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	<title>Ökologie Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Ökologie Archives</title>
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		<title>Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 06:24:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bem&#xFC;hungen zur Bek&#xE4;mpfung der Folgen der globalen Erw&#xE4;rmung. Als erste gro&#xDF;e Plattform f&#xFC;r die Entwicklung koordinierter L&#xF6;sungen auf regionaler Ebene brachte der Regional Ecological Summit (RES)&#xA0;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen f&#xFC;r zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bemühungen zur Bekämpfung der Folgen der globalen Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als erste große Plattform für die Entwicklung koordinierter Lösungen auf regionaler Ebene brachte der <a>Regional Ecological Summit (RES)</a>&nbsp;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen für zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen zusammen. Organisiert wurde der Gipfel vom <a>kasachstanischen</a>&nbsp;Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen in Partnerschaft mit der UNO. Im Mittelpunkt stand die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Staaten, da sowohl natürliche Ressourcen als auch ökologische Katastrophen grenzüberschreitender Natur seien.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Konferenz wurde von den zentralasiatischen Staatschefs eine Erklärung zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung verabschiedet. Unter dem Titel <em>„Ökologische Solidarität Zentralasiens“</em> legt dieses Dokument eine gemeinsame regionale Position zu den größten Umweltproblemen der Region fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für Zentralasien ist der Klimawandel keine Zukunftsprojektion mehr“,</em> erklärte der kasachstanische Umweltminister <a>Jerlan Nysanbaev</a>&nbsp;. <em>„Er ist ein Faktor, der direkt unsere Wasser- und Energieressourcen betrifft, aber auch Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Gesundheit.“ </em>Daher sei die Klimapolitik nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern auch eine Frage der <em>„wirtschaftlichen Resilienz, regionalen Sicherheit und Qualität der öffentlichen Verwaltung“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wüstenbildung und Bedarf an Wiederaufforstung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der wichtigsten behandelten Punkte war die zunehmende Wüstenbildung in der Region, die die Wasserressourcen drastisch reduziert. Wie der Vorsitzende des usbekistanischen Komitees für Ökologie und Klimawandel, Aziz Abduhakimov, betonte, verwandeln sich in Zentralasien wissenschaftlichen Schätzungen zufolge jede Minute neun Quadratmeter Land in Wüste. Dies betrifft große zentralasiatische Seen, deren Wasserstand kontinuierlich sinkt, insbesondere das Kaspisches Meer und den Aralsee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Fläche ausgetrockneter Meeresböden, die sich Kasachstan im Norden und Usbekistan im Süden teilen, umfasst heute rund 6 Millionen Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/heuschrecken-bekaempfung-die-herausforderungen-in-zentralasiatischen-laendern/">Heuschrecken-Bekämpfung: Die Herausforderungen in zentralasiatischen Ländern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge wird die Wasserversorgung unberechenbarer, was den Zugang zu Wasser erschwert. Um diesem Problem zu begegnen, sieht die Erklärung von Astana die Entwicklung neuer datengestützter Technologien vor, die auf Oberflächen- und Grundwasserdaten basieren und eine vorausschauende Wasserbewirtschaftung ermöglichen sollen, etwa durch die Digitalisierung von Kanälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Priorität besteht nicht mehr darin, die Wasserversorgung zu erhöhen, sondern die Effizienz ihrer Nutzung zu verbessern“</em>, erklärte der kasachstanische Vizeminister für Wasserressourcen und Bewässerung, Talgat Momyşev. Die Regierung subventioniere derzeit bis zu 80 Prozent der Kosten solcher wassersparenden Technologien, was einen <em>„grundlegenden Wandel hin zu einer rationalen und wirtschaftlich sinnvollen Wasserbewirtschaftung“ </em>darstelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde auf dem Gipfel eine neue Initiative Kasachstans verabschiedet: der <em>„Grüne Schild Zentralasiens</em>“, ein umfangreiches Wiederaufforstungsprojekt. Der Aufbau von Waldnetzen ist in der Region nicht neu, insbesondere in Kasachstan, wo seit 1997 ein 102.000 Hektar großer Waldgürtel um die Hauptstadt Astana angelegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Umweltminister Nysanbaev zeige dies, dass <em>„selbst in zuvor für Waldökosysteme ungeeigneten Gebieten die Wiederherstellung von Ökosystemen möglich ist, wenn sie auf Wissenschaft, vorausschauender Planung und professionellem Forstwissen basiert“</em>. Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> wies zudem darauf hin, dass Kasachstan in den letzten fünf Jahren über 1,5 Milliarden Bäume gepflanzt habe und dass <a href="http://?">36 Prozent</a> des kasachstanischen Teils des Aralsees durch ökologische Maßnahmen wiederhergestellt worden seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein bewusstes Bedürfnis nach Zusammenarbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel wurden weitere Maßnahmen angekündigt, um die Luftqualität zu verbessern, die Biodiversität zu erhalten, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, chemische Abfälle zu verwalten, Plastikverschmutzung zu bekämpfen und ökologische Innovationen in Zentralasien zu fördern. Besonders betont wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. <em>„All diese Herausforderungen sind ihrer Natur nach grenzüberschreitend und erfordern gemeinsame politische Entscheidungen und Investitionen“</em>, betonte der Präsident der COP29 und Klimabeauftragte Aserbaidschans, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Babayev">Mukhtar Babayev</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/vereinte-nationen-kuendigen-duerre-fuer-zentralasien-an/">Vereinte Nationen kündigen Dürre für Zentralasien an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Erklärung „Ökologische Solidarität Zentralasiens“ schlug Kasachstan zudem die Schaffung einer internationalen Wasserorganisation innerhalb der UNO vor, allerdings ohne konkreten Finanzierungsplan. Außerdem forderten die zentralasiatischen Staaten stärkere internationale finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihrer Umweltprobleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt abzuwarten, ob die Länder ihre Interessen und Ressourcen koordinieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Der Gipfel von Astana hat zumindest eine neue Erzählung im Kampf gegen den Klimawandel vorgeschlagen – mit dem Bewusstsein, dass geteilte Risiken zu gemeinsamen Lösungen werden können.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eloise Thompson für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/environnement/a-astana-un-sommet-sur-les-defis-environnementaux-specifiques-a-l-asie-centrale/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Steigende Besucherzahlen nach Kasachstan – Herausforderung oder Gelegenheit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Mar 2025 10:10:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstans Tourismussektor w&#xE4;chst. Gleichzeitig sieht das Land sich mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Hinzu kommt, dass unkontrollierte Besucherstr&#xF6;me das &#xD6;kosystem von Nationalparks belasten. Dabei gibt es genug Regulierungsans&#xE4;tze. Ein Gespr&#xE4;ch mit der &#xD6;kologischen Gesellschaft &#x201E;Green Salvation&#x201C;. Kasachstan wird als Reiseziel stetig attraktiver. Dies zeigte sich zuletzt im Oktober 2024, als &#x201E;Lonely Planet&#x201C;, der weltweit [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstans Tourismussektor wächst. Gleichzeitig sieht das Land sich mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Hinzu kommt, dass unkontrollierte Besucherströme das Ökosystem von Nationalparks belasten. Dabei gibt es genug Regulierungsansätze. Ein Gespräch mit der Ökologischen Gesellschaft &#8222;Green Salvation&#8220;.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan wird als Reiseziel stetig attraktiver. Dies zeigte sich zuletzt im <a href="https://www.lonelyplanet.com/best-in-travel/countries#kazakhstan">Oktober 2024</a>, als &#8222;Lonely Planet&#8220;, der weltweit führende Reiseführerverlag, Kasachstan als eines der <a href="https://www.lonelyplanet.com/best-in-travel/countries#kazakhstan">Best in Travel 2025</a>-Reiseziele auserkor. Tourismus ist aber keine Einbahnstraße. Auch wenn Touristen zum wirtschaftlichen Wachstum eines Landes, einer Region oder eines Unternehmens beitragen, hinterlässt er Spuren. Durch den Transport ausgestoßene Abgase und liegengebliebener Müll belasten Mensch, Tier und Natur, was sich insbesondere auf fragile Natur negativ auswirkt. Die negativen Folgen von Tourismus können durch Gegenmaßnahmen gemildert werden, doch sind viele Naturreservate und -parke nicht auf eine etwaig große Anzahl von Besuchern eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;In einem vernünftigen Rahmen kommt der Tourismus allen zugute. Übermäßiger Tourismus ist jedoch ein ernstes Problem, das in vielen europäischen Ländern bereits zu öffentlichen Protesten und zur Besorgnis der Regierungen führt. Auch wir sehen uns zunehmend mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Übermäßiger Tourismus zerstört die Grundlagen der touristischen Aktivität&#8220;</em>, meint der Vorsitzende der Ökologischen Gesellschaft &#8222;Green Salvation&#8220; Sergeı Kuratov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Green Salvation&#8220; beobachtet seit vielen Jahren die Umweltsituation in den Nationalparks der Region Almaty. Als NGO wenden sie sich ständig an die zuständigen Stellen mit der Forderung, Gesetzesverstöße zu ahnden und Gesetzesänderungen vorzuschlagen. Ihre Arbeit trägt damit zum Umweltschutz in Kasachstan bei. Gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft ist es ihr u. A. bisher gelungen, das Projekt zum Bau einer Hochspannungsleitung durch die Nationalparks <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scharyn">Şaryn</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Altyn-Emel-Nationalpark">Altynemel</a> zu ändern oder den Bau eines Skigebiets im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kok_Zhailau">Kök-Jaılau</a>-Plateau zu verhindern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein steter Kampf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Hauptaufgaben von &#8222;Green Salvation&#8220; besteht in der Überwachung von Regierungsorganen und Korruptionsbekämpfung. Darüber hinaus stellt die offizielle Anerkennung von Nationalparks, wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ile-Alatau_National_Park">Ile-Alatau</a>, ein wichtiges Anliegen dar. &#8222;Green Salvation&#8220; wehrt sich regelmäßig juristisch gegen Vorhaben von Lokalregierungen, um die Umsetzung wirtschaftlicher Interessen in solchen Parks auszubremsen und Pufferzonen einzurichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem <a href="http://esgrs.org/?p=32538">Rechtsstreit</a>, der 2016 losbrach, stieß die Organisation jedoch auf taube Ohren. Die Lokalregierung Almatys ging nicht auf Anschuldigungen seitens der Aktivisten ein; ein Verstoß gegen Artikel 10 Absatz 2 Unterabsatz 11 des Gesetzes der Republik Kasachstan &#8222;Über besonders geschützte Naturgebiete&#8220; wurde bemängelt. Erst im <a href="https://www.greengrants.org/2024/08/13/ile-alatau-park-kazakhstan/">Mai 2023</a> gab ein Richter am Obersten Gerichtshof den Aktivisten Recht mit der Begründung, das Gebiet sei von internationaler Bedeutung und sollte daher besonders geschützt werden. Das Urteil ist von zukunftsweisender Bedeutung, da es die Dimension der Korruption in Umweltschutzinitiativen offenlegt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nationalparks mit ihren weiten Wäldern und ihrer Biodiversität leisten einen bedeutenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Sie sind maßgeblich für die Aufnahme von schädlichen Abgasen und der Erhöhung der Lebensqualität im Allgemeinen verantwortlich. Der Ausstoß von umweltschädlichen Abgasen in Kasachstan ist auf den ersten Blick leicht rückwirkend, wie die <a href="https://stat.gov.kz/en/industries/environment/stat-eco/publications/183070/">aktuelle Statistik von der unabhängigen Statistikagentur der Republik Kasachstan vom Juni 2024</a> bescheinigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2023 wurden in Kasachstan 2257 Tausend Tonnen umweltschädliche Abgase ausgestoßen, was im Vergleich zu 2019 eine Verringerung von knapp elf Prozent darstellt. Gleichzeitig lässt sich aber eine Diversifizierung von Energiequellen feststellen: Insbesondere der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen, vornehmlich Methan, das in einem Zeitraum von zwanzig Jahren bis zu <a href="https://akzente.giz.de/de/methan-die-unterschaetzte-gefahr">86-mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid</a> ist, wird von der Regierung weiter gefördert; ein Anstieg von etwa 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wachsender Tourismussektor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tourismus macht weltweit einen Anteil von über neun Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts aus; in Kasachstan <a href="http://chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://assets-global.website-files.com/6329bc97af73223b575983ac/647df24b7c4bf560880560f9_EIR2023-APEC.pdf">etwas über drei Prozent</a>. Kasachstan steht laut dem <a href="https://www.weforum.org/publications/travel-tourism-development-index-2024/">Travel &amp; Development Index (TTDI) Mai 2024</a> auf Platz 52, was einen Anstieg um sechs Plätze seit 2019 bedeutet. Der TTDI gibt Auskunft über einen Bündel von Faktoren, die sich positiv oder negativ auf die Entwicklung des Tourismussektors auswirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die negativen Folgen des Tourismus für Nationalparks lässt sich schon anhand der vielen Bauvorhaben, insbesondere in den letzten Jahren, ablesen: Der Bau von Parkplätzen, Restaurants und Unterkünften stellen das Ökosystem der Nationalparks unter Druck. Im <a href="https://adilet.zan.kz/rus/docs/U2400000611#z643">&#8222;Nationalen Entwicklungsplan der Republik Kasachstan bis 2029</a>&#8220; wird auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, <em>&#8222;die negativen Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt zu verringern&#8220;</em>. &#8222;<em>Es ist notwendig, verantwortungsbewusstes Verhalten zu fördern und die Kontrolle über den Tourismus zu verstärken, einschließlich der Kontrolle von Geschäften&#8220;</em>, heißt es im <a href="http://esgrs.org/wp-content/uploads/2025/01/2024-%D0%9C%D0%BE%D0%BD%D0%B8%D1%82%D0%BE%D1%80%D0%B8%D0%BD%D0%B3-ISBN-%D0%B4%D0%BB%D1%8F-%D0%B8%D0%BD%D1%82%D0%B5%D1%80%D0%BD%D0%B5%D1%82%D0%B0.pdf">Monitoring-Bericht von Green Salvation</a> vom Oktober 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Es ist wichtig, den Tourismus in den Siedlungen zu entwickeln. Aber auch hier ist die Situation traurig. Das Beispiel der Siedlung Talğar, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, zeigt die Vernachlässigung der historischen und kulturellen Stätten. Um Touristen anzulocken, muss man ernsthaft arbeiten. Deshalb ist es am einfachsten, die Natur zu ‘entwickeln‘ und Gewinne aus ihr herauszuquetschen&#8220;</em>, sagt Kuratov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist tatsächlich möglich, hohe Touristenzahlen für den eigenen Vorteil zu nutzen. Dies zeigt das Beispiel des Nationalparks auf den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Galapagosinseln">Galapagos-Inseln</a>. Harte Kontrollen zielen darauf ab, die Natur sauber zu halten und den negativen Einfluss des Tourismus zu begrenzen. Viel mehr noch ist ein gewisses Naturbewusstsein in die Gesellschaft eingekehrt. Schon in den Schulen wird der Wert des Nationalparks und die Notwendigkeit, ihn zu erhalten, mitgegeben. Die Einnahmen aus dem Tourismus werden für die Erhaltung der Flora und Fauna sowie in Bildungs- und Artenerhaltungs-Projekte reinvestiert. Die Insel hat zudem eine maximale Besucherzahl festgesetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Taza Qazaqstan&#8220; – Umdenken in der Beziehung zur Umwelt?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht allein der Tourismus, aber vor allem Dinge des alltäglichen Lebens sind eine große Herausforderung für Länder wie Kasachstan mit vielen Nationalparks und reicher Natur. Dies hängt nicht zuletzt von der Mentalität der Besuchenden ab: Wie verhalte ich mich und was sollte ich nicht tun, damit die Reinheit der Natur beibehalten werden kann? Das Konzept des Ökotourismus hat in den vergangenen 10 Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein gewisses Umdenken im Reisen zu erkennen, das die Umgebung und die örtlichen Gegebenheiten der persönlichen Freifahrt vorzieht. Komfort und Selbstentfaltung sind keine konträren Konzepte; vielmehr vereinen Ansätze des Ökotourismus persönliches Wohlbefinden mit einem erhöhten Verantwortungsbewusstsein. Ökotourismus baut genau auf dieser Frage auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/buchara-bauprojekt-fuer-tourismuskomplex-beginnt-trotz-bedenken-der-unesco/">Buchara: Bauprojekt für Tourismuskomplex beginnt trotz Bedenken der UNESCO</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.unwto.org/">Weltorganisation für Tourismus (UNWTO)</a> verbindet in ihrer <a href="https://www.unwto.org/sustainable-development/ecotourism-and-protected-areas#:~:text=According%20to%20the%20UN%20Tourism's,cultures%20prevailing%20in%20natural%20areas.">Definition</a> des 2002 geprägten Begriffs Reisen zur Wertschätzung von Natur und Tradition in Naturgebieten mit einem Fokus auf den pädagogischen Wert. Zeitgleich soll dadurch die negative Auswirkung auf die Umgebung möglichst geringgehalten und die Instandhaltung der Naturgebiete zielorientiert getragen werden. Das schließe die wirtschaftliche Komponente mit ein und solle den lokalen Gemeinden zugutekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2024 wurde die Initiative <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/kostanai-lisakovsk-kalasy-akimat/press/news/details/808366?lang=en">&#8222;Taza Kazakhstan&#8220;</a> durch den Präsidenten der Republik Kasachstan eingeführt. Die Kampagne verfolgt das Ziel, die Umweltsituation im Land durch Aufräumaktionen, Müllsammlungen, Begrünung der Gebiete und Bildung zu verbessern. Seit 2019 haben sich fast 6,2 Millionen Menschen beteiligt, 1,1 Millionen Tonnen Abfall gesammelt und etwa 1,6 Millionen Bäume gepflanzt. Obwohl die Kampagne in ihrer Grundidee förderlich ist, stoßen Aktivisten auf Schwierigkeiten in der Umsetzung. &#8222;<em>Im Allgemeinen ist die Initiative positiv zu bewerten. Aber wir erleben immer wieder Situationen, in denen lokale Behörden und Geschäftsleute die Gesetze missachten und damit gute Bemühungen zunichtemachen&#8220;</em>, bedauert Kuratov.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>
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		<title>Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Aug 2023 19:02:12 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan ist ein Land mit einem riesigen Gebiet. Seine Fl&#xE4;che ist mit der Westeuropas vergleichbar. Die Landschaft ist sehr divers: Es gibt W&#xFC;sten, Steppen, Berge und W&#xE4;lder. Trotz der unvergleichlichen Sch&#xF6;nheit der kasachstanischen Landschaften gibt es im Land verschiedene Umweltprobleme, die sich nicht nur negativ auf die &#xD6;kologie, sondern auch negativ auf die Menschen auswirken. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstan ist ein Land mit einem riesigen Gebiet. Seine Fläche ist mit der Westeuropas vergleichbar. Die Landschaft ist sehr divers: Es gibt Wüsten, Steppen, Berge und Wälder. Trotz der unvergleichlichen Schönheit der kasachstanischen Landschaften gibt es im Land verschiedene Umweltprobleme, die sich nicht nur negativ auf die Ökologie, sondern auch negativ auf die Menschen auswirken.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Austrocknung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsees</a> bis hin zu den Gebieten, die <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ich-wuerde-luegen-wenn-ich-sagen-wuerde-dass-ich-mir-eine-atomwaffenfreie-welt-vorstellen-kann-ein-interview-mit-togjan-qasenova/">durch Atomtests verseucht</a> sind, haben viele von Kasachstans Umweltproblemen ihren <a href="https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1742-6596/1860/1/012020">Anfang</a> in der Zeit genommen, als das heutige Staatsgebiet noch Teil der Sowjetunion war. Viele der damals angestoßenen Umweltkatastrophen wurden vor der Bevölkerung geheim gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land sieht sich aber auch mit neuen Umweltproblemen konfrontiert. Dazu gehört die Verschmutzung des Kaspischen Meeres oder die zunehmende Verlandung des <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/">Balqash-Sees</a>. Diese und ähnliche Probleme müssen dringend gelöst werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ausmaß der Luftverschmutzung in kasachstanischen Städten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß dem Schweizer Programm &#8222;Air Visual&#8220; belegt Kasachstan <a href="https://www.iqair.com/world-most-polluted-countries">Platz 40</a> der Länder mit der schmutzigsten Luft weltweit. Die durchschnittliche Konzentration von festen Mikropartikeln in der Luft ist fast fünf Mal so hoch wie der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Standard.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation spiegelt sich beispielhaft in der kasachstanischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Qaraģandy</a> wider. Im Jahr 2022 war sie mit einem Air Quality Index (AQI – Luftqualitätsindex) von 163 die am stärksten verschmutzte Stadt des Landes. Als sauber wird Luft verstanden, die einen AQI zwischen null und 50 hat. Ein AQI von 163 bedeutet, dass die Auswirkungen der Luftverschmutzung für die Menschen spürbar sind. Es gibt aber auch Gegenbeispiele. So war die Luft in <a href="https://www.iqair.com/ru/kazakhstan">Shu</a>, eine Stadt im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schambyl_(Gebiet)">Gebiet Jambyl</a>, mit einem AQI von 6 am saubersten in ganz Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Feinstaub ist ein weiteres Problem. Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, können die biologischen Barrieren des menschlichen Körpers passieren. Sie schädigen sowohl die Lungen als auch das Herz-Kreislauf-System. Gemäss <a href="https://elorda.info/ru/sotsium/18422-1654002356">Angaben</a> der WHO verursacht von solchen Partikeln verschmutzte Luft weltweit jedes Jahr 4,2 Millionen vorzeitige Todesfälle. Davon entfallen ungefähr 10.000 auf Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-luft-die-kasachstan-atmet/"><strong>Die Luft, die Kasachstan atmet</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2021 wurden in Kasachstan jedoch Verbesserungen in der Luftqualität verzeichnet. Die Luft in verschiedenen kasachstanischen Städten wurde nicht mehr als &#8222;sehr schlecht&#8220;, sondern nur noch als &#8222;schlecht&#8220; bewertet. Außerdem ist die Luftqualität in Kasachstan im Vergleich zu Armenien, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan besser. In Turkmenistan ist sie ähnlich hoch wie in Kasachstan, wohingegen die Luftqualität in Russland doppelt so gut ist wie in Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem bleibt die <a href="https://www.energyprom.kz/ru/a/monitoring/ekologiya-bolshih-gorodov-gody-idut-luchshe-ne-stanovitsya">Luftverschmutzung</a>, insbesondere in Kasachstans Städten, ein großes Problem. So wiesen 2021 etwa 30 Städte, darunter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temirtau">Temirtaý</a> hohe oder sehr hohe Schadstoffwerte auf. Beobachtende kommen zum Schluss, dass sich die Luftqualität in den letzten fünf Jahren in vielen Städten nicht wesentlich verändert habe.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lösungsansätze im Kampf gegen die Luftverschmutzung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zentrale Verursacher von Luftverschmutzung und insbesondere von Feinstaub, sind in den großen Ballungszentren unter anderem die Wärmekraftwerke. Der Ausschuss für die Regulierung und Kontrolle der Umwelt, der direkt dem kasachstanischen Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen unterstellt ist, weist außerdem darauf hin, dass private Häuser mit Ofenheizung maßgeblich zu den hohen Schadstoffwerten in der Luft beitragen würden. Verschiedene Expert:innen betonen, dass die Umstellung auf Gasheizungen zur Verbesserung der Situation beitragen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2020 erklärte Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a>, dass das Land bis 2060 die &#8222;<a href="https://www.undp.org/ru/kazakhstan/stories/на-пути-к-чистому-воздуху-борьба-с-загрязнением-воздушного-бассейна-для-здоровья-людей-и-планеты">CO2-Neutralität</a>&#8220; erreichen will. Das kasachstanische Umweltgesetz verpflichtet Industrieunternehmen seither, Technologien einzusetzen, die die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Die Gesetzgebung sieht außerdem vor, dass diejenigen Unternehmen die für die Luftverschmutzung verantwortlich sind, den betroffenen Haushalten vor Ort eine Entschädigung zahlen müssen. Diese Zahlungen sollten zur Verbesserung der Umweltsituation genutzt werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die neue Umweltgesetzgebung ist jedoch nicht frei von Schlupflöchern. Die kasachstanische Liste mit den besten verfügbaren Techniken (BVT-Liste) entspricht beispielsweise nicht vollständig der europäischen BVT-Liste. Die kasachstanische Liste sei <em>&#8222;lokalen Bedingungen&#8220;</em> angepasst. Es sei denkbar, dass große Unternehmen diese aufgeweichten Bedingungen für sich nutzen würden und Kasachstan für <em>&#8222;viele weitere Jahre schmutzige Luft atmen&#8220;</em> müsse, sagt <a href="https://elorda.info/ru/sotsium/18422-1654002356">Aıymgul Kerimraı</a>, leitende Forscherin der staatlichen Universität Kasachstans.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Austrocknung des Aralsees</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere <a href="https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1742-6596/1860/1/012020">Forschende</a> unterschiedlicher kasachstanischer Universitäten gehen davon aus, dass das anhaltende Schrumpfen des Aralsees und die Versteppung der angrenzenden Gebiete zum vollständigen Verschwinden des Gewässers führen könnten. Zentraler Grund dafür ist die übermässige Wasserentnahme aus Flüssen, die den Aralsee speisen. Dieses Wasser endet für landwirtschaftliche Zwecke auf umliegenden Feldern. Die Wassermenge des Aralsees hat sich so seit 1980 bereits um das 15-fache verringert. Als Folge davon teilte sich der Aralsee bereits im Jahr 1989 in zwei eigenständige Wasserkörper – den kleinen, nördlichen Aralsee und den grossen, südlichen Aralsee. Diese Teilung dauert bis heute an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-aralsee-gestern-heute-morgen/"><strong>Der Aralsee: gestern, heute, morgen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wasseroberfläche des Aralsees ist infolgedessen um mehr als einen Drittel geschrumpft. An einigen Stellen ist der Wasserstand um 90 Meter zurückgegangen und das Wasservolumen hat sich insgesamt um 60 Prozent verringert. Das wiederum hat zu einem 2,5-fachen Anstieg des Salzgehalts im Aralsee geführt und in der Folge zum Aussterben verschiedener dort ansässiger Tierarten. Eine weitere Folge der Austrocknung ist die enorme Staubentwicklung, die heute vom Gebiet des Aralsees ausgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verschlechterung dieses ökologischen Systems hat zu einer Verschärfung des bereits stark kontinental geprägten Klimas in der Region geführt. Das von den Folgen der Austrocknung des Aralsees betroffene Gebiet erstreckt sich über 180 Millionen Hektar. Das ist mehr als 66 Prozent der Fläche Kasachstans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausbreitung von Staub und Salz wirkt sich aber nicht nur negativ auf die Umwelt, sondern auch auf die Gesundheit der in der Aralsee-Region lebenden Menschen aus. Die Zahl der Augen- und Atemwegserkrankungen ist gestiegen. Auch andere Krankheiten wie Anämie, Diabetes oder Krebserkrankungen haben in den betroffenen Gebieten zugenommen. Nierensteinerkrankungen sind in Folge der mangelnden Qualität des Trinkwassers in der Region keine Seltenheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kann der Aralsee gerettet werden?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstanische Wissenschaftler:innen sind zum Schluss gekommen, dass der Aralsee zwar nicht vollständig gerettet, aber zumindest vor weiterer Austrocknung bewahrt werden könnte. Dazu müsste die für die Bewässerung von Feldern abgezweigte Wassermenge deutlich reduziert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die weitere Austrocknung des Aralsees zu verhindern, führt Kasachstan zusammen mit den Vereinigten Staaten und Frankreich Programme zur Verbesserung der Situation rund um den Aralsee durch. Zu den Massnahmen gehört etwa die Regulierung und Kontrolle der Zuflüsse, sowie der Bau von Dämmen und Wasserkraftwerken. Um die Situation der ansässigen Bevölkerung zu verbessern, wurden Wasserleitungen wiederaufgebaut und instandgesetzt, Pump- und Stromaggregate ersetzt, Entsalzungsanlagen aufgestellt und eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis 2008 war der <a href="https://www.inform.kz/ru/aral-skoe-more-ekologicheskaya-katastrofa-i-puti-ee-resheniya_a4047614">Salzgehalt</a> des Kleinen Aralsees von 23 ppm (parts per million – Teile pro Million) auf 17 ppm gesunken. Im Jahr 2023 verzeichneten Beobachtende gar einen Wert von weniger als 10 ppm. Die Fläche des Aralsees wuchs auf 3100 Quadratmeter und die Wasserreserven stiegen um das 2,5-fache, das heisst auf 27 Kubikkilometer. Außerdem haben sich die Populationen der Fischarten erhöht und die Fischerei hat sich erholt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Radioaktive Abfälle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1949 bis 1989 wurden auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgel%C3%A4nde_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> mindestens 456 <a href="https://tengrinews.kz/mixnews/kak-seychas-jivut-lyudi-vozle-semipalatinskogo-poligona-446142/">Atomtests</a> durchgeführt. Die Gesamtleistung der Tests übersteigt die Leistung der Atombombe, die 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde um das 2500-fache. In den Gebieten, die an das Testgelände angrenzen, gibt es ungefähr 85 Siedlungen mit fast 72.000 Einwohner:innen. Das gesamte Atomwaffentestgelände, das mehr als 18.000 Quadratkilometer umfasst, ist inzwischen als ökologisches <a href="https://bizmedia.kz/2022/06/24/kakie-ekologicheskie-problemy-kazahstana/">Katastrophengebiet</a> anerkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1991 wurde das Testgelände Semipalatinsk durch einen Erlass des kasachstanischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> geschlossen. Diese Entscheidung wurde nicht zuletzt von der Anti-Atomkraft-Bewegung &#8222;Nevada-Semipalatinsk&#8220; beeinflusst. Zwischen 1996 und 2012 verwandelten die Behörden Kasachstans, Russlands und der Vereinigten Staaten das Testgelände schließlich in eine <a href="https://www.washingtonpost.com/opinions/safeguarding-nuclear-materials-is-a-job-that-remains-unfinished/2013/08/20/55ead548-099a-11e3-b87c-476db8ac34cd_story.html">Deponie</a> für radioaktive Substanzen. Hunderte Kilogramm Plutonium, die lange auf dem Testgelände herumlagen, wurden vergraben. Damit sollte verhindert werden, dass das Plutonium in die Hände von Terroristen gerät.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ich-wuerde-luegen-wenn-ich-sagen-wuerde-dass-ich-mir-eine-atomwaffenfreie-welt-vorstellen-kann-ein-interview-mit-togjan-qasenova/"><strong>„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir eine atomwaffenfreie Welt vorstellen kann“ – ein Interview mit Togjan Qasenova</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der gesamten Zeit wurden jedoch riesige Mengen radioaktiver Stoffe in Atmosphäre, Wasser und Boden freigesetzt, die die Umwelt in der Region bis heute stark beeinträchtigen. Die Atomtests führten nicht nur zur Schädigung von Flora und Fauna, sondern auch zu vielen gesundheitlichen Problemen bei der ansässigen Bevölkerung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gesundheitliche Risiken und Folgen für die Bevölkerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">2022 wurde eine umfassende Umweltstudie über das gesamte Deponiegebiet abgeschlossen. Gemäß Energieminister Nurlan Noģaev sollte diese Untersuchung den radioökologischen Zustand des gesamten Testgeländes untersuchen. Die Behörden haben im Anschluss damit begonnen die Folgen der Atomtests zu beseitigen und die am stärksten kontaminierten Gebiete zu sanieren. Außerdem ist der Bau eines speziellen Lagers für radioaktive Abfälle geplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht von Umweltschützer:innen ist es jedoch unmöglich und unzweckmäßig, das Testgelände vollständig zu sanieren. Sie wollen lieber den Zugang zu besonders kontaminierten Gebieten beschränken. Trotz verschiedener Bemühungen hat das Parlament den Gesetzesentwurf &#8222;Über die nukleare Sicherheitszone Semipalatinsk&#8220; bisher <a href="https://liter.kz/stekliannye-kosti-slepota-i-rak-kak-zhivut-kazakhstantsy-postradavshie-ot-iadernykh-ispytanii-1661747672/">nicht verabschiedet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zusammenhang mit dem Testgelände Semipalatinsk soll außerdem erwähnt sein, dass Russland bis heute mehrere <a href="https://masa.media/ru/site/chto-rossiya-arenduet-v-kazakhstane">Testgelände</a> zu verschiedenen Zwecken in Kasachstan pachtet. Diese Testgelände haben nicht selten negative Auswirkungen auf die Ökologie Kasachstans.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verschmutzung des Kaspischen Meeres</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan teilt sich das Kaspische Meer mit Russland, Turkmenistan, Aserbaidschan und Iran. Die Fläche des Kaspischen Meeres beträgt fast 400.000 Quadratkilometer und ist somit größer als die Fläche Japans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren haben die anthropogenen (menschengemachten) Aktivitäten rund um das Kaspische Meer die Gefahr einer Verschlechterung des Wasserkörpers &#8211; bis hin zur vollständigen Zerstörung des Biosystems &#8211; erhöht. Seit 1990 haben die <a href="https://cyberleninka.ru/article/n/aktualnye-ekologicheskie-problemy-vodnyh-ekosistem-kazahstana">Anrainerstaaten</a> des Kaspischen Meeres 4,5 Tonnen schädliche Biogene, 28 Tonnen Schwimmkörper, 27 Tonnen Sulfat und etwa 3 Tonnen Chloride ins Meer eingeleitet. Der Anteil Kasachstans an dieser Verschmutzung beträgt 21 Prozent der Gesamtmenge.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/"><strong>Das Kaspische Meer im Ausnahmezustand</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Der Großteil aller Schadstoffe im Gewässer befindet sich im Norden des Kaspischen Meeres. Von kasachstanischer Seite gelangen diese Stoffe durch den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural_(Fluss)">Ural </a>ins Wasser. Die Konzentration von Schwermetallionen übersteigt den zulässigen Wert um das vier bis 12-fache. Das Land leitet auch chemische Düngemittel ins Kaspische Meer und fördert dort Öl. Beides stellt eine bedeutende Verschmutzungsquelle dar. Die Ökologie des Kaspischen Meeres wird nicht zuletzt durch die Schifffahrt beeinträchtigt. Kraftstofflecks führen zur Verschmutzung durch Öl- und synthetikhaltigem Waschwasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der Verschmutzung des Kaspischen Meeres verursachen bereits jetzt enorme ökologische und wirtschaftliche Verluste. Verschiedene Wissenschaftler:innen sprechen sich dafür aus, dass die <a href="https://cyberleninka.ru/article/n/aktualnye-ekologicheskie-problemy-vodnyh-ekosistem-kazahstana">Maßnahmen</a> zur Rettung des Kaspischen Meeres von den Anrainerstaaten gemeinsam ausgearbeitet werden müssen. Es braucht Systeme für die Beseitigung von Ölverschmutzung, Abfälle aus Raffinerien müssten gereinigt und ordnungsgemäß gelagert, die Wilderei bekämpft und Umweltschutzzonen eingerichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan sollte ausserdem mit Kirgistan und Usbekistan zusammenarbeiten, damit das Kaspische Meer nicht durch grenzüberschreitende Flüsse verschmutzt wird. Ein Mangel an Partnerschaft hingegen, wird die Situation unweigerlich verschlechtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kasachstanische Präsident hat das Gesetz zum Schutz des kaspischen Meeres erst 2021 <a href="https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/12819393">ratifiziert</a>, obwohl das zugrundeliegende Protokoll bereits im Jahr 2012 unterzeichnet wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Katastrophe am Balqash-See</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Balqash-See liegt im Südosten Kasachstans auf dem Gebiet der Gebiete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Almaty</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy_(Gebiet)">Qaraģandy</a>, Jambyl und Jetysý. Dieser abflusslose Wasserkörper nimmt mehr als 18.000 Quadratkilometer ein. Das Einzugsgebiet rund um den Balqash-See beträgt etwa 400.000 Quadratkilometer. Das entspricht der Fläche Großbritanniens, Dänemarks, der Schweiz und Belgiens zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umweltschützer:innen <a href="https://evolvelium.com/ecology/ekologicheskie-problemy-kazahstana/">berichten</a>, dass dem Balqash-See eine Katastrophe in Form einer starken Verflachung droht. Der Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> fließt durch China und Kasachstan und ist für den Balqash der wichtigste Zufluss. Die Zuflussmenge durch den Ili wird jedoch von Jahr zu Jahr geringer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Bulat Esekin, einem der Entwickler des kasachstanischen Gewässerschutzgesetztes und Koordinator der regionalen Expert:innenplattform für Wasserressourcen und Klimawandel in Zentralasien, fand 2020 in Almaty ein Forum zum Balqash statt, bei dem eine Reihe von Materialien und Berichten zur Rettung des Sees vorgestellt wurden. Gemäß Esekin müsse Kasachstan zur Rettung des Balqash-Sees in erster Linie mit China zusammenarbeiten. Verhandlungen seien bisher nicht effektiv gewesen, <a href="https://rus.azattyq-ruhy.kz/interview/42487-pochemu-balkhash-na-grani-katastrofy">räumt</a> der Experte ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/"><strong>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Esekin weist darauf hin, dass die Aufrechterhaltung des derzeitigen Zustands des Balqash-Sees einen Mindestdurchfluss aus China von zwölf Kubikkilometern Wasser pro Jahr erfordere. Der Durchfluss wurde jedoch auf 8 Kubikkilometer reduziert. Wissenschaftler:innen aus Oxford stimmen mit Esekins Einschätzung überein. Zur Rettung des Sees müsste China die Wassermenge, die es für die Landwirtschaft aus den Zuflüssen des Balqash abzweigt, drastisch <a href="https://www.mdpi.com/2073-4441/13/5/615">reduzieren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit bemühen sich die kasachstanischen Behörden, den Wasserstand des Sees bei 341 Metern zu halten. Sie führen aber keine begleitenden Massnahmen durch, beklagt Esekin. Die Gebiete würden das Wasser des Sees zudem weiterhin nutzen, ohne sich um die erklärten Schutzziele zu kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Balqash zu retten, müsste laut Esekin das kasachstanische Wassermanagementsystem angepasst werden und Umweltziele müssten Vorrang vor behördlichen Programmen haben. Der Experte sagt voraus, dass das Fehlen einer Lösung bald zur Trennung des Sees in zwei Teile und langfristig zu seinem Verschwinden führen wird.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mansur Habarov für Masa Media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>aus dem </strong><a href="https://masa.media/ru/site/chto-ne-tak-s-ekologiey-kazakhstana"><strong>Russischen</strong></a><strong> (gekürzt) von Elena Boss</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Klimawandel und Wasserressourcen in Zentralasien: Wachsende Unsicherheit</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jan 2023 11:59:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Wasserkonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die L&#xE4;nder Zentralasiens stehen vor gro&#xDF;en Herausforderungen bei der Bek&#xE4;mpfung der negativen Auswirkungen des Klimawandels. Die Region, durch trockene, stark schwankende Wettermuster, geringe Niederschl&#xE4;ge und eine ungleiche Verteilung der Ressourcen gekennzeichnet, ist besonders anf&#xE4;llig f&#xFC;r die Auswirkungen des Klimawandels. Vor allem die Wasserressourcen scheinen in Zentralasien stets ein Problem zu sein, zumal sie mit verschiedenen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Länder Zentralasiens stehen vor großen Herausforderungen bei der Bekämpfung der negativen Auswirkungen des Klimawandels. Die Region, durch trockene, stark schwankende Wettermuster, geringe Niederschläge und eine ungleiche Verteilung der Ressourcen gekennzeichnet, ist besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem die Wasserressourcen scheinen in Zentralasien stets ein Problem zu sein, zumal sie mit verschiedenen Aspekten der nationalen und regionalen Sicherheit einhergehen. Gerade die Wasserverfügbarkeit wirkt sich beispielsweise auf die Bewässerungslandwirtschaft aus, die einen erheblichen Beitrag zum BIP der Staaten leistet, sowie auf die Stromerzeugung durch Wasserkraft. Die Zukunft der Wasserressourcen in Zentralasien ist durch den Klimawandel sehr unsicher geworden. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Die Anfälligkeit der Länder ist jedoch nicht nur auf geografische oder klimatische Bedingungen zurückzuführen. Bestehende wirtschaftliche Probleme, Bevölkerungswachstum, soziopolitische Instabilität, begrenzte institutionelle und wissenschaftliche Kapazitäten, veraltete Infrastrukturen, die hohe Degradation landwirtschaftlicher Flächen und natürlicher Ökosysteme sind nur einige der Faktoren, die die Fähigkeit und die Bereitschaft der Staaten Zentralasiens zur Bewältigung des Klimawandels untergraben.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gletscherschmelze und unbeständige Niederschläge</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Eine der wichtigsten Folgen der globalen Erwärmung in Zentralasien ist das Abschmelzen der Gletscher sowie der Rückgang der Schneedecke im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan</a>&#8211; und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pamir-Alay">Pamir-Alaj</a>-Gebirge. Steigende Temperaturen und schwankende Niederschläge führen zu einem steten Rückgang von Gletscherfläche und -volumen. Viele kleine Gletscher sind bereits ganz verschwunden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/gletscherschmelze-im-tian-shan-eine-gefahr-mit-langfristigen-folgen-fuer-zentralasien/">Gletscherschmelze im Tian Shan. Eine Gefahr mit langfristigen Folgen für Zentralasien </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Niederschläge werden unbeständiger, längere Trockenperioden könnten durch umso intensivere Niederschläge abgelöst werden. Expert:innen gehen davon aus, dass auch die Niederschlagsintensität und geografische Verteilung in Zukunft stärker variieren werden: der Südwesten Zentralasiens wird trockener und der Nordosten feuchter. Die Gletscherschmelze und die variablen Niederschläge werden auch die Flussläufe beeinflussen, einschließlich der grenzüberschreitenden Flüsse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zugang zu Wasserressourcen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Das Problem der Wasserressourcen in Zentralasien ist nicht Knappheit, sondern deren ineffiziente Nutzung. Außerdem sind die Wasserressourcen ungleichmäßig verteilt, da fernab der Gletscher und Wasserquellen erneuerbare Wasserressourcen rar sind. Der Klimawandel ist nicht der einzige Faktor, der die Situation verschärft: Durch Industrie, Landwirtschaft und Bevölkerungswachstum wird die Nachfrage nach Wasser auch weiterhin steigen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/">Die fünf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zunehmende Verknappung der vorhandenen Wasserressourcen und ihre sich verschlechternde Qualität werden den Zugang der Bevölkerung zu Wasser, einschließlich Trinkwasser, beeinträchtigen. In Tadschikistan leben über zwei Drittel der Bevölkerung in ländlichen Gebieten, wo der Zugang zu Wasser nach wie vor ein großes Problem darstellt. Nach Angaben der <a href="https://www.worldbank.org/en/news/feature/2022/03/22/how-running-water-is-changing-rural-lives-in-kyrgyz-republic-and-uzbekistan">Weltbank</a> hat die Bevölkerung einiger ländlicher Gebiete Kirgistans nur Zugang zu Wasser aus Bewässerungssystemen; in Usbekistan ist mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung nicht ans zentrale Wasserversorgungsnetz angeschlossen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Bedrohung der Landwirtschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Sektoren der zentralasiatischen Volkswirtschaften. Nach Angaben der <a href="https://www.fao.org/home/en">FAO</a> sind über die Hälfte der natürlich beregneten Anbauflächen von regelmäßigen Dürren betroffen und fast alle bewässerten Gebiete weisen hohe bis sehr hohe Wasserstresswerte auf. Dies beeinflusst die Ernte von Baumwolle und Reis stark, Hitzewellen und schwankende Niederschläge können die Erträge von Weizen und anderen Kulturen verringern sowie zur Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten beitragen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ueber-die-masse-wie-usbekistan-und-turkmenistan-ihre-wasserressourcen-ueberstrapazieren/">Über die Maße: Wie Usbekistan und Turkmenistan ihre Wasserressourcen überstrapazieren </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klimawandel verstärkt zusammen mit negativen Einflüssen wie unkontrollierter Beweidung, Entwaldung und ineffizienter Landwirtschaft die Bodenerosion und -degradation erheblich. Ein wärmeres Klima und mehr Hitzetage begünstigen die Wüstenbildung und verringern die Weideproduktivität und damit das verfügbare Futter. All diese Prozesse drohen die Ernährungssicherheit zu beeinträchtigen. Mittel- und langfristig werden die negativen Auswirkungen des Klimawandels die positiven, die in einigen Bereichen zu beobachten sind, bei weitem überwiegen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Naturkatastrophen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Auswirkungen des Klimawandels auf wasserbedingte Katastrophen, einschließlich Überschwemmungen durch Gletscherseeausbrüche, wurden als eine der größten Bedrohungen in der Region erkannt. Die meisten der beobachteten extremen Wetterereignisse wie Hagel, Schlammlawinen, Dürren, extrem hohe oder niedrige Temperaturen werden durch das sich verändernde Klima verursacht. In den letzten 30 Jahren waren Millionen von Menschen davon betroffen, die wirtschaftlichen Verluste belaufen sich auf Milliarden von US-Dollar. Meteorolog:innen bestätigen, dass die Häufigkeit und Intensität hydrometeorologischer Naturereignisse in Zentralasien in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-duerre-wird-bis-zum-ende-des-jahrhunderts-dauern-ein-gespraech-ueber-wasserprobleme-in-usbekistan/"><strong>„Die Dürre wird bis zum Ende des Jahrhunderts dauern“ – ein Gespräch über Wasserprobleme in Usbekistan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Naturkatastrophen zerstören Verkehrs-, Energie- und andere Infrastrukturen und schädigen die Landwirtschaft. Im Jahr 2021 führte eine Dürre in mehreren Regionen Kasachstans zum <a href="https://24.kz/ru/tv-projects/spetsialnyj-reportazh/item/490392-zasukha-2021-spetsialnyj-reportazh">Tod von tausenden Tieren</a>, auch die Region Tschüi in Kirgistan war <a href="https://kloop.kg/blog/2022/01/17/urozhaj-pshenitsy-i-yachmenya-v-2021-godu-umenshilsya-pochti-vpolovinu-iz-za-zhary-i-zasuhi/#:~:text=%D0%97%D0%B0%D1%81%D1%83%D1%85%D0%B0%20%D0%B2%20%D0%9A%D1%8B%D1%80%D0%B3%D1%8B%D0%B7%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B5,%D0%B3%D0%B5%D0%BA%D1%82%D0%B0%D1%80%D0%BE%D0%B2%20%D0%B2%D1%8B%D1%81%D0%BE%D1%85%D0%BB%D0%B8%20%D0%BE%D0%BA%D0%BE%D0%BB%D0%BE%20%D1%88%D0%B5%D1%81%D1%82%D0%B8%20%D1%82%D1%8B%D1%81%D1%8F%D1%87.">vom Wassermangel betroffen</a>. Im Frühjahr 2022 verursachten schwere Regenfälle in Tadschikistan und Kirgistan Schlammlawinen, die teilweise <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20221105/sinoptiki-soobtshili-skolko-prodlyatsya-prolivnie-dozhdi-v-tadzhikistane">erhebliche Schäden anrichteten</a>. Wissenschaftler warnen davor, dass eine Kombination mehrerer extremer Wetterereignisse zu größeren Katastrophen führen könnte. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Probleme im Energiesektor</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Wasserkraft nimmt in den Volkswirtschaften Tadschikistans und Kirgistans einen besonderen Platz ein, da der größte Teil der Elektrizität in diesen Ländern in Wasserkraftwerken erzeugt wird. Die Wasserkraft hängt unmittelbar vom Wasserkreislauf der Flüsse ab, der sich laut Klimamodellen langfristig verändern wird. Dies wird die Zuverlässigkeit und die Kapazität der Kraftwerke verringern. Der erwartete jahreszeitlich bedingte Rückgang des Wasserstandes oder sogar das Austrocknen einiger kleiner Flüsse könnte den Betrieb mehrerer Kleinwasserkraftwerke zum Erliegen bringen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/beyond-the-glacier-ein-kurzfilm-ueber-wasser-in-zentralasien/">„Beyond the Glacier“ – ein Kurzfilm über Wasser in Zentralasien </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Murgänge und Sedimente stellen eine besondere Gefahr für Wasserkraftwerke dar. Die Verschlammung von Stauseen kann die Stromerzeugung verringern und die Instandhaltung erschweren. Insgesamt schätzt die Weltbank, dass negative Klimaauswirkungen die Erzeugung von Wasserkraft in Kirgistan und Tadschikistan um 20 Prozent verringern könnten. Erhöhte Wassertemperaturen oder Wassermangel könnten die Erzeugung von Wärmekraftwerken im Rest der Region beeinträchtigen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Migration und Neuansiedlung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Angesichts des großen Anteils der Landbevölkerung mit niedrigem Einkommen in Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan können extreme und ungünstige Wetter- und Klimaereignisse die Armut verschärfen oder das Einkommen vieler Familien weiter senken sowie deren Ernährungs- und Wirtschaftssicherheit verringern. Naturkatastrophen in der Region führen zu kurz- und langfristiger Migration. In Ländern mit großer Landbevölkerung wird die Migration in die Städte weiter zunehmen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://olc.worldbank.org/system/files/GroundswellPN-ECA6.pdf">Nach Angaben der Weltbank</a> könnte es bis 2050 bis zu 2,4 Millionen interne Klimamigranten in Zentralasien geben. Etwa entlang der südlichen Grenze Kasachstans, in den Gebieten um das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Fergana-Tal</a> und Bischkek wird sich dies bemerkbar machen. Einige Gebiete im Osten Turkmenistans und im Süden Usbekistans entlang des Amudarja, für die ein Rückgang der Wasserverfügbarkeit und der Ernteerträge vorhergesagt wird, sind ebenfalls betroffen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Soziale Spannungen und Konflikte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Eingeschränkter Zugang und ineffiziente Wassernutzung sind potenzielle Konfliktquellen in Zentralasien. Die Regulierung der Wasserressourcen in den Bereichen Bewässerung und Energie hat bereits zu politischen Unstimmigkeiten und Spannungen zwischen den Ländern geführt. So ist beispielsweise die Entscheidung, Wasserkraftwerke in den Bergstaaten zu bauen, in den flussabwärts gelegenen Ländern auf Unverständnis gestoßen und hat zu diplomatischen Auseinandersetzungen geführt. Ein lokaler Wasserstreit führte zusammen mit anderen Faktoren im Jahr 2021 zu einem <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-40-tote-bei-zusammenstoessen-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/">bewaffneten Konflikt</a> zwischen Tadschikistan und Kirgistan. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/was-sind-die-gruende-fuer-die-toedlichen-zusammenstoesse-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/">Was sind die Gründe für die tödlichen Zusammenstöße an der kirgisisch-tadschikischen Grenze? </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserprobleme, die in Dürreperioden besonders akut sind, führten im Sommer 2021 zu Protesten von Landwirt:innen und Bewohner:innen einiger Dörfer in Kirgistan und Kasachstan. Es wird prognostiziert, dass eine weitere irrationale Wassernutzung zusammen mit den negativen Auswirkungen des Klimawandels die Energie- und Ernährungssicherheit der Länder gefährden und zu höheren Energie- und Lebensmittelpreisen führen könnte. Dies wiederum kann die sozialen Spannungen verschärfen und die Region destabilisieren. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auswirkungen auf Ökosysteme</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Veränderungen in der Verfügbarkeit von Wasserressourcen und steigende Temperaturen werden voraussichtlich die Zusammensetzung von Flora und Fauna verändern und die natürlichen Ökosysteme beeinträchtigen. In Gebirgsökosystemen lässt sich bereits eine Verschiebung der Vegetation beobachten. Einige Tier- und Pflanzenarten können vom Aussterben bedroht sein oder ganz verschwinden, während sich die Lebensräume anderer Arten erheblich verändern können. Der Klimawandel kann neue Ausbrüche von Schädlingen oder eine Zunahme invasiver Arten auslösen. Trockeneres Wetter und längere Hitzewellen erhöhen das Risiko von Waldbränden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sieben-zentralasiatische-wildtierarten-die-unseren-schutz-benoetigen/">Sieben zentralasiatische Wildtierarten, die unseren Schutz benötigen </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Belastungen durch den Menschen und den Klimawandel können die Widerstandsfähigkeit bestehender Ökosysteme untergraben, die Artenvielfalt verringern und sich negativ auf die Ökosystemleistungen auswirken, auf die wir für unseren Lebensunterhalt und unsere Entwicklung angewiesen sind. Dem Erhalt der natürlichen Ökosysteme sollte daher hohe Priorität eingeräumt werden. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Regionale Zusammenarbeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Es besteht eine gemeinsame Verpflichtung zur Zusammenarbeit in Zentralasien. In der Region sind der Internationale Fonds zur Rettung des Aralsees (<a href="https://ecifas-tj.org/en/main/">IFSA</a>), die Zwischenstaatliche Kommission für Wasserkoordinierung (<a href="https://ecifas-tj.org/en/icwc/#:~:text=ICWC%20is%20a%20regional%20body,bodies%20of%20the%20State%20founders.">ICWC</a>) und die Zwischenstaatliche Kommission für nachhaltige Entwicklung (<a href="https://unece.org/environment/press/unece-and-interstate-commission-sustainable-development-strengthen-cooperation">UNECE</a>) sowie mehrere regionale Zentren angesiedelt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt auch eine Reihe von Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Wasserwirtschaft. Inwieweit sie jedoch tatsächlich umgesetzt werden, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Die Wasserwirtschaft in Zentralasien ist komplex und viele der Probleme, die vor 20 Jahren Schwierigkeiten machten, bestehen auch heute noch. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"> 2017 erstellte die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (<a href="https://www.eda.admin.ch/deza/de/home.html">DEZA</a>) einen Bericht zur Wasserkooperation in Zentralasien, in dem festgestellt wurde, dass die Wasserpolitik in der Region weitgehend von unkoordinierten nationalen Strategien bestimmt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kombination aus geringer Wassernutzungseffizienz, negativen externen Effekten aufgrund einseitiger Maßnahmen und konkurrierenden nationalen Prioritäten hat zu Reibungen sowie politischen und diplomatischen Streitigkeiten zwischen den Ländern geführt. Gemäß einer groben Schätzung betragen die Kosten für die fehlenden Lösungen in der Wasserbewirtschaftung allein in Zentralasien 4,5 Milliarden US-Dollar jährlich. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Timur Idrisov für Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR)</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/izmenenie-klimata-i-vodnye-resursy-v-tsentralnoj-azii-rastushhaya-neopredelyonnost">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"> <p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit/">Klimawandel und Wasserressourcen in Zentralasien: Wachsende Unsicherheit</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Wie die Architektin Saikal Dschunuschowa ökoeffiziente Häuser in Kirgistan baut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Oct 2021 14:03:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Bau]]></category>
		<category><![CDATA[Energieeffizienz]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Architektin Saikal Dschunuschowa setzt sich in Kirgistan f&#xFC;r &#xF6;koeffizienten Bau ein. Nach zw&#xF6;lf Jahren Ausbildung und Arbeit in der Schweiz baut sie derzeit ein Energieneutrales Haus f&#xFC;r ihre Eltern. Folgender Artikel erschien im russischen Original am 16. September im Rahmen des Projektes &#x201E;Junge Frauen in der Wissenschaft&#x201C; des &#x201E;Zentrums f&#xFC;r Kinderschutz&#x201C; und UNICEF bei [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wie-die-architektin-saikal-dschunuschowa-oekoeffiziente-haeuser-in-kirgistan-baut/">Wie die Architektin Saikal Dschunuschowa ökoeffiziente Häuser in Kirgistan baut</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Architektin Saikal Dschunuschowa setzt sich in Kirgistan für ökoeffizienten Bau ein. Nach zwölf Jahren Ausbildung und Arbeit in der Schweiz baut sie derzeit ein Energieneutrales Haus für ihre Eltern. Folgender Artikel erschien im russischen Original am 16. September im Rahmen des Projektes „Junge Frauen in der Wissenschaft“ des „Zentrums für Kinderschutz“ und <a href="https://www.unicef.org/kyrgyzstan/">UNICEF</a> bei der kirgisischen <a href="https://kloop.kg/blog/2021/09/16/obyasnyaesh-chto-ty-ne-prosto-zhenshhina-a-spetsialist-kak-arhitektorka-sajkal-stroit-ekologichnye-doma/">Onlinezeitung Kloop.kg</a>.   </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Ende des Sommers beginnt in Bischkek bald die kalte Jahreszeit und damit auch die Heizperiode. Schon kurz vor dem Winter wird die Hauptstadt <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-nebel-ueber-der-stadt-der-smog-in-der-oeffentlichen-debatte-in-bischkek/">in Smog gehüllt sein</a> und grauer Dunst wird aus den Schornsteinen der Wohnhäuser aufsteigen. Saikal Dschunuschowa ist Architektin und baut seit sechs Monaten ein ökoeffizientes Haus für ihre Familie. Saikal geht in einem weißen Kleid und Ballerinas um das zweistöckige Gebäude herum und zeigt stolz die Konstruktionsdetails. Dieses Haus hat keine Batterien oder einen Heizkessel – es wird von der Sonne beheizt. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

„<em>Ein energieeffizientes Haus ist ein Haus, das keine Ressourcen verbraucht. Das gilt besonders für den Betrieb des Hauses, also die Energie, die zum Heizen und Kühlen verbraucht wird</em>“, sagt Saikal. „<em>Es gibt hier keine Standard-Wandheizungen, keine Heizkörper. Die ursprüngliche Idee war, dieses Haus nur mit Solarwärme zu heizen</em>.“
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Inspiration aus der Schweiz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Haus hat Saikal alles getan, um die Sonne optimal zu nutzen &#8211; auf allen drei Etagen gibt es Panoramafenster auf der Südseite. Wenn die Sonne im Winter tief steht, dringt sie vollständig in das Haus ein. Im Sommer wird die Sonne hoch stehen &#8211; dank des angepassten Winkels des Vordachs und der weißen Balkone wird sich das Haus nicht aufheizen. https://www.youtube.com/watch?v=mt1zSL7FpXE&amp;t=17s Auf dem Dach befinden sich drei Sonnenkollektoren, die das Wasser erhitzen und die Fußböden im Haus erwärmen. Die Idee, ein solches Haus zu bauen, <a href="https://www.swiss-architects.com/de/architecture-news/gefunden/saikal-zhunushova-ich-war-die-junge-frau-mit-dem-lowtech-ansatz-der-man-wenig-zutraute-doch-meine-argumente-haben-uberzeugt">kam Saikal in der Schweiz</a>, wo sie 12 Jahre lang studiert und gearbeitet hat. Nach Angaben der Architektin nutzt das Land häufig die Sonne zur Beheizung von Wohnhäusern, was umweltfreundlicher und wirtschaftlicher ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-nimmt-erstmals-an-architekturbiennale-von-venedig-teil/">Usbekistan nimmt erstmals an Architekturbiennale von Venedig teil</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Saikal ist jedoch in Sachen Nachhaltigkeit noch einen Schritt weiter gegangen und hat ein System zur Wiederverwertung von Lebensmittelabfällen im Haus installiert. So kann ihre Familie aus Kartoffelschalen oder Wassermelonenschalen Kompost herstellen. Der Traum, Häuser zu entwerfen, kam Saikal, als sie als Kind im Dorf Winogradnoje lebte, circa 40 Kilometer nördlich von Bischkek. Wie sich die Architektin erinnert, war es in ihrem kleinen Haus immer sehr kalt und ungemütlich &#8211; selbst im Sommer musste sie sich warm anziehen. „<em>Wohnungsprobleme haben mich schon immer interessiert. Ich habe mich gefragt, was man tun kann, um solche Probleme zu vermeiden. Mein Vater war auch Architekt, aber er starb früh. Und all seine Zeitschriften, die Literatur, die ich später entdeckte, haben mich inspiriert. Ich konnte auch gut zeichnen; es war klar, dass ich Architektin oder Designerin werden würde</em>“, sagt Saikal. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Entgegen Genderstereotypen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Saikal ging 2009 zum Studium in die Schweiz, eröffnete dort <a href="https://www.oekofacta.com/">das Architekturbüro Oekofacta</a> und baute private und gewerbliche Gebäude. In Kirgistan gibt sie Kurse für zukünftige Architekt:innen und spricht mit ihnen über nachhaltiges und bewusstes Bauen. Trotz aller Erfahrung ist Saikal mit Stereotypen über ihre Rolle in diesem Beruf konfrontiert. Ihr zufolge muss sie auf der Baustelle oft ihre Professionalität unter Beweis stellen und sich auch mit sogenanntem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mansplaining">Mansplaining</a> auseinandersetzen. Aufgrund von Stereotypen und geschlechtsspezifischer Ungleichheit entscheiden sich Frauen in Kirgistan seltener für technische Berufszweige – im Jahr 2020 waren 79 Prozent Männer unter den Architekturstudent:innen. Als Ergebnis wird das Berufsfeld überwiegend von Männern besetzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-reise-durch-die-architekturgeschichte-der-kirgisischen-hauptstadt/">Eine Reise durch die Architekturgeschichte der kirgisischen Hauptstadt</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Am Anfang musst Du erklären, dass Du nicht nur eine Frau bist, sondern eine Expertin, dass Du die Leiterin dieses Projekts bist und alles aus einem bestimmten Grund tust. Und dass Du nicht nur kommst, um zuzuschauen, sondern um bestimmte Details zu besprechen. Das gilt für die Anfangszeit eines Projekts, und wenn sie deine starken Argumente und deine Stärken sehen, können sie nicht mehr auf dich verzichten</em>“, erläutert Saikal. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Die Architektin ist der Ansicht, dass man mit energieeffizienten Häusern einen erheblichen Beitrag zur Lösung der Luftprobleme in Kirgistan leisten kann. Saikal will sich nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Kirgistan für den Bau umweltfreundlicherer Gebäude einsetzen.

„<em>Die Umwelt in Kirgistan</em> [verschlechtert sich]. <em>Jedes Jahr verliert Bischkek Grünflächen, verliert Bäume. [&#8230;] Da wir in Kirgistan sehr viel Sonne haben, haben wir selbst im Winter, wenn es kalt ist und Schnee liegt, immer Sonne. Und hier ist diese Idee&#8230; Warum nutzen wir unseren Vorteil nicht aus?</em>“, schlussfolgert Saikal.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aizirek Imanalijewa
<a href="https://kloop.kg/blog/2021/09/16/obyasnyaesh-chto-ty-ne-prosto-zhenshhina-a-spetsialist-kak-arhitektorka-sajkal-stroit-ekologichnye-doma/">Kloop.kg</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>


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		<title>Leben mit dem Fluss: Der Naryn in Kirgistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Apr 2021 12:40:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Flussgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Naryn]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>FLUSSGESCHICHTEN. Der Fluss Naryn in Kirgistan ist als Wasser- und Energiequelle einer der wichtigsten Wasserl&#xE4;ufe in Zentralasien. Doch vor allem weiter flussaufw&#xE4;rts zeichnen sich die Effekte des globalen Klimawandels klar ab, was schlimme Folgen f&#xFC;r die ganze Region haben k&#xF6;nnte. Im Rahmen einer Reportagereihe von Vlast.kz haben Journalisten an unterschiedlichen Orten Anwohner &#xFC;ber ihre Beziehung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Der Fluss Naryn in Kirgistan ist als Wasser- und Energiequelle einer der wichtigsten Wasserläufe in Zentralasien. Doch vor allem weiter flussaufwärts zeichnen sich die Effekte des globalen Klimawandels klar ab, was schlimme Folgen für die ganze Region haben könnte. Im Rahmen einer Reportagereihe von <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a> haben Journalisten an unterschiedlichen Orten Anwohner über ihre Beziehung zum Fluss befragt. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naryn_(Fluss)">Naryn</a> hat hoch im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tienschan-Gebirge</a> in Kirgistan seine Quelle. Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferganatal</a>, im Südosten des Landes, fließt er mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qoradaryo">Karadarja-Fluss</a> zusammen: So entsteht der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>, eine der Hauptwasserstraßen Zentralasiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Becken des Syrdarja umfasst drei Regionen Kirgistans, eine Region Tadschikistans, sechs Regionen Usbekistans und zwei Kasachstans. Der Fluss verbindet die vier Länder Zentralasiens.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Laut Ismail Dairow, dem Direktor des Regionalen Bergzentrums Zentralasiens in Kirgistan, könnte „<em>der Wasserfluss des Syrdarja und des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja"><em>Amudarja</em></a><em> aus dem Tien Shan- und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)"><em>Pamir-Gebirge</em></a><em> in 10-20 Jahren um 10-30 Prozent abnehmen.&#8220;</em> Wissenschaftler und Experten weisen darauf hin, dass die Bevölkerung in der Region zunimmt: Die Leute brauchen immer mehr Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen des Projekts „Kleine Menschen – Großer Fluss“ reiste eine Gruppe von Journalisten und Umweltschützern Dutzende von Kilometern entlang des Naryn-Flusses. Sie fragten die Menschen, die in seiner Nähe leben, welche Veränderungen sie im Verhalten des Flusses oder des Wetters sehen und wie sich das auf ihr Leben auswirkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Besitzer ist der, der das Land pflegt!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Region_Transbaikalien">Transbaikalien</a> in Russland stammende Sergej Solotujew kam vor 53 Jahren in diese Region und beschloss, dort zu bleiben. „<em>Es ist überall dort schön, wo wir gerade nicht sind</em>“, wiederholt er ein bekanntes Sprichwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Hier gibt es eine Heilquelle, und was braucht der Mensch sonst noch? Ich lebe umgeben von wunderschönen Bergen, schöner Vegetation und einem Gebirgsfluss, rein wie Eis. Jede Pflanze hier ist eine Heilpflanze. Es gibt keine Fabriken über uns, man möchte die Luft mit vollen Zügen einatmen“, </em>erzählt er<em>. „Die Natur gibt mir und meinen Freunden ein positives Gefühl. Mit 57 Jahren springe ich jeden Morgen über die Steine. Ich halte mein Gewicht, da gibt es kein einziges überflüssiges Gramm.</em>“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26179" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sergej Solotujew. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bei anderen beobachtet Solotujew die wohltuenden Effekte der Natur. „W<em>enn Gäste aus der Stadt zu mir kommen und hier die unbelastete Luft einatmen, kehren sie buchstäblich wie neugeboren zurück. All ihre Negativität wird vom Wasser aufgenommen, und kaum kehren sie nach Hause zurück, lockt schon wieder die Natur. Deshalb verlieben sich auch Ausländer in unsere Natur</em>&#8222;, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fügt hinzu, dass die Natur einen empfindlicher für die Umgebung macht: „<em>Hier bemerke ich jeden Grashalm, wie der Weißdorn blutrot wird, wie die Berberitze sich verdunkelt. Wie Ameisen, Elstern und Krähen leben. Und wie sich das Klima verändert und</em> <em>sich unser Ökosystem verschlechtert</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das globale Klima auf lokaler Ebene schwer zu beeinflussen ist, könne man doch einiges vor Ort machen, meint Solotujew. „<em>Zum Beispiel liegt es in unserer Macht, die Wirtschaft zu entwickeln. Es gibt keine Bewässerung und kein Ackerland, die Kirgisen leben hauptsächlich von der Nutztierhaltung, die immer mehr zunimmt, aber sie betreiben keine Zucht. Die riesigen Rinderherden stören die empfindliche fruchtbare Bodenschicht. Das Gras ist jetzt niedrig, ganz im Unterschied zu früher! In den Sümpfen gibt es schon lange keine Brombeeren mehr, sie werden vom Vieh gefressen. Es bleiben nur noch armselige Büsche.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/spannungen-rund-um-die-weidewirtschaft-in-naryn/"><strong>Spannungen rund um die Weidewirtschaft in Naryn</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er beschwert sich auch über Fischer, die „<em>nicht für den Eigenbedarf, sondern für den Verkauf fangen</em>“: „<em>Sie lassen Haken im Wasser, die die Fische beim Vorbeischwimmen verletzen. Sie verwenden Elektrofischer-Ruten. Es gibt immer weniger Fische, heute habe ich nur eine Forelle gefangen! Und der Nerz ernährt sich von Fisch: Er ist ein Raubtier, er stiehlt unsere Fische. Aus irgendeinem Grund denkt niemand daran, ihre Anzahl zu regulieren</em>“, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es liegt auch in der Macht des Menschen, keine Abfälle zu hinterlassen. Aber in jeder Schlucht gibt es Abfälle, wir sind nur noch von Müll umgeben. Er fließt ins Wasser und wird von der Strömung flussabwärts getragen. Am </em><a href="https://novastan.org/de/tag/yssykkoelsee/"><em>Yssykkölsee</em></a><em> ist absolut alles voller Müll. Aber ich beklage mich nicht &#8211; mein Beitrag zum Naturschutz ist es, den Müll aufzusammeln. Dazu möchte ich sagen: Der Besitzer ist nicht derjenige, der sein Territorium vermessen hat, sondern derjenige, der es pflegt! Der sein Land liebt und respektiert. Der auch an die denkt, die weiter unten leben. Ich wünsche mir klares Wasser für den Unterlauf, wie oben</em>&#8222;, schließt Solotujew seine Erzählung ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Fluss voller Müll</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Musa Borbijew, ein Forellenfischer aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toktogul">Toktogul</a> im Zentrum Kirgistans, stimmt dem zu. Er fordert einen besseren Umweltschutz für den Fluss. „<em>Die Leute werfen Essensreste und Plastik in den Fluss und die Fische sterben durch den Müll! Forellen benötigen sauberes Flusswasser &#8211; und deshalb gibt es immer weniger von ihnen. Aber das Hauptproblem ist der unkontrollierte Fischfang. Unvorsichtige Fischer fangen 100-150 Stück auf einmal und stören dadurch das natürliche Gleichgewicht. Sie fangen die Fische offensichtlich nicht für den eigenen Gebrauch, sondern um sie zu verkaufen. Sie benutzen dazu Elektrofischerruten und Netze. Deshalb gibt es heute so wenige Fische. Der Fischbestand erholt sich davon nicht</em>“, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Borbijew ist 57 Jahre alt und hat sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht. Er hat beobachtet, wie sich das Klima zu seinen Lebzeiten stark verändert hat. „<em>Früher konnten die Menschen im Winter das bis zu 40 cm dicke Eis sicher überqueren. Heutzutage ist das nicht mehr möglich. Und es gibt keinen Schnee wie in meiner Kindheit. Der Wasserstand im Fluss sinkt</em>“, schildert er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26180" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Musa Borbijew auf seiner Forellenzucht. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vor ein paar Jahren begann er Forellen in künstlichen Teichen zu züchten. Besucher aus Osch und Dschalal-Abad sowie Einheimische kaufen den umweltfreundlichen Fisch von Musa. Der Forellenzüchter beklagt, dass es immer schwieriger wird, Futter zu kaufen; alles wird aus Europa importiert und der Preis für Futter steigt proportional zu den Schwankungen des Währungskurses. Manchmal kauft er sein Futter in Kasachstan. Das ist zwar viel billiger, aber die Qualität ist auch deutlich schlechter. Borbijew wollte selbst mit der Produktion von Fischfutter beginnen, aber viele der benötigten Zutaten sind in Kirgistan nicht erhältlich, wie etwa Fischöl und Fischknochenmehl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Walentina Lukina, eine Journalistin und Hochschullehrerin aus <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tashk%C3%B6m%C3%BCr">Tasch-Kömür</a>, etwas weiter flussabwärts gelegen, geht ebenfalls auf den sich verschlechternden ökologischen Zustand des Naryn-Flusses ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Hierhin fließen nicht nur verschmutzte Nebenflüsse; die Menschen verwandeln den Naryn selbst immer mehr in einen Abwasserfluss. Der Fluss Naryn fungiert de facto als Sammlung von menschlichen Abfällen. Sowohl das städtische Krankenhaus, das medizinische Abfälle im Wasser entsorgt, als auch das Abwasser von schlecht funktionierenden Kläranlagen verunreinigen das Wasser</em>“, erläutert Lukina.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="900" height="623" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26181" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto-300x208.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto-768x532.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Walentina Lukina (links) auf der Brücke über den Naryn, bei Tasch-Kömür. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Auch vor kranken Tieren nicht sind wir nicht gefeit. Was würde passieren, wenn es plötzlich eine Infektion gibt? Alle würden so tun, als wäre nichts</em> <em>geschehen. Aber Menschen leben entlang des Flussbettes und nutzen dieses Wasser für ihre häuslichen Bedürfnisse. Das ist der Wasserkreislauf.</em>“ Laut offiziellen Daten wurden in den letzten 50 Jahren 40 Millionen Kubikmeter Abwasser in die Gewässer des Naryn geleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lukina wurde in Taschkent geboren und lebt seit ihrem dritten Lebensjahr in Tasch-Kömür. Damals erhielten ihre Eltern eine Arbeit im örtlichen Wasserkraftwerk. Ihr zufolge zeigt sich der Klimawandel an der veränderten Intensität und Häufigkeit der Winde und einem Rückgang des Wasserspiegels, der dennoch weiterhin voll und mächtig sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Der Fluss ist eine Lebensquelle“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ulan Namatbekow ist Wildhüter. Er wurde in der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Naryn">Stadt Naryn</a> geboren und hat dort sein ganzes Leben verbracht. Auch er ist der Meinung, dass Kirgistans größte Wasserstraße, der Naryn-Fluss, eine grenzüberschreitende Umweltkatastrophe verursachen könnte. Der Fluss wird seit langem durch Abfall von Unternehmen, Abwässern und Müll gespeist. Die Kläranlage von Naryn ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Zur Zeit ihres Baus haben dort noch viel weniger Menschen gelebt, weshalb ihre Auslegungskapazität nicht den heutigen Bedürfnissen der Stadt entspricht. Außerdem gibt es keine biologische Klärung. Nach einer mechanischen Aufbereitung wird das Wasser in den Naryn geleitet und von den Einwohnern flussabwärts zum Waschen und zur Bewässerung genutzt. Sie haben keine andere Wahl.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26182" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ulan Namatbekow. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Namatbekow arbeitete lange Zeit als Forscher im Staatsreservat Naryn, das flussaufwärts liegt. Im westlichen Teil des Reservats befindet sich eine separate Futterstelle für Rothirsche. Als Ökoaktivist ist Namatbekow überzeugt, dass Kirgistan ökologische Bildung braucht. Er initiierte öffentliche Anhörungen in Naryn mit der lokalen Verwaltung und Öko-Aktivisten zu Problemen im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten und dem Klimawandel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökologe bemerkte die allmähliche Abnahme der Fläche der Gletscher, die an der Quelle des Flusses Naryn liegen: „<em>Es ist der längste Fluss Kirgistans und ein Zufluss des <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/der-aralsee-bricht-alle-rekorde-aber-er-lebt-weiter-geo-forscher-im-experten-interview/">Aralsees</a>. Einst haben die Länder um den Aralsee das Wasser missbraucht und der See ist ausgetrocknet. Wir wollen nicht, dass sich eine ähnliche Katastrophe wiederholt, wenn die Gletscher schmelzen</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/klimawandel-kirgistans-gletscher-in-gefahr/"><strong>Klimawandel – Kirgistans Gletscher in Gefahr</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Sulton Rakhimsoda, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees des <a href="http://ec-ifas.waterunites-ca.org/aral_basin/institutions/ifas/index.html">Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees</a>, ist die Fläche der Gletscher in Zentralasien im Vergleich zum Beginn des letzten Jahrhunderts um ein Drittel geschrumpft. Ein Temperaturanstieg von zwei Grad würde sie um 50 Prozent schrumpfen lassen, während sie durch einen Anstieg um vier Grad bis zu 80 Prozent verlieren würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Naryn ist eine Lebensquelle</em>“, so Oleg Nekrytow, Chefarzt im Zentralkrankenhaus der Siedlung Ming-Küsch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nekrytow wurde 1963 in <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/min-kush-ville-oubliee/">Ming-Küsch</a> geboren und ist seitdem nicht weggezogen, auch nicht, als viele Uranbergbausiedlungen aus der Sowjetära geschlossen wurden. „<em>Wegziehen? Wozu? Hier leben auch Menschen, die krank werden und behandelt werden müssen</em>&#8222;, sagt er. „<em>Früher wurde das Uran auf Waggons herausgeholt und über die offene Straße nach </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karabalta"><em>Karabalta</em></a> (in der Nähe von Bischkek, Anm. d. Red.) <em>transportiert. Bis heute gibt es erhöhte Strahlungswerte in der Nähe von Grabstätten. An anderen Orten sind die Werte jetzt normal. Onkologische Erkrankungen können besser in frühen Stadien diagnostiziert werden. Vor fünf Jahren lag Ming-Küsch in Sachen Onkologie an vierter Stelle, heute liegt es an dritter Stelle, aber nicht wegen eines Anstiegs der Patientenzahlen, sondern wegen verbesserter Diagnosemöglichkeiten</em>“.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26183" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Oleg Nekrytow bei seinen Bienenstöcken. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Chefarzt erinnert sich an eine Zeit, als die Berghänge in der Siedlung und ihrer Umgebung schwarz waren und die Felsen keine Vegetation aufwiesen. Heute sind sie grün. „<em>Die Natur ist in der Lage, sich selbst zu heilen, aber man darf nicht in sie eingreifen. Doch der Mensch versucht immer wieder, alles zu verderben</em>“, meint er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nekrytov begann vor einiger Zeit mit einem Bienenstand. Sein Honig ist einer der besten im Gebiet Naryn, weil die Bienenstöcke von Bergwiesen mit reichhaltigen, gesunden Bergblumen, Kräutern und Sträuchern umgeben sind. Der Honig wird auch in der Türkei gekauft, er ist gesund und duftend. Die Besonderheit des Bienenstandes ist, dass er an einem Ort bleiben kann: Es gibt genug Artenvielfalt für die Bienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Immer weniger Eis</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Steinadler-Züchter Aman Ismailow nennt Naryn ein Touristenparadies. „<em>Wasser ist wertvoller als Gold. Wir sollten nicht den Boden anrühren, sondern den Tourismus entwickeln</em>“, sagt er. „<em>In meiner Kindheit sind wir immer auf dem Eis über den Fluss gelaufen und haben dort gespielt. Jetzt ist es unmöglich, das Eis zu betreten. Es gibt nur noch kleine Eisstücke. Früher haben wir Wasser aus dem Naryn getrunken, aber jetzt geht das nicht mehr, weil viel Müll in den Fluss geworfen wird. Mir ist auch aufgefallen, dass es in Naryn weniger Fisch gibt. Es gibt nur noch kleine </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Scaly_osman"><em>Osman-Fische</em></a><em>, 15-20 cm, und Forellen, die aber nur noch selten gefangen</em> <em>werden&#8220;</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="747" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-1024x747.jpg" alt="Adlerjäger und Steinadler" class="wp-image-26184" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-1024x747.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-300x219.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-768x560.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Aman Ismailow und sein Steinadler Elmok. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ismailow ist 40 Jahre alt und lebt im Dorf Alysch. Er beschäftigt sich mit dem Training von Steinadlern und zeigt Touristen den <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Salburun">Salburun </a>&#8211; die ökologische Jagd der Kirgisen zu Pferd, mit Pfeil und Bogen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taigan">Taigan</a> und Steinadler. Sein Steinadler, der den Spitznamen Elmok trägt, ist bereits zweimal Weltmeister geworden, und er ist der Asienmeister der Spiele 2018.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tierarzt Satybaldy Imankulow lebt seit zwei Jahrzehnten im Dorf Kara-Say im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ak-Schyirak">Ak-Schyirak</a>, an der chinesischen Grenze, in den Bergen südlich vom Yssykkölsee. In dieser Zeit wurden in seiner Familie vier Kinder geboren und aufgezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich bemerke die allmähliche Flussverlandung und die Gletscherschmelze. Und es wird wärmer: Die Bewohner tragen nun einfache Stiefel statt Filzstiefeln und Jacken statt Pelzmänteln. Ja, im Winter frieren die Flüsse in dieser Gegend durch, das Eis ist bis zu vier Meter hoch, und es hält bis Ende Juni an. Gleichzeitig gibt es aber auch deutlich weniger Schneefall: Vor 20-30 Jahren wurde der Schnee regelmäßig geräumt und in die Autos geladen. Jetzt gibt es keinen solchen Schnee mehr. Natürlich fällt es uns Hochlandbewohnern leichter bei milderem Wetter zu leben, aber flussabwärts beschweren sich die Leute, dass sie im Sommer nicht genug Wasser haben, um ihre Gemüsegärten zu bewässern</em>“, sagt Imankulow.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26185" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Satybaldy Imankulow. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich lebe an einem Ort, an dem mehrere Flüsse zusammenfließen und in den Naryn münden. Die Flüsse ändern alle 2-3 Jahre ihren Lauf. Die Anwohner müssen die Grenzbeamten um Hilfe bitten, um die Flussbetten zu richten</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Imankulov leben in dem Bezirk, der vier Dörfer umfasst, 29 Haushalte mit insgesamt 57 Personen. Schulkinder bleiben nicht das ganze Jahr dort, sie gehen für die Zeit ihres Studiums weiter runter. Nur Kinder im Vorschulalter sind das ganze Jahr über in den Dörfern. Erwachsene leben nur von Viehzucht, wie ihre Großväter und Urgroßväter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Anwohner sind von der Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle abhängig. Dank des sauberen Wassers im oberen Naryn sowie des saftigen, ökologisch reinen Buntgrases erhalten Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde hier keine Grundantibiotika, während bereits flussabwärts die Impfung von Rindern und Kühen vorgeschrieben ist. Fleisch- und Milchprodukte sind hier von höchster Qualität, in den Flüssen leben Osman-Fische, und deshalb genießen die Menschen hier eine ausgezeichnete Gesundheit</em>&#8222;, sagt Imankulow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Kümmert euch um das Wasser!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Edil Aschirow aus dem Dorf Kara-Saj züchtet Yaks und besucht oft den Oberlauf des Naryn-Flusses. „<em>Ich habe im Fernstudium Umweltwissenschaften studiert und bin schon immer in der Rinderzucht tätig gewesen und habe Bullen gezüchtet. In den letzten zwei Jahren züchte ich Yaks, ich habe zwei Herden von 200 und 300 Tieren, die auf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Syrt">Syrt-Hochebenen</a> leben. Das ist kein Dschailoo</em> (kirgisisch, nomadisches Sommerlager, Anm. d. Red.) <em>sondern viel höher, mit bis zu 40 Grad Frost im Winter. Yaks sind anspruchslos und vertragen solche Temperaturen gut, sie laufen und kämpfen von alleine</em>&#8222;, lacht Aschirow. „<em>Die Yakzucht ist umweltfreundlich, eine einzigartige Produktion und eine sehr profitable Branche. Nicht nur das Fleisch der Yaks ist wertvoll, sondern auch ihre Milch, Hörner, Felle und Wolle. Ich mag auch die hiesige Landschaft, sie ist wunderschön! Yaks bleiben nicht gerne an einem Ort. Man muss sie im Auge behalten, denn sie können weglaufen. Aber dafür muss man ihnen kein Heu zur Verfügung stellen. Außerdem habe ich einen starken nomadischen Geist.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/millionaerin-durch-yak-zucht-die-geschichte-einer-sehr-erfolgreichen-jungen-kirgisin/"><strong>Millionärin durch Yak-Zucht – Die Geschichte einer sehr erfolgreichen Kirgisisin</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe seiner jahrelangen Beobachtungen hat Aschirow festgestellt, dass das Klima trockener geworden ist: Es fällt weniger Schnee und Regen. An der Quelle des Kara-Sai-Flusses nimmt das Wasservolumen stetig ab.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="661" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-1024x661.jpg" alt="" class="wp-image-26186" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-1024x661.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-300x194.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-768x496.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Edil Aschirow bei der Yakzucht. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Leute da unten wissen das nicht. Sie denken, dass sie wegen irgendwelcher künstlichen Hindernisse nicht genug Wasser bekommen</em>&#8222;, meint Aschirow. „<em>Aber die Gründe sind ökologischer Natur: Die Flüsse werden von Eis und Schnee gespeist, und die Gletscher schrumpfen. Einheimische Hirten mit langer Erfahrung erzählen uns, dass früher mehr Wasser in den Flüssen war, Autos und Pferde gingen unter Wasser, es war nicht einfach, eine Überfahrt zu finden. Heute kann man zu Fuß durch die Flüsse waten!</em>&#8222;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wissen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder über den Klimawandel Bescheid. Der junge <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/phanomen-manastschi/">Manastschy</a> (Erzähler des kirgisischen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/manas-kulturelles-erbe-zwischen-china-und-kirgistan/">Nationalepos Manas</a>, Anm. d. Red.) Danijar Koichubekow lebt seit seinem zweiten Lebensjahr am Ufer des Kara-Unkur-Flusses, dem größten Nebenfluss des Naryn-Flusses. Der 12-jährige Daniyar erinnert sich, dass er in jungen Jahren wegen der starken Strömung große Angst hatte, sich dem Wasser zu nähern. In den letzten Jahren sei der Fluss jedoch viel ruhiger geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26187" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Danijar Koichubekow. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Daniyar singt gerne über sein Lieblingsland &#8211; das Land des großen Helden Manas, welches die Vorfahren bewahrt haben. „<em>Ich appelliere an die heutige Generation: Kümmert euch um das Wasser &#8211; das wertvollste Geschenk für den Menschen &#8211; und haltet es sauber!</em>&#8222;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sonunbek Kadyrow hat eine direkte Verbindung zum Fluss Naryn: Er ist Fährmann. „<em>Der Naryn-Fluss ist, wie viele andere Flüsse in Kirgistan, wegen des großen Höhenunterschieds, des schwierigen Geländes seines Bettes und der schnellen Strömung nicht schiffbar. Aber er ist ‚fast schiffbar‘</em>“, sagt Kadyrow lachend. „<em>Das liegt daran, dass unsere Fähre darauf fährt und die ‚Insulaner&#8216; mit dem Rest der Welt verbindet!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre täglicher Fährenverkehr zwischen den Ufern des Naryn-Flusses sind eine lange Zeit. Kadyrow schließt mit den Einheimischen einen Vertrag für ein Jahr und fährt Menschen, Tiere und Fracht mit dem behelfsmäßigen Schiff von einem zum anderen Ufer. An seiner Seite hat er immer seinen Sohn &#8211; der Erstklässler Ariel, der alles von seinem Vater lernt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26188" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sonunbek Kadyrow und sein Sohn Ariel auf ihrer Fähre über den Fluss Naryn. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vater und Sohn geben zu: Die Arbeit ist gefährlich, es gibt viele Unterwasserströmungen, Tiefen, kaltes Wasser. Aber diese Arbeit hilft der Familie zu überleben. Sie hilft auch den Menschen um sie herum: Bevor es eine Fähre gab, waren sie gezwungen, eigenständig mit Booten überzusetzen. Sie mussten rudern, was äußerst schwierig war, besonders in einem beladenen Boot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jetzt weniger Gefahren, sagt Kadyrow. Er hat ein starkes Absinken des Wasserpegels festgestellt. Die Winde sind häufiger geworden und es liegt weniger Schnee auf den Berghängen. In der Zeit der intensiven Schnee- und Eisschmelze gibt es jedoch Situationen, in denen die Passagiere das Wasser vom Boden schöpfen müssen, bis die Fähre direkt am Ufer anlegt. Und am Ufer wartet ein ‚Taxi‘ auf sie: ein Tiertransport mit Eseln und Pferden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kysyl Beyit – Durch den Fluss abgeschnitten von der Welt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei weitere Stunden mit dem Pferd und man ist im Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kyzylbeyit">Kysyl Beyit</a> angekommen. Laut Kultschoro Ramanow, Dorfvorsteher von Kysyl Beyit, hat es hier zu Sowjetzeiten eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sowchos">Sowchose </a>gegeben. Zur Zeit der Perestroika wurde diese durch private Bauernhöfe ersetzt. Viele arbeitsfähige Dorfbewohner sind zum Arbeiten weggezogen, einige in andere Teile des Landes, andere ins Ausland. Viele Häuser wurden zugenagelt. Junge Leute kommen ihre Verwandten besuchen, aber immer seltener.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26189" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kultschoro Ramanow, Dorfvorsteher von Kysyl Beyit. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Älteren konnten nirgendwo hin und hatten auch keinen besonderen Grund wegzuziehen. „<em>Es sind etwa 300 Leute übrig geblieben. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit der Ziegenzucht, der Gewinnung von Ziegenmilch und der Herstellung von Ziegenkäse und saurer Sahne. Für den Winter müssen sie Brennholz und Heu für ihr Vieh machen. Außerdem ist es notwendig, sich mit Lebensmitteln von der anderen Seite des Flusses einzudecken und auf den Markt zu gehen. Es ist eine echte Subsistenzwirtschaft &#8211; ohne Schulen, Krankenhäuser und sogar ohne Strom</em>“, abgesehen von den erneuerbaren Energiequellen, die kürzlich von internationalen Organisationen installiert wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es sind nur fünf Kilometer vom Dorf Kysyl Beyit bis zum Wasserkraftwerk, aber tatsächlich wirkt es kaum näher als der Mond! Der Mensch ist bereits dorthin geflogen, aber die Regierung hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, Strom in unser Dorf zu bringen! Über welche Art von Internet und Zivilisation können wir da reden? Unsere einzige Freude ist es, wenn der Postbote uns Briefe bringt</em>“, sagt Ramanow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mairambu Aidaralijewa, eine Rentnerin aus dem Dorf Kysyl Beyit, lebt seit ihrer Geburt in der Nähe des Flusses Dschaka, eines Nebenflusses des Naryn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26190" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mairambu Aidaralijewa, Rentnerin aus Kysyl Beyit. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sagt, sie könne nirgendwo anders hinziehen: es sei schön hier, eine gute Umwelt, viele Heilkräuter, Quellen, und überhaupt ist die Erinnerung an ihre Vorfahren hier. Aidaralijewa sammelt Kräuter und trocknet Früchte und Beeren. „<em>Wir holen Forellen und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schizothorax"><em>Marinkas</em></a><em> aus dem Fluss. Allah sei Dank haben wir genug Trinkwasser, und bald gibt es auch Strom. Wohin sollte ich ziehen?</em>“, erläutert sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die anderen Bewohner erzählt sie davon, wie sich das Klima verändert, und nennt als Beispiel den Wasserstand der Flüsse und das Wetter: „<em>Das Wetter hat sich sehr verändert, es ist unberechenbar geworden. Es ist im Winter sehr kalt geworden und der Wind hat zugenommen. Auf unserer Insel gibt es viel Schnee, obwohl man sich andernorts über Schneemangel beklagt. Der Fluss Naryn ist seicht geworden. Und das ist unser wichtigster Fluss!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aksakal (kirgisisch für Weißbart, Dorfältester, Anm. d. Red.) Emilbek Aitbajew aus Kysyl Beyit erinnert sich an eine Geschichte, die ihm von der älteren Generation überliefert wurde. „Kysyl Beyit“, das heißt übersetzt „Rotes Grab“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Vor langer Zeit kamen die Kirgisen nach blutigen Kämpfen, die viele junge Menschenleben forderten, hierher und ließen sich allmählich nieder. Als erstes brachten sie Trinkwasser, das war das Einfachste. Dann begannen sie Bäume zu pflanzen. Dies wurde uns von denen vermacht, die vor uns gelebt haben. Dieses Vermächtnis übergebe ich nun an meinen Enkel Nurbolot und diejenigen, die nach mir leben werden. Ich bin ein alter Mann, aber ich pflanze immer noch Bäume</em>&#8222;, erzählt Aitbajew.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26191" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Emilbek Aitbajew. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir einfachen Menschen leben im Einklang mit der Natur nach den Regeln von Manas. Und wir verlassen dieses Land nicht, weil wir in den Städten und Dörfern nichts zu erwarten haben. Wir wissen nur, dass Präsidenten und Abgeordnete gewählt werden, und sie versprechen uns viele gute Dinge &#8211; Strom, Straßen und ein anständiges Leben! Und was sehen wir? Wir leben so, wie wir können, und erwarten schon lange nichts mehr von ihnen. Das einzige Problem ist, dass es gefährlich ist, in die Nähe des Flusses zu gehen, wenn es schneit und friert. Dann sind wir vollständig von der Außenwelt isoliert. Ich wünschte, sie würden uns helfen, einen Steg zu bauen</em>“, sagt der Dorfälteste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner von Kysyl Beyit leben am Fluss Naryn auf altmodische Art und Weise. Sie haben ihre Identität bewahrt und wissen auch ohne Strom auszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Wir müssen an die Zukunft denken!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Uyalkan Satarowa, Schichtführerin im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toktogul-Talsperre">Wasserkraftwerk Toktogul</a>, nennt den Naryn-Fluss ihrerseits eine Lichtquelle. Sie wuchs in einer Familie von Energiespezialisten auf, ihr Mann ist ebenfalls ein Energiespezialist und ihr Sohn und ihre Tochter studieren in Bischkek, um Energieingenieure zu werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="668" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26192" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto-300x223.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto-768x570.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Uyalkan Satarowa, Schichtführerin am Wasserkraftwerk Toktogul. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Der Fluss hat bedeutende Energieressourcen. An ihm sind große </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kraftwerken_in_Kirgisistan"><em>Wasserkraftwerke</em></a><em> gelegen: Toktogul, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschk%C3%B6m%C3%BCr-Talsperre"><em>Tasch-Kömür</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Utschkorgon-Talsperre"><em>Ütschkurgan</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurpsai-Talsperre"><em>Kurpsay</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurpsai-Talsperre"><em>Schamaldysay</em></a><em>. Für die Zukunft ist der Bau von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kambar-Ata-Talsperre"><em>Kambarata-2</em></a><em> und einer Kaskade vom höheren Naryn mit zugehörigen Reservoiren geplant. Die Stromerzeugung ist in Naryn direkt vom Wasser abhängig. Langfristig ist eine Reduzierung der verfügbaren Wassermenge unvermeidlich. Wenn der Pegel des Flusses sinkt, kann nur weniger Wasser durch den Damm fließen, was die Stromproduktion reduziert</em>“, so Satarowa. „<em>Das hat auch Folgen für die Nachbarländer und kann sogar einen Einfluss auf </em><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/"><em>diplomatische Beziehungen</em></a><em> haben. Für Kirgistan selbst bedeutet eine reduzierte Wasserversorgung, dass es Strom oder Kohle von seinen Nachbarn kaufen muss. Aber erneuerbare Energiequellen könnten die Antwort sein.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabirdschan Toktogulow, Direktor des Museums des Wasserkraftwerks Toktogul, kann eine lange Geschichte über Naryn erzählen: „<em>Er ist ruhig und gelassen in der Ebene. In den Bergen scheint er verrückt zu spielen und hat ein großes Energiepotential! Über seiner Länge hat der Fluss ein Gefälle von 1.715 m mit einem durchschnittlichen Gefälle von 3 Grad und ist in Bezug auf die Wasserenergiereserven fast gleichauf mit Europas größtem Fluss, der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga"><em>Wolga</em></a><em>. Die Wolga hat 6,20 Millionen Kilowatt, der Naryn 5,94 Millionen Kilowatt.</em>“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="596" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26193" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto-300x199.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto-768x509.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sabyrdschan Toktogulow ist wie eine lebende Geschichte des Wasserbaus in Kirgistan. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der inzwischen pensionierte Toktogulow kam 1974 mit einer Komsomol-Reise nach Karakul und lebt seitdem hier. Er ist eine lebendige Geschichte des Wasserbaus in Kirgistan. „<em>Im April 1962 kamen die ersten Wasserbauingenieure zum Bau des Toktogul-Wasserkraftwerks mit einem Traum – zu erleben, wie mit ihrer Hilfe eine Glühbirne aufleuchtet und die Menschen mit Strom versorgt werden. Was sie geschaffen haben, ist heute noch lebendig</em>“, sagte er. „<em>Aber der Klimawandel ist bereits bewiesen. Das bedeutet, dass die Zukunft der kirgisischen Wasserkraft in Gefahr ist. Wir müssen an die Zukunft denken!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-kirgistan-und-usbekistan-den-toktogul-stausee-teilen-die-geschichte-eines-sowjetischen-modernisierungsprojekts/"><strong>Wie Kirgistan und Usbekistan den Toktogul-Stausee teilen &#8211; die Geschichte eines sowjetischen Modernisierungsprojekts</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Toktogulow erzählt von dem, was er seit fast 40 Jahren beobachtet: „<em>Die Gletscher schmelzen, und wir müssen heute Wasser speichern. Hatte es unter der sowjetischen Planwirtschaft noch Ordnung und eine wissenschaftliche Herangehensweise gegeben, so hat jetzt die freie Wirtschaft zu Bodenerosion und der Degradierung der Weiden geführt. Das heißt, die Anzahl der Herden stimmt nicht mit der Kapazität der Weiden überein. All dies verschärft die Klimarisiken. Die Entscheidungsträger reden viel über die Ökologisierung der Wirtschaft, aber an der Durchführung mangelt es</em>.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="968" height="686" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687.jpg" alt="" class="wp-image-26194" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687.jpg 968w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687-300x213.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687-768x544.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 968px) 100vw, 968px" /><figcaption class="wp-element-caption">Plan der Talsperren am Naryn in Kirgistan. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Wissenschaftler stimmen mit den Schlussfolgerungen von Toktogulow und anderen Anwohnern des Naryn-Flusses überein. Gab es in den 1960er Jahren in Kirgistan etwa 8.200 Gletscher, so sagen Klimaforscher voraus, dass im Jahr 2100 nur noch zwischen 142 bis 1.484 übrig sein werden. Ihr Volumen wird um das Zehnfache schrumpfen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir haben ernsthafte Klimaveränderungen in Kirgistan festgestellt. Es wurde bereits als eines der Länder in der Region anerkannt, die am empfindlichsten auf den Klimawandel reagieren. Das liegt daran, dass Kirgistan extrem abhängig vom Schmelzwasser der Gletscher ist</em>“, sagt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=6ZVc_DZuxgY">Nicolas Muliniu</a>, UNICEF-Berater für den Klimawandel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klimawandel lässt sich nicht mehr vollständig aufhalten, aber er kann verlangsamt werden. Das ist der einzig mögliche Weg sowohl für Kirgistan als auch für die anderen Länder der Region, die in Bezug auf Wasser voneinander abhängig sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder gibt es im </em><a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html"><em>Originalartikel</em></a><em> zu sehen.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Wlad Uschakow, Irina Bajramukowa und Gamal Soronkulow<br>Aus Kirgistan für <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das Projekt „Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </em></strong><a href="https://medialaw.kg/"><em><strong>Zentrums für Medien-Entwicklung</strong></em></a><strong><em> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </em></strong><a href="https://anhor.uz/"><em><strong>Anhor.uz</strong></em></a><strong><em> (Usbekistan), </em></strong><a href="https://asiaplustj.info/"><em><strong>Asia-Plus</strong></em></a><strong><em> (Tadschikistan) und </em></strong><a href="https://vlast.kz/"><em><strong>Vlast</strong></em></a><strong><em> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </em></strong><a href="https://www.n-ost.org/"><em><strong>n-ost</strong></em></a><strong><em> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </em></strong><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><em><strong>MediaNet</strong></em></a><strong><em> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</em></strong></p>


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		<title>Für die Kommunistische Partei in den Bischkeker Stadtrat: Bermet Borubajewa im Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 11:55:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bermet Borubajewa]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunistische Partei Kirgistans]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bischkeker Aktivistin Bermet Borubajewa ist vor allem f&#xFC;r ihre Arbeit in den Bereichen Kunst und &#xD6;kologie bekannt. Nun m&#xF6;chte sie aber einen Schritt weitergehen und tritt f&#xFC;r die Kommunistische Partei bei der Wahl des Bischkeker Stadtrats am 11. April an. Ein Videointerview mit Novastan. &#xA0;&#xA0;&#xA0; Am 11. April 2021 finden in Kirgistan neben einem [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Bischkeker Aktivistin Bermet Borubajewa ist vor allem für ihre Arbeit in den Bereichen Kunst und Ökologie bekannt. Nun möchte sie aber einen Schritt weitergehen und tritt für die Kommunistische Partei bei der Wahl des Bischkeker Stadtrats am 11. April an. Ein Videointerview mit Novastan. &nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 11. April 2021 finden in Kirgistan neben einem <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-referendum-verfassung-april/">Verfassungsreferendum </a>auch Lokalwahlen statt. Der Stadtrat der Hauptstadt Bischkek ist dabei besonders umstritten: laut dem Online-Nachrichtenportal Kloop.kg nehmen insgesamt <a href="https://kloop.kg/blog/2021/03/02/vybory-v-mestnye-keneshi-za-kresla-v-gorkeneshe-v-bishkeke-poboryutsya-27-partij-v-oshe-10/">27 Parteien</a> an der Wahl teil, und viele KandidatInnen, die bereits im vergangenen Oktober an der Parlamentswahl <a href="https://kloop.kg/blog/2021/03/22/kak-kandidaty-birimdik-mekenim-kyrgyzstan-i-mekenchil-idut-na-vybory-v-gorkeneshi/">teilgenommen hatten</a>.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei bringt der Wahlkampf auch seine Überraschungen: So hat etwa die Ökologie- und Kunstaktivistin Bermet Borubajewa ihre Kandidatur für die <a href="https://www.facebook.com/%D0%9F%D0%B0%D1%80%D1%82%D0%B8%D1%8F-%D0%BA%D0%BE%D0%BC%D0%BC%D1%83%D0%BD%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%BE%D0%B2-%D0%9A%D1%8B%D1%80%D0%B3%D1%8B%D0%B7%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B0-_official-109705724496126/photos/122752276524804">Kommunistische Partei Kirgistans</a> erklärt. Im Videointerview mit Novastan erklärt sie, was sie dazu bewegt hat, und was für sie die brennendsten Fragen der Stadtpolitik sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan.org: Wer bist Du und warum bist Du politisch aktiv?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bermet Borubajewa: Ich heiße Bermet Borubajewa und bin Kandidatin für den Bischkeker Stadtrat für die Kommunistische Partei Kirgistans. Ich habe hier an der Slawischen Universität studiert, danach habe ich die <a href="https://www.hse.ru/en/">Higher School of Economics</a> in Moskau abgeschlossen, mit einer Spezialisierung in staatlichem Management der städtischen Ökologie. Für mich ist es sehr wichtig, die Beteiligung der Einwohner in den Angelegenheiten der Stadt zu fördern.</p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Für die Kommunisten in den Stadtradt von Bischkek - Interview mit Bermet Borubajewa" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/zSEXsKTeKCI?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption>Interview mit Bermet Borubajewa (deutsche Untertitel aktivieren)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Also, ich habe in Moskau studiert, habe dort als Assistentin des Generaldirektors der <a href="https://www.instagram.com/cci_fabrika/?hl=en">TsTI Fabrik</a> (Zentrum für künstlerische Initiativen, Anm. d. Red.) gearbeitet. Dann wollte ich mich aber selbst in Kunst und Forschung weiterentwickeln. Ich habe mich für die Rechte von Arbeitenden aus Zentralasien eingesetzt &#8211; ihr wisst in welchen schwierigen Lagen diese sich befinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann kam ich wieder nach Bischkek, eigentlich nur für zwei Monate, um meine Familie zu sehen und an einer Ausstellung meiner Kollegen des <a href="https://ci.kg/en">Ci-Laboratoriums</a> teilzunehmen. Ich erfuhr, dass die Stadt von einem unheimlichen toxischen Smog befallen ist, dass sie weltweit auf dem ersten Platz bei der Luftverschmutzung stand &#8211; für mich war das ein Schock. Ich begann, Protestaktionen und Flash-Mobs zu organisieren. Wlad Uschakow (Bischkeker Fotograf und Aktivist, Anm. d. Red.) ist mit der Initiative <em>„Sorokmatov potuschi“ &#8211; jetzt „Dschaparowitsch potuschi“: Wir fordern von den Behörden, dass sie die städtische Müllablage schließen</em> zu uns gestoßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so bin ich einfach in Bischkek geblieben, denn für mich ist der Erhalt der Stadt sehr wichtig. Ich fühle, dass ich dafür alle Kompetenzen haben: analytische Fähigkeiten, juristische Kenntnisse &#8211; ich verteidige eben die Position der Einwohner. Wir haben hier mit Kollegen auch die Bischkeker Schule für Zeitgenössische Kunst gegründet, worüber ich mich sehr freue. Und ich führe schon lange Foodsharing Projekte in Bischkek. Wir einigen uns mit Geschäften, dass sie ihre überschüssigen Lebensmittel nicht wegwerfen, sondern zum Beispiel an ein Zentrum für Obdachlose, andere soziale Zentren oder an Kinder aus Großfamilien geben. Ich bin bereit, all diese Projekte weiterzuführen, aber ich denke dafür braucht es zusätzliche Ressourcen, wie ein Mandat im Stadtrat.&nbsp; </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie steht es um Bischkek heute? Was möchtest Du verändern?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bischkek, oder auch Frunse (der Name der Stadt zwischen 1926 und 1991), wurde in der Sowjetunion errichtet: Sowjetische Planung und Gebietseinteilung. In den vergangenen 30 Jahren wurden aber keine gesellschaftlichen Räume vom Staat gebaut. Das Bauwesen wird nicht reguliert. Zum Beispiel kann heute in jedem Innenhof ein neues Gebäude errichtet werden, auch ohne das Einverständnis der Einwohner. Dabei können aber auch die Käufer Probleme bekommen, denn sie erhalten meist keine Eigentumserklärung. An diesen Punkten bilden sich bereits Konflikte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb braucht es eine sehr starke Kontrolle darüber, was in der Stadt passiert. Ich denke, es braucht starke städtische Behörden. Die heutigen Abgeordneten des Stadtrats vertreten die Interessen von Eliten, von Bauherren. Viele sind selbst in diesem Geschäft, oder auch ihre Verwandte. Die Interessen der Einwohner werden dabei vollkommen außer Acht gelassen. Schauen wir beispielsweise auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Ich habe eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt: Wir haben 11 ÖPNV-Linien mit 100 Bussen und 100 Trolleybussen. Das kann für eine Millionenstadt nicht sein, eine riesige Megapolis, die sich dynamisch entwickelt. Wir haben keine Strategie für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs. Es braucht eine komplexe Planung für die ÖNPV-Entwicklung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sagt uns, es gibt kein Geld. Aber es ist Geld da! Es sind öffentliche Gelder, aber alles wird für andere Bedarfe ausgegeben. Es geht nicht darum, dass es kein Geld gibt, sondern darum, wie es verteilt wird. Daher denke ich, meine Aufgabe und die meiner Kollegen, die der Einwohner ist es, die Stadt und das Stadtbudget entsprechend der Interessen der Einwohner zu planen und zu verwenden, für ihren Zugriff auf öffentliche Güter. Wir haben ein großes Problem mit Obdachlosigkeit. Warum lösen wir Parkplatzprobleme und weitere Fragen, die nicht unmittelbar mit Menschenleben zu tun haben. Menschen erfrieren und sterben auf der Straße. Warum können wir keine Bedingungen schaffen, um dieses Problem irgendwie zu lösen? Das Problem ist, dass der aktuelle Bischkeker Stadtrat nicht die Interessen der Menschen vertritt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was forderst Du? Was ist deine Idee einer neuen Stadtverwaltung?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Stadtverwaltung ist fast immer eine politische Frage. Unsere erste Forderung ist, dass der Bürgermeister gewählt wird. Aktuell werden Bürgermeister einfach ernannt und wieder ihres Amtes enthoben. Sie sind vor allem Handlanger der Regierung. Wir müssen erreichen, dass die Einwohner selbst entscheiden, wer Bürgermeister wird. Das ist der erste Punkt auf der Agenda, dank dem wir auf politischer Ebene die Stadtverwaltung angehen können. Wenn die Einwohner den Bürgermeister wählen würden, dann wäre es schwerer, ihn zu entlassen, und er müsste unabhängiger sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Probleme in der Stadt sind bekannt: der ÖPNV oder das Problem mit dem unkontrollierten Bauwesen. Das betrifft nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Generalstaatsanwaltschaft und andere staatliche Organe, die ständig versuchen, sich gegenseitig zu decken, zu schützen. Und ein weiteres allen bekanntes Problem ist der Bischkeker Smog. Auch das ist eine Angelegenheit für den Stadtrat. Was heute passiert ist das Ergebnis von 30 Jahren inkompetenter Stadtverwaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-nebel-ueber-der-stadt-der-smog-in-der-oeffentlichen-debatte-in-bischkek/">Der Nebel über der Stadt &#8211; Der Smog in der öffentlichen Debatte in Bischkek</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei werden die Interessen der Einwohner dem Profit von manchen Businessprojekten geopfert. Ökologische Standards werden einfach ignoriert, das führt zu solchen Ergebnissen. Wenn wir jetzt aber keine Lösung für diese Problemkomplexe erreichen, wird sich alles nur noch verschlimmern. Verschiedene Lungenkrankheiten, Herzkrankheiten, Allergien, Krebs, haben alle mit der schädlichen Umwelt zu tun. Wir bekommen eine riesige Anzahl an Umweltflüchtlingen, die einfach wegziehen müssen, weil sie nicht atmen können. Junge Spezialisten, die eigentlich froh wären, hier zu arbeiten, ziehen ins Ausland. Und nicht alle Betroffenen können einfach umziehen. Der Smog ist wie ein unsichtbarer Mörder. Das Schlimmste ist das sogar wir als gesunde Menschen unsere Zukunft riskieren, indem wir uns ständig in dieser Umwelt befinden. Daher muss die Stadtverwaltung das Problem lösen, und es grundlegend lösen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum hast Du dich für die Kommunisten entschieden?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, viele waren komplett überrascht von meiner Entscheidung, für die Kommunistische Partei anzutreten. Aber wie ich schon gesagt habe: Die Stadt wurde von Kommunisten gebaut. Und ich bin der Ansicht, dass ich eben mit dieser Partei bereit bin, an den Wahlen teilzunehmen. Denn mit anderen neoliberalen Parteien könnte ich kaum zusammenarbeiten. Wir haben unterschiedliche Lösungsansätze. Liberale Parteien sagen: Gebt alles der Wirtschaft, möge der freie Markt, die Konkurrenz alle Probleme in der Stadt lösen. Ich bin damit grundsätzlich nicht einverstanden.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Es braucht eine Regulierung von Seiten der Stadtverwaltung und der Einwohner. Wir werden der Wirtschaft seine Arbeit ermöglichen, schaffen dafür die nötigen Bedingungen im Rahmen des Gesetzes. Aber eben die Einwohner stehen in der Priorität. Die lokalen Behörden wurden von den Einwohnern selbst gewählt. Daher hoffe ich natürlich, dass das einen positiven Einfluss auf das Ergebnis der Wahl haben wird. Ich unterstütze diese Partei in vollem Verständnis, denn ich bin auch Teilnehmerin von <a href="https://kyrgsoc.org/">KyrgSoc</a>. Das ist eine Marxistische Gruppe, in der wir Fragen rund um Arbeit und Kapital erörtern. Ich beschäftige mich damit also schon lange, und werde es auch weiterhin tun.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Interview: Lilit Dabagian<br>Video: David Leupold</strong></p>


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		<title>Der Ural – ein Fluss verschwindet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Feb 2021 11:27:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als vier Millionen Menschen in Kasachstan und Russland leben im Becken des Urals und k&#xF6;nnen beobachten, wie der Fluss immer seichter wird. Als Hauptursache benennen WissenschaftlerInnen den Menschen. Ist das Schicksal des Urals noch zu retten?</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Mehr als vier Millionen Menschen in Kasachstan und Russland leben im Becken des Urals und können beobachten, wie der Fluss immer seichter wird. Als Hauptursache benennen WissenschaftlerInnen den Menschen. Ist das Schicksal des Urals noch zu retten? Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf </strong><a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html"><strong>Vlast</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alexander <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Чибилёв,_Александр_Александрович">Tschibiljow (rus)</a> aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orenburg">Orenburg</a> ist ein einer der anerkanntesten Wissenschaftler und weiß alles über die Ökologie des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural_(Fluss)">Urals</a>. Oder fast alles. Seit den 80er Jahren erforscht er den Zustand des Flusses und ist Autor vieler dem Ural gewidmeter, wissenschaftlicher Arbeiten. Dennoch antwortet Tschibiljow auf solche Komplimente: <em>&#8222;Wenn ich gefragt werde, was zu tun ist, weiß ich eher, was nicht zu tun ist, da ich frühere Fehler analysieren kann.&#8220;</em></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Fehler gab es laut dem Akademiker einige: Da wäre die Urbarmachung von ertragsarmen Böden, die jetzt das gesamte Becken des Urals schädigt. Da wäre der Iriklinsker Stausee, der rund 100 Kilometer nördlich der russisch-kasachstanischen Grenze für ein Wasserkraftwerk angelegt wurde. Und da war der Bau von Industriebetrieben, die sogar nach ihrer Schließung weiterhin die Gewässer vergiften.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Niemand hat die möglichen Schäden dieser Eingriffe berechnet. Die Schadstoffe, die in die Gewässer gelangt sind, haben sich in den Sedimenten angesammelt, und wir wissen nicht, wie viele es sind. Dieses Vermächtnis ist eine Zeitbombe. Jetzt ernten wir die Früchte des menschlichen Handelns im 20. Jahrhundert. Und der ökologische Schaden wird von Jahr zu Jahr größer“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="944" height="812" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22.png" alt="" class="wp-image-25504" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22.png 944w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22-300x258.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22-768x661.png 768w" sizes="auto, (max-width: 944px) 100vw, 944px" /><figcaption class="wp-element-caption">Alexander Tschibiljow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt nur vorläufige, sehr ungenaue Berechnungen über das Ausmaß der industriellen Verschmutzung am Ural. 2017 veröffentlichte eine Gruppe kasachstanischer und russischer Wissenschaftler &#8211; A. Keńshimonov und M. Shortanbaev sowie J. Nesterenko und S. Lewykin &#8211; um Herausgeber S. Achmetow  einen Sonderbericht mit vorläufigen Forschungsergebnissen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Bericht heißt es: <em>„Im Becken des Urals haben sich 20 Milliarden Tonnen (!) Industrieabfälle angesammelt. Die angegebene Menge umfasst auch Abfälle aus Anreicherungsanlagen und Gestein aus </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschluss_(Bergbau)"><em>Aufschlussarbeiten</em></a><em>.“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-25503" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Becken des Urals ist dabei das gesamte Einzugsgebiets des Ural und seiner Nebenflüsse zu verstehen. Insgesamt münden in den Ural 58 Nebenflüsse, von denen die größten die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sakmara">Sakmara</a>, der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilek_(Fluss)">Ilek</a> und der Tschagan sind. Seit dem Bau des Iriklinsker Stausee am Oberlauf des Urals stammen 80 Prozent seines Wassers aus der Sakmara.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Staudämme sind nicht das einzige Problem</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Allgemeinen dient der Betrieb von Wasserreservoirs nicht dem Ziel, das Ökosystem des Flusses zu erhalten. Viele Reservoirs, die im oberen und mittleren Teil des Beckens gebaut werden, werden ineffizient genutzt. Sie müssen überprüft werden“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch beeinflussen Dämme und Stauseen wirklich den Rückgang des Wasserspiegels im Fluss? Derzeit sind es vor allem Stauseen im Flussbett des Urals und seiner Nebenflüsse, die als einer der Gründe für die Austrocknung des Flusses ausgemacht werden. Nach Angaben Tschibiljows beobachtet man seit den 70er Jahren den sinkenden Ural-Pegel &#8211; genau seit jener Zeit, als mit dem Bau von Wasserkraftwerken und großen Stauseen im Oberlauf des Urals begonnen wurde. Heute gibt es neben dem Iriklinsker im Ural-Becken zwölf große Stauseen, von denen jeder ein Volumen von mindestens zehn Millionen Kubikmeter Wasser umfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/">Die fünf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die bilaterale Kommission für Probleme an grenzüberschreitenden Flüssen hat die Erhaltung des Flusses zum Ziel erklärt. Aber wie will man ihn erhalten, wenn wir in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baschkortostan"><em>Baschkirien</em></a><em> Stauseen bauen, wo sich die Abflussmenge generiert? Die </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga"><em>Wolga</em></a><em> existiert nicht mehr, stattdessen eine Kaskade von Stauseen. Der obere Abschnitt des Ural ist zu einem Drittel reguliert. Viele Jahre lang hatte der Ural gegenüber allen nach Süden fließenden Flüssen der europäischen Ebene (</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Don_(Asowsches_Meer)"><em>Don</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dnepr"><em>Dnjepr</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dnister"><em>Dnjestr</em></a><em>, Wolga) den Vorteil, dass es im unteren und mittleren Lauf keine Stauseen und Dämme gab“</em>, erklärt Tschibiljow weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Vorschlag zur Rettung des Ural ist, Geld für die Vertiefung des Flussbettes zuzuweisen. WissenschaftlerInnen aber lehnen dies grundsätzlich ab, nennen die Flussbettvertiefung ein Abenteuer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-25502" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Davon, dass wir das Flussbett vertiefen, wird sich die Menge des Wassers nicht ändern. Zur gleichen Zeit gibt es ein Problem mit der Verschmutzung des Flussbetts – Baumstämme verursachen Stauungen von Algen und Schlamm. Aber in der Natur, in der natürlichen Umgebung, gibt es viele Mechanismen, die funktionieren. Ein natürliches Frühlingshochwasser spült zum Beispiel Stauungen durch umgestürzte Bäume weg und verwischt Sandinseln und Überläufe. Eine große Anzahl von Blaualgen, deren Auftreten wir Menschen negativ wahrnehmen, reinigt das Wasser tatsächlich gut von industriellen Verunreinigungen“</em>, sagt Serik Hairov, Leiter des wissenschaftlichen und technischen Labors für Wasserressourcen im Ural-Kaspischen Becken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Global denken, lokal handeln</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Galidolla Asidullin, Leiter der Ural-Kaspischen Wasserinspektion, ist ebenfalls skeptisch gegenüber der Idee, das Flussbett künstlich zu säubern. Seiner Meinung nach sei dies unglaublich teuer und sinnlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In der Tat ist es notwendig, die Kanäle und Nebenflüsse, die in den Ural fließen, zu säubern. Wir haben den Ural-Kuschum-Kanal untersucht und das Gesehene ist sehr deprimierend, da zahlreiche Staudämme und Stauseen den Wasserfluss praktisch gestoppt haben. Infolgedessen wächst das Kanalbett mit Schilf und Algen zu. Es fließt kein Wasser ab. Das gleiche geschieht mit Betten kleinerer Flüsse im Ural-Becken – Barbastau, Derkul, Großer und Kleiner Usen. Das heißt, die Hälfte dieser kleinen Flüsse bringt ihr Wasser nicht mehr in den Ural. Kein Wunder, dass der Ural-Pegel fällt“</em>, erklärt Asidullin.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="943" height="652" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb.png" alt="" class="wp-image-25501" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb.png 943w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb-300x207.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb-768x531.png 768w" sizes="auto, (max-width: 943px) 100vw, 943px" /><figcaption class="wp-element-caption">Galidolla Asidullin</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Alexander Tschibiljow hält es für falsch, die Austrocknung des Ural ausschließlich mit den Wasserreservoirs zu verbinden. Langjährige Beobachtungen zeigten, dass es vor dem Bau des Stausees auch Jahre mit viel und wenig Wasser gab. Diese Perioden erfolgten in Zyklen und ständen in enger Beziehung zum Klimawandel, so der Forscher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Klimafaktor beeinflusst den Ural in einem globaleren Sinne: das Schmelzen der Polarkappen. Nach Ansicht mehrerer WissenschaftlerInnen kühlten Eisberge, die von Polargletschern abfallen, die warmen Meeresströmungen im Nordatlantik ab, die wiederum das Wetter bis nach Eurasien beeinflussen. Alexander Tschibiljow weist auch darauf hin, dass der globale Klimawandel alle Flüsse in der Mitte Eurasiens beeinflusst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/">Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es muss anerkannt werden, dass die wahren Ursachen und das Ausmaß des globalen Klimawandels trotz zahlreicher Daten und Prognosen schlecht untersucht sind. Eines ist sicher, dass diese Veränderungen in der mittleren Region Eurasiens, wo sich das Becken des Flusses Ural befindet, besonders empfindlich ist. Der Don, der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kuban"><em>Kuban</em></a><em>, der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Terek"><em>Terek</em></a><em>, die Wolga und der Ural leiden unter Niedrigwasser. Und im </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Altai"><em>Altai</em></a><em> und östlich davon, einschließlich dem </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amur"><em>Amur</em></a><em>-Becken, gibt es katastrophale Überschwemmungen. Die klimatischen Veränderungen sind nicht ausreichend untersucht, auch weil der Großteil der Oberfläche unseres Planeten vom Ozean mit seinen Strömungen eingenommen wird, welcher viel weniger erforscht ist als das besiedelte Land“</em>, meint Tschibiljow.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Ural wird leergetrunken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung am Ural erregen auch deshalb Aufmerksamkeit, weil sie mit bloßem Auge sichtbar sind. Laut Statistik leben über die gesamte Länge des Urals – von den Ausläufern des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural">Uralgebirges</a> in Baschkirien bis zu seiner Mündung ins Kaspische Meer &#8211; rund 4,2 Millionen Menschen. Sie sehen nicht nur, was mit dem Fluss passiert, sondern sind auch der Hauptgrund für die auftretenden Veränderungen. Sie nutzen den Fluss und verbrauchen Wasser. Offizielle Dokumente benennen Wasserverbrauch und Wassernutzung als stärksten Einfluss des Menschen auf den Ural.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hinsichtlich des industriellen Wasserverbrauchs aus dem Ural steht es nicht besser. Industrieanlagen, die Wasser aus dem Ural entnehmen, lassen verschmutztes Wasser zurück in den Fluss fließen. <em>„Deshalb müssen wir heute die Wassernutzung den kleinen Ressourcen anpassen, großen Wasserverbrauch vermeiden und uns in Zukunft auf Perioden mit äußerst wenig Wasser einstellen“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kaspisches-meer-niedrigster-wasserstand-seit-30-jahren-gemessen/">Kaspisches Meer: Niedrigster Wasserstand seit 30 Jahren gemessen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er weist auch darauf hin, dass solche extremen Niedrigwasserperioden sowohl in den 20er Jahren als auch 1954-55 beobachtet wurden. 1942 und 1957 verließ der Ural hingegen seine Ufer und zerstörte sogar mit seiner Strömung Eisenbahnbrücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Einzige, wovon ich (trotz des allgemeinen Trends) überzeugt bin, ist, dass es auch noch Jahre mit viel Wasser geben und Uralsk </em>[die Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oral_(Stadt)">Oral</a> in Kasachstan &#8211; Anm. d. Red.] <em>wieder überflutet wird. Und es wird eine Abkühlung geben. Die Natur auf dem Planeten verändert sich ständig. Deshalb spreche ich immer wieder von notwendiger, wissenschaftlicher Begleitung, langen und regelmäßigen Forschungen über das Wiederaufleben des Flusses mit Hilfe der Grundlagenwissenschaft“</em>, fasst Alexander Tschibiljow zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorbild vom Rhein: &#8222;Stör 2050&#8220; am Ural?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ural wurde bis vor nicht allzu langer Zeit als weltweit wichtigster Lieferant von Stör und schwarzem Kaviar angesehen. In den 1970er Jahren machte der schwarze Kaviar aus dem Ural 40 Prozent der Gesamtmenge auf dem Weltmarkt aus. In den 90er Jahren meldeten WissenschaftlerInnen bereits, dass die Zahl der Störe im Fluss seit den 70ern um das 40-fache zurückgegangen sei. Oberhalb von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a> gebe es heute überhaupt keine Störe mehr. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alexander Tschibiljow hatte in den 70er Jahren einen Atlas der Stör-Laichplätze im Ural erstellt. Heute räumt er ein, dass dieser Atlas hoffnungslos veraltet ist. Dennoch schlägt er vor, die Rückkehr des Störs als ein klares Kriterium für die Wiederherstellung des Ökosystems Ural zu betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Wiederherstellung der Stör-Population ist eher ein Orientierungspunkt, vielleicht sogar ein utopisches Ziel. Aber die Anwesenheit des Störs im Fluss ist ein Indikator für dessen ökologischen Zustand. Wenn es im Fluss eine beträchtliche Anzahl von Stören gibt, dann heißt das, dass der Fluss sich erholt. Wie zum Beispiel der Rhein, der in den 1960er Jahren der am meisten verschmutzte Fluss Europas war. Es wurde das Programm &#8218;Lachs-2000&#8216; gestartet und der Lachs kehrte zurück, wenn auch nicht in gewerblichem Ausmaß“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-25500" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wissenschaftler schlägt Behörden in Russland und Kasachstan  konkrete Schritte zur Rettung des Ural vor: <em>„Ja, beide Staaten geben riesige Summen für die Wiederherstellung des Ural aus. Aber es genügt ein kurzer Überblick über die Ausgaben, um zu verstehen, dass dieses Geld keine Wirkung haben. Wir haben viel Geld für Konferenzen, Runde Tische und Foren, aber sehr wenig für konkrete Handlungen ausgegeben. Meiner Meinung nach muss das Potenzial der Behörden darauf gerichtet werden, dem Ural einen besonderen Status zu verleihen“</em>, so Tschibiljow weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Ural und seine Nebenflüsse tragen eine einzigartige biologische und landschaftlichen Vielfalt. Sie sind Wasser- und Freizeitressourcen und auf dem Abschnitt von Uralsk bis ans Kaspische Meer sind sie fast die einzige Quelle des Lebens. Wir brauchen den besonderen Status eines Naturschutzgebiets. Zumindest für einig Abschnitte der Flüsse: die Ursprünge des Oberlaufes mit einer Fülle von Quellen, die Schluchten mit ihren Bergflüssen und die Täler mit reichlich Auenwäldern und Seen &#8211; Lebensräume seltener Arten, Laichplätze wertvoller Fischarten und so weiter.&#8220;</em></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In einigen Ländern gibt es die Kategorie besonders geschützter Flüsse. In der Sowjetzeit hatte der Abschnitt des Urals von der Mündung des Barbastau bis zum Kaspischen Meer den Status einer &#8218;Schutzzone&#8216;. In den 1980er Jahren hatten wir die Verlängerung dieser Schutzzone bis zur Mündung des Ilek geplant. An einem besonderen Status unseres Flusses muss auch die russisch-kasachstanische Kommission arbeiten, warum ist sie sonst geschaffen worden?“</em>, schließt Tschibiljow.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder gibt es im <a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html">Originalartikel</a> zu sehen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Das Projekt „Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </strong></em><a href="https://medialaw.kg/"><strong><em>Zentrums für Medien-Entwicklung</em></strong></a><em><strong> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </strong></em><a href="https://anhor.uz/"><strong><em>Anhor.uz</em></strong></a><em><strong> (Usbekistan), </strong></em><a href="https://asiaplustj.info/"><strong><em>Asia-Plus</em></strong></a><em><strong> (Tadschikistan) und </strong></em><a href="https://vlast.kz/"><strong><em>Vlast</em></strong></a><em><strong> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </strong></em><a href="https://www.n-ost.org/"><strong><em>n-ost</em></strong></a><em><strong> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </strong></em><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><strong><em>MediaNet</em></strong></a><em><strong> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lukpan Ahmedıadov und Raul Uporov <a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html">für Vlast</a></strong><a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html"></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Der ökologische Fußabdruck der neuen Seidenstraße – ignoriert und vergessen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rshakibaie]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2020 16:36:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Belt and Road Initiative]]></category>
		<category><![CDATA[BRI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Umweltauswirkungen der neuen Seidenstra&#xDF;e, des gro&#xDF;en chinesischen Infrastrukturprojekts, werden zu oft &#xFC;bersehen. Viele NGOs sind alarmiert: Die Investitionen Chinas halten die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung zur Eind&#xE4;mmung des Klimawandels nicht ein. Es scheint, die meisten zentralasiatischen Staaten freuen sich &#xFC;ber ihre Teilnahme am ehrgeizigen Projekt der neuen Seidenstra&#xDF;e, die auch als Belt and Road [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die Umweltauswirkungen der neuen Seidenstraße, des großen chinesischen Infrastrukturprojekts, werden zu oft übersehen. Viele NGOs sind alarmiert: Die Investitionen Chinas halten die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung zur Eindämmung des Klimawandels nicht ein.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Es scheint, die meisten zentralasiatischen Staaten freuen sich über ihre Teilnahme am ehrgeizigen Projekt der <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-neue-seidenstrase-ein-stand-der-dinge/?noredirect=de_DE">neuen Seidenstraße</a>, die auch als Belt and Road Initiative (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/One_Belt,_One_Road">BRI</a>) bekannt ist. Ziel des 2013 ins Leben gerufenen Instrastrukturprojekts ist es, China sowohl auf dem Schienen- als auch auf dem Seeweg mit Europa und Afrika zu verbinden. Innerhalb weniger Jahre überstieg die BRI ihre eigenen Ansprüche und entwickelte sich zum Vorzeigeprojekt des chinesischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><strong> <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-die-neue-seidenstrae-zentralasien-verndern-wurde/">Wie die „neue Seidenstraße“ Zentralasien verändern würde</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">ExpertInnen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft der teilnehmenden Staaten äußern jedoch Bedenken im Hinblick auf die Umweltauswirkungen der chinesischen Investitionsprojekte. Während des <a href="https://livingasia.online/2020/05/26/ekologicheskie-aspekty-proektov-poyas-i-put/">Webinars</a> „Umweltaspekte der BRI in Zentralasien“, das am 3. Juni von der kasachischen NGO „Sozial- und Umweltfonds“ organisiert wurde, gaben UmweltaktivistInnen aus vier zentralasiatischen Staaten Anschauungsbeispiele negativer Auswirkungen der Initiative.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein „Krieg gegen die Umweltverschmutzung“?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2014 erklärte China einen „<a href="https://www.reuters.com/article/us-china-parliament-pollution/china-to-declare-war-on-pollution-premier-says-idUSBREA2405W20140305">Krieg gegen die Umweltverschmutzung</a>“. Ein ehrgeiziges Engagement, das sich in der Verabschiedung strengerer <a href="https://ccbc.com/ccbc-policy-reports/china-introduces-more-stringent-environmental-laws-and-regulations/">Umweltstandards</a> für die Industrie verdeutlichte. Die Kampagne führte zur <a href="https://www.lefigaro.fr/conjoncture/2018/07/30/20002-20180730ARTFIG00058-chine-pekin-va-fermer-un-millier-d-usines-d-ici-a-2020.php">Schließung</a> tausender Fabriken. China ist nach wie vor an der Gewinnung von Rohstoffen interessiert, deren Erschließung die Umwelt und die Gesundheit der beteiligten Menschen beeinträchtigt. Nicht nur der Bau von Schienen und Straßen, sondern auch diese Art der Investition ist Teil der BRI.</p>
<p style="text-align: justify">Die Zementproduktion ist ein typisches Beispiel für umweltschädliche Produktionsstätten, die China nach Zentralasien <a href="https://chinadialogue.net/en/pollution/9174-china-shifts-polluting-cement-to-tajikistan/">verlagert</a>. „In Tadschikistan sind 85% der Anteile an den 18 Zementwerken des Landes in der Hand chinesischer Investoren. Ihre ausgestoßenen Schadstoffe färben die Kleidung der Bewohner der umliegenden Dörfer schwarz“, schildert Umidjon Ulugov, Projektleiter der NGO <a href="https://www.facebook.com/javononipeshsaf">Pehsaf</a> und Teilnehmer des Webinars „Umweltaspekte der BRI in Zentralasien“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-neue-seidenstrase-ein-stand-der-dinge/">Die Neue Seidenstraße: Ein Stand der Dinge</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Evgeny Simonov, Koordinator des in Russland gegründeten und im ganzen postsowjetischen Raum aktiven Vereins „<a href="https://riverswithoutborders.org/">Flüsse ohne Grenzen</a>“, erwähnt in seiner <a href="https://www.sibreal.org/a/30583974.html">Kolumne</a> für Sibreal (sibirischer Zweig des US-amerikanischen Mediums RFE/RL) 60 Investitionen, die ein Risiko für die Umwelt darstellen. Zwölf von ihnen gefährden UNESCO-Weltkulturerbestätten. 34 von ihnen bedrohen Naturschutzgebiete, in denen insgesamt 600 Arten an Flora und Fauna ansässig sind. Für keines der Projekte wurde die lokale Bevölkerung konsultiert. Dennoch steht mit 49 Projekten die überwiegende Mehrheit jener Investitionen im Konflikt mit lokalen Behörden und indigenen Völkern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unzureichende Mechanismen gegen umweltschädliche Produktionen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die BRI als Ganzes wird ohne strategische Umweltprüfung zur Evaluation ökologischer und sozioökonomischer Auswirkung entwickelt und umgesetzt. Zwar führte China Anlagestandards für die Projekte der BRI ein, doch handelt es sich hierbei lediglich um Empfehlungen, so Evgeny Simonov während des Webinars. Die BRI unterliegt weder einer Umweltbehörde, noch einer dediziert „grünen“ Politik. Die Korridore der BRI werden ohne vorherige strategische Planung festgelegt. Eine Gesamtübersicht über die kumulierten Umweltauswirkungen bleibt aus, wie der Experte feststellt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mogherini-die-neue-seidenstrase-ist-eines-der-wichtigsten-infrastrukturprojekte/">Mogherini: Die Neue Seidenstraße ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In Zentralasien haben Umweltphänomene oftmals grenzüberschreitende Auswirkungen, so Natalia Schulepina, eine für Sreda.uz tätige und auf Umweltanliegen spezialisierte usbekische Medienjournalistin, während ihres Vortrags für das Webinar. Sie nennt als Beispiel die Mehrzweckproduktionsstätte von Peng Sheng. 70 Kilometer von Taschkent entfernt wird von der mit chinesischen Technologien ausgestatteten 102 Hektar großen Arbeitsfläche aus ein Nebenfluss des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarjas</a> verschmutzt. Nach <a href="https://web.archive.org/web/20190119104044/http:/sreda.uz/rubriki/voda/naskolko-effektivna-ohrana-prirody-v-uzbekistane/">Aussage</a> der Journalistin wird das von der Produktionsstätte in den Fluss geleitete Brackwasser zur Wasserversorgung benachbarter Ortschaften verwendet. Industrielle zogen es jahrelang vor, Geldstrafen zu zahlen, anstatt ihre Wasseraufbereitungssysteme zu modernisieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unfähigkeit oder Unwillen: Sind lokale Behörden das eigentliche Problem?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Teilnehmenden des Webinars sind sich einig, dass das Problem weniger böse Absichten der chinesischen Investoren, sondern vielmehr die Unfähigkeit bzw. Unwilligkeit lokaler Behörden in den Partnerländern der BRI ist. Wie Natalia Schulepina festellt, wurden in Usbekistan außerplanmäßige Inspektionen von Unternehmen mit dem 1. Januar 2017 <a href="http://uztag.info/ru/news/s-1-yanvarya-2017-goda-v-uzbekistane-otmenili-vse-vidy-vneplanovykh-proverok-predprinimateley">abgeschafft</a>, um ihre Machenschaften nicht zu behindern.</p>
<p style="text-align: justify">Die Staaten Zentralasiens sind nicht bereit, die erforderlichen rechtlichen und institutionellen Anstrengungen zu unternehmen, um ein ökologisches Mindestmaß bei Neubauprojekten zu gewährleisten, so Vadim Ni vom kasachischen „Sozial und Umweltfonds“. „Die Bevölkerung wird nicht ausreichend über die Auswirkungen der Projekte informiert. Regierungen bieten keine Unterstützung für Protestaktionen der Bevölkerung. Bei den wenigen Bauprojekten in Kasachstan, bei denen die Meinungen der lokalen Bevölkerung eingeholt wurde, wurden die Ergebnisse verzerrt dargestellt“, bedauert Vadim Ni. In Kasachstan sind insgesamt 55 chinesische Investitionsprojekte <a href="https://chinadialogue.net/en/energy/11613-half-china-s-investment-in-kazakhstan-is-in-oil-and-gas-2/">geplant</a>, von denen die meisten den Ausbau konventioneller Energieressourcen fördern sollen. Lediglich zehn von ihnen fördern erneuerbare Energien.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wohin-fuehrt-die-neue-seidenstrasse-ueber-die-chancen-und-risiken-von-one-belt-one-road/">Wohin führt die Neue Seidenstraße? Über die Chancen und Risiken von „One Belt, One Road“</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Korruption ist eine weitere Hürde für die Ökologisierung der BRI, so die Teilnehmenden des Webinars. So unregelmäßig und lax Umweltinspektionen an den Baustandorten auch sind, selbst diese Ergebnisse werden verfälscht oder gar ganz unter den Teppich gekehrt. Skrupellos verletzen Industrielle ökologische und hygienische Standards und verfassen beschönigende Berichte.</p>
<p style="text-align: justify">Am Beispiel der kirgisischen Goldindustrie, an der auch eine Reihe chinesischer Investoren beteiligt ist, weist Oleg Peschenjuk von der kirgisischen NGO „Unabhängige Umweltexpertise“ auf Probleme der Korruption und Schattenwirtschaft hin. Während des Webinars wurde die Ansicht des Experten deutlich, dass ein mangelnder Austausch zwischen Unternehmen und lokaler Bevölkerung die Ursache für die teils gewalttätigen Proteste der Anwohner sind. So wurde im Sommer 2019 die sich in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Naryn">Naryn</a> befindende und von der Firma „Zhong Ji Mining“ betriebene Mine Solton-Sary beschuldigt, durch Umweltverschmutzungen den Tod von Rindern verursacht zu haben. Nach einem Zusammenstoß mit Dorfbewohnern wurden etwa 20 chinesische Minenarbeiter ins Krankenhaus eingeliefert. Daneben befand sich die Minenverwaltung Anfang des Jahres im Zentrum eines <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-die-leitung-der-umstrittenen-goldmine-solton-sary-wegen-diebstahl-festgenommen/?noredirect=de_DE">Betrugs- und Korruptionsskandals</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ökologischer Aktivismus im Schatten geopolitischer Spiele</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zwischen den gewaltsamen Zusammenstößen, den Petitionen und offenen Briefen an die Regierung zielen die Reaktionen der Zivilbevölkerung darauf ab, die nationalen Behörden auf ihre Verbandelung in den chinesischen Investitionen aufmerksam zu machen. Investitionen sind schließlich auch politisch und gehen über rein wirtschaftliche Interessen hinaus.</p>
<p style="text-align: justify">Der Kampf um die Ökologisierung der neuen Seidenstraße erfordert vor allem politische Reformen, die die Korruption bekämpfen, Umweltschutz im Gesetz verankern und Umweltkontrollen innerhalb der Unternehmen verbindlich festlegen. Prüfungen des Umweltschutzes fallen schließlich nicht in die Zuständigkeit der Investoren, sondern in die der staatlichen Behörden, so Evgeny Simonov während des Webinars „Umweltaspekte der BRI in Zentralasien“.</p>
<p style="text-align: justify">Eine grenzüberschreitende Koordinierung ökologischer Bemühungen der Zivilgesellschaft ist, genau wie ein zwischenstaatlicher Umweltschutz, eine ambitionierte Herausforderung für die Region, in der Naturräume durch willkürliche Grenzziehungen geteilt wurden. Die zentralasiatische Zivilgesellschaft bereitet sich auf den Dialog mit ihren jeweiligen Regierungen und mit chinesischen Unternehmen vor. Webinare, wie das hier im Artikel beschriebene, bringen Menschen zusammen und schulen sie im Hinblick auf ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Es werden Verbände wie „<a href="http://greensilkroad.net/">Die grüne Seidenstraße</a>“ mit dem Ziel gegründet, zivilgesellschaftliche Bemühungen zu koordinieren und Druck auf Unternehmen und staatliche Institutionen auszuüben.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Anna Chtorkh</strong><strong>, Redakteurin für Novastan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Robin Shakibaie</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Der Nebel über der Stadt: Der Smog in der öffentlichen Debatte in Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Arnaud Muller]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2019 04:43:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Luftverschmutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Luftverschmutzung ist ein immer dringenderes Thema in Kirgistan. W&#xE4;hrend die Hauptstadt Bischkek in dichtem Nebel liegt, organisiert sich die Reaktion auf den Smog unter &#xF6;kologischen Aktivisten. Es ist Smogzeit in der kirgisischen Hauptstadt. Der dichte Nebel aus f&#xFC;r die Gesundheit und die Umwelt sch&#xE4;dlichen Luftverunreinigungen ist ein Merkmal des Winters in Bischkek. Von Oktober bis [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Luftverschmutzung ist ein immer dringenderes Thema in Kirgistan. Während die Hauptstadt Bischkek in dichtem Nebel liegt, organisiert sich die Reaktion auf den Smog unter ökologischen Aktivisten. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist Smogzeit in der kirgisischen Hauptstadt. Der dichte Nebel aus für die Gesundheit und die Umwelt schädlichen Luftverunreinigungen ist ein Merkmal des Winters in Bischkek.</p>
<p style="text-align: justify">Von Oktober bis März vervielfachen sich die Schlagzeilen zu dem Thema, Umweltschützer informieren und die lokalen Behörden bemühen sich, per Pressemitteilungen die Bevölkerung zu beruhigen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Smog, ein wichtiges Gesundheitsproblem</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Luft, die die Bewohner von Bischkek atmen, ist voll Feinstaub und krebserregenden Stoffen, deren Konzentrationen häufig die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) <a href="http://apps.who.int/gho/data/view.main.BODAMBIENTAIRDTHS">festgelegten Standards</a> übertreffen. Im Jahr 2016 wurden in Kirgistan fast 3.000 von 100.000 Todesfällen durch Luftverschmutzung verursacht. Laut dem kirgisischen Statistikkomitee ist die Hauptstadt <a href="http://www.stat.kg/media/publicationarchive/69c50a26-74ca-4fe9-8816-26447055f3fb.pdf">für fast die Hälfte</a> der Umweltverschmutzung des Landes verantwortlich.</p>
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<p style="text-align: justify">Die Lage hat manche BürgerInnen dazu bewegt, die Erklärung des Ausnahmezustandes in Bischkek <a href="https://d.docs.live.net/03b7a11af7083334/Documents/136537_smog_vbishkeke_gorojane_prosyat_vvesti_chrezvyichaynoe_polojenie_vstolitse">zu fordern</a>. Umweltgruppen betreiben Informationskampagnen mit Warnungen vor als <a href="https://www.umweltbundesamt.at/pm25/">PM 2,5</a> bezeichneten Feinstaubpartikeln. Diese sind fein genug, um in die Lungenbläschen zu gelangen und kardiovaskuläre Risiken zu erhöhen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Umstrittene offizielle Messungen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch <a href="https://24.kg/obschestvo/136141_vozduh_vbishkeke_sotsseti_polnyi_fotografiy_smoga_ivoprosov_gde_kupit_maski/">in sozialen Medien</a> gibt es viele Berichte über das Thema, so dass einige den Medienhype beschuldigen andere Skandale in den Hintergrund zu drängen, insbesondere den sogenannten <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/korruption-geldwaesche-und-ein-mord-schwerfaellige-ermittlungen-zu-skandal-in-kirgistan/">Matraimow-Skandal</a> zu Korruption in der Zollbehörde.</p>
<p style="text-align: justify">Offizielle Messungen der Luftqualität sind umstritten. Das <a href="http://meria.kg/ru/post/19515?fbclid=IwAR2WMD7XRQ9sjMp9Q30w3VyIfZPGsgyydO0EnZHpTJ7mjpo9kaeEgsX4aKQ">Bischkeker Bürgermeisteramt</a> erklärte Ende November in einer Pressemitteilung, die Luftqualität sei &#8222;mäßig&#8220;, was von den kirgisischen Medien Kloop.kg stark <a href="https://kloop.kg/blog/2019/11/28/meriya-vozduha-soobshhila-ob-umerennom-kachestve-vozduha-no-eto-ne-tak/">kritisiert wurde</a>. Laut dem unabhängigen Medium wurde die Luftqualität von der Schweizer Organisation <a href="https://www.airvisual.com/kyrgyzstan/bishkek">AirVisual</a> zum genannten Zeitpunkt als &#8222;gefährlich für sensible Menschen&#8220; eingestuft.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-grose-herausforderung-haushaltsmull-in-kirgistan/">Die große Herausforderung &#8211; Haushaltsmüll in Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Nationale Umweltschutzbehörde hat ihrerseits Erklärungen von Umweltgruppen wie <a href="http://movegreen.kg/en/">MoveGreen</a> <a href="http://ecology.gov.kg/news/view/id/358">zurückgewiesen</a>, wonach die Luftqualität in Bischkek die Norm <a href="https://24.kg/obschestvo/136524_zagryaznenie_vozduha_vbishkeke_vnekotoryih_rayonah_uroven_prevyishen_v11raz_/">um das Elffache überschritten</a> habe. Smog ist ein immer wiederkehrendes Thema in der öffentlichen Debatte Kirgistans. Mangels konkreter Regierungsmaßnahmen haben sich nun Umweltgruppen des Themas angenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der erste Faktor: die Häufung von Industrie in der Stadt</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Bürger von Bischkek werfen dem riesigen Wärmekraftwerk im Osten der Stadt vor, für den Großteil der Luftverschmutzung verantwortlich zu sein. Das Werk ist der größte Stromerzeuger der Stadt und verbrennt eine Million Tonnen Kohle pro Jahr, um 2.350 Gebäude und 1.840 Wohnungen in der Hauptstadt zu beheizen. Trotz umfangreicher Renovierungsarbeiten im Jahr 2017 hat das Werk weiter mit technischen Problemen zu kämpfen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/starker-frost-in-bischkek-gerade-modernisiertes-heizkraftwerk-fallt-aus/?noredirect=de_DE">Starker Frost in Bischkek – Gerade modernisiertes Heizkraftwerk fällt aus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Standort des Kohlekraftwerks ist ein echtes Problem: Im Jahr 1958 wurde es noch außerhalb der Stadt gebaut, aber das städtische Wachstum hat sie mitabsorbiert, ebenso wie eine beträchtliche Anzahl von weiteren Fabriken. Das Wärmekraftwerk sei aber nur für 14 Prozent der 240.000 Tonnen Schadstoffe verantwortlich, die in die Atmosphäre von Bischkek freigesetzt werden, so der Direktor der Anlage Nurlan Omurkul im Gespräch mit der <a href="https://m.akipress.com/news:600798:Where_does_Bishkek_smog_come_from&amp;/">Presseagentur AKIPress</a>. Der Transport mache hingegen 75 Prozent der Schadstoffemissionen aus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Transportwesen, Hauptquelle der Umweltverschmutzung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch die <a href="http://ecology.gov.kg/news/view/id/359">Agentur für Umweltschutz und Forstwirtschaft</a> sieht im Straßenverkehr den Hauptgrund der Luftverschmutzung. Laut der Schätzung der Behörde ist er für 180.000 Tonnen Schadstoffemissionen verantwortlich. Diese Beobachtung wurde von Umweltschützern weitergegeben, die Fahrzeugüberlastung anprangerten und kürzlich in sozialen Medien einen <a href="https://kaktus.media/doc/402173_ideia_provesti_den_bez_mashin._kak_vygliadiat_dorogi_bishkeka_segodnia.html">autofreien Tag vorschlugen</a>, mit dem Hashtag #Язаденьбезмашины oder &#8222;Ich bin für einen Tag ohne Auto“.</p>
<p style="text-align: justify">Bishkek wurde ursprünglich für den Verkehr von 45.000 Autos pro Tag konzipiert. Im Jahr 2015 wurden 460.000 Autos zugelassen. Dazu gehören eine beträchtliche Anzahl von Gebrauchtwagen und „<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wandel-durch-mobilitat-das-marschrutka-projekt-teil-12/?noredirect=de_DE">Marschrutkas</a>“, Kleinbusse für den städtischen Nahverkehr, die erhebliche Auswirkungen auf die Luftqualität haben. Um die Schadstoffemissionen des Autoverkehrs zu reduzieren, schlugen drei kirgisische Abgeordnete im November vor, die Einfuhr von Elektrofahrzeugen durch steuerliche Anreize <a href="https://kaktus.media/doc/401390_depytaty_reshili_yprostit_vvoz_elektromobiley_chtoby_ylychshit_vozdyh.html">zu vereinfachen</a>. Der kurzfristige Aktionsplan 2019 der Nationalen Umweltbehörde sieht seinerseits eine Reduzierung der Anzahl von Marschrutkas und deren Ersatz durch ein leistungsfähigeres Bussystem vor.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kohleheizung zum Ausgleich der Unzulänglichkeit des städtischen Netzes</strong></p>
<p style="text-align: justify">Neben dem Kraftwerk und dem Straßenverkehr wird die Luftqualität in Bischkek durch den unkontrollierten Stadtwachstum beeinträchtigt. Seit 2010 entstehen am Stadtrand neue Stadtteile: Nowostrojki (Rus. „Neubauten“) sind Orte der spontanen Urbanisierung, an denen sich Migranten aus dem Inland durch Beschlagnahme von Brachflächen niederlassen. Diese Nowostrojki stellen ein großes ökologisches Problem dar: Sie sind nicht an das Gas- und Stromnetz der Stadt angeschlossen und ihre Heizung trägt wesentlich zum Smog bei.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/es-gibt-keinen-bischkeker-buerger-der-filmemacher-eric-abdykalykov-im-gespraech/">&#8222;Es gibt keinen Bischkeker Bürger&#8220; &#8211; der Filmemacher Eric Abdykalykow im Gespräch</a></strong></p>
<p><figure id="attachment_19164" aria-describedby="caption-attachment-19164" style="width: 1197px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-19164" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/12/Bichkek-carte-DE-compressé.jpg" alt="Karte Bischkek Umwelt " width="1197" height="1049" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/12/Bichkek-carte-DE-compressé.jpg 1197w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/12/Bichkek-carte-DE-compressé-300x263.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/12/Bichkek-carte-DE-compressé-768x673.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/12/Bichkek-carte-DE-compressé-1024x897.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1197px) 100vw, 1197px" /><figcaption id="caption-attachment-19164" class="wp-caption-text">Die Stadtplanung und die Konzentration der industriellen Aktivitäten in der Stadt sind Gründe für die hohe Luftverschmutzung in Bischkek.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Im Bezirk Artscha-Beschik, in dem 40.000 Menschen leben, werden nur 6.000 Haushalte mit Gas versorgt. Das im Jahr 2000 beschlossene Verbot der privaten Nutzung von Hochleistungsstrom, auch bekannt als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dreiphasenwechselstrom">Dreiphasenwechselstrom</a> zwingt die Bewohner, auf umweltschädliche Heizquellen zurückzugreifen. Sie verbrennen Kohle, Brennholz, Abfall und <a href="https://kaktus.media/doc/401879_pokryshkami_topiat_bedniaki._inache_pridetsia_merznyt._chem_dyshat_v_chastnom_sektore_video.html">laut manchen Berichten</a> sogar Autoreifen. Die Luftqualität variiert je nach Wochentag: samstags, am „<a href="https://kaktus.media/doc/402023_pechnye_tryby_chastnogo_sektora_v_bannyy_den._prodoljaem_iskat_istochniki_zagriazneniia.html">Badetag</a>“, verschärft die zusätzliche Beheizung von privaten und öffentlichen Bädern (Banjas) die Situation. Um diese Probleme des ungleichen Zugangs zur Wärme zu lösen und die Abhängigkeit von Kohle zu verringern, <a href="https://kaktus.media/doc/401879_pokryshkami_topiat_bedniaki._inache_pridetsia_merznyt._chem_dyshat_v_chastnom_sektore_video.html">erklärte</a> Premierminister <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wer-ist-muchammetkalyj-abylgasijew-der-neue-kirgisische-premierminister/?noredirect=de_DE">Muchammetkalyj Abylgasijew</a> am 29. November, dass die Umstellung auf Gasheizung Priorität habe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Stadtplanung, ein erschwerender Faktor</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der letzte Faktor, der die Situation erklärt, besteht in der Lage von Bischkek, die Luftzirkulation nicht begünstigt und die Opazität des Smog erhöht. Die Luft stagniert aufgrund des Effekts der „<a href="https://www.staedtebauliche-klimafibel.de/?p=6&amp;p2=2.3">urbanen Wärmeinsel</a>“, der durch die Konzentration der industriellen Aktivitäten in der Stadt verstärkt wird: Die Temperaturen sind in der Stadt fünf Grad höher als in der Umgebung, <a href="https://livingasia.online/2016/12/07/bishkek_air/">erklärte</a> der vor kurzem verstorbene Umweltaktivist <a href="https://kloop.kg/blog/2019/08/23/skonchalsya-ekolog-emil-shukurov/">Emil Schukurow</a> bereits vor ein paar Jahren.</p>
<p style="text-align: justify">Andererseits berücksichtigt die Stadtplanung nicht die notwendige Luftzirkulation: Im Südosten der Stadt wurden während der Sowjetzeit die Mikrorajon-Viertel nach dem Windschutzprinzip gebaut. Immer größere Gebäude blockieren den Luftstrom aus den Bergen. Schukurow hatte im November 2018 vorgeschlagen Gebäude zu zerstören, die den Luftstrom blockieren. „<em>Jeden Tag kommt Luft aus den Bergen: Es müssen Luftkanäle geschaffen werden, um die Stadt zu belüften. Es ist notwendig, einige Gebäude zu zerstören. Das wird die Situation erheblich verändern</em>“, erklärte er dem kirgisischen Medium <a href="https://kaktus.media/doc/382927_smog_nad_bishkekom._5_srochnyh_mer_po_borbe_s_zagriazneniem_vozdyha_ot_emilia_shykyrova.html">Kaktus Media</a>.</p>
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<p style="text-align: justify">Die Luftverschmutzung prägt auch die Geographie der Hauptstadt: Der Immobilienmarkt nimmt die Luftqualität als Bewertungskriterium für Wohnraum. Die Wohlhabenderen investieren in den südlichen Stadtteilen, in den Höhen der Ausläufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian Shan</a>, wo die Luft weniger belastet ist.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ökologie kanalisiert politische Mobilisierung</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Bischkek hat sich der Öko-Aktivismus um lokale Themen herum entwickelt, durch eine Protestbewegung gegen das Fällen der Bäume der Stadt im Sommer 2017. Aktivisten hatten jedoch mit abschreckender Repression zu tun. Verbände wie MoveGreen setzen nun auf Informationsstrategien, um die Bevölkerung für Umweltprobleme zu sensibilisieren.</p>
<p style="text-align: justify">Die Regierung hat die Dringlichkeit der Situation <a href="https://kaktus.media/doc/401297_mchs_priznalo_chto_vozdyh_v_bishkeke_zagriaznennyy.html">anerkannt</a> und im Rahmen der Pariser Abkommen den <a href="https://kaktus.media/doc/401826_premer_ministr_nazval_prichiny_zagriaznennogo_vozdyha_v_bishkeke._i_eto_ne_tec.html">Grünen Klimafonds</a> eingerichtet. <em>„In den letzten Jahren ist die Luftverschmutzung in unserem Land, insbesondere in der Stadt Bischkek, zu einem echten Problem geworden und hat große Aufmerksamkeit erregt“</em>, <a href="https://www.gov.kg/ru/post/s/vitse-premer-ministr-altynay-omurbekova-v-dele-borby-s-zagryazneniem-vozdukha-vazhna-konsolidatsiya-usiliy-i-aktivizatsiya-deystviy">sagte</a> die stellvertretende Ministerpräsidentin Altynaj Omurbekowa am 27. November 2019. Die angekündigten Maßnahmen sind vielversprechend, aber es bleibt abzuwarten, inwieweit sie die prekäre soziale Realität mit in Betracht ziehen: Ist die Steuerbefreiung von Elektroautos eine ausreichende Antwort auf das Problem der Heizung in der ärmeren Außenbezirken?</p>
<p style="text-align: right"><strong>Arnaud Muller<br />
Redakteur für Novastan.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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