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	<title>Kino Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>„Ermen Anti“: Legende des kasachischen Punkrock auf Europatournee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 16:03:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201E;Ermen Anti&#x201C; &#x2013; mit b&#xFC;rgerlichem Namen Ermen Erjanov &#x2013; ist die Gallionsfigur des kasachischen Punks. Mit seiner Band &#x201E;Adaptatsiya&#x201C;, die er 1992 in der westkasachischen Stadt Aqt&#xF6;be gr&#xFC;ndete, hat er bereits 15 Studioalben ver&#xF6;ffentlicht und zahlreiche Tours in Russland und Europa gespielt. Im Interview erz&#xE4;hlt er uns &#xFC;ber das neueste Album seines Soloprojekts, den Einfluss [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">„Ermen Anti“ &#8211; mit bürgerlichem Namen Ermen Erjanov &#8211; ist die Gallionsfigur des kasachischen Punks. Mit seiner Band „Adaptatsiya“, die er 1992 in der westkasachischen Stadt Aqtöbe gründete, hat er bereits 15 Studioalben veröffentlicht und zahlreiche Tours in Russland und Europa gespielt. Im Interview erzählt er uns über das neueste Album seines Soloprojekts, den Einfluss des Ukrainekrieges auf seine Tätigkeit als Musiker und wie sich die kasachische Punkszene in den letzten 30 Jahren entwickelt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Benedikt Stöckl für Novastan: Könnten Sie unseren Lesern kurz etwas über Sich und Ihre Kunst erzählen?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ermen Anti: Mein Name ist Ermen Erjanov. Ich wurde 1974 geboren. Mein Künstlername ist Ermen Anti. 1992, im Alter von 17 Jahren, gründete ich in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtöbe</a> – damals noch unter dem Namen „Aktjubinsk“ – die Punkband „Adaptatsiya“, die bis 2019 bestand. Ich bin durch die gesamte ehemalige Sowjetunion getourt und viel in Europa aufgetreten. Danach gab es eine Pause und einige Soloprojekte. Im Jahr 2024 habe ich die Band wieder ins Leben gerufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben „Adaptatsiya“ habe ich noch viele andere Projekte, zum Beispiel im Bereich der Poesie. Meine Gedichte wurden (aus dem Russischen) ins Deutsche und Tschechische übersetzt und sind auch in Russland erschienen. Ich bin Autor mehrerer Bücher, darunter mein autobiografisches Buch „Nomad Punk“. Meinen Stil nenne ich „Nomad Poetry Punk“.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung „Nomad Poetry Punk“?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nomad“ steht zum einen für meinen nomadischen Lebensstil. Ich bin ständig auf Tour und reise um die Welt. Das ist schon so eine Art Lebensweise. Man bleibt nicht an einem Ort. Zweitens ist es ein Verweis auf meine Wurzeln. „Poetry“ ist, im Gegensatz zu vielen Punkbands, die einfach nur expressiv sind oder so, bei uns sehr poetischer Punk. Wie bei „Patti Smith“, wo Punk und Poesie miteinander verschmelzen. Das sind nicht einfach irgendwelche Parolen wie <em>„Nieder mit der Bourgeoisie, nieder mit dem Kapitalismus“</em>, sondern das ist Poesie. Das ist echte Poesie.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hat Sie dazu motiviert? Wann haben Sie diese Idee aufgegriffen und gesagt, dass Sie das umsetzen wollen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst gab es eine Vorbereitungsphase, zwei bis drei Jahre, in denen wir Informationen sammelten, und dann wollten wir selbst etwas schaffen. Wir begannen zum Beispiel, den ersten Perestroika-Rock zu hören, den uns russische Bands nähergebracht hatten. Interpreten wie „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aquarium_(Band)">Aquarium</a>“ oder die Band „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kino_(russische_Band)">Kino</a>“. Und dann hat mich der Punkrock gepackt. Irgendwann im Alter von 15 oder 16 Jahren hörte ich, dass es bei uns in der Sowjetunion die berühmte Band „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Graschdanskaja_Oborona">Grazhdanskaya Oborona</a>“ gibt, dann erreichten uns Aufnahmen von den „Sex Pistols“ und „The Clash“, und diese Ästhetik des energiegeladenen Protest-Punks lag mir sehr nahe. So begann ich, in diese Richtung zu gehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Hindernisse gab es damals für jemanden, der im vor kurzem unabhängig gewordenen Kasachstan in einer Punkband spielen wollte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst 1992 bis 1993, als wir anfingen zu spielen, gab es bei uns gewisse Hindernisse; man ließ uns zum Beispiel nicht in offiziellen Veranstaltungsorten der mittleren Ebene auftreten. Damals gab es keine Clubs und wir spielten in irgendwelchen geschlossenen Sälen und organisierten selbst illegale Konzerte, weil man uns offiziell nirgendwo hineinließ. Der Grund dafür war, dass die Kultur und alle möglichen Kulturhäuser von Leuten sowjetischer Prägung geleitet wurden, für die Rock eine Art westliche Subversion war. Sie konnten vielleicht diesen ruhigen offiziellen Rock akzeptieren, der von Liebe singt, aber als wir kamen und Punk spielten, war das für sie ein Schock.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren eine der ersten Punkbands in Kasachstan, und deshalb löste diese Punk-Ästhetik bei vielen Normalbürgern und Führungskräften einfach nur Schock aus. Sie versuchten, sich davon zu distanzieren und es zu verbieten. Was die Behörden angeht, so gab es keinen direkten Druck, aber sie waren auf den Konzerten anwesend. Wir sahen, dass diese Leute entweder von der Polizei oder von den Geheimdiensten waren, die einfach nur dasaßen und zuschauten. Wir wurden damals noch kontrolliert von oben und standen unter Generalverdacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Erinnerungen haben Sie an ihre ersten Konzerte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser allererstes Konzert gaben wir in einer Mittelschule, in der Aula. Ich habe viele Erinnerungen daran. Vor einigen Jahren ist mein Buch „Nomad Punk“ erschienen, in dem der Zeitraum von 1992 bis 1997 sehr ausführlich beschrieben wird. Das macht wahrscheinlich fast die Hälfte des Buches aus, denn erstens erinnert man sich an die Zeit der Entstehung, in der Jugend, an alles viel lebhafter, und damals gab es nicht so viele Konzerte wie heute. Als die Band zum Beispiel schon bekannt war, gab es 5–6 Konzerte im Jahr, und jedes Konzert war ein Ereignis. Kurz darauf hatten wir auch ein Konzert im Kulturpalast der Eisenbahner, und ich erinnere mich daran, ich erinnere mich sehr gut daran, wie das alles ablief, was davor und danach war, das ist mir im Gedächtnis geblieben. Und dabei gibt es Dutzende von Konzerten in Städten in Russland oder irgendwo in Europa, die stattgefunden haben, aber an die du dich trotzdem erinnerst auf einer Tour. Du hast eine Tour mit 30 Konzerten, und an manche Konzerte erinnerst du dich nicht.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn Sie heute mehr Konzerte geben – hat sich Ihre Einstellung zu Konzerten im Vergleich zu damals verändert?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hat sich nicht geändert, wir haben immer versucht, aufrichtig und energiegeladen zu sein und unsere Botschaft zu vermitteln. Und was ich mit vielen Konzerten meine, das war vor 2022. Jetzt ist es leider nicht mehr so, wir spielen nicht mehr so viel, denn nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine haben wir uns gegen den Krieg ausgesprochen, und ich habe auf Konzerte in Russland verzichtet – etwa 70 Prozent meiner Konzerte fanden vorher dort statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie sind gerade in Berlin, um gemeinsam mit Dr. Hoffman Ihr neues Album vorzustellen. Was können die Fans von diesem neuen Album erwarten? Gibt es einen bestimmten Grund, warum Sie es gerade in Berlin vorstellen?&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund dafür ist, dass die gesamte Musik auf diesem Album in Berlin aufgenommen wurde. Für die Musik war bei uns Dr. Hoffmann verantwortlich, er lebt hier [in Berlin, Anm. d. Red.]. Es handelt sich dabei um ein Internetprojekt, das ins Leben gerufen wurde. Die Musik wurde in Berlin aufgenommen, die Gesangsaufnahmen fanden im Oktober in Kasachstan statt. Abgemischt wurde das Ganze in Krasnojarsk. Die dazugehörige Video-Art entstand in Serbien. So kam das Projekt zustande. Deshalb bin ich hierhergekommen nach Berlin; ich bin gerade auf einer Akustik-Tournee durch Europa, und das Album ist direkt vor meiner Abreise erschienen. Wir hatten im Voraus geplant, zwei Präsentationen in Deutschland zu geben. Das war am 5. Juni in Berlin, in der Panda-Plattform, und am 6. Juni in Leipzig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/die-scheisskerle-kommen-bischkeker-gruppe-vtoroi-ka-geht-auf-europatour/">Die Scheißkerle kommen: Bischkeker Gruppe Vtoroi Ka geht auf Europatour</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was kann man von diesem Album erwarten? Es gab bereits eine erste Rezension von einem beliebten Telegram-Kanal in Russland. Es ist ein neuer Sound. Ein neuer Klang. Es ist kein Punk, es ist Reggae, es ist keine elektronische Musik, vielleicht eine Art Hip-Hop. Und die Songs, die darauf zu finden sind: Der früheste, der erste Song, wurde 1994 geschrieben, der späteste im Jahr 2023. Dabei vermittelt das Album eine gewisse Ganzheitlichkeit, es gibt also keine Unterteilung. Es ist kein „Greatest Hits“-Album, sondern ein echtes Album.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar sind dort alte Hits enthalten, aber wir haben bewusst darauf geachtet, dass es nicht „The Very Best of Greats Hits“ wird, sondern ein neues Album von Ermen Anti, Doktor Hoffman, „Radio Baikonur”. Das war das ganze Konzept.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie hatten bereits Konzerte in Novi Sad und Belgrad, und vor kurzem waren Sie in Prag und Stuttgart. In Prag haben Sie zusammen mit Maksym Kabyr und Viktor Kulhanek das Buch „Trilobiti“ vorgestellt. Worum geht es in diesem Buch und wie sind diese Idee und dieses Projekt überhaupt entstanden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2023 kam ich zum ersten Mal für ein Solokonzert nach Prag. Dort lernte ich Maksym und Denis kennen. Im selben Jahr erschien mein Buch in Tschechien. Die Gedichte waren dort zweisprachig abgedruckt: auf der einen Seite der Originaltext auf Russisch, auf der anderen Seite die tschechische Übersetzung. Dieses Buch war die erste Veröffentlichung eines kasachischen Dichters in tschechischer Sprache seit der Unabhängigkeit Kasachstans. Das Buch ist in vielen tschechischen Bibliotheken zu finden und es gibt auch Rezensionen dazu. Der tschechische Botschafter in Kasachstan besitzt sein eigenes Exemplar, wir haben es gut verbreitet. Wir fuhren für Konzerte nach Prag und freundeten uns an. Viktor Kulhanek kannte ich schon lange, als er noch in Moskau lebte. Er arbeitete dort bei Radio Svoboda.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kam es, dass wir beschlossen, zu dritt ein gemeinsames Gedichtband mit Werken von drei verschiedenen Autoren herauszugeben. Wir sind Vertreter derselben Generation. Ich komme aus Kasachstan. Viktor Kulhanek stammt aus Russland, lebt aber in Prag. Maksym Kobyr kommt aus der Ukraine und lebt ebenfalls in Prag. Wir haben einen solchen Gedichtband zusammengestellt, in dem jeder etwa 20 seiner Werke beigesteuert hat. Sie wurden alle in einem Band vereint. Das einzig Spezielle ist, dass meine Gedichte an erster Stelle stehen und ich eine Übersetzung ins Tschechische hinzugefügt habe. Denn ich möchte, dass die Tschechen meine Gedichte auf Tschechisch lesen können. Bei den anderen sind sie nur auf Russisch, bei mir auf Russisch und auf Tschechisch.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich habe gehört, dass Sie das Gleiche mit Ihren Gedichten in Berlin gemacht haben, dass es eine russische und eine deutsche Fassung gibt. Haben Sie die deutsche Fassung selbst geschrieben?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, die deutsche Fassung wurde von den Verlegern Mario Aksher und Yuri herausgegeben. Sie haben sie übersetzt. Es handelt sich dabei nicht um zwei verschiedene Bücher. In einem Buch steht der Text auf Russisch und daneben, auf der anderen Seite, auf Deutsch. Es ist also einfach eine Übersetzung, sozusagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie treten bereits seit 1992 mit „Adaptatsiya” auf. Das ist schon eine ziemlich lange Zeit. Wie hat sich die Punkszene in Kasachstan bzw. in Zentralasien seitdem verändert? Welche Veränderungen konnten Sie beobachten?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Punkszene war damals noch nicht besonders stark ausgeprägt; als wir in den 90er Jahren in Aktobe anfingen, gab es zwar einige Bands, vielleicht in Almaty, aber sie war noch nicht so weit entwickelt. Dann gab es eine Zeit, in der sich in Aktobe, abgesehen von „Adaptatsiya“, so etwas wie eine Clique bildete, um uns herum entstand eine ganze Clique, die wir „Aktobe-Punk-Club“ nannten. Er wurde 1993 gegründet und umfasste etwa 8 verschiedene Projekte. Das heißt, ich spielte Gitarre bei „Adaptatsiya&#8220; und spielte auch in einer anderen Band namens „Mucha“ Schlagzeug. Wir waren ungefähr zu sechst und spielten in sieben Bands.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem haben wir uns an allerlei verschiedenen Projekten ausprobiert. 1994 habe ich ein interessantes Projekt auf Kasachisch namens „Bischarabaldar“ [<em>„Arme Kinder“, Anm. d. Red.</em>] ins Leben gerufen. Ich habe einen Song geschrieben, weil ich mir wünschte, dass es auch auf Kasachisch Punk gäbe. Es gab Punks in Malaysia und auf den Philippinen, aber auf Kasachisch gab es so etwas quasi nicht. Und ich habe eine ganze Reihe solcher Songs geschrieben, aber es ist kein wirklich ernsthafter Punk, sondern eher sozialkritischer oder antireligiöser Punk, zum Beispiel der Song „Ich liebe Schweinefleisch“, der bei den allzu Religiösen eine Art Hysterie ausgelöst hat. Und dieses Projekt hatte einige Hits, 2004 haben wir in Frankreich ein ganzes Split-Album aufgenommen, auf dem die Hälfte „Adaptatsiya“ und die andere Hälfte „Bischarabaldar“ ist. Damit haben wir zementiert, dass es kasachischen Punk gibt. Jeder Punkfan auf der Welt kann jetzt „Bischarabaldar“ finden und Punk auf Kasachisch hören.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/duo-falak-wie-tadschikische-tradition-in-experimenteller-musik-neu-auflebt/">Duo Falak – Wie tadschikische Tradition in experimenteller Musik neu auflebt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Später, als in Kasachstan Mitte der Nullerjahre mehr oder weniger eine Zeit des Wohlstands einsetzte, tauchte eine ganze Welle junger Punkbands auf, die Pop-Punk spielten und sich an der kalifornischen Szene orientierten. Äußerlich sah das nach Punk aus, inhaltlich sangen sie aber wie jede andere Pop-Band: über Mädchen, über Bier – es ging also überhaupt nicht um soziale Probleme. Sie sangen nicht einmal über die Probleme ihrer Generation, etwa innere Probleme – die Emos zum Beispiel sangen über die inneren Belange der Jugend –, sondern diese hier sangen einfach:<em> „Ich habe mich mit einem Mädchen gestritten, ich geh mich betrinken.“</em> Und das alles sozusagen im Rhythmus des Punkrocks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich davon immer ferngehalten. Aber ich kann jetzt sagen, dass in den letzten Jahren, besonders in Almaty, eine Art Renaissance des Punkrocks zu beobachten ist. Es tauchen sehr viele verschiedene junge Punkbands auf, und zwar von so einem „Crossover-Punk“ – hart, Hardcore – bis hin zu eher traditionellem Punk. Dann entwickelte sich Fem-Punk, es entstanden Bands in Astana und Almaty, Mädchen, die Punk spielen, was es früher nicht gab. Also, ja, es gibt gerade so etwas wie eine dritte Welle des Punk. Wir spielen schon lange, und ich habe vieles davon miterlebt und sehe es – ich kann sagen, dass es gerade einen Aufschwung gibt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Rolle spielen Sie in diesem Ganzen? Würden Sie Sich für diese neueren Punkbands als eine Art Idol oder Wegbereiter bezeichnen?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, welche Rolle ich spiele. Manche lieben uns, manche hassen uns zutiefst. Das ist nun mal so, wir sind in unserer Stadt auch nicht zu Popstars geworden. Wir sind dort sehr bekannt, und auch landesweit in dieser ganzen Szene. Aber wir hatten immer so eine Art, uns ein bisschen abseits zu halten, wir waren nicht im Mainstream, deshalb sind die Beziehungen unterschiedlich, von respektvoll bis hasserfüllt sozusagen. Das sind normale Gefühle, ich will ja nicht jedem gefallen, deshalb ist sogar Hass ein normales Gefühl. Man kann in dieser Szene natürlich nicht unumstritten sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was bedeutet es für Sie persönlich, in Kasachstan ein Punk zu sein? Unterscheidet sich diese Erfahrung etwa von der in anderen Teilen der Welt?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin jetzt schon 52 Jahre alt. Ich sage nicht direkt, dass ich ein Punk bin. Ich sage, ich bin ein Nomaden-Punk. Oder ein Punk-Musiker. Das heißt, ich bin nicht mehr derjenige, der ich mit 17 oder 18 war, als ich mit einem Irokesenschnitt herumlief. Ich habe jetzt meine Familie und alles ist ein bisschen anders. Ich bin also kein Street-Punker mehr, der 20 oder 25 ist. Ich habe bereits einige Jahre auf dem Buckel, ein gewisses Verständnis, eine gewisse Verantwortung, deshalb drückt sich mein Punk im Grunde genommen in erster Linie in Ideen und in der Musik aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin grundsätzlich immer der Meinung, dass Punk sozusagen eine Idee von Freiheit und Protest ist. Das heißt, wenn dich irgendetwas bedrückt, wie zum Beispiel derzeit der Ukrainekrieg. Ich sehe mich alsTeil dieses Prozesses. Das heißt, im Moment sehe ich es quasi als Aufgabe der Band, dazu beizutragen, dass dieser Krieg auf normale Weise endet, dass das Imperium verliert. Wir tun gerade alles, damit unsere Hörer – auch diejenigen, die in Russland verblieben sind – sehen, dass wir leben, dass wir arbeiten, dass wir etwas tun. Und wenn der richtige Moment kommt, werden sich diese Menschen angemessen verhalten. Das sind also nicht die Leute, die Putin und den Krieg unterstützen. Im Moment halte ich das für das Wichtigste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-metal-boom-in-bischkek-ein-kirgisischer-musikpionier-im-portraet/">Der Metal-Boom in Bischkek: ein kirgisischer Musikpionier im Porträt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt einige Punkbands, die Punk spielen, aber überhaupt nicht über soziale Themen singen. Ich zwinge niemanden, ich mache keine Propaganda. Das ist eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, wie er es sieht. Aber das ist mein Blickwinkel auf die ganze Sache. Ich bin 52 Jahre alt, wie lange ich noch leben werde, weiß ich nicht. Wie lange dieser Krieg noch dauern wird, weiß ich nicht. Aber wenn Putin diesen Krieg gewinnt, dann wird es auch für Kasachstan schlecht ausgehen, den Ort, an dem ich lebe. Ich wohne 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Deshalb ist meine Haltung so: Solange dieser Krieg andauert, solange wir so arbeiten, werden wir so hart auf all das reagieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt sich nicht darin, dass wir dort irgendwelche politischen Slogans oder solche Sachen raushauen. Im Gegenteil, wir arbeiten ständig. Jedes Jahr bringen wir Alben heraus, sind aktiv und schreiben Songs. Aber genau diese Botschaft steckt in diesen Songs.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwiefern unterscheidet sich Ihre Poesie von der Musik?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt keinen großen Unterschied. Musik ist Musik, Poesie ist Poesie. Manchmal entstehen Songs einfach auf unterschiedliche Weise. Manchmal entsteht zuerst der Text, dann die Musik. Manchmal ist es umgekehrt, erst die Musik, dann der Text, und manchmal beides gleichzeitig. Ich mache da keine Unterscheidungen. Das bin ich. Das sind sozusagen meine Gedichte. Alles, was sozusagen von mir kommt, auch die Musik. Ich versuche, es so zu gestalten, dass diese Gedichte meiner Meinung nach mit dieser Begleitung angemessen klingen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Heißt das also, dass Sie für sich selbst keine klaren Grenzen zwischen Poesie und Musik ziehen?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trete manchmal bei Dichterlesungen auf, wo ich einfach vorlese. Ich habe viele Texte, aus denen keine Lieder geworden sind. Es sind einfach Gedichte. Und das ist normal. Manchmal wird aus einem Gedicht ein Monat später ein tolles Lied.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit Dr. Hoffman spielen Sie Ihre Lieder im Reggae-Stil. Was hat Sie zu diesem Projekt motiviert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reggae, ein bisschen Elektronik, so eine Art Old-School-Hip-Hop, könnte man sagen. Es war wie so oft eine Frage des Zufalls. Dr. Hoffman ist ein alter Bekannter von mir. Erstens ist er ein Landsmann von mir, er kommt aus Kasachstan. Ende der 90er Jahre ist er aus Almaty weggegangen.&nbsp; Er kam zu unseren Konzerten, er liebt &#8222;Adaptatsiya&#8220; sehr. Und vor einem Jahr hat er mir ein paar instrumentale Demoversionen geschickt. Er sagte: <em>„Ermin, schau mal, was ich da gemacht habe, hör mal rein.“</em> Es hat mir gefallen, darum sagte ich, lass uns ein Album machen. Und ein bisschen ohne Eile, ich war sehr beschäftigt, weil ich noch auf Tour war, irgendwelche Dinge zu erledigen hatte. Aber wir haben gearbeitet, er hat mir etwa 15 bis 17 Tracks geschickt, von denen ich nur 9 ausgewählt habe, mit denen wir dann weitergearbeitet haben. Denn manche Versionen haben nicht funktioniert, klangen nicht gut. Aber die 9, die wir ausgewählt haben, haben wir überarbeitet, ich habe die Gesangsparts aufgenommen, wir haben sie uns geschickt und abgemischt. Wir haben also lange daran gearbeitet, das Album ist buchstäblich gerade erst erschienen, ich habe es auf <a href="https://ermenanti.bandcamp.com/album/dr-hoffmann-2026">Bandcamp</a> veröffentlicht, etwa drei Stunden vor dem Abflug zur Tour. Es ist jetzt auf <a href="https://open.spotify.com/intl-de/album/75N0dG3Zxo0bgIhMTluUfn">Spotify</a>, <a href="https://music.apple.com/ge/album/%D1%80%D0%B0%D0%B4%D0%B8%D0%BE-%D0%B1%D0%B0%D0%B9%D0%BA%D0%BE%D0%BD%D1%83%D1%80/6773697624">Apple Music</a> und so weiter zu finden, man kann es eigentlich überall finden. Wir haben es auf unserer <a href="https://ermen.antimusic.ru/">Website</a> veröffentlicht, dort kann man es kostenlos herunterladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Live-Präsentationen finden nur in Berlin und Leipzig statt, weil wir ja weit entfernt voneinander wohnen. Ich werde vielleicht Präsentationen in Kasachstan halten, aber das wird dann wohl ohne Dr. Hoffmann sein, nur mit Musik und Videokunst. Daher werden wir dort leider nicht komplett sein, aber ich denke, auch in Kasachstan werden die Leute von so einem Sound ein bisschen überrascht sein. Nicht jeder sieht mich ohne Gitarre, sondern nur mit einem Mikrofon.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben auf Instagram einen Beitrag über Ihre Lieblingsspots in Berlin gepostet. Wie sind Sie überhaupt 2002 zum ersten Mal nach Berlin gekommen? Was halten Sie von dieser Stadt?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist meine Lieblingsstadt auf der ganzen Welt. Ich war schon sehr oft dort – seit dem ersten Mal versuche ich, hierherzukommen und mehr Zeit hier zu verbringen. Und 2002 war das überhaupt unsere erste Auslandsreise. Wir hatten damals Konzerte in Berlin und in Paris. Und als uns Berlin verzaubert hatte, verbrachten wir hier etwa zwei Wochen. Es war ein etwas anderes Berlin; mir ist klar, dass sich Städte verändern, aber damals erlebten wir noch das alte Kreuzberg, eine Art gegenkulturelles Zentrum. Jede Menge Leute, Ausstellungen, Säle. Wir sind überall hingegangen und haben uns alles angesehen. Für uns war das etwas ganz Neues. Dann hat uns die Multikulturalität der Stadt sehr beeindruckt. Also diese Vermischung verschiedener Kulturen, sogar auf der Ebene der Küche – das Essen dort ist sehr interessant. Und dann die Stadt selbst, ihr Rhythmus, die Architektur. Hier hängt alles zusammen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und meine zweitliebste Stadt ist Almaty. Sie ist einfach die Kulturhauptstadt Kasachstans – man nennt sie auch die kulturelle und die südliche Hauptstadt. Aber tatsächlich, ja, alle wichtigen kulturellen Ereignisse und Auftritte von Künstlern, Musikern und Theatern – all das findet in Almaty statt. Astana hinkt da weit hinterher, denn in Astana dreht sich fast alles nur um das Offizielle.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn Sie in Europa auftreten, wie wird Ihr Schaffen dort aufgenommen? Und wer besucht Ihre Konzerte?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Anfang an, als wir anfingen, hierher zu kommen, spielten wir natürlich vor einem Publikum, das in Berlin hauptsächlich aus Einwanderern aus der Sowjetunion bestand. Aus den ehemaligen Republiken der Sowjetunion. In Frankreich gab es das hingegen überhaupt nicht. Wir hatten einen Direktor, der selbst Anarchist war, und er hat uns extra auf die linke Szene geschickt, wir spielten Konzerte in anarcho-kommunistischen, linken Squats. Die Szene war damals sehr stark entwickelt, sie hatten ihre eigenen Clubs, ihre eigenen Bars, Squats, Labels, Radiosender. In Paris gab es <em><a href="https://radio-libertaire.org/accueil.php">Radio Libertaire</a></em>, einen sehr guten Rund-um-die-Uhr-Radiosender. Wir waren sehr oft dort auf Sendung, unsere Songs wurden gespielt. Das heißt, dort gab es keine Russen, wir spielten zusammen mit französischen Bands für die Franzosen. Sie waren begeistert, sie haben vielleicht die Texte nicht verstanden, aber sie haben die Energie gespürt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde sagen, dass die Mehrheit, besonders jetzt, ein Großteil unseres Publikums [<em>aus Russland, Anm. d. Red.</em>] weggezogen ist. Etwa eine Million Menschen sind weggezogen, und die meisten von ihnen haben sich in Europa niedergelassen. Ich hätte also nie gedacht, dass ich einmal in Serbien spielen würde, dort, bei Akustikkonzerten. Und jetzt fahre ich dorthin, und dort gibt es Leute, die uns in Russland besucht haben, und jetzt kommen sie eben dorthin. Und zum Beispiel in Polen, in Warschau oder in Vilnius kommen hauptsächlich Belarussen zu den Konzerten. Das sind diejenigen, die gezwungen waren, aus Belarus zu fliehen, und die dort bis zu den Ereignissen des Jahres 2020 zu unseren Konzerten kamen. Dann hat die Hälfte von ihnen kurze Haftstrafen im Gefängnis verbüßt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Werden Sie dort auch beim Festival „Zapatista Baltica“ in Riga auftreten?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, es ist ein <a href="https://www.instagram.com/p/DYpnTDMDIyS/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=NTc4MTIwNjQ2YQ%3D%3D">kleines Festival</a> – Anarchisten veranstalten oft solche kleinen Akustikfestivals –, aber es ist interessant, weil dort – abgesehen davon, dass ich als Headliner aus Kasachstan dabei bin – auch jemand aus der Ukraine auftreten wird. Ich kenne ihn, wir sind 2007 bis 2008 einmal gemeinsam in Klaipėda aufgetreten. Und zwei Künstler aus Litauen und aus Lettland. Bei dem Festival versammeln wir uns trotz des Krieges als Vertreter dreier Länder und veranstalten gemeinsam ein Konzert. Es ist nicht so groß, aber für diejenigen, die daran Interesse haben, ist es sozusagen ein DIY-Festival.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die letzten Jahre hat gerade der Post-Punk aus dem postsowjetischen Raum an Beliebtheit gewonnen, vor allem dank Bands wie <strong>„</strong>Molchat Doma” aus Belarus und Playlists auf YouTube. Haben Sie dieses Phänomen auch wahrgenommen, und was denken Sie über die weltweite Popularisierung des post-sowjetischen Post-Punks?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Phänomen finde ich sehr interessant. <strong>„</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Molchat_Doma">Molchat Doma</a>” hat vor allem in den letzten 2 bis 3 Jahren für Furore gesorgt. Es gibt auch die Band <strong>„</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Motorama_(Band)">Motorama</a>” aus Rostow-am-Don, die in Lateinamerika beliebter ist als in Russland und Europa und dort massenweise Zuschauer anzieht. Sie wurde bereits vor über zehn Jahren gegründet und geht oft nach Lateinamerika auf Tour. <strong>„</strong>Molchat Doma” ist auf der ganzen Welt bekannt und spielt große Konzerte und auf Festivals, obwohl sie auf Russisch singen, was sehr interessant ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde war das Hauptproblem immer die Sprache. Man sieht, dass sie [<em>Molchat Doma</em>, <em>Anm. d. Red.]</em>] ihren eigenen Stil kreiert haben und gleichzeitig sehr viele Einflüsse von traditionellen Vorreitern des Genres übernommen haben, wie z. B. The Cure, Joy Division oder Bauhaus. Man sollte sich freuen, dass es für sie so gut geklappt hat. Das gilt auch für die Nowosibirsker Band <strong>„</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ploho">Ploho</a>”: Obwohl sie mittlerweile in Serbien wohnhaft sind, haben sie für sich mittlerweile den chinesischen Markt entdeckt. Sie reisen nach China, die Chinesen verstehen keine einziges Wort von dem, worüber sie singen, obwohl sie auch einen sehr poetischen Stil des Post-Punks verkörpern. Doch ihnen gefällt es trotzdem, wenn da ein paar russische Typen hinreisen und Post-Punk spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie erklären Sie sich den Erfolg dieser russischsprachigen Bands in Regionen, wo überhaupt kein Russisch gesprochen wird?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu 100 Prozent kann ich das auch nicht verstehen. Ich freue mich sehr für die Leute, aber Bands wie <strong>„</strong>Ploho” oder <strong>„</strong>Motorama” spielen jetzt keinen sehr innovativen Stil, den außer ihnen in z. B. den USA oder England niemand spielt. In England wurde der Musikstil schließlich auch erfunden und ist dort immer noch beliebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Perestroika-Jahren gab es ein paar Jahre die sogenannte <strong>„</strong>Gorbomania” <em>[benannt nach dem damaligen Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Mikhail Gorbatschow, Anm. d. Red.]</em>. Damals ist in Europa und Amerika ein regelrechter Hype ausgebrochen um alles, was aus der damaligen Sowjetunion kam und mit dem politischen Prozess der Perestroika zu tun hatte. Es ging dabei um Schallplatten, um Fernsehsendungen, es wurden Festivals veranstaltet und Menschen reisten nach Russland. Doch danach ist dieser Hype wieder sehr schnell abgeflaut und kam aus der Mode. Schließlich verstanden die Menschen auch kein Wort Russisch, und das Interesse an der Perestroika fand mit dem Zusammenbruch der UdSSR ein jähes Ende.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube allerdings, dass der jetzige Hype andere Gründe hat, da derzeit nichts wie die Perestroika stattfindet. Wahrscheinlich ist es das Internet, wo Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt dank der Algorithmen mit russischsprachiger Musik in Kontakt kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Am 17. Juni spielt Ermen Anti das letzte Konzert des deutschen Teils seiner Europatournee in Düsseldorf. Los geht&#8217;s im &#8222;Black &amp; Lemon</em>&#8220; <em>um 19 Uhr, der Eintritt beträgt 15 Euro. Am Samstag tritt Ermen schließlich auf dem &#8222;Zapatista Baltica&#8220; Festival in Riga auf.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>„Black Red Yellow“ – eine verwobene Liebesgeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktan Arym Kubat]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In &#x201E;Black Red Yellow&#x201C; erz&#xE4;hlt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die ungl&#xFC;ckliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast &#x2013; Festival des Mittel- und Osteurop&#xE4;ischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei. Aktan Arym Kubat ist zur&#xFC;ck auf europ&#xE4;ischer B&#xFC;hne: Der Regisseur, der als feste Gr&#xF6;&#xDF;e des [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In „Black Red Yellow“ erzählt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktan_Abdykalykow">Aktan Arym Kubat</a> ist zurück auf europäischer Bühne: Der Regisseur, der als feste Größe des kirgisischen Autor:innen-Kinos gilt, feierte mit seinem neuen Film <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Red_Yellow">Black Red Yellow</a> (im Original „Kara Kyzyl Sary“) am 26. April im Rahmen des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">26. goEast-Filmfestivals</a> in Wiesbaden Europa-Premiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film begleitet die talentierte Teppichweberin Turdugul, die einer Nomadin gleich durchs Land zieht, um im Haus ihrer Auftraggeber:innen Unikate entstehen zu lassen, die deren Seele widerspiegeln. Wie in den Filmen Aktan Arym Kubats üblich, ist auch „Black Red Yellow“ in drei Teile unterteilt, die in diesem Fall jeweils mit einer der titelgebenden Farben benannt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwarz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der der Regisseur in Nahaufnahme das Entstehen eines Wollteppichs begleitet. Mit diesem Teppich im Gepäck bricht Turdugul, eine Dame gesetzten Alters, zu einer Reise ins Dorf Kök-Suu auf. Während der Reise mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marschrutka">Marschrutka</a> erinnert sich Turdugul an eine Geschichte, die 30 Jahre zurück liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan in den 90er-Jahren: Die junge Turdugul (gespielt von Nargiza Mamatkulova) trifft in Kök-Suu im Haus ihrer Auftraggeber:innen ein. Die Hausherrin Schirin leidet unter ihrer Kinderlosigkeit sowie unter den ökonomischen Gegebenheiten im Haus ihres Mannes Kadyr (gespielt vom Sohn des Regisseurs, Mirlan Abdykalikov). Kadyr, zu Sowjetzeiten Pferdewirt in einem Staatsbetrieb, hat nach dem Zerfall der UdSSR seinen Job verloren und mit dem Trinken angefangen. Sein Pferd liebt er mehr als seine Frau, die er auf Geheiß seiner Eltern heiraten musste.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44636" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-2048x1107.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schirin (rechts), gespielt von Aigul Busurmankulova</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schirin hingegen liebt ihren Mann sehr und Kadyrs Teilnahmslosigkeit rufen neben seiner mangelnden Bereitschaft und Fähigkeit, die ökonomische Situation des Paares zu verbessern, immer wieder Streit hervor. In einem Streit droht Schirin sich im tosenden Fluss vor dem Dorf zu ertränken, kann aber von den ihr nacheilenden Frauen aufgehalten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dem im Gegensatz zu seiner Frau sehr friedfertigem Kadyr und Turdugul beginnen hingegen sich langsam Gefühle füreinander zu entwickeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rot</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Teil des Films werden sich Kadyr und Turdugul ihrer gegenseitigen, aber verbotenen Liebe bewusst. Turdugul macht sich für Kadyr hübsch und er spannt über ihre Arbeitsstätte im Hof ein schattenspendendes Tuch, was die Eifersucht seiner Frau entfacht. Abermals droht Schrin sich zu ertränken. Zwar eilt ihr diesmal niemand mehr nach, doch findet Kadyr, der das Manöver durchschaut, sie später am Ufer des Flusses sitzen, setzt sich zu ihr und bittet sie wieder nach Hause zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kadyr abends Turdugul aufsucht, um ihr seine Gefühle zu gestehen, wird er von Großmutter Marsia, in deren Haus Turdugul Obdach gefunden hat, erwischt. Die Alte schickt ihn fort und weist Turdugul an, sich von Kadyr fernzuhalten. Doch dafür ist es zu spät. Als Kadyr in einer weiteren Nacht einen Saufkumpanen losschickt, um Großmutter Marsia abzulenken und die ganze Nacht nicht nach Hause zurückkehrt, lässt sich der Skandal nicht mehr vermeiden. Schirin zerstört den Webstuhl im Hof und schleift den angefangenen Teppich zum Haus von Großmutter Marsia, der sie Vorwürfe macht und von der sie verlangt, <em>„die Schlampe [Turdugul]“</em> aus dem Dorf zu jagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44635" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-2048x1107.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Turdugul und Großmutter Marsia</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kadyr merkt, was er angerichtet hat, und versucht Turdugul nachzueilen, schafft dies aber nicht. Später findet Schirin ihn am Fluss sitzend. Diesmal ist sie es, die ihn bittet nach Hause zu kommen. In diese Situation bricht die Nachricht vom Tod Großmutter Marsias, die die Schande, die sie über Kadyr und Schirin gebracht hat, nicht überlebt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gelb</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Jahre später: Turdugul ist wieder für einen Auftrag in der Nähe. Als Kadyr davon erfährt und sie ausfindig macht, sucht er sie auf. Turdugul flieht vor ihm in das Haus ihrer Auftraggeberin. Durch die geschlossene Tür bittet Kadyr sie, ihn zu heiraten. Turdugul, die nach wie vor Gefühle für Kadyr hat, lehnt dies ab – in dem Bewusstsein, dass ihre unmögliche Liebe seine Familie zerstören würde.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Abends sitzt sie mit ihrer Auftraggeberin zusammen – einer Alten, die als eine Wächterin der immer mehr verlassenen Dörfer an dieser grenznahen Region fungiert. Von den verlassenen Häusern verwahrt sie die Schlüssel, um sie so dem Zugriff von Fremden zu entziehen. Familienportraits, die sie aus den verlassenen Häusern gerettet hat, füllen die Wand ihres bescheidenen Hauses. Als sie von Turduguls Talent als einer Gabe Gottes spricht, offenbart ihr Turdugul, die seit ihrer Jugend umherzieht, um das Schicksal anderer in ihren kunstvollen Teppichen abzubilden, dass sie anstatt dieses Talents lieber das Glück im Leben gefunden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kadyr erkennt, dass er sich seinem Schicksal fügen muss. In der letzten Szene des dritten Teils sieht man, dass er sein geliebtes Pferd verkauft hat, um der mittlerweile schwangeren Schirin ihren Wunsch zu erfüllen und eine Kuh zu kaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Farbenspiel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film endet mit einem vierten, mit „Schwarz Rot Gelb“ betitelten Abschnitt, den Aktan Arym Kubat aber – wie er im Filmgespräch in Wiesbaden darlegte – nicht als vierten Teil, sondern als Epilog verstanden wissen will. In diesem Epilog kehrt der Film zurück in die Rahmenhandlung. Kadyr wird zu Grabe getragen und Turdugul lässt ihren Teppich Schirin übergeben. Als Letztere später den Teppich auffaltet, wird ersichtlich, dass dieser neben den für die Teppiche der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Region Batken</a> typischen Farben Schwarz und Rot einen nicht unwesentlichen Anteil Gelb enthält.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="КЫРГЫЗ КИНО &quot;КАРА КЫЗЫЛ САРЫ&quot;" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/8kV_ZIRCwd8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieses Farbenspiel und seinen Symbolgehalt angesprochen, erklärte Aktan Arym Kubat im Abschluss an die Premieren-Vorführung, dass die drei titelgebenden Farben jeweils für eine der Protagonist:innen stehe. Schwarz als <em>„Farbe des Mannes und der Erde“</em> stehe für Kadyr und Rot, als die Farbe der Emotionen und der Liebe, für Schirin. Gelb sei die individuelle Farbe von Turdugul, die sie in den traditionellen schwarz-roten Teppich einbringt und somit ihr eigenes Schicksal mit jenem von Kadyr und Schirin verwebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Symbolismus, der sich den westlichen Festival-Besucher:innen nicht unbedingt erschließt, verdeutlicht einmal mehr, dass der im In- wie Ausland gefeierte Regisseur seine Filme am heimischen Publikum ausrichtet. Wie Aktan Arym Kubat in Wiesbaden darlegte, wollte er mit dem Film unter anderem seinen Landleuten das eigene Land sowie dessen jüngere Geschichte mit den ökonomischen Verwerfungen nach der Unabhängigkeit und der infolgedessen eintretenden Landflucht vor Augen führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein poetisch-einfühlsamer Film</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch in seinen vergangenen Filmen, wie etwa <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-fluegel-der-menschen-poetischer-film-mit-sozialkritik/">Die Flügel des Menschen</a>, schafft es Aktan Arym Kubat, eine einfühlsam erzählte Geschichte von einfachen Menschen mit subtil eingeflochtener Sozialkritik zu verbinden. Dabei bleibt der Regisseur seiner eigenen Bildsprache treu, in der er wie zufällig aufgenommene Bilder, wie etwa eine Motte im Teppichgarn, oder auch Landschaftsdetails, wie den reißenden Bergfluss oder im Wind wehende Pappeln, einfängt, und gekonnt in die Handlung einflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/">„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besondere Erwähnung verdienen die melancholische musikalische Untermalung (Balasagyn Musayev) sowie der Ton (Mars Tugelov), der das Rauschen des Windes oder die zaghaft von Vögeln durchbrochene Stimmung einfängt. Beide tragen so zu einem nicht unwesentlichen Teil zur Atmosphäre des Filmes bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Black Red Yellow“, der noch im Juni letzten Jahres <a href="https://variety.com/2025/film/asia/shanghai-film-festival-2025-winners-1236437317/">beim Shanghai International Film Festival gewann</a>, ging bei der Preisverleihung des 26. goEast-Festivals leer aus (die <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/goeast-2026-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-clouds-move-with-great-speed-von-roman-ostrovskyi-beste-regie-fuer-ivana-mladenovic-regisseurin-vo/">Goldene Lilie</a> aus Hauptpreis ging in diesem Jahr an „Clouds move with great Speed“ des ukrainischen Regisseurs Roman Ostrovskyi). Dennoch ist Aktan Arym Kubat wieder ein absolut sehenswerter, einfühlsam-melancholischer Film gelungen, der es schafft, durchgängig langsam zu bleiben, ohne jemals zäh zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Black Red Yellow” wird am 2. Juli 2026 im Rahmen der <a href="https://www.uni-passau.de/perspektive-osteuropa/veranstaltungen/filmreihe-osteuropa/">Filmreihe Osteuropa</a> der Universität Passau gezeigt.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Erlebt Zentralasien auf der Leinwand!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Mar 2025 10:56:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Novastan e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Dance with the Stans]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturfabrik]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Novastan l&#xE4;dt euch in Kooperation mit dem Filmrauschpalast zu einer besonderen Kurzfilmnacht zum Auftakt der Zentralasienparty &#x201E;Dance with the Stans&#x201C; in Berlin ein. Junge Regisseur:innen aus Zentralasien bringen euch Geschichten, die bewegen: vom Leben der zentralasiatischen Rom:nja &#x2013; der Luli &#x2013; &#xFC;ber pers&#xF6;nliche Schicksale von Menschen in Armut, bis hin zu den Themen der h&#xE4;uslichen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Novastan lädt euch in Kooperation mit dem Filmrauschpalast zu einer besonderen Kurzfilmnacht zum Auftakt der <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/dance-with-the-stans-nowruz-edition-2/">Zentralasienparty</a> „Dance with the Stans“ in Berlin ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Junge Regisseur:innen aus Zentralasien bringen euch Geschichten, die bewegen: vom Leben der zentralasiatischen Rom:nja &#8211; der Luli &#8211; über persönliche Schicksale von Menschen in Armut, bis hin zu den Themen der häuslichen Gewalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4c5.png" alt="📅" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Datum: 05. April<br><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/23f0.png" alt="⏰" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Zeit: 19:00 Uhr<br><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4cd.png" alt="📍" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Ort: Filmrauschpalast (Kulturfabrik Moabit, Lehrter Str. 35, 10557 Berlin)<br><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4b8.png" alt="💸" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Eintritt: 5 Euro</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/dance-with-the-stans-nowruz-edition-2/">Dance with the Stans – Nowruz Edition</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Filme werden in den Originalsprachen mit englischen Untertiteln gezeigt.</p>



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		<title>„Es gibt immer ein Zeichen der Hoffnung in unserem Leben&#8220; – Dschamsched Usmonow im Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick-Thanh Do Dinh]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Sep 2024 06:13:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dschamsched Usmonow]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regisseur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Vorf&#xFC;hrung des tadschikischen Films &#x201E;Der Flug der Biene&#x201D; bot Novastan die Gelegenheit, den tadschikischen Regisseur Dschamsched Usmonow zu treffen. Wie ein Geschmack von Honig. Diesen Eindruck hinterlie&#xDF; der Film &#x201C;Der Flug der Biene&#x201C; &#xA0;am 28. Februar bei einer Retrospektive des tadschikischen Kinos in Paris. Der Regisseur Dschamsched Usmonow war bei der Vorf&#xFC;hrung dabei. Die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Vorführung des tadschikischen Films „</strong><strong><em>Der Flug der Biene</em></strong><strong>” bot Novastan die Gelegenheit, den tadschikischen Regisseur </strong><strong>Dschamsched Usmono</strong><strong>w zu treffen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ein Geschmack von Honig. Diesen Eindruck hinterließ der Film “<a href="https://alumni.inalco.fr/fr/event/-retrospective-western-poesie-musique-voyage-en-cinema-tadjik/2024/02/28/995"><em>Der Flug der Biene</em></a><em>“ </em>&nbsp;am 28. Februar bei einer <a href="https://novastan.org/fr/societe-et-culture/une-retrospective-du-cinema-tadjik-a-paris/">Retrospektive des tadschikischen Kinos</a> in Paris. Der Regisseur Dschamsched Usmonow war bei der Vorführung dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Retrospektive<em> „Western, Poesie, Musik! Eine Reise zum tadschikischen Film”</em> war eine Initiative des Instituts für orientalische Sprachen (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_national_des_langues_et_civilisations_orientales">Inalco</a>) in Paris. Sophie Hohmann, Dozentin für Soziologie am Institut, initiierte einen Kurs zum Kennenlernen des tadschikischen Kinos<em>,</em> und zeigte dabei die Filme „<em>Tod eines Wucherers“ </em>von <a href="https://tojikfilm.tj/en/actors_tojikfilm/sobirov-tohir/">Tohir Sobirow</a> und „<em>Der Flug der Biene“</em> von Dschamsched Usmonow. Novastan sprach mit ihm über seinen Film und seine Vision von Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Die Geschichte Ihres Films ist recht einfach: Die Hauptfigur des Films, Anor, gräbt eine öffentliche Toilette vor dem Fenster des Hauses des Bürgermeisters. Anor hatte vergeblich seinen Nachbarn darum gebeten, seine furchtbar stinkende Toilette zu verlegen, und der Bürgermeister hat sich nicht dafür eingesetzt. Hinter dieser einfachen Geschichte steckt das Anprangern von Machtmissbrauch, aber auch eine Form von Spott, nicht wahr?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschamsched Usmonow: Ja. Der Bürgermeister weigert sich, Anors Bitte zu berücksichtigen, weil sein Nachbar ein reicher, einflussreicher Geschäftsmann ist. Anor hat kein Gewicht, auch wenn er Lehrer ist und die Kinder des Dorfes unterrichtet. Seine witzige, humorvolle Antwort, ist für ihn ein Hebel, ein Handlungsspielraum. Es ist ein recht einfacher Film mit einer gewissen Form von Humor. Sowas nutze ich gerne in meinen Filmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum haben Sie für diese Veranstaltung genau „<em>Der Flug der Biene“</em> gewählt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe eine besondere Zuneigung zu diesem Film, denn er erzählt die Geschichte meines Urgroßvaters. Er war ein Mann mit Charakter. In unserer Familie erzählte man, dass er Ärger mit seinem Nachbarn hatte. Das gab mir die Handlung für den Film vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die öffentliche Toilette ist also eine wahre Geschichte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, diese Geschichte ist meinem Urgroßvater vor 150 Jahren passiert. Natürlich hatte sie einen anderen Inhalt und ein anderes Ende. Ich habe sie neu durchdacht und versucht, ein Kunstwerk daraus zu machen. „<em>Der Flug der Biene“</em> ist der zweite Teil eines Diptychons, der erste Film hieß „<em>Der Brunnen“</em>. Es war ein mittellanger Film, und ich hatte ihn 1990 gedreht. Das war kurz vor dem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Bürgerkrieg in Tadschikistan</a>, der bis 1997 andauerte. „<em>Der Flug der Biene“ </em>habe ich erst später realisiert. Für mich bilden diese beiden Filme das, was ich als „Wasserzyklus“ bezeichne.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erklären Sie uns diesen „Wasserzyklus“.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz gesagt: In „<em>Der Brunne</em>n“ gräbt der Hauptdarsteller ein Loch, um Wasser zu finden. Nach mehreren Metern stößt er auf einen riesigen Felsen, den er nicht überwinden kann, und beschließt daher, eine Toilette zu bauen. Der Film wurde im letzten Jahr der Existenz der UdSSR gedreht und spiegelt meine damalige Stimmung wider.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte eines Brunnens, der sich in eine Latrine verwandelt, war eine symbolische Geschichte des Landes: Die UdSSR war als etwas sehr Positives und Interessantes gedacht, aber alles endete schlecht. In „<em>Der Flug der Biene“</em> ist es genau umgekehrt. Die Filmfigur will eine Toilette machen und stößt dabei auf einen Felsen, aber dort findet er Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sind dieser Felsen und das Wasser Symbole für die Realität mit ihren Hindernissen und Erfolgen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Allegorie auf das tägliche Leben, das voller Hindernisse steckt. Ich erzähle die Geschichte einer Person, die auf Schwierigkeiten stößt, aber nach ihren Prinzipien handelt und nicht nachgibt. Wenn man vor einer Sackgasse steht, bedeutet das für mich, dass der Sieg nicht weit entfernt ist. Man muss noch einige Schritte weitergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er geht bis zum Ende und hat ein schönes Geschenk, als er Wasser findet. Und er sagt, dass das Wasser so süß sein wird wie der Honig der Bienen. Honig bedeutet für mich Hoffnung. So endet der Film mit der Hoffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie widmen Ihren Film </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Satyajit_Ray"><strong>Satyajit Ray</strong></a><strong> (bengalischer Regisseur, 1921-1992, Anm. d. Ü). Bei ihm sind das Alltägliche und die Heiligkeit des Wassers miteinander verbunden. In Ihrem Film gibt es zahlreiche Verweise auf ihn.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleich zu Beginn mit der Musik! Sie stammt von Satyajit Ray. Dieser bengalische Regisseur war ein Archetyp des Schöpfers mit vielen Talenten. Er war Schriftsteller, Zeichner, Musiker &#8230; Er ist mein Lieblingsregisseur. Als ich diese Musik zum ersten Mal hörte, dachte ich mir, dass sie die Musik meines Films sein muss. Ich habe mir die Frage nach den Urheberrechten nicht gestellt, obwohl meine Produktionsmittel sehr gering waren. Zum Glück gewährte uns Satyajit Rays Sohn kostenfrei die Rechte für nichtkommerzielle Vorführungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unter Ihren Vorbildern nennen Sie Bernard Bresson und Jean Becker. Könnten Sie uns sagen, warum?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernard Bresson ist für mich Kino in seiner reinsten Form. Er macht „pures Kino“. Dasselbe gilt für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Becker_(Regisseur)">Jean Becker</a>, aber sein Stil, würde ich als sanfter bezeichnen: Sagen wir so, die Pille ist bei ihm weniger bitter. Zur Rolle der Musik sagte Bernard Bresson, dass sie das Kino ausmacht. Schon zu Beginn eines Films hört man Musik. Sie gibt die Stimmung und den Ton an, bis zum Ende. Ohne sie gibt es kein Kino.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt noch andere berühmte Regisseure von überall her: aus Indien, aus Japan wie Akira Kurosawa oder Yasujiro Ozu, aus Russland wie Sergej Eisenstein oder Andrej Tarkowski, aus Italien wie Federico Fellini oder Michelangelo Antonioni &#8230; Die Liste ist lang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>War es wichtig, diesen Film inmitten Ihres Heimatdorfes zu drehen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum an einem anderen Ort? Das ist der Ort, an dem mein Urgroßvater seinen Brunnen gegraben hatte! Es ist mein Heimatdorf und ich kenne jeden Winkel. Warum sollte ich woanders arbeiten, wenn es einen kleinen Ort gibt, den ich wirklich gut kenne?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/"><strong>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle meine Filme stammen von meiner Familie, einem Freund oder einem Nachbarn. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sherwood_Anderson">Sherwood Anderson</a> sagte einmal zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_Faulkner">William Faulkner</a>, einem amerikanischen Schriftsteller, den ich sehr verehre: „<em>Sie sind ein Junge vom Land, alles, was Sie kennen, ist dieses kleine Stück Land in Mississippi, wo Sie angefangen haben. Allerdings reicht das aus. Das ist auch Amerika. Schreiben Sie darüber!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Film ist schwarz-weiß und wurde mit sehr geringen Mitteln gedreht. Ich habe gehört, Sie hatten nur sehr wenig Filmrollen…</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kaufte die letzten Meter Film, die ich noch auf Lager hatte, in einer alten ukrainischen Fabrik, die die Sowjetunion belieferte &#8211; in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schostka">Schostka</a>. Wir hatten gerade genug, um nur eineinhalb Einstellungen zu machen. Wir probten die Szenen also sehr, sehr oft, bevor wir sie drehten. Stellen Sie sich die Schweißperlen in dem Moment vor, in dem ich sage: „Action!“. Die Kamera war eine sowjetische <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Konvas">Konvas</a> aus den baltischen Staaten. Ich erinnere mich, dass sie sehr laut war. Aber wir haben es geschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lassen Sie uns den Fokus erweitern. Gibt es Ihrer Meinung nach eine Besonderheit des tadschikischen Kinos im Vergleich zu den Filmen anderer zentralasiatischer Länder?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst die Sprache. Die tadschikische Sprache gehört zur Gruppe der persischen Sprachen, im Gegensatz zu den Turksprachen der anderen zentralasiatischen Länder. Tadschikistan hat eine sehr alte Kultur und Zivilisation. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie auf Adam und Eva zurückgeht, auf die Geburt der Menschheit. Sie ist uralt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tadschiken sind ein sesshaftes Volk, während die anderen zentralasiatischen Länder überwiegend Nomadenvölker waren. Aber diese Unterschiede in der Geschichte und den Kulturen sind der Reichtum und die Identität Zentralasiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Möchten Sie lieber betonen, was den gemeinsamen Fundus Zentralasiens ausmacht?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Länder sind seit den 1990er Jahren unabhängig und haben ihre eigene Identität, aber sie sind auch sie haben auch viele russische Einflüsse geerbt. Alle sprechen neben der Volkssprache auch Russisch. Das ist ein Pluspunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/alitschor-ein-fotofilm-ueber-das-leben-in-einem-tadschikischen-bergdorf/"><strong>„Alitschor“ – ein Fotofilm über das Leben in einem tadschikischen Bergdorf</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die zentralasiatischen Kinos betrifft, so verdanken sie viel der sowjetischen Filmkunst, die in industrieller und künstlerischer Hinsicht unglaublich reich war! Ich selbst wurde am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerassimow-Institut_f%C3%BCr_Kinematographie">Staatlichen Höheren Filminstitut in Moskau</a> ausgebildet, das 1919 gegründet wurde und als eine der größten Filmausbildungsstätten der Welt gilt. Jedes Land hat seine eigene Kultur, aber die Prägung durch die Geschichte kann man nicht unterdrücken. Außerdem hat Zentralasien das Glück, an der Kreuzung verschiedener Länder zu liegen, die in der Welt des Kinos einen guten Ruf haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben 2010 in Frankreich einen Film mit französischen Schauspielern gedreht – „<em>Falsches Spiel</em>“ (im Original: „<em>Le roman de ma femme</em>“, Anm. d. Ü.) &#8211; mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Gourmet">Olivier Gourmet</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9a_Seydoux">Léa Seydoux</a>. Wie war diese neue Erfahrung für Sie?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine sehr bereichernde Erfahrung. Die Schauspieler sind sehr gut und die Qualität des französischen Kinos liegt auf der Hand. Aber ich muss sagen, dass ich durch die Anforderungen der Produktion ein wenig eingeschränkt war. In meinen früheren Filmen, in denen ich als Produzent tätig war, hatte ich freie Hand. Ich mache meine Filme sehr spontan und lasse den Instinkt und die Empirie mitwirken. Ich höre auf die Möglichkeiten, die sich mir bieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eben, Sie sagen, dass das Kino wie ein lebender Organismus ist. Ist es das, was Sie meinten, wenn Sie von Spontanität sprechen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, meiner Meinung nach ist das Kino wie ein lebender Organismus. Es ist ein Spiegel des Lebens. Das spürt man bei jedem Film, der seine eigene Dynamik hat. Natürlich gibt es das Drehbuch und das, was man sich vorgenommen hat, aber man muss auf das hören, was während des Drehs passiert. Es können viele Überraschungen auftauchen, und man muss sie berücksichtigen. Das kann eine Figur sein, die im Drehbuch auftaucht, oder auch etwas ganz anderes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sind Ihre Pläne: bereiten Sie einen weiteren Film vor?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich werde in Tadschikistan drehen. Das Drehbuch habe ich bereits geschrieben, aber ich muss das Projekt noch zusammenstellen. Es ist die Geschichte vom Bau eines Gartens in der Wüste, mitten im Nirgendwo.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine letzte Frage: Nach der Vorführung von „<em>Der Flug der Biene“</em> kam eine Frau zu Ihnen und sagte Ihnen etwas. Erzählen Sie uns davon.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, sie kam zu mir und sagte: „<em>Bevor ich Ihren Film gesehen habe, wollte ich mich an jemandem rächen. Und jetzt will ich mich nicht mehr rächen</em>“. Ich kenne ihre Geschichte nicht und weiß auch nicht, über wen sie sprechen wollte. Was ich festhalte, ist, dass mein Film ihren Wunsch nach Rache verändert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe nicht den Anspruch, die Welt zu verändern, aber manchmal kann die Verschiebung von ein paar Millimetern, das Zusammenstellen von kleinen Dingen neue Hoffnung geben und zeigen, dass es nicht nur das Böse als Antwort gibt. Es gibt immer ein Zeichen der Hoffnung, das Gute hat seinen Platz in unserem Leben. Das ist der Grund, warum ich Filme mache.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Patrick Do Dinh für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/djamched-ousmonov-il-y-a-toujours-une-note-despoir-dans-nos-vies-cest-pour-ca-que-je-fais-des-films/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 May 2024 19:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ashkat Kuchinchirekov]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201C;Bauryna Salu&#x201C; erz&#xE4;hlt die Geschichte von Yersultan, der gem&#xE4;&#xDF; einer alten Stammestradition bei seiner Gro&#xDF;mutter aufw&#xE4;chst. Das Coming-of-Age-Drama feierte am 25. April auf dem 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden Deutschlandpremiere. Mit seinem schmerzhaft-ber&#xFC;hrenden Coming-of-Age-Drama &#x201E;Bauryna Salu&#x201C; ist dem kasachstanischen Regisseur Ashkat Kuchinchirekov ein beeindruckendes Langfilmdeb&#xFC;t gelungen. Der Film erz&#xE4;hlt die Geschichte des 12-j&#xE4;hrigen Yersultan, der bei [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>“Bauryna Salu“ erzählt die Geschichte von Yersultan, der gemäß einer alten Stammestradition bei seiner Großmutter aufwächst. Das Coming-of-Age-Drama feierte am 25. April auf dem 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden Deutschlandpremiere.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seinem schmerzhaft-berührenden Coming-of-Age-Drama „Bauryna Salu“ ist dem kasachstanischen Regisseur Ashkat Kuchinchirekov ein beeindruckendes Langfilmdebüt gelungen. Der Film erzählt die Geschichte des 12-jährigen Yersultan, der bei seiner Großmutter aufwächst und nach deren Tod in seine Familie zurückehrt, zu der er aber keine Bindung hat. Der Film, der im Rahmen des <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/24-goeast-filmfestival-startet-am-24-april/">24. goEast-Filmfestivals</a> seine Deutschlandpremiere feierte, konnte dort gleich einen großen Erfolg verzeichnen. Die Wahl des goEast-Medienpartners 3sat, der jedes Jahr einen Spielfilm des Wettbewerbs für den Ankauf auswählt, fiel 2024 auf „Bauryna Salu“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Titel des Films bezeichnet eine alte nomadische Stammestradition, der gemäß der älteste Sohn nach seiner Geburt Verwandten übergeben wird, damit diese ihn erziehen. Ashkat Kuchinchirekov übt mit seinem Film vehemente Sozialkritik an eben jener Tradition, indem er am Beispiel Yersultans bewegend erzählt, was diese bei den betroffenen Kindern auslöst. Der Regisseur, der gemäß dieser Tradition selbst bei seinen Großeltern auswuchs, verarbeitet dabei auch eigene Kindheitserfahrungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein warmer Sommer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon mit der ersten Einstellung lässt der Film die Zuschauenden an der Härte von Yersultans Leben teilhaben. In einer Salzmine leistet der 12-jährige harte körperliche Arbeit, um etwas Geld zurückzulegen. Mit seiner Großmutter lebt der Junge in einem bescheidenen Lehmhaus in einem Dorf. Auch abseits der Mine ist sein Leben von Arbeiten auf dem Feld oder am Haus der Großmutter geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Großmutter liebt Yersultan innig, dennoch denkt er insbesondere nachts an seine Eltern, die er nur von einer Fotografie kennt. Mit eben jenem Foto steht er abends vor dem Spiegel und betrachtet, inwieweit sich seine Gesichtszüge mit denen der Abgebildeten ähneln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/"><strong>„Goliath“ – eine Parabel der Macht</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der familiären Umstände und den Bedingungen seines Alltags wirkt Yersultans Leben glücklich und beim sommerlichen Baden oder dem Raufen mit seinem Freund Damir scheint er eine unbeschwerte Kindheit zu durchleben. Kuchinchirekov gelingt es dabei, mit stillen und langsamen Einstellungen diese Momente einzufangen und das kasachstanische Dorfleben in warmen und erdigen Farben zu porträtieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yersultans Leben nimmt jedoch eine schmerzhafte Wendung als die Großmutter stirbt. Der Junge, der damit die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben verliert, kämpft mit der Trauer und muss gleichzeitig einen Schritt zum Erwachsenwerden machen. Als einziger Verwandter der Toten kommen ihm bei der Beisetzung wichtige Aufgaben zu. Beispielsweise inspiziert er das ausgehobene Grab der Großmutter von innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… und ein kalter Winter</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film macht einen Sprung in den Winter. Yersultan ist zu seiner Familie „zurückgekehrt“. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Yerkyn muss er seinem Vater bei den ebenfalls harten Arbeiten auf dem Hof unterstützen. Zu seiner Familie hat Yersultan keine Bindung, dennoch versucht er eine Beziehung zu seinen Eltern, insbesondere zu seinem Vater, aufzubauen. Dieser bevorzugt aber Yerkyn und sieht an seinem Ältesten vor allem das Unvermögen die anfallende Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen. Tätigkeiten, die Yersultan aber fernab des elterlichen Hofs nie erlernt hat. Eine besonders symbolträchtige Rolle spielt dabei das in Kasachstan wichtige Reiten, das Yersultan so gerne erlernen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Schule findet Yersultan keinen Anschluss. Alltäglich erfährt er die Gewalt seiner Mitschüler, die den verschlossenen Neuankömmling drangsalieren. Die Klassenkameraden und ihre gezielten Schläge setzen damit einen Gegenpol zu Damir und dem freundschaftlichen Raufen, an dem sich Yersultan so gern beteiligt hatte. Immer öfter schwänzt er daher die Schule, was zu neuen Konflikten mit seinem Vater führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qash-horrortrip-im-holodomor/"><strong>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser versucht mit der Zeit, das Verhältnis zu seinem Sohn zu verbessern, indem er ihm ein Pferd kauft, damit er reiten lernen kann. Er scheitert jedoch mit diesem Versuch auf ganzer Linier, da er die Angst des Jungen angesichts des wild galoppierenden, halbgezähmten Tieres ignoriert. <em>„Ich werde runterfallen“</em>, sagt Yersultan, worauf der Vater lachend entgegnet, dass das alle beim ersten Mal tun. Da Yersultan sich weigert, das Pferd zu besteigen, muss er als Strafe zu Fuß nach Hause gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der ewige Streit in der Schule endet damit, dass Yersultan nach einer weiteren Attacke seines Mitschülers diesen mit einem Stein an den Kopf schlägt und ihn damit fast tötet. Als sein Vater davon erfährt schlägt er den Sohn, da er die Ehre der Familie verletzt habe. Yersultan fordert den Vater auf, ihn fester zu schlagen, da er ihn nicht liebe und weggegeben habe. Er wirft seinem Vater vor, dass er das Geld aus der Salzmine gespart habe, um zu seinen Eltern fahren zu können, während sie ihn nicht ein einziges Mal besucht hätten. Der Vater, der sich nach einer Zigarette an der frischen Luft der eigenen Verfehlungen bewusst wird, versucht seinem Sohn die versagte Liebe zu geben und ihn zu umarmen. Doch Yersultan wehrt sich. Das Verhältnis von Vater und Sohn scheint unumkehrbar zerstört.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein eindrückliches Porträt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Bauryna Salu“ hat Ashkat Kuchinchirekov einen einfühlsamen Film geschaffen, der den Zuschauenden die tiefsten Gefühle des Hauptcharakters offenlegt und seine persönlichen Konflikte spüren lässt. Den tiefen Schnitt, den der Tod der Großmutter und die Rückkehr zu den Eltern, in Yersultans Leben hinterlässt, untermalt der Regisseur, indem er in langen, dokumentarisch anmutenden Bildern beide Phasen im Leben des Protagonisten gleichberechtigt gegenüberstellt. Dabei heben die Farbstimmungen das Fiktionale hervor und setzen die erdigen, warmen Töne des Sommers in bewussten Kontrast zum Eisblau des Winters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist „Bauryna Salu“ ein eindrückliches Porträt des kasachstansichen Landlebens, dessen Lebensweisen und Traditionen Kuchinchirekov mit Respekt darstellt und gleichzeitig die karge Schönheit der Landschaft und Menschen einfängt. Gerade hieran zeigt sich aber auch, dass der Film in erster Linie an ein westliches Publikum gerichtet ist. Denn obwohl „Bauryna Salu“ mit seiner Kritik an der Stammestradition eine klare Botschaft an kasachstanische Zuschauende hat, kann der Film mit seinen langsamen Bildern des im Land hinlänglich bekannten Dorflebens hier nicht verfangen. Ähnlich wie auch die <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/">Filme Ädilhan Erjanovs</a> kann „Bauryna Salu“ also beim europäischen Festivalpublikum punkten, ohne dabei im eigenen Land nennenswerte Spuren zu hinterlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/a-dark-dark-man-ein-korrupter-polizist-stellt-sich-der-ungerechtigkeit-entgegen/"><strong>„A Dark, Dark Man“: Ein korrupter Polizist stellt sich der Ungerechtigkeit entgegen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Kuchinchirekov aber mit seiner Entscheidung, der eigenen Linie treu zu bleiben, genau richtig lag, zeigt sich in der Auszeichnung, die „Bauryna Salu“ während des 24. goEast-Filmfestivals erhielt. Der goEast-Medienparter und Fernsehsender 3sat wählte den Film für den Ankauf aus. <em>„Das stille und kraftvolle Langfilmdebüt „Bauryna Salu“ von Ashkat Kuchinchirekov bietet in seiner schmerzhaft-berührenden Auseinandersetzung mit der gleichnamigen Stammestradition in Kasachstan authentische Einblicke in eine fremde Welt und ihre Lebens- und Arbeitspraktiken“</em>, heißt es <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/16741/">in der Begründung</a>. Wer also „Bauryna Salu“ dieses Jahr in Wiesbaden verpasst hat, wird spätestens im April 2025 die Gelegenheit haben, diesen sehenswerten Film vor dem heimischen Endgerät zu schauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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		<title>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Nov 2023 16:52:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aisultan Seit]]></category>
		<category><![CDATA[Asharshylyq]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
		<category><![CDATA[Hungersnot]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;Qash&#x201C; lieferte der bekannte Musikvideo-Regisseur A&#x131;sultan Se&#x131;t sein mit Spannung erwartetes Spielfilmdeb&#xFC;t. Der Film, der vor dem Hintergrund der Gro&#xDF;en Hungersnot in den 30er Jahren spielt, rief angesichts hei&#xDF; gef&#xFC;hrter Debatten &#xFC;ber Dekolonialismus ein geteiltes Echo hervor. Am 12. November ist das 33. FilmFestival Cottbus zu Ende gegangen. Mit &#x201E;Close Up: Kazakhstan&#x201C; wurde dem [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „Qash“ lieferte der bekannte Musikvideo-Regisseur A</strong><strong>ısultan Se</strong><strong>ıt sein mit Spannung erwartetes Spielfilmdebüt. Der Film, der vor dem Hintergrund der Großen Hungersnot in den 30er Jahren spielt, rief angesichts heiß geführter Debatten über Dekolonialismus ein geteiltes Echo hervor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. November ist das <a href="https://www.filmfestivalcottbus.de/de/">33. FilmFestival Cottbus</a> zu Ende gegangen. Mit „Close Up: Kazakhstan“ wurde dem zentralasiatischen Land in diesem Jahr eine eigene Sektion gewidmet, die einen Überblick über das kasachstanische Kino der letzten 40 Jahre bot. Neben echten Klassikern befand sich auch der heißdisuktierteste Debutfilm des letzten Jahres im Programm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aısultan Seıt ist derzeit einer der gefragtesten Musikvideo-Regisseure, der unter anderem mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Travis_Scott_%28Rapper%29">Travis Scott</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Noize_MC">Noize MC</a> zusammengearbeitet hat. In Kasachstan ist der 26-Jährige ein Star und entsprechend hoch waren die Erwartungen, als Seıt 2022 sein Spielfilm-Debut „Qash“ ankündigte. Als ob dies nicht genug wäre, behandelt der Film auch noch Kasachstans nationales Trauma. Kann das gut gehen?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Asharshylyq als Background</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Qash“ (kasachisch für „Lauf!“) – laut Programmheft des FilmFestival Cottbus ein <em>„historischer Horrortrip in der kasachischen Steppe“</em> – spielt im Jahr 1931 vor dem Hintergrund der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren">großen Hungersnot</a> in der Sowjetunion. Im Westen ist diese hauptsächlich unter ihrem ukrainischen Namen „Holodomor“ geläufig. Weit weniger bekannt ist, dass Kasachstan von der auf Kasachisch „Asharshylyq“ genannten Katastrophe als erstes betroffen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Historikerin Sarah Cameron <a href="https://eurasianet.org/book-review-a-long-awaited-account-of-kazakhstans-famine">führte</a> die erzwungene Sesshaftmachung und die Beschlagnahmung von Vieh zum Tod von mehr als einem Viertel der kasachischen Bevölkerung. Schätzungen gehen von 1,5 bis 2,1 Millionen Toten aus. Zu dieser Zahl kommen noch die 1 bis 2 Millionen Kasach:innen, die vor Hunger flohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-nicht-erzaehlte-geschichte-des-hungers-eine-rezension-von-sarah-camerons-buch-hungrige-steppe/"><strong>Die nicht erzählte Geschichte des Hungers – eine Rezension von Sarah Camerons Buch „Hungrige Steppe“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten dieser Hungersnot ist Isataı zum Totengräber seines <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aul">Auyls</a> geworden. In einer Truhe in seiner Jurte versteckt er seinen 8-jährigen Bruder Álim, um diesen zu schützen – allzu gut weiß er, dass gerade die Schwächsten leicht Opfer von Kannibalismus werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als einer der wenigen, die den Weg in die nächstgelegene Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sarqan">Sarqant</a> kennen, wird Isataı von der Sowjetmacht seines Auyls auserkoren, um ein Bittgesuch für bessere Lebensmittelversorgung zu überbringen. Zwar sträubt er sich dagegen, allerdings lässt der ältere Magaı ihn wissen, dass er Álim in Sarqant in ein Waisenhaus geben kann, wo der Junge vor dem wahrscheinlichen Tod durch Hunger oder Mord sicher sei.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In Begleitung eines russischen Soldaten und mit Álim im Wagen versteckt, macht sich Isataı auf den Weg. Doch bereits in der ersten Nacht wird die Gruppe von Räubern überfallen. Der Soldat flieht, Isataı und Álim bringen sich mit Hilfe des aus dem nichts aufgetauchten, einäugigen Alten Tepe in Sicherheit, verlieren aber die Orientierung in der endlosen Steppe. Tepe, der vorgibt auch nach Sarqant zu reisen und den Weg zu kennen, führt die beiden an. Doch schon bald verliert Isataı das Vertrauen in Tepe und der Horrortrip beginnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Raum für Interpretationen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit großartigen Landschaftsaufnahmen, stylischen Bildkompositionen und einem perfekten Auge fürs Detail zeigt Aısultan Seıt, was er beim Clip-making gelernt hat und schafft für „Qash“ eine ganz eigene, bedrückende Ästhetik. Insbesondere der Grauschleier, der über dem gesamten Film liegt, trägt dazu bei, distanziert aber auf der anderen Seite auch vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist außerdem, dass der Film vorrangig über das Visuelle funktioniert. Dialoge sind – wie Seıt selbst im Interview mit <a href="https://esquire.kz/ajsultan-seitov-nichto-ne-otobet-moe-zhelanie-rabotat-v-kino/">Esquire.kz</a> hervorhebt – auf ein Minimum reduziert. Doch auch das virtuelle Spiel mit den Geräuschen und der Stille der Steppe tragen zur Atmosphäre von „Qash“ bei.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="ҚАШ | Official Trailer" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/Z00URErDabc?start=2&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Der Trailer zum Film</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hinterlässt der Film Raum für Interpretationen, die ihm eine zusätzliche Tiefe verleihen. Dies betrifft vor allem die Figur des mystischen Tepe, der zwar vorgibt, den Weg zu kennen, letztendlich aber alle in die Irre führt. So stellte die Journalistin Galina Baıjanova im <a href="https://esquire.kz/ajsultan-seitov-nichto-ne-otobet-moe-zhelanie-rabotat-v-kino/">Gespräch mit Aısultan Seıt</a> fest, dass Tepe sie an Kasachstans ersten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> erinnere – eine Parallele, die aber laut dem Regisseur nicht intendiert sei. Vielmehr weist er darauf hin, dass <em>„Tepe eine Ableitung von Tepekoz ist, dem Namen des Zyklopen in der türkischen Mythologie. In dieser Geschichte haben wir also den alten Mythos des Zyklopen verschleiert, der zwei Brüdern eine Herde Widder wegnahm und sie zurückbrachte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist Tepe nicht die einzige Figur, die bei einigen Kinobesucher:innen Erinnerungen an kasachische Mythen hervorrief. Während der Diskussionsveranstaltung „Kasachstan auf der Suche nach einer neuen Identität?“, die ebenfalls im Rahmen des FilmFestivals Cottbus in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien stattfand, stellte Aısultan Seıt klar, dass bei der Rolle der Alman keine Nähe zu Jeztyrnaq („Kupfernagel“), einer bekannten Figur der kasachischen Mythologie, intendiert sei. Auch die Darstellerin Tolģanaı Talgat erklärteim Rahmen der Podiumsdiskussion, dass es ihr allein darum gegangen sei, den Schmerz der trauernden Mutter zu verkörpern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein (de)kolonialer Film?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Aısultan Seıts Spielfilmdebut in Kasachstan sehnlich erwartet worden war, rief der Film auch einige Kritik hervor. Wie der Regisseur selbst bei der Podiumsveranstaltung in Cottbus darstellte, waren die Erwartungen an ihn besonders hoch. Einer der Kritikpunkte, die ihn besonders getroffen haben, sei gewesen, dass man „Qash“ als unpolitisch gesehen habe, weil der Film die Auslöser der Hungerkatastrophe nicht eindeutig benenne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Kritiker hingegen sehen den Film zwar als eindeutig politisch, aber mit – wie es Aıdos Taıbekuly auf <a href="https://newreporter.org/2023/01/18/film-qash-ob-asharshylyke-debyut-kazaxstanskogo-rezhissyora-ili-politicheskoe-vyskazyvanie/">New Reporter</a> formuliert – <em>„zweideutiger politischer Botschaft“</em>. <em>„Dem Drehbuch zufolge litten nicht nur lokale Kasachen unter Hunger in der Steppe, sondern auch Vertreter der Sowjetregierung, die eine Kollektivierung durchführte, in deren Folge eine schreckliche Hungersnot ausbrach. Selbst wenn es in der Sowjetregierung vereinzelt zu Hungersnöten kam, wie angemessen ist es dann, auf das Leid der Täter während des Massentodes ihrer Opfer hinzuweisen?“</em>, so Taıbekuly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit befindet sich „Qash“ inmitten der aktuellen Diskurse <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">um Dekolonialisierung</a> in Kasachstan, in denen das nationale Trauma des Asharshylyq eine zentrale Rolle einnimmt, da er wesentlich zur Sowjetisierung der kasachischen Gesellschaft beitrug. Auch die von russischen Schaupieler:innen dargestellten Rollen, wie der der russische Soldat, der Streichhölzer schenkt und so die Moderne ins Leben von Isataı und Álim einziehen lässt, oder die Erzieherin im Kinderheim von Saqant riefen Kritik hervor. Tatsächlich sind aber – wie der Regisseur hervorhebt – beide Figuren vielschichtiger und passen nur bedingt ins Topos „weißer Retter:innen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dos-muqasan-die-geschichte-der-kasachischen-beatles-als-film/"><strong>„Dos-Muqasan“ – die Geschichte der „kasachischen Beatles“ als Film</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei aller Kritik sollte man aber bedenken, dass „Qash“ an keiner Stelle intendiert, die Geschichte des Asharshylyq zu erzählen oder gar dokumentarisch zu sein. <em>„Ursprünglich wollten wir einen Film über sich in der Steppe verirrende Meschen machen. Aber als ich darüber nachdachte, in welchem ​​Kontext ich dies tun sollte und in welchem ​​Zeitraum dies geschehen könnte, wurde mir klar, dass es wahrscheinlich die 30er Jahre sein würden. Inspiriert wurde ich von der Geschichte des Urgroßvaters meines Freundes, der während der Hungersnot dank seines älteren Bruders gerettet wurde, da dieser ihn durch die Wintersteppe trug und ihn dann in ein Waisenhaus brachte“</em> erklärte Seıt gegenüber Esquire.kz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demnach sollte man „Qash“ auch als das sehen, was er ist: kein Film über die Hungersnot, sondern eine Geschichte, die vor deren Hintergrund spielt. Denn ohne diese falschen Erwartungen bleibt ein durchweg spannendes und großartig inszeniertes Debut, das Lust auf mehr macht.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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		<title>Kasachstan: „Schau!“, ein Dokumentarfilmfestival </title>
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		<dc:creator><![CDATA[amalaisarova]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Jul 2023 07:17:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilme]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Qara Film Festival]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Qara Festival in Kasachstan findet zum dritten Mal statt. Sein Ziel: den Dokumentarfilm im Land popul&#xE4;rer machen und die lokale Filmindustrie f&#xF6;rdern. Vom 5. bis 9. Juli findet in Almaty zum dritten Mal das Qara Film Festival, ein unabh&#xE4;ngiges Dokumentarfilmfestival, im Artischock Theater statt. In diesem Jahr pr&#xE4;sentiert das Qara-Fest dem kasachstanischen Publikum elf [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Qara Festival in Kasachstan findet zum dritten Mal statt. Sein Ziel: den Dokumentarfilm im Land populärer machen und die lokale Filmindustrie fördern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 5. bis 9. Juli findet in Almaty zum dritten Mal das <a href="https://qarafilmfest.kz/ru">Qara Film Festival</a>, ein unabhängiges Dokumentarfilmfestival, im <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/artischok-theateravantgarde-in-kasachstan/">Artischock Theater</a> statt. In diesem Jahr präsentiert das Qara-Fest dem kasachstanischen Publikum elf ausländische Filme und einen Wettbewerb mit acht kurzen Dokumentarfilmen einheimischer Regisseure.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das 2020 erstmals organisierte Qara Film Festival etabliert sich allmählich in der lokalen Filmbranche. Der Weg dorthin war voller Herausforderungen, wie die Gründerin des Festivals, Uljana Toporowskaja, im Gespräch mit Novastan bestätigt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Kinowochenende zum Online-Festival</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Uljana wollte schon immer in der Filmproduktion arbeiten und etwas Eigenes, Unabhängiges und Inklusives schaffen, das sowohl die kasachischsprachige als auch die russischsprachige Bevölkerung Kasachstans einschließt. Nach ehrenamtlichem Engagement und Praktika auf großen internationalen Festivals wollte sie die Filme, die sie dort gesehen hatte, mit dem kasachstanischen Publikum teilen &#8211; zunächst im Rahmen eines Kinowochenendes. Den Namen „Qara!” &#8211; Kasachisch für „Schau!“ &#8211; wählte sie in diesem Sinne. Dann begann das Projekt zu wachsen.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf staatliche Förderung wollte Uljana nicht zurückgreifen, um sich nicht von dessen Bedingungen einschränken zu lassen. Wie die Dokumentarfilmerin Kristina Michailova im Gespräch mit dem Online-Medium <a href="https://vlast.kz/filmy/55777-alakan-dekolonialnoe-dokumentalnoe-kino-aidy-dilbek.html">Vlast</a> berichtete, sei eine solche Förderung mit Themenvorgaben und großen bürokratischen Hürden verbunden. So bewarb sich Uljana um Zuschüsse des niederländischen Festival „<a href="https://moviesthatmatter.nl/en/">Movies that matter</a><em>“</em> und der Soros Foundation-Kazakhstan, welche bereits das „<a href="https://en.tengrinews.kz/cinema_and_music/clique-film-festival-to-take-place-in-almaty-257120/">Clique Film Festival</a><em>“</em> in Kasachstan unterstützt hatte und zum wichtigsten Partner des QaraFests geworden war. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„Movies that Matter<em>“ </em>konzentriert sich auf Filme über Menschenrechte und vergibt Zuschüsse für die Vorführung solcher Filme in Ländern, in denen die Meinungsfreiheit bedroht ist. Uljana glaubt, dass die Sensibilisierung für Menschenrechte sehr wichtig ist, besonders in Kasachstan, wo Menschenrechtsfragen oft totgeschwiegen werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-auf-der-kinokarte/">Zentralasien auf der Kinokarte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„</em><em>Ich bin dafür, Filme zu unterstützen, die ehrliche und aufrichtige Geschichten erzählen und wichtige Themen aufgreifen. Wenn man einen Film macht und das kommt im Film nicht vor, dann hat man irgendwo gelogen oder wurde zensiert</em><em>“</em>, meint Uljana. Alle Filme für das Qara Fest wählt sie selbst und intuitiv auf den Webseiten der Berlinale, Sundance und anderen großen Festivals sowie bei europäischen Verleihern und Autoren aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kasachstanische Filmemacher brechen durch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel des ersten Festivals im Jahr 2020 war es, den Dokumentarfilm in Kasachstan populärer zu machen. Obwohl das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte und nur online stattfand, konnten mehr als 2 200 Zuschauer in ganz Kasachstan acht internationale Dokumentarfilme kennenlernen. Im darauffolgenden Jahr gelang es dem Qara Fest, sowohl Online- als auch Live-Vorführungen im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Filmtheater_Arman">Arman-Kino</a> in Almaty zu organisieren. Diese Ausgabe wurde von rund 3 500 Zuschauern besucht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 unternahm Qara Fest im Rahmen des Projekts <a href="https://qarafilmfest.kz/ru/festival-dostary"><em>Festival Dostary</em></a> (kas.: “Freunde des Festivals”) mit Unterstützung des Goethe-Instituts seine erste Reise durch Kasachstan. Über einen Open Call wurden zehn Filmbegeisterte aus ganz Kasachstan ausgewählt und geschult, um Qara Fest-Filme der vergangenen Jahre in Astana, Qyzylorda, Atyrau, Aqtóbe, Petropawlowsk, Taldyqorǵan, Almaty, Túrkistan und Shymkent vorzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uljana wollte auch kasachstanische Filme ins Programm aufnehmen, aber in den Jahren der Pandemie wurden nur wenige veröffentlicht. Nach dem Festival organisierte Uljana ein Pitching unter dem Namen <a href="https://qarafilmfest.kz/ru/2021/pitching"><em>AÝT Central Asia</em></a>, bei dem Filmemacher ihre Projekte vorstellen und um Unterstützung bitten konnten. Drei der acht Teilnehmer wurden für die Festivals DOK Leipzig oder Artdocfest akkreditiert, einer erhielt ein Preisgeld von 1000 Dollar. Inzwischen sind alle Filme in Produktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ohne Produzenten verliert der Film sein Potenzial</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als positives Fazit des Pitchings zieht Uljana einen Kreativitätsschub bei den Dokumentar- und Spielfilmregisseuren. Als trauriges Fazit weist die Organisatorin darauf hin, dass die Filmemacher leider allein arbeiten müssen. Das ist in der internationalen Szene eine Seltenheit: Ein Team muss mindestens aus einem Produzenten und einem Regisseur bestehen. <em>„Beim Dokumentarfilm hat es den Anschein, man könne einfach loslegen und drehen, aber es ist immer ein sehr komplizierter Prozess“</em>, fügt Uljana hinzu.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/07/photo_2023-07-02_15-25-52-1024x682.jpg" alt="Uljana Toporowskaja" class="wp-image-33614" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/07/photo_2023-07-02_15-25-52-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/07/photo_2023-07-02_15-25-52-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/07/photo_2023-07-02_15-25-52-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/07/photo_2023-07-02_15-25-52.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Festivalgründerin Uljana Toporowskaja (Foto: Ben Stivers)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regisseurin und Autorin des Films „Sweet Milky Corn“, Aıjan Kasymbek, die im Pitching 1000 Dollar Preisgeld erhielt, sagte in einem Interview mit dem Online-Medium <a href="https://vlast.kz/filmy/55777-alakan-dekolonialnoe-dokumentalnoe-kino-aidy-dilbek.html">Vlast</a>, dass man zuerst das Drehbuch schreibe, sich bei lokalen und internationalen Fonds um Finanzierung bewerbe und erst dann mit den Dreharbeiten beginne. In der Zwischenzeit verlieren aber der Protagonist und die Situation an Relevanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Der Mangel an Produzenten ist ein großes Problem, denn ein Projekt beinhaltet viel nicht-kreative Arbeit, vor allem in unserem Kontext, wenn man überall nach Finanzierung suchen und einen Businessplan erstellen muss. Wenn das nur der Regisseur macht, dauert es sehr lange und die Projekte werden oft nicht fertiggestellt, obwohl sie viel Potenzial haben</em>“, so Uljana.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/dokumentarfilm-waiting-for-the-sea-von-techno-und-tradition-in-usbekistan/">Dokumentarfilm „Waiting for the Sea“ – von Techno und Tradition in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu der diesjährigen Ausgabe des Qara Fest gehört ein kasachstanischer Dokumentar-Kurzfilmwettbewerb „Biz“ („Wir“ auf Kasachisch, Anm. d. Aut.). Acht Filme mit herausragenden Protagonisten werden gezeigt. Eine internationale Jury wählt den Gewinner aus und vergibt einen Geldpreis in Höhe von 1 000 Euro. Darüber hinaus hat das Qara Fest in Zusammenarbeit mit der neu gegründeten Vereinigung unabhängiger Dokumentarfilmer <a href="https://www.instagram.com/qazdoc_/">QazDoc</a> einen Showcase für kasachstanische Langfilmprojekte angekündigt. Die erste Vorführung von sieben neuen Filmen in unterschiedlichen Produktionsstadien mit hohem internationalem Potenzial findet am 8. Juli statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Festival ist wieder im Aufwind, und das trotz Rückschlägen. Im vergangenen Jahr hatte es eine wichtige Finanzierungsquelle verloren hatte, als die Soros-Stiftung in Kasachstan ihre Finanzierung für zivilgesellschaftliche Initiativen <a href="https://rus.azattyq.org/a/kazakhstan-soros-foundation-transformation/32365172.html">einstellte</a>.<em> „Es ist moralisch schwer zu sehen, wie Organisationen, die jahrelang kulturelle Projekte unterstützt haben, ihre Programme schließen. Die Bedingungen im Kulturbereich, der in unserem Land ohnehin nicht sehr entwickelt ist, haben sich verändert. Da wir unseren wichtigsten Partner verloren haben, arbeiten wir in diesem Jahr mit 50 Prozent weniger Budget, Inflation eingerechnet. Im Grunde machen wir mehr mit viel weniger Geld. Es ist ein Versuch zu überleben und zu zeigen, dass wir da sind und dass wir es schaffen können“</em>, gibt Uljana zu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„<strong>Wir sind hier und wir schaffen es</strong><em>“</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage nach ihren Erwartungen an das diesjährige Festival seufzt Uljana erleichtert: „<em>Ich habe viel Spaß. Es ist so schön, wenn alles schon so gut läuft, man spürt den Wert des Programms und möchte die leuchtenden Augen der Leute sehen und das Gesehene mit ihnen teilen. Es ist natürlich immer aufregend, wie es laufen wird, denn dieses Jahr sind wir zum ersten Mal nicht in einem Kino, sondern im ArtiSchok-Theater. Es hat nur einen Saal mit ca. 140 Plätzen und keine Möglichkeit, mehrere Filme gleichzeitig zu zeigen. Das ist eine kleine Herausforderung, aber auf der anderen Seite ist es ein sehr cooler, unabhängiger Ort. Es ist großartig, mit lokalen, unabhängigen Projekten zu arbeiten.“</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Uljana freut sich, dass immer mehr Qara Fest-Besucher aus den Vorjahren als Freiwillige beim Festival mitmachen wollen. „<em>Letztes Mal bekamen wir nur vier Bewerbungen über einen Open Call, von denen nur zwei tatsächlich erschienen. In diesem Jahr haben wir rund 40 Bewerbungen erhalten, die sich wie schöne Motivationsbriefe anfühlen. Das hat mich sogar berührt. Man hat das Gefühl, dass sich immer mehr junge Menschen für Dokumentarfilme interessieren, die Jugend in Kasachstan ist begeistert, beim Festival mitzuhelfen“</em>, so die Organisatorin abschließend.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aizere Malaisarova<br>Für Novastan.org aus Almaty</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Zentralasiatische Jugend auf großer Leinwand beim Festival in Vesoul</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Flavia]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2022 17:34:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anl&#xE4;sslich des diesj&#xE4;hrigen Internationalen Filmfestivals des asiatischen Kinos in Vesoul wurden mehrere Dokumentar- und Spielfilme gezeigt, die sich mit Zentralasien befassen. Das franz&#xF6;sische Team von Novastan war zum Anlass dieser seltenen Gelegenheit f&#xFC;r die Vorstellung mehrerer Filme vor Ort. Das Internationale Festival des asiatischen Kinos (frz.: Festival international des cin&#xE9;mas d&#x2019;Asie) fand in diesem Jahr [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anlässlich des diesjährigen Internationalen Filmfestivals des asiatischen Kinos in Vesoul wurden mehrere Dokumentar- und Spielfilme gezeigt, die sich mit Zentralasien befassen. Das französische Team von Novastan war zum Anlass dieser seltenen Gelegenheit für die Vorstellung mehrerer Filme vor Ort.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://www.cinemas-asie.com/fr/">Internationale Festival des asiatischen Kinos</a> (frz.: Festival international des cinémas d&#8217;Asie) fand in diesem Jahr vom 1. bis zum 8. Februar in der französischen Stadt Vesoul statt und zeigte im Rahmen des Sonderprogrammpunkts &#8218;Blick auf die Kinos der Seidenstraße&#8216; zahlreiche zentralasiatische Filme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den verschiedenen Filmen des zentralasiatischen Kinos, die im Rahmen des Festivals gezeigt wurden, erlangten <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jamshed_Usmonov">Dschamsched Osmonows</a>&nbsp;&#8218;Pour aller au ciel, il faut mourir&#8216; (dt.: Um in den Himmel zu kommen, muss man sterben) und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Darezhan_Omirbaev">Darezhan Omirbaevs</a> &#8218;L’étudiant&#8216; (dt.: Der Student) besondere Aufmerksamkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese beiden Filme, die in ihrer Gestaltung recht unterschiedlich sind, behandeln mehrere gemeinsame Kernthemen.Etwa das Erwachsenwerden Jugendlicher aus der Provinz, die in Großstädten umherirren und nach Sinn und etwas Absolutem suchen, dem sie nur durch Regelverstöße näherkommen können.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Bewegende Bekanntschaften in Duschanbe</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Der tadschikische Regisseur Dschamsched Usmonow widmet sich in seinem Film, der 2006 in die Kinos kam und im selben Jahr in der Auswahl &#8218;<a href="https://www.abusdecine.com/article_festival/cannes-2006-un-certain-regard-selection/">Un certain regard</a>&#8218; bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde, der Geschichte des 20-jährigen und frisch verheirateten Kamal, der es nicht schafft, eine sexuelle Beziehung zu seiner Frau aufzubauen. Er reist daraufhin in die Hauptstadt Duschanbe, in der Hoffnung, dort Frauen kennenzulernen, denen es gelingt, ihn mit seiner eigenen Sexualität vertraut zu machen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen ändert eine Frau, die er in einem Bus trifft, tatsächlich sein Leben – aber nicht unbedingt so, wie er es sich vorgestellt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-auf-der-kinokarte/">Zentralasien auf der Kinokarte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8218;Pour aller au ciel, il faut mourir&#8216; (dt.: Um in den Himmel zu kommen, muss man sterben) wurde in Tadschikistan gedreht und ist der letzte Film des Regisseurs. Er thematisiert auf subtile Weise die Spannung zwischen der Freiheit des Einzelnen und bereits vorgezeichneten Lebenswegen. Der mit Laiendarsteller:innen gedrehte Film beschreibt auch, wie sich Freiheit und Schicksal durch die Begegnungen der Figuren miteinander verflechten und auf ihr weiteres Leben auswirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschamsched Usmonow hat seinen Film &#8218;L&#8217;ange de l&#8217;épaule droite&#8216; (dt.: Der Engel an der Seite) bereits am 28. November 2021 im Rahmen des <a href="https://www.guimet.fr/event/rencontres-conferences-lectures-et-temoignages-une-journee-pour-decouvrir-le-tadjikistan/?fbclid=IwAR0ukR-e12jym5rTzjyv8o8JHaF9cC2eGR6pEhL_HiLqHSh33iE7D4s1KME">Tadschikistan-Wochenendes im Guimet-Museum</a> in Paris präsentiert. Nach und nach wird so das bedeutende Werk eines der wichtigsten zeitgenössischen tadschikischen Regisseure auf internationaler Bühne gezeigt und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Verbrechen und Strafe in Kasachstan</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film &#8218;L’étudiant&#8216; (dt.: Der Student) des kasachstanischen Regisseurs Darezhan Omirbaev aus dem Jahr 2012 ist ein Versuch, den Roman &#8218;Schuld und Sühne&#8216; von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fjodor_Michailowitsch_Dostojewski">Fjodor Dostojewski</a> auf das heutige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> zu übertragen. In dem Film folgen wir als Zuschauende einem jungen Philosophiestudenten aus der Provinz. Der Sozialdarwinismus, der ihm während seiner Vorlesungen vermittelt wird, inspiriert ihn dazu, aus der Isolation und der Prekarität seines Lebens auszubrechen, indem er eine Tat vollbringt, die als ultimativer Ausdruck von Macht angesehen wird: Einen Mord. Diese Tat bringt ihm jedoch nicht die Befreiung und den erhofften Aufstieg, sondern treibt ihn im Gegenteil noch tiefer in seine Einsamkeit.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">&#8218;L’étudiant&#8216; gewährt einen Einblick in ein Kasachstan im Umbruch, wobei die Stadt Almaty mit den gerade entstehenden Wolkenkratzern die Kulisse für dieses eher stille Drama bildet. Dieser Film, der sechste Spielfilm des Regisseurs, wurde auch in der Auswahl &#8218;<a href="https://www.abusdecine.com/article_festival/cannes-2012-selection-officielle-un-certain-regard/">Un Certain Regard&#8216;</a><a href="https://www.abusdecine.com/article_festival/cannes-2012-selection-officielle-un-certain-regard/"> bei den Filmfestspielen von Cannes 2012</a> gezeigt. Die filmische Umswetzung von &#8218;L‘étudiant&#8216; war hinter den Kulissen Gegenstand eines Dokumentarfilms unter der Regie von Hervé Portanguen, der auch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3gmSKVZGRE0">online</a> anzusehen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8218;Poet&#8216;, die neueste Filmproduktion von Darezhan Omirbaev, feierte am 31. Oktober letzten Jahres beim Filmfestival in Tokyo ihre internationale Premiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Amelia Boyart-Bienenfeld</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für Novastan France</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Flavia Gerner</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>goEast-Festival: „100% Baumwolle“ stellt Zwangsarbeit in den Fokus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Apr 2022 08:05:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Baumwolle]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Timur Karpov]]></category>
		<category><![CDATA[Zwangsarbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#xA0;&#x201E;100% Baumwolle&#x201C; zeigt den harten Alltag usbekischer Baumwollpfl&#xFC;cker:innen. Im Rahmen des 22. goEast-Filmfestivals in Wiesbaden feierte der Dokumentarfilm Europa-Premiere. Novastan war dabei. Premiere in Wiesbaden: Im Rahmen des 22. goEast-Filmfestivals wurde 100% Baumwolle, der neue Dokumentarfilm von Regisseur Mikhail Borodin, nur zwei Tage nach seiner Weltpremiere in Taschkent erstmals einem europ&#xE4;ischen Publikum vorgef&#xFC;hrt. Moderne Sklaverei [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>&nbsp;„100% Baumwolle“ zeigt den harten Alltag usbekischer Baumwollpflücker:innen. Im Rahmen des 22. goEast-Filmfestivals in Wiesbaden feierte der Dokumentarfilm Europa-Premiere. Novastan war dabei.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Premiere in Wiesbaden: Im Rahmen des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">22. goEast-Filmfestivals</a> wurde <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5ScHIHe_S_0&amp;t=96s">100% Baumwolle</a>, der neue Dokumentarfilm von Regisseur Mikhail Borodin, nur zwei Tage nach seiner Weltpremiere in Taschkent erstmals einem europäischen Publikum vorgeführt. Moderne Sklaverei stand schon bei Borodins Spielfilmdebüt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Produkty_24">Produkty 24</a>, das während der <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-bei-der-berlinale-viele-einblicke-und-grosse-preise/">diesjährigen Berlinale</a> Premiere feierte, im Fokus. Auch bei „100% Baumwolle“ bleibt er diesem Thema treu und richtet das Augenmerk auf Zwangsarbeit in Usbekistans Baumwollindustrie. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Zwangsarbeit im Fokus</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Für den Film begleiteten Borodin und sein Kameramann, der Dokumentarfotograf <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-von-timur-karpov/">Timur Karpov</a>, zwei Frauen durch die drei Monate währende Erntesaison. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-auf-der-kinokarte/"><strong>Zentralasien auf der Kinokarte </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bäuerin Muhabbat Madraimova aus dem Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Xiva</a> hat Land vom Staat gepachtet und muss mit ihrer Baumwolle, die sie zu niedrigen Preisen an den Staat verkauft, jedes Jahr eine bestimmte Quote erfüllen. Parallel dazu arbeitet sie für die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Arbeitsorganisation">International Labour Organization (ILO)</a> und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen der Baumwollpflücker:innen ein. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Auch die Menschenrechtsaktivistin Elena Urlaeva fährt durch das Land und weist die oft zwangsrekrutierten Arbeiter:innen, die in heruntergekommenen Wohnheimen oder Sporthallen wohnen und ihr karges Gehalt nur selten pünktlich bekommen, auf ihre Rechte hin. Dabei macht sie auch nicht vor der Konfrontation mit Lokalpolitikern halt, auch wenn ihr Kampf gegen Windmühlen ausweglos erscheint, wenn etwa ihr Gegenüber erklärt, dass sich die baumwollpflückenden Bergmänner freiwillig gemeldet hätten, um dem Land bei der Ernte des „weißen Goldes“ zu helfen.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein eindrucksvolles Portrait</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Neben der ernsten Problematik der Zwangsarbeit zu beleuchten, schafft es „100% Baumwolle“ mit Szenen aus Mahabbats Familienalltag auch einen Einblick in das Leben der usbekischen Landbevölkerung zu gewähren. Hierbei entwickelt der Film allerdings auch teilweise Längen, und ob die detailgenaue Dokumentierung einer Beschneidung oder des rituellen Schlachten eines Schafes einen Mehrwert haben, muss jede:r Zuschauer:in mit sich selbst ausmachen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-von-timur-karpov/"><strong>Zentralasien durch die Linse von… Timur Karpov </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles in allem gelingt dem Film aber ein eindrucksvolles Portrait beider Frauen und ihres Kampfes für bessere Arbeitsbedingungen in Usbekistans Baumwollindustrie. Dies ist nicht zuletzt der Kameraführung von Timur Karpov zu verdanken, der mit seinen präzisen Einstellungen und langsamen Bildern das geschulte Auge eines Dokumentarfotografen zur Schau stellt. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine neue Zeit?</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Im Anschluss an die Premiere stellten sich Borodin, Karpov gemeinsam mit Produzentin Julia Shaginurova den Fragen des Wiesbadener Publikums. Karpov erklärte, dass die Aufnahmen während der Erntesaison im Herbst 2018 entstanden, einer Zeit <em>„als die alte Diktatur [von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov"><em>Islom Karimov</em></a><em>, Anm. d. Red.] beendet war und die neue noch nicht begonnen hatte“</em>. Überholt scheint „100% Baumwolle“ deswegen aber nicht.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Die Cotton Campaign hatte im März dieses Jahres verkündet, den mehr als ein Jahrzehnt währenden internationalen <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-mehr-als-zehn-jahren-boykott-usbekischer-baumwolle-aufgehoben/">Boykott usbekischer Baumwolle aufzuheben</a>, da das System der Zwangsarbeit in Usbekistan beendet sei. <em>„Unsere Koalition, aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft und internationaler Organisationen erkennen an, dass bei der Ernte von Rohbaumwolle Zwangsarbeit nicht zum Einsatz kommt und vollständig eliminiert wurde“</em>, erklärte Bennett Freeman, Präsident der Cotton Campaign, damals gegenüber dem usbekischen Senat. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/baumwollernte-in-usbekistan-freiwillige-zwangsarbeit/">Baumwollernte in Usbekistan: Freiwillige Zwangsarbeit? </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Filmschaffenden gehen aber davon aus, dass sich nichts geändert habe. Auf die Frage nach dem Verbleib der Protagonistinnen erklärten sie, dass Mahabbat ihr Engagement für die ILO mittlerweile aufgegeben habe. Elena, die bei der Premiere in Taschkent zugegen war, führe hingegen ihren Kampf unermüdlich fort. Sie stehe unter ständiger Beobachtung des Geheimdienstes. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth, Redakteur für Novastan</strong> </p>



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		<title>The Wounded Angel: Ein dramatisches und tiefgründiges Portrait des ländlichen Kasachstan der Neunziger Jahre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tommy Hodgson]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Apr 2021 05:42:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Cinestan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Neunzigerjahre]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>CINESTAN. The Wounded Angel (2016) spielt in den Neunzigerjahren und handelt von vier Jugendlichen aus einem kleinen Dorf, von den mangelnden M&#xF6;glichkeiten und Ungerechtigkeiten, denen sie sich stellen m&#xFC;ssen sowie von dem destruktivem Verhalten, das sie als Reaktion auf ihre Lebensumst&#xE4;nde zeigen. &#x201E;Cinestan&#x201C;&#xA0;ist eine Artikelreihe, in der verschiedene Mitglieder oder LeserInnen von Novastan ihre besten [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>CINESTAN. <em>The Wounded Angel</em> (2016) spielt in den Neunzigerjahren und handelt von vier Jugendlichen aus einem kleinen Dorf, von den mangelnden Möglichkeiten und Ungerechtigkeiten, denen sie sich stellen müssen sowie von dem destruktivem Verhalten, das sie als Reaktion auf ihre Lebensumstände zeigen.</strong><br><br><em><strong>„Cinestan“</strong>&nbsp;ist eine Artikelreihe, in der verschiedene Mitglieder oder LeserInnen von Novastan ihre besten filmischen Momente über Zentralasien teilen. Jeder Artikel dieser&nbsp;</em><a href="https://novastan.org/de/tag/cinestan/"><em>Serie</em></a><em>&nbsp;beschreibt einen Film, der in Zentralasien produziert oder gedreht wurde und online verfügbar ist</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>The Wounded Angel</em> (2016) spielt im Kasachstan der Neunzigerjahre, einige Jahre nach der Auflösung der Sowjetunion, als das Land sich auf Talfahrt in eine schwere Wirtschaftskrise befand. Mit seinem Drama verwebt Regisseur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emir_Baighasin">Emir Baiğazin</a> die Geschichte von vier brodelnden jungen Männern, die Opfer der Umstände sind, in denen sie aufwachsen, mit dieser Periode. Karg und leise präsentiert sich der Film und doch sind die Bilder von einer faszinierenden Ästhetik. Die Kamera bewegt sich während der Aufnahmen kaum und fängt so die Stimmung der verdunkelten, leeren Räume und der sepiafarbenen Leere der kasachischen Steppe perfekt ein. Doch die visuellen Aspekte des Films überschatten keineswegs die eigenartigen Wendungen in der Geschichte. Dialoge sind bewusst spärlich gehalten worden, während emotionale Szenen in Kontrast zu den bemerkenswert stoischen Reaktionen, die sie hervorrufen, stehen.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stärke von Baiğazins Werk liegt auf dem Fokus, den er auf Kasachstans postsowjetische Identität legt. Man kann die Grenzen des täglichen Lebens und den Wunsch der vier jungen Protagonisten, aus der monotonen Ödnis auszubrechen, förmlich nachempfinden. Jeder der Handlungsstränge überschneidet sich bei diesem Thema, und zeigt zugleich neue Einsichten in die Kultur Kasachstans nach dem Zerfall der UdSSR, z.B. über die Untersuchung von Bagatelldelikten, über das Stigma, das einem als ehemaliger Häftling anhängt, darüber, wie man Geld mit dem Handel von Schrott verdienen kann und über den Druck, eine gute Bildung zu erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder Abschnitt ist auf seine eigene Art und Weise provokant, nie löst sich das Dilemma der Protagonisten vollständig auf. <em>The Wounded Angel</em> nutzt Nahaufnahmen und lange Standzeiten, um so ein realistisches Portrait nachzubilden. Man hat das Gefühl, einen Blick auf die damaligen Verhältnisse im ländlichen Zentralasien erhaschen zu können.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Letzten Endes behandelt der <em>The Wounded Angel</em> Bestechungen, Elend und die harte Realität, die den eigenen Träumen oft gegenüber steht. Obgleich es teilweise schwer ist, den Film anzusehen und er stellenweise kaum vorankommt, ist er dennoch eine starke Ergänzung zum kasachstanischen Kino, indem er einen Blick in die Tragödien und Schicksale einer historisch aufwühlenden Zeit eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>The Wounded Angel ist aktuell auf <a href="https://www.amazon.de/Wounded-Angel-Emir-Baigazin/dp/B077SMKLCP">Prime Video</a> und <a href="https://www.kino-on-demand.com/movies/the-wounded-angel">Kino on Demand</a> im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Tommy Hodgson</strong><br><strong>Novastan.org</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/kazakhstan/the-wounded-angel-central-asian-cinema-kazakhstan/">Englischen</a> von Olga Jager</strong></p>


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<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/the-wounded-angel-ein-dramatisches-und-tiefgruendiges-portrait-des-laendlichen-kasachstan-der-neunziger-jahre/">The Wounded Angel: Ein dramatisches und tiefgründiges Portrait des ländlichen Kasachstan der Neunziger Jahre</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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