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	<title>Konflikt Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Wed, 25 Feb 2026 18:02:37 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Konflikt Archives</title>
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		<title>Die OVKS startet ein Programm für Waffenlieferungen nach Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Feb 2026 18:02:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an der afghanischen Grenze hat die Organisation des Vertrags &#xFC;ber kollektive Sicherheit (OVKS) Waffenlieferungen nach Tadschikistan aufgenommen und somit die zentrale Rolle des Landes in der regionalen Sicherheitsarchitektur best&#xE4;tigt. &#xDC;ber die milit&#xE4;rische Unterst&#xFC;tzung hinaus spiegelt dieser Schritt eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf ihre s&#xFC;dliche Flanke in Zentralasien wider. Als &#x201E;Friedhof [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an der afghanischen Grenze hat die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) Waffenlieferungen nach Tadschikistan aufgenommen und somit die zentrale Rolle des Landes in der regionalen Sicherheitsarchitektur bestätigt. Über die militärische Unterstützung hinaus spiegelt dieser Schritt eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf ihre südliche Flanke in Zentralasien wider.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als „Friedhof der Imperien“ bleibt Afghanistan für seine Nachbarn ein Faktor chronischer Instabilität. An seiner Nordgrenze steht Tadschikistan seit mehreren Jahren im Mittelpunkt der regionalen Sicherheitsbedenken. Vor diesem Hintergrund hat die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit</a> (OVKS) die Einleitung eines Programms zur Lieferung von Waffen nach Duschanbe bestätigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Hilfe ist <a href="https://eurasianet.org/mounting-worries-on-tajik-afghan-border-prompt-csto-action">laut Eurasianet</a> Teil einer umfassenderen Dynamik. In den letzten Wochen haben der russische Außenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Lawrow">Sergej Lawrow</a> und der neue Generalsekretär der OVKS <a href="https://en.odkb-csto.org/structure/masadykov-taalatbek-shamudinovich.php">Taalatbek Masadykow</a> die zentrale Rolle Zentralasiens in der aktuellen Doktrin der Organisation <a href="https://www.aa.com.tr/en/asia-pacific/lavrov-says-central-asia-afghanistan-central-problems-for-collective-security-treaty-organization/3817845">hervorgehoben</a> und betont, dass die mit der Instabilität in Afghanistan verbundenen Risiken eingedämmt werden müssen. Auch wenn nur wenige Details über die genaue Art der gelieferten Ausrüstung bekannt gegeben wurden, ist das politische Signal klar: Tadschikistan wird zum wichtigsten Ankerpunkt des Sicherheitssystems der OVKS.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Waffenlieferungen als Zeichen wachsender Sicherheitsbedenken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherheitslage verdeutlicht die Logik dieser Verstärkung. Tadschikistan teilt eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze mit Afghanistan. Diese zeiht sich entlang einer schwer kontrollierbaren Bergkette, die von den regionalen Behörden regelmäßig als anfällig für Infiltrationen, Schmuggel und Aktivitäten bewaffneter Gruppen beschrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Grenze, die aus den anglo-russischen Abkommen von 1895 hervorgegangen ist und dem Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pandsch</a> und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a> folgt, wird zudem von Kabul weiterhin angefochten. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 ist sie zu einem Schwerpunkt für Moskau und die OVKS geworden, die eine fortschreitende Destabilisierung der Südflanke des postsowjetischen Raums verhindern wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der strategischen Bedeutung der angekündigten Maßnahme wurden nur wenige Details darüber veröffentlicht. Die Behörden machten weder Angaben zur genauen Art der betroffenen Ausrüstung noch zu deren Umfang, Zeitplan oder finanziellen Modalitäten. Diese Undurchsichtigkeit, die im militärischen Bereich und noch mehr innerhalb der OVKS häufig anzutreffen ist, unterstreicht jedoch die Sensibilität des Themas und den Wunsch, angesichts eines instabilen regionalen Umfelds politischen und strategischen Spielraum zu bewahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/vier-jahre-fuer-19-minuten-die-geschichte-von-aigerim-tleujanova-aktivistin-des-qantar/">Vier Jahre für 19 Minuten: Die Geschichte von Aıgerim Tleujanova, Aktivistin des Qantar</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zusammenhang erscheint die militärische Hilfe nicht bloss als einfache Geste der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten, sondern vielmehr als Instrument der präventiven Stabilisierung. Durch die Stärkung von Tadschikistans Kapazitäten versucht die OVKS in erster Linie, das als am stärksten gefährdet geltende Glied ihres regionalen Systems zu konsolidieren. Hierbei werden aber eher Risiken antizipiert als auf eine offene Krise zu reagiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Dreh- und Angelpunkt der „Südfront” </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Zwischenfälle an der tadschikisch-afghanischen Grenze veranschaulichen die kollektive Dimension der Sicherheitsprobleme, mit denen die OVKS konfrontiert ist. Laut <a href="https://timesca.com/tajik-border-troops-kill-three-afghans-suspected-of-opium-smuggling/">The Times of Central Asia</a> haben tadschikische Grenzsoldaten am 29. Januar im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shamsiddin_Shohin_District">Bezirk Schamsiddin Schochin</a> fünf afghanische Staatsangehörige aufgegriffen, die des Opiumschmuggels verdächtigt wurden. Drei von ihnen wurden bei einem Fluchtversuch getötet. Vor Ort beschlagnahmten die Sicherheitskräfte drei Kalaschnikow-Sturmgewehre, etwa 150 Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers sowie 73 Pakete Haschisch und Opium. Außerdem wurde ein Boot entdeckt, das zum Überqueren des Grenzflusses bestimmt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/mit-wem-hat-tadschikistan-freihandelsabkommen/">Mit wem hat Tadschikistan Freihandelsabkommen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Drogenhandel und der Waffenhandel aus Afghanistan versorgen seit Jahren Netzwerke, die über Zentralasien nach Russland führen, wodurch die tadschikisch-afghanische Grenze zu einem direkten Kontaktpunkt zwischen lokalen Bedrohungen und dem kollektiven Sicherheitsraum der Organisation wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Konstellation spielt Tadschikistan eine Rolle als Pufferstaat, dessen Stabilität jene des gesamten regionalen Systems bedingt. Eine anhaltende Verschlechterung der Lage im Süden wäre nicht nur eine bilaterale Herausforderung, sondern könnte auch eine Kettenreaktion auslösen: eine Zunahme illegaler Ströme in die Nachbarstaaten, einen erhöhten Druck auf die Kontrollkapazitäten der OVKS-Mitglieder und letztlich eine Schwächung der Glaubwürdigkeit der kollektiven Sicherheit selbst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Strategische Rückkehr der OVKS in Zentralasien?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Lieferungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, zu dem die OVKS versucht, ihren Platz in der eurasischen Sicherheitsarchitektur neu zu definieren. Seit 2022 wurde die Organisation durch mehrere Krisen geschwächt. Insbesondere im Südkaukasus war sie unfähig, den Erwartungen Armeniens während der beiden Kriege um Bergkarabach gegen Aserbaidschan gerecht zu werden, was heftige Kritik an ihrer Effizienz und ihrem Zusammenhalt hervorrief. Jerewan hat seitdem seine Teilnahme an der Organisation eingefroren und unterstützt de facto keine Entscheidung der OVKS.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-nutzt-interpol-um-oppositionelle-im-ausland-aufzuspueren/">Tadschikistan nutzt Interpol, um Oppositionelle im Ausland aufzuspüren</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund scheint Zentralasien ein konsensfähigeres Terrain zu sein, um die Relevanz der OVKS zu bekräftigen. Die Mitgliedstaaten teilen eine relativ übereinstimmende Wahrnehmung der Risiken, die mit der Instabilität in Afghanistan verbunden sind, sei es in Bezug auf illegalen Handel, Waffenverkehr oder diffuse Sicherheitsbedrohungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Neuausrichtung zielt darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit wiederherzustellen und den russischen Einfluss in einer Region zu festigen, die durch einen verstärkten Wettbewerb externer Akteure, insbesondere Chinas, der Türkei und der Europäischen Union, gekennzeichnet ist. Auch wenn eine Waffenlieferung nicht ausreicht, um eine Doktrin der kollektiven Sicherheit zu definieren, sendet sie doch eine klare Botschaft: Die Organisation will weiterhin ein strukturierender Akteur für die regionale Sicherheit in Zentralasien bleiben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/lotsc-lance-un-programme-de-livraison-darmes-au-tadjikistan/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Gemeinsam gegen den Westen – Warum China und Russland in Zentralasien nicht konkurrieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kloop]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jun 2024 13:58:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es hat den Anschein, als habe Moskau in Zentralasien seine Stellung eingeb&#xFC;&#xDF;t und Peking die Vorherrschaft &#xFC;bernommen. Doch dem sei nicht so, befindet Temur Umarov, Fellow am Russia Eurasia Center des Carnegie Endowment for International Peace. Der Grund liege vor allem darin, dass es f&#xFC;r die f&#xFC;nf L&#xE4;nder der Region nicht vorteilhaft sei, wenn ein [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Es hat den Anschein, als habe Moskau in Zentralasien seine Stellung eingebüßt und Peking die Vorherrschaft übernommen. Doch dem sei nicht so, befindet Temur Umarov, Fellow am Russia Eurasia Center des Carnegie Endowment for International Peace. Der Grund liege vor allem darin, dass es für die fünf Länder der Region nicht vorteilhaft sei, wenn ein einflussreicher Nachbar den anderen verdränge.</strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Text ist eine Zusammenfassung einer längeren <a href="https://carnegieendowment.org/research/2024/04/druzhba-za-vliyanie-kak-rossiya-i-kitaj-uzhivayutsya-v-centralnoj-azii?lang=ru">Analyse</a> von Temur Umarov, die ursprünglich bei Carnegie Endowment erschienen ist.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte denken, dass Russland vor allem in der Erhaltung der Sicherheit in der Region aktiv sei, während China als Haupttreiber für die wirtschaftliche Entwicklung in Zentralasien erscheint. Doch die wirtschaftlichen Beziehungen der Region mit Russland stehen denjenigen mit China in nichts nach und sind in mancher Hinsicht sogar stärker. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in den ersten Monaten des Krieges in der Ukraine sahen sich die zentralasiatischen Staaten mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Die Inflation stieg auf ein Rekordniveau und dem russischen Rubel folgend verloren auch die nationalen Währungen an Wert. Außerdem verteuerten sich Importgüter. Grund dafür sind die zahlreichen Abhängigkeitsverhältnisse der zentralasiatischen Staaten gegenüber Russland.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anhaltend wichtige Rolle Russlands in Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens beziehen die zentralasiatischen Länder viele Grundnahrungsmittel und andere Waren aus Russland, wie etwa Mehl und Zucker. Zweitens wird der Handel mit den westlichen Staaten hauptsächlich über Russland abgewickelt, da alle anderen Handelswege teurer oder länger sind. Drittens sind Kasachstan und Kirgistan Mitglieder der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion</a> (EAWU), die trotz ihrer Schwächen den Druck des chinesischen Handels und der wirtschaftlichen Expansion auf lokalen Märkten eindämmt und gleichzeitig den Zugang zu den Märkten der übrigen Mitgliedsstaaten erleichtert [Anm. d. Red.: Zu den Mitgliedern der EAWU zählen neben Kasachstan, Kirgistan und Russland auch Armenien und Belarus]. Viertens ist Russland nach wie vor Hauptdestination für Migrant:innen aus Zentralasien. China kann Russland in dieser Hinsicht nicht ersetzen und strebt dies auch nicht an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/"><strong>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere populäre Mythen über die Rollen Russlands und Chinas in der Region zweifelt Temur Umarov an. Beispielsweise wird häufig angenommen, die Volksrepublik China habe Zentralasien mit Finanzkrediten überhäuft, weshalb einige Länder nun Schwierigkeiten hätten, aus der chinesischen „Schuldenfalle“ herauszukommen. Die Gesamtverschuldung der zentralasiatischen Länder gegenüber Russland und China ist jedoch ähnlich hoch. Hinzu kommt, dass Russland und China unterschiedlichen Staaten Kredite zur Verfügung stellen. Während Moskau vor allem Geld an Kasachstan und Usbekistan leiht, ist Peking primär in Kirgistan und Tadschikistan aktiv. Auch wenn man den Zugang chinesischer und russischer Investor:innen zu den zentralasiatischen Märkten betrachtet, wird der Mythos einer chinesischen Vorherrschaft in den finanziellen Beziehungen der Region widerlegt. Von 70.000 Unternehmen mit einem ausländischen Kapitalanteil liegt der Anteil russischer Investor:innen bei 36 Prozent, während er sich auf chinesischer Seite auf lediglich 8 Prozent beläuft. Zudem hat sich Russland seit Beginn des Krieges keineswegs abgeschottet, sondern im Gegenteil Zentralasien erneut als Handelsoption erschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem ist die chinesische Volkswirtschaft weitaus weniger mit denen der zentralasiatischen Staaten verflochten als die russische. Soowohl die Staatsführungen der zentralasiatischen Länder als auch eine alternde russische Gesellschaft sind dabei von Arbeitsmigration abhängig. Krisen in Russland wirken sich somit unmittelbar auf die Region aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Mythos besagt, Peking konzentriere sich auf wirtschaftliche Beziehungen und habe Fragen der Sicherheit in Zentralasien Russland überlassen. Es ist richtig, dass Russland als einziger Staat eine rechtliche Grundlage hat, sich auf Ersuchen seiner Behörden in die internen Prozesse der Region einzumischen. Dies geschieht im Rahmen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit</a> (OVKS) und bilateraler Verträge. In Tadschikistan und Kirgistan verfügt Russland über Militärstützpunkte und im Winter 2022 unterstützte Russland Kasachstans Machthabende bei der <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/massenproteste-in-kasachstan-regierung-entlassen/">Niederschlagung der Proteste</a>. Doch auch China ist in dieser Hinsicht aktiv. Gemeinsam mit den zentralasiatischen Armeen führt es dutzende Militärübungen durch und im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachankorridor">Wachankorridor</a> an der Grenze von Tadschikistan und Afghanistan unterhält die chinesische Volksmiliz zwei Stützpunkte. Außerdem bezieht Usbekistan seit 2014 mehr Waffen von China als von Russland. Umarov geht davon aus, dass die Präsenz der Volksrepublik China im Bereich der Sicherheit in Zentralasien weiter zunehmen wird. Das hänge damit zusammen, dass Zentralasien an das Uigurische Autonome Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> grenzt und den zentralasiatischen Ländern selbst ihre große Abhängigkeit von Russland zur Last falle [Anm. d. Red.: Usbekistan grenzt als einziges zentralasiatisches Land nicht an Xinjiang.]. Des Weiteren hätte sich die russische Armee während des bereits über zwei Jahre andauernden Krieges in der Ukraine selbst diskreditiert, was Zweifel an der vorbehaltlosen russischen Sicherheitsgarantie aufkommen lasse.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Mythos geht von einer schwelenden Konkurrenz von Russland und China in Zentralasien aus. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine war häufig die Rede davon, dass China Russland aus Zentralasien verdrängen würde. Doch tatsächlich sind keine Anzeichen eines Konfliktes zwischen Moskau und Peking erkennbar. Im Gegenteil, mit jedem Jahr arbeiten die beiden Großmächte enger zusammen im Kampf gegen den „Import von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farbrevolutionen">Farbrevolutionen</a>“. Für beide Staaten liegt die Priorität darin, die Stabilität der autoritären Regime in der Region aufrechtzuerhalten und eine übermäßige Annäherung an den Westen zu verhindern. In der Zunahme der chinesischen Aktivitäten im Bereich der Sicherheit in Zentralasien sieht Moskau dabei eine Gelegenheit, sich die Verantwortung mit Peking zu teilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das offensichtlichste Beispiel für die indirekte Zusammenarbeit Russlands und Chinas in Zentralasien ist dabei die rasante Zunahme von Handelsbeziehungen beider Großmächte mit den fünf Ländern der Region. China selbst versucht, die gegen Russland verhängten Sanktionen nicht direkt zu verletzen, liefert aber bereitwillig unter Sanktion stehende Waren über Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan. Zugleich verwenden die Länder der Region im Handel mit Russland zunehmend den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Renminbi">chinesischen Renminbi</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-ressourcen-ein-neuer-raum-fuer-den-wettbewerb-der-grossmaechte/"><strong>Zentralasiens Ressourcen: Ein neuer Raum für den Wettbewerb der Großmächte?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chinesische und russische Staatsunternehmen kooperieren auch mit den zentralasiatischen Staaten. So stellt beispielsweise ein Joint Venture zwischen Kazatomprom und der China General Nuclear Power Group Brennelemente für chinesische Reaktoren aus Uran her, das mit russischer Unterstützung angereichert wurde. Zudem hat Russland in diesem Jahr seine Öllieferungen an China über Kasachstan um 40 Prozent erhöht. Peking profitiert auch von dem Gaslieferungsabkommen zwischen Russland, Kasachstan und Usbekistan, welches China eine ununterbrochene Versorgung mit Brennstoff über Zentralasien garantiert. Umarov geht davon aus, dass Peking im Laufe der Jahre immer weniger auf russische Unterstützung in der Region angewiesen sein wird und in Zentralasien zunehmend ohne Rücksicht auf Russland agieren wird. Zum jetzigen Zeitpunkt führe die Entwicklung Russlands zum Juniorpartner Chinas nicht zu einer Konfrontation in Zentralasien, sondern zu einer ausgeprägten Zusammenarbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Umarov: Zentralasiatische Staaten kein Spielball der mächtigen Nachbarländer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und schließlich, so Umarov, liegen viele Beobachter:innen falsch, wenn sie den zentralasiatischen Ländern eine subjektive Haltung absprechen. Ihnen mag es dann scheinen, dass alle wichtigen Entscheidungen über die zentralasiatischen Länder hinweg durch die großen und einflussreichen Nachbarländer getroffen würden. Tatsächlich waren die zentralasiatischen Staaten noch nie so selbstständig wie aktuell, und die Zivilgesellschaften in diesen Ländern noch nie so fordernd gegenüber ihrer jeweiligen Staatsführung, so der Experte. Selbst die stärksten pro-chinesischen oder pro-russischen Positionen, die diese Staaten einnehmen können, fußen ausschließlich auf ihren eigenen pragmatischen Interessen. So kritisieren die zentralasiatischen Länder Peking beispielsweise nicht für die Politik gegenüber den Uigur:innen, obwohl diese auch in Zentralasien zahlreich leben. Dies liegt daran, dass sie dem Westen nicht den Ball zuspielen und ihm eine Begründung liefern wollen, sich erneut in die Angelegenheiten der Region einzumischen. Auch sind die Stützpunkte der chinesischen Volksmiliz für Tadschikistan von nicht geringem Nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/repressionen-in-xinjiang-stehen-unter-milder-kritik-in-zentralasien/"><strong>Repressionen in Xinjiang stehen unter milder Kritik in Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, dass die zentralasiatischen Länder aufgrund ihrer Lage tief im eurasischen Kontinent ohne Zugang zum Meer nicht davon profitieren, wenn ein einflussreicher Nachbar den anderen verdrängen sollte. Daher versuchen alle fünf zentralasiatischen Staaten, ihre Beziehungen so weit wie möglich zu diversifizieren. Durch <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Balancing_(international_relations)">Balancing</a> zwischen verschiedenen Akteuren auf der Weltbühne sind sie in der Lage, sowohl mit einem aufstrebenden China als auch mit einem kriegstreibenden Russland umzugehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redaktion von <a href="https://kloop.kg/blog/2024/04/19/vmeste-protiv-zapada-pochemu-kitaj-i-rossiya-ne-konkuriruyut-v-tsentralnoj-azii/">Kloop</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Tadschikisch-kirgisische Grenze: Beide Seiten hoffen auf baldige Wiedereröffnung</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikisch-kirgisische-grenze-beide-seiten-hoffen-auf-baldige-wiedereroeffnung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[lmorvan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jun 2023 09:24:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die kirgisische und die tadschikische Bev&#xF6;lkerung m&#xFC;ssen sich angesichts des immer noch ungel&#xF6;sten Konflikts neu organisieren. Die Spannungen an den Grenzen haben sich in den letzten Jahren versch&#xE4;rft. Dadurch werden traditionelle Praktiken wie etwa der regelm&#xE4;&#xDF;ige Grenz&#xFC;bertritt auf dem Weg zum Basar beeintr&#xE4;chtigt. Kurz nach dem neuen Konfliktausbruch im September 2022 k&#xFC;ndigte der kirgisische Pr&#xE4;sident [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die kirgisische und die tadschikische Bevölkerung müssen sich angesichts des immer noch ungelösten Konflikts neu organisieren. Die Spannungen an den Grenzen haben sich in den letzten Jahren verschärft. Dadurch werden traditionelle Praktiken wie etwa der regelmäßige Grenzübertritt auf dem Weg zum Basar beeinträchtigt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nach dem neuen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-tadschikischer-grenzkonflikt-verschaerft-sich/">Konfliktausbruch</a> im September 2022 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=QeIMvG8vWmg&amp;t=6215s&amp;themeRefresh=1">kündigte</a> der kirgisische Präsident <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sadyr-dschaparow-der-volksfluesterer/?noredirect=de-DE">Sadyr Dschaparow</a> an, die Grenzprobleme bis Mai 2023 lösen zu wollen. Die versprochenen Lösungen sind allerdings immer noch nicht eingetroffen, berichtet das kirgisische <a href="https://kloop.kg/blog/2023/04/17/voprosy-reshayutsya-no-medlenno-sadyr-zhaparov-o-prigranichnom-voprose-s-tadzhikistanom/">Medium Kloop</a>. Der Weg zur Normalisierung ist noch lang.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In manchen Diskussionspunkten treten zwischen den Interessensparteien keine Probleme auf. Die Grenzen anderer Regionen sind jedoch schwer zu bestimmen, da sich beide Seiten auf unterschiedliche Karten stützen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beeinträchtigter Alltag</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bevölkerung, die direkt an den Grenzen lebt, leidet unter den Folgen der Meinungsverschiedenheit: Seit dem <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/was-sind-die-gruende-fuer-die-toedlichen-zusammenstoesse-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/?noredirect=de-DE">Konflikt im April 2021</a> sind die Grenzen geschlossen. Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sind unterbrochen. Dies ist für die Bevölkerung, die sich im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten immer frei bewegt hat, stark einschränkend, berichtet <a href="https://rus.ozodi.org/a/32358434.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Zweig des US-amerikanischen Medienunternehmens Radio Free Europe. Alle Wirtschaftszweige sind davon betroffen. Im Laufe der Jahre haben sich einige Bevölkerungsgruppen dazu entschieden, abzuwandern, um den Unwägbarkeiten dieses Konflikts zu entgehen, erklärt die Forscherin <a href="https://www.cairn.info/revue-l-europe-en-formation-2018-1-page-121.htm">Gulzana Kurmanalieva</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/was-sind-die-gruende-fuer-die-toedlichen-zusammenstoesse-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/?noredirect=de-DE"><strong>Was sind die Gründe für die tödlichen Zusammenstöße an der kirgisisch-tadschikischen Grenze?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen dieses Prozesses sind auf staatlicher Ebene sichtbar. Der Handel zwischen den beiden Staaten ist in den letzten zwei Jahren um etwa das 20-fache <a href="https://rus.ozodi.org/a/32358434.html">zurückgegangen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auswirkungen hat dies auf die gesamte Region. Aufgrund der geschlossenen Grenzen ist der gesamte Handelsverkehr gestört, an dem auch Staaten wie Russland und Kasachstan beteiligt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unzureichende Lösungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher konnten die vorgestellten Lösungen ihre Wirksamkeit nicht beweisen. Die Staaten führen einen <a href="https://www.cairn.info/revue-l-europe-en-formation-2018-1-page-121.htm">historischen Diskurs</a>: Tadschikistan beansprucht die Grenzen der Karten von 1924, während Kirgistan sich auf eine Karte von 1958-1959 stützt. Dadurch werden die Nahbeziehungen auf beiden Seiten der Grenze gestört. Obwohl auf den beiden Seiten der Grenze, auf eine Wiederaufnahme des Handels und der wirtschaftlichen Aktivitäten große Hoffnungen gesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulzana Kurmanalieva erklärt, dass das Bevölkerungswachstum und der Klimawandel zu einer Verknappung der verfügbaren Ressourcen führen. Dies wird das Risiko künftiger Konflikte im Grenzgebiet zusätzlich erhöhen. Beide Staaten müssen daher bereit sein, Zugeständnisse zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lucas Morvan,&nbsp;Redakteur für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/frontiere-tadjiko-kirghize-les-deux-cotes-esperent-une-reouverture-prochaine/">Französischen</a> von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Ein &#8222;eingefrorener Konflikt&#8220; an der kirgisisch-tadschikischen Grenze?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Léo Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jun 2021 07:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei einer Online-Diskussion im Mai diskutierten mehrere franz&#xF6;sische Experten &#xFC;ber die j&#xFC;ngsten Zusammenst&#xF6;&#xDF;e zwischen Tadschikistan und Kirgistan. Sie erwogen Wege, die die Beziehungen zwischen den beiden Staaten einschlagen k&#xF6;nnten. Die franz&#xF6;sische Redaktion von Novastan.org hat das Ereignis verfolgt. Vom 28. April bis zum 3. Mai f&#xFC;hrten Zusammenst&#xF6;&#xDF;e an der Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan zum [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bei einer Online-Diskussion im Mai diskutierten mehrere französische Experten über die jüngsten Zusammenstöße zwischen Tadschikistan und Kirgistan. Sie erwogen Wege, die die Beziehungen zwischen den beiden Staaten einschlagen könnten. Die französische Redaktion von Novastan.org hat das Ereignis verfolgt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 28. April bis zum 3. Mai führten <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-40-tote-bei-zusammenstoessen-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/?noredirect=de-DE">Zusammenstöße</a> an der Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan zum Tod von mehr als 50 Menschen und zu gegenseitigen Anschuldigungen. Seit dem 3. Mai hat sich die Lage jedoch mit einem Waffenstillstandsabkommen und einem angekündigten <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-und-tadschikistan-verhandeln-ueber-die-demarkation-der-gemeinsamen-grenze/">Grenzdemarkationsprogramm</a> beruhigt. Am 19. Mai widmete das Französische Institut für Zentralasienstudien in Bischkek (<a href="https://ifeac.hypotheses.org/">IFEAC</a>) dieser langanhaltenden Grenzspannungen ein Webinar.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ereignis brachte französische Zentralasienexperten, Geographen und Politikwissenschaftler zusammen. Während einige eine allmähliche Rückkehr zu einem „eingefrorenen Konflikt“ vorhersagen, weisen andere auf mögliche Verbesserungen in den tadschikisch-kirgisischen zwischenstaatlichen Beziehungen hin.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Umstrittene Fakten</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es gibt wenig Klarheit zu den Fakten, die sich ereignet haben, weil es zwei gegenseitige Diskurse gibt. Die Medien in Kirgistan berichten von Beschuldigungen der Polizei in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Batken">Batken</a></em> (kirgisische Region an der Grenze zu Tadschikistan, Anm. d. Red.)<em>, tadschikische Einwohner haben auf das kirgisische Militär geschossen. Das Staatliche Komitee für Nationale Sicherheit hat Tadschikistan beschuldigt, die Wasserversorgung mit Mörsern bombardiert und provokative Handlungen durchgeführt zu haben</em>&#8222;, sagte einer der Sprecher, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/was-sind-die-gruende-fuer-die-toedlichen-zusammenstoesse-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/">Was sind die Gründe für die tödlichen Zusammenstöße an der kirgisisch-tadschikischen Grenze?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>In Tadschikistan haben wir den gegenteiligen Diskurs</em>“, fuhr er fort. „<em>Die Kirgisischen Grenzschützer werden beschuldigt, die Feindseligkeiten begonnen zu haben. So teilte das Pressezentrum der Grenztruppen am 28. April mit, Kirgistan habe seine Bürger zu Gewalttaten und Provokationen angestiftet. Kirgisische Spezialeinheiten wurden solchen Berichten zufolge als Zivilisten getarnt gegen die tadschikische Bevölkerung eingesetzt.</em> &#8222;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das amerikanische Medium <a href="https://eurasianet.org/kyrgyzstan-spotlight-on-populist-security-chief-after-tajikistan-violence">Eurasianet anmerkte</a>, hatte Kirgistan einige Wochen vor den Ereignissen angeboten, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Woruch">Woruch</a>, eine tadschikische Enklave auf kirgisischem Gebiet, gegen gleichwertige Gebiete einzutauschen. Am 21. Februar 2020 wurde ein solcher Austausch bereits bei einem offiziellen Treffen zwischen den stellvertretenden Premierministern der beiden Länder <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kann-ein-gebietsaustausch-den-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-beilegen/">erwogen</a>, aber nicht weiter verfolgt. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine geografische Ausweitung des Konflikts</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Eine Besonderheit des Konflikts war seine geografische Ausdehnung.</em> <em>[&#8230;] Er hat sich über einen großen Teil der Grenze zwischen den beiden Ländern ausgebreitet: im Isfara-Becken im Osten, aber auch weiter westlich, am Kontakt zwischen der Syr-Darya-Ebene und dem Fuß des Turkestan-Gebirges</em>“, erklärt der Geograf Julien Thorez.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Teilnehmer bestätigte diese Beobachtung. „<em>Entlang der Grenze haben sich Kriegsszenen abgespielt.</em> [&#8230;] <em>Diese neue Stufe der Gewalt markiert einen Präzedenzfall in dem Konflikt</em>“. Ein erklärender Faktor sei Militarisierung und fortschreitende Funktionalisierung der Grenze. Da die Grenze umstritten ist, haben sich die Spannungen noch weiter verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im weiteren Sinne bemerkt Isabella Damiani, Dozentin für Geographie an den Universitäten Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines und Paris Saclay, die Ausdehnung des Konflikts sei von den westlichen Medien manchmal unvollständig behandelt worden. „<em>Eines der Hauptthemen des jüngsten Konflikts in den letzten Wochen ist die Frage des Standorts; wir befinden uns in einem stark mediatisierten Konflikt über Grenzen in einer Region, die international nicht sehr bekannt ist</em>“, bemerkt sie.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ethnisierung des Konflikts</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Am Schnittpunkt der usbekischen, kirgisischen und tadschikischen Grenze gab es schon zu Zeiten der UdSSR interethnische Spannungen. Sie haben sich jedoch seit dem Zusammenbruch der UdSSR verschärft und tauchen bei jedem Konflikt wieder auf, bemerkt Olivier Ferrando, Dozent für Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Lyon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Ethnisierung des Konflikts ist eine Realität. Die ethnische Frage ist mit der Überlagerung von homogenen Bevölkerungen auf beiden Seiten der Grenze verbunden. Die Grenze zwischen Isfara und Batken ist homogen, was anderswo im Gebiet nicht der Fall ist</em>“, beschreibt Olivier Ferrando.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Julien Thorez fügt hinzu: „<em>Während der Sowjetzeit kam es zu einer Ethnisierung der sozialen und politischen Beziehungen, ein Phänomen, das sich seit 1991 und dem Verschwinden der UdSSR noch weiter verstärkt hat. Die ethnischen Spannungen umfassen neben der tadschikischen und kirgisischen Bevölkerung auch die usbekische Bevölkerung. Die Funktionalisierung der Grenzen hat die Spannungen in keiner Weise reduziert. Im Gegenteil, es hat die Konflikthaftigkeit der Bevölkerungen im Isfara-Tal verstärkt.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-eine-herausforderung-fuer-die-regionale-kooperation/">Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan: Eine Herausforderung für die regionale Kooperation</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der ethnische Faktor wird jedoch von Olivier Ferrando relativiert, der meint, dass populistische und nationalistische Diskurse nur in diesen geteilten Dörfern wirksam waren. In den interethnischen Dörfern, die von Usbeken, Kirgisen und Tadschiken bewohnt werden, hat sich die nationalistische Rhetorik nicht durchgesetzt, obwohl es Spannungen um Ressourcen gibt.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Positive Signale für eine Wiederannäherung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Beschreibung des Konflikts als „eingefroren“, die während des Webinars mehrmals wiederholt wurde, gibt es Anzeichen dafür, dass sich die Situation verbessern könnte. Nach den Auseinandersetzungen beschlossen beide Länder, die Grenzverhandlungen wieder aufzunehmen, um die Demarkation ihrer gemeinsamen Grenzen zu vervollständigen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">„<em>Am 18. Mai trafen sich die Gouverneure der beiden Grenzregionen und vereinbarten wöchentliche Treffen, um Grenzfragen zu besprechen. Sie waren sich auch einig, dass beide Armeen entlang der Grenze patrouillieren sollten</em>“, sagt einer der Sprecher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Ebene der Bevölkerung sind die Straßen-, Wasser- und Stromnetze an der Grenze miteinander verbunden, was Raum für Kooperationen lässt. Laut Julien Thorez haben die Behörden den Bau <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-und-tadschikistan-verhandeln-ueber-die-demarkation-der-gemeinsamen-grenze/?noredirect=de-DE">einer neuen Straße</a> geplant, die die Exklave Worukh mit dem restlichen tadschikischen Gebiet verbinden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Einige Dörfer werden über das Netz des Nachbarlandes versorgt. Auf dem Wasserspiegel gibt es eine ganze Reihe von grenzüberschreitenden Kanälen, von denen die Dörfer abhängen. Das Gleiche gilt für die Verkehrsnetze</em>“, erklärt er.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Léo Friedrich<br>Redakteur für Novastan France</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Florian Coppenrath</strong></p>


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		<title>„Um einen Teller Erdbeeren“: Das Pogrom in Farg‘ona 1989</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Schliesser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jan 2020 14:29:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Farg'ona]]></category>
		<category><![CDATA[Interethnische Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Pogrom]]></category>
		<category><![CDATA[Turk-Mescheten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer der ersten gewaltt&#xE4;tigen interethnischen Konflikte Usbekistans war das Pogrom gegen die turk-meschetische Minderheit in der Provinz Farg&#x2019;ona. Bis heute sind die Ursachen nicht genau gekl&#xE4;rt. Der Anthropologe Dr. Sergei Abashin geht von einem spontanen, emotional aufgeladenen Gewaltausbruch aus. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei Fergana News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Einer der ersten gewalttätigen interethnischen Konflikte Usbekistans war das Pogrom gegen die turk-meschetische Minderheit in der Provinz Farg&#8217;ona. Bis heute sind die Ursachen nicht genau geklärt. Der Anthropologe Dr. Sergei Abashin geht von einem spontanen, emotional aufgeladenen Gewaltausbruch aus. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei </strong><a href="https://fergana.agency/articles/107921/">Fergana News</a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik kam es im Mai und Juni des Jahres 1989 zu einem der ersten interethnischen Konflikte auf dem Gebiet der Sowjetunion, durch den zehntausende unschuldige Menschen litten, die schon viele Jahre in Usbekistan gelebt hatten: die Turk-Mescheten. Die Turk-Mescheten waren 1944 aus ihrer Heimat Meschetien im Süden Georgiens in den zentralasiatischen Teil der Sowjetunion deportiert worden, die meisten nach Usbekistan. Zunächst lebten sie dort in Spezialansiedlungen. Ab 1956 standen die Turk-Mescheten nicht mehr unter administrativer Überwachung. Nichtsdestotrotz hatten sie keine echte Möglichkeit, in die Regionen zurückzukehren, aus denen sie deportiert worden waren. Laut einer Volkszählung aus dem Jahr 1989 lebten 107.000 Turk-Mescheten in Usbekistan, 5 bis 6 Tausend davon in der Provinz Farg‘ona, die meisten in Quvasoy.</p>
<p style="text-align: justify">Der Auslöser der Pogrome, über den bis heute keine vollständige Klarheit besteht, wurde zunächst ungeschickt zu vertuschen versucht: auf dem Volksdeputiertenkongress gab Rafik Nishanow, damals Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik, bekannt, dass sich die Geschehnisse auf einem Basar „aufgrund eines Tellers Erdbeeren“ zugetragen hätten. Angeblich habe sich ein Turk-Meschete grob gegenüber einer usbekischen Verkäuferin verhalten und die Erdbeeren umgestoßen. Man habe sich für die Frau eingesetzt und eine Schlägerei begonnen. Kurz darauf änderte sich die offizielle Version, doch Nischanows „Erdbeeren“ wurden noch viele Jahre später erwähnt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Erste Gewaltausbrüche in Quvasoy</strong></p>
<p style="text-align: justify">Mitte Mai 1989 kam es in Quvasoy zu Prügeleien zwischen turk-meschetischen Jugendlichen auf der einen, und usbekischen und tadschikischen Jugendlichen auf der anderen Seite. Nach einer kurzen Kampfpause entwickelten sich daraus deutlich größere Auseinandersetzungen. Von jeder Seite waren einige hundert Personen beteiligt.</p>
<p style="text-align: justify">Es begannen Versuche, in Viertel vorzudringen, in denen Turk-Mescheten und andere Minderheiten lebten, um dort Pogrome zu verüben. Von staatlicher Seite wurde versucht, die Menge zur Auflösung zu überreden, jedoch war es erst möglich die Unruhen zu unterbrechen als in der Stadt zusätzliche Sicherheitskräfte eintrafen. Bei diesen Ereignissen wurden 58 Menschen verletzt, 32 wurden in Krankenhäuser eingeliefert, wo einer von ihnen starb.</p>
<p style="text-align: justify">In Quvasoy trafen die Angreifer auf Widerstand von Seiten der Turk-Mescheten. Die Zusammenstöße arteten in Pogrome aus, die in der ganzen Oblast um sich griffen. In anderen Städten und Dörfern gelang es den Turk-Mescheten nicht, sich zu verteidigen. Sie waren zahlenmäßig weniger, lebten verstreut und in einigen Fällen gestattete die Miliz nicht die Bildung von Wehren zur Selbstverteidigung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_19334" aria-describedby="caption-attachment-19334" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-19334" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/7dbeb763-0b3e-4574-8e23-1f409d389d79.jpeg" alt="" width="496" height="347" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/7dbeb763-0b3e-4574-8e23-1f409d389d79.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/7dbeb763-0b3e-4574-8e23-1f409d389d79-300x210.jpeg 300w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-19334" class="wp-caption-text">Mehr als 16.000 Turk-Mescheten wurden während der zweiwöchigen Gewaltausbrüche in der Provinz Ferg&#8217;ona in Usbekistan nach Russland ausgeflogen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die zentralen Ereignisse der Krise in der Provinz Farg‘ona begannen am 3. Juni in der Siedlung Toshloq. Dort fand sich eine Gruppe Jugendlicher zusammen, die begann, die Häuser von Turk-Mescheten anzuzünden und auf ihre Bewohner einzuprügeln. Danach setzten sie ihre Gewalttaten in der Siedlung Komsomolski fort. Eine Gruppe Soldaten der Inneren Truppen versuchte erfolglos sich ihnen entgegenzustellen. Überfälle auf die Turk-Mescheten ereigneten sich auch in Marg’ilon und Farg’ona.</p>
<p style="text-align: justify">Am Folgetag forderte eine gewaltbereite Menschenmenge in Toshloq die Auslieferung der Turk-Mescheten, die sich unter dem Schutz der Miliz in das Gebäude des Regionalkomitees geflüchtet hatten. Zudem forderte die Menge die Freilassung der am Vorabend verhafteten Gewalttäter. Das Gebäude des Regionalkomitees und der Milizführung wurde angegriffen, wobei ein Milizionär starb und 15 weitere verletzt wurden.</p>
<p style="text-align: justify">In den Zentren von Farg’ona und Marg’ilon versammelten sich aggressive Menschenmengen, die versuchten in die Gebäude des Stadt- sowie des Oblastkomitees vorzudringen. In Marg’ilon gelang den Angreifenden dies, die Turk-Mescheten hatte man jedoch bereits erfolgreich von dort evakuiert. In Farg’ona stoppten die Gewalttäter Autos und Busse und durchsuchten diese nach Turk-Mescheten. Erste Informationen über die Unruhen erschienen in den Medien jedoch erst zwei Tage später, am 6. Juni.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Aggressive Menschenmengen machen einen militärischen Einsatz nötig</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Qo’qon gingen die Angreifer besonders entschlossen vor. Mehr als 5000 Menschen aus den umliegenden Dörfern kamen am 7.Juni in der Stadt zusammen. Die Menge besetzte eine Ziegelei sowie das Gebäude der städtischen Verwaltung. 68 Personen wurden aus dem Untersuchungsgefängnis befreit. Während die Angreifer die Stadtverwaltung belagerten, gelang es den Behörden, die in der Stadt verbliebenen Turk-Mescheten auf dem Autohof und im Sanatorium zu versammeln. Später konnten Spezialkräfte die Angreifenden aus dem städtischen Verwaltungsgebäude vertreiben. Die Gewalttäter verstreuten sich daraufhin in der Stadt und begannen unter anderem auch die Häuser von Milizionären zu zerstören und anzuzünden.</p>
<p style="text-align: justify">Am darauffolgenden Tag strömten weitere Menschen aus umliegenden Bezirken nach Qo‘qon. Den Unruhestiftern gelang es, einige Unternehmen und den Bahnhof zu besetzen, wo sich auf den Gleisen ein Zug mit Brennstoff befand. Aus einem der Tanks wurde Brennstoff gelassen. Sie forderten von den Behörden die Auslieferung der Turk-Mescheten sowie der Milizionäre, die auf sie geschossen hatten und drohten damit, den Brennstoff in Brand zu setzen und den Zug in die Luft zu sprengen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-ferganatal-in-hundert-tnen/">Das Ferganatal in hundert Tönen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Alle besetzten Orte wurden nach einiger Zeit von Spezialkräften zurückerobert. Aus Qo`qon brachten die Behörden die Turk-Mescheten ins benachbarte Tadschikistan. Dort wurden sie in einem Ferienheim in den Bergen der Oblast Leninabad [Anmerkung: heute Provinz Sughd] versteckt. Doch schon kurz darauf, am 10.Juni, rollte eine Lastwagenkolonne in Richtung des Ferienheims. In diesen befanden sich junge Erwachsene, die mit Stichwaffen bewaffnet waren. Um die Kolonne aufzuhalten setzten die Inneren Truppe aus Helikoptern heraus Waffen ein. Bis zum 11.Juni gelang es den Militärs die Massenunruhen zu beenden und die Situation unter Kontrolle zu bringen.</p>
<p><figure id="attachment_19335" aria-describedby="caption-attachment-19335" style="width: 920px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-19335" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/13ef678c-ae92-4950-97dc-211696f99783-2.jpeg" alt="" width="920" height="644" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/13ef678c-ae92-4950-97dc-211696f99783-2.jpeg 920w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/13ef678c-ae92-4950-97dc-211696f99783-2-300x210.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/13ef678c-ae92-4950-97dc-211696f99783-2-768x538.jpeg 768w" sizes="(max-width: 920px) 100vw, 920px" /><figcaption id="caption-attachment-19335" class="wp-caption-text">In der Stadt Qo’qon gingen die Angreifer besonders entschlossen vor, Spezialeinsatzkräfte mussten sie aus dem Verwaltungsgebäude vertreiben</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Der Historiker und Ethnologe Alexander Osipow, der zu den Turk-Mescheten forscht, schreibt, dass die Zusammenstöße in der Oblast Farg’ona vielen bis heute ein Rätsel bleiben: zahlreiche Details blieben unbekannt und der Sinn des Geschehenen unverständlich. Es ist unklar, warum die Aufstände begannen, warum sie so umfangreich und erbittert waren und wer die Angreifenden anführte, falls es denn überhaupt einen Anführer gab.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Augenzeugenbericht eines Wissenschaftlers</strong></p>
<p style="text-align: justify">An die Geschehnisse in Farg’ona erinnert sich der Anthropologe Dr. Sergei Abashin, der als Professor an der Europäischen Universität Sankt Petersburg arbeitet:</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Im April 1989 war ich Doktorand am Institut für Ethnographie und fuhr in die Oblast Farg’ona nach Usbekistan, um dort Feldarbeiten durchzuführen. Dort hielt ich mich bis Ende Juni auf. Ich kann mich gut an die Vorgeschichte des Konflikts erinnern. Als ich Anfang Mai nach Farg’ona fuhr und mich dort mit den Leuten unterhielt, konnte man die allgemeine Anspannung schon spüren, die Aufteilung in Einheimische und Fremde, aber die Turk-Mescheten als spezielle Gruppe wurden nicht genannt. Dennoch hatte sich schon Ende Mai die allgemeine Aufmerksamkeit gerade auf die Turk-Mescheten fokussiert. Ich habe Gespräche mit Beamten auf Bezirksebene geführt und sie berichteten, dass am 1. oder 9. Mai Flugblätter mit unterschiedlichen Aufrufen nationalistischer Art verteilt worden waren. In Details haben sie sich nicht vertieft, aber es war offensichtlich, dass die Menschen deshalb beunruhigt waren.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Geschehnisse in Quvasoy fanden Mitte Mai statt. In dieser Zeit betrieb ich Nachforschungen in der Nähe von Quva, wo ich bei einer Familie im Kischlak wohnte [Anmerkung: Das Wort „Kischlak“ bezeichnet eine ländliche Siedlung von semi-nomadischen Turkvölkern.]. Ich erinnere mich, dass die Leute untereinander redeten, dass wohl etwas passiert sei. Die Sache ist die, dass die Menschen die Turk-Mescheten nicht sehr von anderen unterschieden, sofern sie nicht direkte Nachbarn waren. Und in den Unterhaltungen, die ich mitbekam, wurden sie als „Kaukasier“ bezeichnet.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Bereits Anfang Juni reiste ich in die Stadt Farg’ona. Ich sah, wie sich Jugendliche aus dem Ort in Massen auf dem zentralen Platz versammelten, wie sie zu den Behörden gingen und ein Treffen abhielten. Sie erklärten mit später, dass sie ihre Toten herbeigebracht hatten. Obwohl diese Menschenmenge einigermaßen aggressiv war, war diese Aggression nicht willkürlich, sondern gezielt. Auch als sich die Menge auf einem Platz versammelte, gingen andere Menschen weiterhin gelassen an diesen vorbei und gingen in Parks spazieren. Die Menge griff niemanden der Vorbeigehenden an. Dasselbe Bild zeigte sich auch, als sich die Menschenmasse zum Gebäude der örtlichen Verwaltung hinbewegte.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Groteske Parallelwelt</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„[&#8230;] Ich habe die Pogrome gesehen. In der Stadt gab es Bezirke, in denen die Turk-Mescheten lebten, und dort brannten die Häuser- Bis heute erinnere ich mich an das Schockgefühl, als ich auf der einen Straße die Pogrome sah, und ein paar Straßen weiter alles ruhig zuging und Mütter mit Kinderwägen spazieren gingen.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Ich erinnere mich auch, dass Jugendliche aus den Regionen nach Farg’ona und Marg’ilon reiste, um „die Unseren zu unterstützen“. Das ist durchaus ein bekanntes Muster, dass die Angreifenden oft denken, dass sie sich eigentlich verteidigen. Es ging das Gerede herum, dass „die Türken uns angreifen“, deshalb müssen wir uns verteidigen und diese Verteidigung</em> <em>bestand dann aus Angriffen auf „türkische“ Viertel. […] Ich erinnere mich, dass zu der Familie, bei der ich in Farg’ona lebte, eine befreundete türkischstämmige Familie kam, um sich zu verstecken. Ihr Haus war angezündet worden. Später begaben sich die Turk-Mescheten zu einem geschützten Bereich beim Flughafen, von dort wurden sie später ausgeflogen. Die Behörden reagierten auf die Ereignisse relativ schnell. [&#8230;] Trotzdem hielt der chaotische Zustand weiter an, weil die lokalen Behörden damit überfordert waren. Straßen wurden geschlossen, der öffentliche Nahverkehr fuhr nur teilweise und wesentlich seltener. Die Bewegungsfreiheit zwischen den einzelnen Teilen der Region lag nicht vollständig still, aber war erschwert.“</em></p>
<p><figure id="attachment_19336" aria-describedby="caption-attachment-19336" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-19336" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/36459974-aeec-47da-93d0-1b4153959108.jpeg" alt="" width="496" height="330" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/36459974-aeec-47da-93d0-1b4153959108.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/36459974-aeec-47da-93d0-1b4153959108-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/36459974-aeec-47da-93d0-1b4153959108-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-19336" class="wp-caption-text">Anthropologe Dr. Sergei Abashin war Augenzeuge der Progrome: &#8222;Menschen verhielten sich ohne jegliche Organisation plötzlich aggressiv&#8220;</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Ich möchte anmerken, dass diese Zeit für das ganze Land sehr aufregend war, da in diesen Tagen die erste Zusammenkunft der Volksdeputierten stattfand, die vollständig im Fernsehen übertragen wurde. Ungewohnt für alle, äußerte sich die Opposition offen. Das ganze Land schaute gebannt auf diese Zusammenkunft und nicht etwa auf die Ereignisse in Farg’ona. Und nur Galina Starowoitowa prangerte an, dass in Farg’ona etwas geschehe, das eine Einmischung von Seiten der Machthabenden erfordere.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ursachen für den Konflikt?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„[&#8230;] Es ergeben sich viele Fragen, inwiefern der Konflikt organisiert oder spontan geschah. Was ich sagen kann ist, dass es einige Elemente der Selbstorganisation gab. Mit Bekannten bin ich durch die Stadt spaziert und uns näherten sich Usbeken, die mit meinen Freunden sprachen. Als ich dazutrat, gingen sie weg. Die Bekannten erzählten, dass sie zu einem Treffen eingeladen wurden. Das heißt, es gab Leute, die sich mit der Rekrutierung und der Verbreitung von Informationen beschäftigten. Aber das kann man kaum eine Organisation nennen. Gleichzeitig beobachtete ich auch, dass Menschen sich ohne jegliche Organisation plötzlich aggressiv verhielten. </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Es gibt die Ansicht, dass es Organisatoren gab, aber die Meinungen darüber, wer genau die Organisatoren waren, gehen auseinander. Die einen nennen islamistische Nationalisten, die anderen sprechen von Straftätern und korrupten Akteuren. Wiederum einige sind der Meinung, dass die Ereignisse vom KGB herbeigeführt wurden. Ich streite nicht ab, dass es Interessensgruppen gab, die versuchten, die Unruhen für ihre Zwecke zu nutzen. Natürlich gibt es auch soziale Gründe: 1989 war ein Jahr mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit und politischen Schocks.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Nichtsdestotrotz neige ich nach wie vor zu der Ansicht, dass die Ereignisse in vielerlei Hinsicht einen spontanen Charakter trugen, es gab eine emotionale Mobilisierung. Die Menschen waren in Aufregung und hatten eine erwartungsvolle Haltung, dass „doch etwas passieren müsse“. Mit eigenen Augen habe ich Menschen gesehen, die unabhängig von all diesen Interessen, grundlos und ohne dazu aufgestachelt worden zu sein, aggressiv wurden und sich in den Konflikt einmischten. Wir wissen doch, wie unerwartete Pogrome zustande kommen […]. Sie beginnen schnell, es kommt zu einem schlagartigen Ausbruch von Aggressionen und dann endet alles wieder schnell. Daraus entstehen keine politischen Bewegungen. Die Ereignisse in Farg’ona ähneln diesem Muster.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Folgen des Pogroms</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bis zum 18. Juni wurden aus der Provinz Farg’ona mehr als 16.000 Turk-Mescheten nach Russland ausgeflogen. Bis Ende 1990 verließen weitere 90.000 Usbekistan. Viele reisten widerwillig aus und betrachteten dies faktisch als Deportation. Örtliche Behörden drängten die Menschen zur Ausreise, da sie es für unmöglich erachteten, ihre Sicherheit zu garantieren.</p>
<p style="text-align: justify">Die offiziellen Angaben zu den Todesopfern gehen leicht auseinander. So berichteten das Innenministerium der UdSSR von rund 106 Toten und die Staatsanwaltschaft von 112. Ungefähr 50 Todesopfer waren Turk-Mescheten, rund 30 Usbeken.</p>
<p style="text-align: justify">Die Ermittlungen ergaben ungefähr 2000 Personen, die an den Delikten beteiligt waren. Bis Dezember 1989 wurden 238 Strafverfahren eingeleitet und bis Ende 1990 364 Personen zur Rechenschaft gezogen. Zwei Teilnehmer der Unruhen wurden zum höchsten Strafmaß verurteilt. Am 23.Juni 1989 wurde der Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik, Rafik Nischanow, aus seinem Amt entlassen und durch Islam Karimow ersetzt [Anmerkung: Dieser war in der Folgezeit zwischen 1991 bis zu seinem Tod 2016 Staatspräsident Usbekistans].</p>
<p style="text-align: right"><strong>Jеkaterina Iwaschtschenko und Jеgor Petrow für </strong><a href="https://fergana.agency/articles/107921/"><strong>Fergana News</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>
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<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/um-einen-teller-erdbeeren-pogrom-in-fargona-1989/">„Um einen Teller Erdbeeren“: Das Pogrom in Farg‘ona 1989</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Neuer Zwischenfall an der tadschikisch-kirgisischen Grenze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 May 2019 04:11:05 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenfall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei Monate nach den letzten Zusammenst&#xF6;&#xDF;en an der Grenze zwischen Tadschikistan und Kirgisistan gab es am 22. Mai eine neue Konfrontation. Laut dem kirgisischen Grenzdienst haben tadschikische Grenzbeamte dabei mehrmals in die Luft geschossen. &#xA0; Tadschikische Grenzschutzbeamte benutzten ihre Waffen f&#xFC;r Warnsch&#xFC;sse gegen&#xFC;ber kirgisischen B&#xFC;rgern, so der Grenzdienst Kirgistans am 22. Mai. Zwei Monate nach [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Zwei Monate nach den letzten Zusammenstößen an der Grenze zwischen Tadschikistan und Kirgisistan gab es am 22. Mai eine neue Konfrontation. Laut dem kirgisischen Grenzdienst haben tadschikische Grenzbeamte dabei mehrmals in die Luft geschossen.  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Tadschikische Grenzschutzbeamte benutzten ihre Waffen für Warnschüsse gegenüber kirgisischen Bürgern, so der Grenzdienst Kirgistans am 22. Mai. Zwei Monate nach den letzten Zusammenstößen, bei denen am 13. und 14. März mehrere Menschen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zwei-tote-bei-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan/">ums Leben kamen</a>, ist die Lage noch lange nicht entspannt, und das trotz der aufgenommenen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-eine-herausforderung-fuer-die-regionale-kooperation/">Verhandlungen</a> zwischen beiden Seiten.</p>
<p style="text-align: justify">Mitverantwortlich sind Bürger und Grenzschutzbeamten der Gebiete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Batken">Batken</a> auf der kirgisischen Seite und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Isfara_District">Isfara </a>auf der tadschikischen Seite. Der jüngste Konflikt brach bei einer Trauerfeier für einen verstorbenen Bewohner des kirgisischen Dorfes Karabak aus. Der Friedhof von Karabak liegt 150 Meter vom Dorf entfernt auf tadschikischem Staatsgebiet. Trotzdem wird das Gebiet um den Friedhof oft von kirgisischen Bürgern genutzt.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zwei-tote-bei-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan/">Zwei Tote bei Grenzkonflikt zwischen Kirgistan und Tadschikistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach der Ankunft tadschikischer Grenzbeamten brach ein Streit aus, wobei die Dorfbewohner die Soldaten dazu aufforderten den Friedhof zu verlassen. Wie das kirgisische Medium <a href="https://24.kg/proisshestvija/118357_vbatkenskoy_oblasti_vnov_styichka_mestnyih_jiteley_stadjikskimi_pogranichnikami/">24.kg</a> berichtet, schossen die Grenzbeamten bei der verbalen Konfrontation in die Luft. Vertreter des Grenzschutzes beider Seiden kamen danach zusammen, um den Konflikt zu lösen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein wiederkehrendes Problem zwischen den Regionen Batken und Isfara</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Lage bleibt aber Konfus. Auf Anfrage von <a href="https://rus.azattyk.org/a/29956139.html">Radio Azattyk</a> erklärte der Sprecher der Verwaltung von Isfara Ikbol Iljoszoda, dass „<em>eine Gruppe von bewaffneten kirgisischen Grenzschutzbeamten mit Absicht die tadschikische Grenze in die Stadt Lakkon überschritten hat</em>“. Mit Verweis auf eine <a href="https://www.facebook.com/ikbolteshaev/videos/1197814093726120/">Videoaufzeichnung</a> bezeichnet er die Taten der kirgisischen Grenzschutzbeamten als eine Provokation.</p>
<p style="text-align: justify">Iljoszoda fügt hinzu, dass bereits zehn Tage zuvor eine Gruppe von sechs bewaffneten Kirgisen die Grenze zu Tadschikistan illegal überschritten hat. Der kürzliche Zwischenfall sei demnach „<em>eine weitere Provokation der kirgisischen Seite, die die Arbeit der Zwischenstaatlichen Kommission zur Abgrenzung und Demarkation der Grenze behindert</em>“, wie von <a href="https://www.news.tj/ru/news/tajikistan/incidents/20190522/ocherednoi-konflikt-na-granitse-tadzhikistana-i-kirgizstana-teper-iz-za-kladbitsha">Asia Plus</a> widergegeben.</p>
<p style="text-align: justify">Trotz des Vorfalls laufen die Verhandlungen weiter. Parallel dazu gibt es auch Aufklärungsarbeit mit den Dorfbewohnern. Letzteres erfordert die Ankunft der Leiter von Regierungsstellen an den Konfliktstandorten. Frühere Grenzverhandlungen wurden durch die Nutzung von verschiedenen Karten aus den letzten Jahren von beiden Seiten erschwert. Frühere Zusammenstöße fanden vor allem um die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Woruch">Woruch-Enklave</a> herum statt. Nur scheinen sich die Vorfälle auch in dieser Region der tadschikisch-kirgisischen Grenze zu verbreiten.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion</strong></p>
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		<title>Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan: Eine Herausforderung für die regionale Kooperation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Mar 2019 14:23:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Batken]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
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		<category><![CDATA[Wasserkonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die wachsenden Spannungen an der tadschikisch-kirgisischen Grenze, die zwei tadschikische Todesopfer forderten, stellen eine direkte Herausforderung f&#xFC;r die wieder aufbl&#xFC;hende regionale Kooperation in Zentralasien dar. Eine Analyse dazu lieferte das tadschikische Medium Asia-Plus. Wir &#xFC;bersetzen sie mit freundlicher Genehmigung. Nach kurz anhaltender Ruhe an der kirgisisch-tadschikischen Grenze, haben die Spannungen wieder ihren Lauf genommen. Am [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die wachsenden Spannungen an der tadschikisch-kirgisischen Grenze, die zwei tadschikische Todesopfer forderten, stellen eine direkte Herausforderung für die wieder aufblühende regionale Kooperation in Zentralasien dar. Eine Analyse dazu lieferte das tadschikische Medium <a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/security/20190316/zemlya-kak-kamen-pretknoveniya-chto-proishodit-na-tadzhiksko-kirgizskoi-granitse-na-samom-dele">Asia-Plus</a>. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach kurz anhaltender Ruhe an der kirgisisch-tadschikischen Grenze, haben die Spannungen wieder ihren Lauf genommen. Am 13. Und 14. März wurde erneut Blut vergossen. Nach Angaben kirgisischer Grenzbeamter hätten tadschikische Dorfbewohner von Mekhnatabad den Konflikt ausgelöst, um gegen den Bau der Umlaufstraße Ak-Saj-Tamdyk zu protestieren, die Kirgistan nahe der Grenze in einem umstrittenen Gebiet bauen lassen will. Von Tadschikischer Seite hingegen ist zu hören, Kirgisen seien Initiatoren des Konflikts gewesen, um das Gebiet an sich zu reißen. Zwei Tadschikische Staatsbürger wurden dabei erschossen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zwei-tote-bei-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan/">Zwei Tote bei Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 15. März leiteten die Autoritäten beider Seiten Verhandlungen ein, um die Situation zu lösen. Die Verhandlungen sind noch im Gange, das Grenzgebiet ist aktuell stabil, und die Militärbeamten wurden auf beiden Seiten zur Gewährung der Sicherheit verstärkt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Boden, Straße, Wasser: drei Konflikte in Einem</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die noch unter der Sowjetunion begangenen Fehler bei der Grenzziehung ihrer Territorien legten das Fundament für heutige territoriale Streitfragen im postsowjetischen Raum, insbesondere der zentralasiatischen Region. Die Folgen zeigen sich in den heutigen interethnischen Beziehungen.</p>
<p style="text-align: justify">Unter den Architekten der Sowjetunion hätte sich keiner den Zusammenbruch ihres erschaffenen Reiches ausmalen können. Das Resultat sind zehntausende von umstrittenen Gebieten an den Grenzen der postsowjetischen Republiken, die bis heute von einer aufgeheizten Stimmung geprägt sind.</p>
<p style="text-align: justify">Das Gebiet rund um die tadschikische Exklave <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Woruch">Woruch</a> ist eine solcher Streitzonen. Sowohl Tadschiken als auch Kirgisen beanspruchen das Gebiet für sich. Die Enklave gehört zu Tadschikistan, ist aber von der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Batken_Region">Batken</a> Region, im Süden Kirgistans, umgeben. Offiziell gehört Woruch zum <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Isfara_District">Bezirk von Isfara</a>, im Norden Tadschikistans, und zählt mehr als 34.000 Einwohner, fast ausschließlich tadschikischer Ethnie.</p>
<p><figure id="attachment_16610" aria-describedby="caption-attachment-16610" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-16610" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fergana_map.jpeg" alt="" width="600" height="400" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fergana_map.jpeg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fergana_map-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fergana_map-128x86.jpeg 128w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-16610" class="wp-caption-text">Die Stadt Woruch gehört zum Bezirk Isfara in Tadschikistan, ist aber geographisch davon getrennt und umgeben von der kirgisischen Batken-Region. Das führt seit Jahren zu Grenzkonflikten</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Das Problem der Konfliktlösung liegt darin, dass beide Länder sich auf geographische Angaben von Landkarten in unterschiedlichen Zeitabschnitten beziehen. Tadschikistan besteht auf die Grenze, wie sie zwischen 1924 und 1939 auf der Karte angegeben war. Kirgistan hingegen pocht auf eine Interpretation der Grenzlinie, die zu einem anderen Zeitpunkt auf den Landkarten eingezeichnet war.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Seit Jahrhunderten gehören diese Gebiete den Tadschiken, davon zeugen die antiken Namen der Ortschaften und historischen Monumente“, </em>erklärt der tadschikische Historiker Farruch Bosorow. <em>„Diese Erde wurde mit stillgeschwiegener Einvernehmlichkeit unserer Autoritäten aus irgendeinem Grund zu kirgisischem Boden. Heute ist Woruch abgeschnitten und der einzige Weg nach Isfara [</em>die nächstgelegenste tadschikische Stadt, Anm.d.Red<em>.] führt über kirgisisches Staatsgebiet. Deswegen herrscht dort bereits seit Jahren ein blutiger Konflikt.“</em><strong>&nbsp;</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-ferganatal-in-hundert-tnen/">Das Ferganatal in hundert Tönen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Neben territorialen Grenzen, spielt auch das Wasser in der vorwiegend landwirtschaftlichen Region eine große Rolle. Während der Bewässerungszeit spüren beide Seiten die Knappheit der Wasserressourcen, weshalb sich Konflikte darüber in dieser Zeit häufen.</p>
<p style="text-align: justify">Das Vorhaben der kirgisischen Behörden, durch eine Verlegung <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfara_(Fluss)">des Flusses Isfara</a> seine Wasserbedürfnisse zu decken, beunruhigt nicht nur die Bewohner von Woruch, sondern beträfe auch wichtige Ackerlandschaften Isfaras und Kanibadams, die vom selben Fluss bewässert werden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&nbsp;</strong><strong>„Ohne Zugeständnisse wird es keinen Frieden geben“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die neu entfachte Gewalteskalation stellt auch die regionale Kooperation Zentralasiens in Frage, die seit einigen Jahren erst wiederbelebt wurde, meint der tadschikische Politikwissenschaftler Abdulgani Mamadasimow.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Solch ein Spannungsfeld an einem Grenzgebiet, das zwar klein aber dicht besiedelt ist, bedarf einer sehr sorgfältigen Lösung dieses ‚gordischen Knotens‘“, meint der tadschikische Analyst. „Es geht nicht um eine simple Grenzziehung zwischen zwei Staaten. Es geht um eine Exklave [</em>Ein tadschikisches Territorium, vom Mutterland abgeschnitten und von kirgisischen Gebieten umgeben, Anm.d.Red.], <em>aber auch um die Frage der Verwaltung von Wasserressourcen, geteilter Bewässerungssysteme, und schließlich eine strategische Straße für beide Länder</em>. <em>Um den Konflikt rechtzeitig zu lösen, braucht es einen Konsens der Kommission zu gegenseitigen Zugeständnissen und Grenzziehung. Ohne diese wird es weder Frieden noch Stabilität für die Region geben.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/">Die fünf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Aus diesem Grund sei es laut Mamadasimow nötig, in kurzmöglichster Zeit Prioritäten zu setzen, und zu bestimmen, was das wichtigste für die tadschikische Seite ist (Boden oder Wasser, Wasser oder Straße, Boden oder Straße). Darauf sollen die Verhandlungen sich dann fokussieren, um den Konflikt einzudämmen, bevor er sich zu unrecht in die Länge zieht.</p>
<p style="text-align: justify">Laut dem Analysten stockt die Situation aufgrund von nationalistischen Gefühlen und Gebietsansprüchen, welche den Konflikt unrechtmäßig provozierten: „<em>Das Leben eines Tadschiken oder eines Kirgisen ist so viel mehr wert, wie ein Hektar Land oder eine Fläche Weide“, </em>betont Mamadasimow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auf auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ferganatal-das-projekt-frag-deine-oma-produziert-faszinierende-geschichten-2/">Ferganatal: Omas erzählen faszinierende Geschichten</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der tadschikische Politikwissenschaftler Schokir Chakimow schätzt, dass die Treffen nur zu kurzfristigen Visionen führen, als Antwort auf den aktuellen Konflikt, das Problem aber nicht Lösen werden. <em>„Solche Kommissionen gab es schon, die den politischen Eliten verkündeten, sie hätten die Grenzprobleme zwischen den Nachbarstaaten geregelt. Aber nach einiger Zeit, tauchten neue Konflikte auf, und das seit 1991.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Laut Schokir Chakimow sollten die Fragen zur Grenzziehung schnellstmöglich beantwortet werden, genauso wie zur territorialen Integrität und friedlichem Zusammenleben der Bürger der benachbarten Staaten. „<em>Natürlich braucht es dafür gute Absichten, eine intergouvernementale Kommission mit den nötigen Kompetenzen, die sich bemüht Resultate zu liefern, sie im Parlament oder einer anderen geeigneten Autorität zu ratifizieren, und schließlich auch umzusetzen. Aber es gibt nicht nur Diplomatie und Politik, denn der Konflikt wird von den lokalen Bewohnern ausgelebt. Aus diesem Grund braucht es kulturelle, sportliche und Wirtschaftliche Veranstaltungen, die gegenseitiges Vertrauen fördern und somit zum Aufbau konstruktiver Beziehungen beitragen. Nur so kann ein Ende der Gewaltspirale zwischen den Grenzbewohnern erreicht werden“, </em>erklärt der Experte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>(K)Ein Ausweg in Sicht?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Journalist aus Tadschikistan Negmatullo Mirsaidow erforscht seit Jahren die Grenzkonflikte der Bewohner des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fergana_Valley">Ferganatals.</a> Er ist sich sicher, dass die Region in Zukunft von wiederholten Grenzkonflikten bedroht wird, bis die grundlegenden Grenzfragen, ihre Verwaltung und die Kontrolle der Gebiete nicht geklärt sind.</p>
<p><figure id="attachment_16602" aria-describedby="caption-attachment-16602" style="width: 2048px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-16602" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/43800767372_1b8a3bdc01_k.jpg" alt="Chudschand Tadschikistan Reis" width="2048" height="1117" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/43800767372_1b8a3bdc01_k.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/43800767372_1b8a3bdc01_k-300x164.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/43800767372_1b8a3bdc01_k-768x419.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/43800767372_1b8a3bdc01_k-1024x559.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/43800767372_1b8a3bdc01_k-1300x709.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px" /><figcaption id="caption-attachment-16602" class="wp-caption-text">Das fruchtbare Ferganatal ist ein multiethnisches, hochumstrittenes Gebiet, da es eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft sowohl für Tadschikistan als auch für Kirgistan spielt</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Anfang 2015 schaffte es die Kommission für die tadschikisch-kirgisische Grenzziehung nicht, Maßnahmen für 503 von insgesamt 971 km der Grenze zu definieren. In den letzten Jahren haben sich beide Seiten in Widersprüche verwickelt. „<em>Und das ist kein Zufall. Bis dahin waren alle markierten Zonen zum Größtenteil unbevölkert</em>“, meint Journalist Mirsaidow.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Probleme begannen, als es um die Trennung von dicht besiedelten Zonen zwischen Kirgisen und Tadschiken ging. Es ist unmöglich eine Linie inmitten von Häusern und Straßen durchzuziehen. Die Grenzen, die zur Zeit der UdSSR auf der geographischen Karte eingezeichnet wurden, basieren nicht auf sinnvollen Kriterien. Es ist heute umso schwieriger, die Situation zu lösen, angesichts der erstarkenden nationalistischen Gefühle unter den Menschen, die an der Grenze leben.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-grenzstadt-osch/">Die Grenzstadt Osch</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut dem Journalisten gäbe es verschiedene Möglichkeiten der Stabilisierung: „<em>Die erste Möglichkeit ist eine Entmilitarisierung des Gebiets, was die kirgisische Seite, die eine Minderheit in der Region darstellt, wahrscheinlich nicht akzeptieren wird. Dann sollte das Militärpersonal durch neue Grenzposten ausgetauscht werden. Die Parteien sollten sich dabei auf eine Sonderstellung der umstrittenen Gebiete einigen, und den Bewohnern die doppelte Staatsbürgerschaft ermöglichen. Das ist alles machbar, es fehlt nur der Wille.&#8220;</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Chaidar Schodijew<br />
</strong><a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/security/20190316/zemlya-kak-kamen-pretknoveniya-chto-proishodit-na-tadzhiksko-kirgizskoi-granitse-na-samom-dele"><strong>Asia-Plus</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/le-conflit-frontalier-entre-tadjikistan-et-kirghizstan-un-defi-pour-la-cooperation-regionale-renaissante/">Aus dem französischen</a> von Julia Tappeiner</strong></p>
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		<title>Zwei Tote bei Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Mar 2019 09:47:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Batken]]></category>
		<category><![CDATA[Grenze]]></category>
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		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Tadchikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei einem erneuten Konflikt zwischen Einwohnern des Grenzgebiets zwischen Batken (Kirgistan) und Isfara (Tadschikistan) wurden am 13. und 14. M&#xE4;rz zwei Personen erschossen. Weitere Einwohner wurden schwer verletzt. Somit handelt es sich um einen der gewaltt&#xE4;tigsten und t&#xF6;dlichsten Grenzkonflikte der letzten Jahre. Nach einer seit Herbst relativ ruhigen Lage sind die Spannungen zwischen den Einwohnern [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Bei einem erneuten Konflikt zwischen Einwohnern des Grenzgebiets zwischen Batken (Kirgistan) und Isfara (Tadschikistan) wurden am 13. und 14. März zwei Personen erschossen. Weitere Einwohner wurden schwer verletzt. Somit handelt es sich um einen der gewalttätigsten und tödlichsten Grenzkonflikte der letzten Jahre. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach einer seit Herbst relativ ruhigen Lage sind die Spannungen zwischen den Einwohnern beiderseits der Grenze zwischen den Bezirken <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Isfara_District">Batken</a>, im Süden Kirgistans, und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Isfara_District">Isfara</a>, im Norden Tadschikistans, am 13. März erneut entfacht. Laut dem <a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/incidents/20190314/zhitel-isfari-pogib-v-rezultate-konflikta-na-tadzhiksko-kirgizskoi-granitse">tadschikischen Online-Medium Asia-Plus</a> wurde ein 43-jähriger Lehrer aus dem Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Chorku,_Tajikistan">Tschorku</a> durch einen Schuss aus einem Jagdgewehr erschossen, der von kirgisischem Territorium aus abgegeben wurde. Nach Schusswechsel mit Bürgern Kirgistans am Nachmittag des 14. März kam auch ein 37-jähriger Mann aus Todschikon ums Leben und mehrere wurden verletzt, so die Quellen von <a href="http://asiaplus.tj/ru/news/tajikistan/incidents/20190314/srochno-ocherednaya-perestrelka-v-voruhe-pogib-odin-chelovek">Asia-Plus</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-ferganatal-in-hundert-tnen/">Das Ferganatal in hundert Tönen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Berichten zufolge wurden etwa 20 Bürger Tadschikistans durch Schüsse verwundet, davon befänden sich elf in einem schweren Zustand. Außerdem sollen 30 in Kirgistan als Geisel gehalten werden, so <a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/security/20190314/pogranvoiska-gknb-rt-kirgizskaya-storona-protiv-dogovoryonnostei-nachala-stroitelstvo-dorogi">Asia-Plus</a>, das sich auf Informationen des tadschikischen Grenzdienstes beruft. Auf kirgisischer Seite wird nur eine Schusswunde gemeldet<strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Nervöse Bewohner und überforderte Ordnungskräfte</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben des kirgisischen Grenzdienstes brach der Konflikt zwischen Einwohnern der Dörfer Ak-Saj (Kirgistan) und Mekhnatabad (Tadschikistan) am 13. März um 15.30 Uhr in der Nähe von Kodschogar aus, so die <a href="https://kg.akipress.org/news:1500256">Nachrichtenagentur Akipress</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Etwa 200 Einwohner von Grenzdörfern in Kirgistan und Tadschikistan, darunter Leiter der Lokalbehörden, versammelten sich an der Grenze und begannen nach einem verbalen Austausch Steine aufeinander zu werfen. Die kirgisischen und tadschikischen Grenzschutzbeamten kamen vor Ort an und beendeten den Konflikt durch Luftschüsse.</p>
<p style="text-align: justify">Erst später, gegen 20:30 Uhr, soll sich die Lage verschärft haben. Auf kirgisischer Seite wird tadschikischen Bürgern vorgeworfen, den Hangar eines Bewohners des kirgisischen Dorfes Ortoboz niedergebrannt zu haben. Andererseits werden kirgisische Bürger beschuldigt, tadschikische Lagerhallen und eine tadschikische Fabrik in Brand gesteckt zu haben. Zu dieser Zeit habe ein Schusswechsel stattgefunden, bei dem ein Tadschike starb und etwa 20 weitere verwundet wurden. Laut kirgisischen Medienberichten wurde nur ein kirgisischer Bürger angeschossen und ins Krankenhaus in Batken gebracht. Sein Leben ist nicht in Gefahr.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Auslöser: Bau einer Straße auf umstrittenem Gebiet</strong></p>
<p style="text-align: justify">Hintergrund dieses Gewaltanstiegs ist der Bau einer Umgehungsstraße zwischen Aksay und Tamdyk in der kirgisischen Region Batken. Nach Angaben von <a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/incidents/20190314/zhitel-isfari-pogib-v-rezultate-konflikta-na-tadzhiksko-kirgizskoi-granitse">Asia-Plus</a> sollen die Konflikte durch die Wiederaufnahme der Bauarbeiten in einem zwischen den beiden Ländern umstrittenen Gebiet ausgelöst worden sein.</p>
<p style="text-align: justify">Die Bewohner des tadschikischen Dorfes Todschikon fordern, dass der Bau der Straße gestoppt wird, bis eine Entscheidung über die Demarkierung der Grenze zwischen den Ländern getroffen wird. Vor vier Tagen sollen Kirgisen den Bau der Straße, die die tadschikische Enklave Woruch umgeht, wiederaufgenommen haben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Konflikt mit Präzedenzfällen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben des Bürgermeisteramtes von Isfara in Tadschikistan wurde der Konflikt durch Provokationen von kirgisischer Seite augelöst. „<em>Zuvor hatten sich die Parteien nach mehreren Konflikten in dieser Region darauf geeinigt, keine Bauarbeiten in den umstrittenen Gebieten durchzuführen. Kirgistan hat dennoch mit dem Bau einer Straße begonnen, was zu neuen Auseinandersetzungen geführt hat</em>“, so die Verwaltung von Isfara gegenüber Asia-Plus.</p>
<p style="text-align: center">„<em>Sie </em>[die Kirgisen, Anm. d. Red.] <em>wollen eine Straße in der Stadt Schakak bauen und sie dann zu den Quellen des Woruch-Flusses bringen. So wollen sie die</em> [tadchikische] <em>Enklave Woruch von allen Seiten vollständig blockieren</em>&#8222;, sagte Gafurdchon Dschurajew, der Bürgermeister von Todschikon auf Anfragt von Asia-Plus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/arbeiter-fur-einen-tag-warum-tadschiken-jeden-tag-nach-kirgistan-fahren/">Arbeiter für einen Tag: Warum Tadschiken jeden Tag nach Kirgistan fahren</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Bewohner von Isfara werfen den lokalen Behörden Passivität bei den Verhandlungen mit Kirgistan über umstrittene Grenzgebiete vor. Sie sind empört darüber, dass die kirgisische Seite im Herbst den Bau einer Wasserleitung in Todschikon nicht erlaubte, obwohl diese tadschikisches Gebiet durchquerte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine stabile Lage</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die kirgisischen Behörden haben den Tod zweier tadschikischer Bürger <a href="https://kloop.kg/blog/2019/03/15/konflikt-na-granitse-vsego-tri-kyrgyzstantsa-raneny-situatsiya-otnositelno-stabilnaya/">noch nicht bestätigt</a> und berichten von drei Verletzten, darunter einer schwer, auf kirgisischer Seite. Es laufen <a href="http://kg.akipress.org/news:1500623/?from=portal&amp;place=bytag">Verhandlungen</a> zwischen den tadschikischen und kirgisischen Innenministern bei denen laut Angaben kirgisischer Seite bereits über gemeinsame Ermittlungen zu den Ereignissen und gemeinsame Grenzpatrouillen entschieden wurde.</p>
<p style="text-align: justify">Am Vormittag des 15. März war die Lage an der Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan relativ stabil, trotz andauernden Schusswechsels am Vortag.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion </strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Afghanistan &#8211; eine Herausforderung für Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Ciboulet]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Mar 2018 09:35:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Konflikt in Afghanistan stellt eine gro&#xDF;e Herausforderung f&#xFC;r Zentralasien dar. Die Risiken der Terrorverbreitung und des illegalen Handels spielen eine gro&#xDF;e Rolle f&#xFC;r die Region. Damit sich der Konflikt nicht weiter ausbreitet, muss sich Zentralasien positionieren. Die Beziehungen zwischen dem postsowjetischen Zentralasien und Afghanistan haben Tradition. Sie gehen auf das zur&#xFC;ck, was Rudyard Kipling [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der Konflikt in Afghanistan stellt eine große Herausforderung für Zentralasien dar. Die Risiken der Terrorverbreitung und des illegalen Handels spielen eine große Rolle für die Region. Damit sich der Konflikt nicht weiter ausbreitet, muss sich Zentralasien positionieren.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Beziehungen zwischen dem postsowjetischen Zentralasien und Afghanistan haben Tradition. Sie gehen auf das zurück, was <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rudyard_Kipling">Rudyard Kipling</a> als „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">The Great Game</a>“ bezeichnet. Der Begriff bezieht sich auf die Rivalität zwischen Briten und Russen im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert. Großbritannien versuchte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Britisch-Indien">Britisch-Indien</a> im Norden gegen den Vormarsch Russlands nach Süden zu sichern. Schließlich wurde das heutige Zentralasien in das russische Kaiserreich aufgenommen, Indien wird britisch und ein Pufferstaat wird von beiden Kolonialmächten anerkannt: Afghanistan.</p>
<p style="text-align: justify">Afghanistans Bevölkerung ist facettenreich und setzt sich aus Ethnien des früheren Britisch-Indiens (Paschtunen, Belutschen) und zentralasiatischen Ethnien (Tadschiken, Usbeken, Turkmenen) zusammen. Die bestehenden Grenzen konnten Migration und Grenzübertritte nicht verhindern. So suchten beispielsweise Turkmenen, die gegen die Russen (damals die Sowjets) kämpften, in Afghanistan oder im Iran Zuflucht. Genauso sind die Tadschiken und die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pamiris">Pamiris</a> gespalten: Sie sind die größte Minderheit in Afghanistans Nordosten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vom sowjetischen Krieg in Afghanistan zur Unabhängigkeit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als die UdSSR 1980 <a href="https://www.dekoder.org/de/gnose/afghanistan-krieg">in Afghanistan einmarschierte</a>, kam es zu heftigem Widerstand, der zum Teil von der ausländischen Bevölkerung, besonders aber von zahlreichen lokalen demokratischen Gruppen sowie gemäßigten und radikalen Islamisten unterstützt wurde. Diese waren stark durch die jeweilige Ethnie geprägt und sie spalteten sich schnell mit eigenen Warlords ab.</p>
<p style="text-align: justify">In Bezug auf die Menschen in Zentralasien ist besonders das von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Schah_Massoud">Ahmad Schah Massoud</a> geführte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschamiat-i_Isl%C4%81mi">Dschamiat-i Islāmi</a> zu erwähnen. Wie viele andere auch, wurde diese Gruppe besonders von Tadschiken beherrscht. Der usbekischstämmige Milizenführer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abdul_Raschid_Dostum">Abdul Raschid Dostum</a> warb zugleich seine Volksgruppe und ethnische Turkmenen für die Partei <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/National_Islamic_Movement_of_Afghanistan">„National-islamische Bewegung Afghanistan“</a> („Dschunbisch“) an. Nach dem Ende der sowjetischen Invasion im Jahr 1988, dem darauf folgenden Bürgerkrieg und der Machtergreifung der Taliban 1996 schlossen sich die meisten Gruppen zur sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Islamische_Vereinigte_Front_zur_Rettung_Afghanistans">Nordallianz</a> zusammen.</p>
<p style="text-align: justify">Dieser Bürgerkrieg fiel mit einem entscheidenden Wendepunkt der Geschichte zusammen: der Zerfall der UdSSR. Während Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan unabhängig wurden, standen die ehemals sowjetischen Herrscher einer Bedrohung entgegen. Jenseits der Grenze waren turkmenische, usbekische und  tadschikische Warlords, die ihre Fähigkeiten schon gegen die Kommunisten bewiesen hatten. Afghanistan wurde zu einem Rückzugsort für einen Teil der Opposition gegen die bestehenden Regime.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Der unvergessliche Horror des tadschikischen Bürgerkriegs</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Für Turkmenistan war dies weniger ein Problem (die Turkmenen nahmen bei der Rebellion in Afghanistan eine kleinere Rolle ein) als für Usbekistan und Tadschikistan. Während Usbekistan den Islamisten auf seinem Territorium den Krieg erklärte, verfiel Tadschikistan in den 1990ern in einen Bürgerkrieg, bei dem eine demokratische, islamistische Union, unterstützt durch die Nordallianz und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahed">Mudschaheddin</a>-Kämpfer Massoud, dem Regierungsführer Emomali Rachmon gegenüberstand.</p>
<p><figure id="attachment_13054" aria-describedby="caption-attachment-13054" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13054" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/7187788081_d023ee83ff_k.jpg" alt="Parwan Provinzl Afghanistan" width="1200" height="800" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/7187788081_d023ee83ff_k.jpg 1200w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/7187788081_d023ee83ff_k-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/7187788081_d023ee83ff_k-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/7187788081_d023ee83ff_k-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/7187788081_d023ee83ff_k-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-13054" class="wp-caption-text">Die Parwan Provinz in Afghanistan, eine sehr landwirtschaftliche Gegend</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Massouds Unterstützung der tadschikischen Islamisten endete, als er russische Hilfe gegen die Taliban benötigte. Schließlich erreichte Tadschikistan einen Kompromiss und die usbekischen Islamisten stellten sich zwischen Tadschikistan und Afghanistan, um eine der wichtigsten lokalen Terrorgruppen zu gründen: Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Bewegung_Usbekistan">Islamische Bewegung Usbekistan</a>, (IBU) die sich 2015 dem „Islamischen Staat“ anschloss, während sie mit dem Ziel, einen globalen Djihad zu unterstützen, auch <a href="http://www.kas.de/wf/de/71.15457/">in Europa zahlreiche Anhänger rekrutierte</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Turkmenistan versucht zu vermitteln</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach diesen Ereignissen entwickelten sich die zentralasiatischen Staaten völlig unterschiedlich. Turkmenistan brauchte einen stabilen südlichen Nachbarn für den Bau seiner Ölpipeline vom Kaspischen Meer nach Pakistan (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline">TAPI</a>), die vom <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Turkmenbashi_International_Seaport">Hafen Türkmenbaschi</a> ausgehen und natürlich über Afghanistan führen soll. In der Folge ist Turkmenistan näher an die Macht der Taliban gerückt und unterhielt gute Beziehungen mit dem neuen Staat, als 2001 der amerikanische Krieg begann. Doch außer Gas und Öl können auch leicht Drogen aus Afghanistan, einem der bedeutendsten Opiumproduzenten, nach Zentralasien gelangen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien/">Highway to Heroin – vom Drogenhandel und neuen Konsum in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Unterdessen leistete Turkmenisten der turkmenischen Minderheit in Afghanistan humanitäre Hilfe, mit dem Ziel eine gutnachbarschaftliche Beziehung zu erhalten, die bis zur ab Januar 2015 in der iranischen Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan_(Provinz)">Khorasan</a> recht gut funktionierte. Dass den dortigen Kämpfern auch Turkmenen angehören könnten, gilt als sehr wahrscheinlich und stellt eine Bedrohung für Aschgabat dar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Tadschikistan und Usbekistan vor der islamistischen Bedrohung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Angesichts der tadschikischen islamistischen Bewegung in Afghanistan musste sich Tadschikistan nun vorsichtig verhalten. Trotz allem besetzen Angehörige der tadschikischen Minderheit dank ihrer Rolle beim Widerstand gegen die Taliban Schlüsselpositionen in der afghanischen Regierung. Auch deshalb bringen sie im Gegensatz zu anderen Volksgruppen nicht besonders viele Mitglieder islamistischer Gruppen hervor. Afghanistan gilt nicht länger als das Eldorado der tadschikischen islamistischen Opposition.</p>
<p style="text-align: justify">Usbekistan <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/terrorismus-warum-gibt-es-so-viele-usbekische-attentater/">muss sich der IBU stellen</a>, die zu einem großen Teil für die Instabilität der Region verantwortlich ist, indem sie in allen zentralasiatischen Gegenden und auch bei den Uiguren Kämpfer anwirbt. Neben Afghanistan und Interventionen in Usbekistan sind die Islamisten der IBU in Pakistan und bis hin zum Irak und Syrien in den Reihen des IS aktiv. Auch wenn sie vonseiten der sehr tatkräftigen usbekischen Geheimdienste unter großem Druck stehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>China, die Vereinigten Staatenund Russland bleiben präsent</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Afghanistankrieg hat auch Großmächte veranlasst, sich auf Zentralasien zu konzentrieren. Auch wenn die terroristische Bedrohung für Russland genauso ernst ist wie für die Vereinigten Staaten, sind die beiden Länder nicht zur Zusammenarbeit zu bewegen. Dies zeigt etwa der Fall Kirgistans, wo 2005 die pro-russische Macht während der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenrevolution">Tulpenrevolution</a> gestürzt wird, um eine pro-amerikanische Macht aufzubauen, die wiederum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Regierungswechsel_in_Kirgisistan_2010">fünf Jahre später</a> gestürzt wird. 13 Jahre nachdem die Vereinigten Staaten in in der Nähe von Bischkek eine Militärbasis eröffnet hatten, wurde diese auf Antrag der kirgisischen Behörden 2014 wieder geschlossen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Vereinigten Staaten behalten ihre Militärstützpunkte in Afghanistan, nicht aber in Zentralasien, da diese Region Russland näher steht. Außerdem sind auch noch andere Schwellenländer in Betracht zu ziehen, insbesondere China und Indien. Peking sieht Zentralasien als strategisch wichtige Zone in Bezug auf Rohstoffe sowie als bedeutende Handelsniederlassung und ein Territorium, das aus wirtschaftlichen Gründen gesichert werden muss, auch vor dem Hintergrund des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang-Konflikt"> </a> in Westchina.</p>
<p style="text-align: justify">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a> ist Chinas große diplomatische Errungenschaft in Zentralasien. Indien wiederum hofft, <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/indien-der-nachste-riese-in-zentralasien/">sich Zentralasien anzunähern</a>, indem es sich gegen den pakistanischen Einfluss und den Terrorismus stellt. Neu-Delhi nähert sich besonders an Tadschikistan an, wo die indische Armee präsent ist. Dies ist ein wichtiger Schritt, obwohl der chinesische Rivale seine Armee noch nicht in der Region stationiert hat.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Thomas Ciboulet</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Elisabeth Rudolph</strong></p>
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		<title>Lage an kirgisisch-kasachischer Grenze normalisiert sich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kloop]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Dec 2017 08:32:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Grenze]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der kirgisische Pr&#xE4;sident Sooronbaj Dscheenbekow und der kasachische Staatschef Nursultan Nasarbajew haben sich auf die Unterzeichnung eines &#x201E;Fahrplans&#x201C; zur &#xD6;ffnung der Grenze geeinigt. Der soll helfen, die Probleme an der kirgisisch-kasachischen Grenze zu l&#xF6;sen. Diese entstanden nach heftiger Kritik des kirgisischen Ex-Pr&#xE4;sidenten Almasbek Atambajew an der kasachischen Regierung Anfang Oktober.&#xA0;Wir &#xFC;bersetzen den Artikel der Nachrichtenseite [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der kirgisische Präsident Sooronbaj Dscheenbekow und der kasachische Staatschef Nursultan Nasarbajew haben sich auf die Unterzeichnung eines „Fahrplans“ zur Öffnung der Grenze geeinigt. Der soll helfen, die Probleme an der kirgisisch-kasachischen Grenze zu lösen. Diese entstanden nach heftiger Kritik des kirgisischen Ex-Präsidenten Almasbek Atambajew an der kasachischen Regierung Anfang Oktober. </strong><strong>Wir übersetzen den Artikel der Nachrichtenseite <a href="https://kloop.kg/blog/2017/11/30/zheenbekov-i-nazarbaev-dogovorilis-chto-kyrgyzsko-kazahskaya-granitsa-otkroetsya-posle-podpisaniya-dorozhnoj-karty/">kloop.kg</a> mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dscheenbekow und Nasarbajew führten am 30. November auf kirgisische Initiative hin während der Sitzung der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (<a href="http://www.bpb.de/internationales/europa/russland/241483/analyse-immer-noch-auf-der-suche-die-ovks-als-gemeinsamer-politischer-und-militaerischer-rahmen"><strong>OVKS</strong></a>, ein von Russland geführtes internationales Militärbündnis) in Minsk Gespräche. Dies teilte der Nachrichtendienst des kasachischen Präsidenten mit.</p>
<p style="text-align: justify">Nasarbajew erklärte, es sei notwendig, die „verwandtschaftlichen und brüderlichen Beziehungen“ zwischen Kirgistan und Kasachstan wiederherzustellen und einen „Fahrplan“ zu unterzeichnen, der helfe, die Probleme an der Grenze zu lösen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-kasachische-grenzspannungen-was-der-konflikt-fur-die-burger-bedeutet/"><strong>Kirgisisch-kasachische Grenzspannungen: Was der Konflikt für die Bürger bedeutet</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Über ein Provisorium zur Öffnung</strong></p>
<p style="text-align: justify">„Wir alle kennen die Gründe für die Situation an der Grenze der beiden Länder. Deshalb sind wir zu solch einer Lösung gekommen: Es gibt einen Fahrplan, den die Regierungen unserer Länder erstellt haben, und wir haben ihn geprüft. Mitarbeiter der Arbeitsgruppe beider Länder besprechen und unterschreiben diesen Fahrplan“, sagte Nasarbajew.</p>
<p style="text-align: justify">Der kasachische Präsident sagte, dass provisorisch die Kontrolle an der Grenzstation „Qordai“ („Ak Schol“) nahe der kirgisischen Hauptstadt Bischkek erleichtert wird. Dort werden zusätzlich zu den kirgisischen und kasachischen Grenzern drei Vertreter der Eurasischen Wirtschaftsunion (<a href="http://www.eaeunion.org/?lang=en#about"><strong>EAWU</strong></a>) Güter kontrollieren.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-eurasische-wirtschaftsunion-traum-oder-albtraum-fur-kasachstan/"><strong>Die Eurasische Wirtschaftsunion – Traum oder Albtraum für Kasachstan?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Grenzöffnung ist Chefsache </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Nachrichtendienst des kasachischen Präsidenten teilte mit, dass Dscheenbekow darum bat, „die Situation an der Grenze unter seiner persönlichen Verantwortung ins Reine zu bringen.“</p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben des Nachrichtendienstes Dscheenbekows wird die Arbeit am „Fahrplan“ bis Ende Dezember dauern.</p>
<p style="text-align: justify">„Es gibt den &#8222;Fahrplan&#8220;, die Regierungen beider Länder arbeiten daran, bis Ende Dezember werden wir das abschließen. An der Grenze stellen wir eine gemeinsame Kontrolle auf. Alle Fragen der bilateralen Zusammenarbeit werden gelöst werden“, sagte er.</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem lud Nasarbajew Dscheenbekow ein, Kasachstan einen offiziellen Besuch abzustatten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Politische Altlasten beseitigen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Situation an der kirgisisch-kasachischen Grenze eskalierte nach der Kritik des ehemaligen kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew an der Regierung Kasachstans. Atambajew beschuldigte diese am 7. Oktober der „Plünderung“ des Reichtums des Landes sowie der „Nähe zu Bakijew“,  Atambajews Vorgänger im Präsidentenamt.</p>
<p style="text-align: justify">Die Kritik Atambajews war eine Reaktion auf das Treffen des kirgisischen Präsidentschaftskandidaten Ömürbek Babanow mit dem kasachischen Präsidenten Nasarbajew während des Wahlkampfes.</p>
<p style="text-align: justify">Die kirgisische damalige Regierung beurteilte dieses Treffen als „Einmischungsversuch“ Kasachstans in die inneren Angelegenheiten des Landes. Die kasachischen Behörden bezeichneten die Vorwürfe der kirgisischen Seite als „Spekulation“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Folgen Atambajews Ausrutschers</strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit dem 10. Oktober stauten sich an der kirgisisch-kasachischen Grenze Lastwagen. Die kasachischen Behörden erklärten die verstärkten Grenzkontrollen mit dem Kampf gegen den „grauen Import“ und Schmuggelware aus China, die über Kirgistan nach Kasachstan kommt. Laut der kirgisischen Regierung wird das Land deswegen eine Milliarde kirgisische Som (ca. 12 Millionen Euro) Verlust machen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/nicht-kirgistan-sondern-schmuggelstan/">„Nicht Kirgistan, sondern Schmuggelstan“ – über Schwarzhandel und Korruption im Land</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach einem Treffen der Regierungschefs der beiden Länder in Astana am 18. Oktober wurde die Situation besser – Fußgänger, Privatautos, reguläre Fernbusse und Lastwagen ohne Ladung konnten die Grenze wieder leichter passieren.</p>
<p style="text-align: justify">Am 15. November erklärte Atambajew, dass er sich nicht für seine Kritik an der kasachischen Regierung entschuldigen werde. Er sagte, dass diejenigen um Entschuldigung bitten sollten, die sich „auf unverschämte Weise in die internen Angelegenheiten Kirgistans einmischen“. Darüber hinaus unterstellte er der Eurasischen Wirtschaftsunion eine „Gleichgültigkeit“ gegenüber den Problemen an der Grenze.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://kloop.kg/blog/author/aidaierkebaeva/">Ajdaj Erkebajewa</a>,<a href="https://kloop.kg/blog/2017/11/30/zheenbekov-i-nazarbaev-dogovorilis-chto-kyrgyzsko-kazahskaya-granitsa-otkroetsya-posle-podpisaniya-dorozhnoj-karty/"> kloop.kg</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong> Aus dem Russischen von Christina Spitzmüller</strong></p>
<p style="text-align: justify">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">LinkedIn</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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