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	<title>Rückblick Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Rückblick Archives</title>
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		<title>Vom Bürgerkrieg zum Touristenziel: Imagewechsel von Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Nov 2021 17:37:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tadschikistan feierte im September sein 30-j&#xE4;hriges Bestehen als unabh&#xE4;ngiger Staat. Asia Plus ver&#xF6;ffentlichte am 10. September 2021 eine Chronik &#xFC;ber den Image-Wechsel, den das Land in dieser Zeit erfahren hat. Laut Regierungsbef&#xFC;rwortern hat sich Tadschikistan in den letzten 30 Jahren von einem vom Krieg zerrissenen Land in einen stabilen, sich entwickelnden Staat verwandelt. Kritische Stimmen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tadschikistan feierte im September sein 30-jähriges Bestehen als unabhängiger Staat. <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/20210910/kak-menyalsya-imidzh-tadzhikistana-v-mirovih-smi-ot-razdiraemoi-voinoi-i-korruptsiei-strani-k-turisticheskoi">Asia Plus</a> veröffentlichte am 10. September 2021 eine Chronik über den Image-Wechsel, den das Land in dieser Zeit erfahren hat.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Regierungsbefürwortern hat sich Tadschikistan in den letzten 30 Jahren von einem vom Krieg zerrissenen Land in einen stabilen, sich entwickelnden Staat verwandelt. Kritische Stimmen weisen allerdings darauf hin, das Land habe zwar den Bürgerkrieg hinter sich gelassen und Frieden und Stabilität erreicht, habe aber mit vielen anderen Problemen zu kämpfen, die nicht weniger gefährlich sind. Dazu gehören die Monopolisierung von Wirtschaft und Politik sowie die endemische Korruption in allen Bereichen. Dennoch hat Tadschikistan in den 30 Jahren seiner Unabhängigkeit viel erreicht und sich von einem Neuling auf der politischen Landkarte in einen aktiven Staat entwickelt, dessen Initiativen auf der Weltbühne teils sogar unterstützt werden. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Auch das Bild Tadschikistans in den weltweiten Medien hat sich stark verändert. In diesem Artikel wollen wir versuchen, kurz darzustellen, wie die internationalen Medien das Bild Tadschikistans in den 30 Jahren seiner Unabhängigkeit geprägt haben.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Krieg und fundamentalistische Islamisten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> In den 1990er Jahren, als sich Tadschikistan aus der Sowjetunion löste und seine Unabhängigkeit erlangte, bestimmte schnell der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_B%C3%BCrgerkrieg">Bürgerkrieg</a> internationale Schlagzeilen. Der am meisten verbreiteten Darstellung zufolge kämpften zwischen 1992 und 1997 fundamentalistische Islamisten gegen ehemalige Kommunisten um die Macht. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Tadschikistan – Der unvergessliche Horror des Bürgerkriegs</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner vieler Teile der Welt hörten den Namen dieses Landes zum ersten Mal in diesem Kontext. Selbst im persischsprachigen Iran kannten die meisten Menschen bis in die 2010er Jahre Tadschikistan nicht und wussten nicht, dass die Menschen dort Persisch sprechen. Russische Medien berichteten indes ausführlich über vermeintliche Massaker an Russen und russischsprachigen Menschen in Tadschikistan. Manche schrieben gar von einem Völkermord, doch diese Behauptungen wurden nie belegt. In den asiatischen Medien, insbesondere in den muslimischen Ländern, wurde Tadschikistan ebenfalls als ein Land im Bürgerkrieg dargestellt. Es gab Berichte über die Notlage von Millionen tadschikischer Flüchtlinge in Afghanistan. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gelegenheit zum Image-Wechsel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Vor dem Ende des Bürgerkriegs hatten Tadschikistan und seine Führung keine Möglichkeit, ein anderes Bild des Landes in den russischen Medien zu vermitteln. Ausländische Medien berichteten, die meisten Menschen seien vor dem Bürgerkrieg in die Nachbarländer geflohen, wo sie zu Migranten oder Flüchtlingen wurden. Vor den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sidentschaftswahl_in_Tadschikistan_1999">Präsidentschaftswahlen 1999</a> kaufte die Regierung eine ganze Ausgabe der beliebten russischen Zeitschrift <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ogonjok">Ogonjok</a>, die sich mit Tadschikistan befasste. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Zeitschrift zuerst die Biografie von Emomali Rahmon (damals Emomali Rahmonow) publizierte, die später auch in Büchern veröffentlicht wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der erste Versuch, in den ausländischen Medien aktiv ein positives Bild von Tadschikistan und insbesondere von seinem Präsidenten zu zeichnen. Später wurden ähnliche Anstrengungen in europäischen und amerikanischen Medien unternommen. So unterzeichnete die tadschikische Botschaft in den Vereinigten Staaten im Jahr 2012 eine Vereinbarung mit <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/WABC-TV">ABC 7</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/WFLA-TV">NewsChannel 8,</a> um das Image des Landes im Ausland weiter zu fördern. Auf der Grundlage dieser Vereinbarung wurde am 3. Dezember 2012 um 6:43 Uhr (Washingtoner Zeit) erstmals ein Fernsehspot über Tadschikistan ausgestrahlt. Gemäß der Kooperationsvereinbarung wurde der Spot bis zum 21. Dezember 2012 täglich 30 Sekunden lang (insgesamt 90 Mal) dem amerikanischen Publikum in den Nachrichtensendungen des Senders gezeigt. Im Vorjahr, kurz vor dem 20. Jahrestag der Unabhängigkeit der Republik, verpflichtete die Regierung das staatliche Unternehmen TALCO, einen 16-tägigen Vertrag mit Euronews zu unterschreiben. In diesem Rahmen sollte ein Werbespot über Tadschikistan ausgestrahlt werden, um die Welt besser mit dem Land vertraut zu machen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><iframe title="TAJIKISTAN feel the friendship" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/S4uMkWZk8T4?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 25. August bis zum 9. September 2011 wurden die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=S4uMkWZk8T4">30-sekündigen Clips</a> täglich im Fernsehen von Euronews ausgestrahlt. Nach Angaben von TALCO-Vertretern beliefen sich die Kosten für das Projekt damals auf mehr als 120.000 Euro. Später verbreitete sich die Praxis, dass die Botschaften Tadschikistans im Ausland Artikel von Präsident Rahmon in den Medien der Gastländer veröffentlichten. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stabilität und Korruption</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Anfang der 2000er Jahre wurde Tadschikistan in den ausländischen Medien als ein Land dargestellt, das einen Bürgerkrieg überwunden hat und sich auf dem Weg der Entwicklung befindet. In den westlichen Medien wurde Tadschikistan als ein Land unter russischem Einfluss präsentiert. Europäische und US-amerikanische Medien stützten sich bei ihren Berichten und Einschätzungen über das zentralasiatische Land auf internationale Organisationen. In jenen Jahren, insbesondere nach den Präsidentschaftswahlen von 2004, wurde Tadschikistan in den europäischen Medien als autoritärer Staat dargestellt, dessen politische Elite sich stark an seine Macht klammere. Damals wurde in russischen Medien die Verfassungsänderung von 2003 kritisiert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Angeblich waren diese Berichte das Ergebnis der Lobbyarbeit einiger tadschikischer Oppositioneller in Russland und anderen postsowjetischen Ländern. Infolgedessen entstand in den internationalen Medien ein Bild von Tadschikistan als einem Land mit einem hohen Maß an Korruption. In dem Kontext sorgte insbesondere <a href="https://eurasianet.org/tajikistan-russias-rusal-offloads-tajik-assets-and-flees">der Streit</a> zwischen der damaligen tadschikischen Aluminiumschmelze und ihrem ehemaligen Leiter und einem seiner Partnerunternehmen vor einem Londoner Gericht für Schlagzeilen. In den russischen Medien wurden Tadschikistan und die Tadschiken damals jedoch auch als armes Exportland für Migranten dargestellt, die zwischen 2006 und 2011 von den Figuren von Rawschan und Dschamschud in der Sketch-Sendung <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nasha_Russia">Nascha Rascha</a> verkörpert wurden. Die Sendung löste damals in der tadschikischen Gesellschaft heftige Reaktionen aus. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Globale Initiativen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Seit dem Ende der 2000er Jahre hat Tadschikistan ein klar definierbares Image in internationalen Medien: Mit der allmählichen Auflösung der unabhängigen Presse wurde Tadschikistan immer mehr als autoritärer Staat dargestellt, der die Meinungsfreiheit ablehnt. Nach den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2006 wurde der Autoritarismus Tadschikistans in den weltweiten Medien noch stärker hervorgehoben. Journalisten beriefen sich insbesondere auf die Kritik europäischer Organisationen an der mangelnden Transparenz der Wahlen und des Wahlumfelds.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Trend hat sich nach 2010 mit dem zunehmenden Druck auf Medien, Parteien, Politiker und Bereiche der Wirtschaft weiter verstärkt. Vor allem internationale Medien wie Radio Free Europe/ Radio Liberty, die BBC, die Deutsche Welle, Voice of America sowie iranische und russische Medien mit Büros oder eigenen Korrespondenten in Tadschikistan berichteten in dieser Zeit ausführlich über das Land. Auch andere Medien in aller Welt nutzten ihre Informationen, um über Tadschikistan zu berichten. In dieser Zeit startete Tadschikistan über die Vereinten Nationen eine Reihe von tragenden Initiativen. So beruhte etwa die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Aktionsdekade_%E2%80%9EWasser_%E2%80%93_Quelle_des_Lebens%E2%80%9C">Internationale Aktionsdekade</a> „Wasser – Quelle des Lebens“ (2005-2015) auf einem Vorschlag von Tadschikistan. Dies brachte dem Land auch eine gewisse internationale Berichterstattung abseits negativer Schlagzeilen ein. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/">Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 2010 und dem Ausruf des sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_(Organisation)">Islamischen Staats (IS)</a> wurde Tadschikistan auch mit dem Thema des radikalen Islamismus in Verbindung gebracht. Damals berichteten die Medien weltweit von mehr als 1.000 tadschikischen Kämpfern in den Reihen des IS. Einige Medien berichteten über den Übertritt des Kommandanten der militärischen Sondereinheit <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Gulmurod_Khalimov">Gulmorod Chalimow</a>, der später als IS-Militärminister auftrat. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Es war auch die Zeit, in der Tadschikistan durch den Tod mehrerer ausländischer Touristen weltweite Schlagzeilen machte, etwa bei einem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vier-rad-touristen-von-bewaffneten-mannern-getotet/">terroristischen Angriff</a> im Juli 2018.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Touristenland, hohe Berge und Gletscher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Von 2012 bis heute wurden auf staatlicher Ebene große Anstrengungen unternommen, um das Bild Tadschikistan als ein tourismusfreundliches Land zu fördern. Zu diesem Zweck wurde das Jahr 2018 sogar zum Jahr der Tourismusentwicklung erklärt. Es wurde eigens ein Ausschuss für Tourismusentwicklung eingerichtet. Auch die tadschikischen Botschaften im Ausland haben sich bemüht, Tadschikistan als günstiges Land für die Tourismusbranche zu präsentieren. Diese Bemühungen haben zu einigen positiven Ergebnissen geführt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild Tadschikistans als junges, gerade erst unabhängig gewordenes Land, das von zahlreichen Problemen heimgesucht wird, ist in den Medien vieler Länder, insbesondere derjenigen, die geopolitische und geoökonomische Ziele in Tadschikistan und der Region verfolgen, jedoch unangetastet geblieben. So bestimmen Themen wie Migration und Geldtransfers, die Monopolisierung der Wirtschaft, die <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-tadschikistan-zu-chinas-interessenszone-wird/">Staatsschulden bei China</a>, ebenso wie Autoritarismus und Korruption weiter das Image des Landes. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Irschod Sulajmoni
<a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/20210910/kak-menyalsya-imidzh-tadzhikistana-v-mirovih-smi-ot-razdiraemoi-voinoi-i-korruptsiei-strani-k-turisticheskoi">Asia Plus</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
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		<title>Monatsrückblick: Der Februar in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[othmaraglas]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2020 09:20:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsrückblick von Othmara Glas]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab Februar wird Novastan mit freundlicher Genehmigung die Monatsr&#xFC;ckblicke von Othmara Glas ver&#xF6;ffentlichen. Die Zentralasienjournalistin arbeitete zwei Jahre f&#xFC;r die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Kasachstan und ist nun als freie Journalistin t&#xE4;tig. Jeden Monat wirft sie einen Blick zur&#xFC;ck auf die Ereignisse, die Kasachstans Gesellschaft besch&#xE4;ftigt haben. Die Rubrik beginnt mit einem turbulenten Februar, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ab Februar wird Novastan mit freundlicher Genehmigung die <a href="https://othmaraglas.de/monatsrueblick-der-februar-in-kasachstan/">Monatsrückblicke von Othmara Glas</a> veröffentlichen. Die Zentralasienjournalistin arbeitete zwei Jahre für die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Kasachstan und ist nun als freie Journalistin tätig. Jeden Monat wirft sie einen Blick zurück auf die Ereignisse, die Kasachstans Gesellschaft beschäftigt haben. </strong><strong>Die Rubrik beginnt mit einem turbulenten Februar, geprägt von ethnischen Ausschreitungen, verhafteten Demonstranten, einem Aktivisten, der in U-Haft stirbt und dem Coronavirus.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ethnische Ausschreitungen in Südkasachstan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Elf Tote, fast zweihundert Verletzte und tausende Menschen auf der Flucht: Das ist die Bilanz der Nacht vom 7. auf den 8. Februar. Etliche Häuser wurden zerstört. Die Bilder aus <a href="https://othmaraglas.de/zorn-auf-das-boese-volk/">Masantschi </a>erinnern an ein Kriegsgebiet. Für die kasachische Regierung ist der Zusammenstoß das Resultat eines „alltäglichen Konflikts“. Dass sich Angreifer vor allem Kasachen und die Opfer mehrheitlich Dunganen waren, wurde von offizieller Seite zunächst bewusst verschwiegen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Auslöser der Ausschreitungen sollen zwei Zwischenfälle am Vortag gewesen sein. Demnach sollen Dunganen eine Straße blockiert haben. Eine kasachische Familie, die auf dem Weg zu einem Arzt war, kam nicht durch. Bei einer anschließenden Auseinandersetzung wurde ein 78-jähriger Kasache verletzt. Aus Sicht der Kasachen haben ihn die Dunganen krankenhausreif geprügelt. Die Dunganen behaupten hingegen, dass der Kasache nur unglücklich hingefallen sei. Die später hinzugerufenen Polizisten sollen dann ebenfalls von Dunganen angegriffen worden sein. Eine weitere Version der Dunganen ist lautet, dass es ein betrunkener Kasache eine junge Duganin sexuell belästigt haben soll.</p>
<p style="text-align: justify">Am Abend des 7. Februar soll dann ein Mob aus fast tausend Kasachen nach Masantschi gekommen sein und angefangen haben Menschen zu verprügeln, Autos und Häuser anzuzünden. Die Unruhen weiteten sich auf die Nachbardörfer aus. Erst am Morgen des 8. Februar konnte ein Großeinsatz der Polizei die Ausschreitungen stoppen. Derweil flohen vor allem Frauen und Kinder in das benachbarte Kirgisistan. Offizielle Stellen sprechen von knapp 24.000 Flüchtlingen. Mittlerweile sollen jedoch 21.000 von ihnen zurückgekehrt sein. In der gesamten Region wurde der Notstand ausgerufen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/sinnlos-und-ruecksichtslos-kasachstans-hausgemachter-nationalismus/">Sinnlos und rücksichtslos- Kasachstans hausgemachter Nationalismus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Dunganen sind Muslime, die im 19. Jahrhundert aus China nach Zentralasien flohen. Sie leben mehrheitlich im Südosten Kasachstans und im Norden Kirgisistans entlang des Grenzflusses Tschui. In Masantschi sowie den Nachbarorten Sortobe und Auchatty machen sie etwa 90 Prozent der Einwohner aus. Insgesamt leben in Kasachstan mehr als 62.000 Dunganen.</p>
<p style="text-align: justify">Konsequenzen gab es bisher kaum: Auf kommunaler und Gebietsebene wurden Gouverneure und Polizeichefs ausgetauscht; mehr als 90 strafrechtliche Untersuchungen begonnen. Derweil reifte in der Hauptstadt Nur-Sultan nur langsam die Einsicht, dass man den ethnischen Charakter der Ausschreitungen nicht unter den Teppich kehren kann. Mehrere Menschen wurden festgenommen; erste Strafverfahren eingeleitet. Am 14. Februar sagte der Minister für Information, dass „die Behörden die Schuldigen nicht in Kasachen und Dunganen einteilen – alle sind Bürger Kasachstans und gegenüber dem Gesetz gleichermaßen verantwortlich“.</p>
<p><strong>Eine neue Partei entsteht (nicht)</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 22. Februar wollte die Demokratische Partei eigentlich ihren Gründungsparteitag abhalten. Doch es kam es anders. Dutzende Menschen, die der Partei nahestehen, waren in der Woche zuvor landesweit festgenommen worden. Das kasachische Gesetz verlangt, dass auf einem Gründungsparteitag mindestens 1000 Personen anwesend sind. Parteigründer Schanbolat Mamai sagte den Parteitag ab und rief stattdessen zu einem Protest in Almaty auf. Am Freitagabend wurde er allerdings ebenfalls verhaftet.</p>
<p style="text-align: justify">Mamai ist nicht unumstritten. 2017 wurde er wegen Geldwäsche zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Unterstützer meinen, es sein ein politisch motivierter Prozess gewesen. Im vergangenen Jahr hatte er mit einem Film über die Hungersnot in Kasachstan Aufsehen erregt. Der Film ist stark nationalistisch und ordnet den Holodomor als Genozid ein.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Der Protestzug am Vormittag des 22. Februar wurde von Mamais Ehefrau Inga Imanbai angeführt. Die etwa 20 Teilnehmer wurden von ebenso vielen Journalisten und einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Die Versammlung blieb zunächst friedlich. Die Protestanten forderten die Freiheit Mamais und kritisierten lautstark die Regierung Kasachstans. Nach einer guten halben Stunde begannen die Polizisten mit Verhaftungen sämtlicher Protestanten, inklusive der schwangeren Imanbai.</p>
<p style="text-align: justify">Am Nachmittag desselben Tages hielt auch die verbotene Demokratische Wahl Kasachstan (DVK) eine Demonstration in Almaty ab. Auch sie endete mit Verhaftungen.</p>
<p><strong>Ein mysteriöser Tod</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dulat Aghadil ist tot. Der Bürgerrechtsaktivist <a href="https://www.rferl.org/a/kazakh-activist-aghadil-dies-after-day-in-detention/30453052.html">starb</a> in der vergangenen Woche in Astana (Nur-Sultan), während er in Untersuchungshaft saß. Er war verhaftet worden, weil er einer gerichtlichen Anordnung sich bei der Polizei zu melden, nicht nachkam. Laut Polizei sei der 43-Jährige bei seiner Festnahme berauscht gewesen und wenig später an Herzversagen gestorben.</p>
<p style="text-align: justify">Freunde und Verwandte von Aghadil bezweifeln die offizielle Darstellung. Er habe weder Alkohol getrunken noch Drogen genommen und sich nie über Herzprobleme beschwert. Ein Video, auf dem dem der Leichnam zu sehen ist, zeigt zudem mehrere Verletzungen an Agdhils Körper.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Aghadils Beisetzung am 27. Februar reisten mehr als 1000 Menschen in seine Heimatstadt, in der Nähe von Astana. Einige Aktivisten, die ebenfalls kommen wollten, wurden im Vorfeld festgenommen. Kasachstans Präsident Toqajew hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert.</p>
<p style="text-align: justify">Bei landesweiten Protesten am 1. März, die aufgrund des Todes von Aghadil stattfanden, wurden laut kasachischem Innenministerium 80 Menschen festgenommen.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong> </strong><strong>Gallische Dörfer</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Europa und Asien leiden unter der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Ganz Eurasien? Nein, ein gallisches Dorf namens Zentralasien leistet vehement Widerstand. Offiziell hat sich in keinem der fünf Staaten bisher jemand von dem Virus infiziert. In Turkmenistan hat Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow einfach die Ausbreitung untersagt.</p>
<p style="text-align: justify">Doch obwohl es noch keine gemeldeten Fälle gibt, beschäftig Corona auch hier die Behörden. Grenzen werden geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt. In Kasachstan hat der Präsident sämtliche Feiern zum Frauentag am 8. März abgeblasen. Bereits Ende Januar wurden alle  Grenzübergänge zu China zeitweilig geschlossen. Aus der Freihandelszone Khorgos gibt es allerdings Berichte, dass der Handel jenseits und diesseits der Grenze trotzdem weitergeht.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-wie-ist-die-situation-in-zentralasien/">Coronavirus- Wie ist die Situation in Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 18. Februar hat Kasachstan die präventiven Maßnahmen gegen einen Ausbruch des Coronavirus verschärft. Personen, die nach Kasachstan einreisen, müssen mit zusätzlichen Quarantänemaßnahmen rechnen. Reisende aus Ländern, in denen nur eine geringe Zahl an Infektionsfällen aufgetreten ist, z.B. in Deutschland, sollen bis zu 24 Tage lang durch ein Fernmonitoring überwacht werden. Im Flugzeug werden Passagiere schon bei der Ankunft in Almaty auf erhöhte Temperatur untersucht. Einige Tage später meldet sich dann ein Beamter der Gesundheitsbehörde per Telefon, um nach dem Befinden zu fragen.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://othmaraglas.de/monatsrueblick-der-februar-in-kasachstan/">Othmara Glas</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>freie Journalistin in Kasachstan</strong></p>
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