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	<title>Soft Power Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Soft Power Archives</title>
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		<title>Soft Power mit vorgehaltener Waffe: Was steckt hinter Sergej Kirijenkos Besuch in Usbekistan?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 18:44:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erste stellvertretende Leiter der Pr&#xE4;sidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko, ist am 15. April nicht ohne Grund nach Taschkent geflogen. Wenn ein solch wichtiger Vertreter der Kreml-Verwaltung nach Usbekistan reist und nicht etwa ein gew&#xF6;hnlicher Minister oder Vizepremier, bedeutet dies stets, dass es um ernste und nicht immer &#xF6;ffentlich diskutierte Angelegenheiten geht. Offiziell klang alles sehr [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der erste stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko, ist am 15. April nicht ohne Grund nach Taschkent geflogen. Wenn ein solch wichtiger Vertreter der Kreml-Verwaltung nach Usbekistan reist und nicht etwa ein gewöhnlicher Minister oder Vizepremier, bedeutet dies stets, dass es um ernste und nicht immer öffentlich diskutierte Angelegenheiten geht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziell klang alles sehr harmonisch: Man sprach über den Anstieg des Warenumsatzes, große gemeinsame Projekte und kulturelle Beziehungen. Bezeichnenderweise begann der Besuch nicht mit Verhandlungen, sondern mit einem Besuch im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Victory_Park,_Tashkent">Siegespark</a> in Taschkent, wo die russische Delegation Blumen am Denkmal „Oda stojkosti“ (Russisch für „Ode an die Standhaftigkeit“) niederlegte und das „Museum des Ruhmes“ besuchte. Die Symbolik ist klar: Das gemeinsame historische Gedächtnis ist ein weiteres Instrument der Einflussnahme, und Kirijenko versteht es, damit umzugehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtiger Mann in Moskau</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wladilenowitsch_Kirijenko">Sergej Kirijenko</a> ist in Moskau nicht nur für die Innenpolitik im traditionellen Sinne zuständig. Seit 2022 ist gerade er der wichtigste ideologische Kurator der „neuen Gebiete“ – der von Russland besetzten ukrainischen Regionen. Er reiste persönlich nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mariupol">Mariupol</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cherson">Cherson</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Melitopol">Melitopol</a>, um sich dort mit dem zu befassen, was der Kreml als „Integration“ bezeichnet: die Ernennung loyaler Beamter, der Aufbau von Verwaltungsstrukturen, die Durchsetzung russischer Bildungs- und Ideologiestandards.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich wurden Videoaufnahmen veröffentlicht, die Kirijenko bei einem Rundgang durch die von Russland „befreite“ und vollständig zerstörte ukrainische Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Myrnohrad">Mirnograd</a> [ukr. Myrnohrad, Anm. d. Übers.] zeigen – mit einem Sturmgewehr in der Hand. Für einen Beamten seines Ranges ist dies eine demonstrative Geste: Ich bin nicht nur ein Verwalter, ich bin Teil dieses Krieges. Genau deshalb werden seine Besuche in den post-sowjetischen Hauptstädten ganz anders wahrgenommen als die Reisen gewöhnlicher Diplomaten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatte der Besuch in Taschkent mehrere wichtige Ziele.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens will Moskau herausfinden, inwieweit Usbekistan noch „auf seiner Seite“ steht. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev </a>verfolgt tatsächlich eine eigenständige Politik und balanciert meisterhaft zwischen Russland, China, der Türkei und dem Westen: Vor einem Jahr fand in Samarkand der Gipfel zwischen Zentralasien und der Europäische Union statt, erst kürzlich empfing Mirziyoyev erfolgreich den türkischen Staatschef, und kurz vor Kirijenkos Ankunft führte die älteste Tochter des usbekistanischen Präsidenten und zugleich Leiterin seiner Verwaltung, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saida_Mirziyoyeva">Saida Mirziyoyeva</a>, eine Reihe erfolgreicher Treffen und Verhandlungen auf höchster Ebene in den USA durch, wo sie den amerikanisch-usbekischen Wirtschaftsrat <a href="https://fergana.news/news/146458/">ins Leben rief</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/saida-mirziyoyeva-die-praesidententochter-und-ihr-kometenhafter-aufstieg/">Saida Mirziyoyeva – Die Präsidententochter und ihr kometenhafter Aufstieg</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heute ist es für den Kreml wichtig, dass Taschkent nicht zu weit aus der Reihe tanzt. Und Kirijenko gehört zu den Menschen, die auf sanfte, aber deutliche Weise daran erinnern können: „Wir sehen alles.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA.jpg" alt="" class="wp-image-44533" style="aspect-ratio:1.5014777647948312;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Präsident Usbekistans Shavkat Mirziyoyev und die Leiterin seiner Verwaltung, Saida Mirziyoyeva, beim Treffen mit Sergej Kirijenko. Foto: UzA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens ging es sicherlich um konkrete industrielle Zusammenarbeit und darum, wie Russland Usbekistan unter den Bedingungen der Sanktionen weiterhin nutzen kann – als günstigen Standort für Produktion und Umgehungsmechanismen. Der Mechanismus für Parallelimporte in Russland wurde bis Ende 2026 verlängert, und die zentralasiatischen Routen bleiben dafür von grundlegender Bedeutung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Soft Power für Usbekistan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und drittens ist da noch das für Kirijenko traditionelle Thema – „Soft Power“: Bildung, Jugend, Kultur, die russische Sprache. Das ist keine Abstraktion: Gleich am Tag ihrer Ankunft besuchte die russische Delegation die Taschkenter Zweigstelle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Forschungsuniversit%C3%A4t_f%C3%BCr_Kerntechnik_%E2%80%9EMIFI%E2%80%9C">Moskauer Nuklearuniversität MIFI</a>, wo sie sich mit Studierenden traf. Am Vortag fand dort die Präsentation des von Russland organisierten Internationalen Jugendfestivals 2026 statt, zu der sich etwa 300 Physikstudierende zusammenfanden. In Usbekistan gibt es einen sehr hohen Anteil an jungen Menschen, und für Moskau ist es von Vorteil, wenn diese weiterhin ihren Blick auf Russland richten und nicht nur auf Ankara oder Washington.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Interesse überschneidet sich unmittelbar mit dem Thema der Arbeitsmigration, das Mirziyoyev und Kirijenko bei ihrem Treffen wahrscheinlich ebenfalls angesprochen haben. Ebenso wie Fragen der kollektiven Sicherheit sowie die Vorbereitungen für Putins bevorstehenden Besuch in Usbekistan. Zuletzt war der russische Präsident im Mai 2024 in Taschkent, und die Frage nach dem nächsten Besuch steht offensichtlich auf der Tagesordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Taschkent in Moskaus Fängen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde außerdem über eine <em>„Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen digitale Technologien und Informationspolitik, Entwicklung der Massenmedien und zivilgesellschaftlicher Initiativen“</em> <a href="https://uza.uz/ru/posts/prezident-uzbekistana-prinyal-delegaciyu-rossii_845186">gesprochen</a>. Die Formulierung klingt neutral und sogar fortschrittlich – doch dahinter verbirgt sich ein ganz konkretes russisches Modell. Immerhin wurde in Russland bis 2026 eines der strengsten Systeme staatlicher digitaler Kontrolle aufgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deraler_Dienst_f%C3%BCr_die_Aufsicht_im_Bereich_der_Kommunikation,_Informationstechnologie_und_Massenkommunikation">Roskomnadzor</a>, das seit 2019 im Rahmen des Gesetzes über das „souveräne Runet“ [russisches staatlich kontrolliertes Internet, Anm. d. Übers.] Befugnisse erhalten hat, verfügt heute über die technischen Möglichkeiten, den russischen Teil des Internets vollständig vom globalen Netz zu isolieren – und führte bereits solche Experimente durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/usbekistans-militaerdoktrin-im-zeitalter-der-drohnen/">Usbekistans Militärdoktrin im Zeitalter der Drohnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet das in Bezug auf Kirijenkos Besuch in Taschkent? Vermutlich schlägt er dieses Modell – in dem die digitale Umgebung und der Medienraum nicht der Information, sondern der Steuerung dienen – der usbekistanischen Regierung als Vorbild für die „Zusammenarbeit“ vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit war der Besuch aus Russland nicht einfach nur ein „Arbeitstreffen“. Es war eine klassische Kreml-Inspektion und eine Bestimmung der Lage – durch einen Mann, der sich nicht nur mit politischen Strategien, sondern auch mit der direkten Verwaltung der „neuen“ russischen Gebiete befasst. Kirijenko wollte sehen, inwieweit Usbekistan noch immer im russischen Einflussbereich liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was getan werden muss, damit Usbekistan so lange wie möglich in diesem Bereich verbleibt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Daniil Kislow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/146543/">Russischen</a> (leicht gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



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			</item>
		<item>
		<title>Schach – eine sowjetische Leidenschaft und in Zentralasien nach wie vor präsent</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 05:42:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit nur neunzehn Jahren ist der usbekische Spieler Javohir Sindarov k&#xFC;rzlich der j&#xFC;ngste Schach-Weltcup-Sieger im indischen Goa geworden. Seit seinem zw&#xF6;lften Lebensjahr ist er Gro&#xDF;meister und sein Erfolg ist Ausdruck f&#xFC;r die anhaltende Beliebtheit des Sports in Zentralasien sowohl unter Jugendlichen als auch &#xE4;lteren Menschen. Schachmatt f&#xFC;r die Gegner von Javohir Sindarov, der am 26. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mit nur neunzehn Jahren ist der usbekische Spieler Javohir Sindarov kürzlich der jüngste Schach-Weltcup-Sieger im indischen Goa geworden. Seit seinem zwölften Lebensjahr ist er Großmeister und sein Erfolg ist Ausdruck für die anhaltende Beliebtheit des Sports in Zentralasien sowohl unter Jugendlichen als auch älteren Menschen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schachmatt für die Gegner von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Javohir_Sindarov">Javohir Sindarov</a>, der am 26. November 2025 im Alter von 19 Jahren in Indien den Schachweltcup gewann. Als <a href="https://www.gazeta.uz/en/2025/11/27/sindarov-chess-uzbekistan/">jüngster Spieler, der jemals dieses Turnier gewonnen hatte</a>, erzielte er einen historischen Sieg für Usbekistan, das sich seit 2004 nicht mehr für die Kandidatenrunde der Weltmeisterschaft qualifiziert hatte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Javohir Sindarov, der im Alter von 12 Jahren zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fmeister_(Schach)">Internationalen Großmeister</a> (einem Ehrentitel, der den besten Schachspielern vorbehalten ist) ernannt wurde, ist ein Beispiel für die anhaltende Beliebtheit des Schachspiels im postsowjetischen Zentralasien. Während die Schulen in der Region zunehmend Programme zum Erlernen dieses Sports anbieten, war Schach zu Zeiten der UdSSR lange Zeit ein Förderer der Gleichheit zwischen den Bürgern und Symbol der intellektuellen Überlegenheit der kommunistischen Doktrin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sowjetische Schule“ des Schachspiels oder „intellektuelle Propaganda“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Oktoberrevolution 1917 war Schach der Bourgeoisie vorbehalten, doch wurde dann von den Bolschewiki demokratisiert. Zum Spielen braucht man nichts weiter als ein Schachbrett und ein paar Figuren: Praktisch und kostengünstig, wurde Schach in der UdSSR für alle zugänglich und stand für den Willen zur Abschaffung der Klassenunterschiede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell entstand eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Schachschule">sowjetische Schachschule</a> unter der Leitung eines der ersten Weltmeister der Geschichte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Moissejewitsch_Botwinnik">Michail Botwinnik</a>. Schach wurde in der Schule unterrichtet, Trainingsprogramme und Turniere staatlich finanziert. Genau der Sport, der für seinen strategischen Wert bekannt ist, ermöglichte es der UdSSR, ihre intellektuelle Dominanz zu behaupten – ein wichtiges Instrument der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Soft_Power">Soft Power</a> im Kalten Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/usbekistan-siegt-bei-schacholympiade-was-sich-abgespielt-hat/">Usbekistan siegt bei Schacholympiade: Was sich abgespielt hat</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch heute florieren Akademien, internationale Festivals und Schachlernprogramme in Zentralasien. Ob in Usbekistan, wo der Sport in der Schule unterrichtet wird, oder in Kasachstan mit dem Programm „<a href="https://weproject.media/en/articles/detail/chess-in-central-asia-from-ancient-roots-to-global-triumphs/">Schach im Dorf</a>“. Und diese Strategie erweist sich als erfolgreich: <a href="https://timesca.com/two-more-grandmasters-for-kazakhstan-an-emerging-chess-power/">Allein 2024</a> wurden in Kasachstan nicht weniger als 92 Turniere organisiert und fünf kasachische Frauen waren 2025 <a href="https://medium.com/@timur-turlov/how-chess-became-a-main-driver-for-kazakhstan-3daaa53251b0">weltweit unter den Top 100</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Timur Turlov, Geschäftsmann aus Kasachstan und Präsident des kasachstanischen Schachverbands, soll Schach ein Schaufenster für das intellektuelle Kapital des Landes sein; ein Ziel, das an die sowjetische Vergangenheit dieses Sports erinnert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Leidenschaft für Schach auch in Kirgistan ungebrochen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Kirgistan führte der Zusammenbruch der UdSSR zu einem abrupten Ende der staatlichen Fördermittel, doch die Liebe zu diesem Sport ist nach wie vor ungebrochen. Auf dem freien Schachspielplatz im Zentrum von Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans, lassen sich einige Fünfzigjährige, die unter dem Schein der Straßenlaternen eine Partie nach der anderen spielen, nicht von der Dezemberkälte entmutigen. Manchmal sitzen bis nach Einbruch der Dunkelheit einige von ihnen mit gebeugtem Rücken und den Blick auf das Schachbrett geheftet um einen Tisch herum.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Chess_Bishkek_KG-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-43686" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Chess_Bishkek_KG-1024x768.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Chess_Bishkek_KG-300x225.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Chess_Bishkek_KG-768x576.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Chess_Bishkek_KG.jpeg 1536w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schachspiel unter alten Freunden, Bischkek. Foto: Salomé Aldeguer-Roure</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Spieler mit großer Ernsthaftigkeit bei der Sache sind, bleibt die Stimmung ausgelassen. Die Fans, die sie umringen, lachen laut, einige singen, während andere ihrem Lieblingsspieler mit einem diskreten Schubs zu helfen versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eines unserer „Bilder des Tages“: <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/schachspiel/">Schachspiel</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir sind keine Profis, wir spielen aus Liebe zum Schach</em><em>“</em>, erklärt Tyntschtyk, ein Einwohner von Bischkek, der sich seit seiner Jugend für dieses Spiel begeistert. Jeden Sonntag trifft er sich mit seinen Freunden und spielt stundenlang bei gemeinsamem Essen und Trinken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Denksport ist mehr als nur ein Spiel, er ist für diejenigen, die die Sowjetunion erlebt haben, zu einer grundlegenden Form der Sozialisierung geworden. Die Kirgisen haben diese Praxis in ihrem Alltag verankert, da Schachspielen nach wie vor ein Synonym für sozialen Zusammenhalt und Gleichheit ist, unabhängig von Geschlecht, sozialer Klasse oder Herkunft des Spielers. Ob nun vom System vorgegeben oder als Überbleibsel des sowjetischen Erbes: die Leidenschaft für Schach bleibt in Zentralasien bestehen, manche behaupten sogar, dass sie derzeit eine echte Renaissance erlebt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Salomé </strong><strong>Aldeguer-Roure für Novastan</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/societe-et-culture/les-echecs-une-passion-sovietique-toujours-presente-en-asie-centrale/">Französischen</a> von Elisabeth Rudolph</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/schach-eine-sowjetische-leidenschaft-und-in-zentralasien-nach-wie-vor-praesent/">Schach – eine sowjetische Leidenschaft und in Zentralasien nach wie vor präsent</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Riskante Zusammenarbeit mit China</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 06:12:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der j&#xFC;ngste Gipfel der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) zeigte, wie selbstbewusst China seine globalen Ambitionen pr&#xE4;sentiert und wie stark die zentralasiatischen Staaten inzwischen in Pekings Einfluss orbitieren. Doch das chinesische Modell der Zusammenarbeit erzeugt Misstrauen: wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Xi Jinpings neue Ordnungsvorstellungen Beim Gipfel der SOZ stellte Chinas Staatspr&#xE4;sident Xi Jinping seine Global [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der jüngste Gipfel der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a> zeigte, wie selbstbewusst China seine globalen Ambitionen präsentiert und wie stark die zentralasiatischen Staaten inzwischen in Pekings Einfluss orbitieren. Doch das chinesische Modell der Zusammenarbeit erzeugt Misstrauen: wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Xi Jinpings neue Ordnungsvorstellungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Gipfel der SOZ stellte Chinas Staatspräsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a> seine <a href="https://www.scochina2025.org.cn/en/n3/2025/0902/c518818-20361093.html">Global Governance Initiative</a> vor. Unterstützt von Russlands Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Putin">Wladimir Putin</a> zielt sie laut Expert:innen darauf ab, internationale Institutionen schrittweise nach chinesischen Vorstellungen umzubauen. Beobachter:innen sehen die SOZ längst auf dem Weg von symbolischen Erklärungen hin zu festen Strukturen, darunter ein geplantes Sicherheitszentrum in Taschkent und ein Anti-Drogen-Zentrum in Duschanbe.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Westen löste Xis Vorstoß Sorge aus: Manche fürchten, er könne ein Versuch sein, die <a href="https://unric.org/de/">Vereinten Nationen (VN)</a> zu verdrängen. China und Russland weisen diesen Vorwurf zurück. Dennoch rückt angesichts aktueller Entwicklungen, etwa der Kooperationsbereitschaft Indiens, eine Weltordnung, in der die Volksrepublik China das politische Zentrum bildet, deutlich näher.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein koloniales Erbe in neuer Form</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1990er Jahren galt Russland als wichtigster politischer und wirtschaftlicher Partner Zentralasiens, während die Staaten der Region weiterhin stark in sowjetischen Denkmustern und Abhängigkeiten eingebunden waren. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas änderte sich dieses Kräfteverhältnis. Bereits 2004 erklärten chinesische Expert:innen offen, dass Pekings Strategie darauf abziele, die SOZ zu nutzen, um die Ressourcen Zentralasiens zu erschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zweiter-china-zentralasien-gipfel-ein-reigen-an-handelsabkommen/">Zweiter China – Zentralasien – Gipfel: Ein Reigen an Handelsabkommen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Denken folgte klar kolonialen Mustern, die China nach den Krisen des 20. Jahrhunderts übernahm, um den eigenen Aufstieg zu beschleunigen. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 verkauften die zentralasiatischen Staaten verstärkt Rohstoffe und Infrastruktur an China und nahmen umfangreiche Kredite auf. Kurzfristig brachte das finanzielle Vorteile, langfristig wuchs jedoch die Angst vor politischer Abhängigkeit und dem Verlust von Souveränität.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wachsende Sinophobie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz wirtschaftlicher Projekte nahm in Kasachstan und Kirgistan die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Anti-Chinese_sentiment">Sinophobie</a> deutlich zu. Viele Menschen störten sich daran, dass chinesische Firmen häufig eigenes Personal mitbrachten und Einheimische nur untergeordnet beschäftigten. Die hierarchischen Strukturen chinesischer Unternehmen wurden oft als herablassend empfunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sorgten Berichte über Diskriminierung muslimischer Minderheiten in China für zusätzliche Empörung. Auch historische Erfahrungen mit Grenzstreitigkeiten oder alten Konflikten verstärkten das Misstrauen. Zwischen 2016 und 2020 kam es in Kasachstan immer wieder zu Protesten gegen Joint Ventures mit China.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/neue-seidenstrasse-taiwan-eisenbahn-sadyr-dschaparow-auf-offiziellem-besuch-in-china/">Neue Seidenstraße, Taiwan, Eisenbahn: Sadyr Dschaparow auf offiziellem Besuch in China</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders im Gedächtnis blieb eine Aussage des chinesischen Botschafters <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zhang_Hanhui">Zhang Hanhui</a> aus dem Jahr 2016. Er kritisierte die verschärften Visa-Bestimmungen Kasachstans als <em>„sehr unhöflich“ </em>und erklärte, das Land müsse wissen, mit wem man es zu tun habe.Dieser Satz wurde als Ausdruck chinesischer Überheblichkeit empfunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hierarchie als kulturelles Prinzip</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spannungen haben auch kulturelle Ursachen. In der chinesischen Gesellschaft spielt Hierarchie eine zentrale Rolle, geprägt von konfuzianischen Vorstellungen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kindliche_Piet%C3%A4t">Xiao</a>, der Ehrerbietung. Beziehungen gelten traditionell nicht als gleichberechtigt: Ältere stehen über Jüngeren, Vorgesetzte über Untergebenen. Ähnliche Denkweisen fanden sich in den Arbeitsbeziehungen zwischen chinesischen Firmen und lokalen Beschäftigten in Zentralasien wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/gemeinsam-gegen-den-westen-warum-china-und-russland-in-zentralasien-nicht-konkurrieren/">Gemeinsam gegen den Westen – Warum China und Russland in Zentralasien nicht konkurrieren</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Prinzip der Fürsorge, das im konfuzianischen Modell eigentlich auch eine Verantwortung der Vorgesetzten einschließt, wurde von vielen Chines:innen allerdings nicht selbstverständlich auf ausländische Partner:innen übertragen. Viele Einheimische fühlten sich daher nicht nur benachteiligt, sondern grundsätzlich geringer geschätzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Historisch gewachsenes Misstrauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt ein historisch belastetes Verhältnis zwischen der <a href="https://www.bpb.de/themen/asien/china/44301/ethnische-minderheiten/">Han-Mehrheit</a> in China und muslimischen Bevölkerungsgruppen. Religiöse Regeln, wie der Verzicht auf Schweinefleisch oder Alkohol und die Ablehnung der Darstellung von Menschen und Tieren, galten vielen Chines:innen traditionell als fremd oder unverständlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt/">Wie China seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien verstärkt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Erfolg muslimischer Händler im Mittleralter nährte Misstrauen in der damaligen chinesischen Gesellschaft. Diese Haltung übertrugen viele im Alltag auch auf die islamisch geprägten Gesellschaften Zentralasiens. Immer wieder berichteten Einheimische von herablassendem Verhalten, das wiederum die sozialen Spannungen verstärkte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Grenzen, Land und die Angst vor Verlusten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Grenzfragen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion neu ausgehandelt werden mussten, spielten ebenfalls eine Rolle. Während Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan bis 1999 alle strittigen Abschnitte vertraglich regelten, mussten sie jeweils Teile ihres Territoriums an China abtreten. Obwohl diese Vereinbarungen formal abgeschlossen wurden, blieb Unbehagen bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/">China profitiert in Zentralasien von der Isolation Russlands</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan führten 2016 geplante Änderungen im Bodenrecht zu massiven Protesten. Die Bevölkerung befürchtete, dass China große Agrarflächen langfristig kontrollieren könnte. Die Regierung reagierte schließlich mit einem Moratorium und einem generellen Verbot, Land an Ausländer:innen zu verkaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Soft Power als stille Gefahr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">China setzt heute weniger auf direkte Einflussnahme, sondern auf <a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-europalexikon/177268/soft-power/">Soft Power</a> durch Bildungsprogramme, Sprachzentren, Stipendien und Medienkooperationen. Es gibt Menschen in Zentralasien, die diese Form der Einflussnahme jedoch skeptisch sehen. Denn sie wirkt leise, unauffällig und ist schwer zu erkennen. Genau das macht sie aus ihrer Sicht gefährlich. Die zentrale Frage lautet schließlich, ob einer Macht vertraut werden kann, deren Einfluss gerade dann greift, wenn er am wenigsten sichtbar ist.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aleksej Winokurow für Fergana.News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/140006/">Russischen</a> von der Redaktion</strong></p>
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		<title>Chinas Geopolitik im Pamir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[caanetwork]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 15:19:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
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		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Pekings Einfluss in Tadschikistan hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Der zunehmende Einfluss Chinas auf die Sicherheitspolitik Tadschikistans, insbesondere in der Autonomen Region Berg-Badachschan, k&#xF6;nnte zu mehr bilateralen Sicherheitsprojekten in der gesamten Region Zentralasien f&#xFC;hren. Der folgende Artikel erschien am 7. Mai 2020 auf Central Asian Analytical Network. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pekings Einfluss in Tadschikistan hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Der zunehmende Einfluss Chinas auf die Sicherheitspolitik Tadschikistans, insbesondere in der Autonomen Region Berg-Badachschan, könnte zu mehr bilateralen Sicherheitsprojekten in der gesamten Region Zentralasien führen. Der folgende Artikel erschien am 7. Mai 2020 auf </strong><a href="https://caa-network.org/archives/19738"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, der heute auf dem Territorium Tadschikistans, Chinas, Afghanistans und Pakistans liegt, hat nicht nur eine wichtige geopolitische Lage, sondern ist auch reich an natürlichen Ressourcen und Mineralien. Im Pamir überschnitten sich schon zur Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">Großen Spiels</a> um Zentralasien die geopolitischen Interessen der Weltmächte, die die Kontrolle über das „Dach der Welt“ anstrebten, um ihren Einfluss auf den gesamten eurasischen Kontinent zu auszubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein ungewöhnliches Infrastrukturprojekt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein für den Pamir bedeutendes Ereignis war im April 2020 der Baubeginn am westlichsten Flughafen Chinas in Taschkorgan, dem Verwaltungszentrum des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taxkorgan_(Kaschgar)">Tadschikischen Autonomen Kreises Taschkorgan</a> in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurischen Autonomen Region Xinjiang</a>. Taschkorgan liegt in Pamir auf einer Höhe von 3094 Metern über dem Meeresspiegel, in der Nähe der Grenzen zu Afghanistan, Tadschikistan, Kirgistan und Pakistan. Der Flughafen wird nach seiner Fertigstellung der erste in der Region sein.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chinesische ExpertInnen erwarten, dass der Flughafen viele TouristInnen anlocken wird. Das auf dem Pamir-Plateau und einst an der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenstra%C3%9Fe">großen Seidenstraße</a> gelegene Taschkorgan (aus dem türkischen &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stätte_der_Steinernen_Stadt">Steinerne Stadt</a>&#8222;) wird hauptsächlich von Pamir-Völkern bewohnt, die in Tadschikistan und China als TadschikInnen klassifiziert werden. Von chinesischer Seite ist die Stadt wegen der natürlichen Schönheit und der einzigartigen tadschikischen Kultur ein begehrtes Ziel von TouristInnen, allerdings war sie bisher wegen des Mangels an Luft- und Eisenbahnverbindungen schwer zu erreichen. Taschkorgan befindet sich jedoch am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakorum_Highway">Karakorum Highway</a>, der der alten Seidenstraße von China nach Pakistan folgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Flughafen ist daher ein wichtiges Projekt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/China-Pakistan_Economic_Corridor">Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridors (CPEC)</a> sowie der Initiative <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/One_Belt,_One_Road">One Belt, One Road</a> und wird voraussichtlich die wirtschaftliche Entwicklung von Taschkorgan und Xinjiang insgesamt fördern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="800" height="450" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan.jpg" alt="" class="wp-image-24961" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan-768x432.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>Eine Straße entlang der tadschikischen Grenze im Bezirk Taschkorgan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gesamtinvestitionen in dieses Projekt belaufen sich auf rund 230 Millionen US-Dollar. Der Flughafen soll unter anderem eine 3800 Meter lange und 45 Meter breite Start- und Landebahn und ein 3000 Quadratmeter großes Terminal umfassen sowie 160.000 Passagiere und 400 Tonnen Fracht pro Jahr abfertigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß den Planungen der chinesischen Behörden wird der Bau in der ersten Hälfte des Jahres 2022 abgeschlossen sein. Allerdings kann es zu Verzögerungen kommen. Die chinesische Baufirma <a href="https://news.cgtn.com/news/2020-04-27/Construction-of-China-s-westernmost-airport-begins-on-the-Pamirs-Q1VgrVrqkE/index.html">teilte mit</a>, dass sie vor vielen Herausforderungen stehe: <em>„Erstens ist es immer noch eine kritische Zeit, in der die Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden muss. Arbeiter aus den Städten im Inneren Chinas können auch von der Höhenkrankheit betroffen sein, da die Durchschnittliche Höhe des Pamirs mehr als 4500 Meter beträgt.“</em> Zhou Yifeng, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Shanghai Road and Bridge Group, sagte jedoch in einem Interview mit <a href="https://news.cgtn.com/news/2020-04-27/Construction-of-China-s-westernmost-airport-begins-on-the-Pamirs-Q1VgrVrqkE/index.html">CGTN</a>: <em>„Ich glaube, dass wir unsere Mission trotz der Herausforderungen, die es gibt, rechtzeitig mit einem hohen Qualitätsniveau erfüllen werden.“</em> Wie Xinhua schreibt, wird es in der Mitte des 14. Fünfjahresplans (2021-2025) in Xinjiang 30 Flughäfen geben, was es der Region ermöglichen würde, eine führende Rolle unter den Provinzen in Bezug auf die Anzahl der Flughäfen einzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-unter-genauer-beobachtung-chinas-rezension-des-gelben-buches-ueber-zentralasien-2020/">Zentralasien unter genauer Beobachtung Chinas: Rezension des „Gelben Buches über Zentralasien 2020“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein solches Infrastrukturprojekt wird auch einen gewissen Einfluss auf Tadschikistan haben, insbesondere auf das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonome Gebiet Berg-Badachschan</a>. Laut dem stellvertretenden Direktor der Zivilluftfahrtbehörde von Xinjiang werde ein neuer Luftkorridor nach Zentral- und Südasien geschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tourismus oder Geopolitik?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das touristische Potenzial des Pamir und Berg-Badachschans mit seinen spektakulären Ausblicken auf die unberührte Natur sollte nicht unterschätzt werden. Dennoch kann man Tadschikistan bis heute kaum ein beliebtes Ziel für TouristInnen nennen, insbesondere für ChinesInnen. So besuchten im Jahr 2019 etwa 1,3 Millionen AusländerInnen Tadschikistan. Die drei wichtigsten Herkunftsländer waren aber Usbekistan (850.000 BesucherInnen), Russland (212.000) und Kirgistan (116.000). Chinesische TouristInnen nehmen in Tadschikistan den sechsten Platz ein – ihre Gesamtzahl betrug im Jahr 2019 nur 20.000. Im Vergleich dazu besuchten allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 33.000 chinesische TouristInnen Usbekistan, während in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 etwa 55.000 ChinesInnen nach Kasachstan kamen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="640" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains.jpg" alt="" class="wp-image-24960" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains-300x188.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains-768x480.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Ein Radtourist im Pamir</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der unentwickelten Infrastruktur ist die Region Zentralasien noch nicht zu einem Tourismus-Hotspot für chinesische BürgerInnen geworden. Allerdings kann die Entwicklung des Tourismus ein guter Vorwand sein, um Visa-Lockerungen zu fördern und Infrastrukturprojekte zu starten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/der-pamir-ist-im-trend-aber-nur-mit-sondergenehmigung-zu-erreichen/">Der Pamir ist im Trend aber nur mit Sondergenehmigung zu erreichen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Tadschikistan theoretisch in der Lage sein sollte, den Tourismus in das Land zu entwickeln, wird dies durch viele Faktoren behindert (einschließlich des <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vier-rad-touristen-von-bewaffneten-mannern-getotet/">Terroranschlags</a> im Juli 2018, bei dem vier RadtouristInnen getötet wurden). Der Bau eines chinesischen Flughafens im Pamir ist daher eher mit den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen Pekings in der Region und darüber hinaus verbunden. Duschanbe wird zu einem immer engeren Partner Chinas, das in die Wirtschaft und Sicherheit Tadschikistans investiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Chinas &#8218;klebrige&#8216; Macht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftliche oder &#8218;klebrige&#8216; Macht ist keine &#8217;soft power&#8216; im klassischen Sinn. In einem kleinen Staat, in dem die Wirtschaft Probleme hat, Investitionen anzuziehen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist es einfacher und effektiver, Methoden der &#8218;klebrigen&#8216; Macht anzuwenden, indem langfristige Kredite mit relativ niedrigen Zinsen angeboten werden. So wie Bienen auf Honig fliegen, sind die Führer der zentralasiatischen Staaten bereit, blind Vereinbarungen zu Chinas geheimen Konditionen zuzustimmen, wodurch sie wirtschaftlich und politisch am Reich der Mitte &#8218;kleben&#8216;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Weltbank betrug im Jahr 2019 Chinas Anteil an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Tadschikistan 75 Prozent. Nach den neuesten Daten des tadschikischen Finanzministeriums <a href="https://rus.ozodi.org/a/30431950.html">schuldet</a> Duschanbe Peking 1,1 Milliarden US-Dollar &#8211; das entspricht der Hälfte aller Auslandsschulden Tadschikistans. Derzeit <a href="https://asiaplustj.info/en/node/277967">investieren und agieren</a> mehr als 400 chinesische Unternehmen in Tadschikistan, was sie zu den größten Steuerzahlern und wichtigsten Exporteuren macht. In den letzten Jahren wurden von der chinesischen Firma TBEA fünf Stromleitungen gebaut, die es ermöglichten, einzelne Teile des Stromnetzes des Landes zusammenzuführen – ein sehr wichtiger Schritt angesichts des seit Jahren andauernden Energiemangels im Winter. Außerdem baute China in der Hauptstadt das Wärmekraftwerk Duschanbe-2, weswegen Tadschikistan China als Ausgleich die Goldförderstätten „Upper Kumarg“ und „Eastern Duoba“ in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a> überließ.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="799" height="533" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe.jpg" alt="" class="wp-image-24959" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe.jpg 799w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 799px) 100vw, 799px" /><figcaption>Der Präsidentenpalast in Duschanbe (Illustration)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pamir, dessen meiste Edelsteinvorkommen in Berg-Badachschan liegen, hat sich zu einer Ressourcenquelle für Chinas wachsende Wirtschaft entwickelt. Gleichzeitig beträgt die Armutsquote in Berg-Badachschan etwa 40 Prozent, während in anderen Gebieten Tadschikistans diese Quote bei 29-30 Prozent liegt. Die jüngsten Bergbauabkommen Chinas zeichnen sich durch Ambivalenz und Intransparenz aus. Im Juni 2019 wurde zwischen der tadschikischen Regierung und der chinesischen Firma „Kashi Xinyu Dadi Mining Investment Limited“ ein Abkommen über die integrierte Entwicklung dem weltweit viertgrößten Silberfeldes „Jakdschilwa“ im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murghob">Murghob</a> geschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens sind die Details dieser Vereinbarung noch nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich, was zu einer Reihe von Gerüchten und Spekulationen führt. Zweitens wird das Projekt für die Dauer von sieben Jahren von dem chinesischen Unternehmen „C.A. MINERALS“ umgesetzt, welches <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20191003/administratsiya-gbao-uspokaivaet-rudnik-yakdzhilva-kitaitsam-ne-podarili">angibt</a>, dass die Vorräte 113 Tonnen betragen, und dass es in der Lage sei, 40 Tonnen jährlich zu fördern. Die Verwaltung Berg-Badachschans hatte hingehen erklärt, dass das Feld 415 Tonnen Silber enthalte. Drittens haben die tadschikischen Behörden den chinesischen Investor von der Zahlung der Einkommensteuer sowie von der Zahlung von Mehrwertsteuer und Importzöllen auf die notwendige Ausrüstung befreit. Nach Angaben des chinesischen Unternehmens <a href="https://rus.ozodi.org/a/30207539.html">arbeiten</a> 106 Menschen auf dem Feld, von denen 70 chinesische und 36 tadschikische Staatsangehörige seien. Von den in Tadschikistan arbeitenden ausländischen Staatsangehörigen sind 90 Prozent BürgerInnen der Volksrepublik China.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/willkommen-auf-dem-mars-die-region-murghab-in-tadschikistan/">Willkommen auf dem Mars: Die Region Murghob in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sicherheit und die Erweiterung der Einflusssphäre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan könnte insgesamt ein Modell für Chinas Zentralasien-Politik sein, das weniger auf &#8217;soft power&#8216; denn auf &#8218;klebrige&#8216; Macht setzt. Die systematische und konsequente Geopolitik Chinas im Pamir trägt nicht nur zur Steigerung des wirtschaftlichen und infrastrukturellen, sondern auch des militärischen Einflusses bei und macht Chinas endgültige Dominanz in Afghanistan, Pakistan und Zentralasien wahrscheinlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Vorwand gegen den Terrorismus zu kämpfen, begann Tadschikistan beim Schutz der tadschikisch-afghanischen Grenze aktiv mit China zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2004, als noch russische Grenzschützer in Berg-Badachschan anwesend waren, vertrat China unter Berufung auf das Völkerrecht systematisch die These, dass es unzulässig sei, wenn ausländische Truppen die Grenze schützen. 2019, Jahre nach dem Abzug der russischen Grenzschützer aus dem Gebiet, erschienen <a href="https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/in-central-asias-forbidding-highlands-a-quiet-newcomer-chinese-troops/2019/02/18/78d4a8d0-1e62-11e9-a759-2b8541bbbe20_story.html">Informationen</a>, dass im Bezirk Murghob in Nähe des Kontrollpunkts Wachon an der Grenze zu Afghanistan eine chinesische Militärbasis entdeckt worden sei. AnwohnerInnen bestätigten zudem, dass in Murghob hunderte chinesische Soldaten im Dienst seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/geheime-chinesische-militaerbasis-in-tadschikistan-entdeckt/"><strong>Geheime chinesische Militärbasis in Tadschikistan entdeckt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2016 wurde Berg-Badachschan für die Durchführung gemeinsamer groß angelegter Manöver der Streitkräfte Tadschikistans und Chinas ausgewählt. Chinas langfristige militärische und politische Interessen im Pamir belegen die Tatsache, dass im Jahr 2019 erneut <a href="https://eadaily.com/ru/news/2019/07/09/tadzhikistan-i-kitay-provedut-sovmestnye-ucheniya-v-gbao">gemeinsame Manöver mit China durchgeführt</a> wurden, um <em>„die Maßnahmen an der Grenze zu koordinieren und den Terrorismus zu bekämpfen“</em>. Darüber hinaus bietet China auch technische, finanzielle und personelle Unterstützung beim Bau von drei Kommissariaten, vier militärischen Einheiten, vier Hauptquartieren und einer Trainingsbasis für die Grenztruppen. Außerdem hat die Volksrepublik kostenlos 345 Millionen US-Dollar für den <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/china-gibt-tadschikistan-220-millionen-us-dollar-fur-den-bau-von-parlaments-und-regierungsgebauden-was-steckt-dahinter/">Bau von Parlaments- und Regierungsgebäuden</a> zur Verfügung gestellt. Das Projekt „Sichere Stadt“, bei dem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/ueberwachungskameras-mit-gesichtserkennung-huaweis-kuenstliche-intelligenz-wacht-auch-ueber-tadschikistan/">Kameras mit Gesichtserkennung in allen großen Städten Tadschikistans installiert werden</a>, findet unter der technologischen Schirmherrschaft des chinesischen Konzerns Huawei statt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH.jpg" alt="" class="wp-image-24958" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>LKW an der chinesisch-pakistanischen Grenze </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">China setzt in Bezug auf die Bildung eines regionalen Sicherheitssystems auf Tadschikistan und fördert seit Anfang 2017 den „Vierseitigen Mechanismus für Zusammenarbeit und Koordinierung“ (Quadrilateral Cooperation and Coordination Mechanism &#8211; QCCM) im Format China – Pakistan &#8211; Tadschikistan &#8211; Afghanistan. Die Sekretäre der Sicherheitsräte dieser Länder treffen sich regelmäßig zur Erörterung der afghanischen Frage. Peking hebt Tadschikistan auch im Kontext seiner Afghanistan-Strategie als wichtigen Partner hervor. Des Weiteren wurde laut afghanischem Verteidigungsministerium mit finanzieller Unterstützung der Volksrepublik China in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Provinz Badachschan</a> eine neue Militärbasis errichtet. In diesem Zusammenhang spielt Tadschikistan eine wichtige Rolle, über dessen Territorium der Korridor verläuft, um die chinesische Beteiligung in Afghanistan zu gewährleisten.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">So schafft Tadschikistan einen Präzedenzfall für die vollständige Einbeziehung Chinas in die Sicherheitsfragen in Zentralasien. Gerade hier kann es zum Beginn einer scharfen Konkurrenz von China und Russland kommen, die zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen könnte. Moskau äußert bisher keine offene Besorgnis über Chinas Sicherheitsaktivitäten und behauptet, dass der QCCM keine institutionelle Grundlage und vollständige Struktur habe und dass das vierseitige Format die Aktivitäten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_für_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a> und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_über_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrag über kollektive Sicherheit (OVKS)</a> ergänze. Wie die Praxis zeigt, braucht China jedoch keine Institutionalisierung, um seine geopolitischen Ziele zu erreichen: Die Initiative „One Belt, One Road“ realisiert seit 2013 Projekte, wobei deren Ziele und Aufgaben nicht im Detail, sondern nur so verschwommen wie möglich erklärt werden. Währenddessen ist die SOZ als vollwertige Organisation mit Statuten und ständigem organisatorischen Fundament bis heute sehr amorph und hat bisher kein einziges multilaterales Projekt umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gefährdete Souveränität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan bleibt in der Region die schwächste Republik in Bezug auf wirtschaftliche Entwicklung und Sicherheit, und Pekings wirtschaftlicher Einfluss kann sich somit in echte politische Hebel verwandeln. Im Übrigen hat sich Tadschikistan 2019 im UN-Menschenrechtsrat dafür entschieden, Chinas Xinjiang-Politik zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche politische Regime, das Fehlen unabhängiger Medien und die maximale Kontrolle religiöser Aktivitäten in Tadschikistan bringen Peking und Duschanbe näher zusammen. Unter diesen Bedingungen sollte Duschanbe den freundschaftlichen Dialog mit den Ländern Zentralasiens und anderen Akteuren suchen, um so die außenwirtschaftlichen Beziehungen zu diversifizieren und den wachsenden Einfluss Pekings auszugleichen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://caa-network.org/archives/19738"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


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		<title>Russlands Einfluss in Zentralasien: Medien, Bildung, Kultur</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Nov 2017 10:48:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Marina Zhir-Lebed, Doktorandin an der Otto-Friedrich-Universit&#xE4;t Bamberg, erforscht in ihrer Dissertation die Wechselbeziehungen zwischen der Bildung einer nationalen Identit&#xE4;t und dem Gebrauch sozialer Medien am Beispiel Kasachstans. Im Interview mit Central-Asian Analytical Network (CAAN), das wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen, spricht sie &#xFC;ber die Parameter russischer &#x201E;Soft Power&#x201C;. &#xA0; CAAN: Wenn man die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Marina Zhir-Lebed, Doktorandin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, erforscht in ihrer Dissertation die Wechselbeziehungen zwischen der Bildung einer nationalen Identität und dem Gebrauch sozialer Medien am Beispiel Kasachstans. Im Interview mit </strong><strong>Central-Asian Analytical Network (<a href="http://caa-network.org/archives/10774">CAAN</a>)</strong><strong>, das wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übersetzen, spricht sie über die Parameter russischer „<a href="http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/177268/soft-power">Soft Power</a>“.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>CAAN: </strong><strong>Wenn man die Kulturpolitik der „traditionell“ in Zentralasien aktiven Akteure wie Russland, der USA, China, der Türkei, Japan und Südkorea analysiert, wirken sie dann nicht wie die Teilnehmer eines „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">The Great Game</a>“ (Das Große Spiel, Anm. d. Red.), in dem sich alle gegenüberstehen? Im Rahmen Ihrer Forschungen haben Sie sich mit der Politik der Europäischen Union in Zentralasien beschäftigt. Gibt es ein „Great Game“ in der kulturell-humanitären Sphäre der Region?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Marina Zhir-Lebed</strong>: Meiner Meinung nach zeichnet sich ein solches „Großes Spiel“ im kulturell-humanitären Kontext Zentralasiens kaum ab. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die aktive Präsenz Russlands im kulturellen-humanitären Bereich im Hintergrund erfolgt, sowohl was die zentralasiatischen Staatsoberhäupter angeht als die Bevölkerung.</p>
<p style="text-align: justify;">Russland betrachtet sich als Beschützer eines mit Zentralasien gemeinsamen humanitären Raums, indem es in erster Linie die gemeinsame Geschichte sowie die Rolle der russischen Sprache in Zentralasien anführt. Unter dem Deckmantel von <a href="http://drf-berlin.de/?q=ru/rossotrudnitschestwo-0">Rossotrunitschestwo</a> (der russischen staatlichen Agentur für humanitäre Zusammenarbeit, Anm. d. Ü.) versucht Russland, die Idee einer „Russischen Welt“ zu verbreiten, indem zum Beispiel Russische Zentren eröffnet werden oder AbiturientInnen aus zentralasiatischen Ländern die Möglichkeit erhalten, in Russland zu studieren. Die zentralasiatischen Staaten haben offiziell nichts dagegen und unterstützen dies sogar im Rahmen gutnachbarlicher Beziehungen. Aber parallel dazu bauen sie die humanitären Beziehungen mit der westlichen Welt aus. So werden westliche Bildungsstandards an zentralasiatischen Universitäten eingeführt und verschiedene Bildungsprogramme wie Erasmus oder die Programme des DAAD unterstützt.</p>
<p><figure id="attachment_8956" aria-describedby="caption-attachment-8956" style="width: 3228px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8956" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1.jpg" alt="Kirgisische Studenten DAAD Workshop Balasagyn Universität" width="3228" height="1493" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1.jpg 3228w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-300x139.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-768x355.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-1024x474.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-1300x601.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 3228px) 100vw, 3228px" /><figcaption id="caption-attachment-8956" class="wp-caption-text">Teilnehmer eines Workshops des DAAD an der Kirgisischen Nationalen Balasagyn Universität</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">Abseits des Politischen muss die sowjetische Vergangenheit und die Ähnlichkeit der Breitenkultur in Russland und Zentralasien hervorgehoben werden. In Zentralasien lebt eine große russische Diaspora, die im strategischen Interesse Russlands liegt, was die Russische Föderation deutlich von anderen Akteuren in der Region unterscheidet. Darüber hinaus beherrscht der Großteil der Bevölkerung in den zentralasiatischen Staaten die russische Sprache und verfügt mit den Russen über gemeinsame kulturelle Codes, weswegen sich Russland als untrennbar mit Zentralasien verbunden wahrnimmt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dadurch werden auch in Zentralasien vor allem russische Medieninhalte konsumiert. Sowohl bei den Massenmedien als auch in den sozialen Netzwerken dominieren Informationen aus Russland ohne nennenswerte Konkurrenz. In der Folge steht die Bevölkerung der zentralasiatischen Republiken unter dem Einfluss des innerrussischen politischen Diskurses, der oft mit der Überhöhung der Geschichte und der Suche nach ideologischen Feinden einhergeht. Aber dennoch gibt es gerade bei der Jugend Zentralasiens ein Streben nach westlichen Standards und neoliberalen Werten, allerdings in einem Ausmaß, das die kulturelle Position Russlands in Zentralasien kaum gefährden kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Nutzt Russland diesen Einfluss, damit die russische Diaspora nicht vergisst, dass es eine „historische Heimat“ gibt oder zielt er auf die gesamte Bevölkerung der zentralasiatischen Staaten ab? Welche der beiden Optionen hat für Russland Priorität?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Für Russland ist es wichtig, eine mindestens loyale Bevölkerung in Zentralasien zu haben. Dies ist sowohl mit der Bedrohung durch den radikalen Islam als auch mit wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Interessen verbunden. So hat Russland beispielsweise vorgeschlagen, in die syrischen Deeskalationszonen auch Soldaten aus Kasachstan und Kirgistan zu senden.</p>
<p style="text-align: justify;">Außerdem zeigt das Beispiel der Ukraine, dass die russischsprachige Diaspora bei der Realisierung russischer außenpolitischer Strategien nützlich sein kann. Das Ziel Russlands ist es, die Idee der „russischen Welt“ zu verfestigen, auch in Zentralasien. Es geht hier also nicht nur um ein „historische Heimat“, sondern um eine „große historische Vergangenheit“, die den Angehörigen der Diaspora das Gefühl gibt zu einem „großen Volk“ zu gehören. Andererseits wird so das Risiko ethnischer Konflikte in Zentralasien erhöht, die die Pläne Russlands in der Region potenziell bedrohen würden. Deswegen ist es in Russlands Interesse, die Balance zu wahren, die aber in erster Linie von seinen weiteren Prioritäten abhängt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Als einfacher Beobachter kann ich sagen, dass die russischen Medieninhalte mich wenig beeindrucken. Es gibt Krimiserien und die ewig schreienden Redner in Politik-Talkshows, aber keine positiven Erzählungen, die dazu geeignet sind, eine Begeisterung für Russland hervorzurufen. Mir scheint, dass der Eindruck täuscht, dass Russland aufgrund seiner medialen Vormacht mehr geliebt und geachtet wird. Der Inhalt ist vielmehr auf die eigenen StaatsbürgerInnen ausgerichtet. <a href="https://deutsch.rt.com/">Russia Today</a> und <a href="https://de.sputniknews.com/">Sputnik</a> sind da natürlich Ausnahmen, aber das, was wir sehen, ist doch hauptsächlich fürs Inland bestimmt. Was meinen Sie dazu?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben Recht damit, dass die russischen Sender und sozialen Medien sich in erster Linie an russische StaatsbürgerInnen richten. Ihr Inhalt richtet sich nicht direkt an die Menschen in Zentralasien, kann aber von ihnen als Teil des gemeinsamen kulturellen Codes betrachtet werden. Wenn zum Beispiel Russland sich den USA gegenüberstellt und das Bild eines Feindes zeichnet, so kann dies auch einen Effekt auf die Menschen in Zentralasien haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine andere Frage ist, wie die MediennutzerInnen in Zentralasien mit den erhaltenen Informationen umgehen. Und hier ist es meiner Meinung nach wichtig, den sozioökonomischen und kulturellen Hintergrund zu beachten. Abgesehen davon gibt es eine Tendenz, dass eine Folge des Konsums russischer Medieninhalte eine wachsende Sympathie für das russische Volk und die russische Sprache ist, während sich dies in Bezug auf Russland als Staat eher andersherum verhält. Hier greifen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Filterblase">Informationsblasen</a>-Theorie sowie der <a href="http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=Uses-and-Gratifications-Ansatz">Nutzen-und-Belohnungs-Ansatz</a> (Uses and Gratifications Approach), da die Jugend – und dies ist die zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppe – soziale Medien dem Fernsehen vorzieht und sich so seine eigene Sicht bildet. Deswegen kann es hier keine Erfolgsgarantie geben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Erzählen Sie uns über die KasachstanerInnen, die zum Studieren nach Russland gehen. Laut Statistik ist ihre Zahl seit der Unabhängigkeit stabil. Man hört, dass russische Hochschulen in den Regionen Kasachstans qualitativ hochwertige Rekrutierungskampagnen fahren. Wie ergeht es unserer Jugend in Russland und wie beeinflusst das ihre Beziehung zum Nachbarland? Stellt die Ausbildung in Russland eine Art von Soft Power dar?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Russische Hochschulen ziehen seit jeher AbiturientInnen aus Zentralasien an, vor allem aus Kasachstan. Die geografische und kulturelle Nähe sowie der Zugang zur russischen Sprache spielen hier ihre Rolle. Ein russisches Diplom erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Zugang zu russischen Hochschulen wurde erleichtert und Rossotrudnitschestwo vergibt Stipendien, deren Zahl sich in den letzten paar Jahren verdoppelt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Allgemein ist Bildung an sich ein klassisches Instrument der Sozialisierung und stellt somit auch Soft Power dar. Insbesondere Russland geht offen damit um, dass es auf die Akquisition von Studierenden, unter anderem aus der <a href="http://www.dekoder.org/de/gnose/gemeinschaft-unabhaengiger-staaten">Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)</a> abzielt. Immer mehr russische Universitäten nehmen an Bildungsmessen in den (kasachstanischen, Anm. d.Ü.) Regionen teil. Außerdem muss man anmerken, dass allein in Kasachstan sechs Filialen russischer Hochschulen, an denen nach russischem Lehrprogramm unterrichtet wird, existieren. In Kirgistan und Tadschikistan gibt es die Slawische Universität.</p>
<p style="text-align: justify;">Was die kasachstanischen Studierenden in Russland betrifft, so beeinflusst ihre Ausbildung in der Russischen Föderation auch ihre Weltsicht. Indem sie sich im Land befinden, werden sie auch von Traditionen und Regeln beeinflusst, die sie selbst wieder unter FreundInnen und Verwandten verbreiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Gibt es die Sorge, dass Zentralasien sich verändert und sich aus dem postsowjetischen Raum herauslöst? Wenn es diese Sorge gibt, könnte das bedeuten, dass Russland sein jetziger Einfluss nicht reicht. Andererseits ist auch das Budget Russlands nicht unerschöpflich, sodass nicht jedem Wunsch nach Soft Power in der Region nachgegeben werden kann.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Gefahr, dass sich Zentralasien aus dem postsowjetischen Raum löst, sehe ich nicht. Erst einmal kann man nicht von größeren Veränderungen reden. Auch wenn verschiedene ForscherInnen nach dem Maidan die Ambitionen Russlands in anderen postsowjetischen Ländern besprochen haben, ist die Situation in Zentralasien offensichtlich eine andere.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kommt-der-maidan-nach-zentralasien-die-auswirkungen-des-umsturzes-in-der-ukraine/">Kommt der Maidan auch nach Zentralasien? Die Auswirkungen des Umsturzes in der Ukraine auf Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Verhandlungen über die Erweiterung der Eurasischen Wirtschaftsunion laufen, wenn auch langsam. Russische Gesetzte, die auf die Unterstützung des Traditionalismus gerichtet sind, werden von den zentralasiatischen Republiken übernommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch wenn der Einfluss Chinas in der Region wächst, so widerspricht das kaum den russischen Interessen. Sowohl für Chinas als auch für Russland sind stabile politische Regime, ökonomisches Wachstum und eine weltlich orientierte Regierung wichtig.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich glaube nicht, dass Russland anfängt, seine Strategie zu ändern, solange der Diskurs über die „große sowjetische Vergangenheit“ und die russische Sprache durch Fernsehen, soziale Netzwerke und Sommerschulen zur Eurasischen Integration Zugang zu den BewohnerInnen Zentralasiens finden. Dieses Modell funktioniert prima und ich denke, dass Russland auch weiterhin seinen kulturellen Einfluss auf diesem Weg ausweiten wird. Und Sie haben Recht, dass auch wenn aus diesen oder jenen Gründen die Ambitionen Russlands in der Region wachsen, die Frage der Finanzierung eine entscheidende Rolle spielen wird, zumal der Westen seine Sanktionen Russland gegenüber verlängert und auch die Ölpreise weit entfernt von ihren besten Tagen sind.</p>
<p><figure id="attachment_10175" aria-describedby="caption-attachment-10175" style="width: 761px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-10175" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt.jpg" alt="Arbeitsamt Schymkent" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px" /><figcaption id="caption-attachment-10175" class="wp-caption-text">Schlange am Arbeitsamt Schymkent in Kasachstan. Für viele Kasachen ist eine Arbeit in Russland ein Ausweg aus der finanziellen Krise</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Auch wenn Russland und China an Stabilität in der Region interessiert sind, gibt es dennoch eine Rivalität im politischen und wirtschaftlichen Bereich. In Bezug auf Soft Power meinen aber viele ExpertInnen, dass China Russland nicht überholen wird, da die chinesische Kultur, Sprache und Mentalität eine andere und Russland den ZentralasiatInnen folglich näher ist. Wenn man in Betracht zieht, wie schnell China lernt und über welche finanziellen Möglichkeiten und wirtschaftliche Präsenz es verfügt, kann man nicht zum Schluss gelangen, dass sich die Situation nicht zu Gunsten Russlands entwickelt?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Daran, dass China versucht, seine Position mit Soft Power zu festigen, besteht kein Zweifel. Das Konfuzius-Institut, das chinesische Äquivalent zu Goethe-Institut oder British Council, hat zum Ziel, die chinesische Sprache und Kultur zu verbreiten. Es arbeitet auf der ganzen Welt, so auch in allen zentralasiatischen Republiken. In einem gewissen Maß ermöglicht es das Interesse an China zu erhöhen. Stipendien und alternative Studienprogramme aus China locken immer mehr AbiturientInnen und Studierende aus Zentralasien an. Aber im Vergleich zu einer Ausbildung in Russland steht jene in China weniger hoch im Kurs, was mit sprachlichen Hürden verbunden ist. Im Bereich des Handels ist die Nachfrage nach Arbeitskräften, die die chinesische Sprache beherrschen und die Besonderheiten der chinesischen Kultur kennen, kein Massenphänomen.</p>
<p style="text-align: justify;">Teilweise tritt man China in Zentralasien mit Argwohn gegenüber. Ein Beispiel hierfür ist die Reaktion auf die Reform des Landrechts in Kasachstan, die einen weitgehend antichinesischen Charakter trug. Das wiederum verbessert das Ansehen Russlands.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Wie ist die Situation der zentralasiatischen ArbeitsmigrantInnen, die in Russland leben? Haben Sie Daten dazu, ob und wie sich ihre Wahrnehmung vor und nach der Arbeit in Russland ändert? Sind sie ein Art Agent, der nach der Rückkehr in die Heimat für eine weitere Annäherung und kulturelle Zusammenarbeit eintritt?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Thema Arbeitsmigration in Russland ist vielseitg und wenn man über Migration aus Zentralasien redet, ist es wichtig, zu differenzieren, worum genau es geht. In letzter Zeit ist die Zahl der legalen MigrantInnen mit einer Arbeitserlaubnis für die Russische Föderation signifikant gestiegen und umfasst 1,5 Millionen Menschen. Die Folge ist aber auch eine strengere Migrationsgesetzgebung. Viele Menschen aus Zentralasien kommen mit dem Ziel nach Russland, sich beruflich selbst zu verwirklichen und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Sie sind bereit, bürokratische Hindernisse zu überwinden, zahlen Geld für die Genehmigung ihrer Geschäftstätigkeit und stimmen somit den russischen Spielregeln zu. Viele von ihnen erhalten das Aufenthaltsrechts oder sogar die Staatsbürgerschaft und holen ihre Familien nach Russland. Eine aktive Integration in die russische Gesellschaft ist eine Erfolgsgewähr für viele legale MigrantInnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus wirtschaftlicher Sicht ist Russland an dieser Art der Migration interessiert, zumal sie außerdem die gewohnte Position des Kolonialherren in der Region wahrt. So ruft die Stiftung <a href="http://www.dekoder.org/de/gnose/russki-mir">Russki Mir</a> (zu deutsch: Russische Welt)  dazu auf, „Auswanderern aus Zentralasien“ die russische Sprache zu lehren und ihnen bei Erlernen neuer Berufe zu helfen, wobei niedrigqualifizierte MigrantInnen aus Kirgistan „Zuwanderern“ aus China als das geringere Übel gegenübergestellt werden. Obwohl die Mehrheit von ihnen ihre Zukunft in Russland und nicht in der Heimat sieht, können sie über die sozialen Medien dennoch für eine weitere Annäherung und kulturelle Zusammenarbeit eintreten. Durch aktive Teilnahme in Gruppen auf <a href="https://vk.com/">Vkontakte</a> (das russische Facebook-Äquivalent, Anm. d. Ü.), Skype-Gespräche mit Verwandten oder ausschließlich positive Bilder auf Instagram, können legale und hochqualifizierte MigrantInnen ein positives Russlandbild verbreiten, das in der Folge die Vorstellungen der BürgerInnen Zentralasiens beeinflusst.</p>
<p style="text-align: justify;">Was jedoch die illegalen MigrantInnen betrifft, für die die Arbeit in Russland eine Notwendigkeit ist und die die Rückkehr in die Heimat planen, so ist bei ihnen die Situation völlig anders. Laut jüngerer soziologischer Umfragen ist die Mehrheit der RussInnen den MigrantInnen aus Zentralasien gegenüber negativ eingestellt und leider verstärkt sich diese Tendenz von Jahr zu Jahr. Natürlich kann Diskriminierung legale wie illegale MigrantInnen treffen, aber gerade illegale MigrantInnen, müssen sich angesichts ihres Status damit abfinden. Häufig genug bilden sie geschlossene ethnische Gemeinschaften und haben wenig Kontakt mit RussInnen, woraus die Bildung sozialer Stereotype und eine Teilung in „wir“ und „sie“ resultiert. Diese MigrantInnen können auch über die sozialen Netzwerke ihre Eindrücke von Russland teilen. Nur erscheinen diese in einem völlig anderen Licht.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Mit Marina Zhir-Lebed sprach <a href="http://caa-network.org/archives/author/rafael-sattarov">Rafael Sattarow</a></strong><br />
<strong> <a href="http://caa-network.org/archives/10774">Central Asian Analytical Network</a></strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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