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	<title>Manichäismus Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[lkuehne]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Apr 2021 10:30:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Um das 10. Jahrhundert herum wurden die entscheidenden Weichen daf&#xFC;r gestellt, dass der Islam in Zentralasien zu der Mehrheitsreligion wurde, die er heute ist. Frantz Grenet, ein franz&#xF6;sischer Historiker und Spezialist auf diesem Gebiet, hat auf einer Konferenz das Zusammenspiel der Religionen detailliert beschrieben. Zentralasien ist heutzutage &#xFC;berwiegend muslimisch. Doch im 10. Jahrhundert gab es [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Um das 10. Jahrhundert herum wurden die entscheidenden Weichen dafür gestellt, dass der Islam in Zentralasien zu der Mehrheitsreligion wurde, die er heute ist. Frantz Grenet, ein französischer Historiker und Spezialist auf diesem Gebiet, hat auf einer Konferenz das Zusammenspiel der Religionen detailliert beschrieben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien ist heutzutage überwiegend muslimisch. Doch im 10. Jahrhundert gab es hier eine bedeutsame Koexistenz verschiedener Religionen. Zu diesem Thema hat am 2. März eine Konferenz stattgefunden. Sie wurde von dem französischen Historiker Frantz Grenet in Kooperation mit dem <a href="https://ceus.indiana.edu/">Zentrum für zentralasiatische Studien der Universität von Indiana</a> organisiert und für alle Interessierten frei zugänglich online abgehalten.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Bei angenehmer Atmosphäre, nur gelegentlich von den Unwägbarkeiten der digitalen Kommunikation unterbrochen, stellte Grenet das 10. Jahrhundert aus religionsgeschichtlicher Perspektive dar. In Zentralasien, wo schon Juden, Christen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus">Manichäer</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrier</a> lebten, konnte sich der Islam in diesem Jahrhundert ausbreiten. Ausgehend von seinen eigenen Forschungen und den seiner Kollegen half der Historiker den Teilnehmern ein komplexes und wenig bekanntes Thema zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Koexistenz der Religionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die historische Situation des 10. Jahrhunderts zu erklären, setzte Frantz Grenet in seiner Darstellung schon einige Jahrhunderte früher an. Als der Islam im 8. Jahrhundert in die Region kam, war gemäß dem Forscher schon „<em>eine überraschende Vitalität</em>“ anderer Religionen zu beobachten. Im 5. Jahrhundert v. Chr. breitete sich das Judentum in der Region aus. Seine Ausbreitung steht mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ach%C3%A4menidenreich">Achäminidenreich</a> (559-330 v. Chr.) in Verbindung. Dieses reichte vom heutigen Libyen bis nach Pakistan. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babylonien">Babylonien</a>, eine Region im heutigen Irak, beheimatete damals eine große jüdische Gemeinde, die sich über ganz Zentralasien, vor allem nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> ausbreitete. Wie Dokumente aus dem 11. Jahrhundert belegen, waren Juden in den Staatsapparat Afghanistans eingebunden und im Herrschaftsgebiet der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chasaren">Chasaren</a> im heutigen Kasachstan wurde das Judentum von der türkischen Aristokratie sogar zur Staatsreligion erhoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/wie-china-die-sogdische-kunst-wiederentdeckt/"><strong>Wie China die sogdische Kunst wiederentdeckt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus">Manichäismus</a> spielte in Zentralasien eine wichtige Rolle. Er gelangte im 3. Jahrhundert mit der Ankunft der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassaniden</a> (224-651) in die Region wie die Klöster in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baktrien#Das_%E2%80%9EGold_von_Baktrien%E2%80%9C">Baktrien</a> und Samarkand bezeugen. Samarkand war ein religiöser Knotenpunkt von herausragender Bedeutung für die Religionsgeschichte Zentralasiens. Von hier aus aus kam der Manichäismus nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> und schuf so eine Achse zwischen Samarkand und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turpan">Turpan</a>. In der Nähe dieser Stadt fand man illustrierte manichäische Manuskripte, die sich heute in Berlin befinden. Der Manichäismus ist eine synkretistische Religion, die islamische, christliche und buddhistische Elemente in sich vereint. Sowohl seine Entstehung als auch seine Ausbreitung sind eng mit der Entwicklung dieser drei Religionen verknüpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-historisches-herz-der-muslimischen-welt/"><strong>Zentralasien – historisches Herz der muslimischen Welt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungefähr zur gleichen Zeit wie der Manichäismus kam das Christentum nach Zentralasien. 30 Kilometer entfernt von Samarkand, in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urgut">Urgut</a>, finden sich Überreste einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert. Von hier aus breitete sich das Christentum über China bis in die Mongolei aus. Schließlich gelangte mit den Sassaniden auch der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrismus</a> nach Zentralasien. Zahlreichen Quellen zufolge führten die Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft ein zurückgezogenes Leben und entwickelten neue landwirtschaftliche Bewässerungstechniken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Ausbreitung des Islams</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar gelangte der Islam schon zuvor über Handelsrouten nach Zentralasien, aber erst mit dem 8. Jahrhundert begann er sich hier nennenswert im Zuge der arabischen Expansion in die heutigen Usbekistan und Kasachstan auszubreiten. Allmählich wurde der Islam zur dominierenden Religion, respektierte dabei aber auch die anderen, bereits bestehenden Religionen. Samarkand spielte als bedeutendes Zentrum der Papierproduktion auch bei der Ausbreitung des Islam eine entscheidende Rolle. Im Jahr 1000 hatte sich der Islam in Zentralasien konsolidiert und von dort weiter nach Indien und in das heutige Pakistan verbreitet.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Michel Tardieu, ein Kollege von Frantz Grenet, wies darauf hin, dass sich diese Epoche durch eine ganz neue Art und Weise des religiösen Zusammenlebens auszeichnete. Grenet unterstrich dabei aber auch, dass die Archäologie nicht mehr als eine Ahnung von diesem Zusammenleben vermitteln könne. Herauszufinden, wie es damals wirklich und im Einzelnen gewesen sei, sei sehr kompliziert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mathis Puyo, Redakteur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/societe-et-culture/la-coexistence-religieuse-au-xeme-siecle-en-asie-centrale-un-foisonnement/">Französischen</a> von Lucas Kühne</strong></p>


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