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	<title>Turksprachen Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Fri, 19 Jun 2026 14:19:54 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Turksprachen Archives</title>
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		<title>Ein kleiner Überblick zur kasachischen Sprache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 18:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachisch]]></category>
		<category><![CDATA[Linguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die kasachische Sprache gilt als eine der wichtigsten Turksprachen Zentralasiens. Doch was macht diese Sprache eigentlich besonders? Der Linguist, Turkologe und Autor des popul&#xE4;rwissenschaftlichen Projekts &#x201E;Qazaq Bubble&#x201C; Bibarys Se&#x131;tak erkl&#xE4;rt, warum viele verbreitete Vorstellungen &#xFC;ber Sprachen wissenschaftlich nicht haltbar sind, welche Besonderheiten die kasachische Sprache ausmachen und weshalb sprachliche Vielfalt ein kultureller Reichtum ist. Viele [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die kasachische Sprache gilt als eine der wichtigsten Turksprachen Zentralasiens. Doch was macht diese Sprache eigentlich besonders? Der Linguist, Turkologe und Autor des populärwissenschaftlichen Projekts „Qazaq Bubble“ Bibarys Seıtak erklärt, warum viele verbreitete Vorstellungen über Sprachen wissenschaftlich nicht haltbar sind, welche Besonderheiten die kasachische Sprache ausmachen und weshalb sprachliche Vielfalt ein kultureller Reichtum ist.</strong> <strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen teilen Sprachen in „harte“ und „weiche“ ein. Laut Seıtak, handelt es sich dabei jedoch um reine individuelle Wahrnehmung, die von Geschichte und Kultur geprägt wird. Französisch gilt oft als weich und melodisch, weil es lange Zeit die Sprache der Diplomatie und der Eliten war. Die deutsche Sprache hingegen klingt rau – nicht wegen ihrer Laute, sondern wegen historischer Assoziationen mit Kriegen und dem Bild des Feindes in der Populärkultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Mythen gibt es auch rund um die Turksprachen. Kasachisch wird manchmal wegen des Lautes [sch] als hart bezeichnet, im Gegensatz zu Usbekisch mit [j]. Doch dies entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Solche Laute kommen in vielen Sprachen vor, und ihre Härte ist eine Frage der Wahrnehmung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ist Kasachisch wirklich schwer zu lernen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung, dass manche Sprachen grundsätzlich schwieriger seien als andere, weist Seıtak zurück. Jede Sprache hat ihre eigenen Schwierigkeiten. Englisch gilt für viele als einfach und Chinesisch hingegen wird als schwierige Sprache beschrieben. Natürlich ist die Schrift des Chinesischen ziemlich eigenartig, aber Milliarden von Menschen kommen mit der chinesischen Schrift zurecht, und sie unterscheiden sich in nichts vom Rest der Menschheit. Daher hängt die Schwierigkeit einer Sprache vor allem von den Vorkenntnissen, dem Umfeld und der Gewöhnung ab.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über „kiyu“ und „tağu“ in der kasachischen Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Besonderheit des Kasachischen ist die Verwendung unterschiedlicher Verben für Kleidung und Accessoires. Für Kleidungsstücke wird das Verb&nbsp;„<em>kiıu</em><em>“</em>&nbsp;verwendet, für Accessoires wie Uhren, Schals oder Schmuck dagegen&nbsp;„<em>tağu</em><em>“</em>. Auch im Türkischen, Persischen oder Ukrainischen werden unterschiedliche Verben für Kleidung und Accessoires verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kleidungsstücke wie Kleider, Jacken, traditionelle Mäntel (şapan), Pelzmäntel, Mäntel oder Hosen wird das Verb „kiıu“ verwendet. Wenn es sich hingegen um Accessoires wie Uhren, Krawatten, Tücher, Schals, Armbänder oder Ringe handelt, wird „tağu“ verwendet. Besonders sichtbar wurde dies während der Corona-Pandemie. Damals diskutierten viele Kasachstaner darüber, welches Verb für das Tragen einer Maske verwendet werden sollte. Nach Ansicht von Linguisten sind jedoch beide Varianten sprachlich nachvollziehbar. Die Debatte verdeutlicht, wie präzise das Kasachische bestimmte Handlungen beschreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise unterscheiden sich Kasachisch und Türkisch in einem kleinen, aber aufschlussreichen Detail. Beide Sprachen verwenden unterschiedliche Verben für Kleidung und Accessoires. Bei Kopfbedeckungen jedoch gibt es Unterschiede: Während Kasachen Mützen, Pelzkappen oder traditionelle Kopfbedeckungen als Teil der Kleidung betrachten, werden sie im Türkischen eher wie Accessoires behandelt. Linguisten vermuten, dass möglicherweise dies mit dem Klima zusammenhängt: Für die Nomaden der Steppe war die Kopfbedeckung nicht nur ein Accessoire, sondern eine lebensnotwendige Notwendigkeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dialekte in der kasachischen Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der großen geografischen Verbreitung gilt Kasachisch als vergleichsweise einheitliche Sprache, was bereits von den Sprachforschern im 19. Jahrhundert festgestellt wurde. Eine Erklärung allein durch die nomadische Lebensweise ist nicht stichhaltig; denn bei anderen Nomadenvölkern Zentralasiens, etwa den Turkmenen, haben sich deutlich stärkere Dialekte entwickelt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Als möglicher Grund gilt die traditionelle Exogamie der Kasachen, also die Heirat außerhalb der eigenen Sippe. Dieser regelmäßige Austausch zwischen verschiedenen Gruppen könnte dazu beigetragen haben, sprachliche Unterschiede zu verringern. Dennoch existieren regionale Besonderheiten, vor allem im Westen Kasachstans, wo benachbarte Sprachen und historische Kontakte den Wortschatz beeinflusst haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über „Täte“ und „Köke“ </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Regionale Unterschiede im Kasachischen zeigen sich vor allem im Wortschatz. So haben Kasachen in China chinesische Lehnwörter übernommen, während bei den Kasachen in der Mongolei mongolische Einflüsse erkennbar sind. Besonders interessant sind Wörter, deren Bedeutung je nach Region variiert. Das Wort „Täte“ bezeichnet im Norden Kasachstans eine Frau, im Westen dagegen einen Mann. Ähnlich verhält es sich mit „Köke“: Während viele darunter einen Onkel verstehen, wird der Begriff in manchen Regionen auch für Frauen verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachisch-als-fremdsprache-lernen/">Kasachisch als Fremdsprache lernen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Verschiebungen sind für türkische Sprachen recht typisch. Auch die Geschichte des Wortes „äje“ (әже) zeigt, wie sich Sprache über Jahrhunderte verändert. In der alten türkischen Sprache bezeichnete es ursprünglich einen Vater oder älteren Bruder. Erst später erhielt das Wort eine weibliche Bedeutung und entwickelte sich schließlich zu seiner heutigen Bedeutung als Großmutter oder ältere Frau.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über den „richtigsten“ Dialekt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn von einem „richtigen“ oder „reinsten“ kasachischen Dialekt die Rede ist, wird meist die Sprachvariante der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachensteppe">Kasachensteppe</a> im Nordosten Kasachstans genannt. Tatsächlich bildet sie die Grundlage der modernen kasachischen Schriftsprache. Dies hängt eng mit der Geschichte Kasachstans zusammen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Region zwischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai">Qostanaı</a> zu einem wichtigen Zentrum der kasachischen Intelligenz. In dieser Zeit entstanden die Grundlagen der modernen kasachischen Literatur und Standardsprache – ähnlich wie in vielen anderen Ländern, die damals nationale Identitäten und einheitliche Schriftsysteme entwickelten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die Bedeutung von Dialekten in der Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Bibarys Seıtak sind Dialekte kein Problem, sondern ein Ausdruck sprachlicher Vielfalt. Sie gehören zum kulturellen Erbe und bereichern die Sprache um regionale Besonderheiten und Nuancen. Zwar seien Rechtschreibung und Aussprache für die Standardsprache wichtig, doch die Abwertung regionaler Sprachvarianten könne er nicht nachvollziehen. Letztlich handele es sich um dieselbe Sprache mit unterschiedlichen Wörtern und Ausdrucksweisen. Gerade diese Vielfalt mache das Kasachische lebendig und interessant.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die Globalisierung und die kasachische Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Globalisierung beeinflusst die kasachische Sprache nicht nur durch die Übernahme englischer Begriffe. Umgekehrt verbreitet sich auch das Kasachische zunehmend über kulturelle Produkte wie Musik, Filme, Serien und soziale Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ne-kyltan-wie-digitalisierung-die-kirgisische-sprache-veraendert/">“Ne kyltan?” – Wie Digitalisierung die kirgisische Sprache verändert</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch gewinnt die Sprache auch außerhalb Kasachstans an Sichtbarkeit und ist vielen Nachbarvölkern – etwa Karakalpaken, Kirgisen, Usbeken oder Tataren – vertraut. Nach Ansicht von Seıtak wird bei Diskussionen über die internationale Verbreitung der kasachischen Kultur oft vor allem an den Westen gedacht. Dabei werde häufig übersehen, dass bereits die Nachbarländer ein großes und wichtiges Publikum darstellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die überraschendste Erkenntnis</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der überraschendsten Erkenntnisse aus Seıtaks Projekt „Qazaq Bubble“ ist das große Interesse an populärwissenschaftlichen Inhalten in Kasachstan. Nach seiner Erfahrung spielt dabei die Sprache eine geringere Rolle als oft angenommen: Wissenschaftliche Themen können sowohl auf Kasachisch als auch auf Russisch ein breites Publikum erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend sei vielmehr die Art der Vermittlung. Werden wissenschaftliche Inhalte verständlich, kreativ und ansprechend präsentiert, stoßen sie auf großes Interesse. Das Projekt zeige, dass sich die kasachische Sprache hervorragend eignet, um komplexe Themen lebendig, spannend und sogar unterhaltsam zu erklären.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zu den Besonderheiten der kasachischen Sprache </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht weist das Kasachische einige Besonderheiten auf. Bestimmte Laute haben sich im Laufe der Zeit anders entwickelt als in vielen anderen Turksprachen. Dadurch können verwandte Wörter im Kasachischen anders klingen als etwa im Kirgisischen, Usbekischen oder Tatarischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/gemeinsames-lateinisches-alphabet-fuer-alle-turksprachen/">Gemeinsames lateinisches Alphabet für alle Turksprachen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Lautveränderungen führen dazu, dass im Kasachischen vergleichsweise viele Homonyme vorkommen – also Wörter, die gleich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Zudem verfügt die Sprache über einen eigenen Wortschatz mit Begriffen, die in anderen Turksprachen nicht vorkommen. Ein Beispiel ist das Wort „sausaq“ für „Finger“, das als typisch kasachisch gilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über vergessene Wörter und Ausdrücke </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie jede lebendige Sprache verändert sich auch das Kasachische ständig. Neue Wörter entstehen, andere geraten in Vergessenheit. Seıtak beobachtet jedoch mit Bedauern, dass manche traditionelle Begriffe von jüngeren Generationen kaum noch verstanden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Beispiel nennt er Wörter für Körperhaltungen oder Naturphänomene, die zunehmend durch modernere oder aus anderen Sprachen übernommene Ausdrücke ersetzt werden. Für den Linguisten ist das ein natürlicher Sprachwandel. Als Muttersprachler bedauert er jedoch, dass mit solchen Wörtern oft auch ein Stück kulturelles Wissen und Alltagserfahrung verloren geht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die Abstammung der türkischen Sprachen untereinander</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seıtak weist auf ein weit verbreitetes Missverständnis hin: In der Sprachwissenschaft wird nicht gefragt, welche Turksprache von welcher abstammt. Alle heute gesprochenen Turksprachen gelten als gleich alt und haben sich über Jahrhunderte parallel entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrung entsteht häufig dadurch, dass historische Volks- oder Sprachbezeichnungen unterschiedlich früh in schriftlichen Quellen auftauchen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine Sprache älter oder jünger ist als eine andere. Allerdings können einzelne Sprachen bestimmte archaische Merkmale bewahren, die in verwandten Sprachen bereits verschwunden sind. Solche Unterschiede sagen jedoch etwas über die Entwicklung einer Sprache aus – nicht über ihr Alter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Feststellung der Sprachverwandtschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Frage nach einer möglichen Verwandtschaft zwischen türkischen und mongolischen Sprachen beschäftigt die Sprachwissenschaft seit Langem. Die sogenannte Altaı-Hypothese geht von einem gemeinsamen Ursprung aus, bislang fehlen jedoch überzeugende Beweise dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Wörter in beiden Sprachfamilien lassen sich häufig durch historischen Sprachkontakt und gegenseitige Entlehnungen erklären. Um Sprachverwandtschaft nachzuweisen, untersuchen Linguisten vor allem den Grundwortschatz einer Sprache. Während die Turksprachen hierbei viele Gemeinsamkeiten aufweisen, fehlen solche systematischen Übereinstimmungen mit den mongolischen Sprachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch grammatische Ähnlichkeiten gelten nicht automatisch als Beweis für eine gemeinsame Herkunft. Bestimmte Sprachstrukturen können unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt entstehen. Deshalb unterscheiden Linguisten klar zwischen echter Sprachverwandtschaft, übernommenen Wörtern und bloßen strukturellen Ähnlichkeiten.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen Sara Derbishova</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>US-Asyl für den chinesischen Filemacher Guan Heng, der die „Umerziehungslager“ für Uigur:innen gefilmt hat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 21:15:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der chinesische Staatsb&#xFC;rger Guan Heng hat Anfang dieses Jahres in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten. Im Jahr 2020 musste er schwere Repressalien von Peking &#xFC;ber sich ergehen lassen, nachdem er mehrere Internierungslager f&#xFC;r Uigur:innen in Xinjiang dokumentiert hatte. Guan Heng hatte 2020 sein Leben riskiert, als er einen Dokumentarfilm &#xFC;ber die Internierungslager f&#xFC;r Uiguren in [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der chinesische Staatsbürger Guan Heng hat Anfang dieses Jahres in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten. Im Jahr 2020 musste er schwere Repressalien von Peking über sich ergehen lassen, nachdem er mehrere Internierungslager für Uigur:innen in Xinjiang dokumentiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://rsf.org/en/rsf-celebrates-asylum-chinese-national-who-documented-uyghur-detention-camps">Guan Heng</a> hatte 2020 sein Leben riskiert, als er einen Dokumentarfilm über die Internierungslager für Uiguren in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Provinz Xinjiang</a> drehte. Nachdem er in die USA geflohen war, um dort einen Asylantrag zu stellen, drohte Guang Heng im vergangenen August unter der Verantwortung von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Immigration_and_Customs_Enforcement">ICE</a>) die Abschiebung nach Uganda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2017 und 2019 wurden schätzungsweise mehr als eine Million Uigur:innen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren <a href="https://xjdp.aspi.org.au/explainers/exploring-xinjiangs-detention-facilities/">in über 380 Internierungslagern</a> – von denen sich die meisten in Xinjiang befinden – präventiv inhaftiert. Diese Lager werden als <em>„Zentren zur Transformation durch Bildung“</em> bezeichnet und sind Teil einer groß angelegten <em>„Anti-Terror“</em>-Kampagne. Diese hatte Peking nach terroristischen Anschlägen ins Leben gerufen, die uigurischen Islamist:innen zwischen 2013 und 2014 <a href="https://www.lemonde.fr/asie-pacifique/article/2014/05/20/attentats-ouigours-la-chine-confrontee-au-terrorisme-de-masse_4422114_3216.html">zugeschrieben wurden</a> und an denen die Islamische Bewegung Ostturkestans und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Turkestan-Partei">Islamische Turkestan-Partei (TİP)</a> beteiligt waren. Der erste dieser Anschläge hatte am 28. Oktober 2013 auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian%E2%80%99anmen-Platz">Tian&#8217;anmen-Platz</a> in Peking fünf Tote (darunter drei Angreifer) <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Tiananmen_Square_attack">gefordert</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Uigur:innen bilden eine der 56 in China anerkannten ethnischen Gruppen, die neben der großen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Han_(Ethnie)">Han</a>-Mehrheit (etwa 92 Prozent der Bevölkerung) existieren. Sie sind <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen">turksprachig</a> und muslimischen Glaubens und ließen sich bereits im 9. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Xinjiang nieder. Dieses wurde 1759 unter der Qing-Dynastie an das Chinesische Reich angegliedert. Heute leben dort schätzungsweise 11 Millionen Uigur:innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Whistleblower für die uigurische Sache</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 veröffentlichte Guan Heng ein zwanzigminütiges <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yD0O0eHzc7M">Video auf YouTube</a>, das 18 Haftanstalten für Uigur:innen in der Provinz Xinjiang zeigt. Die Standorte stammten aus einer Karte, die Buzzfeed und das <a href="https://www.aspi.org.au/">Australian Strategic Policy Institute (ASPI)</a> gemeinsam anhand von Satellitenbildern erstellt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufnahmen wurden aus einem Auto heraus oder mit einer in einem Rucksack versteckten Kamera gemacht. Sie zeigen Lager am Straßenrand, die an ihren Wachtürmen und dem sie umgebenden Stacheldraht zu erkennen sind. Auf einem dieser Gebäude ist folgende Inschrift zu lesen: <em>„Reform durch Arbeit, Reform durch Kultur.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/uigurische-region-schriftsteller-perhat-tursun-veroeffentlicht-roman-aus-der-haft/">Uigurische Region: Schriftsteller Perhat Tursun veröffentlicht Roman aus der Haft</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als chinesischer Staatsbürger kann Guan Heng sich den Einrichtungen nähern, ohne Verdacht zu erregen, wie er selbst erklärt: <em>„Aufgrund der von den chinesischen Behörden auferlegten Beschränkungen haben ausländische Medienschaffende keinen Zugang zu Xinjiang.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Video erreichte so zahlreiche chinesische Internetnutzer, die VPNs nutzten. Guan Heng wurde jedoch schnell zur Zielscheibe einer Schikanekampagne, die durch die Online-Veröffentlichung seiner persönlichen Daten wie Identität, frühere Adresse und beruflicher Werdegang gekennzeichnet war. Mit Ausnahme seiner Mutter, die in Taiwan lebt, wurde seine Familie in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hainan">Provinz Hainan</a> von den Behörden verhört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefangen zwischen chinesischer „Demokratur“ und amerikanischem Autoritarismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 floh Guan Heng aus China und begab sich zunächst nach Hongkong, dann nach Ecuador, auf die Bahamas und schließlich nach Florida, wo er illegal in die USA einreiste. Dort stellt er einen Asylantrag, der ihm jedoch erst nach seiner Festnahme durch ICE-Beamte im vergangenen August in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albany_(New_York)">Albany</a> im Bundesstaat New York, wo er wohnte, gewährt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember gab ICE unter dem Druck der Zivilgesellschaft ihr Vorhaben auf, Guan Heng nach Uganda abzuschieben. Eine solche Abschiebung hätte ihn einem erhöhten Risiko transnationaler Repressionen ausgesetzt, die von Peking orchestriert werden. Diese stillschweigende Unterdrückung durch den chinesischen Staat wird weiterhin gegen Stimmen geführt, die sich für die uigurische Sache einsetzen, sowohl in China als auch im Ausland.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lager in Xinjiang als Symbol des Völkermords an den Uigur:innen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einem 2022 vom Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte veröffentlichten <a href="//www.ohchr.org/sites/default/files/documents/countries/2022-08-31/22-08-31-final-assesment.pdf">Bericht</a> sollen die meisten dieser Lager inzwischen aufgelöst worden sein. Human Rights Watch relativierte diese Aussage jedoch und schätzte, dass Mitte 2022 noch immer etwa 500.000 Menschen in Lagern inhaftiert waren und Folter oder Zwangssterilisationen ausgesetzt <a href="https://www.icij.org/investigations/china-cables/beijings-backtrack-on-xinjiang-detention-camps-spurred-by-icij-investigation-research-finds/?">waren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/dem-chinesischen-gulag-entflohen-die-geschichte-der-uigurin-gulbahar-haitiwaji/">Dem chinesischen ‚Gulag‘ entflohen: Die Geschichte der Uigurin Gulbahar Haitiwaji</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Repression erstreckt sich auch auf kulturelle und religiöse Veranstaltungen und zielt auf eine systematische Auslöschung der uigurischen Präsenz ab. Seit 2017 ließen die Behörden im Namen der Politik der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sinisierung">Sinisierung</a> der Religionen, die darauf abzielt, die Religionsausübung unter die Kontrolle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Chinas">Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)</a> zu stellen, fast ein Drittel der rund 15.500 Moscheen in der Region <a href="https://www.aspi.org.au/report/cultural-erasure/">zerstören</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Staaten, darunter seit 2021 auch die Vereinigten Staaten, bezeichnen diese Politik als Völkermord gemäß dem <a href="https://www.ohchr.org/fr/instruments-mechanisms/instruments/convention-prevention-and-punishment-crime-genocide">Übereinkommen zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948</a>. Peking weist diese Einstufung entschieden zurück und zensiert jegliche Berichterstattung zu diesem Thema in den Medien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterdrückung von Medienschaffenden durch die chinesische Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit derzeit mindestens 121 inhaftierten Medienvertretenden ist China nach wie vor das Land, in dem weltweit die meisten Medienschaffenden inhaftiert sind. Im Weltpressefreiheitsindex 2025 von Reporter ohne Grenzen (RSF) <a href="https://rsf.org/fr/pays/chine">belegt</a> das Land Platz 178 von 180 Ländern und Gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar <a href="https://www.wipo.int/wipolex/fr/legislation/details/23128">garantiert</a> die Verfassung Chinas von 1982 grundsätzlich<em> „die Rede- (und) Pressefreiheit“</em>, doch werden diese Bestimmungen regelmäßig durch den Rückgriff auf das Strafprozessrecht umgangen. Peking beruft sich häufig auf Anklagepunkte wie<em> „Spionage“, „Subversion“</em> oder <em>„Anstiftung zu Streitigkeiten und Unruhen“</em>, um Dissidenten zum Schweigen zu bringen. Diese vage definierten Straftaten können zu bis zu sechs Monaten Isolationshaft als <em>„Hausarrest an einem designierten Ort“</em> führen, einer außergerichtlichen Maßnahme, bei der den Inhaftierten jeglicher Rechtsbeistand verwehrt wird und sie der Gefahr von Folter ausgesetzt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund wird die uigurische Opposition im Exil, insbesondere der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkongress_der_Uiguren">Weltkongress der Uiguren</a> unter Rebia Kadir, von den chinesischen Behörden als terroristisch bezeichnet. Auch gemäßigtere Stimmen bleiben davon nicht verschont, wie die Verurteilung des uigurischen Wissenschaftlers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilham_Tohti">Ilham Tohti</a> zeigt, der im Jahr 2014 wegen „Staatsgefährdung“ zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Flora Le Lièvre für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/region-ouighoure/le-lanceur-dalerte-chinois-guan-heng-qui-a-filme-les-camps-de-reeduction-pour-les-ouighours-a-obtenu-lasile-aux-etats-unis/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Gemeinsames lateinisches Alphabet für alle Turksprachen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Dec 2024 05:19:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>K&#xF6;nnten alle turksprachigen Staaten Zentralasiens zusammen mit der T&#xFC;rkei bald dasselbe Alphabet benutzen? Geht es nach dem t&#xFC;rkischen Pr&#xE4;sidenten Recep Tayyip Erdogan schon. Die &#xDC;berlegungen dazu werden immer konkreter, allerdings stellt die Umstellung auf lateinische Buchstaben einige zentralasiatische Staaten vor gro&#xDF;e Herausforderungen. Als Anfang November 2024 der elfte Gipfel der Organisation der Turkstaaten (OTS) tagte, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Könnten alle turksprachigen Staaten Zentralasiens zusammen mit der Türkei bald dasselbe Alphabet benutzen? Geht es nach dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schon. Die Überlegungen dazu werden immer konkreter, allerdings stellt die Umstellung auf lateinische Buchstaben einige zentralasiatische Staaten vor große Herausforderungen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Anfang November 2024 der elfte Gipfel der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_der_Turkstaaten">Organisation der Turkstaaten (OTS)</a> tagte, unterstrich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, er wolle in eine „gemeinsame Zukunft blicken“. Für diese sei es dringend nötig, den Wechsel zu einem gemeinsamen Alphabet auf Basis der lateinischen Schrift zu wagen. Zusammen mit Aserbaidschan sei die Türkei dafür schon bereit. Der türkische Präsident animiert zudem&nbsp;die Länder Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan und Turkmenistan, die Initiative zu unterstützen. Doch welchen Herausforderungen begegnen die ehemaligen Sowjetrepubliken bei dieser globalen Sprachreform und was wären ihre Folgen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee eines gemeinsamen Alphabets aller&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen">turksprachigen</a> Staaten kam 1991 auf, anlässlich des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Die Initiative dazu kam vonseiten der Türkei – und das noch weit vor der Gründung der OTS im Jahr 2009. In den 90ern hatte die Türkei in der Region eine bedeutende Rolle inne, sowohl auf politischer, wirtschaftlicher als auch kultureller Ebene: In Usbekistan eröffneten gemeinsame Bildungseinrichtungen, in denen die türkische Sprache intensiv gelehrt wurde.&nbsp;In Taschkent fassten bis dahin unbekannte türkische Supermarktketten Fuß und Fernsehserien, die am Bosporus spielten, erlangten große Popularität.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kommission der OTS stimmt in Baku über gemeinsames Alphabet ab</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor einigen Jahren flammte schließlich der Wille, ein gemeinsames Alphabet zu kreieren, erneut auf. Eine Sonderkommission mit je zwei Vertretern der Mitgliedsländer der OTS nahm sich dieser Frage an. Im September dieses Jahres fand in Baku die dritte Sitzung der Kommission statt, auf der die Experten verkündeten, dass alle interessierten Parteien dem Projekt zugestimmt haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es wurde sich auf ein gemeinsames türkisches Alphabet geeinigt, das 34 Buchstaben enthalten soll, wobei jeder einzelne für ein eigenes, in den&nbsp;Turksprachen&nbsp;vorkommendes Phonem steht“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.&nbsp;&nbsp;Spezialisten fügten hinzu, dass die Buchstaben das sprachliche Erbe der verschiedenen Sprachen wahren und widerspiegeln sollen. Die altbekannten Buchstaben sollen ebenso um eine Reihe diakritischer Zeichen erweitert werden, so zum Beispiel bei den Buchstaben „Ň“&nbsp;und „Ŭ“.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Türkei dazu bereit, eigenes Alphabet anzupassen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher besteht das türkische Alphabet aus 29 Buchstaben, bei einer Angleichung würden also fünf dazu kommen. Dafür würde auch die Türkei &#8222;Opfer&#8220; in Kauf nehmen. So müsste auch Ankara Lehrpläne, administrative Dokumente oder Beschilderungen anpassen.&nbsp;Eine ähnlich tiefgreifende Anpassung stünde im Falle der Reform dem aserbaidschanischen Alphabet bevor, das aktuell 32 Buchstaben vorweist. Den Wechsel von kyrillischen zu lateinischen Lettern vollzog Baku im Jahr 1991. Die OTS-Staaten Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan, in denen bislang noch das kyrillische Alphabet Standard ist, stehen allerdings vor noch größeren Herausforderungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kirgistan: bedeutende Rolle der russischen Sprache erschwert Reform</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kirgistan-diskussion-um-latinisierung-des-alphabets/">Die schwierigste Ausgangssituation hat dabei Kirgistan.</a> Das kirgisische Alphabet besteht aus 36 Buchstaben – die 33 Buchstaben des russischen kyrillischen Alphabets sind dabei um drei weitere Laute ergänzt. Ein Wechsel des Alphabets bringt dreierlei Hürden mit sich:&nbsp;Erstens ist die Idee dort gänzlich neu und der gesellschaftliche wie politische Diskurs noch in den Kinderschuhen. Zweitens ist da die kirgisische Verfassung: Diese definiert das Kirgisische zwar als Staatssprache, das Russische hat daneben als offizielle Sprache jedoch eine bedeutende Rolle inne. Staatliche Dokumente weisen darum größtenteils ein russisches Duplikat auf.&nbsp;Hierin äußert sich der Einfluss Russlands, den der Kreml wohl kaum aufgeben möchte.&nbsp;Drittens kannte die kirgisische Staatskasse schon bessere Zeiten. Nach der Modifizierung der Nationalflagge im Dezember 2023 würde eine Reform des Alphabets das nächste teure Projekt in kurzer Zeit bedeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="Diskussion um Latinisierung des Alphabets">Kirgistan: Diskussion um Latinisierung des Alphabets</a></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kasachstan: Umstellung auf lateinische Schrift läuft in Etappen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das kasachische Alphabet besteht seit 1940 aus 42 kyrillischen Buchstaben. Den Übergang zum lateinischen Alphabet hatte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nürsültan Nazarbaev</a>, der erste Präsident des Landes nach der Unabhängigkeit, allerdings bereits in den Nullerjahren auf den politischen Plan geholt.&nbsp;&nbsp;Ziel war und ist, sich vom russischen Nachbarn unabhängiger zu machen. 2017 präsentierte das Staatsoberhaupt sogar eine neue Version des Alphabets, das von nun an 31 Buchstaben enthalten sollte. Doch schon kurz darauf zerschlug er die Hoffnung auf einen baldigen Wechsel – dieser ist zeitintensiv und darum etappenweise bis 2025 geplant. Nazarbaevs Nachfolger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> verschob die Frist um weitere sechs Jahre auf das Jahr 2031: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-langsamer-aber-bestimmter-weg-zum-lateinischen-alphabet/">Er appellierte daran</a>, das Projekt nicht zu überstürzen, um gravierende Fehltritte zu vermeiden. Ob sich Kasachstan von dem türkischen Tatendrang anstecken lässt? Wohl kaum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-langsamer-aber-bestimmter-weg-zum-lateinischen-alphabet/">Kasachstans langsamer, aber bestimmter Weg zum lateinischen Alphabet</a></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Usbekistan: kyrillisches und lateinisches Alphabet werden parallel benutzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der besten Ausgangslage für Erdogans Vorhaben befindet sich wahrscheinlich Usbekistan. Die usbekische Sprache wird dort wahlweise mit kyrillischen oder lateinischen Buchstaben verschriftlicht. Letztere kamen 1993 auf Befehl des ersten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karimovs</a> dazu. Allerdings herrschte von Anfang an <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-wechsel-auf-die-lateinische-schrift-wirkt-bis-heute-nach-eine-autorin-und-eine-verlegerin-ueber-den-usbekischen-literaturbetrieb/">Uneinigkeit darüber</a>, wie genau die usbekische Sprache mit lateinischen Buchstaben verschriftlicht werden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs orientierte man sich am Türkischen. Mit der Zeit verschlechterten sich allerdings die Beziehungen zur Türkei. Grund dafür waren die Beschwerden türkischer Unternehmen, die die teils überfallartigen, staatlich geförderten Praktiken usbekischer Firmen und Behörden bemängelten und dadurch das eigene Geschäft in Gefahr sahen.&nbsp;Diese Abkühlung der Beziehungen hatte zur Folge, dass sich das usbekische Alphabet mehr am Englischen orientierte. Zum Beispiel wurden die&nbsp;kyrillischen Buchstaben „Ч“ [tsch] und „Ш“ [sch] ähnlich wie in der englischen Umschrift als „ch“ und „sh“&nbsp;wiedergegeben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor kurzem hat zudem der aktuelle Präsident Usbekistans&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> beschlossen, das Alphabet doch wieder dem türkischen Alphabet anzugleichen. So sollen die Buchstaben&nbsp;„Ч“ und „Ш“ wie „ç“ und „ş“ im Türkischen geschrieben werden. Diese Sprachexperimente sind der Grund, weshalb sich die&nbsp;lateinische Schrift in Usbekistan nicht vollumfänglich durchgesetzt hat – trotz staatlicher Unterstützung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Alphabet-Reform Mirziyoyevs wird bereits seit Jahren diskutiert und spaltet das Land.&nbsp;Junge Menschen unter 35 Jahren bevorzugen das lateinische Alphabet, während die Menschen der älteren Generation nicht auf das vertraute kyrillische Alphabet verzichten wollen. &nbsp;Alles in allem würde eine Umstellung des Alphabets auf eine einzige türkische Vorlage in Usbekistan aber vergleichsweise schmerzlos verlaufen. Vor allem dann, wenn die doppelte Schreibweise wie bisher beibehalten würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alphabetwechsel ist nicht gleich Alphabetwechsel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alphabetwechsel sind in Zentralasien historisch betrachtet durchaus keine Seltenheit. Bis zur Revolution 1917 war die arabische Schrift Standard. Per Verordnung gingen die Turksprachen in den 1920er Jahren allesamt zur lateinischen Schrift über. In der Praxis zog sich dieser Prozess bis 1930. Doch keine zehn Jahre später machte die Sowjetregierung diese Entwicklung zunichte, indem sie ein universelles kyrillisches Alphabet einführte, das für alle Sowjetstaaten galt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Umwälzungen gingen damals mehr oder weniger schmerzlos vonstatten:&nbsp;Die Bevölkerung bestand größtenteils aus Analphabeten, welche die neue Schrift von Grund auf neu erlernen mussten. In den heutigen beinahe komplett alphabetisierten Gesellschaften zieht ein so abrupter Übergang darum mehr Konsequenzen nach sich. Nicht selten finden sich etwa Usbekisch-Muttersprachler in der absurden Situation wieder, auf Usbekisch verfasste Sätze aufgrund der lateinischen Buchstaben nicht entziffern zu können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen im In- und Ausland</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Käme es zur Umsetzung des universellen türkischen Alphabets, würden sich solche Fälle nicht nur häufen, es kämen auch schwer zu stemmende Kosten auf die postsowjetischen Staaten zu: Schulbücher, Bildungspläne, Autobahnschilder und viele weitere administrative Dokumente müssten überarbeitet werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tiefgreifende Folgen hätte ein universelles türkisches Alphabet auch auf das Leben von zentralasiatischen Arbeitsmigranten in Russland. Dort erfüllen sie schon jetzt nur selten die sprachlichen Anforderungen, ganz besonders die jüngeren. Ein Alphabetwechsel würde dieses Problem nur verstärken, immerhin befinden sich mehrere Millionen Migranten aus ganz Zentralasien für die Arbeit in Russland. Auf ein anderes Land auszuweichen, ist undenkbar.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erstmal nur eine Utopie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">2007, als die Debatte bereits aufgeflammt war, bezeichnete der Geschichtsprofessor Goga Hidoyatov den Vorschlag als eine „bescheuerte Idee der Pantürkisten“ und führte aus: „Eine pantürkische Sprache ist völlig undenkbar. Die Aserbaidschaner, die Usbeken, die Kasachen – alle haben sie ihre eigenen Autoren, ihre Traditionen, wie sollen wir die alle miteinander verbinden? Das ist genauso utopisch, als würden wir morgen mit der Idee einer panslawischen Sprache um die Ecke kommen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar haben die OTS-Staaten beim letzten Gipfel in Bischkek ein Memorandum unterzeichnet, das von ihrem Vorhaben eines universellen türkischen Alphabets zeugt. Doch von einer Idee bis zu ihrer Umsetzung ist es ein langer Weg, insbesondere, wenn sie etwas so Elementares wie Sprache betrifft. Bis dahin steht Erdogan noch viel Überzeugungsarbeit bevor.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion von <a href="https://fergana.media/articles/135544/">Fergana News</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von: Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzer für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die turkmenische Sprache: von „etrap“ zu „dikuçar“</title>
		<link>https://novastan.org/de/turkmenistan/die-turkmenische-sprache-von-etrap-zu-dikucar/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Oct 2022 18:15:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachwissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Turkmenische ist eine der &#xE4;ltesten Turksprachen, die sich jedoch erst im fr&#xFC;hen 20. Jahrhundert fertig ausgebildet hat. Als Mitglied der Oghusischen Sprachen weist die turkmenische Sprache einige besondere Merkmale auf, die sie von anderen Turksprachen unterscheidet. Das Original dieses Artikels erschien auf Orient.tm &#x2013; wir &#xFC;bersetzten ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&#xA0; Neue W&#xF6;rter [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenische_Sprache"><strong>Turkmenische</strong></a><strong> ist eine der ältesten </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen"><strong>Turksprachen</strong></a><strong>, die sich jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert fertig ausgebildet hat. Als Mitglied der </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oghusische_Sprachen"><strong>Oghusischen Sprachen</strong></a><strong> weist die turkmenische Sprache einige besondere Merkmale auf, die sie von anderen Turksprachen unterscheidet. Das Original dieses Artikels erschien auf <a href="https://orient.tm/ru/post/39696/turkmenskij-yazyk-ot-etrap-do-dikucar" target="_blank" rel="noopener">Orient.tm</a> – wir übersetzten ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&nbsp;</strong>

Neue Wörter gelangen meist durch den wissenschaftlich-technischen und technologischen Fortschritt in die turkmenische Sprache. Während viele Wörter in anderen Sprachen mehr oder weniger ähnlich sind, haben diese im turkmenischen oft eine völlig andere Form, da es sich um Neuschöpfungen handelt. Zum Beispiel heißt „Hubschrauber“ auf Türkisch „helikopter“ (aus dem Französischen), auf Usbekisch „vertolyot“ (aus dem Russischen) und auf Turkmenisch „dikuçar“ („Oben-Flieger“). Dieses Phänomen ist aber nicht neu und auch für einige andere Sprachen charakteristisch. Das Wort „etrap“ (Bezirk), das vermutlich von den Namen der Regionen im alten Reich der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ach%C3%A4menidenreich">Achämeniden </a>– den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Satrap">Satrapien </a>– übernommen wurde, zeugt von der Antiquität der turkmenischen Sprache.

</p>


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<h5 class="wp-block-heading">Starke Ausbreitung, starke Dialekte</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Lange Zeit hing das Schicksal der turkmenischen Sprache, wie das jeder anderen Sprache auch, von ihren Sprecher:innen ab. Gemäß offiziellen Zahlen gibt es etwa sieben Millionen Sprechende des Turkmenischen. Berücksichtigt man jedoch die Tatsache, dass ethnische Turkmen:innen eine der zahlreichsten nationalen Gruppen im Nahen Osten sind, erhöht sich ihre Zahl um ein Vielfaches, trotz des ausgeprägten dialektalen Charakters des turkmenischen Idioms. Massenmigrationen turkmenischer Stämme, Kriege und damit einhergehende Gebietserwerbungen führten zur Präsenz des Turkmenischen in verschiedenen Teilen Asiens. Nach der Annexion des historischen Territoriums Turkmenistans durch das Russische Zarenreich hat die turkmenische Sprache jedoch gemischte Einflüsse.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/die-grosen-sieben-der-turkmenischen-kunst/" target="_blank" rel="noopener">Die „großen Sieben“ der turkmenischen Kunst</a></strong>

Einerseits wurde in der Anfangszeit des Sowjetregimes der Wunsch nach Autonomie der Völker des ehemaligen Reiches immer stärker, und die Kommunisten unterstützten diesen Trend zunächst. Mit der Gründung der Turkmenischen SSR erhielt die Landessprache den Status einer allgemeinen Republik, und Schulbücher, Handbücher sowie Zeitungen wurden erstmals auf Turkmenisch veröffentlicht. Im Laufe der Zeit begann jedoch die nationale Sprachenpolitik zu schwinden. Russisch, die Sprache des internationalen Proletariats, trat in den Vordergrund, und obwohl weiterhin Texte auf Turkmenisch veröffentlicht wurden, nahm deren Zahl ab und das auf dem lateinischen Alphabet basierende turkmenische Alphabet wurde „kyrillisiert“.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

In der Sowjetzeit wurde die turkmenische Literatur erstmals auf Papier gedruckt. Die Sammlungen der unsterblichen Werke von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Magtymguly_Pyragy">Mahtumkuli</a>, Azadi, Mollanepes und Kemine begeisterten nicht nur die turkmenische Leserschaft, sondern auch Liebhaber orientalischer Literatur aus der ganzen Welt. Im Zuge dessen wurden auch die Grundlagen der turkmenischen Grammatik sowie der literarischen Aussprache festgelegt.

Auf der anderen Seite flossen für Wissenschaft, Industrie oder das tägliche Leben notwendige Entlehnungen aus dem Russischen massenhaft in die turkmenische Sprache ein. Die meisten dieser Wörter russischen Ursprungs werden wohl in Zukunft „turkmenisiert“ werden. Wörter nicht-russischen Ursprungs wie „Demokratie“, „Autonomie“, „Technologie“ und viele andere werden dagegen russische Entlehnungen bleiben.
</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wiedererstarkung des Turkmenischen nach der Sowjetzeit</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Nach der Erlangung der Unabhängigkeit begann in Turkmenistan die Wiederbelebung der nationalen Literatursprache, welche in alle Bereiche des Lebens wie Fernsehen, Radio und die Presse Einzug gehalten hat. Turkmenisch zu sprechen wurde nicht nur einfacher, da die Begriffe an die aktuellen Bedürfnisse angepasst wurden, sondern wurde auch aktuell. Die Literatursprache erreichte ihre Blütezeit bereits in den 2010er-Jahren, als zahlreiche Handbücher, Werke, Übersetzungen und Lehrbücher gedruckt wurden.

Schließlich gibt es nicht „das Turkmenische“, denn die turkmenische Sprache besteht aus über 40 Dialekten. Die Besonderheit besteht darin, dass die Aussprache eines Wortes sofort erkennen lässt, aus welchem Teil des Landes der/die Gesprächspartner:in stammt.
</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/die-unendlichkeit-der-schoepfung-ein-turkmenischer-holzkuenstler-verraet-sein-geheimnis/" target="_blank" rel="noopener">Die Unendlichkeit der Schöpfung – ein turkmenischer Holzkünstler verrät sein Geheimnis</a></strong>
So duldet etwa der Dialekt von Teki, ein literarischer Dialekt, keine „s“- und „z“-Laute, die für die Bewohner:innen der Regionen Lebap und Daşoguz (im Norden des Landes) hingegen charakteristisch sind. Gleichzeitig fügt sich die Sprache der Vertreter:innen dieser Regionen in die sprachlichen Normen anderer Nationen ein – des Türkeitürkischen, Usbekischen, Kasachischen usw. Die literarische Norm der „c“- und „z“-Laute (ähnlich dem englischen „th“) entsprechend werden wiederum als sogenannte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Interdentaler_Laut">Interdentale </a>ausgesprochen. Deshalb sollten auch die Wörter „Fransiýa“ oder „Russiýa“ so ausgesprochen werden, wie wir es im Englischunterricht gelernt haben – mit einer heißen Kartoffel im Mund.
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Arslan Mamedov für Orient.tm
Aus dem <a href="https://orient.tm/ru/post/39696/turkmenskij-yazyk-ot-etrap-do-dikucar">Russischen</a> übersetzt von Michèle Häfliger</strong>
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