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	<title>Jazz Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 11 Jul 2024 10:38:41 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Jazz Archives</title>
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		<title>Die Geschichte des zentralasiatischen Jazz: Hamdam Zakirov über das Fergana Jazz Festival</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2024 10:38:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
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		<category><![CDATA[Perestroika]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hamdam Zakirov ist ein in Fergana geborener Dichter, DJ und Kenner zentralasiatischer Pop- und Jazzmusik. Er spricht &#xFC;ber das Jazzensemble &#x201E;Sato&#x201C;, den Kult-Avantgardek&#xFC;nstler Sergej Kurjochin und die ber&#xFC;hmteste Vertreterin des Roma-Volkes in der UdSSR, die S&#xE4;ngerin Walentina Ponomarjowa &#x2013; und &#xFC;ber ihre Verbindung mit dem Fergana Jazz Festival, das eine wichtige Rolle bei der Entwicklung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hamdam Zakirov ist ein in Fergana geborener Dichter, DJ und Kenner zentralasiatischer Pop- und Jazzmusik. Er spricht über das Jazzensemble „Sato“, den Kult-Avantgardekünstler Sergej Kurjochin und die berühmteste Vertreterin des Roma-Volkes in der UdSSR, die Sängerin Walentina Ponomarjowa – und über ihre Verbindung mit dem Fergana Jazz Festival, das eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der lokalen Szene sowie der sowjetischen Musik spielte.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1988, nachdem ich die Militärschule in Leningrad abgebrochen und meine Zeit in der Nordflotte abgeleistet hatte, kehrte ich in meine Heimatstadt Fergana [heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fargʻona">Fargʻona</a>, Anm. d. Ü.] zurück. Das Leben begann sich sofort zu drehen: verschiedene Geschwindigkeiten, Farben, Gerüche. Es schien, dass alles möglich war und alles vor uns lag – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika">Perestroika</a>, Demokratisierung, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Glasnost">Glasnost</a> …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bekam einen Job als Kurier für eine Regionalzeitung, schrieb mich in die Journalistische Fakultät der Universität Taschkent ein, beschäftigte mich mit Poesie, las, schaute und hörte viel. Geschäftiges Leben! Und das alles dank redaktioneller Aufträge, die ich zum Teil selbst erfunden habe, und dank dem kulturellen Umfeld, in dem ich mich unerwartet wiederfand. Ich traf großartige Künstler, Dichter, Kunstkritiker, Schauspieler und Musiker, die in unserer Stadt lebten, und gewann neues und sehr vielfältiges kulturelles Gepäck. Und – zu meiner Überraschung – entdeckte ich meine Heimatstadt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Perestroika in Fergana</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es stellte sich heraus, dass es im Kino „Kosmos“ einen „Klub der Kino-Freunde“ gab, in dem wir anfingen, Meisterwerke des Weltkinos anzusehen. Natürlich diejenigen, die damals noch im sowjetischen Filmverleih waren. Es gab einen Bardenclub, in dem ich auch regelmäßig auftrat. Vor allem, weil einer meiner neuen Freunde die Lieder meiner Lieblingsbands <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aquarium_(Band)">Aquarium</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kino_(russische_Band)">Kino</a> kannte und sang. Wie sich herausstellte, gab es in der Stadt auch einen Jazzclub. Und während all das obengenannte eine Idee der Perestroika war, gab es den Jazzclub schon seit mehr als zehn Jahren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1988 organisierten meine Freunde und ich auf Initiative von Rustam Juraev, dem Direktor des Kinos „Kosmos“, eine zweitägige Show-Präsentation von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Alexandrowitsch_Solowjow_(Regisseur)">Sergej Solowjows</a> Film <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Assa_(Film)">Assa</a>. In Ermangelung von Postern mit Rockmotiven wurden Plattenhüllen an die Wände gehängt. Man malte Graffiti an die Wände in der Lobby und im Kinosaal. Es scheint, dass dies auch den Zuschauern gestattet wurde – einer der ersten Schritte auf dem Weg vom „Straßenrowdytum“ zur „zeitgenössischen Kunst“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/igla-mit-viktor-tsoi-durchs-kasachstan-der-perestroika/"><strong>Igla – mit Viktor Tsoi durchs Kasachstan der Perestroika</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Foyer gab es unter anderem eine Tafel, in die jeder mit einem in der Nähe liegenden Hammer seinen „Nagel des Programms“ einschlagen konnte. Ganz echt, brandneu, glänzend, scharf. Generell haben wir unserer Fantasie freien Lauf gelassen. An der Show nahmen sowohl Profis als auch Amateure – Barden und Rocker – teil. Und sogar Schulkinder, die übrigens eine (für damalige Verhältnisse) hochmoderne Semi-Punk-Modenschau inszenierten. Wir hatten sogar unser eigenes „Bananenmädchen“ [Anspielung auf den Film „Assa“, Anm. d. Ü.]! Auch die Gruppe „Sato“ trat bei unserer Show auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Jazzensemble „Sato“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrlich gesagt war ich damals kein Fan von Jazz. Meine Generation hatte gewisse Vorurteile gegenüber Blasinstrumenten. Der Grund dafür waren vielleicht die zahlreichen sowjetischen VIAs [„Vokalisch-instrumentales Ensemble“, die sowjetische Version von „Band“, Anm. d. Ü.] oder die Tatsache, dass wir Rock leidenschaftlich liebten, welcher damals in unserem Land verboten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wir waren misstrauisch gegenüber Gruppen mit mehr als vier oder fünf Mitgliedern. Maximum &#8211; Schlagzeug, Gitarre und Bass. Nun, der Solist. Na ja, vielleicht auch Synthesizer. Aber keine Blechbläser! Den Blechbläsern gegenüber waren wir gnadenlos. Rock war in jenen Jahren – oder wurde zumindest von uns jungen Leuten als solcher wahrgenommen – ein Sprachrohr des Protests. Und Jazz schien ziemlich konformistische Musik zu sein. Darüber hinaus spielten verschiedene Jazzgruppen größtenteils etwas völlig Konventionelles, das nicht über die allgemein anerkannten Jazzstandards hinausging. Damals kam es mir so vor, als ob Rock&#8217;n&#8217;Roll noch nicht tot sei und Jazzmusiker halt irgendwo seien [Anspielung auf die Lieder „Рок-н-ролл мертв“ und „Немое кино“ von Aquarium].</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Und so lernte ich das Jazzensemble von Fergana kennen. Mein erster Gedanke: Nun, natürlich ist das Team in irgendeinem Kulturzentrum in unserem provinziellem <a>Fergana</a> wahrscheinlich amateurhaft. Doch beim Kennenlernen stellt sich heraus, dass dieses Ensemble im Vorjahr, 1987, seine zweite Platte auf [dem größten sowjetischen Plattenlabel, Anm. d. Ü.] <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Melodija">Melodija</a> veröffentlicht hatte. Natürlich gehe ich in Geschäfte, kaufe Sato-Platten und höre mir die Musik an. Und dann lerne ich die Musiker kennen, sehe und höre sie live auf der Kinobühne bei der Premiere von „Assa“ und ich bin beeindruckt von ihrer Professionalität. Wenn ich mich recht erinnere, spielte das Ensemble am ersten Tag vollständig und am zweiten Tag trat Enver Izmailov solo auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahre später, bei meiner nächsten Reise nach Fergana, als ich die erhaltenen Platten aus dem Haus meiner Mutter mitnahm, entdeckte ich „Sato“ wieder. Jetzt stand meine jugendliche Fixierung auf Rockmusik nicht mehr im Weg – ich hörte Fusion, Acid Jazz, Elektronik, Funk. Endlich „hörte“ ich, wie […] alle Mitglieder der Band brillant spielten. Das sieht man deutlich an den Soli – Gitarre, Keyboards, Flöte … Ich habe gehört, wie leicht und elegant die Arrangements sind, die die Musik über die Grenzen bekannter Genres hinausführen. Ich bin mir sicher, dass das jeder Zuhörer spüren wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Fergana Jazz Festival</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ensemble „Sato“ wurde 1974 von Leonid Atabekow gegründet. 1977 initiierten Mitglieder der Gruppe die Eröffnung des Fergana-Jazzclubs und organisierten das erste Jazzfestival der Stadt! Zuvor fand 1969 in Taschkent das einzige derartige Festival in Zentralasien statt. Außer den Fergana-Festivals kenne ich nur das Jazzfestival, das 1988 in Alma-Ata [heute <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/">Almaty</a>, Anm. d. Ü.] stattfand. In den 90er Jahren und bereits im 21. Jahrhundert fanden und finden in Kasachstan und Usbekistan Festivals statt, die jedoch nur eine lokale Bedeutung haben, obwohl an ihnen manchmal sowohl regionale Künstler als auch Gäste aus dem Ausland beteiligt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-musikalische-anthologie-von-almaty-die-geschichte-von-bumerang-avantgardisten-des-jazz-in-kasachstan/"><strong>Eine musikalische Anthologie von Almaty: Die Geschichte von „Bumerang“ – Avantgardisten des Jazz in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt fanden damals in Fergana drei Festivals statt – 1977, 1978 und 1984. Das vierte sollte im Dezember 1988 stattfinden. Aber leider wurde es aufgrund des schrecklichen Erdbebens in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xankəndi">Stepanakert</a> und der im Land ausgerufenen Trauer unterbrochen – unmittelbar nach dem Eröffnungskonzert, an dem meine Freunde und ich teilnehmen konnten. Aber selbst drei Festivals und die Künstler, die auf ihnen auftraten [&#8230;], reichten aus, um zu sagen, dass es sich um ein bedeutendes Phänomen auf Unionsebene handelte, wie man damals sagte. Ich denke, ein paar Namen werden ausreichen, um dies zu bestätigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Buch „Gespräche über Jazz“ erinnert sich der berühmte Kontrabassist und damalige Präsident des Taschkenter Jazzclubs Sergej Gilew an das zweite Fergana-Festival im Jahr 1978: <em>„Das Festival wurde mit Gästen aus Leningrad geschmückt, dem Quartett von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anatoli_Petrowitsch_Wapirow"><em>Anatolij Wapirow</em></a><em>, bestehend aus: A. Wapirow (Saxophon, Klarinette), </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Anatoljewitsch_Kurjochin"><em>S. Kurjochin</em></a><em> (Klavier), S. Gretschkin (Schlagzeug), V. Greschtschenko (Bassgitarre, Schlagzeug). Wapirow war bekannt sowohl als großartiger Interpret als auch als außergewöhnlicher Komponist. Der Pianist des Ensembles, S. Kurjochin, tritt häufig bei Konzerten mit Soloprogramm auf und stellt verschiedene Ensembles für einmalige Auftritte zusammen. Er ist einer der ernstzunehmenden Vertreter des Free Jazz.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Walentina Ponomarjowa</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer nicht minder interessanter Gast in Fergana – ein „Stern von einem ganz anderen Horizont“ – war die Moskauerin Walentina Ponomarjowa. Ponomarjowa begann ihre Karriere als Jazzmusikerin Ende der 60er Jahre und verbrachte fast die gesamten 70er Jahre damit, Romanzen und „Zigeunerlieder“, wie man sie damals nannte, als Solistin des Romen-Theaters und später des gleichnamigen Trios zu singen. Doch Ende der 70er Jahre manifestierte sich ihr Interesse am Jazz immer mehr: 1979 verließ sie das Theater und begann mit der Solo-Jazzarbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer weiß, vielleicht war Fergana nicht nur eine der ersten Plattformen, sondern auch der Ausgangspunkt auf ihrem Weg zurück zum Jazz. Ich war 1978 erst 12 Jahre alt und habe Ponomarjowas Auftritt natürlich nicht besucht. Allerdings habe ich erst vor relativ kurzer Zeit von dieser Seite ihrer Arbeit erfahren, als eine der Jazzplatten der Sängerin in meine Sammlung kam. Im Gegensatz zu den Alben aus der Zeit des Romen-Trios entpuppte sich dies als eine ganz, ganz andere Welt, ein anderer Planet!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/murat-sadykow-gunes-geschichte-ethno-jazz-turkmenistan/"><strong>Murat Sadykow und seine „Güneş“: Aus der Geschichte des Ethno-Jazz in Turkmenistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, welches Repertoire Walentina Ponomarjowa 1978 beim Konzert des zweiten Festivaltages aufführte, aber es ist mit Sicherheit bekannt, dass fast alle Roma von Fergana dorthin kamen. Dies war wahrscheinlich das am schnellsten ausverkaufte Festivalkonzert aller Zeiten. Leonid erinnert sich, dass das Publikum die Sängerin mit Zetteln bombardierte. Man kann nur davon ausgehen, dass diejenigen, die kamen, um <em>„die berühmteste Zigeunerin der Sowjetunion“</em> zu sehen und zu hören, die avantgardistischen Sketche vor dem Hintergrund von Free-Jazz-Experimenten nicht ganz verstanden und sie in ihren Notizen gebeten haben, etwas mehr Erwartbares zu singen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals – auf einem Festival in Fergana im Jahr 1978 – lernten sich Walentina Ponomarjowa und Sergej Kurjochin kennen. Dieses Treffen markierte den Beginn von Ponomarjowas langjähriger Freundschaft und kreativer Zusammenarbeit mit Kurjochin, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Borissowitsch_Grebenschtschikow">Boris Grebenschtschikow</a> und vielen anderen St. Petersburger Jazz- und Rockmusikern. Anschließend nahm Ponomarjowa wiederholt als geladener Gast an Konzerten und Aufnahmen von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pop-Mechanics">Pop-Mechanics</a>, Aquarium und Anatolij Wapirow teil. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass diese Bekanntschaft in Fergana von historischer Bedeutung für die Entwicklung der russischen Avantgarde-, Jazz- und sogar Rockszene war.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sergej Kurjochin und Pop-Mechanics</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Leonid Atabekow erinnerte sich in einem Telefongespräch mit mir daran, dass Sergej Kurjochin ein zweites Mal nach Fergana kam – zum Festival 1984, diesmal jedoch mit seinem Ensemble. Leonid konnte sich nicht an den Namen erinnern, aber es kam mir nie in den Sinn, dass es „Pop Mechanics“ sein könnte. Doch als ich es erwähnte und sagte, dass Kurjochin später ein solches Projekt haben würde, bestätigte Leonid: Ja, das stimmt: „Popular Mechanics“. Das heißt, die von Kurjochin im selben Jahr 1984 gegründete und später berühmt gewordene Gruppe hatte einen ihrer ersten Auftritte auf der Bühne des III. Fergana Jazz Festivals!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leonid erinnerte sich, wie irgendwann während ihres Auftritts, während des Solos des Cellisten, die übrigen „Pop Mechanics“-Musiker begannen, über die Bühne zu kriechen und, als sie den mit Blumen geschmückten Rand erreichten, begannen, diese zu essen! Und am nächsten Tag litten fast alle unter Magenschmerzen. Eine lustige, aber auch erstaunliche Geschichte! Schockierender Free Jazz – mit einem Wort: Fleisch gewordene Transzendenz. Wir können sagen, dass die Vergangenheit in diesem Moment, ohne sich dessen völlig bewusst zu sein, die Zukunft kennenlernte. Nun, es ist schön, dass Fergana nicht enttäuscht hat, und ein solcher Skandal wie bei einem ähnlich schockierenden Auftritt von „Aquarium“ beim <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tbilisi_Rock_Festival_(1980)">Tbilissi Rock Festival 1980</a> einige Jahre zuvor gab es in meiner Heimatstadt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder findet ihr im <a href="https://easteast.world/ru/posts/310">Originalartikel</a>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Hamdan Zakirov für EastEast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://easteast.world/ru/posts/310"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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			</item>
		<item>
		<title>Murat Sadykow und seine „Güneş“: Aus der Geschichte des Ethno-Jazz in Turkmenistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Feb 2021 09:36:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Murat Sadykow]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der bekannte turkmenische Musiker, S&#xE4;nger und Poet Murat Sadykow w&#xE4;re dieses Jahr 85 alt geworden. Der 2013 verstorbene Gr&#xFC;nder und Leiter der beliebten Musikgruppe &#x201E;G&#xFC;ne&#x15F;&#x201C; bleibt vielen als talentierter K&#xFC;nstler und Intellektueller in Erinnerung.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/murat-sadykow-gunes-geschichte-ethno-jazz-turkmenistan/">Murat Sadykow und seine „Güneş“: Aus der Geschichte des Ethno-Jazz in Turkmenistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der bekannte turkmenische Musiker, Sänger und Poet Murat Sadykow wäre dieses Jahr 85 alt geworden. Der 2013 verstorbene Gründer und Leiter der beliebten Musikgruppe „Güneş“ bleibt vielen als talentierter Künstler und Intellektueller in Erinnerung. Das folgende Porträt erschien am 27. Januar 2021 auf </strong><a href="https://orient.tm/murad-sadykov-i-via-gunesh-iz-istorii-turkmenskogo-etno-dzhaza/"><strong>Orient</strong></a><strong>. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Murat Sadykow wurde am 3. September 1936 in Aschgabat in der Familie eines Lehrers geboren. Im Alter von fünf Jahren starb sein Vater. Er begann früh mit dem Singen und trat bereits mit sechs Jahren vor verwundeten und nach Aschgabat evakuierten Soldaten auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Musik begleitete ihn durch seinen zweijährigen Aufenthalt im Waisenhaus, als seine Mutter ihre Kinder nicht ernähren konnte, sowie durch die Schule und das Studium am Turkmenischen Agrarinstitut (die heutige Turkmenische Agraruniversität), das er 1960 als hydrotechnischer Ingenieur abschloss. Der junge Student nahm am Weltfestival der Jugend und der Studierenden in Moskau 1957 teil. Und als er zu arbeiten begann, studierte er noch abends an der Turkmenischen Staatlichen Owesow-Musikhochschule Gesang.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab 1964 arbeitete Sadykow im Staatlichen Komitee des Ministerrates der Turkmenischen SSR für Rundfunk und Fernsehen als Solist und Sänger. Drei Jahre später gab das Schicksal dem Sänger mit der schönen Stimme die Chance, weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt zu werden: Nach einem Auftritt auf der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Expo_67">EXPO 67</a> in Ottawa und Toronto boten ihm ein kanadisches Tonstudio und ein Konzert-Impresario einen Plattenvertrag und eine einjährige Tournee an. Doch die sowjetische Führung schickte eine Absage.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein steiler Aufstieg</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein außerordentliches Talent und seine Hingabe brachten dem turkmenischen Sänger dennoch internationale Aufmerksamkeit ein. Murat Sadykow, der sowohl in seiner Muttersprache als auch auf Russisch perfekt sang, wurde im ganzen Land berühmt und absolvierte Auftritte auf den größten Konzertbühnen in Moskau und Leningrad.</p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Мурад Садыков Смуглянка" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/4dE9epZPWuU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Er trat mehrmals im Säulensaal des Hauses der Gewerkschaften, im Kongresspalast, im Estrada-Theater und sogar im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bolschoi-Theater">Bolschoi Theater</a> auf. Seine Konzerte wurden vom zentralen und vom Leningrader Fernsehen aufgenommen. Auch in Bulgarien, Polen, der Mongolei, Vietnam, Laos, Senegal, Guinea, Guinea-Bissau und in anderen Ländern war das Publikum begeistert. Die Regierung der Sozialistischen Republik Vietnam verlieh ihm gar den Orden der Freundschaft und den Titel des Ehrenbürgers von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ho-Chi-Minh-Stadt">Ho-Chi-Minh-Stadt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-musikalische-anthologie-von-almaty-die-geschichte-von-bumerang-avantgardisten-des-jazz-in-kasachstan/"><strong>Eine musikalische Anthologie von Almaty: Die Geschichte von “Bumerang” – Avantgardisten des Jazz in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Murat Sadykow bekam die Ehrentitel des Verdienten Künstlers der Turkmenischen SSR (1973) und des Nationalkünstlers der Turkmenischen SSR (1982) verliehen. Darüber hinaus war er Mitglied der Sowjetischen Musikgesellschaft und seit 1989 sogar Mitglied des Präsidiums. Er wurde mit der Ehrenmedaille der Sowjetischen Friedensstiftung für seine aktive Teilnahme an der Arbeit der Stiftung ausgezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Erfolge mit „Güneş“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Murat Sadykow wurde jedoch nicht nur als Sänger, sondern auch als Gründer der 1970 in Aschgabat entstandenen Musikgruppe „Güneş“ (auf Deutsch: sonnig) bekannt. Die Band wurde zu einer würdigen Konkurrenz für solch bekannte Gruppen wie „Pojuschtschije Gitarry“ (Singende Gitarren) aus Leningrad, „Pesnjary“ (Liedermacher) aus Minsk, „Wesjolyje Rebjata“ (Lustige Jungs) aus Moskau, „Iweria“ aus Tblissi oder „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yalla">Yalla</a>“ aus Taschkent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich war <a>„Güne</a>ş“ ein typisches Vokal- und Instrumentalensemble, das sich auf die Aufführung von turkmenischen Volksliedern und Werken turkmenischer und sowjetischer Komponisten konzentrierte. Dann wurde das Repertoire der Gruppe durch Jazz-Kompositionen ergänzt, und der Musikstil von „Güneş“  wandelte sich zu einer Mischung aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fusion_(Musik)">Fusion Jazz</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ethno-Jazz">Ethno-Jazz</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Progressive_Rock">Progressive Rock</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-der-sowjetische-rocknroll-duschanbe-zum-tanzen-brachte/"><strong>Wie der sowjetische Rock´n´Roll Duschanbe zum Tanzen brachte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1972 konnte Sadykow beim Staatsradio der Turkmenischen SSR erhebliche Geldmittel erwirken, um aus dem Ausland professionelles Audio-Equipment und Musikinstrumente zu erwerben, einen eigenen Proberaum auszustatten und so in der Folge die Klangqualität zu verbessern. Die Chancen zur kreativen Entwicklung und die relativ hohen Gehälter lockten talentierte MusikerInnen aus Turkmenistan, aber auch aus anderen Sowjetrepubliken in die Band. Im Laufe der Jahre gehörten mehrere dutzend MusikerInnen zu <a>„Güne</a>ş“ – unter ihnen solche Virtuosen wie Rişat Şafiyew aus Aschgabat, der das Publikum mit seiner Fähigkeit verzückte, gleichzeitig auf einer Vielzahl von Drum-Kits zu spielen.</p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="РИШАД ШАФИ &amp; &quot;Гунеш&quot; (Голубой огонёк 1984г.) !" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/Ell10rLglKg?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Güneş“ spielte von 1970 bis 1986 Konzerte und ist immer noch die bekannteste und anerkannte Musikgruppe aus Turkmenistan. Mitglieder der Gruppe traten gemeinsam mit bekannten Bands wie „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschina_Wremeni">Maschina Wremeni</a>“ (Zeitmaschine), „Autograf“ und vielen anderen bekannten MusikerInnen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Maestro steigt aus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Höhepunkt ihrer Popularität erlebte die Band in den Jahren 1976 bis 1986. „Güneş“ hatte in dieser Zeit Auftritte auf der ganzen Welt – unter anderem in Osteuropa, Afrika und Asien. Die Band siegte 1978 beim Folklorefestival in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zielona_Góra">Zielona Góra</a> und trat beim Wettbewerb „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Golden_Orpheus">Goldener Orpheus</a>“ in Bulgarien auf. Außerdem gewann sie bei zahlreichen Musikwettbewerben innerhalb der Sowjetunion.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Mitte der 1980er Jahre &#8211; auf dem Höhepunkt der Entwicklung &#8211; beendete der Gründer und langjährige Leiter Murat Sadykow jedoch seine Zusammenarbeit mit „Güneş“. Kurz darauf fand auch die Geschichte dieser außergewöhnlichen Band ihr Ende. Bis dahin hatte „Güneş“ rund 20 Platten &#8211; unter anderem beim größten sowjetischen Plattenlabel „Melodija“ &#8211; produziert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Gozel Hasatowa für </strong><a href="https://orient.tm/murad-sadykov-i-via-gunesh-iz-istorii-turkmenskogo-etno-dzhaza/"><strong>Orient</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


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<p>The post <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/murat-sadykow-gunes-geschichte-ethno-jazz-turkmenistan/">Murat Sadykow und seine „Güneş“: Aus der Geschichte des Ethno-Jazz in Turkmenistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Eine musikalische Anthologie von Almaty: Die Geschichte von &#8222;Bumerang&#8220; – Avantgardisten des Jazz in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mrommel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Apr 2017 18:14:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Jazz]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte dieser Gruppe g&#xE4;be genug her, um einen Skandalfilm zu drehen: Trinkgelage mit Weltstars des Jazz, fulminante B&#xFC;hnenauftritte, Rauswurf aus der Musikschule wegen &#x201E;Unprofessionalit&#xE4;t&#x201C; und unz&#xE4;hlige Stunden Musik, f&#xFC;r die die &#x201E;verd&#xE4;chtigen Asiaten&#x201C; keine einzige Kopeke vom sowjetischen Regime sahen. Arsen Bajanow von 365.kz gibt uns einen Einblick in die Geschichte dieser au&#xDF;ergew&#xF6;hnlichen Jazz-Gruppe, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Geschichte dieser Gruppe gäbe genug her, um einen Skandalfilm zu drehen: Trinkgelage mit Weltstars des Jazz, fulminante Bühnenauftritte, Rauswurf aus der Musikschule wegen „Unprofessionalität“ und unzählige Stunden Musik, für die die „verdächtigen Asiaten“ keine einzige Kopeke vom sowjetischen Regime sahen. Arsen Bajanow von<a href="https://365info.kz/2017/03/muzykalnaya-antologiya-alma-aty/"> 365.kz</a> gibt uns einen Einblick in die Geschichte dieser außergewöhnlichen Jazz-Gruppe, den wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übernehmen. </strong></p>
<p>„Bumerang“ – so heißt das Jazz-Kollektiv, dessen Schaffen stilprägend für den Jazz in Almaty und ganz Kasachstan war. Obwohl die Gruppe sich sowohl im klassischen Jazz, Free-Jazz oder Jazz-Rock übte, ist sie wahrscheinlich  die einzige Jazz-Gruppe in Kasachstan, die einen ganz eigenen Stil schuf: den orientalischen Jazz, der zu einem anerkannten Stil in der ganzen Sowjetunion avancierte.</p>
<p>„Bumerang“ wurde 1975 von den Brüdern Tachir (Schlagzeug, Percussions) und Farchad Ibragimow (Kontrabass, Bassgitarre) zusammen mit Wladimir Nazarow (Klavier) zunächst als Trio gegründet.</p>
<p>In den vielen Jahren ihres Bestehens wirkten aber auch andere Musiker aus verschiedenen Ländern bei „Bumerang“ mit, wie zum Beispiel Michael Ermolov aus den USA, Gogi Metaxa aus Griechenland, Vasili Rabe aus Deutschland und viele mehr.</p>
<p><strong>Der Weg zum Erfolg</strong></p>
<p>Schon bald nach der Gründung wurde „Bumerang“ zu verschiedenen Jazz-Festivals eingeladen und feierte mit Auftritten in Moskau, Nowosibirsk, Archangelsk, Abakan oder Fergana große Erfolge. Alle wichtigen sowjetischen Musikzeitschriften schrieben über sie und befeuerten ihren rasanten Aufstieg in der Musikwelt.</p>
<p><figure id="attachment_8708" aria-describedby="caption-attachment-8708" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-8708 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-Ibragimov.jpg" alt="tahir-ibragimov" width="800" height="571" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-Ibragimov.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-Ibragimov-300x214.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-Ibragimov-768x548.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-8708" class="wp-caption-text">Tahir Ibragimow am Schlagzeug</figcaption></figure></p>
<p>Tachir Ibragimow, inoffizieller Kopf der Gruppe, wurde mehrfach zum besten Schlagzeuger der Sowjetunion ausgerufen. Dabei warf man ihn einst wegen „Unprofessionalität“ aus der Bajseitowa-Musikschule in Almaty. Nachdem er dort drei Jahre lang Klarinette lernte, ließ er diese links liegen und fing an, Schlagzeug zu spielen. Viele Jahre später, auf dem Jazz-Festival in Fergana 1977 erhielt er die Auszeichnung „bester Schlagzeuger“, und so nahm alles seinen Lauf. Sein Bruder Farchad wurde 1979 in den Umfragen einer Rigaer Musikzeitschrift zu einem der besten Bass-Gitarristen der Sowjetunion erkoren.</p>
<p><strong>Verdächtige Asiaten</strong></p>
<p>„Bumerang“ ist die einzige kasachische Gruppe, die drei Schallplatten über das größte sowjetische Plattenlabel „Melodija“ herausbrachte: „Bumerang“, „Miraji“ und „Ornament“.</p>
<p>„Aber wir haben keine einzige Kopeke dafür bekommen“, erzählt Farchad. „Unser Erfolg war wirklich ganz außergewöhnlich, denn der Jazz wurde ja ohnehin immer etwas misstrauisch betrachtet. Und dann veröffentlichen diese Asiaten gleich drei Platten!“</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/showtime-fur-tapfere-dichter-der-erste-poetry-slam-in-usbekistan/">Showtime für tapfere Dichter: Der erste Poetry-Slam in Usbekistan</a></strong></p>
<p>Tachir Ibragimow (von seinen Freunden auch Tacha genannt) war aber nicht nur ein meisterhafter Schlagzeuger, er war auch ein hervorragender Lehrer. So gut wie alle bekannten Schlagzeuger der damaligen Zeit in Almaty waren entweder Absolventen seiner Schule oder versuchten zumindest, seinen Stil zu imitieren. Überhaupt war Tachir einer der einflussreichsten und meist beachtesten Jazz-Musikern im heutigen postsowjetischen Raum. &#8222;Egal wo ich auch Gastkonzerte gab, immer gab es jemandem, dem ich einen Gruß von Tahir ausrichten sollte, und alle reagierten verzückt. Einmal, als ich bei einem Benefizkonzert in Minsk Aleksandr Demeschko, dem Schlagzeuger von „Pesnjary“, einen Gruß von Tachir überbrachte, ließ der mich auf seinem Marken-Schlagzeug ein paar Stücke spielen, damit ich mich nicht so mit meinem alten Schrott abmühen musste. Dabei muss man bedenken, dass jeder Musiker eine ganz eigene Beziehung zu seinen Instrumenten hat und sie nur ungern Fremden überlässt.&#8220;</p>
<p><figure id="attachment_8709" aria-describedby="caption-attachment-8709" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8709 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-na-stsene.jpg" alt="Die Gruppe &quot;Bumerang&quot; war stilprägend für den kasachischen Jazz " width="800" height="605" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-na-stsene.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-na-stsene-300x227.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/tahir-na-stsene-768x581.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-8709" class="wp-caption-text">Die Gruppe &#8222;Bumerang&#8220; war stilprägend für den kasachischen Jazz</figcaption></figure></p>
<p><strong>Blütezeit und Niedergang</strong></p>
<p>Zwischen 1979 und 1982 begleitete „Bumerang“ die Vokalistin Rosa Rymbajewa auf ihrer Tournee unter dem Namen „Araj“, aber danach gingen sie wieder ihren eigenen Weg, nunmehr zusammen mit dem Pianisten Leonid Tschijik und dem Saxophonisten Aleksandr Pischtschikow aus Moskau.</p>
<p>„Am beeindruckendsten“, erinnert sich Farchad, „war ein Konzert im Moskauer Varieté-Theater Ende der Achtziger, „Bumerang“ eröffnete das Konzert und danach traten Weltstars des Jazz auf: das Quintett von John B. Williams, das Benny-Golson-Quartett, das Freddie-Hubbard-Quintett und das Ensemble Sun Ra. Als wir 1993 auf einem Jazz-Festival in Kassel spielten, hat sich uns der deutsche Gitarrist Hans Tamen angeschlossen, man kann also sagen, dass „Bumerang“ einen internationalen Status erlangte.“</p>
<p><iframe loading="lazy" title="BOOMERANG JAZZ ENSEMBLE - ORNAMENT (In Memory of Jazz Legend Tahir Ibragimov)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/vChVFoPlD40?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Es schien, als sei die Tür zum Welterfolg offen, doch die gesamte sowjetische Musik, nicht nur der Jazz, wurde letztlich von der Perestrojka eingeholt. Tachir und Farchad machten zunächst beharrlich mit ihrer Musik weiter – es gab zum Beispiel noch ein gemeinsames Projekt mit der Gruppe „Roksonaki“ – aber irgendetwas im sonst so erfolgreichen Mechanismus von „Bumerang“ ging kaputt, Farchad wanderte nach Norwegen aus.</p>
<p>„Sieben Jahre lang habe ich meine Bassgitarre nicht angerührt, aber Tachir konnte einfach nicht ohne die Musik leben“, erinnert sich Farchad. „Als zu der Zeit aber sein Freund, der Saxophonist Witalij Kim, verstarb, da verlor auch Tachir die Lust an der Musik.“</p>
<p>In den letzten Jahren seines Lebens spielte Tachir in der Tat nur noch selten, er bekam gesundheitliche Probleme. Seine Freunde gingen nach und nach aus dem Leben, was ihn jedes Mal schwer traf. Im Jahr 2006 verstarb auch Tachir.</p>
<p>„Wir haben immer noch 17 Stunden Musik, die bisher niemand gehört hat. Das würde für ein paar Alben reichen“, sagt Farchad. „Tachir ist zwar nicht mehr unter uns, aber seine Musik lebt!“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Im russischen Original erschienen auf <a href="https://365info.kz/2017/03/muzykalnaya-antologiya-alma-aty/">365.kz </a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Manuel Rommel</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" title="Boomerang: Ornament (Kazakhstan/USSR, 1985) [Full Album]" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/oWazt-Lta54?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p><iframe loading="lazy" title="Boomerang: Mirage (Kazakhstan/USSR, 1986) [Full Album]" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/oJXv51AyPqA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-musikalische-anthologie-von-almaty-die-geschichte-von-bumerang-avantgardisten-des-jazz-in-kasachstan/">Eine musikalische Anthologie von Almaty: Die Geschichte von &#8222;Bumerang&#8220; – Avantgardisten des Jazz in Kasachstan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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