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	<title>LGBTI Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>„Ohrenbetäubende Stille“: Doku-Film thematisiert erstmals LGBTI-Alltag in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jan 2021 11:19:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan gibt es keine lesbischen, homo-, bi-, inter- oder transsexuellen Menschen? In dem dokumentarischen Kurzfilm &#x201E;Ohrenbet&#xE4;ubende Stille&#x201C; schildern sechs Pers&#xF6;nlichkeiten aus der LGBTI-Community Tadschikistans ihre realen Geschichten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Tadschikistan gibt es keine lesbischen, homo-, bi-, inter- queer oder transsexuellen Menschen? In dem dokumentarischen Kurzfilm „Ohrenbetäubende Stille“ schildern sechs Personen aus der LGBTI-Community Tadschikistans ihre realen Geschichten. Am 15. Juli berichtete darüber das <a href="https://fergana.site/articles/119814/">usbekische Portal Fergana</a>, wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder und jede der sechs Protagonist*innen hat in dem Film „Ohrenbetäubende Stille“, russischer Originaltitel „Oglushitelnaya tishina“, drei Minuten, um Einzelheiten aus dem eigenen Leben in Tadschikistan zu erzählen- einem Land, in dem es offiziell keine LGBTI-Personen gibt. <em>„Wir haben Angst zu sprechen, weil wir wissen, dass wir ein Tabuthema sind“</em>, erklärt eine Stimme aus dem Off am Anfang der Kurz-Doku. <em>„Nach der Aufnahme wurden einige unserer Protagonisten verfolgt, das Filmteam sah sich gezwungen, so lange im Ausland zu leben, bis sich die Situation beruhigt hatte.“ </em></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film „Ohrenbetäubende Stille“ ist im Jahr 2019 auf dem Gebiet der Republik Tadschikistan in nur zwei Wochen gedreht worden. Danach wurde das gesamte Material außer Landes gebracht, um im Ausland geschnitten und vertont zu werden. Die Autor*innen sind Aktivist*innen aus Tadschikistan und wurden vom <a href="https://adcmemorial.org/en/">Antidiskriminierungszentrum „Memorial“</a> unterstützt.<a href=""></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Untertitel erklären, werden aus Sicherheitsgründen die Gesichter der Protagonist*innen nicht gezeigt, ihre Namen und Stimmen wurden entfremdet. Die Erzählungen synchronisieren echte Menschen, ebenfalls aus der LGBTI-Community, die ähnliche Erfahrungen in Tadschikistan gemacht haben, sich mittlerweile aber in Staaten der Europäischen Union aufhalten. Sie mussten sich dorthin vor Verfolgung aufgrund ihrer Orientierung oder Identität retten. Nach Angaben des <a href="https://spartacus.gayguide.travel/de">Portals „Spartacus“</a>, das Reisen für schwule Menschen organisiert, gehört zu den Risiken, denen LGBTI-Menschen in Tadschikistan ausgesetzt sind, sogar Lebensgefahr. Im Jahr 2019 stufte Spartacus Tadschikistan in einem Länder-Rating für LGBTI auf Platz 110 von insgesamt 197 ein.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>„Wenn Du nicht bis wie alle, ruft das Aggressionen hervor“</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die echten Protagonist*innen des Films leben in unterschiedlichen Regionen Tadschikistans. Sie erzählen ihre Geschichten jeweils an charakteristischen Orten. So berichtet zum Beispiel Husein, dass er bereits mit 13 Jahren verstand, dass ihm Männer gefallen. Schon damals habe er diese Wahrheit vor anderen zu verbergen versucht. Trotzdem machte er später Erfahrungen mit Diskriminierung wegen seiner Orientierung. <em>„Meine Verwandten schämten sich für mich, wollten nichts mehr mit mir zu tun haben“</em>, erzählt er im Film. <em>„Man nahm mich fest und schlug mich. Ich kündigte immer wieder meinen Job, weil ich die Demütigungen durch Kollegen nicht mehr ertrug. Wenn Du nicht bist wie alle, ruft das Aggressionen hervor.“</em></p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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<p class="wp-block-paragraph">Diese Aggressionen hat auch Nuriya kennengelernt. Sie ist lesbisch. Gegen ihren Willen wurde sie verheiratet. Als sie ihrem Ehemann eröffnete, dass sie auf Frauen steht, habe er ihr geantwortet, dass sie nun aber mit einem Mann leben müsse. <em>„Lesben werden immer wieder zu einer Hochzeit mit einem Mann gezwungen“</em>, erzählt Nuriya. <em>„Wenn sie sich dem widersetzen, sagen ihnen die Eltern, sie seien im Innern nicht rein, dass sie mehr beten sollten und dann alles vorübergeht.“</em> Manchmal würden Lesben in Tadschikistan auch vergewaltigt, damit sie es mal „mit einem Mann probierten“ und sich dann von ihrer Orientierung lossagten. Das hinterlasse bei den Frauen oft schwere Traumata.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Versteckspiel hinter der traditionellen Ehe</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Von Zwangshochzeiten erzählen auch weitere Protagonist*innen des Films: In Tadschikistan ist es üblich, in relativ jungen Jahren eine Familie zu gründen. Wenn der Junge oder das Mädchen sich dagegen wehrt, wirkt dieser Protest oft verdächtig. Viele LGBTI müssen einer heterosexuellen Heirat zustimmen, um ihre wahre Orientierung zu verstecken. <em>„Die meisten Schwulen haben eine Familie, sie leben damit, bekommen Kinder“</em>, erzählt im Film Vafo, der selbst homosexuell ist. <em>„Aber es fällt ihnen schwer, die eigene Orientierung im Innern zu unterdrücken. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der das nach einer Hochzeit beendet hätte: Sie leben mit ihren Frauen und treffen weiter ihre Geliebten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Schwulen und Lesben erzählen aber auch Transsexuelle und HIV-Positive im Film ihre Geschichten. Letztere werden oft doppelt diskriminiert, wie Amir schildert: <em>„Ich wurde geschlagen &#8211; für den Positiv-Status, und wegen Homophobie. Nur meine Mutter unterstützte mich, bis sie starb.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-lgbt-in-zentralasien/">Zentralasien 2030: LGBT in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Personen im Film erzählen von ihrer Angst vor einem Coming-out. In diesem Fall würden sich mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit sämtliche Verwandte und Nahestehende von ihnen lossagen, sie könnten keine Arbeit mehr finden. Obwohl der Straftatbestand der „Sodomie“ bereits vor mehr als 20 Jahren aus dem tadschikischen Strafgesetzbuch gestrichen wurde, bekommen LGBTI immer wieder Probleme mit der Polizei. Vafo kennt das: <em>„Es gibt sehr viele Probleme mit den Sicherheitsbehörden: Sie nehmen über Soziale Netzwerke Kontakt [mit Schwulen] auf, dann erpressen sie Dich, machen Druck und drohen damit, es der Familie zu erzählen.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Registrierung von LGBTI-Vereinen unmöglich</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Stimmen, die den Film „Ohrenbetäubende Stille“ spricht, gehört seinem Autor und Aktivisten Islom Alizoda (Pseudonym). Bis 2015 lebte er selbst in Tadschikistan, aber als er und sein Partner von den Behörden verfolgt wurden, zwang ihn das zur Flucht nach Europa.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Idee dieses Films trage ich schon fünf Jahre mit mir herum, sie entstand, nachdem ich selbst zum Geflüchteten wurde“</em>, so Alizoda gegenüber dem Portal Fergana. <em>„Damals erzählte ich Polizeibeamten davon, wie Schwule in Tadschikistan verfolgt werden. Sie fragten mich, ob es Beweise für meine Worte gebe, zum Beispiel in Online-Medien. Aber es gab nichts dazu. In Tadschikistan wird das Thema LGBTI so sehr tabuisiert, dass ungeachtet der schwierigen gesellschaftlichen Situation Journalisten fast nicht darüber berichten.“ </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/homophobe-an-der-macht-ueber-die-situation-von-lgbtiq-in-usbekistan/">Homophobe an der Macht – über die Situation von LGBT*IQ in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem neuen 60-seitigen Bericht des ADC Memorials <a href="https://adcmemorial.org/en/publications/lgbti-in-the-region-of-central-asia-repressions-discrimination-exclusion/">„LGBTI+ in der Region Zentralasiens: Repressionen, Diskriminierung, Ausgrenzung“</a> (eng), der im Mai 2020 erschien, bestätigt, dass die Medien in Tadschikistan bis auf einige im Land tätige ausländische Nachrichtenagenturen das Thema LGBTI tatsächlich verschweigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="861" height="587" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer.jpeg" alt="&quot;Ohrenbetäubende Stille&quot; - Screenshot aus dem Dokufilm" class="wp-image-24830" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer.jpeg 861w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer-300x205.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer-768x524.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 861px) 100vw, 861px" /><figcaption>&#8222;Ohrenbetäubende Stille&#8220; &#8211; Screenshot aus dem Dokufilm</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Progressive Journalisten sprechen von fehlenden Medien, die ihre Artikel veröffentlichen würden, und von homophober Kritik, wenn sie solche Publikationen anbieten. Sie beklagen die unzureichende Verfügbarkeit von Informationen über SOGI </em>(sexuelle Orientierung und Gender-Identität &#8211; Anm. Fergana)<em> für das Verfassen korrekter Beiträge mit angemessener Terminologie“</em>, heißt es in dem Bericht. <em>„Außerdem gibt es in der Öffentlichkeit keine Experten, Menschenrechtler, Aktivisten und Aktivistinnen, die die Situation kommentieren oder von der wirklichen Lage von LGBTI erzählen könnten.“</em> In Tadschikistan gibt es keine einzige öffentliche LGBTI-Organisation oder Initiative, die direkt mit diesen Menschen arbeitet. Das verkompliziert das Problem weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/rueckblick-novastan-trifft-quarteera/">Rückblick: Novastan trifft Quarteera</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Registrierung einer Gruppe, die mit dem Thema LGBTI arbeitet, ist in Tadschikistan noch immer unmöglich, darum gilt die Verteidigung der Rechte von LGBTI noch immer als Verstoß gegen die öffentliche Moral. Dadurch arbeiten einige Initiativen ohne Registrierung, andere umgehen das Verbot, indem sie mit gemischten Themen arbeiten, zum Beispiel der Gesundheit.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nachdem ich in Europa angekommen war, bin ich selbst auf Journalisten zugegangen, habe ihnen Themen für Artikel angeboten, Protagonisten in Tadschikistan gesucht und selbst Interviews gegeben“</em>, erinnert sich Islom Alizoda. <em>„Das alles tat ich, damit die Gesellschaft erfährt, dass es uns gibt und dass wir in Tadschikistan große Probleme haben. Damit Leute, die flüchten und Asyl im Ausland beantragen müssen, ihre Worte mithilfe von Medien-Publikationen belegen können.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Klischees bestehen auch innerhalb der LGBTI-Community</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Während Alizoda zwar einige journalistische Berichte initiieren konnte, gelang es ihm nicht, die Medien-Szene Tadschikistans für einen Film über LGBTI zu aktivieren. Die Produktion eines Kurzfilms zu dem Thema gestaltete sich bereits mühsam uns riskant. „Ich wollte diesen Film unbedingt in Tadschikistan drehen. Natürlich hätten wir die Aufnahmen auch in Europa machen können, denn hier gibt es genug schwule und lesbische Menschen aus Tadschikistan und ganz Zentralasien, die ihre Geschichten erzählen könnten“, erzählt Alizoda. „Aber uns war es wichtig zu zeigen, dass homosexuelle Menschen genau jetzt in Tadschikistan leben und dass es sie ausnahmslos in allen Regionen des Landes gibt. Für manche sind das offensichtliche Dinge, aber die Gesellschaft in unserem Land zieht es vor zu denken, dass es uns in Tadschikistan ganz sicher nicht gibt.“</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Alle Protagonist*innen des Films kennt der Autor persönlich und nur dank dieser Nähe haben sie ihre Teilnahme zugesagt. Auch das Filmteam hat Alizoda aus Bekannten und Freunden in Tadschikistan zusammengestellt, die der Community positiv gegenüberstehen. Kurz vor Ende der Arbeiten an dem Film ist einer der Protagonisten von Polizeibeamten befragt worden, ob er etwas von einer Journalistin wisse, die aus dem Ausland gekommen sei, um Informationen über LGBTI zu sammeln. <em>„Tatsächlich war jene Journalistin, die an unserem Film mitarbeitete, Staatsbürgerin Tadschikistans. Aber nach Duschanbe kamen auch Experten, die die Dreharbeiten begleiteten“</em>, erinnert sich Alizoda. <em>„Für uns aber war die Anfrage der Polizei ein Warnsignal und wir entschieden uns, als Filmteam das Land zu verlassen. Für den Fall der Fälle.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Tadschikistan will kein Anti-Diskriminierungs-Gesetz</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz wiederholter Empfehlungen der UN weigern sich die tadschikischen Behörden weiter, ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz zugunsten von Gender- und sexuellen Minderheiten zu verabschieden. Als Reaktion auf diese Empfehlungen internationaler Organisationen erklärte Tadschikistans Menschenrechtsbeauftragter Zarif Alizoda im vergangenen Jahr, dass es aufgrund der „moralischen und ethischen Standards der menschlichen Beziehungen im Land“ unmöglich sei, den Empfehlungen zu folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Erwähnung von LGBTI-Themen in lokalen Medien ruft eine Flut der Empörung beim Publikum hervor. Auch innerhalb der Gemeinschaft existieren diskriminierende Stereotypen: Der ADC-Memorial-Bericht zitiert beispielsweise Aussagen von Aktivistinnen, die von der weit verbreiteten Meinung berichten, wonach die Probleme von Lesben nicht gravierend seien und sie nicht so dringend Schutz benötigten wie schwule Männer. Das zeigt, dass auch die LGBTI-Community selbst nicht völlig frei ist von patriarchalischen Stereotypen, und dass der Grad der öffentlichen Ablehnung gleichgeschlechtlicher weiblicher Paare geringer ist als der gegenüber männlichen Paaren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lola Khodzhaeva für <a href="https://fergana.site/articles/119814/">Fergana News</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen&nbsp;von Peggy Lohse</strong></p>


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			</item>
		<item>
		<title>Homophobe an der Macht – über die Situation von LGBT*IQ in Usbekistan</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/homophobe-an-der-macht-ueber-die-situation-von-lgbtiq-in-usbekistan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 14:21:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT*IQ]]></category>
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		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechtsverletzung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Internationale Menschenrechtsorganisationen haben Usbekistan aufgerufen, die Strafbarkeit von Homosexualit&#xE4;t abzuschaffen. Der folgende Artikel erschien am 10. Dezember 2020 auf Fergana News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Zum internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember haben gleich mehrere Menschenrechts-NGOs die usbekische F&#xFC;hrung dazu aufgerufen, homosexuelle Beziehungen zu entkriminalisieren. Eine entsprechende Pressemitteilung wurde auf [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Internationale Menschenrechtsorganisationen haben Usbekistan aufgerufen, die Strafbarkeit von Homosexualität abzuschaffen. Der folgende Artikel erschien am 10. Dezember 2020 auf </strong><a href="https://fergana.site/articles/121456/"><strong>Fergana News</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum internationalen <a href="https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/261301/menschenrechte">Tag der Menschenrechte</a> am 10. Dezember haben gleich mehrere Menschenrechts-NGOs die usbekische Führung dazu aufgerufen, homosexuelle Beziehungen zu entkriminalisieren. Eine entsprechende <a href="https://www.iphronline.org/uzbekistan-neobhodimo-prekratit-nakazyvat-za-gomoseksualnost-i-obespechit-uvazhenie-prav-kazhdogo-cheloveka.html">Pressemitteilung</a> wurde auf der Seite der „Internationalen Partnerschaft für Menschenrechte“ (IPHR) veröffentlicht. Derzeit wird in Usbekistan an einem neuen Strafgesetzbuch gearbeitet und die Behörden sollten laut den VerfasserInnen der Mitteilung die Gelegenheit nutzen, um die Menschenrechtssituation zu verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß der aktuellen Gesetzgebung, namentlich Artikel 120 des Strafgesetzbuches, können in Usbekistan freiwillige sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Diese rechtlichen Bestimmungen werden laut den MenschenrechtlerInnen angewandt, um die Freiheit, persönliche Sicherheit und Unantastbarkeit des Privatlebens zu unterdrücken.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Unterzeichnerstaat des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Pakt_über_bürgerliche_und_politische_Rechte">Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte</a> (UN-Zivilpakt) hat sich Usbekistan verpflichtet, jedem Menschen unabhängig von <em>„Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischen und anderen Überzeugungen, nationaler oder sozialer Herkunft, Eigentum, Stand oder anderen Bestimmungen“</em> die Möglichkeit einzuräumen, von seinen Rechten Gebrauch zu machen. In ihren abschließenden Bemerkungen forderten die beiden UN-Ausschüsse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Ausschuss_gegen_Folter">gegen Folter</a> und für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Menschenrechtsausschuss">Menschenrechte</a> im Januar beziehungsweise Mai 2020 Usbekistan auf, Artikel 120 des Strafgesetzbuchs abzuschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die usbekischen Behörden ignorieren derartige Aufrufe jedoch mit beneidenswerter Beharrlichkeit. Als im Jahr 2013 in Genf der UN-Ausschuss für Menschenrechte empfahl, den Artikel abzuschaffen, sagte Usbekistans damaliger stellvertretender Innenminister Abdukarim Shodiev: <em>„Das bestehende Gesetz spiegelt die tausendjährige Entwicklung Usbekistans wider. In diesem Fall respektieren wir die Position der muslimischen Länder.“</em>  Im Jahr 2018 nahm Usbekistan die UN-Empfehlungen für Menschenrechte bezüglich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/LGBT">LGBT*IQ</a> (steht für lebisch, schwul, bisexuell, transgender, intersex, queer, Anm. d. Ü) nicht an, da sie mit Artikel 120 des Strafgesetzbuches &#8218;uneins&#8216; seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Leben in Angst</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die MenschenrechtlerInnen verweisen in ihrer Mitteilung auf die Worte der Mutter eines jungen Homosexuellen, die bekennt, dass sie „in Panik“ war, als sie von der Orientierung ihres Sohnes erfuhr. <em>&#8222;Ich habe ihn zu Imamen und Psychologen gezerrt, habe versucht, ihn zu &#8218;heilen&#8216;. Aber tatsächlich habe ich nur Leiden verursacht und sein Leben verdorben. Jetzt verstehe ich, dass Homosexualität keine Krankheit ist. Er ist so ein schöner, kluger und friedfertiger Mensch. Er liebt halt nur Menschen seines Geschlechts. Das ist alles! Aber viele wollen ihn deswegen töten, verbrennen, steinigen. Solange Artikel 120 existiert, können mein Sohn und andere LGBT-Personen nicht in Ruhe leben und glücklich sein. Ich denke, dass eine Abschaffung des Artikel 120 für alle am besten wäre“</em>, hebt die Frau hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Mann wurde nach Artikel 120 verurteilt und später freigelassen. Er sagt, dass er nicht wisse, wie er mit dem Trauma leben soll, das durch tägliche Schläge, Hass und Verachtung verursacht wurde. In Untersuchungshaft sei er regelmäßig von anderen Gefangenen missbraucht worden, ohne dass das Gefängnispersonal dem Beachtung geschenkt hätte. Gemäß seinen Worten waren die Tage in Untersuchungshaft <em>„die schrecklichsten und abscheulichsten in meinem Leben“</em>. Er bestätigte auch, dass in einem Gefängnis das Personal ihn verprügelte und versucht habe, ihn mit einem Schlagstock zu vergewaltigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/homosexuelle-in-tadschikistan-es-ist-leichter-drogenabhaengig-zu-sein-als-schwul/">Homosexuelle in Tadschikistan: Es ist leichter drogenabhängig zu sein, als schwul</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Artikel 120 stellt eine ständige Bedrohung für homosexuelle und bisexuelle Männer dar und verhindert, dass sie sich über Gewalt und Diskriminierung, denen sie in der Gesellschaft ausgesetzt sind, an staatliche Stellen wenden, da sie ein Bekanntwerden ihrer sexuellen Orientierung fürchten. Gruppen, die sich für die Rechte der LGBT*IQ-Gemeinschaft einsetzen, können ihre Tätigkeit in Usbekistan nicht sicher ausüben, während die Behörden alle Versuche unterdrücken, auf Menschenrechtsverletzungen gegenüber LGBT*IQ aufmerksam zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Homosexueller aus Usbekistan erklärt anonym: <em>„Artikel 120 räumt das Recht ein, ungestraft Menschen nicht-traditioneller sexueller oder Gender-Orientierung zu misshandeln oder zu diskriminieren. Er schafft auch einen perfekten Nährboden für Korruption. Solange Artikel 120 existiert, wird die Einschüchterung niemals enden und Homophobe werden die Macht über uns haben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Demütigungen und Erpressungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strafverfolgungsbehörden erheben nicht gegen alle homosexuellen und bisexuellen Männer, die sie aufspüren, Anklage. Aber oft drohen PolizistInnen mit Gefängnis oder der Offenlegung der sexuellen Orientierung, um Geld zu erpressen. Die Polizei zwingt auch LGBT*IQ zur Zusammenarbeit bei der Suche nach wohlhabenderen Homo- oder Bisexuellen. So glauben viele LGBT*IQ in Usbekistan, dass sie keine andere Wahl haben, als ein Doppelleben zu führen. Laut Angaben von MenschenrechtlerInnen müssen sie einen hohen Preis zahlen, wenn EhepartnerInnen, Eltern, andere Verwandte oder Nachbarn über ihre sexuelle Orientierung oder Gender-Identität erfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Homophobe Gruppen greifen oft LGBT*IQ an, setzen sie körperlicher Gewalt und Erpressung aus. Im Internet verbreiten homophobe AktivistInnen Namen und Kontaktdaten von homo- und bisexuellen Männern sowie von denjenigen, die sie für solche halten. Sie rufen zu ihrer „Bestrafung“ und Ermordung auf. Es gibt Videoaufnahmen davon, wie LGBT*IQ verprügelt werden, sowie verlässliche Informationen darüber, dass in den vergangenen Jahren mehrere Homosexuelle von homophoben Gruppen getötet oder schwer verletzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wir-existieren-lgbt-jugendliche-in-kasachstan-13/">Wir existieren! LGBT-Jugendliche in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus ist bekannt, dass die Strafverfolgungsbehörden die Angst vor dem Etikett &#8218;homosexuell&#8216; ausnutzen, da dieser Vorwurf in der usbekischen Gesellschaft als äußerst beschämend wahrgenommen wird. Sie drohen nicht nur Homo- und Bisexuellen mit Freiheitsentzug nach Artikel 120, sondern auch Heterosexuellen und frommen Muslimen. Den NGOs, die diese Erklärung gemeinsam erstellt haben, liegen Informationen über etliche Fälle von Erpressung vor. Um Vorwürfe nach Artikel 120 zu vermeiden, erhielten VertreterInnen der Strafverfolgungsbehörden große Mengen an Geld sowie falsche Geständnisse – unter anderem für solch schwere Vergehen wie &#8218;Terrorismus&#8216; oder &#8218;Versuche, die Verfassungsordnung zu stürzen&#8216;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Männer, die homosexueller Handlungen beschuldigt werden, haben den niedrigsten Status in der informellen, aber fest etablierten Gefängnishierarchie. Sie werden regelmäßig von Wärtern und Mitgefangenen als &#8218;Sklaven&#8216; gehalten und müssen zum Beispiel mit bloßen Händen dreckige Toiletten reinigen.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die usbekischen Behörden haben wiederholt erklärt, dass Homosexualität <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_im_Islam">dem Islam</a>, den traditionellen Werten und kulturellen Normen widerspreche und das die Gesellschaft nicht für eine Abschaffung des Artikel 120 bereit sei. Dies ist jedoch kein zwingender Grund, an der Verletzung von Menschenrechten festzuhalten. Zu den Ländern mit muslimischer Mehrheit, in denen Homosexualität legalisiert wurde, zählen die Nachbarländer Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan, aber auch Aserbaidschan und die Türkei. Unter den Ländern des postsowjetischen Raums sind Usbekistan und Turkmenistan die einzigen, die gleichgeschlechtliche Beziehungen per Gesetz verbieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Erklärung für die Abschaffung des Artikel 120 in Usbekistan wird von folgenden Organisationen untersützt: Internationale Partnerschaft für Menschenrechte (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/International_Partnership_for_Human_Rights">IPHR</a>), Association for Human Rights in Central Asia (<a href="https://ahrca.org">AHRCA</a>), <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amnesty_International">Amnesty International</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House">Freedom House</a>, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Norwegisches_Helsinki-Komitee">norwegische Helsinki-Kommittee</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Civil_Rights_Defenders">Civil Rights Defenders</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Freedom_Now">Freedom Now</a>, Das Antidiskriminierungszentrum <a href="https://adcmemorial.org/en/">Memorial</a> und die Eurasische Koalition für Gesundheit, Rechte, Geschlecht und sexuelle Vielfalt (<a href="https://ecom.ngo/en/about-ecom/">ECOM</a>).</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://fergana.site/articles/121456/"><strong>Fergana News</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


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			</item>
		<item>
		<title>Wir existieren! LGBT-Jugendliche in Kasachstan (3/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Apr 2017 04:15:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kasachstan leben sexuelle Minderheiten meist verdeckt und werden zu einem doppelten Leben gezwungen. Kasachstan hat gleichgeschlechtliche Beziehungen 1998 legalisiert, aber im Alltag m&#xFC;ssen homosexuelle Menschen weiterhin mit Drohungen, Einsch&#xFC;chterungen und Angriffen rechnen. Im Februar 2015 hatte das kasachstanische Parlament nach dem russischen Modell ein Gesetz &#x201E;&#xFC;ber homosexuelle Propaganda unter der Jugend&#x201C; verabschiedet. Es wurde [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>In Kasachstan leben sexuelle Minderheiten meist verdeckt und werden zu einem doppelten Leben gezwungen. Kasachstan hat gleichgeschlechtliche Beziehungen 1998 legalisiert, aber im Alltag müssen homosexuelle Menschen weiterhin mit Drohungen, Einschüchterungen und Angriffen rechnen. Im Februar 2015 hatte das kasachstanische Parlament nach dem </em></strong><a href="https://www.hrw.org/world-report/2016/country-chapters/russia"><strong><em>russischen Modell</em></strong></a><strong><em> ein Gesetz „</em></strong><a href="https://www.hrw.org/news/2015/07/23/kazakhstan-lgbt-community-living-fear"><strong><em>über homosexuelle Propaganda unter der Jugend</em></strong></a><strong><em>“ verabschiedet. Es wurde jedoch als Verfassungswidrig befunden.  </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Es gibt wenig Zahlen zur Lage der LGBT-Gemeinschaft. Die letzte Studie zum Thema veröffentlichte die </em></strong><a href="http://www.soros.kz/uploads/user_67/2013_09_04__04_43_19__269.pdf"><strong><em>Soros-Foundation-Kazakhstan</em></strong></a><strong><em> im Jahr 2009. Von den 1000 befragten homosexuellen Personen meinten 81%, dass Schwule und Lesben „ständig der Abneigung der Allgemeinbevölkerung ausgesetzt waren und keinen Respekt erfuhren“.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>N<strong>ovastan übersetzt den dritten Teil der Reportage von </strong></em><strong><a href="http://theopenasia.net/articles/detail/my-sushchestvuem-lgbt-podrostki-v-kazakhstane/"><em>The Open Asia</em></a><em> über die LGBT-Jugend in Kasachstan. Hier geht&#8217;s zu <a href="https://wp.me/p7YpFQ-27s">Teil eins</a> und <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wir-existieren-lgbt-jugendliche-in-kasachstan-23/">Teil zwei</a>. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Als ich in die neunte Klasse ging, gab es in der achten einen Jungen – Artjom – und ich wusste, dass er schwul war. Ich habe mich ganz gut mit ihm verstanden, obwohl ich damals innerlich selbst gegen mein Schwulsein ankämpfte. Er war mein Freund. Und dann… (kurze Pause) kam seine weinende Schwester und sagte: ‚Artjom ist aus dem Fenster gesprungen‘. Offenbar hat er zu seinen Eltern gesagt: ‚Mama, Papa, mir gefallen Jungs‘. Sie haben ihn geschlagen, ihn beschimpft und verflucht, und am nächsten Tag, als sie zur Arbeit gegangen waren, hat er sich aus dem Fenster geworfen. Aus der vierten Etage. Er war wahrscheinlich einer der fröhlichsten Menschen, die ich kannte. Immer hat er gelächelt. Niemals hat er geflucht oder geschimpft, hat immer alles mit Demut hingenommen. In der Schule hat man ihn beleidigt, die älteren Schüler machten sich über ihn lustig. Er hat dann offensichtlich Schutz bei seinen Eltern gesucht und gedacht, dass sie ihm helfen, aber sie haben nur noch mehr Druck auf ihn ausgeübt. Ich kann mich erinnern, wie seine Mutter bei der Beerdigung geschluchzt hat, auf´s Grab hat sie sich geworfen. Und Artjoms Schwester hat zu ihren Eltern gesagt, dass sie ihnen das niemals verzeiht</em>“, diese Geschichte erzählt Marat. Er ist 19 Jahre alt.</p>
<p style="text-align: justify">Auch er wuchs bei seiner Großmutter auf – Eltern hat er nicht. Marat kommt ursprünglich aus einem kleinen Städtchen im Norden Kasachstans. Seine Kindheit verlief ganz gewöhnlich: Schule, Freunde, im Winter Schlittschuh- und Schlittenfahren, im Sommer Angeln. Bei einem dieser Ausflüge zum Angeln am Fluss kam die jugendlich knabenhafte Hypersexualität wohl zum Tragen. Die Jungs, mit denen Marat seine ersten intimen Erfahrungen hatte, führen jetzt ein gewöhnliches Hetero-Leben. Einer von ihnen schaffte es sogar zu heiraten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8510" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-1-768x618.png" alt="LGBTI in Kasachstan 3_1" width="768" height="618" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-1-768x618.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-1-768x618-300x241.png 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Und ich habe begriffen, dass ich, verdammt noch mal, auf Typen stehe, dass ich für Mädchen überhaupt gar nichts empfinde. Wissen Sie, ich kann weibliche Schönheiten schon gut erkennen, aber mit ihnen schlafen möchte ich nicht. Ich wollte irgendwie Stärke – einen richtigen Mann wollte ich, ganz allgemein gesagt. Und ich habe verstanden, dass es nicht richtig ist und habe mich der Religion zugewandt. Zweieinhalb Jahre habe ich meine Wünsche, diese Bürde, ignoriert, gebetet. Ich hab gedacht: ‚Was wird meine Oma dazu sagen? Was wird meine Schwester dazu sagen?‘ Es fiel mir alles sehr schwer und ich habe mir eingeredet: ‚Ich darf das nicht, ich darf das alles nicht‘. Es war wirklich ein Albtraum. Ich habe…mich verschlossen. Ich habe versucht, mit niemanden zu reden…</em>“ Nach diesen Worten schweigt Marat einige Zeit.</p>
<p style="text-align: justify">Dann, erzählt er, ergab sich eine Gelegenheit und er zog nach Almaty um. Damals war er gerade 16 und schlug sich irgendwie durch. Mal wohnte er bei Freunden, mal bei Bekannten, jobbte und nahm sich ein Zimmer.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich brauchte einfach meine Freiheit. Nicht so wie Kinder, die sich so schnell wie möglich von ihren Eltern losreißen wollen. Ich wollte mich einfach nicht mehr verstecken und A….Angst haben. Das war das allerschlimmste – diese Angst. Angst zu haben, dass es irgendwer erfährt, dass es Probleme gibt, dass niemand es versteht, für das ganze Leben gebrandmarkt zu sein, und das in unserem kleinen Städtchen. Aber in Almaty fühlte ich die Freiheit. Ich habe gefühlt, dass ich hier nicht der einzige dieser Art bin, dass ich lebe und keine Angst habe, meine Gefühle zu zeigen. Ich hatte erste Beziehungen und habe mein eigenes Leben aufgebaut. Verdammt, es ist doch super, wenn du keine Angst haben musst, einen Menschen zu küssen, irgendwohin auszugehen – das ist ein unglaubliches Freiheitsgefühl.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>„Oma, ich bin schwul“</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Marat war so von diesem Freiheitsgefühl berauscht, dass er zuhause anrief und gestand: „<em>Oma, ich bin schwul</em>“. Als sie die Neuigkeiten einigermaßen verdaut hatte, sagte sie, er solle nicht zurückkommen, solange er sich nicht geändert hat – und falls er sich nicht ändert, solle er niemals wieder zurückkommen. Marats Bruder verflucht ihn noch bis heute und meint, dass es für solche Menschen keinen Platz auf der Welt gibt. Marats Schwester gibt sich gleichgültig.</p>
<p style="text-align: justify"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-8511" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-1024x601.png" alt="LGBTI Kasachstan 3_2" width="1024" height="601" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-1024x601.png 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-300x176.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown-768x451.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/Unknown.png 1223w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p style="text-align: justify">Mit 16 Jahren sah er sich also in einer fremden Stadt alleine mit seinen Problemen konfrontiert. Die Euphorie ging schnell vorbei.</p>
<p style="text-align: justify">Und Marat wurde regelmäßig geschlagen. Er war noch keine 17 Jahre alt als er in einem kleinen Café anheuerte. Irgendein Bekannter erzählte Marats Chef von der verborgenen Seite seines Mitarbeiters. Zuerst erhielt Marat eine Tracht Prügel, dann die Kündigung. Daraufhin zog Marat nach Astana, aber schon nach ein paar Tagen in der Hauptstadt wurde er in einer Unterführung zusammengeschlagen, sie waren zu fünft und berauschten sich daran, Marat, am Boden liegend, zu treten. Danach lag Marat lange im Krankenhaus. In Moskau verprügelte ihn ein Taxifahrer. Irgendwer hat irgendwo…die Geschichten nehmen kein Ende.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Suizidgedanken</strong></p>
<p style="text-align: justify">Marat ist sogar schon Vater geworden. Es ergab sich, dass er auch eine Beziehung zu einem Mädchen hatte. Sie bekam ein Kind, aber sie erlaubt es Marat nicht, den kleinen zu sehen. Marat ist eigentlich ein Mensch mit einer sehr positiven Lebenseinstellung. Allem, was ihm im Leben passiert, begegnet er mit Humor, scherzt über sich selbst. Aber er gibt auch zu, dass er schon Gedanken an Suizid hatte und immer noch hat:</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Als ich in Astana gewohnt habe, hatte ich einen Kumpel in meinem Alter, Serjoscha. Morgens haben wir uns noch gesehen und dann am Abend habe ich erfahren, dass er sich aufgehängt hat. Er hatte auch zuhause erzählt, dass er schwul ist. Sein Vater hat ihn zusammengeschlagen, nannte ihn Abschaum, da hat er sich aufgehängt. Für mein kurzes Leben habe ich schon viele Suizide mitbekommen. Dabei waren es immer, soweit ich sie kannte, gute und liebe Menschen. Ich bin 19 und schon vier Menschen, die ich kannte, haben sich umgebracht. Weil man sie nicht verstanden hat, weil sie Angst hatten, weil sie es schwer hatten. Wie kann das sein? Wie soll es einem Kind gehen, wenn es keine Unterstützung erfährt? Nicht alle kommen damit zurecht und werden stärker. Und was ist, wenn ich mal 40 bin? Wie viele Menschen habe ich dann schon überlebt? Wenn ich denn selbst noch so lange lebe.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Egal was für ein Schwuler du bist, es gibt eine männliche Ehre, und wenn diese verletzt wird, tut das sehr weh.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Alleine in einem Jahr begingen in Kasachstan laut Daten des staatlichen statistischen Komitees 1172 Jugendliche im Alter von 10 bis 29 Jahren Suizid. Nach Angaben von UNICEF belegt Kasachstan bei Suiziden von Jugendlichen ab 14 Jahren weltweit den zweiten Platz.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Warum ist die Suizidrate gerade bei kasachischen Jugendlichen so hoch?</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das ist eine schwierige Frage, auf die man sogar in einer umfangreichen Studie von UNICEF keine eindeutige Antwort findet. Zumindest kann man aus der Studie schließen, dass sich die Gründe für Suizid nicht von denen in anderen Ländern der Welt unterscheiden</em>“, erklärt Swetlana Bogatyrjowa, Leiterin eines Projekts (<a href="http://www.teenslive.kz">www.teenslive.kz</a>), das auf die Hilfe Jugendlicher ausgerichtet ist.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Im Laufe einer unabhängigen Analyse ist unsere Organisation zu folgender Antwort gekommen: Die Zahlen sind so hoch, weil es bei uns kein adäquates System der Hilfeleistung für Jugendliche und deren Familie gibt. Das Problem wird stigmatisiert und die Leute trauen sich nicht, einen Psychologen aufzusuchen. Sich an einen privat praktizierenden Psychologen zu wenden ist für die meisten Leute sehr teuer und überhaupt ist die Praxis, sich an einen Psychologen zu wenden, bei uns kulturell kaum entwickelt. Die Qualifikation der „kostenlosen“ Psychologen an Schulen und Krankenhäusern ist sehr niedrig, und an den Universitäten gibt es auch keine „Suizidologie“ als Fachrichtung.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Aber wie hoch ist der Anteil der Jugendlichen, bei denen vor allem die sexuelle Orientierung eine der Ursachen für Suizid darstellt? Es stellte sich heraus, dass in Kasachstan ganz einfach keine Daten dazu existieren. Dieses Thema ist äußerst tabuisiert, sogar mehr als der Suizid an sich. Unter dem Aspekt der sexuellen Orientierung wird Suizid in Kasachstan nicht untersucht. Selbst die Studie von UNICEF über Suizid bei kasachischen Jugendlichen erwähnt diesen Faktor nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Dabei wurden sowohl die Jugendlichen, die einen Suizidversuch unternommen hatten, als auch die Angehörigen und Lehrer derjenigen befragt, denen der Suizid gelang. Wahrscheinlich wollten die Jugendlichen oder die Angehörigen nicht darüber sprechen – nicht einmal nach deren Tod.</p>
<p style="text-align: justify">Ganz Kasachstan schockierte im Sommer 2015 ein Video, auf dem zu sehen war, wie zwei Mädchen Hand in Hand von einem 14-stockwerkigen Hochhaus in Astana sprangen. Einer der  Autoren des Materials sagte, dass die beiden ein Paar gewesen seien.</p>
<p style="text-align: justify">Er erzählte, dass diese Mädchen nicht verstanden und nicht akzeptiert wurden…Ihre Geschichte zu hören und sich die Bilder vor Augen zu rufen war nicht ertragbar, es auf Tonband aufzuzeichnen auch nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Der Jugendliche, der ihre Geschichte erzählte, erwies sich in diesem Moment als viel erwachsener als der Journalist, der eigentlich doppelt so alt ist. LGBT-Jugendliche sind eigentlich gar keine Jugendlichen, sondern Erwachsene.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/my-sushchestvuem-lgbt-podrostki-v-kazakhstane/">Open Asia</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Manuel Rommel</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wir existieren! LGBT-Jugendliche in Kasachstan (2/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Mar 2017 09:04:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kasachstan leben sexuelle Minderheiten meist verdeckt und werden zu einem doppelten Leben gezwungen. Kasachstan hat gleichgeschlechtliche Beziehungen 1998 legalisiert, aber im Alltag m&#xFC;ssen homosexuelle Menschen weiterhin mit Drohungen, Einsch&#xFC;chterungen und Angriffen rechnen. Im Februar 2015 hatte das kasachstanische Parlament nach dem russischen Modell ein Gesetz &#x201E;&#xFC;ber homosexuelle Propaganda unter der Jugend&#x201C; verabschiedet. Es wurde [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>In Kasachstan leben sexuelle Minderheiten meist verdeckt und werden zu einem doppelten Leben gezwungen. Kasachstan hat gleichgeschlechtliche Beziehungen 1998 legalisiert, aber im Alltag müssen homosexuelle Menschen weiterhin mit Drohungen, Einschüchterungen und Angriffen rechnen. Im Februar 2015 hatte das kasachstanische Parlament nach dem </em></strong><a href="https://www.hrw.org/world-report/2016/country-chapters/russia"><strong><em>russischen Modell</em></strong></a><strong><em> ein Gesetz „</em></strong><a href="https://www.hrw.org/news/2015/07/23/kazakhstan-lgbt-community-living-fear"><strong><em>über homosexuelle Propaganda unter der Jugend</em></strong></a><strong><em>“ verabschiedet. Es wurde jedoch als Verfassungswidrig befunden.  </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Es gibt wenig Zahlen zur Lage der LGBT-Gemeinschaft. Die letzte Studie zum Thema veröffentlichte die </em></strong><a href="http://www.soros.kz/uploads/user_67/2013_09_04__04_43_19__269.pdf"><strong><em>Soros-Foundation-Kazakhstan</em></strong></a><strong><em> im Jahr 2009. Von den 1000 befragten homosexuellen Personen meinten 81%, dass Schwule und Lesben „ständig der Abneigung der Allgemeinbevölkerung ausgesetzt waren und keinen Respekt erfuhren“.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>N<strong>ovastan übersetzt die Reportage von </strong></em><strong><a href="http://theopenasia.net/articles/detail/my-sushchestvuem-lgbt-podrostki-v-kazakhstane/"><em>The Open Asia</em></a><em> über die LGBT-Jugend in Kasachstan in drei Teilen.  </em></strong><strong>Hier geht&#8217;s zum ersten Teil: <a href="https://wp.me/p7YpFQ-27s">Wir existieren! LGBT-Jugendliche in Kasachstan (1/3)</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Danil hatte eigentlich eine ganz normale Kindheit, wenn man außer Acht lässt, dass seine Eltern Alkoholiker waren. Seine Großmutter zog ihn groß, doch dann besannen sich seine Eltern und alles war gut. Bis er 13 Jahre alt war.</p>
<p style="text-align: justify">Gemäß einer Studie des kasachstanischen Nationalen Zentrums für Probleme bei der Bildung eines gesunden Lebensstils beträgt das durchschnittliche Alter, in dem man erstmalig in geschlechtliche Beziehungen tritt, bei Mädchen wie bei Jungen 14-15 Jahre.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Psychologen beginnt der Geschlechtstrieb schon mit ca. 13 Jahren. Dann zeigt sich, ob man sich zum anderen Geschlecht hingezogen fühlt oder zum eigenen. Gegen diesen Drang könne man einfach nicht ankämpfen, so die LGBT-Jugendlichen, genauso wie wenn ein Junge nichts dagegen tun kann, wenn er das Nachbarsmädchen begehrt. Eltern können noch so oft wiederholen „<em>das sind doch noch Kinder</em>“, aber sexuelles Verlangen und Vorlieben beginnen sich bereits in diesem Alter zu formieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Danils Geschichte</strong></p>
<p style="text-align: justify">So auch bei Danil. Mit 13 Jahren merkte er, dass ihn das andere Geschlecht überhaupt nicht anzieht und gestand sich mit Schrecken ein, dass er Jungs mag.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich habe einer Freundin davon erzählt. Sie hat gesagt, das wäre nur eine kindliche Naivität und hätte nichts zu bedeuten. Sie hat mir den Rat gegeben, mal einen „Erwachsenenfilm“ mit zwei Männern zu schauen und hat gesagt: ‚Wenn du eine Erregung spürst – dann bist du schwul‘. Das habe ich dann ausprobiert und war wirklich erregt…</em>“, gab Danil zu.</p>
<p style="text-align: justify">Danil hatte Angst, sich einen Rat von einem Erwachsenen zu holen. Er hatte keine Ahnung, wo man ihm erklären könnte, was mit ihm passiert und so suchte er im Internet nach Antworten. Er fand etwas Anderes.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich begann eine Art Beziehung zu einem Kerl aus dem Internet. Er kam aus Moskau und war zu dem Zeitpunkt 21 Jahre alt, ich 13. Mir war klar, dass das laut Gesetz nicht… Aber ich war immer der Meinung, dass das Alter kein Hindernis für die Liebe sein sollte, überhaupt für irgendwas. Wir haben uns nie gesehen, kannten unsere Stimmen nicht, sondern eben nur von Fotos. Ich habe ganze Tage und Nächte im Internet verbracht. Es war Sommer, im August, gerade vor der achten Klasse. Und der Kerl hat gesagt: ‚Du liebst mich nicht, du verbirgst deinen „Beziehungsstatus“ [auf Vkontakte, Anm. Übersetzer] und stellst keine Fotos von mir ins Internet‘. </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Dann habe ich welche hochgeladen, weil ich einfach noch zu jung war und nicht darüber nachdachgedacht habe, zu was das führen könnte. Meine Klassenkameraden haben das alles gesehen und in der ganzen Schule rumerzählt – von der ersten bis zur elften Klasse. In den sozialen Medien habe ich alle möglichen Drohungen bekommen: ‚Pfui, Schwuchtel! Wie kann man nur! Das erträgt die Welt nicht! Solche gehören auf den Scheiterhaufen! Ich finde dich! Ich bringe dich um!</em>‘“</p>
<p style="text-align: justify">Am ersten September fürchtete sich Danil vorm Beginn des neuen Schuljahres. Während des traditionellen Appells versteckte er sich hinter mehr oder weniger loyalen Mitschülern. Aber an dem Tag und auch in den Monaten danach wurde er nicht geschlägen, „nur“ angepöbelt und ausgelacht. Diesen Lebensabschnitt charakterisiert Danil als <em>„im Prinzip normal“.</em> Schlimmer war es zuhause.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Im September hat es meine Familie erfahren– ich hatte Kratzer an den Venen…keine Schnitte. Ich hab mich einfach mit der Schere an den Handgelenken geritzt, um Aufmerksamkeit von diesem Kerl zu bekommen. Zuerst hat es mein älterer Bruder gesehen und mich darauf angesprochen. Er hat gedacht, dass hätte was mit dem Internet zu tun und ich sollte ihm mein Profil auf „Vkontakte“ zeigen. Ich habe mich geweigert. Dafür hat er mich dann geschlagen, davon habe ich heute noch Spuren</em>“, sagt Danil leicht stotternd.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Er fragt was los ist, ich antworte nicht – Schlag ins Gesicht. Er fragt, ich antworte nicht – Schlag ins Gesicht. Und so ist das noch lange weitergegangen. Dann hat er sich in meinen Vkontakte-Account eingeloggt, sah die Fotos und fragte mich, ob ich auf Jungs stehe. Ja, habe ich gesagt. Er fragte mich nach Mädchen und aus Angst habe ich gesagt, dass mir die auch gefallen würden. Er war außer sich und hat mich gezwungen, mein Profil auf Vkontakte zu löschen. Ich hab´s gelöscht und Internetverbot bekommen, ich durfte mich dem Computer nicht einmal nähern. Der Kontakt zur Außenwelt wurde mir damit, so kann man sagen, abgeschnitten.</em>“</p>
<p><figure id="attachment_8406" aria-describedby="caption-attachment-8406" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8406" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/lgbt2.jpg" alt="Danil erzählt seine Geschichte" width="600" height="337" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/lgbt2.jpg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/lgbt2-300x169.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-8406" class="wp-caption-text">Danil erzählt seine Geschichte</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abgeschnitten von der Außenwelt</strong></p>
<p style="text-align: justify">Danil wurde einer strengen Kontrolle unterworfen – nach der Schule musste er immer sofort nach Hause, durfte nicht ausgehen und Freundschaften schließen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich war trotzdem weiter im Internet – heimlich, über WLAN an öffentlichen Plätzen. Ich habe die Schule geschwänzt, um mit diesem Typen zu chatten. Dann fand meine Mutter eine Zeichnung – „mein Name + der Name des Typen= Liebe“. Sie verstand sofort. Was könnte das auch sonst bedeuten? Sie sagte: ‚Auf unsere Familie wird man mit dem Finger zeigen!‘ Ihr war es egal, ob ich glücklich bin. Sie hat nur daran gedacht, dass man auf unsere Familie mit dem Finger zeigen wird. Und danach hat meine Mutter noch gesagt: ‚Wenn das weitergeht, verstoße ich dich!‘ So etwas zu hören ist für ein Kind – besonders in dem Alter – einfach ein Schock. Und danach hab ich mich einen Dreck um sie alle geschert. Ich hab aufgehört, im Haushalt zu helfen und hörte einfach nicht mehr auf sie.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Danils Stimme zittert, aber er erzählt weiter: „<em>Im Herbst hat mich der Kerl aus Moskau betrogen. Ich war wirklich hysterisch, depressiv. Gegen Ende des Jahres hat mir dann ein anderer Typ aus Almaty geschrieben. Er hat sich für 19 ausgegeben, aber eigentlich war er schon 21. Wir haben uns getroffen, waren spazieren und haben uns unterhalten. Bei unserem sechsten Treffen haben wir miteinander geschlafen. Es war Winter, sehr frostig, und da hat er mich in seine Wohnung eingeladen – einfach um zu quatschen. Ich, jung und naiv, der alles glaubt…naja, wir haben miteinander geschlafen. Ich denke, wenn ich es nicht gewollt hätte, hätte ich nein gesagt. Aber irgendwo im Unterbewusstsein hab ich es offenbar auch gewollt. Noch dazu wollte ich mich an dem Typen aus Moskau rächen und hab es dann einfach getan.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;Beinahe wäre ich vom Dach gesprungen&#8220;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Aber auch mit diesem erwachsenen jungen Mann kam es zu keiner Beziehung. Danil verfiel in Depression. „<em>Ich hab versucht mich umzubringen. Beinahe wäre ich vom Dach gesprungen – man hat mich aber von dort oben weggezerrt. Dann habe ich habe angefangen zu trinken – meine Freunde und Freundinnen, die sich wirklich sorgen machten, haben es mir verboten.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Als Danil in seiner Erzählung an dieser Stelle ankommt, bricht er in Tränen aus.</p>
<p style="text-align: justify">Nur mit Mühe schloss Danil die Schule ab – stets musste er sich vor den Jugendlichen verstecken, die ihm vor und nach dem Unterricht auflauerten. Er begann auf eine Berufshochschule, dann bald auf eine andere. Überall stellte man ihm früher oder später Fragen zu seiner sexuellen Orientierung. Anschluss fand er lediglich außerhalb der Hochschule, aber auch da wurde Danil schnell verdächtigt, homosexuell zu sein. Er wurde verprügelt und man erpresste ihn. Das nötige Geld beschaffte er durch einen Freund, der auch <em>„Bescheid weiß“</em> („W teme“ im Original, Anm. d. Ü.) – mit diesem Ausdruck werden innerhalb der LGBT-Community „Gleichgesinnte“ bezeichnet.</p>
<p style="text-align: justify">Mittlerweile ist Danil 16 Jahre alt. Sexuelle Erfahrungen mit Mädchen hatte er auch, aber das hat nichts geändert. Seit drei Monaten ist er in einer neuen Beziehung – mit einem 26-jährigen. Einen jugendlichen Partner zu finden, sagt er, sei schwierig.</p>
<p style="text-align: justify">Seine Eltern haben sich inzwischen getrennt und Danil wohnt nun bei seinem Vater. Dieser belästigt ihn nicht mit Fragen – akzeptiert alles, so wie es ist. Zu seiner Mutter hat Danil zwar noch Kontakt, aber in sein Herz lässt er sie nicht.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Sag unter keinen Umständen zu einem Kind, dass du es verlässt. Als meine Mutter das zu mir gesagt hat, war das einfach ein Schock. Es ist nicht unbedingt Hass entstanden aber doch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber allem. Eine Mutter sagt so etwas vielleicht in der Hoffnung, dass das Kind sich ändert, aber ein Kind nimmt sowas ganz anders wahr, es versteht solche „Scherze“ nicht. Für das Kind ist das alles ernst und dann entwickelt es Gleichgültigkeit – gegenüber der Schule, den Verwandten, Freunden, Hobbies. Es kann einfach den Unterricht absitzen, gerade so, dass es nicht sitzen bleibt und doch ist ihm eigentlich alles scheißegal.</em><em> Bei mir war das so. Für Kinder – aber auch für Jugendliche, oder gerade für Jugendliche – sind die Eltern sehr wichtig.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Fehlende gesellschaftliche Untersützung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Aber in Kasachstan sind Eltern offenbar nicht dazu bereit, LGBT-Jugendliche zu akzeptieren. Nicht zu schweigen von gesellschaftlichen Institutionen, die eine solche Jugend unterstützen würden.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Für Jugendliche gibt es eine Telefonseelsorge, die bei psychischen Problemen helfen kann, aber es gibt keine spezielle Hotline für Menschen aus der LGBT-Community</em>“, kommentiert die Aktivistin von der Abbie-Hoffman-Stiftung, Arina Osinovskaja.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das heißt, ein Jugendlicher, der aggressiver Homophobie ausgesetzt ist, kann sich nicht sicher sein, dass ihm am anderen Ende der Leitung geholfen wird, wenn er da anruft. Es gibt sehr wenige Organisationen, die sich mit den Problemen der LGBT-Community beschäftigen, und deren Kontakte sind nicht so leicht zu finden. Deshalb bleiben die Kinder oft mit ihren Problemen allein und gelangen in eine Situation der ständigen Angst, dass jemand von ihrer sexuellen Orientierung erfahren könnte und es dann allen erzählt, infolgedessen sie dann gemobbt oder gar geschlagen werden könnten. An einen offenen Umgang mit sich selbst und die lückenlose Akzeptanz von Familie und Gesellschaft ist nicht zu denken.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„OpenAsia“ hat versucht, Organisationen zu finden, welche LGBT-Jugendlichen wirklich Hilfe leisten könnten, aber solche gibt es in Kasachstan wirklich nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Aus jeder beliebigen Stadt in Kasachstan kann man die 1-5-0 wählen. Das ist eine Telefonseelsorge für Kinder und Jugendliche. Obwohl die Experten dort nicht auf Probleme der LGBT-Community spezialisiert sind, kann man sich sicher sein, dass einem dort zugehört, unterstützt und nicht geurteilt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Die Recherchen führten uns an einen weiteren Ort, von dem man Ähnliches erwarten könnte – die <a href="https://www.hls.kz/mcz/">„Jugendzentren für Gesundheit“</a>, ein Projekt, das vom „Nationalen Zentrum für die Bildung eines gesunden Lebensstils“ ins Leben gerufen wurde. Diese Zentren sind für junge Leute zwischen 15 und 29 Jahren vorgesehen, insgesamt gibt es heute davon 97 in ganz Kasachstan – ein paar in jeder kasachischen Region. Untergebracht sind sie in städtischen Krankenhäusern.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Geht etwa ein 15-jähriges Mädchen zum Gynäkologen und spricht dort über sexuelle Dinge? Natürlich nicht. Geht ein Junge zum Urologen und spricht dort von seinen Problemen beim Urinieren? Niemals freiwillig</em>“, erklärt die Leiterin der Abteilung „Gesundheit der Familie“, Klara Medeubajewa, das Konzept des Projekts.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Zentren funktionieren nach dem Prinzip der „4 D“: Freiwilligkeit (Dobrowoljnost‘) – die Jugendlichen sollen auf eigenen Wunsch herkommen; Erreichbarkeit (Dostupnost‘) – die Zentren sollen für die Jugendlichen gut erreichbar sein; Freundlichkeit (Dobroschelateljnost‘)</em><em> – dort sollten freundliche Leute arbeiten; Vertrauen (Dowerije) – die Jugendlichen sollten wissen, dass sie dort nicht verurteilt werden und man ihre Anonymität respektiert. In den Zentren arbeiten Geburtshelfer, Gynäkologen, Urologen, Dermatologen, Juristen und Psychologen. Sie behandeln nicht, sondern konsultieren und geben Ratschläge.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Laut Medeubajewa sollten sich die Spezialisten in den Jugendzentren nicht dafür interessieren, wo die Jugendlichen, die zu ihnen kommen, studieren, leben oder wo deren Eltern arbeiten. Sie haben kein Recht, solche Dinge zu fragen. Und die Kinder haben das Recht, nicht ihren richtigen Namen nennen zu müssen.</p>
<p style="text-align: justify">Nach Statistiken des „Nationalen Zentrums für die Bildung eines gesunden Lebensstils“, haben sich 2015 und 2016 insgesamt 643.670 Menschen an diese Jugendzentren gewandt.</p>
<p style="text-align: justify"> „<em>Darüber [ob auch Jugendliche aus der LGBT-Gemeinschaft mit Problemen kommen] ist uns nichts bekannt. Wahrscheinlich nicht. Aber wenn sie kommen, wird ihnen ganz sicher weitergeholfen</em>“, so Medeubajewa.</p>
<p style="text-align: justify">So sollte es im Idealfall sein. Aber Jugendliche kennen solche Anlaufstellen meist nicht. Womöglich wird es noch einige Zeit dauern bis das vierte „D“ (Vertrauen) vollkommen realisiert ist.</p>
<p style="text-align: justify">Solange müssen die Jugendlichen alleine zurechtkommen. Einige schaffen es, andere nicht.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Marina Michtajewa, <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/my-sushchestvuem-lgbt-podrostki-v-kazakhstane/">OpenAsia<br />
</a></strong><strong>Aus dem russischen übersetzt von Manuel Rommel</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wir existieren! LGBT-Jugendliche in Kasachstan (1/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Mar 2017 06:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kasachstan leben sexuelle Minderheiten meist verdeckt und werden zu einem doppelten Leben gezwungen. Kasachstan hat gleichgeschlechtliche Beziehungen 1998 legalisiert, aber im Alltag m&#xFC;ssen homosexuelle Menschen weiterhin mit Drohungen, Einsch&#xFC;chterungen und Angriffen rechnen. Im Februar 2015 hatte das kasachstanische Parlament nach dem russischen Modell ein Gesetz &#x201E;&#xFC;ber homosexuelle Propaganda unter der Jugend&#x201C; verabschiedet. Es wurde [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>In Kasachstan leben sexuelle Minderheiten meist verdeckt und werden zu einem doppelten Leben gezwungen. Kasachstan hat gleichgeschlechtliche Beziehungen 1998 legalisiert, aber im Alltag müssen homosexuelle Menschen weiterhin mit Drohungen, Einschüchterungen und Angriffen rechnen. Im Februar 2015 hatte das kasachstanische Parlament nach dem </em></strong><a href="https://www.hrw.org/world-report/2016/country-chapters/russia"><strong><em>russischen Modell</em></strong></a><strong><em> ein Gesetz „</em></strong><a href="https://www.hrw.org/news/2015/07/23/kazakhstan-lgbt-community-living-fear"><strong><em>über homosexuelle Propaganda unter der Jugend</em></strong></a><strong><em>“ verabschiedet. Es wurde jedoch als Verfassungswidrig befunden.   </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Es gibt wenig Zahlen zur Lage der LGBT-Gemeinschaft. Die letzte Studie zum Thema veröffentlichte die </em></strong><a href="http://www.soros.kz/uploads/user_67/2013_09_04__04_43_19__269.pdf"><strong><em>Soros-Foundation-Kazakhstan</em></strong></a><strong><em> im Jahr 2009. Von den 1000 befragten homosexuellen Personen meinten 81%, dass Schwule und Lesben „ständig der Abneigung der Allgemeinbevölkerung ausgesetzt waren und keinen Respekt erfuhren“. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>N<strong>ovastan übersetzt die Reportage von </strong></em><strong><a href="http://theopenasia.net/articles/detail/my-sushchestvuem-lgbt-podrostki-v-kazakhstane/"><em>The Open Asia</em></a><em> über die LGBT-Jugend in Kasachstan in drei Teilen. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Sie hat einem Treffen zugesagt – eine junge Frau, nicht sehr groß, zierlich, attraktiv. Wir machen uns bekannt. Sie stellt sich als Nastasja vor. Sie ist 18 Jahre alt, studiert Pädagogik und ist bisexuell. Oder besser gesagt pansexuell, das heißt sie fühlt sich sexuell zu Menschen unabhängig von deren Geschlecht hingezogen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Mir hat es immer gefallen, zusammen mit anderen Mädchen auf die Toilette zu gehen, so doof das auch klingt</em>“, gesteht Nastasja. „<em>Als ich 14 Jahre alt war, war ich sehr eng mit einem Mädchen befreundet und ich hab gedacht: ‚Und was, wenn das mehr ist als nur Freundschaft?‘</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Nastasja wäre eine gute Lehrerin. Sie ist belesen, gebildet, nimmt sich nicht zu ernst, ist modern und feinfühlig.</p>
<p><figure id="attachment_8169" aria-describedby="caption-attachment-8169" style="width: 768px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8169" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/20-1-768x576.jpg" alt="Sich selbst sein Ausstellung" width="768" height="576" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/20-1-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/20-1-768x576-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption id="caption-attachment-8169" class="wp-caption-text">Eines der Bilder der Ausstellung &#8222;Sich selbst sein&#8220;, die 2015 in Moskau und in Almaty gezeigt wurde<br />Foto: <a href="https://vk.com/beyourselfinbunker?from=quick_search&amp;z=album-68143176_222305036">Arina Osinovskaya</a></figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Sie erzählt eine Stunde lang alles, was ihr in ihrem jungen Leben bisher widerfahren ist…LGBT-Jugendliche gibt es auch in Kasachstan. Wie alle gehen sie auf den Straßen, sitzen auf Parkbänken und oder im Bus. Aber sie bleiben unbemerkt. Sie sind gezwungen, ein doppeltes Leben zu führen: Eines für die Gesellschaft, um akzeptiert zu werden, und ein anderes, das private – heimliche. „OpenAsia“ hat sich die Geschichten solcher Jugendlichen angehört und erfahren, was mit jenen passiert, die so unvorsichtig sind, sich zu outen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich war so naiv und habe ich die Erkenntnis, dass ich mich zu einem Mädchen hingezogen fühle, mit meiner Mutter geteilt. Sie hat sehr negativ reagiert: Sie hat mir verboten, das Internet zu benutzen, sogar ihren Namen zu erwähnen und hat alle Fotos von ihr, die ich in meinem Zimmer hatte, weggeworfen. Einfach alles, was mich an sie hätte erinnern können. Und ständig hat sie gesagt: ‚Das ist nicht richtig, Nastja. Mein Gott, ich möchte doch Enkelkinder!</em>‘ <em>Ich bin von Natur aus ein sehr offener Mensch. Selbstverständlich habe ich alles meinen Freunden erzählt. Und wie das so ist in der Schule, haben es bald alle gewusst, von der ersten bis zur elften Klasse.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Dann erinnert sich Nastja, wie sich ihr Leben danach veränderte: „<em>Es war eine passiv-aggressive Atmosphäre. In der Mensa konnte es vorkommen, dass irgendein Mitschüler mir einen Klapps auf den Hintern gab und sagte ‚Jungs sind besser, weißt du das?‘</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Nastasja ist ein empfindsamer Mensch. Und solche Erlebnisse haben sie sehr verletzt. Schlimmer war es nur zuhause.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Dann hat es mein Stiefvater erfahren. Er wollte nicht, dass ich ihm zuhause weiter unter die Augen trete. Ein halbes Jahr habe ich bei irgendwelchen Freunden gewohnt.</em>“ Nastasja war damals 16.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Meine Mama hat sich große Sorgen gemacht, aber sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie müssen sich vorstellen, was das bedeutet, 10-15 Jahre lang eine Familie aufzubauen, und dann soll man einfach alles aufgeben? Während ich bei Freunden wohnte, fasste meine Mama einen Entschluss. Sie musste sich zwischen ihren beiden Töchtern entscheiden, so zog sie mit mir aus der Wohnung aus und von meinem Stiefvater und meiner Schwester weg. Wie sie das überlebt hat, weiß ich nicht. Meine Mama hat noch Kontakt zu meiner Schwester, ab und zu sehen sie sich auch. Aber faktisch musste sie sich entscheiden und ich freue mich sehr, dass sie sich für mich entschieden hat. Hätte sie mich verlassen, wäre das ganz schrecklich gewesen.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Heute studiert Nastasja an der Berufshochschule Pädagogik. Auch dort hat sie im Alltag mit zweideutigen Kommentaren, schlüpfrigen Witzen, mit Beleidigungen und Erniedrigungen zu tun.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ein Dozent sah, wie ich eine Freundin umarmte und sagte streng: ‚Anastasja, ist mit Ihrer Orientierung alles in Ordnung?!‘ Und machte dann häufig Witze zu diesem Thema: ‚Haben Sie die Orientierung verloren, Anastasja?‘ Und Anastasja schaut ihn an und weiß nicht wie sie reagieren soll. Er ist doch ein erwachsener Mensch. Er macht nur Witze. Aber soll das denn lustig sein?</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Nebenher arbeitet sie als Babysitterin bei einer Familie. Mit ihrer Arbeitgeberin hatte sie Glück, diese zeigt Diskretion und mischt sich nicht in fremde Dinge ein. Lehrerin werden möchte Nastasja aber eigentlich nicht. Nicht in diesem Land, sagt sie. Ihrer Meinung nach werde ein Mensch im kasachischen Bildungssystem und überhaupt in der kasachischen Gesellschaft nicht als Persönlichkeit wahrgenommen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Können Sie sich das vorstellen, wie das ist, die ganze Zeit irgendein Geheimnis zu hüten? Das ist fast unmöglich. Besonders, wenn es einen so großen Teil des eigenen Lebens betrifft.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>In unserer Gesellschaft ist es einfacher, sich als heterosexuell auszugeben. Aber warum sollten Menschen ihre wahre Identität verstecken? Wenn ich zur Arbeit gehe und sage: ‚Guten Tag! Mein Hobby ist Kneten!‘, dann sagt man mir: ‚Toll!‘. Aber wenn ich sage: ‚Guten Tag! Ich bin … mit einem Mädchen zusammen‘, was bekomme ich dann zur Antwort? ‚Das ist doch widerwärtig!‘ Aber dabei ist das eben die Besonderheit meines Gehirns und meines Blicks auf die Welt. Wenn man sich ein bisschen in die Neurobiologe vertieft, versteht man, dass das alles mit dem Gehirn zu tun hat. Und dabei gibt es nichts Unnormales – es ist einfach eine Variation des Menschen.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Nach all dem, so Nastasja, hat sie begonnen, sich damit zu beschäftigen, was die sexuelle Orientierung erklärt. Welche Besonderheiten des Gehirns gibt es und welche sozialen Umstände beeinflussen, wer einem gefällt – Männer oder Frauen? Und nun ist sie bereit, jeden zu unterstützen, der sich in einer ähnlichen Situation befindet.</p>
<p style="text-align: justify">Aber das ist heute. Als sie noch ein Teenager war, derart unter der eigenen „Abnormität“ litt und nicht verstand, was mit ihr passiert und warum die ganze Welt sie ablehnt, da dachte sie auch schon über Suizid nach. Aber sie entschied sich dagegen. Wie sie sagt, habe sie verstanden, dass die Gesellschaft Schwule und Lesben als Prügelknaben brauche.</p>
<p><figure id="attachment_8170" aria-describedby="caption-attachment-8170" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8170" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/13-1-1-1024x768.jpg" alt="Sich selbst sein Ausstellung 2" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/13-1-1-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/13-1-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/13-1-1-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/13-1-1-800x600.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/13-1-1.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8170" class="wp-caption-text">Eines der Bilder der Ausstellung &#8222;Sich selbst sein&#8220;, die 2015 in Moskau und in Almaty gezeigt wurde.<br />Foto: <a href="https://vk.com/beyourselfinbunker?from=quick_search&amp;z=album-68143176_222305036">Arina Osinovskaya</a></figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auch in Russland ist Homophobie, wie sie Nastasja erfahren hat, sehr verbreitet. Über dessen Ausmaße kann man sich im Film „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=RaUucGoErnw">Kinder 404</a>“ informieren, der von Aktivisten gedreht wurde.</p>
<p style="text-align: justify">In Kasachstan wäre das Drehen eines solchen Films wohl gar nicht möglich. Homophobie trägt hier noch einmal ganz andere Züge. Der wahrscheinlich einzige Versuch, die Gesellschaft mit der Existenz einer jugendlichen LGBT-Community vertraut zu machen, war die Ausstellung „selbst sein“ im Kunst-Refugium „<a href="http://bunker.kz/">Bunker</a>“, die von der Abbie-Hoffman- Stiftung organisiert und durchgeführt wurde.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das eigentliche Fotoprojekt wurde von der Moskauer Fotografin <a href="https://www.flickr.com/photos/marygelman/">Maria Gelman</a> realisiert. Sie hat Porträtfotos von Jugendlichen mit verdeckten Gesichtern gemacht und deren persönliche Geschichten aufgeschrieben</em>“, erzählt Arina Osinovskaja, eine Aktivistin der Abbie-Hoffman- Stiftung.</p>
<p><figure id="attachment_8171" aria-describedby="caption-attachment-8171" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8171" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/4-3-1024x768.jpg" alt="Sich selbst sein Ausstellung " width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/4-3-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/4-3-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/4-3-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/4-3-800x600.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/03/4-3.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8171" class="wp-caption-text">Bei der Ausstellung &#8222;Sich selbst sein&#8220; im Bunker, eine Kunstgalerie in Almaty, im Oktober 2015.<br />Foto: <a href="https://vk.com/beyourselfinbunker?from=quick_search&amp;z=album-68143176_222305036">Arina Osinovskaya</a></figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Ausstellung sollte zunächst in Moskau stattfinden, aber sie wurde von aggressiven Homophoben gesprengt. Da haben wir uns entschieden, die Ausstellung in Almaty durchzuführen. Zuerst haben wir Fotos und Geschichten ausgedruckt und sie in der ganzen Stadt plakatiert. Dann, nach einer Woche, haben wir die Reaktion der Leute auf diese Fotos dokumentiert. Es gibt sogar ein Video, wie Leute versucht haben, uns anzugreifen und die Materialien wegzunehmen. Und das alles haben wir in der Ausstellung gezeigt.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Die Ausstellung fand zunächst am 17. Mai 2015 statt – am „Tag gegen Homophobie“ und wurde erneut am 11. Oktober desselben Jahres gezeigt, am Internationalen „Coming-Out-Tag“. Den Fotos nach zu urteilen war die Ausstellung gut besucht. Viele Menschen kamen im Anschluss zu den Organisatoren und bedankten sich.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die homophoben Reaktionen unserer Mitbürger haben wunderbar gezeigt, dass dieses Problem in der Gesellschaft hochaktuell ist. Es zu verschweigen führt zu nichts Gutem</em>“, meint Arina Osinovskaja.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Und zur gleichen Zeit hat die große Besucherzahl gezeigt, dass es hier viel zu wenige Projekte dieser Art gibt. Das Publikum wollte fremde Geschichten hören aber auch sich selbst darin wiedererkennen. Sich wiedererkennen in der hier beschriebenen Diskriminierung, der ständigen Angst vor gewalttätigen Übergriffen und der Bedrohung des eigenen Lebens. Und es gibt einen riesigen Wunsch, irgendwo einfach offen über diese Dinge zu reden und keine Angst haben zu müssen, ‚ich selbst‘ zu sein. LGBT-Jugendliche sind dabei, eine der am wenigsten geschützten und beachteten Bevölkerungsgruppen zu werden, deren Existenz und Probleme von allen geleugnet werden. Aber es gibt sie. Und sie verdienen es, gehört zu werden. Die Ausstellung ist unsere bürgerliche Solidarität mit ihnen.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Reportage hat euch gefallen? Nächsten Freitag erscheint der zweite Teil.</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Marina Michtajewa<br />
<a href="http://theopenasia.net/articles/detail/my-sushchestvuem-lgbt-podrostki-v-kazakhstane/">OpenAsia</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem russischen übersetzt von Manuel Rommel</strong></p>
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		<title>LGBT-Aktivist Georgy Mamedov erhält französischen Orden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dariyak]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Mar 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Interview mit dem Aktivisten Georgy Mamedov in Bischkek.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Georgy Mamedov, Intellektueller und Verfechter der LGBT-Bewegung in Kirgistan, wurde für seine Arbeit vom Kultusministerium Frankreichs ausgezeichnet. Mit Novastan hat er über die soziokulturelle Situation in Kirgistan und die Arbeit seiner Organisation gesprochen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Überraschung war perfekt, als Georgy Mamedov, Artdirector der Schule für Aktivismus und Theorie in Bischkek (STAB), erfuhr, dass ihn das französische Kultusministerium zum „Chevalier de l&#8217;Ordre des Arts et des Lettres“ ernannt hatte. Georgy selbst weiß nicht, wie es zu der Entscheidung kam, ihm den Ehrenorden zu verleihen, das Ministerium hat dazu keine Auskünfte gegeben. Gleichviel, er ist stolz. Das von Fleur Pellerin, der Kultusministerin, unterzeichnete Diplom, hat er eingerahmt.</p>
<p style="text-align: justify">STAB hat sich seit der Gründung vor vier Jahren in Bischkek etabliert und große Erfolge verbucht. Mit der Unterstützung diverser Stiftungen arbeitet STAB vor allem im Bereich zeitgenössischer Kunst und Menschenrechtsschutz, insbesondere der Rechte von LGBT.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Georgy, was war Ihre Reaktion als Sie den Orden erhalten haben?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Ich hatte das überhaupt nicht erwartet. Ich weiß nicht, nach welchen Regeln der Orden vergeben wird. Ich hoffe nur, dass ich ihn nicht dem Zufall verdanke oder man mich mit jemandem verwechselt hat. Vor längerer Zeit habe ich zwar das von Frankreich unterstütze Kulturzentrum Bactria in Duschanbe geleitet, aber meine Arbeit dort hatte nichts mit der französischen Kultur zu tun. Es stimmt allerdings, dass ich mich sehr für die französische Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts interessiere.</p>
<p style="text-align: justify">Auch wenn die französische Philosophie in Kirgistan kein besonders prominentes Thema ist, stellt das kritische Denken im Frankreichs des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Teil unserer Kultur dar und die Arbeiten der Philosophen haben einen großen Einfluss auf das heutige kritische Denken. STAB als Vereinigung wirkt aktiv an der Gestaltung einer kritischen Kultur mit, wir beziehen uns oft auf Texte dieser Autoren, sei es im Rahmen von Seminaren oder in unseren Forschungsarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was ist das <a href="http://www.en.art-initiatives.org/?page_id=6830">„Manifest des queeren Kommunismus“</a>, das auf der STAB-Website veröffentlicht ist?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Das Manifest steht für eine Gesellschaft, die nicht mehr auf der Trennung nach sozialen Klassen, dem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung beruht, eine Gesellschaft, in der absolute Gleichheit herrscht. In unserer heutigen Gesellschaft sind Frauen die häufigsten Opfer von Gewalt und Erniedrigung. Zu vielen Berufen haben sie keinen Zugang, man gibt ihnen nicht die Wahl. Wenn ein Beruf zu riskant für eine Frau ist, warum ist er das nicht auch für einen Mann? Die ganze Welt, alle Gender, sollten sich vereinigen, damit niemand in Tätigkeiten ausüben muss, die unsere Gesundheit oder Leben gefährden.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie hier in Kirgistan?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Kirgistan ist ein offenes Land, in dem wir sehr einfach arbeiten können. Leider wird die Staatsmacht immer autoritärer, doch das breite zivile Engagement und der politische Protest, sowie einige nach der Revolution 2010 geschaffene demokratische Institutionen ermöglichen es, sich dem entgegenzustellen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Verstehen Sie sich als die Erben dieser Revolution?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Wir haben nichts mit der Revolution von 2010 zu tun, aber wir fühlen uns diesem Volksaufstand nahe. Kirgistan ist das einzige Land auf der Welt, das weiterhin an jedem 7. November (der 25. Oktober nach dem julianischen Kalender, Anm. d. Red.) die Große Sozialistische Oktoberrevolution feiert. Das zeigt, dass Kirgistan ein demokratisches Land ist, andernfalls wären die zwei Revolutionen und der Umsturz der Regierung unmöglich gewesen. Die Oktoberrevolution erinnert die Menschen daran, dass man sein Schicksal in die Hand nehmen kann, dass man ein bestehendes Regime in Frage stellen und auf ein besseres Leben hoffen kann. Und wenn die Staatsgewalt dem Volk diese Hoffnung nimmt, ist es in der Lage, diese zu stürzen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was denken Sie über die Entwicklung der Kunst in Kirgistan?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Das ist schwer zu sagen. Um ein Beispiel zu geben: die Akademie der Schönen Künste bildet jedes Jahr ungefähr 50 Architekten aus. Aber wenn man sich die Architektur in Bischkek ansieht kann man sich fragen, ob das eine gute oder schlechte Sache ist. Der Bau des <a href="https://novastan.org/articles/die-amerikanische-universitt-zentralasiens-feiert-ihr-neues-gesicht">neuen Campus der Amerikanischen Universität (AUCA</a>) – das größte Projekt der letzten Jahre – wurde von einem amerikanischen Architekten umgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify">Lange war es unmöglich, mit Diplomen aus der Zeit der Sowjetunion eine Arbeit zu finden. Was in den 90er Jahren passiert ist, hat die Bevölkerung überrascht und schockiert. Zu Beginn der 2000er war es die liberale Utopie, die dominiert hat. Die Leute hatten das Gefühl, dass alle Schwierigkeiten, denen sie sich hatten stellen müssen, ihre Wünsche und ihre Leben vergeblich waren. Sie haben eine falsche Richtung eingeschlagen, im Austausch für das Versprechen einer Welt der Freude, des kapitalistischen Reichtums und des Wohlstands, der Zugehörigkeit zu einer zivilisierten Welt.</p>
<p style="text-align: justify">Aber diese Hoffnungen sind verschwunden. Man hat ihr Streben und ihre Identität in Frage gestellt, ohne etwas im Gegenzug zu bieten.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Und die Demokratie? Die <a href="https://novastan.org/articles/kirgistan-ergebnisse-einer-auergewhnlichen-parlamentswahl">letzten kirgisischen Wahlen</a> scheinen transparent abgelaufen zu sein&#8230;</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Ja, die Wahlen waren relativ demokratisch. Aber trotz der vielen politischen Parteien, die angetreten sind, gibt es in Kirgistan keinen wahren Pluralismus. Die Parteien an der Macht sind alle konservativ und nationalistisch. Wir haben an einer Kampagne gegen das homophobe Gesetzesvorhaben teilgenommen, das dem Parlament vorlag und von allen großen Parteien unterstützt wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Auch auf Novastan<em>: <a href="https://novastan.org/articles/kirgistan-bereitet-gesetz-gegen-homosexuelle-propaganda-vor">Kirgistan bereitet Gesetz gegen homosexuelle Propaganda vor</a></em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Stellen die Gruppen, welche das Gesetz unterstützen, für Sie eine echte Bedrohung war?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Alle aggressiven und xenophoben Gruppen sind natürlich eine Bedrohung für die Gesellschaft. Sie zögern nicht, ihre homophoben, nationalistischen und sexistischen Meinungen offen kundzutun. Aber sie sind Minderheiten. Wenn die schweigende Mehrheit diese Gruppen auch nicht unterstützt, so missbilligt sie sie auch nicht. Niemand ist bereit, ihnen ideologisch und politisch zu widersprechen. Die Menschen können ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen, das ist ihr Recht, aber die Frage ist, was ihre Argumente sind. Sie haben das Recht für ihre Werte zu kämpfen. Aber man muss auch wissen, welche Werte in einer bestimmten Gesellschaft dominieren.</p>
<p style="text-align: justify">Am Ende unseres Treffen spricht Georgy mit uns über die Konferenz des Therapeuten und Schriftstellers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Gray_(Therapeut)">John Gray</a>, Autor des Beststellers „Männer sind vom Mars, Frauen sind von der Venus“, die Anfang November auf dem Campus der Amerikanischen Universität stattfand. Georgy zufolge sind die Ansichten des Starautors offen sexistisch. Um ihen Unmut zu zeigen, betraten die STAB-Aktivisten während der Konferenz den Saal betreten und entrollten Banner mit der Aufschrift „Die Erde ist empört über Pseudowissenschaft und Sexismus“, was dem Gastredner offensichtlich missfiel. Kurz darauf wurde das Banner von Sicherheitskräften entzwei gerissen.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><em><strong>Dariya Kulova, Journalistin in Bischkek</strong></em></p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Aus dem Französischen übersetzt von Luisa Podsadny</strong></em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Junge Aktivistinnen in Kirgistan: Die Gleichheit als Leidenschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aijani]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kirgistan sind 8 von 10 Frauen Opfer von h&#xE4;uslicher Gewalt. Eine junge Aktivistinnengruppe arbeitet daran, auf die Rechte der Frauen aufmerksam zu machen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Welche Rechte haben Frauen? Wie steht es um die Gleichheit von Männern und Frauen in Kirgistan? In einem Land, in dem </strong></em><u><a href="https://www.youtube.com/watch?v=_HNkfsearrA#t=17"><em><strong>8 von 10 Frauen</strong></em></a></u><em><strong> Opfer von häuslicher Gewalt sind und die Wörter &#8222;Haus&#8220; und &#8222;Frau&#8220; wie selbstverständlich zusammengehören, bleiben diese Fragen oft ohne Antwort &#8211; oder gar ohne Gesprächspartner. Novastan versucht sie zu stellen.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Was bringt ein junges Mädchen dazu, ihr Kinderzimmer zu verlassen und sich für ihre Rechte einzusetzen? Der Verein <u><a href="http://devochkiaktivistki.kloop.kg/">&#8222;Aktivistenmädchen Kirgistans&#8220;</a></u> besteht aus sehr jungen Aktivistinnen. Es scheint, der Ernst des Lebens beginnt früh in Kirgistan.</p>
<p style="text-align: justify">Der Verein wurde 2013 mit der Unterstützung des <a href="http://bishkekfeminists.org/">F<u>eministischen Kollektivs Bischkeks</u></a> gegründet. &#8222;Es gab zuerst ein Camp für die Mädchen, das von den Peace Corps und der Feministischen Initiative Bischkeks organisiert wurde. So habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren&#8220;, erzählt Darija, eine der Aktivistinnen . &#8222;Danach haben wir uns einmal in der Woche getroffen, um darüber gemeinsam nachzudenken&#8220;. Darija und ihre Freundinnen verstanden sehr schnell, wie wichtig und dringend es ist, das Projekt in offiziellem Rahmen umzusetzen. &#8222;Wir mussten einen Verein gründen, um über uns zu reden und die Gesellschaft auf uns aufmerksam zu machen.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">Geschlechtergleichheit ist auf der ganzen Welt ein aktuelles Thema, nicht nur in den zentralasiatischen Ländern. Doch hier, wo sich das Verständnis dieser Gleichheit oft noch durchsetzen muss, ist das Problem besonders prägnant. Die ganze Gesellschaft macht den Eindruck, nach Geschlechtern geteilt zu sein.</p>
<p style="text-align: justify">Das betrifft natürlich an erster Stelle die Arbeitswelt. Einige Berufe seien nunmal eher für Männer geeignet und andere für Frauen, heißt es. Dabei können letztere diese auch nur ausüben, wenn es ihnen erlaubt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Auf der Anklagebank sitzen akute Bildungs- und vor allem Informationsmängel in manchen Regionen Kirgistans. Daher rühren auch die zahlreichen Missbrauchsfälle, körperliche wie psychologische, die so selten kritisiert, verurteilt und bestraft werden.</p>
<p style="text-align: justify">Dafür gibt es eine Lösung: mit Waffen, also Wörtern, gegen Klischees anzugehen, in der Hoffnung, diese Ungleichheiten zu beseitigen. In diesem Kontext wurden in den letzten Jahren mehrere Organisationen gegründet, die sich für die oft gebrochenen und häufig verschwiegenen Frauenrechte einsetzen. &#8222;Aktivistenmädchen Kirgistans&#8220; ist dabei eher untypisch, der Verein wird von jungen 13- bis 17-jährigen Jugendlichen verwaltet. Ihr Ziel? Gleiche Rechte für Frauen und Männer fördern, für eine Welt ohne Gewalt, Diskriminierung und Grausamkeit.</p>
<p style="text-align: justify">[youtube https://www.youtube.com/watch?v=u9lhbaTJ1gA]</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Unser Hauptziel ist es, jungen Mädchen ihre Rechte zu erklären und ihnen zu zeigen, wie man diese verteidigt. Ein Mensch der seine Rechte nicht kennt ist schwach, er ist jeder äußerlichen Gewalt ausgesetzt&#8220;, erklärt Darija. Diese empörte und erbitterte Verfechterin der Menschenrechte verpasst keine Gelegenheit, bei verschiedenen Veranstaltungen zu dem Thema ihre Meinung kundzutun. Dabei ist sie noch ein Kind.</p>
<p style="text-align: justify">Mit ihren 16 Jahren engagiert sich Darija bereits seit zwei Jahren in der Organisation, die sie mitgegründet hat. Sie studiert in der Schule N.13, in der elften Klassen (die letzte in dem lokalen Schulsystem, Anm. d. Red.). Trotz ihres jungen Alters setzt sie sich mit Leidenschaft mit ernsten politischen und sozialen Problemen auseinander, während Gleichaltrige die Augen nicht vom Fernseher lösen können.</p>
<p style="text-align: justify">Diese noch jugendlichen Aktivistinnen nehmen wo immer möglich an Kampagnen teil, die auf Menschenrechte aufmerksam machen, an Konferenzen und Foren. Für sie ist es das Wichtigste, gehört zu werden. Sie kommen aus verschiedenen Städten, Regionen und Dörfern aus allen Ecken Kirgistans. In Bischkek haben sie ihr Hauptquartier. Dort diskutieren sie über ihre Probleme und geben der Veränderung ihre Stimme. Es ist ein kleines graues Haus, recht banal, doch es ist schwer es zu verlassen, hat man es einmal betreten.</p>
<p style="text-align: justify">Ihre Treffen sind eher freundschaftliche Treffen, Vertrauen und Verständnis sind die Hauptsache. Zwischen zwei Lachern, manchmal auch zwei Tränen, beißen sie mir ihren noch weißen Zähnen auf ein Stück schwarze Schokolade. Diese Atmosphäre trägt sicherlich zu dem Erfolg des Projektes bei.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein deutlicher Mangel an Information auf den Dörfern </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Problematik der Frauenrechte ist in den Dörfern Kirgistans besonders akut. Hier, weit weg von der großen Welt und den Schulen, mangelt es jungen Frauen systematisch an Information über ihre Rechte. Ohne Bildung bleibt ihnen oft nur die Hochzeit, zum Teil schon mit 14-15 Jahren. Doch die Schuldigen sind weder ihre Eltern, noch ihre Religion.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist die Armut, welche die meisten Türen verschließt. Die Hochschulausbildung ist kostenpflichtig und oft sehr teuer in Kirgistan. Studenten müssen <u><a href="http://education.stateuniversity.com/pages/798/Kyrgyzstan-HIGHER-EDUCATION.html">bis zu 2000 Dollar</a></u> im Jahr zahlen, für die Amerikanische Universität, die beste des Landes, sind es 5500 Dollar. Und das bei einem Durchschnittslohn von <u><a href="http://kabar.kg/rus/economics/full/67336">214 Dollar</a></u>.</p>
<p style="text-align: justify">An zweiter Stelle stehen der Mangel an Kommunikation und die mangelnde Information der Bevölkerung. Mit letzterem beschäftigt sich Darijas Organisation.</p>
<p style="text-align: justify">2013 nahmen sie an dem Forum &#8222;Gemeinsam&#8220; teil und stellten dort ihre Forderungen. &#8222;Wir brauchen Schulbücher über Frauen: Politikerinnen, Wirtschaftswissenschaftlerinnen, Naturschützerinnen, Aktivistinnen. Unsere Mütter brauchen Kindergärten, in denen ihre Kinder betreut werden (die Schule beginnt erst mit 7, Anm. d. Red.). Wir müssen uns auf unser Studium konzentrieren können, nicht auf den Haushalt. Es werden gute Bibliotheken und Computer benötigt, die für alle zugänglich sind. Wir wollen eine gute Ausbildung erhalten!&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Entscheidet und redet nicht über uns in unserer Abwesenheit: wir sind hier und können alles selbst sagen!&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">[youtube https://www.youtube.com/watch?v=P_-cfpkGj4A]</p>
<p style="text-align: justify">Auf die Frage, was sie zu ihrem Engagement motiviere, antwortet Darija: &#8222;Vor allem der Wunsch, zu helfen. Als Vertreterin dieses Teils der Gesellschaft, also der 16-jährigen Mädchen, kenne ich selbst die Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify">Mit 14 nahm Darija an einer Konferenz über &#8222;Die Rechte von Mädchen, ihre Gesundheit und Gewalt gegen sie&#8220; in Almaty teil. Das schon damals rebellierende Mädchen erinnert sich: &#8222;Als ich ankam, bemerkte ich, dass ich das einzige Mädchen bei dieser Konferenz über Mädchen war. Ich habe die Frage gestellt, warum hier nur ein einziges Mädchen sei? Ich glaube, wir kennen unsere Probleme besser und wissen besser, wie man sie lösen kann.&#8220; Als Antwort: Gelächter, noch verletzender als Worte. &#8222;Das Hauptproblem dort war die herablassende Haltung der Männer unserem jungen Alter gegenüber. Jetzt wo ich 16 bin ist es schon einfacher&#8220;, setzt sie nach.</p>
<p style="text-align: justify">Informieren, sprechen, aus dem Schatten und dem Schweigen treten. Sie wehren sich, <u><a href="http://devochkiaktivistki.kloop.kg/about/">verurteilen</a></u> eine Gesellschaft ohne Hoffnung. &#8222;Wir bleiben alle still. Wir leben in einer Gesellschaft, in der eine frühe Heirat ein Erfolg ist. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Gewalt etwas Normales ist.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">Auf ihrem Blog findet man Videos, Aussagen, Erzählungen und Informationen, dank derer die Leben einiger junger Mädchen vielleicht einen anderen Weg einschlagen können.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Aijan Igemberdieva</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen übersetzt von<br />
Florian Coppenrath und Luisa Podsadny</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kirgistan bereitet Gesetz gegen homosexuelle Propaganda vor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das kirgisische Parlament hat einen Gesetzesentwurf zu der Propaganda &#34;nicht-traditioneller sexueller Beziehungen&#34; registriert.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">Wer in Kirgistan öffentlich eine positive Meinung über sogenannte „nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ ausspricht, könnte schon bald mit Geld- und Haftstrafen rechnen. Wie Kloop.kg am Mittwoch <u><a href="http://kloop.kg/blog/2014/04/16/zakonoproekt-ob-lgbt-zaregistrirovan-v-parlamente/">berichtete</a></u>, wurde im kirgisischen Parlament am 15. April ein Gesetzesentwurf eingebracht, der die „Bildung eines positiven Verhältnisses zu nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen“ unter Strafe stellt. Es ist nicht genau definiert, welche konkreten Handlungen darunter fallen, als Beispiele wurden jedoch „Sodomie“ und „Lesbianismus“ genannt. Ein Verstoß gegen das Verbot würde laut Entwurf mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder mit bis zu 6000 Soms (etwa 80 Euros) bestraft. Auch Medien und Nichtregierungsorganisationen könnten sich bei einem Verstoß gegen das Gesetz strafbar machen.</p>
<p style="text-align: justify">Der Gesetzesentwurf steht bereits seit März zur Diskussion. Einer der Urheber, der Abgeordnete Torobaj Sullukarow, hatte unmittelbar nach einer Demonstration gegen „Schwulen-Propaganda“ <u><a href="http://kloop.kg/blog/2014/03/12/vitse-spiker-poobeshhal-ogranichit-rasprostranenie-gomoseksualizma/">erklärt</a></u>, dass es darum ginge, die Verbreitung von Homosexualität im Land aufzuhalten: „Homosexualität ist ein ganz fremdes Phänomen für unsere Traditionen und Bräuche und widerspricht der menschlichen Natur“. Kurmanbek Dyjkanbajew, ein weiterer Initiator, bemerkte im Gespräch mit der Tageszeitung <u><a href="http://www.vb.kg/doc/269396_depytat:_zapret_gey_propagandy_ne_yshemliaet_prava_grajdan.html">Vetschernij Bischkek,</a></u> dass ein solches Gesetz nicht gegen Bürgerrechte verstoßen würde, sondern dem „Schutz der familiären Werte in Kirgistan, wo die Institution der Familie noch stark verankert ist“ diene. Insbesondere Kinder müssten vor dem Einfluss homosexueller Propaganda geschützt werden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Homophobes Klima</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dabei galt Kirgistan lange als eine „liberale Insel“ inmitten anderer sehr konservativer und autoritärer Staaten Zentralasiens. Homosexualität ist in Kirgistan seit dem Ende der 1990er nicht mehr strafbar. Vor einer Woche noch hat die Parlamentarische Versammlung des Europarates dem kirgisischen Parlament den Status einer „Partnerschaft für Demokratie“ <u><a href="https://www.hrw.org/news/2014/04/15/dispatches-kyrgyzstan-picks-homophobic-bill-over-europe-ties">verliehen,</a></u> was eine gewisse Anerkennung für die Fortschritte Kirgistans in Sachen Demokratie bedeutet, und zu einer verstärkten Kooperation zwischen den zwei Institutionen führen soll. In der entsprechenden <u><a href="http://www.assembly.coe.int/nw/xml/XRef/X2H-Xref-ViewPDF.asp?FileID=20747&amp;lang=en">Erklärung</a></u> der parlamentarischen Versammlung wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass der Gesetzesentwurf über „homosexuelle Propaganda“ nicht angenommen werden sollte.</p>
<p style="text-align: justify">Der spürbare Anstieg homophober Handlungen und Erklärungen in Kirgistan spiegelte sich auch in einem <u><a href="https://www.hrw.org/news/2014/01/28/kyrgyzstan-police-abuse-extortion-gay-men">Bericht zu gezielter Polizeigewalt gegen schwule Männer</a></u> wider. Ende Januar machte das Bischkeker Büro der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch auf mehrere gewaltsame Angriffe &#8211; teilweise unter den Augen von Polizisten &#8211; <a href="http://www.hrw.org/news/2014/04/06/kyrgyzstan-backsliding-rights">aufmerksam</a>. Opfer waren Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und Personen, die für den Bericht ausgesagt hatten.</p>
<p style="text-align: justify"><u><a href="http://rus.azattyk.org/content/homophobia-as-a-national-policy-in-kg-/25280182.html">Laut der Aktivistin Alina Alymkulowa</a></u> sind die Rechte von LGBT (Kürzel für <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lesbe">Lesben</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwul">Schwule</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bisexualität">Bisexuelle </a>und Transgender) in der Bevölkerung ein polarisierendes Thema, das mancherorts auch Hass erzeugt. So wurde etwa ein Koran-Zitat, das zu Gewalt gegenüber Anhängern der Sünde des <a href="http://www.islam-pedia.de/index.php5?title=Lot_(Lut)"><u>Volk</u><u>e</u><u>s Luts</u></a><strong> –</strong> damit sind Homosexuelle gemeint &#8211; in sozialen Netzwerken aufruft. Dieses Zitat wurde auch vom Mufti, dem staatlichen Oberhaupt des kirgisischen Islam, zitiert.</p>
<p style="text-align: justify">Wie Kloop.kg bemerkt, hat die Einführung des Gesetzesentwurfs Ende März trotz verschiedener Ankündigungen nicht zu einem Dialog zwischen Vertretern gesellschaftlicher Organisationen und den Abgeordneten geführt. Meinungsartikel in der heutigen Ausgabe von Vetschernij Bischkek zeigen jedoch, dass mit der Registrierung des Gesetzentwurfes im Parlament die Debatte über homosexuelle Propaganda endgültig in der Gesellschaft angekommen ist. Nach einer ersten Diskussion in den zuständigen Parlamentskommissionen wird das Parlament in drei Lesungen über den Gesetzesentwurf abstimmen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Steigender Einfluss Russlands</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der neue Gesetzesentwurf in Kirgistan erinnert an das Gesetz gegen homosexuelle Propaganda gegenüber Minderjährigen, das voriges Jahr in Russland in Kraft getreten ist. Für die wachsende homophobe Atmosphäre in Kirgistan werden deshalb vor alle Russische Medien verantwortlich gemacht. Obwohl das Strafmaß in Kirgistan geringer ist, ist das strafbare Handlungsspektrum breiter definiert. Die Zielgruppe für die vermeintliche Propaganda ist in Kirgistan nicht wie in Russland auf Minderjährige beschränkt.</p>
<p style="text-align: justify">Dazu zitiert <u><a href="http://www.eurasianet.org/node/68280">Eurasianet.org</a></u> den Stabschef der ehemaligen Interimsregierung, Edil Baisalow: „Ich könnte wetten, dass der durchschnittliche Kirgistani jährlich mehr Produkte der russischen Propaganda konsumiert, als der durchschnittliche Tatar, Tschetschene oder Jakute“. Das könnte bedeuten, dass manche kirgisischen Abgeordneten „die Unabhängigkeit satt haben“ und deshalb mit großem Eifer russische Gesetze kopieren. Noch nicht angenommen, aber geplant ist auch ein <u><a href="http://www.hrw.org/news/2013/12/05/kyrgyzstan-reject-foreign-agents-law">Gesetz</a></u> zur Registrierung von „Fremden Agenten“, das stark dem in Russland ähnelt.</p>
<p style="text-align: justify">Jetzt wo der amerikanische Militärstützpunkt bei Bischkek endgültig geschlossen wird, scheint Russland seine Präsenz in Kirgistan zu verstärken. Wie <u><a href="https://magazin.spiegel.de/digital/index_SP.html#SP/2014/15/126427251">der Spiegel</a></u> diese Woche berichtet, hat Präsident Almasbek Atambajew trotz eines zögerlichen Parlaments versprochen, Kirgistan auch in die Zollunion mit Russland, Kasachstan und Belarus zu führen. Außerdem hat Gazprom seit der <u><a href="http://en.ria.ru/business/20131211/185461731/Russias-Gazprom-Takes-Over-Gas-Monopoly-in-Kyrgyzstan-for-1.html">Übernahme</a></u> des stark verschuldeten Kyrgyzgaz-Konzerns im Dezember 2013 das Monopol über den kirgisischen Gassektor inne.</p>
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<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von Novastan.org</strong></p>
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