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	<title>Schyrdak Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Textilien, Teppiche und Geometrie: Stoffproduktion in Zentralasien</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Sep 2023 16:47:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zentralasien ist bekannt f&#xFC;r seine alte Tradition der exquisiten Textilherstellung. Bis heute sind Schals oder Chapans (knopfloser Mantel), die in der sogenannten Textiltechnik Ikat gewebt sind, von Mode-Fans aus aller Welt gefragt. Textilproduktion und Teppichqualit&#xE4;t entwickelten sich in enger kreativer Interaktion zwischen nomadischen und sesshaften V&#xF6;lkern. Im Interview mit dem Central Asian Analytical Network (CAAN) [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zentralasien ist bekannt für seine alte Tradition der exquisiten Textilherstellung. Bis heute sind Schals oder <em>Chapans</em> (knopfloser Mantel), die in der sogenannten Textiltechnik <em>Ikat</em> gewebt sind, von Mode-Fans aus aller Welt gefragt. Textilproduktion und Teppichqualität entwickelten sich in enger kreativer Interaktion zwischen nomadischen und sesshaften Völkern. Im Interview mit dem Central Asian Analytical Network (CAAN) erläutert Carol Beer die Ursprünge dieses Kunsthandwerks, seine Symbolik und die komplexen Herstellungsmethoden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Carol Beer ist eine Historikerin der islamischen Kunst. Sie ist die Autorin zahlreicher Werke über die kulturellen Aspekte der Geometrie in der islamischen Kunst, in denen sie die Schönheit von Form, Muster und Struktur beschreibt. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Islamische Studien an der <em>Graduate Theological Union</em> in Berkeley, Kalifornien. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit am Textilmuseum in Washington D.C., wo sie lange Zeit Kuratorin der Sammlungen der östlichen Hemisphäre war (1984-2001). Von 2006 bis 2008 war sie Präsidentin der <em>Textil Society of America</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben viele Artikel über die kulturellen Aspekte der Geometrie in der islamischen Kunst veröffentlicht und wir in Zentralasien sehen viele wiederkehrende geometrische Formen in unserer Kultur. Wie hat sich die Geometrie in der islamischen Kunst manifestiert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich intensiv mit der Geometrie in der islamischen Kunst und Architektur beschäftigt, ein Interesse, das sich aus früheren Studien über Textilien und Textilmuster entwickelte. Textilmuster sind sehr eng mit der Technik des Webens, Stickens oder Färbens verbunden &#8211; <em>Ikat</em> oder <em>Abrband</em> (von persisch <em>„abr“</em> &#8211; Wolke, <em>„Band“</em> &#8211; binden), wie es in Zentralasien, zumindest in Usbekistan, genannt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist mein Interesse an Geometrie, islamischer Architektur und Kunst sehr stark mit der Beziehung zwischen Handwerk und Technologie verbunden &#8211; im Falle der Architektur mit der Bautechnologie. Meine Forschung hat die Entstehung einer algorithmischen Ästhetik in der islamischen Welt aufgezeigt, so dass die Wiederholbarkeit selbst eine Bedeutung hat und diese Bedeutung ist meiner Meinung nach sehr eng mit der Geometrie, mit der Erscheinungsform der Geometrie verbunden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Aus der Geschichte der Geometrie wissen wir, dass in der frühen arabischen Welt Übersetzungen und Kommentare zu antiken griechischen Texten über Mathematik und Philosophie erschienen. Diese wurden dann in der persischen Welt und darüber hinaus (Zentralasien, Spanien, Nordafrika) verbreitet. Mein Verständnis und meine Interpretation gingen also in verschiedene Richtungen. Eine dieser Richtungen ist die Untersuchung von Koraninschriften auf Denkmälern mit geometrischen Mustern und ich würde sagen, dass die für diese Denkmäler ausgewählten Koraninschriften und Koranpassagen uns helfen können, die Bedeutung und den Sinn der Muster und der Gebäude selbst zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere das Wort <em>„Amtal“</em>, der Plural von <em>„Mital“</em>. Dieses Wort hat viele Bedeutungen in Bezug auf Allegorie und Gleichnis, aber für Mathematiker bezeichnet es ein geometrisches Problem. Und ich glaube, dass man die Koranstellen in Bezug auf geometrische Muster an Gebäuden interpretieren kann, so dass die Form der Geometrie genau die Geometrie widerspiegelt. Zu dieser Interpretation bin ich gekommen, als ich Geometrie, Kunst und Architektur in der islamischen Welt untersucht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Textilkultur des Ostens, der auch die Region Zentralasien umfasst. Warum spielten Textilien im Leben dieser Menschen eine so große Rolle? Obwohl sie ein einfaches Leben führten, besaßen sie prächtige Teppiche und Seidengewänder. Haben diese Schmuckstücke und Textilien eine spirituelle Bedeutung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe die spirituellen Bedeutungen nicht eingehend untersucht. Sie konnten hauptsächlich durch das Studium der schriftlichen Überlieferung oder, wie heute, durch Interviews mit Praktizierenden untersucht werden, ich hingegen arbeitete hauptsächlich mit Primärquellen (den Materialien selbst), das heißt mit der materiellen Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich jedoch sagen kann, ist, dass alle textilen Traditionen &#8211; von der Filzherstellung <em>(shyrdak) </em>in Kirgistan und der Stickerei <em>(suzane)</em> in Usbekistan bis hin zur Teppichherstellung <em>(kali)</em> &#8211; auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, die in Zentralasien leicht verfügbar sind. So hat die Filz- und Textilherstellung eine sehr lange Geschichte, die bis in die prähistorische Zeit zurückreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Techniken der Textilherstellung in Zentralasien sind recht außergewöhnlich und viele davon werden auch heute noch praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/eine-kirgisische-firma-moechte-den-schyrdak-nach-europa-bringen/"><strong>Eine kirgisische Firma möchte den Schyrdak nach Europa bringen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ikat-Produktion ist sehr vielfältig, zum Beispiel im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Fergana-Tal</a>. Der Anbau von Baumwolle ist weit verbreitet. Für die Beschaffung und Aufbereitung der Färbematerialien haben sich Netzwerke gebildet. Die Technologie der Garnaufbereitung hat sich ebenso entwickelt wie die Färbe- und Webtechnologie. So ist zum Beispiel ein einfaches Produkt wie ein Schal mit hängenden Enden bereits das Produkt mehrerer Technologien. Beim Shyrdak wird der Filz in zwei Lagen geschnitten und übereinander gelegt. So entstehen zwei identische, aber farblich kontrastierende Muster. Es ist eine brillante Anwendung einer sehr einfachen Technologie, nämlich Wärme und Kompression, um aus Wollfäden Filz herzustellen und dabei mit Farben und Ornamenten zu experimentieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Zeichnungen finden sich aber auch Symbole wie die Hörner eines Schafes, der Bart einer Ziege oder Elemente, die für die lokale Gesellschaft von grundlegender Bedeutung sind. In Zentralasien gibt es einen starken Kontrast zwischen Hirten- und Ackerbaukulturen. Dieser Kontrast spiegelt die vielfältige Geographie der Region wider, die aus Wüstengebieten, Flusstälern und Oasenstädten besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Ihrem Artikel „Traditional Weaving from Pre-Soviet Central Asia“ (1992-93) beschäftigen Sie sich mit Textilkunst aus </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro"><strong>Buchara</strong></a><strong> wie Stickerei (Suzaneh), Florteppichweberei, Ikatweberei etc. Können Sie unseren Leser:innen etwas darüber erzählen? Werden diese alten Techniken heute noch angewandt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ikat bedeutet, wie gesagt, abrbandi (Wolkenbindung) und hat mit dem Färben der Hauptfäden vor dem Weben zu tun. Dies wird im modernen Fergana-Tal sehr häufig praktiziert, wo zahlreiche Ateliers, Werkstätten und Fabriken das herstellen, was wir im Englischen als Ikat bezeichnen. In der Umgebung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shakhrisabz</a> gibt es auch eine starke Tradition der Seidenstickerei (Suzane). Soweit mir bekannt ist, lassen sich Ikat- und Suzane-Gewebe erst bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, möglicherweise bis ins späte 18. Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch frühere Beispiele aus anderen Teilen der islamischen Welt. Ich weiß nicht genau, wie diese Techniken nach Usbekistan gekommen sind, aber sie waren definitiv im 19. Jahrhundert vorhanden und sind heute weit verbreitet. Madina Kasymbayeva aus Taschkent ist eine zeitgenössische Stickerin von Suzane. Ihre modernen Stickereien im historischen Idiom sind weltweit bekannt. In Usbekistan erhielt sie einen der Präsidentenpreise für Künstler; ihre Arbeiten sind auch im British Museum in London ausgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es ist bekannt, dass „kurak korpe“ vom türkischen <em>„kura“</em> abstammt. Aber auch die Kasachen haben solche Decken, die meist <em>„kurak korpe“ </em>oder <em>„oyu korpe“</em> genannt werden. Es gibt auch traditionelle Kopfkissen: Sie heißen auf Kasachisch <em>„zjastyq“</em> und auf Turkmenisch <em>„yassyk“</em>. Wie kommt es zu dieser terminologischen Ähnlichkeit? Gibt es noch andere Ähnlichkeiten zwischen den textilen Künsten, ihren Namen und Techniken in den zentralasiatischen Ländern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yastyk“ ist in der Türkei das Wort für Kissen, soweit ich weiß. Alle diese Wörter sind eng miteinander verwandt. Folglich führt die gemeinsame Nutzung des Wortschatzes in anderen Kontexten &#8211; vom Persischen ins Türkische, vom Türkischen ins Persische oder vom Tadschikischen ins Türkische &#8211; dazu, dass sich viele Wörter wiederfinden. So sind „jastyq“, „yassyk“, „zazdyk“ und „yastyk“ verwandt (mit einigen dialektalen Unterschieden). Auch in der Kunst gibt es Ähnlichkeiten. Diese kulturellen Gemeinsamkeiten zeigen sich nicht nur in den Techniken der Textilherstellung und der Architektur, sondern auch in der Küche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Art des Schmucks hängt jedoch von der Kultur ab, zu der diese Länder gehören. So sind einige zentralasiatische Ornamente eher städtischen Ursprungs, während andere nomadischen Ursprungs sind. Bei der sesshaften Stadtbevölkerung werden vielfältigere Muster gewählt und wiederholt als bei der nomadischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wichtigste Produkt der Nomadenkultur ist natürlich der Teppich. Er wird nicht nur, wie bei uns im Westen, als Bodenbelag verwendet, sondern auch als Tür- und Bettvorleger, als Abdeckung von Truhen oder als Einrichtungsgegenstand sowie als Bodenbelag in Zelten (Jurten). Florteppiche können einen Wollgrund, einen Wollschuß und einen Wollflor &#8211; den Teppichflor mit Mustern und Motiven &#8211; haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lassen Sie uns über die Traditionen von Patchwork und (Orient)teppichen sprechen. Was bedeutet Patchwork und wo liegen seine kulturellen Wurzeln?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Patchwork ist eine sehr wertvolle Handarbeitstechnik, die zu Hause und nicht in Fabriken hergestellt wird. Aus alten Stoffresten werden Decken, Bettüberwürfe, Pferdedecken oder Pferdekopfschmuck hergestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich viel mehr mit Teppichen als mit Patchwork beschäftigt. Schon die Bezeichnung &#8222;Orientteppiche&#8220; deutet auf eine Außenperspektive hin. Etwas als orientalisch zu bezeichnen bedeutet, dass es aus dem Orient stammt, der im 19. Jahrhundert &#8211; und dazu gehört auch die Geschichte des europäischen Teppichsammelns &#8211; irgendwo östlich von Istanbul lag. Es war nicht der Ferne Osten, wie wir ihn uns heute vorstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tatsache, dass es &#8222;Orientteppiche&#8220; gibt, weist darauf hin, dass diese Stoffe ihren kulturellen Ursprung in einem &#8222;Teppichgürtel&#8220; haben, der sich über Zentralasien einschließlich Afghanistan, Iran, Türkei, Teile Ägyptens, Nordafrikas und Spaniens erstreckt. Die Region ist trocken (mit geringen Niederschlägen), was die Landwirtschaft erschwert, so dass die Schaf- und Viehzucht die Haupteinnahmequelle der Menschen ist. Wolle ist natürlich eine erneuerbare Ressource: Die Schafe werden ein- oder zweimal im Jahr geschoren und die Wolle wächst nach. Im Gegensatz zu Schaschlik, das nicht erneuerbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die in diesen Gebieten hergestellten Teppiche wurden zu einem beliebten Produkt, das an die europäischen Kolonialmächte verkauft oder ihnen (als Botschaftsgeschenk oder auf andere Weise) geschenkt wurde. So wurden Teppiche über die östliche Welt hinaus zu einem vertrauten Element der westlichen Welt, was zu der Bezeichnung &#8222;Orientteppiche&#8220; führte. Diese Kategorie existiert zum großen Teil immer noch, auch wenn es heute als politisch unkorrekt gilt, sie so zu nennen. Aber niemand hat jemals einen &#8222;orientalischen&#8220; Teppich gewebt. Eine Frau hat einfach einen Teppich geknüpft. Es gab keine Bezeichnung dafür in ihrer eigenen Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Patchwork soll die Anordnung der kleinen Stoffquadrate das Böse fernhalten. Es hat also eine Schutzfunktion für denjenigen, der es benutzt oder trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historisch gesehen wurden diese Tätigkeiten hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Ich denke, dass die Männer in der Regel für die Weidewirtschaft, die Herdenpflege und die Viehzucht zuständig waren. Die Frauen hingegen waren für das Melken der Tiere und die Herstellung von Milchprodukten, sowie für die handwerklichen Traditionen der Garnherstellung und des Webens zuständig. Ich sah Männer, die Filz herstellten &#8211; traditionell eine Männerdomäne, denn es ist viel Stanzen und Pressen nötig, um aus Wolle Filz zu machen. Filz wurde vor allem für Hirtenmäntel, Filzbodenbeläge oder Derwischhüte verwendet. Im häuslichen Bereich ist die Stickerei in erster Linie eine Tätigkeit, die von Frauen ausgeübt wird. Ich habe aber auch gesehen, dass in Nordindien, Westchina und Zentralasien Männer als Sticker in einem kommerziellen Kontext arbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es geschlechtsspezifische Rollen und Differenzierungen innerhalb verschiedener textiler Technologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Teppichknüpfen ist harte Arbeit, aber die Menschen in Zentralasien scheinen darin eine Leinwand für ihre Kreativität zu sehen. Wie würden Sie diese starke Teppichtradition erklären?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teppichweberei hat eine viel längere Geschichte als die islamische Welt, die in Zentralasien bis ins achte Jahrhundert n. Chr. zurückreicht. Der älteste bekannte Teppich stammt aus einem Grabhügel in Sibirien, Russland. Der Teppich wird Pazyryk-Teppich genannt und stammt aus dem Grabhügel Pazyryk. Er wurde 1949 im Permafrostboden Sibiriens gefunden. Nach seinem Stil zu urteilen, stammt er wahrscheinlich aus dem 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr., also aus der Zeit vor Alexander dem Großen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interessante daran ist, dass es meiner Meinung nach außergewöhnliche technische Merkmale aufweist. Er ist ein Beispiel für die fortschrittliche Webtechnik und doch wissen wir nichts darüber, wie diese Webtechnik entstanden ist. Dieser Teppich hat ein sehr dicht geknüpftes Garn mit schönen Knoten. Das Muster ist bereits wie bei vielen späteren Teppichen angelegt, mit einem quadratischen oder rechteckigen Feld, mit Musterwiederholungen und zahlreichen Bordüren, die das zentrale Feld umgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teppichweberei geht also mindestens auf das fünfte oder vierte Jahrhundert v. Chr. zurück. Wir haben Fragmente von Teppichen aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seldschuken">Seldschuken</a> vor tausend Jahren, aber auch vollständige Teppiche aus dem 15. und späteren Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Sowjetzeit wurden im Zuge der Kollektivierung Teppichwebereien gegründet, so dass die Tradition fortgeführt wurde, allerdings eher in einem kommerziellen als in einem häuslichen oder nomadischen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welchen Einfluss hatten Handel und kommerzieller Wert auf die Entwicklung dieser Stoffe?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sowohl eine häusliche Tradition, in der Textilien für den häuslichen Gebrauch und für die lokale Bevölkerung hergestellt wurden, als auch eine kommerzielle Produktion. Stammesgegenstände wurden auch verkauft, wenn man Geld brauchte; sie wurden zu Tauschobjekten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die größten Sammlungsanstrengungen wurden in der Zeit des Russischen Reiches unternommen. So entstanden in St. Petersburg und in der Sowjetzeit in Moskau die größten Museumssammlungen der Welt. Die ethnographischen Museen dieser Städte besitzen einige der besten Sammlungen usbekischer Teppiche. Ihre leuchtenden Farben sind auch heute noch frisch, wenn sie nicht zu viel Licht ausgesetzt oder zu oft gewaschen wurden. Sie sind wirklich schön.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist für Sie das Interessanteste an diesem Thema: Symbole, Geist, Methodik, Farben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Aspekt, mit dem ich mich persönlich gerne beschäftige, ist die Schönheit: Muster, Form, Zeichnung, Farbe&#8230; Und dann fasziniert mich, wie ich schon sagte, die Wechselwirkung zwischen Handwerk und Technologie, zwischen handwerklicher Produktion und der Herstellung von Gütern, sei es für den Hausgebrauch oder für den kommerziellen Gebrauch. Ich könnte noch weiter gehen und sagen, dass mich das Zusammenspiel von Design, Struktur, Technik und Funktion fasziniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Interview habe ich einige dieser Zusammenhänge erwähnt, sei es das Reservefärben der Kette, das Weben und die Herstellung von Schals, die Tierhaltung, die Garnvorbereitung, das Färben, das Teppichweben und die verschiedenen Methoden der Musterherstellung. Durch das Reservefärben erhält das Ikat-Muster all diese Variationen in den Mustermotiven. Bei Teppichen entstehen die Muster jedoch durch das Aneinanderknüpfen von Garnstücken. Ein spannendes Thema also.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Interview führte Elvira Aydarhanova für CAAN</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.caa-network.org/archives/24900/tekstil-kovry-i-geometriya"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Usmon Rakhmonov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Eine kirgisische Firma möchte den Schyrdak nach Europa bringen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tdacunha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Dec 2021 17:22:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kunsthandwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Kyrgyz Handmade]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kyrgyz Handmade stellt den Schyrdak in den Vordergrund, einen Teppich, der von Kirgisen seit Jahrhunderten verwendet wird. Novastan hat den Mann hinter dem Unternehmen getroffen, um zu verstehen, was ihn zu seinen Unternehmungen motiviert. Das Unternehmen Kyrgyz Handmade entstand aus einer Krise heraus. Im Fr&#xFC;hjahr 2020 wurde Kirgistan von der Covid-19-Pandemie heimgesucht, die gro&#xDF;e Teile [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kyrgyz Handmade stellt den Schyrdak in den Vordergrund, einen Teppich, der von Kirgisen seit Jahrhunderten verwendet wird. Novastan hat den Mann hinter dem Unternehmen getroffen, um zu verstehen, was ihn zu seinen Unternehmungen motiviert.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen Kyrgyz Handmade entstand aus einer Krise heraus. Im Frühjahr 2020 wurde Kirgistan von der Covid-19-Pandemie heimgesucht, die große Teile der Wirtschaft in Mitleidenschaft zog. Dies gilt insbesondere <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/in-kirgistan-zeigt-das-coronavirus-die-kehrseite-der-touristischen-entwicklung-auf/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">für den Tourismus</a>, dessen Entwicklung eine gewisse <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjizteShe30AhUbQvEDHXZXDKAQFnoECAwQAw&amp;url=https%3A%2F%2Fnovastan.org%2Fde%2Fkirgistan%2Furlaub-in-kirgistan-wird-immer-beliebter%2F&amp;usg=AOvVaw3kaTwg0pZq-p2Xn57ov-is" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wirtschaftliche Diversifizierung</a> ermöglicht hatte. In dem Bereich war auch Baibol (kirgisisch für „Werde reich“) tätig, das 2016 von dem Kirgisen Mansur Abylajew gegründet wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Krise hatte Baibol etwa 20 vertraglich gebundene Reiseleiter:innen und spezialisierte sich auf die Organisation von Reisen für westliche Tourist:innen. Ohne staatliche Unterstützung wurde Baibol, wie der Rest des Privatsektors, von der Geschäftsflaute im Jahr 2020 hart getroffen. „<em>Wir waren zu Hause, die Ersparnisse gingen zur Neige, unsere Angestellten hatten unbezahlten Urlaub und wir sahen, dass die Touristen nicht so schnell wiederkommen würden</em>“, berichtet Abylajew gegenüber Novastan. Um nicht alles zu verlieren, musste er handeln. „<em>Früher haben wir Reisen verkauft. Was können wir jetzt verkaufen? Wir hatten bereits die Kunden, die Logistik, die Sprachkenntnisse. Aber nicht das Produkt</em>“, fügt der Firmenchef hinzu. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/persnliche-kontakte-in-kirgisistan-sind-mehr-wert-als-die-gelben-seiten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>„Persönliche Kontakte in Kirgistan sind mehr wert als die Gelben Seiten“</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er zufällig von einem Designer eine Bestellung für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shyrdak" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schyrdaks</a> erhält, stellt er fest, dass die Frauen, bei denen er einkauft, über einen ganzen Bestand verfügen, der für nicht anwesende Tourist:innen bestimmt ist. Schyrdaks sind Filzteppiche, die aus einer doppelt genähten Schicht bestehen und traditionell in Jurten, aber auch bei verschiedenen zeremoniellen Anlässen verwendet werden. Im Juni 2020 schlug Abylajew vor, mit dem Online-Verkauf dieser Teppiche zu beginnen. Dies ist der Beginn eines neuen Projekts, über das er schon lange nachgedacht hatte. „<em>Ich hatte 2017 die Domain </em><a href="https://handmade.kg/en/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Handmade.kg</em></a><em> gekauft und mir gesagt, dass ich sie gebrauchen könnte. Wenn ich eines Tages etwas machen wollte, das mit Textilien und traditionellem Kunsthandwerk zu tun hat</em>“, erzählt er. So stand auch schon der Name seines neuen Projekts. </p>


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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Aufbau einer nationalen Produktionskette</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Während Kyrgyz Handmade in den ersten Monaten Schyrdaks nur weiterverkaufte, beschloss Abylajew, eine eigene Produktion aufzubauen. Er betont: „<em>Neben den Problemen mit der Qualitätskontrolle leidet man sehr unter den nicht eingehaltenen Lieferzeiten, wenn man bei einem Hersteller im Land bestellt</em>.&#8220; Seit diesem Juni übernimmt Kyrgyz Handmade daher die Produktion von etwa 90 Prozent seiner Schyrdaks. Der Filz stammt von zwei Herstellern, einem aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Tsch%C3%BCi" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gebiet Tschüj</a> und einem aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gebiet Yssykköl</a>, zwei Regionen im Norden Kirgistans. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schneiden, der heikelste Schritt, findet in den Räumlichkeiten des Unternehmens in Bischkek statt. Die Stücke werden dann zum Nähen, dem zeitintensivsten Schritt, wieder in die Regionen geschickt. An diesem letzten Teil sind etwa 30 Personen in verschiedenen Regionen des Landes beteiligt. Abylajew begründet die Auslagerung mit den geringeren Produktionskosten und dem Wunsch, Arbeitsplätze in armen Regionen zu schaffen. Die meisten dieser Handwerker:innen reisen zuvor durch Bischkek, um eine Ausbildung zu absolvieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es gibt eine große Vielfalt an Techniken zum Nähen von Schyrdaks. Wir glauben, dass die </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Naryn" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Naryner</em></a><em> Technik die beste und wettbewerbsfähigste ist und wollen sie daher auf die anderen Regionen des Landes ausweiten und vereinheitlichen</em>“, beschreibt Abylajew. Es gibt auch eine besondere Klausel: „<em>Wir stellen arbeitslose Hausfrauen ein, die in Bischkek leben und nicht wissen, wie man Schyrdaks näht. Sobald sie geschult sind, können sie mit Filzstücken nach Hause gehen und dann zu Hause nähen</em>“, fügt der Firmenchef hinzu. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein wachsendes Unternehmen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Das Team der Angestellten wächst stetig. „<em>Wir sind insgesamt zehn Leute, die hier in Bischkek in den Bereichen Marketing, Finanzmanagement, Qualitätskontrolle und Design arbeiten</em>“, erklärt Abylajew. Kyrgyz Handmade wächst auch ins Ausland und hat seit September einen Angestellten in Kasachstan, der den Verkauf in diesem Markt koordinieren soll. Zum Zeitpunkt des Interviews rechnete Abylayev mit drei kasachstanischen Angestellten bis zum Spätherbst.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-full wp-image-28520"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/WHO-1566.jpg" alt="Kyrgyz Handmade Schyrdak" class="wp-image-28520" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/WHO-1566.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/WHO-1566-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/WHO-1566-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/WHO-1566-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Aktuell arbeiten ca. zehn Personen bei Kyrgyz Handmade</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Seit seinem Start im Frühjahr 2020 hat Kyrgyz Handmade etwa 150 Schyrdaks verkauft. Einige gehören zu den konventionellen Formen für die breite Öffentlichkeit, aber gibt auch Sonderbestellungen, die hohe Einnahmen einbringen. „<em>Manchmal werden wir von Innenarchitekten kontaktiert, die für ihre Kunden ganz bestimmte Bestellungen aufgeben möchten. Wir haben bereits einen achtunddreißig Quadratmeter großen Schyrdak für einen Monegassen entworfen</em>“, erklärt Abylajew. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/millionaerin-durch-yak-zucht-die-geschichte-einer-sehr-erfolgreichen-jungen-kirgisin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Millionärin durch Yak-Zucht – Die Geschichte einer sehr erfolgreichen jungen Kirgisin</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Leiter von Kyrgyz Handmade konzentriert sich aktuell darauf, seine Produkte weiter zu individualisieren, sodass Kunden Formen und Farben selbst wählen können. Er macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen und möchte „<em>die Produktion im kommenden Jahr um das Fünffache steigern</em>“. Dazu soll die Zahl der Beschäftigten, die im ganzen Land als Subunternehmer:innen tätig sind, erhöht werden. „<em>Wir haben in verschiedenen Regionen Anzeigen geschaltet und es gibt bereits 350 Personen, die daran interessiert sind, sich ausbilden zu lassen und mit der Produktion zu beginnen</em>“, sagt er. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Talas" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gebiet Talas</a>, das stark von seinem Bohnenexport, und somit den entsprechenden Weltmarktpreisen abhängt, ist besonders im Visier. Parallel dazu möchte Abylajew die Produktpalette erweitern, und auch weitere traditionelle Produkte wie Hausschuhe oder Kissen vertreiben, aber auch um Teppiche, die für besondere Zwecke wie Yoga oder das Gebet geeignet sind. Aktuell kommen 80 Prozent des Umsatzes von Kyrgyz Handmade von Schyrdaks. </p>


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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Westliche Märkte als Zielgruppe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Heute werden 50 Prozent der Produktion von Kyrgyz Handmade in Kasachstan oder Kirgistan verkauft, 25 Prozent in den Vereinigten Staaten, 15 Prozent auf dem europäischen Markt und zehn Prozent in Ländern wie Japan oder Südkorea. Abylajew möchte die Präsenz seines Unternehmens im Westen, insbesondere in Europa, ausbauen. Er begründet seine Ziele damit, dass „<em>es ein anderes Kulturniveau gibt: Die Europäer haben eine Vorliebe für das Handgemachte, das Handwerkliche, das es anderswo nicht gibt</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-produkte-erhalten-bevorzugten-zugang-zum-eu-markt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Kirgisische Produkte erhalten bevorzugten Zugang zum EU-Markt</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Abylajew möchte, dass Kyrgyz Handmade sich um Labels wie „Fair Trade“ bemüht, von deren Attraktivität im Western er weiß. Um Zugang zum europäischen Markt zu erhalten und die Kosten für Zollschranken zu senken, hat Kyrgyz Handmade seit Anfang 2021 dafür gesorgt, dass seine Produkte über das Allgemeine Präferenzsystem (<a href="https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Warenursprung-Praeferenzen/Praeferenzen/Praeferenzraeume/Allgemeines-Praeferenzsystem/allgemeines-praeferenzsystem_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">APS+</a>) verfügen können, das Kirgistan seit 2016 <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-produkte-erhalten-bevorzugten-zugang-zum-eu-markt/">gewährt wird</a>. Im Rahmen von APS+ können mehr als 6000 kirgisische Produkte zollfrei in die Europäische Union exportiert werden. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Hilfeleistungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Kyrgyz Handmade hat auch versucht, Verbindungen zu westlichen Entwicklungshilfefonds und -organisationen aufzubauen. Dies gilt insbesondere für <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwipuoO-hu30AhXUQ_EDHQS1BwoQFnoECAgQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.usaid.gov%2Fkyrgyz-republic&amp;usg=AOvVaw0O_Ur04I2cEdpaD4XAdWU9" target="_blank" rel="noopener noreferrer">USAID</a>, die US-amerikanische Entwicklungsbehörde, die in Kirgistan stark vertreten ist.

Aktuell unterstützt USAID Kyrgyz Handmade „<em>um den Verkauf über eBay zu entwickeln</em>“, erklärt die Organisation gegenüber Novastan. Dies sei eine sehr aktuelle Herausforderung, da der Großteil der Verkäufe derzeit über soziale Netzwerke abgewickelt werde, fügt Abylajew hinzu.

Das Unternehmen „<em>wurde auf einer Wettbewerbsbasis ausgewählt, die Gehälter, geschaffene Stellen, Anzahl der Begünstigten, Nachhaltigkeit und Ziele umfasste</em>“, betont USAID. „<em>Wir unterstützen in unseren verschiedenen Programmen etwa 20 Unternehmen pro Jahr mit einer kleinen Finanzhilfe und viel technischer Hilfe</em>“, fügt die US-Agentur hinzu.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein ungewöhnlicher Werdegang</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Mit seinen Inhalten und internationalen Zielen ist das Unternehmen auch in eine sehr frankophile Kultur eingebettet. Im Jahr 2000 trat Abylajew in die Kirgisisch-Europäische Fakultät in Bischkek (KEF) ein. Dabei handelt es sich um die Wirtschaftsabteilung der staatlichen Universität, die von der Europäischen Union finanziert wird und ihren Studierenden seit 1996 die Möglichkeit gibt, in Europa zu studieren. An diesem Programm haben nach <a href="https://www.knu.kg/ru/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=2672:2012-02-18-13-15-31&amp;catid=889:2012-02-18-12-29-06&amp;Itemid=88" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Angaben der Universität</a> bereits über 600 Studierende teilgenommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ihrer wichtigsten Partnerhochschulen ist die <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjj5Mfnhu30AhVsSfEDHXMNCS8QFnoECAUQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.grenoble.fr%2Flieu%2F1453%2F137-universite-pierre-mendes-france.htm&amp;usg=AOvVaw1QY6Lbt62VxbV3cED_XPOJ" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Universität Pierre Mendès France</a> in Grenoble, die Abylajew im Jahr 2002 im Rahmen seines Studiums besuchte. Nach seinem Bachelor machte er einen Master und verfolgte schließlich einen Doktortitel in Volkswirtschaft, den er jedoch nicht abschloss. Abylajew schätzt seine Jahre in Grenoble sehr und sagt sogar, dass „<em>Frankreich wie ein zweites Vaterland ist</em>“. Anders als die meisten Kirgistaner:innen, die mit diesem Programm nach Europa gingen, wusste er jedoch, dass er in sein Land zurückkehren wollte. </p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/IMG_6974.jpg" alt="" class="wp-image-28519" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/IMG_6974.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/IMG_6974-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/IMG_6974-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/IMG_6974-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Dies war auch die Motivation für sein Studium. „<em>Ich wünschte mich nützlich zu machen. Ich wollte nach Kirgistan zurückkehren, ein bisschen mit diesem romantischen Ideal, etwas zur Wirtschaft beizutragen</em>“, erzählt er. Dies gelang ihm, als er 2009 in die kirgisische Aufsichtsbehörde für Finanzmärkte eintrat.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Beamten zum Unternehmer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Abylajew arbeitete anschließend mehrere Jahre im kirgisischen öffentlichen Dienst. Da er von seinem konkreten Nutzen als Beamter nicht überzeugt war, zog er eine Umschulung in Betracht. Dies ist der Ausgangspunkt für das Unternehmen Baibol, das er 2016 gründete und zu dem Kyrgyz Handmade noch immer gehört. Baibol war gewinnorientiert und erfüllte die Ziele seines Geschäftsführers: die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung der lokalen Kultur. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Abylajew hatte jedoch eine weitere Leidenschaft, die er weiterentwickeln wollte. Während der ersten Jahre in Baibol behielt Abylajew die Idee, ein Projekt zu gründen, das mit Textilien zu tun hat. Er ist nicht ohne Kenntnisse in dem Bereich, denn während seiner fünf Jahre im Parlament unterbrach er seine Tätigkeit eine Zeit lang, um an der Nationalen Textilschule in Schweden eine Ausbildung zu absolvieren. „<em>Ich wurde dort von der Arbeit zweier Freunde über Massenpersonalisierung inspiriert und fragte mich, wie ich das auf kirgisische Kulturprodukte wie Schyrdaks anwenden könnte</em>“, erinnert er sich. Kyrgyz Handmade ist die Erfüllung dieser Sehnsucht. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Schyrdak als Werkzeug kirgisischer Soft Power</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Schyrdaks sind das Ergebnis einer sorgfältigen und delikaten Arbeit. „Eine Frau, die jeden Tag allein arbeitet, braucht mehrere Monate, um einen Schyrdak von etwa zwei Quadratmetern fertigzustellen“, erklärt der Firmenchef. Abylajew erklärt, dass diese Teppiche aus zwei zusammengenähten Filzschichten bestehen. Die erste, die aus einem weniger hochwertigen Filz besteht, dient als Basis, auf der die ausgeschnittenen Muster der zweiten Schicht aufgebracht werden. Die isolierenden und wasserabweisenden Eigenschaften von Filz erklären ihre frühere Nutzung als Bodenbelag in allen Jurten. Der Schyrdak hat für Kirgisen auch eine symbolische Bedeutung und wird in vielen Regionen bei Hochzeiten als Mitgift überreicht.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-full wp-image-28518"><img decoding="async" width="2560" height="1700" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1.jpg" alt="Schyrdak nähen" class="wp-image-28518" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1.jpg 2560w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-300x199.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-1024x680.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-768x510.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-1536x1020.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-2048x1360.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-1300x863.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/12/DSC_8947-scaled-1-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><figcaption class="wp-element-caption">Seit 2012 gilt der Schyrdak als immaterielles Weltkulturerbe</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Jenseits der Ziele des Unternehmens, möchte Abylajew auch die Kenntnis und den Ruf des kirgisischen Teppichs verbreiten. Er meint: „In Europa gibt es bereits seit mehreren Jahrhunderten eine Vorliebe für persische oder türkische Teppiche. Wir möchten, dass der kirgisische Teppich sich einen Platz unter diesen erobert.“ Mit diesen Argumenten beruhigt er die lokalen Produzenten, die die Konkurrenz großer Unternehmen fürchten, indem er sagt, dass „Kyrgyz Handmade das Wissen über den kirgisischen Teppich verbreitet und dass dies letztendlich die Preise für alle erhöhen wird“. Seit 2012 steht der kirgisische Schyrdak auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Begründung <a href="https://ich.unesco.org/fr/USL/lala-kiyiz-et-le-chirdak-lart-du-tapis-traditionnel-kirghiz-en-feutre-00693?USL=00693" target="_blank" rel="noopener noreferrer">erinnert die UNESCO daran</a>, dass der Schyrdak seit Jahrhunderten verwendet wird und dass es aufgrund seiner Beschaffenheit und Herstellungsweise für das kirgisische Volk eine der Quellen „für ein Gefühl der Identität und Kontinuität“ ist. Das fast vollständige Verschwinden dieses Handwerks motiviert die Maßnahmen der UNESCO, und Abylajew ist sich dieser Situation sehr wohl bewusst. Er möchte, dass „das Produktionszentrum von Kyrgyz Handmade in Bischkek zu einer Art Museum wird, in dem nicht nur Touristen, sondern auch Kirgisen die Herstellungsmethoden ihrer Vorfahren sehen und erlernen können“. Es ist ein schmaler Grat zwischen der lukrativen Nutzung einer kulturellen Marke und der echten Sorge um den Schutz eines Erbes. Die Dynamik von Kyrgyz Handmade sowie die Hingabe seines Gründers lassen zumindest auf die Erneuerung und Neuerfindung einer Kunst schließen, die bis vor kurzem noch vom Aussterben bedroht war. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Tiago da Cunha
Redakteur für Novastan in Bischkek</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/une-entreprise-kirghize-veut-populariser-le-chyrdak-en-europe/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Französischen</a> von Florian Coppenrath</strong> </p>



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