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	<title>Konferenz Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Wed, 10 Jun 2026 15:40:06 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Kasachstans Schlüsselrolle beim Ausbau des Mittleren Korridors</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 15:37:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Halbinsel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Monat war Kasachstan Gastgeber der 40. Konferenz der Generaldirektoren der Eisenbahnen, an der Vertreter aus &#xFC;ber drei&#xDF;ig L&#xE4;ndern teilnahmen. F&#xFC;r Astana bot sich damit die Gelegenheit, vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der Neuordnung der globalen Handelswege seine Ambitionen f&#xFC;r den &#x201E;mittleren Korridor&#x201C; zu demonstrieren. Vom Ende April 2026 bot [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen Monat war Kasachstan Gastgeber der 40. Konferenz der Generaldirektoren der Eisenbahnen, an der Vertreter aus über dreißig Ländern teilnahmen. Für Astana bot sich damit die Gelegenheit, vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der Neuordnung der globalen Handelswege seine Ambitionen für den „mittleren Korridor“ zu demonstrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Ende April 2026 bot die 40. Konferenz der Generaldirektoren der Eisenbahnen im Herzen von Astana die Gelegenheit, mehr als dreißig Länder in einem unsicheren geopolitischen Kontext zusammenzubringen. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_die_Zusammenarbeit_der_Eisenbahnen">Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen</a>, bekannt als OSJD, ist eine zwischenstaatliche Organisation, die ein Netz von mehr als 320.000 km Eisenbahnstrecken <a href="https://en.osjd.org/api/media/resources/c/68/121/258">vereint</a> und jährlich den Transport von etwa 5,5 Milliarden Fahrgästen und fast 5 Milliarden Tonnen Güter gewährleistet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 1956 gegründete OSJD, das wichtigste Forum für die Koordinierung des Eisenbahnverkehrs zwischen Europa und Asien und Erbe der technischen Zusammenarbeit aus der Sowjetzeit, hat sich nach und nach um neue Mitglieder erweitert. Derzeit zählt sie 27 <a href="https://www.geo-ref.net/en/t-osjd.htm">Mitglieder</a>, von Albanien bis Vietnam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr versammelte die <a href="https://www.transportcorridors.com/20350">40. Konferenz der Generaldirektoren</a> der Eisenbahnen mehr als 300 Führungskräfte und Vertreter von Eisenbahnunternehmen. Der kasachstanische Premierminister Oljas Bektenov hielt dort persönlich eine Rede, was die politische Bedeutung der Veranstaltung unterstreichen sollte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Er erinnerte daran, dass <em>„der Eisenbahnsektor Kasachstans, der eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung spielt, darauf abzielt, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und ein nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten“</em>. Der Premierminister <a href="https://primeminister.kz/en/news/kazakhstan-to-build-5000-km-of-new-railways-in-the-next-four-years-olzhas-bektenov-at-osjd-conference-31306">kündigte</a> zudem ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre an und erklärte, er wolle in den nächsten vier Jahren <em>„weitere 5.000 Kilometer Eisenbahnstrecken bauen“ </em>und <em>„das Transitvolumen bis 2035 auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr steigern“</em>, womit er seinen Willen unterstrich, die zentrale Rolle Kasachstans im Handel zwischen Europa und China zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Delegation aus Afghanistan, traf sich <a href="https://pajhwok.com/2026/05/01/afghan-delegation-attends-osjd-rail-conference-in-kazakhstan/">laut der afghanistanischen Nachrichtenagentur Pajhwok Afghan News</a> mit kasachstanischen und aserbaidschanischen Vertretern, um über den Ausbau der Häfen von Hairatan und Torghundi sowie über den regionalen Transitverkehr zu beraten. Diese Anwesenheit, ebenso wie die die gemeinsame <a href="https://en.osjd.org/en/8821/page/106072?id=262551">Teilnahme</a> der Ukraine und Russlands, verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit im Eisenbahn- und Transitbereich häufig von funktionalen und wirtschaftlichen Interessen geprägt ist und damit politische Konfliktlinien teilweise überlagert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Fragen der Finanzverwaltung befasste sich die Konferenz auch mit dem künftigen Arbeitsprogramm der OSJD und der Organisation der nächsten Sitzung. Der Schwerpunkt lag auf der Steigerung der Transportmengen, der Modernisierung der Infrastruktur sowie dem Übergang zu leistungsfähigeren Technologien, um die Effizienz und den reibungslosen Ablauf des Schienenverkehrs zu verbessern, <a href="https://www.transportcorridors.com/20350">berichtet das Medium Transport Corridors</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der mittlere Korridor im Zentrum globaler Herausforderungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seiner Aussage, „<em>Eurasien in einen einheitlichen und optimal funktionierenden Verkehrsknotenpunkt zu verwandeln“</em>, bezieht sich Kasachstans Premierminister direkt auf die Handelsroute, die sich in der Region seit etwa zwanzig Jahren entwickelt, insbesondere im Zuge der chinesischen Initiative der Neuen Seidenstraßen aus dem Jahr 2013.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der mittlere Korridor, auch Trans-Caspian International Transport Route (TITR) genannt, ist ein 4.000 Kilometer langer multimodaler Transportkorridor, der chinesische Fabriken über Zentralasien, das Kaspische Meer, den Südkaukasus und die Türkei mit den europäischen Märkten verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist auch die kürzeste Landroute zwischen China und Europa, vorausgesetzt, die notwendige Infrastruktur ist vorhanden, was lange Zeit <a href="https://astanatimes.com/2026/04/kazakhstan-expands-rail-network-and-transit-corridors-to-strengthen-eurasian-connectivity/">nicht der Fall war</a>. Die Lieferzeiten, die früher mehrere Wochen betrugen, sind laut The Astana Times heute auf etwa 18 Tage gesunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sangesur-korridor-neue-chancen-fuer-zentralasien/">Sangesur-Korridor: Neue Chancen für Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Verkürzung wurde zum Teil durch die digitale Transformation und die Einführung des <a href="https://globaldtc.com/products/tez-customs">TezCustoms-Systems</a> ermöglicht, wodurch die Abfertigungszeit an den Grenzen zu China von 8 Stunden auf 30 Minuten reduziert werden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bektenov hob die <a href="https://primeminister.kz/en/news/kazakhstan-to-build-5000-km-of-new-railways-in-the-next-four-years-olzhas-bektenov-at-osjd-conference-31306">zentrale Rolle Kasachstans</a> hervor, durch das etwa 85 Prozent des Verkehrsaufkommens des mittleren Korridors fließen. Er kündigte zudem den Bau von 5.000 Kilometern neuer Eisenbahnstrecken in den nächsten vier Jahren an, mit dem Ziel, bis 2035 eine Transitkapazität von 100 Millionen Tonnen pro Jahr zu erreichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Route, die seit den geopolitischen Krisen einen Aufschwung erlebt&#8230;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese eurasische Verkehrsachse ist einer der großen Nutznießer der weltweiten geopolitischen Lage der letzten vier Jahre, wobei zwei aufeinanderfolgende Schocks ihre Bedeutung deutlich gesteigert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste ist der Krieg in der Ukraine seit 2022: Die westlichen Sanktionen gegen Russland haben laut Transport Corridors dazu geführt, dass das Frachtvolumen in Richtung Westen auf russischen Straßen im Jahr 2023 um 51 Prozent <a href="https://www.transportcorridors.com/20350">eingebrochen ist</a>. Der mittlere Korridor hat sich somit als einzige praktikable Landbrücke zwischen China und Europa etabliert, die das russische Territorium umgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">Global Gateway: Die EU investiert in den Transkaspischen Korridor</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite Faktor ist der Krieg im Nahen Osten und die Ende 2023 ausgelösten Angriffe der Huthi im Roten Meer. <a href="https://www.gulf-times.com/article/673811/region/houthi-red-sea-attacks-force-rerouting-of-vessels-disrupting-supply-chains">Laut der katarischen Zeitung Gulf Times</a> haben einige Unternehmen angesichts der in der Region herrschenden Unsicherheit ihren Verkehr von der Straße von Hormus und dem Suezkanal zum Kap der Guten Hoffnung verlagert, was die Landalternativen umso attraktiver macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2024 <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2026/04/middle-corridor-transport-prospect">stieg</a> das Frachtvolumen auf der eurasischen Route laut dem amerikanischen Think Tank Carnegie Endowment for International Peace im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 63 Prozent auf 4,1 Millionen Tonnen, gegenüber nur 500.000 Tonnen vor der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine. Allein auf der Strecke China–Europa hat sich die Zahl der transportierten Container laut der Zeitschrift CEBRI zwischen 2023 und 2024 um das 25-Fache <a href="https://cebri.org/revista/en/artigo/220/middle-corridor-connecting-brazil-to-eurasia-via-azerbaijan">erhöht</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8230;die jedoch weiterhin behindert wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz ihres Potenzials, sich zu einer wettbewerbsfähigen Hauptroute zu entwickeln, bleibt die eurasische Verkehrsachse durch strukturelle Probleme <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2026/04/middle-corridor-transport-prospect">eingeschränkt</a>. „<em>Der mittlere Korridor ist noch weit davon entfernt, wettbewerbsfähig zu sein. Er bewältigt nur etwa 6 Prozent der jährlichen Kapazität des nördlichen Korridors (über Russland), die sich auf 100 Millionen Tonnen beläuft, und während viele westliche Akteure mit einem weiteren Wachstum rechnen, deuten mehrere Indikatoren stattdessen auf eine Verlangsamung hin“</em>, erklärt Bektenov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Infrastruktur des mittleren Korridors ist in der Tat nach wie vor unzureichend, mit oft überlasteten Häfen, insbesondere in Georgien, und einer von Natur aus fragmentierten Route, da sie auf einer Abfolge von Verkehrsträgern beruht, was sie langsamer, teurer und weniger flüssig macht als die alternativen Routen über Russland oder auf dem Seeweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen <a href="http://?">anhaltende geopolitische Instabilitäten im Kaukasus</a> und rund um den Iran sowie ökologische Herausforderungen, insbesondere der sinkende Wasserstand des Kaspischen Meeres, der sich direkt auf die Hafenkapazitäten und die Kontinuität des Seeverkehrs auswirkt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lorenz Uberti für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/au-kazakhstan-une-conference-sur-les-chemins-de-fer-abordent-le-corridor-median/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>30 Jahre Menschenrechtsschutz: Wendepunkte in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[amalaisarova]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Sep 2023 16:18:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeni Jovtis]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Robin Wagener]]></category>
		<category><![CDATA[Terhi Hakala]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 28. bis 29. August fand in Almaty die Konferenz &#x201E;Turning Points in Eurasia&#x201C; (Wendepunkte in Eurasien) statt. Mehr als 200 Expertinnen und Experten aus Zentralasien, der Europ&#xE4;ischen Union und den USA trafen sich vor Ort und per Videoschaltung, um vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine &#xFC;ber die aktuelle geopolitische, wirtschaftliche und [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Vom 28. bis 29. August fand in Almaty die Konferenz „Turning Points in Eurasia“ (Wendepunkte in Eurasien) statt. Mehr als 200 Expertinnen und Experten aus Zentralasien, der Europäischen Union und den USA trafen sich vor Ort und per Videoschaltung, um vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine über die aktuelle geopolitische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Lage und Perspektiven in Zentralasien&nbsp;zu diskutieren. Nach Angaben der Veranstalter handelte es sich um eine der größten von Nichtregierungsorganisationen veranstalteten Regionalkonferenzen seit Jahrzehnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konferenz hatte einen dreifachen Anlass. Zunächst markierte sie das 30-jährige Bestehen des Kasachstanischen Internationalen Büros für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit (<a href="https://bureau.kz/en/">KIBHR</a>), der ältesten Menschenrechtsorganisation in Kasachstan, deren Berichte eine der wichtigsten Informationsquellen für die lokale und internationale Öffentlichkeit über die Einhaltung der politischen Rechte und bürgerlichen Freiheiten in Kasachstan darstellen. Hinzu kommen der 75. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der 25. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechtsverteidiger.&nbsp;</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dementsprechend lag ein besonderer Schwerpunkt fast aller Beiträge auf dem Thema Menschenrechte in Zentralasien. Veranstalter der Konferenz waren das KIBHR, die kasachstanische Öffentliche Stiftung <a href="https://kkassiyet.wordpress.com/">Kadyr-Kassiet</a> („Würde“), die kirgistanische Menschenrechtsbewegung <a href="http://birduino.kg/en/">Bir Düinö</a> („Eine Welt“) sowie <a href="https://austausch.org/home/">Austausch e.V.</a>. Die Konferenz wurde von der <a href="http://www.civicsolidarity.org/">Civic Solidarity Platform</a> mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes initiiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die EU wendet sich nicht von Zentralasien ab</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Mitbegründer und Vorsitzender des KIBHR, Evgeni Jovtis, betonte, dass Kasachstan und Zentralasien in den letzten 30 Jahren immer noch als schwarzes Loch zwischen China und Russland, zwei großen Autokratien mit eigenen geopolitischen Ambitionen, und dem instabilen islamischen Süden wahrgenommen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Welt befindet sich in einem tektonischen geopolitischen Wandel, der sich leider noch nicht in den Strategien und Politiken gegenüber der zentralasiatischen Region niedergeschlagen hat</em>“, sagte Jovtis. Er verwies auf die <a href="https://www.eeas.europa.eu/node/62412_en">EU-Zentralasien-Strategie 2019</a>, die „<em>natürlich überarbeitet werden muss, vor allem wegen des anhaltenden Krieges, der die Länder </em>[Zentralasiens]<em> mit Flüchtlingen, dem Zusammenbruch der wirtschaftlichen Beziehungen und der Verkehrsverbindungen betrifft</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anwesenden Vertreter der Europäischen Union und der deutschen Bundesregierung bekräftigten die Bedeutung der zentralasiatischen Region für ihre Außenpolitik und ihre Bereitschaft, sich den Herausforderungen gemeinsam mit den Ländern der Region zu stellen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/europas-diplomatie-wird-in-zentralasien-aktiv/">Europas Diplomatie wird in Zentralasien aktiv</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Auch wenn die Europäische Union viel in die Unterstützung der Ukraine investiert, haben wir uns weder von Afghanistan abgewandt noch unsere Zusammenarbeit mit Zentralasien reduziert. Im Gegenteil, wir sind dabei, eine langfristige Partnerschaft mit Zentralasien aufzubauen</em>,” so die Sonderbeauftragte der Europäischen Union für Zentralasien <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasienbeauftragte-terhi-hakala-mit-erstem-besuch-in-bischkek/">Terhi Hakala</a>. „<em>Die EU bietet die Möglichkeit, eine widerstandsfähige Region aufzubauen, die in der Lage ist, zu kooperieren und ihren Weg in dieser turbulenten Welt zu finden. Die Länder Zentralasiens haben erkannt, dass sie ihre außenpolitischen Optionen diversifizieren müssen, und das zu Recht. Die EU setzt sich für diese Partnerschaft ein und wir sind sehr zuversichtlich, dass sich die Beziehungen vertiefen und stärken werden</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bundestagsabgeordnete und Koordinator der Bundesregierung für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit dem Südkaukasus, der Republik Moldau und Zentralasien, <a href="https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/W/wagener_robin-860908">Robin Wagener</a>, betont die führende Rolle Deutschlands bei der Erarbeitung der EU-Zentralasien-Strategie in den Jahren 2007 und 2019.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Robin-Wagener_s-1024x683.jpg" alt="Robin Wagener" class="wp-image-34831" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Robin-Wagener_s-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Robin-Wagener_s-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Robin-Wagener_s-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Robin-Wagener_s-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Robin-Wagener_s-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Robin Wagener, Koordinator der Bundesregierung für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit dem Südkaukasus, der Republik Moldau und Zentralasien (Foto: KIBHR)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Unsere Zusammenarbeit mit Zentralasien geht weit über Politik und Wirtschaft hinaus. Wir suchen den Dialog mit der Zivilgesellschaft ebenso wie mit der politischen Führung</em>,“ so Wagener. Die Bundesregierung fördere zahlreiche Menschenrechtsprojekte und Nichtregierungsorganisationen in Bereichen wie der Pressefreiheit, der Bekämpfung der Klimakrise und Frauenrechten. „<em>Es stimmt, dass wir engere politische Beziehungen und ein stärkeres gegenseitiges wirtschaftliches Engagement anstreben. All diese Engagements wären allerdings wertlos, wenn sie nicht mit einer Verbesserung der Menschenrechtslage und der Stärkung der Zivilgesellschaft einhergehen würden</em>.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenig Optimismus im Menschenrechtsschutz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, der Zivilgesellschaft und aus der Wissenschaft diskutierten zwei Tage lang in acht Panels über innenpolitische Entwicklungen, Rechte von Frauen, Migrantinnen und Migranten, LGBTQ+ und ethnischen Minderheiten, Pressefreiheit und die Auswirkungen des Klimawandels auf Zentralasien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Rednerinnen und Redner waren sich einig, dass die fünf zentralasiatischen Länder zwar internationale Menschenrechtserklärungen, Antidiskriminierungs- oder Klimaschutzabkommen beigetreten sind, aber nicht die Absicht haben, die Anforderungen dieser Verträge zu erfüllen. Jüngste Ereignisse in der Region wie Qandy Qantar (der “<a href="https://novastan.org/de/tag/proteste-in-kasachstan-2022/">Blutige Januar</a>” 2022) in Kasachstan, die Proteste in <a href="https://novastan.org/de/tag/karakalpakstan/">Karakalpakstan</a>, die <a href="https://novastan.org/de/tag/berg-badachschan/">Verfolgung der Pamiri</a> in Tadschikistan, das Abschmelzen der Gletscher in Kirgistan oder der sinkende Wasserspiegel des Kaspischen Meeres und die anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in allen Ländern der Region belegen dies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jovtis beschrieb die Grundrechte und -freiheiten in der Region als „Geiseln“ des politischen Kontextes im In- und Ausland. „<em>Unabhängige Gewerkschaften, unabhängige Medien, Journalisten und Blogger, Menschenrechtsorganisationen und Bürgerrechtler werden von den Behörden entweder als Feinde im Allgemeinen oder als potenziell verdächtige Elemente betrachtet, die einer besonderen Kontrolle durch die nationalen Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden oder die Staatsanwaltschaft bedürfen</em>“, so der KIBHR-Vorsitzende.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem stimmte der Politikwissenschaftler Dimash Áljanov zu. Die Entwicklung zivilgesellschaftlicher Organisationen könne nicht losgelöst vom&nbsp;autokratischen Kontext Zentralasiens betrachtet werden. „<em>In allen Ländern wurde die politische Opposition zerschlagen. Nach der Unterdrückung der politischen Opposition gerieten die zivilgesellschaftlichen Organisationen unter Beschuss. Verschiedene Gesetzesinitiativen wurden ergriffen, um den Einfluss dieser Organisationen auf die Fähigkeit der Gesellschaft, politische Veränderungen einzufordern, zu minimieren. Die Unterstützung der Zivilgesellschaft muss mit dem Schutz des politischen Raums einhergehen</em>“, so Áljanov.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.soas.ac.uk/about/bhavna-dave">Bhavna Davé</a>, assoziierte Professorin für Politik in Zentralasien an der Universität London, sieht das ähnlich. Zunächst müsse die politische Passivität überwunden und eine aktive politische Gesellschaft entwickelt werden, damit die Zivilgesellschaft richtig funktionieren könne. Nachhaltige Entwicklung sei ohne Sicherheit für alle Menschen nicht möglich, sagte <a href="https://research.london.ac.uk/search/fellow/2084/khalida-azhigulova/">Khalida Azhigulova</a>, internationale UN-Beraterin für den Schutz vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Evgeni-Jovtis_S-1024x683.jpg" alt="Evgeni Jovtis" class="wp-image-34832" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Evgeni-Jovtis_S-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Evgeni-Jovtis_S-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Evgeni-Jovtis_S-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Evgeni-Jovtis_S-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/09/Evgeni-Jovtis_S-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Evgeni Jovtis, Direktor des KIBHR und langjähriger Menschenrechtsaktivist in Kasachstan (Foto: KIBHR)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen seien in der Strafverfolgung, der Justiz und den Streitkräften unterrepräsentiert, und diejenigen, die dort arbeiten, seien immer noch der Gefahr von Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt, so Azhigulova. Die Rednerinnen und Redner stellten ihre Lösungsansätze für diese Probleme vor, wobei einige Maßnahmen unter den gegebenen Umständen eher unrealistisch erscheinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss der Konferenz erinnerte Jovtis daran, dass keine Konferenz alle Probleme lösen könne, sondern nur dazu dienen könne, Lösungen für Probleme zu artikulieren. Nach 30 Jahren Menschenrechtsarbeit bleibt er optimistisch: „<em>Manchmal folgen auf Rückschläge Aufschwünge und es gibt immer Hoffnung auf positive Veränderungen in der Region Zentralasien. Leider korrelieren die Geschwindigkeit der Veränderungen und die Geschwindigkeit des eigenen Lebens nicht miteinander</em>“, so der KIBHR-Vorsitzende.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aizere Malaisarova<br>Aus Almaty für Novastan.org</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Brücken der Erinnerung“: Eine Konferenz zur Dekolonisierung in Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 May 2023 17:50:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Dekolonialität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Konferenz in Bischkek stellt die herrschende Erinnerungspolitik in Kirgistan und im gesamten postsowjetischen Raum in Frage. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist das Thema aktueller und wichtiger denn je. Es ist nicht unproblematisch, in Kirgistan &#xFC;ber Dekolonisierung zu sprechen. Eine Studentin der American University of Central Asia berichtet davon, dass [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Konferenz in Bischkek stellt die herrschende Erinnerungspolitik in Kirgistan und im gesamten postsowjetischen Raum in Frage. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist das Thema aktueller und wichtiger denn je.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht unproblematisch, in Kirgistan über Dekolonisierung zu sprechen. Eine <a href="https://twitter.com/alybaeva8/status/1636362689810399238">Studentin</a> der <a href="https://auca.kg/">American University of Central Asia</a> berichtet davon, dass die Leitung der eigentlich für liberal geltenden Universität Druck auf sie ausgeübt habe, weil sie die Dekolonisierung Kirgistans zum Thema ihrer Doktorarbeit machte. Sie sei dazu aufgefordert worden, ihrer Arbeit einen „<em>neutraleren</em>“ Titel zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://rus.azattyk.org/a/32327513.html">Radio Azattyk</a>, der kirgisische Dienst von Radio Liberty, berichtet, löste ihr Tweet eine Welle der Solidarität in der Studierendenschaft aus, infolge derer der allzu starke Einfluss Russlands auf die universitäre Lehre angeprangert wurde. Einmal mehr hat sich damit gezeigt, dass die Dekolonisierung in Kirgistan noch immer ein Tabu ist. Ein Teil der kirgisischen Zivilgesellschaft nimmt sich dem Thema nichtsdestotrotz an.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Risse im kollektiven Gedächtnis schließen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 17. bis zum 19. März veranstaltete die Organisation <a href="https://ru.esimde.org/">Esimde</a> (das kirgisische Wort bedeutet auf Deutsch „<em>Ich erinnere mich</em>“) am Museum der Schönen Künste von Bischkek eine Konferenz mit dem Titel „<em>Brücken der Erinnerung</em>“. Im Rahmen der Konferenz diskutierten Künstler:innen, Aktivist:innen und Akademiker:innen über Themen der Erinnerung und der Dekolonisierung nicht nur in Kirgistan, sondern im gesamten postsowjetischen Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Esimde wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, die kirgisische und zentralasiatische Geschichte und Erinnerungskultur des 20. und des 21. Jahrhunderts zu erforschen und zu verstehen. Forschung, Diskussionsveranstaltungen und Workshops sollen eine in Vergessenheit geratene Vergangenheit sichtbar machen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Crowdfunding sowie den Verkauf von Publikationen. Seit 2018 macht sich Esimde daran, ein Archiv der von der Kolonialmacht ermordeten und juristisch verfolgten Personen zu schaffen. „<em>Viele Menschen konsultieren unsere Archive auf der Suche nach den Namen von Verwandten</em>“, erklärt die Historikerin und Leiterin des Projekts, Elmira Dogojbajewa, Novastan gegenüber. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besucher:innen sind eingeladen, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Aus der Vielzahl der individuellen Geschichten soll sich das Mosaik der Makrogeschichte ergeben. „<em>Teilen Sie Ihre Geschichte! Falls Sie etwas zu teilen haben: eine persönliche Geschichte, ein Tagebuch, die Geschichte Ihrer Familie, Ihrer Großeltern, Ihres Dorfes oder Ihrer Stadt – wir können sie veröffentlichen</em>“, lädt die Webseite des Projekts ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das ist nicht die einzige zivilgesellschaftliche Initiative, die sich das Ziel gesetzt hat, dem Vergessen entgegenzuwirken. Mehrere Filme sind entstanden, in denen Bruchstücke und Fragmente der kirgisischen Geschichte nachgezeichnet und zusammengesetzt werden. So wurde unlängst im Novotel-Hotel in Bischkek ein Dokumentarfilm über die Deportationen in den 1930er Jahren zur Zeit der Hungersnot in der Sowjetunion gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Radio Azzatyk <a href="https://rus.azattyk.org/a/31974770.html">berichtet</a>, brachen im August letzten Jahres mehrere Bürger:innen von Bischkek zu einem mehrtägigen Fußmarsch nach Tossor im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l">Gebiet Yssykköl</a> auf, um dem Aufstand Tausender Zentralasiaten gegen das Russische Kaiserreich von 1916 zu gedenken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dekonstruktion von Kolonialismus – Rekonstruktion von Identität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Eröffnung der Konferenz vom 17. März betonte Dogojbajewa die zentrale Rolle der Erinnerung für die (Re-)Konstruktion der kollektiven Identität. Sich in Zentralasien mit der Vergangenheit zu beschäftigen, bedeutet zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit der Kolonialherrschaft. In diesem Sinn hinterfragt „<em>Brücken der Erinnerung</em>“ das vorherrschende russischen Narrativ, das auch weiterhin viele Bereiche der kirgisischen Gesellschaft bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem <a href="https://cabar.asia/en/elmira-nogoibaeva-memory-as-a-strong-tool-of-return-to-own-identity">Interview</a>, das Dogojbajewa dem Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR) gegeben hat, erklärt die Historikerin, dass in den Schulbüchern die Geographie und die Geschichte Kirgistans noch immer in Begriffen der Sowjetzeit dargestellt werden, „<em>mit der gleichen kolonialen Sprache</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sowjetunion ist in Kirgistan mit unzähligen historischen Monumenten im öffentlichen Raum präsent: In jedem Dorf, in jeder Stadt findet sich eine Lenin-Büste. Der Erinnerung an die zaristischen und sowjetischen Repressionen wurde hingegen, die Gedenkstätte Ata-Bejit ausgenommen, kaum Platz eingeräumt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sie-flohen-vor-den-pistolenkugeln-und-starben-am-widrigen-klima/"><strong>„Sie flohen vor den Pistolenkugeln und starben am widrigen Klima“</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An der von Esimde organisierten Konferenz haben prominente Wissenschaftler:innen wie <a href="https://cisa.ndu.edu/About/Faculty-and-Staff/Article-View/Article/2168331/dr-erica-marat/">Erica Marat</a> von der National Defense University in Washington, D.C. oder die Anthropologin <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/about/people/asel-dooletkeldieva">Asel Dooletkeldieva</a>, teilgenommen. Auch andere Akademiker:innen waren anwesend, um ihre Arbeit über die Entwicklung der Erinnerung an die Kolonialzeit im postsowjetischen Raum vorzustellen: Bahrom Irzayev, Forschungsleiter am Museum der Repressionsopfer in Taschkent, sprach über Usbekistan; Anton Vatcharadze, Forscher am <a href="https://idfi.ge/en">Institute for Development of Freedom of Information</a> in Tblissi, sprach über Georgien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die herrschende Erinnerungspolitik in Frage stellen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders kritisiert wurde auf der Konferenz das Fehlen einer kohärenten Erinnerungspolitik seitens der kirgisischen Regierung. Dogojbajewa und viele der anwesenden Historiker:innen beklagten, dass die Staatsarchive immer noch unter Verschluss gehalten werden, weil das die historische Forschung über die koloniale Vergangenheit und das Ausmaß der Repressionen behindert, denen die kirgisische Bevölkerung zur Zeit der Sowjetunion ausgesetzt gewesen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Öffnung der Archive ist beinahe im gesamten postsowjetischen Raum ein Problem</em>“, erklärt der Vorsitzende der NGO Memorial Russland, Jan Raczynski, anlässlich eines Vortrags. „<em>Hunderttausende von Menschen wissen nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen ist und wo sie begraben liegen</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember letzten Jahres war Esimde Teil der Initiative für einen <a href="http://kenesh.kg/ru/article/show/9870/na-obshtestvennoe-obsuzhdenie-s-22-dekabrya-2022-goda-vinositsya-proekt-zakona-o-vnesenii-izmeneniy-v-nekotorie-zakonodatelynie-akti-kirgizskoy-respubliki-o-pravah-i-garantiyah-reabilitirovannih-grazhdan-postradavshih-v-rezulytate-repressiy-za-politicheskie-i-religioznie-ubezhdeniya-po-sotsialynim-natsionalynim-i-drugim-priznakam-o-natsionalynom-arhivnom-fonde-kirgizskoy-respubliki">Gesetzentwurf</a> zur Freigabe der Archive. Der Entwurf wurde von vier Abgeordneten aus verschiedenen Fraktionen getragen. Sie forderten „<em>historische Gerechtigkeit</em>“ und wollten alle Opfer der Justiz der Sowjetunion rehabilitieren. Der Text wurde jedoch abgelehnt, wie Gulsat Alagos, eine der mit Esimde assoziierten Forscherinnen, <a href="https://rus.azattyk.org/a/32326285.html">Radio Azattyk</a> gegenüber erklärt. In Kirgistan müssen die Brücken der Erinnerung erst noch gebaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lou Desmoutiers, Journalistin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/a-bichkek-une-conference-sur-la-decolonisation-questionne-la-politique-memorielle-du-kirghizstan/">Französischen</a> von Lucas Kühne</strong><strong></strong></p>
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