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	<title>LGBTQ Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>LGBTQ Archives</title>
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		<title>&#8222;Mir wurde gesagt, ich sei eine Schande für Kasachstan&#8220;: LGBTQ+-Menschen über den Druck der kasachstanischen Gesetzeshüter </title>
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		<dc:creator><![CDATA[masamedia]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Sep 2023 05:39:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQ]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Verfassung der Republik Kasachstan gilt als demokratisch. Ehre, W&#xFC;rde, Rechte und Freiheiten aller B&#xFC;rger stehen unter staatlichem Schutz. Das Leben lesbischer, schwuler, bisexueller, transgender und queerer (LGBTQ+) Menschen in Kasachstan gestaltet sich jedoch nach wie vor schwierig. In der Praxis sind LGBTQ+-Personen in Kasachstan nicht nur mit rechtlichen Einschr&#xE4;nkungen konfrontiert, sondern auch mit F&#xE4;llen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Verfassung der Republik Kasachstan gilt als demokratisch. Ehre, Würde, Rechte und Freiheiten aller Bürger stehen unter staatlichem Schutz. Das Leben lesbischer, schwuler, bisexueller, transgender und queerer (LGBTQ+) Menschen in Kasachstan gestaltet sich jedoch nach wie vor schwierig. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Praxis sind LGBTQ+-Personen in Kasachstan nicht nur mit rechtlichen Einschränkungen konfrontiert, sondern auch mit Fällen von Gewalt und Diskriminierung durch Strafverfolgungs- und andere Sicherheitsbehörden. Obwohl Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger solche Fälle dokumentieren, bleibt es schwierig, die Rechte derer zu schützen, die von den Behörden verfolgt werden. Ausgerechnet von denen, von denen die Bürger normalerweise Schutz erwarten. Nach einem kurzen Abriss über die gesetzliche Lage zur Sicherheit der queeren Community in Kasachstan werden in diesem Artikel die Geschichten von drei queeren Personen beleuchtet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie die Regierung LGBTQ+-Menschen in Kasachstan behandelt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">2022 verabschiedete Russland ein <a href="https://www.morgenpost.de/politik/article237103949/russland-putin-gesetz-lgtbq-propaganda-homophobie.html">Gesetz</a><strong>,</strong> das &#8222;LGBTQ+-Propaganda&#8220; für Menschen aller Altersklassen verbietet. Auf diese Weise wurde der Zugang zu Informationen über von der Norm abweichende sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität abermals eingeschränkt. Ähnliche Vorschläge wurden auch von der Regierung Kasachstans gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kasachstanische Abgeordnete Ardak Nasarow sagte im April dieses Jahres, die LGBTQ+-Ideologie ziele darauf ab, <em>„jahrhundertealte Traditionen und nationale Werte des kasachischen Volkes zu zerstören&#8220;</em>. Der Abgeordnete schlug vor, nach dem Vorbild der Russischen Föderation Informationen zu verbieten, die gleichgeschlechtliche Ehen und Geschlechtsumwandlungen propagieren.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">2018 hatte Kasachstan bereits versucht, ein Verbot von &#8222;LGBTQ+-Propaganda&#8220; mithilfe eines Gesetzes des Informationsministeriums der Republik Kasachstan einzuführen. Dank kasachstanischer Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger wurde dies unterbunden. In Kasachstan gibt es aktuell keine spezifischen Gesetze zum Schutz von LGBTQ+-Personen. Behörden wie die Polizei oder andere Sicherheitsbeamte versäumen es oft, Angriffe auf LGBTQ+-Menschen und diejenigen, die ihre Rechte verteidigen, zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So organisierte die kasachstanische feministische Initiative <a href="https://www.instagram.com/feminita_kz/">Feminita </a>im Jahr 2021 eine Veranstaltung über die Rechte von lesbischen, bisexuellen, queeren und transsexuellen Frauen in Shymkent im Südwesten Kasachstans. Die Veranstaltung musste in ein benachbartes Café verlegt werden. Laut Janar Sekerbajewa, Mitbegründerin der Initiative, befanden sich in diesem bereits sowohl Polizisten als auch aggressive uniformierte Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine unbekannte Gruppe von Männern begann, die Aktivistinnen zu beleidigen. Schlussendlich war es jedoch Sekerbajewa<strong>,</strong> die von der Polizei festgenommen wurde. Die aggressiven Männer halfen den Ordnungskräften und schlugen dabei auf die Mitbegründerin von Feminita ein. Das Versäumnis von Regierungsvertretern, Bürger bei Angriffen zu schützen, bestärkt nicht nur aggressive Menschen in ihrem Gefühl, dass ihr Verhalten keine Sanktionen nach sich zieht.&nbsp; Es verhindert auch Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung aller Bürger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.devex.com/organizations/eurasian-coalition-on-health-rights-gender-and-sexual-diversity-ecom-151937">Eurasian Coalition on Health, Rights, Gender and Sexual Diversity (ECOM)</a> registrierte im Jahr 2022 in Kasachstan 31 Fälle von Verletzungen der Rechte von LGBTQ+-Personen. Diese standen oft in Zusammenhang mit extremer Gewalt. Dies liegt dem Bericht der Organisation zufolge an der Diskriminierung durch die Strafverfolgungsbehörden. Hierbei handelt es sich, genauer gesagt, um Erpressung, darunter auch durch &#8222;gefälschte Daten&#8220;.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte von Sabine (geänderter Name)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die junge Transgender-Frau Sabine veröffentlichte letztes Jahr einen Beitrag über einen jungen Mann, der ihr einen Heiratsantrag machte. Sie willigte ein und postete bald darauf ein Video einer kasachischen Hochzeitszeremonie. In den Kommentaren wurde Sabine daraufhin beleidigt und bedroht. Im Sommer 2022 war die junge Frau Zeugin von Belästigung geworden. Als sie mit einem Freund in einem Restaurant zu Abend aß, versuchten Unbekannte ihn in ein Auto zu zerren. Sabine versuchte ihn zu verteidigen. Die Szene wurde aufgenommen und zum Anlass für öffentliche Beleidigungen und Erniedrigungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Männer, die uns angegriffen hatten, meinten, wir dürften die nationale Kleidung nicht tragen und keine Hochzeitsfeier organisieren. Einer von ihnen beleidigte mich heftig mit </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russischer_Mat">Mat-<em>Wörtern</em></a> (russ. Fluchsprache, Anm. des Übersetzers)<em> vor allen anderen.</em>“ Später kam heraus, dass er in den sozialen Netzwerken verbreitet hatte, was zu tun wäre, um sie und ihren Freund für ihr Verhalten zu bestrafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-schwierige-kampf-der-lgbt-aktivistinnen-in-kasachstan-und-kirgistan/">Der schwierige Kampf der LGBT+-Aktivist:innen in Kasachstan und Kirgistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabine rief die Polizei. Diese traf zehn Minuten später ein und nahm die Konfliktparteien nach kurzer Anhörung mit aufs Revier. <em>„Wir kamen um 21:00 Uhr an. Es wurden keine Protokolle erstellt, uns wurde nur gesagt, dass wir im Hof warten sollten. Dort waren aber die, die uns verprügeln wollten, also sind wir wieder zurück in das Gebäude gegangen. Meinen Wunsch, eine Aussage zu machen, haben sie einfach ignoriert&#8220;</em>, sagte die junge Frau. Als Sabine einige Stunden später auf die Straße ging, begegnete sie den Angreifern erneut. Sie verlangten von ihr, das Hochzeitsvideo aus den sozialen Medien zu entfernen. <em>&#8222;Sie hat Schande über die kasachische Kultur gebracht&#8220;</em>, hieß es.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> <em>„Auch die Polizeibeamten, die mit uns auf der Straße waren, waren gleicher Ansicht und stiegen mit ein. Sie demütigten mich, stellten mir persönliche, beleidigende Fragen, fragten mich, „was ich unter meinem Kleid trage“, &#8222;wer von uns Mann und wer Frau ist&#8220;. Sie forderten auch, ich solle „ein Mann werden und Kasachstan keine Schande bereiten&#8220;</em>, so Sabine. Die Täter drohten Sabine und ihre Freundinnen in Anwesenheit der Polizisten mit härterer Gewalt. Aus Angst um ihre eigene Sicherheit willigte sie schließlich ein, das Video zu löschen. <em>„Die Polizei hörte nicht auf, uns gradeheraus zu beleidigen. Wir sollten uns öffentlich vor der Kamera dafür entschuldigen, dass wir die Traditionen Kasachstans angeblich beleidigt hätten. Die Täter drohten mir vor den Augen der Polizei ganz offen, dass sie mir die Kehle aufschlitzen würden, sobald ich das Tor verlasse, wenn ich dieser Forderung nicht nachkäme. Die Polizei zeigte darauf keinerlei Reaktion&#8220;</em>, so die junge Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie riefen zu Mord, brutaler Gewalt und Vergewaltigung auf. Sie zwangen mich, meine Passdaten, mein Geburtsjahr und meine Geschlechtsidentität offen zu nennen. Das alles unter dem demütigenden Geschrei der Menge. Ich musste darauf eingehen, weil ich Angst um mein Leben und das Leben meiner Freunde hatte. Die Polizei hat mit ihrem Verhalten deutlich gemacht, dass wir von ihr nicht geschützt werden&#8220;</em>, so Sabine. Einer der Täter rief in den sozialen Medien dazu auf, zur Polizeiwache zu kommen, um &#8222;Sabine zu bestrafen&#8220;. Nach Angaben der Frau führten die Polizeibeamten sie zu einer wütenden Menge von etwa 50 Männern. Fast jeder von ihnen filmte Sabine mit seinem Handy und schrie dabei beleidigende und erniedrigende Worte in die Kamera.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-lgbt-in-zentralasien/">Zentralasien 2030: LGBT in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dieser Belästigung wurde die junge Frau auf die Polizeiwache gebracht, um &#8222;eine Erklärung zu verfassen&#8220;. Dem Opfer wurde verweigert, Anzeige gegen die Täter zu erstatten. Sabine und ihre Freunde wurden in der Nacht freigelassen, als sich die Menge auflöste. <em>&nbsp;„Ich musste aus der Stadt verschwinden. Es ging mir furchtbar. Ich erhielt ständig Anrufe mit Gewalt- und Morddrohungen. Der Haupttäter verlangte, dass ich alle meine Social-Media-Seiten lösche&#8220;</em>, erzählt Sabine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabine speicherte Beweise in Form von Audio- und Videoaufnahmen sowie Screenshots der Chats mit dem Täter auf. Damit wandte sie sich an die Menschenrechtsinitiative TransDocha, die Transgender-Personen in Kasachstan unterstützt. Diese half ihr, eine Beschwerde beim Leiter der Bezirkspolizei einzureichen, deren Beamte sich an der Belästigung beteiligt hatten. Kurze Zeit später beschloss Sabine, den Antrag aus Angst zurückzuziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte von Mila</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mila ist eine transsexuelle Frau und als Sexarbeiterin tätig. Im Januar dieses Jahres betraten Polizisten ihre Wohnung. Um Zugang zu ihrer Wohnung zu erhalten und diese im Anschluss zu beschädigen, gaben sie sich laut Mila als Kunden aus. <em>„Sie drohten mir mit Geldstrafen in Höhe von 1.035.000 Tenge </em>(etwa 2000 Euro; Anm. des Übersetzers) <em>und sagten: &#8222;Wir werden alles finden, was wir von Ihnen wollen&#8220;. Einer der Polizisten schnappte sich mein Telefon und fotografierte die Nummer der Vermieterin meiner Wohnung ab. Ich hatte Angst, rausgeschmissen zu werden&#8220;</em>, sagte die Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Polizist, so Mila, habe auch seine Anrufe gelöscht, weshalb sie sich nicht mehr an seine Nummer erinnern konnte. Das Pfefferspray, das sie zur Sicherheit bei sich trug, nahm er ihr ab.<em> „Die Polizisten standen im Gang und verlangten Geld von mir. Ich wartete bis zum nächsten Morgen in der Angst, rausgeworfen zu werden. Sie wollten nicht gehen, sprachen in ihre unangenehm lauten Funkgeräte und hielten die Tür auf, während sie mir Drohungen entgegenschrien. Schließlich musste ich ihnen 200 Dollar zahlen&#8220;,</em> erzählte Mila.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die junge Frau teilte mit, dass Polizeibeamte regelmäßig zu ihr kämen und oft erst verschwänden, wenn sie von ihr Geld erhalten haben. Mila vermutet, dass die Drohungen mit der Sexarbeit zusammenhängen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Einmal fand die Polizei auf rätselhafte Weise 5 Gramm weißer Substanz in einer Tasche in meinem Auto. Die war vorher nicht dort gewesen. Die Ergebnisse des anschließenden Drogentests wiesen auf geringe Mengen von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cannabidiol">Cannabidiol</a><em> in meinem Blut hin. Ich weiß, dass es nichts mit weißen und losen Substanzen zu tun hat, aber das Gegenteil konnte ich auch nicht beweisen.“</em> Milas Geschichte wurde auf Instagram von <a href="https://www.instagram.com/transdocha/"><em>TransDocha</em></a> veröffentlicht, einer Initiative, die transsexuelle Sexarbeiterinnen in Kasachstan unterstützt. <em>„Ich habe beschlossen, alles zu erzählen, um wenigstens eine Schwester zu retten&#8220;, </em>so Mila.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte von Alexander (Name geändert)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Leiter einer NRO, die LGBTQ+-Menschen in einer Region Kasachstans unterstützt, berichtet von kasachstanischen Sicherheitskräften, die seine Organisation während Veranstaltungen überwachten. „<em>Das erste, was uns auffiel waren ausländische Autos vor dem Büro. Sie waren jedes Mal da, wenn wir Mitgliederversammlungen abhielten. Die Lichter im Auto waren aus. Hinten waren die Scheiben getönt und vorne saß ein Typ mit einer Mütze. Sie hatten gleich neben dem Eingang zu unserem Büro geparkt, damit sie sehen konnten, wer hereinkam&#8220;,</em> sagt Alexander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast täglich standen diese Autos vor dem Büro. Grund dafür war eine angeblich “mündlich überbrachte Beschwerde“.<em> „Das ist ein sehr kluger Schachzug der Polizei. Mir wurde gesagt, dass der Verdacht bestehe, dass sich bei uns religiöse </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahhabiten">Wahhabiten</a><em> befänden. Ich stimmte einer Überprüfung der Räumlichkeiten zu. Als sie mir noch mehr Fragen stellen wollten, bat ich sie, zu gehen&#8220;</em>, so Alexander weiter. Ein anderer Fall verlief weniger ruhig. Eines Tages stürmten zwei Polizisten in das Gebäude, in dem sich das Büro der NRO befindet. Alexander war zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort. Nach Angaben seiner Mitarbeiter durchsuchten die Polizisten die Räumlichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/berge-mit-schmerzhafter-geschichte/">Berge mit schmerzhafter Geschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Damals haben wir Menschen aus Russland, die nach der </em><a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/mobilmachung-reservisten-ukraine-krieg-russland-100.html"><em>Teilmobilisierung</em></a><em> kamen, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Unter ihnen waren sowohl LGBTQ+-Personen als auch Heterosexuelle. Die Polizeibeamten, die in das Gebäude einbrachen, verlangten von allen Anwesenden Dokumente. Sie schrien:</em> <em>&#8222;Wir sind hier die Behörden, ihr habt uns zu gehorchen&#8220;“</em>, erzählte Alexander. Kurze Zeit später meldete sich der Bezirksinspektor über WhatsApp beim Leiter der NRO. Er verlangte, dass Alexander die Daten aller Personen mitteilt, denen er Unterkunft gewährt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Mann beschloss, nach einem Gespräch mit dem Polizeibeamten über den <a href="https://eotinish.kz/kk">e-Otinish-Dienst</a> eine Beschwerde bei seinen Vorgesetzten einzureichen. Zunächst unternahm die Polizei nichts, außer den üblichen &#8222;Antworten&#8220;. Nach Alexanders dritter Beschwerde kontaktierte ihn ein Polizeichef und entschuldigte sich. <em>„Ich wandte mich an andere Menschenrechtler, um ihnen von dem Vorfall zu berichten. Sie waren überrascht, dass die Polizei ihren Fehler zugegeben und sich entschuldigt hatte. Daraufhin beantragten wir einen Zuschuss bei einer Organisation, die sich für den Schutz von Menschenrechtlern und Aktivisten einsetzt. Die von ihnen erhaltenen Gelder steckten wir in die Anbringung von Kameras und einer Magnettür. Danach hörte die Überwachung auf&#8220;,</em> so Alexander.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><em>Diese Reportage wurde mit Unterstützung von <a href="https://unit.n-ost.org/">Unit</a>, einem Netzwerk von LGBTIQ+-Journalisten und Aktivisten, erstellt.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aidar Elkeev </strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><br></p>
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		<title>Berge mit schmerzhafter Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Norma Schneider]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Aug 2021 06:24:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Labrys]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Kunstprojekt &#x201E;Mountain of Grief&#x201C; setzt sich mit der Gewalt auseinander, der LGBTQ-Personen in Kirgistan ausgesetzt sind. Folgender Bericht erschien zun&#xE4;chst am 25. Juli bei nd aktuell. Kirgistan ist ein Land der Berge. Sie bedecken fast die komplette Fl&#xE4;che des zentralasiatischen Staates und f&#xFC;r viele Kirgis*innen sind sie ein wichtiger Teil ihrer Identit&#xE4;t und ein [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Kunstprojekt „Mountain of Grief“ setzt sich mit der Gewalt auseinander, der LGBTQ-Personen in Kirgistan ausgesetzt sind. Folgender Bericht erschien zunächst am 25. Juli bei <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1154865.mountain-of-grief-berge-mit-schmerzhafter-geschichte.html">nd aktuell</a>.</strong>

Kirgistan ist ein Land der Berge. Sie bedecken fast die komplette Fläche des zentralasiatischen Staates und für viele Kirgis*innen sind sie ein wichtiger Teil ihrer Identität und ein nationales Symbol. Doch die kirgisischen Berge haben noch eine ganz andere, schmerzhafte Bedeutung, erzählt Diana Arsenewa: „<em>Auf der einen Seite sind die Berge der Stolz unseres Landes. Aber auf der anderen Seite sind sie ein schrecklicher Ort, an den Menschen gebracht werden, um sie zu missbrauchen, zu verprügeln, zu vergewaltigen oder zu ermorden. Queere Menschen und Frauen. Die Berge sind also ein Ort, der eine Menge schmerzhafter persönlicher Geschichten von Menschen birgt, die dort Gewalt erfahren haben.</em>“

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Arsenewa ist Direktorin der kirgisischen Organisation „<a href="https://labrys.kg/">Labrys</a>“, die sich seit siebzehn Jahren für LGBTQ-Personen in Kirgistan und ganz Zentralasien einsetzt. Gemeinsam mit dem ukrainischen Künstler Maksim Finogejew hat „Labrys“ das Kunstprojekt „Mountain of Grief“ entwickelt, das die Erfahrungen von queeren Menschen in Kirgistan zum Thema hat. Unterstützt wurden sie dabei von der georgischen Plattform „ARTIF“, die Künstler*innen und Aktivist*innen zusammenbringt, um Menschenrechtsthemen durch Kunstprojekte zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen.
</p>



<h5 class="wp-block-heading">„Mountain of Grief“</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Das hybride Projekt „Mountain of Grief“ ist eine Wanderroute in den Bergen nahe der Hauptstadt Bischkek, die man sowohl vor Ort als auch virtuell begehen kann. Finogeev hat Berichte von Angriffen auf LGBTQ-Personen aus den Archiven von Labrys und homophobe Aussagen aus den Medien zu einer erschütternden Sammlung zusammengestellt. An fünf Stationen lassen sich Ausschnitte daraus per Audioguide anhören.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/freiheit-gleichheit-schwesternschaft-demonstrationen-zum-frauentag-in-kirgistan/">“Freiheit, Gleichheit, Schwesternschaft!” – Demonstrationen zum Frauentag in Kirgistan</a></strong>

„Mountain of Grief“ dokumentiert den Hass aber nicht nur, sondern bringt ihn in eine künstlerische Form, die es ermöglicht, den Opfern von homophober und transphober Gewalt zu gedenken. Poesie und Musik begleiten dabei die erschütternden Texte. Die fünf Stationen repräsentieren fünf Richtungen. Jede von ihnen korrespondiert mit einer Phase der Trauer und Bewältigung, wie sie die Psychologin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_K%C3%BCbler-Ross">Elisabeth Kübler-Ross</a> entwickelt hat: Der Osten steht für das Nicht-Wahrhaben-Wollen, der Süden für die Wut, der Westen für das Verhandeln, der Norden für Stagnation und Depression und das Zentrum für die Akzeptanz.</p>



<figure class="wp-block-image"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1800" height="1013" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng.jpg" alt="" class="wp-image-27490" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng.jpg 1800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-1300x732.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1800px) 100vw, 1800px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Dieser psychologische Aspekt ist für Maksim Finogejew ein besonderes Anliegen: „<em>Für mich war die Frage sehr wichtig, wie man es psychisch bewältigt, in einer homophoben Umgebung homosexuell zu sein. Das ist auch für mich persönlich eine offene Frage.</em>“ Er will trotz der vielen Fälle von Hass und Gewalt in Kirgistan, aber auch in der Ukraine, wo er lebt, nicht resignieren. Die Berge haben deshalb noch eine dritte Bedeutung für das Projekt. „<em>In die Berge zu gehen, kann auch bedeuten, Hindernisse zu überwinden</em>“, sagt Diana Arsenewa.

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<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-27489 size-full"><img decoding="async" width="1800" height="1200" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015.jpg" alt="Mountain of Grief" class="wp-image-27489" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015.jpg 1800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_015-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1800px) 100vw, 1800px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Wir existieren&#8220; &#8211; ein Teil der Installationen von &#8222;Mountain of Grief&#8220;</figcaption></figure>



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Noch sind es viele Hindernisse, die überwunden werden müssen. Die Homo- und Transphobie ist in Kirgistan, wie auch im übrigen postsowjetischen Raum, weit verbreitet. In zwei zentralasiatischen Staaten, Turkmenistan und Usbekistan, steht auf Homosexualität zwischen Männern eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Das ist in Kirgistan zwar nicht der Fall, aber die Bedrohung für Menschen, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, ist dennoch sehr groß. Es gab bereits mehrere Versuche, restriktive homophobe Gesetze wie in Russland zu verabschieden, berichtet Diana Arsenewa. „<em>Kirgistan befindet sich an einer Art Scheideweg</em>“, fügt sie hinzu. Sowohl westliche Staaten als auch Russland üben Einfluss auf das Land aus und sind wichtige Geldgeber. Und Russland dränge darauf, dass auch in Kirgistan ein Gesetz gegen sogenannte „Homosexuelle Propaganda“ erlassen wird.
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<h5 class="wp-block-heading">„Mein ganzer Körper ist voller Narben, nur weil ich schwul bin“</h5>



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Lange galt Kirgistan als eine Art „demokratische Insel“ in Zentralasien. Während die Machtverhältnisse in Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion mehr oder weniger unverändert geblieben sind, wurden in Kirgistan in den letzten dreißig Jahren bereits drei Präsidenten von der Bevölkerung gestürzt. Nach gewaltsamen Protesten im Herbst vergangenen Jahres wurde <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sadyr-dschaparow-der-volksfluesterer/">Sadyr Dschaparow</a> im Januar mit großer Mehrheit der Stimmen zum neuen Präsidenten <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-waehlt-sadyr-dschaparow-und-entscheidet-sich-fuer-eine-praesidialregierung/?noredirect=de-DE">gewählt</a>. Seitdem kam es zu Angriffen auf die Pressefreiheit und die Rolle des Präsidenten wurde gegenüber dem Parlament gestärkt. Viele fürchten deshalb, dass auch Kirgistan dabei ist, zu einem autoritär regierten Staat zu werden. Wie sich vor diesem Hintergrund die Lage von LGBTQ-Personen weiter entwickeln wird, ist ungewiss.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wir-existieren-lgbt-jugendliche-in-kasachstan-13/">Wir existieren! LGBT-Jugendliche in Kasachstan</a></strong>

Heute entscheiden sich die meisten queeren Menschen in Kirgistan dafür, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu verschweigen. Wenn man sich den Audioguide von „Mountain of Grief“ anhört, wird schnell klar, warum. Es sind Geschichten, die einen fassungslos zurücklassen. Eine lesbische Frau erzählt von der Ablehnung und den verbalen Angriffen, die sie in der eigenen Familie erleben musste: „<em>Meine Mutter hat allen erzählt, dass ich eine Lesbe bin und ekelhafte lesbische Sachen mit meiner Freundin mache. Die Verwandten, die davon erfuhren, setzten mich unter Druck. Einige sagten, es wäre eine Krankheit, die man behandeln muss.</em>“ Viele, deren Geschichten von „Mountain of Grief“ dokumentiert werden, haben auch körperliche Gewalt erfahren. „<em>Wo auch immer ich hinging, irgendjemand hat mir immer ‚Schwuchtel‘ hinterhergerufen und dass man mich verbrennen sollte. Ich wurde oft verprügelt, ich habe noch immer Narben im Gesicht. Mein ganzer Körper ist voller Narben, nur weil ich schwul bin.</em>“

Eine trans Frau trug schwere Verletzungen davon, weil sie offen mit ihrer Geschlechtsidentität umging: „<em>Ich gehe überall zusammen mit meinen Freundinnen hin. Sie sind auch trans Frauen. Wir gehen in Clubs oder Cafés und wir tanzen. Wenn Männer mich ansprechen, sage ich ihnen, dass ich trans bin. Einmal hat jemand etwas in mein Getränk getan, nachdem er es herausfand. Ich wurde bewusstlos und wachte in den Bergen auf. Ich wachte auf, weil mir jemand ins Gesicht schlug. Ich wurde verprügelt und meine Haare abgeschnitten.</em>“ Andere berichten davon, als „Schande für das kirgisische Volk“ beschimpft worden zu sein. Homo- und Transphobie geht oft mit Nationalismus einher, der queere Menschen genauso wie Migrant*innen als etwas Fremdes abwertet.
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<h5 class="wp-block-heading">Symbole umdeuten</h5>



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Das Projekt „Mountain of Grief” greift diese Sichtweise an, indem es nationale Symbole umdeutet und in Beziehung zu den Erfahrungen von LGBTQ-Personen in Kirgistan setzt. Neben den Bergen ist das „Manas“-Epos ein wichtiger Teil der kirgisischen Identität. Die Verse des Epos, das von einem mythischen Volkshelden handelt, werden oft von <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/phanomen-manastschi/">speziellen Rezitator*innen</a> vorgetragen. „<em>Es ist ein sehr eigener Stil, wie Spoken-Word-Poetry. Das Lesen dauert Stunden und es hat einen ganz besonderen Rhythmus</em>“, erzählt Maksim Finogejew. Eine feministische Rezitatorin hat die für den Audioguide zusammengestellten Geschichten im Stil des Epos eingesprochen.

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<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="1800" height="1013" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng.jpg" alt="Mountain of Grief" class="wp-image-27490" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng.jpg 1800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/Mountain-of-Grief_023_eng-1300x732.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1800px) 100vw, 1800px" /></figure>



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Damit zeigen die Künstler*innen, dass die Erfahrungen von LGBTQ-Personen zu Kirgistan gehören und genauso wie der Volksheld Manas einen legitimen Platz in der kirgisischen Geschichte und Kultur haben. „<em>Natürlich sind die Berichte aus den Nachrichten und aus den Archiven von Labrys leider keine positiven Fälle. Es geht um Verurteilung und Gewalt. Aber diese Erfahrungen sind auch ein Teil der Geschichte des Landes. Es ist wichtig, das sichtbar zu machen</em>”, sagt Finogeev. Es soll nicht hingenommen werden, dass die kirgisische Identität als etwas Homogenes verstanden wird und in ihrem Namen queere Menschen ausgeschlossen oder sogar als Feinde betrachtet werden. Indem sich „Mountain of Grief“ nationale Symbole wie die kirgisischen Berge und das Manas-Epos aneignet, zeigt das Projekt zweierlei: Diese Symbole gehören den homosexuellen und trans Kirgis*innen genauso wie allen anderen. Und gleichzeitig haben sie für sie auch eine andere, schmerzhafte Bedeutung, die mit Gewalt und Verfolgung verbunden ist.

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Die Umsetzung des Projekts fiel in turbulente Zeiten. Mit der Corona-Pandemie und dem politischen Umsturz erschütterten gleich zwei Krisen das Land. „<em>Es war schwer, mediale Aufmerksamkeit zu bekommen wegen der Gewalt während der Revolution und den Toten in der Pandemie</em>“, berichtet Diana Arseneva. Und sie zieht eine bedrückende Parallele: „<em>Im Grunde zeigt unser Projekt, dass die Art und Weise, wie sich heterosexuelle cis Menschen in dieser Zeit gefühlt haben, dem entspricht, wie sich LGBTQ-Personen schon ihr ganzes Leben lang gefühlt haben ­– nur zu Hause sitzen und Angst haben, auf der Straße angegriffen zu werden und so weiter …</em>“

Da im öffentlichen und medialen Diskurs Homo- und Transphobie dominieren, sind es oft die Betroffenen selbst, die versuchen müssen, für Sichtbarkeit und Aufklärung zu sorgen. Dabei gehen sie ein großes Risiko ein. Bei „Mountain of Grief“ werden keine Namen genannt, um diejenigen zu schützen, deren Geschichten das Projekt erzählt. „<em>Es ist paradox</em>“, sag Maksim Finogeev. „<em>Wenn man die Situation verändern will, muss man sichtbar sein. Aber wenn man sichtbar ist, begibt man sich in Gefahr.</em>“

<em>Das Projekt ist auf der Seite <a href="http://www.labrys.kg/goragorya_en">www.labrys.kg/goragorya_en</a> auf Englisch verfügbar, weitere Versionen gibt es auf Kirgisisch und Russisch.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Norma Schneider</strong>
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