögen von mehr als 30 Millionen US-Dollar, ist in Zentralasien gestiegen. Laut der jüngsten Ausgabe des Wealth Report trifft das Kriterium allein in Kasachstan auf 660 Personen zu.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Zahl der Ultrareichen Zentralasiens steigt weiter. Laut dem im März veröffentlichten <a href="https://www.knightfrank.com/wealthreport">Wealth Report 2020</a>, einem jährlich erstellten Ranking zur Messung des individuellen Reichtums in der Welt, ist Kasachstan das Land mit den meisten Superreichen in der Region. Während in Turkmenistan 104, in Tadschikistan 16 und in Usbekistan 12 Personen mit einem persönlichen Vermögen von mehr als 30 Millionen US-Dollar (26,6 Millionen Euro) leben, so beläuft sich 2019 diese Zahl  in Kasachstan auf 660 Personen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Knight Frank, ein auf Vermögensverwaltung spezialisiertes britisches Unternehmen, hat für seinen Wealth Report das Nettovermögensniveau an verschiedenen Standorten anhand nationaler Daten zum finanziellen und nichtfinanziellen Vermögen der Haushalte geschätzt. Wo diese Daten nicht verfügbar waren, stützten sich die ForscherInnen auf eine Einkommensverteilungskurve nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gini-Koeffizient">Gini-Koeffizienten</a>, der die Ungleichheiten innerhalb eines Landes misst, aber auch auf selbsterhobenen Daten und die <a href="https://www.forbes.com/billionaires/">World´s Billionaires List</a> der Zeitschrift Forbes.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Mehr Ultra-Reiche in Kasachstan: ein Spiegelbild der Ungleichheit?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Zahl der Vermögenden ist dabei deutlich gestiegen. Zum Vergleich: Der <a href="https://content.knightfrank.com/research/83/documents/en/the-wealth-report-2017-4482.pdf">Wealth Report 2016</a> zählte noch 230 Superreiche in Zentralasien, sodass sich deren Zahl innerhalb von fast vier Jahren nahezu verdreifacht hat. 2016 ging der von der Knight Frank erstellte Bericht davon aus, dass es 6.700 Millionäre, 520 Multimillionäre (mit einem Vermögen von mehr als zehn Millionen US-Dollar), 29 Centa-Millionäre (Vermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar) und 3 Milliardäre gab. Für das Jahr 2019 präsentierte das britische Unternehmen keine weiteren Details, sondern lediglich die Zahl jener Personen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen US-Dollar.</p>
<p style="text-align: justify;">Laut <a href="https://forbes.kz/leader/50_bogateyshih_biznesmenov_kazahstana_-_2019_1557664676/?">Forbes</a> gehörten im Jahr 2018 mehr als 16 Prozent des nationalen Reichtums Kasachstans 50 UnternehmerInnen, von denen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Kim">Vladimir Kim</a>, ein Nachfahre koreanischer Deportierter, laut World´s Billionaires List der reichste ist. Kim baute sein Vermögen auf der Privatisierung von Kasachstans Minen in den frühen 1990er Jahren auf.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Der Übergang von der Planwirtschaft zu einem System der privaten Industrie und das starke Potenzial des kasachstanischen Bergbaus führten dazu, dass die Zahl der Ultrareichen im Land von Jahr zu Jahr zunimmt. Erfolgreiche UnternehmerInnen scheinen auch größtenteils mit der politischen Elite verbunden zu sein. Während der zweitreichste Kasachstaner <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bulat_Utemuratov">Bolat Ótemuratov</a> diplomatische und philanthropische Funktionen ausübte, ist der Politiker <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur_Qulybajew">Timýr Qulybaev</a>, der über das drittgrößte Vermögen des Landes verfügt, mit der Tochter des ehemaligen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> verheiratet. Das Ranking umfasste auch drei Frauen aus Kasachstan, darunter Nazarbaevs Tochter <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Dinara_Kulibaeva">Dinara Qulybaeva</a> sowie Aıgul Nurieva, die laut einem Bericht des <a href="https://www.wsj.com/articles/SB121667622143971475">Wall Street Journal</a> aus dem Jahr 2008 für die Finanzen der Familie Nazarbaev zuständig gewesen sein soll.</p>
<p style="text-align: justify;">Da die Mehrheit der von <a href="https://forbes.kz/leader/50_bogateyshih_biznesmenov_kazahstana_-_2019_1557664676/?">Forbes</a> identifizierten Ultrareichen aus dem Südosten Kasachstans und dort insbesondere aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> stammt, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Reichtum geografisch ungleich verteilt. Die Unruhen, die sich 2019 in der größten Ölregion im Nordwesten des Landes ereigneten, spiegeln diese Ungleichheiten wider. Dennoch betrachtet die <a href="https://data.worldbank.org/indicator/SI.POV.GINI">Weltbank</a> das Land mit einem Gini-Koeffizienten von 27,5 Prozent im Jahr 2017 als den leistungsstärksten Staat Zentralasiens in Sachen Ungleichheit. Die <a href="https://www.unescap.org/commission/74/document/E74_30E.pdf">Asiatische Entwicklungsbank</a> beschreibt Kasachstan als das Modell eines gelungenen Übergangs, das der Mehrheit der BürgerInnen gleiche Zugangsmöglichkeiten zu grundlegenden Dienstleistungen und zur Sekundarstufe bietet.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Agathe Guy, Redakteurin für Novastan</strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/le-kazakhstan-paradis-des-ultra-riches-dasie-centrale/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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