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	<title>Moskau Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Moskau Archives</title>
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		<title>Soft Power mit vorgehaltener Waffe: Was steckt hinter Sergej Kirijenkos Besuch in Usbekistan?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 18:44:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erste stellvertretende Leiter der Pr&#xE4;sidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko, ist am 15. April nicht ohne Grund nach Taschkent geflogen. Wenn ein solch wichtiger Vertreter der Kreml-Verwaltung nach Usbekistan reist und nicht etwa ein gew&#xF6;hnlicher Minister oder Vizepremier, bedeutet dies stets, dass es um ernste und nicht immer &#xF6;ffentlich diskutierte Angelegenheiten geht. Offiziell klang alles sehr [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der erste stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko, ist am 15. April nicht ohne Grund nach Taschkent geflogen. Wenn ein solch wichtiger Vertreter der Kreml-Verwaltung nach Usbekistan reist und nicht etwa ein gewöhnlicher Minister oder Vizepremier, bedeutet dies stets, dass es um ernste und nicht immer öffentlich diskutierte Angelegenheiten geht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziell klang alles sehr harmonisch: Man sprach über den Anstieg des Warenumsatzes, große gemeinsame Projekte und kulturelle Beziehungen. Bezeichnenderweise begann der Besuch nicht mit Verhandlungen, sondern mit einem Besuch im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Victory_Park,_Tashkent">Siegespark</a> in Taschkent, wo die russische Delegation Blumen am Denkmal „Oda stojkosti“ (Russisch für „Ode an die Standhaftigkeit“) niederlegte und das „Museum des Ruhmes“ besuchte. Die Symbolik ist klar: Das gemeinsame historische Gedächtnis ist ein weiteres Instrument der Einflussnahme, und Kirijenko versteht es, damit umzugehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtiger Mann in Moskau</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wladilenowitsch_Kirijenko">Sergej Kirijenko</a> ist in Moskau nicht nur für die Innenpolitik im traditionellen Sinne zuständig. Seit 2022 ist gerade er der wichtigste ideologische Kurator der „neuen Gebiete“ – der von Russland besetzten ukrainischen Regionen. Er reiste persönlich nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mariupol">Mariupol</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cherson">Cherson</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Melitopol">Melitopol</a>, um sich dort mit dem zu befassen, was der Kreml als „Integration“ bezeichnet: die Ernennung loyaler Beamter, der Aufbau von Verwaltungsstrukturen, die Durchsetzung russischer Bildungs- und Ideologiestandards.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich wurden Videoaufnahmen veröffentlicht, die Kirijenko bei einem Rundgang durch die von Russland „befreite“ und vollständig zerstörte ukrainische Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Myrnohrad">Mirnograd</a> [ukr. Myrnohrad, Anm. d. Übers.] zeigen – mit einem Sturmgewehr in der Hand. Für einen Beamten seines Ranges ist dies eine demonstrative Geste: Ich bin nicht nur ein Verwalter, ich bin Teil dieses Krieges. Genau deshalb werden seine Besuche in den post-sowjetischen Hauptstädten ganz anders wahrgenommen als die Reisen gewöhnlicher Diplomaten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatte der Besuch in Taschkent mehrere wichtige Ziele.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens will Moskau herausfinden, inwieweit Usbekistan noch „auf seiner Seite“ steht. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev </a>verfolgt tatsächlich eine eigenständige Politik und balanciert meisterhaft zwischen Russland, China, der Türkei und dem Westen: Vor einem Jahr fand in Samarkand der Gipfel zwischen Zentralasien und der Europäische Union statt, erst kürzlich empfing Mirziyoyev erfolgreich den türkischen Staatschef, und kurz vor Kirijenkos Ankunft führte die älteste Tochter des usbekistanischen Präsidenten und zugleich Leiterin seiner Verwaltung, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saida_Mirziyoyeva">Saida Mirziyoyeva</a>, eine Reihe erfolgreicher Treffen und Verhandlungen auf höchster Ebene in den USA durch, wo sie den amerikanisch-usbekischen Wirtschaftsrat <a href="https://fergana.news/news/146458/">ins Leben rief</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/saida-mirziyoyeva-die-praesidententochter-und-ihr-kometenhafter-aufstieg/">Saida Mirziyoyeva – Die Präsidententochter und ihr kometenhafter Aufstieg</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heute ist es für den Kreml wichtig, dass Taschkent nicht zu weit aus der Reihe tanzt. Und Kirijenko gehört zu den Menschen, die auf sanfte, aber deutliche Weise daran erinnern können: „Wir sehen alles.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA.jpg" alt="" class="wp-image-44533" style="aspect-ratio:1.5014777647948312;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Präsident Usbekistans Shavkat Mirziyoyev und die Leiterin seiner Verwaltung, Saida Mirziyoyeva, beim Treffen mit Sergej Kirijenko. Foto: UzA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens ging es sicherlich um konkrete industrielle Zusammenarbeit und darum, wie Russland Usbekistan unter den Bedingungen der Sanktionen weiterhin nutzen kann – als günstigen Standort für Produktion und Umgehungsmechanismen. Der Mechanismus für Parallelimporte in Russland wurde bis Ende 2026 verlängert, und die zentralasiatischen Routen bleiben dafür von grundlegender Bedeutung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Soft Power für Usbekistan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und drittens ist da noch das für Kirijenko traditionelle Thema – „Soft Power“: Bildung, Jugend, Kultur, die russische Sprache. Das ist keine Abstraktion: Gleich am Tag ihrer Ankunft besuchte die russische Delegation die Taschkenter Zweigstelle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Forschungsuniversit%C3%A4t_f%C3%BCr_Kerntechnik_%E2%80%9EMIFI%E2%80%9C">Moskauer Nuklearuniversität MIFI</a>, wo sie sich mit Studierenden traf. Am Vortag fand dort die Präsentation des von Russland organisierten Internationalen Jugendfestivals 2026 statt, zu der sich etwa 300 Physikstudierende zusammenfanden. In Usbekistan gibt es einen sehr hohen Anteil an jungen Menschen, und für Moskau ist es von Vorteil, wenn diese weiterhin ihren Blick auf Russland richten und nicht nur auf Ankara oder Washington.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Interesse überschneidet sich unmittelbar mit dem Thema der Arbeitsmigration, das Mirziyoyev und Kirijenko bei ihrem Treffen wahrscheinlich ebenfalls angesprochen haben. Ebenso wie Fragen der kollektiven Sicherheit sowie die Vorbereitungen für Putins bevorstehenden Besuch in Usbekistan. Zuletzt war der russische Präsident im Mai 2024 in Taschkent, und die Frage nach dem nächsten Besuch steht offensichtlich auf der Tagesordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Taschkent in Moskaus Fängen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde außerdem über eine <em>„Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen digitale Technologien und Informationspolitik, Entwicklung der Massenmedien und zivilgesellschaftlicher Initiativen“</em> <a href="https://uza.uz/ru/posts/prezident-uzbekistana-prinyal-delegaciyu-rossii_845186">gesprochen</a>. Die Formulierung klingt neutral und sogar fortschrittlich – doch dahinter verbirgt sich ein ganz konkretes russisches Modell. Immerhin wurde in Russland bis 2026 eines der strengsten Systeme staatlicher digitaler Kontrolle aufgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deraler_Dienst_f%C3%BCr_die_Aufsicht_im_Bereich_der_Kommunikation,_Informationstechnologie_und_Massenkommunikation">Roskomnadzor</a>, das seit 2019 im Rahmen des Gesetzes über das „souveräne Runet“ [russisches staatlich kontrolliertes Internet, Anm. d. Übers.] Befugnisse erhalten hat, verfügt heute über die technischen Möglichkeiten, den russischen Teil des Internets vollständig vom globalen Netz zu isolieren – und führte bereits solche Experimente durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/usbekistans-militaerdoktrin-im-zeitalter-der-drohnen/">Usbekistans Militärdoktrin im Zeitalter der Drohnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet das in Bezug auf Kirijenkos Besuch in Taschkent? Vermutlich schlägt er dieses Modell – in dem die digitale Umgebung und der Medienraum nicht der Information, sondern der Steuerung dienen – der usbekistanischen Regierung als Vorbild für die „Zusammenarbeit“ vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit war der Besuch aus Russland nicht einfach nur ein „Arbeitstreffen“. Es war eine klassische Kreml-Inspektion und eine Bestimmung der Lage – durch einen Mann, der sich nicht nur mit politischen Strategien, sondern auch mit der direkten Verwaltung der „neuen“ russischen Gebiete befasst. Kirijenko wollte sehen, inwieweit Usbekistan noch immer im russischen Einflussbereich liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was getan werden muss, damit Usbekistan so lange wie möglich in diesem Bereich verbleibt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Daniil Kislow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/146543/">Russischen</a> (leicht gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



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		<title>Das Taschkenter Erdbeben 1966: „Wir beben, aber wir geben nicht auf“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bthoens]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Apr 2026 18:29:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vor 60 Jahren zerst&#xF6;rte ein Erdbeben Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die Zerst&#xF6;rung entpuppte sich als Zeitenwende f&#xFC;r das Stadtbild, das durch den Wiederaufbau durch verschiedene Baumeister aus allen Sowjetrepubliken von nun an in einem neuen Kleid daherkam. Auch der deutsche Fotograf Heinz Kr&#xFC;ger war damals zuf&#xE4;llig vor Ort und lichtete die Zerst&#xF6;rung, aber auch die Hoffnung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor 60 Jahren zerstörte ein Erdbeben Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die Zerstörung entpuppte sich als Zeitenwende für das Stadtbild, das durch den Wiederaufbau durch verschiedene Baumeister aus allen Sowjetrepubliken von nun an in einem neuen Kleid daherkam. Auch der deutsche Fotograf Heinz Krüger war damals zufällig vor Ort und lichtete die Zerstörung, aber auch die Hoffnung und den Wiederaufbau Taschkents ab.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Taschkenter schliefen noch, als vor 60 Jahren, am frühen Morgen des 26. April 1966 um 5:23 Uhr lokaler Zeit ein starkes Erdbeben die Hauptstadt der damaligen Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik erschütterte. Das Beben war mit einer Magnitude von etwa 5,2 auf der Richterskala bei einer sehr flachen Herdtiefe eigentlich nur mittelschwer. Da sich das Epizentrum jedoch mitten im Stadtzentrum befand, entfaltete es eine gewaltige Zerstörungskraft. Vor allem die elf Sekunden des ersten Erdstoßes, aber auch viele Nachbeben in den folgenden Tagen und Wochen, zerstörten etwa 28.000 Gebäude.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="824" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-824x1024.jpg" alt="" class="wp-image-44588" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-824x1024.jpg 824w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-241x300.jpg 241w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-768x954.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-1236x1536.jpg 1236w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344.jpg 1613w" sizes="(max-width: 824px) 100vw, 824px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Archiv Heinz Krüger. Copyright&nbsp;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab nur sehr wenige moderne Hochhäuser, die auch standhielten. Die meisten traditionellen ein- und zweistöckigen Häuser aus Lehm wurden beschädigt, stürzten aber nicht ein. So waren auch nur ein Dutzend Menschenleben und etwa 150 Verletzte zu beklagen. Dank des warmen Klimas war es kein Problem, dass die Stadt im Nu ins Freie umzog. In wenigen Tagen entstanden riesige Zeltsiedlungen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="825" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1024x825.jpg" alt="" class="wp-image-44583" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1024x825.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-300x242.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-768x619.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1536x1237.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321.jpg 1965w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Archiv Heinz Krüger. Copyright&nbsp;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neubau statt Wiederaufbau</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Taschkent war in den 1960er Jahren mit knapp einer Million Einwohnern die viertgrößte Stadt der Sowjetunion und genoss in Moskau besondere Aufmerksamkeit. So wie Leningrad historisch als „Fenster nach Europa“ galt, war Taschkent das „Tor nach Osten“. Dies stand synonym mit Usbekistan als „Leuchtturm“ und Aushängeschild, um die sogenannte dritte Welt anhand politischer, wirtschaftlicher und kultureller Diplomatie für das sowjetische Gesellschaftsmodell zu begeistern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moskau reagierte sofort auf die Katastrophe. Noch am selben Abend trafen Parteichef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leonid_Iljitsch_Breschnew">Breschnew</a> und Regierungschef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexei_Nikolajewitsch_Kossygin">Kosygin</a> in Taschkent ein und erlebten während der ersten Krisensitzung gleich ein kräftiges Nachbeben. Dem Schicksalsschlag des Erdbeben-Epizentrums im unmittelbaren Stadtgebiet begegnete man in Taschkent mit dem durch Zufall fast fertigen neuen Generalbebauungsplan.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der schon auf dem Papier gehegte Traum einer sozialistischen Mustermetropole bekam über Nacht die Chance auf eine zügige Umsetzung in Stahl und Beton. Der lokale KP-Chef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scharaf_Raschidow">Sharof Rashidov</a> nutzte diese Möglichkeit und konnte die Moskauer Führung von der Umleitung gewaltiger Ressourcen an Fachkräften, Material und Know-how aus der gesamten Sowjetunion in die usbekische Metropole überzeugen: Taschkent sollte nicht bloß wieder aufgebaut, sondern entsprechend des sozialistischen Fortschrittsglaubens als ideale Stadt neu gebaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Generalbebauungsplan wurde im Rekordtempo adaptiert und Anfang 1967 verabschiedet. In den folgenden vier Jahren entstanden über eine Million Quadratmeter neuer Wohn- und Nutzflächen in der nun „erdbebensicheren“ Hauptstadt. Ganz nach dem Motto <em>„Wir beben, aber wir geben nicht auf“</em>, wie es damals auf vielen Häuserwänden und Zelten geschrieben stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/architektonisches-versuchslabor-taschkent-ueber-den-denkmalwert-sowjetischer-plattenbauten/">Architektonisches Versuchslabor Taschkent: Über den Denkmalwert sowjetischer Plattenbauten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über 100.000 Bauarbeiter und Bausoldaten, Ingenieure und Architekten folgten unter den Fahnen der Solidarität und Völkerfreundschaft dem Ruf in die Usbekische SSR. Viele der am Wiederaufbau Beteiligten blieben nach vollendeten Arbeiten in Taschkent. Die Lebensqualität der neuen Wohnviertel, ein leichterer Zugang zu andernorts knappen Wohnungen und das warme Klima gaben der Stadt, nach der Aufnahme vieler Waisenkinder während des 2. Weltkrieges, einen weiteren Multikulti-Schub.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der „seismische Modernismus“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Moderne hielt Einzug in Taschkent. Breite Prospekte und Alleen sowie großflächige Wohnsiedlungen mit der <a href="https://dom-publishers.com/products/fassadenkunst-im-plattenbau">wohl weltweit größten Vielfalt an Plattenbauten</a> entstanden. Die neu erbauten Wohnhäuser ersetzten die einstöckigen Bauten der Taschkenter Altstadt und dehnten die Ränder des Stadtgebietes mit vielen Neubaugebieten um mehr als die Hälfte aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="835" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-835x1024.jpg" alt="" class="wp-image-44586" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-835x1024.jpg 835w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-245x300.jpg 245w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-768x942.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-1253x1536.jpg 1253w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213.jpg 1668w" sizes="auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Archiv Heinz Krüger. Copyright&nbsp;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgedehnte Grünanlagen wurden erhalten und erweitert, um das Stadtbild aufzulockern und die kontinentalklimatische Sommerhitze zu lindern. Markante architektonische Experimente bei der Konstruktion öffentlicher Gebäude sowie überdimensionale, orientalisch angehauchte Keramik-Mosaike an vielen Hauswänden verliehen dem Stadtbild zusätzlichen Charme. Die erste Metro und der höchste Fernsehturm in Zentralasien trugen schließlich zur sichtbaren Modernisierung Taschkents bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-mosaike-von-taschkent-von-den-bruedern-jarsky-zum-kulturerbe/"><strong>Die Mosaike von Taschkent: Von den Brüdern Jarsky zum Kulturerbe</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese gerade im Wohnungsbau sichtbare Spezifik der städtebaulichen Transformation macht Taschkent bis heute zu einem architektonischen Unikat. Der Stil wird gern als „<a href="/www.gisela-graf.com/webyep-system/daten/pdf/PM_E_Seismic_Modernism.pdf">seismischer Modernismus</a>“ beschrieben. Denn neben Moskau und Leningrad leisteten die Wohnungsbaukombinate aller anderen Sowjetrepubliken ihren Beitrag. Sie alle brachten ihre lokaltypischen Hochhaustypen und Wohnungsentwürfe mit und konnten sie in Taschkent umsetzen. So verband sich sowjetische Moderne in allen Varianten zwischen Tallinn, Baku und Nowosibirsk mit orientalisch angehauchtem Charme lokaler Bautradition.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="900" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311.jpg" alt="" class="wp-image-44593" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311.jpg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das frühere Inturist&nbsp;und jetzige Hotel Uzbekistan als markantes Beispiel des „seismischen Modernismus“. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Noch heute findet man an vielen Häuserblöcken aus dieser Zeit gemauerte Inschriften wie „Von Leningrad für Taschkent“, „Kharkov“ oder das „Litauische Viertel“. Nirgends in der Welt findet man eine solche Vielfalt unterschiedlicher Plattenbauten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-44590" style="aspect-ratio:1.3333401151553377;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">„Den Taschkentern zum Glück vom belarussischen Volk 1967“. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der besondere ästhetische Reiz entstand in der Einbindung lokaler Elemente. Vielerorts wurden Schatten spendende Arkaden eingeplant. Durch breite Sonnenschutzgitter wurde die direkte Sonneneinstrahlung an Fensterfronten verringert. Viele Fassaden beeindrucken durch bunte Ornamente und großflächige Panorama-Mosaike mit Motiven von Folklore bis Kosmos.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369.jpg" alt="" class="wp-image-44591" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Taschkenter Fassadenschmuck zur Reduzierung der direkten Sonnenstrahlung. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Architektur und Stadtplanung nach 1966</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der einstige Lenin-Prospekt trägt heute den Namen des damaligen KP-Chefs und „Stadterneuerers“ Sharof Rashidov. Nicht nur das, bereits zum zehnten Jahrestag des Bebens wurde 1976 am Ort des Epizentrums am damaligen Leninprospekt das „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f%C3%BCr_die_Opfer_des_Erdbebens_von_Taschkent_1966">Denkmal des Mutes</a>“ eingeweiht. Die Statue einer der Naturgewalt widerstehenden Familie zeigt Mann, Frau und Kind auf einem gespalten Granitwürfel. Die beiden Würfelhälften zeigen das Datum und die Uhrzeit des Bebens. Es symbolisiert weniger die Katastrophe und die Trauer darüber als vielmehr den Opfermut und Optimismus beim Wiederaufbau der Hauptstadt. Die Unterstützung vieler Bauunternehmen aus allen Ecken der damaligen Sowjetunion findet ihre Würdigung in den Reliefs und Zinnen der den Denkmalplatz schmückenden Umrahmung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-44602" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bei einem Taschkenter Stadtrundgang führt kein Weg am Denkmal&nbsp;„Mut“ vorbei. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das heutige Taschkent ist mittlerweile mit über 3,5 Millionen Einwohnern mehr als doppelt so groß. Die Infrastruktur des Zentrums basiert nach wie vor auf dem nach 1966 etablierten Straßennetz. Nach der Unabhängigkeit Usbekistans bekamen viele Aspekte der russisch-sowjetischen Kolonialzeit eine kritische Bewertung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/taschkent-vs-almaty-die-geschichte-zweier-staedte-erzaehlt-anhand-ihrer-gebaeude/"><strong>Taschkent vs. Almaty – die Geschichte zweier Städte erzählt anhand ihrer Gebäude</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Architektur gab es Nostalgie nach dem alten Taschkent. Die Moderne war vielen zu wenig usbekisch und zu stark sowjetisch. <em>„Nicht das Erdbeben, sondern die mit Planierraupen ausgestattete Völkerfreundschaft machten das alte Taschkent dem Erdbeben gleich“</em>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=uPaUl_lKwX4">kommentierte</a> die damals in Taschkent und heute in der Nähe von Jerusalem lebende Schriftstellerin Dina Rubina sarkastisch. Viele öffentliche Gebäude bekamen neue Fassaden. Weißer Marmor mit blauer Verglasung wurde das neue Maß der Dinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten zehn Jahren intensiver Reformen unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> brach ein regelrechter Bauboom aus. Die Stadt dehnt sich gen Norden und Osten aus. Verdichtung im Zentrum ist nun das Zauberwort. Mit dem Abstand der Jahre setzt sich auch ein differenzierterer Blick auf das oft als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brutalismus">Brutalismus</a> diffamierte Erbe des „seismischen Modernismus“ durch. Seine Einzigartigkeit generiert über die Grenzen des Landes hinaus Neugier und Wertschätzung und neuerdings einen sorgfältigen Umgang mit diesem Erbe. Selbst die Idee eines Antrages für eine Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe steht bereits <a href="https://whc.unesco.org/en/tentativelists/6708/">im Raum</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein deutscher Fotograf war zufällig in Taschkent</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zum Erdbeben: Zufällig befanden sich in jenen Tagen zwei Reporter der DDR-Zeitschrift „Freie Welt“ wegen eines anderen Redaktionsauftrags in Taschkent. Doch nun wurde für Hans Frosch (Text) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Kr%C3%BCger_(Fotograf)">Heinz Krüger</a> (Bild) das Erdbeben zum alleinigen Thema. In der Ausgabe 23/66 erschien Anfang Juni auf fünf Seiten ein großer Bericht, wie Taschkent mit den Folgen des Erdbebens klarkam. Ein gutes Dutzend Fotos illustrierten die Reportage. Auf der Reise nach Zentralasien entstanden damals insgesamt knapp 140 Fotos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie befinden sich heute im Foto-Archiv des seitdem berühmt gewordenen Fotografen Heinz Krüger (1919 – 1980). Seine Witwe übergab den u. a. eine über 30.000 Bilder umfassenden Nachlass seiner Heimatstadt Falkensee bei Berlin. In diesem Jahr werden nun einige Taschkenter Fotos wieder einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Einen ersten Vorgeschmack gibt es <a href="https://www.goethe.de/ins/uz/de/ver.cfm?event_id=27267510">am 29. April vor Ort im Taschkenter Goethe-Institut</a>, das dem Erdbeben-Jahrestag eine Gedenkveranstaltung widmet. Einer der Vorträge wird den damaligen Aufnahmen von Heinz Krüger gewidmet sein.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Bodo Thöns</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redaktionell betreut von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Novastan bedankt sich herzlich beim Autoren sowie beim <a href="http://www.museum-galerie-falkensee.de/">Museum und Galerie Falkensee</a>, die uns freundlicherweise die Bilder zur Verfügung stellen.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 16:05:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Anschlag]]></category>
		<category><![CDATA[Anwalt]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Khorasan]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Personen, die des Terroranschlags vom M&#xE4;rz 2024 in Moskau beschuldigt werden, k&#xF6;nnen laut einer Erkl&#xE4;rung eines russischen Anwaltes an Russland ausgeliefert werden. Die Beschuldigten leben derzeit in der T&#xFC;rkei. Der Prozess begann am 4. August 2025. In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur TASS k&#xFC;ndigt Rechtsanwalt Igor Trunow an, dass die t&#xFC;rkischen Beh&#xF6;rden die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die Personen, die des Terroranschlags vom März 2024 in Moskau beschuldigt werden, können laut einer Erklärung eines russischen Anwaltes an Russland ausgeliefert werden. Die Beschuldigten leben derzeit in der Türkei. Der Prozess begann am 4. August 2025.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem <a href="https://tass.ru/proisshestviya/24659773">Interview mit der russischen Nachrichtenagentur TASS</a> kündigt Rechtsanwalt Igor Trunow an, dass die türkischen Behörden die wegen des Anschlags auf die Crocus City Hall gesuchten Verdächtigen an Russland ausliefern könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der tödliche Anschlag ereignete sich am 22. März 2024, als vier bewaffnete Männer vor Beginn des Konzerts der Rockband „Piknik” in einen Konzertsaal in der Nähe von Moskau stürmten. Die Angreifer eröffneten das Feuer auf die Zuschauenden und legten ein Feuer auf den vier Etagen sowie auf dem Dach des Gebäudes, bevor sie die Flucht ergriffen. Die traurige Bilanz <a href="https://fergana.ru/news/139187/">laut Fergana News</a>: 149 Tote, 609 Verletzte und eine vermisste Person, wobei die Schäden auf 6 Milliarden Rubel (63 Millionen Euro) geschätzt werden. Der Terroranschlag wurde im Nachhinein von der Gruppe „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_%E2%80%93_Provinz_Khorasan">Islamischer Staat in Khorasan</a>” beansprucht.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Anwalt, der 115 Opfer in diesem Fall vertritt, gehören zu diesen Personen der Bruder des direkten Täters, Muhammadsobir Faizow, und Umedschon Soliew, der zum Zeitpunkt der Tat für die Waffen verantwortlich war. Beide Männer sind von den russischen Behörden als Terroristen gelistet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trunow betonte, dass der Bruder von Faizow in der Türkei lebte, bevor er auf die Fahndungsliste gesetzt wurde. Einer Untersuchung zufolge lebte dieser – ein Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat – vor der Tat mit den beiden direkten Beteiligten des Anschlags, Saidakrami Ratschabalizoda und Schamsidin Fariduni, zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einige Angeklagte bereits in Tadschikistan verurteilt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Anwalt Trunow teilte mit, dass die tadschikischen Behörden neun Personen aus Tadschikistan und Kirgistan auf die Fahndungsliste gesetzt haben, darunter den Waffenhändler Zubaidullo Ismoilow. Dieser wurde in Tadschikistan bereits wegen öffentlicher Aufrufe zur Änderung der verfassungsmäßigen Ordnung verurteilt. Nach Umedschon Soliew seinerseits wird wegen Diebstahls ermittelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-bedingungen-fuer-migrantinnen-aus-zentralasien-verschaerfen-sich-weiter/">Die Bedingungen für Migrant:innen aus Zentralasien verschärfen sich weiter</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://qafqazinfo.az/news/detailru/-51692">Laut Qafqazinfo</a> tauscht die Türkei Informationen mit Russland über den Fall Crocus City Hall aus, jedoch ohne der Bekanntgabe von Details. Auf die Frage nach der Auslieferung der Angeklagten gab die türkische Quelle gegenüber Qafqazinfo keinen Kommentar ab.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Prozessbeginn und Festnahmen von Zentralasiaten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. August wurde der Prozess zum Anschlag auf die Crocus City Hall eröffnet. In der Zwischenzeit <a href="https://tass.ru/proisshestviya/24661389">beschlagnahmten</a> die Ermittler eine Videoaufzeichnung der Verfolgung der Täter, die von einer Polizeistreife in der russischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Brjansk">Region Brjansk</a> an der Grenze zu Weißrussland und der Ukraine gemacht wurde. Außerdem wurden Videos, die mit den Smartphones von Zuschauenden aufgenommen wurden, und eine Aufzeichnung einer Dashcam eines vorbeifahrenden Autos sichergestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Beweismittel ergänzen andere Sachbeweise wie Waffen, Kleidung und einen Renault, den die vier Männer bei ihrem Angriff benutzt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://fergana.media/news/139267/">Während der nichtöffentlichen Verhandlung</a> vor einem Militärgericht in Moskau bekannten sich die vier Hauptangeklagten, darunter Muhammadsobir Faizow, vollständig schuldig und entschuldigten sich bei den Opfern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach diesen Ereignissen wurden Bürger aus Zentralasien auf russischem Gebiet von FSB-Beamten unter dem Vorwurf des Terrorismus festgenommen, <a href="https://rus.azathabar.com/a/v-rossii-zaderzhan-urozhenets-tsentralnoy-azii-po-podozreniyu-v-podgotovke-terakta/33487598.html">berichtet Radio Free Europe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits hat Russland seine Politik gegenüber zentralasiatischen Arbeitsmigranten verschärft, wodurch sich ihre Aufnahmebedingungen weiter verschlechtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>William Onkur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/societe-et-culture/un-avocat-evoque-la-possibilite-dune-extradition-des-accuses-dans-lattentat-du-crocus-city-hall/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Was Chorasan für den „Islamischen Staat“ bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jean Monéger-Leclerc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 May 2024 18:46:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Chorasan]]></category>
		<category><![CDATA[Crocus City Hall]]></category>
		<category><![CDATA[IS]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Taliban]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall stellen einige Medien Zentralasien im Allgemeinen und vor allem Tadschikistan als Brutst&#xE4;tte f&#xFC;r Terrorismus dar. Dabei offenbart ein Blick auf die Geschichte und die Lebensbedingungen im Land, dass es insbesondere dem &#x201E;Islamischen Staat&#x201C; gelingt seinen politischen Diskurs in einer Weise anzupassen, dass er den Zielgruppen legitim erscheint. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall stellen einige Medien Zentralasien im Allgemeinen und vor allem Tadschikistan als Brutstätte für Terrorismus dar. Dabei offenbart ein Blick auf die Geschichte und die Lebensbedingungen im Land, dass es insbesondere dem „Islamischen Staat“ gelingt seinen politischen Diskurs in einer Weise anzupassen, dass er den Zielgruppen legitim erscheint.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) besteht fort. Zu dem <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Terroranschlag</a> auf die Crocus City Hall bei Moskau am 22. März, bei dem <a href="https://rtvi.com/news/terakt-v-krokus-siti-holle-chto-izvestno-spustya-mesyacz/">145 Menschen ums Leben kamen</a>, bekannte sich der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ISIS-K">Islamische Staat – Khorasan (IS-K)</a>. Vier Männer mit tadschikischer Staatsbürgerschaft wurden verhaftet, gefoltert und vor Gericht gestellt. Seit Ende März kam es zu mindestens acht weiteren Festnahmen. Die meisten Betroffenen sind ebenfalls Tadschiken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach 2017, als die Befreiung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mossul">Mossul</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ar-Raqqa">Raqqa</a> das Ende des Kalifats einzuläuten schienen, bestand der IS fort. Während die Organisation im Westen vor allem wegen ihrer Präsenz im Nahen Osten bekannt ist, war sie bald auch in Afghanistan und dessen unmittelbarer Umgebung aktiv. Der IS nutzte Allianzen mit anderen islamistischen Gruppen und abtrünnigen Taliban und gründete im Januar 2015 seine „Provinz Chorasan“ – den IS-K.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Während Menschen aus Zentralasien seit dem Anschlag in Russland <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Diskriminierung</a> und Gewalt zum Opfer fallen, müssen einige Nuancen berücksichtigt werden. Insbesondere Zentralasien kann nicht als <em>„neuer Brückenkopf“</em> (<a href="https://www.lemonde.fr/international/article/2024/03/24/attentat-de-moscou-l-asie-centrale-nouvelle-tete-de-pont-de-l-organisation-etat-islamique_6223938_3210.html">Le Monde</a>) oder <em>„Brutstätte“</em> (<a href="https://www.france24.com/fr/asie-pacifique/20240325-attentat-de-moscou-le-tadjikistan-maillon-faible-de-l-asie-centrale-face-aux-jihadistes-de-l-ei">France 24</a>) des IS bezeichnet werden: Im Gegenteil, die Staatsmacht kämpft in den Ländern der Region seit ihrer Unabhängigkeit gegen religiösen Eifer.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anspruch auf Einzigartigkeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie alle Extremisten profitiert auch der IS von Ungerechtigkeiten und Frustrationsgefühlen, die die Machthaber in der Bevölkerung hinterlassen. Es handelt sich um ein politisches Projekt, das darauf abzielt, Massen von Gläubigen anzuziehen – Mitglieder, die bereit sein müssen, für ihre Sache zu sterben. Dabei führt die Betrachtung der Herkunftsregionen der Terroristen dazu, die Frage aus einem falschen Blickwinkel zu analysieren, da dies impliziert, dass die Bewohner solcher „Brutstätten“ von Natur aus sensibel für die Ideologie des Islamischen Staates wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien ist nicht die einzige Region der ehemaligen Sowjetunion, in der der IS versucht, sich zu etablieren oder zu überleben. Der radikale Islam des (immer noch zu Russland gehörenden) Nordkaukasus weist nicht die gleichen Merkmale auf wie der des unabhängigen Zentralasiens. Daher ist es wichtig zu verstehen, dass der Islamische Staat als Organisation eine Ideologie vertritt, die den Anspruch erhebt, einzigartig zu sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Ideologie des IS: Vielfältige Ziele</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um es mit den Worten der Forscherinnen Sara Harmouch und Amira Jadoon auszudrücken: Die Ideologie des IS-K ist der „Marke“ des Islamischen Staates treu. Sein Ziel ist die Etablierung des islamischen Rechts, der Scharia, in ihrer strengsten Auslegung. Daher gelten <em>„säkulare Regierungen sowie nicht-muslimische Zivilbevölkerungen, aber auch muslimische Gruppen und Einzelpersonen, die ihre Vision vom Islam nicht teilen“</em>, als legitime Ziele, präzisieren die beiden Wissenschaftlerinnen gegenüber <a href="https://theconversation.com/dans-le-viseur-de-letat-islamique-au-khorassan-la-russie-mais-aussi-lasie-centrale-et-leurope-226538">The Conversation France</a>. Die Vielfalt der Rekruten spiegelt die Vielfalt der Ziele wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauer gesagt zielt der IS darauf ab, die Gemeinschaft der Gläubigen zu dominieren. Er beansprucht dabei die Autorität über die Interpretation islamischer Texte. Die Organisation ist sunnitisch geprägt und bekennt sich zu einem extremen Anti-Schiismus. Obwohl Tadschikistan im Gegensatz zum übrigen türkischen Zentralasien mit der persischen Welt verbunden ist, ist der Islam dort, wie auch in den Nachbarländern, überwiegend sunnitisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/"><strong>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist Russland für den IS-K nur ein Ziel unter vielen: Bei einem <a href="https://thediplomat.com/2024/01/unveiling-the-motivations-tajik-iskps-calculated-strikes-on-iran/">Anschlag</a> im Januar 2024 tötete die Organisation im schiitischen Iran fast 100 Menschen. Wie <a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2023/07/07/arrests-made-in-anti-terrorist-sting-in-germany-and-the-netherlands_6045249_4.html#">Le Monde</a> berichtete, wurde im Juli 2023 in Deutschland und den Niederlanden eine Zelle aufgelöst, deren Mitglieder aus drei zentralasiatischen Ländern kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Denkfabrik <a href="https://www.specialeurasia.com/2024/04/17/germany-switzerland-terrorism/">SpecialEurasia</a> wurden kurz nach dem Anschlag bei Moskau auch in Deutschland und der Schweiz Zellen aufgedeckt. Einige Mitglieder sollen Teenager sein und alle sind Angehörige europäischer Nationalitäten. Bevor sich das politische Projekt an solch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anpassen kann, muss es in seiner Einzigartigkeit bekräftigt werden. Ein Beispiel dafür ist die Wahl des Namens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Bezug auf Chorasan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sich auf Chorasan zu beziehen bedeutet, über die Geschichte einer Region zu sprechen, die im Laufe der Jahrhunderte Schauplatz zahlreicher Eroberungen war, deren Name aber auch einige Afghanen heute als die alte Bezeichnung ihres eigenen Landes betrachten. Das Gebiet entspricht einem Teil des alten persischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassanidenreiches</a>, das den heutigen Ost-Iran, ganz Afghanistan und das südliche Zentralasien umfasste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chorasan verweist auf eine reiche islamische Vergangenheit und ist daher auch kulturell ein Begriff, der die Afghanen anspricht. Es bietet auch einen interessanten territorialen Aspekt: ​​Der Iran – eingekeilt zwischen dem IS im Nahen Osten und in Chorasan – steht der territorialen Kontinuität des „Islamischen Staates“ im Weg. Somit trägt die Chorasan implizit die Forderung nach einer geografischen Expansion sowie nach einem Sieg über den Iran in sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-terroranschlag-bei-moskau-stellt-tadschikistan-vor-schwierige-entscheidungen/"><strong>Der Terroranschlag bei Moskau stellt Tadschikistan vor schwierige Entscheidungen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den IS stellt Chorasan eine Möglichkeit dar, den Namen des Landes abzulehnen, um das die Russen, Briten und Amerikaner gekämpft haben. Es ist auch eine Möglichkeit, sich von den Taliban abzugrenzen: Letztere, hauptsächlich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paschtunen">Paschtunen</a>, behalten den Namen Afghanistan bei und sind geografisch auf dessen Territorium beschränkt. Auch der IS will territoriale Kohärenz, allerdings mit einem globalen Ziel. Die Bezugnahme auf eine Provinz innerhalb eines größeren Islamischen Staates ist eine Möglichkeit, eine alternative Identität zu behaupten und mehr Legitimität zu beanspruchen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>An Territorien gebundene politische Forderungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über rein geografische Überlegungen hinaus sind diese Prinzipien mit den politischen Zielen des Islamischen Staates verknüpft. Schon die Wahl des Begriffs „Staat“ ist aufschlussreich. Der IS will ein Kalifat errichten, dessen Provinz Chorasan sein soll. Im Kaukasus hingegen gab es eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_State_–_Caucasus_Province">eigene „Provinz“</a>: <a href="https://ria.ru/20240303/kto-1930816487.html">Berichten zufolge</a> habe Moskau am 3. März eine Zelle in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Inguschetien">Republik Inguschetien</a> zerschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Taliban haben de facto einen – ebenfalls islam(ist)ischen – Staat gegründet. Diesen bezeichnen sie als Emirat, wobei ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emir">Emir</a> einem Gouverneur entspricht. Dieser Begriff unterstreicht den Unterschied zwischen den beiden islamistischen Bewegungen, zwischen einem vom IS angestrebten potenziell globalen Kalifat und einem auf Afghanistan beschränkten Emirat der Taliban.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Territorium unterliegt somit politischen Überlegungen, die als solche auf den Aufbau von Legitimität abzielen. Dies basiert auf Diskursen, die geografische und historische Elemente, insbesondere in Bezug auf Staatsform und Regierungsführung, einbeziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kalif oder Emir?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterscheidung in den Begriffen führt somit zu einem politischen Unterschied. In der muslimischen Tradition und Geschichte sind in Bezug auf den Begriff Emir ganz unterschiedliche Realitäten entstanden, insbesondere im Hinblick auf die effektive Macht. Der Begriff ist vager als der eines <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalif">Kalifen</a>, welcher eine größere Nähe zum Göttlichen und Spirituellen beansprucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalif zu sein, stellt im Islam einen größeren spirituellen und religiösen Anspruch dar, der die Legitimität einer (weltlichen) Macht schwächen kann. Im Fall des IS, dessen Ziel die Eroberung eines riesigen Territoriums ist, bedeutet dies die Vorherrschaft über verschiedene Bevölkerungsgruppen, aber auch eine fragilere Legitimität, die schwieriger aufzubauen und aufrechtzuerhalten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/"><strong>Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall der zentralasiatischen Staatsangehörigen passt der Islamische Staat seinen Diskurs an Bevölkerungsgruppen an, die von großer Armut und unterschiedlichem Grad an Autoritarismus betroffen sind. Dies stellt ein wesentliches Mittel für seinen Selbsterhalt dar. Der IS selbst betrachtet Zentralasien nicht als fruchtbaren Boden für den Terrorismus: So wie er die Gebiete zur Unterstützung seiner Ansprüche nutzt, sieht er die zentralasiatische Bevölkerung nur als eine Variable, um seinem größten Projekt zu dienen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jean Monéger-Leclerc für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/ce-que-le-khorassan-represente-pour-letat-islamique/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-chorasan-fuer-den-islamischen-staat-bedeutet/">Was Chorasan für den „Islamischen Staat“ bedeutet</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Mar 2024 22:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Crocus City Hall]]></category>
		<category><![CDATA[Entschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[IS-K]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. Der t&#xF6;dliche Anschlag bei Moskau hat f&#xFC;r Schlagzeilen &#xFC;ber die Beteiligung von Tadschik:innen in internationalen Terrororganisationen wie dem sogenannten &#x201E;Islamischen Staat&#x201C; gesorgt. Dies hat unter anderem zu einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Russland gef&#xFC;hrt. Am Abend des 22. M&#xE4;rz haben bewaffnete M&#xE4;nner die Konzerthalle &#x201E;Crocus City Hall&#x201C; bei Moskau angegriffen und 140 Menschen get&#xF6;tet. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. Der tödliche Anschlag bei Moskau hat für Schlagzeilen über die Beteiligung von Tadschik:innen in internationalen Terrororganisationen wie dem sogenannten „Islamischen Staat“ gesorgt. Dies hat unter anderem zu einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Russland geführt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 22. März haben bewaffnete Männer die Konzerthalle „Crocus City Hall“ bei Moskau angegriffen und 140 Menschen getötet. Tags darauf wurden elf Personen festgenommen, berichtete die russische Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/proisshestviya/20320557">TASS</a>. Die vier Männer, denen die Ausführung des Anschlags vorgeworfen wird, sind tadschikische Staatsangehörige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn vieles vorerst im Dunkeln bleibt und die Schuld der Angeklagten nicht bewiesen ist, wurde der Angriff vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ISIS-K">Islamischen Staat &#8211; Khorasan (IS-K)</a> für sich beansprucht, einem IS-Ableger, dem sich viele Tadschik:innen angeschlossen haben. Wie das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240310/emomali-rahmon-virazil-nedovolstvo-mnogokratnim-hadzhem-tadzhikistantsev">Asia-Plus</a> berichtete, hatte Tadschikistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> nur zwei Wochen vor dem Anschlag erklärt: <em>„Laut verfügbaren Daten haben 24 unserer Mitbürger in den letzten drei Jahren in zehn Ländern Terroranschläge begangen.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Angriff in Russland ist auf dessen Intervention in Syrien zurückzuführen, womit es sich in offener Gegnerschaft zum IS positionierte. Die wiederholte Beteiligung von Tadschik:innen bei Angriffen des IS-K wirft Fragen auf, nähert allerdings auch unbegründete Vorstellungen von Tadschikistans Rolle im globalen Terrorismus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Russland rekrutiert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://bush.tamu.edu/faculty/elemon/">Edward Lemon</a>, auf Zentralasien spezialisierter Forscher und Präsident der <a href="https://oxussociety.org/">Oxus Society</a>, <a href="https://twitter.com/EdwardLemon3/status/1771532009325633964">erklärt</a>, dass Tadschikistan im Verhältnis zur Einwohner:innen-Zahl den drittgrößten Anteil an Staatsangehörigen hat, die sich den Reihen des IS in Syrien angeschlossen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten tödlichen Angriffe des IS-K, die bisher hauptsächlich auf den Iran, Afghanistan und die Türkei abzielten, wurden von Tadschik:innen verübt, erläutert <a href="https://thediplomat.com/2024/01/unveiling-the-motivations-tajik-iskps-calculated-strikes-on-iran/">The Diplomat</a>. Dies gilt insbesondere für den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bombenanschläge_in_Kerman_2024">Anschlag im iranischen Kerman</a>, bei dem im Januar fast 100 Menschen ums Leben kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/"><strong>Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Tadschikistan jedoch zunehmend als Brutstätte des islamistischen Radikalismus wahrgenommen wird, ist diese Darstellung verkürzt. So <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/insights/terror-attack-russia-shines-spotlight-isis-k-recruiting-among-central-asians">zeigen Studien</a>, dass die Rekrutierung von Tadschik:innen durch den IS-K hauptsächlich in Russland erfolgt – beziehungsweise unter Menschen, die in Russland gelebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein im ersten Halbjahr 2023 wurden 1,28 Millionen Tadschik:innen von den russischen Migrationsbehörden registriert, darunter mehr als 963.000 in der Arbeitsmigration. Die Zahlen könnten aber tatsächlich höher sein, berichtet das russische Wirtschaftsmedium <a href="https://nsk.rbc.ru/nsk/24/08/2023/64e6c63a9a79471c6e4adea5">RBC</a>. Im Jahr 2022 stammten nach Angaben der <a href="https://blogs.worldbank.org/en/peoplemove/remittances-europe-and-central-asia-post-strong-growth">Weltbank</a> 51 Prozent des BIP von Arbeitsmigrant:innen, was Tadschikistan zum am stärksten von Überweisungen abhängigen Land der Welt macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Motivationen, die oft weit vom radikalen Islam entfernt sind</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese oft prekäre Situation macht sie jedoch anfällig für die Rekrutierung. <a href="https://www.wilsoncenter.org/person/melanie-sadozai">Mélanie Sadozaï</a>, eine auf die tadschikisch-afghanische Grenze spezialisierte Forscherin, erklärt gegenüber Novastan: <em>„Die Gründe, warum diese Personen rekrutiert werden, sind vielfältig: Suche nach einem besseren Leben, Ablehnung des Staates und seiner Institutionen, der Wunsch, den Islam ohne Diskriminierung zu praktizieren, attraktive finanzielle &nbsp;Angebote der Anwerber, Verurteilung des russischen Engagements in Syrien, wo sich der Kern des IS befindet und so weiter.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie sind <em>„die Beweggründe also keineswegs mit einer uneingeschränkten Unterstützung des in der IS-Propaganda propagierten radikalen Islamismus verbunden.“</em> In Bezug auf den Anschlag bei Moskau weist Edward Lemon jedoch <a href="https://twitter.com/EdwardLemon3/status/1772797999204221251">darauf hin</a>, dass die mutmaßlichen Terroristen ein ähnliches Profil hätten: Sie seien kürzlich nach Russland ausgewandert und nicht besonders religiös gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf tadschikischem Boden gab es hingegen nur wenige IS-Angriffe, zuletzt einen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/islamischer-staat-bekennt-sich-zur-attacke-die-zum-tod-von-4-rad-touristen-in-tadschikistan-fuhrte/">Anschlag auf ausländische Radfahrer:innen 2018</a> und einen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/">Gefängnis-Aufstand in Chudschand 2019</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine vage Definition von Extremismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beitritt zum IS kann jedoch auch als Reaktion auf die ultrasäkulare tadschikische Politik erfolgen. Extremismusvorwürfe in Tadschikistan richten sich weniger gegen den strengen Islam als gegen jede Form von Handlungen, die der Regierung missfallen: Nicht selten werden Aktivist:innen, Menschenrechtler:innen oder Journalist:innen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">wegen Extremismus verurteilt</a>. Religiöse Praxis wird als politische Opposition interpretiert und unterdrückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Mélanie Sadozaï verschärfen die Behörden Tadschikistans <em>„die Beschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf religiöse Praktiken und potenzielle Rivalen oder Destabilisatoren des bestehenden Regimes, was nur Frustrationen schürt, die die Form von Terroranschlägen annehmen können.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Grenze zu Afghanistan ist weniger durchlässig, als es scheint</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem die Aufmerksamkeit auf Tadschikistan und den IS-K gerichtet ist, wird die gemeinsame Grenze mit Afghanistan, einer Hochburg des IS-K, als potenzieller Korridor für Dschihadist:innen erwähnt. Auch hier betont Mélanie Sadozaï, dass die Unsicherheit entlang der Grenze eine vorgefasste Meinung sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Gegensatz zu dem, was man denken könnte, überqueren keine Bürger Tadschikistans die Grenze in Richtung Afghanistan. Der fehlende Zusammenhang zwischen Terrorismus und dieser Grenze führt dazu, dass sie im September 2023 wieder für grenzüberschreitenden Handel geöffnet wurde“</em>, erklärt Mélanie Sadozaï.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kazan-und-kebab-womit-an-der-tadschikisch-afghanischen-grenze-gehandelt-wird/"><strong>Kazan und Kebab – Womit an der tadschikisch-afghanischen Grenze gehandelt wird</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelfälle sind nicht auszuschließen – und die Grenze kann auch in die entgegengesetzte Richtung durchlässig sein, insbesondere für <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/foerdert-der-drogenhandel-den-terrorismus-in-zentralasien/">den Drogenhandel</a>. Aber Tadschik:innen, die sich Terrororganisationen anschließen, tun dies in der Regel über Russland. Die Forscherin fasst zusammen: <em>„Der IS-K ist eine multinationale und keine grenzüberschreitende [im wahrsten Sinne des Wortes, Anm. d. Ü.] Terrorgruppe.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit mit den Taliban</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus arbeitet Duschanbe in bestimmten Sicherheitsfragen mit Kabul zusammen. Afghanistan bleibt Tadschikistans feindseligster Nachbar, insbesondere aufgrund der Präsenz der Terrorgruppe Dschamaat Ansarullah, die aus ethnischen Tadschik:innen besteht, welche Feinde von Duschanbe sind und von den Taliban unterstützt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch andere Terrorgruppen erzwingen den Dialog. <em>„Der IS-K ist ein innenpolitisches Problem für Tadschikistan und für die Taliban, denn die von dieser Gruppe beanspruchten Anschläge untergraben die Glaubwürdigkeit dieser Regime in Bezug auf ihre Fähigkeit, die Sicherheit in ihren Ländern aufrechtzuerhalten“</em>, schließt Mélanie Sadozaï.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Welle der Fremdenfeindlichkeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss daher klargestellt werden, dass die tadschikische Bevölkerung in ihrer überwiegenden Mehrheit den IS-K nicht unterstützt. Sowohl in Tadschikistan als auch in Russland würdigten Tadschik:innen die Opfer. In Duschanbe wurde die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz">Noruz-Feier</a>, die am 24. März stattfinden sollte, <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240325/karnaval-navruza-proidet-segodnya-v-dushanbe">auf den nächsten Tag verschoben</a>. Der Grund wurde nicht offiziell kommuniziert, lokale Medien interpretierten die Geste jedoch als Reaktion auf die Ankündigung eines nationalen Trauertages in Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Reaktionen reichten nicht aus, um ultranationalistische Strömungen in Russland zu beruhigen. Fake News und rassistische Verschwörungstheorien <a href="https://twitter.com/bahruz_samad/status/1772024022449950811">florieren</a> oder tauchen wieder auf – zum Beispiel die Behauptung eines Völkermords an Russ:innen während des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_Bürgerkrieg">Tadschikischen Bürgerkriegs</a> in den 1990er Jahren. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/"><strong>Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://eurasianet.org/tajik-diaspora-in-russia-living-in-terror-following-crocus-city-massacre">Eurasianet</a> und <a href="https://rus.ozodi.org/a/32876078.html">Radio Ozodi</a> berichteten, haben fremdenfeindliche Taten in Russland in den letzten Tagen so stark zugenommen, dass viele Migrant:innen Angst davor haben, ihre Wohnungen zu verlassen, und manchmal sogar aufhören, zur Arbeit zu gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zunehmende Aggression</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die tadschikische Botschaft, die sich für gewöhnlich <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiatische-arbeitende-nach-streik-in-russland-entlassen/?noredirect=de-DE">nicht für die Interessen ihrer Bürger:innen in Russland einsetzt</a>, hat ihren Staatsangehörigen empfohlen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Usbekische Bürger:innen wurden außerdem <a href="https://www.centralasian.org/a/32879280.html">aufgefordert</a>, öffentliche Orte zu meiden, während die Kirgis:innen <a href="https://www.reuters.com/world/europe/kyrgyzstan-urges-citizens-limit-travel-russia-2024-03-27/">angehalten sind</a>, jegliche Reisen nach Russland zu meiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In russischen Städten kam es bereits zuvor häufig zu Jagden auf Migrant:innen, doch der Anschlag löste eine weitere Welle aus. Nach Angaben der Menschenrechtlerin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ULePKWtMtfo">Valentina Tschupik</a> meldeten Zentralasiat:innen in den beiden darauf folgenden Tagen 2.500 Fälle von Aggression, darunter 30 Fälle von Folter. Angesichts von Bildern, auf denen FSB-Agenten die tadschikischen Verdächtigen foltern, scheint körperliche Gewalt gegen Zentralasiat:innen nun völlig legitim zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu gewalttätigen Übergriffen an öffentlichen Orten kam es zu einem massiven Boykott gegen tadschikische Taxifahrer:innen. Andere Zentralasiat:innen sagen, sie seien aus ihren Wohnungen geworfen oder sogar entlassen worden, ohne ihr Gehalt zu erhalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Langfristige Folgen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Somit wird die Beteiligung von Tadschiken an dem Anschlag vom 22. März – ob real oder nicht – auf längere Sicht katastrophale Folgen für das Leben der Tadschik:innen in Russland haben. Wie Valentina Tschupik erklärt, wird <em>„unkontrollierbare Migration“</em> dafür verantwortlich gemacht, während Politiker:innen bereits vorschlagen, ein <a href="https://www.kommersant.ru/doc/6593947">Visaregime für Tadschik:innen</a> einzuführen oder sie beim kleinsten Fehler auszuweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland braucht diese Arbeitskräfte und solche Maßnahmen sind unwahrscheinlich, aber Bedrohungen für die Sicherheit von Migrant:innen sind real in einem Kontext, in dem Fremdenfeindlichkeit und Gewalt öffentlich akzeptiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-moskauer-traum/"><strong>Der Moskauer Traum</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es besteht die Befürchtung, dass diese schlechte Presse auch Zentralasiat:innen in Europa betreffen wird. Während die Region in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, gelangt Tadschikistan immer wieder als Brutstätte des religiösen Extremismus in die Presse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiat:innen wird häufig ein Visum für Europa verweigert und bei Asylanträgen kommt es zu Ablehnungen, wobei fabrizierte Extremismusvorwürfe im Herkunftsland – wie <a href="https://novastan.org/fr/europe-et-asie-centrale/citoyen-ouzbek-expulse-france-risques-de-torture/">zuletzt bei einem Fall in Frankreich</a> – eine Rolle spielen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Behörden der europäischen Länder nach den jüngsten Ereignissen in der Lage sein werden, den Kontext zu berücksichtigen und falsche Anschuldigungen von echten zu unterscheiden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Judith Robert für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/attentat-russie-tadjiks-face-a-xenophobie-massive/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Russische Grenztruppen in Kirgistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[pmougeot]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2022 18:17:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilien]]></category>
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		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Moskau m&#xF6;chte Grundst&#xFC;cke in Bischkek erwerben. Das kirgisische Parlament versucht nun die juristischen H&#xFC;rden f&#xFC;r das Gesch&#xE4;ft zu umgehen. &#xA0;Mit dem Abkommen &#xFC;ber die Zusammenarbeit in Grenzfragen vom 17. Juli 1999 hatte sich Bischkek verpflichtet, Moskau Infrastruktur zur Verf&#xFC;gung zu stellen und gleichzeitig die Instandhaltung des Gel&#xE4;ndes zu finanzieren. &#xDC;ber viele Jahre hinweg handelte es [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Moskau möchte Grundstücke in Bischkek erwerben. Das kirgisische Parlament versucht nun die juristischen Hürden für das Geschäft zu umgehen. </strong><strong>&nbsp;</strong>Mit dem Abkommen über die Zusammenarbeit in Grenzfragen <a href="http://cbd.minjust.gov.kg/act/view/ru-ru/17091?cl=ru-ru" target="_blank" rel="noopener">vom 17. Juli 1999</a> hatte sich Bischkek verpflichtet, Moskau Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Instandhaltung des Geländes zu finanzieren. Über viele Jahre hinweg handelte es sich dabei, laut der kirgisischen Nachrichtenagentur <a href="https://kg.akipress.org/news:1786777/?f=cp" target="_blank" rel="noopener">Akipress</a>, um Gebäude in dem Dorf Nowopokrowka, das im äußersten Norden des Landes liegt. Aufgrund von Baufälligkeit und unzureichenden hygienischen Bedingungen musste Kirgistan 2013 jedoch neue Grundstücke in der Hauptstadt bereitstellen.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-plant-vorerst-keine-weitere-militaerbasis-in-kirgistan/"><strong>Russland plant vorerst keine weitere Militärbasis in Kirgistan</strong></a>

Dieses Gelände wollen die Grenztruppen Russlands jetzt erwerben. Das kirgisische Gesetz verbietet allerdings die Veräußerung kirgisischen Bodens an Ausländer. Am 13. Juni hat der Ausschuss für internationale Angelegenheiten, Verteidigung und Sicherheit des kirgisischen Parlaments dem Entwurf eines Anhangs zu dem ursprünglichen Abkommen zugestimmt, wie das russische Auslandsmedium <a href="https://ru.sputnik.kg/20220613/kyrgyzstan-rossiya-federalnaya-pogranichnaya-sluzhba-zdanie-arenda-nedvizhimost-soglashenie-1065227187.html" target="_blank" rel="noopener">Sputnik</a> berichtet. Mit der neuen Übereinkunft soll es nun möglich sein, „<em>die Grundstücke als Staatseigentum zu registrieren und sie dann für 49 Jahre zu verpachten</em>“, sagte der Vorsitzende des kirgisischen Immobilienverwaltungsfonds, Mirlan Bakirov, der kirgisischen Nachrichtenagentur <a href="https://24.kg/vlast/236813_pogranslujba_rossii_pokupaet_zdaniya_vtsentre_bishkeka/" target="_blank" rel="noopener">24.kg</a> zufolge.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Damit würde Moskau praktisch zum Eigentümer zweier Grundstücke in der kirgisischen Hauptstadt werden.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Paul Mougeot
</strong><strong>Redakteur bei Novastan
</strong><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/moscou-veut-acheter-un-terrain-dans-le-centre-de-bichkek/" target="_blank" rel="noopener">Französischen</a> von Lucas Kühne</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Alle zentralasiatischen Präsidenten bei der Siegesparade in Moskau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2020 05:20:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Tag des Sieges]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die zentralasiatischen Pr&#xE4;sidenten wurden zu der am 24. Juni geplanten Siegesparade in Moskau eingeladen. Anl&#xE4;sslich des 75. Jahrestags des Sieges &#xFC;ber die Nationalsozialisten soll den L&#xE4;ndern Zentralasiens ein wichtiger Platz einger&#xE4;umt werden, als Symbol ihrer gegenw&#xE4;rtigen politischen Ann&#xE4;herung mit Russland. Am 10. Juni best&#xE4;tigte der Pressesekret&#xE4;r des russischen Pr&#xE4;sidenten, Dmitri Peskow, dass alle f&#xFC;nf L&#xE4;nder [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die zentralasiatischen Präsidenten wurden zu der am 24. Juni geplanten Siegesparade in Moskau eingeladen. Anlässlich des 75. Jahrestags des Sieges über die Nationalsozialisten soll den Ländern Zentralasiens ein wichtiger Platz eingeräumt werden, als Symbol ihrer gegenwärtigen politischen Annäherung mit Russland.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 10. Juni bestätigte der Pressesekretär des russischen Präsidenten, <a href="https://www.dekoder.org/de/gnose/dimitri-peskow">Dmitri Peskow</a>, dass alle fünf Länder Zentralasiens bei der Moskauer Parade anlässlich des 75. Jahrestages des Sieges über die Nationalsozialisten vertreten sein werden: „<em>Wir haben die Bestätigung von Kasachstan, Kirgistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan; auch Serbien, Kroatien, Abchasien und Südossetien haben ihre Teilnahme bestätigt</em>“, erklärte er <a href="https://ria.ru/20200610/1572740254.html">laut Ria.ru</a>.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Insgesamt 12 ausländische Staats- und Regierungschefs haben bereits ihren Besuch der Zeremonie bestätigt, so der russische Außenminister <a href="https://www.dekoder.org/de/gnose/sergej-lawrow-aussenminister-russland">Sergej Lawrow</a>, zitiert von der Presseagentur <a href="https://tass.ru/obschestvo/8707149">Tass</a>. Die endgültige Zahl der vertretenen Länder ist noch nicht bekannt. Eine Reihe weiterer Führungspersönlichkeiten haben eine Einladung erhalten, und eine Bestätigung von ihnen wird „jeden Tag“ erwartet, sagte Peskow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine lang erwartete Parade </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Parade zum 75. „<a href="https://www.dekoder.org/de/gnose/tag-des-sieges">Tag des Sieges</a>“, so der russische Name des Feiertags, sollte in den meisten ehemaligen Sowjetrepubliken ein besonderes Ereignis werden. Die normalerweise am 9. Mai gefeierte Parade wurde jedoch in den meisten Ländern wegen der Covid-19 Pandemie abgesagt.</p>
<p style="text-align: justify">Nur <a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/le-turkmenistan-organise-un-defile-militaire-pour-celebrer-la-fin-de-la-seconde-guerre-mondiale-une-premiere-depuis-1991/">Turkmenistan</a> und <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/belarus-militaerparade-105.html">Belarus</a> haben beschlossen, den ursprünglichen Termin beizubehalten. Das Ereignis war in Turkmenistan besonders wichtig, weil es die erste Siegesparade war, die das Land seit seiner Unabhängigkeit organisiert hat.</p>
<p style="text-align: justify">Auch in Russland war die Parade verschoben worden. Am 26. Mai ordnete der Präsident <a href="https://putin.dekoder.org/person">Wladimir Putin</a> die Vorbereitung für den 24. Juni an, berichtete <a href="https://uz.sputniknews.ru/politics/20200601/14264891/Emomali-Rakhmon-priedet-na-parad-Pobedy-v-Moskvu.html">das russische Auslandsmedium Sputnik</a>. Das neue Datum entspricht dem Jahrestag der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moskauer_Siegesparade_von_1945">Parade auf dem Roten Platz</a> im Jahr 1945.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Besonders symbolische Einladungen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sehr bald nachdem die Paraden verschoben wurden, rief Putin persönlich mehrere politische Vertreter der zentralasiatischen Länder an. Diese Aktion veranschaulicht die seit mehreren Jahren laufende Annäherung zwischen Moskau und den Ländern Zentralasiens.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-russland-verwischen-grenzen/">Kasachstan und Russland verwischen die Grenzen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> und Putin führten am 26. Mai ein <a href="https://www.akorda.kz/ru/events/international_community/phone_calls/telefonnyi-razgovor-s-prezidentom-rossiiskoi-federacii-vladimirom-putinym-39">Telefongespräch</a>, in dem die Parteien unter anderem die epidemiologische Situation und aktuelle Fragen der bilateralen Zusammenarbeit innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion erörterten. Am Ende des Gesprächs lud Putin den Präsidenten Kasachstans ein, als Ehrengast an der Siegesparade teilzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Coronavirus befällt die kirgisische Delegation</strong></p>
<p style="text-align: justify">Streitkräfte aus mehreren eingeladenen Ländern werden in Moskau an der Seite des russischen Militärs marschieren. Dazu gehören Serbien, Belarus und Kirgistan. Am 28. Mai nahm der kirgisische Präsident <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/dscheenbekow-und-seine-familie-das-ist-uber-den-zukunftigen-prasidenten-bekannt/?noredirect=de_DE">Sooronbai Dscheenbekow</a> die Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Parade an. Der russische Verteidigungsminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Kuschugetowitsch_Schoigu">Sergej Schoigu</a> lud daraufhin die Nationalgarde der kirgisischen Streitkräfte zum Marsch auf den Roten Platz ein, so <a href="https://fergana.site/news/118794/">Fergana News</a>.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Bei einer medizinischen Untersuchung vor dem Flug nach Moskau wurden jedoch zehn Soldaten der kirgisischen Nationalgarde positiv auf das Coronavirus getestet, berichtet die kirgisische Onlinezeitung <a href="https://kaktus.media/doc/414946_boycy_nacgvardii_kyrgyzstana_zarazilis_covid_19._na_parad_pobedy_poedyt_drygie.html">Kaktus</a>. Um keine gesundheitlichen Risiken einzugehen, wurde die kirgisische Nationalgarde vollständig ersetzt. Ein Reserveparadeteam, bestehend aus 79 weiteren Soldaten, wird als Ersatz entsandt.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Tanguy Martignolles </strong><br />
<strong>Journalist für Novastan </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Florian Coppenrath</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Coronavirus: Hunderte BürgerInnen zentralasiatischer Staaten sitzen im Ausland fest</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Clotilde Rabault]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2020 12:01:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Flughafen]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit mehr als zehn Tagen sitzen hunderte B&#xFC;rgerInnen der zentralasiatischen Staaten an Moskaus Flugh&#xE4;fen fest. Der Grund daf&#xFC;r ist die Einstellung des Flugverkehrs zwischen Russland und den zentralasiatischen Staaten, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Auch an den Grenzen auf dem Landweg ist die Situation &#xE4;hnlich. Seit dem 17. M&#xE4;rz sitzen hunderte Staatsangeh&#xF6;rige der [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-hunderte-buergerinnen-zentralasiatischer-staaten-sitzen-im-ausland-fest/">Coronavirus: Hunderte BürgerInnen zentralasiatischer Staaten sitzen im Ausland fest</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Seit mehr als zehn Tagen sitzen hunderte BürgerInnen der zentralasiatischen Staaten an Moskaus Flughäfen fest. Der Grund dafür ist die Einstellung des Flugverkehrs zwischen Russland und den zentralasiatischen Staaten, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Auch an den Grenzen auf dem Landweg ist die Situation ähnlich.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit dem 17. März sitzen hunderte Staatsangehörige der Länder Zentralasiens an den vier internationalen Flughäfen von Moskau fest. Wie die unabhängige russische Zeitung <a href="https://novayagazeta.ru/articles/2020/03/21/84435-neuletevshie-ili-kirgizskiy-titanik">Nowaja Gazeta</a> berichtete, geben die Passagiere an, dass ihre Flüge in letzter Sekunde annulliert wurden, ohne dass sie eine Rückerstattung erhalten haben. Sie warteten auf die Bereitstellung von Charterflügen, um in ihre Heimat zurückkehren zu können. Aber da es zu wenige Charterflüge gab und diese außerdem nicht schnell genug organisiert wurden, kam es zu einer Überlastung der Flughäfen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Am 20. März um Mitternacht unterbrachen Kirgistan und Tadschikistan ihren regulären Flugverkehr, was zur Annullierung von Flügen aus Russland führte. Etwas später folgten auch Usbekistan und Russland dem Beispiel, meldete das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20200326/rossiya-priostanavlivaet-aviasoobtshenie-s-zarubezhnimi-stranami">Asia-Plus</a>. All diese Maßnahmen sollen der Eindämmung des Coronavirus dienen. In einer Zeit, in der sich die Welt unter Quarantäne stellt, wird auch Zentralasien davon nicht verschont.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-zentralasien-im-krisenmodus/">Coronavirus: Zentralasien im Krisenmodus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am Abend des 24. März begann sich die Situation zu entspannen. Laut der usbekischen Nachrichtenagentur <a href="https://uznews.uz/ru/article/19761">Uznews</a> haben die usbekischen Behörden Charterflüge von Moskau eingerichtet. <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20200326/tadzhik-eir-dostavila-v-dushanbe-passazhirov-yuteira-zastryavshih-vo-vnukovo">Asia Plus</a> berichtete, dass 200 tadschikische Staatsangehörige, die am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Moskau-Wnukowo">Flughafen Wnukowo</a> gestrandet waren, nach Duschanbe zurückkehren konnten. Die russische Fluggesellschaft <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/UTair">UTair</a>, die ihre Flüge annulliert hatte, finanzierte die Rückführung. Mehr als 350 tadschikische BürgerInnen, die am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Moskau-Schukowski">Flughafen Schukowskij</a> festsaßen, konnten ebenfalls <a href="https://www.themoscowtimes.com/2020/03/24/coronavirus-border-closures-leave-migrant-workers-stranded-in-moscows-airports-a69733">abheben</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Wie <a href="https://fergana.news/articles/116371/">Fergana News</a> berichtete, stellte die usbekische Botschaft in Russland den gestrandeten Passagieren Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung, so dass einige den Flughafen verlassen konnten. Nach Angaben der kirgisischen Nachrichtenagentur <a href="http://kg.akipress.org/news:1606558/?from=kgnews&amp;place=search&amp;sth=088534c146725978fbbf1242157694fbhttp://kg.akipress.org/news:1606558/?from=kgnews&amp;place=search&amp;sth=088534c146725978fbbf1242157694fb">AkiPress</a> sitzen jedoch noch mehr als 50 KirgisInnen unter prekären Bedingungen und mit der Aussicht auf eine lange Wartezeit in Moskau fest: Sie sind gezwungen, auf dem Boden zu schlafen, und es fehlt an Nahrung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Beunruhigende sanitäre Bedingungen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Unter den Gestrandeten befinden sich viele GastarbeiterInnen zentralasiatischer Herkunft. 2019 reisten <a href="https://www.themoscowtimes.com/2019/08/16/russias-fsb-publishes-foreign-worker-statistics-for-first-time-in-20-years-a66895">2,4 Millionen ArbeitsmigrantInnen</a> nach Russland. Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan sind dabei die am häufigsten vertretenen Herkunftsländer. Im oben genannten Artikel der Nowaja Gazeta wird auch über die Not dieser Menschen berichtet, die alles dafür getan haben, um in ihr Land zurückkehren zu können, und den Rückflug häufig mit ihren letzten Ersparnissen bezahlt haben.</p>
<p style="text-align: justify">Laut <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20200326/hozyain-restorana-vo-vnukovo-nakormil-zastryavshih-v-aeroportu-migrantov">Asia-Plus</a> engagieren sich Freiwillige und lokale Geschäfte für die festsitzenden Menschen, indem sie Lebensmittel verteilen. Außerdem hat der Flughafen Schukowskij auf eigene Kosten Mahlzeiten bereitgestellt. Diese Hilfe, so willkommen sie auch ist, reicht jedoch nicht aus. Die Gestrandeten klagen über mangelnde Unterstützung vonseiten der Botschaften und Behörden.</p>
<p style="text-align: justify">Insbesondere die sanitären Bedingungen sind besorgniserregend, da die Flughäfen keine hygienischen Vorkehrungen getroffen haben. Die Menschen können nicht die empfohlene Distanz wahren, regelmäßiges Händewaschen ist unmöglich und es fehlt an Masken. Vor dem Hintergrund der Pandemie besteht also ein hohes Infektionsrisiko.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Auch die Grenzen auf dem Landweg sind betroffen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch die Landesgrenzen wurden von den zentralasiatischen Behörden geschlossen. Wie an den Flughäfen ist die Situation dort äußerst kompliziert, da Hunderte von Menschen an den Grenzübergängen feststecken.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify"><a href="https://rus.ozodlik.org/a/30509505.html">Radio Ozodlik</a>, der usbekische Dienst von Radio Free Europe, berichtete von 700 festsitzenden UsbekInnen an Grenzübergängen in Kasachstan und Kirgistan . Am 25. März waren es mehr als 500 an der usbekisch-kasachstanischen Grenze und mehr als 150 an der usbekisch-kirgisischen Grenze. Sie warten auf die Öffnung, während die Staaten verhandeln und die Quarantäne organisieren. <a href="https://fergana.ru/news/116435/?country=tj">Fergana News</a> berichtete, dass auch tadschikische Familien in Usbekistan feststeckten, weil sie weder die Landgrenze überqueren noch einen Flug nach Duschanbe finden konnten. Zuvor hatten sie verzweifelt versucht, ihre Botschaft in Taschkent zu kontaktieren.</p>
<p style="text-align: justify">Selbst wenn sich die Situation an Flughäfen und Grenzübergängen entspannt, bleibt die Rückkehr in der gegenwärtigen Situation kompliziert. Passagiere werden bei der Ankunft unter Quarantäne gestellt oder direkt ins Krankenhaus geschickt, wenn sich Symptome des Virus zeigen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Clotilde Rabault, Redakteurin für Novastan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Robin Roth</strong></p>
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		<title>Über die Sprache der Vorherrschaft – ein Gespräch mit Medina Bazargali</title>
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		<dc:creator><![CDATA[transitorywhite]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2019 04:16:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Medina Bazargali]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Medina Bazargali ist eine zeitgen&#xF6;ssische K&#xFC;nstlerin aus Kasachstan, die in Moskau lebt und arbeitet. Sie liebt ironischen und &#xFC;bertriebenen Realismus, in dem sich das Internet, neue Technologien und (post-)totalit&#xE4;re Realit&#xE4;ten vermischen. Sowjetische H&#xE4;rte, die digitale Revolution und die Wiederbelebung der nationalen Identit&#xE4;t gehen zusammen wie ein 3-in-1-Produkt, das im Supermarkt verkauft wird. Mit Ihren Kunstwerken [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali ist eine zeitgenössische Künstlerin aus Kasachstan, die in Moskau lebt und arbeitet. Sie liebt ironischen und übertriebenen Realismus, in dem sich das Internet, neue Technologien und (post-)totalitäre Realitäten vermischen. Sowjetische Härte, die digitale Revolution und die Wiederbelebung der nationalen Identität gehen zusammen wie ein 3-in-1-Produkt, das im Supermarkt verkauft wird. Mit Ihren Kunstwerken möchte Sie eine nachhaltige Schwingungsfrequenz zwischen diesen drei Polen finden.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Das folgende Interview erschien im englischsprachigen Original auf <a href="https://transitorywhite.com/articles/on-language-of-supremacy-medina-bazargali-in-conversation">TransitoryWhite</a>. Wir übersetzen es mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Saltanat Shoshanova: Du wirst als Teil einer neuen Generation zeitgenössischer kasachstanischer KünstlerInnen betrachtet. In welcher Verbindung stehst du zu der KünstlerInnen-Generation deiner Eltern (<a href="https://saulesuleimenova.com/">Saule Suleimenova</a> und <a href="http://kubazargaliyev.tilda.ws/">Kuanysh Bazargaliyev</a>) und zu der vor ihnen (wie zum Beispiel <a href="http://aspangallery.com/en/artist/khalfin">Rustam Khalfin</a> oder Olga Blinova)? Weichen die Fragen, die du jetzt stellst, von ihren Fragen ab? Hast du das Gefühl, dass der Kampf sich geändert hat?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Die erste Generation zeitgenössischer KünstlerInnen betrat in den frühen 90ern die Bühne, so dass die meisten von ihnen einen großen Teil ihres Lebens von Information isoliert waren. Der sowjetische Standard förderte den sozialen Realismus rigide und erfolgreich als einzigen Weg der künstlerischen Entwicklung. Als die Sowjetunion kollabierte, erlangten die KünstlerInnen mehr Freiheit und Kraft und die Zeit der freien kasachischen Kunst brach an. Ich respektiere ihre Erfahrungen und mir scheint, dass unsere beiden Generationen mit verrotteten Systemen gerungen haben. Ich denke aber nicht, dass die Fragen, die wir stellen, dieselben sind. Meine Generation – die sogenannte „Generation Z“ – ist, meiner Meinung nach, die erste Generation im postsowjetischen Raum, die Stagnation und Depression überwunden hat. Wir schauen uns nicht ängstlich um, wenn wir offen über Themen wie zum Beispiel Kolonialisierung reden. Wir können abrupt und mutig sein, weil wir nicht mehr das postsowjetische traumatische Syndrom haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/doxa-wir-wollen-die-kirgisische-kunst-voranbringen/">DOXA: Wir wollen die kirgisische Kunst voranbringen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Saltanat Shoshanova:</strong> <strong>Würdest du also sagen, dass der Weg nun frei ist?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Kasachstan mit seinem quasi-demokratischen politischen System und der Quasi-Marktwirtschaft ist immer noch stark mit den Überresten der sowjetischen Ideologie vermischt. Ich betrachte diese Überreste als radioaktives Material, dass man liquidieren muss, und ich hoffe eine der LiquidatorInnen zu werden. Ich möchte nicht unbedingt eine neue kasachische Identität entwickeln, aber es ist mein Wunsch, sie von der Angst vor dem großen Herrn, wer oder was auch immer das sein mag, von Schmerz und multiplen Traumata zu befreien und dabei zu helfen, ihre wahre Geschichte und wahren Bräuche – ohne dass diese mit Stereotypen und politischen Mythen vermischt werden &#8211; zu akzeptieren.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Annika Ernst Terwey: Du hast das Thema Kolonialisierung erwähnt, dass du ja tatsächlich in mehreren Kunstwerken ansprichst. In deinem Video <a href="https://www.myodium.cc/decolonization-of-kurt">Decolonization of Kurt</a> (2018) demonstrierst du die Kolonialisierung von Kurt, einem traditionellen kasachischen Trockenkäse, durch Schimmel. In der zweiten Hälfte des Videos versuchst du den sichtbaren Teil des Schimmels zu entfernen, was aber nicht vollständig gelingt. Woraus besteht das Dekolonialisierungsprojekt für dich?</strong></p>
<p><figure id="attachment_18486" aria-describedby="caption-attachment-18486" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-18486" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf90980d0decolonizationofkurt1.jpg" alt="Decolonization of Kurt" width="1280" height="720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf90980d0decolonizationofkurt1.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf90980d0decolonizationofkurt1-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf90980d0decolonizationofkurt1-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf90980d0decolonizationofkurt1-1024x576.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-18486" class="wp-caption-text">Decolonization of Kurt</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Das Thema Dekolonialisierung ist sehr beliebt und kontrovers in der heutigen kasachischen Kunstszene. In dem Video stelle ich die radioaktiven Reste des großen modernen Projekts der Sowjetunion metaphorisch dar, indem ich dafür einen langsam den Kurt befallenden Schimmel verwende. Die Grundidee ist, dass es unmöglich ist, den Schimmel komplett zu entfernen. Die Schimmeltoxine sind zu stark. Selbst wenn man sie nicht sieht, können sie einfach wiederkommen. Daher erscheinen in der letzten Szene die Worte „Decolonization failed. Fatal error.“ Diese radioaktiven Rückstände sind nicht nur in Kasachstan, sondern auch in Russland zu finden. Jetzt, da ich in Moskau lebe, dem Herzen der Kolonialmacht, fühle ich es noch intensiver.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Annika Ernst Terwey: Wie zeigt sich das?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Als ich ArbeitsmigrantInnen aus Zentralasien gesehen habe, begann ich meine eigenen Privilegien zu überdenken. Auch als ich selbst mit nationalistischen Äußerungen mir gegenüber konfrontiert war – zum Beispiel durch NachbarInnen. Hier in Moskau hört man überall, von der Universität bis zum Lebensmittelladen, das Schimpfwort „tschurka“, was in etwa dem N-Wort entspricht. Ein Vorfall, der sich kürzlich ereignet und mich sehr aufgewühlt hat: Ein kasachischer Kerl kommt in einen Irish Pub und die Angestellten nennen ihn Liu Kang und spielen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mortal_Kombat_(Film)">Mortal Combat</a>-Titelmelodie. Er beschwert sich, aber sie sehen absolut keine Diskriminierung in ihrem Handeln. Manche ethnischen Minderheiten beschweren sich hier überhaupt nicht, wenn etwas Derartiges geschieht. Sie verstärken sogar diese Sprache der Vorherrschaft, indem sie es lustig finden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/umida-achmedowa-eine-ausnahmekunstlerin-in-usbekistan/">Umida Achmedowa – eine Ausnahmekünstlerin in Usbekistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Saltanat Shoshanova: Ist dir auch wichtig, vom westlichen Publikum verstanden zu werden oder siehst du dein Publikum eher als eines, das die lokalen KünstlerInnen und die von dir verwendete ästhetische Sprache versteht?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Ich möchte nicht exotisiert werden und exotisiere mich nicht für ein westliches Publikum. Die Haltung einiger westlicher KuratorInnen und ForscherInnen gegenüber der kasachischen Kunstszene hat sich zwar seit dem 90ern geändert, als sie nach „exotischer“ Kunst gesucht haben, aber die Nachfrage danach ist immer noch vorhanden und einige lokale KünstlerInnen lassen ihre eigene Exotisierung für das Publikum zu. Das macht mich traurig. Gleichzeitig braucht man, um überhaupt an westliche Institutionen zu gelangen, systematische Unterstützung durch Regierungen oder andere Institutionen. Es gibt diese vielversprechende Generation von KünstlerInnen, die sehr wenig dieser Unterstützung bekommen, so dass es für Sie fast unmöglich ist, nur von der Kunst zu leben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Saltanat Shoshanova: Du bist politisch sehr aktiv und eine bekennende Feministin, was unter jungen Frauen in Kasachstan immer noch nicht üblich ist. Warum ist es für dich so wichtig Kunst und Politik zu verbinden? Denkst du, dass Kunst zu sozialem Wandel führen kann?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> In bin in einer Gemeinschaft von KünstlerInnen und AktivistInnen aufgewachsen, die Schulter an Schulter gelebt und gearbeitet haben und die die Idee vertraten, dass die grundlegenden Menschenrechte integraler Bestandteil einer jeden Gesellschaft sein sollten. Jeder Künstler und jede Künstlerin &#8211; als ein besonders empfindliches soziales Element &#8211; muss diese Idee verstehen und unterstützen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-erstmals-feministische-kundgebung-genehmigt/">Kasachstan: erstmals feministische Kundgebung genehmigt</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Als der Langzeitpräsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nasarbajew</a> zurücktrat und der neue Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Kassym-Dschomart Tokajew</a> ankündigte, dass die <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-hauptstadt-wird-in-nursultan-umbenannt/">Hauptstadt von Astana zu Nur-Sultan umbenannt</a> werden wird, konnte ich nicht ruhig bleiben. Ich habe ein <a href="https://www.instagram.com/p/BvUJ0DzgbpZ/">Video</a> aufgenommen in dem ich den Slogan rufe: „Nur-Sultan ist nicht meine Stadt. Tokajew ist nicht mein Präsident. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Darigha_Nasarbajewa">Dariga</a> ist nicht meine <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-dariga-nasarbajewa-wird-nummer-zwei-des-staates/">Senatspräsidentin</a>. Ich habe eine Wahl.“ Das Video wurde mehr als 150 000 Mal angeschaut und hat viele andere AktivistInnen inspiriert aufzustehen und sich zu äußern. Ich habe meinen Cyber-Aktivismus fortgesetzt und Facebook-Frames und AR-Masks kreiert und verbreitet, die als Protestplakate auf Avataren und in Instagram-Stories verwendet wurden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Saltanat Shoshanova: Wie beeinflussen deine feministischen Überzeugungen deine Arbeit?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Als Feministin bin ich mir meiner Privilegien bewusst, wenn ich mich mit anderen Frauen in Kasachstan vergleiche, die weniger geschützt sind und weniger Möglichkeiten im Leben haben. In meiner Kunst mache ich diese feministischen Themen bewusst, indem ich sie in Ausstellungen platziere.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistans-kunst-ololohaus/">Kirgistans Kunst – Ololohaus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mein Werk <a href="https://www.instagram.com/p/Bq5FW5CA6oD/?utm_source=ig_embed&amp;utm_medium=loading&amp;hl=fi">Talaq</a> von 2018 ist zum Beispiel dem Drittel aller kasachischen Frauen gewidmet, die als Teenagerinnen verheiratet werden und niemals höhere Schulbildung erhalten. Diese Ehen werden normalerweise nicht offiziell geschlossen, aber in der Moschee gibt es eine Zeremonie, die Nikah genannt wird. Sie wird immer beliebter, nicht nur als Folge des sich seit der Unabhängigkeit aggressiv verbreitenden Islams, sondern auch weil es dabei keine Altersbeschränkung gibt. Der Titel des Werks stammt von einer Praxis, die „dreifacher Talaq“ genannt wird und muslimischen Männern erlaubt, sich von ihren Frauen zu scheiden, indem sie das Wort „talaq“ dreimal persönlich, über das Telefon oder sogar schriftlich oder in einer SMS verwenden. Dieses Recht haben Frauen nicht. Sie können sich nur scheiden lassen, wenn ihr Mann, ein Geistlicher oder eine andere religiöse Autorität dies erlaubt. Muslimische Frauen sind in einer solchen Ehe sehr verletzlich und ich beschäftige mich mit der Frage ihrer Unsichtbarkeit im kasachstanischen institutionellen digitalen System. In meinem Kunstwerk trägt eine Braut ein rotes Hochzeitskleid und beraubt sich der Existenz innerhalb dieses digitalen institutionellen Systems.</p>
<p><figure id="attachment_18488" aria-describedby="caption-attachment-18488" style="width: 2700px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-18488" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva.jpg" alt="Auschnitt aus dem Werk Talaq" width="2700" height="1800" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva.jpg 2700w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/10/5db0cf6959277talaq3-ph_-Aigul-Khozhantayeva-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 2700px) 100vw, 2700px" /><figcaption id="caption-attachment-18488" class="wp-caption-text">Talaq</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Annika Ernst Terwey: Wie in Talaq verwendest du auch in anderen Arbeiten Technologie. Kannst du uns von der Bedeutung neuer Technologien in deiner Kunst erzählen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Ich studiere Informatik und bin sehr an dem Mix aus Programmieren, neuer Technologien und Kunst interessiert. Meine Arbeit „For your safety only“ befasst sich zum Beispiel mit dem Thema der ständigen <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-fuehrt-massive-ueberwachung-des-internets-ein/">Internetblockierung</a> durch die Regierung Kasachstans. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gezwungen, ein VPN zu nutzen und ist daran gewöhnt, dass das Internet ein paar Stunden am Tag nicht funktioniert. Die Gründe dafür sind politisch. In „For your safety only“ wollte ich die Situation ins Absurde führen und zeigen, wie diese propagandistische Täuschung aus der Außenperspektive aussieht. Ich habe einen Ultrahochfrequenz-Generator gebaut, der sich plötzlich mehrmals pro Stunde einschaltet und den kontinuierlichen Verkehr der Formeln und die Arbeit der Oszillatoren unterbricht, die Arbeit des gesamten Systems. Dieses Projekt ist ein trügerisches Kriegsspiel, das von einem Generalgenerator geführt wird, der sich selbst verschlingt, genau wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ouroboros">Ouroboros</a>, der seinen eigenen Schwanz frisst.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify;">In meiner neuesten Arbeit „Within the law“ (2019) beschäftige ich mich direkt mit verschiedenen erschreckenden Szenarien der Verschmelzung von Strafjustiz und neuen Technologien. Die Zuschauer finden sich in einer Installation wieder, die der Architektur der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Innenministerium_der_UdSSR">NKWD</a>-Verhörräume ähnelt. Wenn der Betrachter sich hinter den Verhörtisch setzt, sieht er sich einer Maschine gegenüber, die Gesichtserkennungstechnologie und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Künstliches_neuronales_Netz">Neural Network</a> verwendet, um ein Strafregister zu erstellen. Ich habe das Neural Network so programmiert, dass es die Verfassungen, die Zivil -, Verwaltungs- und Strafgesetzbücher aller ehemaligen Republiken der Sowjetunion kennt. In diesem Raum wird das soziale &#8222;Selbst&#8220; einer Person auf ein einfaches Stück Papier/Dossier/Vorstrafenregister/Urteil reduziert.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistans-kunst-saimaluu-tash-aus-osch/">Kirgistans Kunst – Saimaluu Tash aus Osch</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Saltanat Shoshanova: Wie stellst du dir die Zukunft der zeitgenössischen Kunst Kasachstans vor? Welchen Weg wird sie einschlagen und wo führt dieser Weg hin?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Medina Bazargali:</strong> Ich möchte mehr lokale, aber nicht sich selbst exotisierende Arbeiten von den KünstlerInnen meiner und der kommenden Generationen sehen. Ich bin überzeugt, dass die Ereignisse des „kasachischen Frühlings“ bereits den Kurs der Kunstproduktion in Kasachstan verändert haben. Obwohl die Demonstrationen radikaler AktivistInnen immer noch weit verstreut sind, fürchten einige KünstlerInnen und AktivistInnen keine Repressionen durch Behörden mehr und friedliche Proteste werden immer häufiger. Vielleicht sehen wir sogar eine riesige Entwicklung des kasachischen Aktionismus. Aber natürlich kann die offizielle zeitgenössische Kunst auch die gleiche Rolle spielen wie in Russland — technologisch, aber politisch neutral.</p>
<p style="text-align: justify;"><em> Saltanat Shoshanova absolviert derzeit Ihren Master in Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsinteressen umfassen Kunst in Verbindung mit queerer und feministischer Theorie, queerer Migration, Dekolonialität und dem postsowjetischen Raum. Sie ist Aktivistin und Mitorganisatorin mehrerer queer-feministischer Konferenzen in Wien und Berlin.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Annika Terwey ist eine deutsch-italienische New-Media-Designerin und Künstlerin. Sie studierte visuelle Kommunikation an der Universität der Künste Berlin und absolvierte die New-Media-Klasse. In Ihrer Arbeit erforscht Sie neue Kommunikationsformen durch Interaktionsdesign, Videoinstallationen und Ausstellungen. Ihr Interesse reicht von Umweltwissenschaften und neuen Technologien bis hin zur menschlichen Wahrnehmung.</em></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Das Original erschien auf </strong><a href="https://transitorywhite.com/articles/on-language-of-supremacy-medina-bazargali-in-conversation"><strong>TransitoryWhite</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Englischen von Robin Roth</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Der Moskauer Traum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Oct 2018 08:34:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Russland sind Tadschiken, Usbeken und Kirgisen als billige Arbeitskr&#xE4;fte bekannt: auf Baustellen, M&#xE4;rkten oder bei der Stadtreinigung. Selbst wenn sie bei der Moskauer Stadtverwaltung, Vermieter und T&#xFC;rsteher und sonst im Alltag nicht beliebt sind, machen Sie weiter. Sie rackern f&#xFC;r die Heimat &#x2013; und f&#xFC;r ihre Tr&#xE4;ume. Folgender Artikel erschien zuerst bei der MOZ. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Russland sind Tadschiken, Usbeken und Kirgisen als billige Arbeitskräfte bekannt: auf Baustellen, Märkten oder bei der Stadtreinigung. Selbst wenn sie bei der Moskauer Stadtverwaltung, Vermieter und Türsteher und sonst im Alltag nicht beliebt sind, machen Sie weiter. Sie rackern für die Heimat &#8211; und für ihre Träume. Folgender Artikel erschien zuerst bei der <a href="https://www.moz.de/">MOZ</a>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Safar Dschurajew – Lederjacke, schwarze Augen und Herrenhandtasche – wartet am Kiewer Bahnhof auf die Marschrutka. Die soll ihn zum Vorort Nemtschinowa kutschieren, zu seinem Bruder. Der 27-Jährige Tadschike ist vor wenigen Stunden in Moskau gelandet. Mit sich trägt er eine kleine Sporttasche, mehr braucht der junge Mann nicht für die neun Monate auf dem Bau. Dort hat ihm sein Bruder Arbeit versprochen, für bis zu 35 000 Rubel monatlich, umgerechnet knapp 450 Euro.</p>
<p style="text-align: justify">Gutes Geld für einen wie Dschurajew, der in Tadschikistan für die gleiche Tätigkeit nur einen Bruchteil verdient. Dafür muss er nur Luxus-Villen bauen, Fußball-Stadien sanieren oder neue Mikrorajony hochziehen, wie die riesigen Wohnviertel heißen, die wie Pilze aus dem Speckgürtel der Metropolen schießen. Das Ersparte geht zurück an Frau und Kind, die zu Hause geblieben sind. Das ist billiger. Und dann wäre da noch die Hochzeit, auf die seine Frau seit zwei Jahren wartet. Dschurajew ist der typische Gastarbeiter. Obwohl er mittlerweile in der Fremde weilt, bleibt er in Gedanken in seiner Heimat Tadschikistan.</p>
<p><figure id="attachment_15226" aria-describedby="caption-attachment-15226" style="width: 1040px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15226" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2.jpg" alt="Marktverkäufer in Moskau" width="1040" height="884" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2.jpg 1040w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2-300x255.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2-768x653.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2-1024x870.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1040px) 100vw, 1040px" /><figcaption id="caption-attachment-15226" class="wp-caption-text">Verkauft Obst und Trockenfrüchte: Inom Kajumow (21) vor seinem Stand auf dem Danilowskij-Markt, den er mit seinen Brüdern betreibt</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben der Weltbank arbeiten rund 40 Prozent aller U-30-Tadschiken im Ausland, der Großteil in Russland, wie zu Sowjetzeiten. Eine knappe Million war laut Migrationsdienst Anfang des vergangen Jahres in Russland gemeldet, das ist ein Achtel Tadschikistans. Sie arbeiten in Russland und überweisen den Großteil ihres Gehaltes an die Familie in der Heimat. Diese Heimatüberweisungen beliefen sich der russischen Zentralbank zufolge im vergangenen Jahr auf umgerechnet 2,2 Milliarden Euro. Das entspricht etwas mehr als einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes Tadschikistans, eines der ärmsten Länder der ehemaligen Sowjetunion. Das dortige monatliche Durchschnittsgehalt liegt nach Angaben der Weltbank bei zirka 165 Euro.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-tadschiken-aussatzige-in-russland/">Die Tadschiken, Aussätzige in Russland</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Mittagspause in einem Moskauer Bürogebäude, Manutschechr Jabukow ist im Kundengespräch. Gefragt wird nach Plow, dem auf Reis basierenden Nationalgericht Zentralasiens. Vor ungefähr drei Jahren kam der 26-Jährige aus Istarafschan, Tadschikistan, nach Moskau. Dort arbeitet Jabukow bei Plov.com, einem Start-up und Lieferservice für Plow und andere Speisen aus Zentralasien. Jabukow ist genau genommen kein typischer Arbeitsmigrant. Seine Eltern haben ihn schließlich zum Studieren nach Moskau geschickt, nicht zum Geldverdienen. Vor seiner Ankunft hatte er bereits einen Master einer Filiale der Moskauer Staatlichen Universität in Duschanbe in der Tasche, sein Russisch war perfekt.</p>
<p style="text-align: justify">Bei seinen Landsleuten läuft das normalerweise anders. Sie machen nach der Schule keine Ausbildung. Sie gehen direkt nach Russland, um sich als Ungelernte zu verdingen: auf Baustellen, Märkten oder bei der Stadtreinigung. Dabei machen sie im Schnitt 30 000 Rubel im Monat (umgerechnet knapp 400 Euro), das ist doppelt so viel wie in ihrer Heimat. Gastarbeiter schuften, 50, 60 Stunden die Woche. Sie teilen sich eine Wohnung, gehen nicht aus, leisten sich nur das Allernötigste. Der Großteil des Lohnes geht in die Heimat, dafür stehen sie am Wochenende Schlange bei Western Union. Ihr Wochenende hat, wenn sie Glück haben, einen Tag: Sonntag. Und dann wird auch noch gespart: für ein eigenes Haus in Tadschikistan, für Medizin, für die Hochzeit. Reich werden sie in Moskau jedenfalls nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Für die Reinigung des Bürgersteiges vor dem Einkaufszentrum „Jewropejskij“ am Kiewer Bahnhof erhält Alischer Kosimow monatlich gerade mal 25 000 Rubel (etwa 400 Euro). Dafür wohnt der 48-jährige Usbeke kostenlos im Untergeschoss des gigantischen Shoppingcenters, zusammen mit 30 weiteren Männern aus Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan. Vor gerade mal zwei Monaten kam Kosimow aus der usbekischen Grenzstadt Andischan im Ferghana-Tal. Auch er sendet Geld an seine Frau und die drei Kinder in die Heimat.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Rund 40 Prozent aller über 30-jährigen Tadschiken arbeiten im Ausland, der Großteil davon in Russland“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Dschurajew, Jabukow und Kosimow werden in Moskau „Gastarbeiter“ genannt. Das Wort wurde zu Sowjetzeiten oder noch früher aus dem Deutschen entlehnt. Die Gastarbeiter zahlen zusätzlich Steuern, werden öffentlich belehrt, und auch bei Vermietern und Türstehern sind sie unerwünscht. Arbeitsmigranten gab es schon zu Sowjetzeiten, sie wurden akzeptiert. Heute, mehr als 27 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, ist das anders. Pass, Migrationskarte, Registrierung und Arbeitserlaubnis – es ist immer dasselbe Spiel.</p>
<p style="text-align: justify">Durch ihr Äußeres auffallende Ausländer werden häufiger von der Polizei angehalten und gebeten, sich auszuweisen. Normalerweise können sie gehen, wenn alles in Ordnung ist. Doch Manutschechr Jabukow musste mit aufs Revier, auch wenn seine Papiere sauber waren. Am Ende stellte sich heraus, dass man ihm nur Geld aus der Tasche ziehen wollte. „Als die Polizisten begriffen, dass bei mir nichts zu holen war, hatte sich die Sache schnell erledigt“, sagt Jabukow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-zentralasiatische-migranten-als-pruegelknaben/">Russland: Zentralasiatische Migranten als Prügelknaben</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Gastarbeiter zahlen jeden Monat für ein sogenanntes Patent, also eine Arbeitserlaubnis. Der Preis variiert je nach Region, in Moskau kostet sie 4200 Rubel (54 Euro). Dazu kommen 13 Prozent Einkommenssteuer. Die wurde bisher oft umgangen, ein neues Banken-Gesetz verhindert das.</p>
<p style="text-align: justify">Auch die Vermieter mögen keine Gastarbeiter. In jeder zweiten Wohnungsanzeige steht „Nur für Slawen“ oder „Nur für russische Staatsbürger“. Selbst der Eintritt zu Moskaus Nachtklubs bleibt Gastarbeitern wie Jakubow oft verwehrt, sogar in Begleitung von russischen oder europäischen Freunden. Nach seiner Herkunft gefragt, habe sich Jakubow deshalb vor den Türstehern sogar schon ein paar Mal als Südkoreaner ausgegeben. „Ein bisschen Ähnlichkeit gibt es schon, oder?“, witzelt er.</p>
<p style="text-align: justify">Nun hat die Stadt Moskau ein Handbuch für seine 455 000 offiziell registrierten Gäste aus dem „nahen Ausland“ herausgegeben. Auf knapp 100 Seiten des Russland-Knigges finden sich allerlei Hinweise, Adressen und Telefonnummern für die Arbeitssuche.</p>
<p><figure id="attachment_15228" aria-describedby="caption-attachment-15228" style="width: 471px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15228" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/8.jpg" alt="Habdbuch für Migranten Moskau" width="471" height="681" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/8.jpg 471w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/8-207x300.jpg 207w" sizes="auto, (max-width: 471px) 100vw, 471px" /><figcaption id="caption-attachment-15228" class="wp-caption-text">Ein Handbuch der Stadt Moskau definiert Verhaltensregeln für die Arbeitsmigranten</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Neben dem hilfreichen Teil irritieren einige Passagen. Russische Märchenfiguren erklären lokale Gepflogenheiten. Und insgesamt der Ton, in dem die Texte verfasst wurden. Der erweckt den Eindruck, sich nicht an Erwachsene zu richten – sondern an Kinder. „Man isst nicht draußen. Wenn Sie hungrig sind, gehen Sie in ein Restaurant oder einen Imbiss“, heißt es. Es wird auch davor gewarnt, weiblichen Passanten nachzusehen, zu verstrickte Auskünfte zu geben oder zu laut in der Metro zu reden.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify"> „Ein neues Handbuch warnt sie davor, Frauen nachzusehen und laut in der Metro zu reden“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Dass man sich von Moskau nicht unterkriegen lassen darf, das weiß Bachodur Muminow, gebürtig aus Samarkand, Usbekistan: „In Moskau gibt es kein Willkommen mehr – das war in der Sowjetunion anders“. Er muss es wissen, seit 20 Jahren fährt er Taxi in Moskau. Damit macht er ein bisschen mehr Geld, rund 60 000 Rubel monatlich (etwa 780 Euro), wie er sagt.</p>
<p><figure id="attachment_15225" aria-describedby="caption-attachment-15225" style="width: 840px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15225" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1.jpg" alt="Usbekisches Taxi in Moskau" width="840" height="489" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1.jpg 840w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1-300x175.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1-768x447.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px" /><figcaption id="caption-attachment-15225" class="wp-caption-text">Usbekisches Taxi in Moskau: Bachodur Muminow lässt sich nicht unterkriegen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Danilewskij-Basar im Süden der Stadt sitzt Inom Kajumow vor einem Stand, an dem er Obst und Trockenfrüchte verkauft. „Nachts ist es schon mal vorgekommen, dass mir ein paar Besoffene Beleidigungen hinterherriefen. Aber solche Idioten gibt es doch überall“, sagt der 21-Jährige aus Chudschand, Tadschikistan. Die Arbeit auf dem Markt ist für ihn nur eine Übergangslösung. Sein Russisch ist fließend. Er spart auf ein Wirtschaftsstudium, eine Art Geschäftsmann sei er ja jetzt schon. Ihm halfen vor einem Jahr vor allem seine beiden Brüder, nach Moskau zu kommen, bei denen er wohnt und arbeitet.</p>
<p style="text-align: justify">Auch Manutschechr Jakubow träumt. Er würde irgendwann gern sein eigenes Gewerbe gründen. In Moskau sei das ja schon mit wenig Geld möglich. Zurück nach Tadschikistan will er nicht mehr – Moskau ist sein neues Zuhause. Auch wenn er sich dort an Freitagabenden als Südkoreaner ausgeben muss, um in den Klub zu kommen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Christopher Braemer</strong></p>
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