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	<title>Nationalismus Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Nationalismus Archives</title>
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		<title>„Das Territorium Kasachstans an China zurückgeben“ – Blogbeitrag löst diplomatische Verstimmung aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2020 18:37:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan hat offiziell Protest gegen eine Publikation auf der chinesischen Website Sohu eingelegt. Diese hatte dazu aufgerufen, das Territorium Kasachstans an China zur&#xFC;ckzugeben. Auch wenn China dem Nachbarn mit der Entsendung von &#xC4;rztInnen und Ger&#xE4;ten zur Bek&#xE4;mpfung der Coronavirus-Epidemie offensichtlich hilft, scheinen die Beziehungen zwischen den beiden L&#xE4;ndern immer noch von Misstrauen gepr&#xE4;gt zu sein. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Kasachstan hat offiziell Protest gegen eine Publikation auf der chinesischen Website Sohu eingelegt. Diese hatte dazu aufgerufen, das Territorium Kasachstans an China zurückzugeben. Auch wenn China dem Nachbarn mit der Entsendung von ÄrztInnen und Geräten zur Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie offensichtlich hilft, scheinen die Beziehungen zwischen den beiden Ländern immer noch von Misstrauen geprägt zu sein.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Alles begann mit einer Veröffentlichung vom 8. April auf <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sohu">Sohu</a>, einem chinesischen Äquivalent zu Google oder Yahoo. Unter dem Titel &#8222;Warum Kasachstan bereit ist, nach China zurückzukehren&#8220; hat der Artikel eines Bloggers, der regelmäßig historische Artikel mit nationalistischer Tendenz publiziert, den öffentlichen Protest des kasachstanischen Außenministeriums hervorgerufen.</p>
<p style="text-align: justify">Das Außenministerium Kasachstans veröffentlichte am 14. April eine <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/mfa/press/news/details/v-mid-kazahstana-proshla-vstrecha-s-poslom-kitaya?lang=ru">Mitteilung</a>, aus der hervorgeht, dass der chinesische Botschafter in Kasachstan im Außenministerium empfangen wurde. Das Ministerium brachte ihm gegenüber Protest gegen den besagten Artikel zum Ausdruck.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>China distanziert sich vom Artikel</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Mitteilung heißt es, der chinesische Botschafter sei informiert worden, <em>&#8222;dass die Veröffentlichung solcher Inhalte nicht dem Geist der strategischen Partnerschaft entspricht&#8220;</em>, welche die beiden Länder eingegangen sind. Auch wenn in der Mitteilung selbst die Antwort des chinesischen Botschafters nicht erwähnt wird, berichtet <a href="https://www.reuters.com/article/us-kazakhstan-china/kazakhstan-summons-chinese-ambassador-in-protest-over-article-idUSKCN21W1AH">Reuters</a> darüber, dass laut einem Antwortschreiben des chinesischen Außenministeriums <em>&#8222;der Artikel nicht die Position der chinesischen Regierung widerspiegelt und die Freundschaft der beiden Länder auf keinen Fall erschüttert werden darf&#8220;</em>.</p>
<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>
<p style="text-align: justify">Der besagte Beitrag ist nur der letzte in einer langen Reihe von Artikeln ähnlichen Inhalts. So wirft ein Artikel desselben Autors vom Dezember 2019 eine sehr ähnliche Frage auf: &#8222;Warum kehrte Kasachstan, als es unabhängig wurde, nicht in sein Heimatland zurück?”. Es muss allerdings betont werden, dass die Website Sohu keine Verantwortung für den Inhalt übernimmt und der Artikel lediglich die Sicht des Autors widerspiegelt. Unter dem Autorenprofil mit dem Namen &#8222;<a href="https://mp.sohu.com/profile?xpt=c2hlbmd4aW5nMTk5QDE2My5jb20=&amp;_f=index_pagemp_1">Die Wahrheit hinter der Geschichte entlarven</a>&#8220; wurden mehr als 1200 Artikel in offen nationalistischem Ton veröffentlicht. Diese Publikationen wurden fast 60 Millionen Mal aufgerufen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/sechs-gruende-fuer-die-antichinesische-stimmung-in-kasachstan/"><strong>Sechs Gründe für die antichinesische Stimmung in Kasachstan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Der Artikel vom 8. April, der mittlerweile von Sohu gelöscht wurde, aber nach wie vor im Cache aufgerufen werden kann, behauptet, dass Kasachstan <em>„historischer Teil des Territoriums von China&#8220;</em> sei, und beschreibt knapp die Beziehungen zwischen China und Kasachstan seit dem Mittelalter. Des Weiteren wird behauptet, dass sich die KasachInnen China nah fühlten und dass in der Vergangenheit viele KasachInnen dem chinesischen Kaiser die Treue geschworen hätten. Im zuvor erwähnten Artikel vom Dezember 2019, der erklären soll, warum Kasachstan nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion nicht Teil von China wurde, heißt es unverblümt, <em>&#8222;dass Kasachstan historisch zu China gehört, [&#8230;] so wie Turkmenistan historisch zum Iran gehört&#8220;</em>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Seit langem gehegtes Misstrauen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Tatsächlich waren es kasachische AktivistInnen des Vereins &#8222;Atajurt&#8220;, die auf den Artikel aufmerksam machten. Der Leiter des nicht registrierten Vereins ist <a href="https://www.facebook.com/groups/383772069066092">Serikjan Bilash</a>, der dafür bekannt ist, Chinas Aktivitäten in Kasachstan scharf anzuprangern und dafür auch ins Gefängnis ging. Der Verein veröffentlichte bereits am 9. April ein <a href="https://www.facebook.com/Gala.QazaQ/videos/vb.100010196405355/1140165303000006/?type=2&amp;video_source=user_video_tab">Video</a>, in dem auf den Artikel und seine Bedeutung hingewiesen wurde. Anschließend rief Bilash dazu auf, das Video zu verbreiten. Dennoch blieb es nur einem kleinen Kreis von Menschen bekannt und erregte bis zum 14. April auch nicht die Aufmerksamkeit der kasachstanischen Medien. Die kasachstanischen Behörden haben die AktivistInnen in ihrer Erklärung ebenfalls nicht erwähnt.</p>
<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>
<p style="text-align: justify">Dieser diplomatische Zwischenfall, befeuert durch einen expansionistischen chinesischen Diskurs, zeugt von einem Klima des Misstrauens zwischen den beiden Staaten. Ein solcher Diskurs ist für Kasachstan zwar alles andere als neu, er tritt jedoch ausgerechnet zu einer Zeit auf, in der das größte Land Zentralasiens mit der Coronavirus-Epidemie zu kämpfen hat und China versucht, sich als wichtigster Partner im Kampf gegen den Virus zu positionieren. China hat unter anderem ÄrztInnen und medizinische Ausrüstung nach Kasachstan geschickt, um das Land im Kampf gegen die Epidemie zu unterstützen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-zentralasien-im-krisenmodus/"><strong>Coronavirus: Zentralasien im Krisenmodus</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Auf der anderen Seite bleiben die Grenzen zwischen Kasachstan und China weiterhin geschlossen und der Waren- und Personenverkehr steht fast still, da China befürchtet, dass der Virus aus Kasachstan eingeschleppt werden könnte. So verstärkt dieser diplomatische Zwischenfall ein Klima des Misstrauens in den zwischenstaatlichen Beziehungen, das eine Rückkehr zur Normalität entlang von Chinas <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wohin-fuehrt-die-neue-seidenstrasse-ueber-die-chancen-und-risiken-von-one-belt-one-road/">Neuer Seidenstraße</a> erschweren könnte.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von Novastan France</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Robin Roth</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Sinnlos und rücksichtslos – Kasachstans hausgemachter Nationalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2020 08:37:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Interethnische Beziehungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ausgel&#xF6;st durch einen nichtigen Grund, forderte Anfang Februar ein interethnischer Konflikt zwischen KasachInnen und DunganInnen 11 Menschenleben. Mit der speziellen Form des kasachischen Nationalismus und dessen Sinnlosigkeit setzt sich Je&#x144;is Ba&#x131;hoja in einem Meinungsbeitrag auf Central Asia Monitor auseinander. Wir &#xFC;bernehmen den Artikel in gek&#xFC;rzter Fassung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Der kasachische Nationalismus hat [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Ausgelöst durch einen nichtigen Grund, forderte Anfang Februar ein interethnischer Konflikt zwischen KasachInnen und DunganInnen 11 Menschenleben. Mit der speziellen Form des kasachischen Nationalismus und dessen Sinnlosigkeit setzt sich Jeńis Baıhoja in einem Meinungsbeitrag auf </strong><a href="https://camonitor.kz/34178-nash-domoroschennyy-nacionalizm-bessmyslennyy-i-besposchadnyy.html"><strong>Central Asia Monitor</strong></a><strong> auseinander. Wir übernehmen den Artikel in gekürzter Fassung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der kasachische Nationalismus hat sich endgültig diskreditiert, indem er sein wahres Gesicht zeigte. Die Rede ist nicht einmal von den <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zehn-tote-bei-interethnischem-konflikt-in-kasachstan/">Ereignissen</a> im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qordai">Qordaı</a>  sondern von den Reaktionen darauf. Die Welle der Fremdenfeindlichkeit hat schreckliche Ausmaße erreicht, und sie hat nicht nur notorische „Meinungsmacher“ erfasst, die die treibende Kraft des offenen Nationalpopulismus sind, sondern auch anscheinend intelligente, vernünftige Leute.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ein Übergang von Quantität zu „Qualität“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Man kann den radikalen Nationalismus der UigurInnen (in China), der BaskInnen (in Spanien), der KurdInnen (in der Türkei) wenn auch nicht gutheißen, so doch zumindest erklären. Diese Völker stellen in ihren Ländern eine ethnische Minderheit dar. Sie führen einen viele Jahre währenden Kampf um ihre Unabhängigkeit und sehen sich einem harten Wiederstand seitens der Zentralmacht gegenüber. Aber in unserem Fall handelt es sich um die Titularnation, die 70 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmacht, einen staatsbildenden Status innehat, nahezu alle Schlüsselpositionen und den Löwenanteil aller Positionen in Verwaltung und Sicherheitsbehörden bekleidet – das heißt, sie bestimmt das Schicksal des Landes und aller, die darin leben. Der Umstand, dass ein nicht unwesentlicher Teil dieser Ethnie noch heute, fast drei Jahrzehnte nach dem Erlangen eines eigenen unabhängigen Staates, immer noch einen nationalen Befreiungskampf lebt, wirkt recht seltsam.</p>
<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>
<p style="text-align: justify;">Übrigens hat man die ganze Zeit versucht uns zu überzeugen, dass der kasachische Nationalismus einen konstruktiven und gemäßigten Charakter habe, andere im Land lebende Ethnien nicht bedrohe und deren Minderheitenrechte nicht beschneide. Aber während seine „Ideologen“ beruhigende Behauptungen machten, während die Staatsmacht mit ihnen flirtete und sie für ihre eigenen Interessen benutzte, ist der radikale Nationalismus unterschwellig gereift. Das ist ganz natürlich, denn je mehr eine Ideologie AnhängerInnen hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Radikalen unter ihnen. Eine Art Übergang von Quantität zu „Qualität“.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zusammenstoesse-im-sueden-kasachstans-interethnischer-konflikt-oder-mafiastreit/?noredirect=de_DE"><strong>Zusammenstöße im Süden Kasachstans: Interethnischer Konflikt oder Mafiastreit?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Der ehemalige Groll und der daraus resultierende Durst nach historischer Rache nährten den Nationalismus. Diese Stimmungen wurden während der ganzen letzten Jahre kultiviert, unter anderem von vielen SchriftstellerInnen und WissenschaftlerInnen sowie von einem nicht unwesentlichen Teil der politischen Elite. Sie, die sich in der Sowjetzeit gut eingerichtet haben, präsentieren diese jetzt als die düsterste Periode in der Geschichte der KasachInnen, welche unterdrückt und entrechtet wurden und Menschen zweiter Klasse waren. Und auch die heutige Realität liefert viele Gründe, um sich erniedrigt und beleidigt zu fühlen. Die Staatsmacht, die Ansprüche geltend machen könnte, ist fern und taub. Und in der Nähe leben verschiedene Diasporen, die sich besser an den „Kapitalismus mit dem kasachischen Gesicht“ angepasst haben, die unternehmungslustiger waren und mehr Glück hatten. Ungerecht…</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Kann man Respekt erzwingen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Jedweder Nationalismus ist gefährlich, wenn er radikal wird. Wenn er aber von VertreterInnen der zahlenmäßig stärksten (und dabei übrigens mit einer „konstitutionellen Mehrheit“ ausgestatteten) Ethnie ausgeht, dann steigt die Gefährlichkeit um ein vielfaches. Allein das 20. Jahrhundert wimmelt von Beispielen dieser Art: Anti-jüdische Pogrome und Strafmaßnahmen gegen KasachInnen im zaristischen Russland, die Vertreibung der ArmenierInnen aus der Türkei, das Massengemetzel in Ruanda… Hinzu kommen der Holocaust, die Exzesse der RassistInnen aus dem Ku-Klux-Klan gegenüber dunkelhäutigen BürgerInnen der USA… Ich möchte keinesfalls die interethnischen Konflikte im modernen Kasachstan damit gleichsetzen. Bei uns haben sie noch einen lokalen Charakter. Aber wenn man weiterhin die BürgerInnen des Landes in „Hausherren“ und „Zugezogene“ unterteilt und dem Prinzip „Alle Ethnien sind gleich, aber eine ist gleicher“ folgt, dann können die Folgen schrecklich sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Nationalismus, der von VertreterInnen der Titularnation ausgeht, basiert auf folgendem Versprechen: Wir und nur wir sind die Herren dieses Landes, und deswegen sind alle anderen verpflichtet, uns zu respektieren, unsere Interessen zu berücksichtigen und in gewissem Maße auch sich uns unterzuordnen. Es ist kein Zufall, dass es heutzutage populär geworden ist, an ethnische Minderheiten den Aufruf zu richten: „Shańyraqqa qara!“ – Vergiss nicht, in wessen Land zu lebst. Ein weiterer häufig bei NationalistInnen gehörter Satz ist „Alle Diasporen müssen eine Lektion lernen, aus dem, was passiert ist.“ (kein Wort über die Lektion für die KasachInnen). Er kann auch so interpretiert werden: „Was auch immer passiert, wir haben Recht, weil wir auf unserem Land leben, und alle anderen müssen nachdenken.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wohin-fuhrt-die-antichinesische-hysterie-in-kasachstan/"><strong>Wohin führt die antichinesische Hysterie in Kasachstan?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Eine der wichtigsten Kritik gegenüber den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dunganen">DunganInnen</a> war, dass diese nicht die kasachische Sprache lernen und diese demnach nicht respektieren. Dieser Vorwurf kam aus dem Mund eines Journalisten eines staatlichen Fernsehkanals während des ersten Treffens von Mitgliedern der Regierungskommission mit BewohnerInnen des Dorfes Masanchi ( selbst der Vorsitzende der Kommission Berdibek Saparbaev, der in einem kasachischen Aul [<em>Dorfsiedlung der Turkvölker, Anm. d. Red.]</em> aufwuchs, verzog angesichts der Worte des Fernsehmannes das Gesicht). Eine Reihe von Abgeordneten übernahmen diesen Vorwurf, von den nationalistischen besorgten NutzerInnen der sozialen Medien ganz zu schweigen. Aber können diese Menschen die einfache Wahrheit nicht verstehen, dass jede Sprache nicht aus Respekt für sie, sondern aus eigenem Bedürfnis gelernt wird? UsbekInnen und TadschikInnen streben nicht danach das Russische zu beherrschen, weil sie die russische Kultur verehren, sondern weil sie die Sprache zum Überleben brauchen, wenn sie zur Arbeit nach Russland fahren und vielleicht sogar dort bleiben. Natürlich wäre es hervorragend, wenn in unserem Land alle die Staatssprache könnten, aber dafür muss sie wirklich benötigt werden. Damit sollten sich die KasachInnen beschäftigen und ihre intellektuellen Kräfte und zumindest etwas Begeisterung darauf verwenden.</p>
<p style="text-align: justify;">Überhaupt ließ sich in letzter Zeit oft hören, dass die VertreterInnen der Diasporen die kasachische Sprache und das kasachische Volk achten sollen. Aber, meine Lieben, Respekt verlangt man nicht und man zwingt nicht zu ihm – man strebt danach ihn zu verdienen. Und nach derartigen Pogromen und einer Welle der Fremdenfeindlichkeit werden wir KasachInnen nicht den Respekt der ethnischen Minderheiten erlangen. Es ist etwas anderes, die Einhaltung der Gesetze zu verlangen, die in diesem Land gelten. Aber das betrifft alle, unabhängig von der Nationalität.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der „Ruf nach Blut“ und doppelte Standards</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Achten Sie darauf: An allen lauten interethnischen Konflikten in unserem Land ist die Titularnation beteiligt. Haben Sie gehört, dass ein Streit – selbst einer mit tragischem Ausgang – zwischen KoreanerInnen und UsbekInnen oder zwischen RussInnen und UigurInnen zu einem ethnischen Konflikt eskaliert wäre? Wohl kaum. Aber wenn wir KasachInnen mit VertreterInnen einer Minderheit aneinandergeraten und jemand mit dem Messer sticht, führt dies schon fast obligatorisch zu dem Ruf „Die Unsrigen werden geschlagen!“ und es folgen Massendemonstrationen oder Unruhen. Erinnern Sie sich an die Ereignisse in <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Казахско-чеченский_конфликт_в_Алматинской_области">Malovodnoe</a> [<em>ein kasachisch-tschetschenischer Konflikt im Jahr 2007 mit 9 Toten, Anm. d Red.]</em>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Qaraģandy</a> [<em>in der Neujahrsnacht 2019, Anm. d. Red</em>.] und so weiter – und jetzt im Bezirk Qordaı. Sogar einem Streit mit tödlichem Ausgang, der sich in der Bar „Chukotka“ in Almaty ereignete, versuchte einer unserer Nationalpatrioten einen ethnischen Anstrich zu verpassen.</p>
<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>
<p style="text-align: justify;">Noch eine Besonderheit. Wenn ein junger Kasache einen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aksakal">Aksakal</a> beleidigt oder gar schlägt, dann werden wir ihn natürlich zurechtweisen, aber niemand, außer vielleicht die Verwandten des Alten, werden eine „Vendetta“ fordern. Aber wenn die Tat von einem Vertreter einer anderen Nationalität begangen wird, braucht man auf die Vorwürfe der Respektlosigkeit gegenüber dem kasachischen Volk und auf Rufe nach Rache nicht lange zu warten. Noch ein Beispiel: Jeder erinnert sich an die Geschichte des kasachischen Jungen aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Südkasachstan">Gebiet Südkasachstan</a>, der von kasachischen Jugendlichen vergewaltigt wurde. Wer von den NationalpatriotInnen forderte die Eltern oder Verwandten dieser Jugendlichen, die das Leben eines Kindes zerstört haben, zur Verantwortung zu ziehen oder gar aus dem Dorf zu treiben? Niemand. Zehn Jahre zuvor ereignete sich ebenfalls im Gebiet Südkasachstan im Dorf Maıatas ein ähnlicher Vorfall. Ein kurdischer Teenager wurde verdächtigt, einen kasachischen Jungen verhöhnt zu haben, was zu Pogromen und zur Flucht fast aller kurdischen Familien aus dem Aul führte. Darüber hinaus haben VertreterInnen dieser Diaspora auch in den benachbarten Gebieten gelitten. Derartige Fälle kann man noch viele anführen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/liebe-gaeste-wie-fuehlen-sich-die-koreaner-in-kasachstan/"><strong>„Liebe Gäste“ – Wie fühlen sich die Koreaner in Kasachstan?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Das heißt, bezüglich der „StammesgenossInnen“ zeigen wir eine gewisse Nachsicht, während wir „Fremden“ sogar für Verbrechen von einzelnen eine Kollektivschuld zuschreiben. Das nennt man doppelte Standards. Genau dies ist der Fall, wenn man fordert, dass der junge Dungane, der gegen den Aksakal die Hand gehoben hat, mit voller Härte des Gesetzes bestraft werde, und zur gleichen Zeit jene, die loszogen um unbeteiligte DorfbewohnerInnen zu töten und deren Häuser zu verwüsten, nicht in der Verantwortung sieht. Das Argument „Sie haben zuerst angefangen&#8220; kann man nicht anders als kindisch nennen – so verhalten sich Kleinkinder.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Nationalismus, der nur durch den „Ruf nach Blut“ angetrieben wird, der auf doppelten Standards und rechtlichem Nihilismus basiert, kann a priori nicht aufgeklärt, zivilisiert und konstruktiv sein. Ich hoffe, dass wir KasachInnen, die dies verstehen, viel mehr sind als diejenigen, die sich bewusst oder unbewusst in eine nationalistische Rage getrieben haben.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Je</strong><strong>ńis Ba</strong><strong>ıhoja für </strong><a href="https://camonitor.kz/34178-nash-domoroschennyy-nacionalizm-bessmyslennyy-i-besposchadnyy.html"><strong>Central Asia Monitor</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Russlands Einfluss in Zentralasien: Medien, Bildung, Kultur</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Nov 2017 10:48:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Marina Zhir-Lebed, Doktorandin an der Otto-Friedrich-Universit&#xE4;t Bamberg, erforscht in ihrer Dissertation die Wechselbeziehungen zwischen der Bildung einer nationalen Identit&#xE4;t und dem Gebrauch sozialer Medien am Beispiel Kasachstans. Im Interview mit Central-Asian Analytical Network (CAAN), das wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen, spricht sie &#xFC;ber die Parameter russischer &#x201E;Soft Power&#x201C;. &#xA0; CAAN: Wenn man die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Marina Zhir-Lebed, Doktorandin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, erforscht in ihrer Dissertation die Wechselbeziehungen zwischen der Bildung einer nationalen Identität und dem Gebrauch sozialer Medien am Beispiel Kasachstans. Im Interview mit </strong><strong>Central-Asian Analytical Network (<a href="http://caa-network.org/archives/10774">CAAN</a>)</strong><strong>, das wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übersetzen, spricht sie über die Parameter russischer „<a href="http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/177268/soft-power">Soft Power</a>“.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>CAAN: </strong><strong>Wenn man die Kulturpolitik der „traditionell“ in Zentralasien aktiven Akteure wie Russland, der USA, China, der Türkei, Japan und Südkorea analysiert, wirken sie dann nicht wie die Teilnehmer eines „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">The Great Game</a>“ (Das Große Spiel, Anm. d. Red.), in dem sich alle gegenüberstehen? Im Rahmen Ihrer Forschungen haben Sie sich mit der Politik der Europäischen Union in Zentralasien beschäftigt. Gibt es ein „Great Game“ in der kulturell-humanitären Sphäre der Region?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Marina Zhir-Lebed</strong>: Meiner Meinung nach zeichnet sich ein solches „Großes Spiel“ im kulturell-humanitären Kontext Zentralasiens kaum ab. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die aktive Präsenz Russlands im kulturellen-humanitären Bereich im Hintergrund erfolgt, sowohl was die zentralasiatischen Staatsoberhäupter angeht als die Bevölkerung.</p>
<p style="text-align: justify;">Russland betrachtet sich als Beschützer eines mit Zentralasien gemeinsamen humanitären Raums, indem es in erster Linie die gemeinsame Geschichte sowie die Rolle der russischen Sprache in Zentralasien anführt. Unter dem Deckmantel von <a href="http://drf-berlin.de/?q=ru/rossotrudnitschestwo-0">Rossotrunitschestwo</a> (der russischen staatlichen Agentur für humanitäre Zusammenarbeit, Anm. d. Ü.) versucht Russland, die Idee einer „Russischen Welt“ zu verbreiten, indem zum Beispiel Russische Zentren eröffnet werden oder AbiturientInnen aus zentralasiatischen Ländern die Möglichkeit erhalten, in Russland zu studieren. Die zentralasiatischen Staaten haben offiziell nichts dagegen und unterstützen dies sogar im Rahmen gutnachbarlicher Beziehungen. Aber parallel dazu bauen sie die humanitären Beziehungen mit der westlichen Welt aus. So werden westliche Bildungsstandards an zentralasiatischen Universitäten eingeführt und verschiedene Bildungsprogramme wie Erasmus oder die Programme des DAAD unterstützt.</p>
<figure id="attachment_8956" aria-describedby="caption-attachment-8956" style="width: 3228px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-8956" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1.jpg" alt="Kirgisische Studenten DAAD Workshop Balasagyn Universität" width="3228" height="1493" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1.jpg 3228w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-300x139.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-768x355.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-1024x474.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/Auf-Bäumen-Chaos-Dichten-1-1300x601.jpg 1300w" sizes="(max-width: 3228px) 100vw, 3228px" /><figcaption id="caption-attachment-8956" class="wp-caption-text">Teilnehmer eines Workshops des DAAD an der Kirgisischen Nationalen Balasagyn Universität</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Abseits des Politischen muss die sowjetische Vergangenheit und die Ähnlichkeit der Breitenkultur in Russland und Zentralasien hervorgehoben werden. In Zentralasien lebt eine große russische Diaspora, die im strategischen Interesse Russlands liegt, was die Russische Föderation deutlich von anderen Akteuren in der Region unterscheidet. Darüber hinaus beherrscht der Großteil der Bevölkerung in den zentralasiatischen Staaten die russische Sprache und verfügt mit den Russen über gemeinsame kulturelle Codes, weswegen sich Russland als untrennbar mit Zentralasien verbunden wahrnimmt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dadurch werden auch in Zentralasien vor allem russische Medieninhalte konsumiert. Sowohl bei den Massenmedien als auch in den sozialen Netzwerken dominieren Informationen aus Russland ohne nennenswerte Konkurrenz. In der Folge steht die Bevölkerung der zentralasiatischen Republiken unter dem Einfluss des innerrussischen politischen Diskurses, der oft mit der Überhöhung der Geschichte und der Suche nach ideologischen Feinden einhergeht. Aber dennoch gibt es gerade bei der Jugend Zentralasiens ein Streben nach westlichen Standards und neoliberalen Werten, allerdings in einem Ausmaß, das die kulturelle Position Russlands in Zentralasien kaum gefährden kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Nutzt Russland diesen Einfluss, damit die russische Diaspora nicht vergisst, dass es eine „historische Heimat“ gibt oder zielt er auf die gesamte Bevölkerung der zentralasiatischen Staaten ab? Welche der beiden Optionen hat für Russland Priorität?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Für Russland ist es wichtig, eine mindestens loyale Bevölkerung in Zentralasien zu haben. Dies ist sowohl mit der Bedrohung durch den radikalen Islam als auch mit wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Interessen verbunden. So hat Russland beispielsweise vorgeschlagen, in die syrischen Deeskalationszonen auch Soldaten aus Kasachstan und Kirgistan zu senden.</p>
<p style="text-align: justify;">Außerdem zeigt das Beispiel der Ukraine, dass die russischsprachige Diaspora bei der Realisierung russischer außenpolitischer Strategien nützlich sein kann. Das Ziel Russlands ist es, die Idee der „russischen Welt“ zu verfestigen, auch in Zentralasien. Es geht hier also nicht nur um ein „historische Heimat“, sondern um eine „große historische Vergangenheit“, die den Angehörigen der Diaspora das Gefühl gibt zu einem „großen Volk“ zu gehören. Andererseits wird so das Risiko ethnischer Konflikte in Zentralasien erhöht, die die Pläne Russlands in der Region potenziell bedrohen würden. Deswegen ist es in Russlands Interesse, die Balance zu wahren, die aber in erster Linie von seinen weiteren Prioritäten abhängt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Als einfacher Beobachter kann ich sagen, dass die russischen Medieninhalte mich wenig beeindrucken. Es gibt Krimiserien und die ewig schreienden Redner in Politik-Talkshows, aber keine positiven Erzählungen, die dazu geeignet sind, eine Begeisterung für Russland hervorzurufen. Mir scheint, dass der Eindruck täuscht, dass Russland aufgrund seiner medialen Vormacht mehr geliebt und geachtet wird. Der Inhalt ist vielmehr auf die eigenen StaatsbürgerInnen ausgerichtet. <a href="https://deutsch.rt.com/">Russia Today</a> und <a href="https://de.sputniknews.com/">Sputnik</a> sind da natürlich Ausnahmen, aber das, was wir sehen, ist doch hauptsächlich fürs Inland bestimmt. Was meinen Sie dazu?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben Recht damit, dass die russischen Sender und sozialen Medien sich in erster Linie an russische StaatsbürgerInnen richten. Ihr Inhalt richtet sich nicht direkt an die Menschen in Zentralasien, kann aber von ihnen als Teil des gemeinsamen kulturellen Codes betrachtet werden. Wenn zum Beispiel Russland sich den USA gegenüberstellt und das Bild eines Feindes zeichnet, so kann dies auch einen Effekt auf die Menschen in Zentralasien haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine andere Frage ist, wie die MediennutzerInnen in Zentralasien mit den erhaltenen Informationen umgehen. Und hier ist es meiner Meinung nach wichtig, den sozioökonomischen und kulturellen Hintergrund zu beachten. Abgesehen davon gibt es eine Tendenz, dass eine Folge des Konsums russischer Medieninhalte eine wachsende Sympathie für das russische Volk und die russische Sprache ist, während sich dies in Bezug auf Russland als Staat eher andersherum verhält. Hier greifen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Filterblase">Informationsblasen</a>-Theorie sowie der <a href="http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=Uses-and-Gratifications-Ansatz">Nutzen-und-Belohnungs-Ansatz</a> (Uses and Gratifications Approach), da die Jugend – und dies ist die zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppe – soziale Medien dem Fernsehen vorzieht und sich so seine eigene Sicht bildet. Deswegen kann es hier keine Erfolgsgarantie geben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Erzählen Sie uns über die KasachstanerInnen, die zum Studieren nach Russland gehen. Laut Statistik ist ihre Zahl seit der Unabhängigkeit stabil. Man hört, dass russische Hochschulen in den Regionen Kasachstans qualitativ hochwertige Rekrutierungskampagnen fahren. Wie ergeht es unserer Jugend in Russland und wie beeinflusst das ihre Beziehung zum Nachbarland? Stellt die Ausbildung in Russland eine Art von Soft Power dar?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Russische Hochschulen ziehen seit jeher AbiturientInnen aus Zentralasien an, vor allem aus Kasachstan. Die geografische und kulturelle Nähe sowie der Zugang zur russischen Sprache spielen hier ihre Rolle. Ein russisches Diplom erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Zugang zu russischen Hochschulen wurde erleichtert und Rossotrudnitschestwo vergibt Stipendien, deren Zahl sich in den letzten paar Jahren verdoppelt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Allgemein ist Bildung an sich ein klassisches Instrument der Sozialisierung und stellt somit auch Soft Power dar. Insbesondere Russland geht offen damit um, dass es auf die Akquisition von Studierenden, unter anderem aus der <a href="http://www.dekoder.org/de/gnose/gemeinschaft-unabhaengiger-staaten">Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)</a> abzielt. Immer mehr russische Universitäten nehmen an Bildungsmessen in den (kasachstanischen, Anm. d.Ü.) Regionen teil. Außerdem muss man anmerken, dass allein in Kasachstan sechs Filialen russischer Hochschulen, an denen nach russischem Lehrprogramm unterrichtet wird, existieren. In Kirgistan und Tadschikistan gibt es die Slawische Universität.</p>
<p style="text-align: justify;">Was die kasachstanischen Studierenden in Russland betrifft, so beeinflusst ihre Ausbildung in der Russischen Föderation auch ihre Weltsicht. Indem sie sich im Land befinden, werden sie auch von Traditionen und Regeln beeinflusst, die sie selbst wieder unter FreundInnen und Verwandten verbreiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Gibt es die Sorge, dass Zentralasien sich verändert und sich aus dem postsowjetischen Raum herauslöst? Wenn es diese Sorge gibt, könnte das bedeuten, dass Russland sein jetziger Einfluss nicht reicht. Andererseits ist auch das Budget Russlands nicht unerschöpflich, sodass nicht jedem Wunsch nach Soft Power in der Region nachgegeben werden kann.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Gefahr, dass sich Zentralasien aus dem postsowjetischen Raum löst, sehe ich nicht. Erst einmal kann man nicht von größeren Veränderungen reden. Auch wenn verschiedene ForscherInnen nach dem Maidan die Ambitionen Russlands in anderen postsowjetischen Ländern besprochen haben, ist die Situation in Zentralasien offensichtlich eine andere.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kommt-der-maidan-nach-zentralasien-die-auswirkungen-des-umsturzes-in-der-ukraine/">Kommt der Maidan auch nach Zentralasien? Die Auswirkungen des Umsturzes in der Ukraine auf Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Verhandlungen über die Erweiterung der Eurasischen Wirtschaftsunion laufen, wenn auch langsam. Russische Gesetzte, die auf die Unterstützung des Traditionalismus gerichtet sind, werden von den zentralasiatischen Republiken übernommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch wenn der Einfluss Chinas in der Region wächst, so widerspricht das kaum den russischen Interessen. Sowohl für Chinas als auch für Russland sind stabile politische Regime, ökonomisches Wachstum und eine weltlich orientierte Regierung wichtig.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich glaube nicht, dass Russland anfängt, seine Strategie zu ändern, solange der Diskurs über die „große sowjetische Vergangenheit“ und die russische Sprache durch Fernsehen, soziale Netzwerke und Sommerschulen zur Eurasischen Integration Zugang zu den BewohnerInnen Zentralasiens finden. Dieses Modell funktioniert prima und ich denke, dass Russland auch weiterhin seinen kulturellen Einfluss auf diesem Weg ausweiten wird. Und Sie haben Recht, dass auch wenn aus diesen oder jenen Gründen die Ambitionen Russlands in der Region wachsen, die Frage der Finanzierung eine entscheidende Rolle spielen wird, zumal der Westen seine Sanktionen Russland gegenüber verlängert und auch die Ölpreise weit entfernt von ihren besten Tagen sind.</p>
<figure id="attachment_10175" aria-describedby="caption-attachment-10175" style="width: 761px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-10175" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt.jpg" alt="Arbeitsamt Schymkent" width="761" height="514" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt.jpg 761w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt-300x203.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Arbeitsamt-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 761px) 100vw, 761px" /><figcaption id="caption-attachment-10175" class="wp-caption-text">Schlange am Arbeitsamt Schymkent in Kasachstan. Für viele Kasachen ist eine Arbeit in Russland ein Ausweg aus der finanziellen Krise</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Auch wenn Russland und China an Stabilität in der Region interessiert sind, gibt es dennoch eine Rivalität im politischen und wirtschaftlichen Bereich. In Bezug auf Soft Power meinen aber viele ExpertInnen, dass China Russland nicht überholen wird, da die chinesische Kultur, Sprache und Mentalität eine andere und Russland den ZentralasiatInnen folglich näher ist. Wenn man in Betracht zieht, wie schnell China lernt und über welche finanziellen Möglichkeiten und wirtschaftliche Präsenz es verfügt, kann man nicht zum Schluss gelangen, dass sich die Situation nicht zu Gunsten Russlands entwickelt?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Daran, dass China versucht, seine Position mit Soft Power zu festigen, besteht kein Zweifel. Das Konfuzius-Institut, das chinesische Äquivalent zu Goethe-Institut oder British Council, hat zum Ziel, die chinesische Sprache und Kultur zu verbreiten. Es arbeitet auf der ganzen Welt, so auch in allen zentralasiatischen Republiken. In einem gewissen Maß ermöglicht es das Interesse an China zu erhöhen. Stipendien und alternative Studienprogramme aus China locken immer mehr AbiturientInnen und Studierende aus Zentralasien an. Aber im Vergleich zu einer Ausbildung in Russland steht jene in China weniger hoch im Kurs, was mit sprachlichen Hürden verbunden ist. Im Bereich des Handels ist die Nachfrage nach Arbeitskräften, die die chinesische Sprache beherrschen und die Besonderheiten der chinesischen Kultur kennen, kein Massenphänomen.</p>
<p style="text-align: justify;">Teilweise tritt man China in Zentralasien mit Argwohn gegenüber. Ein Beispiel hierfür ist die Reaktion auf die Reform des Landrechts in Kasachstan, die einen weitgehend antichinesischen Charakter trug. Das wiederum verbessert das Ansehen Russlands.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Wie ist die Situation der zentralasiatischen ArbeitsmigrantInnen, die in Russland leben? Haben Sie Daten dazu, ob und wie sich ihre Wahrnehmung vor und nach der Arbeit in Russland ändert? Sind sie ein Art Agent, der nach der Rückkehr in die Heimat für eine weitere Annäherung und kulturelle Zusammenarbeit eintritt?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Thema Arbeitsmigration in Russland ist vielseitg und wenn man über Migration aus Zentralasien redet, ist es wichtig, zu differenzieren, worum genau es geht. In letzter Zeit ist die Zahl der legalen MigrantInnen mit einer Arbeitserlaubnis für die Russische Föderation signifikant gestiegen und umfasst 1,5 Millionen Menschen. Die Folge ist aber auch eine strengere Migrationsgesetzgebung. Viele Menschen aus Zentralasien kommen mit dem Ziel nach Russland, sich beruflich selbst zu verwirklichen und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Sie sind bereit, bürokratische Hindernisse zu überwinden, zahlen Geld für die Genehmigung ihrer Geschäftstätigkeit und stimmen somit den russischen Spielregeln zu. Viele von ihnen erhalten das Aufenthaltsrechts oder sogar die Staatsbürgerschaft und holen ihre Familien nach Russland. Eine aktive Integration in die russische Gesellschaft ist eine Erfolgsgewähr für viele legale MigrantInnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus wirtschaftlicher Sicht ist Russland an dieser Art der Migration interessiert, zumal sie außerdem die gewohnte Position des Kolonialherren in der Region wahrt. So ruft die Stiftung <a href="http://www.dekoder.org/de/gnose/russki-mir">Russki Mir</a> (zu deutsch: Russische Welt)  dazu auf, „Auswanderern aus Zentralasien“ die russische Sprache zu lehren und ihnen bei Erlernen neuer Berufe zu helfen, wobei niedrigqualifizierte MigrantInnen aus Kirgistan „Zuwanderern“ aus China als das geringere Übel gegenübergestellt werden. Obwohl die Mehrheit von ihnen ihre Zukunft in Russland und nicht in der Heimat sieht, können sie über die sozialen Medien dennoch für eine weitere Annäherung und kulturelle Zusammenarbeit eintreten. Durch aktive Teilnahme in Gruppen auf <a href="https://vk.com/">Vkontakte</a> (das russische Facebook-Äquivalent, Anm. d. Ü.), Skype-Gespräche mit Verwandten oder ausschließlich positive Bilder auf Instagram, können legale und hochqualifizierte MigrantInnen ein positives Russlandbild verbreiten, das in der Folge die Vorstellungen der BürgerInnen Zentralasiens beeinflusst.</p>
<p style="text-align: justify;">Was jedoch die illegalen MigrantInnen betrifft, für die die Arbeit in Russland eine Notwendigkeit ist und die die Rückkehr in die Heimat planen, so ist bei ihnen die Situation völlig anders. Laut jüngerer soziologischer Umfragen ist die Mehrheit der RussInnen den MigrantInnen aus Zentralasien gegenüber negativ eingestellt und leider verstärkt sich diese Tendenz von Jahr zu Jahr. Natürlich kann Diskriminierung legale wie illegale MigrantInnen treffen, aber gerade illegale MigrantInnen, müssen sich angesichts ihres Status damit abfinden. Häufig genug bilden sie geschlossene ethnische Gemeinschaften und haben wenig Kontakt mit RussInnen, woraus die Bildung sozialer Stereotype und eine Teilung in „wir“ und „sie“ resultiert. Diese MigrantInnen können auch über die sozialen Netzwerke ihre Eindrücke von Russland teilen. Nur erscheinen diese in einem völlig anderen Licht.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Mit Marina Zhir-Lebed sprach <a href="http://caa-network.org/archives/author/rafael-sattarov">Rafael Sattarow</a></strong><br />
<strong> <a href="http://caa-network.org/archives/10774">Central Asian Analytical Network</a></strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">LinkedIn</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/russlands-einfluss-in-zentralasien-medien-bildung-kultur/">Russlands Einfluss in Zentralasien: Medien, Bildung, Kultur</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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