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	<title>Russisches Reich Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Russisches Reich Archives</title>
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		<title>Die Geopolitik des Drogenhandels: Als das Opium Zentralasien regierte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rshakibaie]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2020 06:42:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vor hundert Jahren florierte der Opiumhandel zwischen Russen, Kasachen, Kirgisen, Dunganen und Uiguren. Ein Wirtschaftszweig, den das Russische Reich erfolglos zu kontrollieren versuchte und der zu endlosen Streitigkeiten, Konflikten und Vertreibungen der Bev&#xF6;lkerung gef&#xFC;hrt hat. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original bei&#xA0;Fergana News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Im 19. Jahrhundert [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor hundert Jahren florierte der Opiumhandel zwischen Russen, Kasachen, Kirgisen, Dunganen und Uiguren. Ein Wirtschaftszweig, den das Russische Reich erfolglos zu kontrollieren versuchte und der zu endlosen Streitigkeiten, Konflikten und Vertreibungen der Bevölkerung geführt hat. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original bei&nbsp;<a href="https://fergana.ru/articles/115915/">Fergana News</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 19. Jahrhundert wurde die Agrarkolonie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenstromland">Semiretschje</a> in der Nähe des Sees&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssykk%C3%B6l">Yssykköl</a>&nbsp;und des Forts Wernij (das 1921 zu&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Almaty&amp;oldid=201589710">Almaty</a>&nbsp;werden sollte) nicht nur dem Weizenanbau gewidmet. Im heutigen Grenzgebiet der Staaten Kasachstan und Kirgistan wurden auch tausende Hektar Mohn gepflanzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kam es zu dieser Drogenwirtschaft? Welchen Einfluss hatten die Konflikte mit China und die darauf folgende Massenmigration von&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dunganen">Dunganen</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uiguren">Uiguren</a>&nbsp;ins&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generalgouvernement_Turkestan">russischee Generalgouvernement Turkestan</a>? Wie haben die Beamten des Zaren davon profitiert und warum überlebte dieser Handel den Ersten Weltkrieg nicht? Der italienische Historiker Niccolò Pianciola, der an der&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lingnan_University">Lingnan-Universität</a>&nbsp;in Hongkong lehrt, hat sich mit all diesen Fragen befasst. Seine Studie „<em>Illegal Markets and The Formation of a Central Asian Borderland: The Turkestan–Xinjiang opium trade (1881-1917)“</em>, wurde im Journal&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Modern_Asian_Studies"><em>Modern Asian Studies</em></a>&nbsp;veröffentlicht.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Experten spielten Grenzen eine überwiegende Rolle. Sie sind nicht einfach nur Striche auf einer Landkarte, sondern ihr wohnen ganz eigene Mechanismen inne, die Menschen beiderseits einer Grenze miteinander verbinden. Im Zentralasien des 19. Jahrhunderts stand Opium im Mittelpunkt dieses Spielbretts: Die Militärbehörden in Semiretschje hielten den Drogenhandel bewusst aufrecht. Er wurde weder offiziell genehmigt, noch vollständig verboten. Auf diese Weise konnte sowohl die lokale Wirtschaft gestärkt, als auch gute Beziehungen zum chinesischen Reich unterhalten werden. Die Behörden in Wernij und St. Petersburg wussten lange Zeit nichts vom zentralasiatischen Drogenhandel, da die sich füllenden Taschen der russischen Grenzbeamten keinen Anlass zur Berichterstattung gaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><strong><a href="https://novastan.org/de/fact/zentralasien-liegt-mitten-auf-einer-der-grosten-drogenrouten-zwischen-afghanistan-und-russland/?noredirect=de_DE"><strong>Zentralasien liegt mitten auf einer der größten Drogenrouten zwischen Afghanistan und Russland</strong></a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der florierende Handel dauerte bis zum Ersten Weltkrieg an, als Zar Nikolaus II. versuchte, ein staatliches Opiummonopol zu errichten, um seine Armee mit Morphium zu versorgen. Dieses Geschäft hielt jedoch den Kriegshandlungen und den innenpolitischen Problemen von 1916 und 1917 nicht stand. 1916 griffen Dunganen und Kirgisen die slawischen Siedler aus Wut über den staatlichen Einfluss auf ihre Geschäfte an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufstand in der Provinz Ili</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unterhielt das russische Reich im Gegensatz zu den Briten offiziell keinen Opiumhandel mit China. Der Handel in der Grenzstadt&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kjachta">Kjachta</a>&nbsp;zur heutigen Mongolei beruhte hauptsächlich auf Tee und Baumwolle. Während andere europäische Staaten in den Opiumkriegen aktiv waren, unterstützten die russischen Behörden die&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qing-Dynastie">Qing-Dynastie</a>&nbsp;(1644-1912) in ihrem Kampf gegen den Drogenhandel. Im Gegensatz dazu untergrub das zentralasiatische&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand">Khanat Kokand</a>&nbsp;die zaristische Außenpolitik und handelte mit der chinesischen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gansu">Provinz Gansu</a> mit Opium. Von dort aus wurden das Opium ins Innere des russischen Reiches transportiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="965" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en.png" alt="" class="wp-image-23072" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en.png 965w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en-300x187.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en-768x478.png 768w" sizes="(max-width: 965px) 100vw, 965px" /><figcaption>via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In den Jahren 1860-1870 kam es im chinesisch regierten Ostturkestan (dem heutigen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang</a>) zu Aufständen. Die muslimischen Turkvölker und Dunganen rebellierten gegen die strauchelnde Qin-Dynastie. Es wurden gleichzeitig auch Zusammenstöße selbst zwischen Turkvölkern und Dunganen beobachtet. Das kurzlebige, von Emir&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jakub_Bek">Jakub Bek</a>&nbsp;regierte Königreich&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jetti-Schahr">Jetti-Schahr</a>&nbsp;(1865-1878) wurde zu dieser Zeit im Gebiet des heutigen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaxgar_(Stadt)">Kaschgar</a>&nbsp;gegründet. Der Feldzug des chinesischen Generals&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zuo_Zongtang">Zuo Zongtang</a>&nbsp;beendete schließlich die Autonomiebestrebungen der Muslime im Westen Chinas. Um den chinesischen Truppen zu entkommen, flohen Tausende ins russische Westturkestan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige suchten Zuflucht im&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferganatal</a>, andere ließen sich in Semiretschje nieder. General Zuo Zongtang setzte nach den Konflikten und dem Bevölkerungsschwund eine ambitionierte Politik zur Wiederbelebung der Wirtschaft der westlichen Provinzen Chinas an: Reparaturen der Bewässerungsinfrastruktur, Vertreibung chinesischer Siedler, Entwicklung der Seidenproduktion und Kontrolle des Mohnanbaus. Der Erfolg dieser Strategie war uneinheitlich, da Opium entweder aus dem russischen Turkestan oder aus&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschmir">Kaschmir</a>&nbsp;und Indien in die Region importiert wurde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="800" height="500" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso.jpeg" alt="" class="wp-image-23071" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso-300x188.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso-768x480.jpeg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>via Bibliothèque Numérique Mondiale</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die chinesische Kontrolle über Xinjiang hatte zur Folge, dass es zwischen China und dem Russischen Reich keine natürliche Barrieren mehr gab. Das Zarenreich nutzte diese Entwicklung und besetzte die Provinz Ili, einen wichtigen strategischen Punkt in der fruchtbaren Region zwischen Kaschgar und der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarei">Dsungarei</a>. Der Anstoß dieser Besetzung liegt bei den Lokalbehörden; dem Generalgouverneur von Turkestan,&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Petrowitsch_von_Kaufmann">Konstantin von Kaufmann</a>, und dem Militärgouverneur von Semiretschje, Gerasim Kolpakowskij.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ansicht Niccolò Pianciolas nach wollte St. Petersburg vor allem eine Verstimmung mit Peking vermeiden und den lukrativen Opiumhandel damit beenden. Der von Schulden geplagte Gouverneur von Kaufman sagte jedoch, die Opiumproduktion sei ein effektiver Weg, um die Kassen wieder aufzufüllen. Die annektierten Gebiete wurden tatsächlich unter seine direkte Kontrolle gestellt. In der Provinz Ili wurden 32 Quadratkilometer für den Mohnanbau genutzt. Gouverneur Kolpakowskij bat Konstantin von Kaufmann persönlich um die Genehmigung, wie die Briten Opium in die südlichen Provinzen Chinas zu exportieren. Im Gegenzug wurde Silbererz nach Zentralasien eingeführt. 1881 wurde das Treiben des Gouverneurs gestoppt, als 80 Prozent der Provinz Ili an China&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Treaty_of_Saint_Petersburg_(1881)">abgetreten</a>&nbsp;und der Opiumhandel in der Region verboten wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Migranten und das Opium</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte fängt hier gerade erst an. Das Russische Reich wurde von vielen Dunganen und Tarantschis (Uiguren aus der Provinz Ili) bewohnt, deren Umsiedlung von staatlichen Behörden unterstützt wurde. Ihre Wirtschaft war nach wie vor auf das benachbarte Xinjiang ausgerichtet, das durch eine zunehmend bewachte Grenze von Semiretschje getrennt war. In der Region entstand eine grenzüberschreitende Wirtschaft, betont Niccolò Pianciola.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umsiedlung der Migranten in weit entfernte Orte war für viele nicht angenehm. Viele Dunganen weigerten sich, in den ihnen zugewiesenen Dörfern&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tokmok">Tokmok</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Prschewalsk</a>&nbsp;zu leben, und stahlen sich sich zurück in die Grenzgebiete, von wo aus sie Überfälle gegen Chinesen starteten. Die Angriffe führten dazu, dass mehr als die Hälfte der örtlichen Gefängnisbevölkerung Dunganen waren. Im Laufe der Zeit haben sie sich wohl oder übel mit ihrer neuen Lebensweise abgefunden und nach Anraten der Behörden begonnen, Gemüse und Weizen anzubauen und von Semiretschje nach Westchina zu exportieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Opium kehrte damit zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bereits 1879 wurden im heutigen kirgisischen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l">Bezirk Yssykköl</a>&nbsp;wieder viele Hektar Mohn gepflanzt. Semiretschje wurde schnell zur Hauptquelle von Opium für Xinjiang, wo sich der Preis infolge der Wirtschaftspolitik von General Zuo Zongtang inzwischen verzehnfachte. In den Bezirken <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Prschewalsk</a>&nbsp;(heute Karakol, Anm. d. Red.) und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scharkent">Jarkent</a>&nbsp;wuchs die Produktion von Opium erheblich. Die Dunganen vertrieben&nbsp;&nbsp;teils auch die Tarantschi aus den fruchtbaren Gebieten am&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Grenzfluss Ili</a>, um dort den rentablen Mohn an Stelle von Reis anzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/franzoesisch-usbekisches-unternehmen-soll-in-usbekistan-nutzhanf-anbauen/"><strong>Französisch-usbekisches Unternehmen soll in Usbekistan Nutzhanf anbauen</strong></a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mohnanbau und der lukrative Opiumhandel wurden durch die Untätigkeit der russischen Behörden ermöglicht. Das Fehlen von Kosaken, zur Patrouille an der 1.600 Kilometer lange Grenze zu China, ist nicht der einzige Grund. Niccolò Pianciola weist darauf hin, dass die lokalen Behörden dieses Geschäft stillschweigend ignoriert haben. Während die russischen Zollbestimmungen von 1881 die Einfuhr von Opiaten untersagten, gab es keine Ausfuhrbestimmungen. Es gab auch kein Gesetz, das den Mohnanbau und die Opiumproduktion in Semiretschje verbot. Zwar war der&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Treaty_of_Saint_Petersburg_(1881)">russisch-chinesische Grenzvertrag</a>&nbsp;von 1881 noch in Kraft, und ein Rundschreiben des Generalgouverneurs aus dem Jahr 1883 erlaubte nur Personen mit besonderer Konzession den Handel „giftiger und berauschender Stoffe“  – aber selbst bei einer eindeutigen Rechtslage fehlten schlicht die nötigen Zoll- und Grenzbeamten (der Zoll von Prschewalsk hatte bis 1914 nur sechs Beamte), um den Opiumhandel zu unterbinden. Der Großteil der Lieferungen wurden von Kirgisen getätigt. Sarten und Chinesen passierten nicht durch Prschewalsk, sondern durch die Provinz Ili.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der formellen Verbote wurde der Opiumhandel von chinesischen Händlern gefördert. Sie gewährten den Dunganen und Uiguren von Semiretschje nicht nur Kredite, sondern sie mieteten auch Land in Turkestan und ließen es von Saisonarbeitern aus Xinjiang kultivieren. Es scheint offensichtlich, dass die lokalen chinesischen Behörden davon wussten und ihr Provisionen einzogen. Erst 1906-1907 unterzeichnete das Qing-Reich eine Reihe von Verträgen, mit denen der Opiumanbau mit den westlichen Mächten bekämpft werden sollte. Der chinesische Kampf gegen die Drogen schien Früchte zu tragen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="800" height="500" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium.jpeg" alt="" class="wp-image-23070" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium-300x188.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium-768x480.jpeg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schwarzimporte aus dem russischen Reich gingen jedoch weiter.  Kasachen und Kirgisen liefen den Dunganen bald den Rang beim Schmuggel ab. Das Weiden ihrer Herden in Grenznähe diente als Vorwand für den Warenhandel. Es waren zudem russische und ukrainische Bauern, die infolge&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Arkadjewitsch_Stolypin">Pjotr Stolypins</a>&nbsp;Agrarreformen zugewandert waren und sich nun am Drogenhandel beteiligten. 1911 produzierten allein zwei russische Dörfer in der Nähe von Prschewalsk nicht weniger als 2,53 Tonnen Opium.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinhai-Revolution">chinesische Revolution von 1911</a>&nbsp;die Qing-Dynastie stürzte und Chaos an der Grenze zu Russland verursachte, florierte das Geschäft in Semiretschje weiter. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs beschreiben Zeugen Mohnfelder, soweit das Auge um Prschewalsk sehen konnte. Die erwirtschafteten Gewinne bereicherten allerdings nur die bereits Wohlhabenden. Die normale Bevölkerung, der Getreide und damit billiges Brot entzogen waren, litt unter den Folgen des Opiumhandels.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine ungeschickte Monopolisierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Kriegsbeginn importierte das Russische Reich zwischen acht und achtzehn Tonnen Opium pro Jahr für seine Pharmaindustrie. Dieser Import versiegte jedoch, da der Hauptexporteur das Osmanische Reich war, das dem Reich den Krieg erklärte. Unterdessen stieg der Preis für opiumhaltige Schmerzmittel wie Morphium, das für Millionen Verwundete an der Front benötigt wurde, sprunghaft an. Die russischen Behörden versuchen nun, Opium aus Indien und Persien zu importieren, was den Mengenbedarf allerdings nicht deckte. Die Aufmerksamkeit der Regierung konzentrierte sich nun auf Semiretschje, wo die Unterdrückung der Mohnproduktion in der Zwischenzeit zunahm und sich die Geldstrafen vervielfachten.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">1916 versuchten die Behörden, die Größe der für den Mohnanbau bestimmten Anbaufläche zu schätzen und Lizenzen zu erteilen. Im Bezirk Prschewalsk wurden über 3.250 Hektar genehmigt, 500 im Bezirk Jarkent und 200 im Bezirk Pischpek (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a>, Anm. d. Red.). In der Realität verreinahmte der Mohn jedoch zwischen 6.000 bis 35.000 Hektar Land in Semiretschje, dessen Kultivierung sich weitgehend der staatlichen Kontrolle entzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><strong><u><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/nicht-kirgistan-sondern-schmuggelstan/"><strong>„Nicht Kirgistan, sondern Schmuggelstan“ – über Schwarzhandel und Korruption im Land</strong></a></u></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Exporte nach China zu verhindern, wurden in jedem Distrikt Inspektoren ernannt, die von der polizeilichen Reiterstaffel unterstützt wurden und über spezielle Labors verfügten. Für jedes Hektar Land gab es einen festgelegten Produktionswert für eine von der Regierung erworbene Summe. Die Preise wurden gemäß dem Morphingehalt bestimmt, der in den Laboren ermittelt wurde. Diese Monopolstrategie war jedoch zum Scheitern verurteilt: In China wurden unabhängig vom Morphingehalt 40 Rubel pro Pfund Opium gezahlt, während der staatliche Preis zwischen 7 und 15 Rubel betrug. Die Bauern begannen daher, das geerntete Opium dem Staat vorzuenthalten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="512" height="380" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Women_smoking_opium_in_China_circa_1900_-_Collectors_Weekly.jpg" alt="" class="wp-image-23069" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Women_smoking_opium_in_China_circa_1900_-_Collectors_Weekly.jpg 512w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Women_smoking_opium_in_China_circa_1900_-_Collectors_Weekly-300x223.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1916 begann der Aufstand der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Basmatschi">Basmatschi</a>, der ursprünglich durch eine allgemeine Mobilisierung von Muslimen in der Region ausgelöst wurde. In Semiretchje fanden die Kämpfe besonders stark im Bezirk Prschewalsk statt. Laut Niccolò Pianciola kann die Brutalität der Ereignisse weitgehend durch die Bedeutung des Opiumhandels erklärt werden. Der Versuch der russischen Behörden, die Grenze zu schließen und die Produktion zu kontrollieren, erzürnte die Dunganen, Kirgisen und Tarantschis und ließ sie rebellieren. Das Vorgehen der Regierung war unerbittlich und viele Dunganen in Prschewalsk wurden getötet oder gezwungen, nach China zu fliehen. Auf der Flucht vor den Pogromen wanderten Hunderttausende Kasachen, Kirgisen, Dunganen und Tarantschis nach Xinjiang aus. Der Opiumhandel in der Region brach damit zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan :&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien/?noredirect=de_DE">Highway to Heroin – vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Niccolò Pianciola unterstreicht die Bedeutung der Grenze für die opiumgetriebene Wirtschaft in Semiretschje Einmal schützte sie Dunganen und Tarantschis vor den Repressionen des chinesischen Reichs, ein anderes Mal ermöglichte sie ihnen den Güterverkehr. Dieses System bewies, dass der Markt damals die Politik übertraf: Das Angebot aus Turkestan und die Nachfrage in Xinjiang und im Inneren Chinas zwangen die russischen und chinesischen Behörden, diesen Handel zu billigen und sogar zu persönlichen Zwecken auszunutzen. Der Übergang ins 20. Jahrhundert veränderte die Situation beidseits des Flusses Ili und staatliche Autoritäten gewannen schließlich die Oberhand über Wirtschaft und Gesundheitsschutz.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Artjom Kosmarskij,&nbsp;Journalist für <a href="https://fergana.site/articles/115915/">Fergana News</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt von Robin Shakibaie</strong></p>


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		<title>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hriedler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2020 15:36:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bolschewismus]]></category>
		<category><![CDATA[Emirat Buchara]]></category>
		<category><![CDATA[Khanat Xiva]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Armee]]></category>
		<category><![CDATA[Russisches Reich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Khanat von Xiva und im Emirat von Buchara, die seit 1873 unter russischem Protektorat gestanden hatten, ver&#xE4;nderte sich vieles nach der Februarrevolution und den damit verbundenen Aufst&#xE4;nden von Kommunisten 1919 in Xiva, die von den Bolschewiki unterst&#xFC;tzt wurden. Im Februar 1920 wurde die Volksrepublik Chorezm in Xiva ausgerufen, w&#xE4;hrend im gleichen Jahr nach dem [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Chiwa">Khanat von Xiva</a> und im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emirat von Buchara</a>, die seit 1873 unter russischem Protektorat gestanden hatten, veränderte sich vieles nach der Februarrevolution und den damit verbundenen Aufständen von Kommunisten 1919 in Xiva, die von den Bolschewiki unterstützt wurden. Im Februar 1920 wurde die Volksrepublik Chorezm in Xiva ausgerufen, während im gleichen Jahr nach dem Einmarsch der Roten Armee die Bucharische Volksrepublik gegründet wurde. Der führende Forscher des Instituts für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften <a href="https://ivran.academia.edu/SergiusLKuzmin">Sergey Kuzmin</a> beantwortet im folgenden Fragen zum Ausmaß der Eigenstaatlichkeit der neu entstandenen Staaten, sowie der Unterstützung der Bevölkerung und der Rolle der Engländer. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei</strong> <a href="https://fergana.news/articles/114949/"><strong>Fergana News</strong></a><strong>, wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bis 1917 standen das Khanat Xiva und das Emirat Buchara bereits fast ein halbes Jahrhundert lang unter russischem Protektorat. Wie sehr hat sich das Leben dieser Staaten in dieser Zeit verändert, vor allem im Vergleich zu den Gebieten Zentralasiens, die unter die direkte Kontrolle des Russischen Reiches kamen?</p>
<p style="text-align: justify;">Nachdem sich der Khan von Xiva und der Emir von Buchara zu Vasallen des russischen Kaisers erklärt hatten, wurden ihre Monarchien nicht in den Staatsverband aufgenommen, sondern zu Protektoraten. Die gesellschaftliche Ordnung wurde dort kaum verändert. Unter den Bedingungen des erhaltenen alten Systems betrachteten die Menschen in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Xiva</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> ihre Monarchen und Geistlichkeit weiterhin als unbestreitbare Autoritäten. Die auf dem Traditionalismus basierende monarchische Autorität bewahrte ihre charismatische Legitimität in den Augen ihrer Untertanen.</p>
<p style="text-align: justify;">Man kann lediglich über die Unzufriedenheit der Menschen mit konkreten Fällen von Willkür der Feudalherren sprechen, nicht aber über Unzufriedenheit über die bestehende gesellschaftliche Ordnung. Natürlich gab es auch inter-ethnische Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Usbeken und Turkmenen), Konkurrenz um Wasser und andere Konflikte sozialer und wirtschaftlicher Art. Unter der Autorität des russischen Kaisers verbesserte sich die Position beider Monarchien.</p>
<p style="text-align: justify;">So wurde beispielsweise die Sklaverei abgeschafft, die innere Lage stabiler, eine Eisenbahn von Russland nach Buchara sowie Straßen und Kanäle gebaut und die Industrie entwickelt. Zur gleichen Zeit entstanden russische Kolonien auf dem Territorium beider Monarchien, die später zu den Zentren revolutionärer Stimmungen wurden. Vergleicht man Xiva und Buchara mit den Gebieten Zentralasiens, die zum Russischen Reich gehören, so haben sie natürlich ihre Unabhängigkeit weitgehend behalten, obwohl sie nicht als unabhängige Staaten bezeichnet werden konnten.</p>
<p><figure id="attachment_20687" aria-describedby="caption-attachment-20687" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20687" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/41f2b3e5-cca4-4817-902c-4130c8b5472e.jpeg" alt="Der buxorische Emir Alim Khan" width="800" height="550" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/41f2b3e5-cca4-4817-902c-4130c8b5472e.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/41f2b3e5-cca4-4817-902c-4130c8b5472e-300x206.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/41f2b3e5-cca4-4817-902c-4130c8b5472e-768x528.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-20687" class="wp-caption-text">Der buxorische Emir Alim Khan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Warum hat die zaristische Regierung Ihrer Meinung nach Xiva und Buxoro nicht auf Anhieb wie das liquidierte </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand"><strong>Kokand-Khanat</strong></a><strong> behandelt? Warum brauchte St. Petersburg diese Staatsformationen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die russische Führung hielt die Vasallenabhängigkeit des Emirs von Buchara und des Khans von Xiva vom russischen Kaiser für ausreichend. Dies umso mehr, als beide ihm stets treu geblieben sind. Die wirtschaftlichen Interessen Russlands in beiden Monarchien wurden respektiert. Dank Russland gab es in Xiva und Buchara relative Stabilität. Sie dienten als Puffer, der zur Sicherheit der südlichen Provinzen Russlands beitrug. Es ist schwer zu sagen, ob sie später in das Russische Reich integriert worden wären &#8211; die Geschichtsforschung kennt keine entsprechenden Pläne.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/choresm-und-buchara-die-zweigeteilte-geschichte-der-juedinnen-zentralasiens/"><strong>Choresm und Buchara: Die zweigeteilte Geschichte der JüdInnen Zentralasiens</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Was das Kokand-Khanat betrifft, so unterschied sich die Situation dort in den letzten Jahren seiner Unabhängigkeit deutlich von Xiva und Buxoro. Die Instabilität hat zugenommen. Der rechtmäßige Monarch &#8211; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Palast_des_Xudayar_Khan">Xudayar Khan</a> &#8211; war Russland gegenüber loyal. Aber er konnte die Macht nicht halten und floh beim nächsten Aufstand zu den Russen. Die Rebellen wählten seinen Sohn Nasreddin als ihren Khan.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach der Niederlage der Aufstände unterzeichnete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Petrowitsch_von_Kaufmann">General von Kaufman</a> (Oberkommandierender der russischen Truppen des Turkestanischen Militärbezirkes – Anm. d. Red.) einen Friedensvertrag mit ihm. Kokand wurde wie Xiva und Buchara zu einem Protektorat Russlands. Aber die Unruhen gingen weiter, Nasreddin floh unter dem Schutz der Russen. Nach der Einnahme von Kokand wurde das Khanat liquidiert. Nicht Russland war schuld, sondern diejenigen, die Unruhe gegen ihren rechtmäßigen Khan verursachten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sind die politischen und sozialen Prozesse in Xiva und Buxoro, die der Liquidation der Monarchien vorausgingen, eine Kopie der Prozesse im Russischen Reich selbst, oder unterschieden sie sich grundlegend? Vor allem voneinander?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die politischen Prozesse dort unterschieden sich zwar von den russischen, aber ich glaube nicht grundlegend. Es gab eine sehr wichtige Ähnlichkeit: Diese Gesellschaften waren traditionell monarchisch, und die Politik der Behörden sowohl im Russischen Reich als auch in Xiva und Buchara zielte darauf ab, diesen Traditionalismus mit einer langsamen und eher vorsichtigen Reform zu bewahren.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich gab es historische, religiöse und nationale Unterschiede. Die Gesellschaften in Buchara und Xiva waren im Allgemeinen konservativer, religiöser und weniger von den revolutionären Ideen zerfressen. Diese Ideen waren ihnen ursprünglich fremd. Aber auch Russland waren die revolutionären Ideen ursprünglich fremd. Diese Ideen kamen aus dem Westen nach Russland. Das ist allseits bekannt. Von Russland aus drangen diese Ideen in Xiva und Buchara ein: teils durch verschiedenen roten Parteien, teils von den Dschadiden.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber selbst die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschadidismus">Dschadidismus</a>-Bewegung (muslimisch-nationalistischen Reformbewegung im russischen Reich, die sich an westlichen Vorstellungen von Modernität anlehnte – Anm. d. Red.) unter den russischen Muslimen entwickelte sich unter ausländischem Einfluss &#8211; aus europäischen und jung-türkischen politischen Ideen. All diese Ideen hatten wichtige Gemeinsamkeiten: Sie wurden von außen eingeführt und zielten letztlich auf die Zerstörung traditioneller Gesellschaften und die Abschaffung von Monarchien ab.</p>
<p><figure id="attachment_20688" aria-describedby="caption-attachment-20688" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20688" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/9a1dffa3-9bfc-477b-a15b-29a592bc2c68.jpeg" alt="Artillerie des buxorischen Khanats" width="800" height="550" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/9a1dffa3-9bfc-477b-a15b-29a592bc2c68.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/9a1dffa3-9bfc-477b-a15b-29a592bc2c68-300x206.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/9a1dffa3-9bfc-477b-a15b-29a592bc2c68-768x528.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-20688" class="wp-caption-text">Artillerie des buxorischen Khanats</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Kann man die die (mit den Jungtürken in Verbindung stehende) dschadidistische Bewegung „Junge Xivaer“ (russisch: Mladochiwinzy) und „Junge Bucharer“ (russ. Mladobucharzy) nur als lokale Versionen des Dschadidismus betrachten? Was ist die Einzigartigkeit dieser Phänomene?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich würde sie nicht ausschließlich als lokale Versionen betrachten. Natürlich gab es auch Unterschiede in Bezug auf die lokalen Bedingungen. Aber das Wesentliche waren die Gemeinsamkeiten. Sowohl die Mladochiwinzy als auch die Mladobucharzy befürworteten ursprünglich eine (zunehmend radikale) Reform, die auf von außen eingeführten Konzepten beruhte. Das ist nicht überraschend: Ihre Führer lebten lange Zeit außerhalb ihres Heimatlandes, und dort sammelten sie diese fremden Ideen und wollten dann das Leben in ihrer Heimat durch sie verändern.</p>
<p style="text-align: justify;">Tatsächlich finden sich Analogien solcher Personen und Parteien sowohl in der Geschichte Russlands als auch in der Geschichte anderer Länder, wie z.B. der Mongolei. Ein gemeinsames Merkmal ist, dass ein neues Konzept aus dem Ausland eindrang, das die Grundlage für die Veränderung der Gesellschaft in ihrem Land war. Diese traditionelle Gesellschaft wurde zwangsläufig als rückständig angesehen. Die einzige Frage ist, wie schnell und tiefgehend beschlossen wurde, sie zu ändern, entweder durch eine Reform (die ursprünglich von den Mladochiwinzy und Mladobucharzy befürwortet wurde) oder durch einen revolutionären Bruch (der von den Kommunisten befürwortet wurde). Zwischen beiden Ansichten gab es keine Kluft, sondern einen allmählichen Übergang: So lässt sich sagen, dass die Mladobucharzy gemeinsam mit den Buchara-Kommunisten aktiv die Revolution in Buchara vorbereiteten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Sowjetmacht beeilte sich wie die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provisorische_Regierung_(Russland)">provisorische Regierung</a>, sowohl das Khanat als auch das Emirat anzuerkennen. Worin bestand das Kalkül der Bolschewiki?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich denke, es war dieselbe Überlegung wie bei der Anerkennung anderer Staaten, in denen sie ebenfalls erfolgreich sozialistische Revolutionen durchgeführt haben. Als die Bolschewiki die Revolution exportierten, behaupteten sie, sie würde von den Völkern gemacht (was tatsächlich nicht der Fall war). Zu diesem Zweck wurden in bestimmten Staaten heimliche kommunistische oder prokommunistische Parteien oder Gruppen gegründet, denen notwendigerweise Vertreter der einheimischen Bevölkerung angehörten.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Parteien versuchten dann, die Macht zu ergreifen, und riefen, falls sie scheiterten (wie in den zentralasiatischen Monarchien), die Bolschewiki zu Hilfe. Die Rote Armee kam, um die so genannte &#8222;internationale Pflicht&#8220; erfüllen. Infolgedessen ging die Macht an eben diese Parteien über, die von den Bolschewiki geleitet wurden. Danach konnte sich ein Teil der Republiken anstatt mit dem Russische Reich mit der UdSSR vereinen, mit der bereits eine gemeinsame ideologische Basis etabliert worden war. Dieser Plan war effektiver als eine Eroberung von außen mit der anschließenden Gründung der bolschewistischen Partei und der Revolution.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Kann man sagen, dass Xiva und Buchara dazu bestimmt waren, weil sie Bolschewiken als Nachbarn hatten? Welche &#8222;Parteilinie&#8220; gab es im Allgemeinen in Bezug auf die Ostmonarchien, und wurde in Erwägung gezogen, sie in irgendeiner Form zu erhalten?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Bolschewiki versuchten damals, die Revolution in die ganze Welt zu exportieren. Die Staaten auf dem Gebiet des zerstörten Russischen Reiches und der Nachbarländer befanden sich in einer besonderen Gefahrenzone. Das Khanat von Xiva und das Emirat Buchara sind in das Gebiet des ehemaligen russischen Reiches von Afghanistan bis zum Aralsee tief vorgedrungen.</p>
<p style="text-align: justify;">In zaristischen Zeiten hatten sie gute Beziehungen zu Russland, wurden von ihm unterstützt und waren unter den Bolschewiken ein fremder Keil zwischen den roten Gebieten. Die Monarchen und der Traditionalismus, insbesondere in Buchara unter dem Einfluss des Islam, wurden von den Kommunisten als Gefahr gesehen. Die &#8222;Parteilinie&#8220; bestand darin, rote Parteien (einschließlich bewaffneter) zu gründen und zu unterstützen, um die Revolution zu exportieren. Damit waren das Emirat Buchara und das Khanat Xiva dem Untergang geweiht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>War der Kreuzzug gegen Bucharavon 1918 eine Initiative der örtlichen Bolschewiki oder wurde er vom Zentrum genehmigt? Warum endete es mit einem Misserfolg?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Fjodor Kolesow war der Vorsitzende der Souveränität der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autonome_Sozialistische_Sowjetrepublik_Turkestan">Turkestanischen Sowjetrepublik</a> und verkörperte somit selbst das Zentrum dort. Er verhandelte unter anderem mit Xodjaev, einem Mitglied des Zentralkomitees der Partei der Mladobucharzy. Der Export der Revolution wurde also nach dem gleichen Schema geplant, von dem ich gesprochen habe.</p>
<p style="text-align: justify;">Kolesow glaubte den Mladobucharzy und erwartete, dass die Invasion einen Massenaufstand auslösen und die Armee des Emirs schwach sein würde. Die Kampagne endete mit einem Misserfolg, weil Kolesow und Xodjaev nicht genug Kraft hatten. Außerdem schrieb Xodjaev später zu Recht, dass der Angriff der russischen und mladobucharischen Roten auf Buchara von der Bevölkerung als eine Invasion von außen wahrgenommen wurde &#8211; was dieser Feldzug in Wirklichkeit auch war. So unterstützte das Volk seinen Monarchen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Hat das Erscheinen von </strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Khivan_Revolution"><strong>Djunaid Khan</strong></a><strong> auf der politischen Bühne von Xiva die Agonie des Khanats beschleunigt oder verlängert? Können wir seine Rolle mit der des Barons </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_von_Ungern-Sternberg"><strong>Ungern</strong></a><strong> (Kommandeur einer Teilgruppe der Weißen Armee im Fernen Osten Russlands, der Anfang 1921 die Äußere Mongolei besetzte, Anm. d. Red.) in der mongolischen Geschichte vergleichen? Hatte Buchara einen ähnlichen &#8222;Helden&#8220;?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich denke, die Bolschewiken hätten das Khanat von Xiva ohnehin zerstört. Natürlich trug Djunaid-Khan zur Stärkung des usbekisch-turkmenischen Konflikts bei, aber auch einige Turkmenen rebellierten dagegen. Die Ermordung des rechtmäßigen Monarchen &#8211; Asfandiyar-Khan auf seinen Befehl hin und die Einführung von Marionetten an seiner Stelle trugen nicht zur Konsolidierung der Gesellschaft bei. Aber als Kämpfer gegen die Kommunisten war Djunaid Khan sicherlich einer der effektivsten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-geschichte-der-geschichte-wie-die-vergangenheit-aus-usbekischen-lehrbuechern-verschwindet/"><strong>Die Geschichte der Geschichte: Wie die Vergangenheit aus usbekischen Lehrbüchern verschwindet</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Was Ungern betrifft. Eine Analogie zwischen ihm und Djunaid Khan zu ziehen, ist falsch. Ungern befreite die Mongolei von den chinesischen Invasoren und setzte den rechtmäßigen Monarchen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bogd_Khan">Bogdo Gegen VIII</a> wieder ein. Ohne Ungern wäre die Mongolei kein unabhängiger Staat, sondern wäre unter chinesischer Besatzung geblieben. Während Ungerns Aufenthalt in der Mongolei war Bogdo-Gegen nicht seine Marionette, und Ungern selbst war kein Diktator der Mongolei. Die damalige Politik der Mongolei wurde von Bogdo-Gegen bestimmt, nicht von Ungern.</p>
<p style="text-align: justify;">Djunaid-Khan wurde von recht weiten Kreisen in Xiva (Usbeken, Turkmenen und anderen) bekämpft, und Ungern wurde nur von einer Handvoll mongolischer Revolutionäre, die mit Bolschewiken in Verbindung standen, bekämpft. Aber hier gibt es eine Ähnlichkeit in der Geschichte von Xiva und der Mongolei. Der Export der Revolution in die Mongolei wurde von den Bolschewiken mit Hilfe der Mongolischen Volkspartei, nach Xiva &#8211; mit Hilfe von den Mladochiwinzy &#8211; durchgeführt. Sowohl in der Mongolei als auch in Xiva fand der Einmarsch der sowjetischen Truppen auf Einladung dieser Parteien statt, die von den Bolschewiki beaufsichtigt wurden.</p>
<p><figure id="attachment_20690" aria-describedby="caption-attachment-20690" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20690" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/800px-Said_Abdullakhan.jpg" alt="Der letzte Khan Khivas Said Abdulla Khan" width="800" height="1273" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/800px-Said_Abdullakhan.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/800px-Said_Abdullakhan-189x300.jpg 189w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/800px-Said_Abdullakhan-768x1222.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/800px-Said_Abdullakhan-644x1024.jpg 644w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-20690" class="wp-caption-text">Der letzte Khan Xivas Said Abdulla Khan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">In Bezug auf Buxoro sehe ich einen solchen Helden dort nicht. Was den Export der Revolution und die Aufnahme in die UdSSR betrifft, so ist das Schema das gleiche wie in Xiva. Ich möchte nur anmerken, dass das Schicksal der Monarchen der Mongolei, Xiva und Buchara ein anderes war: Bogdo-Gegen, der der Staatsmacht beraubt war, durfte als nomineller Monarch bis zum Tod in seiner Heimat leben, der Emir von Buchara konnte sich nach Afghanistan retten und starb in der Emigration, und das Schicksal des Khans von Xiva war das traurigste: Er wurde verhaftet, in die Ukraine deportiert und starb dort an Entbehrungen und Krankheit.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie haben die Bolschewiki ihre militärischen Operationen gegen beide Länder begründet? War es demnach Sowjetrussland, das zuerst seine Vereinbarungen mit den usbekischen Herrschern brach?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Gründe waren überall ungefähr die gleichen: militärische Hilfe für die Menschen, die angeblich darum gebeten haben. In Xiva &#8211; für die friedliche Bevölkerung, um Djunaid Khan zu besiegen, in Buxoro &#8211; für die rebellischen Mladobucharzy und Buxoro-Kommunisten, die angeblich die Interessen des Volkes zum Ausdruck brachten. Wie es im Befehl des sowjetischen Heeresführeres <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Wassiljewitsch_Frunse">Frunse</a> heißt, <em>&#8222;mit all unserer bewaffneten Macht dem Volk von Buchara zu Hilfe kommen.&#8220;</em> Tatsächlich handelte es sich um eine kommunistische Aggression, die darauf abzielte, die legitime Macht in anderen Staaten zu stürzen und die Macht auf Mündel der Bolschewiki zu übertragen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Trotz der populären Meinung aus der Sowjetzeit waren die Briten in Zentralasien (mit der möglichen Ausnahme der transkaspischen Region) recht passiv. Warum haben sie Ihrer Meinung nach das Emirat, das ja eine gemeinsame Grenze mit dem britisch kontrollierten Afghanistan hatte, nicht maßgeblich unterstützt?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Und warum hätten sie sich ernsthaft darauf einlassen sollen? Afghanistan, das ihr Protektorat war, erklärte 1919 seine Unabhängigkeit, im selben Jahr fand der dritte anglo-afghanische Krieg statt. Die Briten kümmerten sich um ihre Macht in Indien, sie kümmerten sich mehr um die Situation in Afghanistan als um die in Buchara. Die Regierung von Buchara bat England um militärische Unterstützung – das war ihr souveränes Recht. Aber es war keine große Hilfe. Und dann, als sich die Basma-Bewegung (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Basmatschi">Basmatschi</a> waren mittelasiatische Aufständische, die sich 1916 gegen die allgemeine Mobilmachung im Ersten Weltkrieg in Turkestan erhoben und bis Mitte der 1920er Jahre gegen die Bolschewiki kämpften – Anm. d. Red.) entfaltete, können wir über die Neutralität Englands im Allgemeinen sprechen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Hatten Xiva und die Armee von Buchara eine Chance der Roten Armee mehr oder weniger erfolgreich zu widerstehen? Wie haben sich die militärischen Operationen entwickelt und waren sie für die Frunse-Truppen ein Spaziergang?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Khanat von Xiva und das Emirat von Buchara konnten der Roten Armee natürlich nicht erfolgreich Widerstand leisten. Der Emir von Buchara versuchte, eine effektive Armee zu schaffen, aber er hatte nicht genug Zeit oder Ressourcen dafür. Dennoch waren die Militäraktionen gegen Buchara für Frunse kein leichter Weg, obwohl sie gut vorbereitet waren. Nach den Erinnerungen von Emir Alim Khan wurde der Krieg nicht erklärt, der Angriff erfolgte plötzlich. Trotzdem wurde der erste Angriff der Roten auf Buchara abgewehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Es stellte sich heraus, dass die Zusicherungen der Buchara-Revolutionäre über die Aufstandsbereitschaft der Bevölkerung falsch waren &#8211; das sind Worte von Frunse. Der Angriff auf die Hauptstadt begann am 30. August und endete am 2. September. Die Artillerie und die Bombardierung der Festung, der Wohngebiete und der Moscheen aus der Luft spielten eine entscheidende Rolle. Es wurden unter anderem chemische Granaten verwendet. Der Angriff forderte viele Opfer. Anschließend raubten bolschewistische Truppen die Stadt aus.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Was ist allgemein über den Einsatz chemischer Waffen durch die Bolschewiki gegen Buchara bekannt?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gerne würde ich hier aus einer Mitteilung des Vertreters von Moskau, Maschitskij zitieren. Nachlesen kann man den Bericht zum Beispiel im Buch von Genis &#8222;Man muss Buxoro ein Ende setzen&#8220;, das auf dokumentarischem Material beruht:</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;<em>Die Revolution trat, da sie unvorbereitet war, als ein uniformierter Vormarsch der Roten Armee zu Tage. Dies verletzte alle Vorstellungen über das Selbstbestimmungsrecht des Buchara-Volkes und Buchara erwies sich tatsächlich als ein besetztes Land. Mehrere Millionen Kugeln und mehrere tausend Kanonenhülsen wurden über Buchara abgefeuert, darunter eine beträchtliche Anzahl chemischer Waffen. Die Stärke des Artillerie- und Infanteriefeuers war so groß, dass Bucharas Soldaten auch nicht zur Seite der Revolution übertreten konnten. </em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Das Zentrum von Buchara und die an den Bahnhof angrenzenden Gebiete wurden vollständig zerstört. Historische Denkmäler wurden zerstört. Die Moscheen wurden beschädigt, und einige der verbleibenden (2/3 von ihnen) wurden zu Kasernen und Ställen umgebaut. Die entstandenen Brände und Raubüberfälle hatten die verheerendsten Auswirkungen, nicht nur auf die Stimmung des Volkes, sondern auch auf die Buchkoj (den Genossen, die sich der Revolution am stärksten verschreiben hatte), die empört waren und offen sagten, Buchara sei &#8222;von den Bolschewiken ausgeraubt&#8220; worden</em>. (Aus dem Bericht von A. Maschitski, einem Mitglied des &#8222;Troika&#8220;-Kriegsrevolutionsbüros).</p>
<p><figure id="attachment_20689" aria-describedby="caption-attachment-20689" style="width: 650px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20689 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/Fires_in_Bukhara_1920.jpg" alt="Der Sturm durch die Rote Armee auf Buxoro" width="650" height="647" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/Fires_in_Bukhara_1920.jpg 650w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/Fires_in_Bukhara_1920-150x150.jpg 150w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/Fires_in_Bukhara_1920-300x300.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-20689" class="wp-caption-text">Der Sturm durch die Rote Armee auf Buxoro</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Haben die Monarchen von Xiva und Buchara bei ihren Untertanen Autorität genossen? Inwieweit hat die monarchische Komponente die Eskalation der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Basmatschi">basmaschischen Bewegung</a> beeinflusst?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Monarchen bei ihren Untertanen Autorität genossen. Republikanische Ideen waren der Mehrheit der Bevölkerung fremd. Die monarchische Komponente war sehr wichtig. Der Höhepunkt dieser Bewegung kam gleich nach dem Sturz der Monarchien.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist an der Zeit, das Klischee aufzugeben, dass die Basma-Bewegung Banditentum ist. So einfach ist das nicht. Die Basma-Bewegung war in Bezug auf Zusammensetzung und Ziele sehr bunt gemischt. Es war eine allgemeine Ablehnung des Kommunismus, der Macht der Roten, der Loyalität zum Islam und des Traditionalismus. Alle Teile der Bevölkerung waren in der Bewegung breit vertreten. Die Mehrheit waren einfache Leute &#8211; genau die Leute, die von den Kommunisten &#8222;von der Ausbeutung befreit&#8220; wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Mitglieder der Bewegung selbst nannten sich nicht Basmatschi, sondern <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahed">Mudschaheddin</a>. Dies deutet auf ihre Verbindung zum Islam hin. Heutzutage hört man Vergleiche zwischen Mitgliedern dieser Bewegung und modernen Islamisten, die in den Terror verwickelt sind. Das ist falsch, denn, wie ich schon sagte, spielten auch andere (nicht religiöse) Komponenten eine wichtige Rolle. Diese Mudschaheddin waren keine Salafisten, sondern folgten ihrem traditionellen Islam und wollten ihre Lebensweise bewahren, nicht ändern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-sowjetische-geschichte-zentralasiens-12/"><strong>Die sowjetische Geschichte Zentralasiens (1/2)</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Warum haben die Bolschewiki Ihrer Meinung nach schließlich die an Stelle der zentralasiatischen Monarchien errichteten Sowjetrepubliken liquidiert?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dies geschah als Folge der national-territorialen Abgrenzung in der UdSSR. Schließlich waren diese Monarchien multi-ethnisch, was in einigen Fällen zu inter-ethnischen Konflikten führte. Und nach der Abgrenzung wurden die neuen Republiken von Titularnationalitäten dominiert. Darüber hinaus wurden wirtschaftliche, politische und administrative Faktoren berücksichtigt. Aber man darf nicht vergessen, dass diese Abgrenzung gleichzeitig die Grundlage für künftige interethnische Konflikte in einigen Teilen Zentralasiens gelegt hat.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Meinen Sie nicht, dass die Zeit der unabhängigen Existenz von Xiva und Buxoro als Teil des russischen Reiches und vor allem ihr Leben während des Bürgerkriegs in der sowjetischen und postsowjetischen Geschichtsschreibung nicht ausreichend abgedeckt wurde und ein gewisser weißer Fleck bleibt? Welche Quellen über diese Zeit verdienen Ihrer Meinung nach die meiste Aufmerksamkeit und das meiste Vertrauen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Hier stellt sich zunächst die Frage, was unter dem Bürgerkrieg zu verstehen ist. Ein Bürgerkrieg im Russischen Reich und dann in der Russischen Volksrepublik? Und was ist dann mit Xiva und Buchara, die von beiden kein Teil waren? Die Unabhängigkeit von Xiva und Buchara wurde ja offiziell von der provisorischen Regierung, damals vom Rat der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_Volkskommissare_der_Sowjetunion">Volkskommissare</a>, anerkannt. Es gab keinen Bürgerkrieg in Xiva und Buchara, sondern eine ausländische kommunistische Intervention.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich glaube nicht, dass diese Periode einen weißen Fleck darstellt, aber sie verdient sicherlich weitere Untersuchungen. Besonderes Augenmerk sollte auf Dokumente und Memoiren gelegt werden &#8211; auf beiden Seiten, nicht nur auf einer. Leider sind in Russland (und in einer Reihe anderer post-sozialistischer Länder wie der Mongolei) die Memoiren einer Seite &#8211; der siegreichen &#8211; größtenteils erhalten geblieben. Und während russische Emigranten wertvolle Erinnerungen an diese Zeit hinterlassen haben, gibt es viel weniger ähnliche Erinnerungen aus Zentralasien.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu Sowjetzeiten wurden viele ideologisch fremde Dokumente in den Archiven vernichtet. Es ist unmöglich, a priori zu sagen, welche Dokumente und Memoiren das meiste Vertrauen verdienen. Auf jeden Fall bedeutet die Tatsache, dass einiges Material mehrfach veröffentlicht wurde und weithin bekannt geworden ist, nicht, dass dieses Material zuverlässig ist. Es ist notwendig, verschiedene Materialien, verschiedene Standpunkte zu analysieren, zu prüfen und zu vergleichen. Es ist notwendig, nur der Wissenschaft zu folgen, historische Mythen zu entlarven und Fälschungen aufzudecken. Jedes nationale oder politische Interesse ist kein Kriterium für Wahrheit und Zuverlässigkeit in der Wissenschaft. Das ist von grundlegender Bedeutung.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Natalia Nikitina für </strong><a href="https://fergana.news/articles/114949/"><strong>Fergana News</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Hannah Riedler</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Pischpek. Frunse. Bischkek. Kirgistans Hauptstadt feiert 140. Geburtstag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anastasiia Shevtsova]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 06:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Pischpek]]></category>
		<category><![CDATA[Russisches Reich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 29. April feierte die kirgisische Hauptstadt Bischkek ihren 140. Geburtstag. Der Stadtrat organisierte&#xA0;Kulturveranstaltungen und eine Parade und verzierte Stra&#xDF;en und Pl&#xE4;tze. Allerdings ist die Stadt eigentlich &#xE4;lter als 140 Jahre. Was genau wurde also an diesem Tag gefeiert? Anl&#xE4;sslich des 140. Geburtstags von Bischkek gab es Konzerte mit klassischer und Jazzmusik, internationale Jugendtanzgruppen traten [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Am 29. April feierte die kirgisische Hauptstadt Bischkek ihren 140. Geburtstag. Der Stadtrat organisierte Kulturveranstaltungen und eine Parade und verzierte Straßen und Plätze. Allerdings ist die Stadt eigentlich älter als 140 Jahre. Was genau wurde also an diesem Tag gefeiert?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Anlässlich des 140. Geburtstags von Bischkek gab es Konzerte mit klassischer und Jazzmusik, internationale Jugendtanzgruppen traten auf. Die Fotoausstellung &#8222;Pischpek &#8211; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frunse">Frunse</a> &#8211; Bischkek&#8220; erinnerte an die Geschichte der Stadt, die seit ihrer Gründung diese drei Namen getragen hat. Bürger besuchten Kunstaustellungen und eine vom Gemeindeunternehmen &#8222;Bishkekselenchoz&#8220; ausgerichtete Gartenschau.</p>
<p><figure id="attachment_13662" aria-describedby="caption-attachment-13662" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13662" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31946607_10215512461142797_927348671169691648_n.jpg" alt="Festival" width="960" height="640" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31946607_10215512461142797_927348671169691648_n.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31946607_10215512461142797_927348671169691648_n-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31946607_10215512461142797_927348671169691648_n-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31946607_10215512461142797_927348671169691648_n-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-13662" class="wp-caption-text">Gartenschau in Bischkek am 29. April 2018.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Abends zog eine Parade von internationalen Tanzgruppen, einer Zirkustruppe und dem Orchester der Nationalphilharmonie zum zentralen Ala-Too-Platz. Danach fand dort ein Konzert mit kirgisischen Popmusikern und einer Tanzeinlage von Teilnehmern des internationalen Festivals “Nariste” statt.</p>
<p><figure id="attachment_13663" aria-describedby="caption-attachment-13663" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-13663" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o-1024x683.jpg" alt="Bischkek, Parade" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o-1300x866.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31944076_10215512461302801_203996644318904320_o.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-13663" class="wp-caption-text">Eine Zirkusgruppe läuft auf einer Parade anlässlich des 140. Geburtstags von Bischkek mit.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Mit diesen Veranstaltungen wurde an den 29. April 1878 erinnert. Wer sich mit der Geschichte von Bischkek auskennt, weiß jedoch, dass die Stadt schon älter ist und dieser Tag also nicht ihr Geburtstag sein kann. An welches Ereignis wurde dann erinnert? Um diese Frage zu beantworten sollte man sich anzuschauen, wie die Stadt entstanden ist.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-reise-durch-die-architekturgeschichte-der-kirgisischen-hauptstadt/">Eine Reise durch die Architekturgeschichte der kirgisischen Hauptstadt</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Festung zur Kontrolle der Nomaden</strong><br />
Das Gebiet um das heutige Bischkek ist eines der fruchtbarsten der Region, weil hier die Flüsse Ala-Artscha und Alamedin in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tsch%C3%BCi_(Fluss)">Tschüi </a>münden, heute der Grenzfluss zwischen Kirgistan und Kasachstan. Die Gegend war daher schon vor über 20.000 Jahren besiedelt. Im 10. bis 12. Jahrhundert gab es im Tschüi-Tal mehrere Städte, die unter anderem als Stationen der Seidenstraßen fungierten. Ungefähr an der Stelle des heutigen Bischkek lag die Stadt Dschul. Im 13. Jahrhundert zerstörten jedoch die Mongolen alle diese Siedlungen  und erst im 19. Jahrhundert wurden Menschen hier wieder seßhaft.</p>
<p style="text-align: justify">1825 ließ ein Armeeanführer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand">Khanats von Kokand</a>, einer Stadt im Ferganatal, namens Ljaschkor Kumbeli im Stadtgebiet des heutigen Bischkek eine Festung aus Lehmziegel errichten. Der damalige Khan Muhammad Ali (Madali Khan) wollte damit die Bewegungen von Nomaden und Reisenden kontrollieren und Steuern von vorbeiziehenden Karawanen eintreiben. Die Mauern der Festung waren zehn Meter dick und fünf Meter hoch. In der Nähe entwickelte sich schnell eine Siedlung, in der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits etwa Tausend Menschen lebten. Die Kokander nannten die Festung „Pischpek“, nach einem Quirl für die Herstellung von Kymys, vergorener Stutenmilch.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Aufstand unter Baitik Baatyr</strong><br />
1860 lehnte sich ein lokaler kirgisischer Stamm gegen die Kokandische Herrschaft auf und eroberte mit Hilfe russischer Truppen die Festung, die Kokander konnte diese jedoch wenig später zurückerobern. 1862 kam es zu einem weiteren Aufstand unter Führung von Baitik Kanai uluu (Baitik Baatyr). Er bat wiederum russische Truppen aus dem nahegelegenen Werny (heute Almaty in Kasachstan) um Hilfe. Daraufhin kam eine Einheit mit 1400 Soldaten und Artillerie unter General <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D0%BB%D0%BF%D0%B0%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9,_%D0%93%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BC_%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87">Gerassim Kolpakowski</a> nach Pischpek und belagerte die Festung. Am 24. Oktober ergaben sich die Kokander und die kirgisischen Aufständischen zerstörten aus Rache die Festung.</p>
<p style="text-align: justify">Noch heute kann man nördlich des Stadtzentrums an der Straße Kusnetschnaja Krepost (Schmiedefestung) Reste der alten Festung besuchen.</p>
<p><figure id="attachment_13665" aria-describedby="caption-attachment-13665" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-13665" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o-1024x768.jpg" alt="Geschichte, Bischkek, Ruinen" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o-800x600.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o-1300x975.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/31957828_10215512467902966_506733882398212096_o.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-13665" class="wp-caption-text">Reste der Festung Pischpek nördlich des Bischkeker Stadtzentrums.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-festung-pischpek-spaziergang-in-die-vergangenheit-bischkeks/">Die Festung Pischpek: Spaziergang in die Vergangenheit Bischkeks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Pischpek wird Bezirkshauptstadt</strong><br />
Die russischen Soldaten blieben im Tschüi-Tal und errichteten 1864 einen Militärstützpunkt in der Nähe der zerstörten Festung. Die Region wurde nun Teil des Oblasts <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenstromland">Semiretschje</a> (Siebenstromland) mit Hauptstadt in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Werny</a> und gehörte zum Bezirk von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tokmok">Tokmok</a>, 60 Kilometer östlich. Tokmok war eine weitere ehemalige Kokandische Festung, die von russischen Truppen erobert und zerstört worden war.</p>
<p style="text-align: justify">Tokmok wurde mehrmals von durch Schneeschmelze verursachten Überschwemmungen des Tschüi beschädigt. Daher plante die Verwaltung des Oblasts, die Administration für das Gebiet zwischen Tschüi und Tian Schan Gebirge nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balyktschy">Balyktschy</a> am Westufer des Issikköl-Sees zu verlegen. Nachdem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generalgouvernement_Turkestan">Gouverneur-General</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Petrowitsch_von_Kaufmann">Konstantin von Kaufman</a> die Region 1870 besucht hatte, beschloss er aber, stattdessen Pischpek zur Bezirkshauptstadt zu machen. Alle Institutionen und Verwaltungsbeamten zogen daraufhin an den Ort an den Ufern von Ala-Artscha und Alamedin.</p>
<p style="text-align: justify">Der Ort begann sich schnell zu entwickeln. 1871 entwickelten Planer des russischen Militärs einen Stadtplan, der bereits das rechtwinklige Straßenraster vorsah, welches noch heute das Zentrum prägt. Viele dieser Straßen trugen die Namen ihrer wichtigsten Gebäude, so gab es die Straßen „Kaserne“, „Krankenhaus“, „Kirche“, „Friedhof“. Andere wurden nach den Nationalitäten oder Berufen ihrer Bewohner benannt, zum Beispiel die Straßen „Tatar“, „Dungane“, „Bürger“ oder „Kaufmann“ genannt. Wieder andere nach den Orten, zu denen sie führten, zum Beispiel gab es die Straßen „Taschkent“, „Werny“ und „Sokuluk“. Nach der Revolution 1917 und der kirgisischen Unabhängigkeit 1991 wurden die meisten dieser Straßen umbenannt. Diese <a href="http://mapping.ikit.kg/index.html">Webseite </a>zeigt historische Fotografien aus der Geschichte der Stadt.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/fotoreportage-wie-kirgistan-sowjetisch-wurde/">Fotoreportage: Wie Kirgistan sowjetisch wurde</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Obwohl die Verwaltung nun in Pischpek saß, nannte man den Bezirk immer noch &#8222;Tokmok&#8220;. Erst am 29. April 1878 verlieh Gerassim Kolpakowski, mittlerweile zum Militärgouverneur des Oblasts Semiretschje aufgestiegen, Pischpek offiziell den Status einer Bezirkshauptstadt. Dieser Beschluss markierte den Beginn der Entwicklung des Ortes zur ersten Stadt europäischer Art auf dem Gebiet der heutigen Republik Kirgistan und wird heute als der &#8222;Geburtstag&#8220; der Stadt gefeiert.</p>
<p><strong>Mit Informationen von <a href="http://www.meria.kg/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=62&amp;Itemid=333&amp;lang=kg">meria.kg</a>, <a href="http://tourkg.com/2013/04/istoriya-bishkeka-4.html/">tourkg.com</a> und <a href="http://cda.kg/en/news/63-istorichieskaia-karta-ghoroda-bishkiek/">cda.kg</a> sowie aus dem <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-reise-durch-die-architekturgeschichte-der-kirgisischen-hauptstadt/">Architekturführer</a> Bischkek von Henning Hraban Ramm und Benedikt Viertelhaus.</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Anastasia Shevtsova</strong><br />
<strong>Journalistin für Novastan.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Folke Eikmeier</strong><br />
<strong>Chefredakteur in Bischkek</strong></p>
<p>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">LinkedIn</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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		<title>Baumwolle in Usbekistan vom Sezessionskrieg bis heute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[caanetwork]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Dec 2017 17:48:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Baumwolle]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Russisches Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit der Sowjetunion ist Usbekistans Wirtschaft abh&#xE4;ngig von der Baumwollproduktion. Die massive Auswanderung und wirtschaftliche Schw&#xE4;che zeugen von den Schwierigkeiten des Landes, sich von dieser Monokultur zu l&#xF6;sen. Folgende Analyse vom Central-Asian Analytical Network &#xFC;bersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Als das Artilleriefeuer am 12. April 1861 auf Fort Summer erschallte, kennzeichnete es nicht [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Seit der Sowjetunion ist Usbekistans Wirtschaft abhängig von der Baumwollproduktion. Die massive Auswanderung und wirtschaftliche Schwäche zeugen von den Schwierigkeiten des Landes, sich von dieser Monokultur zu lösen. Folgende Analyse vom <a href="http://caa-network.org/archives/7649#_ftn5">Central-Asian Analytical Network</a> übersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Als das Artilleriefeuer am 12. April 1861 auf Fort Summer erschallte, kennzeichnete es nicht bloß den Anfang des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg">amerikanischen Bürgerkriegs</a>, sondern setzte auch große Umwälzungen in der weltweiten Baumwollindustrie in Gang. Der amerikanische Baumwollexport, der sich damals zu 80% auf Großbritannien beschränkte, kam zum erliegen. Die Preise schossen in die Höhe und an allen Enden der Erde, von Australien bis nach Indien und Ägypten, stürzten die Produzenten sich auf die Baumwollfelder und vernachlässigten dabei jegliches Getreide und übrige Anbaukulturen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Baumwolle war, neben geopolitischem Kalkül, einer der Gründe für die Expansionspolitik des russischen Reiches nach Zentralasien. Die Nachfrage im Textilbereich stieg in Russland seit 1860 enorm, weshalb die Großmacht nach neuen Baumwollressourcen zur Befriedigung des heimischen Textilmarktes strebte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zentralasien als Zentrum des Baumwollanbaus für Russland</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ende des 19. Jh. brachten der Preisanstieg der amerikanischen Baumwolle, sowie der erschwerte Transport Russland dazu, selbst in die Baumwollproduktion in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkestan">Turkestan</a> einzusteigen. Russland strebte danach, die Region zum Baumwollzentrum für das gesamte Russische Reich zu berufen:</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Der Norden und Nordosten (Kasachstan und Kirgistan), wo die Klimabedingungen keinen Baumwollanbau erlaubten und die Bevölkerung einen nomadischen Lebensstil pflegte, wurden als Land für die Bauern-Siedler festgelegt, die aus dem Osten Russlands und der Ukraine kamen. Der Süden hingegen, der eine sesshafte Bevölkerung beheimatete, wurde als Zentrum des Baumwollanbaus ernannt, um dem Bedarf der russischen Textilindustrie gerecht zu werden,“</em> <a href="http://www.centrasia.ru/news2.php?st=1210739760">beschreibt</a> der Historiker <a href="http://historick.ru/">Wjacheslav Baklanow</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Nichtsdestotrotz war Zentralasien nicht in der Lage, den gesamten Bedarf der russischen Textilindustrie zu decken, auch weil <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Chiwa">Chiwa</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Buchara</a> noch nicht ganz vom Russischen Reich einverleibt worden waren. Diese beiden Khanate (vergleichbar mit europäischen Fürstentümern &#8211; Anm. d. Red.) besaßen eine fast grenzenlose Selbstbestimmung, obwohl sie zu Russland gehörten. Aus diesem Grund war Russland weiterhin gezwungen, amerikanische Baumwolle zu kaufen. Insgesamt wurden 60% des Bedarfs importiert. 1910 wurde erstmals in Betracht gezogen, Buchara und Chiwa als tatsächliche Kolonien zu unterwerfen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der erste Weltkrieg und seine Bremswirkung auf russische Bestrebungen  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Vor allem die russische Presse forderte dazu auf, sich dem  französischen Kolonialismus in Tunesien anzupassen. In einem Artikel etwa <a href="http://historick.ru/view_post.php?id=190&amp;cat=15">heißt es</a> „<em>ein europäischer Staat wie Russland muss sich ein Beispiel an Frankreichs Umgang mit Tunesien nehmen und dieses asiatische Barbarenvolk regieren“, </em>sowie seinen eigenen Vorteil aus dem Potential der Fürstentümer ziehen um die Baumwollfelder zu erweitern. Dieses Vorgehen <em>„wird dem russischen Baumwollmarkt helfen, sich von der amerikanischen Abhängigkeit zu befreien“</em> schreibt Baklanow ins seiner Studie über Turkestan.</p>
<p style="text-align: justify">Der Eintritt Russlands in den ersten Weltkrieg verdrängte allerdings seine Annektierungsbestrebungen. Und so vermochte es Turkestan weiterhin nicht die Unabhängigkeit Russlands von amerikanischer Baumwolle zu sichern- bis zur Revolution. Erst Anfang der 1930er Jahre, nach dem Sieg über die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Basmatschi">Basmatschi</a> (also nach der definitiven Eroberung Zentralasiens), erlangte Russland, das mittlerweile zur Sowjetunion umbenannt worden war, eine vollständige Unabhängigkeit in der Baumwollproduktion.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die wirtschaftliche Unabhängigkeit- der neue sowjetische Gral </strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die neue russische Autorität, die Bolschewiken, und insbesondere „<em>Lenin maßen der Entwicklung der Baumwollindustrie eine beachtliche Bedeutung zu, indem sie den wirtschaftlichen Wert dieses Industriezweigs auf Augenhöhe mit jenem der Kohle aus dem Donezk und  dem Erdöl aus Baku stellten, und die Erreichung der Unabhängigkeit der Baumwolle für die Sowjetunion als eine der Hauptvoraussetzungen für den Erfolg einer sozialistischen Gesellschaft nannten,“ </em>erklärt Asada Chakimowa in <a href="http://www.dissercat.com/content/rol-sovetov-uzbekistana-v-borbe-za-obespechenie-khlopkovoi-nezavisimosti-sssr-i-za-dalneishe">ihrem Werk</a> über die Rolle des usbekischen Rats in der Erreichung der Unabhängigkeit.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-sowjetische-geschichte-zentralasiens-12/">Die sowjetische Geschichte Zentralasiens</a></strong><em> </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Eine vollständige technologische und wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes wurde zu einem Hauptelement in Lenins Plan für die Umgestaltung des Sozialismus der UdSSR&#8230;Im Bewusstsein über die Bedeutung der Baumwollindustrie für das eigene Wirtschaftswachstum erarbeiteten die kommunistische Partei und die Sowjetunion ein komplexes Wiederaufbauprogramm dieses nationalen Wirtschaftszweigs für den Zeitraum von 1928 bis 1932. In der Umsetzung dieses Programms spielte Usbekistan als Baumwollzentrum der UdSSR eine besondere Rolle“</em>, so die Historikerin.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Usbekistan als Hauptbaumwollzentrum der UdSSR</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die 1942 entstandene Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik (UsSSR) wurde zum Hauptbaumwollzentrum der Sowjetunion umgestaltet und sollte von nun an die Unabhängigkeit des Landes im Baumwollsektor garantieren.</p>
<p><figure id="attachment_11903" aria-describedby="caption-attachment-11903" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11903 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/16671686389_c983aea85c_o.jpg" alt="Sprungbrunnen Baumwollknospe Taschkent Usbekistan" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/16671686389_c983aea85c_o.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/16671686389_c983aea85c_o-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/16671686389_c983aea85c_o-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/16671686389_c983aea85c_o-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11903" class="wp-caption-text">Ein Springbrunnen in Form einer Baumwollknospe in der usbekischen Hauptstadt Taschkent</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Ab 1938 wurde mit dem Bau von Bewässerungskanälen für die Baumwollplantagen begonnen, an dem sich sowohl Stadtbewohner wie auch Landbewohner beteiligten. Die Arbeitsweise orientierte sich dabei an nationale Bauarbeiten wie dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Ferghanakanal">Großen Ferghanakanal</a>,  den nördlichen und südlichen Kanälen in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferghana</a>, sowie jenen in Taschkent, dem Kanal von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serafschan">Serafschan</a>, dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakumkanal">Karakumkanal</a>, dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kattaqo%CA%BBrg%CA%BBon">Kattakörgon</a> Reservoir und vielen weiteren. Es wurden außerdem Entwässerungskanäle neu gebaut oder renoviert, sodass der Zustand vieler Sumpfgebiete sich verbesserte.</p>
<p style="text-align: justify">So kam es während der gesamten Zeit der Sowjetunion zu Entwässerungsarbeiten im großen Stil. Dank des breit angelegten Kanalnetzes wurden weite Wüstenflächen Usbekistans in landwirtschaftliche Böden umgewandelt und riesige neue Baumwollregionen entstanden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Baumwollindustrie als Motor der Industrialisierung</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Entwicklung der Baumwollindustrie zog auch den Aufschwung der technischen Industrie und den Bau von Infrastruktur in Usbekistan mit sich. Neue Industrieunternehmen entstanden während dieser Zeit, die landwirtschaftliche Produkte, und Maschinen zur Primärverarbeitung oder zur Ernte von Baumwolle produzierten, darunter Sämaschinen, industrielle Spinnmaschinen sowie Fabriken zur Erarbeitung von chemischem Dünger. Für Usbekistan markierte die Zeit den Beginn einer industriellen Ära, denn der Ertrag aus den Baumwollfeldern war enorm.</p>
<p style="text-align: justify">So wandelte sich das Land in eine Baumwollmacht und wurde zu einem wichtigen Zentrum der sowjetischen Baumwollmanufaktur.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Aralsee- Opfer der industriellen Entwicklung der Baumwollbranche</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Aufgrund der einseitigen Aufmerksamkeit, die man der Baumwollwirtschaft schenkte, fingen die schädlichen Nebenwirkung mit der Zeit an, das Land zu belasten.</p>
<p style="text-align: justify">Diese ungewollten Konsequenzen hatten sowohl ökologische, wie auch sozio-ökonomische Folgen. Die berühmtesten Opfer des usbekischen Baumwollanbaus sind der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsee</a>, die von Pestiziden verseuchten Böden und von Krankheit befallenen Menschen aufgrund der Pflanzengifte und anderer chemischer Produkte und aufgrund des Einsickerns von Salzeinlagen in der Luft, die sich am Grund des ausgetrockneten Meeresbodens gesammelt haben.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-vielen-gesichter-des-aralsees/">Gesichter des Aralsees</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die ineffiziente Bewässerung und exzessive Nutzung von Wasserressourcen führten zur Austrocknung des Aralsees, der einst der viertgrößte See des Welt war und nun zu einer der größten Umweltkatastrophen der heutigen Zeit verkümmert ist.</p>
<p><figure id="attachment_6747" aria-describedby="caption-attachment-6747" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6747 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/aral1.jpg" alt="Die Wüste hat den See ersetzt" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/aral1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/aral1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/aral1-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/aral1-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-6747" class="wp-caption-text">Die Wüste hat den Aralsee ersetzt</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dieser Politik entpuppten sich als weitaus gravierender wie anfänglich gedacht und markierten das Schicksal der Usbeken auch nach der erlangten Unabhängigkeit. Das Land stand nun vor riesigen sozioökonomischen Herausforderungen, viele davon ein sowjetisches Erbe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wirtschaft ohne verarbeitende Industrie</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Usbekische Wirtschaft wurde zur Monokultur und basierte sich fast ausschließlich auf den Baumwollanbau. Laut Statistiken aus den 1980ern machte dieser Industriezweig mehr als 65% der usbekischen Gesamtproduktion aus. Doch weniger als 10% der produzierten Baumwolle wurde in Usbekistan auch verarbeitet. Der Großteil wurde nach Russland exportiert, wo die Leichtindustrie hauptsächlich angesiedelt war.</p>
<p style="text-align: justify">Zur Zeit der UdSSR gab es in der Teilrepublik Usbekistan weder eine Leicht- noch eine Schwerindustrie, mit Ausnahme der Landwirtschaftsmaschinen für die Ernte der Baumwolle und einiger weniger großer Industriekomplexe, wie die <em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tashkent_Mechanical_Plant">Tashkent Aviation Production Association</a></em>, die man in den Jahren 1941/42 von Russland und der Ukraine umsiedeln musste.</p>
<p style="text-align: justify">Der Grund dafür, war der Eintritt der Sowjetunion in den 2. Weltkrieg, ohne den die Autoritäten nie auf die Idee gekommen wären, eine Fabrik der Luftfahrtindustrie in eine so abgeschiedene Region zu installieren. Die UdSSR betrachtete Usbekistan als einen einfachen Baumwolllieferanten, der nur brauchte, was für die Ernte nötig war: Dünger und Traktoren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Niedrige Lebensstandards</strong></p>
<p style="text-align: justify">Allerdings war die Baumwolle nicht das einzig exportierte Gut aus Usbekistan. <em>„Fast 50% der jährlichen Goldförderung der Sowjetunion stammte aus Usbekistan. Trotzdem behielt die Teilrepublik nur 1% des Werts dieser Produktion ein“, </em>schreibt Baklanow.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Diese ausbeuterische Vorgehensweise nahm kolonialistische Züge an und widerspiegelte nicht den Geist der Gerechtigkeit, Freundschaft und Brüderlichkeit, in dem sich die UdSSR sah, und auch kaum eine sozialistische Kooperation. Gold, seltene Nichteisenmetalle, Uranium und andere strategische Ressourcen wurden mitten in der Nacht unter großer Verschleierung aus der Republik abtransportiert, fast so wie bei einem Raub“, </em>heißt es weiter.</p>
<p style="text-align: justify"><em>Es wurde nicht als nötig befunden, die lokalen Parteiableger und usbekischen Autoritäten darüber zu informieren. Diese nationale Politik des „Leninismus“ führte dazu, dass  Usbekistan, trotz seiner Vielfalt an Bodenschätzen, zu einer der ärmsten Republiken der Sowjetunion verkümmerte.  Der durchschnittliche Lebensstandard erreichte das niedrigste Niveau der gesamten UdSSR. Das Einkommen pro Einwohner war zwei Mal niedriger, wie der Durchschnitt der Sowjetunion: Allgemein betrug das Durchschnittseinkommen 2118 Rubel. In Usbekistan lag es bei 1093 Rubel. Nur Tadschikistan wies ein noch geringeres Einkommen (948 Rubel) auf“,</em> erklärt der Historiker.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abhängigkeit des Getreideanbaus</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Aufgrund der Vernachlässigung anderer traditioneller Anbaukulturen zugunsten der Baumwolle, verschlechterte sich die Agrarwirtschaft Usbekistans weiter. Das Land war somit fast vollständig Abhängig von Getreide- und Brotlieferungen aus Russland und anderen traditionellen Getreideanbaugebieten der Region.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Kahramon Jakubow, dem ehemaligen Vizeminister für Landwirtschaft der UsSSR, war Usbekistan während der Sowjetzeit gezwungen <em>„aufgrund des Ungleichgewichts Grundnahrungsmittel aus anderen Teilrepubliken oder dem Ausland zu importieren – Weizen, Kartoffel, Fleisch, Milchprodukte, Eier und Zucker. Aus irgendeinem Grund herrschte damals die Meinung, Usbekistan würde für seine Baumwolle ausreichend kompensiert. Das ist ein Mythos. Sicherlich, Taschkent und andere Mono-industriellen Städte wie </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Navoiy"><em>Nawoj</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olmaliq"><em>Olmalik</em></a><em> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chirchiq">Tschirtschik</a>, profitierten vom sogenannten „Schutz der Union“; was allerdings die Lebensmittel anging, so lebte das restliche Land in absoluter Armut, und die Personalleistungen reichten nicht aus um die Situation im Land auszugleichen.“</em> Das hohe Bevölkerungswachstum in urbanen Lebensräumen verstärkte die Probleme zusätzlich.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die heutige Arbeitsmigraion als Resultat sowjetischer Baumwollkultur</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Selbst das Phänomen der Arbeitsmigration, heute vielfach mit Usbekistan assoziiert, ist auf die Politik der Sowjetunion und ihrer Baumwollkultur in der damaligen Teilrepublik zurückzuführen. Heute hat sich der schlechte Ruf Usbekistans verfestigt, nicht allerdings das Bewusstsein darüber, dass der Überschuss an Arbeitskräften, der seit der Unabhängigkeit stetig gewachsen ist, ein Erbe der Sowjetunion ist.  Zweifelsfrei liegt ein Teil des Problems an den Fehlern der UdSSR bei der Gestaltung ihres politischen Demografie-Entwurfs.</p>
<p><figure id="attachment_11904" aria-describedby="caption-attachment-11904" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11904 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/33414230622_193fe4148a_k.jpg" alt="Arbeiter bei der Baumwollernte in Usbekistan" width="1024" height="686" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/33414230622_193fe4148a_k.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/33414230622_193fe4148a_k-300x201.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/33414230622_193fe4148a_k-768x515.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/33414230622_193fe4148a_k-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11904" class="wp-caption-text">Arbeiter bei der Baumwollernte in Usbekistan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auch in der Urbanisierung lag Usbekistan gegenüber den anderen Teilrepubliken der Sowjetunion zurück. Die Urbanisierungsprozesse des Landes wurden durch eine gezielte Förderung der Nachfrage an Arbeitskräften mit Absicht verlangsamt, um die Spezialisierung Usbekistans im Baumwollanbau zu sichern. Aus diesem Grund siedelte sich die Bevölkerung in ruralen Zonen an, aus denen aufgrund der Monokultur der Baumwolle für Jahre das Haupteinkommen geschöpft wurde.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine baumwollbedingte Demographie </strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Bevölkerungswachstum der Sowjetischen Republik Usbekistan hing unzertrennlich mit dem Bruttoanstieg und der Flächenerweiterung der Baumwolle zusammen. Ab 1960 beschleunigte sich die Baumwollproduktion und erreichte ihren Höhepunkt in den 1980ern. Während dieser Zeit hat sich die usbekische Bevölkerung, von 8 Millionen Einwohnern in den 60ern zu 19 Millionen im Jahr 1987, mehr als verdoppelt.</p>
<p style="text-align: justify">Somit setzte während der Sowjetära ein Prozess ein, der dazu führte, dass die Bevölkerung schneller wuchs, als die nun vermehrt nötigen Ressourcen für deren Grundversorgung. Im Jahr 1991 hatte die Bevölkerung die 20 Millionen Grenze bereits erreicht.</p>
<p><figure id="attachment_6155" aria-describedby="caption-attachment-6155" style="width: 940px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6155 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/2015-10-14.jpg" alt="Rang Usbekistan Baumwolle Ernte Fact" width="940" height="788" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/2015-10-14.jpg 940w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/2015-10-14-300x251.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/2015-10-14-768x644.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /><figcaption id="caption-attachment-6155" class="wp-caption-text">Usbekistan ist weltweit vierter Baumwollproduzent</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt noch einen wichtigen Faktor. 1989 lebte ein Großteil der usbekischen Bevölkerung im ländlichen Raum, während 74% der Russen in Städten lebte. Während der Sowjetzeit, waren die Lebensstandards in den Städten deutlich höher als auf dem Land. Jene Teilrepubliken, die einen höheren Anteil an Stadtbewohnern besaßen, profitierten daher von einer besseren materiellen Absicherung sowie einem höheren Bildungsniveau. In Usbekistan allerdings war der Urbanisierungsanteil gering, und dementsprechend niedrig auch Modernisierung und Wohlstand.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zentralistische Baumwollpolitik</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die soziodemografischen Schwierigkeiten verschlimmerten sich und zogen weitere Probleme mit sich. Ende der 1980er Jahre erstarkten in den Teilrepubliken Zentralasiens und insbesondere in einer Reihe von besonders dicht besiedelten Regionen Usbekistans, Tadschikistans und Kirgistans Religiosität und Nationalismus. Die willkürliche Ansiedlung eines Teils der Bevölkerung in der abgelegenen Peripherie und deren beschränkte Kenntnisse in der Landnutzung führten zu Intoleranz und dem Wunsch, einen islamischen Staat zu gründen, um sich aus dieser Situation zu befreien.</p>
<p style="text-align: justify">Diese Umstände ebneten bereits während der Sowjetunion den Weg für die Entstehung einer armen und weniger gebildeten Bevölkerungsschicht in Usbekistan, die sich stärker mit Traditionen identifiziert. Dadurch wurde Usbekistan die Möglichkeit einer gebildeten und auf bestimmte Bereiche spezialisierten Personalentwicklung entbehrt. Der Baumwollsektor hängt somit untrennbar mit der Entwicklung aller anderen Agrarzweige sowie mit dem Aufschwung von Kultur und Wohlstand in Usbekistan zusammen. Allgemein assoziiert man die Omnipräsenz der Baumwolle in der usbekischen Gesellschaft mit dem Begriff <em>Baumwollpolitik</em>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Zwang zum Ländlichen </strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der UdSSR sicherzustellen, schafften die sowjetischen Autoritäten willkürlich ein Monopol der Baumwolle in Zentralasien. Der Anbau von Baumwolle verlangt einen größeren Arbeitsumfang, wie etwa der Getreideanbau, wodurch die zentralasiatische Bevölkerung mit allen Mitteln gezwungen wurde, in ländlichen Gebieten zu bleiben“, </em>beschreibt der Zentralasienforscher Sergej Abaschin.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die gesamte zentralasiatische Industrie und die urbane Kultur sind das Resultat der Zwangsumsiedlungen seit die europäischen Seite der Sowjetunion sich allmählich von der Landwirtschaft befreite“,</em> erklärt er weiter.</p>
<p><figure id="attachment_11905" aria-describedby="caption-attachment-11905" style="width: 768px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11905 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/IMG_0786.jpg" alt="Ein Weg in Parkent, in der Nähe von Taschkent" width="768" height="1024" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/IMG_0786.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/IMG_0786-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/IMG_0786-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption id="caption-attachment-11905" class="wp-caption-text">Ein Weg in Parkent, in der Nähe von Taschkent</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Anders gesagt, der Staat förderte den Fortbestand einer „bäuerlichen“ Gruppe und eine Umwandlung einer anderen „bäuerlichen“ Gruppe in eine „industrielle“ Gruppe. Diese Situation wird heute als Indikator „ethnischer“ Unterschiede betrachtet, allerdings entstand er nicht vor dem 20. Jh., sondern zwischen 1940 und 1970.  Zu exakt dieser Zeit entstanden die jeweiligen nationalen oder ethnischen Stereotypen, während „traditionelle“ oder „moderne“ Mentalitäten als ökonomische Strategien angesehen werden können“, </em>so Abaschin.<em> </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Usbeken, Tadschiken und andere Völker Zentralasiens sind „altmodisch“, „traditionell“, tendieren zum „Kollektivismus“ und sind der Natur sehr nahe. Allgemein verkörpern sie dieselben Charakteristika, die während der 1920er und 1930er den Russen und Ukrainern, sowie am Ende des vorherigen Jahrhunderts den Franzosen und Deutschen zugeschrieben werden können</em>“, beschreibt der Historiker.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Versteckte Arbeitslosigkeit unter UdSSR-Zeiten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Autor beschreibt eine Zeit, in der bereits währen der Sowjet Ära viele Landarbeiter in Arbeitslosigkeit lebten: „<em>Laut Angaben des Landesrates von Mindon, einer usbekischen Ortschaft im Ferghanatal, zählte die Gemeinschaft Anfang 1991 etwa 11.000 Personen, wovon mehr oder weniger 5.000 als beschäftigt galten. 2.500 Personen arbeiteten auf der Kolchose (landwirtschaftlicher Großbetrieb- Anm. d. Red.), also genau die Hälfte jener Beschäftigten. Rund 2.000 Mitarbeiter der Kolchose  waren Mitglieder der Baumwollbrigaden, d.h. sie arbeiteten direkt in der Landwirtschaftlichen Produktion. Die 500 restlichen Personen wurden als technisches Personal in der Verwaltung eingesetzt, oder als Kinderbetreuer und ähnlichem“.</em><em> </em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-die-unterschtzte-landflucht/">Usbekistan – die unterschätzte Landflucht</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Das Erstaunlichste daran ist, dass von den 2.000 Mitgliedern der Baumwollbrigaden, nur 60 Arbeiter mehr als 300 Tage im Jahr arbeiteten, die anderen waren alle geringer beschäftigt. Zum Beispiel arbeiteten 600 davon weniger als 50 Tage im Jahr. Eine überwältigende Mehrheit der Kolchosen-Arbeiter waren nicht mehr als zwei bis drei Jahre in der Baumwollproduktion beschäftigt. Die restliche Zeit arbeiteten diese „Landwirtschaftskräfte“ entweder gar nicht, teilweise als Putzkraft oder inoffiziell in anderen Sektoren außerhalb der Landwirtschaft“</em>, beschreibt der Forscher.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Unabhängigkeit und das Ende der Illusion</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Es gibt natürliche Grenzen im Wachstum landwirtschaftlicher Produktion. Noch Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Mindon für jeden Haushalt um die fünf bis sechs  Hektar Anbaufläche. Anfang der 1990er waren es pro Haushalt weniger als ein Hektar, inklusive Privatgrundstücke wie jene der Kolkhosen Arbeiter“,</em> erklärt Abaschin den Grund für die Entstehung von Arbeitsmigration.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Auch wenn man den Anstieg der Umsätze pro Anbaugebiet miteinberechnet, wird ersichtlich, dass sich der aus der Landwirtschaft gezogene Nutzen in den letzten Jahren schrittweise verringert hat. Das bedeutet, die Bevölkerung ist darauf angewiesen, über Mindon hinaus Arbeit zu finden. Die Überbevölkerung in den Landwirtschaftsgebieten hat eine kritische Hürde erreicht und die einheimische Bevölkerung Zentralasiens verlässt nach und nach den Landwirtschaftssektor zugunsten anderer wirtschaftlicher Bereiche. Das ist ein entscheidender Faktor, der die Migrationsprozesse der zentralasiatischen Bevölkerung nach Russland in Gang gesetzt hat“,</em> beschreibt der Forscher.</p>
<p><figure id="attachment_11906" aria-describedby="caption-attachment-11906" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11906 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/6490991793_ab71345699_z.jpg" alt="Ein junger Usbeke im Dorf Ajaktschi" width="640" height="426" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/6490991793_ab71345699_z.jpg 640w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/6490991793_ab71345699_z-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/6490991793_ab71345699_z-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-11906" class="wp-caption-text">Ein junger Usbeke im Dorf Ajaktschi</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die sozio-ökonomischen, demografischen, kulturellen und arbeitsmarktbezogenen Probleme von Heute hängen zum Großteil mit der sowjetischen Transformationspolitik Usbekistans in eine Monoindustrie zusammen. Diese zu lösen ist nicht einfach und bedarf enormer Anstrengungen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Zukunft der Baumwollkultur hängt von der Energie ab</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Um die Konsequenzen wieder gut zu machen und zur Liste der entwickelten Länder aufzuschließen, muss Usbekistan langfristig denken und verstärkt auf Modernisierung und Urbanisierung des Landes setzten. Außerdem ist es wichtig, sich auf erneuerbare Energien zu stützen, um so die Abhängigkeit von traditionellen Energiequellen wie Kohle und Gas zu reduzieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/goldene-zeiten-fur-das-weie-gold-in-usbekistan/">Goldene Zeiten für das „weiße Gold“ in Usbekistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Zur Hälfte des 21. Jahrhunderts werden die Rohstoffvorkommen der zentralasiatischen Republik, die während der Sowjetära entdeckt wurden, aufgebraucht sein. Die Zukunft der Baumwollindustrie ist ebenso ungewiss. Nach Erlangung seiner Unabhängigkeit verringerte Usbekistan die Baumwollproduktion, um Jene im Lebensmittelbereich wiederzubeleben und somit die Grundnahrungsmittel für die Bevölkerung sicher zu stellen. Nichtsdestotrotz könnte die Entwicklung der Baumwollkultur und Landwirtschaft in Zukunft auf unvorhersehbare Schwierigkeiten stoßen, etwa durch die Umsetzung hydroelektrischer Projekte der Nachbarländer.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Auf dem Weg zu erneuerbaren Energien?</strong><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Von diesem Standpunkt aus wäre Usbekistan besser darin beraten, auf erneuerbare Energien zu setzen. In Deutschland zum Beispiel wird 8% der Elektrischen Energie aus Windparks und 5% der Energie aus Solaranlagen gewonnen. Der Anteil erneuerbarer Energien in der Herstellung elektrischer Energie ist für Deutschland zwar noch nicht stark entwickelt, allerdings ist der Elektrizitätsverbrauch in Usbekistan zehn mal geringer, wie jener im hyper-industrialisierten Deutschland. Dies macht nochmal die Rolle deutlich, die erneuerbare Energien in der zentralasiatischen Republik spielen könnten.</p>
<p style="text-align: justify">Das Land muss außerdem auf eine weitere unerschöpfliche Ressource setzten: Das menschliche Kapital. Usbekistan muss lernen, wie es seine Bewohner fördern kann, um ihr Potential zu verbessern, ihren Ertrag, ihr Wissen und ihre Kompetenzen damit sie zum Hauptfaktor seiner Entwicklung werden können.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Nurali Mingbajew<br />
</strong><a href="http://caa-network.org/archives/7649#_ftn5"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong> </strong><strong>Aus dem Russischen von Julia Tappeiner</strong></p>
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		<title>Das Gök-Tepe Massaker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 May 2017 11:40:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fact]]></category>
		<category><![CDATA[CAFacts3]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gök Tepe]]></category>
		<category><![CDATA[Russisches Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Massaker er Tekke-Turkmenen war ein Rachefeldzug f&#xFC;r die &#xFC;berraschende Niederlage der&#xA0; Russischen Armee in G&#xF6;k-Tepe zwei Jahre zuvor.&#xA0; Quelle: J&#xFC;rgen Paul, 2012: &#x201E;Zentralasien&#x201C;, Neue Fischer Weltgeschichte, Band 10 Mehr Facts hier.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><span>Das Massaker er Tekke-Turkmenen war ein Rachefeldzug für die überraschende Niederlage der  Russischen Armee in Gök-Tepe zwei Jahre zuvor.  </span></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Quelle</strong>: <span>Jürgen Paul, 2012: </span><span>„Zentralasien“, <em>Neue Fischer Weltgeschichte</em>, Band 10 </span></p>
<p style="text-align: justify">Mehr Facts <a href="https://novastan.org/de/fact/">hier</a>.</p>
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		<title>Transkaspische Eisenbahn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Dec 2015 13:24:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fact]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Damals noch Infrastruktur aus dem Zarenreich. Sp&#xE4;ter hinterlie&#xDF; die Sowjetunion ihre Spuren in der Region.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Damals noch Infrastruktur aus dem Zarenreich. Später hinterließ die Sowjetunion <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-sowjetische-zentralasien/">ihre Spuren</a> in der Region.</p>
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