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	<title>Pamiris Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Pamiris Archives</title>
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		<title>Berg-Badachschan: Der Tod von inhaftierten Aktivisten hat System</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2026 21:14:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Jahr sind sechs Aktivisten aus der im Osten Tadschikistans gelegenen Autonomen Provinz Berg-Badachschan in Haft gestorben. Die meisten waren nach den Protesten von 2022 festgenommen und verurteilt worden. Azattyk Asia hat die F&#xE4;lle zusammengestellt und mit Menschenrechtler:innen gesprochen. Im Mai 2022 f&#xFC;hrten die tadschikischen Beh&#xF6;rden in der Provinz Berg-Badachschan eine gro&#xDF;angelegte Sonderoperation durch, [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im vergangenen Jahr sind sechs Aktivisten aus der im Osten Tadschikistans gelegenen Autonomen Provinz Berg-Badachschan in Haft gestorben. Die meisten waren nach den Protesten von 2022 festgenommen und verurteilt worden. Azattyk Asia hat die Fälle zusammengestellt und mit Menschenrechtler:innen gesprochen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2022 führten die tadschikischen Behörden in der Provinz Berg-Badachschan eine großangelegte Sonderoperation durch, die sie als Reaktion auf „illegale Proteste“ bezeichneten. Anwohner:innen prangerten hingegen übermäßige Gewaltanwendung und die Verfolgung von Andersdenkenden an. Die Todesfälle in den Gefängnissen bereiten Menschenrechtler:innen Sorgen. Sie berichten von undurchsichtigen Haftbedingungen für politische Gefangene und mangelndem Zugang zu medizinischer Versorgung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sechs Tote innerhalb eines Jahres</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Monaten berichtete <a href="https://www.instagram.com/anorasarkorova/">Anora Sarkorowa</a>, eine im europäischen Exil lebende freiberufliche Journalistin aus Tadschikistan, über mehrere Todesfälle in tadschikischen Gefängnissen. Die aus Berg-Badachschan stammende Journalistin berichtete regelmäßig über die Ereignisse des Jahres 2022 und geriet daraufhin wegen „öffentlicher Aufrufe zu extremistischen Aktivitäten und deren Rechtfertigung“ ins Visier eines <a href="https://www.azattyqasia.org/a/32805538.html">Strafverfahrens</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 30. November berichtete Sarkorowa in einem Facebook-Post, dass <a href="https://www.azattyqasia.org/a/eks-glava-horogskogo-otdeleniya-pivt-sherik-karamhudoev-umer-v-tyurme-za-neskolko-mesyatsev-do-osvobozhdeniya/33609692.html">Scherik Karamhudojew</a> in der Strafkolonie Nr. 7 in Duschanbe gestorben sei. Karamhudojew stand einst in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a> der regionalen Sektion der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Partei_der_Wiedergeburt_Tadschikistans">Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans (PIWT)</a> vor. Laut den Quellen der Journalistin fühlte sich Karamhudojew wenige Stunden vor seinem Tod plötzlich extrem schwach und litt unter Übelkeit und Erbrechen. Trotz seines sich verschlechternden Zustands erhielt er keine ärztliche Hilfe.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Quellen von Radio Ozodi (der tadschikische Dienst von Radio Free Europe, Anm. d. Ü.) in Berg-Badachschan bestätigten den Tod des politischen Gefangenen und fügten hinzu, dass seine Freilassung in nur wenigen Monaten bevorgestanden hätte. Eine Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, betonte, dass die offizielle Todesursache noch nicht bekannt gegeben worden sei, und dass Angehörige, die den Gefangenen kurz vor seinem Tod besuchten, <em>„keine gesundheitlichen Probleme bemerkt“</em> hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karamhudojew war im Juli 2012 im Zuge einer Sonderoperation in Chorugh festgenommen worden. Die Sonderoperation wurde in Folge eines Attentats auf Abdullo Nasarow, dem Leiter der regionalen Abteilung des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit (GKNB), durchgeführt. Ein Jahr später verurteilte ihn der Oberste Gerichtshof wegen mehrerer Anklagepunkte zu 14 Jahren Haft. Er bestritt die Vorwürfe und erklärte, sein Geständnis sei während der Ermittlungen unter Zwang abgelegt worden. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, und das Urteil wurde ohne Anwesenheit eines Anwalts verkündet. Karamhudojews Unterstützer:innen bezeichneten den Fall wiederholt als politisch motiviert, während die Behörden das Gegenteil behaupteten und eine Videoaufzeichnung seines angeblichen „freiwilligen Geständnisses“ vorlegten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die tragischen Ereignisse von 2022 und ihre Folgen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a>, das fast die Hälfte des tadschikischen Staatsgebiets einnimmt, wird von nur von drei Prozent der Bevölkerung, hauptsächlich Angehörigen der ethnischen Gruppe der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiri</a>, bewohnt und gilt als die sensibelste Region des Landes. Hier, am Schnittpunkt von schwieriger geografischer Lage und einer komplexen Geschichte von angespannten Beziehungen zur Zentralregierung, kam es wiederholt zu Protesten, die in bewaffnete Auseinandersetzungen eskalierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Proteste fanden <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/">im Mai 2022</a> statt. Auslöser war eine Gruppe junger Bewohner:innen von Chorugh, die eine unparteiische Untersuchung des Todes von Gulbiddin Sijobekow forderten, der bei einem Einsatz von Sicherheitskräften erschossen worden war. Die Menschen verlangten Aufklärung und Gerechtigkeit, wurden aber von den Sicherheitsbehörden auseinandergetrieben, was die Spannungen verschärfte. Die Proteste weiteten sich rasch auf den benachbarten Bezirk Ruschan aus, wo sich weitere Personen den Forderungen anschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der wachsenden Unruhen kündigten die Behörden eine „Antiterroroperation“ an. Die Proteste wurden brutal niedergeschlagen, und die Region erlebte einige der blutigsten Ereignisse der letzten Jahre. Offiziellen Angaben zufolge wurden in Chorugh und Ruschan 29 Menschen getötet. Ein Bericht eines UN-Diplomatenteams schätzte die Zahl der Todesopfer auf bis zu 40. Journalist:innen von Radio Ozodi werteten verfügbare Informationen und Zeugenaussagen aus und identifizierten 34 Opfer – Männer im Alter zwischen 30 und 57 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><strong> </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"><strong>Dutzende Tote: Tadschikistan reagiert mit Härte auf Proteste in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Juni 2022 <a href="https://www.azattyqasia.org/a/31905149.html">behauptete</a> der tadschikische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Danghara">Dangara</a>: <em>„Die Regierung hatte keine andere Wahl: …Sie haben den Bezirksvorsteher, seine Stellvertreterin und eine Frau verprügelt… Entschuldigung, aber sie haben eine tadschikische Frau verprügelt… Nun, es gab keine andere Wahl… Ich habe den Befehl gegeben, die Militanten zu neutralisieren oder, wenn möglich, festzunehmen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Anschluss an diese Ereignisse wurde in Berg-Badachschan eine Repressionswelle ausgelöst: Hunderte Personen wurden festgenommen und viele von ihnen zu langen Haftstrafen verurteilt. In einer offiziellen <a href="https://www.azattyqasia.org/a/32071177.html">Erklärung</a>, die im Oktober 2022 auf der Website der Generalstaatsanwaltschaft Tadschikistans veröffentlicht wurde, hieß es, dass <em>„nach den Unruhen in Berg-Badachschan“</em> Strafverfahren gegen 109 Personen eingeleitet worden seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Keine medizinische Hilfe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2025 <a href="https://www.facebook.com/story.php?story_fbid=10161934859054200&amp;id=786429199&amp;mibextid=wwXIfr&amp;rdid=Eo6z9bMTvBO8msVp">berichtete</a> Anora Sarkorowa, dass der 39-jährigen Eronscho Mahmadrahimow, Bruder des Pamiri-Aktivisten Mehron Mahmadrahimow am 23. Juni in der Gefängniskolonie Nr. 6 in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahdat">Wahdat</a> gestorben sei. Eronscho war 2021 zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Sarkorowa bezeichnete ihn als <em>„weiteres Opfer der Repressionskampagne gegen Angehörige von Aktivisten im Ausland“</em>. Laut ihren Angaben verschärfte sich der Druck auf den Gefangenen, nachdem Mehron in Russland eine Videobotschaft an die Bewohner:innen von Ruschan aufgenommen hatte, in der dieser ein Ende willkürlicher Verhaftungen und eine Untersuchung der Ereignisse von 2022 forderte. Nach der Veröffentlichung des Videos, so die Journalistin, hätten Beamte des GKNB begonnen, seine Angehörigen zu schikanieren. Eronscho, der sich in Haft befand, sei besonders gefährdet gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen aus dem Familienumfeld berichteten, der Gefangene sei jahrelang Folter und psychischem Druck ausgesetzt gewesen. Im Februar wurde er in eine Strafzelle verlegt, wo er sich eine schwere Lungenentzündung zuzog. Trotz Bitten um eine Verlegung ins Krankenhaus wurde ihm diese verweigert. Als offizielle Todesursache wurde „Flüssigkeitsansammlung in der Lunge“ angegeben, seine Angehörigen betonen jedoch, dass er vor seiner Verhaftung keine ernsthaften gesundheitlichen Probleme hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer inhaftierter Aktivist, der 35-jährige Aslan Gulobow, <a href="https://www.azattyqasia.org/a/v-tyurme-tadzhikistana-skonchalsya-eschyo-odin-osuzhdyonnyy-k-pozhiznennomu-sroku-aktivist-iz-gbao/33439131.html">starb</a> am 9. Juni. Der aus Chorugh stammende Gulobow war zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sarkorowa schrieb, Gulobow habe an einem Magengeschwür gelitten und sich wiederholt über seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand beklagt, aber keine angemessene medizinische Versorgung erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulobow war im Sommer 2022 im Zuge der Massenverhaftungen nach Protesten festgenommen worden. Sein Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, und Menschenrechtler:innen äußerten den Vorwurf, er sei während der Ermittlungen gefoltert worden. Gulomali Ajombekow und Chairimamad Dustmamadow wurden mit ihm zu lebenslanger Haft verurteilt; alle drei hatten die Anklagepunkte zurückgewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2025 <a href="https://www.azattyqasia.org/a/v-dushanbe-v-tyurjme-dlya-pozhiznenno-osuzhdennyh-skonchalsya-pamirskiy-aktivist-/33276622.html">starb</a> ein weiterer Angeklagter der Badachschan-Prozessen im Gefängnis. Der 50-jährige Kulmamad Pallajew klagte über starke Magenschmerzen, doch laut Sarkorowa ignorierte die Gefängnisleitung seine Hilferufe. Wenige Tage vor seinem Tod verschlechterte sich sein Zustand rapide, aber das Gefängnispersonal verlangte nach Angaben der Journalistin <em>„Geduld zu haben“</em>. Pallajew war im Mai 2022 verhaftet und später zusammen mit neun anderen Aktivisten wegen Terrorismus, vorsätzlichen Mordes und Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 66-jährige Bogscho Imatschojew starb am 25. Februar in einem Gefängniskrankenhaus. Er war 2023 wegen der Mitgliedschaft in einer „extremistischen“ Organisation zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Laut Quellen verschlechterte sich sein Zustand am 25. Januar aufgrund eines starken Anstiegs des Blutdrucks rapide. Vier Stunden später traf ein Krankenwagen ein. Imatschojew erlitt einen Schlaganfall, fiel ins Koma und starb einen Monat später im Krankenhaus. Sein Tod wurde erst am 24. August bekanntgegeben. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tod einer religiösen Autorität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der 61-jährige Musaffar Dawlatmirow, eine der angesehensten und verehrtesten religiösen Persönlichkeiten in Berg-Badachschan, starb im Juni 2025 in einer Hochsicherheitsstrafanstalt in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jowon">Jowon</a>. Unabhängigen Quellen zufolge war sein Tod die Folge einer schweren Diabeteserkrankung, die durch mangelnde rechtzeitige und angemessene medizinische Versorgung verschlimmert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angehörige und Menschenrechtler:innen schlugen über Monate Alarm und betonten, dass sich Dawlatmirows Zustand rapide verschlechterte und seine Inhaftierung lebensbedrohlich war. Sie wandten sich an alle zuständigen Behörden und forderten seine Freilassung aus humanitären Gründen, doch ihre Bitten blieben unbeantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dawlatmirow war 2022 inhaftiert worden. Das Gericht verurteilte ihn wegen <em>„öffentlicher Aufrufe zu extremistischen Aktivitäten“</em> zu fünf Jahren Gefängnis. Die Anklagepunkte bezogen sich auf seine Rolle als religiöser Führer bei der Durchführung eines Totengebets für Mamadbokir Mamadbokirow, Soir Radschabow und Chursand Masorow, die während der Militäroperation Chorugh getötet worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/leben-auf-dem-dach-der-welt-ueber-tadschikische-und-pamirische-identitaeten/"><strong>Leben auf dem Dach der Welt: Über tadschikische und pamirische Identitäten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Tod mehrerer Gefangener aus dem Pamir innerhalb weniger Monate wirft ernste Fragen zur Behandlung politischer Gefangener und zu den Haftbedingungen in Tadschikistan auf“</em>, <a href="https://www.azattyqasia.org/a/hyuman-rayts-votch-prizvala-vlasti-tadzhikistana-bespristrastno-rassledovat-gibel-v-tyurmah-pyati-pamirtsev/33520681.html">erklärte</a> Syinat Sultanalijewa, Zentralasien-Expertin bei Human Rights Watch. <em>„Die Behörden sollten diese Fälle umgehend und transparent untersuchen und den Familien eine klare Erklärung geben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die tadschikischen Behörden haben sich bisher nicht zu den zahlreichen Todesfällen von inhaftierten Pamiris geäußert. Anfang August erklärte der tadschikische Justizminister Musaffar Aschurijon auf einer Pressekonferenz, die Gefangenen würden medizinisch versorgt und die notwendigen Bedingungen seien geschaffen worden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Kampagne zur Verschärfung der Repressionen gegen Pamiris</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der jüngste Todesfall des politischen Gefangenen Scherik Karamhudojew hat bei Menschenrechtler:innen und allen, die das tadschikische Strafvollzugssystem seit Jahren beobachten, große Besorgnis ausgelöst. Sein Tod sei kein Einzelfall, sondern vielmehr ein Beleg für eine tiefgreifende und langwierige Krise, erklärte <a href="https://dornsife.usc.edu/profile/steve-swerdlow/">Steve Swerdlow</a>, Professor am Institut für Menschenrechte der University of Southern California, gegenüber Azattyk Asia.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieser Todesfall unterstreicht einmal mehr die anhaltende, umfassende Menschenrechtskrise in Tadschikistan. Die Behörden müssen die sechs Todesfälle von inhaftierten Pamiris in diesem Jahr unverzüglich und unparteiisch untersuchen. Diese Todesfälle geben Anlass zu ernster Besorgnis hinsichtlich der Behandlung der ethnischen Pamiri – einer historisch verfolgten kulturellen, religiösen und sprachlichen Minderheit“</em>, so der Forscher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Swerdlow betont, dass im Fall Karamhudojew zwei „verbotene“ Identitäten – politische Opposition und Zugehörigkeit zum Volk der Pamiri – miteinander verwoben sind. <em>„Seit drei Jahren erleben wir eine systematische Kampagne, die die Repression gegen das Volk der Pamiri verschärft. Sie betrifft politische Aktivisten, Kulturschaffende, religiöse Führer, Geschäftsleute, Anwälte und potenzielle politische Kandidaten. Die Zahl der politischen Gefangenen aus dem Volk der Pamiri wächst und verlängert die bereits lange Liste derjenigen, die in den letzten Jahrzehnten aus politisch motivierten Gründen inhaftiert wurden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Menschenrechtsaktivist, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will, weist ebenfalls auf den systemischen Charakter der Ereignisse hin: <em>„Sechs Todesfälle in so kurzer Zeit sind keine Verkettung zufälliger Tragödien mehr, sondern ein systemisches Warnsignal. Alle diese Todesfälle ereigneten sich an Orten, an denen der Staat die uneingeschränkte Kontrolle über das menschliche Leben ausübt. Wenn Gefangene einer nach dem anderen sterben, und dies fast immer auf Verzögerungen bei der medizinischen Versorgung zurückzuführen ist, deutet dies auf gravierende strukturelle Probleme im tadschikischen Strafvollzugssystem hin.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er betont, dass der Staat unter solchen Umständen verpflichtet sei, maximale Transparenz zu gewährleisten: <em>„Es geht hier nicht nur um das Schicksal einzelner Personen, sondern auch um das Vertrauen in staatliche Institutionen. Wenn zeitnahe Informationen fehlen und Angehörige keine klaren Antworten erhalten, entsteht ein Klima der Angst und Straflosigkeit.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway/"><strong>Die Sackgasse – Leben am Pamir Highway</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seinen Angaben zufolge ist es besonders alarmierend, dass die meisten Todesfälle mit „sensiblen“ Fällen in Zusammenhang stehen, die nach den Ereignissen von 2022 in Berg-Badachschan eröffnet wurden. <em>„In solchen Fällen ist es entscheidend, eine unabhängige Überwachung, regelmäßige medizinische Untersuchungen und den Zugang zu Anwälten zu gewährleisten. Doch den Umständen nach zu urteilen, wurden diese grundlegenden Garantien nicht eingehalten“</em>, hebt er hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Steve Swerdlow ist der Ansicht, dass die Gefängnisse Tadschikistans nach wie vor zu den verschlossensten und problematischsten Bereichen gehören: <em>„Wir beobachten gravierende Probleme – Folter, Überbelegung, Krankheiten und Hunger. Gleichzeitig verweigern die Behörden internationalen Beobachtern, darunter dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes, faktisch den Zugang zu den Gefängnissen. Obwohl die Regierung einigen Empfehlungen formell zugestimmt hat, ist sie in einem zentralen Punkt – der Gewährleistung des unabhängigen Zugangs zu den Haftanstalten – gescheitert.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er erinnert an die wiederholten Anhörungen zur Lage in Tadschikistan vor UN-Gremien: <em>„Internationale Mechanismen haben Duschanbe wiederholt aufgefordert, Beobachtern Zugang zu gewähren. Sechs Todesfälle innerhalb eines Jahres unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Situation. Tadschikistans internationale Partner – all jene, denen politische Freiheiten und Menschenrechte am Herzen liegen – müssen dieses Thema auf die Tagesordnung setzen, einschließlich der Möglichkeit von Sanktionen gegen die für dieses System verantwortlichen Beamten: den Generalstaatsanwalt, den Chef der Sicherheitsdienste und andere.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Swerdlow weist darauf hin, dass es noch immer keine faire Untersuchung der Ereignisse in Berg-Badachschan gegeben habe, als „<em>die Behörden Gewalt gegen friedliche Demonstranten anwendeten und anschließend massiv Institutionen, Unternehmen und NGOs schlossen, die mit der Kultur und Autonomie des Pamir in Verbindung stehen.“</em> Der Professor merkt an, dass die Verfolgung der Pamiris längst über die Landesgrenzen hinausgeht: <em>„Wir hören ständig von Pamir-Aktivisten, die in Russland und der Türkei entführt und dann heimlich nach Tadschikistan gebracht werden. Anschließend drohen ihnen lange Haftstrafen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lange Arme ins Ausland</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren wurden Dutzende im Ausland lebende Aktivisten aus Berg-Badachschan entführt und nach Tadschikistan verschleppt. Unter ihnen befinden sich Oras und Ramsi Wasirbekow, Amriddin Alowatschojew und andere. So verschwand beispielsweise Ramsi Wasirbekow am Moskauer Flughafen Domodedowo und wurde später in Tadschikistan aufgefunden. In einem <a href="https://www.azattyqasia.org/a/32121804.html">nicht-öffentlichen Prozess</a> in Duschanbe wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt, sein Bruder Oras zu 16 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Situation im Zusammenhang mit der Kampagne gegen die Pamiris hat ein solches Ausmaß erreicht, dass Genocide Watch bereits 2022 vor einem drohenden Völkermord warnte“</em>, so Swerdlow. <em>„Die aktuelle Lage ist daher äußerst ernst. Ich hoffe, Duschanbe wird dem Appell der internationalen Menschenrechtsgemeinschaft folgen: Das Land muss offener werden, Transparenz bei den Ermittlungen gewährleisten und diejenigen freilassen, die aus willkürlichen politischen Gründen inhaftiert wurden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-laesst-anwaelte-wegsperren/"><strong>Tadschikistan lässt Anwälte wegsperren</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits zuvor haben internationale Gruppen die Todesfälle Tod von inhaftierten aus Berg-Badachschan verurteilt. Im August 2025 erklärten <a href="https://www.civicus.org/index.php/media-resources/news/7795-tajikistan-end-systematic-repression-of-pamiri-people">14 Organisationen</a>, darunter das Antidiskriminierungszentrum Memorial in Brüssel, CIVICUS, die Internationale Föderation für Menschenrechte und die Weltorganisation gegen Folter, dass <em>„schlechte Haftbedingungen, Probleme beim Zugang zur medizinischen Versorgung in Hafteinrichtungen und Todesfälle in Haft systemische Probleme in Tadschikistan darstellen“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2023 <a href="https://www.azattyqasia.org/a/32603003.html">forderte</a> Amnesty International Duschanbe auf, <em>„alle Pamiri-Aktivisten und Menschenrechtler, die allein wegen der Ausübung ihrer Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit inhaftiert wurden, unverzüglich und bedingungslos freizulassen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fernand_de_Varennes">Fernand de Varennes</a>, UN-Sonderberichterstatter für Minderheitenfragen, <a href="https://www.azattyqasia.org/a/hrw-nuzhno-trebovatj-otveta-ot-dushanbe-za-sobytiya-v-gbao-v-2022-godu/32949807.html">erklärte</a> außerdem: „<em>Bei den Ereignissen der Jahre 2021 und 2022 in Berg-Badachschan wurden harte Maßnahmen gegen Demonstranten ergriffen, und diese Ereignisse müssen unabhängig und fair untersucht werden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Duschanbe hat auf die zahlreichen Appelle von Menschenrechtsgruppen bisher nicht reagiert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyk Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.azattyqasia.org/a/ne-tsepochka-sluchaynyh-tragediy-a-sistemnyy-signal-pochemu-aktivisty-iz-gornogo-badahshana-gibnut-v-tyurmah/33623508.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Etwa 50 Personen in Berg-Badachschan festgenommen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 16:37:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
		<category><![CDATA[Pamiris]]></category>
		<category><![CDATA[Verhaftungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lokalen Quellen zufolge wurden rund 50 Anwohnende des Jasgulem-Tals in der autonomen Region Berg-Badachschan in Tadschikistan festgenommen. Diese Aktion markiert den zweij&#xE4;hrigen Jahrestag einer schweren Unterdr&#xFC;ckung der Region. In der Autonomen Region Berg-Badachschan in Tadschikistan gehen die Verhaftungen weiter. Dem lokalen Medium Pamir Inside zufolge nahmen die Sicherheitskr&#xE4;fte im Jasgulem-Tal im Bezirk Wandsch etwa 50 [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lokalen Quellen zufolge wurden rund 50 Anwohnende des Jasgulem-Tals in der autonomen Region Berg-Badachschan in Tadschikistan festgenommen. Diese Aktion markiert den zweijährigen Jahrestag einer schweren Unterdrückung der Region.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Region Berg-Badachschan</a> in Tadschikistan gehen die Verhaftungen weiter. Dem lokalen Medium <a href="https://t.me/pamirinside/2828">Pamir Inside</a> zufolge nahmen die Sicherheitskräfte im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jasgulem">Jasgulem</a>-Tal im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vanj_District">Bezirk Wandsch</a> etwa 50 Personen fest. Ihnen wird vorgeworfen, Waffen in ihren Häusern versteckt und Sabotageakte vorbereitet zu haben. Ihre Angehörigen haben seit der Razzia nichts mehr von ihnen gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Operation begann am 16. Mai, dem zweiten Jahrestag der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/">Ereignisse</a>, bei denen Dutzende Demonstrierende von den tadschikischen Streitkräften getötet wurden. Seitdem herrscht eine starke <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/">Repression</a> gegen die in der autonomen Region lebenden ethnischen Minderheiten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiri</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Undurchsichtige Anschuldigungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen in Berg-Badachschan beschuldigt werden, gewalttätige Aktionen vorzubereiten. Zwar besteht eine terroristische Gefahr, doch die offiziell vorgebrachten Anschuldigungen werden so gut wie nie verifiziert: Die Informationen werden angesichts der seit Mai 2022 wenigen unabhängigen Quellen immer <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">undurchsichtiger</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere nach Jasgulem sollen 2023 Mitglieder der von den Taliban unterstützten Gruppe <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jamaat_Ansarullah">Jamaat Ansarullah</a> aus Afghanistan <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">gekommen sein</a>. Der Vorfall und die Identität der neutralisierten Personen sind jedoch bis heute nicht aufgeklärt worden. Vielmehr ist es &nbsp;üblich geworden, Anklagen wegen Terrorismus oder Extremismus in konstruierten Fällen gegen Personen zu verwenden, die für die Zentralmacht unbequem sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Anschlag auf die Crocus City Hall</a> in der Nähe von Moskau, dessen Ausführung mehreren Tadschiken vorgeworfen wird, kann diese Tendenz nur verstärken, während Tadschikistan auf internationaler Ebene seinen Willen zur Bekämpfung des Terrorismus <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-terroranschlag-bei-moskau-stellt-tadschikistan-vor-schwierige-entscheidungen/">bekundet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall der jüngsten Verhaftungen wurden weder Beweise vorgelegt noch offizielle Äußerungen veröffentlicht. <a href="https://www.currenttime.tv/a/tajikistan-gbao-zaderzhaniya/32959415.html">Laut Current Time</a> könnten die Behörden die Aktion inszeniert haben, da sie einen Einfall von Afghanistan aus befürchteten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zugang nach Berg-Badachschan immer schwieriger</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um in die Region zu reisen, benötigt man eine Genehmigung, die normalerweise leicht zu erhalten ist, und muss sich den Kontrollen der Checkpoints entlang der Straße beugen. Seit dem 17. Mai wollen die tadschikischen Behörden jedoch die Kontrollen in Berg-Badachschan und den Gebieten entlang der afghanischen Grenze, in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chatlon">Provinz Chatlon</a>, <a href="https://khovar.tj/2024/05/markazi-matbuoti-shun-oi-sar-adii-kumitai-davlatii-amniyati-millii-um-urii-to-ikiston-habar-medi-ad-2/">verschärfen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kein-internet-keine-aufarbeitung-berg-badachschan-zwei-monate-nach-den-unruhen/"><strong>Kein Internet, keine Aufarbeitung – Berg-Badachschan zwei Monate nach den Unruhen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Pressemitteilung stehen diese Maßnahmen im Zusammenhang mit <em>„der schwierigen Lage in der Region und der Welt, den Versuchen extremistischer oder terroristischer Organisationen, die Staatsgrenze illegal zu überschreiten, und der Durchführung von Antiterrormaßnahmen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist unwahrscheinlich, dass der Zugang zu Berg-Badachschan tatsächlich eingeschränkt wird, da der tadschikische Staat auf die Einnahmen durch Reisende, vor allem in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, angewiesen ist. Es gab jedoch bereits Präzedenzfälle, insbesondere im Jahr 2015, als die Vergabe von Genehmigungen für die Region aufgrund der instabilen Lage an der Grenze <a href="https://thediplomat.com/2015/05/tajikistan-closes-eastern-region-to-tourists/">eingestellt wurde</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich wurden in den letzten Monaten bereits verstärkte Überwachungsmaßnahmen für Reisende durchgeführt, wie von Novastan erfasste Zeugenaussagen zeigen. Einige ausländische und tadschikische Geschäftsreisende wurden aufgefordert, genau anzugeben, wo sie sich aufhalten werden und mit wem sie während ihres Aufenthalts zu interagieren gedenken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine sich leerende Region</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich sieht die Bevölkerung der Region andere Gründe als die afghanische Grenze für die jüngsten Verhaftungen und die verschärften Überwachungsmaßnahmen, berichtet das tadschikische Medienunternehmen <a href="https://ru.azda.tv/spetsoperatsiya-gknb-v-yazgulome-i-repressii-zhitelej/">Azda TV.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund, dass sich regionale Persönlichkeiten im Exil oder hinter Gittern befinden, glauben Einwohnende, dass die Vertreter der Ordnungskräfte potenzielle Anführer beobachten wollen, damit sich um sie herum keine Anhängerschaft bildet. So wurde auch ein religiöser Führer aus Jasgulem mit seinem Sohn nach seiner Rückkehr aus Moskau verhaftet. Ein Analyst <a href="https://www.rferl.org/a/majlis-podcast-tajikistan-gorno-badakshan-crackdown/32964172.html">berichtete</a> zudem von der Festnahme eines anerkannten Sportlers aus demselben Tal.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/"><strong> Menschenrechte in Tadschikistan: Interview mit der UN-Berichterstatterin</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im weiteren Sinne <a href="https://www.ohchr.org/en/news/2023/04/experts-committee-elimination-racial-discrimination-commend-tajikistan-improved">leugnet</a> der Staat weiterhin die Existenz der Pamiri als eigenständige ethnische Gruppen und scheint von ihnen zu erwarten, dass sie sich der tadschikischen Mehrheit anpassen. Pamir Inside erinnert daran, dass solche Razzien regelmäßig stattfinden, so dass <em>„kaum noch junge Menschen unter den Bewohnenden sind“</em>. Andererseits sollen zwischen den Ereignissen im Mai 2022 und Ende 2023 circa 50.000 Menschen die Region verlassen haben, was etwa einem Fünftel der Bevölkerung von Berg-Badachschan <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">entspricht</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch <a href="https://khovar.tj/rus/2024/02/v-tadzhikistane-na-2-uvelichilas-chislennost-naseleniya/">offizielle Statistiken</a> zeichnen dasselbe Bild: Die einzige Region in Tadschikistan, die 2023 einen Geburtenrückgang verzeichnete, war Berg-Badachschan mit einem Rückgang von 10,5 Prozent.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Nane Bouvier für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/une-cinquantaine-de-personnes-arretees-dans-le-haut-badakhchan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tadschikistan: Ein Jahr seit den tragischen Ereignissen im Pamir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sherzodbabakulov]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 May 2023 18:27:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Chorugh]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
		<category><![CDATA[Pamiris]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Mai 2022 kam es in der Autonomen Provinz Berg-Badachschan zu Protesten gegen die Regierung. Wenige Tage sp&#xE4;ter k&#xFC;ndigten die tadschikischen Beh&#xF6;rden eine &#x201E;Anti-Terror-Operation&#x201C; an, die laut einem UN-Bericht bis zu 40 Menschen das Leben kostete. Menschenrechtsaktivist:innen fordern, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Am 14. Mai 2022 veranstalteten Einwohner:innen von Chorogh, der Hauptstadt [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Mai 2022 kam es in der Autonomen Provinz Berg-Badachschan zu Protesten gegen die Regierung. Wenige Tage später kündigten die tadschikischen Behörden eine „Anti-Terror-Operation“ an, die laut einem UN-Bericht bis zu 40 Menschen das Leben kostete. Menschenrechtsaktivist:innen fordern, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. Mai 2022 veranstalteten Einwohner:innen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorogh</a>, der Hauptstadt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a>, eine <a href="https://acca.media/14721/tadzhikistan-vlasti-razognali-miting-primenyaya-rezinovye-puli-i-gaz/">nicht genehmigte Kundgebung</a>. Die Protestierenden forderten ein Ende der Verfolgung regierungskritischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiris</a> sowie eine Untersuchung von Todesfällen <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">im November 2021</a>, an denen tadschikische Polizisten beteiligt waren. Weitere <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2022/05/16/protest/">Forderungen</a> waren der Rücktritt des Bürgermeisters von Chorugh und des Verwaltungschefs von Berg-Badachschan und die Entfernung von Militärposten auf dem Territorium der Autonomen Provinz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strafverfolgungsbehörden warnten, dass die Aktionen <a href="https://mediazona.ca/news/2022/05/16/gbao">„als Terrorismus angesehen“</a> würden und dass <em>„erhebliche Maßnahmen zur Auflösung der Demonstration“</em> ergriffen würden. Die Demonstrierenden gaben aber nicht nach, was zu einer Reaktion des Staates führt, die Dutzende Opfer fordert. Ein Jahr später blickt Novastan auf die Ereignisse zurück und erstellt eine Chronologie der Ereignisse.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Steigende Spannungen und erste Opfer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://mediazona.ca/news/2022/05/16/gbao-2">Media Zona</a> berichtet, beginnt die Polizei am 16. Mai die Demonstration aufzulösen. Dabei kommt ein Zivilist ums Leben und drei Polizisten werden verletzt. Die tadschikischen Behörden beschuldigen Samir Nasarschojew, einen Einwohner von Chorugh. Nach Angaben der Polizei warf er <em>„eine Granate auf die Sicherheitskräfte, woraufhin drei von ihnen verletzt wurden und der Angreifer durch die Reaktion auf seinen eigenen Angriff getötet wurde“</em>, schreibt <a href="https://rus.azattyq.org/a/tajikistans-gorno-badakhshan-reeling-from-brutal-state-crackdown/31915459.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Liberty.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 16. Mai wird in Khorog jegliche Kommunikation <a href="https://t.me/pamirdailynews/660">unterbrochen</a> und staatliche Institutionen geschlossen, während die Armee den Zugang zum Hauptplatz der Stadt <a href="https://t.me/pamirdailynews/662">blockiert</a>. Am folgenden Tag breitet sich die Protestwelle auf den <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon_District">Bezirk Ruschon</a> aus, der 65 Kilometer nördlich von Chorugh liegt. Vom 17. bis 18. Mai blockiert eine Gruppe von Einwohnern einem aus Duschanbe kommenden Militärkonvoi die Straße. Wie <a href="https://russian.eurasianet.org/таджикистан-охваченные-кризисом-власти-решили-развязать-кровавые-столкновения-на-памире">Eurasianet</a> berichtet, regiert die Polizei mit Warnschüssen und verletzt einen Anwohner.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Beginn der „Anti-Terror-Operation“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai <a href="https://rus.ozodi.org/a/31855884.html">beschuldigen</a> die Behörden die Demonstrierenden des Versuchs, die verfassungsmäßige Ordnung Tadschikistans zu stürzen, wofür sie ausländische Agenten angeheuert und Waffen und Geld von „internationalen Terrororganisationen“ erhalten hätten. Am selben Tag verschlechterte sich die Situation. Gegen sieben Uhr morgens kommt es in der Ruschons Bezirkshauptstadt Wamar zu einer <a href="https://ru.azda.tv/v-rushanie-dvoie-poghibli-i-ieshchie-vosiem-ranieny/">Schießerei</a>. Tadschikische Streitkräfte kündigen den Beginn einer „Anti-Terror-Operation“ an, berichtet <a href="https://fergana.media/news/126174/?country=tj">Fergana News</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der tadschikischen Regierung wird die Operation als Reaktion auf den Angriff auf den Militärkonvoi und die Blockade eines Teils der internationalen Fernstraße nach China gestartet. Anwohner:innen erklären hingegen gegenüber Radio Ozodi, dass die Demonstrierenden den Konvoi auf dem Weg nach Chorugh blockierten, um ein weiteres Blutbad zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><strong> </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"><strong>Dutzende Tote: Tadschikistan reagiert mit Härte auf Proteste in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da verlässliche Informationen völlig fehlen, dauert es einige Wochen, bis die Fakten überprüft werden. Der Telegram-Kanal <a href="https://t.me/pamirdailynews/689">Pamir Daily News</a> berichtet, dass Scharfschützen auf Anwohner geschossen hätten. Derselbe Kanal <a href="https://t.me/pamirdailynews/700">behauptet</a>, dass an den Militäraktionen gegen die Zivilbevölkerung ein Hubschrauber beteiligt gewesen sei, was Zeugen gegenüber Novastan bestätigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend desselben Tages veröffentlichte die russische Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/14659665">TASS</a>, dass die Anti-Terror-Operation beendet sei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Massensäuberung“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://t.me/pamirdailynews/724">Pamir Daily News</a> berichtet jedoch, dass nach Aussage eines Anwohners <em>„die Massensäuberung“</em> in Ruschon und den umliegenden Gebieten weitergehen: <em>„Bewaffnete Menschen dringen in Häuser ein und nehmen alle Männer ohne Unterschied mit. Sie nehmen ihre Telefone: Offenbar wollen sie nicht, dass die Verbrechen des Militärs veröffentlicht werden. Es gibt Fälle von Plünderungen, nach dem Durchzug der Soldaten sind Geld und Gold aus den Häusern verschwunden. Aus Sicherheitsgründen können wir die Namen der Opfer noch nicht veröffentlichen. Die Situation in Wamar ist katastrophal“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später, am 22. Mai, wird die lokale Autorität Mamadbokir Mamadbokirow <a href="https://www.vkd.tj/index.php/tj/ruydodho/34109-iz-oroti-markazi-matbuoti-vazorati-kor-oi-dokhilii-um-urii-to-ikiston">getötet</a>, dem die Behörden vorwarfen, die Demonstrationen organisiert zu haben. <a href="https://ria.ru/20220522/mamadbokirov-1790025391.html">RIA Novosti</a> berichtet mit Verweis auf den Pressedienst des tadschikischen Innenministeriums, dass er <em>„bei einer kriminellen Abrechnung“</em> ums Leben gekommen sei. <a href="https://fergana.agency/news/126222/">Anderen Informationen</a> zufolge wurde Mamadbokirow jedoch von einem Scharfschützen der Sicherheitskräfte getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verhaftungen <a href="https://www.currenttime.tv/a/taikistan-gbao-pogibshie/32089522.html">dauern</a> einen Monat lang an, vom 18. Mai bis zum 17. Juni. Das Internet bleibt während dieser Zeit abgeschaltet. Nach <a href="https://rus.ozodi.org/a/32087992.html#/">Angaben der Behörden</a> kommen im Rahmen der Einsätze in Ruschon und Chorugh 29 Menschen ums Leben, darunter ein Angehöriger der Sicherheitskräfte. Ein <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2022/05/tajikistan-un-expert-fears-crackdown-against-pamiri-minority-could-spiral">UN-Bericht</a> zählt etwa vierzig Opfer.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>&#8230; und Verhaftungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai verhaften die Sicherheitskräfte Ulfathonim Mamadschojewa, eine freie Journalistin und Menschenrechtlerin aus Berg-Badachschan, und beschuldigten sie, die Demonstrationen organisiert zu haben. Gegenüber <a href="https://fergana.agency/news/126157/">Fergana News</a> behauptet sie, keine Verbindung zu den Protesten zu haben. Am 9. Dezember <a href="https://rus.azattyq.org/a/32170438.html">verurteilt</a> ein Gericht sie zu 21 Jahren Gefängnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am selben Tag wird Holbasch Holbaschow, General des Nationalen Sicherheitskomitees Tadschikistans, festgenommen. Ihm wird Mitgliedschaft in einer bewaffneten <em>„kriminellen Gruppe“</em> von 200 Personen vorgeworfen, die am 17. und 18. Mai die Straße von Duschanbe nach Chorugh blockiert habe. Holbaschow wird zu lebenslanger Haft <a href="https://fergana.agency/news/127855/">verurteilt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am <a href="https://www.vkd.tj/index.php/ru/sobytiya/34125-r-jkhati-a-zojoni-gur-oi-mutashakkili-inoyat-va-ekstremist-terroristii-dar-tazo-uroti-sana-oi-15-18-maji-soli-2022-dar-no-iyai-r-shon-ishtirokdoshta-ki-muajyan-va-dastgir-karda-shudaand-2">23.</a> und <a href="https://www.vkd.tj/index.php/ru/sobytiya/34116-rujkhati-a-zojoni-guru-oi-mutashakkili-inoyat-va-ekstremist-terrorist-ki-dar-tazo-uroti-sana-oi-15-18-maji-2022-dar-no-iyai-r-shon-ishtirok-doshta-bo-ikhtijori-khud-ba-ma-omot-ozir-shudaand-2">24.</a> Mai veröffentlicht das Innenministerium die Liste von 46 Personen, denen vorgeworfen wird, an den Demonstrationen zwischen dem 15. und 18. Mai teilgenommen zu haben. Die Regierung nennt die Festgenommenen <em>„Extremisten“</em> und wirft ihnen die Organisation <em>„illegaler Demonstrationen, Diebstahl und Gewalt“</em> vor. Nach Angaben der Behörden handelt es sich bei vielen von ihnen um Mitglieder der <em>„kriminellen Gruppe“</em> Holbaschows.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Reaktionen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Besorgnis auf diese Gewalt. UN-Generalsekretär <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/António_Guterres">Antonio Guterres</a> äußerte seine <a href="https://www.rferl.org/a/tajikistan-gorno-badakhshan-tensions-violence-united-nations/31859592.html">tiefe Besorgnis</a> über die Lage in Berg-Badachschan und forderte alle Parteien auf, <em>„maximale Zurückhaltung zu üben“</em> und <em>„die Situation friedlich zu lösen“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2022 erinnert die ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michelle_Bachelet">Michelle Bachelet</a>, an die Krise in Berg-Badachschan und <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2022/09/human-rights-council-opens-fifty-first-session-hears-oral-update-acting-high">äußert sich</a> besorgt über die Strafverfolgung lokaler Menschenrechtler:innen und Journalist:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Botschafter mehrerer EU-Staaten <a href="https://rus.azattyq.org/a/31857988.html">fordern</a> die tadschikische Regierung auf, <em>„alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben und die Sicherheit ihrer Bürger zu schützen“ und „die Einhaltung des Rechts auf friedliche Versammlung zu gewährleisten“</em>. Und auch <a href="https://www.hrw.org/news/2022/05/18/tajikistan-tensions-escalating-autonomous-region">Human Rights Watch</a> fordert die Regierung Tadschikistans auf, „<em>ihre Verpflichtungen zur Achtung und zum Schutz des Menschenrechts auf Leben, Versammlungsfreiheit und Informationsfreiheit […] strikt einzuhalten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Keine andere Lösung“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Juni 2022 spricht Tadschikistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> über die Ereignisse in Berg-Badachschan und unterstützt die Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden in der Region. Wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/31905149.html#:~:text=%D0%92%D1%8B%D1%81%D1%82%D1%83%D0%BF%D0%B0%D1%8F%20%D0%BD%D0%B0%20%D0%B2%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D1%87%D0%B5%20%D1%81%20%D1%80%D1%83%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%BE%D0%B4%D0%B8%D1%82%D0%B5%D0%BB%D1%8F%D0%BC%D0%B8,%C2%AB%D0%BD%D0%B5%20%D0%B1%D1%8B%D0%BB%D0%BE%20%D0%B4%D1%80%D1%83%D0%B3%D0%BE%D0%B3%D0%BE%20%D0%B2%D1%8B%D1%85%D0%BE%D0%B4%D0%B0%C2%BB.">Radio Ozodi</a> berichtet, sagt Rahmon bei einem Treffen mit regionalen und nationalen Eliten in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Danghara">Danghara</a>, dass er den Befehl gegeben habe, <em>„bewaffnete Personen zu neutralisieren“</em>, weil es seiner Meinung nach <em>„keine andere Lösung“</em> gegeben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie haben immer wieder erklärt, dass sie im Namen der Bevölkerung von Badachschan handeln würden. Sie tun es nicht und haben es auch nie getan. Wir müssen genau verstehen, was passiert, und eine andere Herangehensweise an das Problem haben“</em>, erklärt der Präsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behörden bestreiten dabei, dass sie die Menschenrechte nicht respektieren. <em>„Die Behörden Tadschikistans bestreiten diese Anschuldigungen und behaupten, die Rechte aller Bürger des Landes ausnahmslos zu respektieren. Präsident Emomali Rahmon sagte bei seinem Besuch in Danghara, als er auf die Probleme in Berg-Badachschan einging, dass die Bewohner der Region nicht schuld seien“</em>, erklärt der Tadschikistan-Experte Sandschar Hamidow gegenüber <a href="https://rus.ozodi.org/a/32197630.html">Radio Ozodi</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein eher sozialer als politischer Kampf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan ist die größte Region Tadschikistans, aber auch die ärmste und sozial am stärksten gefährdete Region, führt das <a href="https://cabar.asia/ru/neskonchaemye-konflikty-v-gbao-prichiny-i-sledstviya">Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR)</a> aus. Laut <a href="https://eurasianet.org/explainer-why-tajikistans-pamiris-dont-trust-their-government">Eurasianet</a> ignoriert die Zentralregierung in Duschanbe die Region, wenn es um die Lösung sozialer Probleme geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pamiris, die die Mehrheit der Bevölkerung von Berg-Badachschan ausmachen, unterscheiden sich kulturell und sprachlich von anderen Tadschik:innen. Sie sprechen verschiedene ostiranische Sprachen und sind überwiegend Anhänger des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailismus</a>, einem schiitischen Zweig des Islam. Dies führt zu einigen <a href="https://fergana.agency/articles/125430/">Streitigkeiten und Missverständnissen</a> mit der mehrheitlich tadschikisch-sunnitischen Bevölkerung. Dies ist jedoch nicht der Hauptgrund für den Konflikt zwischen der tadschikischen Regierung und den lokalen Pamiri-Eliten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/russlands-rolle-im-pamir-akteur-oder-beobachter/"><strong>Russlands Rolle im Pamir: Akteur oder Beobachter?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bevölkerung von Berg-Badachschan betrachtet das Verhalten der Zentralregierung als unfair. <a href="https://rus.azattyq.org/a/31857679.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Liberty, veröffentlichte die Meinung eines tadschikischen Experten, der argumentiert, dass <em>„alle Einnahmen aus natürlichen Ressourcen in der Provinz von der Regierung kontrolliert werden und die Region im Gegenzug nur minimale Subventionen erhält.“</em> Ihm zufolge liegt die Ursache der regierungsfeindlichen Haltung in der Region in der „überstürzten Politik“ der Regierung und nicht in einem angeblichen Wunsch nach mehr Autonomie und Souveränität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die offiziellen Forderungen der Demonstrierenden haben sozialen Charakter und richten sich teilweise gegen die Grausamkeit der Polizei. Der Experte fügt hinzu, dass die Anführer der Proteste im Pamir es vorziehen, sich nicht in die Politik einzumischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sherzod Babakoulov für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/un-an-apres-les-evenements-de-mai-dans-le-pamir-que-sest-il-reellement-passe/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Fortlaufende Repression in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma Collet]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Mar 2023 19:20:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Entschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT]]></category>
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		<category><![CDATA[Pamiris]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Repression]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. Seit fast anderthalb Jahren wird Tadschikistans Pamiri-Minderheit brutal unterdr&#xFC;ckt. Aber nicht nur diese Gruppe leidet unter dem sich weiter verh&#xE4;rtenden Autoritarismus des Regimes. Auch NGOs, Aktivist:innen, Blogger:innen und Homosexuelle wurden in den letzten Monaten von den Beh&#xF6;rden ins Visier genommen. Am 16. Februar wurden auf Empfehlung des Justizministeriums die Aktivit&#xE4;ten des Unabh&#xE4;ngigen Zentrums zum [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. Seit fast anderthalb Jahren wird Tadschikistans Pamiri-Minderheit brutal unterdrückt. Aber nicht nur diese Gruppe leidet unter dem sich weiter verhärtenden Autoritarismus des Regimes. Auch NGOs, Aktivist:innen, Blogger:innen und Homosexuelle wurden in den letzten Monaten von den Behörden ins Visier genommen. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 16. Februar wurden auf Empfehlung des Justizministeriums die Aktivitäten des <a href="https://notorturetj.org/en/page/po-independent-center-human-rights-protection-0">Unabhängigen Zentrums zum Schutz der Menschenrechte</a> in Tadschikistan unterbunden. Dies berichtet <a href="https://rus.ozodi.org/a/32275719.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe. Eine Praxis <em>„in Übereinstimmung mit den Taktiken der administrativen und bürokratischen Belästigung von NGOs in Tadschikistan, die seit fünf bis sieben Jahren praktiziert werden“</em>, so <a href="https://www.hrw.org/about/people/syinat-sultanalieva">Syinat Sultanalieva</a>, Forscherin bei der NGO Human Rights Watch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unabhängige Zentrum für den Schutz der Menschenrechte war eine der wenigen öffentlichen Stellen, bei denen es möglich war, kostenlose Rechtshilfe in Anspruch zu nehmen, erklärt das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20230217/v-tadzhikistane-prekratshena-deyatelnost-nezavisimogo-tsentra-po-zatshite-prav-cheloveka">Asia-Plus</a>. Es befasste sich insbesondere mit dem Anspruch auf Sozialwohnungen. Nach Angaben des Justizministeriums wurden 2022 rund 500 öffentliche Körperschaften liquidiert. Das sind fast 350 Körperschaften mehr als 2021. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Zensur der Zivilgesellschaft macht nicht bei NGOs halt. Blogger:innen und Aktivist:innen sind ebenfalls Opfer einer sich beschleunigenden Repression. Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, <a href="https://www.ohchr.org/fr/special-procedures/sr-human-rights-defenders">Mary Lawlor</a>, besuchte Tadschikistan vom 28. November bis 9. Dezember. Die Unterdrückung von Journalist:innen und Blogger:innen erfolge willkürlich mit <em>„wenig zuverlässigen Beweisen, nach unzureichenden Ermittlungen und Prozessen, die hinter verschlossenen Türen stattfinden“</em>, erklärte sie im Dezember gegenüber Bruce Pannier, einem Journalisten von <a href="https://www.rferl.org/a/majlis-podcast-tajikistan-mary-lawlor-un-human-rights/32182071.html">Radio Free Europe</a>. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Blogger:innen und Journalist:innen im Visier der Behörden</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> In den letzten Monaten ist auch die Zahl willkürlicher Verhaftungen von Blogger:innen in Tadschikistan stetig gestiegen, wobei nicht weniger als drei von ihnen der „Unmoral“ <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/verhaftungen-unmoralischer-bloggerinnen-in-tadschikistan-behoerden-erhoehen-druck-auf-die-gesellschaft/">beschuldigt</a> wurden. Wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/32228598.html">Radio Ozodi</a> am 18. Januar berichtete, wurde der Influencer Habibullo Himmatsoda wegen &#8222;beleidigender Videos&#8220; fünf Tage lang in Duschanbe festgehalten. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Bloggerin Saida Latifova, die im Dezember wegen derselben Anschuldigungen mit einer Geldstrafe belegt wurde. Laut Polizei habe sie <em>„während einer Live-Übertragung im sozialen Netzwerk Tik-Tok andere Gesprächspartner obszön beleidigt“</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/verhaftungen-unmoralischer-bloggerinnen-in-tadschikistan-behoerden-erhoehen-druck-auf-die-gesellschaft/"><strong>Verhaftungen «unmoralischer» Blogger:innen in Tadschikistan: Behörden erhöhen Druck auf die Gesellschaft </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Syinat Sultanalieva sei klar, dass das Regime von Jahr zu Jahr restriktiver wird: <em>„Wo es vor nur einem Jahrzehnt eine lebendige Zivilgesellschaft gab, sind die wenigen verbliebenen NGOs und Blogger des Landes gezwungen, Wege zu finden, ihre Arbeit fortzusetzen, ohne verhaftet zu werden.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>LGBT-Rechte immer noch tabu</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> In Duschanbe wurden zehn Vertreter der LGBT-Gemeinschaft wegen des Verdachts festgenommen, Bürger mit dem Immunschwächevirus (HIV) infiziert zu haben, berichtete <a href="https://rus.ozodi.org/a/32272964.html">Radio Ozodi</a> am 15. Februar. <em>„Interessant an diesem Artikel war, dass die Strafverfolgungsbehörden zugegeben haben, LGBT-Gemeinschaften irgendwie ‚überwacht‘ zu haben, was zu den Gerüchten über ‚Schwulenlisten‘ der Polizei beiträgt“</em>, analysiert Sultanalieva. Sie bestätigt aber, dass es in Tadschikistan weiterhin Gruppen von LGBT-Aktivist:innen gibt, die verdeckt arbeiten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/homosexuelle-in-tadschikistan-es-ist-leichter-drogenabhaengig-zu-sein-als-schwul/"><strong>Homosexuelle in Tadschikistan: Es ist leichter drogenabhängig zu sein, als schwul </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die tadschikischen Behörden ihrerseits bestreiten weiterhin die Belästigung oder Verfolgung sexueller Minderheiten. Mary Lawlor erklärte jedoch, dass Tadschikistan den Empfehlungen internationaler Organisationen zu LGBT-Rechten nicht folgt, da diese Menschen laut dem Gesetz <em>„außerhalb der moralischen und ethischen Standards der Beziehungen zwischen Menschen im Land“</em> stehen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Moralisierung des öffentlichen Lebens</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich findet in Tadschikistan eine Verschärfung konservativer moralischer Werte statt, wobei die Gründe für diese Festnahmen nicht wirklich angegeben werden, analysiert <a href="https://cabar.asia/ru/aresty-amoralnyh-blogerov-v-tadzhikistane-vlasti-usilivayut-davlenie-na-obshhestvo">Cabar</a>. Unter dem Vorwand, <em>„das Bewusstsein der Bürger:innen für die Nutzung sozialer Netzwerke zu schärfen und die Kultur und nationale Identität zu wahren“</em>, sei es das Ziel der Regierung, den Spielraum der Meinungsfreiheit im öffentlichen Raum zu verringern. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

„<em>Das erste Ziel besteht darin, die Kontrolle über die öffentliche Meinung auszuweiten, respektive über diejenigen, die die öffentliche Meinung beeinflussen können</em>“, erklärt der tadschikische Medienexperte Abdumalik Kadyrov im Artikel von Cabar. Er glaubt jedoch, dass die Behörden bei diesem Bemühen <em>„so weit gegangen sind, dass sie selbst nicht mehr wissen, was sie tun&#8220;</em>.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die Repression der Pamiris bleibt aktuell</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Ein weiteres Zeichen für ein autoritäres Abdriften ist, dass die tadschikischen Behörden seit den <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">Protesten im November 2021</a> Mitglieder der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiri</a>-Gemeinschaft <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/?noredirect=de-DE">ins Visier nehmen</a>. Die ethnische Minderheit lebt hauptsächlich in der im Osten des Landes gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a>. Die Regierung reagierte auf friedliche Proteste mit einer „Sicherheitsoperation“, die zu Dutzende Toten und Hunderten Inhaftierten führte. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem lokalen Medium <a href="https://pamirdaily.com/vsrtpodtverdil-yaklzuchenit-pamircev/">Pamir Daily</a> beschrieb der Präsident des Obersten Gerichtshofs die Demonstrierenden in Berg-Badachschan am 16. Januar als <em>„kriminelle Bandeschefs aus </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh"><em>Chorugh</em></a><em> und </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon"><em>Ruschon</em></a><em>“</em> (die Orte, in denen die Schwerpunkte der Demonstrationen lagen, Anm. d. Red.). Er erklärte, dass sie alle nach den Gesetzen des Landes strafrechtlich verfolgt und zu Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu lebenslanger Haft verurteilt worden seien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse fanden hinter verschlossenen Türen statt, ohne Transparenz oder Unabhängigkeit von den Behörden. Laut Syinat Sultanalieva ist es jedoch sehr schwierig, von einem Wendepunkt in der Repression zu sprechen. <em>„Dies ist wahrscheinlich ein Akt brutaler Gewalt, der darauf abzielt, die Kontrolle über die Region zurückzugewinnen und ein Signal an den Rest der kritisch gesinnten Menschen im Land zu senden.“</em> Aber in dieser aufgrund eines sich abzeichnenden Generationenwechsels im Präsidentenamt unsicheren Zeit sollten <em>„die Behörden für die Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werden, die sie gegen normale Bürger:innen, Menschenrechtler:innen und andere begangen haben&#8220;</em>. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Emma Collet, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/au-tadjikistan-la-repression-continue/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>[/sc</p>
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		<title>Europas Untätigkeit angesichts der Repression in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2022 19:04:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den letzten Monaten haben tadschikische Aktivist:innen und Oppositionelle die internationale Gemeinschaft aufgefordert, auf Menschenrechtsverletzungen in dem zentralasiatischen Land zu reagieren. Ihrer Meinung nach tut Europa nicht genug, weder f&#xFC;r gef&#xE4;hrdete Gruppen in Tadschikistan noch f&#xFC;r Gefl&#xFC;chtete in Europa. Vom 26. September bis zum 6. Oktober fand in Warschau das Treffen des &#x201E;B&#xFC;ros f&#xFC;r demokratische [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den letzten Monaten haben tadschikische Aktivist:innen und Oppositionelle die internationale Gemeinschaft aufgefordert, auf Menschenrechtsverletzungen in dem zentralasiatischen Land zu reagieren. Ihrer Meinung nach tut Europa nicht genug, weder für gefährdete Gruppen in Tadschikistan noch für Geflüchtete in Europa.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 26. September bis zum 6. Oktober fand in Warschau das Treffen des „Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte“ statt. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_für_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa">OSZE</a>-Gremium befasste sich unter anderem mit der Frage der Menschenrechte in Tadschikistan. Wie das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://pamirdaily.com/таджикская-оппозиция-в-варшаве-призв/">Pamir Daily</a> berichtet, hatte Tadschikistan keine offizielle Delegation entsandt. Es waren nur Oppositionelle und tadschikische Journalist:innen anwesend. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Die wichtigsten Themen waren die Inhaftierung von Journalist:innen und die Repressionen in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a>. Die autonome Provinz, die sich über die östliche Hälfte Tadschikistans erstreckt, ist Schauplatz offener Konflikte zwischen Einwohner:innen und der Zentralregierung. Menschenrechtler:innen glauben, dass Europa angesichts von <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/">Repression und ethnischen Säuberungen</a> untätig bleibt, obwohl es über die Mittel zum Handeln verfüge.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Enttäuschende internationale Reaktionen </strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Aktivist:innen drückten ihre Besorgnis über die Menschenrechtslage in Tadschikistan aus und forderten Europa auf, nicht nur die internationale Hilfe für das Land einzustellen, sondern auch Sanktionen gegen die Regierung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> zu verhängen. So erklärte die unabhängige Journalistin Humaira Bachtijar im <a href="https://www.rferl.org/a/majlis-podcast-tajik-government-crackdown-opposition/31997927.html">Majlis-Podcast</a> von Radio Free Europe, dass Sanktionen tatsächlich wirksam wären, weil Tadschikistan enorm von ausländischer Hilfe abhängig sei. Gegen eine Verschärfung der Lage wäre internationaler Druck die einzige Möglichkeit, nachdem die Opposition im Land praktisch zunichte gemacht wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die europäische Reaktion war bereits im Mai als unzureichend erachtet worden. Nachdem im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir">Pamir</a> Demonstrationen niedergeschlagenen worden waren, wurde eine <a href="https://www.eeas.europa.eu/delegations/tajikistan/joint-statement-developments-gbao_en">gemeinsame Erklärung</a> der europäischen Delegation, der Botschaften von Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten herausgegeben, in der das Vorgehen verurteilt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die tadschikische Regierung reagierte aber nicht auf die Erklärung und auch die internationale Gemeinschaft unternahm keine weiteren Schritte. Muhiddin Kabiri, Führer der oppositionellen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Partei_der_Wiedergeburt_Tadschikistans">Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans (IPWT)</a>, betont in demselben Artikel von Pamir Daily, dass <em>„die Reaktion ganz anders ausgefallen [wäre], hätten diese Ereignisse in einem anderen Land stattgefunden.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Europa fordert, die Menschenrechte zu respektieren</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Auf Anfrage von Novastan erklärt Peter Stano, Sprecher der Europäischen Union (EU) für auswärtige Angelegenheiten, dass der gezielten Unterdrückung von Aktivist:innen und Journalist:innen Aufmerksamkeit gewidmet werde. Die EU fordere die tadschikische Regierung auf, Gesetze, Menschenrechte und Grundfreiheiten zu achten, insbesondere im Hinblick auf die getöteten Demonstrierenden und die Verhaftung von zivilgesellschaftlichen Akteuren der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiris</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die EU fordere den tadschikischen Staat auf, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz das Recht auf Zugang zur Provinz Berg-Badachschan zu gewähren, um eine unabhängige Untersuchung von <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/">Dutzenden Todesfällen</a> einzuleiten, die sich im Mai ereignet haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"><strong>Dutzende Tote: Tadschikistan reagiert mit Härte auf Proteste in Berg-Badachschan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Stano werde die EU die nächste Sitzung des tadschikisch-europäischen Menschenrechtsdialogs und die kommende Mission des <a href="https://trade.ec.europa.eu/access-to-markets/de/content/allgemeines-praeferenzsystem-plus-aps">Allgemeinen Präferenzsystems (APS+)</a> im Dezember nutzen, um diese Probleme hervorzuheben. <em>„Die EU wird die tadschikische Regierung daran erinnern, dass die Menschenrechte und Grundfreiheiten, insbesondere die Versammlungsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit Schlüsselelemente für die Erlangung von EU-Unterstützung im Rahmen des APS+ sind, sowie dafür sich mit den Verhandlungen über die verstärkte Partnerschaft und das Kooperationsabkommen zu befassen“</em>, so Stano. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Oppositionelle kämpfen um Zuflucht in Europa</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Europa ist nicht vorbildlich, wenn es um den Schutz von Flüchtlingen geht. Laut der Anwältin <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Leila_Nazgül_Seiitbek">Leila Nasgül Seitbek</a> seien die meisten <a href="https://www.rferl.org/a/majlis-podcast-asylum-europe/31987321.html">Flüchtlinge aus Zentralasien in Europa politisch</a>. Dies betreffe vor allem tadschikische Staatsangehörige, was sich damit erklären lässt, dass das besser erreichbare Russland nicht mehr sicher genug ist. Wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/31995404.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe, erklärt, arbeitet die russische Polizei tatsächlich mit den tadschikischen Behörden zusammen, um Gegner zu verhaften. Die am stärksten Gefährdeten sind gezwungen, auf illegalen Wegen nach Europa zu gelangen – die meisten von ihnen nach Deutschland. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kein-internet-keine-aufarbeitung-berg-badachschan-zwei-monate-nach-den-unruhen/"><strong>Kein Internet, keine Aufarbeitung – Berg-Badachschan zwei Monate nach den Unruhen </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald sie jedoch in Europa angekommen sind, kämpfen tadschikische Bürger:innen, die in ihrem Land Haftstrafen riskieren, um den Erhalt des Flüchtlingsstatus. Viele von ihnen haben keinen Zugang zu Anwält:innen und den notwendigen Informationen. Sie wissen nicht, dass es Organisationen gibt, die ihnen helfen können. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein schwer zu erlangender Flüchtlingsstatus</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.rferl.org/a/majlis-podcast-asylum-europe/31987321.html">Laut Christian Riedle</a>, Beauftragtem für Asyl, Migration und Menschenrechte in Österreich, können behördliche Entscheidungen Monate oder Jahre dauern. Im Fall von zentralasiatischen Staatsangehörigen könnten die endgültigen Entscheidungen ungerechtfertigt sein, da es seitens der Beamten an Kenntnis der Situation fehle. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Leila Nasgül Seitbek stellt eine eklatante Ungleichbehandlung der verschiedenen Flüchtlinge fest. Menschenrechtler:innen beobachten ein System „doppelter Standards“ für Geflüchtete aus der Ukraine und  aus Zentralasien – selbst für diejenigen, die in die Ukraine geflüchtet waren und sich nach Kriegsbeginn nach Westeuropa begeben mussten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: Tote und Verletzte bei Protesten in Berg-Badachschan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Flüchtlingsstatus zu erhalten, muss man nachweisen, in seinem Land bedroht zu sein, was nicht einfach ist. Radio Ozodi nennt als Beispiel einen jungen Mann, der <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">im November</a> an den Demonstrationen in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a> teilgenommen hat und inzwischen nach Deutschland geflohen ist. <em>„In meinem Fall ist das Problem, dass ich keine Vorladung hatte: Eine Behörde hat meine Eltern nach den Demonstrationen angerufen. Bekannte von mir sagten, dass mein Name auf der schwarzen Liste stand, aber es scheint mir, dass es nicht einfach sein wird, dies den deutschen Behörden nachzuweisen“</em>, erklärte der Mann. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Vorwürfe des Extremismus</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Leila Nasgül Seitbek erklärt, dass Migrant:innen der Flüchtlingsstatus verweigert werden könne, weil die tadschikische Regierung sie des Terrorismus oder Extremismus beschuldigen. Die europäischen Behörden sind sich der politischen Lage in Tadschikistan nicht ausreichend bewusst und wissen nicht immer, dass es sich um typische Anschuldigungen handelt, die für politische Zwecke verwendet und ohne Beweise vorgebracht werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten, Fälle würden nicht mit der Unschuldsvermutung behandelt werden. Wenn die tadschikische Regierung die Auslieferung eines ihrer Bürger:innen aufgrund von Extremismusvorwürfen beantragt, kommen die europäischen Länder dem nach, sofern keine Unterlagen vorliegen, die das Gegenteil belegen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong> </strong></a> Der Fall eines kürzlich aus Österreich ausgewiesenen und in Tadschikistan aufgrund von falschen Terrorismusvorwürfen zu einer langen Haftstrafe verurteilten Pamiri-Aktivisten zeigt, dass es europäischen Richter:innen an Urteilsvermögen mangelt. In diesem Fall hatte die tadschikische Regierung den österreichischen Behörden falsche Angaben gemacht. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Aktivist:innen trotz Drohung ausgeliefert</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Obwohl Interpol Ermittlungen durchführt, die oft die Unschuld von in Tadschikistan wegen Terrorismus angeklagten Personen belegen, können Fehler passieren. Laut Christian Riedle ist es jedoch schwer zu sagen, ob Interpol wirklich berücksichtigt, dass die Anklage von einem Staat erhoben wird, der dieses Verfahren zu repressiven Zwecken nutzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Fehler, ob von Interpol oder von nationalen Behörden begangen, sind keine Einzelfälle. Eine Reihe zentralasiatischer Aktivist:innen, denen in der Ukraine der Flüchtlingsstatus zuerkannt worden war, flohen nach Polen, wo die ihnen zuvor erteilte positive Entscheidung nicht berücksichtigt wurde. Leila Nasgül Seitbek spricht von Dutzenden von Flüchtlingen in polnischen Haftanstalten und von Aktivist:innen, die von ihren Kindern getrennt wurden. Ihrer Meinung nach lernen die Asylbehörden nicht aus ihren Fehlern und die Briefe von Menschenrechtsorganisationen werden ignoriert. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Instrumentalisierte Terrorismusbekämpfung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Auf einer Konferenz zur Zusammenarbeit gegen den Terrorismus, die am 18. und 19. Oktober in Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe stattfand, forderte Präsident Emomali Rahmon die europäischen Staaten direkt auf, des Extremismus beschuldigten Personen, keinen Flüchtlingsstatus zu gewähren. Wie das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20221026/spetspredstavitel-es-evrosoyuz-budet-udelyat-bolshe-vnimaniya-pravam-cheloveka-v-tadzhikistane">Asia-Plus</a> berichtet, würden ihm zufolge <em>„Terroristen und Extremisten den Flüchtlingsstatus nutzen und das Vertrauen der Industrieländer missbrauchen.“ </em>In Tadschikistan gelten Oppositionsparteien wie die IPWT, die in Europa als nicht gefährlich eingestuft werden, als Terrororganisationen.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Europa versucht, viele reale Bedrohungen in Zentralasien zu bekämpfen, wie etwa den Islamischen Staat und seine regionale Unterorganisation <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_State_–_Khorasan_Province">Daesh-Chorasan</a>, die organisierte Kriminalität oder die Probleme, die der unmittelbaren Nachbarschaft mit den Taliban innewohnen. Allerdings muss sie bei ihrer Zusammenarbeit mit der tadschikischen Regierung berücksichtigen, dass diese die Begriffe „Extremismus“ und „Terrorismus“ nicht gleich definiert.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Nane Bouvier, Redakteurin für Novastan in Duschanbe</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/europe-et-asie-centrale/leurope-inefficace-face-a-la-repression-au-tadjikistan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Nov 2022 10:37:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[ethnische Säuberungen]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
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		<category><![CDATA[Unruhen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die tadschikische Regierung verst&#xE4;rkt die Repression gegen die Minderheit der Pamiris. Einige Quellen sprechen sogar von ethnischen S&#xE4;uberungen. &#x201E;Das war vor sechs Monaten und wir k&#xF6;nnen uns immer noch nicht sammeln, um zu verstehen, was mit uns passiert ist&#x201C;, erkl&#xE4;rt gegen&#xFC;ber Novastan ein Bewohner von Chorugh, der Hauptstadt der im Osten Tadschikistans gelegenen Autonomen Provinz [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die tadschikische Regierung verstärkt die Repression gegen die Minderheit der Pamiris. Einige Quellen sprechen sogar von ethnischen Säuberungen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das war vor sechs Monaten und wir können uns immer noch nicht sammeln, um zu verstehen, was mit uns passiert ist“</em>, erklärt gegenüber Novastan ein Bewohner von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a>, der Hauptstadt der im Osten Tadschikistans gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a>. Seit den <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/?noredirect=de-DE">Ereignissen vom Mai dieses Jahres</a> herrscht in Tadschikistan, insbesondere im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, eine beispiellose Repression. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht das erste Mal, dass dort Proteste blutig niedergeschlagen wurden. Seit <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/?noredirect=de-DE">November 2021</a> kommt die Region nicht zur Ruhe. Die jüngsten Ereignisse forderten jedoch mehr Menschenleben und wurden von einer Welle von Massenverhaftungen begleitet, die sich gegen lokale Eliten und die Zivilgesellschaft richtet. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"><strong>Dutzende Tote: Tadschikistan reagiert mit Härte auf Proteste in Berg-Badachschan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach offiziellen Angaben wurden 220 Personen festgenommen, von denen Dutzende zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Dies berichtet <a href="https://rus.ozodi.org/a/32087992.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe. <a href="https://dornsife.usc.edu/cf/faculty-and-staff/faculty.cfm?pid=1098063">Steve Swerdlow</a>, Anwalt und Professor an der University of Southern California, verweist auf Berichte von Augenzeugen, laut denen Verletzte in Gewahrsam genommen wurden und Folter in den ersten Stunden der Festnahme üblich sei. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>„Gruppe 44“ zerschlagen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Lokale Anführer im Pamir werden besonders ins Visier genommen. Wie das unabhängige tadschikische Medium <a href="https://pamirdaily.com/верховный-суд-таджикистана-считает/">Pamir Daily</a> berichtet, wurden einige Mitglieder der „Gruppe 44“ festgenommen, zwei von ihnen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Die „Gruppe 44“ war während der Ereignisse im November 2021 eingesetzt worden, um die Situation zu beruhigen und einen Dialog zwischen der lokalen Bevölkerung und der Regierung herzustellen. Sie bestand aus Aktivist:innen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiri</a>-Zivilgesellschaft. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">Tadschikistan: Tote und Verletzte bei Protesten in Berg-Badachschan </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem von Novastan interviewten Aktivisten sei die Situation jetzt ruhig, <em>„weil es niemanden mehr gibt, den man verhaften könnte“</em>. Tatsächlich werfen die offiziellen Zahlen Fragen auf. <a href="https://pamirdaily.com/в-гбао-оштрафованы-триста-человек-яко/">Pamir Daily</a> behauptet, dass mehr als 2.000 Pamiris im Gefängnis seien, die überwältigende Mehrheit davon Mitglieder der aktivsten Schicht der Bevölkerung. Es zeige sich klar, dass die Regierung ethnische Säuberungen durchführt. Der Staat wolle nun die Regierung und NGOs von jeglicher Pamiri-Präsenz säubern, erklärt <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/about/people/suzanne-levi-sanchez-0">Suzanne Levi-Sanchez</a>, Spezialistin für informelle Organisationen in Badachschan. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Einflussreichen Persönlichkeiten der Region droht nicht nur die Verhaftung, einige wurden sogar ermordet. Dies gilt insbesondere für Mamadbokir Mamadbokirow, der am 22. Mai <a href="https://rus.ozodi.org/a/31862351.html">auf offener Straße getötet</a> wurde. Die Behörden beschuldigten ihn, Anführer einer kriminellen Vereinigung zu sein.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Festnahmen aufgrund ethnischer Unterschiede</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Auch wenn das Ziel darin zu bestehen scheint, die Zivilgesellschaft zu zerstören, betreffen die Verhaftungen auch Pamiris, die sich nicht an der Politik beteiligen. <em>„Es ist nicht so, dass sie Journalisten und Aktivisten verhaften. Jetzt verhaften sie alle, ohne einen Unterschied zu machen“</em>, sagt ein Einwohner des Pamiri-Dorfes <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon">Ruschon</a> gegenüber Novastan. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bachtijor Safarow, Gründer von Central Asian Consulting und aus der Region stammend, berichtet, dass Pamiri-Geschäftsleute ohne Verbindungen zur Politik festgenommen wurden. Seiner Meinung nach zielen diese Operationen darauf ab, Gemeinschaft und Kultur zu zerstören, ohne die sich die Menschen in dieser gebirgigen, isolierten und armen Region nicht organisieren können, um zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/leben-auf-dem-dach-der-welt-ueber-tadschikische-und-pamirische-identitaeten/"><strong>Leben auf dem Dach der Welt: Über tadschikische und pamirische Identitäten </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Pamiris befinden sich im Ausland, vor allem in Russland, von wo aus sie Geld an Verwandte in Tadschikistan schicken. Diejenigen, die diese Gelder auf ihr Konto erhalten und dann verteilen, werden jetzt von den Behörden ins Visier genommen, wie Suzanne Levi-Sanchez erklärt.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Entführungen von Pamiris im Ausland</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Auch die Pamiri-Diaspora ist nicht immun gegen Repressionen. Sie macht <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/rapper-dorob-yans-auf-der-buehne-wuerde-ich-nach-dem-dritten-track-zum-schweigen-gebracht/">im Ausland mobil</a>, zum Beispiel mit Demonstrationen vor tadschikischen Botschaften. Dennoch sind diese Proteste seit November 2021 rückläufig: Aktivist:innen fürchten nicht nur Auswirkungen auf ihre zurückgelassenen Angehörigen, sondern sie werden auch selbst festgenommen und nach Tadschikistan deportiert. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://pamirdaily.com/в-москве-задержан-блогер-и-активист-из/">Pamir Daily</a> berichtet, dass in den letzten sechs Monaten mehr als 20 Pamiris in Moskau entführt wurden. Nach dem klassischsten Muster tauchen sie wenige Tage später in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe wieder auf, wo ein Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet wird. Trotzdem filmen die Behörden Szenen, in denen die Betroffenen behaupten, sie seien freiwillig zurückgekehrt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-fuenf-forschende-fuer-die-sprachen-der-pamir-region-kaempfen/"><strong>Wie fünf Forschende für die Sprachen der Pamir-Region kämpfen </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland kommt Auslieferungsersuchen nach, obwohl diese manchmal Personen betreffen, die die russische Staatsbürgerschaft erworben haben. Dies ist zum Beispiel bei den Brüdern Oras und Ramsi Wasirbekow der Fall. Sie waren dafür bekannt, sich in sozialen Netzwerken gegen die tadschikische Regierung zu stellen, und verschwanden am 29. Juni auf dem Moskauer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Moskau-Domodedowo">Flughafen Domodedowo</a>, bevor sie in Duschanbe <a href="https://rus.ozodi.org/a/32120926.html">wieder auftauchten</a>. Anfang November wurden sie zu 16 beziehungsweise 13 Jahren Gefängnis verurteilt. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Russland als Komplize</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Russland hat die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Partei_der_Wiedergeburt_Tadschikistans">Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans (IPWT)</a> bereits 2015 zu einer terroristischen Organisation erklärt, was der tadschikischen Regierung mehr Spielraum gab, die Auslieferung von Gegnern zu fordern. Mitglieder der Partei wurden daher in Russland wie auch andere Regimegegner:innen festgenommen und ausgeliefert. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/russlands-rolle-im-pamir-akteur-oder-beobachter/"><strong>Russlands Rolle im Pamir: Akteur oder Beobachter? </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2021 forderte <a href="https://www.amnesty.org/en/latest/news/2021/04/russiatajikistan-stop-deportation-of-tajikistani-migrants-expelled-solely-for-taking-part-in-peaceful-protest-2/">Amnesty International</a> Russland auf, die Auslieferung von Tadschik:innen zu stoppen, die sich zuvor gegen die Regierung von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> geäußert hatten: Nach ihrer Ankunft in Tadschikistan wurden sie gefoltert und in unfairen Prozessen vor Gericht gestellt. Im Jahr 2022 betreffen diese Verhaftungen jedoch nicht nur Aktivist:innen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Journalist Bruce Pannier betont, versuchen die tadschikischen Behörden, die Pamiris mit Gegnern im Exil in Verbindung zu bringen. Daher fürchten Mitglieder der Diaspora, die nie über Politik oder Aktivismus nachgedacht haben, jetzt um ihre Sicherheit.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Unfaire Gerichtsverfahren</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Salimdschon Ajub, Chefredakteur von Radio Ozodi, erklärt, dass die übereilten Prozesse hinter verschlossenen Türen stattfinden: Selbst die nahen Angehörigen der Angeklagten dürfen diese weder sehen, noch können sie genaue Informationen über die gegen sie vorgelegten Beweise erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall der Brüder Wasirbekow konnte ihre Familie keinen Anwalt finden, der sie verteidigt: Ein vom Gericht bestellter Gerichtsschreiber ist mit dem Fall befasst und gibt keine Informationen heraus. Tatsächlich weigern sich Anwält:innen, sich mit Fällen im Zusammenhang mit den Ereignissen vom Mai zu befassen, da sie Angst haben, ihre Lizenz zu verlieren. Laut <a href="https://rus.ozodi.org/a/31889220.html">Radio Ozodi</a> erhalten auch Anwält:innen, die die Regierung kritisiert haben, keine Lizenzen mehr. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kein-internet-keine-aufarbeitung-berg-badachschan-zwei-monate-nach-den-unruhen/"><strong>Kein Internet, keine Aufarbeitung – Berg-Badachschan zwei Monate nach den Unruhen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem im Pamir führt der Mangel an Anwält:innen dazu, dass Dutzende von Gerichtsverfahren abgewickelt werden, ohne dass die Angeklagten ihr Recht auf Verteidigung geltend machen können. In Berg-Badachschan sind sieben Anwälte registriert, aber nur vier von ihnen arbeiten tatsächlich vor Ort, die anderen in Duschanbe. Im Vergleich zu einer Bevölkerung von 250.000 und der großen Zahl von Festnahmen, die im November 2021 und im vergangenen Mai stattfanden, ist es unmöglich, die Verteidigung zu gewährleisten. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Stille aufgrund von Angst</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Drohungen gegen und Festnahmen von Journalist:innen hindern diese daran, über die unterdrückten Proteste und die ethnischen Säuberungen zu berichten. So <a href="https://rus.ozodi.org/a/31865912.html">drohen</a> der am 18. Mai festgenommenen Aktivistin und Journalistin Ulfathonim Mamadschojewa bis zu 15 Jahre Gefängnis. Auch mit ihr in Verbindung stehende Journalist:innen wurden zur Befragung vorgeladen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/berg-badachschan-vom-internet-abgeschnitten/"><strong>Berg-Badachschan vom Internet abgeschnitten</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angst ist allgegenwärtig. Ein Gespräch mit Novastan lehnen die meisten Zeug:innen mit Verweis auf bereits festgenommene Bekannte und aus Angst vor Repressalien auf die eigene Familie ab, gegen die selbst Kinder nicht immun seien. <em>„Die Leute versuchen so zu tun, als könnten wir vergessen, was passiert ist. Weil darüber reden nichts bringt, außer aus Angst um die Familie“</em>, meint der Einwohner von Ruschon, der mit Novastan sprechen wollte. Auch Steve Swerdlow weist darauf hin, dass <em>„jeder, der an diesem Thema arbeitet, ein Risiko eingeht, insbesondere tadschikische Bürger.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Religiöse Verfolgung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Verfolgung ist auch religiöser Natur: Die Pamiris sind im Gegensatz zu den sunnitischen Tadschik:innen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">ismailitische Schiit:innen</a>. Einwohner:innen von Chorugh erklärten im August gegenüber <a href="https://rus.ozodi.org/a/32021431.html">Radio Ozodi</a>, dass der Religionsunterricht nach den Ereignissen vom Mai eingestellt wurde. Das ismailitische Zentrum in Duschanbe schloss ebenfalls am 6. September seine Türen, wurde aber vor kurzem wiedereröffnet. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wer-ist-der-aga-khan-und-wofuer-ist-er-bekannt/"><strong>Wer ist der Aga Khan und wofür ist er bekannt? </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aga-Khan-Stiftung">Aga-Khan-Stiftung</a>, eine der wichtigsten internationalen Organisationen für Entwicklungshilfe im Land, in ihrer Tätigkeit behindert. Die Arbeit der Organisation betrifft eher den Zugang zu Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Kultur als die Religion, aber ihr Anführer und Gründer ist Imam <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karim_Aga_Khan_IV.">Aga Khan IV</a>, das geistliche Oberhaupt der Ismailit:innen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine Verschärfung der Lage</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung gebe kein positives Signal, und ohne Druck von außen werde sie nichts zwingen, vor dem Ende der ethnischen Säuberung aufzuhören, glaubt eine auf die sozio-religiöse Entwicklung Tadschikistans spezialisierte Forscherin, die unerkannt bleiben will.</p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Laut <a href="https://www.genocidewatch.com/single-post/genocide-watch-tajikistan">Genocide Watch</a>, das zehn Stufen des Völkermords unterscheidet, befindet sich Tadschikistan durch die Verfolgung der Pamiris auf Stufe acht. Die Organisation fordert die internationale Gemeinschaft auf, mit der Wiederaufnahme der 1997 gestoppten Beobachtermission der Vereinten Nationen in Tadschikistan und mit Maßnahmen zum Schutz der zentralasiatischen Staaten angesichts der Sanktionen gegen Russland zu reagieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Deren dramatischen Auswirkungen auf die tadschikische Wirtschaft machen die Region in der Tat noch instabiler. Schließlich warnt die Organisation vor den nicht unerheblichen Bürgerkriegsrisiken, die sich aus ethnischen Verfolgungen ergeben. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Nane Bouvier, Redakteurin für Novastan in Duschanbe</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/tadjikistan-nettoyage-ethnique-et-repression-dans-le-haut-badakhchan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Russlands Rolle im Pamir: Akteur oder Beobachter?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 09:31:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
		<category><![CDATA[Pamiris]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Russland war einst eine Schutzmacht der Minderheiten im Pamir. Nicht erst nach den j&#xFC;ngsten gewaltt&#xE4;tigen Auseinandersetzungen in Berg-Badachschan mit dutzenden Toten wird Moskaus schw&#xE4;cher werdende Rolle in der Region deutlich. Die folgende Analyse ver&#xF6;ffentlichte das Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR) am 30. Mai 2022. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Russland war einst eine Schutzmacht der Minderheiten im Pamir. Nicht erst nach den jüngsten gewalttätigen Auseinandersetzungen in Berg-Badachschan mit dutzenden Toten wird Moskaus schwächer werdende Rolle in der Region deutlich. Die folgende Analyse veröffentlichte das Central Asian Bureau for Analytical Reporting (</strong><a href="https://cabar.asia/ru/rol-rossii-na-pamire-igrok-ili-nablyudatel?_utl_t=tw"><strong>CABAR</strong></a><strong>) am 30. Mai 2022. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Tadschikistans Regierung hat eine weitere Militäroperation in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a> gestartet, die auch als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a> oder &#8218;Dach der Welt&#8216; bekannt ist. Diese abgelegene Bergregion macht fast die Hälfte des Landes aus und beherbergt etwa 3 Prozent der Bevölkerung Tadschikistans. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://khovar.tj/rus/2022/05/press-tsentr-mvd-soobshhaet-v-rushanskom-rajone-nachalas-antiterroristicheskaya-operatsiya/">Nach Angaben der tadschikischen Behörden</a> werde die Operation gegen organisierte kriminelle Gruppen durchgeführt, die von internationalen Terrororganisationen unterstützt würden. Sie ziele darauf ab, <em>„die Sicherheit der Bürger:innen, die öffentliche Ordnung und die Wiederherstellung des ungehinderten Verkehrs auf der internationalen Fernstraße Duschanbe – </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kulma-Pass"><em>Kulma</em></a><em>“</em> zu gewährleisten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"><strong>Dutzende Tote: Tadschikistan reagiert mit Härte auf Proteste in Berg-Badachschan</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Abschnitt der Trasse war von Einwohner:innen des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon_District">Bezirks Ruschon</a> blockiert worden, um den Vormarsch von Streitkräften in die Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a> zu verhindern. Nachdem dort im <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">November 2021</a> ein Anwohner von Sicherheitskräften getötet worden war und anschließende friedliche Proteste auseinandergetrieben wurden, halten die Spannungen bis heute an. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Proteste zeigten sich die Menschen in Berg-Badachschan unzufrieden mit der Untätigkeit der Behörden bei der Untersuchung der Todesumstände, verstärkter Militärpräsenz, dem Abschneiden der Region von Informationen sowie der Verfolgung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiris</a>. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Die sogenannte „Anti-Terror-Operation“ wird hart und kompromisslos durchgeführt. Sie wird von zahlreichen Opfern und Festnahmen begleitet. Dies beschäftigt auch die Weltgemeinschaft. So haben unter anderem <a href="https://tj.usembassy.gov/ru/совместное-заявление-о-событиях-в-гба/">die Vereinigten Staaten, Frankreich, Deutschland, die Europäischen Union</a>, die <a href="https://www.eda.admin.ch/countries/tajikistan/en/home/news/news.html/content/countries/tajikistan/en/meta/news/2022/May/internal-tensions">Schweiz</a>, der <a href="https://www.un.org/press/en/2022/db220519.doc.htm">UN-Generalsekretär</a>, <a href="https://www.hrw.org/news/2022/05/26/tajikistan-stop-abusing-autonomous-region-protesters">Human Rights Watch</a> und eine Reihe anderer NGOs Erklärungen abgegeben, in denen sie die Regierung Tadschikistans auffordern, von übermäßiger Gewaltanwendung abzusehen, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden und einen konstruktiven Dialog mit der Minderheit der Pamiris aufzunehmen.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine lange Verbundenheit</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Einer der Akteure, der großen Einfluss auf die tadschikischen Behörden hat und damit zur Deeskalation des Konflikts beitragen kann, ist Russland, auf dessen Unterstützung die Pamiris aufgrund besonderer historischer Verbundenheit stark zählen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem <a href="https://mid.ru/ru/foreign_policy/news/1813888/#38">Briefing</a> zu den Ereignissen in Berg-Badachschan äußerte das russische Außenministerium jedoch nur seine Besorgnis über die Sicherheit russischer Bürger:innen sowie die Befürchtung von Opfern unter den Sicherheitskräften. Unter Bezugnahme auf die tadschikischen Behörden sprach es von Spannungen, die durch kriminelle Elemente und Extremismus hervorgerufen worden seien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland gilt seit langem als Beschützer der kleinen Völker im Pamir, die sich sprachlich (die Pamir-Sprachen gehören zu den ostiranischen Sprachen, während das Tadschikische eine westiranische Sprache ist) und religiös (anders als die sunnitischen Tadschik:innen sind die meisten Pamiris schiitische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailit:innen</a>) von der übrigen Bevölkerung Tadschikistans unterscheiden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die besondere Beziehung zwischen Russland und den Pamiris entwickelte sich bereits im 19. Jahrhundert, als das Russische Reich die Pamiris buchstäblich vor dem Völkermord durch die afghanischen Khane und der Unterdrückung durch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emire von Buchara</a> schützte. Diese hielten die Pamiris aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lfer-Schia">Schia</a> für Ungläubige. Zu dieser Zeit begann das russische Militär des <a href="https://vatnikstan.ru/history/pamirskij-otryad/">Pamir-Verbandes</a>, <em>„der die südlichen Grenzen vor äußeren Feinden schützte, die Anwohner:innen vor inneren Feinden, Banditen und Beamten zu schützen und damit nicht vorhandene lokale Behörden zu ersetzen&#8220;</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/leben-auf-dem-dach-der-welt-ueber-tadschikische-und-pamirische-identitaeten/"><strong>Leben auf dem Dach der Welt: Über tadschikische und pamirische Identitäten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Sowjetzeit und bis zum ihrem Abzug im Jahr 2004 waren drei russische Grenzbataillone im Pamir stationiert (Chorugh, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischkoschim">Ischkoschim</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murghob">Murghob</a>) und versorgten die Bewohner:innen der abgelegenen Bergregion mit Nahrung und Arbeitsplätzen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst während des <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Bürgerkriegs 1992-1997</a>, als die Pamiris auf der Seite der Opposition standen, wurde das russische Militär zum einzigen bedeutenden Wirtschaftsagenten und Sicherheitsgaranten, der verhinderte, dass Berg-Badachschan die gleiche Entwicklung vollzog wie Afghanistan. Die heutige russische Politik in Bezug auf den Pamir ist distanzierter und unterscheidet sich grundlegend vom zaristischen Russland sowie von der Sowjetregierung, die trotz kolonialer Ambitionen von kreativer und humanitärer Natur war. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/willkommen-auf-dem-mars-die-region-murghab-in-tadschikistan/"><strong>Willkommen auf dem Mars: Die Region Murghob in Tadschikistan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewohner des Pamirs mit ihrer eigenen Kultur und Lebensweise zeichnen sich seit jeher dadurch aus, dass sie gastfreundlich, friedliebend und freidenkend sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch das hohe Bildungsniveau der Bevölkerung und die Zugehörigkeit zum Ismailismus, der als recht demokratische Bewegung im Islam gilt. Diese Eigenschaften haben den Pamiris den Schutz des tausende Kilometer entfernten Russlands gesichert. Sie erklären auch bis zu einem gewissen Grad die höhere Wahrscheinlichkeit von Unzufriedenheit in der Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> Wie die Praxis jedoch zeigt, verschärfen gewaltsame Methoden zur Unterdrückung von Protesten die bestehenden Widersprüche. Die einzig wirksame Methode zur Lösung von Konfliktsituationen besteht darin, zwischen dem Zentrum und Berg-Badachschan einen Dialog mit einflussreichen Mediatoren einzuleiten. Russland könnte als solcher Vermittler fungieren. Angesichts der aktuellen Lage in der Welt gibt es jedoch mehrere Faktoren, die die eher mangelnde Bereitschaft Russlands erklären, in diesen Konflikt einzugreifen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der ukrainische Faktor</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine und zunehmender politischer und wirtschaftlicher Isolation ist es für Russland wichtig, gute und vertrauensvolle Beziehungen zur derzeitigen Führung Tadschikistans zu pflegen. Dies zeigt der jüngste Moskau-Besuch des tadschikischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> im Rahmen eines Treffens der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_über_kollektive_Sicherheit">OVKS</a>-Mitgliedstaaten. Tadschikistan bleibt ein befreundetes Land. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon zeugt auch die neutrale, wenn nicht gar stillschweigende Position Tadschikistans in Bezug auf die russische Aggression gegen die Ukraine und deren humanitären Folgen. Das Land vertrat diese während der Annahme zweier Resolutionen der Generalversammlung der Vereinten Nationen im März dieses Jahres. Im April weigerte sich Tadschikistan, den Ausschluss Russlands aus dem UN-Menschenrechtsrat zu unterstützen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-krise-in-russland-mit-verstaerktem-echo-in-tadschikistan/"><strong>Die Krise in Russland mit verstärktem Echo in Tadschikistan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sich auf die Seite der Pamir-Minderheiten zu stellen, bedeutet für Russland demnach, das derzeitige politische Regime Tadschikistans gegen sich aufzubringen und dementsprechend die Beziehungen zu einem Verbündeten zu zerstören. Dies kann sich Russland zurzeit nicht leisten. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der afghanische Faktor</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Tadschikistan ein souveräner Staat ist, gilt die tadschikisch-afghanische Grenze immer noch als strategisch wichtig in Bezug auf den Schutz russischer Interessen. Die derzeitige Herrschaft der Taliban in Afghanistan beunruhigt Moskau ernsthaft, da sie eine potentielle Gefahrenquelle zunehmenden Waffen- und Drogenschmuggels sowie der Infiltration von Mitgliedern radikaler Gruppen wie dem sogenannten „Islamischen Staat“ nach Zentralasien und Russland darstellt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier ist es Russland derzeit jedoch nicht möglich, an mehreren Fronten zu kämpfen. Die 201. Militärbasis, die größte des Zentralen Militärbezirks der russischen Streitkräfte, befindet sich in Tadschikistan, und einigen Berichten zufolge ist Russland gezwungen, einen Teil des Kontingents in die Ukraine zu verlegen, wodurch Russlands Südflanke bloßgelegt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der tadschikische Präsident Emomali Rahmon ist der einzige und schärfste Kritiker der Taliban unter den zentralasiatischen Führern. Trotzdem bewertet Russland die Dynamik der Herrschaft der Taliban positiv und unternimmt sogar Schritte, um diplomatische Beziehungen zu ihnen aufzunehmen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/russland-und-zentralasien-bauen-gemeinsame-luftverteidigung-aus/"><strong>Russland und Zentralasien bauen gemeinsame Luftverteidigung aus </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Moskau macht sich jedoch keine Illusionen über die Zuverlässigkeit des Taliban-Regimes und hat es demnach nicht eilig, sie von der Liste der in Russland verbotenen Terrororganisationen zu nehmen. So wendet Russland einerseits sanfte Rhetorik gegenüber den Taliban an, um den möglichen Vormarsch radikaler Gruppen in Zentralasien zurückzuhalten, und hält andererseits die Hand am Puls der Zeit. Angesichts der jüngsten Verlegung einer großen Zahl bewaffneter Taliban-Anhänger an die Grenze zu Tadschikistan und Usbekistan, widmet Moskau der Stärkung der tadschikisch-afghanischen Grenze maximale Aufmerksamkeit und unterstützt die derzeitige Führung Tadschikistans auf jede erdenkliche Weise. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der chinesische Faktor</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Chinas Expansion im Pamir findet schnell und in großem Umfang statt. Vom Straßenbau über die <a href="https://novastan.org/de/panorama/wie-tadschikistan-vor-zehn-jahren-einen-teil-seines-territoriums-an-china-gab/">Veräußerung eines Teils des Territoriums</a> des Bezirks Murghob in Berg-Badachschan an China im Jahr 2011, die Übertragung von Silbervorkommen zur vorübergehenden Nutzung bis hin zum Bau <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/geheime-chinesische-militaerbasis-in-tadschikistan-entdeckt/">inoffizieller militärischer Einrichtungen</a> nimmt Chinas militärische und wirtschaftliche Präsenz in der Region zu. Günstige Bedingungen entstehen hierbei nicht etwa für die Pamiris, sondern für das herrschende Regime Tadschikistans. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/chinas-geopolitik-im-pamir/"><strong>Chinas Geopolitik im Pamir </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Russland sind Tadschikistan und insbesondere der Pamir für das Reich der Mitte eine relativ einfache Ressourcenquelle, wie die Indikatoren für ausländische Direktinvestitionen belegen. Während im Jahr 2010 die Zahl der ausländischen Direktinvestitionen aus Russland und China nach Tadschikistan noch fast identisch war, sind die chinesischen Investitionen im Jahr 2020 zehnmal so hoch wie die russischen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings ist der Pamir für China, genau wie für Russland, eine Pufferzone, um das Land vor der Infiltrierung radikaler islamistischer Gruppen zu schützen. Da die Sicherheitsinteressen Chinas und Russlands in Zentralasien zusammenfallen und auch angesichts der Annäherung zwischen Russland und China vor dem Hintergrund der Konfrontation mit dem Westen, lässt Russland die chinesische Expansion zu. Darüber hinaus spielt auch eine Rolle, dass Moskaus Prioritäten derzeit auf die Ukraine ausgerichtet sind. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Schlussfolgerungen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die Kolonialisierung Zentralasiens im 19. Jahrhundert war begleitet von russischer Gewalt und erbittertem Widerstand der lokalen Bevölkerung. Laut dem Historiker <a href="https://www.cambridge.org/core/books/abs/russian-conquest-of-central-asia/aryanism-on-the-final-frontier-of-the-russian-empire-the-exploration-and-annexation-of-the-pamirs-18811905/2275F8059DA71A11EEADD9E6AFB132EE">Alexander Morrison</a> entwickelte und befreite das Russische Reich jedoch im Gegensatz zu anderen Regionen Zentralasiens den an Mineralien und Edelsteinen reichen Pamir nicht aus wirtschaftlichen Interessen, da die Entwicklung der Industrie aufgrund der natürlichen Gegebenheiten der rauen Region sehr schwierig war. Sogar die strategische geografische Bedeutung des Pamirs im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">Großen Spiel</a> zwischen Russland und Großbritannien trat in den Hintergrund.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Vielmehr wurde Russlands Interesse am Pamir durch die einzigartigen Merkmale der Bergbewohner:innen (einschließlich ihrer Religion, Sprache und äußeren Unterschiede) erklärt, deren Kultur und Lebensweise vor der vollständigen Zerstörung bewahrt werden mussten. Laut Morrison waren die Pamiris für die Russ:innen <em>„die letzten indigenen Völker Zentralasiens, die durch aufeinanderfolgende Wellen türkischer Migration in die Berge zurückgedrängt wurden, die aber gleichzeitig eine ethnische und sprachliche Identität bewahrten&#8220;</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus erregte die äußerst beklagenswerte und verwundbare Existenz des Pamiris unter dem Joch der afghanischen Khane und der Emire von Buchara große Sympathie und Mitgefühl bei den russischen Offizieren, die auf die Hilferufe der Bergbewohner:innen reagierten. Wie die Ereignisse jedoch zeigen, ist auf diese besondere Beziehung zwischen Russland und dem Pamir im 21. Jahrhundert kein Verlass. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne die Vermittlung eines einflussreichen Mediators wird die Konfrontation zwischen der Zentralregierung in Duschanbe und den Bewohner:innen des Pamirs weiter eskalieren. Angesichts der Erfahrungen des Bürgerkriegs der 1990er Jahre und der Nähe zum unruhigen Afghanistan wird dies zwangsläufig Auswirkungen auf die Stabilität der gesamten zentralasiatischen Region haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie die Ereignisse in der Ukraine die Weltgemeinschaft zwingen, Russlands Rolle als Aggressor auf globaler Ebene neu zu bewerten, könnte Moskaus mangelnde Bereitschaft oder Unfähigkeit, die historischen Beziehungen zu den Pamir-Völkern aufrechtzuerhalten, zu einem Umdenken über Russlands Rolle auf regionaler Ebene führen. Mit anderen Worten, Russlands Rückzug aus dem Pamir spricht nicht nur für Moskaus schwindenden wirtschaftlichen und militärischen Einfluss in der Region, sondern kann auch zu einem Rückgang des Vertrauens in Russland als zuverlässigen Verbündeten führen. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://cabar.asia/ru/rol-rossii-na-pamire-igrok-ili-nablyudatel?_utl_t=tw"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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