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	<title>Literatur Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Literatur Archives</title>
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		<title>Die 40 Mädchen von Kirgistan und das Wunder der Berührung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mrau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jul 2025 16:33:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
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		<category><![CDATA[Maren Ernst]]></category>
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		<category><![CDATA[Waisenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit ihrem Deb&#xFC;troman &#xAB;Vierzig M&#xE4;dchen&#xBB; f&#xFC;hrt Maren Ernst ihre Leser:innen in die Welt kirgisischer Waisenheime. Eine Rezension. &#xAB;Sie sollte sich auskennen mit dem Spuk, mit der Zeit, die nicht vergeht. Mit der Zukunft, die sich nicht ergibt. Hauntology hatte ein franz&#xF6;sischer Philosoph dieses Ph&#xE4;nomen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einst benannt. Gespensterkunde. Permanente Heimsuchung. Endloses [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit ihrem Debütroman «Vierzig Mädchen» führt Maren Ernst ihre Leser:innen in die Welt kirgisischer Waisenheime. Eine Rezension.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Sie sollte sich auskennen mit dem Spuk, mit der Zeit, die nicht vergeht. Mit der Zukunft, die sich nicht ergibt. Hauntology hatte ein französischer Philosoph dieses Phänomen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion </em><a href="https://jacobin.com/2021/10/jacques-derrida-defense-of-marxism-hauntology-specters-of-marx-deconstruction-postmodernism-post-structuralism"><em>einst benannt</em></a><em>. Gespensterkunde. Permanente Heimsuchung. Endloses Straucheln. War das nicht ihr Thema?»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Gedanken geistern der Protagonistin Marie in einem Café in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek durch den Kopf, als sie sich mit der aus der Schweiz stammenden Charlotte unterhält. Die Szene spielt in Maren Ernsts Debütroman «Vierzig Mädchen», der 2025 im Verlag Monhardt erschienen ist. Die zwei Frauen eint ein unsichtbares Band: Seit den 1990er Jahren fühlten sich beide zu den Ländern im postsowjetischen Raum hingezogen, insbesondere zu Kirgistan. Diese Faszination entwickelte sich für Marie, als sie für ihr Studium in das zentralasiatische Land zog, und ihre Begeisterung hat seit dieser Zeit nicht nachgelassen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Obwohl sie nach dem Abschluss ihres Studiums wieder nach Deutschland zurückkehrt, bleibt sie mit Kirgistan verbunden und reist regelmässig wieder dorthin – zum einen um ihre zahlreichen Freunde zu besuchen, zum anderen für «ihr Projekt». Denn zusammen mit Pia, einer weiteren Deutschen, die sich in Kirgistan aufhält, arbeiten Marie und Charlotte gemeinsam mit einer Gruppe Kirgisinnen an etwas, das schnell zu einer Lebensaufgabe für alle Beteiligten wird: Sie versuchen, die desaströsen Zustände in kirgisischen Waisenhäusern zu beseitigen und den dortigen Kindern eine bessere Zukunft bieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Ländern Zentralasiens, aber vor allem in Kirgistan, wachsen <a href="https://www.uplift-aufwind.org/de/die-herausforderung">überdurchschnittlich viele Kinder ohne Familie auf</a>. 94 Prozent der Kinder, die in Kirgistan in Heimen leben, sind jedoch keine Waisen im eigentlichen Sinne. Sie sind Sozialwaisen. Das bedeutet, sie haben noch zumindest einen Elternteil, wobei diese aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage sind, ihr Kind bei sich in der Familie aufzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-unsichtbare-gewalt-jedes-dritte-kind-in-kirgistan-uebernimmt-die-rolle-eines-erwachsenen/"><strong>Die unsichtbare Gewalt: Jedes dritte Kind in Kirgistan übernimmt die Rolle eines Erwachsenen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zahllosen Wendungen und einem gut aufgebauten Spannungsbogen lädt die Autorin dazu ein, herauszufinden, ob Marie, Charlotte und Pia mit ihrem Projekt erfolgreich sind. Neben dieser Haupthandlung des Buches sind immer wieder auch die Lebensgeschichten einzelner Kirgis:innen, eingeschoben, die mal mehr, mal weniger Einfluss auf die Geschehnisse im Buch nehmen. Da ist beispielsweise Sarina, welche als Arbeitsmigrantin in Moskau lebt. Auf dem Nachhauseweg von ihrer Arbeit wurde Sarina vergewaltigt und schwanger, was für sie mit einem sozialen Stigma in ihrer Heimat verbunden ist. Die Organisation von Marie und ihren Freundinnen wird für sie eine Rettung, da sie sich durch die Zusprache der Frauen ermutigt fühlt, die Hilfe ihrer Familie und Freunde in Anspruch zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch diese und weitere Erzählungen erfährt die Leserschaft vieles über die heutigen Lebensrealitäten in den zentralasiatischen Ländern: In Sarinas Fall insbesondere <a href="https://www.rosalux.de/news/id/45691/missing-member-kirgistan-ein-land-in-sehnsucht">die Arbeitsmigration nach Russland</a> und die dortigen gefährlichen Zustände der Arbeitsmigrant:innen (so hat sich dies vor allem für Tadschik:innen seit dem Terroranschlag auf die Crocus City Hall im März 2024 <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/situation-zentralasiatischer-migrierter-in-russland-verschlechtert-sich/">deutlich verschlechtert</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Biographische Bezüge</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sehr die Geschichte der Protagonistin Marie dem tatsächlichen Leben und den Erfahrungen der Autorin Maren Ernst gleicht, wird – außer in der biographischen Notiz am Ende des Umschlags – nicht thematisiert. Wie Marie gründete auch Maren Ernst ihre Organisation <a href="https://www.uplift-aufwind.org/de/">«Uplift / Aufwind»</a>, nachdem sie selbst in Kirgistan mit eigenen Augen die Zustände in dortigen Waisenhäusern sah. Die Organisation hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2009 zu einer breiten Frauen-Hilfsorganisation in Kirgistan entwickelt. Die Arbeitsweise von Uplift gleicht jener der ungenannten Organisation in «40 Mädchen» – Maren Ernst macht die Entstehungsgeschichte ihrer Organisation und die Problematik im Zusammenhang mit Waisenkindern in Romanform so einer breiten Leserschaft zugänglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr schön beschrieben wird, warum Protagonistin Marie und ihre Mitstreiterinnen dies alles auf sich nehmen: Die eigene Vergangenheit wird thematisiert (Stichwort: Hauntology) und auch persönliche Traumata werden angesprochen – man kann direkt in die Gedanken der Frauen eintauchen und fühlt mit, warum die Waisenkind-Thematik sie so sehr in den Bann zieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/patriarchale-gewalt-filmisch-erzaehlen-ein-interview-mit-husnora-rozmatova/"><strong>Patriarchale Gewalt filmisch erzählen: Ein Interview mit Husnora Rozmatova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzig wird im Buch nicht immer ganz klar, wann welche Ereignisse passieren. Trotz vereinzelter Jahreszahlen und Erwähnungen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews/">signifikanter Ereignisse der jüngeren kirgisischen Geschichte</a> (so etwa die Tulpenrevolution 2005 und die Aprilrevolution 2010) springt die Autorin manchmal in ihrer Erzählung zeitlich hin und her. Es fällt dadurch leicht, sich im Buch und der Geschichte zu verlieren – was der Autorin aber vielleicht auch als literarischer Kniff dient, um die teilweise chaotischen Ereignisse in der kirgisischen Geschichte mit ihrer Schreibweise widerzuspiegeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Vierzig Mädchen» ist ein lesenswertes Buch, das die Praxis von Waisenhäusern in der ehemaligen Sowjetunion treffend beschreibt und unaufgeregt über mögliche Lösungsansätze – in Zusammenarbeit zwischen Kirgis:innen und Helferinnen aus dem Westen – beschreibt. Auch die einzelnen Vignetten über die verschiedenen Lebensgeschichten einzelner Kirgis:innen geben einen tiefen und persönlichen Einblick in die jüngere kirgisische Geschichte. Besonders hervorzuheben ist auch die schöne Gestaltung des Buches aus dem Verlag Edition Monhardt, welches sich optisch perfekt den übrigen Büchern mit Zentralasien Fokus aus dem Verlag einreiht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Maren Ernst: Vierzig Mädchen, 196 Seiten, Edition Monhardt, ISBN 978-3-910928-01-5, März 2025</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Erwerb möglich über die <a href="https://monhardt.de/produkt/maren-ernstvierzig-maedchen-roman/">Seite des Verlages</a>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Maximilian Rau für Novastan</strong></p>



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		<title>Im Einklang der Dichter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jul 2025 03:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>
		<category><![CDATA[hamid olimjon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieses Denkmal in der Geburtsstadt Jizzax in Usbekistan ehrt die ber&#xFC;hmten Dichter Hamid Olimjon und Zulfiya. Seite an Seite dargestellt, symbolisieren diese herausragenden Pers&#xF6;nlichkeiten der usbekischen Literatur die Verbindung von Poesie, Kultur und Liebe zum Wissen. Im Hintergrund bereichert traditionelle Architektur die Szenerie und verbindet Geschichte mit literarischem Erbe. Foto: Hubert-F&#xE9;lix&#xA0;Delattre (Frankreich)</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Dieses Denkmal in der Geburtsstadt <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jizzax">Jizzax</a></strong> in Usbekistan ehrt die berühmten Dichter <strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Hamid_Olimjon">Hamid Olimjon</a></strong> und <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zulfiya_(Dichterin)">Zulfiya</a></strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seite an Seite dargestellt, symbolisieren diese herausragenden Persönlichkeiten der usbekischen Literatur die Verbindung von Poesie, Kultur und Liebe zum Wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hintergrund bereichert traditionelle Architektur die Szenerie und verbindet Geschichte mit literarischem Erbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto: <strong><a href="https://www.instagram.com/hubertfelix_8/">Hubert-Félix Delattre</a></strong></strong> (Frankreich)</p>


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		<title>Was es heißt, Schriftstellerin in Kasachstan zu sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 20:32:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Autoren haben&#x2019;s schwer, Autorinnen haben&#x2019;s schwerer. Kaum ein kasachischer Verlag, der weiblichen Nachwuchs f&#xF6;rdert. Kaum eine Autorin, die in ihrem Schaffen nicht mit den Klischees der Literaturszene zu k&#xE4;mpfen hat. Hinzu kommt, dass sie ihre Arbeit noch immer zum Hobby verz&#xE4;rtelt sehen. Wie soll Frau auch ihren sonstigen h&#xE4;uslichen Verpflichtungen nachkommen? Unsere beiden Interviewpartnerinnen lassen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Autoren haben’s schwer, Autorinnen haben’s schwerer. Kaum ein kasachischer Verlag, der weiblichen Nachwuchs fördert. Kaum eine Autorin, die in ihrem Schaffen nicht mit den Klischees der Literaturszene zu kämpfen hat. Hinzu kommt, dass sie ihre Arbeit noch immer zum Hobby verzärtelt sehen. Wie soll Frau auch ihren sonstigen häuslichen Verpflichtungen nachkommen? Unsere beiden Interviewpartnerinnen lassen sich so leicht nicht von ihrem Handwerk abbringen. Ein Gespräch über das literarische Schaffen als Frau in Kasachstan.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel haben wir mit zwei Autorinnen aus Kasachstan gesprochen. Wir sprachen über die Stellung der Frau in der kasachstanischen Literatur, über Feminismus in der Prosa und coole Projekte für Schriftstellerinnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Autorinnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina Bostambaeva</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.instagram.com/virtuozso/"><em>Autorin</em></a><em>&nbsp;der Bücher &#8222;Erinnerungen aus Almaty&#8220; und &#8222;Erinnerungen aus&nbsp;</em><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/vom-aussenposten-zu-nur-sultan-die-hauptstadt-kasachstans-im-wandel-der-zeit/"><em>Akmolinsk</em></a><em>&#8220; (ehem. Name der Hauptstadt Astana; Anm. d. Ü.) und Gründerin des </em><a href="https://www.instagram.com/estelikter.kz/"><em>Estelikter</em></a><em>-Verlags.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima Suleımenova</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gründerin von&nbsp;</em><a href="https://www.instagram.com/aina_stories/"><em>Aina</em></a><em>, der ersten Online-Literaturzeitschrift für zentralasiatische Autorinnen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von der Idee bis zum Buch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Als ich 15 Jahre alt war, hatte ich eine Idee: Ich wollte die Erinnerung von Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt sammeln und in einem Buch zusammenstellen. 2021 begann ich in Almaty ein Studium und setzte mich nebenbei akribisch mit der Stadt und ihren Bewohnern&nbsp;auseinander. Bald hatte ich genug Geschichten zusammen. Neben den Erinnerungen anderer Leute sind das auch viele persönliche Erinnerungen von mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Ich war viele Jahre lang im Verlagswesen für Kinderliteratur tätig, wo wir Weltbestseller für Kinder ins Kasachische übersetzt haben. Damals, 2014, war mir noch nicht in den Sinn gekommen, wie unterentwickelt unser heimischer Markt doch ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe der Jahre kehrte ich der Kinderliteratur den Rücken, um mich der Literatur für Erwachsene zu widmen und machte mich auch selbst ans Schreiben. Das brachte mich unausweichlich dazu, darüber nachzudenken, was wir als Menschen einmal für unsere Nachwelt hinterlassen werden: Wer wird einmal die Geschichten lesen, in denen sich unsere Epoche widerspiegelt? Wie sollen wir unsere eigenen Werte und kulturellen Codes weitergeben, wenn wir hauptsächlich ausländische Literatur lesen? Aus diesen Überlegungen entstand das Projekt „Aina“.&nbsp;</p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Als Autorin in Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Die Lage der Schriftstellerinnen in Kasachstan hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Frauen verschaffen sich immer aktiver Zugang zur literarischen Welt und verschaffen sich zunehmend Gehör.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig treffen sie auf allerlei Schwierigkeiten und erhalten zum Beispiel kaum Unterstützung durch Verlage. Trotzdem schaffen immer mehr Autorinnen den Durchbruch, nicht nur in der Literatur, sondern in den Künsten allgemein. Aller Anfang ist schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Für mich hat sich gerade vieles zum Guten entwickelt &#8211; die Lesekultur hat Fahrt aufgenommen und mit ihr entstehen neue Verlage, Zeitschriften, Schreibschulen und Buchklubs. Für die Verleger gilt nun, diesen Stimmen Gehör zu verschaffen und keine falsche Scheu bei der Akquise unbekannter Autorinnen zu zeigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feminismus in der kasachstanischen Literatur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Ich bin froh, dass die kasachstanische Gesellschaft mittlerweile mehr über wichtige Themen wie Femizid und Frauenfeindlichkeit spricht. Mehr und mehr hören wir Geschichten, die offen über Tabuthemen sprechen &#8211; und das ist sehr wichtig. Die Veröffentlichungen von Mai Sara („Elliot“) oder Altynai Sultan („Ablösung“) sind dafür gute Beispiele – ehrliche Prosa über die traumatischen Erfahrungen, die viele Frauen erleiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Der Feminismus hatte sicherlich einen Einfluss auf die kasachstanische Literatur. Autorinnen nehmen sich der gesellschaftlichen Rolle der Frau an, überdenken sie, thematisieren die Frauenrechte und brechen mit Stereotypen. Dadurch weiten Sie den literarischen Horizont und schaffen einen Raum für ignorierte und tabuisierte Themen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich könnte ihnen einen ganzen Strauß an Autorinnen nennen, ich kenne sie fast alle. Ihre Erfahrungen sind inspirierend. Sie motivieren mich, die taufrischen Texte auf unseren Schreibtischen endlich zu veröffentlichen. Da sind viele potenzielle Sterne dabei und es juckt mich in den Fingern, die endlich zum Leuchten zu bringen! Wir experimentieren gerne mit untypischen Texten, auch wenn das nicht jedem schmeckt. Aber wenn mir beim Lesen das Herz singt, muss der Text einfach unter die Leute!</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gesellschaftliche Erwartungen an Autorinnen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Autorinnen müssen häufig mit einer Reihe Stereotypen kämpfen. Einer der häufigsten ist, dass sie über traditionell „weibliche“ Themen schreiben müssen, über Liebe, Familienbeziehungen oder persönliche Erfahrungen. Das schränkt den thematischen Horizont ein, schadet der Kreativität und führt schließlich dazu, dass Werken von Frauen weniger Bedeutung zukommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Klischee will es so, dass Autorinnen sich nicht über die leichtverdauliche, weichgewaschene Literatur hinaustrauen. Was hart ist, sei den Männern vorbehalten. Wohin das führt? Dass Frauen ihre Gedanken lieber herunterschlucken, anstatt sie zu teilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke aber, dass diese Klischees allmählich ihre Bedeutung verlieren. Moderne Frauen überschreiben sie, indem sie sich neuen Themen und Formen annehmen, ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wichtig ist, dass sie ihre Kreativität nicht durch die Erwartungen des Publikums einschränken lassen und dass sie ihre wahren Gedanken und Gefühle aufs Papier bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong>„<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-wechsel-auf-die-lateinische-schrift-wirkt-bis-heute-nach-eine-autorin-und-eine-verlegerin-ueber-den-usbekischen-literaturbetrieb/">Der Wechsel auf die lateinische Schrift wirkt bis heute nach“ – eine Autorin und eine Verlegerin über den usbekischen Literaturbetrieb</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Man muss da eine Balance finden [zwischen ihrer inneren Welt und den gesellschaftlichen Erwartungen]. Zum einen müssen Frauen die bestehenden traditionellen Normen der Literatur beherrschen. Zum anderen müssen sie ihr Künstlerdasein mit dem familiären Alltag und sonstigen Verpflichtungen vereinbaren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um all diese Dinge auszubalancieren, brauchen die Autorinnen Gleichgesinnte an ihrer Seite, die sie unterstützen, ihre Stärken aus ihnen herauskitzeln und einen Raum schaffen, in dem sie keine Angst vor Verurteilung haben müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Erfahrungen von Frauen in der Literatur werden nicht wertgeschätzt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Seit vielen Jahren gelten Werke von Frauen als simpler und weniger bedeutsam als die ihrer männlichen Berufskollegen, nicht nur in Kasachstan, auch im Ausland. Doch indem sich immer mehr Schriftstellerinnen weltübergreifenden Themen annehmen und ihr Fachwissen unter Beweis stellen, erkämpfen sie sich Sichtbarkeit und Wertschätzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Autorinnen erleben es häufig, dass ihre Arbeit nicht als ernsthafte Arbeit, sondern als Hobby wahrgenommen wird. Es gibt auch ein tief verwurzeltes Stereotyp, dass Frauen nur sogenannte „Frauenliteratur“ schreiben. Oder dass freizügige Literatur zwangsläufig skandalös ist. Meiner persönlichen Beobachtung nach sind die meisten zeitgenössischen Autoren Frauen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass die Erfahrungen von Frauen in der Prosa nicht als zweitrangig betrachtet werden und dass ihre Stimmen gehört werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Selbst ist die Autorin</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Mein Hauptproblem war anfangs erstmal der Mangel an Verlagen, also habe ich kurzerhand meinen eigenen, den Estelikter-Verlag, gegründet. Estelikter ist kasachisch für „Erinnerungen“. Sechs Monate lang suchte ich nach Sponsoren, vergebens. Ich automatisierte mein Verlagssystem und begann, mit Vorbestellungen zu arbeiten. Das führte uns in den ersten Monaten vor einige Probleme: Geldlücken, Betrüger und schlaflose Nächte. Doch der Kampf blieb nicht unbelohnt: Meinen 18. Geburtstag habe ich beim Finanzamt gefeiert und dort meinen Verlag angemeldet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Mir ist aufgefallen, dass Autorinnen untereinander schlecht vernetzt sind &#8211; sie teilen ihre kreative Arbeit zwar mit einem kleinen Publikum auf Telegram-Kanälen oder Facebook oder schicken ihre Werke an Verlage, bekommen aber keine Antworten. Darum habe ich die Plattform „Aina“ ins Leben gerufen, um die weibliche Schaffenskraft zu bündeln. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die kasachstanische Literaturlandschaft verändert sich</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina</strong>: Ich denke, wir werden bald ein gesteigertes Interesse an Prosa und Poesie erleben. Denn die literarische Szene zählt seit einigen Jahren immer mehr Neuzugänge, männliche und weibliche, die die etablierten Traditionen hinterfragen und umdeuten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe außerdem, dass die kasachstanische Literatur auch den Genres mehr Raum bietet, die bis dato noch als Nischenliteratur gilt &#8211; Science Fiction, Horror, Fantasy – und sich auf mehr Experimente in Form und Stil einlässt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wünsche ich mir auch eine Verbesserung der finanziellen Situation, sei es durch weniger Druckkosten, mehr Zuschüsse bei Veröffentlichungen oder Werbung. Je erschwinglicher Literatur für die Autorinnen und Autoren selbst ist, desto wahrscheinlicher finden ihre Bücher ein Publikum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alima</strong>: Eine bessere Finanzierung heißt auch, kostenlose Veranstaltungsorte für Lesungen bereitzustellen, Schriftstellerinnen auf den ersten Metern ausgiebig mit Informationen zu unterstützen und Wettbewerbe mit Geldprämien für Autorinnen jeden Alters auszuschreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Zere Amangeldinova für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/experience/39745-my-privykli-chitat-zarubezhnuyu-literaturu-no-kak-togda-peredavat-nash-kulturnyy-kod">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/was-es-heisst-schriftstellerin-in-kasachstan-zu-sein/">Was es heißt, Schriftstellerin in Kasachstan zu sein</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Tschingis Aitmatow prägt die Identität eines jeden Kirgisen&#8220; &#8211; Eldar Aitmatow über das Werk seines Vaters</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/tschingis-aitmatow-praegt-die-identitaet-eines-jeden-kirgisen-eldar-aitmatow-ueber-das-werk-seines-vaters/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Mar 2025 22:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aitmatow]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgisisch]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tschingis Aitmatow gilt als der bedeutendste kirgisische Autor. Sein Sohn, Eldar Aitmatow, gab Novastan ein Interview &#xFC;ber das Erbe seines Vaters in Kirgistan und der Welt. Anl&#xE4;sslich des Besuchs des Generalsekret&#xE4;rs der&#xA0;Organisation der Turkstaaten&#xA0;(OTS) veranstaltete die Botschaft der Kirgisischen Republik in Br&#xFC;ssel ein&#xA0;Iftar&#xA0;(Fastenbrechen w&#xE4;hrend Ramadan; Anm. d. &#xDC;.). Anwesend war auch Eldar Aitmatow, der Sohn [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tschingis Aitmatow gilt als der bedeutendste kirgisische Autor. Sein Sohn, Eldar Aitmatow, gab Novastan ein Interview über das Erbe seines Vaters in Kirgistan und der Welt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anlässlich des Besuchs des Generalsekretärs der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_der_Turkstaaten">Organisation der Turkstaaten</a>&nbsp;(OTS) veranstaltete die Botschaft der Kirgisischen Republik in Brüssel ein&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iftar">Iftar</a>&nbsp;(Fastenbrechen während Ramadan; Anm. d. Ü.). Anwesend war auch Eldar Aitmatow, der Sohn des Schriftstellers&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/tschingis-aitmatow-und-sein-literarisches-werk/">Tschingis Aitmatow</a>. Im Anschluss an das Abendessen gab er uns ein Interview, in dem er sowohl über das Werk seines Vaters sprach als auch über dessen Erbe und Platz im modernen Kirgistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Welchen Platz nimmt Tschingis Aitmatow in Kirgistan ein?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eldar Aitmatow: Diese Frage gehört an das kirgisische Volk gerichtet, aber ich werde versuchen, sie zu beantworten. Als sein Sohn ist die Frage auch ein Stück weit persönlich. Aber ich denke, dass jeder Kirgise meine Sicht auf die Dinge teilen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ayban-ferma-george-orwell-ins-kirgisische-uebersetzt/">„Ayban Ferma“: George Orwell ins Kirgisische übersetzt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das kirgisische Volk ist&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschingis_Aitmatow">Tschingis Aitmatow</a> ein Held. Er ist wie&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-helden-des-manas-epos/">Manas</a>, die Figur aus dem „<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-manas-epos-eine-enzyklopdie-kirgisischer-geschichten-und-sitten/">Manas“-Epos</a>, die unser Volk gegründet hat, der erste Anführer, der die kirgisischen Stämme vereint und diese Nation geschaffen hat. Sicher, das ist eine epische Geschichte, eine Legende. Tschingis Aitmatow ist aber genauso eine heilige Figur, denn er prägt die Identität eines jeden Kirgisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die ganze Welt liest Tschingis Aitmatow, aber in der Türkei werden seine Bücher sogar verfilmt, zum Beispiel wie die Serie&nbsp;&#8222;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Al_Yazmal%C4%B1m">Al Yazmalımv</a>&#8222;, eine Verfilmung der Liebesgeschichte&nbsp;</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Du_meine_Pappel_im_roten_Kopftuch"><strong><em>Du meine Pappel mit dem roten Kopftuch</em></strong></a><strong>. Das zeigt, dass er einen edlen Platz in der türkischen Welt einnimmt. Welches ist Ihr Lieblingswerk von Tschingis Aitmatow?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Favorit ist der &#8222;<a href="https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Tschingis-Aitmatow+SCHECKIGER-HUND-DER-AM-MEER-ENTLANGL%C3%84UFT-FR%C3%9CHE-KRANICHE-Zwei-Novellen/id/A02giNLH01ZZS">Scheckige(r) Hund, der am Meer entlang läuft</a>&#8222;, und an zweiter Stelle kommt &#8222;<a href="https://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=1319">Die weiße Wolke des Tschingis Chan&#8220;</a>. Das sind meine Lieblinge, sein mithin bedeutendstes Werk ist allerdings <a href="https://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=2224">&#8222;Ein Tag länger als ein Leben</a>&#8220; (Originaltitel „Ein Tag ist länger als ein Jahrhundert“; Anm. d. Ü.).</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aitmatow spricht viel über die Fantasie und über die Leiden der Kirgisen&nbsp;</strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/fotoreportage-wie-kirgistan-sowjetisch-wurde/"><strong>während der Sowjetzeit</strong></a><strong>. Was berührt Sie am meisten an seinem Werk?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wichtigste Element ist für mich der Humanismus. Aitmatow ist immer auf der Suche nach Sinn. Für einen Menschen, sagte er,&nbsp;gebe&nbsp;es nichts Schwierigeres, als jeden Tag Mensch zu bleiben. Laut ihm ist es erst das Bewusstsein, das uns zum Menschen macht und uns dazu bringt, jeden Tag besser zu werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haben Sie ein noch ein zweites Lieblingszitat von Tschingis Aitmatow?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sagte, die Musik sei ein Geschenk Gottes an die Menschen, denn das menschliche Leben ist zu kurz und nur durch die Musik währt es&nbsp;immerfort.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie erinnern Sie sich an Tschingis Aitmatow als Vater?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schönste Erinnerung an meinen Vater? Ich glaube, das ist meine gesamte Kindheit. Ich eiferte ihm nach. Ich wollte so sein wie er. Er&nbsp;war&nbsp;ein Vorbild für mich, und zwar in jeder Hinsicht: ein Mann, der nachdenkt, ein Mann, der eine bessere Version seiner Selbst sein will. So hatte man zu sein, so hatte man sich zu verhalten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche nach wie vor, zu sein wie er, zu denken wie er. Von ihm habe ich fürs Leben gelernt: Ich war das letzte Kind der Familie, das noch bei zu Hause wohnte. Als meine Geschwister das Haus fürs Studium verließen, blieb ich bei unseren Eltern. Denn in der kirgisischen Tradition hat sich der letzte Sohn um seine Eltern zu kümmern, auch nach seiner Heirat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das kirgisische Volk ist ein Volk der Imagination, das viel Fantasie hat. Hat Tschingis Aitmatow durch den&nbsp;</strong><a href="https://central-asia.guide/de/kirgisistan/kirgisische-kultur/kirgisische-jurte/"><strong>Tunduk</strong></a><strong>&nbsp;(offener Mittelteil der Jurte, der auf Nationalflagge abgebildet ist; Anm. d. Ü.) zum Himmel geschaut, um seiner Vorstellungskraft und seinen Träumen freien Lauf zu lassen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich tat er das. Als er klein war, legte er sich in die Jurte, schaute hinauf&nbsp;und lauschte den Geschichten seiner Großmutter. Dabei stellte er sich natürlich eine Menge Dinge vor. Vorstellungskraft ist ein wichtiger Teil des kirgisischen Volkes: Wir erzählen einander viele Geschichten und Legenden. Tschingis Aitmatow ließ sich von all diesen Geschichten inspirieren, vor allem von denen, die ihm seine Großmutter erzählt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist Tschingis Aitmatow weltweit von Bedeutung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mancher Literaturkritiker stellt ihn in eine Reihe mit&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Sergejewitsch_Puschkin">Alexander Puschkin</a>&nbsp;oder&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fjodor_Michailowitsch_Dostojewski">Fjodor Dostojewski.</a>&nbsp;Er ist nicht nur ein universeller Schriftsteller. Er ist auch Träger einer humanistischen Philosophie, die man in seinen Werken wiederfindet und spürt. Seine Werke liegen in über 185 Sprachen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/tschingis-aitmatow-und-sein-literarisches-werk/">Tschingis Aitmatow und sein literarisches Werk</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort ist daher einfach: Denkende Menschen kommen um seine Schriften nicht herum, denn sie sind universell. Tschingis Aitmatow geht philosophischen Fragen auf den Grund, über die Liebe, Gott und anderen existenziellen Fragen, die sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens&nbsp;stellt. In seinem Werk finden seine Leser nicht nur Antworten auf diese universellen Fragen, sondern auch Inspiration. Aus diesem Grund wurde und wird er auf der ganzen Welt gelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welches Buch würden Sie empfehlen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=2481">Der Schneeleopard</a>&nbsp;(Orginaltitel: „<a href="https://voicesoncentralasia.org/have-the-mountains-fallen-the-story-of-two-journeys-of-loss-and-redemption-in-the-cold-war/">Wenn die Berge stürzen</a>“;&nbsp;Anm. d. Ü.)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist Kirgistan einen Besuch wert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Welt ist dieses Land noch immer recht unbekannt, dabei hat es so schöne Berglandschaften wie kaum ein anderes. Ob beim Bergsteigen, Skifahren oder bei einem Ausflug an einen der höchstgelegenen und gleichzeitig <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/am-ufer-des-issyk-kul/">tiefsten</a> Seen überhaupt, den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssyk-K%C3%B6l">Ysyk-Köl</a> – überall trifft man auf wunderschöne Landschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch noch wichtiger sind die warmherzige Art, die Gastfreundschaft und die Freundlichkeit der Menschen. Die kirgisische Tradition besagt: Wer einen Gast empfängt, hat ihn wie einen König zu behandeln.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Derya Soysal für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem&nbsp;<a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/entretien-avec-eldar-aitmatov-sur-loeuvre-de-son-pere/">Französischen</a>&nbsp;von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



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		<title>„Der Wechsel auf die lateinische Schrift wirkt bis heute nach“ – eine Autorin und eine Verlegerin über den usbekischen Literaturbetrieb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Nov 2024 16:45:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Asian Book House]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Hörbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderbuchliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekisch]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Zweisprachigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die usbekische Literatur befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. Zwar w&#xE4;chst die Diversit&#xE4;t der Autoren und der Themen, doch damit ist der Kampf, die usbekische Literatur unters Volk und &#xFC;ber seine Grenzen hinaus zu verbreiten, noch nicht gewonnen. &#xDC;ber die Entwicklung und die Herausforderungen der usbekischen Literatur sprechen die Autorin Madina Muminova, die sowohl [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-wechsel-auf-die-lateinische-schrift-wirkt-bis-heute-nach-eine-autorin-und-eine-verlegerin-ueber-den-usbekischen-literaturbetrieb/">„Der Wechsel auf die lateinische Schrift wirkt bis heute nach“ – eine Autorin und eine Verlegerin über den usbekischen Literaturbetrieb</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die usbekische Literatur befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. Zwar wächst die Diversität der Autoren und der Themen, doch damit ist der Kampf, die usbekische Literatur unters Volk und über seine Grenzen hinaus zu verbreiten, noch nicht gewonnen. Über die Entwicklung und die Herausforderungen der usbekischen Literatur sprechen die Autorin Madina Muminova, die sowohl auf Russisch als auch Usbekisch schreibt, und Viktoria Gayratova, Gründerin des Verlags „Asian Book House“ sowie Vorsitzende des Online-Bücherhandels LitRes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viktoria, wie kam es zur Zusammenarbeit mit </strong>LitRes<strong> und wie gelang der Einstieg der Plattform in den usbekischen Markt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ergab sich auf Initiative von <a href="https://litres.de/">LitRes</a>. Das Unternehmen hatte bereits Erfahrung außerhalb des russischen Marktes gesammelt, zum Beispiel in Polen und Italien. Als jedoch 2022 einige Verträge auf Eis gelegt wurden, bauten sie ihre Präsenz auf dem Markt der GUS-Staaten aus. Als das Büro für internationale Entwicklung mich kontaktierte, imponierte ihnen meine Arbeitserfahrung in Aserbaidschan. Mit Beginn der Zusammenarbeit ernannten sie mich zur Vertreterin usbekischer Interessen im Büro für Internationale Entwicklung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erzählen Sie ein wenig über ihren Verlag „Asian Book House“ und wie sie mit der Verlegung von Büchern auf Usbekisch begannen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir den Verlag vor sechs Jahren gründeten, übersetzten wir viel kanadische Literatur ins Usbekische. Als schließlich die Pandemie uns dazu zwang, unser Konzept zu überarbeiten, lernte ich Madina Muminova kennen. Zusammen widmeten wir uns der Kinderliteratur, einer Sparte mit Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fällt es Ihnen schwer, Kinderbuchautoren zu finden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stehen nicht in direktem Kontakt mit den Autoren, sondern mit den Verlagen. Dabei müssen wir einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Viele empfinden E-Books als sinnbefreit, besonders dann, wenn sie sowieso eine zuverlässige Unterstützung vom Staat kriegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/das-ewige-thema-ein-gespraech-mit-der-kasachischen-schriftstellerin-roza-muqanova/">„Das Ewige Thema“ – Ein Gespräch mit der kasachischen Schriftstellerin Roza Muqanova</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachfrage nach usbekisch-sprachiger Literatur ist hier [in Usbekistan, Anm. d. Red.] eher niedrig. Auf dem usbekischen Markt florieren, so wie vielerorts, die Genres rund um Business, Marketing und Lebensratgeber.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es auf LitRes Hörbücher auf Usbekisch und wenn ja, wie groß ist die Hörerschaft?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, die gibt es. Besonders beliebt sind Kinderhörbücher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Probleme haben Sie bei Literaturübersetzungen ins Usbekische?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst einmal sind offizielle Übersetzungen ins Usbekische sehr kostspielig. Darum boomt der Schwarzmarkt, obwohl die dort zu findenden Versionen zu wünschen übriglassen. Das beste Beispiel hierfür ist Harry Potter: Nicht nur missachtet die illegal vertriebene Übersetzung die Autorenrechte, sie verschlechtert auch maßgeblich die Wahrnehmung des Originals. Um dieses Problem zu bekämpfen, benötigen wir erstens einen Grundstock an Übersetzern, den wir finanziell auch zu unterstützen imstande sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im November 2023 lancierte der usbekische Präsident ein Projekt, bei dem die 5000 weltweit bekanntesten Bücher auf Usbekisch übersetzt werden sollten. Verantwortlich für das weitere Vorgehen ist das Jugendwerk. In diesem Jahr sollen die ersten 50 Übersetzungen auf den Markt kommen. Haben Sie von diesem Projekt gehört?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich bin im Bilde. Die Initiative gefällt mir, doch es ist nur der erste Schritt von vielen. Es fehlt uns an Literaturagenten, die hiesige Literaturbetriebe mit ausländischen in Verbindung setzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie stehen die Zukunftsaussichten der usbekischen Literatur vor Ort und im Ausland?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wird kein leichter Weg, solange der Staat den Literaturbetrieb hinter dem des Sports oder des Schachs anstellt. Es braucht nicht nur gute Autoren, sondern auch staatliche Unterstützung, gerade um auch außerhalb der Agglomerationen ein Netz aufzubauen. Die Übersetzung, das Verlegen, der Vertrieb, das alles ist nicht umsonst und erfordert Anstrengungen aller Parteien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Madina, Ihre Bücher erscheinen auf zwei Sprachen – auf Usbekisch und auf Russisch. Fällt Ihnen das Schreiben und das Übersetzen auf Usbekisch schwer?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schreibe genaugenommen nur auf Russisch. Die usbekische Umgangssprache spreche ich zwar sehr gut, doch in der Literatur geht es um mehr als nur sprachliche Korrektheit – der Stil, die Form und die Vermittlung des Inhalts sind nicht weniger relevant. Darum arbeite ich bei der Übersetzung meiner Bücher sehr eng mit meinen Übersetzern zusammen. Direkt auf Usbekisch zu schreiben, wird vorerst noch ein Traum bleiben, bis ich mich in der Sprache sicherer fühle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nehmen Ihre Leser die Bücher auf Russisch anders wahr als die auf Usbekisch? Kommen bestimmte Themen besser bei der einen Leserschaft an als bei der anderen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke schon. Russischsprachige Kinder sind die erfahreneren Leser. Sie lesen mehr, dementsprechend fällt es ihnen leichter und sie tauchen schneller in Geschehen und Figuren ein. Usbekisch-sprachige Kinder lesen weniger, teils überhaupt nicht. Bis auf Schulbücher haben sie kaum Bücher daheim oder nur solche mit wenig Text und überwiegend Bildern. Hinzu kommt, dass die Figuren ihrer Bücherwelt mit noch mehr Klischees behaftet sind. Das würde ich gerne ändern, immerhin prägt das Lesen unsere Weltsicht und fördert das Vorstellungsvermögen sowie die Kreativität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Thema Umwelt, eingebettet in einen Märchenkontext mit mutierten Monstern, die unseren Planeten auslöschen wollen, kommt bei russischsprachigen und ausländischen Kindern gut an. Ihnen gefällt, dass meine Bücher nie belehrend sind, sondern dass es wie bei <em>Multiki</em> (Zeichentrickfilmen, Anm. d. Übersetzers) verschiedene Genres und Themen gibt. Außerdem mögen sie die Bilder, in denen sie immer wieder Neues entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kampf-um-die-staatsmacht-gewinnt-kobra-oder-herr-genosse-praesident/">Kampf um die Staatsmacht: Gewinnt Kobra oder Herr Genosse Präsident?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich finde, man sollte sich Kindern gegenüber nicht verstellen, sondern mit ihnen reden wie mit einem würdigen Gesprächspartner. Wir brauchen die Texte und Bilder für sie nicht in rosarote Watte einzuwickeln, sie sollen die Welt in all ihrer Schönheit und Hässlichkeit kennenlernen, sich als Weltenbürger wahrnehmen. Das ist von besonderer Bedeutung, wenn es um Umwelt, Frieden und andere Werte geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Rolle spielt die Zweisprachigkeit bei der Entwicklung der usbekischen Literatur?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist großartig, dass sich die usbekische Sprache weiterentwickelt. Unser Land ist unabhängig und pflegt seine Sprache und Kultur, übersetzt usbekische Klassiker in andere Sprachen und Weltliteratur ins Usbekische. Das ist einfach großartig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was uns bis heute nachhängt, ist der damalige Wechsel auf die lateinische Schrift. Die Idee war im Kern nicht verkehrt, doch unsere Gesellschaft, die sich so stark im Wandel befindet, hat es überfordert. Als die Regierung das Gesetz zum Übergang von der kyrillischen Schrift auf die lateinische verabschiedete, ignorierten sie, dass ein großer Teil der usbekischen und der Weltliteratur noch nicht in lateinische Schrift übertragen wurde. Dabei ist das so wichtig für die nachkommenden Generationen. Die Schüler, die nicht mehr mit der kyrillischen Schrift aufwachsen, wurden so um ihr literarisches Wissen gebracht. Sogar Ozod Sharafutdinov, einer der Initiatoren des Gesetzes, beklagt rückblickend, dass der Schriftwechsel den literarischen Bildungsstandard um viele Jahrzehnte zurückgeworfen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne bin ich froh darum, dass solche folgenschweren Entscheidungen nun klüger abgewogen werden. Doch uns steht noch ein weiter Weg bevor, um das usbekische Volk zu einer lesenden Nation zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was für Projekten möchten Sie sich in näherer Zukunft widmen? Reizen</strong><strong> </strong><strong>Sie</strong><strong> </strong><strong>eher</strong><strong> ö</strong><strong>kologische oder soziale Themen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Umweltthema möchte ich noch nicht ad acta legen. In unserer Bücherserie „Die Zeit der Helden“ geht es genau darum und wir haben damit einen Volltreffer bei der jungen Generation gelandet. Man könnte fast meinen, wir hätten damit eine ganze Horde zukünftiger Umweltretter aufgezogen! Dazu haben wir die Auszeichnung „Kleiner Umweltheld“ erhalten, die den Kindern als Inspiration dient. Gemeinsam pflanzen wir Bäume, trennen Müll und üben uns in einer gesunden Beziehung zu unserer Umwelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten schreibe ich aktuell ein Buch über die Geschichte unserer multiethnischen Kultur: Welche ethnischen Gruppen kamen wann und wieso, wer blieb in Usbekistan und wer suchte sein Glück anderswo?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt bewegen mich auch die Themen rund um die Lage der Frauen sowie psychologische Fragestellungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion von Hook</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Das Ewige Thema“ – Ein Gespräch mit der kasachischen Schriftstellerin Roza Muqanova</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Verena Zabel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 May 2024 13:52:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Atomwaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Roza Muqanova]]></category>
		<category><![CDATA[Semipalatinsk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schriftstellerin Roza Muqanova hat eine der pr&#xE4;gnantesten &#x2013; und erfolgreichsten &#x2013; Geschichten &#xFC;ber die Folgen der Atomwaffentests im heutigen Kasachstan geschrieben. Im Interview erz&#xE4;hlt sie von den Hintergr&#xFC;nden und davon, was sie mit dem St&#xFC;ck erreichen m&#xF6;chte. Wie schreibt man &#xFC;ber das Desaster, ohne beim Lesenden nur Schmerz und Verzweiflung auszul&#xF6;sen? Wie kann man [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Schriftstellerin Roza Muqanova hat eine der prägnantesten – und erfolgreichsten – Geschichten über die Folgen der Atomwaffentests im heutigen Kasachstan geschrieben. Im Interview erzählt sie von den Hintergründen und davon, was sie mit dem Stück erreichen möchte.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie schreibt man über das Desaster, ohne beim Lesenden nur Schmerz und Verzweiflung auszulösen? Wie kann man in einer zerbombten Landschaft Schönheit und Ruhe finden? All diese Fragen beantwortet die Kurzgeschichte „Mäñilik bala beıne”, zu Deutsch etwa: „Das ewig-kindliche Gesicht“, der kasachischen Autorin Roza Muqanova, die sie in den Jahren 1988-1989 geschrieben hat. Darin schreibt sie mit poetischer Kraft von der jungen, etwa 16-jährigen Läılä, die ein „ewiges Kind“ geblieben ist, also über eine junge Frau, deren Körper in jungen Jahren aufgehört hat zu wachsen – eine Folge der sowjetischen Atomwaffentests in Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ewig von der Zukunft getrennt, von ihren Mitmenschen missverstanden, flüchtet das junge Mädchen jeden Abend hinaus in die Steppe, in die Schlucht zwischen den Bergausläufen, um sich heimlich mit dem einzigen Wesen zu treffen, das sie versteht und das sie liebt: Mit dem Mond – oder besser: Mit der Möndin, denn obgleich die kasachische Sprache nicht gendert, wird die Möndin nicht nur klar weiblich, sondern sogar mütterlich beschrieben. Eines Nachts, als Läılä krank im Bett liegt, zeigt sich die mütterliche Möndin, deren Mondstrahlen die Schlucht und die Ebenen nach dem „ewigen Kind“ absucht:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Strahlen der Möndin, die in die tiefe Schlucht fallen, leuchten heller als je zuvor. Sie schweifen über die Erde auf der Suche nach Läılä, dem Mädchen mit dem verweinten Gesicht. Sie suchen und fragen nicht nur das Wasser des Dorfes Qarauyl, sondern auch die Erde und die Berge, seufzend, mit mütterlicher Stimme: „Wohin bist du verschwunden? Warum bist du heute nicht in der tiefen Schlucht?“ Und es scheint, als ob sie, in der Schlucht schwebend, mit innig-warmen Handflächen, ihre Hände ausbreiten.“</em> </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Läılä am Ende der Geschichte stirbt, wirkt die poetische Stimme der Erzählerin dennoch tröstend. Auch deshalb sticht diese Kurzgeschichte in der Flut an literarischen Produktionen rund um Atomwaffentests und nukleare Katastrophen hervor. Denn wir sehen die Welt durch Läıläs Augen, fühlen mit ihr und erkennen in ihr eine wunderschöne Seele, die uns vergessen lässt, dass ihr Körper der eines Kindes ist, mit alten, viel zu alten Händen. Die Kurzgeschichte zeigt die Trauer und den stillen Kummer der Bevölkerung Kasachstans, die in unmittelbarer Nähe des sowjetischen Atomwaffentestgebiets <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/">Semipalatinsk</a> lebte, lebt und überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/politologin-togjan-qasenova-solange-es-atomwaffen-gibt-werden-wir-alle-deren-geiseln-sein/">Politologin Togjan Qasenova: „Solange es Atomwaffen gibt, werden wir alle deren Geiseln sein“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Muqanova ist eine bewundernswerte Person, ihr Drama basierend auf dieser Kurzgeschichte wird seit 1996 auf kasachstanischen Bühnen aufgeführt, und dennoch ist sie nahbar geblieben. Nicht nur in persönlichen Gesprächen, sondern auch später in einem umfänglichen schriftlichen Interview beantwortet sie unzählige Fragen. Die relevantesten und interessantesten Ausschnitte dieses Interviews sind für alle von Bedeutung, die sich für Literatur, Zentralasien und die Fragen nach Ethik, Umwelt und den Problemen nuklearer Zerstörung interessieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verena Zabel: Wie haben Sie die Sowjetzeit erlebt und was denken Sie heute darüber?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Roza Muqanova:</strong> Ich habe selbst im Sowjetsystem gelebt und habe sowohl meine Kindheit, als auch meine Schulzeit glücklich verbracht. Danach wollte ich studieren. Als Studentin habe ich dann begonnen, gewisse Hindernisse zu bemerken. Mir fiel auf, dass die Freiheit meines Volkes begrenzt war, dass es nicht seine eigene Geschichte schrieb und dass die Macht der Ideologie bis zu einem gewissen Grade immer siegte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies alles änderte sich allmählich mit der Unabhängigkeit. Literatur, Teile unserer Geschichte, Werke und Forschungen wichtiger kasachischer Persönlichkeiten, die früher zensiert oder komplett verboten wurden, wurden nach und nach veröffentlicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie hat sich die Unabhängigkeit Kasachstans auf Ihre Arbeit ausgewirkt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne die kasachstanische Unabhängigkeit wäre es mir unmöglich gewesen, meine Kurzgeschichte „Mäñilik bala beıne” zu veröffentlichen. Durch diese Kurzgeschichte wollte ich das Schicksal meines Volkes erzählen. Ich wollte über das Unrecht schreiben, dass nicht nur dem Mädchen Läılä, sondern uns allen zugefügt wurde. Ich wollte durch die Darstellung von Läıläs Seele aufzeigen, dass sie ein Opfer des politischen Systems war, und dass dieses System ihre Zukunft als Mensch zerstört hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie selbst wurden unweit vom Atomwaffentestgelände geboren. Was sagten die Leute damals dazu?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich wurde in Semipalatinsk (heute Semeı, Anm. d. Red.) geboren. Dort wurden über 40 Jahre lang <a href="https://taz.de/Atomwaffentests-in-Kasachstan/!vn5994537/">Atomtests durchgeführt</a>. Die Menschen, die dort lebten, wurden nicht umgesiedelt. Sie wussten auch nicht, was wirklich vor sich ging. Es wurde geheimgehalten, dass es sich um Atombomben handelte und dass diese sehr gefährlich für die menschliche Gesundheit sind. In ihrem Inneren haben die Menschen das alles gespürt, und die Gebildeten unter ihnen haben auch verstanden, dass es an den Atombomben lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/">Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da aber die Kasachen ein Volk waren, das politische Verfolgung, Hunger und Unterdrückung erlebt hatte, wagte es niemand, dieses Thema anzusprechen oder etwas dagegen zu tun. Erst 1988-89 begann man, offen darüber zu sprechen, dass Land und Wasser vergiftet wurden, dass immer weniger Menschen geboren wurden, dass Krankheiten zunahmen und Menschen ungewöhnlich früh starben. Für die Kasachen war diese katastrophale Zeit wie eine Sturzflut, die alles erfasste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie haben die Menschen auf die Kurzgeschichte und das Drama reagiert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kurzgeschichte kam bei den Menschen sehr gut an. Ein Theaterdirektor hat mir sogar vorgeschlagen, die Kurzgeschichte für die Bühne umzuschreiben. Auch das Drama kam dann bei der Premiere sehr gut an. Doch das Publikum, das zur Aufführung kam, tat mir auch sehr leid, weil alle so gerührt waren, dass sie weinten. Danach wurde das Drama eines der beliebtesten Theaterstücke überhaupt. Etwa 20 Jahre lang spielten wir vor ausverkauftem Haus. Die Leute wurden nicht satt, es zu sehen und die Nachfrage war sehr groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später wurde es aus dem Theaterrepertoire gestrichen, es hieß, das Bühnenbild sei veraltet. Ich erinnere mich noch daran, dass damals junge Studierende im staatlichen Fernsehen auftraten, um ihre Unzufriedenheit mit der Theaterleitung auszudrücken. Diese jungen Menschen wollten, dass das Stück wieder in das Repertoire aufgenommen wird. Das waren für mich sehr interessante Neuigkeiten. Das Drama war so beliebt, dass es später sogar verfilmt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Drama wird immer noch aufgeführt. Inzwischen aber als ein inklusives Theater, in dem die Rolle von Lä</strong><strong>ılä nicht einfach von einem „gesunden“ jungen Mädchen gespielt wird, sondern von einer Schauspielerin, die genauso wie Läılä auch, den Körper eines Kindes hat. Wie hat das Publikum darauf reagiert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Publikum hat reagiert wie immer: Obwohl Läılä eine Behinderte ist, sagen sie, dass Läılä schön ist, dass ihre Seele rein und engelhaft ist und dafür lieben sie Läılä. Sie sympathisieren mit Läıläs Traurigkeit. Als würden sie alles zusammen mit Läılä erleben, beschuldigen sie das politische System, sind von den korrupten Menschen angewidert und verfluchen die katastrophale Waffe, die Läıläs Tod verursacht hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lä</strong><strong>ılä verrät ihre Geheimnisse nicht dem Himmel oder der Nacht. Sie spricht auch nicht mit sich selbst, sondern mit dem Mond. Was ist so besonders an dem Mond?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mond ist rein, makellos, sieht milchig weiß aus. Läılä ist auf der Erde, während der Mond sich im Weltraum befindet, doch sie sehen sich. Läılä kann ihre Geheimnisse nicht den Dorfbewohner:innen verraten, denn für sie ist Läılä nur ein Krüppel, eine invalide Person. Sie können Läıläs Seele, ihre Träume und Sorgen nicht verstehen. Läılä musste jemanden finden, der sie verstehen und ihr Leiden teilen kann. Deshalb hat sie den Mond gefunden. Das ist Läıläs Wahl!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Drama unterscheidet sich etwas von der Kurzgeschichte. Zum einen dadurch, dass neue Charaktere hinzugefügt wurden, zum anderen dass bestehende Charaktere erweitert wurden. In der Kurzgeschichte trifft</strong> <strong>Lä</strong><strong>ılä auf ihre Jugendliebe Qumar, der zu einem schönen, jungen Mann herangewachsen ist. Er tanzt mit Läılä und ist freundlich zu ihr. Er behandelte sie so, als sei sie ein normales Mädchen. Doch im Drama zeigt sich später Qumars dunkle Seite darin, dass er Läıläs Freundschaft und Vertrauen für Geld verkauft. Warum haben Sie diese Szene hinzugefügt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Kurzgeschichte in das Genre der Dramaturgie umzuwandeln, wollte ich den Konflikt verschärfen und eine Kulmination des Konfliktes erreichen. Außerdem wollte ich die Jugend vor der moralischen Gefahr, die die Werte von Reichtum und Geld mit sich bringen, beschützen. Die ersten Jahre der Unabhängigkeit waren sehr schwer für die Menschen. Die Lebensbedingungen waren sehr schwer. Diese Realitäten des wirklichen Lebens wollte ich in dem Drama auch darstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Drama gibt es auch noch einen weiteren Charakter, der in der Kurzgeschichte gar nicht vorkommt, die verrückte Şökiş. Warum haben Sie sie hinzugefügt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich noch ein Kind war, gab es in unserem Dorf eine alte verrückte Frau namens Meñtaı. Sogar im Sommer hat sie Winterklamotten getragen. Die Kinder haben sie gejagt und verspottet, wenn sie die Straße entlang ging. Meine Oma hat dieser alten Frau immer warmes Essen, Tee und Süßigkeiten gegeben. Sie hat ihr auch Brot und Irimşik (kasachischer Käse, Anm. d. Red.) mitgegeben. Dann hat Meñtaı wie ein gesunder Mensch geredet und mit meiner Oma viel gesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-erbe-von-taboschar-ueber-den-uranabbau-in-tadschikistan-und-seine-folgen/">Das Erbe von Taboschar – Über den Uranabbau in Tadschikistan und seine Folgen</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Oma erzählte mir, dass Meñtaı gar nicht verrückt sei. Ihr Vater war früher nicht nur ein reicher Mann, sondern auch ein Landkreisvertreter (rus. Wolostnoj, politisch-administratives Amt im Russischen Reich, Anm. d. Red.). Zur Zeit der Beschlagnahmungskampagne (eine Enteignungskampagne der Bolschewiki gegen die sogenannte Bourgeoisie, Anm. d. Red.) wurde ihr Vater festgenommen und daraufhin wurde sie mental krank. Sie war die Tochter eines bekannten Wolostnoj, so erzählte es meine Oma. Ich habe Şökiş in Anlehnung an diese Meñtaı geschrieben. Obwohl Şökiş verrückt aussieht, ist sie eigentlich gesund, so wie Meñtaı. Weil ihr Kind unter den Folgen der Atomwaffentests gelitten hat, ist sie auch mental krank geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haben sie andere literarische Texte über Semipalatinsk oder allgemein über Atomwaffentests gelesen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mir Fotoausstellungen über das Atomwaffentestgelände Semipalatinsk angeschaut, ich habe auch Artikel und Recherchen darüber gelesen. Allerdings hatte ich vor meinem eigenen keine anderen literarischen Werke zu diesem Thema gelesen. In der Wirklichkeit ist es aber so, dass die Menschen ihr Schicksal nicht durch Artikel besser kennen lernen, sondern durch Kunstwerke, Literatur, Kino und Theater.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/leben-und-sterben-in-batbakkarinsk/">Leben und Sterben in Batbakkarinsk</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihre Kurzgeschichte unterscheidet sich von anderen Romanen oder gar Dokumentarfilmen, die meistens die Explosionen selbst detailliert beschreiben, oder auch Aufnahmen davon zeigen. Ihr Fokus liegt nicht in der Darstellung der Explosionen selbst. Warum haben Sie sich dafür entschieden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Zeigen der Explosion, war es vor allem meine Aufgabe, die Ursachen und Wirkungen aufzuzeigen und das Problem selbst auf eine Ebene zu heben, in der es die gesamte Menschheit betrifft. Ich wollte dies dem <em>menschlichen</em> Bewusstsein nicht nur als Information oder als Artikel, sondern eben als Kunstwerk, als literarisches Werk vermitteln. Ich habe geschrieben, weil nicht nur mein Land, sondern die ganze Welt, die unter Krieg leidet, Läıläs Trauer, ihre Tragödie sehen und darüber nachdenken soll. Ich denke, dass der Mensch keine Gewalt gegen die Erde oder gegen die Menschheit anwenden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist die Bedeutung der Kunst bei solch einem politischen Thema wie Atomwaffentests?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Atomtests wurden nicht nur in unserem Land, sondern auf der ganzen Welt durchgeführt. Doch auch wenn Informationen dazu in den Nachrichten gezeigt werden, handelt es sich dort doch nur um eine Momentinformation. Das verschwindet sehr schnell wieder aus dem Bewusstsein der Menschen. Doch wenn es in der Sprache der <em>Literatur</em>, des <em>Theaters</em>, des <em>Kinos</em>, des <em>Balletts</em>, der <em>Oper</em>, oder der <em>Musik</em> Ausdruck findet, so wird es zu einem <em>ewigen</em> Thema für die Menschheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn mit unseren Herzen und Seelen verstehen wir, welche Auswirkungen Kriegswaffen auf die Menschheit haben, dass sie die Vernichtung aller Menschen auf der Erde bedeuten könnten. Wir werden dafür <em>kämpfen</em>, dass dies niemals passiert. Für mich als Autorin und Dramaturgin war das notwendig. Ich musste meinen inneren Widerstand durch meine Feder zum Ausdruck bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vielen Dank für das Interview!</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Interview und Übersetzung aus dem Kasachischen<br>Verena Zabel, M.A.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Eine englische Übersetzung von Roza Muqanovas Kurzgeschichte kann in der frei zugänglichen <a href="https://www.cambridge.org/sites/default/files/media/documents/Kazakh_Prose_Book_PRINT-no-crops-1.pdf">Anthologie kasachischer Prosa</a> gefunden werden (S. 561-570). Die kasachische Originalversion kann <a href="https://kazneb.kz/kk/bookView/view?brId=1177990&amp;simple=true">hier</a> gefunden werden (S. 119-127).</em></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Kampf um die Staatsmacht: Gewinnt Kobra oder Herr Genosse Präsident?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jan 2024 16:39:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ak Welsapar]]></category>
		<category><![CDATA[Kobra]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=38143</guid>

					<description><![CDATA[<p>In seinem k&#xFC;rzlich auf Deutsch erschienenen Roman &#x201E;Kobra und der Herr Genosse Pr&#xE4;sident&#x201C; beschreibt der turkmenische Schriftsteller Ak Welsapar beunruhigend exakt, zu was Mensch (und Tier?) f&#xE4;hig sind. Eine Rezension. Kobra der Schlangerich hat genug davon, dass die Menschen seine Heimat, die W&#xFC;ste, mit giftigem M&#xFC;ll verpesten und der Landschaft f&#xFC;r ihre Baumwolle das Wasser [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kampf-um-die-staatsmacht-gewinnt-kobra-oder-herr-genosse-praesident/">Kampf um die Staatsmacht: Gewinnt Kobra oder Herr Genosse Präsident?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In seinem kürzlich auf Deutsch erschienenen Roman „Kobra und der Herr Genosse Präsident“ beschreibt der turkmenische Schriftsteller Ak Welsapar beunruhigend exakt, zu was Mensch (und Tier?) fähig sind. Eine Rezension.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kobra der Schlangerich hat genug davon, dass die Menschen seine Heimat, die Wüste, mit giftigem Müll verpesten und der Landschaft für ihre Baumwolle das Wasser entziehen. Also häutet sich Kobra, nimmt Menschengestalt an, verabschiedet sich von der Wüste und macht sich auf in die Menschenwelt. In den höchsten Reihen der Macht will er sein Glück versuchen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Doch seine Mission, dem Gehabe der Menschen Einhalt zu gebieten, hat er sich leichter vorgestellt. Denn das Staatsoberhaupt des Landes mitten in Asien, der Herr Genosse Präsident, hält alle Fäden der Macht fest in der Hand und will sie auf keinen Fall an eine Schlange weiterreichen. Kobra erfährt am eigenen Leib, dass auch unter den Menschen nichts so ist, wie es scheint…</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwischen perfiden Absurditäten und unbequemen Wahrheiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam mit Kobra entdeckt die Leserin vom jüngst auf Deutsch erschienenen Roman „Kobra und der Herr Genosse Präsident“ ein despotisches, totalitäres Regime: wie die Bevölkerung ausgebeutet, Feinde eliminiert und dem Präsidenten sämtliche Wünsche von den Lippen abgelesen werden. Dabei stößt man auch auf einige Absurditäten: Auf einmal werden Tote nicht mehr gemäß Brauchtum ehrwürdig bestattet, sondern in einem eigens eröffneten Museum ausgestellt. Dort sollen sie als Denkmal dessen dienen, <em>„wie man zu sterben hat: schweigend, ohne Ansprüche an die Regierung zu stellen“</em>. Dies noch dazu in einem Land, in dem das oberste Mantra lautet: <em>„Kein Mensch stirbt vor seiner Zeit“</em> – natürlich die Worte des Herrn Genossen Präsidenten höchstpersönlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/ak-welsapar-turkmenischer-exilschriftsteller/">Ak Welsapar, turkmenischer Exilschriftsteller</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zentrales Thema von <em>Kobra</em> ist die Zerstörung der Umwelt. Diese wird insbesondere durch den aggressiven Baumwollanbau vorangetrieben, mit einem hohen Wasserverbrauch zur Bewässerung, aber auch der Einsatz von Pestiziden in großem Maße. Die Menschen kümmern sich nicht darum, was sie der Natur und ihren Lebewesen antun – und letztlich sich selbst. Die Politik weigert sich, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu ergreifen und treibt die Zerstörung gar aktiv voran. Damit sind Kobra und Präsident eine Allegorie für Umwelt und Politik, deren Interessen sich allzu oft widersprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stilistisch schwankt „Kobra“ zwischen minutiösen Beschreibungen der Umstände in der Despotie, von Personen und Persönlichkeiten sowie deren Schicksal und ellenlangen Monologen, die das Pathos der Sprechenden überzeugend hinüberbringt. Interessant ist auch die allwissende Perspektive des Erzählers, wodurch ein Einblick in die Gedankenwelt fast sämtlicher Beteiligter gewährt wird. Gleichzeitig bleibt die wahre Natur einiger Protagonisten bis ganz zum Schluss geschickt verborgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verarbeitung persönlicher Erfahrungen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor des Buches weiß, wovon er spricht: 1956 in Mary (damals Turkmenische SSR) geboren, absolvierte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ak_Welsapar">Ak Welsapar</a> seine beiden Masterabschlüsse in Moskau. Durch kritische Artikel, in denen er die ökologischen Probleme in Turkmenistan – nicht zuletzt aufgrund des Baumwollanbaus – anprangerte, wurde die Weltöffentlichkeit auf die großen ökologischen Probleme Zentralasiens aufmerksam. Infolgedessen war Welsapar gezwungen, seine turkmenische Heimat zu verlassen. Seither lebt und arbeitet er in Schweden als Journalist und Schriftsteller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unklar bleibt, inwiefern der Autor seine eigenen Erlebnisse im Buch einbringt. Immer wieder finden sich gewitzte und manchmal scheinbar sinnfreie Zitate, die zum Nachdenken anregen: <em>„Wir haben mit dem Heute nichts gemein, wir streben der Zukunft entgegen!“</em> – <em>„Diebstahl ist ein sicheres Zeichen für die Furcht des Schwachen vor dem Starken und ein Eingeständnis der eigenen Nutzlosigkeit.“</em> Damit macht Welsapar die Gedankengänge eines Despoten beunruhigend nachvollziehbar und untermalt den Größenwahn, der in totalitären Regimes steckt – und vielleicht auch im Menschen an sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kobra und der Herr Genosse Präsident </em>ist eine scharfe Analyse von Egozentrismus, Herrschaftsgelüsten und dem Glauben, dass das Volk einen braucht – überschattet von dunklen Gedanken, dass die engsten Vertrauten hintergehen und das <em>„geliebte Volk“</em> ihn eben doch stürzen könnte. <em>„Es lebe der Herr Genosse Präsident!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://dagyeliverlag.com/produkt/kobra-und-der-herr-genosse-praesident/"><em>Ak Welsapar: Kobra und der Herr Genosse Präsident</em></a><em>. 500 Seiten, Dağyeli Verlag, ISBN: 978-3-9355975-9-3, Juni 2023.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Wer war Mirjaqyp Dulatuly? – Die Geschichte eines kasachischen Poeten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jan 2023 18:44:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ahmet Baitursynuly]]></category>
		<category><![CDATA[Alash Orda]]></category>
		<category><![CDATA[Dichter]]></category>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Mirjaqyp Dulatuly]]></category>
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		<category><![CDATA[Schriftsteller]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Dichter Mirjaqyp Dulatuly war einer der Vork&#xE4;mpfer der kasachischen Autonomie. Anl&#xE4;sslich seines 137. Geburtstags erz&#xE4;hlt Masa.media seine Geschichte. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Myrjaqyp Dulatuly ist eine der Schl&#xFC;sselfiguren der kasachischen Politik des fr&#xFC;hen 20. Jahrhunderts. Zusammen mit seinen Freunden und Mitstreitern Ahmet Ba&#x131;tursynuly und &#xC1;lihan B&#xF3;ke&#x131;han gr&#xFC;ndete er die [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Dichter Mirjaqyp Dulatuly war einer der Vorkämpfer der kasachischen Autonomie. Anlässlich seines 137. Geburtstags erzählt </strong><a href="https://masa.media/ru/site/kto-takoy-myrzhakyp-dulatuly"><strong>Masa.media</strong></a><strong> seine Geschichte. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mirschaqyp_Dulatuly">Myrjaqyp Dulatuly</a> ist eine der Schlüsselfiguren der kasachischen Politik des frühen 20. Jahrhunderts. Zusammen mit seinen Freunden und Mitstreitern <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Achmet_Baitursynuly">Ahmet Baıtursynuly</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Älichan_Bökeichan">Álihan Bókeıhan</a> gründete er die Zeitung &#8222;Qazaq&#8220; und beteiligte sich wenig später an dem Versuch, die kasachische Autonomie – die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alasch_Orda">Alash Orda</a> – zu etablieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viele andere Anhänger der Alash Orda wurde Dulatuly in der neu gegründeten UdSSR verfolgt und ständig vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Innenministerium_der_UdSSR">NKWD</a> überwacht. Bereits Ende der 20er Jahre wurde er in ein Lager verbannt, wo er schließlich starb. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kindheit und Jugend</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Myrjaqyp Dulatuly wurde am 25. November 1885 auf dem Territorium des heutigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai_(Gebiet)">Gebiets Qostanaı</a> geboren. Seine Eltern verlor er früh, sodass er hauptsächlich von seinem älteren Bruder Asqar erzogen wurde. Im Alter von acht Jahren wurde der kleine Mirjaqyp zum Mullah des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aul">Auls</a> geschickt, um bei ihm zu lernen.

<em>„Ich weiß nicht mehr, wie lange ich bei ihm studiert habe. Ich weiß nur, dass ich außer dem Auswendiglernen arabischer Gebete nichts gelernt habe“</em>, sagte der Dichter später über diese Zeit seines Lebens und merkte dabei ironisch an, dass der Mullah ein äußerst unwissender Mensch gewesen sei.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Im Alter von 12 Jahren wurde Dulatuly in die russisch-kasachische Schule des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Torghai_(Gebiet)">Gebiets Torģaı</a> aufgenommen. Dort traf er den jungen Lehrer Ahmet Baıtursynuly, einen zukünftigen politischen Weggefährten und Freund. Nach dem Abschluss arbeitete Myrjaqyp mehrere Jahre als Dorflehrer. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals begann er Gedichte zu schreiben. Bereits 1907 wurden seine ersten Arbeiten in der Zeitung „Serke“ veröffentlicht. Zwei Jahre später erscheint seine berühmte Sammlung „Oyan, qazaq!“ („Wach auf, Kasache!“). <em>Öffne deine Augen, wach auf, Kasache, hebe deinen Kopf,Verschwende deine Zeit nicht im Dunkeln.Die Erde ist gegangen, der Glaube ist geschwächt, die Situation ist schlimm geworden,Mein Lieber, du kannst dich nicht länger hinlegen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kampf gegen den Zarismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> 1905 nimmt Myrjaqyp am Kongress des kasachischen Zweigs der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstitutionell-Demokratische_Partei">Konstitutionell-Demokratischen Partei</a> teil und engagiert sich seitdem aktiv in der Politik. Álihan Bókeıhan und Ahmet Baıtursynuly werden zu seinen engsten Mitstreitern. Zusammen verfassen sie die „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarqaraly">Karkaralinsker</a> Petition“ an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_II._(Russland)">Nikolaus II.</a>, in der sie Unterricht in kasachischer Sprache und die Rückgabe der von den Behörden beschlagnahmten Ländereien fordern. 1910 veröffentlicht Dulatuly das Buch „Unglückliche Jamal&#8220; – der erste Roman in der Geschichte der kasachischen Literatur. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Er erzählt die Geschichte eines eigensinnigen und klugen Mädchens namens Jamal, das im Dorf heimlich eine moderne Ausbildung erhielt. Sarsenbaı – der Vater des Mädchens – beschließt, es mit dem dummen Sohn eines einheimischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bey_(Titel)">Beys</a> zu verheiraten. Das unglückliche Mädchen versucht mehrmals, ihrem traurigen Schicksal zu entgehen – und stirbt schließlich, als es bei einem Fluchtversuch in einer Schneewehe erfriert. Der Roman war sehr erfolgreich und wurde binnen weniger Jahre viermal aufgelegt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/">Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">1913 zieht Dulatuly, nachdem er fast zwei Jahre für seine politische Tätigkeit abgesessen hat, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orenburg">Orenburg</a>. Dort beteiligt er sich aktiv an der Gründung der Zeitung „Qazaq&#8220; und schreibt regelmäßig für sie. Gleichzeitig bleibt er kreativ: 1914 nennt der Turkologe Wladimir Gordlewskij ihn und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai_Qunanbajuly">Abaı</a> die prominentesten Vertreter der kasachischen Literatur. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Seiten von „Qazaq“ kritisiert Dulatuly regelmäßig die zaristischen Behörden und fordert Reformen. In einem der Artikel stellt er fest, dass die Kasach:innen <em>„nach Autonomie streben müssen: Wenn wir eine eigene Regierung und Armee haben, werden alle mit uns rechnen&#8220;</em>. &#8222;Qazaq&#8220; wird ständig unter enormem Druck stehen. Aber trotz aller Bußgelder und Schließungsversuche wird die Zeitung überleben und bis 1918 bestehen. Erst die Bolschewiki können sie endgültig schließen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Revolution und Bürgerkrieg</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Wie auch andere Anhänger:innen der Alash Orda stand Myrjaqyp dem bolschewistischen Umsturz von 1917 nicht besonders positiv gegenüber. Er hielt die Bolschewiki für Populist:innen, war selbst gegenüber den theoretischen Grundlagen ihrer Doktrin skeptisch und merkte an, dass <em>„das geheime Kalkül der Anstifter dieses Aufruhrs gar nicht so nobel ist wie die von ihnen proklamierten Ziele&#8220;</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Bolschewiki begannen den Aufruhr. Die Bolschewiki sind eine Gruppierung im Lager der Sozialdemokratischen Partei. Während alle anderen Parteien zustimmen, dass die höchsten Ziele schrittweise erreicht werden können, da es unmöglich ist, die Traditionen und Bräuche der Menschen an einem Tag zu ändern, wollen die Bolschewiki im Gegenteil alles zerstören, die Macht in ihre Hände nehmen und die Welt verändern. Die Idee der universellen Gleichheit der Menschen auf der ganzen Welt, der Zerstörung von Reichtum und Armut, der brüderlichen Liebe zwischen den Menschen ist die schönste Idee. Aber die Menschheit ist dem noch nicht gewachsen“</em>, schrieb Dulatuly in seinem Artikel „Der Zustand des Staates“, der in der 248. Ausgabe von „Qazaq“ erschien. Im Laufe der Zeit wurde seine Haltung gegenüber den Bolschewiki noch ablehnender: Er sah die Methoden, die sie bereit waren anzuwenden, um an der Macht zu bleiben. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Zeitalter der Bolschewiki hatte begonnen. Die Leute weinten: Sie wurden am helllichten Tag ausgeraubt. Bürger wurden getötet, Frauen vergewaltigt, Eigentum zerstört. Und in dieser traurigen Zeit gibt es unter den Kasachen selbst welche, die zusammen mit den Bolschewiki Willkür begehen. Sie verleumden die Würdigen und erschießen sie. Sie zerstören die Besten der Besten. Wenn das Zeitalter der Bolschewiki lang ist, wird die Schönheit des Landes verschwinden“</em>, kritisierte Myrjaqyp die Bolschewiki in dem Artikel „Die Geheimnisse vieler enthüllt“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Artikel erschien in der 264. Ausgabe von &#8222;Qazaq&#8220; – der vorletzten der Zeitung. In der Folge mussten die Alash-Aktivisten Kompromisse mit den sowjetischen Behörden eingehen: Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weiße_Armee">Weißen</a>, deren Niederlage immer offensichtlicher wurde, weigerten sich hartnäckig, die kasachische Autonomie anzuerkennen. Myrjaqyp nahm regelmäßig soziale Aktivitäten auf, bekam eine Stelle in der Parteizeitung der Bolschewiki in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autonome_Sozialistische_Sowjetrepublik_Turkestan">Turkestan</a>. Als 1921 in Kasachstan eine Hungersnot ausbrach, unternahm Myrjaqyp große Anstrengungen, um sie zu beenden. Dank seiner Agitation wurden in 2-3 Monaten etwa 15.000 Rinder gesammelt und an die hungernde Bevölkerung verteilt. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die</strong><strong> Sowjetzeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Myrjaqyp versuchte, sich in den Sowjetstaat einzufügen. Er unterrichtete und half bei der Veröffentlichung von Lehrbüchern. Von 1922 bis 1926 lehrte Dulatuly auch am Kasachischen Institut für öffentliche Bildung. Die neue Regierung traute ihm und seinen Mitstreitern jedoch nicht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits 1928 verfolgte ihn der NKWD. <em>„Wir schliefen zu Hause, als sie plötzlich laut an die Tür klopften: Sie brachen sie fast auf. Nachdem alle aufgewacht waren, betraten sechs Personen das Haus. Meinem Vater wurde ein Durchsuchungsbefehl gezeigt und das Haus wurde durchsucht. Alle Dinge wurden auf einem Haufen gesammelt. Wir hatten große Angst – ich werde diesen Tag nie vergessen. Mein Vater nahm seinen Ehering ab und steckte ihn meiner Mutter an die Hand. Er sagte zu uns Kindern: Ihr seid noch jung. Bisher habe ich euch nicht gesagt, wer ich war.Er sah mich an und sagte: „Ich habe darauf gewartet, dass du erwachsen wirst. Wir haben gerade deinen 13. Geburtstag gefeiert. Ich bin froh, dass ich dabei war. Hör auf deine Mutter, schwänze keinen Unterricht, sei ein guter, ehrlicher Mensch. Lass kein Unglück dich berühren.&#8220; Während er sprach, störten sie ihn nicht, sie ließen ihn sprechen. Ich wollte zu ihm rennen, aber sie stießen mich weg. Ich habe geschrien und geweint, aber ich konnte nichts tun“</em>, erinnerte sich Myrjaqyps Tochter Gúlnar Dulatova an die Verhaftung ihres Vaters. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wer-war-ahmet-baitursynuly-die-geschichte-eines-kasachischen-erziehers/">Wer war Ahmet Baıtursynuly? – Die Geschichte eines kasachischen Erziehers </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mirjaqyp verbrachte mehrere Monate in Einzelhaft, isoliert von der Außenwelt. Dann wurde er zum Tode verurteilt, aber bald wurde die Strafe in 10 Jahre Gefängnis geändert. <em>„An jenem Tag kamen wir zum Bahnhof. Ein roter Waggon stand da, seine Fenster waren vergittert. Draußen stand eine Wache. Wir sind dorthin gelaufen. Als mein Vater unsere Stimmen hörte, schaute er aus dem Fenster – und ich begann vor Freude zu weinen. Mein Vater sagte zu mir: „Weine nicht, Liebes, weine nicht. Ich komme wieder und wir sehen uns.&#8220; Er fragte, wie es Mutter, den Verwandten und Freunden gehe, ob zu Hause alles in Ordnung sei. Als Antwort nickte ich nur mit dem Kopf. Der 24. Juni 1929 war der letzte Tag, an dem ich meinen Vater gesehen habe“</em>, beschrieb Gúlnar Dulatova das Treffen mit Myrjaqyp. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach wurde er in das Moskauer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Butyrka">Butyrka</a>-Gefängnis verlegt. Zwei Jahre später wurde Dulatuly in das berüchtigte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Solowezki-Inseln">Solowetzker</a> Sonderlager verlegt. Dort arbeitete Myrjaqyp unter schwierigen Bedingungen weiter und schrieb für die Zeitschrift &#8222;Solowetzki-Inseln&#8220;. Die Wärter im Lager verspotteten oft die Vertreter der Turkvölker und betrachteten sie nur als Arbeitskraft. Dies lag auch daran, dass viele turksprachige Gefangene kein Russisch sprechen konnten. Um die Situation ein wenig zu verbessern, erstellte Myrjaqyp im Lager ein turko-russisches Wörterbuch auf mittlerem Niveau. Diese Arbeit wurde geschätzt: Die Aufzeichnungen wurden aktiv unter den Gefangenen verteilt und dutzende Male kopiert. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Während seines Aufenthalts im Lager nahm Dulatuly auch an Sanitätskursen teil. Er begann auf der Krankenstation zu arbeiten und schrieb ein Lehrbuch über Geometrie. Myrjaqyp hatte große Angst um seine Familie und lehnte deshalb den von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mustafa_Shokay">Mustafa Shoqaı</a> vorgeschlagenen Fluchtversuch nach Frankreich ab. Gleichzeitig korrespondierte er weiterhin mit seinen Freunden Álihan Bókeıhan und Ahmet Baıtursynuly. In Briefen nannten sie sich oft mit Spitznamen, wie „Sohn der Steppe“ (Bókeıhan) oder „Madiyar“ (Dulatuly). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Myrjaqyps Frau, die ihn einmal im Lager besuchte, hielt auf dem Rückweg bei Álihan Bókeıhan an. Bald darauf erhielt Dulatuly eine Postkarte von ihm: <em>„Mein Licht Madiyar. Gaıa und Altaı, die zwei Tage übernachtet haben, sind heute abgereist. Ich schreibe dir, während sie aufbrechen. Ehemann M in Almaty. „Was nützen Freiflächen, wenn deine Stiefel klein sind“, kam mir dieses Sprichwort in den Sinn. Umarmung, Áli.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-kirgisische-dichter-boekoenbajew-zu-zeiten-des-grossen-terrors/">Der kirgisische Dichter Bökönbajew zu Zeiten des Großen Terrors </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mirjaqyp führte diese Korrespondenzen bis zu seinem Tod fort. <em>„Meine lieben Myrjaqyp und Myrzagazy, seid ihr noch da? Wie geht es mit der Gesundheit? Wo ist Gazimbek? Ich kam hierher, um mit meiner Frau und meiner Tochter zusammen zu sein, und bin seit letztem September hier. Da ich keine Antwort von euch erhalten habe, schreibe ich erneut. Gebt Bescheid, sobald ihr den Brief erhalten habt. Küsse, Ahmet“</em>, schrieb Baıtursynuly ihm in einem seiner Briefe. Am 5. Oktober 1935 starb Myrjaqyp Dulatuly im Lazarett des Lagers. Seine sterblichen Überreste wurden erst 1992 nach Kasachstan transportiert. Myrjaqyps Tochter versuchte während der Sowjetzeit immer wieder, seine Rehabilitierung zu erwirken. Dies wurde jedoch erst kurz vor dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1988 erreicht. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Masa.media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://masa.media/ru/site/kto-takoy-myrzhakyp-dulatuly">Russischen</a> von Robin Roth</strong> </p>



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		<title>Wer war Ahmet Baıtursynuly? &#8211; Die Geschichte eines kasachischen Erziehers</title>
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		<dc:creator><![CDATA[arthur]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Nov 2022 16:31:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ahmet Baitursynuly]]></category>
		<category><![CDATA[Erzieher]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jeder Mensch nimmt im Laufe seines Lebens verschiedene Rollen ein: F&#xFC;r den Einen bleibt er f&#xFC;r immer ein Kind, f&#xFC;r den Andern wird er zum Lebensgef&#xE4;hrten und f&#xFC;r wiederum Andere ein treuer Freund, zuverl&#xE4;ssiger Arbeitskollege oder netter Bekannter. Manche Menschen probieren gerne viele verschiedene Rollen aus. Genau solch einer war Ahmet Ba&#x131;tursynuly: Dichter, Linguist, P&#xE4;dagoge, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jeder Mensch nimmt im Laufe seines Lebens verschiedene Rollen ein: Für den Einen bleibt er für immer ein Kind, für den Andern wird er zum Lebensgefährten und für wiederum Andere ein treuer Freund, zuverlässiger Arbeitskollege oder netter Bekannter. Manche Menschen probieren gerne viele verschiedene Rollen aus. Genau solch einer war Ahmet Baıtursynuly: Dichter, Linguist, Pädagoge, Wissenschaftler, Politiker, Revolutionär und Journalist. Anlässlich seines 150. Geburtstages erzählt </strong><a href="https://masa.media/ru/site/kem-byl-akhmet-baytursynuly"><strong>Masa.Media</strong></a><strong>, wer er war und wie er das Leben seiner Zeitgenossen geprägt hat. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Achmet_Baitursynuly">Ahmet Baıtursynuly</a> wurde am 5. September 1872 im Gebiet Turgai (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai_(Gebiet)">heute Gebiet Qostanaı</a>, im Norden Kasachstans) geboren. Auf der Suche nach dem genauen Datum tappte man lange Zeit im Dunkeln. Man nahm an, Ahmet sei am 29. September geboren. Im Jahre 2012 stieß man jedoch auf die Baıtursynuly-Biografie eines bekannten Aufklärers. Darin fand sich der Beweis für den 5. September. Sein Vater Baıtursyn war ein autoritärer und einflussreicher Mann, der die Interessen seiner Mitmenschen zu verteidigen vermochte und dabei den Konflikt nicht scheute. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal artete ein Gespräch mit dem militärischen Oberstarzt Iakovle in einen Streit aus, dass an dessen Ende Baıtursyn und seine Brüder den Beamten verprügelten. Dafür schickte man ihn ins sibirische Straflager. <em>„Im Alter von 13 Jahren hinterließ ein Stoß eine bis heute ungeheilte Wunde in meinem Herzen. Wenn ich vom Menschen abstamme, aber keine menschlichen Pflichten erfülle und nicht reinen Gewissens lebe, wird mich im Angesicht des Todes nicht die Scham überkommen?“</em>, überlegte Ahmets Vater nach der Heirat in einem Brief an seine Mutter, den er ihr aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semipalatinsker</a> Gefängnis schrieb. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Studium und Lehrtätigkeit</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Nach Abschluss einer Elementarausbildung bei den Mullahs in der ansässigen Koranschule zog es Baıtursynuly mit ein paar Weggefährten ins russische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orenburg">Orenburg</a>, unweit der heutigen Grenze zu Kasachstan. Aller finanziellen Nöte zum Trotz schloss er ein Studium an der dortigen Staatlichen Pädagogischen Universität ab. Fast 15 Jahre lehrte Ahmet an russisch-kasachischen Schulen der Gebiete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtóbe</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarqaraly">Qarqaraly</a> und Qostanaı. Er war der festen Überzeugung, dass sich die Kasachen allein durch Wissenschaft und Fortschritt aus der Misere befreien könnten, in der sie sich seit Ankunft des russischen Kolonisators befanden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Darum rief er sein Volk dazu auf, sich von der Suche nach Schuldigen loszulösen und stattdessen härter zu arbeiten, um ihre Notlage zu überwinden. Im Artikel „Der kasachische Verdruss“ schrieb er: <em>„Der Alltag der Kasachen verfinstert sich immer mehr. Sie schimpfen auf das grellste Licht, ohne sich zu fragen, wo diese unsinnige Spinnerei herrührt, und schlagen alle Alarmglocken. Die Gegenwart ist das Kind der vergangenen Epochen und die Mutter aller zukünftigen. In Zeiten des Wohlstands, in denen Wissen und Können nicht mit der technischen Entwicklung Schritt halten konnten, hatten die Kasachen ihren eigenen Kopf. Weder dem Khan, noch dem Volk war es nach Kunst oder Wissenschaft zumute. Statt über sinnvollere Beschäftigungen nachzudenken, standen sie miteinander auf Kriegsfuß, und während andere Völker voranschritten, machten die Kasachen Rückschritte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/">Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Baıtursynuly war Künstler. Er veröffentlichte den Gedichtband „Mücke“, in dem er dazu aufrief, zu studieren und sich den Wissenschaften zuzuwenden. Er verurteilte amoralisches Verhalten und appellierte an den Humanismus. Diese Ideale tauchten auch in Krylows Fabeln wieder auf, die Baıtursynuly erst übersetzt und dann in dem Band „40 Fabeln“ adaptierte. (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Andrejewitsch_Krylow">Iwan Krylow</a> gilt als wichtigster Dichter russischer Fabeln, Anm. d. Ü.) </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Das Leben in der Ehe</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Als sie sich kennenlernten, arbeitete Ahmets Frau Alexandra als Lehrerin an einer russisch-kasachischen Schule in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai">Qostanaı</a>. Eine Ehe zwischen zwei Menschen unterschiedlichen Glaubens war damals enorm schwer, doch Alexandra entschied sich, zum Islam zu konvertieren. Zusammen besuchte das Paar die Moschee in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Troizk_(Tscheljabinsk)">Troizk</a>. Der Imam, der sie dort auch getraut hatte, gab Ahmets Frau dort den tartarischen Namen Badrisafa Muhamedsadikizi.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Baıtursynulys Verwandte hatten keine große Mühe, Badrisafa in ihr Herz zu schließen: Sie sprach nicht nur Kasachisch, sondern war auch eine äußerst warmherzige und liebenswürdige Person.  Außerdem unterstützte sie ihren Mann aktiv bei der Arbeit. Als Ahmet Chefredakteur der Zeitung „Qazaq“ war, übernahmen Badrisafa und ihre Enkeltochter Katıez die typografischen Aufgaben. Als Baıtursynuly 1937 erschossen wurde, schickte man Badrisafu nach Swerdlowsk (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jekaterinburg">Jekaterinburg</a>, Anm. d. Red.). </p>



<p class="wp-block-paragraph">1942 kehrte sie, von einer starken Epilepsie gequält, zurück zu Ahmets Familie. Sie trug einen alten Mantel ihres Mannes. Um ihnen keine Umstände zu bereiten, suchte sie auch Obhut bei Fremden. Kurze Zeit später schickten die Ärzte sie in ein Behindertenheim ins Dorf Alexandrowka. Ob sie es bis dorthin schaffte, ist umstritten. Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass sie ihren Lebensabend in der Siedlung Kaskat verbrachte, wo sie eine ansässige Familie beherbergte. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Arbeit als Journalist und Kritik an der Zarenherrschaft</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Nach der Russischen Revolution im Jahre 1905 engagierte sich Baıtursynuly im politischen Geschehen. Er fand sich unter den Autoren der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarqaraly">Karkaralinsker</a> Petition. In dieser forderten Schriftsteller das Ende der Ausbeutung der Erde und der Zwangsumsiedlung von Christen sowie die Etablierung lokaler Verwaltungsämter (genannt Semstvo; ständische Selbstverwaltung in Russland von 1964 – 1917) in Kasachstan. Nicht selten saß Ahmet für seine Überzeugungen im Gefängnis. </p>



<p class="wp-block-paragraph">1913 gründeten Baıtursynuly, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Älichan_Bökeichan">Álihan Bókeıhan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mirschaqyp_Dulatuly">Mirjaqyp Dulatuly</a> zusammen die Zeitung Qazaq. Fünf Jahre später erreichte diese eine Auflage von 8000 Exemplaren. Als der Zeitung 1914 für ihre Regierungskritik eine Geldstrafe auferlegt wurde, konnte Ahmet nicht für das Bußgeld aufkommen und kam ins Gefängnis. Innerhalb weniger Tage sammelte die Leserschaft Geld und kaufte Baıtursynuly auf diese Weise wieder frei. In den folgenden Jahren schaffte sie der Zeitung noch viele weitere Male Abhilfe, sich von den durch die Regierung auferlegten Strafen zu befreien. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Wissenschaftler und Lehrer</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Baıtursynuly sprach sich für die Nutzung arabischer Schriftzeichen zugunsten der kasachischen Schrift aus. Seiner Meinung nach hielt Latein (das seinerzeit viele Anhänger fand) nicht genügend Zeichen für die kasachischen Laute bereit. Auch die arabische Schrift hatte ihre Makel und ausgerechnet dieser bediente sich Baıtursynuly, um die kasachische Sprache weiterzuentwickeln. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Titel „Oku Kurali“ präsentierte er 1912 seine schriftlichen Vorhaben. Dieses Werk stellt eines der ersten Wörterbücher in kasachischer Sprache dar. Sein Alphabet fand schnell Resonanz und schon wenig später Verwendung in kasachisch-russischen sowie islamischen Bildungseinrichtungen. Die Zeitung „Qazaq“ bediente sich zuzüglich noch an einer modernisierten Form der arabischen Zierschrift. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-langsamer-aber-bestimmter-weg-zum-lateinischen-alphabet/">Kasachstans langsamer, aber bestimmter Weg zum lateinischen Alphabet </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Wissenschaft war Ahmet insgesamt sehr aktiv und engagiert. Von 1914 bis 1916 schrieb er das erste Lehrwerk für kasachische Sprache, das dreiteilige „Til-Kural“. Durch die drei Bände „Morphologie“, „Phonetik“ und „Syntax“ gelang es ihm, verschiedene linguistische Begriffe zu definieren und auf diese Weise die sprachliche Struktur zu systematisieren. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Anhänger der Bolschewiken</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Zusammen mit weiteren kasachischen Intellektuellen gründete Baıtursynuly im Jahre 1917 die Partei „Alash“. Ende desselben Jahres wählte man ihn in die Konstituierende Versammlung. Diese sollte die Ordnung des Russischen Imperiums demokratisch sichern. Während der Oktoberrevolution lösten die Bolschewiken die Versammlung gewaltsam auf und blieben an der Macht. Es begann ein Bürgerkrieg. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich unterstützte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alasch_Orda">Alash-Orda</a> die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weiße_Armee">Weiße Bewegung</a>, aber nach der rechtswidrigen Aneignung durch deren Anführer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Wassiljewitsch_Koltschak">Koltschak</a> sahen sie von dieser Idee ab. Die Alash-Partei sah sich gezwungen, die sowjetische Herrschaft anzuerkennen, um einer Strafe zu entgehen. Ausgerechnet Ahmet wurde von der Partei für Verhandlungen nach Moskau einberufen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nachdem ich gesehen hatte, wie sorgfältig die kirgisische nationale Frage im Einklang mit den in der Erklärung der Rechte der Völker Russlands verkündeten Grundsätzen behandelt wird, kann ich meine Genossen reinen Gewissens beruhigen, dass wir uns nicht geirrt haben, als wir das sowjetische Regime dem von Koltschak vorzogen&#8220;</em>, schrieb er damals in einem seiner Artikel. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings hatte Baıtursynuly in den 1920er Jahren einen Brief verfasst, in dem er die Politik der Bolschewiki zu den kolonisierten Völkern stark kritisierte. <em>„Lokale kommunistische Genossen, die denken, dass Kirgisen (eine Trennung zwischen Kirgisen und Kasachen wurde damals kaum vorgenommen, Anm. d. Red.) nichts verstehen und sich auf diese fein säuberlich durchdachte Politik einlassen, bieten dem erwerbstätigen kirgisischen Volk nicht brüderliche Hilfe an. Sie helfen nicht dabei, sich ein Leben nach sowjetischen Grundsätzen aufzubauen, sondern zwingen ihnen ihre Vorherrschaft in allerlei Formen auf“</em>, schrieb er. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der Volksfeind</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> In den Jahren 1920/21 bekleidete Baıtursynuly das Amt des Bildungsministers der autonomen Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik, die von 1925 bis 1936 bestand. Jedoch trat er bald darauf zurück und begründete dies wie folgt: <em>„Ich musste mich für eines der beiden entscheiden: Entweder kirgisische Sprachlehrbücher zu erstellen, oder als Bildungsminister der Parteienversammlung beizuwohnen. […] Ich entschied mich für ersteres, denn ich hielt mich für begabter und nützlicher in der Arbeit mit der kirgisischen Sprache. Außerdem wusste ich wahrscheinlich, dass meine Tätigkeit in diesem Feld bedeutend mehr Früchte tragen würde, als die Arbeit in den Parteiversammlungen.“</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Ende seiner Verpflichtungen der 20er Jahre, widmete er sich voll und ganz der wissenschaftlichen und pädagogischen Tätigkeit. Im Juni 1929 wurde Ahmet mit weiteren Mitgliedern der Partei Alash-Orda in Almaty festgenommen. Man warf ihm konterrevolutionäre Tätigkeiten vor und sperrte ihn in eines der bekanntesten und ältesten Gefängnisse: das Moskauer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Butyrka">Butyrka</a>-Gefängnis. 1932 wurde gerichtlich entschieden, ihn in die nordrussische Hafenstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Archangelsk">Archangelsk</a> zu verbannen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-kirgisische-dichter-boekoenbajew-zu-zeiten-des-grossen-terrors/">Der kirgisische Dichter Bökönbajew zu Zeiten des Großen Terrors </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Von dort aus verfasste er eine Bitte an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jekaterina_Pawlowna_Peschkowa">Jekaterina Peschkowa</a>, die Frau von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maxim_Gorki">Maxim Gorki</a>. Sie leitete zu dieser Zeit eine der wenigen in der UdSSR existierenden, weil rechtswidrigen, humanitären Organisationen (1937 wurde sie liquidiert). Im Brief an sie klagte Achmet ihr sein Leid: <em>„34 Jahre habe ich als Pädagoge zur Aufklärung des kirgisisch-kasachischen Volkes beigetragen. Mein ganzes Schaffen habe ich nur dieser Kultur gewidmet. Wie der Sohn eines verlassenen Volkes zog ich mit uneigennütziger Begeisterung zu Werk, gab mich mit all meinen Fähigkeiten, Kräften und auch meiner Gesundheit der Aufklärung des kasachischen Volks hin. Doch das Schicksal will es so, dass ich zum Dank für all das in meinem hohen Alter (62 J.) noch 20 Monate im Gefängnis und 22 Monate im Arbeitslager verbringe. Es ist unverkennbar, wie sehr mich das Alter mittlerweile von drei Seiten angreift.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Lebensabend</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Baıtursynuly erkannte, dass seine Arbeitssuche aufgrund seiner Verurteilung erfolglos verlief. Er schaffte es grade so, sich über Wasser zu halten. Wenig später kam Ahmet frei. Er kehrte zurück nach Almaty, wo er bis 1937 mit seiner Frau zusammenlebte.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Noch im Oktober des gleichen Jahres nahm man ihn erneut fest. Im Verhör gab er noch einmal seiner politischen Haltung Ausdruck: „<em>Mein Ziel ist es, den Lebensstandard zu erhöhen und die Kultur des kasachischen Volkes zu stärken, wo nur möglich. Dieses ehrwürdige Ziel steckt noch in den Kinderschuhen. Deshalb verbeuge mich vor jedem Staatsdiener, der meinen Wunsch befürwortet und vorantreibt.“</em>

Kurze Zeit später wurde Ahmet Baıtursynuly erschossen. Erst im Jahre 1988 wurde er rehabilitiert.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Masa.Media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://masa.media/ru/site/kem-byl-akhmet-baytursynuly"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Arthur Siavash Klischat</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Tod von Wjatscheslaw Schapowalow, Volksdichter Kirgistans</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/tod-von-viatcheslav-chapovalov-einem-volksdichter-kirgistans/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Chloé Renard]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Oct 2022 00:02:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dichter]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wjatscheslaw Schapowalow ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Ein R&#xFC;ckblick auf Leben und Werk des kirgistanischen Poeten. Dieser Artikel erschien zuerst am 28.08.2022 auf der franz&#xF6;sischen Website von Novastan. Am 23. Juli 2022 verstarb Wjatscheslaw Schapowalow. Verwandte und Kollegen haben die Nachricht publik gemacht. Ihnen zufolge war es zweifelsohne der Abschied des &#x201E;ohne zu [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/tod-von-viatcheslav-chapovalov-einem-volksdichter-kirgistans/">Tod von Wjatscheslaw Schapowalow, Volksdichter Kirgistans</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><b><span lang="DE">Wjatscheslaw Schapowalow ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Ein Rückblick auf Leben und Werk des kirgistanischen Poeten. Dieser Artikel erschien zuerst am 28.08.2022 auf der <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/deces-de-viatcheslav-chapovalov-poete-populaire-de-la-republique-kirghize/"><span style="color: windowtext; text-decoration: none;">französischen Website </span></a>von Novastan.
</span></b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Am 23. Juli 2022 verstarb <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Шаповалов,_Вячеслав_Иванович"><span style="color: windowtext; text-decoration: none;">Wjatscheslaw Schapowalow. </span></a>Verwandte und Kollegen haben die Nachricht <a href="https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid033BSzEeK3maPcb6bLDkvZTEernsm8wT2fiY1uvBiCCvVWSh7WgXd8bgBz8tCc2xPil&amp;id=100063586302772"><span style="color: windowtext; text-decoration: none;">publik gemacht</span></a>. Ihnen zufolge war es zweifelsohne der Abschied des „<i>ohne zu übertreiben größten Poeten des russischsprachigen Raums</i>“, so wird Wladimir Lidsky, Prosa-Schriftsteller, vom lokalen Ableger des russischen Mediums <a href="https://ru.sputnik.kg/20220725/vyacheslav-shapovalov-konchina-soboleznovaniya-vospominaniya-1066319083.html"><span style="color: windowtext; text-decoration: none;">Sputnik</span></a> zitiert. Gründe für seinen Tod sind nicht bekannt.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Der Autor wurde am 28. Oktober 1947 in Frunse, heute Bischkek und Hauptstadt Kirgistans, geboren. In selbiger Stadt ist er nun im Alter von 74 Jahren verstorben.</span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><b><span lang="DE">Sein</span></b><span lang="DE"> L</span><span lang="DE">eben</span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">1966 schreibt sich Wjatscheslaw an der Staatlichen Kirgisischen Universität an der Fakultät für Russische Philologie ein und schließt sein Studium 1971 ab. Anschließend arbeitet er als Dozent und Direktor verschiedener Einrichtungen und Institute. „<i>Wjatscheslaw Iwanowitsch war ein sehr zugänglicher Mensch. Das unterschied ihn von anderen Dozenten. Seine Fächer erschienen auf den ersten Blick schwer, doch er unterrichtete sie mit einer erstaunlichen Leichtigkeit. Er war ein Akademiker im wahrsten Sinne des Wortes, denn er führte ein modernes Leben</i>“, erklärt <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kanat_Sadykov">Kanat Sadykow</a>, Rektor der Nationalen Kirgisischen Universität (Zitat <a href="https://ru.sputnik.kg/20220725/vyacheslav-shapovalov-konchina-soboleznovaniya-vospominaniya-1066319083.html">Sputnik</a>).</span></p>



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<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Zuletzt leitete er im Jahre 2017 das Wissenschaftliche Zentrum für Übersetzung der Kirgisisch-Russischen Slawischen Universität.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Zudem nahm er aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben des Landes teil. Dies tat er unter anderem seit 1983 als Mitglied des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftstellerverband_der_UdSSR">Schriftstellerverbands der UdSSR</a> und als öffentlicher Berater des Präsidenten des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a>, dem kirgistanischen Parlament.
</span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span lang="DE">Werk und Übersetzungen</span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Neben seiner Tätigkeit als Lehrkraft und in der Politik war er vor allem eines: Poet. Autor von 15 Gedichtbänden, sechs Monografien, mehr als 30 Übersetzungen kirgisischer Gedichtbände und nicht zu vergessen die etwa 300 wissenschaftlichen Artikel, an denen er mitgearbeitet hat.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Seine Gedichte und Übersetzungen erschienen weltweit bei einer Vielzahl von Verlagen. <i>Friendship of People, Arion </i>und<i> New Journal </i>wurden beispielsweise in Russland, Europa und Asien verlegt.</span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span lang="DE">Kirgistan, seine große Liebe</span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">„<i>Er kannte die kirgisische Kultur sehr gut und sprach Kirgisisch. Als Übersetzer leistete er viel wissenschaftliche Arbeit. Schapowalows Liebe zur kirgisischen Kultur hebt das Gedicht „Die Geburt des Manastschy“ ganz besonders hervor. Hierbei hat er es verstanden, den Geist von Manas und die Weltanschauung des kirgisischen Volks zu vermitteln. Durch seine Übersetzung von </i><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manas_(Epos)"><i><span style="color: windowtext; text-decoration: none;">Manas</span></i></a><i> hat er sich in die Geschichte im Bereich kirgisischer Literatur eingeschrieben</i>“, erklärt Bachtijar Kojtschujew, Doktor für wissenschaftliche Philologie, der über viele Jahre mit ihm zusammenarbeitete.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Unter seinen Übersetzungen finden sich unter anderem das <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/manas-kulturelles-erbe-zwischen-china-und-kirgistan/">Manas-Epos</a> sowie die Enzyklopädie der alt-türkischen Dichtung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mahm%C5%ABd_al-K%C4%81schghar%C4%AB">Mahmud al Kaschgari</a>. Zudem nahm sich Schapowalow die Übersetzung der Verse von kirgisischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akyn">Akyns</a> vor (Volksdichter, die im Wettstreit mit instrumental begleitetem Sprechgesang gegeneinander antreten), wie beispielsweise <a href="https://ky.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%B0%D0%BB%D1%8B%D0%B3%D1%83%D0%BB_%D0%91%D0%B0%D0%B9_%D1%83%D1%83%D0%BB%D1%83">Kalygul Baj uulu</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toktogul_Satylganow">Toktogul Satylganow</a> und weitere klassische Werke des 20. Jahrhunderts.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><span lang="DE">Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/koel-fest-ein-pionier-in-der-kirgisischen-festivallandschaft/">Köl-Fest: Ein Pionier in der kirgisischen Festivallandschaft</a></span></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Die Mitwirkung in so vielen Bereichen brachte dem Dichter zahlreiche Preise ein. Für sein Schaffen im Dienste der Entwicklung der kirgisischen Dichterkultur kürte man ihn 27. Oktober 2006 zum Volksdichter der Kirgisischen Republik. Kurze Zeit später, am 4. Dezember 2007, überreichte man ihm die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Puschkin-Medaille</a> zum Dank für seine Übersetzungen. Diese haben zur Verbreitung und Erhaltung des Kulturerbes beigetragen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Vor wenigen Jahren, am 20. November 2017, verlieh man ihm für sein weitreichendes Wirken in der sozioökonomischen Entwicklung den <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Order_of_Manas">Manas-Orden</a>. Es werden nicht die letzten Auszeichnungen <a href="https://culture.akipress.org/news:1795023/?from=kgnews&amp;place=maincats"><span style="color: windowtext; text-decoration: none;">Schapowalows </span></a>bleiben, denn sein Einfluss auf die Entwicklung des Landes wird weiterbestehen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span lang="DE">Ehrungen</span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Die kirgisische Presseagentur <a href="https://culture.akipress.org/news:1795023/?from=kgnews&amp;place=maincats">AKIpress</a> äußerte sich in einem Schreiben zum Ableben des Dichters: „<i>Die Erinnerung an Wjatscheslaw Iwanowitsch Schapowalow wird in unseren Herzen weiterleben. Er trug mit seinem Schaffen maßgeblich zur Entwicklung der kirgisischen Gesellschaft bei. Wir möchten unser tief empfundenes Beileid mit Eltern und Freunden des Verstorbenen bekunden. Wir fühlen und trauern mit ihnen um diesen bitteren Verlust</i>.“</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="DE">Eine letzte Ehrung ereignete sich am 27. Juli 2022 vor dem nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abdylas_Maldybajew">Abdylas Maldybajew</a> benannten <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%B8%D1%80%D0%B3%D0%B8%D0%B7%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D1%82%D0%B5%D0%B0%D1%82%D1%80_%D0%BE%D0%BF%D0%B5%D1%80%D1%8B_%D0%B8_%D0%B1%D0%B0%D0%BB%D0%B5%D1%82%D0%B0_%D0%B8%D0%BC%D0%B5%D0%BD%D0%B8_%D0%90._%D0%9C%D0%B0%D0%BB%D0%B4%D1%8B%D0%B1%D0%B0%D0%B5%D0%B2%D0%B0">Theater für Oper und Ballett</a>. Darüber berichtete <a href="https://www.azattyk.org/a/kyrgyz-adabiyatyna-kyzmaty-toodoy-el-akyny-shapovalov-dueynoe-saldy/31958837.html">Radio Azattyk</a>, der kirgisische Zweig des amerikanischen Mediums Radio Free Europe.</span></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><b><span lang="DE">Chloé Renard</span></b></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><b><span lang="DE">Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/deces-de-viatcheslav-chapovalov-poete-populaire-de-la-republique-kirghize/">Französischem</a> von Arthur Siavash Klischat</span></b></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph"><span lang="DE"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>&nbsp;</span></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><b><span lang="DE">&nbsp;</span></b></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/tod-von-viatcheslav-chapovalov-einem-volksdichter-kirgistans/">Tod von Wjatscheslaw Schapowalow, Volksdichter Kirgistans</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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