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	<title>Schulen Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Schulen Archives</title>
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		<title>Turkmenistan „inventarisiert“ SchülerInnen nach Nationalitäten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Sep 2020 14:13:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Schulen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Turkmenistan wurde damit begonnen, die Nationalit&#xE4;t von Sch&#xFC;lerInnen zu erfassen. Schon zuvor war es zu Skandalen um die russischsprachigen Klassen an Turkmenistans Schulen gekommen. Handelt es sich um einen Kampf gegen Schmiergeldzahlungen oder um eine &#x201E;Sprachs&#xE4;uberung&#x201C; in Bildungseinrichtungen? Der folgende Artikel erschien am 2. September auf dem unabh&#xE4;ngigen turkmenischen Nachrichtenportal Turkmen.news. Wir &#xFC;bersetzen ihn [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Turkmenistan wurde damit begonnen, die Nationalität von SchülerInnen zu erfassen. Schon zuvor war es zu Skandalen um die russischsprachigen Klassen an Turkmenistans Schulen gekommen. Handelt es sich um einen Kampf gegen Schmiergeldzahlungen oder um eine „Sprachsäuberung“ in Bildungseinrichtungen? Der folgende Artikel erschien am 2. September auf dem unabhängigen turkmenischen Nachrichtenportal <a href="https://turkmen.news/news/v-turkmenistane-nachali-inventarizatsiyu-shkolnikov-po-natsionalnosti/">Turkmen.news</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise war die <a href="https://turkmen.news/news/v-kanun-1-sentyabrya-spetsshkola-v-ashhabade-izbavilas-ot-russkoyazychnogo-otdeleniya-roditeli-ustroili-protest/">Schließung</a> der russischsprachigen Abteilung der Schule Nr. 64 in Aschgabat nur der erste Schritt einer „Sprachsäuberung“ in Bildungseinrichtungen. Wie Turkmen.news erfahren hat, haben in Turkmenistans Hauptstadt Beamte in letzter Zeit damit begonnen, in den Schulen die Nationalität und die Meldeadresse von SchülerInnen zu erfragen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in naher Zukunft ethnische TurkmenInnen, die ihre Bildung auf Russisch erhalten haben, Probleme bekommen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gute Schule nur gegen Schmiergeld</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit versuchen nicht nur ethnische RussInnen in die „russischen“ Klassen zu kommen, sondern auch TurkmenInnen, die dadurch hoffen, ihre Chancen auf ein Studium in einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a>-Land zu erhöhen. Daher sind die russischsprachigen Zweige überlaufen und man muss ein hohes Schmiergeld bezahlen, um dort aufgenommen zu werden. Möglicherweise haben die Behörden beschlossen, diese Praxis zu beenden.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem berichtet eine Quelle aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Türkmenabat</a>, dass die Schulen beauftragt wurden zu klären, ob es in den Klassen Kinder gibt, deren Eltern bei den Sicherheitsbehörden arbeiten. Die Angaben darüber sollen den Schulbehörden zur Verfügung gestellt werden. Es wird angenommen, dass insbesondere Kinder von Ordnungskräften aufgrund von Schmiergeldern an besseren Schulen angenommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus anderen Quellen wurde bekannt, dass die Höhere Kontrollkammer derzeit die Schulen in Türkmenabat überprüft. So besuchten die PrüferInnen am 2. September Schule Nr. 39, die als prestigeträchtig gilt und sich im selben Gebäude wie das Bildungsministerium befindet. Die PrüferInnen untersuchten, wie SchülerInnen an die Schule gekommen sind, ob Verwandtschaft mit dem Personal der Bildungseinrichtung besteht und ob die Eltern bei den Strafverfolgungsbehörden arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kampf gegen Korruption oder gegen „russische“ Klassen im Allgemeinen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im August war bekannt geworden, dass Eltern von Kindern aus den Regionen, die aber in Aschgabat zur Schule gehen, <a href="https://turkmen.news/news/ashgabat-registration-required/">gezwungen werden</a>, sich beim Migrationsdienst anzumelden. Mit anderen Worten: Die Türen der hauptstädtischen Schulen wurden für jene Kinder geschlossen, deren Eltern nur inoffiziell in Aschgabat arbeiten. Darüber hinaus gab es einen <a href="https://turkmen.news/news/zatyanuvshiesya-kanikuly-kak-vstretili-1-sentyabrya-ucheniki-russkogo-otdeleniya-ashhabadskoj-shkoly/">Skandal</a> an Schule Nr. 64, wo wenige Tage vor dem 1. September (Beginn des Schuljahres, Anm. d. Ü.) die russischsprachige Abteilung geschlossen wurde. 1600 SchülerInnen standen somit auf der Straße. Die Entscheidung wurde damit erklärt, dass es in einer überfüllten Schule unmöglich sei, die sanitären Maßnahmen einzuhalten, die auferlegt wurden, um einen Covid-19-Ausbruch zu verhindern. In der Folge mussten Eltern, die Bestechungsgelder für die Aufnahme ihrer Kinder in den renommierten „russischen“ Klassen bezahlt hatten, in den ersten Tagen des Schuljahres fieberhaft einen Platz für ihre Kinder an irgendeiner anderen Schule suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/coronavirus-turkmenistans-undurchsichtiges-spiel-zwischen-praevention-und-desinformation/">Coronavirus: Turkmenistans undurchsichtiges Spiel zwischen Prävention und Desinformation</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31. August erteilte Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow dem für Schulen zuständigen stellvertretenden Bildungsminister Merdan Gowşudow eine Rüge. Dies könnte der Auslöser dafür gewesen sein, den Kampf gegen die Bestechungsgelder für Plätze in russischsprachigen Klassen und in renommierten Schulen zu führen. Dennoch schließen die Quellen (von Turkmen.news, Anm. d. Ü.) nicht aus, dass letztendlich die Schließung der Klassen selbst beabsichtigt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unter LehrerInnen und Eltern gibt es die Vermutung, dass russischsprachige Zweige dort abgeschafft werden, wo es nicht genug SchülerInnen nicht-turkmenischer Nationalität gibt. So werden auch die RussInnen als ethnische Minderheit betroffen sein“</em>, erklärte eine Quelle gegenüber Turkmen.news.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 30. August hat sich Turkmen.news mit der Bitte an die russische Botschaft in Aschgabat gewandt, die Schließung der russischsprachigen Abteilung der Schule Nr. 64 zu kommentieren. Uns [Turkmen.news, Anm. d. Ü.)  wurde mitgeteilt, dass die schriftliche Anfrage an den für die Pressearbeit zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet wurde und dass dieser uns anrufen werde. Bisher ist jedoch keine Antwort eingegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[Nachtrag von Turkmen.news:] <a href="https://www.hronikatm.com/2020/09/ex-principal-detained/">Chronika Turkmenistana</a> berichtete am 3. September über die Festnahme des ehemaligen Direktors der Schule Nr. 64, Bia</em><em>şim Gaitnazarow. Dieser war direkt nach dem Skandal um die russischsprachige Abteilung entlassen worden. Zuvor war bestätigt worden, dass Gaitnazarow selbst Schmiergelder für die Aufnahme in die „russischen“ Klassen annahm. <a href="https://rus.azathabar.com/a/30816570.html">Radio Azatlyk</a> &nbsp;berichtete am 2. September, dass Gaitnazarow schwer erkrankt sei und sich im Krankenhaus befinde.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Turkmen.news</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://turkmen.news/news/v-turkmenistane-nachali-inventarizatsiyu-shkolnikov-po-natsionalnosti/">Russischen</a> von Robin Roth</strong></p>


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		<title>Corona-Pandemie bringt Probleme in Kasachstans Bildungswesen ans Licht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aizhanzh]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2020 10:51:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wegen der Coronavirus-Pandemie und der Eind&#xE4;mmungsma&#xDF;nahmen mussten die Bildungseinrichtungen in Kasachstan zum Online-Unterricht &#xFC;bergehen. Viele bereits lange bestehende Probleme im Bildungswesen sind dadurch nur deutlicher und akuter geworden. Vor zwei Jahren haben die Sch&#xFC;lerinnen und Sch&#xFC;ler aus Kasachstan zum vierten Mal an der internationalen PISA-Studie (Programme for International Student Assessment &#x2013; die internationale Schulleistungsuntersuchungen der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Wegen der Coronavirus-Pandemie und der Eindämmungsmaßnahmen mussten die Bildungseinrichtungen in Kasachstan zum Online-Unterricht übergehen. Viele bereits lange bestehende Probleme im Bildungswesen sind dadurch nur deutlicher und akuter geworden.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Vor zwei Jahren haben die Schülerinnen und Schüler aus Kasachstan zum vierten Mal an der internationalen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien">PISA-Studie</a> (Programme for International Student Assessment &#8211; die internationale Schulleistungsuntersuchungen der OECD) teilgenommen. Diese testet die Kenntnisse 15-jähriger Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz. In allen drei Fächern waren die Ergebnisse des Jahres 2018 niedriger als in den Vorjahren. Kasachstan belegte von insgesamt 79 getesteten Ländern <a href="https://forbes.kz/process/education/pochemu_kazahstanskie_shkolniki_provalili_mejdunarodnyiy_ekzamen_pisa/">den 69. Platz</a>.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Der kasachstanische Minister für Bildung und Wissenschaft, Ashat Aimaģambetov kommentierte die Situation im Dezember letzten Jahres <a href="https://www.facebook.com/askhat.aimagambetov/posts/10214946364388851">auf seiner Facebook-Seite</a>. „<em>Erstmals für Kasachstan wurde der Test digital durchgeführt. Für unsere Kinder war es die erste Erfahrung dieser Art</em>“, erklärte Aimaģambetov und wies darauf hin, dass auch in anderen Ländern die ersten digitalen Tests mit niedrigeren Ergebnissen einhergingen. Außerdem hatten die Schüler, die an der Prüfung teilnahmen, noch nach dem alten Schulprogramm gelernt.</p>
<p style="text-align: justify">Und dennoch: „<em>Es gibt Probleme und die sind sehr ernst</em>“, schloss er. „<em>Die Ergebnisse gaben auch eine Antwort auf die Frage, ob wir Änderungen in der Schulbildung brauchen und es ist offensichtlich, dass ja</em>.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Pandemie verdeutlicht Probleme</strong></p>
<p style="text-align: justify">Probleme offenbarte nicht nur die PISA-Prüfung, sondern auch die Coronavirus-Pandemie. Eine ihrer Folgen war die Umstellung der Beschulung auf Fernunterricht. Dabei erwiesen sich Internetverbindung und technologische Ausstattung als ungeeignet für Online-Unterricht.</p>
<p style="text-align: justify">Laut dem <a href="https://www.speedtest.net/global-index">Speedtest Global Index</a> liegt Kasachstan bei Breitband-Internetzugang weltweit an 65. Stelle (von 173), bei mobilem Internet an 99. (von 138). Die Geschwindigkeit und Qualität des Internets waren für Fernunterricht nicht ausreichend, so dass das Land sogar auf Online-Unterricht in Schulen <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/mangelndes-internet-kasachstan-sagt-umstellung-auf-online-unterricht-ab/">verzichtete</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Im Gespräch mit der kasachstanischen Onlinezeitung <a href="https://informburo.kz/novosti/v-kazahstane-bolee-1000-shkol-v-chetvyortoy-chetverti-budut-rabotat-v-obychnom-rezhime-104609.html">Informburo.kz</a> erklärte Aimaģambetov Anfang April: <em>„Das Internet in unserem Land ist nicht dafür geeignet, dass 2,5 Millionen Kinder durch Online-Systeme unterrichtet werden. Damit die Kinder sich besser Wissen aneignen, haben wir entschieden, dass es nicht notwendig ist, Unterricht über Online-Streaming durchzuführen“.</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/mangelndes-internet-kasachstan-sagt-umstellung-auf-online-unterricht-ab/">Mangelndes Internet: Kasachstan sagt Umstellung auf Online-Unterricht ab</a></p>
<p style="text-align: justify">Ein weiteres technisches Problem ist die Ausrüstung der Schulen, Lehrkräfte und Schüler mit Computern. Wie der Bildungsminister <a href="https://rus.azattyq.org/a/30528163.html">erklärte</a>, haben 300 000 Schülerinnen und Schüler in Kasachstan keinen Computer zur Verfügung; das sind mehr als zehn Prozent. Zudem haben viele Haushalte nicht einmal Internetzugang.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lehrkräfte kaum vorbereitet, Abschlussprüfungen bleiben analog</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Online-Unterricht war auch für die Lehrkräfte eine Herausforderung. Die Pandemie hat ihre Arbeit stark beeinflusst und sie mussten ihre gesamte Arbeit umorganisierten. Natalya Petrova lehrt Russisch und Literatur an einer Schule in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Petropawl">Petropavl</a>, im Norden Kasachstans. „<em>Als das Lernen auf Fernunterricht umgestellt wurde, mussten wir erst einmal neue Kenntnisse über die Verwendung von Internet-Technologien erwerben“</em>, erklärt sie<em>. </em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/bildungspolitik-in-kasachstan-eine-politik-des-kollektiven-selbstmords/"><strong>Bildungspolitik in Kasachstan: Eine Politik des kollektiven Selbstmords?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Die Technik war dabei nicht die einzige Herausforderung. Petrova zufolge gab es ein weiteres offensichtliches Problem: Es ist schwer zu kontrollieren, wie die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben erfüllen „<em>In dieser Hinsicht“, </em>betont die Lehrerin, <em>„musste man viele verschiedene Versionen von Klausuren und Kontrollarbeiten erstellen und mehr kreative Aufgaben geben, die nicht abgeschrieben werden können.&#8220; </em>Denn nicht immer erledigten Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben ehrlich und selbständig. Aber nur so ist es unmöglich, die Arbeiten der Schüler objektiv zu kontrollieren und zu bewerten. Außerdem ist es komplizierter Team- und Gruppenarbeiten umzusetzen, besonders bei schwacher Internetgeschwindigkeit und -qualität.</p>
<p style="text-align: justify">Andererseits hat der Fernunterricht auch wichtige Vorteile. Laut Petrova löst Fernunterricht das Problem des Fehlens im Unterricht. Darüber hinaus kann man auch zusätzliche Unterrichtseinheiten (zum Beispiel Vorbereitung auf Wettbewerbe) digital geben. Dies setze aber eine gute Internetverbindung sowie funktionierende Computer bei allen Schülerinnen und Schülern voraus.</p>
<p style="text-align: justify">Die Schulabschlussprüfungen (ENT, Einheitlicher Nationaler Test) finden dieses Jahr trotz Epidemie offline statt. Allerdings unter Einhaltung bestimmter <a href="https://informburo.kz/cards/ent-2020-i-koronavirus-vsyo-o-pravilah-sdachi-glavnogo-dlya-kazahstanskih-vypusknikov-ekzamena.html">Hygieneregeln</a>: Die Zahl von Prüflingen in einem Raum wird reduziert, sie müssen Gesichtsschutz tragen und zwei Meter Abstand zueinander halten. Ihre Kleidung wird desinfiziert und vor der Prüfung wird ihre Temperatur gemessen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unterfinanzierte Bildung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Abgesehen von technischen Hindernissen, leidet das Bildungssystem in Kasachstan auch an einer mangelnden Finanzierung. Im Jahr 2018 gab Kasachstan <a href="https://data.worldbank.org/indicator/SE.XPD.TOTL.GD.ZS">laut Weltbank</a> 2,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für den Bildungsbereich aus. Im Vergleich dazu <a href="https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Government_expenditure_on_education">betrugen</a> im gleichen Jahr die gesamtstaatlichen Ausgaben für Bildung innerhalb der Europäischen Union durchschnittlich 4,6 Prozent des BIP.</p>
<p style="text-align: justify">Auf der dritten Sitzung des Nationalrates für öffentliches Vertrauen Ende Mai hat Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev die Ausbildung zu den „wichtigsten Wirtschaftsbereichen“ <a href="https://www.zakon.kz/5024503-skolko-tratit-kazahstan-na-odnogo.html">gezählt</a>.<em> „Im Durchschnitt geben wir für einen Schüler knapp 1000 US-Dollar pro Jahr aus. In den Top zehn Länder der PISA-Rangliste liegt der Wert hingegen zwischen 10 und 14 000 US-Dollar“</em>, betonte das Staatsoberhaupt. Ihm zufolge ist es notwendig, bis 2025 die staatlichen Bildungsausgaben zu versechsfachen.</p>
<p style="text-align: justify">Im vergangenen Jahr hatte Toqaev bereits die niedrigen Gehälter von Lehrkräften <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/skolko-zarabatyivayut-uchitelya-v-kazahstane-376714/">bemängelt</a>: <em>„Der Lohn [von Lehrkräften] ist immer noch relativ niedrig und liegt nur bei 65 Prozent des Durchschnittslohns.“ </em>Er rief die Regierung <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/uchitelyam-v-kazahstane-povyisyat-zarplatyi-v-2-raza-376685/">dazu auf</a>, das Gehalt von Lehrenden innerhalb der nächsten vier Jahre zu verdoppeln.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mögliche Prognosen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Somit <a href="https://www.kp.kz/daily/27135/4225036/">seien</a> laut Toqaev mangelnde Mittel und Reformen die Hauptursachen der Probleme im Bildungsbereich Kasachstans. Die Schulinfrastruktur sei jedoch besonders wichtig für eine qualitativ hochwertige Bildung. Deswegen bräuchten Schulen auch gut ausgestattete Räume. <em>„Bis 2025 sollen 800 neue Schulen mit mehr als 650 000 Plätzen, 114 Internate für Schulen im ländlichen Raum, mehr als 700 Sporthallen gebaut werden“</em>, so Toqaev. Auch die Anforderungen für die Aufnahme ins Lehramt sollen angehoben werden, so der Präsident.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Unter Umständen könnte die Coronavirus-Krise solche Reformen im Bildungsbereich nun sogar beschleunigen. In einer Analyse für das <a href="https://caa-network.org/archives/19597">Central Asian Analytical Network</a> stellt der Politikwissenschaftler Daniyar Kusainov mögliche Prognosen auf. Seiner Meinung nach könne das Bildungsministerium aus der Pandemie lernen und die Qualität des Bildungssystems verbessern, vor allem in Sachen Digitalisierung.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Es ist aber auch möglich, dass niemand Schlussfolgerungen zieht und alle weiter nach dem üblichen Schema arbeiten: Immer mehr Reformen und immer weniger Verantwortung für sie</em>“, fügt Kusainov hinzu. Ihm zufolge ist es „unwahrscheinlich“, das Kasachstan nach der Krise „<em>Fernunterricht für seine Bürger auf ein grundsätzlich neues Level anhebt</em>“. Damit folge das Land einem internationalen Trend: „<em>Wie in den meisten Ländern sehen Politiker und Bildungsinstitute in dieser Art des Lehrens lediglich ein Instrument, um die laufende Krise zu meistern, aber nicht einen Hauptkanal zum Wissenstransfer</em>“, schließt Kusainov.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Aizhan Zhansultanova<br />
Journalistin für Novastan.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Kasachstan – Schulverweise wegen Hidschab?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jschaller]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jun 2018 15:28:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Hidschab]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Jahr ver&#xF6;ffentlichte das kasachstanische Bildungsministerium eine Verordnung &#xFC;ber Anforderungen an Schuluniformen. Im September f&#xFC;hrte diese zu hitzigen Streitigkeiten zwischen Schulverwaltungen und gl&#xE4;ubigen Eltern. R&#xFC;ckblick auf eine Debatte zur Rolle von Religion in der &#xD6;ffentlichkeit. Der Artikel erschien im Russischen Original bei Radio Azattyq. Laut einer Verordnung des kasachstanischen Bildungsministerium ist es seit September [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Im vergangenen Jahr veröffentlichte das kasachstanische Bildungsministerium eine Verordnung über Anforderungen an Schuluniformen. Im September führte diese zu hitzigen Streitigkeiten zwischen Schulverwaltungen und gläubigen Eltern. Rückblick auf eine Debatte zur Rolle von Religion in der Öffentlichkeit. Der Artikel erschien im Russischen Original bei </strong><a href="https://rus.azattyq.org/a/spor-vokrug-hidzhabov-shkoly-regiony-kazakhstana/28743915.html"><strong>Radio Azattyq</strong></a><strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut einer Verordnung des kasachstanischen Bildungsministerium ist es seit September 2017 verboten, Kleidung zu tragen, die eine Religion in der Schule propagiert. Im Anschluss ließen SchulleiterInnen, die sich auf diese Anordnung beziehen, Mädchen in Hidschabs nicht zur Schule gehen. Demnach konnte einige Schulmädchen mehrere Wochen lang nicht am Unterricht teilnehmen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kopftuch oder traditionelle Kopfbedeckung? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Erbol Turganbajew lebt in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schalqar">Schalkar</a> im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be_(Gebiet)">Gebiet Aktöbe</a>, im Westen Kasachstans. Wie er berichtete, wurden seine beiden Töchter, Schülerinnen der achten und zehnten Klasse, für drei Tage von der Schule suspendiert. Er verklagte die Schulverwaltung.</p>
<p style="text-align: justify">„Ajym und Korkem trugen Kimeschek (zylindrisch geformter Turban, Anm. d. Ü.). Sie wurden bis zum 7. September aus der Schule genommen. Am 7. September fand im Akimat (entspricht dem Landratsamt, Anm. d. Ü.) des Bezirks ein Treffen mit Vertretern der Bildungsabteilung, des Nationalen Sicherheitsausschusses und der Abteilung für Innenpolitik statt. Bei dem Treffen habe ich gesagt, dass ich die Schulleitung verklagt habe. Sie verletzen meine verfassungsmäßigen Rechte. Daraufhin legte die Direktorin der Schule die Verordnung des Bildungsministeriums vor. Seit wann steht eine ministerielle Verordnung über der Verfassung?“, so Turganbajew.</p>
<p style="text-align: justify">Der Vater von fünf Kindern vertritt seit zehn Jahren religiöse Ansichten. Er sagt, dass seine älteste Tochter Ajym vor fünf Jahren begann, zu beten und ein Kopftuch zu tragen. Ajym selbst glaubt, dass sowohl zu Hause als auch auf der Straße die Haare des Mädchens vor fremden Blicken verhüllt sein sollten. Auch Korkem, ihre jüngere Schwester, die dieses Jahr in die achte Klasse wechselte, trägt das Kopftuch bereits mehr als ein Jahr.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-und-politik-bleibt-zentralasien-sakular/">Islam und Politik: Bleibt Zentralasien säkular?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Für Turganbajew haben die Mädchen nie die Anforderungen für Schuluniformen verletzt: „Das einzige, was den Lehrern nicht gefällt, ist ihr Kopfschmuck. Das ist kein Hidschab, und ich habe mir das nicht ausgedacht. Wir haben es von unseren Vorfahren übernommen.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">Laut der Schuldirektorin Alija Abdigaparowa sei der Kimeschek jedoch niemals die traditionelle Kleidung kasachischer Mädchen gewesen. Abgesehen davon, haben die beiden Mädchen gar keinen Kimeschek getragen.</p>
<p><figure id="attachment_14074" aria-describedby="caption-attachment-14074" style="width: 650px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-14074 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/908CFBD1-F6F1-4E2D-99BD-8F6C9A0B0E01_cx0_cy10_cw100_w650_r1_s.jpg" alt="Schuldirektorin Alija Abdigaparowa" width="650" height="366" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/908CFBD1-F6F1-4E2D-99BD-8F6C9A0B0E01_cx0_cy10_cw100_w650_r1_s.jpg 650w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/908CFBD1-F6F1-4E2D-99BD-8F6C9A0B0E01_cx0_cy10_cw100_w650_r1_s-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-14074" class="wp-caption-text">Die Schuldirektorin Alija Abdigaparowa</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"> „Wir haben noch eine Erklärung aufbewahrt, die uns Herr Turganbajew im Jahre 2012 zugesandt hat. Darin schrieb er: ‚Es gibt Böses in der Gegend, und meine Töchter tragen ein Kopftuch, um sich selbst zu verhüllen und sich davor zu schützen.‘ In diesem Jahr behauptet er, dass seine Töchter einen Kimeschek tragen und beschuldigt mich, ich würde mich gegen die nationale Tracht stellen. Wir haben eine gemischte Schule. Neben Kasachen lernen dort Kinder russischer, usbekischer, balkarischer Nationalität. Die Eltern wünschen, dass die Schuluniform einheitlich ist&#8220;, so Abdigaparowa.</p>
<p style="text-align: justify">Die Schulleiterin glaubt, dass Schulmädchen den Hidschab unter dem Einfluss ihrer Eltern tragen. Ihrer Meinung nach habe sich die Zahl der Schulmädchen, die ein Kopftuch tragen, in den letzten fünf Jahren versechsfacht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Disziplinäre Maßnahmen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ähnlich verlief es in der Schule Nr. 10 in Aktöbe. Der Schulleiter verteilte dort Benachrichtigungen an die Eltern von Mädchen, die Kopftücher tragen. In der Mitteilung, die die Eltern von Amira, Schülerin der achten Klasse, erhielten, wurde gesagt, dass disziplinarische (Ergänzung d. Übers.) Maßnahmen ergriffen würden, wenn ihre Tochter die Richtlinien über die Schuluniform durch Einwirken ihrer Eltern nicht einhält.</p>
<p style="text-align: justify">Die stellvertretende Direktorin der Schule, Nasija Elbajewa, traf sich mit den Eltern. Sie erläuterte ihnen die Regeln über die Schuluniform und wiederholte die Forderung, dass die Mädchen die Kopftücher ablegen. Die Eltern kündigten an, sich mit einer Klage an das Gericht zu wenden, wenn sie nicht zu einem Kompromiss bereit wäre.</p>
<p style="text-align: justify">Im Schuldezernat der Stadt Aktöbe wollte man die Situation im Zusammenhang mit dem Konflikt nicht kommentieren. Aus den Äußerungen des Leiters der Regionalabteilung für religiöse Angelegenheiten, Dscholdas Kalmagambetow, geht jedoch hervor, dass die Abteilung wünscht, dass Eltern die Forderung der Schule erfüllen.</p>
<p style="text-align: justify">„Wir rufen die Bürger auf, ruhig zu bleiben. Das Kopftuch ist nur ein äußeres Attribut. Die Religionsfreiheit ist davon nicht betroffen. Vertreter von zehn Konfessionen leben in der Region Aktöbe. Was wird in unseren Schulen passieren, wenn jede von ihnen ihre eigenen religiösen Symbole einführt? Wir möchten, dass die Eltern hier mit den Bildungseinrichtungen konform gehen,“ so Kalmagambetow.</p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben der Abteilung für religiöse Angelegenheiten besuchen 370 Mädchen in muslimischen Kopftüchern Sekundarschulen in Aktöbe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„In 70 Jahren wurde das Kopftuch nie verboten“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im nach einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Firdausi">persischen Dichter</a> benannten Dorf Firdousi, 300 Kilometer Südwestlich von der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent">Schymkent</a>, sind fast alle Dorfbewohner ethnische Tadschiken. Hier tragen Schülerinnen Kopftücher „nach den althergebrachten nationalen Traditionen“. Der Familienvater Dschumobai Machmudow sagt, dass seine älteste Tochter mit einem Kopftuch eingeschult wurde und sie auch mit einem Kopftuch verlassen hat. Jetzt gehen seine beiden jüngeren Töchter und Söhne auf diese Schule.</p>
<p><figure id="attachment_14072" aria-describedby="caption-attachment-14072" style="width: 650px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-14072" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/5EF2AD14-5318-40A1-884F-1BB4E84A008F_cx0_cy11_cw81_w650_r1_s.jpg" alt="Kopftuch Schule Kasachstan" width="650" height="366" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/5EF2AD14-5318-40A1-884F-1BB4E84A008F_cx0_cy11_cw81_w650_r1_s.jpg 650w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/5EF2AD14-5318-40A1-884F-1BB4E84A008F_cx0_cy11_cw81_w650_r1_s-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-14072" class="wp-caption-text">Unterricht in der Schule von Firdousi</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„Warum wird statt [den ständigen Verweisen auf die Kopftücher] nicht kontrolliert, wie Lehrer Unterricht erteilen oder welche Lernfortschritte die Kinder machen? Kein Gesetz verbietet das Tragen eines Kopftuches. Der Präsident selbst sagt, dass jede Nationalität das Recht hat, ihre nationalen Traditionen zu bewahren. Das ist unsere nationale Tradition. Ich bin absolut dagegen, dass meine Töchter ihre Kopftücher abnehmen. Denn in unserem Verständnis ist das Verlassen des Hauses ohne Kopftuch so, wie wenn sie gar keine Kleidung angezogen hätte, &#8211; so Machmudow.</p>
<p style="text-align: justify">Laut dem Rentner Bekmachambet Sultanow, dessen Enkelkinder auf diese Schule gehen, erklärten Eltern in der Schulababteilung des Akimats, den Justizbehörden, was der tiefere Grund des Tragens von Kopftüchern ist:</p>
<p style="text-align: justify">„Diese Schule wurde vor 70 Jahren gegründet, und bis zu diesem Zeitpunkt wurde niemand gezwungen, das Kopftuch abzulegen. Jetzt sollen sie die Tücher aber plötzlich ausziehen. Wir sagen es ihnen, aber die Schülerinnen sind damit nicht einverstanden. Wenn sie gezwungen werden, ihre Kopftücher abzulegen, können sie sich weigern, die Schule zu besuchen. Deshalb haben wir sie gebeten, die Kopftücher nicht abzulegen.“</p>
<p style="text-align: justify">Der Vorsitzende des Elternkomitees, Abdusamat Gafurow, dessen Enkel ebenfalls auf diese Schule gehen, teilte mit, dass das Thema seit August Thema mehrerer Elterntreffen gewesen sei: „Es geht nur darum ob das Kopftuch nun getragen wird oder nicht. Eltern und die Mädchen sind dagegen, ihre Kopftücher abzulegen. Das ist kein Hidschab, das ist unsere Tradition &#8222;, sagt er und verweist auf die Rechte ethnischer Minderheiten.</p>
<p><figure id="attachment_14073" aria-describedby="caption-attachment-14073" style="width: 650px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-14073" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/81E906B5-45BA-4F85-BC92-AAD695D07F50_w650_r1_s.jpg" alt="Schule Hidschab Kasachstan Kopftuch" width="650" height="366" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/81E906B5-45BA-4F85-BC92-AAD695D07F50_w650_r1_s.jpg 650w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/81E906B5-45BA-4F85-BC92-AAD695D07F50_w650_r1_s-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-14073" class="wp-caption-text">Auf dem Schulhof der Schule von Firdousi</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die Art, das Kopftuch zu binden, die die Eltern das &#8222;traditionelle Kopftuch&#8220; nennen, ähnelt jedoch dem Hidschab. Die Direktorin der Firdousi-Sekundarschule, Dschanar Momynova sagt, dass insgesamt 16 Elternabende über das Tragen von Kopftüchern in der Schule abgehalten wurden. Nach Angaben des Direktors der Schule besuchen 740 Schüler die Bildungseinrichtung, 56% der Schüler sind Mädchen. Seit Beginn des neuen Schuljahres sind in der Schule einheitliche Schuluniformen vorgeschrieben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine landesweite Debatte</strong></p>
<p style="text-align: justify">In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Schülerinnen und Studentinnen vom Unterricht oder Vorlesungen ausgeschlossen wurden, weil sie in Ausübung ihrer Religion ein Kopftuch, den Hidschab oder einen Niqab trugen.</p>
<p style="text-align: justify">Für Elmira Suchanberdijewa, stellvertretende Ministerin für Bildung und Wissenschaft, widerspricht das nicht der Religionsfreiheit: „Religiöse Kleidung kann nur innerhalb von Bildungseinrichtungen nicht getragen werden. Nachdem das Kind die Schwelle der Schule überschritten hat, kann sie diese wieder anziehen. Es gibt keine Einschränkungen für religiöse Ansichten. Die Rechte Studierender werden nicht verletzt. Wir werden ihnen jedoch nicht erlauben, die Regeln zu verletzen“, kommentierte sie die Anordnung zur einheitlichen Schuluniform. Die reguläre Schuluniform umfasst ein Sakko, Jacke, Hose, Hemd, Rock, klassische Bluse.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kinder-der-unabhangigkeit-adilias-doppelter-einsatz/">Kinder der Unabhängigkeit: Adilias doppelter Einsatz gegen Diskriminierung</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach Ansicht des bekannten Menschenrechtsaktivisten Jewgenij Schowtis kann im Streit über die Hidschabs nur schwerlich von einer Einschränkung der Menschenrechte gesprochen werden. Seiner Meinung nach sollte in der internationalen Praxis jeder Staat, in Abhängigkeit von seinen Traditionen für sich entscheiden, ob in der Schule religiöse Symbole gezeigt werden sollen oder nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Im Herbst 2016 hat auch der Geistliche Rat der Muslime Kasachstans (SAMK) die Gläubigen dazu aufgerufen, einen Kompromiss mit der Schulverwaltung in Bezug auf das Tragen von Kopftüchern in Bildungseinrichtungen zu schließen. In der am 24. Oktober veröffentlichten Erklärung heißt es, dass der Islam junge Mädchen gemäß den Anforderungen der Scharia nicht dazu verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen, und dass Eltern die Kinder nicht daran hindern sollten, eine allgemeine weiterführende Bildung zu erlangen. Die Erklärung der SAMK erwähnt auch, dass die Eltern der Schüler erkennen sollten, dass das kasachische Bildungssystem nicht nur auf das Lernen, sondern auch auf die Kunst, Sport und intellektuelle Entwicklung ausgerichtet ist. &#8222;Wir raten Eltern, ihren Töchtern mehr Aufmerksamkeit zu schenken, damit sie eine verpflichtende säkulare Bildung erhalten&#8220;.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Dilara Isa<br />
</strong><a href="https://rus.azattyq.org/a/spor-vokrug-hidzhabov-shkoly-regiony-kazakhstana/28743915.html"><strong>Radio Azattyq</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Joachim Schaller</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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