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	<title>Kinderrechte Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Kinderrechte Archives</title>
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	<item>
		<title>Neue Ombudsfrau für Kinderrechte in Usbekistan: „Das Waisenhaus ist kein Ort für Kinder“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2020 09:13:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alija Junusowa ist seit M&#xE4;rz Usbekistans Ombudsfrau f&#xFC;r Kinderrechte. Dem Online-Portal Gazeta.uz erz&#xE4;hlte sie von ihren Beobachtungen und Erlebnissen w&#xE4;hrend ihrer Besuchsreise durch Kindereinrichtungen im ganzen Land.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/neue-ombudsfrau-fuer-kinderrechte-in-usbekistan-das-waisenhaus-ist-kein-ort-fuer-kinder/">Neue Ombudsfrau für Kinderrechte in Usbekistan: „Das Waisenhaus ist kein Ort für Kinder“</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aliya Yunusova ist seit März Usbekistans Ombudsfrau für Kinderrechte. Das Online-Portal <a href="http://www.gazeta.uz/ru/2020/08/21/deinstitutionalization/">Gazeta.uz veröffentlichte am 21. August ihre Berichte</a> von Beobachtungen und Erlebnissen während ihrer Besuchsreise durch Kindereinrichtungen im ganzen Land. Wir übersetzen den Text mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aliya Yunusova hat im März dieses Jahres das Amt der Kommissarin für Kinderrechte Usbekistans angetreten. In den ersten Monaten besuchte sie zahlreiche Kindereinrichtungen und Jugendhaftanstalten in der Hauptstadt Taschkent sowie den Provinzen Qashqadaryo, Andijon, Fergana und Namangan. Dort traf sie sich mit Kindern, Leitenden und Mitarbeitenden der Einrichtungen und sprach mit ihnen. Dabei beobachtete sie auch, wie Verantwortliche Gewalt gegenüber Minderjährigen anwendeten. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="372" height="354" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/MG_0004.jpg" alt="" class="wp-image-23637" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/MG_0004.jpg 372w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/MG_0004-300x285.jpg 300w" sizes="(max-width: 372px) 100vw, 372px" /><figcaption>Archivbild: Aliya Yunusova (Foto: <a href="http://parliament.gov.uz">http://parliament.gov.uz</a>)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Aliya Yunusova arbeitet bereits mehr als 20 Jahre im Bereich der Kinderrechte.  Ab 1999 leitete sie die Bildungsabteilung des Nationalen Zentrums für Menschenrechte, wo sie sich besonders mit Fragen der Optimierung der gesetzlichen Grundlagen von Kinderrechten beschäftigte und einen Gesetzesentwurf dazu ausarbeitete. Seit 2004 ist sie bereits drei Mal zur Abgeordneten des Gesetzgebendenhauses („Unterhaus“) des Usbekischen Parlaments Oliy Majlis gewählt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenwärtig arbeitet die Ombudsfrau Yunusova gemeinsam mit UNICEF an einem Beratungstelefon für Hinweise und Beschwerden Jugendlicher aus solchen Einrichtungen. Im Gespräch mit Nelli Karimova von Gazeta.uz berichtet sie von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Beobachtungen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was Junusowa in Kinderheimen erlebte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Mal, wenn ich in einer solchen institutionalisierten Einrichtung ankomme, sehe ich in den Augen der Kinder Schreie aus der Tiefe ihrer Seele, vor Schmerz und Enttäuschung. Ja, der Staat schafft alle Bedingungen für einen angenehmen Aufenthalt in Kinderheimen. Aber kein pädagogisches Personal wird jemals die Liebe und Zärtlichkeit liebevoller Eltern ersetzen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinder haben keine Privatsphäre, keinen Raum für persönlichen Austausch. Manchmal brauchen sie auch Unterstützung und Mitgefühl. Vielleicht wollen sie nur mal mit jemandem sprechen oder einen Rat erfragen. Das ermüdet und nimmt ihnen die Möglichkeit, ihren eigenen Charakter zu entfalten. In der Regel trifft diese Kinder ein bestimmtes Stigma.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-ausgesetzte-kinder-zentralasiatischer-migrantinnen-in-russland/">Über ausgesetzte Kinder zentralasiatischer MigrantInnen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darum ist es so wichtig, dass BürgerInnen, Medien und Nichtregierungsorganisationen das nicht gleichgültig hinnehmen, sondern sich am Prozess der Deinstitutionalisierung und der Vorbeugung von Verwaisung beteiligen. Sie können den staatlichen Behörden dabei helfen, Familien in schwierigen Situationen ausfindig zu machen, bevor die Gefahr besteht, dass das Kind in ein Kinderheim kommt. Die Gründe dafür können vielfältig sein und Fachleute&nbsp; müssen einschätzen, was im Interesse des Kindes ist, ob der Familie geholfen werden kann &#8211; und, falls nötig, mithelfen daran zu arbeiten. Beispielsweise könnte die Situation verbessert werden, indem man Eltern aus der Arbeitslosigkeit heraushilft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kann Heimaufenthalten vorgebeugt werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der im Jahr 2019 per <a href="https://lex.uz/docs/4199123">Präsidentendekret Nr. PP-4185</a> und <a href="https://lex.uz/docs/4532493">Anordnung Nr. 824</a> des Ministerkabinetts von der Regierung Usbekistans gebilligte Handlungsplan zur Deinstitutionalisierung gilt als Grundlage für die Einrichtung sozialer Dienste zur Unterstützung von Familien und der Verhinderung einer Trennung der Kinder von den Familien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes empfiehlt, vor der Verlegung der Kinder nach bestimmten sozialen Faktoren in Kindereinrichtungen sowie dem negativen Einfluss eines Heimaufenthalts auf die psychologische Entwicklung des Kindes zu warnen und dies zu verhindern. Leider gibt es auch Kinder mit Beeinträchtigungen, die bei ihren Eltern oder engen Verwandten leben, aber keinerlei Bildung erfahren. Aber sie befinden sich im Kreise ihrer Familie, was für das Kind ebenfalls nicht unwichtig ist. Vielleicht könnte genau diese Situation eine Orientierung bei der Suche einer Antwort auf die Frage der Deinstitutionalisierung sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://www.kinderrechtskonvention.info/uebereinkommen-ueber-die-rechte-des-kindes-370/#0--pr%C3%A4ambel-">Präambel zur UN-Kinderrechtskonvention</a> ist die Rede davon, dass der „Familie als Grundeinheit der Gesellschaft und natürlicher Umgebung für das Wachsen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder, der erforderliche Schutz und Beistand gewährt werden sollte, damit sie ihre Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft voll erfüllen kann“. Viele Eltern lassen ihre Kinder von Verwandten oder Bekannten pflegen, während sie selbst im Ausland arbeiten. Kinder, die in Heimen untergebracht werden müssen, leben  in ständiger Erwartung, wann ihre Eltern sie denn endlich abholen kommen. Wenn behinderte Kinder ins Heim gebracht werden, kommt das oft einer Verweigerung der Eltern gleich, sich um das Kind zu kümmern. Denn in vielen Fällen werden diese Kinder nur selten besucht.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, dass wir ein modernes Schutzsystem für Kinder und Familien brauchen. Dabei sollte nicht die Trennung von Kind und Familie im Mittelpunkt stehen, sondern ihre Einheit. Das grundlegende Ziel im Bereich der Arbeit mit Familien, die als natürliches Umfeld für die Entwicklung des Kindes angesehen werden, muss sein, mithilfe wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher und administrativer Maßnahmen das Recht des Kindes auf sein familiäres Umfeld zu gewährleisten, wo es leben und Erziehung genießen kann. Familien und Kinder müssen unbedingt dabei unterstützt werden. Im sechsten Absatz jener Präambel der UN-Kinderrechtskonvention heißt es außerdem, dass „das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen sollte“.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/verlorene-kindheit-uber-die-kinder-tadschikischer-arbeitsmigranten/">Verlorene Kindheit – Über die Kinder tadschikischer Arbeitsmigranten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kleinkinder sollten niemals von ihrer Mutter getrennt werden, es sei denn, es liegen außergewöhnliche Umstände vor. Die Gesellschaft und Behörden sind dafür verantwortlich, den besonderen Schutz jener Kinder zu gewährleisten, die keine Familie mehr haben oder denen nicht genügend materielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Familien mit vielen Kindern sollten möglichst staatliche oder sonstige Zuwendungen für den Unterhalt der Kinder erhalten. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum Kinder manchmal außerhalb der Familie leben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum sagt sich unsere Gesellschaft, die doch zu Kriegszeiten hunderte fremde Kinder aufnehmen konnte, plötzlich von den eigenen los? Die Statistik zeigt, dass die meisten Heimkinder durchaus Eltern, Großeltern oder andere Verwandte haben. Vielleicht ist das ein Frage von Abhängigkeiten, die bei den Erwachsenen auftreten. Ein zweiter Grund könnte auch juristisches Unwissen sein. In der Gesellschaft ist die Ansicht weit verbreitet, dass die Eltern das Recht haben, sich von ihrem Kind loszusagen und es dem Staat zum Unterhalt zu übergeben. Und dass der Staat verpflichtet ist, die Verantwortung für das Kind zu übernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mit-15-verheiratet-und-schwanger-kinderbraute-aus-kirgistan-erzahlen-ihre-geschichten/">Mit 15 verheiratet und schwanger – Kinderbräute aus Kirgistan erzählen ihre Geschichten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, der Staat kümmert sich um das Kind, versorgt es mit allem Nötigen. Aber er kann es niemals mit mütterlicher Fürsorge und Zärtlichkeit umgeben, was das Kind jedoch ab dem ersten Tag seines Lebens so sehr braucht. Die Unterbringung in einem Heim sollte nur in Extremfällen und für möglichst kurze Zeit erwogen werden. Und dem sollten schnell alternative Maßnahmen folgen: Adoption, Pflege, Vormundschaft oder Patronat, also Übergabe des Sorgerechts an andere Verwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ansätze zur Veränderung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In erster Linie muss der Staat selbst seine Position überdenken, konkret Fragen der finanziellen Unterstützung von Kinderheimen. Wie die Praxis in anderen Ländern der Erde zeigt, sollte es für den Staat nicht lukrativ sein, ein Kind in einem Heim unterzubringen. Stattdessen brauchen die Familien der Kinder Unterstützung, bevor es zu einer Inobhutnahme oder Abgabe kommt. Es sollte einen Unterstützungsdienst für Familien geben, außerdem sollte das Spektrum der möglichen Hilfsleistungen erweitert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus muss die Bevölkerung besser juristisch informiert und geschult werden. Wie es auch das UN-Komitee empfiehlt, sollten möglichst Pflicht-Module zu Menschenrechten und Kinderrechtskonvention in den Lehrplan der Schulen sowie die Lehrenden-Ausbildung aufgenommen werden. Medien sollten aktiv angesprochen und in die Aufklärungsarbeit der Bevölkerung einbezogen werden. Es braucht Kooperationen mit NGOs und anderen Institutionen der Zivilgesellschaft auf Grundlage einer gemeinnützigen Partnerschaft, Vertrauen und eines konstruktiven Dialogs.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/08/21/deinstitutionalization/">Gazeta.uz</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Verlorene Kindheit – Über die Kinder tadschikischer Arbeitsmigranten</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/verlorene-kindheit-uber-die-kinder-tadschikischer-arbeitsmigranten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kunduzzh]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jan 2018 13:48:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenkinder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jedes Jahr verlassen hunderttausende Tadschiken ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. Manchmal bleiben ihre Kinder ohne F&#xFC;rsorge zur&#xFC;ck, manche landen auf der Stra&#xDF;e. Wie viele solcher F&#xE4;lle es genau gibt, ist nicht bekannt, aber es geht wahrscheinlich um Zehntausende Kinder, berichtet die Website Fergana News. In Hudjanda, dem administrativen Zentrum von Nord-Tadschikistan, befindet sich [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Jedes Jahr verlassen hunderttausende Tadschiken ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. Manchmal bleiben ihre Kinder ohne Fürsorge zurück, manche landen auf der Straße. Wie viele solcher Fälle es genau gibt, ist nicht bekannt, aber es geht wahrscheinlich um Zehntausende Kinder, berichtet die <a href="http://www.fergananews.com/articles/9628">Website Fergana News</a>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Hudjanda, dem administrativen Zentrum von Nord-Tadschikistan, befindet sich ein staatliches Rehabilitationszentrum für Kinderrechtsschutz. Hier gibt es ein Wohngemeinschaft, wo Kinder leben können, die wegen verschiedener Ursachen auf der Straße leben mussten. Der Leiter des Zentrums, Tuhfahon Ergaschew, erzählt, dass das Zentrum im Laufe von sieben Jahren schon mehr als 500 Kinder betreut hat. Es wurde festgestellt, dass die Eltern jedes dritten Kindes im Ausland sind. Sie lassen ihre Kinder bei Verwandten und wandern für einige Jahre ab. Manchmal können oder möchten die Verwandten sich nicht um die Kinder kümmern und diese werden obdachlos.</p>
<p style="text-align: justify">Zum Zentrum in Hudjanda kommen oft Kinder, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Derzeit werden 37 Kindern betreut. Davon sind 23 ständig im Zentrum, die Übrigen kommen täglich zu Kursen. Die Kinder nehmen an ehrenamtlicher Arbeit teil und besuchen verschiedene Kurse, Nähen, Kochen, Computerkurse und Design.</p>
<p><strong>Lest außerdem auf Novastan</strong>: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-kampf-gegen-die-kinderarbeit/"><strong>Kirgistan: Kampf gegen die Kinderarbeit</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Viele Kindern haben Krankheiten. Einige brauchen ernste Behandlungen. Die Gesundheitsprobleme haben sie auf der Straße „verdient“, in der Kälte und ohne jegliche Versorgung. Die Eltern einiger Kinder befinden sich außer in Russland auch in der Türkei oder anderen Ländern. Von denen gibt es keine Nachrichten. Wir verstehen, dass sie die Heimat aus Geldnot verlassen aber deswegen leiden ihre Kinder,</em>“ sagt Ergaschew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Waisen, obwohl der Vater am Leben ist</strong></p>
<p style="text-align: justify">Vor fünf Jahren sind im Zentrum zwei Brüder angekommen, Rustam, 12, und Siyawusch, neun, (die Namen wurden geändert). Sie stammen aus der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chatlon">Chatlon</a> im Süden von Tadschikistan. Als sie klein waren, ließen ihre Eltern sich scheiden. Der Vater ließ die Kinder bei seiner alten Mutter und verließ das Land, um in Russland zu arbeiten. Als die Großmutter starb, brachten Verwandte die Kinder in die Stadt und meldeten sie in einem Internat an. Als die Brüder von dort wegliefen brachten die Verwandten sie ins Rehabilitationszentrum in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> und besuchten sie nie wieder.</p>
<p style="text-align: justify">Die Brüder konnten weder lesen noch schreiben, weil sie keine Schule besucht hatten. Aber strebten sehr danach, zu lernen. In kurzer Zeit erlernten sie Grundschulkenntnisse und waren mit den Mitschülern auf einem Niveau. Siyawusch besucht mittlerweile die achte Klasse und träumt davon, Richter zu werden. Und Rustam, der nächstes Jahr 18 Jahre wird, schließt die Schule ab und hat Pläne an der Justizfakultät zu studieren.</p>
<p><figure id="attachment_12257" aria-describedby="caption-attachment-12257" style="width: 2048px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-12257" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k.jpg" alt="In einer Schule in Tadschikistan" width="2048" height="1365" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k-1300x866.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/34784754016_f428b6f337_k-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 2048px) 100vw, 2048px" /><figcaption id="caption-attachment-12257" class="wp-caption-text">In einer Schule in Schahrinaw, Tadschikistan.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die Mitarbeiter des Zentrums wünschen sich, dass Rustam in der Hochschule ohne Studiengebühren immatrikuliert werden kann und einen Platz in einer Wohngemeinschaft bekommt. Denn das Zentrum kann ihn nicht mehr unterstützen. Schon jetzt dürften sie eigentlich nicht im Zentrum sein, weil Kinder dort entsprechend der Regeln nur drei Monate bleiben dürfen. Die Zentrumleitung verlängert die Unterkunft alle drei Monate für diese und einige Kinder, die kein Zuhause haben.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Wir können nicht diese Kinder nicht im Stich lassen</em>“, sagt der Zentrumleiter. „<em>Alle Mitarbeiter bemitleiden die Kinder.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Vor zwei Jahren kam der Vater der beiden Brüder nach Tadschikistan um einige seiner Sachen zu holen. Er lebt mittlerweile in Moskau. Die Kinder berichteten ihren Verwandten, dass ihr Vater in Duschanbe war und sie bald abholen würde. Sie warteten einige Monate, aber ihr Vater kam nicht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wer ersetzt die Eltern?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dilorom Atabajewa, die Leiterin des Zentrums zur Unterstützung der Zivilgesellschaft „Konsortium der Initiativen“ sagt, dass zurückgelassene Kinder von Arbeitsmigranten ohne Liebe, Fürsorge, Zuneigung, Aufmerksamkeit und elterliche Kontrolle aufwachsen. Das beeinflusst die Erziehung, Gesundheit Entwicklung, Studium und das Verhalten der Kinder. Die Trennung von den Eltern macht die Kinder empfindlich und verletzbar, was zu psychologischen Problemen führen kann. Außerdem sind solche Kinder anfälliger für äußere Einflüsse.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Sie lassen sich leichter betrügen, anwerben, sich die Überzeugungen von anderen auferlegen. Kinder ohne Eltern fühlen sich weniger verantwortlich für ihr Verhalten und Handeln, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie in kriminelle Aktivitäten verwickelt werden,</em>“ erklärt Atabajewa.</p>
<p style="text-align: justify">Experten weisen darauf hin, dass das Problem mangelnder Aufmerksamkeit seitens der Eltern zu zunehmender Kriminalität unter Jugendlichen führt. Dieser Aussage stimmt Gulsara Kamolzoda zu, die die Probleme von Migrantenkindern untersuch. Ihr zufolge kann nichts die elterliche Fürsorge ersetzten.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das Wichtigste, das die Eltern ihren Kindern geben können, ist Zeit. Die Kinder brauchen es, ihre Eltern in der Nähe zu haben, gemeinsamen Zeitvertreib, Kommunikation, Unterhaltung, Spaziergänge. Das alles haben die Kinder von Arbeitsmigranten nicht. Keine Verwandten können die elterliche Wärme ersetzen</em>&#8222;, führt Atabajewa fort.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ohne Migration geht es nicht</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Mangel an gutbezahlter Arbeit zwingt hunderttausende tadschikische Bürger, zum Arbeiten ins Ausland zu gehen. Laut Statistik beträgt der jährliche Migrationsstrom nach Russland zwischen siebenhunderttausend und einer Millionen Menschen. Tadschikistan ist ein Agrarstaat, in dem sich die meisten Einwohner mit Landwirtschaft beschäftigen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben die Gelände und Felder die Leute bekommen, die keine Vorstellung von Landwirtschaft haben. Die sind die Besitzer der Felder geworden und die „Dekahn“ &#8211; Bauer mussten als „Batrak“ – Lohnarbeiter in ehemaligen eigenen Feldern tätig sein. Die ehemaligen Bauer müssen deswegen im Ausland arbeiten. Fast in jeder Bauerfamilie sind die Väter und manchmal die Mütter in der Arbeitsmigration.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/arbeiter-fur-einen-tag-warum-tadschiken-jeden-tag-nach-kirgistan-fahren/">Arbeiten für einen Tag &#8211; Warum Tadschiken jeden Tag nach Kirgistan fahren</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit mehr als fünf Jahre wird eine neue Gesetzvorlage „Über Migration“ in verschieden Niveaus unter Teilnahme internationaler Organisationen (UNO, IOM, IAO, OSZE) diskutiert. Tadschikische Nichtregierungsorganisationen haben auch eine eigene Variante der Gesetzvorlage vorgeschlagen, die vorsieht, dass der Staat die Verantwortung für die Unterstützung der Migranten ihrer Familien im In- und Ausland trägt.</p>
<p><figure id="attachment_1391" aria-describedby="caption-attachment-1391" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-1391 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/art_1.jpeg" alt="Die russische Botschaft in Duschanbe" width="600" height="400" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/art_1.jpeg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/art_1-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/art_1-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-1391" class="wp-caption-text">&#8222;In Russland gibt es immer etwas zu bauen, zu putzen oder zu laden.&#8220; In der Ferne, die russische Botschaft in Duschanbe, Tadschikistan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Laut Angaben der Leiterin der Organisation „ Perspektive+“ Ojnichol Bobonazarova ist der Gesetzesentwurf, der das Leben tausender Familien erleichtern würde, aber nicht einsehbar und wurde noch nicht öffentlich diskutiert. Stattdessen werden Gesetze zur Regulierung der Zahl der Gäste bei Hochzeiten und <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/lautes-weinen-verboten-und-weitere-verhaltensregeln-fur-tadschikische-beerdigungen/">Beerdigungen</a> verabschiedet.</p>
<p style="text-align: justify">Die Migranten spielen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft Tadschikistans. Nach <a href="https://data.worldbank.org/indicator/BX.TRF.PWKR.DT.GD.ZS">Daten der Weltbank</a> machten Rückzahlungen 2016 27 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Die kürzliche <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/ruckuberweisungen-von-tadschikischen-migranten-um-18-prozent-gestiegen/">Reduzierung dieser Rückzahlungen</a> führte zu einer Krise im tadschikischen Bankwesen, als gleich vier Banken Zahlungsunfähig wurden. Somit hängt die finanzielle Stabilität des Landes direkt an den Migranten.</p>
<p style="text-align: justify">Das bedeutet, dass weiterhin tausende tadschikische Kinder wie Rustam und Siyawusch ohne Eltern auf der Straße leben müssen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Tilaw Rasul-sade<br />
<a href="http://www.fergananews.com/articles/9628">Fergana News</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Kunduz Zhyrgalbekova</strong></p>
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