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	<title>Nawruz Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Wed, 13 May 2026 06:43:38 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Nawruz Archives</title>
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		<title>Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 17:22:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erkl&#xE4;rt die Gr&#xFC;nde der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Fr&#xFC;hzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem. Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten &#xFC;ber Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erklärt die Gründe der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Frühzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten über Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. Unser Partnermedium Asia-Plus veröffentlichte ihn erneut, da die hier diskutierten Fragen nach wie vor aktuell sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für uns Tadschiken symbolisiert Nawruz, als Brücke zwischen sozialen Epochen, nicht nur die Überlebung unserer Urahnen über schwere Zeiten hinweg, sondern auch die Aufbewahrung des historischen Lebens unserer Generation in der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anerkennung von Nawruz als Nationalfeiertag nach während der politischen Unabhängigkeit unserer sowjetischen Republik war eine zeitgemäße Maßnahme, ein Mittel und ein wichtiger Schritt auf dem Weg der historischen Entwicklung und Festigung der tadschikischen Nation im modernen Sinne des Wortes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese zukunftsorientierte Entscheidung hatte auch einen wichtigen pädagogischen Zweck: Sie war ein wichtiger Schritt zur Gestaltung und Stärkung der Generationen und der Wurzeln im Kontext der historischen und kulturellen Integrität der iranisch-turanischen Zivilisation, einer der ältesten Zivilisationen der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der reichen Bräuche und Traditionen unserer frühen Vergangenheit hat sich der Horizont des tadschikischen Patriotismus erweitert, und die nationale Einheit der Tadschiken erhielt eine besondere historische und spirituelle Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider gibt es unter den persisch- und turksprachigen Geistlichen heute noch Gelehrte, die Nawruz ausschließlich als Fest des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrismus</a> sehen und gleichzeitig deren Anhänger als Feueranbeter, also Götzenanbeter, und die Feier von Nawruz als „verbotenen“ Ritus für Muslime betrachten. Es ist schade, dass dieses wissenschaftlich bedeutsame und gesellschaftlich wichtige Thema bis heute keine angemessene akademische Aufmerksamkeit genießt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gründe und Ziele der Proteste gegen Nawruz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist der Grund und das Ziel der aktuellen Proteste gegen Nawruz? Ich halte die Handlungen dieser islamischen Gelehrter nicht für einen Akt der Opposition gegen den Nationalstaat oder eine Art Selbstdarstellung. Deshalb werde ich keine Namen nennen und nicht ins Detail gehen. In der Tat bin ich überzeugt, dass die kritische Stellung dieser neuen Gegner von Nawruz nicht aus den heiligen Quellen des Islam stammt. Ich kritisiere jedoch nicht die religiösen Überzeugungen der Kritiker und halte sie nicht für dogmatisch oder nachahmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zurueck-in-die-zukunft-identitaetspolitik-mal-anders-zarathustra-und-die-politische-dimension-des-nouruz-festes/"><strong>Zurück in die Zukunft – Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nur mit den Worten des Heiligen Korans: <em>„Warum streitet ihr über etwas, von dem ihr keine Kenntnis habt? Und möge euer Argument in dem, was ihr wisst, richtig sein!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann… wenn wir diese Frage grundsätzlich stellen, stoßen wir unvermeidlich auf eine Quelle der Meinungsverschiedenheit mit dem salafitischen Klerus. Nämlich geht es in diesem Fall um das richtige Verständnis bestimmter Koranverse und prophetischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>. Bei ihrer Auslegung spielt der menschliche Faktor keine Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was ist denn nun der „menschliche Faktor“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese Frage zu beantworten, greife ich auf ein bekanntes Zitat von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschamal_ad-Din_al-Afghani">Dschamaluddin Asadabadi</a> zurück. In einem Gedicht, einer Diskussion mit dem französischen Islamwissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Renan">Ernest Renan</a> gewidmet, meinte er: <em>„Im Wesen des Islams selbst gibt es keine Mängel. Alle existierende Mängel entspringen daraus, dass wir Muslime sind! “</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Satz erkennen wir, dass Asadabadi zwei miteinander verbundene Begriffe unterscheidet: „Islam“ und „Muslim“. Diese Unterscheidung ist methodologisch sehr relevant. Im Wesentlichen verkörpert der Islam die göttliche Offenbarung durch das Koran und die Überlieferungen des Propheten (der Sunna), und dieser Titel ist eine ewige Wahrheit. Das Muslimsein ist das menschliche Verständnis religiöser Prinzipien und Heiligtümer aufgrund der Auslegung und Interpretation von maßgeblichen Quellen des Islam, darunter Analogien und Konsens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/"><strong>Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundlagen der Religionsgemeinschaft bleiben an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unverändert. Doch die Auslegung und das Verständnis religiöser Prinzipien können im Laufe der Zeit verbessert, korrigiert oder verändert werden. Wenn das nicht so wäre, hätte sich der Islam nicht in verschiedene Strömungen, Sekten und verfeindete Richtungen gespalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Krisensituation kann man mit den Worten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi_(Dichter)">Rumis</a> erklären: <em>„Ich bin in meinem Streben nach dem richtigen Verständnis gestorben!“ </em>In Bezug darauf muss eine wissenschaftliche Diskussion zwangsläufig die Wurzel des Problems untersuchen. Wenn wir die eine oder andere islamische Regelung zum „Haram“ („bid’a“ oder „makruh“) im Bezug auf Nawruz betrachten, wird deutlich, dass es neben rein religiösen Argumenten eine Vielzahl eigennütziger oder opportunistischer Überlegungen gab, die ideologisch, politisch und wirtschaftlich gefärbt waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verbote seit über tausend Jahren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir die Zeit des arabischen Kalifats: Im ersten Jahrhundert nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra">Hidschra</a> wurde Nawruz als heidnischer Ritus verboten. Doch später fanden die arabischen Kalifen und ihre Ideologen an zwei Dingen Gefallen: Erstens die Tradition, zu Nawruz Geschenke zu machen und anzunehmen, die an den Höfen der persischen Könige besonders verbreitet war. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Chayy%C4%81m">Omar Khayyam</a> beschrieb in seiner Abhandlung „Nawrunama“, die er als eine Art Unterweisung für die Nachkommen des Seldschuken-Sultans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Malik_Schah_I.">Malik-Shah</a> verfasste, ausführlich den Brauch, dem König am Tag des Großen Nawruz Geschenke zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verstanden die Kalifen sofort: Statt die Bräuche und Traditionen der Nichtmuslime zu verbieten, war es vorteilhafter, ihnen zu ermöglichen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und ihre Bräuche und Traditionen beizubehalten, im Austausch gegen die Zahlung einer zusätzlichen Steuer (der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschizya">Dschizya</a>). Die besondere Bedeutung dieser Religionspolitik lag darin, dass man dadurch, wie ein tadschikisches Sprichwort sagt, sowohl gewinnen als auch nichts verlieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Grund war rein politischer Natur. Der Gelehrte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadriddin_Ainij">Ustod Aini</a> erläuterte ihn am Beispiel des Verhaltens der Manghitumaren-Dynastie, die unter Berücksichtigung der Ratschläge und Empfehlungen der Gelehrten von Buchara regierten: <em>„Unter den Emiren von Buchara hat Emir Musaffar das Nawruz-Fest seiner volkstümlichen Form entzogen und ihm formellen Charakter verliehen. Das tat er nach der Niederlage im Krieg gegen Russland. Nach den Worten ehrlicher alter Männer verlor Emir Musaffar nach der Kriegsniederlage jegliches Ansehen unter dem Volk. Insbesondere, als er die Menschen ausraubte und versuchte, die durch den Krieg leere Staatskasse wieder aufzufüllen, wuchs der Hass des Volkes auf ihn noch mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Deshalb organisierte er überall, wo er sich niederließ, ein Fest (d. h. einen öffentlichen Feiertag) und beschäftigte die Menschen damit, ihn zu beobachten, damit sie die Augen vor seinen unbeliebten Handlungen verschlossen oder keine Zeit hatten, diese zu sehen… Die letzten Emire von Buchara nutzten dieses Fest, um die Menschen lange Zeit mit nutzlosen und schädlichen Dingen zu beschäftigen und so in Frieden für sich selbst zu leben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aussagen des Korans und anderer heiliger islamischer Quellen ging die Gier des Klerus manchmal so weit, dass sie sogar das Wort Allahs missachteten. Die Suren Al´-Baqara und Al´-Imran enthalten einen sehr interessanten Hinweis: Einige der früheren Propheten und ihre Anhänger verdrehten willkürlich die Worte Allahs und stellten ihre Verfälschungen als Gebote und Taten Allahs selbst dar; damit versuchten sie immer wieder, die Menschen in die Irre zu führen. Zweifellos taten sie dies absichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits sind die koranischen Zeugnisse eine heilige Bestätigung der universellen Wahrheit: Die Ausleger des Korans und der Sunna stammen nicht aus dem Geschlecht der Engel; da sie Menschen sind, waren und sind sie nicht vor Verständnislücken und Ungenauigkeiten in der Auslegung sicher. Eben das gilt auch für ihr spirituelles Bild, das ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ebendieses menschlichen Faktors ist. (Vergleichen Sie dies mit den Worten und Taten derer, die im Koran als „Heuchler“ dargestellt werden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne ist der Muslim gewissermaßen ein Spiegelbild der Reife der spirituellen Kultur seiner Gesellschaft. Angesichts all dieser allgemeinen Argumente und Überlegungen muss man sich fragen: Womit genau steht die Feier des Nawruz im Widerspruch? Mit den Vorschriften des Islam im Allgemeinen? Oder mit der Auslegung und Interpretation einzelner koranischer Vorschriften? Oder vielleicht mit bestimmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwas</a>, die einige muslimische Rechtsgelehrte oder Gelehrte unter bestimmten Umständen oder in Bezug auf eine bestimmte Frage verfasst oder schriftlich geäußert haben?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kein einheitlicher Ansatz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Überlegung ist im Endeffekt, dass es keinen einheitlichen, allumfassenden, grundlegenden islamischen Ansatz zum Nawruz-Fest gibt, den alle Denkschulen, Sekten oder Rechtsschulen (zumindest im Rahmen des geistigen Bereichs der beiden wichtigsten islamischen Denkschulen) als universelle Wahrheit anerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Quelle der heutigen Protesten gegen Nawruz-Feierlichkeiten sind die religiösen Schriften von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Ghaz%C4%81l%C4%AB">al´-Ghazali</a>, einer der einflussreichsten sunnitischen Gelehrten. In der Geschichte der islamischen Wissenschaft ist al´-Ghazali nicht nur als Autor einer Reihe grundlegender Werke: Der Imam verfügte zudem über ein seltenes kritisches Denken, das sich durch Scharfsinn und Einsicht auszeichnete. So suchte Ghazali beispielsweise in seinem berühmten Werk „Tahafut al-Falasifa“ Spuren von Gotteslästerung und Ketzerei in den Gedanken und Taten seiner Vorgänger und Zeitgenossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den prominenten Denkern, die der Imam scharf kritisierte und verurteilte, gehörte auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">Ibn Sina</a>: Ghazali verurteilte nicht nur seine Werke, sondern auch seinen Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/avicenna-filmische-biografie-eines-grossen-gelehrten/"><strong>Avicenna – Filmische Biografie eines großen Gelehrten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Imame stammten zwar selbst von den Tadschiken aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Khorasan</a> ab; an manchen Orten lehnten sie jedoch systematisch und sogar fanatisch die wichtigsten Teile des kostbaren Erbes ihrer Vorfahren ab, insbesondere jene, die heute als Perlen der tadschikischen und iranischen Kultur gelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So forderte Ghazali in seinem Buch „Die Alchemie des Glücks“ von den Muslimen, insbesondere von der persischsprachigen Gemeinschaft, die Namen und Symbole zweier alter tadschikischer und iranischer Feste – Nawruz und Sada – aus dem Gedächtnis zu löschen: <em>„Das Verwenden von Parolen der Verstorbenen ist verboten und widerspricht dem Gesetz … Nawruz und Sada müssen ausgelöscht werden und niemand darf sie erwähnen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wechselten die Imame vom Bereich der Moral direkt in den Bereich der militanten Ideologie. Ihr Hauptziel war es, die Feierlichkeiten der vorislamischen Feste der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAdscham">Adscham</a> aus Sicht des (vermeintlich) rechtschaffenen Islam offiziell zu verbieten.“</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Akbar Tursun für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/27/iranskie-vlasti-zayavili-o-mobilizaczii-svyshe-odnogo-milliona-rezervistov/"><strong>Russischen</strong></a><strong> (und gekürzt) von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Tadschikistan feiert trotz der Ausbreitungsgefahr des Coronavirus Nawruz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2020 18:10:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Nauryz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 21. bis 24. M&#xE4;rz feierte Zentralasien das persische Neujahrsfest Nawruz. W&#xE4;hrend die anderen zentralasiatischen L&#xE4;nder angesichts des Risikos einer Verbreitung des Coronavirus die Feierlichkeiten abgesagt haben, entschloss sich Tadschikistan daran festzuhalten, was unter manchen B&#xFC;rgerInnen Besorgnis hervorrief. Die Stra&#xDF;en von Duschanbe sind an diesem Sonntag, den 22. M&#xE4;rz, gut gef&#xFC;llt: Es ist Nawruz &#x2013; [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Vom 21. bis 24. März feierte Zentralasien das persische Neujahrsfest Nawruz. Während die anderen zentralasiatischen Länder angesichts des Risikos einer Verbreitung des Coronavirus die Feierlichkeiten abgesagt haben, entschloss sich Tadschikistan daran festzuhalten, was unter manchen BürgerInnen Besorgnis hervorrief.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Straßen von Duschanbe sind an diesem Sonntag, den 22. März, gut gefüllt: Es ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz">Nawruz</a> &#8211; ein Fest, das jedes Jahr in Zentralasien, im Iran und in Afghanistan als der erste Tag des Frühlings gefeiert wird. In Tadschikistan ist Nawruz das wichtigste Fest des Jahres und dauert vier Tage: vom 21. bis 24. März. Vor der Oper der tadschikischen Hauptstadt genießen die Passanten wie gewohnt die vielen traditionellen Speisen, die offen und ohne Schutz an Ständen angeboten werden. Auf den Straßen essen einige mit der Hand Brot, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samosa">Samosa</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pirogge">Piroggen</a> oder kleine Kuchen. Andere begnügen sich mit Eis, Pommes oder Äpfeln. Nichts deutet darauf hin, dass sich zur gleichen Zeit eine Pandemie auf der ganzen Welt ausbreitet, die bis dato etwa 500.000 Menschen infiziert und mehr als 22.000 Tote verursacht hat &#8211; nichts außer den Masken, die die Verkäufer an den Essensständen tragen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Auch wenn in Tadschikistan noch keine Fälle festgestellt wurden, warnen Experten vor der Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus, da in den Nachbarländern bereits Dutzende von Infektionen bekannt sind und die medizinische Infrastruktur und Ausrüstung in Tadschikistan als <a href="https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/330246/1817-6127-eng.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y">schwach gilt</a>. Aber laut dem seit 1992 regierenden Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> gibt es keinen Grund zur Sorge<em>. &#8222;Es ist eine der besten Eigenschaften unseres Volks, das Haus sauber zu halten und strenge Hygienevorschriften einzuhalten&#8220;</em>, sagte er am 22. März und forderte die Bevölkerung auf, nicht in Panik zu verfallen. <em>&#8222;Unsere Gesundheit liegt in unseren eigenen Händen.&#8220;</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Große Feste, kleine Maßnahmen</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Anwesenheit von Rahmon und einer Reihe angesehener Gäste aus der tadschikischen Elite gaben am 22. März mehr als 12.000 SchülerInnen und Studierende eine zweistündige <a href="https://www.facebook.com/emomalirahmontj/photos/pcb.2604656356522559/2604655469855981/?type=3&amp;theater">Tanz- und Gesangsvorführung</a> im Stadion von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a>, der zweitgrößten Stadt des Landes. Wie das amerikanische Nachrichtenportal <a href="https://eurasianet.org/tajikistan-feast-in-the-time-of-coronavirus">Eurasianet</a> berichtete, hatten die Beteiligten keine andere Wahl, als an der Vorführung teilzunehmen, da sie anderenfalls  mit einer Exmatrikulation zu rechnen hätten. Dies ist kein Einzelfall: Es ist in der Region üblich, Studierende oder Beamte zur Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen zu verpflichten. Zwar hatte das Ministerium für Bildung und Wissenschaften Anfang März in vielen Städten des Landes die Einstellung der Proben angeordnet, da diese mitunter Tausende von Menschen in engen Kontakt miteinander brachten. Eine Woche später nahmen die Behörden die Anordnung jedoch wieder zurück und die Choreografien wurden weitergeführt.</p>
<p><figure id="attachment_20458" aria-describedby="caption-attachment-20458" style="width: 3312px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-20458" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/IMG_20200321_144545min.jpg" alt="Frauen mit Mundschutz" width="3312" height="2515" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/IMG_20200321_144545min.jpg 3312w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/IMG_20200321_144545min-300x228.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/IMG_20200321_144545min-768x583.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/IMG_20200321_144545min-1024x778.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/IMG_20200321_144545min-1300x987.jpg 1300w" sizes="(max-width: 3312px) 100vw, 3312px" /><figcaption id="caption-attachment-20458" class="wp-caption-text">Händlerinnen vor der Oper in Duschanbe</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Angesichts der steigenden Zahl von Coronavirus-Patienten weltweit hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu aufgerufen, öffentliche Massenveranstaltungen auszusetzen. Die anderen zentralasiatischen Länder der Region waren dem Aufruf gefolgt: Sie sagten die meisten Nawruz-Feierlichkeiten ab und forderten die Bevölkerung dazu auf, zuhause zu bleiben. In Tadschikistan geschah jedoch nichts dergleichen. Während der vier Tage des Festes fanden im Land Dutzende Konzerte, Kundgebungen und Märsche statt. Es versammelten sich sogar tausende Reiter im ganzen Land, um <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buzkaschi">Buskaschi</a> zu spielen &#8211; einen Reitsport, bei dem der Körper einer toten Ziegen den Ball ersetzt. Obwohl die Schulen an den Feiertagen geschlossen sind, nehmen sie weiterhin SchülerInnen auf. Das ruft die Sorge der Eltern hervor, die sich über die schlechten hygienischen Bedingungen empören. <em>„In der Schule haben die Kinder nicht die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen, weil die Wasserhähne nicht funktionieren&#8220;</em>, erklärt Tahmina aus Duschanbe, eine Mutter von zwei Jungen, die sie bereits seit zwei Wochen zu Hause hält, gegenüber Novastan. In Duschanbe fahren außerdem noch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marschrutka">Marschrutkas</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Die Behörden haben jedoch auch einige Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen, wie zum Beispiel die vorübergehende <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/centralasia/20200324/tadzhikistan-iz-za-koronavirusa-vremenno-zakril-svoi-granitsi-s-kirgizstanom?tg_rhash=f7d420c0f43cc7">Grenzschließung</a> auf dem Land- und Luftweg. Rund 3.000 tadschikische Staatsangehörige, die aus dem Ausland zurückkehrten, wurden in <a href="https://rus.ozodi.org/a/30506376.html?fbclid=IwAR2848Q1b9eDAPeVD464gGKJHaPVfu1GG6uk4ged4t-nG2167WsO873bk0s">Quarantäne-Zentren</a> untergebracht, teilweise unter miserablen hygienischen Bedingungen. Schließlich wurden Anfang März die <a href="https://asiaplustj.info/tj/news/tajikistan/20200304/shroi-ulamo-az-namozguzorii-dastaamona-dar-masido-huddor-karda-shavad?fbclid=IwAR0VU82huTSCydLj05wXjexDP5ZPbPnpfY6uk9H8gkgyUGo3v_DY-z8yBnY">Moscheen geschlossen</a>. Einige von ihnen wurden allerdings kurz vor Nawruz wieder geöffnet, nachdem sie desinfiziert worden waren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zuhause bleiben? Das Dilemma der TadschikInnen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Angesichts des Coronavirus wurde die Teilnahme am Persischen Neujahrsfest, dem wichtigsten Feiertag des Jahres für TadschikInnen, zu einem Dilemma, in dem jede und jeder eine Entscheidung fällen musste. Für Tahmina gab es <em>&#8222;kein[en] Spaziergang in diesem Jahr&#8220;</em>. Sie hat beschlossen, Nawruz zuhause und im kleinen Kreis zu feiern. <em>&#8222;Wir haben Angst, den Virus zu bekommen und ihn an unsere älteren Verwandten weiterzugeben&#8220;</em>, erklärte die Familienmutter. In Duschanbe ist der Platz mit der berühmten <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ismail_Samani">Somoni</a>-Statue, die für die Feierlichkeiten mit einem Nawruz-Baum geschmückt ist, etwas leerer als sonst. Die Reihen der Rennbahn &#8222;Nawruzgoh&#8220;, in der am 22.März ein Wettbewerb im traditionellen Tadschikischen Kampf Guschtingiri stattfindet, sind halb leer. Fast 2.000 Menschen kommen trotzdem, um die Kämpfe zu sehen.</p>
<p style="text-align: justify">Auch wenn die Feierlichkeiten stattgefunden haben, haben sich viele TadschikInnen entschieden, zuhause zu bleiben. <em>&#8222;Ich kann die Musik aus dem Park neben meinem Haus hören, aber ich habe meinen Kindern gesagt, dass sie nicht rausgehen sollen&#8220;</em>, erzählt Kybrio, Tadschikisch-Lehrerin aus Duschanbe. Normalerweise feiert sie Nawruz im Park beim Grillen von Schaschlik. <em>&#8222;Es macht mir Angst zu sehen, was zurzeit anderswo auf der Welt los ist. Ich habe das Gefühl, dass jede Minute etwas schreckliches passieren könnte.&#8220; </em>Die junge Frau hat beschlossen, ab dieser Woche Online-Fernunterricht zu geben, um trotz der angespannten Situation Geld zu verdienen.</p>
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<p style="text-align: justify">Saroja, eine Handwerksmeisterin aus Chudschand, entschied sich ebenfalls, mit ihrer Familie zuhause zu bleiben. <em>&#8222;Der Coronavirus ist natürlich das Hauptthema der Diskussion&#8220;</em>, lächelt sie. Wie tausende andere TadschikInnen bereitet sie für das Fest <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samanak">Sumalak</a>, eine Art süßer und gekochter Weizenbrei, vor. <em>&#8222;Wenn man es traditionell mit allen zusammen in einem riesigen Topf mischt, betet man und sehnt sich nach Glück und glücklichen Ehen&#8220;</em>, erklärt sie. <em>&#8222;Aber in diesem Jahr haben wir für eine Lösung dieser globalen Krise gebetet, für die Gesundheit der Kranken und natürlich für die Sicherheit des Landes.&#8220;</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Keine Feste anderswo in Zentralasien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Kasachstan, das mit 111 Fällen (Stand: 26. März) am stärksten von der Epidemie betroffene Land, hat die öffentlichen Nawruz-Feierlichkeiten abgesagt. Das gleiche gilt für Usbekistan, wo die Behörden die BürgerInnen gebeten haben, an den Feiertagen zuhause zu bleiben. Alle Konzerte, Shows oder Festivals wurden abgesagt und öffentliche Versammlungen verboten. Auch in Kirgistan, wo angesichts der Ausbreitung der Epidemie der Ausnahmezustand verkündet wurde, mussten die Feierlichkeiten zuhause stattfinden. In Turkmenistan, wo Nawruz in kleinerem Rahmen gefeiert wird, hat die Regierung schon früh Maßnahmen zur Einschränkung von Reisen und Versammlungen ergriffen.</p>
<p style="text-align: justify">Weitere Informationen zu den Maßnahmen der zentralasiatischen Regierungen findet ihr <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-zentralasien-im-krisenmodus/">hier</a>.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Laura Liepa berichtet für Novastan aus Duschanbe</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Robin Roth</strong></p>
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