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	<title>Jugend Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>„Central Asia: At the Crossroads“ – Highlights von Berlins neuem regionalem Filmfestival</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 18:34:48 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Das Berliner Sinema Transtopia war vom 27. bis 28. September 2025 Gastgeber der ersten Ausgabe von „Central Asia: At The Crossroads“, einem neuen Kurzfilmfestival, das mutige und vielfältige Stimmen aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und der uigurischen Region Chinas in den Mittelpunkt stellt. Die zweitägige Veranstaltung bot einen lebendigen Einblick in das aufstrebende Kino der Region: von intimen persönlichen Geschichten bis hin zu eindrucksvollen sozialen Porträts. Hier werden einige der denkwürdigsten Werke des Programms vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eröffnung des Kurzfilmfestivals fand parallel zu einem Schwesterprogramm in Taschkent statt, das von der unabhängigen Toshkent Film School unterstützt wurde. Neben einer Hauptauswahl mit Werken von Filmschaffenden aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und der uigurischen Region Chinas bot das Festival auch einen Workshop zu dekolonialen und feministischen Ansätzen beim Drehbuchschreiben und Kuratieren sowie einen Vortrag über die Herausforderungen des Filmemachens und der Festivalorganisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Filme wurden thematisch in vier unabhängige Sektionen unterteilt: „Radical Hopefulness“, „Tender is the Youth“, „Kinds of Remembrance“ und „Yurt – bu? Homeland – is?“. In allen Vorführblöcken tauchten jedoch mehrere übergreifende Themen auf, die von den Routinen des Alltags über Fragen der Jugend und Identität, kollektive und persönliche Erinnerung, feministische und queere Perspektiven bis hin zu verschiedenen anderen drängenden sozialen Themen reichten.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="768" height="512" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads41024-768x512-1.jpg" alt="" class="wp-image-43222" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads41024-768x512-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads41024-768x512-1-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="768" height="512" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads21024-768x512-1.jpg" alt="" class="wp-image-43223" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads21024-768x512-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads21024-768x512-1-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
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<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><sup>Diskussion mit Temur Umarov (Carnegie Endowment for International Peace) und Dr. Aksana Ismailbekova (ZMO) über die aktuelle gesellschaftspolitische Lage in Zentralasien. Fotos:@fogg_films</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mirtemir geht&#8217;s gut</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tagesaufnahmen einer heruntergekommenen Hütte im staubigen Nukus weichen allmählich Abendaufnahmen einer belebten Straße. Auf diese Weise stellen die Regisseure Sascha Kulak und Michail Borodin die beiden Seiten der Realität des jungen Mirtemir gegenüber. Am Morgen ist er ein fürsorglicher älterer Bruder, der auf seine Schwester aufpasst, und ein Enkel, der sich um seine blinde Großmutter kümmert; am Abend wird er zum Fast-Food-Kellner und Straßenmusiker, der Passantinnen und Passanten mit einer mobilen Karaoke-Anlage unterhält. Diese frühe Verantwortung kam auf ihn zu, nachdem seine Mutter ins Ausland gezogen war, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mirtemir selbst träumt davon, dasselbe zu tun: nach Almaty zu gehen, um dort als Kellner zu arbeiten. Obwohl er gelernt hat, Arbeit und Vergnügen unter einen Hut zu bringen – indem er beispielsweise mitten am Tag einen Moment findet, um mit seiner jüngeren Schwester Rollschuh zu laufen –, wird den Zuschauenden wie vielleicht auch dem Jungen selbst klar: Die Kindheit schwindet dahin. Spiele und Streiche weichen der Fürsorge für geliebte Menschen und dem Streben nach dem Wohlergehen der Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/">Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der fast reportageartige Stil des Dokumentarfilms verleiht der Geschichte eine besondere Authentizität und zurückhaltende emotionale Tiefe. Und auch wenn das Publikum nicht sicher sein kann, ob Mirtemir wirklich existiert, steht eines außer Frage: Der Film thematisiert ein drängendes soziales Problem: das der Kinder, die in Usbekistan ohne elterliche Fürsorge zurückbleiben, weil die Erwachsenen gezwungen sind, zur Arbeit zu migrieren, um ihre Familien zu versorgen. Trotz seines jugendlichen und manchmal ironischen Tons, der sowohl dem Alter des Protagonisten als auch der Atmosphäre seiner Umgebung entspricht, wirft Mirtemirde beri jaksy (Мiртемiрде бэрi жаксы, &#8222;Mirtemir geht&#8217;s gut&#8220;) tiefgreifende Themen wie Armut, erzwungene Reife und den Verlust der Kindheit auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Genosse Polizist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie sich jemals gefragt haben, wie kasachstanische Nachrichtenmedien tatsächlich funktionieren, wird Assel Aushakimovas Kurzfilm diese Neugier in nur dreizehn Minuten vollständig befriedigen. Die Geschichte über die Produktion eines pseudo-fernsehähnlichen Berichts über das staatliche Programm Jolda Qabyldau (Жолда Қабылдау, „Empfang unterwegs“) entfaltet sich zu einer charmanten Satire – nicht nur über die zeitgenössische Nachrichtenberichterstattung, sondern auch über die inneren Abläufe von Strafverfolgungsbehörden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Sendung selbst wird durch die sorgfältig ausgewählten Aufnahmen des sogenannten Berichts deutlich: An speziell ausgewiesenen Punkten am Straßenrand kann jeder Bürger und jede Bürgerin mit einer Frage oder einem Anliegen an Polizeivertreter herantreten. Zur Veranschaulichung entscheidet sich die lokale Journalistin Nur (gespielt von Dinara Alieva), direkt gegenüber einer solchen Station zu filmen – einem Minivan, der vage an einen Polizeiwagen erinnert. In der Nähe, an einem kleinen Tisch, knackt ein für den Posten zuständiger Polizist gemächlich Sonnenblumenkerne. Doch einzig eine Aufnahme eines einsamen „Empfangspunkts“ reicht nicht aus – die Popularität der Sendung in der Öffentlichkeit muss demonstriert werden. Daher greift Alievas Figur zu einer eigentümlichen Lösung: Sie überredet einen Taxifahrer, sich als Bürger mit einer Frage auszugeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die komische Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als beide Teilnehmer der improvisierten „Empfangsstelle“ beginnen, vor der Kamera über ihre angebliche Erfahrung zu sprechen – oder vielmehr stockend aus einem vorab geschriebenen Skript des staatlichen Fernsehsenders vorzulesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-hauptstadt-wird-in-astana-rueckbenannt/">Kasachstans Hauptstadt wird in Astana rückbenannt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Film bereits vor vier Jahren veröffentlicht wurde, hat er nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Die Verwirrung über den Namen der Hauptstadt (Astana oder Nur-Sultan?) sorgt immer noch für Schmunzeln, während die ironische Darstellung der Arbeitsweise der staatlichen Medien weiterhin beim Publikum auf große Resonanz stößt.</p>



<div class="wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8f761849 wp-block-group-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="683" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/BerlinFilmFest1024-2-683x1024-1.jpg" alt="" class="wp-image-43224" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/BerlinFilmFest1024-2-683x1024-1.jpg 683w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/BerlinFilmFest1024-2-683x1024-1-200x300.jpg 200w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sinema Transtopia in Berlin, Veranstaltungsort des Kurzfilmfestivals „Central Asia: At The Crossroads“. Foto: @fogg_films</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads51024-683x1024-1.jpg" alt="" class="wp-image-43225" style="width:582px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads51024-683x1024-1.jpg 683w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads51024-683x1024-1-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto vom Workshop <em>Decolonial and Feminist Perspectives on Cinema</em> mit der kasachischen Regisseurin Malika Muhamejan. Foto: @fogg_films</figcaption></figure>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Blaues Tor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ergreifende Geschichte der kirgisischen Regisseurin Nargiza Dotijewa erschien im Themenblock „Yurt – bu? Homeland – is?“, der sich mit Reflexionen über den Begriff „Heimat“ befasst. Im Gegensatz zu den anderen Filmen dieser Sektion, die sich dem Thema Heimat durch das Prisma der Erinnerung, der kulturellen Zugehörigkeit oder sogar der Ablehnung des Konzepts von Heimat als beständigem und festem Ort näherten, präsentiert Kök Darbaza (Көк Дарбаза, &#8222;Blaues Tor&#8220;) ein anderes, greifbareres Bild – das eines hinter blauen Toren verborgenen Hauses. Doch beschränkt sich die Regisseurin auf diese einzige Interpretation?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Protagonist – ein einsamer, zurückhaltender junger Mann – fühlt sich auf unerklärliche und unwiderstehliche Weise zu eben diesen blauen Toren hingezogen. Oder vielmehr zu dem, was dahinter liegt: ein altes, bescheidenes Haus, ein halb verwilderter Garten und daneben, auf einer verwitterten Bank, eine blinde alte Frau, die die Sonnenstrahlen genießt. Unfähig, ein schüchterner Beobachter zu bleiben, schleicht sich der junge Mann wiederholt in den Garten – hier zieht er Unkraut, dort repariert er die Bank, den Lieblingsplatz der alten Frau. Obwohl sie blind ist, spürt sie dennoch seine Anwesenheit und noch etwas mehr: seine Einsamkeit. Es scheint, als sei sie die Einzige in seiner Umgebung, die ihn wirklich gesehen hat – nicht sein Gesicht, sondern seine Seele.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein tragischer Unfall auf der Straße trennt die beiden, allerdings nur physisch. Die spirituelle Verbindung zwischen ihnen bleibt bestehen, wie ein Faden, der die Äste der Bäume umschlingt, die sich vom Haus zum See erstrecken – die letzte, geheime Geste der Fürsorge des jungen Mannes, die er der alten Frau als Geschenk hinterlässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So überschreitet Kök Darbaza bei der Beantwortung der Frage „Was ist Heimat?“ die Grenzen des physischen Raums. Es ist eine Geschichte von spiritueller Nähe, die trotz fehlender Blutsbande, trotz der Umstände und trotz der Stille entsteht. Eine Geschichte von Liebe, Verbundenheit und Akzeptanz, die den Begriff „Heimat“ in eine Metapher für menschliche Verbundenheit und innere Wärme verwandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aktuelle Informationen zu zukünftigen Vorführungen oder Ausgaben des Festivals finden Sie auf der <a href="https://www.instagram.com/ca_shortfilmfest/">Instagram-Seite von Central Asia: At The Crossroads</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Alle in diesem Artikel verwendeten Fotos werden mit Genehmigung des Fotografen <a href="https://www.instagram.com/fogg_films/">@fogg_films</a> veröffentlicht.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Darya Loza für Novastan</strong></p>
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		<title>Warum die Menschen in Kasachstan inzwischen seltener heiraten</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-die-menschen-in-kasachstan-inzwischen-seltener-heiraten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 06:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. F&#xFC;r das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allm&#xE4;hlich zu &#xE4;ndern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan &#xFC;ber ihre Einstellung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. Für das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allmählich zu ändern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan über ihre Einstellung zur Familiengründung und ihre wichtigsten Werte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Globale Trends</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Rolle der Familie in vielen Ländern weltweit verändert. Während früher in traditionellen Gesellschaften Großfamilien, in denen mehrere Generationen zusammenlebten, üblich waren, sind heute Kernfamilien, die nur aus Eltern und Kindern bestehen, häufiger anzutreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts stellten amerikanische Soziolog:innen fest, dass die Institution der Ehe allmählich ihren Status als formale Tradition verliert und zunehmend individuelle Interessen widerspiegelt. Die Menschen dachten damals mehr über persönliche Ziele, Bildung und Selbstverwirklichung nach – und nicht nur über familiäre Umstände.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Prozesse fanden auch in Europa statt. In den 1960er Jahren begann dort der sogenannte zweite demografische Wandel – die Geburtenrate, die nach dem Krieg vorübergehend gestiegen war, begann zu sinken, und die Gesellschaft begann, alternative Familienformen gelassen zu akzeptieren. Im 21. Jahrhundert begann sich dieser Trend auch auf andere Staaten wie China auszuweiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Globale Veränderungen zeigen sich auch in Kasachstan. Bereits heute ist für viele Menschen in Kasachstan eine formalisierte Ehe keine zwingende Voraussetzung mehr für ihr Glück. Die einen streben zunächst nach einer Karriere und finanzieller Unabhängigkeit, andere entscheiden sich für ein gemeinsames Leben ohne offizielle Registrierung, und wieder andere halten die Ehe einfach nicht für einen wichtigen Teil ihres Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weniger Ehen und weniger Scheidungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Soziologin Kamila Kovıazina ist die Heiratsrate in Kasachstan in den letzten fünf Jahren von 6,87 auf 6,13 pro tausend Einwohnende gesunken. Allerdings spiegelt dieser Indikator nicht immer genau die sozialen Trends wider, da er von der Anzahl der Menschen verschiedener Generationen beeinflusst wird, beispielsweise von Kindern und älteren Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Generation, die in den 1990er Jahren geboren wurde, ist weniger zahlreich als die Generation der 2000er Jahre. Dies erklärt die Statistik: Ein Teil der jungen Menschen hat einfach noch nicht das Alter erreicht, um eine Familie zu gründen, und manche der früheren Generation schieben diesen Schritt hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Kovıazina jedoch feststellt, gibt es einen deutlicheren Trend, der sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: das steigende Durchschnittsalter bei der ersten Heirat. Immer mehr junge Menschen halten es für wichtig, zuerst eine Ausbildung zu absolvieren, einen Beruf zu erlernen, eine Karriere aufzubauen und finanzielle Stabilität zu erlangen und erst dann eine Familie zu gründen. Laut der Soziologin spiegelt dies globale Prozesse wider: Die Lebenserwartung steigt, die Lebenszyklen verlängern sich, weshalb die Entscheidung zur Heirat wohlüberlegter und nicht mehr so übereilt getroffen wird wie früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/leichte-unterhaltung-mit-meine-kasachische-hochzeit/">Leichte Unterhaltung mit „Meine kasachische Hochzeit“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise sind auch die Scheidungen in der offiziellen Statistik zurückgegangen – von 2020 bis 2024 sank die Scheidungsrate um 21 Prozent (2,02 pro tausend Einwohnende). Expert:innen betonen jedoch, dass diese Statistik nicht das vollständige Bild widerspiegelt – die Erfassung erfolgt nur auf der Grundlage von Daten der Standesämter, ohne gerichtliche Entscheidungen über die Auflösung von Ehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Forschungsunternehmens Petrelli Previtera für März 2024 liegt Kasachstan bei der Zahl der Scheidungen weltweit an zweiter Stelle, nur hinter den Malediven. Internationale Berechnungen ergeben eine Scheidungsrate von 4,6 pro Tausend Einwohnende – deutlich höher als in den nationalen Statistiken angegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer vom Institut für gleiche Rechte und Chancen durchgeführten Umfrage verbinden 61 Prozent der Kasachstaner:innen Scheidungen mit der Einmischung von Verwandten in das Familienleben. Weitere 41 Prozent der Befragten geben einen Rückgang moralischer Beschränkungen an, und ein Viertel nennt die Einfachheit des Scheidungsprozesses. Als weitere Faktoren werden traditionelle Einstellungen genannt, darunter die strenge Aufteilung der Geschlechterrollen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Jugend und die standesamtliche Trauung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einstellung zur Ehe verändert sich nicht nur in Zahlen. Expert:innen stellen fest, dass sie für junge Menschen zwar keine formale Notwendigkeit mehr darstellt, aber dennoch ein bedeutender Schritt bleibt. Nach Angaben der Friedrich-Ebert-Stiftung betrachten fast 65 Prozent der jungen Kasachstaner:innen die Ehe als einen wichtigen Lebensabschnitt und nur 8 Prozent halten sie für nicht obligatorisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei spielen „traditionelle Werte” nach wie vor eine wichtige Rolle. So halten fast die Hälfte der Befragten die Jungfräulichkeit des Partners vor der Ehe für einen wichtigen Faktor bei der Wahl des Ehepartners oder der Ehepartnerin. Auch der Einfluss der Verwandten ist nach wie vor stark: 57,1 Prozent der Befragten berücksichtigen deren Meinung bei ihrer Entscheidung über die Eheschließung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ansichten zur Ehe unterscheiden sich auch zwischen Stadt- und Landbevölkerung. In Großstädten ist das Zusammenleben ohne Registrierung mittlerweile eher üblich, während in Dörfern konservativere Ansichten vorherrschen. Vor allem junge Frauen spüren diesen Druck: Oftmals drängen ihre Eltern sie zur Heirat, weil sie befürchten, dass sie sonst keine Familie gründen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansichten junger Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben mit zwei Frauen aus Kasachstan gesprochen, die ohne offizielle Registrierung zusammenleben. Eine von ihnen, Anar aus Almaty, lernte ihren Partner über gemeinsame Freunde kennen und ist seit vier Jahren mit ihm zusammen. Mit der Zeit wurde die Beziehung ernst, und die Entscheidung, zusammenzuziehen, fiel ganz natürlich, ohne Druck und Formalitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paar interessierte sich besonders dafür, wie sie im Alltag miteinander auskommen, sich gegenseitig unterstützen und Vertrauen aufbauen würden. Für sie ist Familie nicht nur eine formelle Institution, sondern tägliche Fürsorge und Respekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hatten es nicht eilig, zu heiraten, sondern wollten zuerst sehen, wie wir im Alltag zurechtkommen“</em>, erzählt Anar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fehlende offizielle Registrierung bringt jedoch manchmal Schwierigkeiten mit sich. Es ist nicht immer möglich, den Partner im Krankenhaus zu besuchen oder Dokumente auszustellen, für die ein Nachweis des Familienstands erforderlich ist. Hinzu kommt der Druck von Verwandten und Bekannten, die regelmäßig fragen, warum das Paar noch nicht geheiratet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anar merkt an, dass diese Umstände das Paar allmählich dazu bringen, über eine Hochzeit nachzudenken. An erster Stelle stehen für sie jedoch nach wie vor Vertrauen, Unterstützung und die tägliche Fürsorge füreinander – die Formalität ist notwendig, um alltägliche und rechtliche Fragen zu klären und den Druck von außen zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-toi-als-wichtiger-wirtschaftsfaktor-in-kasachstan/">Die Toı als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna aus Karaganda hingegen sieht die Ehe mit Vorsicht. Sie war noch nie verheiratet und ist derzeit mit niemandem liiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe es nicht eilig zu heiraten, weil ich zu viele Geschichten über häusliche Gewalt gehört habe. Meine Schwestern sind nach ihrer Hochzeit wie erloschen, ihr Leben ist eingeschränkt. Die Erwartungen der Familie und der Gesellschaft nehmen ihnen ihre Freiheit. Ich glaube an die Liebe und die Familie, aber für mich ist es wichtig, mich sicher zu fühlen“</em>, erzählt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna gibt zu, dass sie Druck von ihren Verwandten spürt. Diese deuten oft an, dass es Zeit wäre, zu heiraten. Die junge Frau ist jedoch der Meinung, dass sie nicht bereit ist, sich zu binden, solange sie nicht den Mann gefunden hat, dem sie ohne Angst vertrauen kann. Sie hat nichts gegen die Ehe – aber es wird ihre eigene Entscheidung sein und kein Schritt, der von den Erwartungen der Familie oder der Gesellschaft diktiert wird. Für Janna ist es wichtig, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem sie sich sicher und geborgen fühlt. Bis dahin zieht sie das Single-Leben einer Beziehung ohne Respekt und Sicherheit vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Soziologin Kamila Kovıazina prognostiziert, wird sich der Trend zu weniger Eheschließungen in Zukunft wahrscheinlich fortsetzen. Moderne Männer und Frauen haben mehr Wahlmöglichkeiten. Sie entscheiden selbst, ob sie heiraten, Kinder bekommen, welche Karriere sie einschlagen und wo sie leben möchten. Die Ehe ist nicht mehr eine zwingende Voraussetzung für das Leben, sondern nur noch eine von vielen möglichen Optionen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aıgerim Erbolova für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/situation/41923-moi-sestry-posle-svadby-slovno-potuhli-a-ih-zhizn-stala-ogranichennoy">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Und plötzlich geht das Licht aus – Suizide unter Jugendlichen und Kindern in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 20:44:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan hat eine der h&#xF6;chsten Selbstmordraten unter Minderj&#xE4;hrigen und jungen Erwachsenen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel ver&#xE4;ndert hat, spielen Stigmata und Vorurteile weiterhin eine gro&#xDF;e Rolle. Ein Gespr&#xE4;ch mit Rinat Musafarov, Abteilungsleiter im Zentrum f&#xFC;r Forschung und Praxis der psychischen Gesundheit in Almaty. Anfang April st&#xFC;rzt sich ein&#xA0;16-J&#xE4;hriger&#xA0;von einem Hochhaus in Almaty. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan hat eine der höchsten Selbstmordraten unter Minderjährigen und jungen Erwachsenen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat, spielen Stigmata und Vorurteile weiterhin eine große Rolle. Ein Gespräch mit Rinat Musafarov, Abteilungsleiter im Zentrum für Forschung und Praxis der psychischen Gesundheit in Almaty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang April stürzt sich ein&nbsp;<a href="https://ulysmedia.kz/news/49599-podrostok-razbilas-vypav-s-16-go-etazha-v-almaty/">16-Jähriger</a>&nbsp;von einem Hochhaus in Almaty. Einen Tag später erhängt sich ein&nbsp;<a href="https://orda.kz/telo-podrostka-nashli-v-sarae-chastnogo-doma-v-severo-kazahstanskoj-oblasti-400319/">14-Jähriger</a>&nbsp;in Nordkasachstan. Diese beiden Fälle sind lediglich diejenigen, die in den vergangenen Monaten öffentlich gemacht wurden. Die Dunkelziffer, auch was misslungene Selbstmordversuche betrifft, ist hoch; ein Problembewusstsein scheint bislang nicht in allen Regionen Kasachstans angekommen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch sind es keine Einzelfälle: Weltweit gilt Selbstmord als&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/kazakhstan/media/7216/file/%D0%A0%D0%95%D0%97%D0%AE%D0%9C%D0%95:%20%D0%9F%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B6%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5%20%D0%B4%D0%B5%D1%82%D0%B5%D0%B9%20%D0%B2%20%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%B5,%202021%20%D0%B3%D0%BE%D0%B4.pdf">dritt- bis vierthäufigste Todesursache</a>&nbsp;unter Jugendlichen und Kindern; jährlich nehmen sich 45.800 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren das Leben. Das entspricht einem Todesfall alle 11 Minuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan zeichnet sich ein&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/kazakhstan/sites/unicef.org.kazakhstan/files/2018-07/00000850_en.pdf">besonders düsteres Bild im internationalen Vergleich</a>, mit einer der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen und Kindern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Hier gilt die Altersgruppe zwischen 15 und 17 Jahren als besonders gefährdet. Etwa&nbsp;<a href="https://cisc.kz/ru/5-faktov-o-molodezhnom-suiczide-v-kazahstane-18413.html">60 Prozent aller Suizide</a>&nbsp;gehen auf diese Gruppe zurück. Ein erhöhtes Risiko besteht ebenfalls bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 29 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten werden Selbstmorde in Ostkasachstan, den Regionen Qostanai und Aqmola, begangen. Minderjährige in ländlichen Gebieten haben ein besonders hohes Gefahrenrisiko.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Psychische Probleme lassen sich jedoch nicht immer mit Suiziden gleichsetzen“, sagt Rinat Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">Untersuchungen in Kasachstan</a>&nbsp;ergaben eine Korrelation zwischen impulsivem, riskantem oder aggressivem Verhalten, Drogenmissbrauch, mentalen Vorerkrankungen in der Familie, zwischenmenschlichen Konflikten, geringer Belastbarkeit oder Kindheitstraumata und Suizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch können auch andere Hintergründe auf suizidale Gedanken oder einen Selbstmordversuch deuten. So reagieren Menschen unterschiedlich auf ihre individuelle Situation.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Präventionsstrategien in Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung der Republik Kasachstan hat sich der hohen Selbstmordrate 2010 angenommen und seither&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">in Zusammenarbeit mit UNICEF eine Präventionsstrategie</a>&nbsp;entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Kinderhilfswerk der UNICEF leistet in der Tat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des psychischen Gesundheitssystems für Kinder und Jugendliche in Kasachstan“, bewertet Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2012 wurden Initiativen durchgeführt, an denen auch internationale Expertinnen und Experten maßgeblich beteiligt sind. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurden großangelegte Studien zu Risiko- und Schutzfaktoren durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse zeigen, dass sich in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen die Zahl der Suizide seither mehr als halbiert hat, von 212 im Jahr 2013 auf 98 im Jahr 2017.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Isolation während der Pandemie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der COVID19-Pandemie war ein Rückgang der Kommunikationsfähigkeit und der emotionalen Intelligenz bei Jugendlichen und Kindern zu beobachten. Druck von den Eltern kann als ein Faktor aufgefasst werden, der negative Tendenzen verstärkt hat, insbesondere in der Anfangsphase der Pandemie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umgewöhnung von Präsenzunterricht zu vermehrt online stattfindenden Lernangeboten sei nicht einfach gewesen, meint Musafarov. Zwar gewöhnen sich Kinder schnell an neue Situationen, doch stellte der Wegfall des unmittelbaren sozialen Umfelds in Präsenz einen weiteren Stresstest dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan kam es während der&nbsp;<a href="https://forbes.kz/articles/npo_suitsidyi_sredi_kazahstanskih_detey_snizilis_na_25">Corona-Zeit</a>&nbsp;zu einer interessanten Entwicklung. Die Selbstmordrate unter Jugendlichen sank, doch verschoben sich soziale Spannungen auf soziale Beziehungen zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer, diesmal positiver, Effekt der COVID19-Pandemie waren die digitalen Entwicklungen, welche Hilfsprogramme in kleineren Ortschaften und Siedlungen ermöglichten. Kinder und Jugendliche, die Hilfe suchen, können sich nun über das Internet nach Beratungs- und Hilfsprogrammen erkundigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<a>Einerseits ist in den letzten Jahren die Anzahl der Überweisungen an Spezialisten für Anpassungs- und emotionale Störungen zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich die Gesamtzahl der depressiven Störungen bei Jugendlichen nicht wesentlich verändert</a>“, stellt Rinat Musafarov fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz all der Fortschritte steht Kasachstan weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Hier sind mehrere Faktoren zu beachten: Zum einen haben die pandemiebedingte Isolation und der eingeschränkte soziale Austausch zu einem Rückgang emotionaler Kompetenzen bei Jugendlichen geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum anderen erschwert die Struktur des kasachischen Gesundheitssystems eine verlässliche, allgemeingültige Einschätzung der Versorgungslage. Nicht zuletzt wirken gesellschaftliche Stigmata – auch unter unzureichend geschultem Fachpersonal – weiterhin hemmend auf den Zugang zu psychologischer Hilfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist die gesellschaftliche Haltung zu psychischer Gesundheit als Schlüsselfaktor bei der Suizidprävention nicht zu unterschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stigmatisierung als gesellschaftliche Herausforderung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mentale Gesundheit ist in Kasachstan stets mit gesellschaftlichen Stigmata verbunden: „Viele Menschen glauben immer noch, dass es sich um Aufmerksamkeit oder Manipulation handelt, wenn jemand über Suizidalität spricht. In Wirklichkeit ist es meist ein Schrei nach Hilfe. Und leider erhalten Jugendliche nicht immer Unterstützung und Verständnis. Diese Haltung verstärkt das Gefühl der Einsamkeit und Isolation“, führt Musafarov weiter aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als eines der größten Hindernisse, so schreibt&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">UNICEF in seinem 2020 veröffentlichten Bericht</a>, sei einerseits die Kommunikation mit den Eltern und andererseits ein fehlendes Verständnis der Psychologen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, suizidale Verhaltensmuster als Angelegenheit der allgemeinen Gesundheit anzuerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Umfeld der Jugendlichen herrscht ein ziemlich starker Erfolgsdruck &#8211; die Einstellung, glücklich und erfolgreich zu sein. Probleme passen nicht in dieses Bild, und das Eingestehen von Verletzlichkeit wird zur Schande. Dies hindert die Betroffenen daran, mit ihren Angehörigen zu sprechen, geschweige denn mit Fachleuten“, warnt Rinat Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stigmatisierung von psychischen Störungen und insbesondere von suizidalem Verhalten ist eines der größten Hindernisse für die Prävention. Dies gilt sowohl für das Aufsuchen von Hilfe als auch für das offene Sprechen über Erfahrungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In den letzten Jahren ist jedoch ein positiver Trend in Kasachstan zu beobachten: Junge Menschen sind immer offener dafür, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, vor allem, wenn dies vertraulich und ohne das Risiko, dass andere davon erfahren, geschehen kann.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Berichterstattung über Selbstmorde</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.paho.org/en/documents/preventing-suicide-resource-media-professionals-update-2023">WHO betont in ihren aktualisierten Leitlinien 2023</a>, dass Medien Leben retten können. „In der Tat können die Medien sowohl eine mächtige Ressource für die Prävention als auch ein Auslöser sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Medienberichterstattung wird des Öfteren der „Werther-Effekt“ thematisiert. Dieser bezeichnet die Zunahme von Selbstmorden nach der Veröffentlichung eines Selbstmordberichts, vornehmlich, wenn es sich um Prominente oder um Geschichten handelt, die übermäßig detailliert und romantisch dargestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch lässt sich damit die Aussage nicht rechtfertigen, über das Thema Selbstmord zu schweigen bedeutet, ihn zu verhindern. Pauschal lässt sich das auch nicht auf die gesamte Medienberichterstattung übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rinat Musafarov verweist auf die Dringlichkeit von offenen Gesprächen. „Es gibt den gefährlichen Mythos, dass über Selbstmord zu sprechen bedeutet, ihn zu provozieren. Das Gegenteil ist der Fall: Ein offener, sanfter Dialog verringert das Risiko, vor allem, wenn der Person bewusst gemacht wird, dass ihre Gefühle wichtig sind und dass sie Hilfe bekommen kann.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem gegenüber steht der „Papageno-Effekt“. Er beschreibt eine Situation, in der Veröffentlichungen, die Auswege aus einer Krise aufzeigen, die Hoffnung erhöhen und das Risiko eines Selbstmordes verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Kasachstan gibt es inspirierende Geschichten von Menschen, die nach einer schweren Zeit neuen Lebensmut gefunden haben, wie das Beispiel von&nbsp;<a href="https://www.who.int/europe/de/news-room/feature-stories/item/i-knew-i-would-succeed---gulnar-s-story-of-mental-rehabilitation-and-recovery">Gulnar Sagieva</a>, die zehn Jahre in einer psychiatrischen Klinik verbrachte, oder von&nbsp;<a href="https://www.who.int/europe/de/news-room/feature-stories/item/don-t-give-up-on-people----dauren-s-story-of-mental-health-rehabilitation-in-kazakhstan">Dauren Muhamedjanov</a>, dem durch ein Rehabilitationsprogramm geholfen werden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher kommt publizistische Arbeit eine Schlüsselrolle zu: Sie kann entweder zur Enttabuisierung beitragen oder durch Schweigen die Isolation verstärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt, dass das gänzliche Verschweigen der Problematik schädlich ist. Selbstverständlich nimmt die Anzahl der wahrgenommenen Fälle an Selbstmorden ab, sobald man aufhört, darüber zu schreiben. Wenn über das Thema jedoch nicht mehr gesprochen wird, entsteht auch kein Bewusstsein in der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rolle des Journalismus liegt darin, die Gesellschaft zu überschauen und relevante Informationen an ein großes Publikum zu tragen. Geschieht dies nicht, kann kein Abbild der Geschehnisse entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musafarov sieht die Rolle des Journalismus als zielführend. „Es geht nicht nur darum, die Fakten korrekt wiederzugeben, sondern auch darum, über Hilfe zu informieren, Geschichten über die Genesung zu erzählen und die Stigmatisierung zu verringern. Diesem Ansatz sollten Journalisten und Blogger den Vorzug geben.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hilfestellung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich appelliere an alle, die schwierige Zeiten durchgemacht haben: Wenn Sie sich von dieser Krankheit erholen konnten, erzählen Sie bitte Ihre Geschichte. Sie könnte eine Chance für andere sein. Und ich appelliere an diejenigen, die sich in einer Krise befinden: Sie sind nicht allein. Es gibt Hilfe, sei es von den Fachleuten in Schulen, Kliniken, Jugendzentren oder Zentren für psychische Gesundheit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Psychische Gesundheit ist kein Nischenthema, sondern ein grundlegendes Menschenrecht, dem noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Hilfe brauchen: Sprechen Sie darüber. Unterstützung ist möglich – und der erste Schritt muss nicht allein gegangen werden. In Kasachstan erreichen Sie rund um die Uhr psychologische Unterstützung unter 150. In Deutschland bietet die Telefonseelsorge kostenfreie Hilfe unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Auch internationale Plattformen wie&nbsp;<a href="https://befrienders.org/">www.befrienders.org</a>&nbsp;helfen dabei, Unterstützung in der Nähe zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Hilfe zu bitten ist keine Schwäche, es ist Stärke.“, appelliert Rinat Musafarov.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>



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			</item>
		<item>
		<title>Was wissen Jugendliche in Usbekistan über die Wasserknappheit?</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-wissen-jugendliche-in-usbekistan-ueber-die-wasserknappheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Mar 2024 18:38:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserknappheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserressourcen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Jugend Usbekistans hat noch keinen bewussten und schonenden Umgang mit Wasserressourcen entwickelt &#x2013; zu diesem Schluss kommen Forscher:innen des Zentrums f&#xFC;r Medienforschung und Bildungsentwicklung (Mediadatalab) Usbekistans. Allerdings ist die &#xFC;berwiegende Mehrheit &#x2013; 74,1 Prozent oder drei Viertel der befragten Jugendlichen &#x2013; bereit, die aus ihrer Sicht rationalen Ratschl&#xE4;ge in die Tat umzusetzen. Mediadatalab analysierte [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Jugend Usbekistans hat noch keinen bewussten und schonenden Umgang mit Wasserressourcen entwickelt – zu diesem Schluss kommen Forscher:innen des Zentrums für Medienforschung und Bildungsentwicklung (Mediadatalab) Usbekistans. Allerdings ist die überwiegende Mehrheit – 74,1 Prozent oder drei Viertel der befragten Jugendlichen – bereit, die aus ihrer Sicht rationalen Ratschläge in die Tat umzusetzen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://mediadata.uz/">Mediadatalab</a> analysierte die Einstellung der usbekischen Jugend zum Thema Wasserkrise. Die Studie „Suv Bormi?“ (aus dem Usbekischen übersetzt: „Haben Sie Wasser?“) ermittelte die Verhaltensmerkmale junger Menschen beim Wassersparen im Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forscher:innen führten eine soziologische Online-Umfrage unter jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren aus allen Regionen Usbekistans durch. Insgesamt beteiligten sich 1.583 Befragte daran. Ziel war es, Verhaltensmerkmale in Bezug auf den bewussten Umgang mit Wasser, die Umwelt und die Wasserkrise zu ermitteln. Die Autor:innen der Studie versuchten außerdem, das Interesse des Publikums am Thema Wasserressourcen in den Medien und an der Wissensvermittlung zum sorgfältigen Umgang mit dem Wasserverbrauch zu untersuchen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund des Klimawandels in der Welt und in Zentralasien nimmt die Relevanz des betrachteten Themas deutlich zu. <a href="https://rus.ozodlik.org/a/31331928.html">Laut dem Direktor des Instituts für Seismologie</a> der Akademie der Wissenschaften Usbekistans, Vahob Rafikov, verwandeln sich jede Minute neun Quadratmeter des Territoriums Usbekistans in Wüste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umwelt- und geoökologische Probleme nehmen täglich zu. Die Grenzen der Wüsten Karnachoʻl, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mirzacho%CA%BBl-Steppe">Mirzachoʻl</a>, Sherobad, Dalvarzin und der Wüsten Karakalpakstans erweitern sich weiter. In den letzten Jahren ist die jüngste Wüste <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralkum">Aralkum</a> hinzugekommen, die sich an der Stelle des ausgetrockneten Aralsees gebildet hat. Expert:innen zufolge dürfte es bis 2040 nur noch in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Taschkent">Provinz Taschkent</a> und im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Fergana-Tal</a> fruchtbares Land geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-aralsee-gestern-heute-morgen/">Der Aralsee: gestern, heute, morgen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz des allgemeinen Verständnisses der Probleme mit den Wasserressourcen, hat dies jedoch keinen Einfluss auf das Verhalten junger Menschen im Umgang mit Wasser im Alltag, schlussfolgern die Forscher:innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Wissen zum Wassersparen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage <em>„Kennen Sie einfache Möglichkeiten, zu Hause Wasser zu sparen (beim Waschen, Kochen usw.)?“</em> antworteten fast 60 Prozent der Befragten, dass sie sich der einfachen Möglichkeiten zum Wassersparen zu Hause durchaus bewusst seien. Rechnet man die 31 Prozent hinzu, die durchschnittlich viel darüber wissen, ergibt sich, dass 91 Prozent der Befragten in gewissem Maße schon einmal von einfachen Möglichkeiten zum Wassersparen gehört haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast die Hälfte aller Befragten spart im Alltag (beim Waschen, Kochen usw.) ständig zu Hause Trinkwasser. Nur 1 Prozent der Befragten hat über dieses Thema nicht nachgedacht oder wusste nichts über Sparmöglichkeiten. Nur 30 Prozent antworteten mit <em>„Ja, weitgehend“</em> und 14 Prozent mit <em>„Ja, mäßig“.</em> Dies deutet darauf hin, dass junge Menschen im Land Fälle von unwirtschaftlichem Wasserverbrauch im Alltag zulassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie spart man im Alltag Wasser?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ist die Mehrheit der Befragten besorgt über die mögliche drohende Trinkwasserknappheit im ganzen Land. 40 Prozent denken so, während 29 Prozent dieses Problem den meisten Regionen Usbekistans zuschreiben und weitere 19 Prozent das Vorhandensein solcher Probleme nur in bestimmten Regionen des Landes sehen. Das heißt, 88 Prozent der jungen Menschen sind davon überzeugt, dass das Problem der Trinkwasserknappheit in Usbekistan durchaus real ist. Diese Befürchtungen dienen als psychologischer Motivator dafür, dass die Jugend Usbekistans bereit ist, Wasser zu sparen, kommen die Forscher:innen zu dem Schluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mehrheit der Befragten – 65 Prozent – ist bereit, den Wasserverbrauch zu reduzieren, um Wasser zu sparen und Wasserknappheit zu verhindern, 2 Prozent sind nicht damit einverstanden, den Wasserverbrauch zu reduzieren, weitere 5 Prozent antworteten mit <em>„eher nicht“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit/">Klimawandel und Wasserressourcen in Zentralasien: Wachsende Unsicherheit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig antwortete die überwältigende Mehrheit auf die Frage „<em>Wie kann man den Wasserverbrauch senken?“</em>: <em>„Beim Geschirrspülen die Wasserhähne nicht ständig offenhalten“</em> – dies wurde von 886 Befragten von 1.583 Personen angegeben. <em>„Die Wassermenge beim Bewässern des Gartenbereichs reduzieren“</em> wird von 746 empfohlen, <em>„Gemüse nicht unter fließendem Wasser schälen“</em> – 517. Jeder Zehnte schlägt vor, <em>„kein Trinkwasser zum Kühlen oder Auftauen von Lebensmitteln zu verwenden“</em>, und 391 glauben, dass sie <em>„bei Hygienemaßnahmen Wasser sparen können“</em>. 90 Befragte antworteten <em>„Ich weiß es nicht.“</em> Dieser und andere ähnliche Indikatoren dieser Studie zeigen, dass Aufklärungsarbeit im Bereich des sparsamen Verhaltens geleistet wird, jetzt aber noch über die Verbesserung ihrer Qualität gesprochen werden muss.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Informationen über Wasser werden in den Medien Usbekistans veröffentlicht?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autor:innen der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Jugend des Landes aus den Medien und anderen Informationsquellen nicht ausreichend über Probleme im Bereich der rationellen Wassernutzung informiert wird. So gaben 60 Prozent der Befragten an, dass <em>„die mediale Berichterstattung über Probleme im Bereich der rationellen Wassernutzung unzureichend ist.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Bereich herrscht im Land ein Mangel an nützlichen Informationen (18,4 Prozent), und 3,8 Prozent der Befragten finden <em>„keine Informationen“</em>. All dies deutet darauf hin, dass die Medien des Landes ihre Informationspolitik weiter verbessern müssen, um die Bedürfnisse und Ansprüche junger Menschen im Bereich Ökologie sowie deren Vielfalt stärker zu berücksichtigen, heißt es in der Studie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ueber-die-masse-wie-usbekistan-und-turkmenistan-ihre-wasserressourcen-ueberstrapazieren/">Über die Maße: Wie Usbekistan und Turkmenistan ihre Wasserressourcen überstrapaziere</a></strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ueber-die-masse-wie-usbekistan-und-turkmenistan-ihre-wasserressourcen-ueberstrapazieren/">n</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die überwältigende Mehrheit – 74,1 Prozent oder drei Viertel der jungen Menschen im Land – ist bereit, die Ratschläge, die sie für sinnvoll halten, in die Praxis umzusetzen. Im Allgemeinen ist es bei der Öffentlichkeitsarbeit wichtig, Informationskanäle zu nutzen, junge Menschen anzusprechen und moderne Technologien und Online-Plattformen zu nutzen, um den tatsächlichen Stand der Wasserverluste auf nationaler Ebene aufzuzeigen“.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Dilfuza Mirzahmedova für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/chto-molodezh-uzbekistana-znaet-o-problemah-nehvatki-vody">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Hoffnung der Jugend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Apr 2021 03:12:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Restaurant]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alisa, 15 Jahre alt, hilft ihrer Mutter w&#xE4;hrend des Sommers ihr kleines Restaurant im Hof zu f&#xFC;hren, in dem sie hausgemachte Speisen servieren. Ihr Wunsch und ihre Hoffnung ist es allerdings eines Tages zu studieren und Journalistin zu werden. Foto :&#xA0;Irina Unruh&#xA0;(Deutschland) Dieses Foto ist Teil unserer Reihe&#xA0;&#x201E;Zentralasien durch die Linse von&#x2026;&#x201C;&#xA0;um mehr &#xFC;ber Irina [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Alisa, 15 Jahre alt, hilft ihrer Mutter während des Sommers ihr kleines Restaurant im Hof zu führen, in dem sie hausgemachte Speisen servieren. Ihr Wunsch und ihre Hoffnung ist es allerdings eines Tages zu studieren und Journalistin zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto :&nbsp;<a href="https://www.irinaunruh.com/index/G0000QsAouF68oRY">Irina Unruh</a>&nbsp;(Deutschland)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Foto ist Teil unserer Reihe&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tag/zentralasien-durch-die-linse-von/">„Zentralasien durch die Linse von…“</a>&nbsp;um mehr über Irina Unruh und ihre Arbeit zu erfahren, klicke&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-durch-die-linse-von-irina-unruh/">hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://novastan.org/de/tag/bild-des-tages/">Hier</a>&nbsp;geht’s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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		<title>Präsidentschaftswahl in Kasachstan: Für die Behörden kommt die &#8222;Destabilisierung&#8220; aus dem Westen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Jun 2019 08:33:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Analyse]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Muchtar Abljasow]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Qasym-Jomart Toqaev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ANALYSE. Der Wahlkampf und die Pr&#xE4;sidentschaftswahl in Kasachstan, bei denen der geplante Sieg von Kassym-Jomart Tokajew zustande kam, waren von beispiellosen Demonstrationen und Protesten gepr&#xE4;gt. Vor allem die gebildeten kasachstanischen Jugendlichen der Gro&#xDF;st&#xE4;dte (Almaty und Nur-Sultan) f&#xFC;hrten kreative Proteste an, um faire Wahlen und Ver&#xE4;nderungen zu fordern. Diese wurden von den Beh&#xF6;rden energisch unterdr&#xFC;ckt, mit [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>ANALYSE. Der Wahlkampf und die Präsidentschaftswahl in Kasachstan, bei denen der geplante Sieg von Kassym-Jomart Tokajew zustande kam, waren von beispiellosen Demonstrationen und Protesten geprägt. Vor allem die gebildeten kasachstanischen Jugendlichen der Großstädte (Almaty und Nur-Sultan) führten kreative Proteste an, um faire Wahlen und Veränderungen zu fordern. Diese wurden von den Behörden energisch unterdrückt, mit sofortigen Verhaftungen und Gefängnisstrafen für Teilnehmer. In ihren Mitteilungen verweisen die kasachstanischen Behörden einstimmig auf &#8222;die geisterhafte Welt des Westens&#8220; und Versuche einer &#8222;sozialen Destabilisierung&#8220;, die von &#8222;Pseudo-Gegnern&#8220; aus dem Ausland durchgeführt werden.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Warum eine so aggressive Rhetorik gegenüber dem Westen, der den Machtübergang in Kasachstan weitgehend unterstützt? Was zeigt diese Rhetorik über die Möglichkeit für das Regime und den neuen Präsidenten, den Dialog mit der jungen Rebellengeneration wieder aufzunehmen? Erklärungsversuche unserer französischen Redaktion. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-kassym-dschomart-tokajew-gewinnt-die-praesidentschaftswahl-mit-70-prozent-der-stimmen/">Präsidenschaftswahl in Kasachstan am 9. Juni</a> brachte Interimspräsident Kassym-Dschomart Tokajew als Sieger hervor. Sie war von Demonstrationen in den Straßen von Almaty und Nur-Sultan geprägt, wobei mehr als 500 Menschen verhaftet wurden. Für die kasachstanischen Behörden kommt dieser beispiellose Protest aus dem Westen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;Erteile nicht denen das Wort, die uns ablehnen.&#8220;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit Beginn der Kampagne, als Tokajew von Nursultan Nasarbajew als Kandidat für die Präsidentenpartei Nur-Otan <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/praesidentschaftswahlen-in-kasachstan-kassym-dschomart-tokajew-als-kandidat-nominiert/">nominiert wurde</a>, sprach dieser von <a href="https://tengrinews.kz/article/1144/">Bedrohungen für die Kampagne und den Machtwechsel</a>, den er initiierte: „<em>Wir müssen unsere Unabhängigkeit mit starken Händen halten. Ja, die Finger einer Hand sind nicht gleich. Es gibt verschiedene Menschen unter uns. Es gibt diejenigen, die der geisterhaften Welt des Westens hinterherlaufen. Wenn wir die Kraft unserer Hand loslassen und denen, die unser Wesen ablehnen, eine Stimme geben, werden wir unsere Unabhängigkeit verlieren.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Diese Erklärung des ersten Präsidenten, auch auf Lebenszeit „<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/praesident-nursultan-nasarbajew-tritt-zurueck/">Führer der kasachischen Nation</a>“, enthält die gesamte Wahlpolitik: keine Pause, keine Selbstgefälligkeit gegenüber denen, die Alternativen verlauten lassen. Sie bezieht sich auch auf die Bedrohung durch den Westen.</p>
<p style="text-align: justify">Für George Voloshin, Leiter des französischen Wirtschaftsforschungsunternehmens Aperio Intelligence und Russland/GUS-Experte, ist es jedoch nur eine „<em>rhetorische Figur, keine tatsächliche Kritik am Westen</em>“. „<em>Nasarbajew hat dies bereits mehrmals und in anderen Zusammenhängen zum Ausdruck gebracht. Es ist eine Art deutlich zu machen, dass von Kasachstan nicht erwartet werden sollte, dass es sich schnell und nach westlichen Standards demokratisiert, sondern seinen eigenen Weg gehen muss</em>&#8222;, sagt der Beobachter, der von Novastan kontaktiert wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Ausland und Muchtar Abljasow sind schuldig.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Einzelnen <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/3-cheloveka-zaderjanyi-nur-sultane-podozreniyu-svyazyah-dvk-370879/">beschuldigen</a> die kasachstanischen Behörden „radikale Elemente“ der DVK-Bewegung als verantwortlich für die Proteste. Diese im Land verbotene Bewegung wurde vom ehemaligen Bankier und Oppositionspolitiker <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Ablyazov">Muchtar Abljasow</a> gegründet. Für Voloshin „<em>tun die Behörden so, als würden sie denken oder versuchen, alle glauben zu machen, dass die Demonstrationen von der DVK und Abljasow inspiriert wurden.</em>“ Dabei sind aber „<em>viele Menschen hinausgegangen um zu demonstrieren, weil sie diese Verachtung für ihr Streben nach wirklicher Veränderung nicht mehr ertragen konnten.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">In <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-posle-vyiborov-poblagodaril-kazahstantsev-371000/">seiner Siegesrede</a> am Tag nach der Wahl erklärte Tokajew auch die Probleme Kasachstans dadurch, dass das Land „<em>zum Objekt des Einflusses turbulenter internationaler Prozesse</em>“ geworden sei. Laut Voloshin „<em>ist es eine übliche Rhetorik (des kasachstanischen Machtapparats, Anm. d. Red.), die nicht darauf abzielt, jemanden zu kritisieren, sondern sich gegenüber der Bevölkerung für eine unbefriedigende sozioökonomische Situation zu rechtfertigen, indem sie auf die ‚internationalen Prozesse‘, Handelskriege und Sanktionen hinweist.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Selbst Amirdschan Kossanow, der bei der Präsidentschaftswahl den zweiten Platz belegte, <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/kosanov-vyiskazalsya-o-mitingah-v-nur-sultane-i-almatyi-370978/">äußerte sich sehr hart</a> zu den Protestbewegungen. &#8222;<em>Die Durchführung von Kundgebungen und der Wahlboykott in Almaty und Nur-Sultan, die von einem ausländischen Pseudo-Oppositionellen organisiert wurden, waren illegal. [&#8230;.] Diejenigen, die im Ausland sitzen (&#8230;.) und Menschen bei Wahlen drängen, anstatt sie ihr verfassungsmäßiges Recht ausüben zu lassen [&#8230;.], das ist es eine echte politische Provokation und Bosheit. An dieser Veranstaltung waren junge Menschen beteiligt. Unsere Jugend irrt sich, wenn sie sich an pseudodemokratische Positionen hält. Deshalb möchte ich sagen, dass hinter dieser Bewegung eine große perverse Absicht steckt</em>&#8222;, so Kossanow.</p>
<p style="text-align: justify">Für den Experten George Voloshin ist „<em>Amirdschan Kossanow kein echter Kandidat einer echten Opposition, sondern ein Statist, dessen Anwesenheit der Wahl Legitimität verleihen sollte. Seine Kommentare stimmen gut mit der Position des Regimes gegenüber dem im Exil lebenden Gegner Muchtar Abljasow überein.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist es möglich, sich mit den jungen Demonstranten zu versöhnen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese Worte, die sich auf das Ausland und die Angstfigur Muchtar Abljasow beziehen, unterbinden die Taten der vielen gebildeten Jugendlichen, der sich während dieser Kampagne und des Machtwechsels mobilisiert haben. Wird der neue Präsident in der Lage sein, den Dialog mit ihnen wieder aufzunehmen?</p>
<p style="text-align: justify">Das schien er am Sonntag tun zu wollen, kurz nachdem er seine Stimme abgab, indem er <a href="https://informburo.kz/novosti/tokaev-my-budem-stroit-dialog-s-temi-kto-podderzhivaet-vlast-i-s-temi-kto-protiv.html?fbclid=IwAR38Jcmdnx9PNFxQDJqDvOs7tjuP1_4NEMAYxBt1Q-hqBvB8a-hKzo_DdH8">einen Dialog vorschlug</a>, umgesetzt durch die Schaffung eines „Ausschusses für öffentliches Vertrauen“ mit dieser Jugend, die für „kreative Bewegungen“ steht. Er drückte selbst seine positive Einstellung gegenüber dieser Jugend aus: „<em>auch wenn sie gegen die Behörden, gegen die Regierung protestiert</em>“ sei es notwendig, einen Dialog „<em>mit denen, die die Regierung unterstützen, und mit denen, die sie ablehnen</em>“ aufzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>In dieser Erklärung versucht der neu gewählte Präsident wahrscheinlich, seine Sichthöhe zu demonstrieren</em>“, sagt der Kasachstanexperte Adrien Fauve, der an der Universität Paris-Sud Politikwissenschaft lehrt. „<em>Er wendet sich direkt an die Demonstranten und schlägt einen Dialog über ein Vertrauenskomitee vor. In Begriffen der politischen Soziologie könnte man das als einen Versuch verstehen, nicht-konventionelle politische Partizipation (Demonstrationen, usw.) in konventionelle Partizipation in bestimmten Regierungsbereichen zu verwandeln</em>“, so der Forscher im Gespräch mit Novastan.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Sein Vorschlag für einen Dialog spiegelt deutlich die Befürchtung des Regimes wider, dass die Demonstrationen weitergehen und zunehmen werden</em>“, so Voloshin. „<em>Junge Menschen sind wahrscheinlich am stärksten von dem wirtschaftlichen Abschwung und dem Mangel an Möglichkeiten in einem geschlossenen politischen System betroffen. Wie anderswo ist die Arbeitslosenquote für die unter 25-Jährigen höher als für andere demografische Gruppen und die Beschäftigten leben oft unter prekären Bedingungen</em>&#8222;, beschreibt der Beobachter. „Es <em>ist noch schwierig zu sagen, inwiefern Präsident Tokajew und seine Regierung – erst im Februar ernannt und daher vollständig von seinem Vorgänger geerbt – den Jungen und anderen Unzufriedenen, wie zum Beispiel Großfamilien, nicht nur ein offenes Ohr anbieten können, sondern vor allem auch echte Reformen durchführen können, um die Lösung ihrer Probleme anzustreben.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Eines ist vorerst sicher, es ist schwer zu wissen, wie beliebt dieser Protest außerhalb von Großstädten wie Almaty und Nur-Sultan ist</em>“, sagt Adrien Fauve. „<em>Die Jugend ist kein monolithischer Block: Zwischen einem 18-jährigen jungen Mann in Kyzyl-Orda und einer 32-jährigen Frau in Pawlodar kann es Unterschiede geben&#8230; Aus dieser Perspektive ist es interessant, die Auswirkungen sozialer Netzwerke zu verfolgen.</em>“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>„Generation Nasarbajew“: Über die unpolitische Jugend Kasachstans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Feb 2019 08:24:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Generation]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Nursultan Nazarbaev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was macht die &#x201E;Generation Nasarbajew&#x201C; aus? Was denkt sie &#xFC;ber die Gegenwart und was erhofft sie sich von der Zukunft? Amerikanische WissenschaftlerInnen zogen in einer Studie unerfreuliche Schl&#xFC;sse: Die Demokratie ist der jungen Generation nicht besonders wichtig. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf Fergana News. In Bezug auf ihre historische Erfahrung unterscheiden sich [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Was macht die „Generation Nasarbajew“ aus? Was denkt sie über die Gegenwart und was erhofft sie sich von der Zukunft? Amerikanische WissenschaftlerInnen zogen in einer Studie unerfreuliche Schlüsse: Die Demokratie ist der jungen Generation nicht besonders wichtig. </strong><strong>Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf </strong><a href="https://fergana.agency/articles/103841/"><strong>Fergana News</strong></a><strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In Bezug auf ihre historische Erfahrung unterscheiden sich junge KasachstanerInnen zweifellos stark von den älteren Generationen. Sie wuchsen in einer stabilen Gesellschaft auf, fernab von der Sowjet-Zeit und auch vom Chaos und den Belastungen der 90er-Jahre. Die Jahre nach 2000 waren geprägt von wirtschaftlichem Wachstum und der Konsolidierung des Autoritarismus. Das BIP pro Kopf wuchs fast um das 11-fache – von 1130 US-Dollar im Jahr 1999 auf 12 400US-Dollar im Jahr 2012.</p>
<p style="text-align: justify;">Zeitgleich wuchsen die Befugnisse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nasarbajews</a>: mit der Verfassungsänderung von 2007 wurde die Begrenzung der Amtszeiten des Präsidenten aufgehoben. Die Jugend wuchs in einem Land auf, in dem es keine andere Führung gab und auch nicht in Sicht ist. Gleichzeitig treibt das Regime aktiv die Idee von der intellektuellen Unabhängigkeit einer neuen Generation voran, die frei vom Druck der sowjetischen Vergangenheit ist. In den präsidentiellen Botschaften wird die Jugend aufgerufen, die treibende Kraft des Wandels zu sein und auf gute Bildung zu setzen, welche das <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bolashak">Bolaschak</a>-Programm, die <a href="https://nu.edu.kz/">Nasarbajew-Universität</a> und ähnliche Institutionen ermöglichen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>An nichts interessiert, über nichts beunruhigt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Historische Forschungen zu Generationsunterschieden beschränkten sich bisher auf die demokratischen Industriegesellschaften Westeuropas und Nordamerikas. Darin fanden AutorInnen heraus, dass die letzten Jahre der Jugend und die ersten Jahre als Erwachsener das Fundament für den Menschen als Mitglied der Gesellschaft legen.</p>
<p style="text-align: justify;">Für die globale Generationenforschung gibt Kasachstan nun ein sehr interessantes und lehrreiches Material, gerade aufgrund seiner staatlichen Struktur. Erstens ist das politische System im Land charakteristisch für moderne autoritäre Regime: die personalisierte Macht eines starken Präsidenten, sowie eine Übermacht der Exekutive gegenüber der Legislativen und Judikativen. Zweitens sind die Liberalisierung der Wirtschaft und die Privatisierung des sozialen Bereichs typisch für viele Entwicklungsländer, die sich dem Marktkapitalismus unterworfen haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-12/">Kasachstan : Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 1/2)</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">In diesem Zusammenhang tauchen wichtige Fragen auf. Hat die heutige kasachstanische Jugend  eigene politische und ökonomische Werte oder bleibt sie lediglich eine demografische Abstraktion, eine amorphe Masse von Menschen mit unklaren Überzeugungen? Unterscheidet sie sich von älteren Generationen?  Inwieweit ist die Jugend bereit, die Politik der Regierung zu kritisieren?</p>
<p style="text-align: justify;">Um Antworten auf diese Fragen zu finden, führten Barbara und Azamat Junisbai vom <a href="https://www.pitzer.edu/">Pitzer College</a> in Kalifornien eine große Meinungsumfrage durch. In der soziologischen Studie befragten die Wissenschaftler  junge KasachstanerInnen im Alter von 18 bis 29 Jahren. Die Umfrage wurde vom Nationalen Wissenschaftsfonds der USA finanziert. Die Ergebnisse wurden in dem Artikel „<a href="https://www.researchgate.net/publication/328527718_Are_Youth_Different_The_Nazarbayev_Generation_and_Public_Opinion_in_Kazakhstan">Are Youth Different? The Nazarbayev Generation and Public Opinion in Kazakhstan</a>“. Aus den Ergebnissen wird klar, dass die „Generation Nasarbajew“ recht homogene Ansichten hat, die einem radikalen Marktliberalismus am nächsten kommen. Ungleich verteilter Wohlstand ist nach Meinung der Jugend nicht schlimm und staatliche Ausgaben für Sozialprogramme erscheinen als unnütz. Im Vergleich zu anderen Generationen, ist Kritik an der Macht unüblich, die Demokratie interessiert sie nicht, Vetternwirtschaft und Korruption beunruhigen sie nicht. Doch alles der Reihe nach.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der Ertrinkende rettet sich selbst</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die beiden Forscher erstellten einen umfangreichen, detaillierten Fragebogen, der politische Überzeugungen, religiöse Praktiken, Medienkonsum, Vorstellungen der Rolle des Staats in der Wirtschaft, Vertrauen in die Institute und soziale Mobilität abdeckte. Mit der Durchführung der Umfrage betrauten sie das erste unabhängige Zentrum für soziologische Studien in Kasachstan, <a href="http://www.brif.kz/">BRIF Research Group</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">97 SpezialistInnen des Instituts führten insgesammt 1500 Interviews an 150 verschiedenen Orten in allen 14 Verwaltungsgebieten des Landes durch. Die durchschnittliche Dauer eines Interviews betrug 45 Minuten, 60,1 Prozent der angefragten Personen waren bereit, sich zu beteiligen (was ein gutes Ergebnis für ein Land ist, dessen BewohnerInnen der vielen Marketingumfragen überdrüssig sind).</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-22/">Kasachstan: Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 2/2)</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Laut den Umfragen sind KasachstanerInnen im Allgemeinen für Gleichheit: fast 90 Prozent der Befragten stimmen zu, dass „die Einkommensunterschiede im Land zu hoch“ sind. 80 Prozent sind sich sicher, dass „wirtschaftliche Ungleichheit nur dann vertretbar ist, wenn alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben, Geld zu verdienen“. Dennoch empört sich die „Generation Nasarbajew“ seltener über die Unterschiede zwischen Arm und Reich – um 10 Prozentpunkte im Vergleich zu den älteren MitbürgerInnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei konkreten Symptomen der Ungleichheit wird dieser Unterschied noch deutlicher: Die Jüngeren stimmen mehrheitlich zu, dass „der große Einkommensunterschied dazu anregt nach Erfolg zu streben“. Bei den Älteren teilen weniger als die Hälfte der Befragten diese Meinung.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein entsprechender Bruch zwischen den Generationen wird auch  in Bezug auf die Verantwortlichkeit des Staates deutlich. Die Älteren sehen im Vergleich zur Jugend den Staat viel häufiger in der Pflicht, Ungleichiet zu bekämpfen. Auch die Forderung, dass der Staat Wirtschaft und Industrie stärker regulieren sollte, findet bei der älteren Generation mehr Unterstützung (79,2 Prozent versus 70,4 Prozent). Das gleiche gilt für die Prinzipien des Sozialstaats – allen voran die Garantie eines Existenzminimums. Alles in allem wollen die BürgerInnen des Landes, dass sich die Mächtigen um die Bevölkerung kümmern. Allerdings sind die Jüngeren weniger fordernd und eher bereit, Kürzungen bei Sozialprogrammen zu unterstützen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sich anpassen anstatt zu kämpfen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">All dies zeigt eine langsame Verschiebung der sozialen und ökonomischen Realität Kasachstans. Die „Generation Nasarbajew“ ist eine postsowjetische. Allgemeine kostenlose Hochschulbildung und hochwertige medizinische Versorgung erscheinen ihr als vage Erinnerungen, die Marktwirtschaft scheint ihnen nicht als chaotisch und brutal (wie in den 90er Jahren), sondern als Quelle der Prosperität. Die jungen KasachstanerInnen stellen dem Staat gegenüber bescheidenere Forderungen, da sie sich an ein „sparsameres“, kommerzialisiertes und weiter vom Sozialismus entfernteres Umfeld gewöhnt haben, im Gegensatz zu ihren Eltern.</p>
<p style="text-align: justify;">Die WissenschaftlerInnen heben hervor, dass die Werte der „Generation Nasarbajew“ kein Alleinstellungsmerkmal sind: auch im benachbarten Russland, in Osteuropa und in vielen anderen Ländern fühlt sich die Jugend zu den Werten des persönlichen Erfolgs und der Marktwirtschaft hingezogen und sagt sich von der Fürsorge seitens des Staates ab.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/hat-kasachstan-eine-zivilgesellschaft/">Hat Kasachstan eine Zivilgesellschaft?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Aber was sind nach Meinung der KasachstanerInnen die Gründe für Armut und Reichtum im Land? In dieser Frage stimmen Alt und Jung überein: Der Erfolg im Leben hängt von den notwendigen Kontakten und guten Startbedingungen ab – das meinen 70-80 Prozent der Befragten. Strukturelle Gründe für Armut (Diskriminierung und das ungerechte Wirtschaftssystem) betrachten lediglich 50-60 Prozent als entscheidend.</p>
<p style="text-align: justify;">Laut den beiden Wissenschaftlern nähmen die KasachstanerInnen das für die Elite vorteilhafte System aus Beziehungen, Korruption und Klientelismus als gegeben hin, als unabänderliche Spielregeln, an die man sich anpassen muss – und nicht als Übel, das es zu bekämpfen gilt. Und hierin besteht eine direkte Verbindung zum politischen Leben. Aus Studien geht nämlich hervor: Ignorieren BürgerInnen die systemischen Gründe für Ungleichheit, und führen diese nur auf Glück und Erfolg einzelner Personen zurück, wird die Staatsmacht für die Vorgänge im Land nicht in Verantwortung gezogen. Diese Einstellung stärkt letzendlich das Regime.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Eine Revolution wird es nicht geben</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die politischen Werte und Überzeugungen der KasachstanerInnen sind unabhängig vom Alter recht liberal: 80 Prozent der Befragten unterstützen die Idee der Demokratie, 86 Prozent stimmen der Aussage zu, dass „ehrliche Wahlen wichtig für das Wohlergehen meiner Familie“ sind, und 95 Prozent meinen, dass Wahlen „wichtig für die ökonomische Entwicklung des Landes“ sind. In Bezug auf konkrete Mittel, sich in der Demokratie einzubringen, gibt es aber deutliche Unterschiede.</p>
<p style="text-align: justify;">Während 87 Prozent aller befragten KasachstanerInnen der Meinung sind, dass „die BürgerInnen die Handlungen der Staatsmacht hinterfragen“ sollten, so sind dies unter der „Generation Nasarbajew“ lediglich weniger als ein Viertel. Auch die Aussage, dass die Medien Korruption und Fehlentscheidungen der Mächtigen aufdecken sollten, findet unter der Jugend weniger Unterstützung (35,6 Prozent gegenüber 44 Prozent unter der älteren Generation).</p>
<p style="text-align: justify;">Wie kann man diese Unterschiede in den Bewertungen erklären? Wahrscheinlich ist die „Generation Nasarbajew“ apolitischer als jene Generation, die die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika">Perestroika</a> miterlebt hat. Die jungen Befragten meinen, dass es zu viel Zeit und Kraft kostet, wenn die Gesellschaft die Mächtigen kontrolliert, und dass man diese Zeit und Kraft für andere Dinge verwenden kann. Außerdem ist die Jugend toleranter in Bezug auf Vetternwirtschaft. Sie ist mit ihr aufgewachsen und hält sie für natürlich.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-es-in-kasachstan-einen-kampf-um-den-thron-geben/">Wird es in Kasachstan einen Kampf um den Thron geben?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Die Generation Nasarbajew lehnt solche Praktiken nicht ab, sondern nimmt sie als normale Umstände an… Alles in allem besteht die Lektion, die die Jugend aus der Politik gelernt hat, darin, dass Vetternwirtschaft eine Norm darstellt und dass die Demokratie den Worten nach funktioniert, aber nicht in der Realität“</em>, konstatieren die Wissenschaftler. Anders gesagt, der Jugend ist nicht nach Revolution oder der Forderung nach Reformen.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich bekennen die beiden Autoren der Studie die Begrenztheit ihrer Schlüsse – es handelt sich nur um eine Umfrage, deren Ergebnisse sich in ein paar Jahren gut überprüfen lassen. Das hält sie aber nicht davon ab, pessimistische Rückschlüsse über die Demokratisierung Kasachstans zu ziehen. Ein solcher Prozess beginnt für gewöhnlich „von unten“, wenn die BürgerInnen kritischer werden, faire Wahlen, politischen Pluralismus und Kontrolle durch die Gesellschaft fordern. Allem Anschein nach bevorzugt es die Jugend des Landes aber, Karriere zu machen, indem sie nach jenen Spielregeln handelt, die das Regime auferlegt hat.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Artjom Kosmarskij für </strong><a href="https://fergana.agency/articles/103841/"><strong>Fergana News</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>1,5 Millionen Kasachstaner „nicht-traditioneller“ Orientierung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[lwachs]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jan 2019 11:15:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Kasache erz&#xE4;hlt &#xFC;ber die LGBT-Gemeinschaft in Almaty, sein coming-out und Selbstmord unter Homosexuellen. Nur.kz berichtete &#xFC;ber seine Geschichte. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Vor bereits mehr als einem Jahr wurde eine Internetseite eingerichtet, die die LGBT-Gemeinschaft in Kasachstan vernetzen soll. Der Kasache Daniyar Sabitow geh&#xF6;rt zu den Mitbegr&#xFC;ndern der Seite. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ein Kasache erzählt über die LGBT-Gemeinschaft in Almaty, sein coming-out und Selbstmord unter Homosexuellen. Nur.kz berichtete über seine Geschichte. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Vor bereits mehr als einem Jahr wurde eine Internetseite eingerichtet, die die LGBT-Gemeinschaft in Kasachstan vernetzen soll. Der Kasache Daniyar Sabitow gehört zu den Mitbegründern der Seite. So berichtet er, dass die Seite am 1. März 2017 mit den Worten „Kok.team келдi“ veröffentlicht wurde, was so viel heißt wie „Kok.team ist gekommen“. Der Name der Seite sei ein Wortspiel und bewusst so gewählt worden. Denn einerseits spiele es auf die Bezeichnung der LGBT-Community an, andererseits auf das kasachische Wort „көктем“ (koktem), welches Frühling bedeutet. Sabitow erklärt: „Die Zeit für eine Erneuerung der kasachischen Gesellschaft ist gekommen, eine neue Etappe in der Entwicklung der LGBT-Bewegung im Land ist eingetreten.“</p>
<p style="text-align: justify">Die grundlegende Idee sei es, Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle zusammenzubringen und gemeinsam für die eigenen Menschenrechte zu kämpfen. Zweitens war der Gedanke, eine Seite in kasachischer Sprache zu entwickeln. Der Grund dafür sei, dass bisher keine kasachischen Texte über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität erschienen sind, abgesehen von den Zeitungsartikeln, in denen Autoren der LGBT-Community weitestgehend negativ begegneten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Fremde Familie, Nachbarn, Kollegen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Verhältnis zur LGBT-Bewegung ist in Kasachstan nicht die beste. „Die Leute glauben, dass irgendwo in westlichen Ländern seltsame LGBT-Leute leben. Aber wenn sie herausfinden, dass ihr Bruder, Nachbar, Kollege, Freund homosexuell, bisexuell oder transsexuell ist, erkennen sie, dass wir ganz normale Menschen sind“, sagt Sabitow. Bisher sei die Situation gemäß dem jungen Kasachen so, dass die Mehrheit der Kasachstaner keine Schwulen oder transsexuelle Frauen kennen würden. Aus diesem Grund würden LGBT-Menschen als etwas Fremdes, und daher Gefährliches wahrgenommen.</p>
<p style="text-align: justify">„Daher kommt die Aggression &#8211; zum Beispiel in Astana und Almaty, als eine Schlägergruppe gezielt nachts vor einem Schwulenclub wartete und Besucher des Clubs zusammenschlug. Oder erinnern Sie sich an die Geschichte aus Ust-Kamenogorsk, als einige Männer ihren Freund töteten, nachdem er ihnen seine Orientierung gestand “, berichtet Sabitow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Selbstmord wegen sexueller Orientierung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Vor kurzem wurde eine Studie der Nasarbajew Universität veröffentlich, gemäß derer mehr als die Hälfte der homo- und bisexuellen Befragten angaben, über Selbstmord nachgedacht zu haben oder schon kurz vor diesem gestanden hätten. „Dieser Prozentsatz ist eigentlich viel höher, da in diese Studie nicht die Antworten derjenigen Schwulen enthalten sind, die bereits Selbstmord begangen haben. Ich persönlich kenne Schwule, die leider ihr Leben verloren haben. Ich glaube nicht, dass, wenn Sie 100 Heterosexuelle fragen, sich herausstellt, dass 50 von ihnen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung über Selbstmord nachgedacht haben“, sagt Sabitow.</p>
<p>Lest auch bei Novastan:<strong> <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-lgbt-in-zentralasien/">Zentralasien 2030: LGBT in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Sabitow hält es daher für wichtig, Bedingungen zu schaffen, die LGBT-Menschen das Gefühl geben, dass der Staat auf ihrer Seite stehe. Ein Schritt in diese Richtung sei eine Antidiskriminierungsgesetzgebung. „Homophobe Menschen glauben, dass wir exklusive Rechte für uns verlangen. Aber das ist nicht richtig. Wir wollen die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen auch“, sagt Sabitow. Der Kasache weist auf die Gesetzesregelung zur Ehe und Familie hin. Früher hätte es einfach nur geheißen, die Ehe werde zwischen Frau und Mann geschlossen. Dies wurde nun zu einer direkten Diskriminierung verschärft, indem hinzugefügt wurde, dass eine Ehe nicht zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen geschlossen werden dürfte.</p>
<p style="text-align: justify">Die Redaktion von Kok.team besteht darauf, dass in Kasachstan 1,5 Millionen Bürger leben, die zur LGBT-Gemeinschaft gehören. Das sind 10 % der Gesamtbevölkerung des Landes. Sabitow glaubt, dass all diese Menschen keine Gelegenheit haben, ehrlich und offen zu lieben, ohne Angst um ihr Leben zu haben.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Juna Korosteljowa</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://www.nur.kz/1755231-15-mln-kazahstancev-netradicionnoj-orientacii-almatinec-rasskazal-o-suicidah-sredi-geev.html">Nur.kz</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Lydia Wachs</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></strong></p>
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		<item>
		<title>Kasachstan : Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 2/2)</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-22/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 May 2018 14:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Danijar Kosnasarow]]></category>
		<category><![CDATA[Generation Z]]></category>
		<category><![CDATA[Generationentheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die &#x201E;Generation Z&#x201C;, oder &#x201E;digital natives&#x201C;, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien gro&#xDF; geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im Interview mit &#x201E;Expert Kazakhstan&#x201C; die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z"><strong>Generation Z</strong></a><strong>“, oder „digital natives“, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien groß geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im </strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Interview mit „Expert Kazakhstan</strong></a><strong>“ die sogenannte Generation „Zyng-Zyng“, benannt nach einem </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ECWwpmP3spY&amp;t=35s"><strong>sehr populären Musikvideo</strong></a><strong>. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Im <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-12/">ersten Teil</a> des Interviews drehte sich das Gespräch um die Anforderungen, die kasachstanische Jugendliche heute an die Bildung stellen und ihren &#8211; recht konservativ erscheinenden &#8211; Lebensvorstellungen. Im Anschluss geht es um den Kontext, der die Jugend geprägt hat und was für perspektiven für ihr politisches Engagament bestehen.</p>
<p><figure id="attachment_13810" aria-describedby="caption-attachment-13810" style="width: 620px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13810" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg" alt="Danijar Kosnasarow" width="620" height="469" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg 620w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75-300x227.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px" /><figcaption id="caption-attachment-13810" class="wp-caption-text">Danijar Kosnasarow</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Expert Kazakhstan: Laut der Generationentheorie sind Generationen durch Erziehung und Schlüsselereignisse geprägt. Verschiedene Generationen unterscheiden sich also durch ihren historischen Kontext. </strong><strong>Für die Amerikanische Generation Z waren die Wirtschaftskrise, der Klimawandel und der Kampf gegen den Terrorismus Schlüsselereignisse. Was hat die kasachstanische Generation Z geprägt und was bedeutet das für ihr Wertesystem? </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Danijar Kosnasarow:</strong> Die Millenials in den Vereinigten Staaten wurden vor allem durch die Traumata nach dem 11. September geprägt. Für die nächste Generation könnte man Youtube, soziale Medien und die Wahl von Trump nennen.</p>
<p style="text-align: justify">Die kasachstanische Generation Z wurde eben durch die Abwesenheit von Schlüsselereignissen geprägt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist das ebendiese Stabilität, die unsere Behörden so gerne betonen? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, Stabilität wirkt sich auch auf die Werte aus. Hier stellen wir unsere Arbeit der westlichen Forschung gegenüber. Dadurch, dass unser Staatschef (der Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nasarbajew</a>, Anm. d. Ü.) mehr als 25 Jahre an der Macht ist, versteht die junge Generation, dass sie kaum Einfluss auf das Geschehen im Land hat. Sie stehen der aktuellen Lage eher apatisch gegenüber. Natürlich spielen die sozialen Netzwerke und Medien auch eine wichtige Rolle – da spürt man durchaus auch die Globalisierung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die letzte Weltwirtschaftskrise trat ein, als die ältesten Vertreter der Generation Z sieben Jahre alt waren. Sie haben womöglich gesehen, wie ihre Eltern oder Verwandten ihre Hypothek nicht bezahlen konnten. Hatte die Krise Auswirkungen auf die Jugend? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir Millenials sind im Wohlstand aufgewachsen. Wir haben die 90er nur am Rande erlebt und erinnern uns vor allem an die frühen 2000er, als das Leben in Kasachstan sich mehr oder weniger entwickelte. Warum haben die Millenials, einschließlich der kasachstanischen, idealistische Werte? Wir haben in unseren prägenden Jahren wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Das hat stark auf uns eingewirkt: Es ist uns leicht, die Welt der Unternehmen verlassen, um unser eigenes Business aufzubauen oder unsere Träume zu verwirklichen.</p>
<p><figure id="attachment_1310" aria-describedby="caption-attachment-1310" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1310" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress.jpeg" alt="Nursultan Nasarbajew" width="600" height="400" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress.jpeg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress-128x86.jpeg 128w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-1310" class="wp-caption-text">Nursultan Nasarbajew (hier 2011) ist der erste und bisher einzige Präsident Kasachstans</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die Generation Z wächst in Zeiten wirtschaftlicher Krise heran. Eben deshalb bietet die Familie ihnen einen wichtigen Zufluchtsort, etwas unerschütterliches in Zeiten ständigen Wandels.</p>
<p style="text-align: justify">Sie haben eine sehr pragmatische Einstellung zu Arbeit. Als was sie arbeiten ist ihnen eigentlich nicht wichtig (wobei natürlich jeder ein hohes Gehalt haben will). Viel wichtiger ist, dass die Arbeit stabil ist. Viele derer, die nach 2000 geboren sind, haben mitbekommen, wie ihre Eltern ihre Arbeit verloren haben und so teils ihre Hypothek nicht auszahlen konnten. Das war für sie ein Familiendrama.</p>
<p style="text-align: justify">Der Warenkorb ist heute geschrumpft. Die Leute geben für Essen mehr aus als für Erholung, Reisen und Freizeit. Die Jugendlichen sagen zwar nichts dazu, aber sie merken es. Und ihre Gedanken darüber machen sie pragmatischer, einschließlich was die Hochschulbildung angeht. Studieren ist demnach wichtig, um eine stabile Arbeit zu finden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also Hochschulbildung nicht um gebildet zu werden, sondern als ein einfaches Instrument? Wobei, das ist auch charakteristisch für die kasachstanischen Millenials.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für Millenials ist es wichtig, ihre Kompetenzen ständig zu entwickeln, das ist ein Wert an sich. Die Generation Z ist auch da pragmatischer: Sie verstehen, dass sie ein Diplom brauchen. Sie wollen von der Hochschulbildung nur Kompetenzen und Wissen, die ihnen bei der Arbeit von Nutzen sein können. Alles andere finden sie sowieso im Internet.</p>
<h3 style="text-align: justify">Like und gehe auf die Demo</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie schreiben, dass unsere jungen Leute besonders individualistisch sind. Dabei vertraut 14 Prozent auf niemanden, und wenn sie jemandem Vertrauen, dann meistens den Eltern (75 Prozent). Nur sieben Prozent vertrauen ihren Freunden. Machen der Individualismus und das mangelnde Vertrauen sie zu passiven Bürgern? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich denke, dass ihre politische Teilnahme sich in Zukunft über Youtube durch das Blogger-Wesen oder über Memes in sozialen Medien ausdrücken wird. Politische Aktivität wird sich nicht über traditionelle Kanäle wie Demonstrationen ausdrücken, sondern läuft bereits jetzt schon über neue Kanäle. Schugyla Kilybajewa schreibt gerade ihre Doktorarbeit über die politische Teilnahme der Jugend. Sie empfiehlt es, unser Verständnis von „politische Teilnahme“ zu erweitern und es mehr an die Begebenheiten der heutigen Jugend anzupassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Grunde geht es dabei nicht um eine reale gesellschaftliche Stellungnahme, sondern um Nachahmung. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nein, warum denn? Die Regierung wird sich so oder so daran anpassen. Im Moment wird das Geschehen auf Facebook stark verfolgt. Für die Regierung ist es wichtig zu verstehen, wie bestimmte Initiativen in der Bevölkerung ankommen. Sollte die Politik  in zukunft mehr Konkurrenz beinhalten, mit aktiven Parteien und interessanten Personen, so müssen sie so oder so die Rahmen der klassischen politischen Instrumente verlassen, um für die Jugend attraktiv zu sein.</p>
<p style="text-align: justify">Viele Länder entwickeln sich dorthin: Trump hat unter anderem dank der sozialen Medien gewonnen. Will ein Politiker gefragt sein, so muss er den aktuellen Trends folgen und verstehen, welche Messages er über welche Kanäle anbieten kann. Es gibt westliche Ländern, die Online-Referenda  durchführen.</p>
<p style="text-align: justify">Man muss nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, um eine Willenserklärung abzugeben. Ich denke, die Generation Z ist bereit, mit ihren Smartphones und allen möglichen Apps an politischen Prozessen teilzunehmen. Unsere Regierung kümmert sich gerade um Digitalisierung, warum sollte man die Politik nicht auch digitalisieren?</p>
<h3 style="text-align: justify">Die Jungen modernisieren</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Ausländische Autoren schreiben, die Teilhabe an globalen Netzwerken mache die Generation Z zu einer internationalen Generation, die sich vom Patriotismus eher distanziert und nationalen Traditionen skeptisch gegenübersteht. Kann man im Falle der kasachstanischen Generation Z  sagen, dass </strong><strong>sie </strong><strong>die &#8222;Modernisierung der Gemüter&#8220; (ein vom kasachstanischen Präsidenten im Dezember 2017 <a href="http://www.akorda.kz/ru/events/akorda_news/press_conferences/statya-glavy-gosudarstva-vzglyad-v-budushchee-modernizaciya-obshchestvennogo-soznaniya">angebotenes politisches Programm</a>, Anm. d. Ü.) mit ihrem Akzent auf Tradition und Patriotismus  nicht interessiert? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nimmt man die neuen Kommunikationskanäle, so wird das Nationale schon mehr Resonanz erfahren. Die heutige Jugend achtet mehr auf die kasachische Sprache und soziologische Studien beobachten eine traditionalistische Tendenz in der Gesellschaft.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/tatsachlich-liebe-das-kasachische-und-die-lateinische-schrift/">Tatsächlich, Liebe &#8211; das Kasachische und die lateinische Schrift</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt in der Jugend eine große Nachfrage nach kasachischem Inhalt, der aber über internationale Kanäle geteilt wird. Warum sind die Musiker <a href="https://muftah.org/how-one-singer-could-save-the-kazakh-language/">Moldanazar</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ninety_One">Ninety One</a> so beliebt? Sie spiegeln die Situation unserer Jugend: Sie versteht und verinnerlicht globale Tendenzen, zum Beispiel in der Musik, hört diese dann aber lieber in ihrer Muttersprache. Der Erfolg von Ninety One erklärt sich nicht nur durch die Anwendung des K-Pop Stils und seinen Konsumkult, viel mehr geht es um kasachischen Inhalt, das ist das wichtigste Element.</p>
<p><figure id="attachment_13879" aria-describedby="caption-attachment-13879" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13879" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа.jpg" alt="Musikband Ninety One Kasachstan" width="1280" height="853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-13879" class="wp-caption-text">Die kasachstanische &#8222;Q-Pop Band&#8220; Ninety One</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Wenn der Staat die jungen Herzen erreichen will, muss es über die neuen Kommunikationskanäle gehen. Dabei ist es wichtig, dass er nicht pathetisch klingt, wie eine Neuauflage der sowjetischen Pioniere aussieht. Die Jugend ist bereit, patriotisch zu sein und eine gewisses Kasachisch-sein zu symbolisieren. Das entspricht auch der Message des Staates über die &#8222;Modernisierung der Gemüter&#8220;. Dennoch sehe ich den Staat und die Jugend zurzeit auf verschiedenen Planeten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das staatliche Programm „<a href="http://ruh.kz/ru/o_proekte">Ruchani Dschanggyru</a>“ zeigt die Zukunft Kasachstans als wettbewerbsfähig, pragmatisch, mit einem Erhalt der nationalen Identität, mit Leuten die eine Entwicklung des Landes durch Evolution statt Revolution bevorzugen, mit einem offenen Geist und einem Wissenskult im Kopf. Kann man von der Generation Z erwarten, dass sie die erste kasachstanische Generation dieser Art wird? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir haben eine zweideutige Beziehung zur Jugend. Einerseits begegnen wir ihr mit Furcht, mit Bezug auf den Maidan und den arabischen Frühling, andererseits wollen wir, dass die jungen Leute nicht die Fehler ihrer Eltern wiederholen, ein besseres Leben als sie führen, ein neues Kasachstan bauen und sich ihrer Leidenschaft widmen. Die Regierung hat auch solch eine zweideutige Jugendpolitik: Einerseits setzt es Rahmen, andererseits bietet es der Jugend an, zur treibenden Kraft für den Fortschritt zu werden. Aber Fortschritt geschieht durch Fantasie und Utopien. Die ältere Generation fordert frische Ideen von der neuen. Die Jugend antwortet, dass eben die ältere Generation sie daran hindert, diese Ideen zu realisieren, aus Furcht, ihren Status, ihr Geld und ihre Anerkennung zu verlieren.</p>
<p><strong>Hört auch unseren Podcast: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-jugendkultur-in-kasachstan/">Zentralasien 2030 &#8211; Jugendkultur in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn die Behörden von Kult des Wissens sprechen, meinen sie gefiltertes Wissen. Aber Wissenskult bedeutet auch kritisches Denken und eine kritisch denkende Jugend kann ihre politisches Uneinigkeit aktiver ausdrücken. Die Behörden wollen eine gebildete und fortschrittliche Jugend, die sich mit neuen technologien auskennt, die sich der Macht aber nicht gegenüberstellt.</p>
<h3 style="text-align: justify">Sechs Säulen der Modernisierung</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist es für die Vertreter der Generation Z wichtig, wettbewerbsfähig zu sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">In dem Sinne: wettbewerbsfähig sein, um eine stabile Arbeit zu haben. Das ist aber ein sehr enges, lokales Segment: Wenn aus hundert Bewerbungen meine ausgewählt wird, heisst das, dass ist wettbewerbsfähig bin. Im ganzen beunruhigt mich dieser Wunsch, einen lokalen Wettbewerb zu meistern. Die Jugend bezieht sich nicht auf globale Märkte, wie es ein Musk und Zuckerberg tun.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im digitalen Zeitalter wird es wohl keine Probleme mit offenen Geistern geben? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ist nicht ganz so klar. Einerseits sind die jungen Leute offen für die ganze Welt, sie nutzen viel Inhalt aus dem Internet und schauen viele Videos auf YouTube. Andererseits sind sie intellektuell verschlossen. Sie lesen wenig gute Literatur. So bleiben sie womöglich provinziell, was ihre intellektuelle Entwicklung angeht. Dabei sind sie natürlich auf dem Laufenden, was weltweide Trends angeht. Zum Beispiel ist weltweit ein gesunder Lebensstil mit guter Ernährung unter der Jugend beliebt. Auch für die kasachstanische Generation Z steht die Gesundheit an erster Stelle. Es ist in Mode, auf sich zu achten und Sport zu treiben, um eine gute Figur und ein gutes Aussehen zu haben. Das hat auch mit Druck von Gleichaltrigen zu tun. Solchen Trends folgt auch unsere Jugend, aber ich sehe sie sich nicht in große wissenschaftliche Diskussionen verwickeln, eben über Fragen wie künstliche Intelligenz, Blockchain und Big Data.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Es birgt doch ein Problem für den Wissenskult, wenn die jungen Leute in der Hochschulbildung einen Weg sehen, Arbeit zu finden statt dadurch tatsächlich Gebildete Leute werden zu wollen. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt eine Nachfrage nach jedem beliebigen Wissen, solange Nutzen bringen kann. In einem Zeitalter, in dem jede Information nur einen Klick entfernt ist, ist Gelehrsamkeit kein Wert mehr. Die Jugend geht davon aus, dass dein Wissen nichts wert ist, wenn Du es nicht nutzen kannst. Heute muss alles anwendbar sein, und sie wollen die Ergebnisse ihrer Kompetenzen und Wissen sofort sehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das heisst also zum Beispiel, dass sie keinen Dostojewskij lesen, weil ein solches Wissen sicht nicht zu Geld machen lässt? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, aber wenn Dostojewskij dabei hilft, einen Business case zu lösen, dann lesen sie ihn auch. Das Problem liegt hier woanders: Sie tun sich schwer, Dostojewskij zu verstehen, da die Texte zu lang sind und der Kontext ein anderer. Man kann und muss Literatur ihnen anpassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Vertreter der Generation Z werden dieses Jahr 18 und somit wahlberechtigt. Bald ist Präsidentschaftswahl. Werden sie wählen gehen und welche politischen Themen werden für sie interessant sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich gehe davon aus, dass sie nicht wählen gehen, wenn ihre Eltern sie nicht dazu drängen. Wenn man aber die Nutzung von elektronischen Gadgets fördert, kann man durchaus mehr Leute an die Wahlurnen locken.</p>
<p style="text-align: justify">Was die politische Agenda angeht, so wird irgendeine Ideologie, ob Liberalismus, Konservatismus oder Sozialdemokratie unsere Jugend eher nicht interessieren. Wir leben so oder so in einem postmodernen Zeitalter, in dem es schon keine Unterscheigung, keine Lager und Überzeugungen mehr gibt. Und ich würde nicht sagen, dass eine Partei, die nur konservative Werte ausdrückt, für die Generation Z interessant wäre. Hier haben eher die zentristischen Parteien eine Chance.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also so eine Art &#8222;Nur-Otan&#8220; (die Präsidentschaftspartei in Kasachstan, Anm. d. Ü.).</strong></p>
<p style="text-align: justify">Genau. Die Generation Z ist mit unserem Staat ganz zufrieden. Wie ich eben sagte, sind sie ihn einfach gewohnt. Sie verstehen, dass die Welt nicht ideal ist und der Staat auch nicht. Sie werden ihre Forderungen also eher enger formulieren, über Themen der Ökologie, der Bildungsreform, in der Arbeit. Von ihnen ist zumindest nach aktuellem Stand keine Forderung nach einem Regimewechsel zu erwarten, oder nach dem Rücktritt von gewissen Abgeordneten oder Ministern. Die Jugend ist im klassischen Sinne apolitisch. Eine breite politische Agenda ist für sie zurzeit nicht interessant. Natürlich kann man sie für ehrenamtliche Projekte gewinnen. Diese müssen aber einem Hype entsprechen oder sich viral verbreiten.</p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Plan habe ich schon viel mehr Optimismus im Bezug auf die Millenials,  wenn man ihre Qualitäten und die Werte, die sie respektieren, in Betracht zieht. Und das nicht, weil ich selbst dieser Generation angehöre. In jedem Fall schmort jeder in seinem eigenen Saft, aber wenn Du auf Gleichaltrige schaust, so merkst Du, dass viele von ihnen sich an flüchtigen Werten orientieren und irgendeinen Beitrag zur Entwicklung Kasachstans leisten wollen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ja, die Millenials werden oft als große Idealisten und Optimisten kritisiert. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Meiner bescheidenen Meinung nach wird ein wichtiger Teil der Entwicklung des Landes eben von den Millenials abhängen. Das Fundament, das die Millenials aufbauen, wird zur Grundlage für die Generation Z.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Mit Danijar Kosnasarow sprach Askar Maschajew<br />
</strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Expert Kazakhstan</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>In der gekürzter Fassung aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>In Träumen nach Paris</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elliott Verdier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 May 2018 04:35:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ayim ist 24, kommt aus Kirgistan und tr&#xE4;umt davon, eines Tages nach Paris zu ziehen, um eine ber&#xFC;hmte Modedesignerin zu werden. Foto: Elliott Verdier Hier geht&#x2019;s zu weiteren Bildern der Reihe. Hier findet ihr unsere Bilder des Tages</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ayim ist 24, kommt aus Kirgistan und träumt davon, eines Tages nach Paris zu ziehen, um eine berühmte Modedesignerin zu werden.</p>
<p><strong>Foto: <a href="http://elliottverdier.com/">Elliott Verdier</a></strong></p>
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