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	<title>Popmusik Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Tue, 14 Oct 2025 04:13:24 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Popmusik Archives</title>
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		<title>Die Scheißkerle kommen: Bischkeker Gruppe Vtoroi Ka geht auf Europatour</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2025 19:01:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Vtoroi Ka]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Istanbul bis Reykjav&#xED;k: Im Oktober und November tourt das avantgardistische Musikduo Vtoroi Ka durch Europa. Es ist die erste Tour dieser Art f&#xFC;r eine Musikgruppe aus Kirgistan und ein weiterer Schritt in der aufstrebenden Karriere der Band. Wie ganz Zentralasien erlebt auch Kirgistan einen Popmusik-Boom, der mitunter auf die zunehmende Reichweite durch die Anbindung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Istanbul bis Reykjavík: Im Oktober und November tourt das avantgardistische Musikduo Vtoroi Ka durch Europa. Es ist die erste Tour dieser Art für eine Musikgruppe aus Kirgistan und ein weiterer Schritt in der aufstrebenden Karriere der Band.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ganz Zentralasien erlebt auch Kirgistan einen Popmusik-Boom, der mitunter auf die zunehmende Reichweite durch die Anbindung an internationale <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/spotify-expandiert-nach-zentralasien/">Streaming-Plattformen</a> zurückzuführen ist. Die heimischen Acts können jedoch nicht an die Erfolge ihres Nachbarlands Kasachstan anknüpfen. Dieses hat sich längst als <a href="https://ostraum.com/2020/11/05/die-7-angesagten-musikerinnen-aus-kasachstan/">popkulturelle Größe</a> etabliert – bis hin zur Verleihung eines renommierten <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstanischer-dj-imanbek-mit-grammy-ausgezeichnet/">Grammy Awards</a>. Zwar finden immer wieder Konzerte kirgistanischer Acts im Ausland statt, doch ihr Publikum bleibt meist auf Mitglieder der zentralasiatischen Diaspora beschränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das innovative Bischkeker Musikduo Vtoroi Ka begibt sich nun auf eine ambitionierte Europatour, um das zu ändern. Vom 17. Oktober bis zum 12. November ist die Gruppe an 16 Terminen auf Bühnen in elf verschiedenen Ländern zu sehen – von Istanbul über Berlin und Paris bis Reykjavík. Es ist die erste Tour dieser Art für eine aktuelle Musikgruppe aus Kirgistan und ein Durchbruch für die dortige Musikszene. Für Vtoroi Ka hingegen ist es der logische nächste Schritt in ihrer aufstrebenden Karriere.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese Meinung vertreten auch die Organisatoren des „Iceland Airwaves“-Festival in Reykjavík, bei dem Vtoroi Ka am 7. November auftreten wird. In der <a href="https://icelandairwaves.is/artist/vtoroi-ka/">Vorstellung der Gruppe</a> auf der Festivalseite zeigen sie ihre große Überzeugung von deren weiterer Laufbahn: „Bei der aktuellen Dynamik wird es nicht lange dauern, bis der Name Vtoroi Ka deinem coolsten Freund ständig auf der Zunge liegt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Bakai Koltschajew, Bandmanager der Gruppe und Direktor von <a href="https://infinitymusic.pro/">Infinity Music</a>, dem führenden Musikvertrieb in Bischkek, erklärt, lag angesichts der wachsenden internationalen Fanbase die Idee einer Europatournee schon länger in der Luft. „Wir haben die Indikatoren in verschiedenen europäischen und anderen Ländern aufmerksam beobachtet – die Zahlen zeigen, dass es ein großes Interesse gibt“, so Bakai auf Anfrage von Novastan. Besonders oft werde die Gruppe in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Polen und Spanien gestreamt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hip-Hop im Bischkeker Süden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vtoroi Ka wurde Mitte der 2010er Jahre von Sultan und Ilija im Bezirk Asanbaj im Süden von Bischkek gegründet. Die beiden Schulfreunde hatten sich bereits mehr als zehn Jahre zuvor in der zweiten Klasse kennengelernt – der Bandname bezieht sich auf die Bezeichnung dieser Klasse, „2K“. Sie begannen, im Homestudio zu selbstgebauten Beats Undergroundrap zu schreiben und ihre Musik teils zu selbst gedrehten Musikvideos auf YouTube und lokalen Plattformen zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So entstand 2017 ihre erste EP „Iz Okna“ („Aus dem Fenster“), die sie später von den Streamingplattformen löschten, da sie mit der Qualität nicht mehr zufrieden waren. Die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=cJ_AaSmaRws">gleichnamige Single</a> mit Musikvideo ist jedoch noch auf YouTube zu finden und gibt einen Einblick in die frühen Arbeiten der Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 2020 – zu diesem Zeitpunkt überlegten sie bereits, das Duo wieder aufzulösen – gelang ihnen mit der Single „<a href="https://youtu.be/rRoMIflZo6g?si=4VIloDIM_3Z2JD5m">Reznitsam stalo tjaschelo</a>“ („Die Augenlider sind schwer geworden“) der erste lokale Durchbruch. Ein halbes Jahr später folgte ihr erstes „offizielles“ Release, das Album „<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/einen-sound-fuer-bischkek-erschaffen-den-zawisimosti-vom-bischkeker-musikerduo-wtoroj-ka/">Den‘ Zawisimosti</a>“ („Tag der Abhängigkeit“). Es ist ein musikalisch reichhaltiges Hip-Hop-Album, das sich vor allem um die heimische „Hood“, den Mikrobezirk Asanbaj, dreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/plattenbauromantik-und-retrosound-serial-des-bischkeker-duos-wtoroj-ka/">Plattenbauromantik und Retrosound: „Serial“ des Bischkeker Duos Wtoroj Ka</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sie in der lokalen Hip-Hop-Szene gefeiert wurden, schrieben Sultan und Ilija allerdings schon längst ganz andere Musik. Ihr zweites Album „<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/plattenbauromantik-und-retrosound-serial-des-bischkeker-duos-wtoroj-ka/">Serial</a>“, das 2022 erschien, enthält zwar immer noch einige gerappte Stücke, allen voran die Single „<a href="https://youtu.be/tK4qGllkjNs?si=pvR1h5nBeN5dm1fa">39 Schkola</a>“ („39. Schule“), die einer ihrerzeit in Straßenschlachten gefürchteten Bischkeker Schule gewidmet ist. Doch ist das Album mit seiner Szenerie rund um das intensive Leben in den Teenagerjahren bereits stark von musikalischem Eklektizismus geprägt. Auch Fans vom Pop-Rock der Nullerjahre kommen hier auf ihre Kosten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Immer auf Achse</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 2022 gelang mit der Single „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=qyTjfhJpEAI">Teni ot Palm</a>“ („Palmenschatten“) der nächste Durchbruch. Der Track mit seiner eingängigen Basslinie wurde zum auch weit außerhalb Kirgistans beachteten Sommerhit. Bis heute ist es das meistgehörte Stück von Vtoroi Ka. Im dazugehörigen Musikvideo waren Sultan und Ilija erstmals in den skurril altmodischen Gangsterrollen zu sehen, die sie in den folgenden Jahren weiterentwickeln würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So auch in dem Anfang 2023 erschienenen Stück „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=VP5JqVO6Mc8">Wstretschajte Govnjukow</a>“ („Die Scheißkerle kommen“) mit seinem im Retro-Stil gehaltenen Musikvideo. Darin inszenieren sich die beiden als Unruhestifter, die mit einer „ganzen Truppe“ und ihrer „Live-Liveband“ in deine Stadt kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Immer auf Achse‘ ist fortan das Motto, sowohl für Vtoroi Ka als auch für ihre künstlerischen Gangsterfiguren. Mal treten sie als unerreichbare Fliehende auf, wie in der Single „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Wy2QuXJcvkI">Gde to za granitsej</a>“ („Irgendwo im Ausland“), mal als Hustler, stets auf der Suche nach dem nächsten Coup, wie in dem Ende 2023 erschienenen „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=TyiyGN9SNGY">Tonirovannyi Kaban</a>“ („Getönter Benz“), in dem die beiden mit ihrem Geschäftspartner „real bayke“ (gespielt von Bakai) losziehen, um Sankt Petersburg zu erobern. Auch für die Gruppe selbst begann damit das Reisen: Teile dieser Videos wurden im Rahmen ihrer ersten Konzerte in Russland gedreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich waren Vtoroi Ka damals längst auf dem Radar führender russischer Musikkritiker. Das führende Hip-Hop-Magazin <a href="https://the-flow.ru/videos/vtoroy-ka-teni-ot-palm">The Flow</a> berichtete im Juli 2022 erstmals über die beiden „Newcomer“. Journalisten wie <a href="https://t.me/brokendance/1035">Nikolaj Red’kin</a> und <a href="https://t.me/trap_critics/1921">Danya „Pornorap“</a> äußerten in ihren öffentlichen Kanälen ihre Begeisterung für die „unheimlich stylischen Scheißkerle“, die die „besten Musikvideos des vergangenen Jahres [2023]“ produziert hatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Post-Punk und Rave</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem im April 2024 erschienen Album „<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sex-drugs-and-postpunk-das-neue-album-des-bischkeker-duos-wtoroj-ka/">Swinaja Poputka</a>“ (eine wörtliche Übersetzung von „Piggy Ride“, also „Huckepack“) gelang Vtoroi Ka der endgültige Durchbruch im russischsprachigen Raum. Mit ihren vom Postpunk inspirierten, aber durchweg bunten und ironischen Tracks trafen sie offensichtlich einen Nerv. Neben mehreren weiteren <a href="https://daily.afisha.ru/music/28435-39-albomov-goda-ot-anny-vilenskoy-avtorov-pesni-glamur-dory-i-ne-tolko/">Best-ofs</a> schaffte es das Album auf den ersten Platz des <a href="https://the-flow.ru/itogi-2024/top-50-albomov-final">Top-50-Jahresrankings</a> von The Flow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch vom Erfolg lässt sich die Gruppe nicht einfangen. Mit dem Release des Albums kündigte sie in den sozialen Medien das Ende ihrer Postpunk-Phase an. Die im März 2025 erschienenen „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=zDBSKv3Poqs&amp;list=OLAK5uy_kDH3yso3ayfYwAI8_f6qiu9Hp_nwpe37A&amp;index=1">GO PUBE EP</a>“ bewegt sich in der Tat eher in Richtung elektronischer Rave-Musik. Auch ihre visuelle Ästhetik entfernt sich von der Welt der Lederjacken tragenden Gangstern und dreht sich stattdessen um eine psychedelisch-fantasievolle Neuinterpretation kirgisischer Alltagmotive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Elemente finden sich bereits in früheren Musikvideos wie „<a href="https://youtu.be/uvEjdbAPiCU?si=OBaliwbtilTZWkCF">Dura</a>“ („Dümmchen“) und auch in den Videos zu „<a href="https://youtu.be/uvEjdbAPiCU?si=OBaliwbtilTZWkCF">Soundcheck</a>“ und ihrer jüngsten Single „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=7FcJ3u3yQ9Y">Minimum iz sta</a>“ („Minimum aus Hundert“). Das musikalisch und visuell an die frühen Nullerjahre appellierende Stück dient auch als Ankündigung für das für 2026 geplante Album „Swobodnye Dwischenija“ („Freie Bewegungen“).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgisischer Karneval</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Neuorientierungen gehen auch mit einer geografischen Expansion einher. Nach einer Minitournee durch Russland im Mai 2025 besuchten Vtoroi Ka im August mehrere Festivals in China und kommen nun mit ihrer ganzen Truppe und ihrer „Live Liveband“ zu uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei all dem musikalischen Wandel fällt es auch der Berliner Booking-Agentur <a href="https://www.berghain.berlin/en/events/80167/">More Zvukov</a>, die den Großteil der Tour organisiert, schwer, die „innovative“ Gruppe einem Genre zuzuordnen. Im Werbetext heißt es, sie sei „bekannt für ihre einzigartige Mischung aus elektronischen, alternativen und Indie-Sounds. Vtoroi Ka verbindet experimentelle Beats mit gefühlvollen Texten und schafft so Musik, die Genregrenzen überwindet und bei Zuhörern unterschiedlicher Kulturkreise Anklang findet.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1920" height="1080" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshots-Soundcheck-Vtoroi-Ka.jpg" alt="" class="wp-image-43140" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshots-Soundcheck-Vtoroi-Ka.jpg 1920w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshots-Soundcheck-Vtoroi-Ka-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshots-Soundcheck-Vtoroi-Ka-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshots-Soundcheck-Vtoroi-Ka-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshots-Soundcheck-Vtoroi-Ka-1536x864.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Psychedelisch-fantasievolle Neuinterpretation kirgisischer Alltagsmotive&#8220;, Screenshots aus dem Musikvideo zu &#8222;Soundcheck&#8220; (Julija Petrowa, 2025)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch gibt es einige Konstanten, die der Gruppe über die Jahre eine klare Signatur verschaffen – ob zu rohen Trap-Beats, melancholischen Basslinien oder fettem Elektro. Da sind zum einen der Spaß und die Selbstironie, mit der sie sich und ihre Umgebung darstellen, ohne dabei jedoch in Klamauk zu verfallen. Die Verbindung von schrägen Motiven und künstlerischer Präzision hat manchmal etwas sehr Karnevaleskes (bezeichnenderweise ist Vtoroi Ka auch am 11.11. in Bonn zu sehen).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/einen-sound-fuer-bischkek-erschaffen-den-zawisimosti-vom-bischkeker-musikerduo-wtoroj-ka/">„Einen Sound für Bischkek erschaffen“ – „Den‘ Zawisimosti“ vom Bischkeker Musikerduo Wtoroj Ka</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens sind die musikalischen Weltenbummler ihrer Heimatstadt Bischkek immer verbunden geblieben. Von Anfang an war es ihre Ambition, einen Bischkeker Sound zu schaffen. So ist das Russisch, in dem ihre Texte verfasst sind, ein weitgehend kirgistanisches Russisch, voller Begriffe, die den Journalisten, der sie für <a href="https://the-flow.ru/features/vtoroi-ka-interview-2024">The Flow interviewte</a>, zu mehreren Rückfragen zwangen. Auch in ihrer visuellen Sprache sind die beiden eifrige Vertreter Kirgistans und schaffen dabei eine ganz eigene Bilderwelt voller spielerischer Details, die sich von den touristischen Klischees abhebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teil dieser Bilderwelt ist sicherlich der Verdienst der Art-Direktorin Julija Petrowa, die Vtoroi Ka seit 2021 begleitet. Sie hat auch die Regie der meisten neueren Videos der Gruppe geführt. Generell hat sich das Team um die musikalischen Allrounder Sultan und Ilija, die ihre Musik und Texte stets selbst schreiben, aufnehmen und mischen, mittlerweile deutlich erweitert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Volle Säle und Energie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Liveband, die auch in den verschiedenen Live-Videos, wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=H8hOh5piYFc">dieser Neuinterpretation</a> ihres Hits „Teni ot Palm“ zu sehen ist, zählt einen Schlagzeuger, einen Gitarrenspieler und einen Soundingenieur. Hinzu kommen eine Kommunikationsbeauftragte und Bakai, der als Manager alles Organisatorische übernimmt, „damit sich die Musiker voll auf ihre Kunst konzentrieren können.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vtoroi Ka ist ein großes Team, das sorgfältig an Musik und Image arbeitet“, fasst Bakai zusammen. Der wachsende Erfolg, der sich in Dutzend- und teils Hunderttausenden Hörerinnen und Hörern in verschiedenen Ecken der Welt manifestiert, ist ihm zufolge nur „folgerichtig, denn die ganze Arbeit geschieht ehrlich, tiefgründig und auf hohem Niveau.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Tour, so Bakai weiter, hoffe er auf „volle Säle und wahre Energie“. In dieser Hinsicht bahnen sich die Etappen der kommenden Tour in Deutschland vielversprechend an: Eines der beiden Berliner Konzerte und das Konzert in Hamburg waren schon Wochen vor dem Start ausgebucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hier geht es zu der </em><a href="https://vtoroika.com/"><em>Liste der Tourdaten</em></a><em> von Vtoroi Ka. Mitunter treten sie auf: am 24. Oktober in Wien, am 28. und 29. Oktober in Berlin, am 30. Oktober in Hamburg, am 1. November in Heidelberg und am 11. November in Bonn.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Florian Coppenrath für Novastan.org</strong></p>



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		<title>Usbekistan: Eine feine Satire auf die Kulturpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Dec 2019 03:36:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lola Yo'ldasheva]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[O'zbekkonsert]]></category>
		<category><![CDATA[Popmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Videoclip]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 13. November ver&#xF6;ffentlichte die usbekische S&#xE4;ngerin Lola Yo&#x2019;ldasheva einen neuen Videoclip, der sich mit viel Witz mit der Erteilung von Lizenzen f&#xFC;r Musikschaffende in Usbekistan auseinandersetzt. Trotz aller bestehender staatlicher Kontrolle &#xFC;ber Popmusik steht der Clip f&#xFC;r eine &#xD6;ffnung in den letzten Jahren.&#xA0; Eine Audition in einem fast leeren Konzertsaal. Auf einem roten Plakat [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Am 13. November veröffentlichte die usbekische Sängerin Lola Yo&#8217;ldasheva einen neuen Videoclip, der sich mit viel Witz mit der Erteilung von Lizenzen für Musikschaffende in Usbekistan auseinandersetzt. Trotz aller bestehender staatlicher Kontrolle über Popmusik steht der Clip für eine Öffnung in den letzten Jahren. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine Audition in einem fast leeren Konzertsaal. Auf einem roten Plakat gegenüber der Bühne, hinter der zweiköpfigen Jury steht auf Usbekisch, in kyrillischer Schrift „Möge es unserer Mentalität entsprechen“. Es ist ein gespieltes Vorsingen für die Vergabe der notwendigen Lizenz, um auf Konzerten oder auch im Fernsehen aufzutreten. Der Leiter der Jury beginnt mit den Worten: „<em>Das Hauptziel unserer Kommission ist es unseren Bräuchen, Sitten und Traditionen zu folgen. Außerdem verhindert sie die Verbreitung von Videoclips, die unseren Traditionen widersprechen, im Internet.</em>“</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Der zweite Videoclip zum Lied „Sevgingni menga ayt“ (Usb.: „Sprich mir deine Liebe aus“) der Sängerin Lola Yo’ldasheva (bekannt als Lola) wurde am 13. November veröffentlicht. Er ist stark an das im Juli erschienene Musikvideo „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=sVCqeC_PknA">Tebe 20</a>“ (Rus.: Du bist 20) der ukrainischen Pop-Gruppe Agon angelehnt, gewinnt aber im usbekischen Kontext stark an Aktualität. So zeigt Lola gut sieben Minuten feine Satire der staatlichen Kontrolle über popkulturelle Inhalte in Usbekistan und der Sorge, Kultur solle stets ein Ausdruck „nationaler Mentalität“ sein.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Feine Anspielungen an die usbekische Kulturpolitik  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Clip ist voller subtiler, vielschichtiger Symbolik. Infolge der Jurybemerkung <em>„Was tragen Sie da für einen Hut?! Ihre europäische Kleidung entspricht nun gar nicht unserer Mentalität“</em> zieht Lola eine Papakha an, eine mitunter im Westen Usbekistans verbreitete Kopfbedeckung für Männer. Eine eingeblendete Werbung für der „Barbershop Topor“ (Rus.: Axt) weist auf den <a href="https://thediplomat.com/2019/09/religion-beards-and-uzbekistans-secular-government/">Generalverdacht</a> gegenüber bärtigen Männern hin. Weitere Nebencharaktere im Publikum, wie der „Hater“ oder die zwei auf die Sängerin herabblickenden Frauen könnten die soziale Kontrolle über Musik und Kunst im Allgemeinen symbolisieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/frohe-nachricht-die-saengerin-zere-hat-einen-neuen-clip-veroeffentlicht/">„Frohe Nachricht“ – die Sängerin Zere hat einen neuen Clip veröffentlicht</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nachdem die Sängerin sich nach ihrem Auftritt einer vorbeilaufenden Hilfegruppe für „Frauen, die spirituelle Unterstützung brauchen“ anschließt, betritt ein auf den ersten Blick hyperkonformes junges Mädchen mit Zöpfen und nationaler Kleidung die Bühne und gibt mit ihrem allzu modernen Tanz der Jury den Rest. Diese gibt sich geschlagen und unterschreibt Lolas Lizenz.</p>
<p><iframe title="Lolaning litsenziyasi olindimi? Lola Yuldasheva - Sevgingni menga ayt 2 / Севгингни менга айт 2" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/WHZ0Ob-XZVI?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Die Kommentare zum Youtube Video, das auf Lolas eigenem Kanal veröffentlicht wurde und aktuell knapp 350 000 Aufrufe aufweist, sind überwiegend positiv.  <em>„Ein guter Schlag ins Gesicht der ‚Lizenzierer‘ und Ma‘naviat-Prediger“</em> (Man’aviat, ein usbekischer Begriff für „Spiritualität“, ist ein Leitmotiv der offiziellen Moralvorstellungen, Anm. d. Red.), schreibt zum Beispiel ein Nutzer. Oder ein anderer: <em>„Der erste Clip in der usbekischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Estrada_(Musik)">Estrada</a>, der angenehm zu schauen ist“</em>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;Wir leben in einer Zeit des Wandels&#8220;<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Medienberichten wurde Lolas Clip als eine „<a href="https://www.rferl.org/a/uzbek-pop-star-lola-s-video-dubbed-revolutionary-for-criticizing-state-censorship/30289188.html">Kritik an der Zensur</a>“, eine „<a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/profil-lola-yuldasheva-1.4705190">kunstvolle Spitze</a> gegen die Kleiderkontrolleure des Staates“ oder als „<a href="https://podrobno.uz/cat/obchestvo/trolling-80-urovnya-lola-yuldasheva-prezentovala-novyy-klip-na-pesnyu-sevgingni-menga-ayt-2-manaviya/">Trolling, level 80</a>“ gelobt. Die Sängerin selbst sträubt sich jedoch gegen eine allzu starke Politisierung ihrer Arbeit. In einem Post auf ihrem Instagram-Account ein paar Tage nach der Veröffentlichung des Videos <a href="https://www.instagram.com/p/B45pHBCFXVm/">kommentierte sie</a>: „<em>Ich bin eine kunstschaffende Person und Kunst ist ein Spiegel des Lebens. […] Wir leben in einer Zeit des Wandels, in der die Leute endlich freier atmen können und offen ihre Gedanken ausdrücken können, wovon wir noch vor fünf Jahren nicht zu träumen wagten</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Wie das System früher aussah, hat Lola, die 2003 mit „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=cFcFGPpFX5o">Muhammatim</a>“ (Usb.: Meine Liebe) ihren ersten Hit landete, unmittelbar erlebt. Im Jahr 2015 wurde ihr nach einem vermeintlich zu offenen Kleid bei einem Auftritt und einem zu provokanten Musikvideo <a href="https://eurasianet.org/uzbekistan-pop-stars-under-scrutiny-producing-immoral-unpatriotic-material">zeitweise die Lizenz entzogen</a>. Damals führten eine Reihe von Skandalen im Musikgeschäft auch zu einer Verschärfung der Erteilungsbedingungen für Lizenzen.</p>
<p style="text-align: justify">Die offiziellen Reaktionen auf ihre jetzige Satire fallen milder aus. Auf einer Pressekonferenz am 27. November wies der Leiter der heute für die Lizenzvergabe zuständigen Agentur <a href="http://uzbekkonsert.uz/">O‘zbekkonsert</a> Odiljon Abdkaxxorov lediglich darauf hin, dass seine Agentur nur Lizenzen für KünstlerInnen, nicht für Videoclips vergebe. „<em>Lola hat den Clip als einfache Bürgerin des Landes gedreht, nicht als Sängerin</em>“, erklärte er, und fügte hinzu, dass sie nach dem Ablauf ihrer Lizenz im Sommer 2018 keine Verlängerung beantragt habe.</p>
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<p style="text-align: justify">Auch Elmira Basitxanova, die Leiterin des usbekischen Frauenkomitees, die 2015 die Kritik an Lola mitangeführt hatte, gibt sich versöhnlicher: „<em>Womöglich hat sie zurecht das System der Vergabe und Verteilung von Lizenzen durch O’sbekkonsert kritisiert. Aber dass sie aus dem Atlas (</em>traditioneller usbekischer Stoff, Anm. d. Red.<em>) eine Kleidung für Clowns macht und aus der Spiritualität ein Spielzeug, das ist zu viel</em> (wörtlich: „das 25. Bild“, ein russischer Ausdruck für Methoden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Unterschwelliger_Reiz">unterschwelliger Reize</a>)“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lizenzen für PopmusikerInnen<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die in dem Videoclip kritisierte Vergabe von Lizenzen für Auftritte von PopmusikerInnen in Usbekistan wurde 2001 eingeführt und war eine Hauptaufgabe der 2017 aufgelösten Agentur O’zbeknavo, wie die Musikethnologin Kerstin Klenke <a href="https://www.routledge.com/The-Sound-State-of-Uzbekistan-Popular-Music-and-Politics-in-the-Karimov/Klenke/p/book/9781138486140">in ihrem Buch</a> über „Pop-Musik und Politik in der Karimov-Ära“ detailliert erläutert.</p>
<p style="text-align: justify">Die Lizenzen dienen nicht zuletzt auch der Besteuerung von MusikerInnen, die nach der Bezahlung der Lizenzgebühren von weiteren Steuern befreit sind. O’zbeknavo entwickelte sich aber auch schnell zu einer Art Moralinstanz und die Lizenzverträge beinhalteten auch ein vages Verbot, Werke vorzutragen, die „<em>unseren nationalen und menschenübergreifenden spirituellen Werten widersprechen</em>“. Die offiziellen Formeln der Instanz finden sich auch fast eins zu eins im Clip wieder.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/verfassungswidrige-zensur-im-usbekischen-musikgewerbe/">Verfassungswidrige Zensur im usbekischen Musikgewerbe</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Februar 2017, kurz nach seinem Amtsantritt, löste Präsident <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">Shavkat Mirziyoyev</a> die für Musik und Tanz verantwortlichen Agenturen O’zbeknavo und O’zbekraks auf und <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2017/02/16/comment/">gründete</a> an ihrer Stelle das dem Kulturministerium unterstehende O’zbekkonsert. In alter Tradition veröffentlichte die neue Organisation aber ebenfalls Verhaltensregeln, so wurde zum Beispiel 2018 die Darstellung von Tattoos und aufreizenden Kleidern in Videoclips <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/keine-tattoos-und-knappen-kleider-in-usbekischen-videoclips/">verboten</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Nichtsdestotrotz scheint die popkulturelle Produktion in Usbekistan in den letzten Jahren offener als zuvor. So sind zum Beispiel musikalische Subkulturen wie <a href="https://eurasianet.org/uzbekistan-rap-emerges-from-under-unofficial-ban">Rap</a> oder Elektromusik aktiver als zuvor, wie die Organisation des <a href="http://stihia-festival.org/en">Musikfestivals „Stihiia“</a> an der Stelle des ehemalige Aralsees bezeugt. Bereits <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OTny8UWBIUU">der erste Clip</a> zu Lola’s „Sevgingni menga ayt“ hätte noch vor ein paar Jahren in der Form nicht gedreht werden können, als Aufnahmen in der Taschkenter U-Bahn noch streng verboten waren.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Florian Coppenrath<br />
Novastan.org</strong></p>
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		<item>
		<title>Feminismus, Trap und K-Pop: Neues aus der kirgisischen Musikszene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Nov 2018 07:37:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Belyi]]></category>
		<category><![CDATA[Hip-Hop]]></category>
		<category><![CDATA[Jonele]]></category>
		<category><![CDATA[K-Pop]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Mirbek Atabekow]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Popmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[Tamga]]></category>
		<category><![CDATA[The OM]]></category>
		<category><![CDATA[Zere]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Herbst bringt viele musikalischen Innovationen in Kirgistan mit sich und zeigt eine offene und vielf&#xE4;ltige Musikszene. Ein Einblick in f&#xFC;nf St&#xFC;cken. Kirgisische Musik beschr&#xE4;nkt sich l&#xE4;ngst nicht mehr auf traditionellen Gesang und sowjetisch-gepr&#xE4;gte &#x201E;Estrada&#x201C; Popmusik. Die Musikindustrie professionalisiert sich und umfasst immer mehr Genres und Stilrichtungen, um sie herum entstehen auch neue Label, Produktionszentren [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der Herbst bringt viele musikalischen Innovationen in Kirgistan mit sich und zeigt eine offene und vielfältige Musikszene. Ein Einblick in fünf Stücken. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Kirgisische Musik beschränkt sich längst nicht mehr auf traditionellen Gesang und sowjetisch-geprägte „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Estrada_(Musik)">Estrada</a>“ Popmusik. Die Musikindustrie professionalisiert sich und umfasst immer mehr Genres und Stilrichtungen, um sie herum entstehen auch neue Label, Produktionszentren und Modeprojekte, die sich überwiegend über Instagram vermarkten.</p>
<p style="text-align: justify">Besonders die kirgisischsprachige Musik ergründet neues Terrain. Allein im Laufe der vergangenen Monate konnten sich die kirgisischen Musikliebhaber an mehreren musikalischen Experimenten erfreuen – oder sich über vermeintliche Plagiate oder Tabubrüche aufregen. So ist Musik einerseits ein Medium für lokale gesellschaftliche Debatten, andererseits ein Ausdruck verschiedener internationaler Einflüsse, besonders aus dem benachbarten Kasachstan.</p>
<p style="text-align: justify">Eine Auswahl von fünf Stücken aus den vergangenen drei Monaten illustriert diese Entwicklung, an der brandneue Projekte genauso teilhaben wie etablierte Popstars.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Zere – Kyz<br />
</strong></h3>
<p><iframe title="Zere - Кыз (Music Video)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/ivlRPb75-VU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify">Mit ihrem ersten Stück <em>Kyz</em> (dt. Mädchen) erreichte die 19-jahre alte Zere gleich weltweite Aufmerksamkeit. In einem selbst entworfenen Videoclip ruft die Sängerin zu mehr persönlichen Freiheiten für Mädchen auf und träumt von einer Zeit, „<em>in der mir niemand sagt, was ich anziehen und tun soll</em>“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zere-asylbek-meine-geschichte-wurde-politisch/">Zere Asylbek – „Meine Geschichte wurde politisch“</a> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Zere schrieb den Text absichtlich auf Kirgisisch, um ihre Message auch der oft ländlicheren kirgisischsprachigen Bevölkerung nahezubringen. Der Clip, gefilmt am ikonischen Issikkölsee, ist bewusst provokativ: eine Gruppe junger Frauen rund um Zere, selbst in Anzug und BH, steht für Vielfalt und Selbstbestimmung, ob mit bunten Haaren und Piercing oder langer Kleidung und Kopftuch.</p>
<p style="text-align: justify">Es folgte Kritik, teils gar Morddrohungen, und viel Unterstützung. Nicht zuletzt mischte sich auch Zeres Vater, eigentlich gegen ihren Willen, in die Debatte ein und lobte sie als eine <em>„frei denkende Tochter des freien Kirgistan</em>“.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Tamga – Maida  </strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="Tamga - Майда (Official video)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/G6AKv9jYTfU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Die Sängerin Tamga ist womöglich kurz davor zu einer führenden Stimme im kirgisischen Hip-Hop zu werden. Mit ihrem Debüttitel <em>Maida</em> (dt. klein/ unbedeutend) bieten sie und die Produzenten des <a href="https://www.instagram.com/chingizalbert/?hl=en">Chingiz Albert Team</a> eine frische musikalische und visuelle Ästhetik im bislang eher männerdominierten Rap.</p>
<p style="text-align: justify">Der Text ist ein Appel an eben diese Männerwelt: „<em>Wo ist deine Würde?</em>“ wiederholt der Refrain. Thema sind „<em>aktuelle Probleme im Verhalten, der Moral und der Würde unserer jungen Männer, zukünftigen Vätern und Beispiele für ihre Familien und das Land als Ganzes</em>“, so die Beschreibung <a href="https://www.instagram.com/p/Bo1oaRVlHeq/?utm_source=ig_web_copy_link">auf Instagram</a>. „<em>Wir sind der Ansicht, dass alle Probleme durch einen normalen konstruktiven Dialog gelöst werden können, den wir über unsere Kunst aufbauen wollen</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Der Clip zeigt zudem Eindrücke aus der lokalen Tanz- und Modeszene und bewirbt die Kleidung des jungen Bischkeker Modeunternehmens <a href="https://www.instagram.com/brand_eldejok/?hl=en">Eldejok</a>.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Mirbek Atabekow und Kamschat Dscholdybajewa – Tingda meni<br />
</strong></h3>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=MqsCu89WFIE</p>
<p style="text-align: justify">Mirbek Atabekow gilt als der Superstar der kirgisischen Popmusik. Der herausragende Videoclip zu seinem Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7ALPIons9NU"><em>Muras</em></a> (Erbe) erreichte gar drei Millionen Klicks auf Youtube, was etwa der Hälfte der kirgisischen Bevölkerung entspricht. Üblicherweise steht Atabekow für leichte Liebeslieder oder patriotische Stücke.</p>
<p style="text-align: justify">In seiner Zusammenarbeit mit der kasachstanischen Sängerin Kamschat Dscholdybajewa geht er mehr künstlerisches Risiko ein. Das Stück <em>Tingda meni</em> (dt. Hör mir zu) ist ganz auf Kasachisch und mit einem fast Tarantino-artigen Kurzfilm als Videoclip versehen, wo Atabekow als Mitglied einer kriminellen Gruppierung eine Romanze mit der Frau seines Chefs eingeht.</p>
<p style="text-align: justify">Die Reaktionen auf sozialen Medien sind <a href="https://kaktus.media/doc/380856_atabekova_raskritikovali_za_novyy_klip._dostalos_i_ego_jene_hotia_ee_tam_net_voobshe.html">geteilt</a>. Während einige Nutzer die hochwertige Qualität des Clips, Atabekows Schauspieltalent oder die gelungene nachbarliche Zusammenarbeit lobten, kritisierten andere die allzu sexuellen und gewalttätigen Szenen und dass das Stück auf Kasachisch gesungen wurde.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Belyi und The OM – La Vida Loca </strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="The OM &amp; БЕЛЫЙ - La Vida Loca" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/zjp7SVZnOVw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify"><em>La Vida Loca</em> der zwei russischsprachigen MCs <em>Belyi </em>und <em>The OM </em>wendet sich gewiss an ein anderes Zielpublikum, das auf Kraftausdrücke und Tabubrüche weniger sensibel reagiert. <em>„Scheiß auf ihre Regeln!</em>“ heißt es gleich in einer der ersten Zeilen des Stücks, aufgenommen durch das vor einem Jahr gegründete Musiklabel <a href="https://www.instagram.com/biblioteka.rec/?hl=en">Biblioteka Rec.</a></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in zehn Tracks</a> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Weiter geht es um harte Selbstverwirklichung und Hedonismus, auf Höhen, wo <em>„das Leben wie ein karamellsüßer Urlaub schien“.</em> Die kritischen Kommentare richten sich aber weniger gegen den Inhalt, als gegen den allzu deutlichen kasachstanischen Einfluss auf den ersten Teil des Stücks, <em>„eine eindeutige Kopie von <a href="https://www.instagram.com/truwer/?hl=en">Truwer</a>“</em> oder von <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/skriptonit-zeitlose-beats/">Skriptonits Jeltsin-Flow</a>.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Jonele – Kyich </strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="JONELE - KYICH M|V" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/b6xCGyvqdEQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Das ist nicht Korea, das ist Kirgistan“,</em> beginnt der Videoclip wie eine Ankündigung für die K-Pop Gruppe Jonele (Dschön-Ele, kirg. für „einfach so“), fünf Jungs mit bunten Haaren, die dem Genre vermeintlich erstmals eine kirgisische Stimme geben. Auch der Stil ist aus Bischkek: die Marke EldeJok ist offizieller Designer der Band, produziert von der Bischkeker Firma „Serebrov Production“.</p>
<p style="text-align: justify">Der kulturelle Einfluss von Südkorea in Zentralasien macht sich schon mehrere Jahre bemerkbar. In Bischkek findet mit der Unterstützung der koreanischen Botschaft jährlich ein <a href="https://kloop.kg/blog/2017/05/17/foto-kak-proshel-festival-k-pop-v-bishkeke/">K-Pop Festival</a> statt, immer mehr koreanische Geschäfte verkaufen importierte Artikel für Liebhaber und auch die Zahl der Südkoreaner in Kirgistan ist in den letzten drei Jahren um 30 Prozent gestiegen, berichtet die BBC in einem Beitrag zur „<a href="https://www.bbc.com/russian/features-44712665">koreanischen Welle</a>“.</p>
<p style="text-align: justify">Dass das Publikum mit dem Genre K-Pop gut vertraut ist, zeigt sich auch in den verhaltenen Kommentaren zum Debütclip von Jonele. Zahlreiche Nutzer sehen in der Gruppe vor allem eine Kopie ihrer koreanischen oder kasachstanischen Pendants: „W<em>o ist eure Individualität? […] Ihr müsst ausgezeichnete Musikanten, Sänger und Tänzer sein. In Kasachstan hat noch keiner das Niveau von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ninety_One">91</a> (die bekannteste kasachstanische K-Pop Gruppe, Anm. d. Red.) erreicht, und ihr kommt dem nicht einmal nahe. Aber dennoch wünsche ich euch Glück und hoffe, dass ihr meine konstruktive Kritik berücksichtigt</em>“, so Emmma.</p>
<p style="text-align: right"> <strong>Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Keine Tattoos und knappen Kleider in usbekischen Videoclips</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Mar 2018 17:39:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Estrada]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Popmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Usbekischen K&#xFC;nstlerinnen und K&#xFC;nstlern wurde es verboten, in ihren Videoclips Tattoos zu zeigen und in allzu leichten Kleidern aufzutreten. Ein entsprechender Regierungsbeschluss wurde Anfang des Monats ver&#xF6;ffentlicht. Wir &#xFC;bernehmen und &#xFC;bersetzen den Bericht von Repost.uz. &#xA0; Usbekische Pop-K&#xFC;nstler d&#xFC;rfen keine anregenden Videoclips mit leichter Bekleidung mehr ver&#xF6;ffentlichen. Ebenfalls verboten sind die Darbietung von Tattoos und [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Usbekischen Künstlerinnen und Künstlern wurde es verboten, in ihren Videoclips Tattoos zu zeigen und in allzu leichten Kleidern aufzutreten. Ein entsprechender Regierungsbeschluss wurde Anfang des Monats veröffentlicht. Wir</strong><strong> übernehmen</strong><strong> und</strong><strong> übersetzen</strong><strong> den</strong><strong> Bericht</strong><strong> von</strong><strong> <a href="http://repost.uz/no-tatu">Repost.uz</a></strong><strong>.  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Usbekische Pop-Künstler dürfen keine anregenden Videoclips mit leichter Bekleidung mehr veröffentlichen. Ebenfalls verboten sind die Darbietung von Tattoos und anderen „Ornamenten“ auf dem Körper. Eine entsprechende Notiz wurde auf der Seite der staatlichen Einrichtung „Usbekkonzert“ <a href="http://uzbekkoncert.uz/uz/press_center/news/O%27zbekkonsert/-zbekkontsert-davlat-massasasi-oshidagi-shi-lar-va-ularga-ishlangan-videokliplar-saviyasini-ba-olash/">veröffentlicht</a>, gemäß einer Anordnung der Regierung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der nationalen Mentalität entsprechen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Verbot betrifft nicht nur Tattoos und aufreizende Kleidung: Videoclips dürfen auch nicht der nationalen Mentalität und den gesellschaftlichen Werten widersprechen. Sie dürfen keine Anstiftung zu Terrorismus, Drogenabhängigkeit oder Alkoholismus beinhalten.</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem sind keine Clips zulässig, die in ihrer Abbildung von heiligen Orte oder nationalen Denkmälern nicht den nötigen Respekt zeigen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan.org: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasiens-freiheit-der-kunst/">Zentralasiens Freiheit der Kunst</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut früherer <a href="http://repost.uz/let-me-check-it">Berichterstattung</a> von Repost.uz sollen Videoclips in Zukunft vor ihrer Veröffentlichung von einer Spezialkommission geprüft werden. Wer sich der Kontrolle des künstlerischen Rates entzieht, riskiert seine Lizens.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von Repost.uz</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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