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	<title>Patriarchat Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Patriarchat Archives</title>
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		<title>Hauptsache, es ist ein Sohn: Über Familien in Tadschikistan, die ausschließlich Töchter haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 21:10:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan, wie auch in ganz Zentralasien, ist die Geburt von S&#xF6;hnen ein Grund zum Stolz, ein Zeichen f&#xFC;r Reichtum und eine sorgenfreie Altersvorsorge der Eltern. Bei der Geburt eines Jungen wird in der Familie ein gro&#xDF;es Fest gefeiert. Wenn jedoch T&#xF6;chter geboren werden, kann dies f&#xFC;r die Mutter zu Vorw&#xFC;rfen und Anschuldigungen f&#xFC;hren, sie [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan, wie auch in ganz Zentralasien, ist die Geburt von Söhnen ein Grund zum Stolz, ein Zeichen für Reichtum und eine sorgenfreie Altersvorsorge der Eltern. Bei der Geburt eines Jungen wird in der Familie ein großes Fest gefeiert. Wenn jedoch Töchter geboren werden, kann dies für die Mutter zu Vorwürfen und Anschuldigungen führen, sie sei minderwertig und unzulänglich. Wie es ist, als Mädchen in eine tadschikische Familie geboren zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> erinnert sich an ihre Kindheit nur als einen Albtraum voller Demütigungen, Tränen, Angst und Liebesentzug. Und das alles nur, weil sie als Mädchen geboren wurde. Sie wuchs als Älteste in einer Familie mit insgesamt vier Töchtern auf. Ihr Vater träumte immer von einem Sohn als Erben, und als wieder eine Tochter geboren wurde, wurde Nosanins Mutter beschuldigt, unzulänglich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Die Beziehung zwischen meinem Vater und meiner Mutter begann sich zu verschlechtern, als meine zweite Schwester geboren wurde“</em>, erzählt Nosanin. <em>„Mein Vater wünschte sich sehnlichst einen Sohn und hatte schon im Voraus einen Namen für einen Jungen ausgesucht. Aber dann wurde das dritte Kind geboren, und wieder war es ein Mädchen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie er meine Mutter nur deshalb erniedrigte, weil sie nur Töchter zur Welt brachte.&#8220;</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nosanin hat in ihrer Kindheit keine väterliche Liebe erfahren. <em>„Wäre sie als Junge geboren worden, hätte sie wie ein Prinz gelebt“</em>, rechtfertigte ihr Vater oft seine Haltung gegenüber seinen Kindern. Von Verwöhnung konnte keine Rede sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin war bereits erwachsen, als ihre Eltern begannen, ein viertes Kind zu planen. Astrologen, Heiler, Mullahs – sie wandten sich an alle möglichen Leute. Ein gesundes Kind kam zur Welt, aber wieder war es ein Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als meine vierte Schwester geboren wurde, war das einfach schrecklich. Wir hatten Angst, unserem Vater zu begegnen und ein falsches Wort zu sagen“</em>, erzählt Nosanin mit zitternder Stimme, wenn sie sich an diese unangenehmen Erinnerungen zurückerinnert. <em>„Papa wollte nichts von seiner jüngsten Tochter wissen. In den ersten sechs Monaten hat er sie nicht einmal angesehen. In diesen sechs Monaten wuchs sie ohne Namen auf, da ihre Eltern bereits einen Namen für einen Sohn ausgewählt hatten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/miss-world-2025-vertreterin-kirgistans-prangert-gewalt-gegen-frauen-an/">Miss World 2025: Vertreterin Kirgistans prangert Gewalt gegen Frauen an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Skandale in der Familie nahmen zu. Nach der Arbeit kam der Vater wütend nach Hause und stritt sich mit der Mutter. Nosanin und ihre Schwestern lebten ständig in Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Viele Leute in der Stadt kannten meinen Vater. Deshalb war er sehr abhängig von der Gesellschaft und der Meinung seiner Freunde“</em>, sagt Nozanin. <em>„Wenn sie sich trafen, prahlten seine Freunde mit ihren Söhnen und fragten jedes Mal, wann er endlich einen Erben bekommen würde.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beeinflusst von der Meinung anderer ließ mein Vater seine ganze Wut und Hilflosigkeit an meiner Mutter und mir aus. <em>„Das sind deine Töchter, nicht meine“</em>, wiederholte er seiner Frau gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Worte schmerzen Nosanin noch heute im Herzen. Und dann ist da noch dieses schreckliche Gefühl der Leere, wenn man nicht geliebt wird, nur weil man als Mädchen geboren wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Zuhause arbeiteten wir wie Sklaven&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Kind fragte Nosanin ihre Mutter oft, warum sie alles ertrage und weiterhin mit einem Mann zusammenlebe, der seine Töchter nicht anerkenne und sie als fremd bezeichne. Aber ihrer Mutter fehlte die Willenskraft, und ihre Zuversicht und Entschlossenheit waren durch Demütigungen und Beleidigungen endgültig zermürbt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise wollte sie nicht mit dem Stigma einer alleinerziehenden Mutter leben und fürchtete die Verurteilung durch die Gesellschaft. Damit der Vater nicht schimpfte, bat die Mutter ihre Töchter immer, ihm zu helfen und so die Söhne zu ersetzen. Aber egal, wie sehr sich die Mädchen auch bemühten, alles war vergeblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zu Hause arbeiteten wir wie Sklaven, um wenigstens ein gutes Wort von unserem Vater zu verdienen“</em>, erzählt Nosanin. <em>„Und wenn ich das Haus verließ, setzte ich eine Maske auf, die mich als glückliches und sorgloses Mädchen zeigte, das in elterlicher Liebe badete. Niemand wusste, was in meiner Seele vorging, wenn ich lächelte. Äußerlich gepflegt, mit perfekter Maniküre, hätte niemand gedacht, dass meine Hände die schmutzigste Männerarbeit verrichten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/social-media-trend-in-tadschikistan-wie-frauen-gegen-stereotype-kaempfen/">Social Media Trend in Tadschikistan: Wie Frauen gegen Stereotype kämpfen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie die Schule mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, träumte Nosanin davon, an die Universität zu gehen. Aber ihr Vater war dagegen – es gebe genug Arbeit im Haushalt, und die zusätzlichen Kosten seien unnötig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Verlass dich nicht auf mich“</em>, entgegnete der Vater auf die erneute Bitte seiner Tochter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Ablehnung ihres Vaters hielt das Mädchen nicht auf. Nosanin schrieb sich dennoch an der Universität ein, arbeitete nebenbei und finanzierte ihr Studium selbst. Ihr Vater wusste, dass seine Tochter sich selbst eingeschrieben hatte, interessierte sich aber nicht dafür, wo und für welchen Studiengang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„So habe ich gelernt, mich nur auf mich selbst zu verlassen. Als ich an der Universität gefragt wurde, wer mein Vater ist und was er beruflich macht, sagte ich allen, dass er Testpilot ist und vermisst wird. Von allen vier Schwestern haben nur ich und meine jüngste Schwester versucht, einen Hochschulabschluss zu machen&#8220;</em>, erzählt sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kindheitstrauma für ein ganzes Leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Erwachsene und verheiratete Frau hatte Nosanin Angst, das Schicksal ihrer Mutter zu wiederholen. Die Angst vor der Geburt einer Tochter war so stark in ihrem Bewusstsein verankert, dass sie ihre gesamte Schwangerschaft nicht in freudiger Erwartung ihres ersten Kindes verbrachte, sondern mit Bildern aus ihrer Kindheit und ihrem streitsüchtigen Vater, die immer wieder in ihrem Gedächtnis auftauchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte das Gefühl, dass alle um sie herum erwarteten, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde. Aber sie gebar eine Tochter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Die zweite Schwangerschaft war von starker Übelkeit begleitet, und aus heiterem Himmel stieg plötzlich meine Temperatur. Meine Ängste wurden immer stärker, es war unerträglich. Ich hielt es nicht mehr aus und ließ eine Ultraschalluntersuchung machen – man sagte mir, es würde ein Junge werden. Sie werden es nicht glauben, aber danach verschwanden die Übelkeit, das Unwohlsein und die Temperatur wie von Zauberhand. Ich habe verstanden, dass unsere Ängste sich direkt auf den Körper auswirken und einen Selbstzerstörungsprozess in Gang setzen“</em>, erzählt Nosanin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kindheitstrauma und Erinnerungen lassen die junge Frau nie los. Und obwohl sie bereits eine eigene Familie und Kinder hat, ist das Gefühl der Liebesentbehrung immer präsent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eigentlich träume ich gar nicht von materiellem Reichtum. Das Wertvollste für mich ist das Gefühl, dass man dich nicht wegen etwas liebt, sondern trotz etwas. Einfach dafür, dass du auf dieser Welt bist“</em>, sagt sie. Heute ist Nosanin eine erfolgreiche junge Frau, aber das sei allein ihr Verdienst. Seit ihrer Kindheit ist sie es gewohnt, sich nur auf sich selbst zu verlassen, und hat ohne die Unterstützung ihrer Eltern viel erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweifellos ist das ein Grund zum Stolz, aber es schmerzt die junge Frau bis heute, zu wissen, dass die Demütigungen, die sie in ihrer Kindheit erdulden musste, nur darauf zurückzuführen sind, dass sie nicht als Junge geboren wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin erzählt: <em>&#8222;Jetzt unterstütze ich meine Eltern sowohl physisch als auch finanziell. Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen, und ich bin ihnen dankbar, dass sie mir das Leben geschenkt haben. Oft höre ich jetzt von meinem Vater, dass ich besser bin als zehn Söhne. Diese Worte machen es mir jedoch nicht leichter, sondern im Gegenteil, sie tun mir noch mehr weh. Seit meiner Kindheit sehnte ich mich nach der Liebe meines Vaters, träumte davon, dass er mich umarmt und mir sagt, wie sehr er mich liebt und auf mich stolz ist. Aber in meinen Erinnerungen gibt es keine solchen schönen Momente.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/arbeitslosigkeit-armut-und-missbrauch-das-leben-der-frauen-in-den-entlegenen-gebieten-tadschikistans/">Arbeitslosigkeit, Armut und Missbrauch: Das Leben der Frauen in den entlegenen Gebieten Tadschikistans</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin ist der Meinung, dass diese tief verwurzelten Stereotypen der Gesellschaft die Rechte von Mädchen von Kindheit an beeinträchtigen. Infolgedessen wachsen sie mit einem geringen Selbstwertgefühl und einer traumatisierten Psyche auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Es steht uns nicht zu, zu entscheiden, wer auf die Welt kommt. Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes, das leider nicht allen zuteilwird. Viel wichtiger ist, zu welchem Menschen das Kind heranwächst und ob es seinen Eltern im Alter eine Stütze sein wird. Die unsinnigen ungeschriebenen Gesetze unserer Gesellschaft, dass in einer Familie unbedingt ein Junge geboren werden muss, zerstören Familien und machen Kinder unglücklich. So kommt es, dass manche Frauen so lange gebären, bis sie einen Jungen bekommen, um ihrem Mann zu gefallen, der einen Erben braucht. Dabei spielt es keine Rolle, was die Frau dabei empfindet&#8220;</em>, so Nosanin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie selbst erklärt ihren Kindern, dass die Meinung der Gesellschaft niemals an erster Stelle stehen sollte. Sie versucht, ihnen das zu geben, was ihr in ihrer Kindheit so sehr gefehlt hat. Denn alles, was einem Kind in Erinnerung bleibt, ist die Liebe und Fürsorge seiner Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, wofür Nosanin ihren Eltern dankbar ist, ist ihre Selbstständigkeit, Entschlossenheit und ihr Mut. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt sie es auch um, egal was es sie kostet. Ihren männlichen Charakter verbirgt sie hinter einem femininen, gepflegten Äußeren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin gibt zu, dass viele sie für eine verwöhnte „Weißhand“ [leicht spöttischer Begriff für eine nicht körperlich arbeitende Person, Anm. d. Übers.] halten, aber nur wenige wissen, was sie diese Verschleierung kostet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vorzüge von Töchtern im Islam</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Nachrichten aus Zentralasien liest man immer wieder von Aufsehen erregenden Selbstmordfällen von Frauen – sie haben sich vor einen Zug geworfen, sind von einer Brücke in einen Fluss gesprungen oder haben sich erhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im März dieses Jahres erschütterte der Selbstmord einer jungen Frau in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Navoiy">Navoiy</a>&nbsp;in Usbekistan die Öffentlichkeit. Sie versuchte, sich zusammen mit ihren drei Kindern vor einen Zug zu werfen. Es stellte sich heraus, dass der Grund für den Selbstmord ein Konflikt mit ihrem Ehemann war, der ihr vorwarf, dass sie ihm keinen Sohn gebären könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Gesellschaften Zentralasiens gilt es bis heute als selbstverständlich, dass ein Sohn besser ist als eine Tochter. Diese Stereotypen reichen weit in die Vergangenheit zurück, als Väter gemäß einem grausamen Brauch ihre neugeborenen Töchter beseitigten, indem sie sie lebendig begruben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glücklicherweise sind diese vorislamischen Zeiten (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsch%C4%81hil%C4%ABya">Dschahiliya</a>) längst vorbei. Der Islam, der die Unwissenheit abgelöst hat, verkündete, dass eine Tochter ebenso wie ein Sohn ein Segen Gottes ist. Davon zeugen zahlreiche <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>, die von den unzähligen Segnungen für diejenigen berichten, die Töchter großziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdulvohid Chimidow, Experte für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a>-Verwaltung beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_H%C3%B6chsten_Religionsgelehrten">Rat der Ulemas</a> von Tadschikistan, führte mehrere Hadithe als Beispiele an. In einem davon wird erwähnt, dass Gott diejenigen ins Paradies aufnehmen wird, die Töchter haben und ihnen keinen Schaden zufügen, sie nicht erniedrigen und sie nicht ihren Söhnen vorziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chimidow betont die Bedeutung der Erziehung von Mädchen, da sie die zukünftigen Mütter sind, die Helden und Gestalter der Geschichte zur Welt bringen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Alija Chamidullina für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20250425/eto-tvoi-docheri-ne-moi-kak-zhivut-tadzhikskie-mnogodetnie-semi-v-kotorih-rodilis-tolko-devochki">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Miss World 2025: Vertreterin Kirgistans prangert Gewalt gegen Frauen an</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/miss-world-2025-vertreterin-kirgistans-prangert-gewalt-gegen-frauen-an/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jun 2025 15:56:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ala-Kachuu]]></category>
		<category><![CDATA[Brautraub]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kanatbekowa]]></category>
		<category><![CDATA[Model]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei der Miss World 2025 in Indien bricht Ajdschan Tschanatschajewa das Schweigen: Vor den Kameras prangert die kirgistanische Vertreterin Ala-Katschuu, die Praxis der Entf&#xFC;hrung und Zwangsheirat, an. Beim Miss-World-Wettbewerb 2025, der dieses Jahr in Indien stattfand, prangerte die kirgistanische Vertreterin Ajdschan Tschanatschajewa die Praxis des Ala-Katschuu an, der Entf&#xFC;hrung von Frauen zum Zwecke der Zwangsheirat [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bei der Miss World 2025 in Indien bricht Ajdschan Tschanatschajewa das Schweigen: Vor den Kameras prangert die kirgistanische Vertreterin Ala-Katschuu, die Praxis der Entführung und Zwangsheirat, an.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Miss-World-Wettbewerb 2025, der dieses Jahr in Indien stattfand, prangerte die kirgistanische Vertreterin Ajdschan Tschanatschajewa die Praxis des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_Katschuu">Ala-Katschuu</a> an, der Entführung von Frauen zum Zwecke der Zwangsheirat – eine Praxis, von der in Kirgistan viele junge Frauen betroffen sind. Mit ihrem Dokumentarfilmprojekt „New Way“ hat sie diesen Brauch ins Rampenlicht gerückt und dabei die Tragödien der beiden jungen Frauen <a href="https://www.currenttime.tv/a/29257312.html">Burulaj Turdalijewa</a> im Jahr 2018 und <a href="https://www.hrw.org/fr/news/2024/09/17/la-tradition-nest-pas-une-excuse">Ajzada Kanatbekowa</a> im Jahr 2021 hervorgehoben, die beide Opfer dieser Praxis wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Model verurteilt diesen Brauch: <em>„Untersuchungen zufolge sind in den letzten Jahren Tausende junger Mädchen Opfer dieser grausamen Praxis geworden. Viele von ihnen wurden anschließend Opfer von Gewalt, verfielen in Depressionen und nahmen sich sogar das Leben“</em>, <a href="https://kloop.kg/blog/2025/05/12/kyrgyzstanka-vystupila-protiv-pohishheniya-zhenshhin-dlya-braka-na-konkurse-miss-mira/">erklärt</a> Tschanatschajewa.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nach wie vor tief verwurzelte Praxis</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Kirgistan findet Ala-Katschuu, was übersetzt „fangen und fliehen“ bedeutet, sehr oft unter Anwendung von Gewalt und Zwang statt, um sie zur Heirat zu drängen. Obwohl Brautraub seit 2012 illegal ist und mit Strafen von bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet wird, ist er nach wie vor weit verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/">Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ala-Katschuu geht für die betroffenen Frauen oft mit sozialem und familiärem Druck einher, da sie bei einer Ablehnung Stigmatisierung befürchten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Stellungnahme gegen das Schweigen des Staates</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stellungnahme von Ajdschan Tschanatschajewa steht im Zusammenhang mit einer Mobilisierung gegen Gewalt gegen Frauen in Kirgistan. Bereits 2022 hatte die kirgistanische Vertreterin beim Miss-Universe-Wettbewerb <a href="https://eurasianet.org/kyrgyzstans-miss-universe-contestant-pressured-into-apology-for-highlighting-gender-based-violence?">Altynaj Botojarowa</a> mit einem Outfit für Aufsehen gesorgt, das Gewalt gegen Frauen anprangerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das von Tschanatschajewa vorgestellte Projekt sieht die Einrichtung eines umfassenden kostenlosen Bildungsprogramms für Frauen vor, das wichtige Themen wie Politik, Recht, Berufsleben und Gesundheit behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig belegen offizielle Zahlen eine Verschärfung der Lage: <a href="https://www.amnesty.org/fr/location/europe-and-central-asia/eastern-europe-and-central-asia/kyrgyzstan/report-kyrgyzstan/">Laut Amnesty International</a> hat die Polizei zwischen Januar und Oktober in Kirgistan 14.293 Fälle häuslicher Gewalt registriert, was einem Anstieg von 37 Prozent gegenüber 2023 entspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-hoch-ist-der-grad-der-freiheit-und-sicherheit-von-frauen-in-zentralasien/">Wie hoch ist der Grad der Freiheit und Sicherheit von Frauen in Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2010 wurden laut einer von der Open Society Foundation in Auftrag gegebenen und <a href="https://www.rferl.org/a/kyrgyzstan-femicide-official-indifference/33137823.html">von Radio Free Europe/Radio Liberty</a> veröffentlichten Studie mehr als 1.100 kirgisische Frauen getötet. In 80 Prozent der Fälle waren die Täter Männer, und rund 75 Prozent der Opfer kannten ihren Angreifer persönlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Land, in dem patriarchale Strukturen nach wie vor verwurzelt sind, bleiben die Täter dieser geschlechtsspezifischen Gewalt oft straffrei. Die öffentliche Anklage von Ajdschan Tschanatschajewa unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Maßnahmen zum Schutz von Frauen zu verstärken und die kirgisische Gesellschaft für die Gleichstellung der Geschlechter und die Rechte der Frauen zu sensibilisieren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Bérénice Miniot, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/la-miss-kirghizstan-denonce-les-violences-faites-aux-femmes/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/miss-world-2025-vertreterin-kirgistans-prangert-gewalt-gegen-frauen-an/">Miss World 2025: Vertreterin Kirgistans prangert Gewalt gegen Frauen an</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Gebunden durch Tradition: Das stille Leiden der Schwiegertöchter in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 15:08:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Usbekistan gibt es eine besondere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt: den Missbrauch von und die Kontrolle &#xFC;ber Schwiegert&#xF6;chter. Dies spiegelt die kulturelle Tradition wider, nach der eine Braut &#x2013; Kelin &#x2013; ihr Elternhaus verl&#xE4;sst, um zu ihrem Ehemann und oft auch zu dessen Eltern zu ziehen. Ein Gro&#xDF;teil ihres jungen Lebens ist dem Ziel gewidmet, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Usbekistan gibt es eine besondere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt: den Missbrauch von und die Kontrolle über Schwiegertöchter. Dies spiegelt die kulturelle Tradition wider, nach der eine Braut &#8211; Kelin &#8211; ihr Elternhaus verlässt, um zu ihrem Ehemann und oft auch zu dessen Eltern zu ziehen. Ein Großteil ihres jungen Lebens ist dem Ziel gewidmet, eine zukünftige Kelin zu werden, eine Rolle, in der sie als leicht ersetzbar behandelt wird, auch wenn sich die Muster langsam ändern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das usbekische Wort „Kelin“ stammt von dem türkischen Verb „kel“ ab, das „kommen“ bedeutet. Wörtlich übersetzt bedeutet „Kelin“ also „diejenige, die kommt“ oder „diejenige, die gebracht wird“. Mädchen werden von klein auf als Gäste behandelt und als künftige Kelin in ihrem Elternhaus erzogen, wobei ihnen beigebracht wird, wie man den Haushalt führt und es allen recht macht. Die meisten Mädchen in Usbekistan <a href="https://daryo.uz/en/2025/01/08/uzbekistans-changing-marriage-trends-375%25-women-under-20-married-in-2024">heiraten recht jung</a> und beginnen ein traditionelles Leben voller Verachtung und Entbehrungen. Und in nicht allzu seltenen Fällen bezahlen die Kelins dafür mit ihrem Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Anmerkung des Herausgebers:</strong> Der folgende Artikel enthält Hinweise auf (extreme) Gewalt und Tod, die einige Leser beunruhigen könnten.</em></p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sie hat uns nur ein Jahr lang gut gedient“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rasuljon Imamov, 64, öffnete die Autotür und zog den Kopf seiner Schwiegertochter Gulmira heraus, die bewusstlos und keuchend auf dem Rücksitz lag. Er drehte ihr Gesicht nach unten, packte sie an den Haaren und zog das Messer, das er im Auto mit sich führte, an der linken Seite ihres Halses. „<em>Ich habe ihr schnell den Hals durchgeschnitten, weil das Messer scharf war, und ich habe den Kopf vom Körper getrennt, indem ich die Knochen gebrochen habe</em>“, erzählte er später.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An jenem Tag, dem 1. Oktober 2022, sah Rasuljon, wie seine Kelin das Abendessen zubereitete und bat darum, dass sie es gut mache. Gulmira, eine Mutter von zwei Kindern, die schon seit Jahren die Schläge ihres Mannes und die Streitigkeiten mit ihren Schwiegereltern satthatte, sagte daraufhin: „Ich werde es versuchen, aber du wirst essen, wie es zubereitet wird“, und schloss die Küchentür so fest, dass das Fenster zersprang. Rasuljon hatte genug von ihr. Was für eine Kelin würde seine Schwiegereltern nicht respektieren? In seinen Augen sollten Kelins stets gehorsam, unterwürfig und ehrerbietig sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die usbekischen Traditionen sind geprägt vom Respekt für ältere Menschen. Eltern, die Kinder, insbesondere Söhne, aufziehen, werden nie allein gelassen. Normalerweise bleibt der jüngste Sohn bei den Eltern, gründet seine eigene Familie und erbt später das Haus. Von seiner Frau, der Kelin, wird erwartet, dass sie sich um die Bedürfnisse der Schwiegereltern kümmert und ihnen gut dient. Gulmira heiratete 2011 den jüngsten Sohn der Familie Imamov, Khusniddin.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit geballten Fäusten betrat Rasuljon die Küche und schlug Gulmira mit einem einzigen Schlag an die Kehle, sodass sie bewusstlos zusammenbrach. Nur ihr schwerer Atem erfüllte die Stille. Ohne zu zögern, trug Rasuljon sie zu seinem Auto und fuhr zu einem nahen Hügel. Dort enthauptete er sie und entsorgte ihren kopflosen Körper in einer Müllschlucht. Dann steckte er ihren abgetrennten Kopf in einen Sack und legte ihn auf Wacholderbäume am Straßenrand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Sie hat uns nur ein Jahr lang gut gedient“,</em> sagte er später vor Gericht und erzählte von all den eskalierenden Konflikten zwischen den beiden. „<em>Ab dem zweiten Jahr begann sie sich zu verändern.</em>“ Trotz des Plädoyers von Gulmiras Vater für die höchstmögliche Strafe erhielt Rasuljon nur eine Strafe von 13 Jahren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gewalt gegen Mädchen und Frauen: Nationale Krise</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Offizielle Statistiken über Gewalt und Belästigung gegen Frauen in Usbekistan gibt es nur wenige, aber das Ausmaß lässt sich aus der Zahl der ausgestellten Schutzanordnungen ableiten. Im Jahr 2019 verabschiedete Taschkent ein <a href="https://lex.uz/docs/4494712?ONDATE=10.12.2021#6438986">Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt</a> und Belästigung, das sicherstellt, dass Hilfesuchende Schutzanordnungen erhalten können, zunächst für einen Monat. Im Durchschnitt beantragen <a href="https://thediplomat.com/2024/05/women-as-wives-how-uzbekistans-justice-system-fails-to-serve-women/">40.000 Frauen pro Jahr</a> eine solche Verfügung, wobei <a href="https://www.qalampir.uz/uz/news/-2375-80686">85 Prozent der Fälle enge Familienmitglieder betreffen</a> und häusliche Gewalt die häufigste Form des Missbrauchs darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">26 Prozent der Frauen, die an einer <a href="https://www.gazeta.uz/oz/2022/12/20/researches/">kürzlich durchgeführten Studie</a> teilnahmen, gaben an, dass sie von ihren Ehemännern misshandelt oder belästigt werden, weil ihre Schwiegereltern sie als respektlos empfinden. Allein im Jahr 2021 beantragten über 1500 Kelins Schutzanordnungen von ihren Schwiegermüttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem begehen <a href="https://daryo.uz/2021/01/08/mahalla-vazirligi-2020-yilda-900-nafardan-ortiq-ayol-oz-joniga-qasd-qilgan">jährlich etwa 600 Frauen Suizid</a>. Während der Covid-19 Lockdowns, als die Frauen mit ihren Ehemännern und Schwiegereltern zu Hause eingesperrt waren, <a href="https://iep-berlin.de/en/projects/enlargement-neighbourhood-and-central-asia/eurasia/studie-gbv/">stieg diese Zahl auf 900 an</a>. Das Ministerium für die Unterstützung von <a href="https://www.uzbekembassy.in/the-mahalla-a-unique-civil-society-institution-in-uzbekistan/">Mahalla</a> und Familie stellte fest, dass sich die meisten Frauen aufgrund von Konflikten mit ihren Ehemännern oder Schwiegereltern das Leben nahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wenn ich sterbe, beerdige meine Leiche im Haus deiner Großmutter, nicht hier</em>“, sagte Zilola leise zu ihrem 13-jährigen Sohn, als sie ihn zum letzten Mal zudeckte. Das Haus, in dem sie die letzten 17 Jahre verbracht hatte, kam ihr jetzt vor wie ein Gefängnis. Ihre Schwiegereltern wollten sie loswerden und sie durch eine neue, jüngere Kelin ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war froh, dass sie sich in den Tagen zuvor von ihrer Tochter verabschiedet und ihren Goldschmuck als Andenken weitergegeben hatte. „<em>Kümmere dich um deinen Bruder. Ich habe hier nie einen ruhigen Tag gehabt, aber du lebst gut</em>“, ermahnte sie ihre 15-jährige Tochter. „<em>Gib deinen Bruder nicht an deinen Vater. Wenn mir etwas zustößt, wird dein Onkel auf euch beide aufpassen</em>“, fügte sie hinzu und hielt sich an diesem schwachen Hoffnungsschimmer fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zilola heiratete Soyib Muftillayev, einen Schafhirten, an einem warmen Oktobertag im Jahr 2006. Von da an wurde sie sowohl von Soyib als auch von seiner älteren Schwester, Sabriya Muftillayeva, ständig verbal und körperlich misshandelt. Die Situation verschlimmerte sich, als Soyib beschloss, eine andere Frau zu heiraten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Tabu der Scheidung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Frauen in Usbekistan kommt eine Scheidung nicht infrage, so schrecklich das Eheleben auch sein mag. Geschiedene Frauen sind mit Scham und Stigmatisierung konfrontiert und können oft nur einen geschiedenen Mann wieder heiraten <a href="https://thediplomat.com/2022/02/uzbekistans-second-wives-marry-in-secret-and-suffer-without-legal-protections/">oder eine zweite Frau werden</a>. Ex-Ehemänner <a href="https://kun.uz/news/2020/07/17/farzandning-haqi-otalik-majburiyati-alimentning-huquqiy-va-diniy-asoslari-haqida?q=%2Fuz%2Fnews%2F2020%2F07%2F17%2Ffarzandning-haqi-otalik-majburiyati-alimentning-huquqiy-va-diniy-asoslari-haqida">umgehen die Unterhaltszahlungen</a> für die Kinder und <a href="https://platina.uz/o'z/2023/04/11/2022-yilda-73-ta-14-yoshga-tolmagan-bola-bilan-jinsiy-aloqaga-kirishish-jinoyati-sodir-etilgan-manba">beteiligen sich auch nicht aktiv an der Kindererziehung</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Soyib sich entschloss, unter dem Vorwand mangelnder Intimität eine andere Frau zu heiraten, wurde Zilolas Schwägerin ihr gegenüber noch grausamer. Sie demütigte Zilola vor anderen, schlug sie und machte sie bei anderen Verwandten ständig schlecht. „<em>Ich werde meinen Bruder mit einer anderen Frau verheiraten, du kannst dich nicht richtig um ihn kümmern</em>“, sagte Sabriya zu Zilola. „<em>Ich werde eine andere Frau mitbringen und du wirst dieses Haus verlassen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://thediplomat.com/2023/12/uzbekistan-takes-a-stance-against-promoting-or-endorsing-polygamy/">Polygamie ist illegal in Usbekistan.</a> Hunderttausende haben jedoch Zweit- oder sogar Drittfrauen, ohne eine offizielle Registrierung. <a href="https://thediplomat.com/2022/02/uzbekistans-second-wives-marry-in-secret-and-suffer-without-legal-protections/">Zweitfrauen sind gesetzlich nicht geschützt</a>, und dennoch erklären sich geschiedene Frauen oder Mädchen, die nach gesellschaftlichen Maßstäben als „abgelaufen“ gelten, bereit, eine Zweitfrau zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabriya fand eine junge Frau für seinen Bruder und bestand darauf, dass Zilola zumindest für ein paar Tage das Haus verlässt, damit sich die neue Kelin den Haushalt anschauen kann. „<em>Verlass das Haus oder nicht, wir bringen morgen die neue Kelin</em>“, sagten Soyib und seine Schwester zu Zilola und demütigten und erniedrigten sie ein letztes Mal vor ihren Angehörigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Nacht, nachdem sie ihren Sohn ins Bett gebracht hatte, stellte Zilola eine fünf Kilogramm schwere Propangasflasche in den Kühlschrank und öffnete das Ventil, sodass Gas ausströmte. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass eine andere Frau in ihrer Wohnung lebte &#8211; lieber zerstörte sie das Haus, als es zurückzulassen. Während sie sich mit einem Drahtseil aufhängte, löste das Gasleck eine gewaltige Explosion aus, die den Raum zum Einsturz brachte und ihre Leiche unter den Trümmern begrub. Soyib und Sabriya wurden später für schuldig befunden, Zilola in den Selbstmord getrieben zu haben. Sie wurden zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Leben in Knechtschaft und Kontrolle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt der häuslichen Gewalt gegen Kelins steht die körperliche Arbeit. Die Kelins müssen frühmorgens vor allen anderen aufstehen und alle Arbeiten im Haus erledigen. Sie dürfen nur dann arbeiten oder studieren, wenn sie alle ihre Aufgaben rechtzeitig erledigen und ihre Ehemänner und Schwiegereltern dies erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund setzen viele junge Frauen ihr Studium nach der Heirat nicht fort. <a href="https://kun.uz/news/2021/06/03/erta-turmushga-berilgan-ayollarning-yarmidan-kopi-oqishini-davom-ettirmagan-tadqiqot">Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab</a>, dass nur 37,6 Prozent der jungen Bräute nach der Hochzeit ein weiteres Studium aufnehmen. Fast 40 Prozent gaben an, dass sie aufgrund der Einwände ihrer Ehemänner (25,6 Prozent) oder ihrer Schwiegereltern (13,3 Prozent) nicht in der Lage waren, ihr Studium fortzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/"><strong>Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://gender.stat.uz/en/main-indicators/labor">Arbeitslosenquote der Frauen</a> ist doppelt so hoch wie die der Männer: 872.900 Frauen sind arbeitslos im Vergleich zu 459.800 Männern. <a href="https://strategy.uz/index.php?news=1255&amp;lang=uz">Verheiratete Frauen haben eine höhere Arbeitslosenquote</a> (56 Prozent) als unverheiratete Frauen (36 Prozent). Eine andere Umfrage ergab, dass 43 Prozent der Frauen aufgrund ihrer Pflichten im Haushalt, z. B. der Betreuung von Kindern oder älteren Verwandten, keine Arbeit suchen, während nur sieben Prozent der Männer den gleichen Grund angaben. Außerdem verdienen Frauen, die arbeiten, 39 Prozent weniger als Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Faktoren tragen dazu bei, dass junge Frauen von ihren Ehemännern und Schwiegereltern abhängig sind, was sie oft dazu zwingt, Missbrauch und Schikanen schweigend zu ertragen. Selbst wenn die Ehemänner für Monate und manchmal Jahre in die Arbeitsmigration gehen, leben die Frauen mit ihren Schwiegereltern zusammen und dienen ihnen geduldig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„<em>Geh, oder ich bringe dich um</em>“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Geh zurück in dein Elternhaus, oder ich bringe dich um</em>“, drohte der 63-jährige Gulimmet Djumanov seiner Kelin Odila* am Morgen des 21. Mai 2023 zum wiederholten Mal. Odilas Ehemann Anvar arbeitete als Arbeitsmigrant in Russland und ließ sie und ihre beiden Kinder bei seinen Eltern leben. (<a href="https://m.kun.uz/news/2024/09/20/rossiyadagi-eng-kop-mehnat-muhojirlari-ozbekiston-fuqarolari-ekani-malum-qilindi">Offiziell arbeiten derzeit 1,8 Millionen Usbeken in Russland</a>, die inoffiziellen Zahlen könnten jedoch noch viel höher sein).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrelang war die Beziehung zwischen Odila und ihren Schwiegereltern von Spannungen geprägt. Da sie sie der Untreue verdächtigten, teilten sie das Haus, sperrten Odila und ihre Kinder auf eine Seite und installierten zwei Kameras, um jeden ihrer Schritte zu überwachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag schlug Gulimmet Odila Berichten zufolge erneut. In ihrer Verzweiflung rief sie mehrmals ihre Familie an und flehte: „<em>Nehmt mich zurück, meine Schwiegermutter zwingt mich raus</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Gulimmet Alkohol getrunken hatte, griff er zu einem weißen Küchenmesser. Seine Frau Gavhar* stand vor Odilas Tür und drängte sie, zu gehen. Gulimmet versteckte das Messer in seiner weißen Socke, schob seine Frau zur Seite und betrat Odilas Zimmer. Während seine Enkelkinder im Alter von neun und elf Jahren entsetzt zusahen, stach er Odila in den Oberschenkel. Vor Schmerz rannte sie nach draußen. Gulimmet holte sie ein, als sie im Garten des Hauses zusammenbrach. Er stach ihr zuerst in die Brust und dann sechs bis sieben weitere Male in andere Körperteile. Er warf das Messer zur Seite. Gulimmet ignorierte die Nachbarn, die wegen des Lärms herauskamen, und ging in Richtung des Hauses seines Bruders, als er seine Frau schreien hörte: „<em>Du hast sie umgebracht</em>!“. Vor Gericht beteuerte er: „<em>Ich wollte sie nur bedrohen</em>“. Er erhielt eine satte Gefängnisstrafe von 16 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Hinweis:</strong> Bei den in den Geschichten genannten Namen handelt es sich um echte Namen, die in Gerichtsdokumenten genannt werden. Namen, die mit einem Sternchen * gekennzeichnet sind, wurden erfunden, da sie in den Gerichtsdokumenten nicht enthalten sind. Die von den örtlichen Gerichten überprüften Dokumente zu Mordfällen wurden im Rahmen des Forschungsprojekts „<a href="https://eca.unwomen.org/en/stories/in-focus/2024/06/in-focus-femicide-research-in-kazakhstan-tajikistan-and-uzbekistan">Data4Women</a>&#8220; gesammelt: Expanding the Existing Database to Tackle Femicides in Uzbekistan“, unterstützt von ECA UN Women, an dem die Autorin beteiligt ist. Die Autorin möchte den Mitgliedern des Forschungsteams, Swetlana Dzardanowa, Deniz Nasarowa und Gulnoza Achmedowa, sowie der Mentorin des Teams, Sawia Hasanowa, für ihre wertvollen Beiträge danken. Besonderer Dank gebührt auch Europe and Central Asia (ECA) UN Women für die Organisation und Finanzierung der Forschung.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Artikel ist eine eigenständige Arbeit der Autorin und die Ergebnisse und Meinungen spiegeln nicht unbedingt die offizielle Position oder Befürwortung des ECA UN Women oder anderer Teammitglieder des Femizidprojekts wider.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Niginakhon Saida</strong> <strong>für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt von Elisa Berste</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2024 21:43:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenraub]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jedes Jahr gibt es in Kirgistan 20 bis 30 Opfer von Femiziden, doch der Staat erkennt deren Existenz auf gesetzlicher Ebene nicht an. Von 2010 bis 2023 wurden 1.109 Frauen ermordet, ein Drittel davon waren Femizide. Am 15. Februar 2024 reichten die Angeh&#xF6;rigen der 19-j&#xE4;hrigen Asel Zhanarbek eine Erkl&#xE4;rung bei der Bezirkspolizeibeh&#xF6;rde Issyk-Ata ein. An [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr gibt es in Kirgistan 20 bis 30 Opfer von Femiziden, doch der Staat erkennt deren Existenz auf gesetzlicher Ebene nicht an. Von 2010 bis 2023 wurden 1.109 Frauen ermordet, ein Drittel davon waren Femizide.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. Februar 2024 reichten die Angehörigen der 19-jährigen Asel Zhanarbek eine Erklärung bei der Bezirkspolizeibehörde Issyk-Ata ein. An diesem Tag hatte sie ihr Haus in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kant_(Kirgisistan)">Kant</a> verlassen und war verschwunden. Zuvor hatte sie ihrer Mutter eine Audionachricht geschickt, in der sie ihr mitteilte, dass sie sich umbringen würde und dass ihr Mann dafür verantwortlich sei. Ihre Leiche wurde am 18. März im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Ch%C3%BCy_Canal">Großer Tschui-Kanal</a> (GTK) gefunden. Zuvor hatten sich Angehörige über die Untätigkeit der Polizei beschwert. Das Mädchen hatte zwei Monate zuvor geheiratet. Ihr Vater <a href="https://24.kg/proisshestvija/287985_rodstvenniki_19-letney_propavshey_devushki_jaluyutsya_nabezdeystvie_militsii_/">erzählte</a> gegenüber 24.KG, dass seine Tochter in den Selbstmord getrieben worden sein könnte. Die Publikation berichtet auch, dass Asels Onkel an 15 Stellen in der Nähe des GTK Blutspuren gefunden und diese fotografiert habe. Die Ermittler:innen hätten jedoch keine Proben zur Untersuchung entnommen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr 2024 begann auch mit dem Tod der 23-jährigen Aikyz Kalmurza. Sie war taubstumm und hatte eine Behinderung der Gruppe 1. Das Paar geriet in Streit und der Mann erwürgte seine Frau vor den Augen ihrer dreijährigen Tochter. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden ereignete sich der Mord am 2. Januar im Dorf Masaliev im Bezirk <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kadamjay_District">Kadamzhai</a> in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Batken</a>. Der örtliche Polizeibeamte Akylbek Amiraev sagte, dass ein Strafverfahren gemäß Artikel <em>„Mord“</em> im <a href="https://cbd.minjust.gov.kg/112309/edition/3548/ru?anchor=st_122">Strafgesetzbuch</a> der Kirgisischen Republik eröffnet worden sei. Angehörige der Verstorbenen <a href="https://rus.azattyk.org/a/32771539.html">berichteten</a> Reporter:innen, dass sie bereits zuvor geschlagen worden und im Krankenhaus gelandet sei. Doch ihre Appelle an die Polizei waren wirkungslos geblieben – es waren keine Maßnahmen ergriffen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regionalpolizei Batken berichtete, dass seit Jahresbeginn im Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Andarak">Andarak</a> sieben Frauen versuchten, Selbstmord zu begehen. Fünf von ihnen starben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Femizide in Kirgistan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Femizid versteht man die Tötung einer Frau durch einen Mann aus Hass auf Frauen, Geschlechterdiskriminierung und/oder staatlich sanktionierter geschlechtsspezifischer Gewalt. Die überwiegende Mehrheit der Morde an Frauen in Kirgistan wurde von Männern begangen – durchschnittlich acht von zehn Morden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In drei von vier Fällen kannte die ermordete Frau ihren Mörder (Partner, Verwandten oder Freund), und die Hauptgründe waren: <em>„sie störte das Fernsehen“</em>, <em>„kochte Essen langsam“</em>, Eifersucht, Familienbudget, Heiratsverweigerung, Verweigerung des Geschlechtsverkehrs. Die Opfer von Femiziden wurden mit besonderer Grausamkeit, Brutalität und Aggression getötet. Bei 2/3 der Femizide handelte es sich um Mehrfachverletzungen, mehrere Stichwunden und Strangulation. In 70 von 100 Fällen von Frauenmorden entsorgte der Mörder die Leiche, um das Verbrechen durch Verbrennen oder Zerstückeln zu vertuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2017 wurden Leitlinien für Richter:innen entwickelt, die über Fälle von Tötung und schwerer Gesundheitsschädigung mit Todesfolge entscheiden. In diesem Dokument werden Femizide nicht thematisiert. Im Jahr 2019 erschien Artikel 135 des Strafgesetzbuches der Kirgisischen Republik <em>„Todesursache durch Fahrlässigkeit“</em>, wonach Fälle registriert werden, in denen es sich bei der Verstorbenen um eine Frau handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgistan muss die Existenz von Femiziden auf gesetzlicher Ebene anerkennen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ende September 2023 wurde die 36-jährige Asel Nogoibaeva Opfer von Gewalt. Sie entkam zwar dem Tod durch ihren Ex-Mann,doch sie wurde grausam verstümmelt – ihr Mann hatte ihr Nase und Ohren abgeschnitten. Der jüngste Sohn, der der einzige Zeuge der brutalen Misshandlung seiner Mutter wurde, kann nicht sprechen. Asels Berufung wurde erst stattgegeben, nachdem der Fall in den Medien bekannt wurde. Am 26. Januar verurteilte das Bezirksgericht <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sokuluk">Sokuluk</a> Azamat Estebesov dann zu 20 Jahren Gefängnis. Der Gerichtsentscheidung zufolge muss der Angeklagte seiner Ex-Frau Asel 2 Millionen Soms (22,34 Tausend US-Dollar) zahlen. Asels Anwält:innen und Angehörige fordern eine Bestrafung des Richters, der den Verbrecher zuvor unter Bewährung freigelassen hatte. Sie fordern außerdem, dass die Generalstaatsanwaltschaft unverzüglich eine Untersuchung wegen Fahrlässigkeit seitens der Strafverfolgungsbehörden einleitet. Wie sich herausstellte, hatte Asel allein im letzten Jahr fünf Schutzanordnungen gegen ihren Ex-Mann erlassen. Aber keine davon war umgesetzt worden: Der Mann war weiterhin zu ihr nach Hause gekommen, hatte sie geschlagen und vergewaltigt. Die Polizei hatte nicht auf ihre Beschwerden reagiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Fall ereignete sich im Winter 2023 &nbsp;als eine Mutter und ihre beiden Kinder brutal ermordet wurden. Die Frau wurde geschlagen und aus dem Fenster geworfen, die Kinder wurden erstochen und erdrosselt. Der Mörder arbeitete zuvor im Staatssicherheitsdienst des Staatskomitees für nationale Sicherheit und nahm an Parlamentswahlen teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der schlimmsten Mordfälle ereignete sich im Jahr 2018. Die 19-jährige Burulai wurde von dem Mann, der sie geraubt hatte und der sie heiraten wollte, erstochen. Nach der Entführung kontaktierten Burulais Eltern die Polizei, der Täter wurde festgenommen und zur Polizei gebracht. Der Entführer und Burulai wurden in eine Abteilung des Innenministeriums gebracht und aus irgendeinem Grund dort allein gelassen. Das Mädchen wurde von ihrem Entführer direkt auf der Polizeistation getötet. Das Gericht verurteilte den Entführer Burulais zu 20 Jahren Haft in einem Hochsicherheitstrakt und beschlagnahmte sein Eigentum. Auch die Abteilungsleitung des Innenministeriums, in der Burulai ermordet wurde, wurde entlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 wurde die 27-jährige Aizada Kanatbekova ein ebenfalls Opfer der Tradition des Brautdiebstahls. Anfang April, am frühen Morgen, zeichnete eine Überwachungskamera der Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a> auf, wie das Mädchen in ein Auto gezwungen und weggebracht wurde. Die Polizei, an die sich Aizadas Verwandte sofort wandten, weigerte sich, die Aussage aufzunehmen. Einer der Mitarbeiter:innen soll sogar unpassend gescherzt haben: <em>„Warum machen Sie Lärm? Bereiten Sie sich auf die Hochzeit vor“.</em> Zwei Tage später wurde das Mädchen in der Nähe der Hauptstadt gefunden. Der Entführer hatte sie vergewaltigt, anschließend mit einem T-Shirt gewürgt und mehrmals auf sie eingestochen. Danach beging er Selbstmord. Nach dem Vorfall forderten die Bürger:innen, dass alle an diesem Verbrechen Beteiligten sowie diejenigen, deren Untätigkeit zum Tod von Kanatbekova führte, vor Gericht gestellt werden. In Bischkek und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> fanden Proteste <em>„</em><a href="https://storage.googleapis.com/qurium/kloop.kg/blog-2022-07-08-v-bishkeke-i-oshe-proshli-aktsii-protiv-nasiliya-v-otnoshenii-devochek-i-zhenshhin.html#:~:text=08%20%D0%B8%D1%8E%D0%BB%D1%8F%202022%208%20%D0%B8%D1%8E%D0%BB%D1%8F%20%D0%B2%20%D0%91%D0%B8%D1%88%D0%BA%D0%B5%D0%BA%D0%B5%20%D0%BF%D0%B5%D1%80%D0%B5%D0%B4,%D0%B8%D0%B7%D0%BD%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D0%B8%2013-%D0%BB%D0%B5%D1%82%D0%BD%D0%B5%D0%B9%20%D0%B4%D0%B5%D0%B2%D0%BE%D1%87%D0%BA%D0%B8%2C%20%D0%BF%D0%BE%20%D0%BA%D0%BE%D1%82%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%BC%D1%83%20%D0%BE%D0%B1%D0%B2%D0%B8%D0%BD%D1%8F%D1%8E%D1%82%20%D0%B4%D0%B2%D1%83%D1%85%20%D0%BC%D0%B8%D0%BB%D0%B8%D1%86%D0%B8%D0%BE%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%BE%D0%B2."><em>Против насилия</em></a><em>“</em> <em>(Gegen Gewalt, Anm. der Redaktion)</em> statt, bei denen der Rücktritt des Innenministers und Reformen in den Strafverfolgungsbehörden gefordert wurden. Die Ermittlungen zum Mordfall wurden aufgrund des Todes des Entführers eingestellt. Die entlassenen Polizist:innen kehrten nach einiger Zeit wieder in den Dienst zurück und wurden keine Reformen durchgeführt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Tradition der Ehe und Stereotypen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Frauen gehören zu den tausenden Mädchen in Kirgistan, die jedes Jahr entführt werden, um sie zur Heirat (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_Kachuu">Ala-Katschuu</a>) zu zwingen. Die Menschenrechtsorganisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House">Freedom House</a> schätzt die Zahl solcher Entführungen jährlich auf 8.000 bis 12.000. Jede fünfte Familie in Kirgistan ist das Ergebnis von Ala-Katschuu. Ein gestohlenes Mädchen aus dem Haus des Bräutigams zu holen, gilt als Schande, weshalb viele Eltern ihre Töchter bei Männern zurücklassen, die ihnen unbekannt sind. Für solche Verbrechen gibt es im Land strafrechtliche Sanktionen. In den letzten Jahren häuften sich nach Angaben von Menschenrechtsaktivist:innen die Anrufe bei der Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistanischer-sicherheitsdienst-veroeffentlicht-persoenliche-daten-von-sexarbeiterinnen/">Kirgistanischer Sicherheitsdienst veröffentlicht persönliche Daten von Sexarbeiterinnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal verheiratet, ertragen Frauen Gewalt und Demütigung durch ihre Ehemänner, weil die Gesellschaft geschiedene Frauen verurteilt. Nach <a href="https://www.stat.kg/ru/news/semejnoe-nasilie-sredi-zhenshin-i-muzhchin/">Angaben</a> des Nationalen Statistikausschusses hat sich in Kirgistan die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in den letzten sechs Jahren fast verdreifacht, 96 % davon sind Frauen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2023 wurden 8.512 Fälle von Gewalt in der Familie registriert. Nur 2 % gehen vor Gericht. Dies zeigt auch, wie sehr das Justizsystem und die Gesetzgebung des Landes dazu beitragen, dass Femizide stattfinden, und dass die Untätigkeit der Polizei die Situation nur verschlimmert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Problem liegt in den Traditionen, die sich in den Strafverfolgungsbehörden in Bezug auf Fälle wie Ala-Katschuu, Gewalt und Mord an Frauen entwickelt haben,“</em> so Nurbek Toktakunov, Menschenrechtsaktivist und Anwalt der Familie der ermordeten Aizada Kanatbekova. <a><em>„Es ist notwendig, bestimmte Traditionen ins Strafverfolgungssystem zu integrieren und Fahrlässigkeit zur Rechenschaft zu ziehen</em></a><em>. Diejenigen, die nach den Morden an Burulai und Aizada entlassen wurden, wurden schnell wieder eingestellt [&#8230;] Korruption als Möglichkeit, Strafen zu vermeiden, das Fehlen von Mechanismen zur Verhinderung häuslicher Gewalt, das Vorhandensein von Geschlechterstereotypen und diskriminierenden Einstellungen gegenüber Frauen – all dies macht ein sofortiges Eingreifen der staatlichen Behörden und der Strafverfolgungsbehörden erforderlich.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aigerim Turgunbaeva für Cabar</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/zhenshhiny-prodolzhayut-umirat-pochemu-kyrgyzstan-ne-priznaet-sushhestvovaniya-femitsida-na-zakonodatelnom-urovne">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Berenika Zeller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jun 2023 11:01:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Mord]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gewalt und Mord an Frauen ist in Usbekistan und weltweit nicht nur ein von Medien und Strafbeh&#xF6;rden vernachl&#xE4;ssigtes, sondern ein gesellschaftliches Problem. Im Artikel von Cabar.Asia sind Medienberichte von Morden und Gewaltakten an Frauen und M&#xE4;dchen in Usbekistan mithilfe von Analysekategorien der UNO als Femizide identifiziert und gesammelt. In den letzten Jahren wurde in Usbekistan [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gewalt und Mord an Frauen ist in Usbekistan und weltweit nicht nur ein von Medien und Strafbehörden vernachlässigtes, sondern ein gesellschaftliches Problem. Im Artikel von </strong><a href="https://cabar.asia/ru/femitsid-v-uzbekistane-dlya-togo-chtoby-zashhitit-zhenshhin-nuzhny-bolee-sereznye-mehanizmy"><strong>Cabar.Asia</strong></a><strong> sind Medienberichte von Morden und Gewaltakten an Frauen und Mädchen in Usbekistan mithilfe von Analysekategorien der UNO als Femizide identifiziert und gesammelt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren wurde in Usbekistan zunehmend über Gewalt gegen Frauen berichtet. In vielen dieser Fälle wurden Frauen ermordet. Die CABAR.asia-Schulungsteilnehmerin Luiza Atabaeva hat Fälle analysiert, die zwischen 2015 und 2023 in den usbekischen Medien veröffentlicht wurden. Es handelt sich dabei um sogenannte Femizide.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Femizid</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Femizid oder Feminizid handelt es sich um den geschlechtlich motivierten Mord an Frauen, der auf Frauenhass beruht und vom Staat geduldet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 hat die UNO „Femizid“ erstmals umfassend definiert:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tötungen von Frauen, die von einem Intimpartner oder anderen Familienmitgliedern begangen werden (z. B. Ehrenmorde) und von anderen bekannten oder unbekannten Tätern mit einem bestimmten Vorgehensmuster oder in bestimmten Kontexten begangen werden, die auf geschlechtsspezifische Motive hinweisen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://drive.google.com/file/d/10LJ9h_y9atroFg9ghR7G0lbuqBe9_xhH/view">Bericht der UNO</a> aus dem Jahr 2022 wurde als Analysekategorie für die Untersuchung von Femiziden in Usbekistan verwendet. Es konnten 150 Fälle aus über 6000 untersuchten Medienberichten identifiziert werden, die von 2015 bis 2023 auf den Webseiten usbekischer Nachrichtenagenturen publiziert wurden. Es handelte sich bei diesen identifizierten Fällen um geschlechtsspezifisch motivierte Tötungen, die den Kriterien der UNO und des <a href="https://eige.europa.eu/publications-resources/thesaurus/terms/1192">Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE)</a> entsprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Opfer in unserer Datenbank wurden vom Täter oder von Verwandten körperlich, sexuell oder psychisch missbraucht. Manche waren Opfer von sexualisierter Ausbeutung oder wurden aufgrund eines bestimmten Vorurteils gegen Frauen angefeindet. Im manchen Fällen wurde gar der Körper der Opfer verstümmelt. Es gäbe noch viele weitere Fälle, in denen Frauen ermordet oder zum Suizid bewegt wurden, jedoch aufgrund des fehlenden Kontexts [bestimmte kontextuelle Faktoren werden vom Analysemuster des UNO-Berichts verlangt, um eindeutig von Femizid sprechen zu können – Anm. d. Red. von Novastan] nicht eindeutig als Femizid klassifiziert werden können.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie sich Femizid in Medienberichten äußert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Mirziyoyev</a> an die Macht kam, wurde über Fälle von Gewalt gegen Frauen in den Medien so gut wie nicht berichtet. Das wichtigste russischsprachige Nachrichtenportal <a href="https://www.gazeta.uz/uz/">gazeta.uz</a> begann erst nach 2018, Nachrichten über häusliche Gewalt oder Femizid zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung solcher Themen leistete die Zeitschrift &#8222;<a href="https://nemolchi.uz/">Nemolchy.Uz</a>&#8220; unter Leitung von <a href="https://www.goethe.de/ins/uz/de/spr/eng/pas/psa/pasch/22093926.html">Irina Matvienko</a>. Doch Femizid ist immer noch ein verkanntes Problem, sowohl in Usbekistan als auch weltweit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der usbekische Dienst von Radio Liberty, Ozodlik, berichtet über Frauenmorde, ohne dabei den Akzent auf den geschlechtlich motivierten Mord zu legen. Wurde etwa eine Frau mit dem Messer erstochen, so wird hauptsächlich über familiäre Messerstechereien und Gewalt in der Familie berichtet. Auf das eigentliche Opfer wird der Fokus nicht gelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Eifersucht verübte Morde werden gar unter der humorvollen Überschrift „Samarkands Othello tötete seine Frau“ veröffentlicht. In den usbekischsprachigen Medien wird in den Nachrichten über Frauenmorde häufiger von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter-Opfer-Umkehr">Victim blaming</a> [Opferbeschuldigung – Anm. d. Red. von Novastan] berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Victim blaming“ bezeichnet ein Vorgehen, das die Schuld des Täters auf das Opfer verlagert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So resümiert die usbekische Nachrichtenagentur <a href="https://uza.uz/uz">UzA</a> über den Mord einer Ehefrau, die ihrem Mann kein Abendessen gekocht hat, mit dem usbekischen Sprichwort „Qars ikki qo’ldan chiqadi“ (zu Deutsch: „Es sind immer beide Seiten schuld). Ungeachtet der Tatsache, dass es sich beim Mord an Frauen und Mädchen um männliche Wut und um das gesellschaftliche Phänomen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heteropatriarchat">Patriarchat</a>s handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum töten Männer in Usbekistan Frauen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medienanalyse zeigt, dass Männer häufiger Gewalt anwenden und Frauen töten, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine 21-Jährige kam wegen ihres vollen Arbeitstages spät von der Arbeit nach Hause. Während sie Abendessen kochte, kam ihr Mann nach Hause und es kam zu einem Streit zwischen den beiden, da die Frau keine Zeit gefunden hatte, das Haus zu putzen und das Abendessen zu kochen. Daraufhin griff der Ehemann seine Frau mit seinen Fäusten an und schlug sie zu Tode. Die Frau erlitt mehrere Schürfwunden, ein Schädeltrauma und Blutungen am ganzen Körper. Der Mann wurde zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt. Dies ist ein Femizid.</p>


<p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Juni 2020 <a href="https://darakchi.uz/ru/96100">hackte</a> ein Einwohner von Namangan während eines Streits mit einer Axt auf seine Frau ein und griff dann seine Töchter, zehn und acht Jahre sowie vier Monate alt, an. Den Älteren gelang es, zu den Nachbarn zu laufen und zu entkommen, während die Jüngste getötet wurde. Dies ist Femizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. Juni erfuhr ein Vater in dem Dorf in der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farg%CA%BBona">Ferghana</a>, dass sich seine 16-jährige Tochter mit einem Jungen in seinem Auto traf. Der wütende Mann schlug seiner Tochter mehrmals auf den Kopf, so dass sie das Bewusstsein verlor. Nachdem der Vater seiner Tochter Wasser ins Gesicht gespritzt hatte, belebte er sie wieder und befahl ihr, niemals wieder mit dem Jungen zu sprechen. Das Mädchen ging in ihr Schlafzimmer und erlag ihren Verletzungen. Auch dies ist Femizid.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Zuhause, ein gefährlicher Ort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die in den Meldungen über Verbrechen gesammelten Daten spiegeln nicht das gesamte Bild der Femizide in Usbekistan wider, aber sie werden am häufigsten verwendet, wenn es Lücken in den offiziellen Statistiken gibt. So geben die Daten der Präsidialagentur für Statistik beispielsweise nur das Geschlecht und das Alter des Täters an, nicht aber das des Opfers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus war es nicht möglich, Zahlen über Morde an Frauen durch Intimpartner oder Verwandte zu finden. Das Büro des Generalstaatsanwalts von Usbekistan hat auf Anfragen nicht geantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einem Bericht der Strafverfolgungsbehörden vom April 2022 geht hervor, dass von 39.343 gemeldeten Fällen von Gewalt und Nötigung gegen Frauen und Mädchen 34.330 – das sind 87 Prozent – im häuslichen Bereich begangen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass geschlechtsspezifisch motivierte Tötungen von Frauen und Mädchen von aktuellen oder ehemaligen Intimpartnern oder anderen Familienmitgliedern begangen werden. Die Tötung von Frauen steht häufig im Zusammenhang mit dem Bedürfnis der Männer, Frauen zu kontrollieren oder für ein als inakzeptabel erachtetes Verhalten zu bestrafen, und es gibt Hinweise darauf, dass Frauen besonders häufig Opfer dieser Art von Tötung werden“, heißt es im UN-Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zusammengetragene <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit?usp=share_link">Datenbank</a> bestätigt diese Aussage. In den meisten Fällen kannte die Frau ihren Mörder. Der Täter war ihr Ehemann, Freund, Lebensgefährte, Ex-Ehemann oder ein anderer männlicher Verwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit">vorliegenden Untersuchung</a> waren Mörder zu 51 Prozent Ehemänner/Partner, zu 37 Prozent Väter, Schwiegermütter, Söhne, Brüder, Schwager usw., zu 12 Prozent unbekannt, zu 8 Prozent kam es zu einer Verleitung zum Selbstmord, zu 4 Prozent war es der Ex-Mann, zu 10 Prozent ein männlicher Bekannter, zu 8 Prozent ein Unbekannter, zu 13 Prozent Andere.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorwände, Motive, Gründe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptmotiv für Femizid ist der häusliche Konflikt. In vielen Fällen entstanden die Familienstreitigkeiten vor dem Hintergrund männlicher Aggressionen: weil die Frau keine Jungen zur Welt brachte, „Worte sagte, die sein Ego verletzten“, die Hausarbeit nicht erledigte, die Scheidung wollte, die Schwiegermutter sie schikanierte oder ihr Mann systematisch häusliche Gewalt ausübte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die feministische Gemeinschaft „Nemolchi.uz“ ist der Ansicht, dass die Mahalla-Ausschüsse in ihrem Bemühen, die Scheidungsstatistiken zu senken, die häusliche Gewalt mit dem Begriff „häusliche Konflikte“ verschleiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für viele Frauen ist das Zuhause zum gefährlichsten Ort geworden, denn hier werden sie misshandelt, geschlagen oder gar getötet. Es gibt keinen Grund, Mord und Femizid hinter dem neutralen Begriff &#8218;häusliche Konflikte&#8216; zu verstecken. Selbst der Begriff &#8218;häusliche Gewalt&#8216; ist zu harmlos geworden, um auszudrücken, was in diesem Land geschieht“, heißt es in einem der <a href="https://t.me/nemolchiuz/7484">Beiträge der Gemeinschaft</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig ist der Grund für häusliche Gewalt ungerechtfertigte Eifersucht oder der Verdacht auf Untreue seitens eines Ehepartners, der seine Frau als sein Eigentum betrachtet. Dies ist das zweithäufigste Motiv bei Femiziden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fälle, in denen Frauen von einer anderen Frau ermordet werden, können ebenfalls als Femizid eingestuft werden, wenn das Verbrechen zu Gunsten des Mannes begangen wird oder wenn das Opfer nicht den patriarchalischen Einstellungen und kulturellen Normen entspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Zusammenhang mit solchen schädlichen Praktiken können nicht nur männliche, sondern auch weibliche Verwandte das Opfer absichtlich angreifen“, heißt es im UN-Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde beispielsweise im Januar letzten Jahres eine Frau <a href="https://darakchi.uz/ru/136266">verurteilt</a>, die in einem Wutanfall 32-mal mit einem Messer in ihre Schwiegertochter einstach, vor Augen der drei Enkelkinder. Der Schwiegermutter gefiel die Kleidung nicht, die ihre Schwiegertochter ihren Kindern gekauft hatte.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tötungsarten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analyse ergab, dass in 60 Prozent der Fällen die Frauen mit einem Küchenmesser oder mit einer anderen scharfkantigen Tatwaffe wie einer Axt, Hacke, Schere oder Kettensäge getötet wurden. Die meisten Opfer wiesen mehrere Stichwunden am Körper auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An zweiter Stelle stehen Schläge mit tödlichen Folgen aufgrund von Verletzungen und Strangulation. Einige dieser Morde wurden mit besonderer Grausamkeit begangen. Der Täter griff auf gemischte Methoden des Femizids zurück, nachdem er versucht hatte, die Frau zu strangulieren, sie mit bloßen Händen zu schlagen oder das Verbrechen zu verbergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter „Sonstige“ sind Fälle zu verstehen, in denen Leichen von Frauen gefunden wurden, aber keine Angaben zur Tatwaffe oder zur Art der Verletzungen vorliegen. Darunter zählen auch einige Selbstmordfälle mit geschlechtsspezifischen Merkmalen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten werden Frauen mit einem Küchenmesser umgebracht. In 60 Prozent aller <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit?usp=sharing">Fälle</a> wurde eine Frau mit einem Küchenmesser erstochen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie werden Strafverfahren im Zusammenhang mit Femiziden behandelt?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Datenbank zufolge werden 57 Prozent der Verbrechen, bei denen das Opfer eine Frau war, als „vorsätzlicher Mord“ registriert.&nbsp; Bei einigen vorsätzlichen Morden kommt ein erschwerender Umstand hinzu &#8211; Schwangerschaft der ermordeten Frau oder Mord an Kindern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast ein Viertel der Fälle wird als &#8222;vorsätzliche Körperverletzung&#8220; registriert, und der Täter erhält für den versuchten oder vollendeten Mord an einer Frau eine bis zu 10-jährige Gefängnisstrafe. Dabei handelt es sich in der Regel um Fälle, in denen ein Ehemann seine Frau mit bloßen Händen zu Tode schlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund ein Viertel der Fälle von Femizid fallen unter die Artikel „Verleitung zum Selbstmord“ und „Selbstmord“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April dieses Jahres hat eine 27-jährige Frau in Taschkent zunächst ihre beiden Söhne (4 und 5 Jahre alt) aus einem Schlafzimmerfenster aus dem neunten Stock geworfen und ist dann selbst zusammen mit ihrer einjährigen Tochter aus dem Fenster gesprungen. Alle vier starben. Zum Zeitpunkt der Tragödie befand sich der Ehemann der Frau in Saudi-Arabien, wo er die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmra">Umra</a> vollzog. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Information, dass der Ehemann seiner Ehefrau Fotos von sich mit einer anderen Frau im Ausland schickte, doch der Ehemann bestreitet dies. Die Aktivist:innen des Projekts <a href="https://www.wmmsk.com/femicid/">FEMICID.NET</a> des Moskauer Frauenmuseums bezeichnen solche Fälle als indirekten Femizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtlerin Dilfuza Kurolova, die an der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs gegen häusliche Gewalt mitgewirkt hat, ist der Ansicht, dass Fälle von Anstiftung zum Selbstmord und Selbstmorde selbst das Ergebnis wiederholter Handlungen oder Unterlassung sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist sehr schwierig, einen Selbstmord nachzuweisen, da es in den meisten Fällen keine direkten Beweise gibt und alles von der Qualität der gerichtsmedizinischen und gerichtspsychologischen Untersuchungen und Ermittlungsbehörden abhängt“, so die Juristin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Datenbank finden sich mehrere Fälle von jungen Frauen, die aufgrund der Gewalt ihres Vaters gegen ihre Mutter Selbstmord begingen. Andere häufige Fälle von Selbstmord wurden begangen, da dem Vater der Opfer Fotos [vermutlich handelt es sich um Nacktbilder oder Bilder in Unterwäsche, die ohne Einverständnis der Frauen von Drittparteien verbreitet wurden und an den Vater gesendet wurden, um die Opfer zu erniedrigen – Anm. der Red. von Novastan] zugeschickt wurden. Aufgrund der Reaktion des Vaters beging die Tochter Suizid. Weitere Fälle von Selbstmord geschahen in Folge von sexuellem Missbrauch. In all diesen Fällen weigerte sich die Staatsanwaltschaft jedoch, ein Strafverfahren einzuleiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wird die Kriminalisierung häuslicher Gewalt das Problem lösen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Regierung keine Maßnahmen zur Verringerung der Gewalt gegen Frauen ergriffen hat. Im April dieses Jahres ist ein <a href="https://xs.uz/ru/post/o-vnesenii-izmenenij-i-dopolnenij-v-nekotorye-zakonodatelnye-akty-respubliki-uzbekistan-v-svyazi-s-dalnejshim-sovershenstvovaniem-sistemy-nadezhnoj-zaschity-prav-svobod-i-zakonnykh-interesov-zhenschin-i-detej-3">Gesetz</a> zur Änderung des usbekischen Systems zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt in Kraft getreten. Ein Paket verabschiedeter Änderungen des Straf- und Verwaltungsrechts des Landes sieht eine getrennte verwaltungs- und strafrechtliche Haftung für häusliche Gewalt und Belästigung vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als häusliche Gewalt gelten nun nicht nur Übergriffe, sondern auch die Verletzungen von Rechten (auf Eigentum, Bildung, Gesundheit und Arbeit), Beleidigungen, Drohungen und die erzwungene Trennung von engen Verwandten. Darüber hinaus kann eine Schutzanordnung, die bisher für 30 Tage ausgestellt wurde, nun auf bis zu ein Jahr verlängert werden. Die Strafen für sexuelle Gewalt wurden ebenfalls verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Expert:innen und Menschenrechtsaktivist:innen bezweifeln allerdings den Erfolg des neu verabschiedeten Gesetzes. Sie befürchten, Stereotype in der patriarchalischen Gesellschaft Usbekistans werden nach wie vor überwiegen. Als eine Schwierigkeit sehen sie auch die Anfälligkeit der Strafverfolgungsbehörden für Korruption.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin Dilfuza Kurolova ist der Meinung, dass die Kriminalisierung der häuslichen Gewalt keine maßgeblichen Auswirkungen auf die Situation der Femizide haben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leider wird [dieses Gesetz] nicht in der Lage sein, [Femizid] zu verhindern, weil es immer noch psychologische und finanzielle Gewalt gibt. Die Opfer können die Anzeige jederzeit zurückziehen und Ermittlungen einstellen, und das ist ein großes Problem. Deshalb muss der Artikel 66-1 des Strafgesetzbuchs, nach dem ein Verdächtiger aufgrund einer Versöhnung von der strafrechtlichen Verantwortung befreit werden kann, überarbeitet oder aufgehoben werden“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Expertin, die im Bereich Frauen und Kinderrechte tätig ist und nicht genannt werden möchte, betont, dass die Kriminalisierung der häuslichen Gewalt ein positiver Schritt ist, dass aber die Verschärfung der Strafen allein das Problem nicht lösen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sehen, dass die Rolle der Frauen in Usbekistan trotz der Bemühungen der Regierung und einer aktiveren Zivilgesellschaft in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Das liegt auch daran, dass es in der Gesellschaft insgesamt keine absolute Absenz für die Duldung von Gewalt gibt. Wir stellen fest, dass sich in unserer Gesellschaft eine patriarchalische Haltung gegenüber Mädchen und Frauen durchsetzt, die, wie mir scheint, nicht ganz korrekt ist, und auf einer völlig falschen Auslegung der islamischen Vorschriften über die Erziehung und die Rolle der Frau in der Gesellschaft beruht, in der nur von den Pflichten der Frauen die Rede ist und die Pflichten der Männer gegenüber den Frauen vergessen werden“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch internationale Menschenrechtsorganisationen haben ihre Besorgnis geäußert. In dem <a href="https://eurasia.amnesty.org/wp-content/uploads/2022/12/nasilie-v-otnoshenii-zhenshhin-v-vostochnoj-evrope-i-czentralnoj-azii.pdf">Bericht</a> von <a href="https://www.amnesty.de/">Amnesty International</a> aus dem Jahr 2022 mit dem Titel <a href="https://eurasia.amnesty.org/wp-content/uploads/2022/12/nasilie-v-otnoshenii-zhenshhin-v-vostochnoj-evrope-i-czentralnoj-azii.pdf">„Osteuropäische und zentralasiatische Frauen brauchen Schutz vor Gewalt in Krisen- und normalen Zeiten“</a> wurde beispielsweise festgestellt, dass „die Situation durch eine starke Zunahme traditionalistischer, patriarchaler und offen frauenfeindlicher politischer Rhetorik weiter verschärft wird“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amnesty International <a href="https://eurasia.amnesty.org/2023/04/06/parlament-uzbekistana-prinyal-davno-nazrevshij-zakon-ob-ugolovnoj-otvetstvennosti-za-nasilie-v-seme/">begrüßte</a> zwar die Verabschiedung wichtiger Schritte zur Verbesserung der Lage der Frauen in Usbekistan, stellte jedoch fest, dass „noch viel zu tun bleibt, um das neue Gesetz umzusetzen, häusliche Gewalt zu verhindern und patriarchale Einstellungen in der Gesellschaft zu überwinden“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der weit verbreitete, zutiefst traditionalistische Ansatz bei der Lösung von Familienkonflikten ist nach wie vor eines der Haupthindernisse für einen besseren Schutz der Opfer“, heißt es in dem Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Wie die Datenbank erstellt wurde</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Daten wurden mithilfe einer Javascript-Automatisierungsbibliothek namens Puppeteer extrahiert, die den Browser steuern kann. Die ursprünglichen Nachrichtenseiten wurden manuell ausgewählt, und der Parser-Code musste für jede einzelne Seite individuell angepasst werden, da sie alle recht unterschiedlich waren. Als Suchbegriffe wurden die am häufigsten in Texten über Frauenmorde vorkommenden Begriffe verwendet, z. B. „hat Frau getötet“, „hat Frau zerstückelt“, „hat seine Frau erstochen“, „hat ermordet“, „Leiche gefunden“ und so weiter. Das Wort „Frau“ wurde auch auf „Ehefrau“ und „Mädchen“ ausgeweitet. Die Daten wurden in einem Format extrahiert und anschließend in ein Excel-Tabellenblatt importiert. Die Tabelle musste manuell bearbeitet werden, da der Code auch Kriminalitätsnachrichten aus anderen Ländern extrahierte, die sich nicht auf Femizid bezogen. Auf diese Weise konnten wir mehr als 150 Femizid-Nachrichten aus den Jahren 2018 bis 2023 sammeln und auswerten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Luiza Atabaeva für Cabar.Asia</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/femitsid-v-uzbekistane-dlya-togo-chtoby-zashhitit-zhenshhin-nuzhny-bolee-sereznye-mehanizmy">Russischen</a> von Berenika Zeller</p>


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