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	<title>Suizid Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 02 Jun 2025 20:46:04 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Suizid Archives</title>
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	<item>
		<title>Und plötzlich geht das Licht aus – Suizide unter Jugendlichen und Kindern in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 20:44:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan hat eine der h&#xF6;chsten Selbstmordraten unter Minderj&#xE4;hrigen und jungen Erwachsenen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel ver&#xE4;ndert hat, spielen Stigmata und Vorurteile weiterhin eine gro&#xDF;e Rolle. Ein Gespr&#xE4;ch mit Rinat Musafarov, Abteilungsleiter im Zentrum f&#xFC;r Forschung und Praxis der psychischen Gesundheit in Almaty. Anfang April st&#xFC;rzt sich ein&#xA0;16-J&#xE4;hriger&#xA0;von einem Hochhaus in Almaty. [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan hat eine der höchsten Selbstmordraten unter Minderjährigen und jungen Erwachsenen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat, spielen Stigmata und Vorurteile weiterhin eine große Rolle. Ein Gespräch mit Rinat Musafarov, Abteilungsleiter im Zentrum für Forschung und Praxis der psychischen Gesundheit in Almaty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang April stürzt sich ein&nbsp;<a href="https://ulysmedia.kz/news/49599-podrostok-razbilas-vypav-s-16-go-etazha-v-almaty/">16-Jähriger</a>&nbsp;von einem Hochhaus in Almaty. Einen Tag später erhängt sich ein&nbsp;<a href="https://orda.kz/telo-podrostka-nashli-v-sarae-chastnogo-doma-v-severo-kazahstanskoj-oblasti-400319/">14-Jähriger</a>&nbsp;in Nordkasachstan. Diese beiden Fälle sind lediglich diejenigen, die in den vergangenen Monaten öffentlich gemacht wurden. Die Dunkelziffer, auch was misslungene Selbstmordversuche betrifft, ist hoch; ein Problembewusstsein scheint bislang nicht in allen Regionen Kasachstans angekommen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch sind es keine Einzelfälle: Weltweit gilt Selbstmord als&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/kazakhstan/media/7216/file/%D0%A0%D0%95%D0%97%D0%AE%D0%9C%D0%95:%20%D0%9F%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B6%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5%20%D0%B4%D0%B5%D1%82%D0%B5%D0%B9%20%D0%B2%20%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%B5,%202021%20%D0%B3%D0%BE%D0%B4.pdf">dritt- bis vierthäufigste Todesursache</a>&nbsp;unter Jugendlichen und Kindern; jährlich nehmen sich 45.800 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren das Leben. Das entspricht einem Todesfall alle 11 Minuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan zeichnet sich ein&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/kazakhstan/sites/unicef.org.kazakhstan/files/2018-07/00000850_en.pdf">besonders düsteres Bild im internationalen Vergleich</a>, mit einer der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen und Kindern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Hier gilt die Altersgruppe zwischen 15 und 17 Jahren als besonders gefährdet. Etwa&nbsp;<a href="https://cisc.kz/ru/5-faktov-o-molodezhnom-suiczide-v-kazahstane-18413.html">60 Prozent aller Suizide</a>&nbsp;gehen auf diese Gruppe zurück. Ein erhöhtes Risiko besteht ebenfalls bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 29 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten werden Selbstmorde in Ostkasachstan, den Regionen Qostanai und Aqmola, begangen. Minderjährige in ländlichen Gebieten haben ein besonders hohes Gefahrenrisiko.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Psychische Probleme lassen sich jedoch nicht immer mit Suiziden gleichsetzen“, sagt Rinat Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">Untersuchungen in Kasachstan</a>&nbsp;ergaben eine Korrelation zwischen impulsivem, riskantem oder aggressivem Verhalten, Drogenmissbrauch, mentalen Vorerkrankungen in der Familie, zwischenmenschlichen Konflikten, geringer Belastbarkeit oder Kindheitstraumata und Suizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch können auch andere Hintergründe auf suizidale Gedanken oder einen Selbstmordversuch deuten. So reagieren Menschen unterschiedlich auf ihre individuelle Situation.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Präventionsstrategien in Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung der Republik Kasachstan hat sich der hohen Selbstmordrate 2010 angenommen und seither&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">in Zusammenarbeit mit UNICEF eine Präventionsstrategie</a>&nbsp;entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Kinderhilfswerk der UNICEF leistet in der Tat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des psychischen Gesundheitssystems für Kinder und Jugendliche in Kasachstan“, bewertet Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2012 wurden Initiativen durchgeführt, an denen auch internationale Expertinnen und Experten maßgeblich beteiligt sind. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurden großangelegte Studien zu Risiko- und Schutzfaktoren durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse zeigen, dass sich in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen die Zahl der Suizide seither mehr als halbiert hat, von 212 im Jahr 2013 auf 98 im Jahr 2017.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Isolation während der Pandemie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der COVID19-Pandemie war ein Rückgang der Kommunikationsfähigkeit und der emotionalen Intelligenz bei Jugendlichen und Kindern zu beobachten. Druck von den Eltern kann als ein Faktor aufgefasst werden, der negative Tendenzen verstärkt hat, insbesondere in der Anfangsphase der Pandemie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umgewöhnung von Präsenzunterricht zu vermehrt online stattfindenden Lernangeboten sei nicht einfach gewesen, meint Musafarov. Zwar gewöhnen sich Kinder schnell an neue Situationen, doch stellte der Wegfall des unmittelbaren sozialen Umfelds in Präsenz einen weiteren Stresstest dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan kam es während der&nbsp;<a href="https://forbes.kz/articles/npo_suitsidyi_sredi_kazahstanskih_detey_snizilis_na_25">Corona-Zeit</a>&nbsp;zu einer interessanten Entwicklung. Die Selbstmordrate unter Jugendlichen sank, doch verschoben sich soziale Spannungen auf soziale Beziehungen zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer, diesmal positiver, Effekt der COVID19-Pandemie waren die digitalen Entwicklungen, welche Hilfsprogramme in kleineren Ortschaften und Siedlungen ermöglichten. Kinder und Jugendliche, die Hilfe suchen, können sich nun über das Internet nach Beratungs- und Hilfsprogrammen erkundigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<a>Einerseits ist in den letzten Jahren die Anzahl der Überweisungen an Spezialisten für Anpassungs- und emotionale Störungen zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich die Gesamtzahl der depressiven Störungen bei Jugendlichen nicht wesentlich verändert</a>“, stellt Rinat Musafarov fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz all der Fortschritte steht Kasachstan weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Hier sind mehrere Faktoren zu beachten: Zum einen haben die pandemiebedingte Isolation und der eingeschränkte soziale Austausch zu einem Rückgang emotionaler Kompetenzen bei Jugendlichen geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum anderen erschwert die Struktur des kasachischen Gesundheitssystems eine verlässliche, allgemeingültige Einschätzung der Versorgungslage. Nicht zuletzt wirken gesellschaftliche Stigmata – auch unter unzureichend geschultem Fachpersonal – weiterhin hemmend auf den Zugang zu psychologischer Hilfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist die gesellschaftliche Haltung zu psychischer Gesundheit als Schlüsselfaktor bei der Suizidprävention nicht zu unterschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stigmatisierung als gesellschaftliche Herausforderung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mentale Gesundheit ist in Kasachstan stets mit gesellschaftlichen Stigmata verbunden: „Viele Menschen glauben immer noch, dass es sich um Aufmerksamkeit oder Manipulation handelt, wenn jemand über Suizidalität spricht. In Wirklichkeit ist es meist ein Schrei nach Hilfe. Und leider erhalten Jugendliche nicht immer Unterstützung und Verständnis. Diese Haltung verstärkt das Gefühl der Einsamkeit und Isolation“, führt Musafarov weiter aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als eines der größten Hindernisse, so schreibt&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">UNICEF in seinem 2020 veröffentlichten Bericht</a>, sei einerseits die Kommunikation mit den Eltern und andererseits ein fehlendes Verständnis der Psychologen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, suizidale Verhaltensmuster als Angelegenheit der allgemeinen Gesundheit anzuerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Umfeld der Jugendlichen herrscht ein ziemlich starker Erfolgsdruck &#8211; die Einstellung, glücklich und erfolgreich zu sein. Probleme passen nicht in dieses Bild, und das Eingestehen von Verletzlichkeit wird zur Schande. Dies hindert die Betroffenen daran, mit ihren Angehörigen zu sprechen, geschweige denn mit Fachleuten“, warnt Rinat Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stigmatisierung von psychischen Störungen und insbesondere von suizidalem Verhalten ist eines der größten Hindernisse für die Prävention. Dies gilt sowohl für das Aufsuchen von Hilfe als auch für das offene Sprechen über Erfahrungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In den letzten Jahren ist jedoch ein positiver Trend in Kasachstan zu beobachten: Junge Menschen sind immer offener dafür, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, vor allem, wenn dies vertraulich und ohne das Risiko, dass andere davon erfahren, geschehen kann.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Berichterstattung über Selbstmorde</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.paho.org/en/documents/preventing-suicide-resource-media-professionals-update-2023">WHO betont in ihren aktualisierten Leitlinien 2023</a>, dass Medien Leben retten können. „In der Tat können die Medien sowohl eine mächtige Ressource für die Prävention als auch ein Auslöser sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Medienberichterstattung wird des Öfteren der „Werther-Effekt“ thematisiert. Dieser bezeichnet die Zunahme von Selbstmorden nach der Veröffentlichung eines Selbstmordberichts, vornehmlich, wenn es sich um Prominente oder um Geschichten handelt, die übermäßig detailliert und romantisch dargestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch lässt sich damit die Aussage nicht rechtfertigen, über das Thema Selbstmord zu schweigen bedeutet, ihn zu verhindern. Pauschal lässt sich das auch nicht auf die gesamte Medienberichterstattung übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rinat Musafarov verweist auf die Dringlichkeit von offenen Gesprächen. „Es gibt den gefährlichen Mythos, dass über Selbstmord zu sprechen bedeutet, ihn zu provozieren. Das Gegenteil ist der Fall: Ein offener, sanfter Dialog verringert das Risiko, vor allem, wenn der Person bewusst gemacht wird, dass ihre Gefühle wichtig sind und dass sie Hilfe bekommen kann.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem gegenüber steht der „Papageno-Effekt“. Er beschreibt eine Situation, in der Veröffentlichungen, die Auswege aus einer Krise aufzeigen, die Hoffnung erhöhen und das Risiko eines Selbstmordes verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Kasachstan gibt es inspirierende Geschichten von Menschen, die nach einer schweren Zeit neuen Lebensmut gefunden haben, wie das Beispiel von&nbsp;<a href="https://www.who.int/europe/de/news-room/feature-stories/item/i-knew-i-would-succeed---gulnar-s-story-of-mental-rehabilitation-and-recovery">Gulnar Sagieva</a>, die zehn Jahre in einer psychiatrischen Klinik verbrachte, oder von&nbsp;<a href="https://www.who.int/europe/de/news-room/feature-stories/item/don-t-give-up-on-people----dauren-s-story-of-mental-health-rehabilitation-in-kazakhstan">Dauren Muhamedjanov</a>, dem durch ein Rehabilitationsprogramm geholfen werden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher kommt publizistische Arbeit eine Schlüsselrolle zu: Sie kann entweder zur Enttabuisierung beitragen oder durch Schweigen die Isolation verstärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt, dass das gänzliche Verschweigen der Problematik schädlich ist. Selbstverständlich nimmt die Anzahl der wahrgenommenen Fälle an Selbstmorden ab, sobald man aufhört, darüber zu schreiben. Wenn über das Thema jedoch nicht mehr gesprochen wird, entsteht auch kein Bewusstsein in der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rolle des Journalismus liegt darin, die Gesellschaft zu überschauen und relevante Informationen an ein großes Publikum zu tragen. Geschieht dies nicht, kann kein Abbild der Geschehnisse entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musafarov sieht die Rolle des Journalismus als zielführend. „Es geht nicht nur darum, die Fakten korrekt wiederzugeben, sondern auch darum, über Hilfe zu informieren, Geschichten über die Genesung zu erzählen und die Stigmatisierung zu verringern. Diesem Ansatz sollten Journalisten und Blogger den Vorzug geben.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hilfestellung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich appelliere an alle, die schwierige Zeiten durchgemacht haben: Wenn Sie sich von dieser Krankheit erholen konnten, erzählen Sie bitte Ihre Geschichte. Sie könnte eine Chance für andere sein. Und ich appelliere an diejenigen, die sich in einer Krise befinden: Sie sind nicht allein. Es gibt Hilfe, sei es von den Fachleuten in Schulen, Kliniken, Jugendzentren oder Zentren für psychische Gesundheit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Psychische Gesundheit ist kein Nischenthema, sondern ein grundlegendes Menschenrecht, dem noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Hilfe brauchen: Sprechen Sie darüber. Unterstützung ist möglich – und der erste Schritt muss nicht allein gegangen werden. In Kasachstan erreichen Sie rund um die Uhr psychologische Unterstützung unter 150. In Deutschland bietet die Telefonseelsorge kostenfreie Hilfe unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Auch internationale Plattformen wie&nbsp;<a href="https://befrienders.org/">www.befrienders.org</a>&nbsp;helfen dabei, Unterstützung in der Nähe zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Hilfe zu bitten ist keine Schwäche, es ist Stärke.“, appelliert Rinat Musafarov.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gebunden durch Tradition: Das stille Leiden der Schwiegertöchter in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 15:08:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Usbekistan gibt es eine besondere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt: den Missbrauch von und die Kontrolle &#xFC;ber Schwiegert&#xF6;chter. Dies spiegelt die kulturelle Tradition wider, nach der eine Braut &#x2013; Kelin &#x2013; ihr Elternhaus verl&#xE4;sst, um zu ihrem Ehemann und oft auch zu dessen Eltern zu ziehen. Ein Gro&#xDF;teil ihres jungen Lebens ist dem Ziel gewidmet, [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Usbekistan gibt es eine besondere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt: den Missbrauch von und die Kontrolle über Schwiegertöchter. Dies spiegelt die kulturelle Tradition wider, nach der eine Braut &#8211; Kelin &#8211; ihr Elternhaus verlässt, um zu ihrem Ehemann und oft auch zu dessen Eltern zu ziehen. Ein Großteil ihres jungen Lebens ist dem Ziel gewidmet, eine zukünftige Kelin zu werden, eine Rolle, in der sie als leicht ersetzbar behandelt wird, auch wenn sich die Muster langsam ändern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das usbekische Wort „Kelin“ stammt von dem türkischen Verb „kel“ ab, das „kommen“ bedeutet. Wörtlich übersetzt bedeutet „Kelin“ also „diejenige, die kommt“ oder „diejenige, die gebracht wird“. Mädchen werden von klein auf als Gäste behandelt und als künftige Kelin in ihrem Elternhaus erzogen, wobei ihnen beigebracht wird, wie man den Haushalt führt und es allen recht macht. Die meisten Mädchen in Usbekistan <a href="https://daryo.uz/en/2025/01/08/uzbekistans-changing-marriage-trends-375%25-women-under-20-married-in-2024">heiraten recht jung</a> und beginnen ein traditionelles Leben voller Verachtung und Entbehrungen. Und in nicht allzu seltenen Fällen bezahlen die Kelins dafür mit ihrem Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Anmerkung des Herausgebers:</strong> Der folgende Artikel enthält Hinweise auf (extreme) Gewalt und Tod, die einige Leser beunruhigen könnten.</em></p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sie hat uns nur ein Jahr lang gut gedient“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rasuljon Imamov, 64, öffnete die Autotür und zog den Kopf seiner Schwiegertochter Gulmira heraus, die bewusstlos und keuchend auf dem Rücksitz lag. Er drehte ihr Gesicht nach unten, packte sie an den Haaren und zog das Messer, das er im Auto mit sich führte, an der linken Seite ihres Halses. „<em>Ich habe ihr schnell den Hals durchgeschnitten, weil das Messer scharf war, und ich habe den Kopf vom Körper getrennt, indem ich die Knochen gebrochen habe</em>“, erzählte er später.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An jenem Tag, dem 1. Oktober 2022, sah Rasuljon, wie seine Kelin das Abendessen zubereitete und bat darum, dass sie es gut mache. Gulmira, eine Mutter von zwei Kindern, die schon seit Jahren die Schläge ihres Mannes und die Streitigkeiten mit ihren Schwiegereltern satthatte, sagte daraufhin: „Ich werde es versuchen, aber du wirst essen, wie es zubereitet wird“, und schloss die Küchentür so fest, dass das Fenster zersprang. Rasuljon hatte genug von ihr. Was für eine Kelin würde seine Schwiegereltern nicht respektieren? In seinen Augen sollten Kelins stets gehorsam, unterwürfig und ehrerbietig sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die usbekischen Traditionen sind geprägt vom Respekt für ältere Menschen. Eltern, die Kinder, insbesondere Söhne, aufziehen, werden nie allein gelassen. Normalerweise bleibt der jüngste Sohn bei den Eltern, gründet seine eigene Familie und erbt später das Haus. Von seiner Frau, der Kelin, wird erwartet, dass sie sich um die Bedürfnisse der Schwiegereltern kümmert und ihnen gut dient. Gulmira heiratete 2011 den jüngsten Sohn der Familie Imamov, Khusniddin.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit geballten Fäusten betrat Rasuljon die Küche und schlug Gulmira mit einem einzigen Schlag an die Kehle, sodass sie bewusstlos zusammenbrach. Nur ihr schwerer Atem erfüllte die Stille. Ohne zu zögern, trug Rasuljon sie zu seinem Auto und fuhr zu einem nahen Hügel. Dort enthauptete er sie und entsorgte ihren kopflosen Körper in einer Müllschlucht. Dann steckte er ihren abgetrennten Kopf in einen Sack und legte ihn auf Wacholderbäume am Straßenrand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Sie hat uns nur ein Jahr lang gut gedient“,</em> sagte er später vor Gericht und erzählte von all den eskalierenden Konflikten zwischen den beiden. „<em>Ab dem zweiten Jahr begann sie sich zu verändern.</em>“ Trotz des Plädoyers von Gulmiras Vater für die höchstmögliche Strafe erhielt Rasuljon nur eine Strafe von 13 Jahren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gewalt gegen Mädchen und Frauen: Nationale Krise</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Offizielle Statistiken über Gewalt und Belästigung gegen Frauen in Usbekistan gibt es nur wenige, aber das Ausmaß lässt sich aus der Zahl der ausgestellten Schutzanordnungen ableiten. Im Jahr 2019 verabschiedete Taschkent ein <a href="https://lex.uz/docs/4494712?ONDATE=10.12.2021#6438986">Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt</a> und Belästigung, das sicherstellt, dass Hilfesuchende Schutzanordnungen erhalten können, zunächst für einen Monat. Im Durchschnitt beantragen <a href="https://thediplomat.com/2024/05/women-as-wives-how-uzbekistans-justice-system-fails-to-serve-women/">40.000 Frauen pro Jahr</a> eine solche Verfügung, wobei <a href="https://www.qalampir.uz/uz/news/-2375-80686">85 Prozent der Fälle enge Familienmitglieder betreffen</a> und häusliche Gewalt die häufigste Form des Missbrauchs darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">26 Prozent der Frauen, die an einer <a href="https://www.gazeta.uz/oz/2022/12/20/researches/">kürzlich durchgeführten Studie</a> teilnahmen, gaben an, dass sie von ihren Ehemännern misshandelt oder belästigt werden, weil ihre Schwiegereltern sie als respektlos empfinden. Allein im Jahr 2021 beantragten über 1500 Kelins Schutzanordnungen von ihren Schwiegermüttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem begehen <a href="https://daryo.uz/2021/01/08/mahalla-vazirligi-2020-yilda-900-nafardan-ortiq-ayol-oz-joniga-qasd-qilgan">jährlich etwa 600 Frauen Suizid</a>. Während der Covid-19 Lockdowns, als die Frauen mit ihren Ehemännern und Schwiegereltern zu Hause eingesperrt waren, <a href="https://iep-berlin.de/en/projects/enlargement-neighbourhood-and-central-asia/eurasia/studie-gbv/">stieg diese Zahl auf 900 an</a>. Das Ministerium für die Unterstützung von <a href="https://www.uzbekembassy.in/the-mahalla-a-unique-civil-society-institution-in-uzbekistan/">Mahalla</a> und Familie stellte fest, dass sich die meisten Frauen aufgrund von Konflikten mit ihren Ehemännern oder Schwiegereltern das Leben nahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wenn ich sterbe, beerdige meine Leiche im Haus deiner Großmutter, nicht hier</em>“, sagte Zilola leise zu ihrem 13-jährigen Sohn, als sie ihn zum letzten Mal zudeckte. Das Haus, in dem sie die letzten 17 Jahre verbracht hatte, kam ihr jetzt vor wie ein Gefängnis. Ihre Schwiegereltern wollten sie loswerden und sie durch eine neue, jüngere Kelin ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war froh, dass sie sich in den Tagen zuvor von ihrer Tochter verabschiedet und ihren Goldschmuck als Andenken weitergegeben hatte. „<em>Kümmere dich um deinen Bruder. Ich habe hier nie einen ruhigen Tag gehabt, aber du lebst gut</em>“, ermahnte sie ihre 15-jährige Tochter. „<em>Gib deinen Bruder nicht an deinen Vater. Wenn mir etwas zustößt, wird dein Onkel auf euch beide aufpassen</em>“, fügte sie hinzu und hielt sich an diesem schwachen Hoffnungsschimmer fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zilola heiratete Soyib Muftillayev, einen Schafhirten, an einem warmen Oktobertag im Jahr 2006. Von da an wurde sie sowohl von Soyib als auch von seiner älteren Schwester, Sabriya Muftillayeva, ständig verbal und körperlich misshandelt. Die Situation verschlimmerte sich, als Soyib beschloss, eine andere Frau zu heiraten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Tabu der Scheidung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Frauen in Usbekistan kommt eine Scheidung nicht infrage, so schrecklich das Eheleben auch sein mag. Geschiedene Frauen sind mit Scham und Stigmatisierung konfrontiert und können oft nur einen geschiedenen Mann wieder heiraten <a href="https://thediplomat.com/2022/02/uzbekistans-second-wives-marry-in-secret-and-suffer-without-legal-protections/">oder eine zweite Frau werden</a>. Ex-Ehemänner <a href="https://kun.uz/news/2020/07/17/farzandning-haqi-otalik-majburiyati-alimentning-huquqiy-va-diniy-asoslari-haqida?q=%2Fuz%2Fnews%2F2020%2F07%2F17%2Ffarzandning-haqi-otalik-majburiyati-alimentning-huquqiy-va-diniy-asoslari-haqida">umgehen die Unterhaltszahlungen</a> für die Kinder und <a href="https://platina.uz/o'z/2023/04/11/2022-yilda-73-ta-14-yoshga-tolmagan-bola-bilan-jinsiy-aloqaga-kirishish-jinoyati-sodir-etilgan-manba">beteiligen sich auch nicht aktiv an der Kindererziehung</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Soyib sich entschloss, unter dem Vorwand mangelnder Intimität eine andere Frau zu heiraten, wurde Zilolas Schwägerin ihr gegenüber noch grausamer. Sie demütigte Zilola vor anderen, schlug sie und machte sie bei anderen Verwandten ständig schlecht. „<em>Ich werde meinen Bruder mit einer anderen Frau verheiraten, du kannst dich nicht richtig um ihn kümmern</em>“, sagte Sabriya zu Zilola. „<em>Ich werde eine andere Frau mitbringen und du wirst dieses Haus verlassen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://thediplomat.com/2023/12/uzbekistan-takes-a-stance-against-promoting-or-endorsing-polygamy/">Polygamie ist illegal in Usbekistan.</a> Hunderttausende haben jedoch Zweit- oder sogar Drittfrauen, ohne eine offizielle Registrierung. <a href="https://thediplomat.com/2022/02/uzbekistans-second-wives-marry-in-secret-and-suffer-without-legal-protections/">Zweitfrauen sind gesetzlich nicht geschützt</a>, und dennoch erklären sich geschiedene Frauen oder Mädchen, die nach gesellschaftlichen Maßstäben als „abgelaufen“ gelten, bereit, eine Zweitfrau zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabriya fand eine junge Frau für seinen Bruder und bestand darauf, dass Zilola zumindest für ein paar Tage das Haus verlässt, damit sich die neue Kelin den Haushalt anschauen kann. „<em>Verlass das Haus oder nicht, wir bringen morgen die neue Kelin</em>“, sagten Soyib und seine Schwester zu Zilola und demütigten und erniedrigten sie ein letztes Mal vor ihren Angehörigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Nacht, nachdem sie ihren Sohn ins Bett gebracht hatte, stellte Zilola eine fünf Kilogramm schwere Propangasflasche in den Kühlschrank und öffnete das Ventil, sodass Gas ausströmte. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass eine andere Frau in ihrer Wohnung lebte &#8211; lieber zerstörte sie das Haus, als es zurückzulassen. Während sie sich mit einem Drahtseil aufhängte, löste das Gasleck eine gewaltige Explosion aus, die den Raum zum Einsturz brachte und ihre Leiche unter den Trümmern begrub. Soyib und Sabriya wurden später für schuldig befunden, Zilola in den Selbstmord getrieben zu haben. Sie wurden zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Leben in Knechtschaft und Kontrolle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt der häuslichen Gewalt gegen Kelins steht die körperliche Arbeit. Die Kelins müssen frühmorgens vor allen anderen aufstehen und alle Arbeiten im Haus erledigen. Sie dürfen nur dann arbeiten oder studieren, wenn sie alle ihre Aufgaben rechtzeitig erledigen und ihre Ehemänner und Schwiegereltern dies erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund setzen viele junge Frauen ihr Studium nach der Heirat nicht fort. <a href="https://kun.uz/news/2021/06/03/erta-turmushga-berilgan-ayollarning-yarmidan-kopi-oqishini-davom-ettirmagan-tadqiqot">Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab</a>, dass nur 37,6 Prozent der jungen Bräute nach der Hochzeit ein weiteres Studium aufnehmen. Fast 40 Prozent gaben an, dass sie aufgrund der Einwände ihrer Ehemänner (25,6 Prozent) oder ihrer Schwiegereltern (13,3 Prozent) nicht in der Lage waren, ihr Studium fortzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/"><strong>Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://gender.stat.uz/en/main-indicators/labor">Arbeitslosenquote der Frauen</a> ist doppelt so hoch wie die der Männer: 872.900 Frauen sind arbeitslos im Vergleich zu 459.800 Männern. <a href="https://strategy.uz/index.php?news=1255&amp;lang=uz">Verheiratete Frauen haben eine höhere Arbeitslosenquote</a> (56 Prozent) als unverheiratete Frauen (36 Prozent). Eine andere Umfrage ergab, dass 43 Prozent der Frauen aufgrund ihrer Pflichten im Haushalt, z. B. der Betreuung von Kindern oder älteren Verwandten, keine Arbeit suchen, während nur sieben Prozent der Männer den gleichen Grund angaben. Außerdem verdienen Frauen, die arbeiten, 39 Prozent weniger als Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Faktoren tragen dazu bei, dass junge Frauen von ihren Ehemännern und Schwiegereltern abhängig sind, was sie oft dazu zwingt, Missbrauch und Schikanen schweigend zu ertragen. Selbst wenn die Ehemänner für Monate und manchmal Jahre in die Arbeitsmigration gehen, leben die Frauen mit ihren Schwiegereltern zusammen und dienen ihnen geduldig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„<em>Geh, oder ich bringe dich um</em>“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Geh zurück in dein Elternhaus, oder ich bringe dich um</em>“, drohte der 63-jährige Gulimmet Djumanov seiner Kelin Odila* am Morgen des 21. Mai 2023 zum wiederholten Mal. Odilas Ehemann Anvar arbeitete als Arbeitsmigrant in Russland und ließ sie und ihre beiden Kinder bei seinen Eltern leben. (<a href="https://m.kun.uz/news/2024/09/20/rossiyadagi-eng-kop-mehnat-muhojirlari-ozbekiston-fuqarolari-ekani-malum-qilindi">Offiziell arbeiten derzeit 1,8 Millionen Usbeken in Russland</a>, die inoffiziellen Zahlen könnten jedoch noch viel höher sein).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrelang war die Beziehung zwischen Odila und ihren Schwiegereltern von Spannungen geprägt. Da sie sie der Untreue verdächtigten, teilten sie das Haus, sperrten Odila und ihre Kinder auf eine Seite und installierten zwei Kameras, um jeden ihrer Schritte zu überwachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag schlug Gulimmet Odila Berichten zufolge erneut. In ihrer Verzweiflung rief sie mehrmals ihre Familie an und flehte: „<em>Nehmt mich zurück, meine Schwiegermutter zwingt mich raus</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Gulimmet Alkohol getrunken hatte, griff er zu einem weißen Küchenmesser. Seine Frau Gavhar* stand vor Odilas Tür und drängte sie, zu gehen. Gulimmet versteckte das Messer in seiner weißen Socke, schob seine Frau zur Seite und betrat Odilas Zimmer. Während seine Enkelkinder im Alter von neun und elf Jahren entsetzt zusahen, stach er Odila in den Oberschenkel. Vor Schmerz rannte sie nach draußen. Gulimmet holte sie ein, als sie im Garten des Hauses zusammenbrach. Er stach ihr zuerst in die Brust und dann sechs bis sieben weitere Male in andere Körperteile. Er warf das Messer zur Seite. Gulimmet ignorierte die Nachbarn, die wegen des Lärms herauskamen, und ging in Richtung des Hauses seines Bruders, als er seine Frau schreien hörte: „<em>Du hast sie umgebracht</em>!“. Vor Gericht beteuerte er: „<em>Ich wollte sie nur bedrohen</em>“. Er erhielt eine satte Gefängnisstrafe von 16 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Hinweis:</strong> Bei den in den Geschichten genannten Namen handelt es sich um echte Namen, die in Gerichtsdokumenten genannt werden. Namen, die mit einem Sternchen * gekennzeichnet sind, wurden erfunden, da sie in den Gerichtsdokumenten nicht enthalten sind. Die von den örtlichen Gerichten überprüften Dokumente zu Mordfällen wurden im Rahmen des Forschungsprojekts „<a href="https://eca.unwomen.org/en/stories/in-focus/2024/06/in-focus-femicide-research-in-kazakhstan-tajikistan-and-uzbekistan">Data4Women</a>&#8220; gesammelt: Expanding the Existing Database to Tackle Femicides in Uzbekistan“, unterstützt von ECA UN Women, an dem die Autorin beteiligt ist. Die Autorin möchte den Mitgliedern des Forschungsteams, Swetlana Dzardanowa, Deniz Nasarowa und Gulnoza Achmedowa, sowie der Mentorin des Teams, Sawia Hasanowa, für ihre wertvollen Beiträge danken. Besonderer Dank gebührt auch Europe and Central Asia (ECA) UN Women für die Organisation und Finanzierung der Forschung.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Artikel ist eine eigenständige Arbeit der Autorin und die Ergebnisse und Meinungen spiegeln nicht unbedingt die offizielle Position oder Befürwortung des ECA UN Women oder anderer Teammitglieder des Femizidprojekts wider.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Niginakhon Saida</strong> <strong>für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt von Elisa Berste</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Ein guter Kommandeur schlägt nur die eigenen Soldaten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Nov 2024 20:26:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Körperverletzung]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bericht eines Rekruten &#xFC;ber seine Erfahrung in der kasachischen Armee &#x2013; Von 2020 bis 2023 starben in der kasachischen Armee 270 Personen, 40 davon begangen Suizid. Diesen Oktober gab der Verteidigungsminister bekannt, dass die Suizide im Vergleich zum Vorjahr zur&#xFC;ckgegangen sind, genaugenommen um einen Fall. In diesem Jahr erhielten einige F&#xE4;lle besondere Resonanz: Erbaian Muhtar [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Bericht eines Rekruten über seine Erfahrung in der kasachischen Armee –<strong> </strong>Von 2020 bis 2023 starben in der kasachischen Armee 270 Personen, 40 davon begangen Suizid. Diesen Oktober gab der Verteidigungsminister bekannt, dass die Suizide im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind, genaugenommen um einen Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr erhielten einige Fälle besondere Resonanz: Erbaian Muhtar kam, womöglich infolge einer Tracht Prügel, aus dem Koma frei, Marat Barkulov starb durch den Schuss eines Offiziers und in Almaty begingen sowohl ein Zeitsoldat als auch ein Mitarbeiter des Geheimdienstes Suizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sprachen mit einem Rekruten, der seinen Pflichtdienst in der kasachischen Armee geleistet hat. Er berichtet von den Schlägen seiner Vorgesetzten, lebenslangen Traumata und der Inkompetenz der Militärpolizei.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>Disclaimer: Die beschriebenen Szenen enthalten harte Gewalt und Fälle von Suizid, die Äußerungen enthalten </em><a href="https://www.dekoder.org/de/gnose/mat-schimpfsprache-kulturgeschichte"><em>russischen Mat</em></a><em> – sie sind also stellenweise sehr vulgär. In der Übersetzung wurde versucht, die Mat-Ausdrücke möglichst sinngemäß zu übertragen, wobei das Schriftbild betroffener Wörter wie im Original teilzensiert ist. Der Name des Rekruten bleibt derweil anonym.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie alles begann</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich diente im Süden. Bei meiner Musterung war allen sonnenklar, dass ich nicht wollte. Sie drohten, mich nach <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Otar_(village)">Otar</a> zu versetzen: <em>„Sei lieber froh, dass wir dich nicht dorthin versetzen. In Otar gibt es keine Regeln und auch keine Videokameras.“ </em>Über die harten Bedingungen dort kursieren allerlei Gerüchte. Ich setzte mich also mit 45 anderen Rekruten in den Zug und fuhr zu meinem Einsatzort in der kasachischen Einöde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/an-der-front-in-der-ukraine-sterben-weiterhin-zentralasiaten/">An der Front in der Ukraine sterben weiterhin Zentralasiaten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Monat erwies sich als außerordentlich ruhig. Das Essen war in Ordnung, wir durften rauchen, lernten zu nähen und die Kleidung korrekt anzuziehen und mussten uns noch nicht aufs Übelste beleidigen lassen. Alles änderte sich, nachdem wir unseren Soldateneid geschworen hatten. Danach wurde auch dem letzten klar, dass die ersten Wochen Eingewöhnung nichts als ein dummer Bluff gewesen waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erwartung trifft auf Realität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging die ganze Sch**ße los. Die Kommandeure, Unterfeldwebel und Offiziere beleidigten uns ohne Pause, schrien uns an und trichterten uns ein, dass wir ein Niemand seien. Das Essen war unterirdisch, die Küche war auf Sparkurs. Seife und Rasierer gab es entweder gar nicht oder nur Billigprodukte. Die Einsatzstiefel fielen schon auseinander, die guten behielten die Hauptfeldwebel für sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rekrutierung-in-tadschikistan-problem-fuer-behoerden-hoelle-fuer-soldaten/">Rekrutierung in Tadschikistan: Problem für Behörden, Hölle für Soldaten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Militärpolizei zur Kontrolle vorbeikam und Feedback bei uns einholte, hielten wir dicht. Die Unterfeldwebel hatten klar gemacht, was uns sonst blühen würde. Als sich doch mal einer beim schriftlichen Feedback über das Essen beschwert hatte, versuchten die Offiziere, den Schuldigen anhand der Handschrift zu ermitteln. Zur Strafe bekam dieser dann einen ordentlichen Anpfiff. Das Essen war danach für etwa zwei Wochen besser, doch dann bekamen wir wieder angeschimmeltes Brot und wässrigen Kascha. Es war klar, dass wir uns damit abgeben mussten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schlagen…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle vierzehn Tage kontrollierte uns die Militärpolizei auf blaue Flecken von Kopf bis Fuß. Würde herauskommen, dass bei uns Leute verprügelt werden, würden die obersten Befehlshaber sofort rausfliegen. Um das zu verhindern, hatten sie eine bestimmte Schlagtechnik entwickelt: Sie wickelten uns ein Tuch um eine Hand, die wir dann vor unseren Kopf halten mussten, bevor sie drauf los droschen und uns dabei brutal beleidigten. Auf diese Weise verteilte sich der Stoß auf das ganze Gesicht, innendrin entsteht ein gewaltiger Schaden, von außen fehlt jede Spur. Es dauert etwa zwei Wochen, bis es im Mund aufhört zu bluten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/fluchtziel-kasachstan-eine-reportage-aus-qostanai-wo-hunderte-russen-aufgenommen-wurden/">Fluchtziel Kasachstan – Eine Reportage aus Qostanaı, wo Hunderte Russen aufgenommen wurden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schläge kassierten wir alle und aus allen möglichen Gründen: der eine war zu langsam, der andere zu leise gewesen, der nächste hatte eine Anweisung nicht korrekt ausgeführt. Kollektivstrafen waren die Regel. So fand die ganze Kompanie einen Sündenbock, auf den sie dann eintraten. Ich bin kein Heiliger, ich habe auch zugetreten, ich wollte nicht nur selbst kassieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer einen Verwandten hatte, der ein hohes Tier war, entkam den Schlägen. Und obendrauf durfte er sich eine Menge Extrawürste erlauben: ob rauchen, ungefragt auf Toilette gehen oder einen Ausflug in die Stadt machen. Wir kochten vor Wut wegen dieser ungleichen Behandlung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>…und geschlagen werden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal war ich selbst das Opfer. Es war bei einer sehr anstrengenden Stellungsübung auf dem Schießplatz. Ich war müde und außer Atem und darum etwas langsamer bei der Sache. Der Kommandeur schnauzte mich ein erstes Mal an, ich solle einen Zahn zulegen, als wäre ich ein Rindvieh auf der Weide. Als ich bei einem Kommando, bei dem wir auf dem Boden kriechen sollten, erneut zu langsam war, stellte mich der Kommandeur schließlich vor den anderen bloß.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews/">Autoritarismus, politische Morde und Vetternwirtschaft: Die Präsidentschaft Kurmanbek Bakijews</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er kam zu mir, brüllte mir das Kommando ins Gesicht und als ich mich vor Schwachheit nicht regte, verpasste er mir mit seinen Kampfstiefeln einen Tritt in die Nieren. Vor meinen Augen flog mein ganzes Leben vorbei. Dann folgte ein weiterer Tritt in die Nieren. Ich hob den Kopf, um aufzustehen, doch auch auf den trat er ein, immer und immer wieder. <em>„Kriegst du es heute noch irgendwann mal geschi**en?“ </em>Ich hätte ihn in diesem Moment am liebsten aufgeschlitzt. Die Soldaten schauten dabei zu, wie der Kommandeur meinem Kopf, der auf dem steinigen, schmutzigen Boden lag, einen Tritt nach dem anderen verpasste. Irgendwann traf sein Stiefel mein linkes Ohr. Mein Trommelfell muss dabei geplatzt sein, denn das Blut lief danach nur so aus meinem Ohr heraus. Dann, endlich, lies der Kommandeur von mir ab und beendete die Übung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nur nicht auffliegen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa zwei Wochen voller Schmerzen vergingen, bevor die Sanitäter sich um mich kümmerten. Meine Nieren hatte es hart erwischt, sie hatten sich unter den Schlägen verschoben und vermischt. Passiert das, bilden sich dunkle Flecken unter den Augen. Ich sah aus wie ein Panda. Richtig geheilt haben mich die Sanitäter nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Militärpolizei die Flecken bemerkte und mich in einem separaten Raum auszufragen versuchte, sagte ich nur, es sei alles in Ordnung, mehr nicht. Sie durften nichts wissen. Nicht nur hatte der Kommandeur mir noch mehr Prügel gedroht, ich würde obendrein auch noch auf ewig das offizielle Kameradenschwein sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-wird-die-teilnahme-an-friedensmissionen-erweitern/">Kasachstan wird die Teilnahme an Friedensmissionen erweitern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Tag darauf brachte die Militärpolizei mich ins Krankenhaus. Sie hatten keine Zweifel, dass ich zusammengeschlagen worden war und wollten es allen beweisen. <em>„Die haben dich auf jeden Fall verprügelt, ich seh‘ doch die Spuren von den Stiefeln auf deinem Rücken.“ </em>Doch ich stritt konsequent alles ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie mich zum Unfallarzt brachten, der mich einer Ultraschalluntersuchung unterzog, flehte ich diesen mit den Augen an. Er verstand und verwehrte den Militärpolizisten die klare Diagnose, auf die sie gehofft hatten. „<em>Verf**ckte Sch**ße, da hättest du einmal was Gutes tun können, aber du kriegst ja den Mund nicht auf“,</em> warf einer von ihnen mir danach vor. Dann brachten sie mich wieder zu den Sanitätern, wo ich eine Woche das Bett hütete, bevor es zurück in meine Einheit ging, als wäre nichts gewesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die ungeschriebenen Regeln</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Armee ordnest du dich allen unter, ob Unterfeldwebel, Offizier oder sonst einer Einheit. Sie kommandieren dich herum, erniedrigen und schlagen dich. Meistens kamen die Schläge sogar von den Leitern des eigenen Kommandos. Traf es Soldaten aus anderen Einheiten, machte sich sonst gleich Eifersucht breit, nach dem Motto <em>„Was schlägst du meine Soldaten? Dann zeig ich’s deinen gleich auch mal!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der dritten Einheit gab es einen Unterfeldwebel, dessen Schläge alle fürchteten. Einmal verpasste er mir während einer Übung zwei Ohrfeigen, ohne Grund, einfach aus Jux. Mein Kommandant fragte daraufhin nur: <em>„Du schlägst jetzt also neuerdings meine Männer, ja? Das ist meine Aufgabe, verstanden?“</em> Und schon schlug er auf mich ein. <em>„Sch**ßkerle, ihr habt sie doch nicht mehr alle“</em>, dachte ich nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verteidigung war keine Option. Das machte die Schläger nur noch aggressiver. Das ging mal so weit, dass ein Soldat, der sich mit den Händen zu schützen versuchte, nicht mehr nur von einem Unterfeldwebel, sondern gleich mehreren verkloppt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">Die Folgen der russischen Mobilmachung für Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das passierte auch mir einmal: Ich hielt es nicht mehr aus, wehrte mich gegen meinen Unterfeldwebel. Zur Strafe musste ich nicht nur einen Monat lang abends länger bleiben, sondern auch zusehen, wie diese Hundesöhne einen guten Kollegen von mir verprügelten. Da brannte mir die Sicherung durch, ich schritt ein und verpasste meinem Unterfeldwebel einen Kinnhaken. Als der sich von seinem Schock erholt hatte, folgte die Rechnung dafür. Er hetzte die anderen auf mich und diese Ars**löcher vermöbelten mich als gäbe es kein Morgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gezeichnet fürs Leben</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Nieren machen mir bis heute Probleme und auf meinem linken Ohr höre ich nach wie vor schlecht. Hin und wieder fängt es wieder an zu bluten. Für die vielen Untersuchungen danach musste ich einiges blechen. Als ich die Röntgenbilder meiner Nieren sah, war ich völlig fassungslos. „<em>Halb so wild“, </em>sagte der Arzt, <em>„da hat es andere bei der Armee schon schlimmer erwischt.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwei Tage ohne Schlaf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zwei Wochen übten wir an einem nicht überwachten Ort auf dem Schießgelände. Wir wiederholten dort Formationen, lernten unsere Waffen zu bedienen und verschiedene Dinge auf- und abzubauen. Es kam einmal vor, dass wir die Aufgaben deutlich schneller als vorgesehen erfüllt hatten. So schnell, dass tatsächlich ein paar freie Tage vor uns lagen. Wir erholten uns, gingen in die Stadt und drehten uns eine Kippe nach der anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An einem Abend, als viele schon im Bett lagen, ließ sich einer von uns beim Rauchen erwischen. Die Konsequenz: <em>„Ihr habt also nichts mehr zu tun? Dann raus mit euch! Die Nacht verbringt ihr stehend!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-russland-zentralasiatische-buerger-fuer-den-krieg-in-der-ukraine-anwirbt/">Wie Russland zentralasiatische Bürger für den Krieg in der Ukraine anwirbt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wir standen nicht nur diese eine Nacht, sondern auch den Tag, die darauffolgende Nacht und den nächsten Tag. Ich drehte durch vor Schmerzen und Müdigkeit. Nicht mal auf Toilette ließen sie uns gehen. Nur zum Mittagessen durften wir gehen. Ich war kurz davor, den Verstand zu verlieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Suizidversuche sind nutzlos</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten einen Kerl in unseren Reihen, der ständig Streit suchte und seine Klappe nicht halten konnte. Einmal verprügelte er einen anderen Soldaten, der auf seine Provokation eingegangen war, bis seine Augen blau anschwollen. Unsere Kommandeure waren außer sich, weil bald die nächste Kontrolle der Militärpolizei anstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch als diese wenige Tage später eintraf, fanden sie anstelle des Soldaten mit den Schlagspuren im Gesicht nur einen Zeitsoldaten vor, der kurzerhand den Namen seines Vorgängers übernommen hatte. So einfach hatten es sich unsere Vorgesetzten gemacht: Den Verwundeten hatten sie verräumt und keiner wusste wohin. Als er einen Monat später zurückkam, erzählte er, dass sie ihn im Offizierszimmer eingesperrt hatten. Dort brüllten sie ihn täglich an, was für ein mieses Stück Sch**ße er sei und zwangen ihn, auf Kommando in die Hocke zu gehen und in die Luft zu springen. Ich bin immer noch erstaunt, dass der sich nicht erhängt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-ein-tag-des-sieges-ohne-militaerparade-und-mit-eigenem-gedenken/">Kasachstan: Ein Tag des Sieges ohne Militärparade und mit eigenem Gedenken</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal fiel mir ein Typ auf, der ständig drei Leibwächter um sich hatte. Sie folgten ihm an den Essenstisch und auf Toilette. Als ich einen Unterfeldwebel fragte, was mit dem los sei, sagte der <em>„Das ist ein Suizidnik. Sie bringen ihn in die psychiatrische Klinik und hoffen auf eine Diagnose, die beweist, dass er nicht ganz bei Verstand ist.“ </em>So ging man hier mit allen Suizidversuchen um. Sie suchten die Lösung lieber in irgendeiner Diagnose, statt die offensichtlichen Probleme innerhalb der Armee zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir redeten nicht über diese Ereignisse. Wir waren wie im Stall zusammengepferchte Säue. Die Meinung eines einzelnen Soldaten sei wertlos. <em>„Hoffentlich ist das alles hier bald vorbei!“</em>, war alles, woran ich dachte.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aleksandra Akanaeva für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Arthur Siavash Klischat, Übersetzer für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Berenika Zeller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jun 2023 11:01:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gewalt und Mord an Frauen ist in Usbekistan und weltweit nicht nur ein von Medien und Strafbeh&#xF6;rden vernachl&#xE4;ssigtes, sondern ein gesellschaftliches Problem. Im Artikel von Cabar.Asia sind Medienberichte von Morden und Gewaltakten an Frauen und M&#xE4;dchen in Usbekistan mithilfe von Analysekategorien der UNO als Femizide identifiziert und gesammelt. In den letzten Jahren wurde in Usbekistan [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gewalt und Mord an Frauen ist in Usbekistan und weltweit nicht nur ein von Medien und Strafbehörden vernachlässigtes, sondern ein gesellschaftliches Problem. Im Artikel von </strong><a href="https://cabar.asia/ru/femitsid-v-uzbekistane-dlya-togo-chtoby-zashhitit-zhenshhin-nuzhny-bolee-sereznye-mehanizmy"><strong>Cabar.Asia</strong></a><strong> sind Medienberichte von Morden und Gewaltakten an Frauen und Mädchen in Usbekistan mithilfe von Analysekategorien der UNO als Femizide identifiziert und gesammelt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren wurde in Usbekistan zunehmend über Gewalt gegen Frauen berichtet. In vielen dieser Fälle wurden Frauen ermordet. Die CABAR.asia-Schulungsteilnehmerin Luiza Atabaeva hat Fälle analysiert, die zwischen 2015 und 2023 in den usbekischen Medien veröffentlicht wurden. Es handelt sich dabei um sogenannte Femizide.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Femizid</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Femizid oder Feminizid handelt es sich um den geschlechtlich motivierten Mord an Frauen, der auf Frauenhass beruht und vom Staat geduldet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 hat die UNO „Femizid“ erstmals umfassend definiert:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tötungen von Frauen, die von einem Intimpartner oder anderen Familienmitgliedern begangen werden (z. B. Ehrenmorde) und von anderen bekannten oder unbekannten Tätern mit einem bestimmten Vorgehensmuster oder in bestimmten Kontexten begangen werden, die auf geschlechtsspezifische Motive hinweisen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://drive.google.com/file/d/10LJ9h_y9atroFg9ghR7G0lbuqBe9_xhH/view">Bericht der UNO</a> aus dem Jahr 2022 wurde als Analysekategorie für die Untersuchung von Femiziden in Usbekistan verwendet. Es konnten 150 Fälle aus über 6000 untersuchten Medienberichten identifiziert werden, die von 2015 bis 2023 auf den Webseiten usbekischer Nachrichtenagenturen publiziert wurden. Es handelte sich bei diesen identifizierten Fällen um geschlechtsspezifisch motivierte Tötungen, die den Kriterien der UNO und des <a href="https://eige.europa.eu/publications-resources/thesaurus/terms/1192">Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE)</a> entsprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Opfer in unserer Datenbank wurden vom Täter oder von Verwandten körperlich, sexuell oder psychisch missbraucht. Manche waren Opfer von sexualisierter Ausbeutung oder wurden aufgrund eines bestimmten Vorurteils gegen Frauen angefeindet. Im manchen Fällen wurde gar der Körper der Opfer verstümmelt. Es gäbe noch viele weitere Fälle, in denen Frauen ermordet oder zum Suizid bewegt wurden, jedoch aufgrund des fehlenden Kontexts [bestimmte kontextuelle Faktoren werden vom Analysemuster des UNO-Berichts verlangt, um eindeutig von Femizid sprechen zu können – Anm. d. Red. von Novastan] nicht eindeutig als Femizid klassifiziert werden können.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie sich Femizid in Medienberichten äußert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Mirziyoyev</a> an die Macht kam, wurde über Fälle von Gewalt gegen Frauen in den Medien so gut wie nicht berichtet. Das wichtigste russischsprachige Nachrichtenportal <a href="https://www.gazeta.uz/uz/">gazeta.uz</a> begann erst nach 2018, Nachrichten über häusliche Gewalt oder Femizid zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung solcher Themen leistete die Zeitschrift &#8222;<a href="https://nemolchi.uz/">Nemolchy.Uz</a>&#8220; unter Leitung von <a href="https://www.goethe.de/ins/uz/de/spr/eng/pas/psa/pasch/22093926.html">Irina Matvienko</a>. Doch Femizid ist immer noch ein verkanntes Problem, sowohl in Usbekistan als auch weltweit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der usbekische Dienst von Radio Liberty, Ozodlik, berichtet über Frauenmorde, ohne dabei den Akzent auf den geschlechtlich motivierten Mord zu legen. Wurde etwa eine Frau mit dem Messer erstochen, so wird hauptsächlich über familiäre Messerstechereien und Gewalt in der Familie berichtet. Auf das eigentliche Opfer wird der Fokus nicht gelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Eifersucht verübte Morde werden gar unter der humorvollen Überschrift „Samarkands Othello tötete seine Frau“ veröffentlicht. In den usbekischsprachigen Medien wird in den Nachrichten über Frauenmorde häufiger von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter-Opfer-Umkehr">Victim blaming</a> [Opferbeschuldigung – Anm. d. Red. von Novastan] berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Victim blaming“ bezeichnet ein Vorgehen, das die Schuld des Täters auf das Opfer verlagert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So resümiert die usbekische Nachrichtenagentur <a href="https://uza.uz/uz">UzA</a> über den Mord einer Ehefrau, die ihrem Mann kein Abendessen gekocht hat, mit dem usbekischen Sprichwort „Qars ikki qo’ldan chiqadi“ (zu Deutsch: „Es sind immer beide Seiten schuld). Ungeachtet der Tatsache, dass es sich beim Mord an Frauen und Mädchen um männliche Wut und um das gesellschaftliche Phänomen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heteropatriarchat">Patriarchat</a>s handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum töten Männer in Usbekistan Frauen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medienanalyse zeigt, dass Männer häufiger Gewalt anwenden und Frauen töten, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine 21-Jährige kam wegen ihres vollen Arbeitstages spät von der Arbeit nach Hause. Während sie Abendessen kochte, kam ihr Mann nach Hause und es kam zu einem Streit zwischen den beiden, da die Frau keine Zeit gefunden hatte, das Haus zu putzen und das Abendessen zu kochen. Daraufhin griff der Ehemann seine Frau mit seinen Fäusten an und schlug sie zu Tode. Die Frau erlitt mehrere Schürfwunden, ein Schädeltrauma und Blutungen am ganzen Körper. Der Mann wurde zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt. Dies ist ein Femizid.</p>


<p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Juni 2020 <a href="https://darakchi.uz/ru/96100">hackte</a> ein Einwohner von Namangan während eines Streits mit einer Axt auf seine Frau ein und griff dann seine Töchter, zehn und acht Jahre sowie vier Monate alt, an. Den Älteren gelang es, zu den Nachbarn zu laufen und zu entkommen, während die Jüngste getötet wurde. Dies ist Femizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. Juni erfuhr ein Vater in dem Dorf in der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farg%CA%BBona">Ferghana</a>, dass sich seine 16-jährige Tochter mit einem Jungen in seinem Auto traf. Der wütende Mann schlug seiner Tochter mehrmals auf den Kopf, so dass sie das Bewusstsein verlor. Nachdem der Vater seiner Tochter Wasser ins Gesicht gespritzt hatte, belebte er sie wieder und befahl ihr, niemals wieder mit dem Jungen zu sprechen. Das Mädchen ging in ihr Schlafzimmer und erlag ihren Verletzungen. Auch dies ist Femizid.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Zuhause, ein gefährlicher Ort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die in den Meldungen über Verbrechen gesammelten Daten spiegeln nicht das gesamte Bild der Femizide in Usbekistan wider, aber sie werden am häufigsten verwendet, wenn es Lücken in den offiziellen Statistiken gibt. So geben die Daten der Präsidialagentur für Statistik beispielsweise nur das Geschlecht und das Alter des Täters an, nicht aber das des Opfers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus war es nicht möglich, Zahlen über Morde an Frauen durch Intimpartner oder Verwandte zu finden. Das Büro des Generalstaatsanwalts von Usbekistan hat auf Anfragen nicht geantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einem Bericht der Strafverfolgungsbehörden vom April 2022 geht hervor, dass von 39.343 gemeldeten Fällen von Gewalt und Nötigung gegen Frauen und Mädchen 34.330 – das sind 87 Prozent – im häuslichen Bereich begangen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass geschlechtsspezifisch motivierte Tötungen von Frauen und Mädchen von aktuellen oder ehemaligen Intimpartnern oder anderen Familienmitgliedern begangen werden. Die Tötung von Frauen steht häufig im Zusammenhang mit dem Bedürfnis der Männer, Frauen zu kontrollieren oder für ein als inakzeptabel erachtetes Verhalten zu bestrafen, und es gibt Hinweise darauf, dass Frauen besonders häufig Opfer dieser Art von Tötung werden“, heißt es im UN-Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zusammengetragene <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit?usp=share_link">Datenbank</a> bestätigt diese Aussage. In den meisten Fällen kannte die Frau ihren Mörder. Der Täter war ihr Ehemann, Freund, Lebensgefährte, Ex-Ehemann oder ein anderer männlicher Verwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit">vorliegenden Untersuchung</a> waren Mörder zu 51 Prozent Ehemänner/Partner, zu 37 Prozent Väter, Schwiegermütter, Söhne, Brüder, Schwager usw., zu 12 Prozent unbekannt, zu 8 Prozent kam es zu einer Verleitung zum Selbstmord, zu 4 Prozent war es der Ex-Mann, zu 10 Prozent ein männlicher Bekannter, zu 8 Prozent ein Unbekannter, zu 13 Prozent Andere.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorwände, Motive, Gründe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptmotiv für Femizid ist der häusliche Konflikt. In vielen Fällen entstanden die Familienstreitigkeiten vor dem Hintergrund männlicher Aggressionen: weil die Frau keine Jungen zur Welt brachte, „Worte sagte, die sein Ego verletzten“, die Hausarbeit nicht erledigte, die Scheidung wollte, die Schwiegermutter sie schikanierte oder ihr Mann systematisch häusliche Gewalt ausübte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die feministische Gemeinschaft „Nemolchi.uz“ ist der Ansicht, dass die Mahalla-Ausschüsse in ihrem Bemühen, die Scheidungsstatistiken zu senken, die häusliche Gewalt mit dem Begriff „häusliche Konflikte“ verschleiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für viele Frauen ist das Zuhause zum gefährlichsten Ort geworden, denn hier werden sie misshandelt, geschlagen oder gar getötet. Es gibt keinen Grund, Mord und Femizid hinter dem neutralen Begriff &#8218;häusliche Konflikte&#8216; zu verstecken. Selbst der Begriff &#8218;häusliche Gewalt&#8216; ist zu harmlos geworden, um auszudrücken, was in diesem Land geschieht“, heißt es in einem der <a href="https://t.me/nemolchiuz/7484">Beiträge der Gemeinschaft</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig ist der Grund für häusliche Gewalt ungerechtfertigte Eifersucht oder der Verdacht auf Untreue seitens eines Ehepartners, der seine Frau als sein Eigentum betrachtet. Dies ist das zweithäufigste Motiv bei Femiziden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fälle, in denen Frauen von einer anderen Frau ermordet werden, können ebenfalls als Femizid eingestuft werden, wenn das Verbrechen zu Gunsten des Mannes begangen wird oder wenn das Opfer nicht den patriarchalischen Einstellungen und kulturellen Normen entspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Zusammenhang mit solchen schädlichen Praktiken können nicht nur männliche, sondern auch weibliche Verwandte das Opfer absichtlich angreifen“, heißt es im UN-Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde beispielsweise im Januar letzten Jahres eine Frau <a href="https://darakchi.uz/ru/136266">verurteilt</a>, die in einem Wutanfall 32-mal mit einem Messer in ihre Schwiegertochter einstach, vor Augen der drei Enkelkinder. Der Schwiegermutter gefiel die Kleidung nicht, die ihre Schwiegertochter ihren Kindern gekauft hatte.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tötungsarten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analyse ergab, dass in 60 Prozent der Fällen die Frauen mit einem Küchenmesser oder mit einer anderen scharfkantigen Tatwaffe wie einer Axt, Hacke, Schere oder Kettensäge getötet wurden. Die meisten Opfer wiesen mehrere Stichwunden am Körper auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An zweiter Stelle stehen Schläge mit tödlichen Folgen aufgrund von Verletzungen und Strangulation. Einige dieser Morde wurden mit besonderer Grausamkeit begangen. Der Täter griff auf gemischte Methoden des Femizids zurück, nachdem er versucht hatte, die Frau zu strangulieren, sie mit bloßen Händen zu schlagen oder das Verbrechen zu verbergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter „Sonstige“ sind Fälle zu verstehen, in denen Leichen von Frauen gefunden wurden, aber keine Angaben zur Tatwaffe oder zur Art der Verletzungen vorliegen. Darunter zählen auch einige Selbstmordfälle mit geschlechtsspezifischen Merkmalen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten werden Frauen mit einem Küchenmesser umgebracht. In 60 Prozent aller <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit?usp=sharing">Fälle</a> wurde eine Frau mit einem Küchenmesser erstochen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie werden Strafverfahren im Zusammenhang mit Femiziden behandelt?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Datenbank zufolge werden 57 Prozent der Verbrechen, bei denen das Opfer eine Frau war, als „vorsätzlicher Mord“ registriert.&nbsp; Bei einigen vorsätzlichen Morden kommt ein erschwerender Umstand hinzu &#8211; Schwangerschaft der ermordeten Frau oder Mord an Kindern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast ein Viertel der Fälle wird als &#8222;vorsätzliche Körperverletzung&#8220; registriert, und der Täter erhält für den versuchten oder vollendeten Mord an einer Frau eine bis zu 10-jährige Gefängnisstrafe. Dabei handelt es sich in der Regel um Fälle, in denen ein Ehemann seine Frau mit bloßen Händen zu Tode schlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund ein Viertel der Fälle von Femizid fallen unter die Artikel „Verleitung zum Selbstmord“ und „Selbstmord“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April dieses Jahres hat eine 27-jährige Frau in Taschkent zunächst ihre beiden Söhne (4 und 5 Jahre alt) aus einem Schlafzimmerfenster aus dem neunten Stock geworfen und ist dann selbst zusammen mit ihrer einjährigen Tochter aus dem Fenster gesprungen. Alle vier starben. Zum Zeitpunkt der Tragödie befand sich der Ehemann der Frau in Saudi-Arabien, wo er die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmra">Umra</a> vollzog. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Information, dass der Ehemann seiner Ehefrau Fotos von sich mit einer anderen Frau im Ausland schickte, doch der Ehemann bestreitet dies. Die Aktivist:innen des Projekts <a href="https://www.wmmsk.com/femicid/">FEMICID.NET</a> des Moskauer Frauenmuseums bezeichnen solche Fälle als indirekten Femizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtlerin Dilfuza Kurolova, die an der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs gegen häusliche Gewalt mitgewirkt hat, ist der Ansicht, dass Fälle von Anstiftung zum Selbstmord und Selbstmorde selbst das Ergebnis wiederholter Handlungen oder Unterlassung sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist sehr schwierig, einen Selbstmord nachzuweisen, da es in den meisten Fällen keine direkten Beweise gibt und alles von der Qualität der gerichtsmedizinischen und gerichtspsychologischen Untersuchungen und Ermittlungsbehörden abhängt“, so die Juristin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Datenbank finden sich mehrere Fälle von jungen Frauen, die aufgrund der Gewalt ihres Vaters gegen ihre Mutter Selbstmord begingen. Andere häufige Fälle von Selbstmord wurden begangen, da dem Vater der Opfer Fotos [vermutlich handelt es sich um Nacktbilder oder Bilder in Unterwäsche, die ohne Einverständnis der Frauen von Drittparteien verbreitet wurden und an den Vater gesendet wurden, um die Opfer zu erniedrigen – Anm. der Red. von Novastan] zugeschickt wurden. Aufgrund der Reaktion des Vaters beging die Tochter Suizid. Weitere Fälle von Selbstmord geschahen in Folge von sexuellem Missbrauch. In all diesen Fällen weigerte sich die Staatsanwaltschaft jedoch, ein Strafverfahren einzuleiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wird die Kriminalisierung häuslicher Gewalt das Problem lösen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Regierung keine Maßnahmen zur Verringerung der Gewalt gegen Frauen ergriffen hat. Im April dieses Jahres ist ein <a href="https://xs.uz/ru/post/o-vnesenii-izmenenij-i-dopolnenij-v-nekotorye-zakonodatelnye-akty-respubliki-uzbekistan-v-svyazi-s-dalnejshim-sovershenstvovaniem-sistemy-nadezhnoj-zaschity-prav-svobod-i-zakonnykh-interesov-zhenschin-i-detej-3">Gesetz</a> zur Änderung des usbekischen Systems zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt in Kraft getreten. Ein Paket verabschiedeter Änderungen des Straf- und Verwaltungsrechts des Landes sieht eine getrennte verwaltungs- und strafrechtliche Haftung für häusliche Gewalt und Belästigung vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als häusliche Gewalt gelten nun nicht nur Übergriffe, sondern auch die Verletzungen von Rechten (auf Eigentum, Bildung, Gesundheit und Arbeit), Beleidigungen, Drohungen und die erzwungene Trennung von engen Verwandten. Darüber hinaus kann eine Schutzanordnung, die bisher für 30 Tage ausgestellt wurde, nun auf bis zu ein Jahr verlängert werden. Die Strafen für sexuelle Gewalt wurden ebenfalls verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Expert:innen und Menschenrechtsaktivist:innen bezweifeln allerdings den Erfolg des neu verabschiedeten Gesetzes. Sie befürchten, Stereotype in der patriarchalischen Gesellschaft Usbekistans werden nach wie vor überwiegen. Als eine Schwierigkeit sehen sie auch die Anfälligkeit der Strafverfolgungsbehörden für Korruption.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin Dilfuza Kurolova ist der Meinung, dass die Kriminalisierung der häuslichen Gewalt keine maßgeblichen Auswirkungen auf die Situation der Femizide haben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leider wird [dieses Gesetz] nicht in der Lage sein, [Femizid] zu verhindern, weil es immer noch psychologische und finanzielle Gewalt gibt. Die Opfer können die Anzeige jederzeit zurückziehen und Ermittlungen einstellen, und das ist ein großes Problem. Deshalb muss der Artikel 66-1 des Strafgesetzbuchs, nach dem ein Verdächtiger aufgrund einer Versöhnung von der strafrechtlichen Verantwortung befreit werden kann, überarbeitet oder aufgehoben werden“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Expertin, die im Bereich Frauen und Kinderrechte tätig ist und nicht genannt werden möchte, betont, dass die Kriminalisierung der häuslichen Gewalt ein positiver Schritt ist, dass aber die Verschärfung der Strafen allein das Problem nicht lösen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sehen, dass die Rolle der Frauen in Usbekistan trotz der Bemühungen der Regierung und einer aktiveren Zivilgesellschaft in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Das liegt auch daran, dass es in der Gesellschaft insgesamt keine absolute Absenz für die Duldung von Gewalt gibt. Wir stellen fest, dass sich in unserer Gesellschaft eine patriarchalische Haltung gegenüber Mädchen und Frauen durchsetzt, die, wie mir scheint, nicht ganz korrekt ist, und auf einer völlig falschen Auslegung der islamischen Vorschriften über die Erziehung und die Rolle der Frau in der Gesellschaft beruht, in der nur von den Pflichten der Frauen die Rede ist und die Pflichten der Männer gegenüber den Frauen vergessen werden“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch internationale Menschenrechtsorganisationen haben ihre Besorgnis geäußert. In dem <a href="https://eurasia.amnesty.org/wp-content/uploads/2022/12/nasilie-v-otnoshenii-zhenshhin-v-vostochnoj-evrope-i-czentralnoj-azii.pdf">Bericht</a> von <a href="https://www.amnesty.de/">Amnesty International</a> aus dem Jahr 2022 mit dem Titel <a href="https://eurasia.amnesty.org/wp-content/uploads/2022/12/nasilie-v-otnoshenii-zhenshhin-v-vostochnoj-evrope-i-czentralnoj-azii.pdf">„Osteuropäische und zentralasiatische Frauen brauchen Schutz vor Gewalt in Krisen- und normalen Zeiten“</a> wurde beispielsweise festgestellt, dass „die Situation durch eine starke Zunahme traditionalistischer, patriarchaler und offen frauenfeindlicher politischer Rhetorik weiter verschärft wird“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amnesty International <a href="https://eurasia.amnesty.org/2023/04/06/parlament-uzbekistana-prinyal-davno-nazrevshij-zakon-ob-ugolovnoj-otvetstvennosti-za-nasilie-v-seme/">begrüßte</a> zwar die Verabschiedung wichtiger Schritte zur Verbesserung der Lage der Frauen in Usbekistan, stellte jedoch fest, dass „noch viel zu tun bleibt, um das neue Gesetz umzusetzen, häusliche Gewalt zu verhindern und patriarchale Einstellungen in der Gesellschaft zu überwinden“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der weit verbreitete, zutiefst traditionalistische Ansatz bei der Lösung von Familienkonflikten ist nach wie vor eines der Haupthindernisse für einen besseren Schutz der Opfer“, heißt es in dem Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Wie die Datenbank erstellt wurde</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Daten wurden mithilfe einer Javascript-Automatisierungsbibliothek namens Puppeteer extrahiert, die den Browser steuern kann. Die ursprünglichen Nachrichtenseiten wurden manuell ausgewählt, und der Parser-Code musste für jede einzelne Seite individuell angepasst werden, da sie alle recht unterschiedlich waren. Als Suchbegriffe wurden die am häufigsten in Texten über Frauenmorde vorkommenden Begriffe verwendet, z. B. „hat Frau getötet“, „hat Frau zerstückelt“, „hat seine Frau erstochen“, „hat ermordet“, „Leiche gefunden“ und so weiter. Das Wort „Frau“ wurde auch auf „Ehefrau“ und „Mädchen“ ausgeweitet. Die Daten wurden in einem Format extrahiert und anschließend in ein Excel-Tabellenblatt importiert. Die Tabelle musste manuell bearbeitet werden, da der Code auch Kriminalitätsnachrichten aus anderen Ländern extrahierte, die sich nicht auf Femizid bezogen. Auf diese Weise konnten wir mehr als 150 Femizid-Nachrichten aus den Jahren 2018 bis 2023 sammeln und auswerten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Luiza Atabaeva für Cabar.Asia</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/femitsid-v-uzbekistane-dlya-togo-chtoby-zashhitit-zhenshhin-nuzhny-bolee-sereznye-mehanizmy">Russischen</a> von Berenika Zeller</p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Warum es in Kirgistan üblich ist, über Selbstmord zu schweigen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[akozhakhmetova]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Feb 2022 15:26:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Blue Whale]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstmord]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Suizid erh&#xE4;lt hohe mediale Aufmerksamkeit, kurz darauf kommt es zu weiteren Selbstmordversuchen. Das Nachrichtenportal 24.kg sprach mit dem klinischen Psychologen Karen Petrosyan Anfang Dezember 2021 dar&#xFC;ber, was in kirgisischen Gesellschaft vor sich geht, vor welchen Problemen die psychologische Betreuung steht und warum es in Kirgistan nicht &#xFC;blich ist, &#xFC;ber Selbstmord zu sprechen. Ende Oktober [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Suizid erhält hohe mediale Aufmerksamkeit, kurz darauf kommt es zu weiteren Selbstmordversuchen. Das Nachrichtenportal <a href="https://24.kg/obschestvo/216270_elemne_deyt_pochemu_vkyirgyizstane_prinyato_zamalchivat_suitsid/">24.kg</a> sprach mit dem klinischen Psychologen Karen Petrosyan Anfang Dezember 2021 darüber, was in kirgisischen Gesellschaft vor sich geht, vor welchen Problemen die psychologische Betreuung steht und warum es in Kirgistan nicht üblich ist, über Selbstmord zu sprechen. </strong>

Ende Oktober sprang in Bischkek ein 22-jähriger Junge vom Dach eines unfertigen neunstöckigen Gebäudes. Mitte November verhinderten die Rettungskräfte in der Hauptstadt eine ähnliche Tragödie. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tokmok">Tokmok</a> wurden drei Selbstmordversuche vereitelt, ein weiterer wurde kürzlich in Bischkek verhindert – ein Mädchen wollte aus dem achten Stock springen.

<strong>24.kg: Karen, in letzter Zeit hören wir immer häufiger von Selbstmordversuchen. Was ist hier los?</strong><strong>Karen Petrosyan: </strong>Sie haben vielleicht schon vom <a href="https://lexikon.stangl.eu/10101/werther-effekt">Werther-Effekt</a> gehört. Dabei handelt es sich um eine massive Welle von Nachahmungsselbstmorden, die nach einem Vorfall auftreten, über den in den Medien ausführlich berichtet wurde.

Die jüngsten Vorfälle in Kirgistan verbindet die Art und Weise des versuchten Selbstmordes. Alle stürzten sich aus großer Höhe, waren etwa gleich alt und mehrheitlich gleichen Geschlechts. Das ist typisch für den Werther-Effekt. Erinnern wir uns an den ersten tragischen Fall, der sich in Bischkek an der Kreuzung der Baityk Baatyr- und der Suerkulov-Straße ereignete.

In den Medien und einigen Telegrammkanälen war sogar zu sehen, wie der Mann vom Dach sprang. Ich weiß wirklich nicht, wofür.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Auch wenn Menschen sehr unterschiedlich mit diesem Ereignis umgingen, löste dies eine regelrechte Kettenreaktion aus. Einige übergingen die Information, andere waren entsetzt, wieder andere identifizierten sich mit dem Ereignis auf besondere Weise und zogen Parallelen zwischen sich und dem Verstorbenen. Das Informationsfeld beginnt in solchen Momenten, einer bestimmten Kategorie von Menschen eine Idee zu geben, die sie für lange Zeit umgibt. Wenn dann noch Faktoren hinzukommen, die die Impulsivität erhöhen, wie Alkohol oder ein heftiger Streit mit Angehörigen, kann dies zur Nachahmung verleiten.

<strong>Was sagen die Statistiken? Wie oft beschließen Kirgisen, sich das Leben zu nehmen?</strong>

Die Statistik für 2019 zeigt 5,8 Selbstmorde pro 100.000 Einwohner. Im Jahr 2020 ist diese Zahl auf 4,6 zurückgegangen. Jedes Jahr nehmen sich in Kirgisistan zwischen 460 und 480 Menschen das Leben – also bringt sich jeden Tag jemand um.

Natürlich wird nicht jeder Fall so detailliert und ausführlich in den Medien behandelt. Und in gewisser Weise ist das auch gut so – denn es reduziert die Zahl der potenziellen Nachahmer. Allerdings steht hinter den von mir zitierten Statistiken noch eine große Dunkelziffer.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/haeusliche-gewalt-in-zentralasien-eine-folge-der-ausgangsbeschraenkungen/">Häusliche Gewalt in Zentralasien: Eine Folge der Ausgangsbeschränkungen</a></strong><strong>Werden die Zahlen zu niedrig angegeben?</strong>

In der Realität kommt es immer wieder zu kontroversen Fällen, in denen als Todesursache ein Unfall angegeben wird. Zum Beispiel ertrinkt eine Person unter merkwürdigen Umständen in einer Badewanne, fällt aus dem Fenster, schneidet sich oder ähnliches. Der Selbstmord eines geliebten Menschen oder eines Verwandten wird verheimlicht, um der Verurteilung durch andere zu entgehen, dem Tadel. Ein weiterer Faktor ist die Religiosität. In vielen Lehren ist Selbstmord eine schreckliche Sünde. Selbstmörder werden nicht begraben und nicht auf gewöhnlichen Friedhöfen beigesetzt. Und für die ÄrztInnen selbst ist es manchmal einfacher, einen Unfalltod als Todesursache anzugeben, weil die Registrierung eines Selbstmordes Probleme verursacht – Polizeikontrollen, Ermittlungen. Deshalb spiegeln die Daten, die wir erhalten, nicht das gesamte Bild wider.

<strong>Zurück zu der ersten Tragödie, die sich in Bischkek ereignete. Viele haben die Rettungskräfte mit Kritik überzogen. Es heißt, der Mann hätte gerettet werden können, man hätte ihm die Sache ausreden können. Was meinen Sie dazu?</strong>

Ich würde weder dem Psychologen, noch dem Rettungsteam die Schuld geben. Der junge Mann war bereits emotional aufgewühlt, als er auf das Dach kletterte. Überall waren Fernsehkameras und Aufmerksamkeit um ihn herum. Und ohne, dass er sich seiner Handlungen bereits im Ansatz bewusst war.

Hätte das Rettungsteam mit dem Jungen unter vier Augen gearbeitet, wäre das Ergebnis vielleicht ganz anders ausgefallen. Sie haben viel Erfahrung in der Suizidprävention. Die Menge der Gaffer im Erdgeschoss spielte ebenfalls eine negative Rolle. Ich kann nicht sagen: <em>„Wenn ich an der Stelle des Psychologen von Rettungsteam gewesen wäre, hätte ich es geschafft</em>“. Und glauben Sie mir, kein/e SpezialistIn in Kirgisistan wird Ihnen das sagen. Es handelte sich um eine extrem schwierige Situation, die durch die viele Aufmerksamkeit nur noch schlimmer wurde.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie erkennt man ein potenzielles Selbstmordopfer?</strong>

Es ist ein Irrglaube, dass eine Person, die einen verzweifelten Schritt tut, dies niemals sagen wird. Dass dies nur „Poser“ tun, die ohne ernsthafte Absichten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die große Mehrheit der Selbstmordgefährdeten sucht unbewusst Hilfe. Irgendwie fangen sie an, es in Gesprächen zu erwähnen. Also nicht direkt, nach dem Motto: „<em>Ich werde mich morgen aufhängen</em>“. Vielmehr machen sie Andeutungen. Sie sagen, dass sie von allem genug haben. Sie könnten scherzhaft sagen: „<em>Ich wäre lieber tot</em>“ oder etwas Ähnliches. Ein solcher Satz sollte Sie aufhorchen lassen. Dazu müssen drei Faktoren zusammenkommen: Erstens die Hoffnungslosigkeit, zweitens das Nichtstun. Die dritte ist das Gefühl, dass das eigene Leben für andere bedrückend ist.

Es ist sehr wichtig, diese Symptome nicht zu übersehen. Übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum ist ebenfalls ein starkes Signal. Die Person hört auf, die üblichen Dinge zu tun, sich um sich selbst zu kümmern. Verliert das Interesse an früheren Hobbys und der Arbeit.

Wenn es sich um Jugendliche handelt, ist ein deutliches Zeichen die Faszination für Literatur, Zeichnungen oder Videos zum Thema Selbstmord. Es könnte sich dabei zweifellos um kindliche Neugier handeln, dennoch sollten diese Warnsignale nicht übersehen werden. Ein deutliches Anzeichen ist selbstverletzendes Verhalten.

<strong>Es gibt die Meinung, dass man mit Teenagern nicht über Selbstmord sprechen sollte, da diese eine solche Tragödie erst auslösen könnte.</strong>

Dieser Irrglaube ist weit verbreitet. Selbstmord ist in unserer Gesellschaft ein Tabu, wenn es um Kinder geht. Wenn das Kind eine normale Beziehung zu Ihnen hat, schaden Sie ihm keineswegs, wenn Sie es vorsichtig fragen. Im Gegenteil, Sie stärken sein Vertrauen. Und wenn es bereits ein Problem gibt, wenn das Kind einige Sorgen angesammelt hat, dann wird ein aufrichtiges und offenes Gespräch diese aufdecken.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/erpressung-und-ausbeutung-im-webcam-business-in-kirgistan/">Erpressung und Ausbeutung im Webcam-Business in Kirgistan</a></strong><strong>Teenager sind sehr emotional. Wie kann man sie vor unüberlegten Entscheidungen schützen?</strong>

Studien zeigen, dass das Selbstmordrisiko um etwa die Hälfte sinkt, wenn ein Kind eine vertrauensvolle Beziehung zu mindestens einem Elternteil hat. Was auch immer in der Schule passiert, die erste Liebe und Liebeskummer, Mobbing durch Gleichaltrige, schulische Probleme – Ihr Kind braucht das Gefühl, dass Sie eine Mauer sind, hinter der es sich verstecken kann. Dass es sich jederzeit bei Ihnen melden und weinen kann. Wenn in der Familie verboten wird, darüber zu sprechen und Gefühle zu zeigen, wird das Kind all seine Sorgen in sich behalten und anhäufen. Sie sollten ein Freund für das Kind sein.

Dies war vor allem vor dem Hintergrund des so genannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Whale_Challenge" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Blauen Wals&#8220;</a> zu sehen. Als Eltern sich plötzlich massenhaft daran erinnerten, dass Kinder nicht nur gefüttert und eingekleidet werden müssen, sondern auch, dass man mit ihnen reden muss.

<strong>In Europa gibt es Dienste, an die sich verzweifelte Personen 24 Stunden am Tag über eine Hotline wenden können. Wie ist die Lage hier?</strong>

In den USA beispielsweise erscheint bei der Eingabe einer Suchanfrage zum Thema Selbstmord als erstes eine Hotline-Nummer, die Ihren Anruf oder Ihre Textnachricht entgegennimmt, und dann die anderen Optionen. Es spielt keine Rolle, wonach Sie suchen. Es mag eine Information für Ihre These sein, aber der Algorithmus wird funktionieren.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/es-mangelt-an-allem-amir-talipow-zum-gesundheitswesen-in-kirgistan/">„Es mangelt an allem“ – Amir Talipow zum Gesundheitswesen in Kirgistan</a></strong>

Bei uns gibt es keine solchen Hotlines. Früher gab es Dienste, die von Nichtregierungsorganisationen organisiert wurden, aber als deren Ressourcen erschöpft waren, wurden sie geschlossen. Wir versuchen aktuell nicht, Selbstmord zu verhindern. Wir suchen nachher einen Schuldigen. Nur bringt es die Toten nicht zurück.

<strong>Viele Menschen scheuen sich, nicht nur in speziellen Einrichtungen, sondern auch bei normalen PsychologInnen Hilfe zu suchen, weil sie denken, dass sie als krank angesehen werden könnten. Wird eine Person, die Selbstmordgedanken äußert, ins Krankenhaus eingewiesen?</strong><strong>&nbsp;</strong>Nein, niemand wird jemanden zwingen, sich in eine Krankenstation zu begeben und ihn dort mit Betäubungsmitteln ruhigstellen. Selbstmordgedanken sind ein Syndrom, das sowohl bei Krankheiten als auch bei allgemeinen psychischen Störungen auftreten kann. Sie brauchen einen guten Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Zum Beispiel, wenn die Person eine echte Gefahr für sich oder andere darstellt. In den Fällen, in denen es notwendig ist, trifft ein Gremium von ÄrztInnen die endgültige Entscheidung.

<strong>Man hört auch von der anderen Seite der Medaille, wenn Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen einen Krankenhausaufenthalt benötigten, die ÄrztInnen sich aber weigerten&#8230;</strong>

Wenn es nicht um eine psychologische, sondern um eine psychiatrische Behandlung geht, besteht ein schmaler Grat zwischen Humanismus und strafender Medizin. Es sollte nicht zu einer Überreaktion in die eine oder andere Richtung kommen. Es gab eine Zeit, in der Krankenhäuser Menschen einsperrten, die der Regierung nicht gefielen, in der Verwandte sich absprachen und dafür sorgten, dass ein gesunder Mensch eine lebenslange Behandlung erhielt. Eine Zeit, in der „schwarze ImmobilienmaklerInnen“ florierten. Diese Angst ist auch heute noch lebendig. Die Tabuisierung von Themen, die nicht nur die psychiatrische, sondern auch die psychologische Versorgung betreffen, ist weitgehend auf die Vergangenheit zurückzuführen.

Natürlich gibt es auch objektive Gründe. Fehlendes medizinisches Personal, mangelnde Finanzierung. Ihre Redaktion hat einen Bericht von mehreren spezialisierten Einrichtungen veröffentlicht. Sie haben sich selbst ein Bild von den Bedingungen gemacht, unter denen PsychiaterInnen arbeiten müssen. Und das ist praktisch die Situation im gesamten System der psychiatrischen medizinischen Versorgung. Erbärmliche Gehälter und exorbitante Arbeitsbelastung. Einige finden die Kraft, Menschen zu helfen, während es anderen leichter fällt, die zusätzliche Arbeitsbelastung nicht auf sich zu nehmen und die Aufnahme ins Krankenhaus zu verweigern.

<strong>Gibt es einen allgemeingültigen Rat, wie man sich und seine Angehörigen schützen kann?</strong>

Haben Sie keine Angst und zögern Sie nicht, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Probleme überwältigend sind und Sie sie nicht selbst bewältigen können. Damit haben wir in unserer Gesellschaft große Schwierigkeiten. Tabu. Sofort fragen wir uns: „<em>Was werden die anderen von mir denken, wenn sie wissen, dass ich bei einem/einer PsychologIn war?</em>“ Wir zögern nicht, zu ZahnärztInnen zu gehen, wenn wir Zahnschmerzen haben, oder? Wir denken nicht darüber nach, was die Leute von uns denken werden. Wieso ist ein seelisches Leiden schlimmer als Zahnschmerzen? Auch damit muss man sich befassen.

Ein weiteres Problem ist die Zugänglichkeit. Vor allem in den ländlichen Regionen. Dieser Rat richtet sich vor allem an die Entscheidungsträger, weniger an die kirgisische Bevölkerung. Es geht um die Entwicklung eines Frühwarnsystems. In der heutigen Zeit, in der der Stress immer mehr zunimmt, ist dies äußerst wichtig. Denn es ist immer einfacher, eine Tragödie zu verhindern, als ihre Folgen zu bewältigen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://24.kg/obschestvo/216270_elemne_deyt_pochemu_vkyirgyizstane_prinyato_zamalchivat_suitsid/">Die Redaktion von 24.kg</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">A<strong>us dem Russischen von Aigerim Kozhakhmetova</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>ako</p>
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