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	<title>Tradition Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sat, 17 Jan 2026 15:50:17 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Tradition Archives</title>
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		<title>Wer entscheidet in Zentralasien, wie Frauen auszusehen haben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 23:36:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>F&#xFC;r &#x201E;Sch&#xF6;nheitsspritzen&#x201C; m&#xFC;sse man im Jenseits Rechenschaft ablegen, erkl&#xE4;rte k&#xFC;rzlich ein tadschikischer Geistlicher. Im benachbarten Turkmenistan droht f&#xFC;r Sch&#xF6;nheitsoperationen keine himmlische Strafe, sondern eine ganz irdische: Passagierinnen mit vergr&#xF6;&#xDF;erten Lippen und verl&#xE4;ngerten Wimpern werden Berichten zufolge nicht auf internationale Fl&#xFC;ge zugelassen. Warum versuchen Geistliche und weltliche Machthaber in den L&#xE4;ndern Zentralasiens, das Aussehen von Frauen [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Für <em>„Schönheitsspritzen“</em> müsse man im Jenseits Rechenschaft ablegen, erklärte kürzlich ein tadschikischer Geistlicher. Im benachbarten Turkmenistan droht für Schönheitsoperationen keine himmlische Strafe, sondern eine ganz irdische: Passagierinnen mit vergrößerten Lippen und verlängerten Wimpern werden Berichten zufolge nicht auf internationale Flüge zugelassen. Warum versuchen Geistliche und weltliche Machthaber in den Ländern Zentralasiens, das Aussehen von Frauen zu kontrollieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nein zu Botox und eng anliegender Kleidung, Ja zu Kleid mit weiten Hosen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorsitzende des Rates der Ulemas [muslimischer Rat, Anm. d. Übers.], <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mufti">Mufti</a> Sajdmukarram Abdulqodirsoda von Tadschikistan, äußerte sich während seiner jüngsten Freitagspredigt scharf über die <em>„Mode“</em> von Botox, Fillern und plastischen Operationen bei Frauen. Das Video seiner Rede, das auf dem YouTube-Kanal des Islamischen Zentrums veröffentlicht wurde, wurde zehntausende Male angesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mufti bezeichnete kosmetische Eingriffe als <em>„haram”</em> (im Islam verboten) und forderte die Gläubigen auf, <em>„ihr Verhalten zu verbessern, nicht ihr Aussehen”</em>. Er verurteilte die Begeisterung für<em> „Schönheitsspritzen“ </em>und plastische Operationen und erklärte, dass <em>„der Körper ein von Gott anvertrautes Gut“</em> sei und man für solche Handlungen <em>„im Jenseits Rechenschaft ablegen muss“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Rhetorik steht im Einklang mit umfassenderen staatlichen Beschränkungen: Vor anderthalb Jahren verschärfte Tadschikistan seine Politik in Bezug auf Frauenkleidung. Im Frühjahr 2024 <a href="https://rus.azattyq.org/a/33003844.html">unterzeichnete</a> Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomalij Rahmon</a> Änderungen zum Gesetz <em>„Über die Regulierung von Traditionen, Feierlichkeiten und Ritualen“</em> und verbot damit de facto <em>„die Einfuhr, Werbung und den Verkauf von Kleidung, die nicht der nationalen Kultur entspricht“</em>. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von 7.920 bis 57.600 Somoni (ca. 730 bis 5.300 Euro).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arten von Kleidungsstücken werden im Gesetzestext nicht aufgeführt, aber nach Meinung von Expert:innen fällt unter diese vage Formulierung vor allem Kleidung, die den islamischen Kanonen des Nahen Ostens entspricht. In Tadschikistan ist sogar ein spezieller Begriff für <em>„fremde Kleidung”</em> entstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medien berichteten über Fälle, in denen Frauen mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidsch%C4%81b">Hidschabs</a> nicht in medizinische Einrichtungen gelassen wurden, solange sie ihr Kopftuch nicht <em>„auf tadschikische Art” </em>mit einem Knoten nach hinten gebunden hatten. Manchmal werden auch kurze Röcke und enge Oberteile als <em>„nicht der nationalen Kultur entsprechend”</em> angesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 2024 nahmen Polizeibeamte zwei junge Frauen wegen Veröffentlichungen auf Instagram fest, auf denen sie in kurzen Kleidern posierten, mit der Begründung, dies <em>„verletze die Ehre“</em> tadschikischer Frauen und Mütter. Nach einem <em>„präventiven”</em> Gespräch wurden die Frauen freigelassen, aber ihre Fotos wurden auf der offiziellen Seite der Strafverfolgungsbehörden in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, wobei ihre Gesichter und persönlichen Daten sichtbar blieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa zur gleichen Zeit veröffentlichte der Rat der Ulemas eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a> gegen <em>„schwarze, eng anliegende und durchsichtige”</em> Kleidung und behauptete, diese sei <em>„unvereinbar mit der nationalen Kultur der Tadschiken”</em>. <em>„Tadschikische Frauen trugen jahrhundertelang Kleidung, die den Anforderungen der Scharia entsprach und lokale Bräuche und Ornamente sowie klimatische Besonderheiten berücksichtigte”</em>, hieß es in der Fatwa. Sogar die religiösen Führer schrieben Frauen also vor, die Nationaltracht zu tragen – ein Kleid mit Hosen und einem Kopftuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später veröffentlichte das Kulturministerium Beispiele für traditionelle Nationaltrachten, die Frauen und Mädchen <em>„empfohlen“</em> werden, und stellte sogar Muster zur Verfügung, wie sie sich <em>„altersgerecht“</em> und den Umständen entsprechend kleiden sollten – sei es im Alltag, bei der Arbeit, bei Festen oder kulturellen Veranstaltungen. Dabei ging es um die <em>„Erhaltung der Kultur”</em>, doch tatsächlich lenken solche Initiativen die Aufmerksamkeit der Gesellschaft von den wirklichen Problemen ab – Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn der Lebensstandard niedrig ist und die sozialen Probleme zunehmen, wird die Betonung der ‚moralischen Erscheinung‘ zu einem bequemen Instrument für die Machthaber“</em>, argumentiert ein Soziologe aus Duschanbe, der darum gebeten hat, seinen Namen nicht zu nennen. <em>„Es handelt sich um eine Form der sozialen Kontrolle, die unter dem Deckmantel der Sorge um die Moral getarnt ist. Dabei wird die Frage des Aussehens von Frauen zu einem Instrument der ideologischen Einflussnahme, ebenso wie der Kampf gegen <em>‚</em>fremde<em>‘</em> Kleidung.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Strafen und Entlassungen wegen Verstössen gegen die „Ustosy Türkmençilik“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Turkmenistan unterliegt das äußere Erscheinungsbild von Frauen staatlichen Vorschriften. Und die Kontrollen sind viel strenger geworden: Nach dem Amtsantritt von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedow</a> im Jahr 2022 (er löste seinen Vater <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a> ab) wurden Frauen auffälliges Make-up, helles Färben der Haare, Wimpern- und Nagelverlängerungen sowie Botox-Injektionen verboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2023 nahm die Polizei in der turkmenischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_(Turkmenistan)">Mary</a> zwei Frauen fest und beschuldigte sie, <em>„für Turkmeninnen unangemessene Kleidung” </em>getragen zu haben. Sie wurden zur Polizeistation gebracht und nach mehreren Stunden Verhör wieder freigelassen, <a href="https://rus.azattyq.org/a/32425166.html">berichtete die turkmenische Redaktion von Radio Free Europe/Radio Liberty, Azatlyk</a>. <em>„Sie sind für Turkmeninnen unangemessen gekleidet. Sehen Sie sich ihre Kleider an, ihre Brüste sind zur Schau gestellt“</em>, zitierten Zeug:innen des Vorfalls die Worte der Polizisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im selben Jahr <a href="https://rus.azattyq.org/a/32145480.html">berichtete Azatlyk</a>, dass Frauen wegen ihrer vergrößerten Lippen und verlängerten Wimpern nicht zu internationalen Flügen zugelassen wurden. Mitarbeitende der Flughäfen behaupteten, dass Gesichtserkennungsprogramme sie aufgrund ihres <em>„verzerrten Aussehens nicht erkennen“</em> würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Reaktion auf die internationale Kritik an dem faktischen Verbot kosmetischer Eingriffe erklärte der Abgeordnete Serdar Arazow, dass die Verbote <em>„auf hygienischen Normen beruhen“ </em>und <em>„in keiner Weise mit einer Einschränkung der Rechte von Frauen zusammenhängen“</em>. <em>„Ich glaube, Sie wurden falsch über das Aussehen von Frauen informiert. Wir haben diese Frage unter medizinischen Gesichtspunkten betrachtet. Es wurde eine umfassende Analyse durchgeführt, bei der Aspekte wie mangelnde Hygiene und illegale Arbeit im Bereich der Kosmetik festgestellt wurden“</em>, erklärte Arazow damals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterdessen führen Polizisten Kontrollen auf den Straßen durch und kontrollieren Frauen mit <em>„übermäßigem Make-up”</em> und <em>„unangemessener Kleidung”</em>. Verstöße gegen die <em>„Grundsätze des Türkme</em>n<em>çilik“</em> (eine nicht offiziell definierte Verhaltensnorm, mit deren Hilfe die Behörden Turkmenistans das Aussehen, den Lebensstil und sogar die privaten Gewohnheiten der Bürger:innen kontrollieren und dies mit dem Schutz der<em> „nationalen Identität und Moral“</em> rechtfertigen) werden mit Geldstrafen und dem Verlust des Arbeitsplatzes geahndet. Berichten zufolge haben Dutzende von Frauen ihren Arbeitsplatz bei der nationalen Fluggesellschaft und den Eisenbahnbehörden verloren, angeblich weil sie sich die Lippen vergrößern oder Brustimplantate einsetzen ließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gesetzgebung Turkmenistans enthält keine Liste von Kleidung, die für turkmenische Frauen <em>„angemessen” </em>oder <em>„unangemessen” </em>ist und es gibt auch keine bestimmten Regeln für ihr Verhalten in der Öffentlichkeit. Trotzdem verschärfen die Behörden unter dem Vorwand der Aufrechterhaltung der sogenannten <em>„Türkmençilik”</em> von Zeit zu Zeit die bereits jetzt restriktiven Maßnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>„Wie man Frauen unter dem Deckmantel der moralischen Sorge kontrolliert“</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rhetorik der Behörden sowohl in Tadschikistan als auch in Turkmenistan verweist auf den Schutz von Traditionen und Moral, aber dient im Wesentlichen dazu, Frauen zu kontrollieren und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abzulenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn die Regierung oder religiöse Führer über Botox und Kleidung diskutieren, weichen sie Gesprächen über Arbeitslosigkeit, Korruption und Inflation aus. Das ist eine bewährte Taktik“</em>, meint Anora Sadyqowa, Soziologin aus Duschanbe. <em>„Unter dem Vorwand, die Kultur des Staates zu schützen, konstruieren sie die <em>‚</em>ideale Frau&#8216; – gehorsam, bescheiden und ohne Mitspracherecht.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ähnliche Meinung vertritt eine Gender-Aktivistin aus Duschanbe, die anonym bleiben möchte. Ihrer Meinung nach wird in einer Gesellschaft, in der reale sozioökonomische Probleme ungelöst bleiben, die Kontrolle über das Verhalten und das Aussehen von Frauen zu einem bequemen Instrument, um von den tatsächlichen Problemen abzulenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus werfe diese gängige Praxis Fragen zu Doppelmoral und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in Bezug auf das Aussehen auf: <em>„Warum richtet sich die Aufmerksamkeit immer nur auf Frauen?“</em>, fragt sie. <em>„Gewisse Männer, darunter gerade jene, die in staatlichen Behörden arbeiten, pflegen sich ebenfalls: Sie lassen sich die Nägel machen, färben graue Haare, bekämpfen Haarausfall und lassen sich Haare transplantieren. Aber niemand verurteilt sie dafür. Warum wird ihnen nicht empfohlen, traditionsgemäß <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschapan">Tschapan</a> und Turban zu tragen? Das ist doch auch Teil der nationalen Kultur! Nein, sie tragen Anzüge mit Krawatten, die den Tadschiken  ‚fremd&#8216; sind. Und wenn es um das Aussehen von Frauen geht, fallen sofort Begriffe wie  ‚Sünde&#8216;,  ‚Schande&#8216; oder  ‚fremde Kultur&#8216;. Das ist eine Möglichkeit, Frauen unter dem Deckmantel der Sittenwahrung zu kontrollieren.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Verteidigung von „Traditionen“ als regionaler Trend</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Elemente einer solchen Kontrolle lassen sich auch in anderen Ländern Zentralasiens beobachten. In Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan wird keine offene Kritik an kosmetischen Eingriffen geäußert, aber unter dem Vorwand der Bewahrung von <em>„Traditionen“</em> werden zunehmend Beschränkungen hinsichtlich der Kleidung und des Aussehens von Frauen eingeführt. Aus Angst vor einem zunehmenden Einfluss des Islam nutzen säkulare Regierungen häufig das Thema des Aussehens der Bürgerinnen als Instrument der sozialen und ideologischen Kontrolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2025 wurde in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Namangan">Namangan</a> im Osten Usbekistans den Ehefrauen islamischer Geistlicher vorgeschrieben, <a href="https://rus.azattyq.org/a/zhyonam-uzbekskih-imamov-veleli-snyat-hidzhaby-i-nosit-platki-po-mestnym-traditsiyam/33510996.html">Kopftücher nach lokaler Sitte zu tragen</a> – sie hinter dem Kopf zu verknoten und nicht nach arabischem Vorbild. Das Verbot des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Niqab">Niqab</a> (ein langes muslimisches Gewand, das den Körper, die Haare und das Gesicht bedeckt, nur die Augen bleiben frei) wurde in Usbekistan bereits 2023 eingeführt: Die Maßnahme wurde mit der Notwendigkeit begründet, die öffentliche Ordnung und die Arbeit des Videoüberwachungssystems zu gewährleisten. Bei Verstößen droht eine Geldstrafe von 350 bis 700 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2025 <a href="https://rus.azattyq.org/a/v-kazahstane-zapretili-zakryvayuschuyu-litso-odezhdu-s-chem-svyazano-tabu-i-ne-narushaet-li-ono-svobodu-religii-/33461827.html">unterzeichnete</a> der Präsident Kasachstans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> ein Gesetz, das das Tragen von Kleidung, die das Gesicht bedeckt, in der Öffentlichkeit verbietet. Damit wurde der Niqab verboten. Auf dem nationalen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultaı</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyrau</a> im März betonte er: <em>„Anstatt sich in schwarze Gewänder zu hüllen, die das Gesicht verhüllen, ist es viel besser, Kleidung im nationalen Stil zu tragen. Sie ist harmonisch und sieht besonders bei Frauen schön aus.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im benachbarten Kirgistan trat das Niqab-Verbot im Januar 2025 <a href="https://rus.azattyq.org/a/v-kyrgyzstane-zapreschayut-parandzhu-kritiki-preduprezhdayut-chto-eto-mozhet-privesti-k-otchuzhdeniyu-nekotoryh-zhenschin/33295488.html">in Kraft</a>. Ausnahmen gelten nur für Kleidung, die mit der Arbeit oder medizinischen Indikationen zusammenhängt. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe von ca. 200 Euro geahndet. Die Abgeordneten des Parlaments <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a> begründeten das Verbot mit Sicherheitsaspekten, damit die Gesichter der Menschen zur Identifizierung sichtbar seien. Kritiker:innen wiesen jedoch darauf hin, dass dies die Freiheit der Kleiderwahl <a href="https://rus.azattyq.org/a/v-kyrgyzstane-zapreschayut-parandzhu-kritiki-preduprezhdayut-chto-eto-mozhet-privesti-k-otchuzhdeniyu-nekotoryh-zhenschin/33295488.html">einschränkt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan ist damit das einzige Land in der Region, in dem das Tragen des Hidschabs in Schulen und Büros erlaubt ist. In Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan hingegen ist der Hidschab in Bildungseinrichtungen, staatlichen Einrichtungen und Regierungsgebäuden verboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Berichten der internationalen Organisationen <a href="https://www.hrw.org/ru/world-report/2025/country-chapters/tajikistan?utm_source=chatgpt.com">Human Rights Watch</a>, <a href="https://www.amnesty.org/en/location/europe-and-central-asia/eastern-europe-and-central-asia/turkmenistan/report-turkmenistan/?utm_source=chatgpt.com">Amnesty International</a> und der <a href="//www.uscirf.gov/sites/default/files/Tajikistan.pdf?utm_source=chatgpt.com">US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF)</a> wird schließlich festgehalten, dass die Behörden Zentralasiens unter dem Vorwand der Bekämpfung des Extremismus die Kontrolle über das Aussehen, das Verhalten und die religiösen Praktiken der Bürger:innen verstärken.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Radio Azattyq</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://rus.azattyq.org/a/greh-styd-chuzhdaya-kultura-kto-i-pochemu-v-tsentralnoy-azii-reshaet-kak-nuzhno-vyglyadet-zhenschinam/33582084.html">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Warum die Menschen in Kasachstan inzwischen seltener heiraten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 06:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. F&#xFC;r das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allm&#xE4;hlich zu &#xE4;ndern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan &#xFC;ber ihre Einstellung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. Für das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allmählich zu ändern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan über ihre Einstellung zur Familiengründung und ihre wichtigsten Werte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Globale Trends</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Rolle der Familie in vielen Ländern weltweit verändert. Während früher in traditionellen Gesellschaften Großfamilien, in denen mehrere Generationen zusammenlebten, üblich waren, sind heute Kernfamilien, die nur aus Eltern und Kindern bestehen, häufiger anzutreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts stellten amerikanische Soziolog:innen fest, dass die Institution der Ehe allmählich ihren Status als formale Tradition verliert und zunehmend individuelle Interessen widerspiegelt. Die Menschen dachten damals mehr über persönliche Ziele, Bildung und Selbstverwirklichung nach – und nicht nur über familiäre Umstände.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Prozesse fanden auch in Europa statt. In den 1960er Jahren begann dort der sogenannte zweite demografische Wandel – die Geburtenrate, die nach dem Krieg vorübergehend gestiegen war, begann zu sinken, und die Gesellschaft begann, alternative Familienformen gelassen zu akzeptieren. Im 21. Jahrhundert begann sich dieser Trend auch auf andere Staaten wie China auszuweiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Globale Veränderungen zeigen sich auch in Kasachstan. Bereits heute ist für viele Menschen in Kasachstan eine formalisierte Ehe keine zwingende Voraussetzung mehr für ihr Glück. Die einen streben zunächst nach einer Karriere und finanzieller Unabhängigkeit, andere entscheiden sich für ein gemeinsames Leben ohne offizielle Registrierung, und wieder andere halten die Ehe einfach nicht für einen wichtigen Teil ihres Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weniger Ehen und weniger Scheidungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Soziologin Kamila Kovıazina ist die Heiratsrate in Kasachstan in den letzten fünf Jahren von 6,87 auf 6,13 pro tausend Einwohnende gesunken. Allerdings spiegelt dieser Indikator nicht immer genau die sozialen Trends wider, da er von der Anzahl der Menschen verschiedener Generationen beeinflusst wird, beispielsweise von Kindern und älteren Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Generation, die in den 1990er Jahren geboren wurde, ist weniger zahlreich als die Generation der 2000er Jahre. Dies erklärt die Statistik: Ein Teil der jungen Menschen hat einfach noch nicht das Alter erreicht, um eine Familie zu gründen, und manche der früheren Generation schieben diesen Schritt hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Kovıazina jedoch feststellt, gibt es einen deutlicheren Trend, der sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: das steigende Durchschnittsalter bei der ersten Heirat. Immer mehr junge Menschen halten es für wichtig, zuerst eine Ausbildung zu absolvieren, einen Beruf zu erlernen, eine Karriere aufzubauen und finanzielle Stabilität zu erlangen und erst dann eine Familie zu gründen. Laut der Soziologin spiegelt dies globale Prozesse wider: Die Lebenserwartung steigt, die Lebenszyklen verlängern sich, weshalb die Entscheidung zur Heirat wohlüberlegter und nicht mehr so übereilt getroffen wird wie früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/leichte-unterhaltung-mit-meine-kasachische-hochzeit/">Leichte Unterhaltung mit „Meine kasachische Hochzeit“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise sind auch die Scheidungen in der offiziellen Statistik zurückgegangen – von 2020 bis 2024 sank die Scheidungsrate um 21 Prozent (2,02 pro tausend Einwohnende). Expert:innen betonen jedoch, dass diese Statistik nicht das vollständige Bild widerspiegelt – die Erfassung erfolgt nur auf der Grundlage von Daten der Standesämter, ohne gerichtliche Entscheidungen über die Auflösung von Ehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Forschungsunternehmens Petrelli Previtera für März 2024 liegt Kasachstan bei der Zahl der Scheidungen weltweit an zweiter Stelle, nur hinter den Malediven. Internationale Berechnungen ergeben eine Scheidungsrate von 4,6 pro Tausend Einwohnende – deutlich höher als in den nationalen Statistiken angegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer vom Institut für gleiche Rechte und Chancen durchgeführten Umfrage verbinden 61 Prozent der Kasachstaner:innen Scheidungen mit der Einmischung von Verwandten in das Familienleben. Weitere 41 Prozent der Befragten geben einen Rückgang moralischer Beschränkungen an, und ein Viertel nennt die Einfachheit des Scheidungsprozesses. Als weitere Faktoren werden traditionelle Einstellungen genannt, darunter die strenge Aufteilung der Geschlechterrollen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Jugend und die standesamtliche Trauung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einstellung zur Ehe verändert sich nicht nur in Zahlen. Expert:innen stellen fest, dass sie für junge Menschen zwar keine formale Notwendigkeit mehr darstellt, aber dennoch ein bedeutender Schritt bleibt. Nach Angaben der Friedrich-Ebert-Stiftung betrachten fast 65 Prozent der jungen Kasachstaner:innen die Ehe als einen wichtigen Lebensabschnitt und nur 8 Prozent halten sie für nicht obligatorisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei spielen „traditionelle Werte” nach wie vor eine wichtige Rolle. So halten fast die Hälfte der Befragten die Jungfräulichkeit des Partners vor der Ehe für einen wichtigen Faktor bei der Wahl des Ehepartners oder der Ehepartnerin. Auch der Einfluss der Verwandten ist nach wie vor stark: 57,1 Prozent der Befragten berücksichtigen deren Meinung bei ihrer Entscheidung über die Eheschließung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ansichten zur Ehe unterscheiden sich auch zwischen Stadt- und Landbevölkerung. In Großstädten ist das Zusammenleben ohne Registrierung mittlerweile eher üblich, während in Dörfern konservativere Ansichten vorherrschen. Vor allem junge Frauen spüren diesen Druck: Oftmals drängen ihre Eltern sie zur Heirat, weil sie befürchten, dass sie sonst keine Familie gründen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansichten junger Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben mit zwei Frauen aus Kasachstan gesprochen, die ohne offizielle Registrierung zusammenleben. Eine von ihnen, Anar aus Almaty, lernte ihren Partner über gemeinsame Freunde kennen und ist seit vier Jahren mit ihm zusammen. Mit der Zeit wurde die Beziehung ernst, und die Entscheidung, zusammenzuziehen, fiel ganz natürlich, ohne Druck und Formalitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paar interessierte sich besonders dafür, wie sie im Alltag miteinander auskommen, sich gegenseitig unterstützen und Vertrauen aufbauen würden. Für sie ist Familie nicht nur eine formelle Institution, sondern tägliche Fürsorge und Respekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hatten es nicht eilig, zu heiraten, sondern wollten zuerst sehen, wie wir im Alltag zurechtkommen“</em>, erzählt Anar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fehlende offizielle Registrierung bringt jedoch manchmal Schwierigkeiten mit sich. Es ist nicht immer möglich, den Partner im Krankenhaus zu besuchen oder Dokumente auszustellen, für die ein Nachweis des Familienstands erforderlich ist. Hinzu kommt der Druck von Verwandten und Bekannten, die regelmäßig fragen, warum das Paar noch nicht geheiratet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anar merkt an, dass diese Umstände das Paar allmählich dazu bringen, über eine Hochzeit nachzudenken. An erster Stelle stehen für sie jedoch nach wie vor Vertrauen, Unterstützung und die tägliche Fürsorge füreinander – die Formalität ist notwendig, um alltägliche und rechtliche Fragen zu klären und den Druck von außen zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-toi-als-wichtiger-wirtschaftsfaktor-in-kasachstan/">Die Toı als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna aus Karaganda hingegen sieht die Ehe mit Vorsicht. Sie war noch nie verheiratet und ist derzeit mit niemandem liiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe es nicht eilig zu heiraten, weil ich zu viele Geschichten über häusliche Gewalt gehört habe. Meine Schwestern sind nach ihrer Hochzeit wie erloschen, ihr Leben ist eingeschränkt. Die Erwartungen der Familie und der Gesellschaft nehmen ihnen ihre Freiheit. Ich glaube an die Liebe und die Familie, aber für mich ist es wichtig, mich sicher zu fühlen“</em>, erzählt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna gibt zu, dass sie Druck von ihren Verwandten spürt. Diese deuten oft an, dass es Zeit wäre, zu heiraten. Die junge Frau ist jedoch der Meinung, dass sie nicht bereit ist, sich zu binden, solange sie nicht den Mann gefunden hat, dem sie ohne Angst vertrauen kann. Sie hat nichts gegen die Ehe – aber es wird ihre eigene Entscheidung sein und kein Schritt, der von den Erwartungen der Familie oder der Gesellschaft diktiert wird. Für Janna ist es wichtig, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem sie sich sicher und geborgen fühlt. Bis dahin zieht sie das Single-Leben einer Beziehung ohne Respekt und Sicherheit vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Soziologin Kamila Kovıazina prognostiziert, wird sich der Trend zu weniger Eheschließungen in Zukunft wahrscheinlich fortsetzen. Moderne Männer und Frauen haben mehr Wahlmöglichkeiten. Sie entscheiden selbst, ob sie heiraten, Kinder bekommen, welche Karriere sie einschlagen und wo sie leben möchten. Die Ehe ist nicht mehr eine zwingende Voraussetzung für das Leben, sondern nur noch eine von vielen möglichen Optionen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aıgerim Erbolova für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/situation/41923-moi-sestry-posle-svadby-slovno-potuhli-a-ih-zhizn-stala-ogranichennoy">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Die Rückkehr von Kokpar als Kasachstans moderner Nationalsport</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Oct 2025 18:28:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit angepassten Regeln erlebt das zentralasiatische traditionelle Spiel hoch zu Ross ein Comeback kasachischer Kultur. Als die Sonne &#xFC;ber einem Hippodrom am Stadtrand von Almaty untergeht, stellen sich zehn M&#xE4;nner auf Karabair-Pferden in einer Reihe auf. Auf das Signal des Schiedsrichters hin st&#xFC;rmen sie &#xFC;ber das Feld auf einen gef&#xFC;llten Ledersack zu, der etwa so [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit angepassten Regeln erlebt das zentralasiatische traditionelle Spiel hoch zu Ross ein Comeback kasachischer Kultur.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Sonne über einem Hippodrom am Stadtrand von Almaty untergeht, stellen sich zehn Männer auf Karabair-Pferden in einer Reihe auf. Auf das Signal des Schiedsrichters hin stürmen sie über das Feld auf einen gefüllten Ledersack zu, der etwa so groß ist wie eine Ziege. Die Pferde stoßen zusammen, während die Reiter sich gegenseitig schubsen und mit der Peitsche treiben, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Das nomadische Spiel Kokpar hat begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das einst beliebte Kokpar aus Kasachstan ähnelt im Wesentlichen dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buzkaschi#:~:text=Buzkashi%20ist%20ein%20Nationalsport%20in,das%20Spiel%20als%20unmoralisch%20betrachteten.">afghanischen Buzkaschi</a> oder dem kirgisischen Kök-Börü. Diese kasachische Version wurde jedoch an moderne Standards angepasst: ein kleineres Feld, weichere Tore und eine künstliche Ziege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Daniıar Dauke<strong>ı</strong>, der einen lokalen Kokpar-Club leitet, dienen diese Änderungen dazu, die Popularität zu steigern. Ähnliche Maßnahmen werden in der ganzen Region ergriffen, um das nomadische Erbe des Spiels mit modernen Standards in Bezug auf Ethik und Sicherheit in Einklang zu bringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine gefährliche Tradition</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem kurzen Gerangel stürmt ein Reiter mit der 25 Kilogramm schweren Attrappe an seiner Seite auf das Tor zu. Er springt von seinem Pferd in das donut-förmige Tor; der Spielzug nennt sich „Taı Qazan” – eine riskante, aber gängige Bewegung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="519" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-1024x519.jpg" alt="" class="wp-image-43160" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-1024x519.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-300x152.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-768x389.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-1536x779.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-2048x1038.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gerangel während eines Kokpar-Spiels. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Dynamik des Spiels hat sich seit der Sowjetzeit verändert, es ist jetzt aggressiver“</em>, erzählt Ulan Bigojin, Anthropologe an der Nazarbaıev-Universität. Er weist darauf hin, dass das Spiel heute mit größeren Pferden gespielt wird. Zudem sei Kokpar nach wie vor ein körperbetonter Sport, der viel Kraft erfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Gefahr ist in Kirgistan offensichtlich, wo Anfang dieses Jahres ein Spieler starb, nachdem ein Pferd ihn umgerannt hatte – der dritte Todesfall dieser Art in sieben Jahren. Todesfälle sind zwar selten, aber Gehirnerschütterungen, Getrampel und Kollisionen bei hoher Geschwindigkeit sind an der Tagesordnung.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotz der häufigen Verletzungen erklärt Bigojin, dass insbesondere die Kirgisen zögern, Sicherheitsregeln einzuführen: <em>„Gerade durch die Beibehaltung dieser gefährlichen Aspekte des Spiels, wie beispielsweise eines Taı Qazan aus Beton, gewinnt das Spiel heute an Popularität.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Daukeı räumt die Gefahren des Taı Qazan ein, den er durch eine weichere Version ersetzen liess.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Anstelle des Beton-Tores, das in Kirgistan verwendet wird und für Pferde und Spieler gefährlich ist, bauen wir unsere Tore aus Heu“</em>, erklärt er. <em>„In der offiziellen kasachischen Version wird einfach ein Kreis auf das Feld gezeichnet, und es ist leicht, ein Tor zu erzielen. In unserer Version muss man vor dem Tor aus Heu anhalten, um es nicht umzuwerfen, und dadurch erhält die gegnerische Mannschaft mehr Zeit, ihr Tor zu verteidigen.“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="586" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-1024x586.jpeg" alt="" class="wp-image-43161" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-1024x586.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-300x172.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-768x440.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-1536x879.jpeg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-2048x1172.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Taı Qazan aus Heu, mit einer Plane abgedeckt. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Daukeı verkürzte weiter das Spielfeld, um gefährliche Zusammenstöße zu vermeiden, reduzierte die Mannschaften von vier auf drei Spieler pro Seite und ersetzte den traditionellen Ziegenkadaver durch eine Puppe. Während einige Änderungen umstritten sind, wurde die Ziegenpuppe sogar von den kirgisischen Kök-Börü-Spielern weitgehend akzeptiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein traditioneller Sport</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die genauen Ursprünge von Kokpar sind unbekannt, aber Varianten dieses Spiels werden seit Jahrhunderten in ganz Zentralasien gespielt. Manchmal nahmen Hunderte von Reitern auf jeder Seite daran teil, und der Sport war sowohl Wettkampf als auch Gemeinschaftsritual.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn wir auf das 19. und frühe 20. Jahrhundert zurückblicken, war Kokpar selbst während der Sowjetzeit wahrscheinlich weniger ein Sport als vielmehr ein Volksspiel“</em>, vermutet Bigojin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter sowjetischer Herrschaft verschwand Kokpar fast vollständig. Die Kollektivierung schränkte die Anzahl privater Pferde ein und nomadisch lebende Menschen wurden in Städte umgesiedelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mutige-manner-geschickte-pferde-interview-mit-einem-kok-boru-spieler/">Mutige Männer, geschickte Pferde – Interview mit einem Kök-Börü Spieler</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn man ein Pferd hatte, konnte man es für Kokpar trainieren. Da die meisten Pferde jedoch in Staatsbesitz übergingen, wurden sie vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Es war zwar weiterhin möglich, Kokpar zu spielen, aber durch die Kollektivfarmen und die Abwanderung vieler Menschen in die Städte starb das traditionelle Spiel fast aus“</em>, erzählt Bigojin weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Kokpar nie offiziell verboten wurde, geriet es bei vielen in Vergessenheit, insbesondere im Norden Kasachstans, wo russischstämmige Siedler:innen keine kulturelle Verbindung dazu hatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wiederbelebung der Nomadenkultur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Unabhängigkeit Kasachstans erlebte Kokpar im Rahmen einer breiteren Wiederbelebung nomadischer Traditionen ein Comeback. Die World Nomad Games, die 2014 ins Leben gerufen wurden und bereits in Kirgistan, der Türkei und Kasachstan stattfanden, präsentieren Sportarten wie Bogenschießen, Ringen und eben Kokpar. Die von lokalen Regierungen finanzierten Spiele ziehen Teilnehmende aus so weit entfernten Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA an.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="614" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-1024x614.jpeg" alt="" class="wp-image-43162" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-1024x614.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-300x180.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-768x460.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-1536x921.jpeg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-2048x1227.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Daniıar Daukeı beaufsichtigt das Gerangel. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die sozialen Medien tragen zur Rückkehr von Kokpar bei. Daukeıs Verein veröffentlicht Highlights für mehr als 50.000 Follower.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir können ohne soziale Medien nicht leben. Sie sind für uns eine Möglichkeit, das Spiel zu übertragen und sicherzustellen, dass die kasachische Bevölkerung weiß, wie spannend es ist“</em>, meint Daukeı.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig entstanden in ganz Kasachstan „Ethno-Dörfer“, die Besuchenden einen Einblick in die Lebensweise von früher geben. <em>„Man kann Kokpar spielen, Bogenschießen zu Pferd betreiben, Tee aus dem Samowar trinken und Plov am Stadtrand essen. Wenn man zurückkommt, teilt man all diese Videos und Bilder“</em>, analysiert Bigojin weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Spiel ist nach wie vor männerdominiert. Die Spieler stellen ihre Kraft zur Schau und müssen innerhalb der lokalen Wirtschaftselite Geld für ihren Sport sammeln. <em>„Einige lokale Geschäftsleute möchten vielleicht ihren Ruf aufbauen und das Spiel sponsern. Dadurch entsteht ein System der Förderung. Man kann ein männlicher Kokpar-Spieler sein, aber man braucht trotzdem Geld, um seine Leidenschaft aufrechtzuerhalten“</em>, schließt Bigojin.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Globale Ambitionen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Daukeı besteht das Ziel nicht nur darin, Kokpar lokal wiederzubeleben, sondern es auch auf die internationale Bühne zu bringen. Die Idee dazu kam ihm 2017, als ausländische Polospieler, die Almaty besuchten, Kokpar zum ersten Mal ausprobierten und dessen Potenzial lobten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre später präsentierten Daukeı und zehn Teamkollegen den Sport bei einem Jagdfestival in Fontainebleau, Frankreich, vor 17.000 Zuschauern. Dies war eine Gelegenheit, den Sport einer neuen Gruppe potenzieller Spieler vorzustellen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="586" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-1024x586.jpg" alt="" class="wp-image-43163" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-1024x586.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-300x172.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-768x439.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-1536x878.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-2048x1171.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Kokpar-Spiel bei Nacht. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Jeder Sport braucht Amateure, sie sind der Hauptmotor für die Entwicklung des Sports, weil sie eine andere Sicht auf das Spiel haben“</em>, meint Daukeı.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorführung in Frankreich brachte weitere Einladungen zu Reitsportveranstaltungen im Ausland ein, aber die Finanzierung bleibt eine Hürde. <em>„Wir erhalten jedes Jahr Einladungen zum Jagdfestival in Frankreich und auch Anrufe aus den USA, doch dazu brauchen wir einen guten Sponsor, um mit unseren Pferden dorthin zu kommen“</em>, erklärt er weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andernorts belässt man den Sport näher an der nomadischen Version, die vor und während der Sowjetzeit gespielt wurde, um ihm zu mehr Popularität zu verhelfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/fusball-oder-kok-boru-hauptsache-kirgistan/">Fußball oder Kök-Börü – Hauptsache Kirgistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aıdarbek Hodjanazarov, Präsident der Kokpar-Föderation und Abgeordneter, erzählt, er wolle den Sport wieder populärer machen, unter anderem durch die Gründung einer neuen Kokpar-Liga im Land. Hodjanazarov äußerte sich im vergangenen Jahr kontrovers, nachdem das Finale der Nomad Games zwischen Kirgistan und Kasachstan von kirgisischer Seite kritisiert worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Vor einigen Jahren wurde unser kasachischer Spieler auf die Intensivstation gebracht, nachdem er von kirgisischen Spielern festgehalten worden war. Wir haben keine Aufregung darum gemacht. Denn dies ist Kokpar, kein Ballett. Wenn man spielen will, darf man sich nicht darüber beschweren, mit einer Peitsche geschlagen zu werden“</em>, waren seine Worte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungeachtet aller Rhetorik über Stärke, Mut und Kühnheit mahnt Bigojin, dass Sicherheit an erster Stelle stehen müsse. Daukeı, der von seinem sichereren Format überzeugt ist, denkt bereits langfristig: <em>„In fünf Jahren sollte diese Version des Sports in Kasachstan populär werden und in zehn Jahren könnte er sich auf Kirgistan ausbreiten. Doch um sie international zu etablieren, braucht man 15 Jahre“</em>, vermutet er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="546" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-1024x546.jpg" alt="" class="wp-image-43165" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-1024x546.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-300x160.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-768x410.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-1536x820.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-2048x1093.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Kokpar-Spieler nach dem Erzielen eines Tors. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er die Puppe im Taı Qazan abgedeckt hat, trabt ein Reiter in einem eng anliegenden Hemd und einer hellroten Pelzmütze zum Rand des Feldes. Er zieht sein Handy aus der Hosentasche, sein Gesicht leuchtet im Licht des Bildschirms. Am anderen Ende meldet sich eine weibliche Stimme. Es ist Zeit, das Tor mit seinen Liebsten zu feiern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Albert Otkjaer für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/english/66467-the-return-of-kokpar-as-kazakhstans-modern-national-sport.html">Englischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-rueckkehr-von-kokpar-als-kasachstans-moderner-nationalsport/">Die Rückkehr von Kokpar als Kasachstans moderner Nationalsport</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Trompe-l&#8217;oeil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jul 2025 05:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Samarkand]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Inneren eines Gemeindehauses in Samarkand findet man den traditionellen Toptschan (eine Sitzplattforme, auf dem man sitzt, um einen Tee oder eine Mahlzeit zu teilen) und die antiken Zierleisten, aber der wundersch&#xF6;ne Suzani, der an der Wand h&#xE4;ngt, ist in Wirklichkeit nur ein Wachstuch. Foto : Paulinon Vanack&#xE8;re (Frankreich)</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Inneren eines Gemeindehauses in <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a></strong> findet man den traditionellen Toptschan (eine Sitzplattforme, auf dem man sitzt, um einen Tee oder eine Mahlzeit zu teilen) und die antiken Zierleisten, aber der wunderschöne <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Suzani">Suzani</a></strong>, der an der Wand hängt, ist in Wirklichkeit nur ein Wachstuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto : Paulinon Vanackère</strong> (Frankreich)</p>



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		<title>Wie eine Moskauer Modedesignerin Streit mit Kirgistan anzettelte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 08:53:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Designerin]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[Muster]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aufruhr in den sozialen Medien: Der Anspruch einer russischen Modedesignerin auf die Patentierung traditioneller kirgisischer Kleidung erz&#xFC;rnt kirgisische Influencer:innen. Ihre Auseinandersetzung sagt viel &#xFC;ber Russlands Verh&#xE4;ltnis zu den Bewohner:innen der ehemaligen Sowjetrepubliken aus. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht das Moskauer Modelabel &#x201E;YAKA&#x201D;, das 2023 von der Modedesignerin Anna Obydenowa gegr&#xFC;ndet wurde und verschiedene Kleidungsst&#xFC;cke, Teppiche [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Aufruhr in den sozialen Medien: Der Anspruch einer russischen Modedesignerin auf die Patentierung traditioneller kirgisischer Kleidung erzürnt kirgisische Influencer:innen. Ihre Auseinandersetzung sagt viel über Russlands Verhältnis zu den Bewohner:innen der ehemaligen Sowjetrepubliken aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt der Kontroverse steht das Moskauer Modelabel „YAKA”, das 2023 von der Modedesignerin Anna Obydenowa gegründet wurde und verschiedene Kleidungsstücke, Teppiche und Accessoires mit traditionellen kirgisischen Mustern vertreibt. Der <em>„moderne Ethno-Chic&#8220;</em>, wie Obydenowa ihre Designs <a href="https://www.instagram.com/yakabrand.official/?hl=de">auf Instagram beschreibt</a>, soll <em>„den Individualismus des Trägers unterstreichen”.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/textilien-teppiche-und-geometrie-stoffproduktion-in-zentralasien/">Textilien, Teppiche und Geometrie: Stoffproduktion in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Anfang Februar sieht sich das Label jedoch einer Welle der Entrüstung ausgesetzt, nachdem Instagram-Nutzer:innen Obydenowa dafür kritisierten, traditionelle kirgisische Muster zu kopieren und diese durch die Beanspruchung eines Copyrights zu monopolisieren. Die Modedesignerin rechtfertigte dies damit, dass ihre Kleidungsstücke in Kirgistan von einheimischen Näher:innen hergestellt werden. Die kirgisische TikTok-Nutzerin @rrrrrramilya <a href="https://www.tiktok.com/@rrrrramilya/video/7471339920179645726?_r=1&amp;_t=ZN-8urkVUQbpaQ">entgegnete</a>: <em>„Wenn es also in Kirgistan hergestellt wurde, ist das in Ordnung? Nein! Wenn man in einem Land produziert, hat man nicht das Recht, dessen Kultur zu besitzen. Wenn man etwas in Kirgistan herstellt, bedeutet das nicht, dass man die Exklusivrechte an traditionellen Symbolen erhält!&#8220;</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Zudem sorgte die Aussage auf <a href="https://yaka.com.ru/">YAKAs Website</a>, das Label sei <em>„zu Ehren des 100. Jahrestags der Gründung der Kirgisischen Republik”</em> kreiert worden, für Aufregung, da dies auf die Eingliederung Kirgistans in die Sowjetunion durch die Bolschewiki anspielt, und nicht auf die eigentliche Unabhängigkeit des Landes vor 34 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-feiert-33-jahre-unabhaengigkeit-ein-fest-zwischen-traditionen-und-braeuchen/">Usbekistan feiert 33 Jahre Unabhängigkeit: Ein Fest zwischen Traditionen und Bräuchen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt auf die Vorwürfe beschwichtigend einzugehen, goss Obydenowa mit ihrer Reaktion noch mehr Öl ins Feuer. In einem inzwischen gelöschten Post auf Instagram <a href="https://timesca.com/cultural-appropriation-how-the-yaka-brand-sparked-outrage-in-kyrgyzstan/">fulminierte die Moskauerin</a>: <em>„Wisst ihr, meine Lieben, ich werde euch in der Sprache ansprechen, die ihr euch von meinem Volk ausgeliehen habt und mit der ihr mir privat Obszönitäten schreibt: Geht und lernt besser Russisch. Es tut mir in den Augen weh, euch zu lesen.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nichtsnutzige Völkerfreundschaft?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Chauvinismus der Modedesignerin gegenüber dem Volk, mit dessen Traditionen sie ihr Geld verdient, ist beileibe kein Einzelfall. Die Missachtung der russischen Bevölkerung gegenüber den Nationalitäten des „Nahen Auslands”, wie Russland seine Einflusssphäre selbst bezeichnet, hat tiefe historische Wurzeln. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wetterte der russische Forscher und Abenteurer Nikolaj Prschewalskij, der maßgeblich an der russischen und europäischen Erkundung Zentralasiens beteiligt war, gegen die lokale Bevölkerung, die er als „nichtsnutzig&#8220; und „menschlichen Abschaum” bezeichnete. Dies ging gepaart mit der Überzeugung, dass Europäer:innen die Gebiete erobern und „befreien” sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sowjetische Machtübernahme brachte in den 1920ern und 1930ern weitreichende Eingriffe in das alltägliche Leben der zentralasiatischen Menschen. Im Zuge der stalinistischen Kollektivierung wurde das wirtschaftliche, soziale, kulturelle, religiöse und linguistische Leben der Region auf den Kopf gestellt und mit althergebrachten Traditionen gebrochen. Trotz des offiziellen sowjetischen Mantras der „Völkerfreundschaft” wurden Bürger:innen zentralasiatischer Herkunft von der russischen Mehrheitsbevölkerung im Allgemeinen weiterhin als wild und ungebildet betrachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/internationale-marken-eignen-sich-zentralasiatische-ornamente-an/">Internationale Marken eignen sich zentralasiatische Ornamente an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser mal mehr, mal weniger latente Rassismus gegenüber den ethnischen Gruppen der ehemaligen Sowjetrepubliken hält bis heute an. Erst vor kurzem <a href="https://jam-news.net/when-will-tensions-between-azerbaijan-and-russia-end-view-from-baku/">bezichtigte</a> der russische Duma-Abgeordnete Nikolaj Waluew, der der regierungsnahen Partei „Einiges Russland” angehört, die aserbaidschanische Diaspora in Russland der illegalen Geldwäsche und Kriminalität, nachdem Aserbaidschan das „Russische Haus” in Baku auf Verdacht von Spionagetätigkeit geschlossen hatte. Auch der Terroranschlag auf das Konzerthaus „Crocus City Hall” im letzten Jahr, bei dem vier tadschikische Islamisten insgesamt 145 Menschen umbrachten, führte zu einer weiteren Verhärtung der Fronten, infolge derer viele zentralasiatische Gastarbeiter:innen der Schikane und Drangsalierung der russischen Behörden ausgesetzt waren. Hierzu gehörten neben konstanten Dokumentenkontrollen, ellenlangen Wartezeiten an der kasachstanischen Grenze und Razzien am Arbeitsplatz in einigen Fällen auch Folter und die Wahl zwischen einer Deportation oder einer Rekrutierung in die russische Armee.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Überheblichkeit mit Haltbarkeitsdatum</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings schießt sich Russland mit seiner Herangehensweise selbst ins Bein. Ein Versiegen des Zuflusses billiger zentralasiatischer Arbeitskräfte könnte Schlüsselindustrien wie z.&nbsp;B. den Bausektor oder die Landwirtschaft in eine handfeste Krise stürzen. Schon jetzt probieren viele Zentralasiat:innen ihr Glück <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2024/07/russia-central-asia-migrants?lang=en">lieber in der Türkei, in Südkorea oder in den Golfstaaten</a>, statt nach Russland zu gehen. Zudem wirkte der stetige Zustrom an Arbeitskräften aus dem Ausland zunehmend als demografisches Ausgleichsventil für die seit Jahren sinkende Geburtenrate, deren Auswirkungen angesichts des Aderlasses in der Ukraine nur noch verstärkt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der berechtigten Entrüstung zentralasiatischer Staatsoberhäupter über das harte Durchgreifen Moskaus fehlt ihnen das politische und wirtschaftliche Kapital, um dem Kreml Paroli zu bieten. Die Länder der Region sind auf wirtschaftlicher Ebene stark von den Überweisungen der in Russland tätigen Arbeitnehmer:innen abhängig, weswegen sie sich davor scheuen, die rohen Umgangsformen der russischen Mehrheitsbevölkerung mit ihren Landsleuten offen anzuprangern. Zudem ist die Zusammenarbeit mit Drittländern in puncto Arbeitsmigration noch zu wenig institutionalisiert, als dass diese den potentiellen Wegfall der Überweisungen aus Russland wettmachen könnte. Daher ist vorerst kein Ende der asymmetrischen Beziehung zwischen Russland und Zentralasien in Sicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</a></strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ist lediglich, wie lange sich Russland diese Überheblichkeit noch leisten kann. Neben dem harten Durchgreifen des Kremls infolge des Anschlags auf die Crocus City Hall hat auch dessen Krieg in der Ukraine zu einem erheblichen Vertrauensverlust geführt, der das Image Russlands im postsowjetischen Raum weiter untergräbt. Zudem haben gerade die Länder Zentralasiens in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit mit Drittstaaten, wie etwa der Türkei und China, massiv ausgebaut, wodurch Russland Gefahr läuft, aus seiner eigenen Einflusssphäre verdrängt zu werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kulturministerium mischt sich ein</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Falle Anna Obydenowas ist sogar das Kulturministerium Kirgistans auf den Plan getreten. In einer offiziellen Mitteilung <a href="https://24.kg/english/320626__Scandal_with_YAKA_brand_Comment_of_Culture_Ministry_of_Kyrgyzstan/">zeigte es sich besorgt</a> über <em>„eine alarmierende Tendenz im Zusammenhang mit der kommerziellen Nutzung nationaler Muster und Symbole, die ein wesentlicher Bestandteil des historischen und kulturellen Erbes der Kirgisischen Republik sind” </em>und forderte <em>eine „Verwendung nationaler Muster zu kommerziellen Zwecken [&#8230;] im Einklang mit ethischen Grundsätzen, nationalen Rechtsvorschriften und internationalen Standards”.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vier-zentralasiatische-kulturpraktiken-neuerdings-immaterielles-kulturerbe-der-unesco/">Vier zentralasiatische Kulturpraktiken ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch reichte der Druck von außen lediglich dafür, die Designerin zu einer Überarbeitung der Autorenrechte auf ihrer Webseite anzutreiben. Hier steht nun, dass YAKA <em>„[&#8230;] die traditionellen Elemente des kulturellen Erbes der Kirgisen und anderer Völker [respektiert] und [&#8230;] keinen Anspruch auf diese [erhebt]”. </em>Vom Verkauf von Kleidungsstücken mit kirgisischen Mustern im Allgemeinen will sie allerdings nicht absehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Benedikt Stöckl für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Der junge Darboz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Mar 2025 05:37:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Nowruz]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend der Nowruz-Feierlichkeiten in den wichtigsten Parks von Taschkent k&#xF6;nnen Sie Seilt&#xE4;nzer oder Darboz beobachten. Ihre F&#xE4;higkeiten werden von Generation zu Generation weitergegeben, wobei die Ausbildung schon im fr&#xFC;hen Alter beginnt. Historisch gesehen waren die usbekischen Seilt&#xE4;nzer nicht nur K&#xFC;nstler, sondern auch ein Symbol f&#xFC;r die menschliche Anstrengung, Hindernisse zu &#xFC;berwinden und neue H&#xF6;hen zu [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Während der <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Novruz_in_Uzbekistan">Nowruz</a></strong>-Feierlichkeiten in den wichtigsten Parks von Taschkent können Sie Seiltänzer oder Darboz beobachten. Ihre Fähigkeiten werden von Generation zu Generation weitergegeben, wobei die Ausbildung schon im frühen Alter beginnt. Historisch gesehen waren die usbekischen Seiltänzer nicht nur Künstler, sondern auch ein Symbol für die menschliche Anstrengung, Hindernisse zu überwinden und neue Höhen zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Crédit: Daria Novikova</strong> (Ouzbékistan, <strong><a href="http://instagram.com/dasha.novasha">@dasha.novasha</a></strong>)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p></p>
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		<title>Qualitätserfordernisse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Dec 2024 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Karakol]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
		<category><![CDATA[Viehmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Winter]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Viehmarkt in Karakol, Kirgistan beginnt auch im Winter fr&#252;h am Morgen. Der Kauf von Vieh und Lasttieren muss gut &#252;berlegt sein &#8211; hier helfen Kentniss &#38; Pr&#252;fung vor dem Handel. Foto : Davide Pilloni (@flip_aka_pillo)</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Viehmarkt in <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Karakol</a></strong>, Kirgistan beginnt auch im Winter früh am Morgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kauf von Vieh und Lasttieren muss gut überlegt sein &#8211; hier helfen Kentniss &amp; Prüfung vor dem Handel.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto :</strong> <strong>Davide Pilloni </strong>(@flip_aka_pillo)</p>


<p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p>
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		<title>Kleidung unter Kontrolle: tadschikische Frauen zwischen Tradition und Unterdrückung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2024 09:15:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Islamisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kopfbedeckung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationaltracht]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[religiöse Kleidung]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan ist es verboten, &#x201E;der tadschikischen Kultur fremde&#x201C; Kleidung zu tragen. Nach Angaben der Beh&#xF6;rden geh&#xF6;rt zu dieser Kategorie vor allem islamische Kleidung. Diese soll von nun an als Vorzeichen religi&#xF6;ser Radikalisierung gelten. Im Juni versch&#xE4;rfte Tadschikistan seine Kontrolle &#xFC;ber die weibliche Kleiderordnung und begr&#xFC;ndete dies mit der Bewahrung von Traditionen und der Verhinderung [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>In Tadschikistan ist es verboten, „der tadschikischen Kultur fremde“ Kleidung zu tragen. Nach Angaben der Behörden gehört zu dieser Kategorie vor allem islamische Kleidung. Diese soll von nun an als Vorzeichen religiöser Radikalisierung gelten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni verschärfte Tadschikistan seine Kontrolle über die weibliche Kleiderordnung und begründete dies mit der Bewahrung von Traditionen und der Verhinderung religiöser Radikalisierung, berichtet <a href="https://rus.azattyq.org/a/in-tajikistan-clerics-and-government-officials-are-deciding-what-women-should-wear/33062554.html">Radio Azattyq</a>, der kasachische Zweig des US-amerikanischen Medienunternehmens Radio Free Europe. Unter dem Deckmantel eines uneindeutigen <a href="https://perma.cc/8LLS-E8S2">Gesetzes</a> über Kleidung, die <em>„gegen die nationale Kultur“ verstößt</em>, schränken die tadschikischen Behörden das Tragen islamischer Kleidung ein. Diese sei unvereinbar mit den kulturellen und traditionellen Merkmalen des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/tadschikistan-verbietet-traditionelle-kleidung-und-einige-religioese-braeuche/">Tadschikistan verbietet fremde Kleidung und einige religiöse Bräuche</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während diese Maßnahmen in der Bevölkerung, insbesondere unter muslimischen Frauen, auf Unverständnis und Widerstand stoßen, werfen sie auch tiefgreifende Fragen zur individuellen Freiheit und zur Rolle des Staates bei der Regulierung kultureller und religiöser Praktiken auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine staatliche Verordnung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen Juni unterzeichnete der Präsident Tadschikistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomalij Rahmon</a>, ein Gesetz <em>„über die Regulierung von Festen und Ritualen“</em>. Dieses verbietet unter anderem die <em>„Einfuhr, den Verkauf und das Tragen von der nationalen Kultur fremden Kleidungsstücken an öffentlichen Orten“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-kirgistan-droht-auseinanderzubrechen/">Islam: „Kirgistan droht auseinanderzubrechen“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der nationalen Kultur fremd<em>“</em> definiert das Gesetz nicht weiter. Allerdings dürfte es sich dabei vorrangig um sogenannte islamische Kleidung handeln. Solchen hatten die tadschikischen Behörden den Kampf angesagt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen August behauptete <strong>Sulajmon Dawlazoda</strong>, Vorsitzender der Kommission für religiöse Angelegenheiten in Tadschikistan, auf einer Pressekonferenz, dass es keine landesweiten Beschränkungen für das Tragen von Bärten oder Hidschabs gebe, wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/coblyudaetsya-li-v-tadzhikistane-pravo-grazhdan-na-svobodu-veroispovedaniya-/33181615.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Zweig von Radio Free Europe, berichtet. Seiner Meinung nach habe jede Organisation eigene interne Regeln, deren Verantwortung sich die Regierung entzieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/">Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a> (<em>Anm. d. Red.:</em> <em>Rechtsauskunft im Islam)</em> vom 26. Juli heißt es, dass die Farbe Schwarz sowie <em>„enge und durchsichtige“</em> Kleidung nicht mit den<em> „nationalen und geografischen Merkmalen</em> <em>“</em> vereinbar seien, so <a href="https://www.rferl.org/a/tajikistan-islamic-dress-beards-hijab/33061844.html">Radio Free Europe</a>. Im Gegenzug empfiehlt die Fatwa das Tragen der nationalen Tracht, d. h. eines Kleides, einer Hose und eines Kopftuchs. Diese Kleidung entspräche der islamischen Praxis, da sie den gesamten weiblichen Körper mit Ausnahme des Gesichts, der Beine und der Arme bedeckt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nicht die erste Form von Repression</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon seit einigen Jahren führt die Polizei Razzien gegen Frauen, die religiöse Kleidung tragen und gegen Männer mit Bart. Letztere zwingen sie, ihren Bart abzurasieren, berichtet <a href="https://www.currenttime.tv/amp/tadzhikistan-odezhda-zakon/33003388.html">Current Time</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/fuenf-jahre-des-verbots-der-islamischen-opposition-in-tadschikistan/">Fünf Jahre des Verbots der islamischen Opposition in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai dieses Jahres kursierten allerdings Videos in den sozialen Netzwerken, die Frauen mit Hijabs <a href="https://rus.ozodi.org/a/32960511.html">zeigten</a>, denen der Zugang zu medizinischen Zentren in Duschanbe verwehrt wurde. Zudem drohten ihnen die Behörden mit Geldstrafen für das Tragen<em> „inakzeptabler</em>“ Kopfbedeckungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-terroranschlag-bei-moskau-stellt-tadschikistan-vor-schwierige-entscheidungen/">Der Terroranschlag bei Moskau stellt Tadschikistan vor schwierige Entscheidungen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei zwang die betroffenen Frauen, anstelle des Hijabs, der als unerwünschter Import aus arabischen Ländern angesehen wird, ein Kopftuch nach tadschikischer Art zu tragen, d. h. ein im Nacken gebundenes Kopftuch.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unzufriedenheit macht sich breit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der tadschikischen Öffentlichkeit sorgen die Beschränkungen für Unzufriedenheit, allen voran das Hijab-Verbot. Die Tadschiken haben kein Verständnis für die Härte der Maßnahmen und doch sind sie nicht überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gewöhnlich ein solches Vorgehen des Staates ist, veranschaulicht das Beispiel von Munisa, Krankenschwester in einem staatlichen Krankenhaus im Norden des Landes. Sie erinnert an ein nicht unähnliches Gesetz aus dem Jahr 2017: Damals verbot die Regierung das Tragen schwarzer Kleidung. Da Schwarz im Islam die Rolle als Farbe der Trauer innehat, sollte die Farbe Blau diese nun ersetzen. Als Begründung hielt das Argument der besseren Vereinbarkeit mit der nationalen Kultur her.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/moscheenbau-in-kirgistan-das-ist-keine-frommigkeit-sondern-korruption/">Moscheenbau in Kirgistan: „Das ist keine Frömmigkeit, sondern Korruption!“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund der Kleidungsvorschriften tritt ein bedeutender Konflikt hervor: der zwischen der religiösen Praxis der Bevölkerung und den neuen nationalen Traditionen, denen die Machthaber einen neuen Anstrich geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/jetzt-darf-ich-das-kopftuch-wie-eine-traditionelle-tadschikin-tragen-drei-geschichten-von-frauen-in-tadschikistan/">„Jetzt darf ich das Kopftuch wie eine traditionelle Tadschikin tragen&nbsp;–&nbsp;Drei Geschichten von Frauen in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhand der Kleidungsreform scheint der tadschikische Staat Frauen auf ihre symbolische Rolle der nationalen Kultur zu reduzieren und ihre religiösen Überzeugungen gleichzeitig in den Hintergrund zu drängen. Diese Form der Unterdrückung wirft die Frage auf, welchen Stellenwert die individuellen Freiheiten in Gesellschaften wie der tadschikischen haben, die sich den Herausforderungen der Moderne, der Erneuerung des Islam und der kulturellen Vielfalt stellen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Estelle Charlet, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Ein Leben als Kelinka – Bericht über einen kasachischen Brauch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Jun 2024 12:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Brauch]]></category>
		<category><![CDATA[Druck]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Pflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Schwiegertochter]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kelin oder umgangssprachlich Kelinka nennt man in Teilen Zentralasiens die verheiratete Schwiegertochter, die nach der Hochzeit in die Familie des Br&#xE4;utigams &#x201E;&#xFC;bergeht&#x201C;. Dort schmei&#xDF;t sie den Haushalt, kocht, putzt und sorgt sich um die Launen der ganzen Familie. Oft geschieht dies ohne ihre Zustimmung und ohne die M&#xF6;glichkeit, ihre Situation selbst zu beeinflussen. Kelin oder [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Kelin oder umgangssprachlich Kelinka nennt man in Teilen Zentralasiens die verheiratete Schwiegertochter, die nach der Hochzeit in die Familie des Bräutigams „übergeht“. Dort schmeißt sie den Haushalt, kocht, putzt und sorgt sich um die Launen der ganzen Familie. Oft geschieht dies ohne ihre Zustimmung und ohne die Möglichkeit, ihre Situation selbst zu beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kelin oder umgangssprachlich Kelinka nennt man in Teilen Zentralasiens die verheiratete Schwiegertochter, die nach der Hochzeit in die Familie des Bräutigams „übergeht“. Dort schmeißt sie den Haushalt, kocht, putzt und sorgt sich um die Launen der ganzen Familie. Oft geschieht dies ohne ihre Zustimmung und ohne die Möglichkeit, ihre Situation selbst zu beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tradition existiert seit Jahrhunderten und ist besonders im Süden Kasachstans verbreitet. Unter dem Vorwand, familiären Zusammenhalt zu schaffen, macht der Brauch die Kelins allen voran zu kostenlosen Arbeitskräften. Heute führt dieses Thema zu heftigen Kontroversen zwischen den konservativen und den progressiven Teilen der Gesellschaft. Befürworter wollen Tradition und kulturelles Erbe wahren. Die Gegner argumentieren hingegen, dass ein solcher Brauch ein Relikt der Vergangenheit ist, das vom Patriarchat instrumentalisiert wird, um die Schwiegertöchter auszubeuten. Wir sprachen mit Aida* über die Beziehung zu ihrem Mann, dem Balanceakt zwischen Studium und familiären Pflichten und den Schwierigkeiten, auf die sie in ihren 15 Jahren als Kelinka gestoßen ist. (Die Meinung der Redaktion spiegelt nicht unbedingt ihre Meinung wider.)</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte der Heldin</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aida wurde 1994 im Alter von 22 Jahren verheiratet. Sie lernte ihren Verlobten in der usbekischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">S</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">i</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">rdar</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">yo</a>, nahe der kasachischen Grenze, kennen. Sie trafen sich nur ein paar Mal, doch er bekundete schnell großes Interesse an ihr. Nach ein paar Treffen hielt er bei Aidas Großvater um ihre Hand an und bekam grünes Licht. Einen Monat später fand die Hochzeit statt &#8211; gegen Aidas Willen. Doch an ihrem Schicksal gab es nichts zu rütteln, immerhin hatte sie ihrem Großvater ihr Wort gegeben. Wäre sie geflohen, hätte sie Schande über ihre Familie gebracht. Also fügte sie sich. Ihr Großvater verlangte, dass Aida trotz ihrer Pflichten als Kelin weiter studieren und als Ärztin arbeiten sollte. So begann ihr Leben als Kelin in der Familie ihres Mannes. Die beiden bekamen zwei Kinder, trotz der Doppelbelastung behielt sie ihren Job. Nach 15 Jahren Ehe verließen sie schließlich das Elternhaus und zogen ins südkasachische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">Tara</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">s</a>. Später zogen sie nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, wo die Kinder langsam erwachsen wurden und es auch beruflich für Aida bergauf ging. Ein paar Jahre später ließ sie sich von ihrem Mann scheiden. Nun ist sie Mitte 50 und arbeitet als Augenärztin in Almaty. Im Folgenden geben wir ihren Bericht über ihr Leben als Kelin wieder.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Andere Familien, andere Sitten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lebte 15 Jahre lang mit meinem Mann zusammen: Acht Jahre lang wohnten wir mit seinen Eltern in einem Haus, dann weitere sieben Jahre im Nachbarhaus. Doch das machte keinen Unterschied: Wann immer etwas zu tun war, wurde ich gerufen. Ich war vor allen andern auf den Beinen, um den Hof zu fegen, die Pflanzen zu gießen und das Frühstück auf den Tisch zu bringen. Erst danach widmete ich mich meinem Job und dem Studium. Im ersten Jahr meiner Ehe befand ich mich im sechsten Jahr des Medizinstudiums. Danach begann das Referendariat. Meine Schwiegermutter kümmerte sich um das Abendessen, weil ich dafür keine Zeit hatte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang war es schwierig, weil ich mit einer anderen Mentalität aufgewachsen war: Die Schwiegermutter meiner Mutter war Tatarin, weshalb kasachische Bräuche Neuland für mich waren. In der Familie meines Mannes ließen die neuen Gesetze und Regeln nicht auf mich warten. Zuerst bekam ich ein Kopftuch, das ich beinah pausenlos tragen musste. Ich sollte es auch bei der Arbeit tragen, aber da stellte ich mich quer. Dann kam der ungewohnte Umgang mit Gästen: Ich musste den Tisch decken und mich vor allen verbeugen, genauso wie ich das jeden Morgen auch vor meinen Schwiegereltern tat. Das war Pflicht, solange sie selbst nicht freiwillig auf den Brauch verzichteten. Meine Schwiegermutter tat das irgendwann. Mir kam das gelegen, weil ich ein bisschen schüchtern bin und nur wenig Kasachisch sprach. Zwar war die Sprachbarriere keine große Einschränkung, aber ich brauchte ein wenig Zeit. Ich hatte Glück, dass ich mich mit der Mutter meines Mannes und der Frau meines Bruders gut verstand. Sonst wäre es noch viel schwieriger gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/">„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste stressige Moment war die Geburtstagsfeier eines Verwandten. Dort sollte ich mich vor bestimmten Personen verbeugen. , Ich wurde neben die älteste Kelin &#8211; die Frau meines Bruders – gesetzt, die mit mir die Gäste begrüßte und mich unterstützte. Der Tisch wurde natürlich im Voraus gedeckt. Während des Essens sorgte ich dafür, dass die Teegläser der Gäste nie leer waren. Neu war für mich auch die Art, die leeren Teller unseres Nationalgerichts <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Beschbarmak">Beschbarmak</a> abzuräumen: Ich musste das Geschirr rückwärts in die Küche balancieren, wobei ich die Gäste ansah, mich nicht umdrehen durfte und schließlich mit dem Rücken zur Tür stand. Diesen Teil der Arbeit fand ich gar nicht übel, das hatte etwas Elegantes. Ich wollte es besonders schön machen, ohne dabei zu stolpern. Dadurch entstand eine Art inoffizieller Wettbewerb mit den restlichen Kelins des Hauses.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Psychischer Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im ersten halben Jahr stand ich unter Schock. Es war eine Frage der Gewöhnung, aber auch der Einstellung. Wenn man sich selbst in die Pfanne haut, indem man sagt: „Warum sollte ich mich als Akademikern und Ärztin verbeugen?!“, hält man nicht lange durch. Aber es geht um Kleinigkeiten wie Salem Beru (so wird die Begrüßung der Schwiegereltern mit einer Verbeugung genannt). Auch hier habe ich mich wohlgefühlt, denn es ist weniger Interaktion mit Menschen gefordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel problematischer ist der Mangel an Freizeit und die viele Hausarbeit drumherum. Wenn Verwandte zu Besuch sind, die im gleichen Alter sind und ihre Kinder mitbringen, muss man ganz schön auf Zack sein. Aber man gewöhnt sich schnell daran, bei allen Aufgaben einen Zahn zuzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den anderen ist es egal, wie müde wir sind, Hauptsache, die Aufgaben werden erledigt. Verwandte behandeln uns oft, als seien sie unsere Kunden. Wir sollen Mutter und Arbeiterin in einer Person vereinen, kochen, den Haushalt schmeißen und die Kleidung der Familie sowie der Gäste waschen. Dies ist besonders im Süden verbreitet, fast wie in „<a href="https://www.imdb.com/title/tt5516214/">Kelinka Sabina“</a> (eine kasachische Komödie). Hin und wieder versuchte mein Mann, mir den Rücken zu decken, aber zumeist ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-feste-tradition-oder-zwang/">Kirgisische Feste – Tradition oder Zwang?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir nach acht Jahren dieses Lebens mit meinem Mann und den Kindern in das Haus nebenan zogen, änderte das unseren Alltag kaum. Sieben Jahre später zogen wir ins einige 100 Kilometer entfernte Taras. Weit weg vom Rest der Familie lebten wir dort endlich nach unseren eigenen Regeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatten meine Verwandten jedoch Gäste zu Besuch, musste ich trotzdem zurück nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">Sirdaryo</a>undsie bedienen, so als würde ich noch bei ihnen leben. Nicht selten luden sie die Gäste während meiner Arbeitszeiten zu sich ein, wodurch sie mich regelmäßig zwangen, mir frei zu nehmen. Jedes Mal musste ich mich rechtfertigen. Zum Glück sind die Chefs im Süden an Kelinkas gewöhnt und zeigen für die Verschiebung meiner Arbeitszeiten Verständnis.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tradition im Wandel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Jugend denkt anders, worüber ich sehr froh bin. Viele Traditionen sind mittlerweile irrelevant, obwohl es auch positive Aspekte gibt. Einerseits ist es ungerecht, dass man kocht, putzt und all diese Aufgaben niemals delegiert werden, andererseits wahren wir Respekt gegenüber den Älteren und lernen so, als Familie zusammenzuhalten und die persönlichen Grenzen aller, auch die der Frau, einzuhalten. Leider sehen das viele anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beziehungen innerhalb der Familie verändern sich, und niemand ist darauf bedacht, sie zu erhalten. Dabei ist eine Familie harte Arbeit. Das Zusammenleben mit den Eltern ermöglicht es jungen Menschen, sich aneinander zu gewöhnen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Meine Großmutter war hilfsbereit gegenüber ihren Schwiegertöchtern und die Kinder dankten ihr dafür. Auch meine Mutter lebte elf Jahre lang bei ihrer Schwiegermutter und wollte kaum ihr Haus verlassen. Als sie arbeiten ging, wurden wir Kinder von meinen Großeltern beaufsichtigt. Irgendjemand hatte immer ein Auge auf uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man jung ist, ist die Hilfe der Älteren eine wahnsinnige Stütze, auch in finanzieller Hinsicht. Natürlich wollte ich getrennt leben, weil ich eigene Kinder hatte, aber nach einer Weile hielt ich es für sinnvoller. Ein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter ist Gold wert. Sie gibt Ratschläge und hilft im Haushalt ebenso wie in der Beziehung zum Mann, immerhin kennt sie ihren Sohn am besten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Ehe muss man auch Beziehungen zum Rest der Familie seines Mannes aufbauen, da man in Kasachstan nicht nur mit seinem Ehemann kommunizieren kann. Das Zusammenleben hilft dabei: Der Mensch ist ein kollektives Wesen. Der enge Kontakt zu den Verwandten hilft auch mental, ein bisschen wie in einem italienischen Clan. Man fühlt sich beschützt und geborgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir werden heute immer individueller. So sehr, dass uns beinah das Bedürfnis nach Gemeinschaft abhanden kommt. Viele Menschen arbeiten online und haben keinen Kontakt mehr zu Kollegen und Freunden. Bei all der Informationsflut, die wir heute haben, ist es schwer, allein zu sein. Da kann eine große Familie schon abhelfen. Sie ist immer da, ob du Kummer hast oder vor Freude strahlst. In diesem Sinne hat unsere Tradition auch kulturelle Bedeutung. Als Heranwachsender lernt man in einer großen Familie, was es heißt, in einer Gemeinschaft zu leben, sich zu unterstützen und zusammenzuhalten. Das brauchen wir heute mehr denn je.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jangir Djangildin für The Village Kasachstan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/experience/35685-ya-byla-kelinkoy-15-let">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



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			</item>
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		<title>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 May 2024 19:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ashkat Kuchinchirekov]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201C;Bauryna Salu&#x201C; erz&#xE4;hlt die Geschichte von Yersultan, der gem&#xE4;&#xDF; einer alten Stammestradition bei seiner Gro&#xDF;mutter aufw&#xE4;chst. Das Coming-of-Age-Drama feierte am 25. April auf dem 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden Deutschlandpremiere. Mit seinem schmerzhaft-ber&#xFC;hrenden Coming-of-Age-Drama &#x201E;Bauryna Salu&#x201C; ist dem kasachstanischen Regisseur Ashkat Kuchinchirekov ein beeindruckendes Langfilmdeb&#xFC;t gelungen. Der Film erz&#xE4;hlt die Geschichte des 12-j&#xE4;hrigen Yersultan, der bei [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>“Bauryna Salu“ erzählt die Geschichte von Yersultan, der gemäß einer alten Stammestradition bei seiner Großmutter aufwächst. Das Coming-of-Age-Drama feierte am 25. April auf dem 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden Deutschlandpremiere.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seinem schmerzhaft-berührenden Coming-of-Age-Drama „Bauryna Salu“ ist dem kasachstanischen Regisseur Ashkat Kuchinchirekov ein beeindruckendes Langfilmdebüt gelungen. Der Film erzählt die Geschichte des 12-jährigen Yersultan, der bei seiner Großmutter aufwächst und nach deren Tod in seine Familie zurückehrt, zu der er aber keine Bindung hat. Der Film, der im Rahmen des <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/24-goeast-filmfestival-startet-am-24-april/">24. goEast-Filmfestivals</a> seine Deutschlandpremiere feierte, konnte dort gleich einen großen Erfolg verzeichnen. Die Wahl des goEast-Medienpartners 3sat, der jedes Jahr einen Spielfilm des Wettbewerbs für den Ankauf auswählt, fiel 2024 auf „Bauryna Salu“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Titel des Films bezeichnet eine alte nomadische Stammestradition, der gemäß der älteste Sohn nach seiner Geburt Verwandten übergeben wird, damit diese ihn erziehen. Ashkat Kuchinchirekov übt mit seinem Film vehemente Sozialkritik an eben jener Tradition, indem er am Beispiel Yersultans bewegend erzählt, was diese bei den betroffenen Kindern auslöst. Der Regisseur, der gemäß dieser Tradition selbst bei seinen Großeltern auswuchs, verarbeitet dabei auch eigene Kindheitserfahrungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein warmer Sommer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon mit der ersten Einstellung lässt der Film die Zuschauenden an der Härte von Yersultans Leben teilhaben. In einer Salzmine leistet der 12-jährige harte körperliche Arbeit, um etwas Geld zurückzulegen. Mit seiner Großmutter lebt der Junge in einem bescheidenen Lehmhaus in einem Dorf. Auch abseits der Mine ist sein Leben von Arbeiten auf dem Feld oder am Haus der Großmutter geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Großmutter liebt Yersultan innig, dennoch denkt er insbesondere nachts an seine Eltern, die er nur von einer Fotografie kennt. Mit eben jenem Foto steht er abends vor dem Spiegel und betrachtet, inwieweit sich seine Gesichtszüge mit denen der Abgebildeten ähneln.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotz der familiären Umstände und den Bedingungen seines Alltags wirkt Yersultans Leben glücklich und beim sommerlichen Baden oder dem Raufen mit seinem Freund Damir scheint er eine unbeschwerte Kindheit zu durchleben. Kuchinchirekov gelingt es dabei, mit stillen und langsamen Einstellungen diese Momente einzufangen und das kasachstanische Dorfleben in warmen und erdigen Farben zu porträtieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yersultans Leben nimmt jedoch eine schmerzhafte Wendung als die Großmutter stirbt. Der Junge, der damit die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben verliert, kämpft mit der Trauer und muss gleichzeitig einen Schritt zum Erwachsenwerden machen. Als einziger Verwandter der Toten kommen ihm bei der Beisetzung wichtige Aufgaben zu. Beispielsweise inspiziert er das ausgehobene Grab der Großmutter von innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… und ein kalter Winter</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film macht einen Sprung in den Winter. Yersultan ist zu seiner Familie „zurückgekehrt“. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Yerkyn muss er seinem Vater bei den ebenfalls harten Arbeiten auf dem Hof unterstützen. Zu seiner Familie hat Yersultan keine Bindung, dennoch versucht er eine Beziehung zu seinen Eltern, insbesondere zu seinem Vater, aufzubauen. Dieser bevorzugt aber Yerkyn und sieht an seinem Ältesten vor allem das Unvermögen die anfallende Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen. Tätigkeiten, die Yersultan aber fernab des elterlichen Hofs nie erlernt hat. Eine besonders symbolträchtige Rolle spielt dabei das in Kasachstan wichtige Reiten, das Yersultan so gerne erlernen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Schule findet Yersultan keinen Anschluss. Alltäglich erfährt er die Gewalt seiner Mitschüler, die den verschlossenen Neuankömmling drangsalieren. Die Klassenkameraden und ihre gezielten Schläge setzen damit einen Gegenpol zu Damir und dem freundschaftlichen Raufen, an dem sich Yersultan so gern beteiligt hatte. Immer öfter schwänzt er daher die Schule, was zu neuen Konflikten mit seinem Vater führt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dieser versucht mit der Zeit, das Verhältnis zu seinem Sohn zu verbessern, indem er ihm ein Pferd kauft, damit er reiten lernen kann. Er scheitert jedoch mit diesem Versuch auf ganzer Linier, da er die Angst des Jungen angesichts des wild galoppierenden, halbgezähmten Tieres ignoriert. <em>„Ich werde runterfallen“</em>, sagt Yersultan, worauf der Vater lachend entgegnet, dass das alle beim ersten Mal tun. Da Yersultan sich weigert, das Pferd zu besteigen, muss er als Strafe zu Fuß nach Hause gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der ewige Streit in der Schule endet damit, dass Yersultan nach einer weiteren Attacke seines Mitschülers diesen mit einem Stein an den Kopf schlägt und ihn damit fast tötet. Als sein Vater davon erfährt schlägt er den Sohn, da er die Ehre der Familie verletzt habe. Yersultan fordert den Vater auf, ihn fester zu schlagen, da er ihn nicht liebe und weggegeben habe. Er wirft seinem Vater vor, dass er das Geld aus der Salzmine gespart habe, um zu seinen Eltern fahren zu können, während sie ihn nicht ein einziges Mal besucht hätten. Der Vater, der sich nach einer Zigarette an der frischen Luft der eigenen Verfehlungen bewusst wird, versucht seinem Sohn die versagte Liebe zu geben und ihn zu umarmen. Doch Yersultan wehrt sich. Das Verhältnis von Vater und Sohn scheint unumkehrbar zerstört.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein eindrückliches Porträt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Bauryna Salu“ hat Ashkat Kuchinchirekov einen einfühlsamen Film geschaffen, der den Zuschauenden die tiefsten Gefühle des Hauptcharakters offenlegt und seine persönlichen Konflikte spüren lässt. Den tiefen Schnitt, den der Tod der Großmutter und die Rückkehr zu den Eltern, in Yersultans Leben hinterlässt, untermalt der Regisseur, indem er in langen, dokumentarisch anmutenden Bildern beide Phasen im Leben des Protagonisten gleichberechtigt gegenüberstellt. Dabei heben die Farbstimmungen das Fiktionale hervor und setzen die erdigen, warmen Töne des Sommers in bewussten Kontrast zum Eisblau des Winters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist „Bauryna Salu“ ein eindrückliches Porträt des kasachstansichen Landlebens, dessen Lebensweisen und Traditionen Kuchinchirekov mit Respekt darstellt und gleichzeitig die karge Schönheit der Landschaft und Menschen einfängt. Gerade hieran zeigt sich aber auch, dass der Film in erster Linie an ein westliches Publikum gerichtet ist. Denn obwohl „Bauryna Salu“ mit seiner Kritik an der Stammestradition eine klare Botschaft an kasachstanische Zuschauende hat, kann der Film mit seinen langsamen Bildern des im Land hinlänglich bekannten Dorflebens hier nicht verfangen. Ähnlich wie auch die <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/">Filme Ädilhan Erjanovs</a> kann „Bauryna Salu“ also beim europäischen Festivalpublikum punkten, ohne dabei im eigenen Land nennenswerte Spuren zu hinterlassen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dass Kuchinchirekov aber mit seiner Entscheidung, der eigenen Linie treu zu bleiben, genau richtig lag, zeigt sich in der Auszeichnung, die „Bauryna Salu“ während des 24. goEast-Filmfestivals erhielt. Der goEast-Medienparter und Fernsehsender 3sat wählte den Film für den Ankauf aus. <em>„Das stille und kraftvolle Langfilmdebüt „Bauryna Salu“ von Ashkat Kuchinchirekov bietet in seiner schmerzhaft-berührenden Auseinandersetzung mit der gleichnamigen Stammestradition in Kasachstan authentische Einblicke in eine fremde Welt und ihre Lebens- und Arbeitspraktiken“</em>, heißt es <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/16741/">in der Begründung</a>. Wer also „Bauryna Salu“ dieses Jahr in Wiesbaden verpasst hat, wird spätestens im April 2025 die Gelegenheit haben, diesen sehenswerten Film vor dem heimischen Endgerät zu schauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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