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	<title>Juden Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Juden Archives</title>
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		<title>Vom Aussterben bedroht: Die letzte jüdische Gemeinde Tadschikistans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Schliesser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2020 13:16:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bucharische Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Duschanbe]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die einst mehrere tausende Mitglieder starke j&#xFC;dische Gemeinde Tadschikistans z&#xE4;hlt heute nur noch 50 Mitglieder. Ursache hierf&#xFC;r ist vor allem die massenweise Emigration von Juden seit Beginn der 1990er Jahre. Die einzige verbliebene Synagoge Tadschikistans befindet sich in Duschanbe. &#xDC;ber das Leben von Juden in Tadschikistan heutzutage berichtet der Korrespondent Tilaw Rassul-sade f&#xFC;r Fergana News. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die einst mehrere tausende Mitglieder starke jüdische Gemeinde Tadschikistans zählt heute nur noch 50 Mitglieder. Ursache hierfür ist vor allem die massenweise Emigration von Juden seit Beginn der 1990er Jahre. Die einzige verbliebene Synagoge Tadschikistans befindet sich in Duschanbe. Über das Leben von Juden in Tadschikistan heutzutage berichtet der Korrespondent Tilaw Rassul-sade für </strong><a href="https://fergana.ru/articles/113338/"><strong>Fergana News</strong></a><strong>. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Noch vor zehn Jahren befand sich die Synagoge direkt im Zentrum Duschanbes. Im Rahmen eines allumfassenden Stadtentwicklungsplanes wurde sie im Juni 2008 abgerissen. Für einige Monate blieb die jüdische Gemeinde ohne Gotteshaus. Anfang 2009 schenkte dann der Vorsitzende der Orionbank, Hasan Asadullosoda, der Diasporagemeinde ein neues geräumiges Haus in einem reichen Bezirk in der Nähe der Pädagogischen Universität. Grundsätzlich bietet das Gebäude Platz für viele Menschen, es kommen aber nur vereinzelte. Sogar am Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend andauert, versammeln sich hier zum Gebet kaum mehr als 10 Personen. Für einen Gottesdienst oder religiöse Riten braucht es im Judentum aber mindestens 10 erwachsene Juden &#8211; eine Regel, die auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Minjan">Minjan</a> genannt wird.</p>
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<p style="text-align: justify">Laut den Daten der Volkszählung von 1989 lebten zu dieser Zeit circa 15.000 Juden in Tadschikistan. Im Jahr 2000 waren weniger als 200 übrig und um 2010 lediglich 36. In der Synagoge geht man aktuell von 50 Gemeindemitgliedern aus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute/"><strong>Die jüdische Minderheit in Zentralasien – Wie lebt sie heute?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Migration der Juden in die historische Heimat Israel sowie in die USA, nach Kanada und Europa begann schon in den 1970er Jahren, aber in den 1990ern beschleunigte sich dieser Prozess“</em>, erzählt Jakow Urijewitsch Matajew, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Tadschikistans. <em>„Geblieben sind vor allem alte Menschen. Der jüngste in unserer Diaspora war ich. Als mir vor vier Jahren vorgeschlagen wurde, Gemeindevorsitzender zu werden, habe ich zugestimmt. Jemand sollte doch die Verantwortung übernehmen…“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Synagoge ohne Rabbiner</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jakow Urijewitsch ist inzwischen 50 Jahre alt, kommt gebürtig aus Samarkand und zog mit seinen Eltern als Kind nach Duschanbe. Nach der Schule wurde er Schneider. Jetzt verwendet er all seine Zeit darauf, die Gemeinde zu erhalten und ihre Mitglieder zu unterstützen.</p>
<figure id="attachment_21092" aria-describedby="caption-attachment-21092" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-21092" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6.jpeg" alt="Jakow Urijewitsch Matajew" width="496" height="372" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6-300x225.jpeg 300w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-21092" class="wp-caption-text">Jakow Urijewitsch Matajew</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><em>„Als ich zum Gemeindevorsitzenden gewählt wurde, bemühte ich mich darum, der Tätigkeit neues Leben einzuhauchen. Die alten Menschen, die hier zurückgeblieben sind, können nicht oft in die Synagoge kommen. Aber sofern es ihnen möglich ist, kommen sie, denn die Synagoge ist nicht nur ein Ort des Gebetes. Hier unterhalten sich die Gemeindemitglieder, reden über persönliche und gemeinschaftliche Probleme. In der Vergangenheit versammelte sich die Gemeinde in der Synagoge um Feste zu begehen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pessach">Pessach</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chanukka">Chanukka</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Purim">Purim</a>, aber inzwischen kommen nur noch vereinzelte an den Feiertagen. Für die alten Menschen ist es zu schwer aus den unterschiedlichen Ecken der Stadt hierher zu kommen. Jeden Monat lassen wir ihnen eine kleine materielle Hilfe im Umfang von 10 Dollar zukommen. Es gibt eine wohltätige Frau, die den alten Menschen jeden Monat Lebensmittel vorbeibringt: Zucker, Butter und Mehl“</em>, erzählt Matajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/choresm-und-buchara-die-zweigeteilte-geschichte-der-juedinnen-zentralasiens/?noredirect=de_DE">Choresm und Buchara: Die zweigeteilte Geschichte der JüdInnen Zentralasiens</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Synagoge von Duschanbe hängen Fotos aller Rabbiner, die hier seit dem Bau des Gebäudes Gebete abgehalten haben. Doch schon seit einigen Jahren gibt es hier keinen Rabbiner mehr, weshalb keine regelmäßigen samstäglichen Gebete stattfinden. Diese kommen nur zustande, wenn Gäste aus Israel, Deutschland oder den USA die Gemeinde besuchen und in der Regel einen Rabbiner mitbringen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Dann versammle ich meine Juden aus Duschanbe zum Gebet. Zusammen lesen wir die Torah, die heilige Schrift der Juden. Sie wird in der Synagoge an einem speziellen Platz aufbewahrt. Die Texte der Torah sind auf Hebräisch verfasst. Leider können unsere Gemeindemitglieder die Sprache nicht gut genug, um selbst in der Torah lesen zu können“</em>, erklärt Matajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der letzte Jude Chudschands</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bis 2015 befand sich in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> noch eine Synagoge. Tatsächlich war sie auch in den 20 Jahren davor nicht mehr in Gebrauch, da fast keine Gemeindemitglieder in der Stadt übrig geblieben waren. Dennoch gehörte sie der Gemeinde, obwohl ihre Türen dauerhaft verschlossen waren. Vor vier Jahren riss die Stadtverwaltung die Synagoge trotzdem ab und errichtete an ihrer Stelle ein Einkaufszentrum. Heute lebt in der Stadt der einzige Jude ganz Nordtadschikistans, Dschura Abajew. Er ist 82 Jahre alt und die letzten zwei Jahre bettlägerig. Vor mehr als 10 Jahren nahm er eine tadschikische Frau mit ihren fünf Kindern in seinem Haus auf, die nach der Scheidung von ihrem Mann obdachlos war. Sie wurden zu seiner Adoptivfamilie und kümmern sich nun um ihn.</p>
<p style="text-align: justify">Dschura Abajew hat selbst fünf Töchter, von denen zwei in Israel leben. Vor vielen Jahren hatte er beschlossen, zu ihnen zu ziehen. Alles schien gut zu laufen, er bekam ein Zimmer und eine ordentliche Rente. Allerdings fühlte er sich als Rentner einsam.</p>
<figure id="attachment_21091" aria-describedby="caption-attachment-21091" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-21091" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f.jpeg" alt="Dschura Abajew" width="496" height="337" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f-300x204.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-21091" class="wp-caption-text">Dschura Abajew</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><em>„In Israel fand ich keine engen Vertrauten, mit denen man sich wenigstens an den freien Tagen hätte unterhalten können. Dort war ich ein Niemand, aber hier, in Chudschand, war ich ein angesehener Mensch. Jeden Tag ging ich auf den Markt und im Teehaus saß ich mit Freunden zusammen. Hier habe ich viele Freunde und ein eigenes Haus. Nach einem halben Jahr entschied ich, aus Israel nach Tadschikistan zurückzukehren. Es stimmt schon, jetzt kann ich mich aufgrund meiner Krankheit nur mit wenigen unterhalten. Meine Töchter rufen fast nie an, gelegentlich rufe ich sie an. Meine Rente beläuft sich auf 200 Somoni (20 US-Dollar). Andere Einkünfte habe ich nicht“</em>, teilt Abajew mit.</p>
<p style="text-align: justify">Er bedauert sehr, dass die Synagoge in Chudschand abgerissen wurde. Am Gemeindeleben in der Synagoge hatte er seit 1967 aktiv teilgenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Erinnerung an vergangene Zeiten</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Dort organisierten wir Anfang der 1990er Hebräisch- und Torahkurse. Damals gab es dort viele <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharische_Juden">bucharische Juden</a>. Aber bald zogen alle fort und die Synagoge leerte sich. Einige Zeit sah ich noch nach der Synagoge, aber dann war ich nicht mehr in der Verfassung, um das zu tun. Wenn jetzt Juden hierherreisen, können sie nur den einzigen jüdischen Friedhof besuchen, der sich am Stadtrand befindet. Dort sind mehr als 1000 Menschen beerdigt. Selbst war ich dort seit drei Jahren nicht mehr. Früher, als ich noch gesund war, kümmerte ich mich um die Gräber, aber jetzt geht das nicht mehr“</em>, klagt Dschura Abajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien/"><strong>Die bucharischen Juden – wie kamen sie nach Zentralasien?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">In Duschanbe gibt es zwei jüdische Friedhöfe, auf denen mehr als 3000 Menschen begraben liegen. Obwohl in Tadschikistan fast keine Juden verblieben sind, sind beide in einem guten Zustand. Es gibt Wächter, Gärtner und Putzkräfte. Der Weltkongress der Bucharischen Juden mit Sitz in New York teilt jährlich den Friedhöfen in Duschanbe und Chudschand Mittel zur Erhaltung und Renovierung zu. Und wenn Angehörige der hier beerdigten Menschen nach Tadschikistan reisen, besuchen sie in erster Linie die Grabstätten ihrer Angehörigen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Fokus auf die Gemeinsamkeiten</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Nachkommen bucharischer Juden, die inzwischen in Israel und anderen Ländern leben, kommen oft nach Tadschikistan, um hier die Gräber ihrer Väter und Großväter zu besuchen. Aber auch, um die Veränderungen zu sehen, die im Land nach ihrer Auswanderung stattgefunden haben. Alle erinnern sich mit Nostalgie an die Jahre zurück, die sie hier verbracht haben. Tadschiken und Juden lebten immer friedlich zusammen, es gab keine Konflikte zwischen ihnen. Wir haben mit den Muslimen viel gemein. Wie im Islam ist es auch im Judentum verboten, Schweinefleisch zu essen, das Schlachtritual ist dasselbe. Nur nennt man es bei den Muslimen „halal“ und bei den Juden „koscher“. Muslime begraben Verstorbene in einem weißen Kaftan, also einem Leichentuch, bei den Juden ist es genauso. Wir haben den Brauch, Jungen am achten Lebenstag zu beschneiden. Männer und Frauen beten in der Synagoge getrennt, so wie in der Moschee auch“</em>, erklärt Jakow Matajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-usbekistan-zu-zeiten-des-zweiten-weltkriegs-fur-juden-aus-der-udssr-zum-gelobten-land-wurde/"><strong>Wie Usbekistan zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs für Juden aus der UdSSR zum gelobten Land wurde</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Juden in Tadschikistan konnten immer ein angenehmes Leben führen und sie sind nicht ausgewandert, weil man sie etwa unterdrückt hätte, sondern weil sich die Möglichkeit auftat, in die historische Heimat zurückzukehren. Außerdem brachen damals in Tadschikistan unruhige Zeiten an, der Krieg begann. Übrigens sprechen sogar die in anderen Ländern geborenen Nachkommen bucharischer Juden Tadschikisch. Als ich nach Tel Aviv reiste kam es mir vor, als sei ich wieder in Duschanbe gelandet. Überall sprechen bucharische Juden untereinander Tadschikisch. Sie haben dort ihre eigenen Restaurants, Festsäle für Hochzeiten, Theater und durchweg hört man Tadschikisch“</em>, erläutert der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Tadschikistans weiter.</p>
<p style="text-align: justify">Gegen Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die bucharischen Juden sich auf dem Gebiet des heutigen Tadschikistans anzusiedeln. Durch das Leben Seite an Seite mit den lokalen Völkern, darunter Tadschiken und Usbeken, übernahmen sie viele Traditionen und Bräuche aus dieser Kultur. Einige von ihnen konvertierten zum Islam – die meisten gewaltsam, andere aber auch freiwillig. In Zentralasien wurden die zum Islam konvertierten Juden „Tschala“ (Tadschikisch für „weder das eine noch das andere“) genannt und solche Juden versuchten ihre Herkunft zu verstecken.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Geschichte der Juden Tadschikistans</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die ersten jüdischen Siedler gab es in Chudschand. Sie kamen aus Buchara, Samarkand, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shahrisabz</a>, Taschkent und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> dorthin. Sie waren vor allem im Handel und Handwerk tätig“</em>, erzählt der Historiker und Journalist Kodir Muruwwat. <em>„Ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts siedelten sie sich auch im Zentrum Tadschikistans an, unter anderem auf dem Gebiet des heutigen Duschanbe. Aufgrund von Geflüchteten stieg die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder während und nach dem Zweiten Weltkriegstark  an. Unter ihnen waren viele Gelehrte, die einen großen Beitrag zur Entwicklung der nationalen Wissenschaft leisteten. […] Und heute bringen viele emigrierte bucharische Juden die tadschikische Kultur nach Israel und in andere westliche Länder. […] Das zeugt davon, dass sie, obwohl sie außerhalb Tadschikistans leben, die Liebe zu ihrem Volk im Herzen tragen“</em>, schließt Muruwwat.</p>
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<p style="text-align: justify">Auf die Frage, was wohl in zehn Jahren mit der jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Tadschikistan sein wird, antwortet Jakow Urijewitsch Matajew: <em>„Das weiß ich nicht. Ich hoffe, die Synagoge bleibt nicht leer…“</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Tilaw Rassul-sade für </strong><a href="https://fergana.ru/articles/113338/"><strong>Fergana News</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>
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		<title>Wie Usbekistan zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs für Juden aus der UdSSR zum gelobten Land wurde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vsnoj]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2018 14:40:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den USA wurden die Dreharbeiten f&#xFC;r den Dokumentarfilm &#x201C;Der letzte Sommer der Kindheit&#x201D; beendet, in dem es um die Evakuierung von Juden nach Usbekistan w&#xE4;hrend des Zweiten Weltkriegs geht. Wjatscheslaw Schatochin sammelt das Material f&#xFC;r diesen Film schon sein ganzes Leben. Der folgende Artikel erschien im Original auf Center-1. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In den USA wurden die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm “Der letzte Sommer der Kindheit” beendet, in dem es um die Evakuierung von Juden nach Usbekistan während des Zweiten Weltkriegs geht. Wjatscheslaw Schatochin sammelt das Material für diesen Film schon sein ganzes Leben. Der folgende Artikel erschien im Original auf <a href="https://centre1.com/uzbekistan/kak-uzbekistan-stal-dlya-evreev-zemlej-obetovannoj/">Center-1</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wjatscheslaw Schatochin stammt aus Taschkent: Seine Großmutter und Mutter verließen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Poltawa">Poltawa</a> unter deutschen Bombenangriffen. Schatochin und Filmregisseur Nabi Rasakow zeigen die Evakuierung von Juden nach Usbekistan in den Jahren 1941-1943 ohne zu beschönigen. Die Hauptdarsteller des Films sind Kinder, die vor Konzentrationslagern und dem unvermeidlichen Tod während der Besatzung gerettet wurden. Die Usbeken teilten das letzte Stück Brot mit den Flüchtlingen und kein einziges Kind wurde ins Waisenhaus geschickt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute/">Die jüdischen Minderheit in Zentralasien – Wie lebt sie heute?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Ziel des 56-jährigen Schatochin ist es, mit den Stimmen von Hunderten noch lebender Zeugen den Usbeken für das gerettete Leben seiner Mutter und Großmutter zu danken. Schatochin absolvierte die Rechtsschule in Taschkent und arbeitete bei der Staatsanwaltschaft. Jetzt ist er Polizist in New York. Außerdem schreibt er zusammen mit Leonid Teruschkin, dem Leiter des Archivs des Moskauer Holocaust-Zentrums Moskau, ein Buch über die Evakuierung seines Volkes während des Krieges.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was hat Sie dazu veranlasst, das Thema der Evakuierung von Juden nach Usbekistan anzugehen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Geschichte der Familie meiner Mutter,  Sofia Nasarowna Chotimljanska (geb. 1930), die noch als Kind nach Usbekistan gebracht wurde. Fünf Frauen und ein Mann, die Familie meiner Großmutter und ihre Schwestern, flohen aus Poltawa.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist wichtig zu erwähnen, dass sie zuerst in die Stadt Kamyschlow im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Swerdlowsk">Swerdlowsker Gebiet</a> evakuiert wurden. Einheimische bewarfen das Gebäude mit Pflastersteinen. Die Familie beschloss deswegen nach Usbekistan zu gehen. Sie kamen zuerst in Taschkent an, später wurden sie nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farg%CA%BBona">Fergana</a> umverteilt. In Usbekistan war die Einstellung gegenüber Flüchtlingen völlig anders: Die Einwohner teilten das letzte, was sie hatten. Das Schicksal meiner Mutter veranlasste mich Augenzeugenberichte zu sammeln.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Aus den Erinnerungen von Wjatscheslaw’s Mutter:</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>“Meine Mutter, Marija Naumowna Chotimljanskaja, ist wegen der Bombadierungen aus Poltawa mit zwei Kindern geflohen. Alles war verlassen und zerstört. Sie nahm nur zwei Koffer und Handgepäck mit. Nach einem schwierigen Weg kamen sie in Taschkent an. Mein Vater ging zur Miliz und verteidigte Poltawa. Er wurde getötet und in einem Massengrab begraben. Darüber steht eine Denkmal-Stele. Meine Mutter erinnerte sich oft an ihren Heimatort. Sie wurde Witwe mit 41 Jahren und heiratete nie wieder. Sie blieb meinem Vater treu bis zum Ende ihrer Tage. Sie arbeitete hart. Sie brach nie. Sie schaffte es, ihre Töchter großzuziehen und ihnen eine bessere Ausbildung und mehr Chancen im Leben zu ermöglichen&#8220;</em></p>
<figure id="attachment_14933" aria-describedby="caption-attachment-14933" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-14933" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2.jpg" alt="" width="960" height="640" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-14933" class="wp-caption-text">Schatochin und seine Mutter Sofia</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie viele Juden wurden insgesamt nach Usbekistan evakuiert? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 1941 lebten 4,5 Millionen Menschen in Usbekistan, und während der Kriegsjahre nahm die Republik anderthalb Millionen Evakuierte auf, von denen etwa 250.000 aschkenasische Juden aus der Ukraine, Belarus, Russland, Moldawien und Polen waren.</p>
<p style="text-align: justify">In der Familie des berühmten Schmieds Schaachmed Schamachmudow, der 14 Waisen adoptierte, wuchsen auch zwei jüdische Kinder auf. Die meisten Kinder wurden von großen usbekischen Familien angenommen und kein Adoptivkind wurde später ins Waisenhaus zurückgebracht. Der Grad der Gastfreundschaft zeigt sich auch daran, dass viele Menschen nach der Evakuierung in Usbekistan blieben, auch die Familie meiner Mutter.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie haben Sie Ihre Helden gefunden?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Menschen, die die Evakuierung überlebten, sind auf der ganzen Welt verstreut. Ich hatte es sehr eilig, ihre Zeugnisse noch zu Lebzeiten zu bekommen. Aber unser Film hat ein begrenztes Budget, da er aus persönlichen Ersparnissen finanziert wurde.</p>
<p style="text-align: justify">Ich gab dem russischen Fernsehen, den Medien in Israel, Deutschland, Österreich und sogar Australien viele Interwiews. Die Helden kamen selbst zu mir, riefen mich an, schickten Erinnerungen und am Ende sammelte ich ein einzigartiges Archiv.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Rolle spielen die Bucharischen Juden bei der Aufnahme der Evakuierten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharische_Juden">bucharischen Juden</a> halfen, wie sie konnten. Sie teilten den Patz auf allen ihren Friedhöfen, weil Juden nicht auf muslimischen oder christlichen Friedhöfen beerdigt werden durften.</p>
<p style="text-align: justify">Aber in der Region gibt es quantitativ viel weniger Juden als Usbeken, die letztendlich auch viel Großzügigkeit und Gnade bewiesen. Es waren genau die Usbeken, die mit den Andersgläubigen das letzte Stück Brot teilten, Räume in Häusern verteilten, versuchten, für sie Arbeit zu finden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien/">Die bucharischen Juden – Wie kamen sie nach Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Schriftsteller <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kornei_Iwanowitsch_Tschukowski">Kornei Tschukowski</a>, der den Schrecken der Evakuierung genauso erlebte wie zweihundert andere Schriftsteller, Künstler und Regisseure, porträtierte diese Zeit mit Erstaunen. Er arbeitete in der Kommission für die Unterbringung evakuierter Kinder. Er sagte: <em>“Diese großen Taten der Menschheit , wie die Vertreter einer anderen Religion so einfach und ehrlich halfen, sind einzigartig in der Geschichte. Das ist ein Merkmal des usbekischen Volkes.” </em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Geschichte ist Ihrer Meinung nach die erstaunlichste? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die von dem bucharischen Juden Sion Chudoidatow, der aus Samarkand stammt. Er kämpfte an den Fronten des Zweiten Weltkriegs, wo er mehrmals verwundet wurde. Nach einer Verletzung wurde Sion in einem Krankenhaus behandelt. Im Gang sah er eine weinende Krankenschwester, die traurig war, da ihre verwaisende Nichte nach Samarkand evakuiert wurde. Die Krankenschwester fragte Chudoidatow, ob er, vorausgesetzt, dass er überlebt, sie finden und ihr helfen könnte.</p>
<p style="text-align: justify">Er kehrte nach Hause zurück, wo er zusammen mit seinem Bruder das Mädchen fand. Die Nichte der Krankenschwester wurde von einer tadschikiischen Familie angenommen. Sion sah ein Mädchen mit 40 Zöpfen, das außer Russisch und Jiddisch frei Usbekisch und Tadschikisch sprach.</p>
<p style="text-align: justify">Er brachte das Mädchen zu ihrem Haus und erzog es in der jüdischen Tradition. Es bekam eine Ausbildung und heiratete, aber ihr ganzes Leben lang respektierte es ihre jüdische Eltern genauso wie die tadschikische.</p>
<p>Diese Geschichte ist für mich ein Signal aus dem 20. Jahrhundert für unsere Zeit.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://centre1.com/uzbekistan/kak-uzbekistan-stal-dlya-evreev-zemlej-obetovannoj/">Center-1</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Veronica Snoj</strong></p>
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