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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Social Media Archives</title>
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		<title>Die Rückkehr von Kokpar als Kasachstans moderner Nationalsport</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Oct 2025 18:28:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit angepassten Regeln erlebt das zentralasiatische traditionelle Spiel hoch zu Ross ein Comeback kasachischer Kultur. Als die Sonne &#xFC;ber einem Hippodrom am Stadtrand von Almaty untergeht, stellen sich zehn M&#xE4;nner auf Karabair-Pferden in einer Reihe auf. Auf das Signal des Schiedsrichters hin st&#xFC;rmen sie &#xFC;ber das Feld auf einen gef&#xFC;llten Ledersack zu, der etwa so [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit angepassten Regeln erlebt das zentralasiatische traditionelle Spiel hoch zu Ross ein Comeback kasachischer Kultur.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Sonne über einem Hippodrom am Stadtrand von Almaty untergeht, stellen sich zehn Männer auf Karabair-Pferden in einer Reihe auf. Auf das Signal des Schiedsrichters hin stürmen sie über das Feld auf einen gefüllten Ledersack zu, der etwa so groß ist wie eine Ziege. Die Pferde stoßen zusammen, während die Reiter sich gegenseitig schubsen und mit der Peitsche treiben, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Das nomadische Spiel Kokpar hat begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das einst beliebte Kokpar aus Kasachstan ähnelt im Wesentlichen dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buzkaschi#:~:text=Buzkashi%20ist%20ein%20Nationalsport%20in,das%20Spiel%20als%20unmoralisch%20betrachteten.">afghanischen Buzkaschi</a> oder dem kirgisischen Kök-Börü. Diese kasachische Version wurde jedoch an moderne Standards angepasst: ein kleineres Feld, weichere Tore und eine künstliche Ziege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Daniıar Dauke<strong>ı</strong>, der einen lokalen Kokpar-Club leitet, dienen diese Änderungen dazu, die Popularität zu steigern. Ähnliche Maßnahmen werden in der ganzen Region ergriffen, um das nomadische Erbe des Spiels mit modernen Standards in Bezug auf Ethik und Sicherheit in Einklang zu bringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine gefährliche Tradition</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem kurzen Gerangel stürmt ein Reiter mit der 25 Kilogramm schweren Attrappe an seiner Seite auf das Tor zu. Er springt von seinem Pferd in das donut-förmige Tor; der Spielzug nennt sich „Taı Qazan” – eine riskante, aber gängige Bewegung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="519" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-1024x519.jpg" alt="" class="wp-image-43160" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-1024x519.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-300x152.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-768x389.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-1536x779.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Gerangel-waehrend-eines-Kokpar-Spiels.-Foto-Albert-Otkjaer-2048x1038.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gerangel während eines Kokpar-Spiels. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Dynamik des Spiels hat sich seit der Sowjetzeit verändert, es ist jetzt aggressiver“</em>, erzählt Ulan Bigojin, Anthropologe an der Nazarbaıev-Universität. Er weist darauf hin, dass das Spiel heute mit größeren Pferden gespielt wird. Zudem sei Kokpar nach wie vor ein körperbetonter Sport, der viel Kraft erfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Gefahr ist in Kirgistan offensichtlich, wo Anfang dieses Jahres ein Spieler starb, nachdem ein Pferd ihn umgerannt hatte – der dritte Todesfall dieser Art in sieben Jahren. Todesfälle sind zwar selten, aber Gehirnerschütterungen, Getrampel und Kollisionen bei hoher Geschwindigkeit sind an der Tagesordnung.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotz der häufigen Verletzungen erklärt Bigojin, dass insbesondere die Kirgisen zögern, Sicherheitsregeln einzuführen: <em>„Gerade durch die Beibehaltung dieser gefährlichen Aspekte des Spiels, wie beispielsweise eines Taı Qazan aus Beton, gewinnt das Spiel heute an Popularität.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Daukeı räumt die Gefahren des Taı Qazan ein, den er durch eine weichere Version ersetzen liess.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Anstelle des Beton-Tores, das in Kirgistan verwendet wird und für Pferde und Spieler gefährlich ist, bauen wir unsere Tore aus Heu“</em>, erklärt er. <em>„In der offiziellen kasachischen Version wird einfach ein Kreis auf das Feld gezeichnet, und es ist leicht, ein Tor zu erzielen. In unserer Version muss man vor dem Tor aus Heu anhalten, um es nicht umzuwerfen, und dadurch erhält die gegnerische Mannschaft mehr Zeit, ihr Tor zu verteidigen.“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="586" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-1024x586.jpeg" alt="" class="wp-image-43161" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-1024x586.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-300x172.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-768x440.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-1536x879.jpeg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Tai-qazan-2048x1172.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Taı Qazan aus Heu, mit einer Plane abgedeckt. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Daukeı verkürzte weiter das Spielfeld, um gefährliche Zusammenstöße zu vermeiden, reduzierte die Mannschaften von vier auf drei Spieler pro Seite und ersetzte den traditionellen Ziegenkadaver durch eine Puppe. Während einige Änderungen umstritten sind, wurde die Ziegenpuppe sogar von den kirgisischen Kök-Börü-Spielern weitgehend akzeptiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein traditioneller Sport</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die genauen Ursprünge von Kokpar sind unbekannt, aber Varianten dieses Spiels werden seit Jahrhunderten in ganz Zentralasien gespielt. Manchmal nahmen Hunderte von Reitern auf jeder Seite daran teil, und der Sport war sowohl Wettkampf als auch Gemeinschaftsritual.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn wir auf das 19. und frühe 20. Jahrhundert zurückblicken, war Kokpar selbst während der Sowjetzeit wahrscheinlich weniger ein Sport als vielmehr ein Volksspiel“</em>, vermutet Bigojin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter sowjetischer Herrschaft verschwand Kokpar fast vollständig. Die Kollektivierung schränkte die Anzahl privater Pferde ein und nomadisch lebende Menschen wurden in Städte umgesiedelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mutige-manner-geschickte-pferde-interview-mit-einem-kok-boru-spieler/">Mutige Männer, geschickte Pferde – Interview mit einem Kök-Börü Spieler</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn man ein Pferd hatte, konnte man es für Kokpar trainieren. Da die meisten Pferde jedoch in Staatsbesitz übergingen, wurden sie vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Es war zwar weiterhin möglich, Kokpar zu spielen, aber durch die Kollektivfarmen und die Abwanderung vieler Menschen in die Städte starb das traditionelle Spiel fast aus“</em>, erzählt Bigojin weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Kokpar nie offiziell verboten wurde, geriet es bei vielen in Vergessenheit, insbesondere im Norden Kasachstans, wo russischstämmige Siedler:innen keine kulturelle Verbindung dazu hatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wiederbelebung der Nomadenkultur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Unabhängigkeit Kasachstans erlebte Kokpar im Rahmen einer breiteren Wiederbelebung nomadischer Traditionen ein Comeback. Die World Nomad Games, die 2014 ins Leben gerufen wurden und bereits in Kirgistan, der Türkei und Kasachstan stattfanden, präsentieren Sportarten wie Bogenschießen, Ringen und eben Kokpar. Die von lokalen Regierungen finanzierten Spiele ziehen Teilnehmende aus so weit entfernten Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA an.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="614" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-1024x614.jpeg" alt="" class="wp-image-43162" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-1024x614.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-300x180.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-768x460.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-1536x921.jpeg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Daukei-2048x1227.jpeg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Daniıar Daukeı beaufsichtigt das Gerangel. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die sozialen Medien tragen zur Rückkehr von Kokpar bei. Daukeıs Verein veröffentlicht Highlights für mehr als 50.000 Follower.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir können ohne soziale Medien nicht leben. Sie sind für uns eine Möglichkeit, das Spiel zu übertragen und sicherzustellen, dass die kasachische Bevölkerung weiß, wie spannend es ist“</em>, meint Daukeı.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig entstanden in ganz Kasachstan „Ethno-Dörfer“, die Besuchenden einen Einblick in die Lebensweise von früher geben. <em>„Man kann Kokpar spielen, Bogenschießen zu Pferd betreiben, Tee aus dem Samowar trinken und Plov am Stadtrand essen. Wenn man zurückkommt, teilt man all diese Videos und Bilder“</em>, analysiert Bigojin weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Spiel ist nach wie vor männerdominiert. Die Spieler stellen ihre Kraft zur Schau und müssen innerhalb der lokalen Wirtschaftselite Geld für ihren Sport sammeln. <em>„Einige lokale Geschäftsleute möchten vielleicht ihren Ruf aufbauen und das Spiel sponsern. Dadurch entsteht ein System der Förderung. Man kann ein männlicher Kokpar-Spieler sein, aber man braucht trotzdem Geld, um seine Leidenschaft aufrechtzuerhalten“</em>, schließt Bigojin.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Globale Ambitionen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Daukeı besteht das Ziel nicht nur darin, Kokpar lokal wiederzubeleben, sondern es auch auf die internationale Bühne zu bringen. Die Idee dazu kam ihm 2017, als ausländische Polospieler, die Almaty besuchten, Kokpar zum ersten Mal ausprobierten und dessen Potenzial lobten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre später präsentierten Daukeı und zehn Teamkollegen den Sport bei einem Jagdfestival in Fontainebleau, Frankreich, vor 17.000 Zuschauern. Dies war eine Gelegenheit, den Sport einer neuen Gruppe potenzieller Spieler vorzustellen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="586" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-1024x586.jpg" alt="" class="wp-image-43163" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-1024x586.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-300x172.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-768x439.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-1536x878.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Ein-Kokpar-Spiel-bei-Nacht-2048x1171.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Kokpar-Spiel bei Nacht. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Jeder Sport braucht Amateure, sie sind der Hauptmotor für die Entwicklung des Sports, weil sie eine andere Sicht auf das Spiel haben“</em>, meint Daukeı.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorführung in Frankreich brachte weitere Einladungen zu Reitsportveranstaltungen im Ausland ein, aber die Finanzierung bleibt eine Hürde. <em>„Wir erhalten jedes Jahr Einladungen zum Jagdfestival in Frankreich und auch Anrufe aus den USA, doch dazu brauchen wir einen guten Sponsor, um mit unseren Pferden dorthin zu kommen“</em>, erklärt er weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andernorts belässt man den Sport näher an der nomadischen Version, die vor und während der Sowjetzeit gespielt wurde, um ihm zu mehr Popularität zu verhelfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/fusball-oder-kok-boru-hauptsache-kirgistan/">Fußball oder Kök-Börü – Hauptsache Kirgistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aıdarbek Hodjanazarov, Präsident der Kokpar-Föderation und Abgeordneter, erzählt, er wolle den Sport wieder populärer machen, unter anderem durch die Gründung einer neuen Kokpar-Liga im Land. Hodjanazarov äußerte sich im vergangenen Jahr kontrovers, nachdem das Finale der Nomad Games zwischen Kirgistan und Kasachstan von kirgisischer Seite kritisiert worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Vor einigen Jahren wurde unser kasachischer Spieler auf die Intensivstation gebracht, nachdem er von kirgisischen Spielern festgehalten worden war. Wir haben keine Aufregung darum gemacht. Denn dies ist Kokpar, kein Ballett. Wenn man spielen will, darf man sich nicht darüber beschweren, mit einer Peitsche geschlagen zu werden“</em>, waren seine Worte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungeachtet aller Rhetorik über Stärke, Mut und Kühnheit mahnt Bigojin, dass Sicherheit an erster Stelle stehen müsse. Daukeı, der von seinem sichereren Format überzeugt ist, denkt bereits langfristig: <em>„In fünf Jahren sollte diese Version des Sports in Kasachstan populär werden und in zehn Jahren könnte er sich auf Kirgistan ausbreiten. Doch um sie international zu etablieren, braucht man 15 Jahre“</em>, vermutet er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="546" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-1024x546.jpg" alt="" class="wp-image-43165" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-1024x546.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-300x160.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-768x410.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-1536x820.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Nach-dem-Tor-2048x1093.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Kokpar-Spieler nach dem Erzielen eines Tors. Foto: Albert Otkjaer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er die Puppe im Taı Qazan abgedeckt hat, trabt ein Reiter in einem eng anliegenden Hemd und einer hellroten Pelzmütze zum Rand des Feldes. Er zieht sein Handy aus der Hosentasche, sein Gesicht leuchtet im Licht des Bildschirms. Am anderen Ende meldet sich eine weibliche Stimme. Es ist Zeit, das Tor mit seinen Liebsten zu feiern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Albert Otkjaer für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/english/66467-the-return-of-kokpar-as-kazakhstans-modern-national-sport.html">Englischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kirgistan sperrt TikTok</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 May 2024 08:45:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die kirgisische Regierung sperrt die App TikTok. Die Beh&#xF6;rden berufen sich dabei auf den Schutz von Kindern und nationalen Werten. Doch gibt es auch politische Gr&#xFC;nde? Kurze Videos, die einen durch ihren nicht zu verachtenden Suchtfaktor schnell mal die Zeit vergessen lassen: Das Erfolgsrezept von TikTok hat die Welt erobert und z&#xE4;hlt heute mehr als [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Die kirgisische Regierung sperrt die App TikTok. Die Behörden berufen sich dabei auf den Schutz von Kindern und nationalen Werten. Doch gibt es auch politische Gründe?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurze Videos, die einen durch ihren nicht zu verachtenden Suchtfaktor schnell mal die Zeit vergessen lassen: Das Erfolgsrezept von TikTok hat die Welt erobert und zählt heute mehr als<a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1356493/umfrage/anzahl-der-tiktok-nutzer-weltweit/"> 1,7 Milliarden Nutzer.</a> Die kirgisische Regierung sorgt sich jedoch um die Auswirkungen der App. Darum wurde sie im April dieses Jahres gesperrt, unter dem Vorwand, es handle sich um eine Maßnahme zum Schutz der Kinder.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Blockade, die in Kraft getreten ist</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 69% Nutzern in der Bevölkerung ist TikTok eines der beliebtesten sozialen Netzwerke des Landes. Mehr kirgisische Nutzer hat nur Instagram (72%), berichtet die kirgisische Nachrichtenagentur <a href="https://24.kg/english/282679_Kyrgyzstanis_name_most_popular_social_media/">24.kg.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verbreitung der App in der Gesellschaft <a href="https://24.kg/vlast/273819_ministerstvo_kulturyi_prosit_mintsifryi_zablokirovat_TikTok_vkyirgyizstane_/">beunruhigt</a> vor allem das kirgisische Kulturministerium bereits seit August letzten Jahres. Der Aufbau der kurzen Videos sei gefährlich, außerdem befinde sich das Zielpublikum oft noch in der kindlichen Entwicklungsphase. Die Stabilität der Kinderpsyche würde auf dieses Weise überstrapaziert. Zudem bestünde ein Risiko, dass bestimmte bedenkliche Trends nachgeahmt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch noch bis April, bis die Sperrung wirksam wurde. Laut dem Ministerium für digitale Entwicklung hätte das Staatliche Komitee für nationale Sicherheit die Sperrung zum Schutz von Kindern vor allem darum beantragt, weil es an einer wirkungsvollen Kontrolle der Inhalte fehle, erklärt <a href="https://kaktus.media/doc/499662_blokirovka_tiktok._politicheskoe_reshenie_ili_chto_to_drygoe.html">Kaktus Media</a>. Ab dem 18. April berichteten Leser von <a href="https://24.kg/english/291898__Kyrgyzstan_restricts_access_to_TikTok/">24.kg</a>, dass sie nicht mehr auf die Inhalte der App zugreifen konnten. Ihre Provider <em>O!</em>, <em>Beeline</em> und <em>Mega</em> setzten die Nutzer ebenfalls über die Sperrung in Kenntnis.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politische, wirtschaftliche und soziale Folgen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">TikTok wird zwar oft als reine Unterhaltungsplattform betrachtet, bietet allerdings auch die Möglichkeit des Gedankenaustauschs. Aktivisten schreiten hier zur Tat, verbreiten Informationen und stellen bestimmte Verhaltensweisen an den Pranger. In diesem Sinne führt die Blockierung von TikTok auch dazu, dass bestimmte, als sensibel eingestufte Inhalte, nicht mehr verbreitet werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaktus Media holt hier die Meinung des Rechtsanwalts <a href="https://kaktus.media/doc/499662_blokirovka_tiktok._politicheskoe_reshenie_ili_chto_to_drygoe.html">Akmat Alaguschew</a> ein: „Es handelt sich zuallererst um eine politische Frage. Und die hat zwei Seiten: Auf der einen werden die Kinder tatsächlich weniger Zeit in diesem sozialen Netzwerk verbringen. Auf der anderen werden die Inhalte dort ordentlich reguliert. Folglich ging es eher darum, die Bevölkerung daran zu hindern, die Behörden zu kritisieren“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Seitens der Regierung hatte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akylbek_Dschaparow">Akylbek Dschaparow</a>, Leiter des Ministerkabinetts, im Februar erklärt, dass er TikTok-Inhalte kontrollieren wolle, die „nicht den kirgisischen Traditionen entsprechen“, wie <a href="https://rus.azattyq.org/a/32837285.html">Radio Azattyk</a>, der kirgisische Zweig des US-Mediums Radio Free Europe, berichtete. Beispiele für solche Verstöße wären seiner Meinung nach, seine Schwiegereltern nicht zu respektieren oder sich scheiden zu lassen, vor allem als Frau. „Es ist eine Schande, dass all dies in den Netzwerken gepostet wird (&#8230;) und es ist dringend notwendig, all dies wieder auf die richtige Bahn zu lenken“, sagte er vor dem Vorstand des Kulturministeriums.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine unpopuläre und umstrittene Entscheidung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der ersten Diskussionen um die Sperre im Jahr 2023 kam es zu Kritik: Blogger forderten das Ministerium auf, die Anordnung zurückzuziehen. Sie argumentierten, dies wirke sich riskant auf die Wirtschaft des Landes und Kleinunternehmen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heute noch ist die Blockade unpopulär. In einer von 24.kg initiierten <a href="https://24.kg/tehnoblog/291879_blokirovka_TikTok_avyizaili_protiv_opros24kg/">Umfrage</a> sprechen sich 49% der Bevölkerung gegen die Blockierung von TikTok aus, während 31% diese gutheißen. Auch <a href="https://twitter.com/RSF_inter/status/1780612681348829231">Reporter ohne Grenzen</a> (ROG) äußerten sich besorgt über die Entscheidung: Laut ihnen würde der Vorwand des Kinderschutzes es den Regierungen ermöglichen, die Verbreitung von Informationen einzuschränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem würde dies kleine Unternehmen <a href="https://24.kg/obschestvo/273861_blokirovka_TikTok_vkyirgyizstane_chto_obetom_dumayut_populyarnyie_blogeryi_stranyi/">gefährden</a>, die auf soziale Netzwerke angewiesen sind, um auf sich aufmerksam zu machen und die Sichtbarkeit kirgisischer Künstler und touristischer Medien auf internationaler Ebene verringern. Der Abgeordnete Dastan Bekechev weist gegenüber <a href="https://kaktus.media/doc/499662_blokirovka_tiktok._politicheskoe_reshenie_ili_chto_to_drygoe.html">Kaktus Media</a> darauf hin, dass Kleinunternehmen und Start-ups „eine riesige Plattform verlieren werden, auf der sie bisher ihre Dienstleistungen mit minimalem Aufwand anbieten konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es handelt sich also um eine kontroverse Entscheidung mit weitreichenden Folgen für das Land, sowohl auf politischer als auch auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Lediglich über VPNs wird es der kirgisischen Bevölkerung weiterhin möglich sein, auf TikTok-Inhalte zuzugreifen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Situation von TikTok in Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Rest Zentralasiens ist das Thema brandaktuell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Turkmenistan, wo viele Websites gesperrt sind, möchte die Regierung mithilfe von Influencern ein wohlhabendes und positives Bild des Landes vermitteln, berichtet <a href="https://rus.azathabar.com/a/v-turkmenistane-blogerov-vyzyvayut-na-dopros-ot-nih-trebuyut-voshvalyatь-stranu/32450229.html">Radio Azattyk</a>, der turkmenische Zweig von Radio Free Europe. Die Netzwerke werden genutzt, um das Bild des Regimes im Ausland herauszuputzen. Die Produzenten negativer Inhalte riskieren im Gegenzug Repressionen durch Erpressung oder Inhaftierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan ist eine Diskussion über die Blockierung der App entbrannt, berichtet das kasachische Medium <a href="https://kz.kursiv.media/2024-04-22/tksh-tiktok-zapret-balayeva/">Kursiv</a>. Laut der Kulturministerin <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Aida_Balaeva">Aida Balajeva</a> findet diese Diskussion einerseits vor dem Hintergrund der Sperrungen in Nachbarländern wie Kirgistan statt, andererseits gehe es darum, die Einheit des Landes zu wahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan war 2022 eine Lockerung der Netzwerke zu beobachten: Usbekische Nutzer konnten wieder auf Twitter, VKontakte und WeChat zugreifen, nachdem diese 2021 gesperrt worden waren, berichtet der usbekische Ableger des russischen Medienunternehmens <a href="https://uz.sputniknews.ru/20220801/v-uzbekistane-razblokirovany-nekotorye-sotsseti-26724948.html">Sputnik</a>. TikTok blieb jedoch gesperrt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Caroline Jullien, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Arthur Siavash Klischat, Übersetzer für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Über die Selektivität der Macht: Fakes dürfen alles, schuld sind die Medien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Dec 2022 00:58:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Redefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach der Ausweisung des Journalisten Bolot Temirow kam es in Kirgistan zu einem &#xF6;ffentlichen Aufschrei &#xFC;ber die Selektivit&#xE4;t der Beh&#xF6;rden. Dieselbe Frage wurde nach den Massenverhaftungen von Mitgliedern des Komitees zum Schutz des Kempir-Abad-Stausees gestellt. Der Artikel erschien erstmals am 25. November 2022 bei 24.kg. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Wie ist [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach der </strong><a href="https://24.kg/obschestvo/251447_sud_postanovil_vyidvorit_jurnalista_bolota_temirova_izkyirgyizstana_/"><strong>Ausweisung des Journalisten Bolot Temirow</strong></a><strong> kam es in Kirgistan zu einem öffentlichen Aufschrei über die Selektivität der Behörden. Dieselbe Frage wurde nach den </strong><a href="https://24.kg/vlast/250318_vlast_brosaetsya_navseh_podryad_pravozaschitnitsa_obratilas_ksadyiru_japarovu/"><strong>Massenverhaftungen</strong></a><strong> von Mitgliedern des Komitees zum Schutz des </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-uebergabe-eines-wasserreservoirs-an-usbekistan-fuehrt-zu-protesten/"><strong>Kempir-Abad-Stausees</strong></a><strong> gestellt. Der Artikel erschien erstmals am 25. November 2022 bei <a href="https://24.kg/vlast/251607_obizbiratelnosti_vlasti_trollyam_mojno_vse_avinovatyi_smi/">24.kg</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ist es möglich, dass in den sozialen Medien provokative Beiträge, Bezeichnungen, ethnisch motivierte Belästigungen, Unhöflichkeiten und Beleidigungen auftauchen und das Innenministerium dies nicht bemerkt? Doch sobald sich gegen bestimmte Handlungen hochrangiger Beamter ausgesprochen wird, werden die Verfasser:innen zum Verhör vorgeladen, in eine Gefängniszelle gesteckt oder, wie im Fall Temirow, des Landes verwiesen. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Dies bedroht nicht nur die Freiheit, sondern auch die persönliche Sicherheit. Die Parlamentarierin Elwira Surabaldijewa meinte, dass diejenigen Abgeordneten, die gegen die Ratifizierung des Abkommens mit Usbekistan zum Kempir-Abad-Stausee gestimmt haben, <a href="https://24.kg/vlast/251550_deputatam_golosovavshim_protiv_peredachi_kempir-abada_uzbekistanu_ugrojayut_/">nun bedroht werden</a>.

Anerkannte internationale Menschenrechtsorganisationen haben an den kirgisischen Präsidenten Sadyr Dschaparow appelliert, das harte Durchgreifen zu beenden. Doch dieser Appell wird vermutlich wie üblich ignoriert.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Selektive Redefreiheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Heute werden Kritiker:innen der Regierung, ob Abgeordnete, Bürgeraktivist:innen oder Blogger:innen, als „busukular“ (Provokateure) bezeichnet, was wie ein Vorwurf oder gar Schimpfwort klingt. Analysen <a href="https://24.kg/obschestvo/208530_zakon_ofeykah_budet_rabotat_protiv_smi_aneprotiv_dezinformatorov_ekspert/">warnen</a>, dass diese Politik nicht nur auf unerwünschte Medien abziele, sondern auch einen fruchtbaren Boden für Fälschungen schaffe. Mit der einen Hand knebeln die Politiker Journalist:innen und Blogger:innen, mit der anderen füttern sie ein Heer von Trollen und Fakes. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Journalist:innen von <a href="https://kloop.kg/blog/2020/12/31/pozharnaya-komanda-vlasti-kak-legko-sozdat-fabriku-fejkov-v-kyrgyzstane/">Kloop</a> und <a href="https://factcheck.kg/boty-ne-otdyhayut-czifrovaya-fabrika-fejkov-revolyucziya-na-rynke-politicheskogo-piara/">Factcheck</a> haben untersucht, wie solche Bot-Farmen zur Schaffung von Fakes funktionieren. Dazu versteckten sie sich hinter gefälschten Konten, schrieben Kommentare zur Unterstützung eines Politikers oder einer Politikerin mit einem in der Regel schlechten Ruf. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Raimbek_Matraimow">Rajymbek Matraimow</a>, der wegen Korruption verurteilte ehemalige stellvertretende Leiter der kirgisischen Zollbehörde, scheute keine Kosten, um diese „Fabriken“ zu erhalten. Im Gefecht des Präsidentschaftswahlkampfs im Dezember 2020 dienten solche Fakes den Kandidaten, darunter auch dem aktuellen Präsidenten Dschaparow. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/repressionen-in-kirgistan-ist-das-land-noch-die-demokratische-insel-zentralasiens/">Repressionen in Kirgistan: Ist das Land noch die „demokratische Insel“ Zentralasiens?</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklungen haben nicht nachgelassen. In den letzten 12 Monaten gab es in Kirgistan eine Rekordzahl von Wahlkämpfen, darunter zwei Referenden für einen Regimewechsel und die Verfassung, die eine strenge Vertikale der Macht des Präsidenten vorsehen. Fakes werden immer wieder benutzt. Die Fälschenden arbeiten für hochrangige Beamte und Abgeordnete und werben in den sozialen Netzwerken für verfassungswidrige und offen diskriminierende Initiativen. Sie verbreiten falsche Informationen gegen unabhängige Berichterstattende. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings hat niemand es eilig, sie zu blockieren, was ein weiterer Beweis dafür ist, dass das <a href="https://kloop.kg/blog/2021/07/29/neskolko-deputatov-parlamenta-zayavili-chto-ne-golosovali-za-skandalnyj-zakonoproekt-o-zashhite-ot-fejkov/">Gesetz der Abgeordneten Gulschat Asylbajewa</a> nicht gegen Fälschungen vorgeht, sondern die Redefreiheit in Kirgistan angreift. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die andere Seite der Medaille</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Behörden drücken ein Auge zu, wenn es um Fakes, Trolle, offizielle Propagandisten und die Verfolgung von Gegner:innen geht, und sind dabei sehr selektiv. Vertretungen der Gesellschaft handeln in ähnlicher Weise. Als etwa ein Bezirksgericht im Oktober dieses Jahres die Twitter-Nutzerin <a href="https://24.kg/proisshestvija/246905_devushka_napisala_vTwitter_negativnyiy_post_okyirgyizah_ipoluchila_god_kolonii/">Elena Wlasowa wegen eines Posts verurteilte</a>, der laut Untersuchung beleidigend für eine bestimmte ethnische Gruppe gewesen sei, begrüßte ein Großteil der kirgisischem Internet-Community die gerichtliche Entscheidung und bezeichnete sie als gerecht und angemessen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im Mai 2019 wurde Temir Bolotbek wegen diskriminierender Äußerungen gegen Angehörige einer nationalen Minderheit angeklagt. Auch dieses Verfahren löste ein Echo aus und in der Gesellschaft wurde es als unrechtmäßige Belästigung und Verfolgung gesehen. Schließlich wurde Bolotbek mangels Beweisen freigesprochen, Wlasowa jedoch zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Dasselbe war bei der Sperrung der Medien der Fall, denn seit Inkrafttreten des „drakonischen“ Gesetzes von Asylbajewa wurden drei kirgisische Medien gesperrt: Respublica im Juli, 24.kg im August und <a href="https://24.kg/vlast/249223_minkulturyi_priostanovilo_nadva_mesyatsa_rabotu_sayta_azattyik_media/">Azattyk Media Ende Oktober</a>. Vorwand dafür war das Video „Schwere Kämpfe an der Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan“, das von Current Time (einer Tochtergesellschaft von Azattyk Media) produziert wurde. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Die Beamten sind der Ansicht, dass das Medium <em>„Elemente der Hassrede und unbestätigte Informationen über einen angeblichen Angriff der kirgisischen Seite auf Tadschikistan verwendet, die Gesellschaft aufgeheizt und bei der Berichterstattung über die Ereignisse in der Region Batken Hass, Diskriminierung und Spaltung unter den Bürgern hervorgerufen hat.“</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Während unerwünschte Medien in Kirgistan geschlossen werden, bestehen aktive Telegram-Kanäle, in denen Beiträge mit ausgeprägt nationalistischem Ton verfasst werden, in abwertendem Ton von Dschaparow und seinem Umfeld gesprochen wird sowie Daten gefälscht werden, um bestimmte Veröffentlichungen und Webseiten zu verunglimpfen und das Ministerium für Kultur, Information, Sport und Jugendpolitik aufzufordern, sie zu sperren. Doch niemand kontrolliert diese Medien oder ihre Autorenschaft – und es wird schon gar nicht versucht, sie einzuschränken, was man auch als Selektivität bezeichnen kann. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auf der Suche nach vertrauten Merkmalen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Diese Selektivität führt zu rechtlichen Ungleichheiten und ermöglicht, persönliche Grenzen zu verletzen, Druck auszuüben und zu stigmatisieren. All diese Aspekte führen zu Spaltungen in der Gesellschaft. Ein Mechanismus zur Suche nach Feinden tritt in Kraft, Whistleblower und Spitzel treten in den Vordergrund.

In einer Gesellschaft, die von totalem Misstrauen infiziert und gleichzeitig zersplittert und zurückgezogen ist, nimmt der politische Aktivismus allmählich ab. Im Gegensatz dazu erhält die politische Führung Konturen eines autoritären Regimes, in dem politische Gegner ermordet, repressive Gesetze durchgesetzt und die Möglichkeiten der Sicherheitskräfte nahezu grenzenlos werden.

&nbsp;
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Darja Podolskaja für <a href="https://24.kg/vlast/251607_obizbiratelnosti_vlasti_trollyam_mojno_vse_avinovatyi_smi/">24.kg</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Michèle Häfliger</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die TikTokerin Niso Mamedova über Feminismus und das Publikum in den sozialen Medien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ramona Bleimhofer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Sep 2022 16:07:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die TikTokerin Niso Mamedova studiert am Taschkenter Standort des Moskauer Staatlichen Instituts f&#xFC;r Internationale Beziehungen (kurz MGIMO) an der Fakult&#xE4;t f&#xFC;r Wirtschaftsinformatik. Mamedova, deren Account 80.000 Menschen folgen, bezeichnet sich selbst als liberale Feministin. In den sozialen Medien positioniert sie sich klar gegen jede Form von Diskriminierung und macht au&#xDF;erdem auf Missst&#xE4;nde in Usbekistan aufmerksam. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die TikTokerin Niso Mamedova studiert am Taschkenter Standort des Moskauer Staatlichen Instituts für Internationale Beziehungen (kurz MGIMO) an der Fakultät für Wirtschaftsinformatik. Mamedova, deren <a href="https://www.tiktok.com/@wj.nana/">Account</a> 80.000 Menschen folgen, bezeichnet sich selbst als liberale Feministin. In den sozialen Medien positioniert sie sich klar gegen jede Form von Diskriminierung und macht außerdem auf Missstände in Usbekistan aufmerksam. Das folgende Porträt erschien im russischsprachigen Original bei <a href="https://sarpa.media/niso">Sarpa</a>, wir übersetzen es mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong>

Es begann mit 2000-3000 FollowerInnen auf Instagram, wo ich zu Themen wie Feminismus, Body Positivity und Selbstakzeptanz Inhalte postete. Bei TikTok habe ich mich Ende 2018 angemeldet, damals hieß es noch Musicly. Ich habe die App eigentlich heruntergeladen, um Musikvideos zu bearbeiten. Dann wurde Musicly zu TikTok und ich fand das neue Format irgendwie ziemlich lustig. 2019 habe ich begonnen, selbst Videos zu veröffentlichen. Zu dieser Zeit wurde TikTok gerade bekannter in Usbekistan. Im Unterschied zu anderen sozialen Medien ist es hier nicht so wichtig, wie lange man schon aktiv ist – man kann sofort anfangen, schnell aufsteigen und bekannt werden.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/amalia-aibusheva-im-portraet-beats-design-und-feminismus/">Amalia Aibusheva im Porträt: Beats, Design und Feminismus</a></strong>

Unterhaltsame Inhalte wie Tänze oder kurze Sketche habe ich schon immer gerne aufgenommen. Ich begann, eigene Videos auf TikTok hochzuladen, für deren Veröffentlichung ich auf Instagram immer zu schüchtern war. Mir gefällt es, wenn mir die ZuschauerInnen ihre Aufmerksamkeit schenken. Mit meinem unterhaltsamen und lustigen Content ist meine Bekanntheit gewachsen.Doch dann habe ich gemerkt, dass ich meine eigenen Wertevorstellungen habe und über ernste Themen sprechen möchte, wie zum Beispiel Feminismus. Die Reaktionen meiner FollowerInnen machten mir klar, dass das eindeutig kein Format für unser Land ist. Sie verstanden meine Themen nicht.

TikTok ist im Vergleich mit Instagram das freundlichere Netzwerk. Hier ist das Publikum jünger und toleranter. Außerdem ist die Community cool, es gibt viele FeministInnen und generell AktivistInnen verschiedener Bewegungen. So ist es auf TikTok wesentlich einfacher, Gleichgesinnte zu finden, wohingegen man auf Instagram für Beiträge zu diesen Themen sehr viel Hass erntet.
</p>



<h5 class="wp-block-heading">Drehorte in Taschkent</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Das Gelände des Forumspalastes ist ein beliebter Drehort. Am Anfang war es eher ein Geheimtipp. Zu dieser Zeit war ich auch oft dort, später kamen immer mehr russisch- und usbekischsprachige BloggerInnen nach. Sie nehmen an unterschiedlichen Orten auf dem weitläufigen Areal Videos auf. Es gibt viel Platz und Licht, einen wunderschönen Springbrunnen, niemand stört uns, man kann gemeinsam auf der Bank sitzen. Nur wenn man auf dem Rasen sitzt, wird man rausgeworfen. Dabei kommen Aufnahmen mit grünem Rasen und Sonnenschein immer sehr gut auf TikTok an.

<strong>Seht auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/im-forumspalast/">Im Forumspalast</a></strong>

Ansonsten gibt es in Taschkent nämlich keinen einzigen Ort, an dem man in Ruhe Videos aufnehmen kann, ohne gestört zu werden. Die Leute verstehen das bei uns wirklich nicht. Ich habe mal versucht, am Einkaufszentrum Videos zu machen, stellte mein Stativ auf und alle liefen mir durchs Bild. Es war, als würden sie nicht verstehen wollen, dass ich gerade filme.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die Entwicklung von TikTok in Usbekistan</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Als TikTok in Usbekistan populärer wurde, waren die Inhalte weder komplett „Straight“ noch komplett „Alt“, sondern irgendwas dazwischen. Die TikToks handelten von den Dingen, die uns hier beschäftigten, über die wir nachdachten. Wir haben Ideen nicht komplett ausgearbeitet und uns einfach etwas ausgedacht. Die meisten ließen sich damals eher von koreanischen als von amerikanischen TikTokerInnen inspirieren.

</p>


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<h5 class="wp-block-heading"><em>Exkurs: Was sind Straight und Alt TikTok?</em></h5>



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Straight <em>TikTok bezeichnet Mainstreaminhalte, bei denen die NutzerInnen Standardvideos zu (Pop-) Musik aufnehmen. </em>Alt <em>TikTok (kurz für „Alternative TikTok“, Anm. d. Ü.) ist eine alternative Community, die sich durch einen nachdenklichen, ironischen Inhalt auszeichnet und oft mit schwarzem Humor spielt. Insbesondere im </em>Alt <em>TikTok finden sich VertreterInnen vieler Subkulturen.</em>

Mittlerweile gibt es viel mehr usbekische TikTokerInnen. Viele machen genau dasselbe wie alle anderen und die Qualität der Aufnahmen hat sich auch verschlechtert. Ich zum Beispiel habe erst etwas aufgenommen, als ich das neue iPhone hatte, auch wenn es damals nur das iPhone 7 war. Aber heute machen viele Leute Aufnahmen auf „Seifenschalen“ (Slang für qualitativ schlechte Kameratechnik, Anm. d. Ü.), es macht keinen Spaß, das anzuschauen. Ihre Videos sind schon total verpixelt und sie packen noch Filter und Effekte drauf. Ich sage immer, dass die Videos manchmal schon besser werden, wenn man die Filter entfernt. Wenn ein Video keinen tieferen Sinn hat, sollte man sich zumindest auf eine gute Qualität konzentrieren.
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<h5 class="wp-block-heading">Gemischte Reaktionen aus dem Umfeld</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
In der Schule haben mich zuerst alle ausgelacht, obwohl ich eine hervorragende Schülerin war, sportlich und selbstbewusst bin. Als meine MitschülerInnen meinen TikTok-Account fanden, fingen sie an, sich darüber lustig zu machen. Sie selbst waren damals natürlich nicht auf TikTok. Die Schulverwaltung sprach sich auch gegen meine Aktivität auf TikTok aus und nahm mir das Telefon weg, als ich in den Pausen ein Video drehte. Bis heute verstehe ich nicht, warum TikTokerInnen so gehasst werden, dieselben Videos sind ja auch auf Instagram.

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<p class="wp-block-paragraph">

Meine Eltern haben auch nicht wirklich verstanden, was ich da mache. Erst als Unternehmen wie Aviasales und Les Ailes anfingen mich zu kontaktieren &#8211; also als ich anfing, damit Geld zu verdienen -, haben sie es ernst genommen. Meine erste bezahlte Werbung war für Aviasales. Zuerst wusste ich gar nicht, wieviel ich berechnen soll. Ich bekam 50 US-Dollar (etwa 49 Euro, Anm. d. Ü.). Sie haben es meiner Mutter auf die Karte überwiesen und sie ist total ausgeflippt. In der Regel ist mein aktuelles Einkommen durch Werbung wechselhaft, alles hängt davon ab, wie viele Videos in einem Monat in den Tops landen und wie stark die Zahl meiner FollowerInnen wächst.
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<h5 class="wp-block-heading">Umgang mit Kritik</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Ich habe lange nicht verstanden, was das Publikum von mir sehen möchte. Ich habe mich beim Tanzen gefilmt – die Leute haben gefragt, warum ich so viel tanze. Ich habe Sketches aufgenommen – dieselbe Reaktion. Irgendwann beschloss ich, einfach das zu filmen, was ich möchte, und nicht über die möglichen Reaktionen nachzudenken. Der ganze Prozess, ein TikTok zu drehen, macht mir wahnsinnig viel Spaß. Wenn ich ein neues Video hochlade und die Leute es mögen, freue ich mich richtig.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mich dabei gut fühle: Ich liebe Aufmerksamkeit, auch wenn ich lange Zeit in meinem Leben Angst hatte, um sie zu bitten und sie zu erhalten. Aber eigentlich kämpfe ich immer für das, was ich möchte. Wenn in der Schule zum Beispiel gefragt wurde, wer bei einer Veranstaltung auftreten will, wollte ich das zwar immer, aber hatte Angst. Jetzt studiere ich an der Uni und stehe immer im Vordergrund. Ich bin eine Rampensau geworden und werde es eindeutig bis ans Ende meines Lebens bleiben (lacht). In sozialen Situationen ist das sehr hilfreich, ich war zum Beispiel die Einzige in meiner Gruppe, die zu einer Konferenz mit dem Rektor des MGIMO zugelassen wurde, ich durfte ein Foto mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Lawrow">Lawrow</a> machen und ich war die Erste, die an der Uni ein eigenes Projekt gestartet hat.
</p>



<h5 class="wp-block-heading">Über Feminismus in Usbekistan</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Zum Feminismus kam ich im Alter von 14 Jahren: Ich stieß auf feministische Gruppen in VK (Vkontakte, russisches soziales Netzwerk ähnlich zu Facebook, Anm. d. Ü.) und merkte, dass nicht nur ich die Probleme in unserer Gesellschaft wahrnehme. In meiner Familie sind Gleichberechtigung und gegenseitiger Respekt normal. Ich habe unglaublich großen Respekt vor meiner Mutter, meiner Oma und Tante, sie sind sehr starke Frauen. Die Männer in meiner Familie haben sie immer dabei unterstützt, sich weiterzuentwickeln. Als ich erfahren habe, dass das nicht überall so ist, war ich sehr verwundert. Außerdem habe ich seit meiner Kindheit Sport gemacht und immer versucht, im Studium aktiv zu sein.. Trotzdem habe ich immer noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass Jungen alles besser können, nur weil sie als Jungen geboren wurden. Ich akzeptiere das nicht, so funktioniert das für mich nicht!

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/eine-weibliche-gouverneurin-in-usbekistan-symbol-eines-fortschreitenden-feminismus/">Eine weibliche Gouverneurin in Usbekistan: Symbol eines fortschreitenden Feminismus?</a></strong>

Ich würde mir sehr wünschen, dass die Regierung ihre Aufmerksamkeit darauf richtet, dass Frauen sich weder auf der Straße noch zuhause &nbsp;– eigentlich nirgends sicher fühlen können. Ich bin in diesem Land geboren und ich habe jedes Recht, hier sicher zu leben und mich überall wohlzufühlen. Meiner Meinung nach besteht das Hauptproblem in Usbekistan darin, dass alle Arten von Gewalt, einschließlich häuslicher Gewalt, auf rechtlicher und gesellschaftlicher Ebene nicht angemessen bestraft werden. Es gibt auch Probleme mit Viktimisierung und Objektifizierung. Im beruflichen Kontext sehe ich die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%A4serne_Decke">gläserne Decke</a>, Belästigung und die Existenz von Stereotypen wie zum Beispiel, dass die Arbeit eines Mannes besser sei, nur weil er ein Mann ist, als wichtige Probleme.
</p>



<h5 class="wp-block-heading">So gelingt das perfekte TikTok</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Meine Empfehlung ist, Videos nur mit Standardgeschwindigkeit zu drehen und keine Filter zu benutzen. Lernt den Text auswendig, um den Ton genau zu treffen, und versucht, die Qualität der Aufnahme durch hochwertiges Equipment zu verbessern. Wenn ihr einen Text zu dem Video schreibt, achtet auf (Tipp-)Fehler. Am besten postet ihr zwei bis drei Videos pro Tag, mindestens Eines davon sollte in den Empfehlungen landen. Meine Indikatoren sind wie folgt: Wenn ein Video 10.000 Aufrufe hat, bedeutet das, dass ich in den Empfehlungen gelandet bin. Wenn es 50.000 Aufrufe hat, bedeutet das, dass es sehr gut ist.

Ich selbst mag den Content von Ksjusha (<a href="https://www.tiktok.com/@kcywame">ksywame</a>), Julia (<a href="https://www.tiktok.com/@saijove">saijove</a>), Suli (<a href="https://www.tiktok.com/@idinafig23">idinafig</a>), Kamilla (<a href="https://www.tiktok.com/@_kamila_kh">Kamilla kh</a>) und noch vielen anderen. Wir kennen uns schon ziemlich lange und ich mag die Qualität und den Humor ihrer Posts. Sie stecken viel Arbeit in ihre Videos und klauen nicht einfach Ideen von anderen.
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<h5 class="wp-block-heading">Zukunftspläne</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Ich will unbedingt eine seriöse Bloggerin werden. So wie jetzt, mit TikTok, ist es natürlich schwer vorstellbar, aber ich möchte über wichtige Dinge sprechen – und zwar laut. Vor zwei Jahren, als ich über Themen schrieb, die für mich wichtig waren, bin ich auf viel Negativität gestoßen. Ich habe erkannt, dass die Menschen hier noch nicht bereit waren, meine Ideen zu unterstützen. Aber jetzt sehe ich, dass sich die Situation bessert und ich hoffe, dass ich diese unsichtbare Barriere bald überwinden kann, um meine Meinung aktiver zu äußern. Außerhalb des Internets plane ich, in fünf Jahren einen Master in Europa oder Russland zu machen, je nachdem, wie viel Glück ich mit Praktika und der Zulassung habe.
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Sarpa Media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://sarpa.media/niso">Russischen</a> von Ramona Bleimhofer</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Turkmenistan: Internetnutzer im Visier der Behörden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[alternativeturkmenistannews]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2016 09:16:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Turkmenistan k&#xF6;nnen Internetnutzer verklagt werden, wenn sie in sozialen Netzwerken Gruppen abonnieren, in denen der Staat kritisiert wird.&#xA0;In den letzten Tagen wurden mehrere Menschen bedroht, weil sie verschiedene Medien der unabh&#xE4;ngigen Presse im Internet angeklickt hatte.&#xA0; Dieser Artikel wurde auf der Website habartm.org ver&#xF6;ffentlicht, und wurde von Novastan mit freundlicher Genehmigung &#xFC;bersetzt. Zahlreiche Quellen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Turkmenistan können Internetnutzer verklagt werden, wenn sie in sozialen Netzwerken Gruppen abonnieren, in denen der Staat kritisiert wird. In den letzten Tagen wurden mehrere Menschen bedroht, weil sie verschiedene Medien der unabhängigen Presse im Internet angeklickt hatte.  </strong><strong>Dieser Artikel wurde auf der Website <a href="https://habartm.org/archives/6117">habartm.org</a> veröffentlicht, und wurde von Novastan mit freundlicher Genehmigung übersetzt.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zahlreiche Quellen berichten, dass die turkmenischen Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen damit begonnen haben, nach Mitgliedern beliebter Internetforen und Online Gruppen zu fahnden, die in Verbindung mit unabhängigen Medien und Menschenrechtsorganisationen stehen. Staatliche Sicherheitskräfte arbeiten mit verschiedenen Nichtregierungsorganisationen, unter ihnen einige, die sich mit Frauenrechten und Jugendanliegen befassen, sowie mit dem turkmenischen Veteranenrat, zusammen, um Personen zu identifizieren, die in verschiedenen Social Media Gruppen innerhalb der LINE Apps aktiv sind. Unter den sogenannten LINE Apps befinden sich unter anderem die Gruppe „ANT“ (Alternative News Turkmenistan), Radio Azadlyk, sowie diverse andere Medienressourcen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Einschüchterungsmethoden der Behörden</strong></p>
<p style="text-align: justify">Verschiedene Berichte aus Turkmenistan bezeugen, dass Mitglieder solcher Internetforen systematisch vor die Behörden zitiert werden mit dem Ziel, sie zu ihren Motiven bezüglich ihrer Mitgliedschaft in solchen Onlineforen zu befragen, und sie anschliessend dazu auffordern, diese Mitgliedschaft sofort aufzugeben und davon abzusehen, in Zukunft ähnliche Webseiten zu besuchen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/reporter-ohne-grenzen-aufstieg-und-fall-der-region-zentralasien/">Reporter ohne Grenzen: Aufstieg und Fall der Region Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Betroffenen wurde via Telefon gesagt, dass es sich bei diesen Online Gruppen um „politische Gruppierungen“ handle, und eine Mitgliedschaft darin auch bedeute, sich mit Autoren von Artikeln zu verbünden, welche „gegen den turkmenischen Staat“ agieren. Die Anrufe werden jeweils mit dem Hinweis beendet, dass es sich bei diesem Anruf um die erste Warnung handle, und die Betroffenen im Falle einer zweiten Warnung nicht so glimpflich davon kommen würden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Systematische Identifizerung von Internetnutzern</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ganz offensichtlich wird bei der Identifizierung der Zielpersonen äusserst systematisch vorgegangen: turkmenische Sicherheitskräfte beobachten offenbar akribisch genau, welche TeilnehmerInnen auf veröffentlichte Artikel mit einem „like“ reagieren, oder wer, was noch gravierendere Konsequenzen hat, diese sogar kommentiert. In letzterem Fall werden die identifizierten Zielpersonen laut Zeugenberichten sogar ohne „erste Warnung“ verhaftet und gar während einer gewissen Zeit gegen ihren Willen festgehalten, worum es sich um einen Zeitraum von 15 Stunden bis zu mehreren Tagen handeln kann. Konkrete Fälle dieser Art sind bis jetzt aus Balkanbad, Turkmenbaschi sowie Turkmenabad bekannt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/von-pressefreiheit-keine-spur-journalismus-in-turkmenistan/">Von Pressefreiheit keine Spur – Journalismus in Turkmenistan<br />
</a></strong><br />
Ähnliche Berichte sind zudem von Lesern aus Aschgabat bekannt. Zeugen berichten davon, dass in der turkmenischen Hauptstadt Vertreter einer Regierungskommission während des Unterrichts regelmässige Kontrollen in Mittelschulen durchführen, um anhand mobiler Daten zu überprüfen, welche Schüler der Klassen 8 – 11 auf Online Plattformen Mitglieder politischer Gruppierungen aktiv sind. In diesem Zusammenhang erhielt der turkmenische Sicherheitsminister am 16. November seitens des turkmenischen Präsidenten einen offiziellen Tadel mit Verweis auf eine „<em>unsachgemässe Ausübung seines Amtes&#8220;</em>, sowie die <em>“zunehmend schwache Moral“</em> unter den Angestellten des Sicherheitsministeriums“. Dabei handelte es sich bereits um den zweiten Tadel zulasten des Sicherheitsministers seitens des turkmenischen Präsidenten in den vergangenen sechs Monaten.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Im Original auf Russisch erschienen auf <a href="https://habartm.org/archives/6117">habartm.org</a> </strong><br />
<strong>Aus dem Russischen übersetzt von Lisa Häusermann</strong></p>
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