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	<title>Ülken Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Tue, 04 Feb 2025 23:01:51 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Ülken Archives</title>
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	<item>
		<title>Niemand hat die Absicht ein, oder zwei oder drei Kernkraftwerke zu bauen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[masamedia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2025 23:01:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Energiedefizit]]></category>
		<category><![CDATA[Kernenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Ülken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Referendum im Oktober 2024 steht fest, dass das Land mit den gr&#xF6;&#xDF;ten Uranvorkommen weltweit ein Atomkraftwerk bauen wird. Seit einigen Wochen spricht Pr&#xE4;sident Toqaev jedoch in der Mehrzahl von den Bauvorhaben. MasaMedia wirft einen Blick auf die Aussagen des Staatsoberhauptes und rekapituliert, wie es zum Referendum kam. Aus eins mach drei&#x2026; In einem [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Seit dem Referendum im Oktober 2024 steht fest, dass das Land mit den größten Uranvorkommen weltweit <strong>ein </strong>Atomkraftwerk bauen wird. Seit einigen Wochen spricht Präsident Toqaev jedoch in der Mehrzahl von den Bauvorhaben. MasaMedia wirft einen Blick auf die Aussagen des Staatsoberhauptes und rekapituliert, wie es zum Referendum kam.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aus eins mach drei…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem auf Kasachisch geführten Interview mit der Zeitung <em>Ana tili</em> am 3. Januar dieses Jahres kündigte der Präsident Toqaev den Bau mehrerer Kernkraftwerke an:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist offensichtlich, dass Kasachstan ein leistungsfähiges Kernkraftwerk braucht. Daran habe ich keine Zweifel. Darüber hinaus schließe ich nicht aus, dass wir in naher Zukunft ein zweites und unter Umständen ein drittes Kernkraftwerk bauen werden. Unsere wirtschaftliche Entwicklung sieht sich mit Energiedefiziten konfrontiert. An dieser Stelle ist die Atomindustrie in der Lage, einen unmittelbaren und starken Impuls zu geben“,</em> so der Präsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Januar wiederholte Toqaev diese Aussage auf Russisch während einer Präsentation der Abteilung für Nationale Projekte, der er und weitere Regierungsmitglieder beiwohnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Beim Bau der Kernkraftwerke müssen wir uns beeilen. Im Interview habe ich bereits angekündigt, dass wir zwei große Kraftwerke bauen werden, eventuell sogar drei. Wir müssen Kasachstan zu einem Land umgestalten, das über einen hochentwickelten Kernenergiesektor verfügt, zu einem Land, das sich erfolgreich künstliche Intelligenz zu Nutze macht und in dem die Digitalisierung in vollem Gange ist“,</em> führte er aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… aus null mach eins…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gehen wir nochmal einen Schritt zurück: Wie kam es zur Entscheidung ein Kernkraftwerk zu bauen und wie entwickelte sie sich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Gesprächen in Moskau im Jahr 2019 schlug der russische Präsident Wladimir Putin dem Toqaev vor, in Kasachstan ein Kernkraftwerk zu bauen, das auf russischen Technologien basiert. Daraufhin erklärte Toqaev, dass die endgültige Entscheidung über den Bau des Kernkraftwerks von der Meinung der Bewohnerinnen und Bewohnern Kasachstans abhinge.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Juni desselben Jahres versicherte Toqaev gegenüber der Presse, Kasachstan habe derzeit nicht die Absicht, ein Kernkraftwerk zu bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 2021 erklärte die Regierung erneut, sie habe noch keine Entscheidung über den Bau eines Kernkraftwerks getroffen. Darüber hinaus würden Reaktortechnologien aus den Vereinigten Staaten, Südkorea, Frankreich, China, Russland und anderen Ländern geprüft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan</strong>: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-in-kasachstans-atomprojekt-chancen-fuer-die-multivektorpolitik/">Frankreich in Kasachstans Atomprojekt: Chancen für die Multivektorpolitik</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. September 2021 informierte der Präsident &nbsp;die kasachstanische Bevölkerung schließlich , dass die Regierung und der kasachstanische <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Samruk-Kazyna">Staatsfonds</a> <em>Samuryk-Kazyna </em>angesichts der ab 2030 drohenden Stromknappheit <em>„innerhalb eines Jahres prüfen sollten, inwiefern es möglich wäre, eine sichere und umweltfreundliche Kernkraftversorgung zu entwickeln.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Monate später, am 19. November 2021, sagte er bei einem Treffen mit Finanziers in Almaty: „Wenn wir in die Zukunft blicken, werden wir uns notwendigerweise für den Bau eines Kernkraftwerks entscheiden müssen, so missliebig diese Entscheidung auch sei.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. September 2023 schlug Präsident Toqaev dann vor, die Frage des Baus einem nationalen Referendum zu unterziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… aus 63 mach 71</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer Medienpreisverleihung am 27. Juni 2024 kündigte der Präsident in einer Rede besagtes Referendum an. Am 6. Oktober 2024 <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-stimmt-fuer-atomkraft/">fand es schließlich statt</a>. Einen Tag später gab die Zentrale Wahlkommission das Ergebnis der Abstimmung bekannt. Offiziell befürworteten 71,12 Prozent der wahlberechtigten Kasachstanerinnen und Kasachstaner den Bau eines Kernkraftwerks im Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie lautete die Frage in jenem Referendum, an dem 63,6 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen haben und das angeblich von mehr als 70 Prozent unterstützt wurde? Auf dem Stimmzettel für das Referendum über das Atomkraftwerk wurden die Bürgerinnen und Bürger Kasachstans aufgefordert, die Frage zu beantworten: „Sind Sie mit dem Bau eines ATOMKRAFTWERKS in Kasachstan einverstanden?“ Es boten sich zwei Antwortmöglichkeiten: „Ja, ich bin einverstanden“ oder „Nein, ich bin nicht einverstanden“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage bezog sich auf lediglich ein Kernkraftwerk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Bauort hat die Regierung das Dorf Ülken <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/">festgelegt</a>. Es befindet sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Region Almaty</a> am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a>. Das Atomkraftwerk soll bis 2035 fertiggestellt sein und 11,2 Milliarden Dollar kosten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Ort für das zweite und dritte AKW ist bislang nicht bekannt. Ob es hierfür ein weiteres Referendum geben wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redaktion von <a href="https://masa.media/ru">MASA.MEDIA</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://masa.media/ru/site/v-kazakhstane-mogut-byt-postroeny-dve-ili-tri-atomnye-elektrostantsii">Russischen </a>Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Kasachstan stimmt für Atomkraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manon Madec]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 12:10:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Ülken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Per Referendum hat sich die Bev&#xF6;lkerung Kasachstans mehrheitlich f&#xFC;r den Bau des ersten Atomkraftwerks im Land ausgesprochen. W&#xE4;hrend die Regierung diesen historischen Schritt begr&#xFC;&#xDF;t, sind viele B&#xFC;rger:innen &#xFC;ber die Grauzonen des Projekts besorgt. Internationale Beobachter:innen stellen derweil den demokratischen Charakter der Abstimmung in Frage. Am 6. Oktober waren die Kasachstaner:innen aufgerufen, &#xFC;ber den Bau des [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Per Referendum hat sich die Bevölkerung Kasachstans mehrheitlich für den Bau des ersten Atomkraftwerks im Land ausgesprochen. Während die Regierung diesen historischen Schritt begrüßt, sind viele Bürger:innen über die Grauzonen des Projekts besorgt. Internationale Beobachter:innen stellen derweil den demokratischen Charakter der Abstimmung in Frage.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Oktober waren die Kasachstaner:innen aufgerufen, über den Bau des ersten Atomkraftwerks des Landes abzustimmen. Nach dem <a href="https://www.election.gov.kz/eng/news/releases/index.php?ID=9596">offiziellen Ergebnis</a>, das die Zentrale Wahlkommission am 8. Oktober veröffentlichte, stimmten 71,12 Prozent für das Projekt. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,6 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau von zwei Druckwasser-Kernreaktoren mit einer Leistung von 1.200 bis 1.400 Megawatt wird sich über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren erstrecken. Diese Reaktoren sollen bis 2035 <a href="https://medium.com/the-diplomatic-pouch/analysis-the-past-and-present-of-kazakhstans-nuclear-security-and-why-it-matters-to-u-s-420c752dfc12">rund 12 Prozent </a> von Kasachstans Energiebedarfs decken und einen Teil der Kohle ersetzen, die derzeit mehr als die Hälfte des <a href="https://www.iea.org/countries/kazakhstan">nationalen Energiemix</a> ausmacht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine aktive Kampagne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis liegt dabei über dem, was das <a href="https://kisi.kz/ru/glavnaya/">Kasachstanische Institut für Strategische Studien</a> im August prognostizierte. Dessen Wählerumfrage ergab laut <a href="https://astanatimes.com/2024/08/slight-majority-favor-construction-of-nuclear-power-plant-in-kazakhstan-survey-finds/">Astana Times</a> eine Unterstützung von rund 53 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Popularität des Projekts in einer Bevölkerung zu stärken, die noch immer von den sowjetischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomtests bei Semipalatinsk</a> (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a>) geprägt ist, führten Staatschef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym- Jomart Toqaev</a> und seine Regierung eine mehr als 400 Tage dauernde Kampagne durch. Staatsrat Erlan Qarin <a href="https://www.inform.kz/ru/erlan-karin-kampaniya-referenduma-po-aes-samaya-prodolzhitelnaya-v-istorii-kazahstana-c8de13">erklärte</a>, dass dies die längste Kampagne in der Geschichte des Landes gewesen sei. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Kampagne sollte die Bevölkerung von der Notwendigkeit überzeugen, Uranreserven auszubeuten, um mit der wachsenden <a href="https://astanatimes.com/2023/08/nuclear-power-plant-in-kazakhstan-whats-next/">Stromknappheit</a> fertig zu werden. Ein wichtiges Argument in einem Land, in dem der Stromverbrauch die Produktion um fast 2,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) übersteigt. Laut <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-electricity-deficits-set-to-deepen#:~:text=Energy%20officials%20in%20Kazakhstan%20have,the%20risk%20of%20unscheduled%20blackouts.">Eurasianet</a> prognostiziert das Energieministerium eine Verschärfung des Energiedefizits bis 2025.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein überwältigendes „Ja“ vor Ort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Energiefrage hat insbesondere den Süden des Landes mobilisiert, eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_regions_of_Kazakhstan_by_GDP">relativ benachteiligte Region</a>, in der es aufgrund der veralteten Infrastruktur regelmäßig zu <a href="https://www.rferl.org/a/central-asia-energy-emergency/32160389.html">Stromausfällen</a> kommt. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission verzeichneten die Gebiete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Türkistan_(Gebiet)">Türkistan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qysylorda_(Gebiet)">Qysylorda</a> mit 75,3 beziehungsweise 82,5 Prozent die höchsten Wahlbeteiligungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-ein-referendum-ueber-die-nutzung-ziviler-atomkraft/"><strong>Kasachstan: Ein Referendum über die Nutzung ziviler Atomkraft</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ülken">Ülken</a>, wo das Kraftwerk entstehen soll, war die Wahlbeteiligung hoch: 70 Prozent der Einwohner:innen hatten laut <a href="https://en.inform.kz/news/over-70-in-ulken-village-take-their-votes-in-npp-construction-referendum-a2ea18/">Kazinform</a> bereits um 14 Uhr abgestimmt. Wie <a href="https://www.intellinews.com/kazakhstan-faces-its-nuclear-moment-of-truth-346610/">bne IntelliNews</a> berichtete, zeigte sich der Bürgermeister des kleinen Fischerdorfs am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-See</a> bei einer von der Regierung organisierten öffentlichen Konsultation im August begeistert von dem Projekt, das „<em>Arbeitsplätze [schaffen] und neue Investitionen anlocken wird“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von <a href="https://en.inform.kz/news/kazakhstan-holds-a-historic-referendum-on-the-npp-marking-a-new-milestone-in-direct-democracy-661657/">Kazinform</a> sprachen sich insgesamt 956 der 1.096 Wahlberechtigten in Ülken für den Bau des Atomkraftwerks aus, 79 waren dagegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Desinteresse in den großen Städten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Städte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> verzeichneten hingegen eine historisch niedrige Wahlbeteiligung von 25,4 beziehungsweise 50,8 Prozent. Dies verdeutlicht die Umweltbedenken der städtischen Bevölkerung. Vor allem Almaty war seit der Ankündigung des Projekts ein Zentrum des <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-referendum-arrests/33146404.html">Widerstands</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/darmarka-wie-umweltaktivistinnen-in-almaty-alte-dinge-recyclen/"><strong>„Darmarka“: Wie Umweltaktivist:innen in Almaty alte Dinge recyclen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diesen Teil der Wähler:innenschaft, der über die Entsorgung von radioaktivem Müll und die von einer solchen Anlage erzeugten Emissionen besorgt ist, ist das Land nicht auf Kernenergie angewiesen, um seine Energiesicherheit zu gewährleisten. Eine dieser Stimmen ist Aset Nauryzbaev. Der ehemalige Chef der kasachischen Stromnetzgesellschaft (KEGOS) <a href="https://news.az/news/kazakhstan-faces-critical-turning-point-regarding-its-nuclear-policies">behauptet</a>: <em>„Die Lösung wäre ein deutlicher Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie, die sechsmal billiger sind als Atomenergie!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aktivist:innen, die bereits vor dem Referendum von den Behörden <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-referendum-arrests/33146404.html">festgenommen worden waren</a>, wurden den ganzen Tag über streng überwacht. Elvira Bekzadina wurde in Astana während einer Protestaktion gegen das Atomkraftwerk von der Polizei festgenommen, Aset Abichev in Almaty auf dem Weg zu einem Büro, berichtet <a href="https://www.azattyq.org/a/33148252.html">Radio Azattyq</a>. Die Festnahmen trüben das Bild der <em>„direkten Demokratie“</em>, welches Kasachstans Regierung auf der internationalen Bühne fördern wollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Beobachter:innen machtlos</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://en.inform.kz/news/kazakhstan-holds-a-historic-referendum-on-the-npp-marking-a-new-milestone-in-direct-democracy-661657/">177 Beobachter:innen</a> aus 30 Ländern gingen in den mehr als 10.000 Wahllokalen ihrer Arbeit nach. Sie waren von der kasachstanischen Regierung eingeladen worden, um die Glaubwürdigkeit des Wahlprozesses in den Augen der internationalen Gemeinschaft sicherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch nicht lange, bis die ersten Unregelmäßigkeiten gemeldet wurden: So berichtete das unabhängige Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/62121-referendum-po-aes-onlajn.html">Vlast</a>, dass die Stiftung „Erkindik Kanaty“ um 10 Uhr den Verweis eines ihrer Beobachter aus einem Wahllokal in Astana meldete. Dieser hatte zuvor gefilmt, wie eine Wählerin von der Wahlkommission manuell in das Wählerverzeichnis eingetragen worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere <a href="https://www.azattyq.org/a/33148139.html">Vergehen</a> wie Stimmzettelfälschung, Festnahmen von Gegner:innen des Bauprojekts sowie Verweise von Beobachter:innen erhöhten die Spannungen in mehreren Büros. So sehr, dass einige Beobachter:innen beschlossen, sich zurückzuziehen. Die Stiftung HAQ gab gegenüber <a href="https://vlast.kz/novosti/62121-referendum-po-aes-onlajn.html">Vlast</a> bekannt, dass sie den Einsatz der ursprünglich geplanten 300 Beobachter:innen zur Überwachung der Wahllokale in verschiedenen Regionen des Landes aufgeben würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragen ohne Antworten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Referendums gab es nur sporadische Stellungnahmen aus der kasachstanischen Politik. Ministerpräsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olschas_Bektenow">Oljas Bektenov</a> weigerte sich, in seinem Wahllokal mit Journalist:innen zu sprechen. Der frühere Staatschef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> wünschte dem kasachstanischen Volk nüchtern <em>„viel Glück“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grauzonen um das Atomprojekt bleiben also bestehen. Auf die Frage, wer die Anlage bauen und betreiben werde, antwortete Präsident Toqaev auf einer <a href="https://en.inform.kz/news/international-consortium-should-operate-in-kazakhstan-president-on-construction-of-npp-61af4d/">Pressekonferenz</a>, ein <em>„internationales Konsortium globaler Unternehmen mit den fortschrittlichsten Technologien“</em> sei seiner Meinung nach die beste Option. Eine clevere Möglichkeit, die Frage zu umgehen, die sich alle Kasachstaner:innen seit der Ankündigung des Projekts stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/"><strong>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Kandidaten ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Agentur_für_Atomenergie_Russlands">Rosatom</a>. Dies wurde im August 2023 von Kasachstans Energieminister <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Almasadam_Sätqaliev">Almasadam Sätqaliev</a> gleichzeitig mit der Kandidatur der drei anderen in Betracht gezogenen Unternehmen bekannt gegeben: dem französischen Unternehmen EDF, der China National Nuclear Corporation (CNNC) und Korea Hydro &amp; Nuclear Power.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das „Ob“ mit dem Referendum geklärt ist, bleiben also noch viele Fragen offen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Manon Madec für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhstan-nucleaire-civil-adopte-par-referendum/"><strong>Französischen</strong></a><strong> übersetzt und überarbeitet von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Kasachstan: Ein Referendum über die Nutzung ziviler Atomkraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Eléonore Darasse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 14:51:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit f&#xFC;hrende Uranproduzent versucht, seine Abh&#xE4;ngigkeit von Kohle zu verringern. Das Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev am 2. September w&#xE4;hrend seiner j&#xE4;hrlichen Rede zur Lage [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit führende Uranproduzent versucht, seine Abhängigkeit von Kohle zu verringern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> am 2. September während seiner jährlichen <a href="https://akorda.kz/ru/poslanie-glavy-gosudarstva-kasym-zhomarta-tokaeva-narodu-kazahstana-spravedlivyy-kazahstan-zakon-i-poryadok-ekonomicheskiy-rost-obshchestvennyy-optimizm-285014">Rede</a> zur Lage der Nation bekannt. Die Möglichkeit, Atome zur Stromerzeugung in Kasachstan zu nutzen, wurde von Toqaev im Juni 2019, wenige Tage nach seinem Amtsantritt als Präsident, erstmals ins Spiel gebracht. Bei dieser Gelegenheit sei auch die Möglichkeit eines Referendums zur Lösung der Frage erwähnt worden, berichtete damals das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-ob-aes-esli-ponadobitsya-provedem-referendum-371061/">Tengrinews</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wirtschaftliche Entwicklung ist ohne eine stabile Energieversorgung nicht möglich. Deshalb habe ich darum gebeten, die Frage des Baus eines Kernkraftwerks zu untersuchen. Es gibt derzeit eine breite Debatte und es werden unterschiedliche Standpunkte geäußert“</em>, erklärte Toqaev im Juni dieses Jahres während einer <a href="https://akorda.kz/ru/vystuplenie-prezidenta-kasym-zhomarta-tokaeva-na-torzhestvennoy-ceremonii-po-sluchayu-nagrazhdeniya-rabotnikov-smi-275430">Rede</a> bei einer Preisverleihung für Medienschaffende. <em>„Das Land verfügt über große Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Kernenergie. Es ist wichtig, diese richtig und effizient zu nutzen. Die endgültige Entscheidung in dieser Frage wird vom Volk getroffen“</em>, fuhr er fort.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sind Sie mit dem Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan einverstanden?“</em> Dies ist laut <a href="https://akorda.kz/ru/o-provedenii-6-oktyabrya-2024-goda-respublikanskogo-referenduma-282222">Präsidialerlass</a> vom 2. September die Frage, die der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. September organisierte die Zentrale Referendumskommission Kasachstans (ORK) eine Pressekonferenz, um die Modalitäten für die Organisation der Abstimmung vorzustellen. Dies berichtete <a href="https://www.azattyq.org/a/33104102.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Mehr als 10.000 Wahllokale, davon 78 im Ausland, werden von 7 bis 20 Uhr geöffnet sein, um den mehr als 12 Millionen Wahlberechtigten gerecht zu werden. Die Organisation des Referendums werde umgerechnet 28 Millionen Euro kosten, teilte die ORK mit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hoher Strombedarf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Nutzung ziviler Kernenergie möchte Kasachstan seinen Energiemix diversifizieren und so die eigene Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, aber auch die Luftverschmutzung durch CO2-Emissionen verringern. Es geht auch darum, eine stabile Versorgung zu gewährleisten, da die Nachfrage nach Strom steigt. Dies ist Folge des Bevölkerungswachstum, einer dynamischen Wirtschaft, sowie des energieintensiven <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/aufraeumen-nach-ftx-kasachstan-strebt-regulierung-der-kryptobranche-an/">Krypto-Minings</a>, welches in Kasachstan floriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einer Regierungssitzung im August erinnerte Energieminister Almasadam Sätqaliev daran, dass die Stromproduktion in Kasachstan immer noch mit 66 Prozent größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt. Und obwohl der Sektor der erneuerbaren Energien mit einem Anteil von rund 6 Prozent wächst, was insbesondere auf das Ziel der CO2-Neutralität bis 2060 zurückzuführen ist, gebe es <a href="https://primeminister.kz/ru/news/asatkaliev-na-sovremennom-etape-alternativy-aes-net-28990">laut Sätqaliev</a> <em>„derzeit keine Alternative zu Kernkraftwerken“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Internationale Finanzinstitutionen weigern sich, in den Bau von Kohlekraftwerken zu investieren. Unsere Gasressourcen sind begrenzt. Erneuerbare Energien können aufgrund ihrer Abhängigkeit von natürlichen und klimatischen Bedingungen keine zuverlässige Stromerzeugung gewährleisten“</em>, begründet der Minister den Spannungsbogen zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Klimanotstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/entwicklung-erneuerbarer-energien-in-kasachstan-ein-interview-mit-ainur-sospanova/"><strong>Entwicklung erneuerbarer Energien in Kasachstan – ein Interview mit Ainur Sospanova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien, einer Region fernab aller Meere, herrscht kontinentales Klima. Der Sommer ist heiß und der Winter kalt und lang. Diese Bedingungen führen zu Spitzen im Stromverbrauch. Berechnungen zufolge wird die Stromproduktion in Kasachstan bis 2035 voraussichtlich auf weniger als 135 Milliarden Kilowattstunden sinken. Nach Prognosen des Ministeriums soll der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum jedoch bis zu 152,4 Milliarden Kilowattstunden erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist schnelles Handeln geboten, zumal Kasachstan wie die gesamte Region bereits regelmäßig <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/?noredirect=de-DE">mit Engpässen konfrontiert</a> ist. Falls es eine entsprechende Mehrheit im Referendum gibt, soll das Atomkraftwerk Berechnungen zufolge bis 2035 circa <a href="https://www.inform.kz/ru/planiruemaya-k-stroitel-stvu-aes-zakroet-do-12-energopotrebleniya-k-2035-godu_a4067119/">12 Prozent</a> des Verbrauchs decken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nukleares Erbe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befürworter:innen argumentieren, dass Kasachstan alle günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung der Kernenergie erfülle. Vor allem der Brennstoff Uran ist im Land reichlich vorhanden. Nach Angaben der <a href="https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/kazakhstan#:~:text=In%202022%2C%20Kazakhstan%20produced%2043,fuel%20rather%20than%20just%20uranium.">World Nuclear Association</a> wurden im Jahr 2022 43 Prozent des weltweiten Urans in Kasachstan gefördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land wurde als Sitz der <a href="https://www.iaea.org/topics/iaea-low-enriched-uranium-bank">Bank für niedrig angereichertes Uran (LEU)</a> der <a href="https://www.iaea.org/">Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)</a> ausgewählt. Die Anlage befindet sich im metallurgischen Werk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulba_(Unternehmen)">Ulba</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Öskemen">Öskemen</a> und hat die Aufgabe, eine sichere und stabile Versorgung zu gewährleisten, indem den Mitgliedstaaten der IAEA bis zu 90 Tonnen schwach angereichertes Uran zur Verfügung gestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/politologin-togjan-qasenova-solange-es-atomwaffen-gibt-werden-wir-alle-deren-geiseln-sein/"><strong>Politologin Togjan Qasenova: „Solange es Atomwaffen gibt, werden wir alle deren Geiseln sein“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hat Kasachstan auch ein schweres nukleares Erbe zu tragen: Auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> im Nordosten der damaligen Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik testete die Sowjetunion im August 1949 ihre erste Atombombe. Zwischen 1949 und 1989 wurden rund 476 Atomtests durchgeführt und somit mindestens 1,3 Millionen Menschen in den umliegenden Gebieten der Strahlung ausgesetzt, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/45360-zonu-adernoj-bezopasnosti-sozdadut-na-semipalatinskom-poligone.html">Vlast</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Unabhängigkeit erbte Kasachstan das viertgrößte Atomwaffenarsenal der Welt, welches es im April 1995 an die Russische Föderation <a href="https://www.nti.org/analysis/articles/kazakhstan-nuclear-disarmament/">übertrug</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Besorgte öffentliche Meinung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Umfragen zeigen ein gewisses öffentliches Interesse. In einer am 22. August veröffentlichten Umfrage des <a href="https://kisi.kz/ru/glavnaya/">Kasachstanischen Instituts für Strategische Studien</a> (KISS), die vom 7. bis 18. August telefonisch unter 1.200 Personen ab 18 Jahren durchgeführt wurde, sprachen sich 53,1 Prozent der Befragten für den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan aus. 42,6 Prozent der Befragten äußerten ihre Absicht, am Referendum teilzunehmen, und 51 Prozent hielten sich für ausreichend informiert, um ihre Wahl treffen zu können, berichtet die <a href="https://astanatimes.com/2024/08/slight-majority-favor-construction-of-nuclear-power-plant-in-kazakhstan-survey-finds/">Astana Times</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine am 20. September veröffentlichte Umfrage, die dieses Mal vom KISS unter 8.000 Menschen durchgeführt wurde, zeigt, dass 59,2 Prozent der Befragten den Wunsch äußern, am Referendum teilzunehmen, wie die <a href="https://astanatimes.com/2024/09/survey-reveals-strong-public-interest-in-nuclear-power-plant-referendum/">Astana Times</a> schreibt. Die Mehrheit der Befragten sprach sich für das Projekt aus, 38 Prozent der Befragten befürworteten dies uneingeschränkt, weitere 21,6 Prozent tendieren zu einer Befürwortung. 15,8 Prozent der Befragten gaben an, gegen die Anlage zu sein, und 9,1 Prozent erklärten, sie seien noch unentschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-herausforderungen-auf-dem-weg-hin-zu-mehr-erneuerbaren-energien/"><strong>Kirgistan: Herausforderungen auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befragten gaben an, dass sie hauptsächlich (49,5 Prozent) wegen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit besorgt seien. Umweltbedenken folgen dicht dahinter (42,9 Prozent) und 22,8 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich Sorgen über Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge machen. Darüber hinaus geben 18,6 Prozent der Befragten an, dass sie sich Gedanken über die Beseitigung radioaktiver Abfälle machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.azattyq.org/a/33085187.html">Radio Azattyq</a> berichtet seinerseits, dass Gegner:innen des Projekts mehrfach daran gehindert wurden, an öffentlichen Debatten teilzunehmen, welche in rund zwanzig Städten im ganzen Land organisiert wurden. <em>„Propaganda, keine Debatte“</em>, meinen Aktivist:innen. Sie prangern an, dass die Diskussionen nur die Vorteile des Atomkraftwerks hervorheben. In Almaty hatte ein Hotel, in dem im September ein Treffen von Gegner:innen des Projekts stattfinden sollte, die Veranstaltung einige Tage zuvor <a href="https://rus.azattyq.org/a/33118892.html">abgesagt</a>. Die offizielle Begründung: Das Hotel sei geschlossen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragen ohne Antwort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Falle einer Annahme des Referendums bestehen keine Zweifel über den Standort, an dem das Kraftwerk errichtet werden soll. Das Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ülken">Ülken</a> am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqaş-Sees</a>, dem größten See des Landes, wurde von den kasachstanischen Behörden öffentlich ausgewiesen. Der Bau der Anlage, deren Kosten laut dem usbekischen Nachrichtenportal <a href="https://daryo.uz/en/lUrD0JxF">Daryo</a> auf 10 bis 12 Milliarden Dollar (zwischen 8 und 10 Milliarden Euro) geschätzt werden, könnte ein Jahrzehnt dauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Partnerland, das Kasachstan beim Bau dieses Kraftwerks unterstützen soll, herrscht jedoch Unklarheit. Sofern es keine Überraschung gibt, wird es China, Südkorea, Frankreich oder Russland werden. Gerüchten zufolge dürfte das russische Unternehmen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Agentur_für_Atomenergie_Russlands">Rosatom</a> den Zuschlag am wahrscheinlichsten erhalten. Dieser Punkt ist in Kasachstan nicht spannungsfrei, da die ehemalige Schutzmacht bereits das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmodrom_Baikonur">Kosmodrom Baikonur</a> betreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/"><strong>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aset Nauryzbaev, Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Leiter von Kasachstans Stromnetzagentur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/KEGOC">KEGOC</a>, sieht in einem von Russland gebauter Reaktor ein Angriff auf Kasachstans Multi-Vektoren-Außenpolitik. Astana hat es sich zur Aufgabe gemacht, sicherzustellen, dass die diplomatischen Beziehungen mit den Nachbarn Russland und China ausgewogen sind, sodass keiner von beiden einen Einfluss ausübt, der seine politischen Entscheidungen beeinflussen könnte. <em>„Durch den Bau eines eigenen Atomkraftwerks hier kann Russland Kasachstan in seinem Einflussbereich halten. Sie werden sicherlich Druckmittel einsetzen, wenn es nötig ist“</em>, erklärte Nauryzbaev gegenüber <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-to-hold-referendum-on-building-nuclear-power-plant">Eurasianet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welches Unternehmen für den Bau der Anlage ausgewählt wurde, werde nach dem Referendum bekannt gegeben, erklärten die Behörden lediglich, ohne Einzelheiten zu nennen. Auch die Finanzierungsmodalitäten der Anlage (öffentliche Mittel, private Investitionen, internationale Kredite) wurden nicht besprochen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléonore Darasse für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhs-appeles-prononcer-recours-nucleaire-civil/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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