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	<title>Islamismus Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 13 Jun 2024 09:15:37 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Islamismus Archives</title>
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		<title>Kirgistan: Nationalflaggen verbrannt und ersetzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vlprzybylinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jun 2024 09:15:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Nacht zum 30. Mai wurden im Gebiet Dschalalabad mehrere Flaggen der Kirgisischen Republik abgenommen, verbrannt und dann durch &#x201E;wei&#xDF;e Fahnen mit arabischen Aufschriften&#x201C; ersetzt. Zwei Verd&#xE4;chtige wurden festgenommen. Im Dorf Bek-Abad in dem im Westen Kirgistans gelegenen Gebiet Dschalalabad sind in der Nacht zum 30. Mai kirgisische Flaggen verbrannt worden. Sie seien dann [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In der Nacht zum 30. Mai wurden im Gebiet Dschalalabad mehrere Flaggen der Kirgisischen Republik abgenommen, verbrannt und dann durch „weiße Fahnen mit arabischen Aufschriften“ ersetzt. Zwei Verdächtige wurden festgenommen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dorf Bek-Abad in dem im Westen Kirgistans gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Dschalal-Abad">Gebiet Dschalalabad</a> sind in der Nacht zum 30. Mai <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/debatte-um-staatsflagge-erschuettert-kirgistan/">kirgisische Flaggen</a> verbrannt worden. Sie seien dann durch <em>„weiße Fahnen mit arabischen Aufschriften“</em> ersetzt worden, berichtet das kirgisische Nachrichtenportal <a href="https://kloop.kg/blog/2024/06/05/sozhzhenie-flaga-v-suzake-gknb-zaderzhal-dvuh-devushek/">Kloop</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei junge Frauen im Alter von 19 und 16 Jahren, die beide aus dem Dorf stammen, wurden von den Geheimdiensten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, die Ideologie der extremistischen Organisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">Hizb ut-Tahrir</a> zu verbreiten. Zwei Familienangehörige eines der Mädchen sowie zwei Frauen, die im Verdacht stehen, extremistische Literatur zu verbreiten, wurden ebenfalls festgenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schulen als Ziel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem ehemaligen Vorsitzenden des Ausschusses für religiöse Angelegenheiten, Orosbek Moldalijew, ist es kein Zufall, dass die Täterinnen ein öffentliches Gebäude und Schulen angegriffen haben. Er erklärte gegenüber <a href="https://rus.azattyk.org/a/32975189.html">Radio Azattyk</a>, dem kirgisischen Dienst von Radio Free Europe: <em>„Auch wenn die Inschrift auf der Leinwand nicht zu Gewalt aufruft, deutet allein die Tatsache, dass sie die Staatsflagge entfernt und verbrannt haben, darauf hin, dass sie den Staat nicht anerkennen, und [dass sie] die Schule auffordern, dasselbe zu tun.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Einige Anwohner:innen, die am Tag nach dem Vorfall befragt wurden, haben jedoch Zweifel an dieser Version und sind der Auffassung, dass es sich <em>„um die Tat rücksichtsloser Kinder gehandelt haben muss“</em>, was sich nach der Verhaftung der beiden jungen Frauen zu bestätigen scheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Experte Kanatbek Mursahalilow teilt diese Meinung: Für ihn handelt es sich um einen Protestakt junger Menschen auf der Suche nach Identität, welche sie in der Religion zu finden hoffen. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art: Bereits im Mai 2023 wurde die Flagge des Islamischen Staates in einer Schule in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kysyl-Kyja">Kysyl-Kyja</a> im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Gebiet Batken</a> aufgehängt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Gründe für diesen Vorfall</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nurlan Ismailov, Professor an der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ala-Too_International_University">Ala-Too International University</a>, erklärte gegenüber <a href="https://rus.azattyk.org/a/32978427.html">Radio Azattyk</a>, dass dieses Ereignis nicht beispielhaft für die gesamte kirgisische Gesellschaft stehe. Dennoch komme es in bestimmten Regionen des Landes zu einer Radikalisierung – darunter auch im Bezirk Susak, in dem Bek-Abad liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ismailov sieht auch den Staat in der Verantwortung für solche Ereignisse, da dieser seiner Meinung nach <em>„in den letzten zwei bis drei Jahren die Bildungsarbeit in jenen Gebieten geschwächt hat, in denen diese Organisationen am stärksten konzentriert sind“</em>. Der Umstand, dass der Staat bestimmte Regionen des Landes im Stich gelassen und insbesondere Aufklärungskampagnen unter jungen Menschen eingestellt habe, habe das Wiederaufleben des radikalen Islamismus ermöglicht, welche in den letzten Jahrzehnten an Boden verloren hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zu hoher Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der kirgisische Staat beansprucht für sich, säkular zu sein und Religionsfreiheit zu garantieren. Seit einiger Zeit verfolge er jedoch eine Politik, die von einem Teil der Bevölkerung als im Widerspruch dazu stehend empfunden wird, berichtet Radio Azattyk nach einem Gespräch mit dem Rat der Religionsgelehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der NGO <a href="https://forum18.org/archive.php?article_id=2875">Forum 18</a> müssen sich religiöse Organisationen registrieren lassen, um legal zu bleiben. Für Minderheiten, die weder der sunnitischen Mehrheit noch der orthodoxen Kirche angehören, stellt dies eine große Hürde dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/">Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hat der Abgeordnete Scharapatkan Maschitow im November einen Gesetzentwurf eingebracht, der das Tragen der Burka und „voluminöser“ Bärte verbieten soll. Der Rat der Religionsgelehrten sieht darin einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit und die Ausübung des Islam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kanatbek Mursahalilow ist die Häufung solcher restriktiver Vorstöße nicht unbedingt positiv zu bewerten, denn ein Verbot werde das Problem nicht lösen. <em>„Im Gegenteil: Es kann Bedingungen schaffen, die das Wachstum des Extremismus begünstigen. Es ist wie ein physikalisches Gesetz: Je höher der Druck, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Explosion.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Vladimir Przybylinski für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/kirghizstan-drapeaux-nationaux-brules-et-remplaces/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Was Chorasan für den „Islamischen Staat“ bedeutet</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-chorasan-fuer-den-islamischen-staat-bedeutet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jean Monéger-Leclerc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 May 2024 18:46:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Chorasan]]></category>
		<category><![CDATA[Crocus City Hall]]></category>
		<category><![CDATA[IS]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Taliban]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall stellen einige Medien Zentralasien im Allgemeinen und vor allem Tadschikistan als Brutst&#xE4;tte f&#xFC;r Terrorismus dar. Dabei offenbart ein Blick auf die Geschichte und die Lebensbedingungen im Land, dass es insbesondere dem &#x201E;Islamischen Staat&#x201C; gelingt seinen politischen Diskurs in einer Weise anzupassen, dass er den Zielgruppen legitim erscheint. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall stellen einige Medien Zentralasien im Allgemeinen und vor allem Tadschikistan als Brutstätte für Terrorismus dar. Dabei offenbart ein Blick auf die Geschichte und die Lebensbedingungen im Land, dass es insbesondere dem „Islamischen Staat“ gelingt seinen politischen Diskurs in einer Weise anzupassen, dass er den Zielgruppen legitim erscheint.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) besteht fort. Zu dem <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Terroranschlag</a> auf die Crocus City Hall bei Moskau am 22. März, bei dem <a href="https://rtvi.com/news/terakt-v-krokus-siti-holle-chto-izvestno-spustya-mesyacz/">145 Menschen ums Leben kamen</a>, bekannte sich der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ISIS-K">Islamische Staat – Khorasan (IS-K)</a>. Vier Männer mit tadschikischer Staatsbürgerschaft wurden verhaftet, gefoltert und vor Gericht gestellt. Seit Ende März kam es zu mindestens acht weiteren Festnahmen. Die meisten Betroffenen sind ebenfalls Tadschiken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach 2017, als die Befreiung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mossul">Mossul</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ar-Raqqa">Raqqa</a> das Ende des Kalifats einzuläuten schienen, bestand der IS fort. Während die Organisation im Westen vor allem wegen ihrer Präsenz im Nahen Osten bekannt ist, war sie bald auch in Afghanistan und dessen unmittelbarer Umgebung aktiv. Der IS nutzte Allianzen mit anderen islamistischen Gruppen und abtrünnigen Taliban und gründete im Januar 2015 seine „Provinz Chorasan“ – den IS-K.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Während Menschen aus Zentralasien seit dem Anschlag in Russland <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Diskriminierung</a> und Gewalt zum Opfer fallen, müssen einige Nuancen berücksichtigt werden. Insbesondere Zentralasien kann nicht als <em>„neuer Brückenkopf“</em> (<a href="https://www.lemonde.fr/international/article/2024/03/24/attentat-de-moscou-l-asie-centrale-nouvelle-tete-de-pont-de-l-organisation-etat-islamique_6223938_3210.html">Le Monde</a>) oder <em>„Brutstätte“</em> (<a href="https://www.france24.com/fr/asie-pacifique/20240325-attentat-de-moscou-le-tadjikistan-maillon-faible-de-l-asie-centrale-face-aux-jihadistes-de-l-ei">France 24</a>) des IS bezeichnet werden: Im Gegenteil, die Staatsmacht kämpft in den Ländern der Region seit ihrer Unabhängigkeit gegen religiösen Eifer.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anspruch auf Einzigartigkeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie alle Extremisten profitiert auch der IS von Ungerechtigkeiten und Frustrationsgefühlen, die die Machthaber in der Bevölkerung hinterlassen. Es handelt sich um ein politisches Projekt, das darauf abzielt, Massen von Gläubigen anzuziehen – Mitglieder, die bereit sein müssen, für ihre Sache zu sterben. Dabei führt die Betrachtung der Herkunftsregionen der Terroristen dazu, die Frage aus einem falschen Blickwinkel zu analysieren, da dies impliziert, dass die Bewohner solcher „Brutstätten“ von Natur aus sensibel für die Ideologie des Islamischen Staates wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien ist nicht die einzige Region der ehemaligen Sowjetunion, in der der IS versucht, sich zu etablieren oder zu überleben. Der radikale Islam des (immer noch zu Russland gehörenden) Nordkaukasus weist nicht die gleichen Merkmale auf wie der des unabhängigen Zentralasiens. Daher ist es wichtig zu verstehen, dass der Islamische Staat als Organisation eine Ideologie vertritt, die den Anspruch erhebt, einzigartig zu sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Ideologie des IS: Vielfältige Ziele</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um es mit den Worten der Forscherinnen Sara Harmouch und Amira Jadoon auszudrücken: Die Ideologie des IS-K ist der „Marke“ des Islamischen Staates treu. Sein Ziel ist die Etablierung des islamischen Rechts, der Scharia, in ihrer strengsten Auslegung. Daher gelten <em>„säkulare Regierungen sowie nicht-muslimische Zivilbevölkerungen, aber auch muslimische Gruppen und Einzelpersonen, die ihre Vision vom Islam nicht teilen“</em>, als legitime Ziele, präzisieren die beiden Wissenschaftlerinnen gegenüber <a href="https://theconversation.com/dans-le-viseur-de-letat-islamique-au-khorassan-la-russie-mais-aussi-lasie-centrale-et-leurope-226538">The Conversation France</a>. Die Vielfalt der Rekruten spiegelt die Vielfalt der Ziele wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauer gesagt zielt der IS darauf ab, die Gemeinschaft der Gläubigen zu dominieren. Er beansprucht dabei die Autorität über die Interpretation islamischer Texte. Die Organisation ist sunnitisch geprägt und bekennt sich zu einem extremen Anti-Schiismus. Obwohl Tadschikistan im Gegensatz zum übrigen türkischen Zentralasien mit der persischen Welt verbunden ist, ist der Islam dort, wie auch in den Nachbarländern, überwiegend sunnitisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/"><strong>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist Russland für den IS-K nur ein Ziel unter vielen: Bei einem <a href="https://thediplomat.com/2024/01/unveiling-the-motivations-tajik-iskps-calculated-strikes-on-iran/">Anschlag</a> im Januar 2024 tötete die Organisation im schiitischen Iran fast 100 Menschen. Wie <a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2023/07/07/arrests-made-in-anti-terrorist-sting-in-germany-and-the-netherlands_6045249_4.html#">Le Monde</a> berichtete, wurde im Juli 2023 in Deutschland und den Niederlanden eine Zelle aufgelöst, deren Mitglieder aus drei zentralasiatischen Ländern kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Denkfabrik <a href="https://www.specialeurasia.com/2024/04/17/germany-switzerland-terrorism/">SpecialEurasia</a> wurden kurz nach dem Anschlag bei Moskau auch in Deutschland und der Schweiz Zellen aufgedeckt. Einige Mitglieder sollen Teenager sein und alle sind Angehörige europäischer Nationalitäten. Bevor sich das politische Projekt an solch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anpassen kann, muss es in seiner Einzigartigkeit bekräftigt werden. Ein Beispiel dafür ist die Wahl des Namens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Bezug auf Chorasan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sich auf Chorasan zu beziehen bedeutet, über die Geschichte einer Region zu sprechen, die im Laufe der Jahrhunderte Schauplatz zahlreicher Eroberungen war, deren Name aber auch einige Afghanen heute als die alte Bezeichnung ihres eigenen Landes betrachten. Das Gebiet entspricht einem Teil des alten persischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassanidenreiches</a>, das den heutigen Ost-Iran, ganz Afghanistan und das südliche Zentralasien umfasste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chorasan verweist auf eine reiche islamische Vergangenheit und ist daher auch kulturell ein Begriff, der die Afghanen anspricht. Es bietet auch einen interessanten territorialen Aspekt: ​​Der Iran – eingekeilt zwischen dem IS im Nahen Osten und in Chorasan – steht der territorialen Kontinuität des „Islamischen Staates“ im Weg. Somit trägt die Chorasan implizit die Forderung nach einer geografischen Expansion sowie nach einem Sieg über den Iran in sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-terroranschlag-bei-moskau-stellt-tadschikistan-vor-schwierige-entscheidungen/"><strong>Der Terroranschlag bei Moskau stellt Tadschikistan vor schwierige Entscheidungen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den IS stellt Chorasan eine Möglichkeit dar, den Namen des Landes abzulehnen, um das die Russen, Briten und Amerikaner gekämpft haben. Es ist auch eine Möglichkeit, sich von den Taliban abzugrenzen: Letztere, hauptsächlich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paschtunen">Paschtunen</a>, behalten den Namen Afghanistan bei und sind geografisch auf dessen Territorium beschränkt. Auch der IS will territoriale Kohärenz, allerdings mit einem globalen Ziel. Die Bezugnahme auf eine Provinz innerhalb eines größeren Islamischen Staates ist eine Möglichkeit, eine alternative Identität zu behaupten und mehr Legitimität zu beanspruchen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>An Territorien gebundene politische Forderungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über rein geografische Überlegungen hinaus sind diese Prinzipien mit den politischen Zielen des Islamischen Staates verknüpft. Schon die Wahl des Begriffs „Staat“ ist aufschlussreich. Der IS will ein Kalifat errichten, dessen Provinz Chorasan sein soll. Im Kaukasus hingegen gab es eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_State_–_Caucasus_Province">eigene „Provinz“</a>: <a href="https://ria.ru/20240303/kto-1930816487.html">Berichten zufolge</a> habe Moskau am 3. März eine Zelle in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Inguschetien">Republik Inguschetien</a> zerschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Taliban haben de facto einen – ebenfalls islam(ist)ischen – Staat gegründet. Diesen bezeichnen sie als Emirat, wobei ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emir">Emir</a> einem Gouverneur entspricht. Dieser Begriff unterstreicht den Unterschied zwischen den beiden islamistischen Bewegungen, zwischen einem vom IS angestrebten potenziell globalen Kalifat und einem auf Afghanistan beschränkten Emirat der Taliban.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Territorium unterliegt somit politischen Überlegungen, die als solche auf den Aufbau von Legitimität abzielen. Dies basiert auf Diskursen, die geografische und historische Elemente, insbesondere in Bezug auf Staatsform und Regierungsführung, einbeziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kalif oder Emir?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterscheidung in den Begriffen führt somit zu einem politischen Unterschied. In der muslimischen Tradition und Geschichte sind in Bezug auf den Begriff Emir ganz unterschiedliche Realitäten entstanden, insbesondere im Hinblick auf die effektive Macht. Der Begriff ist vager als der eines <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalif">Kalifen</a>, welcher eine größere Nähe zum Göttlichen und Spirituellen beansprucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kalif zu sein, stellt im Islam einen größeren spirituellen und religiösen Anspruch dar, der die Legitimität einer (weltlichen) Macht schwächen kann. Im Fall des IS, dessen Ziel die Eroberung eines riesigen Territoriums ist, bedeutet dies die Vorherrschaft über verschiedene Bevölkerungsgruppen, aber auch eine fragilere Legitimität, die schwieriger aufzubauen und aufrechtzuerhalten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/"><strong>Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall der zentralasiatischen Staatsangehörigen passt der Islamische Staat seinen Diskurs an Bevölkerungsgruppen an, die von großer Armut und unterschiedlichem Grad an Autoritarismus betroffen sind. Dies stellt ein wesentliches Mittel für seinen Selbsterhalt dar. Der IS selbst betrachtet Zentralasien nicht als fruchtbaren Boden für den Terrorismus: So wie er die Gebiete zur Unterstützung seiner Ansprüche nutzt, sieht er die zentralasiatische Bevölkerung nur als eine Variable, um seinem größten Projekt zu dienen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jean Monéger-Leclerc für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/ce-que-le-khorassan-represente-pour-letat-islamique/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Usbekistan: Verhaftungswelle gegen mutmaßliche Islamisten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma VANZO]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Aug 2021 20:45:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Hizb ut-Tahrir]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Juni kam es in Usbekistan zu einer Reihe von Verhaftungen gegen mutma&#xDF;liche Islamisten. Sie werden beschuldigt, Anh&#xE4;nger in den sozialen Netzwerken geworben zu haben. Die Regierung versucht derweil, ein Gleichgewicht zwischen der Religionsfreiheit und dem Kampf gegen den Islamismus zu finden. In Zentralusbekistan gab die Regionalpolizei von Samarkand am 17. Juni bekannt, dass sechs [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium"><b>Im Juni kam es in Usbekistan zu einer Reihe von Verhaftungen gegen mutmaßliche Islamisten. Sie werden beschuldigt, Anhänger in den sozialen Netzwerken geworben zu haben. Die Regierung versucht derweil, ein Gleichgewicht zwischen der Religionsfreiheit und dem Kampf gegen den Islamismus zu finden.</b></span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">In Zentralusbekistan gab die Regionalpolizei von Samarkand am 17. Juni <a href="https://t.me/samiibuz/11325">bekannt</a>, dass sechs Usbeken festgenommen wurden, denen vorgeworfen wird, der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamismus">islamistischen</a> Organisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">Hi</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">s</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">b ut-Tahrir</a> (arab.: &#8218;Partei der Befreiung&#8216;, Anm. d. R.) anzugehören. Die Hisb ut-Tahrir tritt für die Errichtung eines <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalifat">Kalifats</a> ein. Wie das russische Medienunternehmen <a href="https://fergana.site/news/122259/">Fergana News</a> berichtet, ist die Organisation in Usbekistan verboten. Einige der Verhafteten waren bereits im Vorhinein aufgrund von illegaler Propaganda vorbestraft.</span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span style="font-size: medium"><b>Drei Verhaftungswellen innerhalb von einer Woche</b></span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Innerhalb weniger Tage kam es in Usbekistan zu mehreren Verhaftungen. Bereits am 10. Juni gab die Regionalpolizei <a href="https://telegra.ph/BT-06-16-2">bekannt</a>, 14 Personen festgenommen zu haben, die sich Terrororganisationen im Nahen Osten anschließen wollten. Die Gruppe wurde, wie es in der Erklärung heißt, „</span><span style="font-size: medium"><i>über die sozialen Netzwerke</i></span><span style="font-size: medium">“ identifiziert. </span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Auch bei der Verhaftung von 20 Personen einer nicht identifizierten extremistischen Gruppierung am 16. Juni in der Provinz Syrdarja sollen soziale Netzwerke eine Schlüsselrolle gespielt haben. <a href="https://telegra.ph/BT-06-16-2">Nach Angaben der Behörden</a> hatten die Mitglieder dieser Gruppierung einen Telegram-Kanal angelegt, um Video- und Audiobotschaften zu verbreiten, „</span><span style="font-size: medium"><i>die für extremistische und terroristische Organisationen werben</i></span><span style="font-size: medium">“. Waffen, Telefone und Unterlagen, die die Radikalisierung der Inhaftierten belegen sollen, konnten in den jeweiligen Wohnungen sichergestellt werden.</span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span style="font-size: medium"><b>Religiöser Fundamentalismus in Zeiten des Internets</b></span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Die Verhaftungswellen sind ein relativ neues Phänomen in Usbekistan. Im April dieses Jahres berichtete die US-amerikanische Zeitschrift <a href="https://foreignpolicy.com/2021/04/22/uzbekistan-online-religious-revival-islam-radicalism/">Foreign Policy</a>, dass Usbekistan zurzeit ein Wiederaufleben religiöser Tendenzen erlebe. Einige Religionsexperten vermuten, dass das Internet zu einer Verbreitung islamistischer Ideologien führen könnte. Schon <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekische-behoerden-verhaften-mutmassliche-mitglieder-der-islamistischen-organisation-hizb-ut-tahrir/">im Mai letzten Jahres</a> war es zu Verhaftungen mutmaßlicher Mitglieder der Hisb ut-Tahrir gekommen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/">Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Generell scheinen die usbekischen Behörden wachsamer geworden zu sein, was das Thema Religion betrifft. <a href="https://rus.ozodlik.org/a/31318011.html">Radio Ozodlik</a>, der usbekische Zweig von Radio Free Europe, teilte mit, dass Taschkent 1.500 Staatsbürger zurückbeordert hat, die sich in der Türkei und in Ägypten aufgehalten haben, um islamische Theologie zu studieren. </span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span style="font-size: medium"><b>Strenge Kontrolle des Islams</b></span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Die erzwungene Rückkehr der Theologiestudenten muss im spezifischen Kontext der jüngeren usbekischen Geschichte betrachtet werden. Während der Präsidentschaft <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/islam-karimow-vom-waisenkind-zum-vater-der-nation/">Islom Karimovs</a> (1991-2016) wurde die organisierte Ausübung des Islams einer strengen Kontrolle unterworfen. Ende der 1990er Jahre ging die Regierung des mehrheitlich muslimischen und bevölkerungsreichsten Lands Zentralasiens hart gegen mutmaßliche Mitglieder der Hisb ut-Tahrir vor. In der Hauptstadt Taschkent kam es am 16. Februar 1999 zu einer Reihe von Explosionen, bei denen neun Menschen starben. Wie durch ein Wunder entging Karimow dem Anschlag. Der damalige Innenminister, Zakir Almatov, machte umgehend die Islamisten für die Attacke verantwortlich und legitimierte damit die Repressionen gegen die Organisation.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-und-politik-bleibt-zentralasien-sakular/"><strong>Lest auch auf Novastan: Islam und Politik: Bleibt Zentralasien säkular?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Im Juli 1999 folgten mehrere Selbstmordattentate in Taschkent, zu denen sich nacheinander drei islamistische Gruppierungen, darunter auch die Hisb ut-Tahrir, bekannten. Der in London lebende Sprecher der Bewegung bestritt hingegen jegliche Beteiligung. Die usbekischen Behörden antworteten auf die Anschläge mit einer Reihe von Verhaftungen in islamistischen Kreisen. Noch im selben Jahr wurde auch der mutmaßliche Anführer der Hisb ut-Tahrir in Usbekistan, Hafizullo Nasyrov, festgenommen und zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Im Frühjahr und Sommer 2004 kam es erneut zu Anschlägen, denen über 40 Menschen in Taschkent und Buchara zum Opfer fielen. Wie die französische Tageszeitung <a href="https://www.liberation.fr/planete/2004/03/31/vague-d-attentats-a-tachkent_474434/">Libération</a> damals schrieb, beschuldigte die Regierung unmittelbar nach den Attentaten den „</span><span style="font-size: medium"><i>internationalen Terrorismus</i></span><span style="font-size: medium">“ und die <a href="https://www.liberation.fr/planete/2004/03/30/serie-d-attentats-meurtriers-en-ouzbekistan_474285/">Hi</a><a href="https://www.liberation.fr/planete/2004/03/30/serie-d-attentats-meurtriers-en-ouzbekistan_474285/">s</a><a href="https://www.liberation.fr/planete/2004/03/30/serie-d-attentats-meurtriers-en-ouzbekistan_474285/">b ut-Tahrir</a>. Mit Sicherheit bestätigt werden konnten diese Anschuldigungen allerdings nie. Dennoch führten die Anschläge von 2004 zu neuen Repressionen, die bis zum Ableben Islom Karimovs im August 2016 andauerten.</span></p>



<h5 class="wp-block-heading"><span style="font-size: medium"><b>Eine veränderte Haltung</b></span></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Die derzeitige Regierung des Präsidenten <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">S</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">ha</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">v</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">kat Mir</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">z</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">i</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">y</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">o</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">y</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">e</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">v</a>, der im Dezember 2016 sein Mandat antrat, steht nun vor der Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen der Religionsfreiheit und dem Kampf gegen den Extremismus zu finden. So wurde unter Mirziyoyev etwa der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Adhān">islamische Gebetsruf</a> wieder erlaubt und das <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-liberalisiert-sein-religionsgesetz/">Religionsgesetz liberalisiert</a>. Einem Artikel der usbekischen Onlinezeitung <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2019/04/10/islam/">Gazeta.uz</a> zufolge, hat Mirziyoyev es als „</span><span style="font-size: medium"><i>Tragödie</i></span><span style="font-size: medium">“ bezeichnet, dass die usbekische Regierung nicht in der Lage gewesen sei zu vermitteln, dass der Islam im übertragenden Sinne ein „</span><span style="font-size: medium"><i>Licht</i></span><span style="font-size: medium">“ sei.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span style="font-size: medium">Die Regierung befürchtet anscheinend, den Kontakt zur islamischen Mehrheitsgesellschaft zu verlieren, die in den vergangen Jahren immer religiöser wurde. Sie entschied sich, ihre Haltung gegenüber dem Islam der veränderten Situation anzupassen: Taschkent versucht, sich von den (post-)sowjetischen Werten freizumachen und eine versöhnliche Sprache zu sprechen, die bei der muslimischen Bevölkerung auf offene Ohren trifft. </span></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Emma Vanzo für Novastan France</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Lucas Kühne</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Warum haben sich Frauen aus Zentralasien verschiedenen religiös-terroristischen Gruppen angeschlossen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Roman Weizel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 May 2021 08:05:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den letzten Jahren haben sich weltweit Frauen dem sogenannten &#x201E;Islamischen Staat&#x201C; und anderen religi&#xF6;s-terroristischen Gruppen angeschlossen. Auch Zentralasien ist diesbez&#xFC;glich keine Ausnahme. Doch was bewegt Frauen und M&#xE4;dchen zur Ausreise in Kriegsgebiete? Novastan hat mit drei ExpertInnen &#xFC;ber dieses Thema gesprochen. Vom 22. Februar bis 24. M&#xE4;rz fand die 46. Session des UN-Menschenrechtsrates in [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den letzten Jahren haben sich weltweit Frauen dem sogenannten „Islamischen Staat“ und anderen religiös-terroristischen Gruppen angeschlossen. Auch Zentralasien ist diesbezüglich keine Ausnahme. Doch was bewegt Frauen und Mädchen zur Ausreise in Kriegsgebiete? Novastan hat mit drei ExpertInnen über dieses Thema gesprochen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 22. Februar bis 24. März fand die 46. Session des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Menschenrechtsrat">UN-Menschenrechtsrates</a> in Genf statt. Während ihrer Rede nahm <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fionnuala_N%C3%AD_Aol%C3%A1in">Fionnuala Ní Aoláin</a>, die Sonderberichterstatterin zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten bei der Bekämpfung des Terrorismus, <a href="https://news.un.org/ru/story/2021/03/1398012">Bezug auf die Lage der Frauen</a> nach der Niederlage des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS). Sie lobte die Regierungen von Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Russland, weil diese ihre BürgerInnen aus Syrien und dem Irak zurück in die Heimat repatriiert haben. Gleichzeitig zog sie viele Beispiele in Betracht, in denen ganze Familien von der Seite der Antiterror-Behörden bestraft wurden. Kinder, die während der Herrschaft des IS geboren wurden, haben keine Dokumente erhalten oder sie wurden ihren Müttern weggenommen und in Waisenhäuser gebracht.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Hinblick ist es wichtig zu verstehen, warum Frauen und Mädchen teilweise sogar mit ihren Kindern in Kriegsgebiete gereist sind und sich terroristischen Organisationen angeschlossen haben. Novastan hat zu diesem Thema mit renommierten ExpertInnen aus Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan gesprochen.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die Suche nach dem Lebensunterhalt</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Rustam Azizi, stellvertretender Direktor des Zentrums für Islamforschungen beim Präsidenten der Republik Tadschikistan, sieht ein Grundmotiv in der Familienzusammenführung: <em>„Diese Frauen haben eine orientalische Mentalität und sie leben in einer traditionellen Gesellschaft, in der Frau ihrem Mann immer folgen soll. Aus der verfügbaren Statistik können wir sagen, mehr als 90 Prozent der ausgereisten Frauen ihren männlichen Verwandten gefolgt sind.“ </em>&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/Rustam-Azizi-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-26784" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/Rustam-Azizi-768x1024.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/Rustam-Azizi-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/Rustam-Azizi-600x800.jpg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/Rustam-Azizi.jpg 810w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption>Rustam Azizi</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sie folgen ihren Ehemännern nicht nur aus Liebe, sondern viel öfter wegen der Notwendigkeit sich selbst und ihre Kinder ernähren zu können. Tatsächlich gibt es in Zentralasien keinen ausgeprägten Sozialstaat, die finanzielle Unterstützung von der Regierung ist eher symbolisch und reicht nicht den Lebensunterhalt dauerhaft zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nurgul Esenamanowa ist Dozentin an der Kirgisischen Staatlichen Akademie für Jura. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf religiösen ExtremistInnen und TerroristInnen im Strafvollzugssystem. Anhand von konkreten Beispielen beleuchtet Esenamanowa wesentliche Aspekte der Motivation von vielen weiblichen Personen: <em>„</em><em>Eine Frau aus der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> hat große Probleme in der Familie erlebt. Ihr Ehemann ist nach Russland als Gastarbeiter migriert, wo er später erneut geheiratet hat. In dieser Situation musste sie mit ihrer Schwiegermutter wohnen. Die Beziehungen zwischen beiden waren ohnehin immer schwer. Einerseits war diese Frau im starken Stress, denn ihr Ehemann hat eine andere Frau gefunden. Andererseits konnte sie diese Familie auch nicht verlassen, sie sollte weiter mit ihrer Schwiegermutter wohnen, weil die einheimische Gesellschaft Scheidungen nicht akzeptiert.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/">Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Außerdem hatte sie keine ausreichende Ausbildung, um Arbeit zu finden und ihre drei oder vier Kinder ernähren zu können. […] Sie versuchte weiter in dieser Familie zu bleiben. Aber eines Tages ist sie mit ihren Kindern zum Flughafen gefahren, um ins Gebiet der terroristischen Organisationen zu reisen. Sie wurde festgenommen. Sie war sicher, dass im „Kalifat“ Kinder kostenlose Windeln und Mütter ausreichende finanzielle Unterstützung bekommen. Daher können wir sagen, sie hat materielle Hilfe und psychologischen und physischen Schutz in der religiös-terroristischen Organisation gesucht</em><em>“</em>, erklärt die Expertin. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Psychische Stigmatisierung in der traditionellen Gesellschaft spielt neben den materiellen Faktoren eine der wichtigsten Rollen bei der Entscheidung ins Kampfgebiet auszureisen. Je traditioneller die Gesellschaft ist, desto höher ist das Risiko, dass Frauen wegen Scheidungen stigmatisiert werden. In diesem Fall entscheiden sich viele diese Gesellschaft zu verlassen und irgendwo anders ihr Glück zu suchen, unter anderem auch in terroristischen Organisationen im Ausland.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Opfer von Betrug</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Rustam Azizi zeigt, dass viele Männer und Frauen betrogen wurden und gegen den eigenen Willen nach Syrien und in den Irak geraten sind. Sie waren als ArbeitsmigrantenInnen in Russland oft mit den Arbeitsbedienungen und dem Lohn nicht zufrieden. Wenn sie ein Angebot bekamen, in der Türkei zu arbeiten und mehr zu verdienen, waren viele einverstanden und erst am Ziel begriffen sie, dass sie schon in Syrien oder im Irak waren. Sie waren Opfer von MenschenhändlerInnen geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatiana Dronzina, die seit den 1980er das Phänomen des Frauenterrorismus erforscht, hat mehrere Fachbücher veröffentlicht und Feldforschungen in Zentralasien durchgeführt. Sie berichtet, dass Frauen und Mädchen sich Terrorgruppen anschlossen, um eine Familie zu gründen. <em>„Viele Frauen, die in ihren Gesellschaften schon als „alte Jungfern“ galten, strebten nach der Gründung einer Familie und nach Kindern. Nebenbei bezieht das sich nicht nur auf Frauen, sondern auch auf junge Mädchen, die im Internet eine Liebesromanze begonnen haben. Leider war das für viele von ihnen eine Tragödie“</em>, berichtet Dronzina.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26783" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/IMG_9822.jpg 1680w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Tatiana Dronzina</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Meinung der Wissenschaftlerin spielt auch das Streben nach neuen Erlebnissen eine Rolle. <em>„</em><em>Der Wunsch etwas Neues und Interessantes zu erleben. In Kasachstan und Kirgistan stammen viele Frauen, die nach zum IS ausgereist sind, aus depressiven Regionen, wo das Leben so abwechslungslos und armselig ist, dass der Mensch wirklich etwas Interessantes erleben will</em><em>“</em>, meint die Expertin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Rollen von Frauen in religiös-terroristischen Organisationen angeht, sind alle drei ExpertenInnen einig, dass sie keine Chancen haben, in diesen Gruppen irgendwelche führende Positionen zu bekommen. Frauen führen den Haushalt und erziehen die Kinder. Wenn der Ehemann im Kampf getötet wird, wird die Frau gezwungen, erneut zu heiraten, was den religiösen Normen natürlich widerspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Esenamanowa bemerkte aber, dass im Gegenzug zu den gewaltbereiten Terrorgruppen Frauen in gewaltlosen religiös-extremistischen Gruppen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">Hizb ut-Tahrir</a> oder Jakyn Inkar führende Positionen einnehmen. Sie sind zum Beispielen Lehrerinnen in Frauengruppen oder leiten deren regionalen Strukturen. &nbsp;</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Deradikalisierung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Rustam Azizi fügt hinzu, dass Frauen sich sehr effektiv in der propagandistischen Arbeit der religiös-terroristischen Organisationen gezeigt haben. <em>„Frauen werden heutzutage sehr aktiv in der Propaganda-Arbeit benutzt, besonders in Bezug auf den Emotionsfaktor. Wenn eine Frau in der traditionellen Gesellschaft an die Männer eine Forderung mit dem ungefähr folgenden Inhalt richtet „Wir Frauen brauchen euren Schutz, schützt unsere Ehre“, hat das einen sehr starken Effekt“</em>, erklärt der Forscher. Laut Azizi wurden wenige Frauen als Kämpferinnen trainiert. Solche Fälle sind eher Ausnahmen und spiegeln die Gesamtsituation nicht wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-laesst-frauen-und-kinder-von-is-kaempfern-zurueckkehren/">Usbekistan lässt Frauen und Kinder von IS-Kämpfern zurückkehren</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage nach der Deradikalisierung der zurückgekehrten Frauen und deren Kinder ist nicht eindeutig.&nbsp; Azizi sieht in solchen Frauen kein großes Potenzial zur Verbreitung von extremistisch-terroristischen Ideologien. <em>„Über ihre Radikalisierung muss man auch nicht reden, denn die Mehrheit der Rückkehrerinnen wurde amnestiert. Während der Interviews mit ihnen haben wir gemerkt, dass sie keine radikale Denkweise und kein radikales Benehmen zeigen. Diese Frauen haben eine gewöhnliche, traditionelle Denkart, sie verfügen über das durchschnittliche Bildungsniveau. Solche Personen bilden die absolute Mehrheit“</em>, meint der Wissenschaftler.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Tatiana Dronzina betrachtet die Situation skeptischer. <em>„Wie kann man Frauen, die selbständig zurückgekommen sind oder durch die humanitär-diplomatische Operation „Dschusan“ aus dem Irak und aus Syrien in ihrer Heimat zurückgekehrt sind, entradikalisieren und in die Gesellschaft reintegrieren? Die Ergebnisse dieses Prozesses sind nicht völlig eindeutig. Wenn es heute eine positive Prognose gibt, bedeutet das nicht, dass das auch in Zukunft so sein wird“</em>, schließt die Expertin.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Roman Weizel</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Autor für Novastan</strong></p>


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		<title>Usbekische Behörden verhaften mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[erudolph]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2020 10:45:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Hizb ut-Tahrir]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verhaftungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 28. Mai wurden mehrere mutma&#xDF;liche Mitglieder der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir in der usbekischen Provinz Ferghana festgenommen. Diese Bewegung wurde von den usbekischen Beh&#xF6;rden, die islamistische Gruppen seit mehr als zwanzig Jahren zu unterdr&#xFC;cken versuchen, verboten. Die Regierung steht jedoch selbst in der Kritik, die Bedrohung durch islamistischen Extremismus zu nutzen, um Regimegegner einzusch&#xFC;chtern [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 28. Mai wurden mehrere mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir in der usbekischen Provinz Ferghana festgenommen. Diese Bewegung wurde von den usbekischen Behörden, die islamistische Gruppen seit mehr als zwanzig Jahren zu unterdrücken versuchen, verboten. Die Regierung steht jedoch selbst in der Kritik, die Bedrohung durch islamistischen Extremismus zu nutzen, um Regimegegner einzuschüchtern und zu verhaften.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der politische Islam ruft in Usbekistan noch immer große Anfeindung und Misstrauen bei der Regierung hervor. Am 28. Mai gab das <a href="https://iiv.uz/ru/news/fargona-viloyatida-hizb-ut-tahrir-azolarining-jinoiy-faoliyatiga-chek-qoyildi">Innenministerium</a> bekannt, mehrere Mitglieder der islamistischen Organisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">Hizb ut-Tahrir</a> in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Farg%CA%BBona">Provinz Ferghana</a> festgenommen zu haben. Diese in Usbekistan verbotene Gruppe wird von den Behörden als „terroristisch“ eingestuft. Bei den Festgenommenen, deren genaue Anzahl nicht bekannt gegeben wurde, handelt es sich um ehemalige Häftlinge, die bereits zuvor wegen ihrer Zugehörigkeit zu Hizb ut-Tahrir verurteilt worden waren. Gegen sie wurde Strafanzeige gestellt. Die Polizei untersucht ihre Verbindungen zu anderen Mitgliedern der Organisation in den Provinzen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Andijon">Andijon</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Namangan">Namangan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Surxondaryo">Surchondaryo</a> sowie in der Hauptstadt Taschkent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Ministeriums haben die Inhaftierten ihre Ideologie während ihres ersten Gefängnisaufenthalts nicht aufgegeben. „<em>Trotz der sozialen, rechtlichen und moralischen Unterstützung, die </em>[die Hizb ut-Tahrir-Mitglieder]<em> erhielten, setzten sie ihre illegale Propaganda mit Gleichgesinnten fort, indem sie Ideen und Schriftstücke in der Bev</em><em>ölkerung verbreiteten</em>“, lautet die <a href="https://iiv.uz/ru/news/fargona-viloyatida-hizb-ut-tahrir-azolarining-jinoiy-faoliyatiga-chek-qoyildi">offizielle Erklärung</a>. „<em>In den Wohnungen der Inhaftierten wurden extremistische Dokumente gefunden, die in Anwesenheit von Zeugen verfahrensrechtlich beschlagnahmt wurden</em>“, berichtet das Ministerium, das dies als Beweis dafür sieht, dass die Organisation „<em>ihre Reihen wiederherstellen</em>“ möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Monaten haben die usbekischen Sicherheitskräfte mehrere Razzien gegen Hizb ut-Tahrir durchgeführt. So berichtete das Innenministerium am 16. Oktober, es habe Mitglieder der Organisation in Andijon, Namangan und Ferghana festgenommen. Die Worte, die in der nach den Festnahmen abgegebenen <a href="https://telegra.ph/Na-territorii-Uzbekistana-presechena-prestupnaya-deyatelnost-chlenov-religiozno-ehkstremistskoj-organizacii-Hizb-ut-Tahrir-10-16">Erklärung</a> verwendet wurden, ähneln auffälligerweise denen in der Erklärung vom 28. Mai. Bereits damals beschuldigte das Ministerium die Gruppe bereits, „<em>ihre Reihen wiederherstellen</em>“ zu wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine verbotene Organisation in Zentralasien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hizb ut-Tahrir („Befreiungspartei“) wurde 1953 in Jerusalem vom Theologen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taq%C4%AB_ad-D%C4%ABn_an-Nabh%C4%81n%C4%AB">Taqiuddin an-Nabhani</a> gegründet und ist eine islamistische politische Organisation, die darauf abzielt, das Kalifat, das als einziger Garant für die Einheit der Glaubensgemeinschaft angesehen wird, wiederherzustellen sowie das islamische Recht (Scharia) durchzusetzen. Laut einem <a href="http://www.bits.de/public/documents/US_Terrorist_Attacks/Hizbut-ahrirIslam'sPoliticalInsurgency.pdf">Bericht</a> des türkisch-amerikanischen Experten <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Zeyno_Baran">Zeyno Baran</a> hat Hizb ut-Tahrir zwar „<em>dieselben politischen Ziele wie terroristische Gruppen</em>,“ wie etwa <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Qaida">al-Qaida</a>, unterscheidet sich von diesen jedoch durch seinen im Allgemeinen gewaltfreien Ansatz. In der Tat konnte die direkte Beteiligung der Bewegung an terroristischen Aktivitäten nie nachgewiesen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Nahen Osten breitete sich Hizb ut-Tahrir allmählich nach Zentralasien aus, insbesondere seit der US-amerikanischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001">Intervention in Afghanistan</a> ab 2001. Usbekistan, mit 33 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Region, wurde schnell zum Schauplatz des „<em>wichtigsten ideologischen Kampfes um die Zukunft der Region</em>“, wie Zeyno Baran 2004 feststellte. Mitte der 2000er Jahre könnte die Gruppe, die als unerschütterlicher Gegner der usbekischen Regierung und insbesondere des 2016 verstorbenen Ex-Präsidenten Islam Karimow gilt, bis zu mehrere zehntausend Mitglieder in Usbekistan gezählt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekische-und-tadschikische-terroristengruppen-in-afghanistan/?noredirect=de_DE"><strong>Usbekische und tadschikische Terroristengruppen in Afghanistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2016 hat der Oberste Gerichtshof Usbekistans Hizb ut-Tahrir verboten. Laut <a href="https://rus.ozodlik.org/a/30389781.html">Radio Ozodlik</a>, dem usbekischen Zweig des amerikanischen Mediums Radio Free Europe, hat das Komitee für religiöse Angelegenheiten im Dezember 2019 sogar alle Inhalte, die mit der Bewegung in Zusammenhang stehen, auf die Liste der verbotenen Veröffentlichungen gesetzt. Usbekistan ist jedoch nicht das einzige Land, das diese Entscheidungen getroffen hat. Auch in Kirgistan, Kasachstan, Tadschikistan und Russland ist Hizb ut-Tahrir verboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zwanzig Jahre Verfolgung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den späten 1990er Jahren ging die usbekische Regierung gegen mutmaßliche Mitglieder von Hizb ut-Tahrir scharf vor. Am 16. Februar 1999 starben bei mehreren Explosionen in der Hauptstadt Taschkent neun Menschen; der damalige Präsident Islam Karimow entkam wie durch ein Wunder. Der damalige Innenminister, Zakir Almatow, machte sofort Islamisten für den Angriff verantwortlich und rechtfertigte so das Vorgehen gegen die Organisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 1999 wurden in Taschkent Selbstmordattentate verübt, zu denen sich drei islamistische Gruppen, darunter Hizb ut-Tahrir, bekannten. Der in London ansässige Sprecher der Bewegung bestritt jedoch jegliche Beteiligung, was die Behörden aber nicht daran hinderte, eine Reihe von Verhaftungen in islamistischen Kreisen durchzuführen. Im selben Jahr wurde der mutmaßliche Führer von Hizb ut-Tahrir in Usbekistan, Hafizullo Nasyrow, festgenommen und schließlich zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 2004 wurden bei erneuten Angriffen in Taschkent und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> mehr als 40 Menschen getötet. Wie die französische Zeitung <a href="https://www.liberation.fr/planete/2004/03/30/serie-d-attentats-meurtriers-en-ouzbekistan_474285">Libération</a> damals berichtete, warfen die Behörden sehr schnell dem „<em>internationalen Terrorismus</em>“ vor, hinter diesen Angriffen zu stehen, und zeigten mit dem Finger auf Hizb ut-Tahrir. Die Beteiligung der islamistischen Organisation wurde jedoch trotz der Behauptungen der usbekischen Regierung nie mit Sicherheit festgestellt. Die Anschläge von 2004 lösten eine Reihe von Repressionsmaßnahmen aus, die bis zum Tod Islam Karimows im August 2016 andauerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/terrorismus-warum-gibt-es-so-viele-usbekische-attentater/?noredirect=de_DE"><strong>Terrorismus: Warum gibt es so viele usbekische Attentäter?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2017 gab der jetzige Präsident, <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/?noredirect=de_DE">Schawkat Mirzijojew</a>, bekannt, dass 16000 von 17000 Namen von den Listen der Personen, die des religiösen Extremismus verdächtigt werden, gestrichen worden sind. Laut dem amerikanischen Medium <a href="https://eurasianet.org/uzbekistan-devout-muslims-targeted-in-sweeps">Eurasianet</a> will der Präsident diejenigen rehabilitieren, die lediglich „<em>vom richtigen Weg abgekommen</em>“ sind. Obwohl Mirzijojew sich zunächst politisch zu öffnen schien, änderte er die Politik Karimows nicht grundlegend und die Verhaftungskampagnen gehen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Usbekische Regierung des Missbrauchs beschuldigt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wird das Vorgehen der usbekischen Behörden gegenüber islamistischen Gruppen von mehreren Menschenrechtsorganisationen angeprangert, die der Ansicht sind, dass die Regierung diesen Vorwand nutzt, um ihre Gegner zu unterdrücken. So behauptete die amerikanische Nichtregierungsorganisation für Demokratieförderung <a href="https://freedomhouse.org/article/has-mirziyoyev-really-brought-religious-liberty-uzbekistan">Freedom House</a> im Januar 2019, der frühere Präsident Islam Karimow habe „<em>den Kampf gegen den Terrorismus ausgenutzt, um Massenverhaftungen praktizierender Muslime zu rechtfertigen</em>“. Diese habe er als potenzielle Gefahr für seinen Machterhalt angesehen und sie beschuldigt, islamistischen Gruppen wie Hizb ut-Tahrir anzugehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Machtübernahme durch Chavkat Mirzijojew hat sich die Situation nicht sonderlich verbessert und die Regierung hat sogar einige <a href="https://www.worldwatchmonitor.org/coe/uzbekistan-says-religious-freedom-progressing-despite-new-restrictions/">Beschränkungen</a> für Religionsgemeinschaften verschärft. „<em>Hunderte Usbeken bleiben wegen vager Vorwürfe des Extremismus im Gefängnis und Strafverfolgungsbeamte verhaften weiterhin systematisch diejenigen, die verdächtigt werden, nicht registrierten religiösen Gruppen anzugehören</em>“, betont Freedom House 2019. Wie die unabhängige zentralasiatische Onlinezeitung <a href="https://centre1.com/uzbekistan/v-tashkente-osudili-pyateryh-chelovek-za-svyazi-s-hizb-ut-tahrir/">Zentr-1</a> im Juli 2018 berichtete, wurden fünf Personen von den Gerichten wegen angeblicher Verbindungen zu Hizb ut-Tahrir verurteilt, obwohl die Angeklagten angaben, ihre Geständnisse seien durch Folter erzwungen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Kommission sind immer noch zwischen 1500 und 5000 Menschen aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und Praktiken inhaftiert. „<em>Laut Menschenrechtsaktivisten in Usbekistan wurden viele der Gefangenen wegen tatsächlicher oder erfundener Mitgliedschaft in der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir verurteilt, die in Usbekistan verboten ist</em>“, so die Kommission. Allerdings haben nur wenige tatsächlich Gewalttaten begangen, wie die Autoren des Berichts anprangern. Die Behauptungen des Innenministeriums vom 28. Mai müssen daher mit einiger Vorsicht betrachtet werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Quentin Couvreur</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/les-autorites-ouzbekes-arretent-des-membres-supposes-de-lorganisation-islamiste-hizb-ut-tahrir/">Französischen </a>von Elisabeth Rudolph</strong></p>



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			</item>
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		<title>Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend &#8211; Mythos oder Realität?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hriedler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2020 17:14:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der amerikanische Politikwissenschaftler Paul Kubicek (Universit&#xE4;t Auckland) untersucht die Frage, welche islamistischen und radikalen Ansichten in Zentralasien Unterst&#xFC;tzung finden. Seine Studie Islamist Political Orientations among Central Asian Youth ist vor Kurzem in der wissenschaftlichen Zeitschrift Europe-Asia Studies ver&#xF6;ffentlicht worden. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei Fergana News, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der amerikanische Politikwissenschaftler Paul Kubicek (Universität Auckland) untersucht die Frage, welche islamistischen und radikalen Ansichten in Zentralasien Unterstützung finden. Seine Studie </strong><a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/09668136.2019.1610360"><strong><em>Islamist Political Orientations among Central Asian Youth</em></strong></a><strong> ist vor Kurzem in der wissenschaftlichen Zeitschrift </strong><a href="https://www.tandfonline.com/loi/ceas20"><strong>Europe-Asia Studies</strong></a><strong> veröffentlicht worden. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei </strong><a href="https://fergana.news/articles/109194/"><strong>Fergana News</strong></a>,<strong> wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass nach dem Zusammenbruch der UdSSR eine Wiederbelebung des Islam in Zentralasien begann. Neue Moscheen und religiöse Schulen werden eröffnet, Sufi-Orden ins Leben gerufen, immer mehr Menschen fasten im Ramadan und lesen islamische Schriften – schließlich identifizieren sich viele Menschen in der Region als Muslime. Allerdings schürt diese Wiederbelebung auch die Angst vor einer Radikalisierung des Islam. Die Anschläge vom 11. September 2001 sowie die Erfolge der Taliban in Afghanistan und der in Russland verbotenen Terrororganisation IS, die viele Dschihadisten aus Zentralasien aufnahm, haben zu Angst vor islamistischen Aufständen geführt, vor allem vonseiten radikaler Jugendlicher.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Die Gerüchte über Tausende kirgisische und tadschikische Jugendliche, die früher für den IS gekämpft hätten, jetzt aber in ihre Heimat zurückgekehrt und bereit seien, die Regierung durch die Einführung der Scharia zu stürzen, werden nicht nur von den wichtigsten Repräsentanten der Staaten (für die diese Gerüchte Anlass für verstärkte Kontrollen bieten) wiederholt. Sie wurden auch von internationalen Organisationen aufgegriffen, die immer wieder vor der Hinwendung junger und armer Kirgisen zum radikalen Islam warnen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/terrorismus-aus-zentralasien-experte-rat-zu-mehr-zusammenarbeit-in-der-region/"><strong>Terrorismus aus Zentralasien: Experte rät zu mehr Zusammenarbeit in der Region</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Aber wie berechtigt sind diese Befürchtungen? Inwieweit unterstützen junge Menschen (unter 30) radikale oder „extremistische“ Ansichten über den Islam? Um eine fundierte Antwort auf diese Fragen zu geben, haben Wissenschaftler seriöse Meinungsumfragen untersucht, die in den 2010er Jahren in der Region durchgeführt wurden. Dabei handelt es sich in erster Linie um den Global Muslim Survey, den das <a href="https://www.pewresearch.org/global/">American Pew Research Center</a> in Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan in den Jahren 2011–2012 durchgeführt hat. Die Teilnehmer der Umfrage wurden nach den Prinzipien und Normen ihres Glaubens, ihres Verhaltens und ihrer Unterstützung für radikale Ansichten befragt. Das komplexe, sensible und oft gefährliche Themengebiet der Religion wurde jedoch nicht durch eine Fragebogenerhebung, sondern ausschließlich durch persönliche Interviews untersucht.</p>
<p style="text-align: justify">In der Wissenschaft wurde die Frage nach den Ursprüngen des islamischen Radikalismus lange und kontrovers diskutiert. Einige ihrer Vertreter suchen die Erklärung in den sozialen Verhältnissen: Unter Bedingungen von Ungleichheit, Autoritarismus, Repression und skrupellosem Kapitalismus bieten Islamisten ein attraktives Bild einer gerechteren Gesellschaft und eines anständigen Lebens. Andere sehen in der Schwäche des Staates die Ursache: Sein Rückzug aus sozialen Funktionen würde die Religionsgemeinschaften dazu zwingen, die Kontrolle über die Gesellschaft zu übernehmen und strengere Gesetze zu erlassen. Wenn diese Hypothesen richtig sind, dann müssten im armen Tadschikistan und in Kirgistan mit seinem relativ schwachen Staat radikal-islamische Einstellungen stärker sein als im vergleichsweise wohlhabenden Kasachstan.</p>
<p><figure id="attachment_20069" aria-describedby="caption-attachment-20069" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-20069" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Nur_Astana_Mosque.jpg" alt="" width="800" height="600" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Nur_Astana_Mosque.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Nur_Astana_Mosque-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Nur_Astana_Mosque-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-20069" class="wp-caption-text">Die größte Moschee in Kasachstan: Nur-Astana.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/expertenanalyse-religioser-extremismus-in-turkmenistan-tadschikistan-und-usbekistan/"><strong>Expertenanalyse: Religiöser Extremismus in Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Andere Studien argumentieren, dass arme junge Männer (und Frauen) mit niedrigem Bildungsniveau die ersten sind, bei denen der radikale Islam Anklang findet. Dieser These wurde jedoch entgegnet, dass das Bildungsniveau der IS-Rekruten aus Zentralasien über dem Durchschnitt liegt. In anderen Ländern, von Tunesien bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, schließen sich oft wohlhabende oder gar sehr reiche Menschen radikalen Gruppierungen an. Vielleicht geht es weniger um den sozialen Status der „Extremisten“ als vielmehr um die Sehnsucht nach einem mächtigen System, das die Welt erklärt und dem Leben einen Sinn gibt.</p>
<p style="text-align: justify">Darüber hinaus gibt es noch ein sehr konkretes Argument, warum junge Menschen in Zentralasien dem islamischen Radikalismus eher zugeneigt sind als die ältere Generation. Die älteren Menschen und Menschen mittleren Alters, die in der Sowjetunion aufgewachsen sind, hatten weitaus weniger Möglichkeiten gehabt, sich aus verschiedenen Quellen über Religion zu informieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Junge Menschen sind gleichgültig</strong></p>
<p style="text-align: justify">Doch wie viel Wahrheit steckt in diesen Theorien? Wer hält sich in Zentralasien für gläubig, und in welcher Form manifestiert sich dieser Glaube? Das Klischee, dass junge Menschen (Menschen unter 30) religiöser als ältere seien, hält wissenschaftlichen Untersuchen jedenfalls nicht stand. Nach allen Hauptindikatoren des islamischen Glaubens (mindestens einmal am Tag beten, mindestens einmal in der Woche den Koran lesen, Fasten während des Ramadan, das Leben nach den Bräuchen – der Sunna, die Bedeutung des Glaubens im persönlichen Leben eines Menschen) sind junge Menschen hier weniger aktiv. Dies zeigt sich besonders deutlich beim Gebet: Während die Gesamtbevölkerung mindestens einmal am Tag betet – von 10 Prozent (Kasachstan) bis 47,2 Prozent (Tadschikistan) – so waren es bei den Jugendlichen jeweils lediglich ca. 6–36 Prozent.</p>
<p style="text-align: justify">Was die Lektüre des Korans, das Fasten sowie das Vertrauen in die Bedeutung des Glaubens für das eigene Leben betrifft, so lag die jüngere Generation auch hier hinter der älteren, und nur bei der Frage, die keinen besonderen Nachweis darüber verlangt, wie sehr man nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sunna">Sunna</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadith</a> lebt, erwiesen sich die Jugendlichen als religiöser (9,6 vs. 8,6 Prozent in Kasachstan, 14,9 vs. 14,4 Prozent in Kirgistan, 17 vs. 16,7 Prozent in Usbekistan). Im Vergleich mit anderen Ländern der Region hat sich Kasachstan in der Tat als das am wenigsten religiöse Land erwiesen, mit einem großen Abstand zu allen seinen Nachbarn.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-und-politik-bleibt-zentralasien-sakular/"><strong>Islam und Politik: Bleibt Zentralasien säkular?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Und wie steht die zentralasiatische Bevölkerung zu radikaleren islamistischen Ideen? Diese Wahrnehmungen wurden von den Autoren der Umfrage mit folgenden Fragen getestet: Inwieweit unterstützen Sie den Einfluss der Scharia auf das staatliche Recht? Sollten religiöse Führer die Politik sowie Familien- und Eigentumsstreitigkeiten beeinflussen? Und: Sind islamische Parteien säkularen Parteien überlegen? In Kirgistan und Tadschikistan unterstützte eine hohe Zahl von Menschen die Legitimierung der Scharia (40 bzw. 33,7 Prozent), die Autorität religiöser Persönlichkeiten in Familienangelegenheiten (45,8 bzw. 35,3 Prozent) und islamischer Parteien (40,1 bzw. 31,6 Prozent), während die Kasachen in allen Fragen sehr zurückhaltend waren. In Usbekistan konnten diese Fragen aus Zensurgründen nicht gestellt werden. Insgesamt zeigte sich, dass die jungen Menschen nicht mehr und nicht weniger islamistischen Ideen zugeneigt waren als die älteren Generationen. Die einzige Ausnahme ist, dass die tadschikische Jugend die islamischen Parteien um 5 Prozent mehr unterstützt.</p>
<p><figure id="attachment_20070" aria-describedby="caption-attachment-20070" style="width: 900px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20070" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Gebet-Kinder-Erwachsene.jpg" alt="" width="900" height="600" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Gebet-Kinder-Erwachsene.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Gebet-Kinder-Erwachsene-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Gebet-Kinder-Erwachsene-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/02/Gebet-Kinder-Erwachsene-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-20070" class="wp-caption-text">Jung und Alt beten gemeinsam</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Schließlich stellte die Studie auch Fragen zur Unterstützung tatsächlicher extremistischer Praktiken. Einige Zahlen geben zu denken. So wurde die Steinigung von „Ungläubigen“ von 6,5 Prozent der Kasachen (9,1 Prozent der Jugendlichen), 27,7 Prozent der Kirgisen (28,8 Prozent der Jugendlichen) und 27,9 Prozent der Tadschiken (33,2 Prozent der Jugendlichen) unterstützt; die Todesstrafe für die Aufgabe des Islam unterstützten 0,8 Prozent in Kasachstan (0,3 Prozent), 9,6 Prozent in Kirgistan (8,9 Prozent), 9,4 Prozent in Tadschikistan (8,9 Prozent) und Selbstmordattentate zum Schutz des Islam unterstützten 2,2 Prozent in Kasachstan (2,4 Prozent der Jugendlichen), 11,5 Prozent in Kirgistan (11,1 Prozent) und 3 Prozent der Tadschiken (2,8 Prozent). Schließlich unterstützten 3,8 Prozent der Befragten in Kasachstan (4,4 Prozent der Jugendlichen), 16,5 Prozent in Kirgistan (14,8 Prozent), 24,8 Prozent in Tadschikistan (27,8 Prozent) und 12,5 Prozent in Usbekistan (15,3 Prozent – die einzige Frage, welche es durch die Zensur in Usbekistan geschafft hast) die „Ehrenmorde“ an als ungläubig oder liederlich gebrandmarkten Frauen.</p>
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<p style="text-align: justify">Es ist erstaunlich, dass selbst unter Bedingungen strenger staatlicher Kontrolle eine bedeutende Minderheit in Zentralasien bereit ist, Untreue hart zu bestrafen und familiäre Probleme im Allgemeinen unter strengen Gesetzen zu lösen (Tod für das Abfallen vom Glauben sowie das Verüben von Terroranschlägen sind weitaus weniger gebilligt). Allerdings besteht Hoffnung, dass der Zusammenbruch des IS, der viele Radikale angezogen hat, und andere Ereignisse der letzten Jahre die Popularität extremistischer Interpretationen des Islam verringert haben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Spontaner Islamismus</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die zentrale Hypothese des Wissenschaftlers – die besondere Neigung der Jugend zum radikalen Islam – hat sich nicht bestätigt. In vielen Fällen nehmen Menschen unter 30 Jahren die formalen Anforderungen des Glaubens sogar weniger ernst und unterstützen den islamischen Radikalismus weniger stark. Warum dies so ist, kann teilweise durch die Antworten auf einen speziellen Fragenblock zur Zufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Situation, der Entwicklungsrichtung des Landes und dem politischen Leben erklärt werden. Bei allen Parametern waren die jungen Menschen zufriedener mit dem Leben als die älteren und sind vermutlich deshalb nicht so sehr dem islamischen Radikalismus zugeneigt. Auch die Migration nach Russland durch den proaktivsten Teil der Jugend der Region spielt eine Rolle.</p>
<p style="text-align: justify">Gleichzeitig haben sich neben dem Alter weitere Faktoren herauskristallisiert, die zur Radikalisierung beitragen. In Kirgistan neigen die Bewohner der südlichen und zentralen Regionen des Landes sowie der Dörfer eher zu einer strengen Auslegung des Islam. Auf diese Einstellungen hat die soziale Lage nur einen geringen Einfluss: Anhänger der Scharia und der Islamisierung des politischen Lebens finden sich sowohl unter den wohlhabenden als auch unter den bedürftigen Bürgern. Es wurde jedoch ein wichtiges Muster gefunden: In Kirgistan und Tadschikistan besteht eine statistisch signifikante Korrelation zwischen der Häufigkeit des Gebets und der Unterstützung islamistischer/„extremistischer“ Ansichten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Doch selbst wenn wir offen radikale Ansichten ausschließen, können wir feststellen, dass eine beträchtliche Zahl von Zentralasiaten den Islamismus in der einen oder anderen Form unterstützt. Selbst in Kasachstan ist mehr als ein Viertel der Befragten der Meinung, dass religiöse Führer einen gewissen Einfluss auf die Politik haben sollten. Wie der Wissenschaftler schreibt, wäre es eigentlich logisch anzunehmen, dass einige politische Kräfte diese Wahlressource versucht hätten auszunutzen, was jedoch nicht geschehen ist. Der Grund dafür ist höchstwahrscheinlich, dass offen islamistische Parteien in der Region als Bedrohung empfunden und verboten werden, und der maximal zulässige „Islamismus“ in den freieren Ländern der Region der der „Islamo-Demokraten“ wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tursunbai_Bakir_Uulu">Tursunbai Bakir-Uulu</a> (Kirgistan) oder Bekbolat Tleukhan (Kasachstan) ist, die Angst davor haben, die islamische Karte gegen die bestehenden Regime auszuspielen.</p>
<p style="text-align: justify">Im Vergleich zu anderen Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit (so etwa in Ägypten, Indonesien, Malaysia, Tunesien oder der Türkei) wirkt der islamische Faktor in der Politik der zentralasiatischen Republiken äußerst zurückhaltend. Clans, Landsleute, Patron-Klientel-Beziehungen und die Privatwirtschaft bestimmen die Politik in viel stärkerem Maße. Dies kann sich jedoch noch ändern: Wachsende Ungleichheit, die Wirtschaftskrise und korrupte Führungseliten können den Islam (und nicht etwa nur Extremisten) zu einer mächtigen Kraft in der Politik der Region machen, sagt der Wissenschaftler.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Artem Kosmarskiy für </strong><a href="https://fergana.news/articles/109194/"><strong>Fergana News</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Hannah Riedler</strong></p>
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		<title>Der &#8222;Islamische Staat&#8220; bekennt sich zum Angriff auf tadschikischen Grenzposten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2019 14:24:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der sogenannte &#x201E;Islamische Staat&#x201C; hat sich offiziell zum Angriff auf den tadschikischen Grenzposten nahe Usbekistan bekannt. Dieses Bekenntnis best&#xE4;tigt die vorangehenden Vermutungen der tadschikischen Beh&#xF6;rden. Es handelt sich um den vierten Angriff des IS auf tadschikischem Boden seit 2018. Die Organisation Islamischer Staat (IS) bekannte sich am 8. November zum zwei Tage zuvor ver&#xFC;bten Angriff [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der sogenannte &#8222;Islamische Staat&#8220; hat sich offiziell zum Angriff auf den tadschikischen Grenzposten nahe Usbekistan bekannt. Dieses Bekenntnis bestätigt die vorangehenden Vermutungen der tadschikischen Behörden. Es handelt sich um den vierten Angriff des IS auf tadschikischem Boden seit 2018. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Organisation Islamischer Staat (IS) bekannte sich am 8. November zum zwei Tage zuvor verübten <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/mindestens-17-tote-bei-angriff-auf-tadschikischen-grenzposten/">Angriff auf den Grenzposten Ischkobod</a> an der Grenze zwischen Tadschikistan und Usbekistan. Das Bekenntnis kam von Seiten der offiziellen Presseagentur des IS, Amaq. Dies bestätigte <a href="https://ent.siteintelgroup.com/Statements/amaq-releases-posthumous-video-of-ishkobod-border-post-attackers-pledge-to-caliph-abu-ibrahim.html">das auf Nachrichtendienste spezialisierte Portal SITE</a>.</p>
<p style="text-align: justify">In seiner Mitteilung reklamiert der IS den Mord an zehn Mitgliedern der tadschikischen Grenztruppen für sich. Die tadschikischen Behörden hatten lediglich den Tod zweier Grenzsoldaten sowie eines Mitarbeiters des Innenministeriums, Bahrom Kosimsoda, gemeldet. Von dem <a href="https://fergana.news/news/112363/">russischen Medium Fergana News</a> waren vier weitere Opfer erwähnt worden. Dabei soll es sich um den stellvertretenden Leiter des Grenzposten Ischkobod, Dilowar Tolibow, sowie die Grenzsoldaten Naimjon Saidolimow, Hofis Hasanow und Ganikon Dawlat handeln. Demnach würde sich die offizielle Zahl der Opfer auf sechs belaufen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/mindestens-17-tote-bei-angriff-auf-tadschikischen-grenzposten/">Mindestens 17 Tote bei Angriff auf tadschikischen Grenzposten</a></p>
<p style="text-align: justify">Der Angriff auf den 60 Kilometer von Duschanbe entfernten Grenzposten Ischkobod erfolgte in der Nacht vom 5. zum 6. November. Laut ofiziellen Angaben des tadschikischen Innenministeriums attackierte eine Gruppe von 20 vermummten Personen die Grenzsoldaten. Dabei wurden zunächst fünf Kalaschnikows entwendet. Jedoch waren die tadschikischen Sicherheitskräfte in der Lage, die Angreifer zu überwältigen: 15 wurden getötet, während fünf weitere verhaftet werden konnten. Unter den Angreifern befanden sich mehrere Frauen, von denen zwei getötet wurden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Angreifer waren jung und stammten aus der tadschikischen Region Sughd</strong></p>
<p style="text-align: justify">Noch am selben Tag teilten die tadschikischen Behörden mit, die mutmaßlichen Anhänger des Islamischen Staats stammten aus Afghanistan. Afghanische Sicherheitskräfte bestritten jedoch, dass Kämpfer von ihrem Territorium aus die Grenze zum benachbarten Tadschikistan überschreiten könnten. Später erklärte das tadschikische Innenministeriumgegenüber <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20191108/mvd-bolshinstvo-napavshih-na-pogranichnuyu-zastavu-bili-grazhdanami-tadzhikistana">Asia-Plus</a>, dass die Mehrheit der Angreifer auf den Grenzposten Ischkobod aus der <a href="https://fergana.news/news/112363/">Provinz Sughd</a> im Norden Tadschikistans stammen würden.</p>
<p style="text-align: justify">Die Identität der fünf verhafteten Angreifer konnte geklärt werden. Einer von ihnen ist inzwischen verstorben, vier weitere, davon drei Frauen, sind in Untersuchungshaft. Sie sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Über die weiteren 14 getöteten Terroristen gibt es zur Zeit keine Informationen.</p>
<p style="text-align: justify">Der Islamische Staat hatte sich in Tadschikistan bereits zur <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/islamischer-staat-bekennt-sich-zur-attacke-die-zum-tod-von-4-rad-touristen-in-tadschikistan-fuhrte/">Attacke auf ausländische Rad-Touristen am 29. Juli 2018</a> sowie zu <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/">den Gefängnisauftsänden in Khodjent in der Nacht vom 8. November</a> 2018 und in Vahdat am vergangenen 19. Mai bekannt. Es handelt sich also um den vierten Angriff des IS in Tadschikistan und in Zentralasien innerhalb eines Jahres.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion<br />
</strong><strong>Aus dem Französischen von Arnaud Enderlin</strong></p>
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		<title>Mindestens 17 Tote bei Angriff auf tadschikischen Grenzposten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Nov 2019 15:34:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Etwa 20 bewaffnete Personen haben einen Grenzposten im tadschikischen Ischkobod angegriffen. Zwei Vertreter der tadschikischen Sicherheitskr&#xE4;fte sowie 15 Angreifer kamen dabei ums Leben. In der Nacht zum 6. November wurde ein Angriff auf den Grenzposten Ischkobod in Tadschikistan ver&#xFC;bt. Dies berichtet das tadschikische Nachrichtenportal Khovar unter Berufung auf die Pressestelle des Innenministeriums. Der Posten an [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/mindestens-17-tote-bei-angriff-auf-tadschikischen-grenzposten/">Mindestens 17 Tote bei Angriff auf tadschikischen Grenzposten</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Etwa 20 bewaffnete Personen haben einen Grenzposten im tadschikischen Ischkobod angegriffen. Zwei Vertreter der tadschikischen Sicherheitskräfte sowie 15 Angreifer kamen dabei ums Leben.</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Nacht zum 6. November wurde ein Angriff auf den Grenzposten Ischkobod in Tadschikistan verübt. Dies berichtet das tadschikische Nachrichtenportal <a href="http://khovar.tj/rus/2019/11/press-tsentr-pogranichnyh-vojsk-gknb-rt-dopolnitelno-soobshhaet/">Khovar</a> unter Berufung auf die Pressestelle des Innenministeriums. Der Posten an der Grenze zu Usbekistan liegt etwa 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Duschanbe. Laut offiziellen Zahlen nahmen etwa 20 maskierte und bewaffnete Personen daran teil. Es kam zu einem etwa einstündigen Gefecht.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben des Innenministeriums gelang es den AngreiferInnen, mehrere Kalaschnikows zu entwenden und einen Grenzschutzbeamten sowie einen Polizisten zu töten. Schließlich sei die Gruppe umzingelt worden. 15 der AngreiferInnen fanden den Tod, andere wurden festgenommen. Mehrere Fahrzeuge, die bei dem Angriff benutzt wurden, wurden ebenfalls zerstört.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„In der kurzen Zeit war es unmöglich, zusätzliche Truppen oder Spezialeinheiten an den Ort zu schicken. Dennoch gelang es den Grenzschutzbeamten der Sultanabad-Truppe, den Angriff selbst abzuwehren“</em>, teilte der Pressedienst der tadschikischen Sicherheitskräfte mit.</p>
<p><a href="https://rus.ozodi.org/a/30257438.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe /Radio Liberty berichtet mittlerweile mit Verweis auf nicht näher genannte Quellen, dass es fünf Tote unter den Sicherheitskräften zu beklagen gibt. Diese Angaben sind jedoch noch nicht von offizieller Seite bestätigt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mehrere Frauen unter den AngreiferInnen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Gemäß der offiziellen Version kam die Gruppe aus Afghanistan und überquerte heimlich die Grenze nach Tadschikistan. <a href="https://fergana.news/articles/112287/">Fergana News</a> meldete, dass offiziell nicht bestätigten Angaben zufolge sowohl unter den Toten als auch unter den Festgenommenen Frauen seien. Wahrscheinlich stammen die AngreiferInnen aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfara">Isfara</a> im Nordosten Tadschikistans und waren von dort nach Afghanistan ausgereist.</p>
<p style="text-align: justify">Der Angriff fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> auf Besuch in Europa ist. Dieser <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/politics/20191107/emomali-rahmon-ne-prervet-turne-v-evropu-i-vistupit-na-parizhskom-forume-mira">bestätigte</a> am 7. November, dass er seine Reise fortsetzen und erst nach dem Staatsbesuch in Frankreich nach Tadschikistan zurückkehren wird. Die offizielle Visite wird noch bis zum 12. November andauern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Tadschikische Behörden beschuldigen den Islamischen Staat</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die offizielle Darstellung lautet, dass der Angriff von AnhängerInnen des sogenannten Islamischen Staates (IS) begangen worden sei. Nach Angaben des Staatsausschusses für die nationale Sicherheit Tadschikistans haben die festgenommenen Personen ihre Zugehörigkeit zu der Gruppe bekannt und angegeben, dass sie ins Land gekommen seien, um Terroranschläge zu begehen.</p>
<p style="text-align: justify"><a href="https://fergana.news/articles/112287/">Fergana News</a> zitiert den russischen Sicherheitsexperten Andrej Serenko, dass der Angriff auch ein Versuch gewesen sein könnte, nach Usbekistan vorzudringen. Eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es aber nicht, auch wenn die usbekische Seite den Vorfall untersucht. Bemerkenswert ist, dass der Angriff auf die Nachricht folgte, dass die beiden Länder den Entwurf eines Vertrags über die Demarkation der Grenze vereinbart haben, der in naher Zukunft unterzeichnet werden soll.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zweifel an der offiziellen Version</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der IS selbst hat sich hingegen noch nicht zu dem Angriff bekannt. In anderen Fällen hatte die islamistische Gruppe ihre Beteiligung an Verbrechen in Tadschikistan bestätigt, unter anderem bei der <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vier-rad-touristen-von-bewaffneten-mannern-getotet/">Ermordung ausländischer TouristInnen</a> in Dangara im Juli 2018 und beim <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/">Aufstand</a> im Gefängnis von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> im November 2018. Auch bei der <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-32-tote-bei-einem-gefaengnisaufstand/">Rebellion in der Strafkolonie Wachdat</a> im Mai 2019 traten IS-Anhänger in Erscheinung.</p>
<p style="text-align: justify">Einige Aspekte der offiziellen Fassung werfen jedoch Fragen auf. <a href="https://fergana.news/articles/112287/">Fergana News</a> stellt insbesondere fest, dass der Teil der afghanischen Grenze, über den die TerroristInnen nach Tadschikistan eingereist sein sollen, erschlossenes Gebiet sei und selten von StraftäterInnen genutzt werde. Des Weiteren stellt sich die Frage, wie bewaffnete TerroristInnen in mehreren Autos Hunderte von Kilometern durch das Land bis an die Grenze zu Usbekistan gereist sein sollen, ohne an den Kontrollstellen unterwegs aufzufallen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/">Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der russische Zentralasien-Experte Aleksander Knjasew spricht gegenüber <a href="http://www.ca-irnews.com/ru/latest-news/152-%D0%BC%D0%BD%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5-%D1%8D%D0%BA%D1%81%D0%BF%D0%B5%D1%80%D1%82%D0%B0/76545-%D0%BA%D0%BD%D1%8F%D0%B7%D0%B5%D0%B2-%C2%AB%D0%B0%D1%82%D0%B0%D0%BA%D0%B0-%D0%B1%D0%BE%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%B2-%D0%BD%D0%B0-%D0%BF%D0%BE%D0%B3%D1%80%D0%B0%D0%BD%D0%B7%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%B2%D1%83-%D0%B2-%D1%82%D0%B0%D0%B4%D0%B6%D0%B8%D0%BA%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B5-%E2%80%93-%D1%81%D0%BF%D0%B5%D0%BA%D1%82%D0%B0%D0%BA%D0%BB%D1%8C-%D1%81%D0%BF%D0%B5%D1%86%D1%81%D0%BB%D1%83%D0%B6%D0%B1%C2%BB">CA-Irnews</a> sehr direkt von <em>„einer Aufführung, die von den tadschikischen Sicherheitskräften organisiert wurde“.</em> Aus seiner Sicht ist die erste Inkohärenz geographischer Natur: <em>„Man muss völlig ohne elementare Logik denken, um sich so zu bewegen, wie es die „Unbekannten mit schwarzer Maske“ taten. Es ist zu schwierig, aus dem afghanischen Kunduz zu kommen, zwei Bezirke und etwa 300 Kilometer tadschikisches Territorium zu durchqueren und dabei ein Dutzend Posten zu umgehen. Ohne in andere, mehr technische Details zu gehen, denke ich, dass all dies eine Aufführung, eine Provokation ist.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Auch Dawlatchod Nasirow, ein Veteran der tadschikischen Spezialkräfte, äußerte gegenüber der Agentur Associated Press (AP) Zweifel: <em>„Es ist allgemein bekannt, dass IS-Kämpfer einen Angriff nicht derart ungeschickt organisieren, dass die Sicherheitskräfte Tadschikistans ihn so schnell unterdrücken können“</em>, wird Nasirow von <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/opinion/20191107/veteran-gosbezopasnosti-tadzhikistana-versiya-o-napadenii-igil-na-tadzhikskuyu-pogranzastavu-maloveroyatna">Asia-Plus</a> zitiert.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Ein mittlerweile pensionierter Oberst des KGB geht gegenüber AP sogar noch weiter<em>. „Am wahrscheinlichsten ist, dass die Angreifer aus Tadschikistan nach Afghanistan kamen und nicht umgekehrt. Tatsächlich sind Sie mit Nummernschildern aus Duschanbe gefahren“</em>, teilte der Spezialist mit. Laut seiner Aussage, die auch von Asia-Plus berichtet wurde, <em>„wurde der Angriff von lokalen Extremisten begangen, die sich terroristischen Gruppen in Afghanistan anschließen wollten“</em>.</p>
<p><a href="https://www.rferl.org/a/photos-showing-handcuffed-figure-released-then-deleted-after-tajikistan-shootout/30256573.html">Radio Free Europe /Radio Liberty</a> entdeckte eine weitere, gravierende Unstimmigkeit. Auf einem der Bilder, die die tadschikischen Behörden veröffentlichten, ist zu erkennen, dass ein am Boden liegender, vermutlich toter Mann an den Händen gefesselt ist. Auf Anfrage des Mediums lehnte ein tadschikischer Regierungssprecher es ab, den Tod der Person <em>„zu bestätigen oder abzustreiten“</em>. In einem von der Regierung veröffentlichten Bericht heißt es aber, dass alle festgenommenen Personen in einem nahen Dorf gestellt wurden und nicht am Ort des Schusswechsels. Auch verharrt die Person auf allen Fotos in der gleichen Position, ohne auch nur einen Finger zu bewegen. Die Bilder mit dem gefesselten Mann sind mittlerweile von der Webseite des Innenministeriums gelöscht worden.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion</strong></p>
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		<title>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Apr 2019 14:18:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[IS]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gulmorod Chalimow, &#x201E;Kriegsminister&#x201C; und die Nummer 2 des&#xA0; &#x201E;Islamischen Staates&#x201C; (IS), ist ein ehemaliger tadschikischer Offizier. Unter den letzten Verteidigern des IS befinden sich zahlreiche Tadschiken. Doch warum schlie&#xDF;en sich viele tadschikische B&#xFC;rger der Terrororganisation an? Das Nachrichtenportal Fergana-News unternimmt einen Erkl&#xE4;rungsversuch. Wir &#xFC;bernehmen den Artikel in gek&#xFC;rzter Fassung. Im Norden Syriens liefen noch vor [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Gulmorod Chalimow, &#8222;Kriegsminister&#8220; und die Nummer 2 des  „Islamischen Staates“ (IS), ist ein ehemaliger tadschikischer Offizier. Unter den letzten Verteidigern des IS befinden sich zahlreiche Tadschiken. Doch warum schließen sich viele tadschikische Bürger der Terrororganisation an? Das Nachrichtenportal </strong><a href="https://fergana.agency/articles/105517/"><strong>Fergana-News</strong></a><strong> unternimmt einen Erklärungsversuch. Wir übernehmen den Artikel in gekürzter Fassung.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im Norden Syriens liefen noch vor kurzem die Operationen, um die letzten Enklaven des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) zu zerschlagen. Im Irak wurden die letzten vom IS kontrollierten Gebiete laut offiziellen Angaben bereits im Dezember 2017 befreit. 2014 hatte der Terroristenführer Abu-Bakr Bagdadi in diesen Gebieten die Gründung des Islamischen Staates – des sogenannten Kalifats – ausgerufen und sich selbst zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalif">Kalifen</a> ernannt. Danach strömten massenweise radikale Islamisten aus der ganzen Welt in das vom IS kontrollierte Territorium.</p>
<p style="text-align: justify;">Seit 2016 ließ sich ein verstärkter Zustrom von Tadschiken beobachten. Oberst Gulmorod Chalimow, ehemaliger Kommandeur der Spezialeinheit von Duschanbes Polizei, lief zum IS über und wurde dessen „Kriegsminister“ und somit die Nummer 2 hinter Bagdadi. Unter den Verteidigern des letzten IS-Bollwerk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Baghuz_Fawqani">Baghuz</a> in Syrien waren etliche Tadschiken.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Nicht zu fassen oder tot</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die bekanntesten Tadschiken in Reihen des IS sind vor allem zwei Personen: der schon erwähnte „Kriegsminister“ Chalimow sowie Todschiddin Nasarow, der auch unter seinem arabischen Kampfnamen Abu-Osama Noraki bekannt ist. Kürzlich veröffentlichten russische Medien Ermittlungsergebnisse des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/FSB_(Geheimdienst)">Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB)</a> zu geplanten Anschlägen in Moskau und Umgebung in den Jahren 2016 und 2017. Laut diesen Daten planten zwei Terrorzellen, bestehend aus tadschikischen, russischen und armenischen Staatsangehörigen, mehrere Anschläge, unter anderem auf die Moskauer Ringbahn und ein Einkaufszentrum. Das ideologische Mastermind dieser Terroristen war Noraki, der über Messenger-Dienste beide Gruppen aus der Ferne leitete.</p>
<p style="text-align: justify;">Außerdem schreibt sich Noraki die Organisation zweier Terrorakte in Schweden und Tadschikistan zu. Im April 2017 kontaktierte er den in Schweden lebenden usbekischen Staatsabgehörigen Rachmat Akilow und überzeugte ihn, mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge im Zentrum von Stockholm zu fahren. Während der Attacke, bei der er fünf Menschen tötete und 15 weitere schwer verletzte, hielt Akilow Kontakt zu seinem Anstifter und schickte ihm online Videos der Tat. Im Sommer 2018 verurteilte ein schwedisches Gericht den Terroristen zu lebenslanger Haft.</p>
<p style="text-align: justify;">Laut einer Version der Ereignisse war es namentlich Noraki, dem es aus der Ferne gelang eine Gruppe seiner Landsleute im Alter von 18 bis 22 Jahren anzuwerben, welche im Juli letzen Jahres in der Region Dangara in Tadschikistan eine Gruppe ausländischer Radtouristen angriff. Vier TouristInnen aus den USA, den Niederlanden und der Schweiz wurden getötet, drei weitere wurden schwer verletzt. Der IS bekannte sich zu der Tat. Tadschikische Sicherheitsbehörden hingegen beschuldigen die im Land verbotene Partei der islamischen Wiedergeburt (PIWT) hinter der Attacke zu stehen. Wer auch immer hinter dem Anschlag steht: Noraki ist für die Geheimdienste bislang nicht zu fassen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vier-rad-touristen-von-bewaffneten-mannern-getotet/"><strong>Tadschikistan: Vier Rad-Touristen von bewaffneten Männern getötet</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Mehrmals verbreiteten verschiedene Staaten, die an den Operationen gegen den IS in Syrien und im Irak beteiligt sind, Informationen über den Tod des übergelaufenen Oberst Chalimow. Dennoch gibt es bis heute keine bestätigten Angaben über seine Liquidierung. Chalimow war laut Angaben amerikanischer und irakischer Geheimdienste der Hauptorganisator der Verteidigung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mossul">Mossul</a> gegen die Anti-Terror-Koalition. Anfangs rechnete die Koalition damit, Mossul innerhalb weniger Wochen zu befreien. Allerdings zogen sich die Kämpfe schließlich neun Monate hin. Laut irakischen Militärs waren die aus Tadschiken bestehenden Verbände der Terroristen besonders professionell vorbereitet. Die Altstadt von Mossul, die das letzte Rückzugsgebiet der Terroristen in der Stadt war, wurde durch Luftschläge und Artillerie fast komplett zerstört. Anglich kam dabei auch Chalimow ums Leben. Die Aufräumarbeiten in Mossuls Altstadt dauern noch an. Weiterhin werden dort Körper der Gefallenen gefunden.</p>
<p style="text-align: justify;">Laut einer Quelle von <a href="https://fergana.agency/news/104222/">Fergana-News</a> hingegen ist Chalimow am Leben und befindet sich möglicherweise auf dem Territorium der afghanischen Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Badachschan</a>. Der übergelaufene Oberst soll sich im Kreis Mundschon, etwa 80 Kilometer von der tadschikischen Grenze entfernt aufhalten. Er habe dort ein paar Dutzend Anhänger, von denen einige aus Syrien geflohene Kämpfer seien, zu denen aber auch 15 Angehörige der Gruppe „Alpha“ des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit Tadschikistans zählen sollen. Letztere sollen 2017 in den Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischkoschim">Ischkoschim</a> abkommandiert worden sein, von wo aus sie die Grenze überquerten und sich Chalimow anschlossen.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Diese Tatsache wurde nicht breit kommuniziert, sie ist aber real“</em>, sagt die Quelle. Sie merkt an, dass Emissäre Chalimows, getarnt als Händler, schon in die autonome Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> in Tadschikistan eingedrungen seien, um dort die Situation zu beobachten und den Boden für die Rekrutierung neuer Anhänger zu bereiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Hunderte fuhren, Dutzende kehrten zurück</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im November 2018 teilte das Komitee für Nationale Sicherheit Tadschikistans mit, dass in den letzten Jahren ungefähr 1900 tadschikische Staatsangehörige nach Syrien und in den Irak ausgereist seien, um an Kampfhandlungen auf Seiten des IS teilzunehmen. Mehr als 1700 von ihnen sind zur Fahndung ausgeschrieben. Unter ihnen seien auch Frauen, Kinder, Eltern und andere Verwandte der Kämpfer.</p>
<p style="text-align: justify;">Obwohl seit 2016 Russland, die USA, die Türkei, der Iran und einige europäische Staaten sich aktiv an den Kampfhandlungen gegen den IS in Syrien und dem Irak beteiligten, und sich das von den Terroristen kontrollierte Gebiet kontinuierlich verkleinerte, versuchten einige BürgerInnen Tadschikistans – teils mit Erfolg, teils ohne – sich den Terroristen anzuschließen. So wurde Anfang 2018 eine aus 29 Mitgliedern bestehende Familie von der Türkei an Tadschikistan ausgeliefert. Sie versuchte in drei Bussen nach Syrien, auf das von den Terroristen kontrollierte Gebiet zu gelangen. Im Frühling vergangenen Jahres begann der Prozess gegen die Familienmitglieder. Auf der Anklagebank befanden sich eine 70-jährige Frau, ihr 44-jähriger Sohn, ihre Tochter, die Schwiegertochter und der Schwiegersohn.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/"><strong>Tadschikistan: Der Islamische Staat bekennt sich zu Aufstand in Gefängnis</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Nachdem die tadschikischen Behörden denjenigen, die sich den Terroristen anschlossen, dies aber bereuen und sich zur Rückkehr entschlossen haben, Amnestie gewähren, begannen ehemalige Kämpfer und ihre Familienmitglieder nach Tadschikistan zurückzukehren. Seit Anfang 2018 sind 163 reumütige Mitglieder von Terrorgruppen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Problem liegt aber nicht in der Amnestie ehemaliger Kämpfer, sondern in der fortdauernden Radikalisierung tadschikischer BürgerInnen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Gründe für die Radikalisierung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Darüber, dass die tadschikische Staatsmacht selbst die Radikalisierung der Bevölkerung und dabei insbesondere der Jugend provoziert, schrieb <a href="https://www.fergananews.com/articles/8014">Fergana-News</a> schon Anfang 2014, als der IS noch nicht von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Zu den Faktoren, die Radikalisierungen herbeiführten, zählt unter anderem auch das „Gesetz über die Religion“ aus dem Jahr 2009. Mit diesem Gesetz wurden äußerst strenge Anforderungen für die Registrierung aller religiösen Gruppen eingeführt. Nichtregistrierte religiöse Betätigung und privater Religionsunterricht wurden als Straftatbestände klassifiziert und die Anzahl und Größe von Moscheen streng begrenzt. Außerdem erlaubt das „Gesetz über die Verantwortung der Eltern“ aus dem Jahr 2011 die Teilnahme von Minderjährigen an jedweder organisierten religiösen Betätigung nur in offiziellen Instituten. Frauen und jungen Leuten unter 18 Jahren ist es momentan untersagt Moscheen zu besuchen. Es ist klar, dass unter den Bedingungen einer permanenten wirtschaftlichen Krise in Tadschikistan der steigende staatliche Druck auf die Jugend und andere unzufriedenen BürgerInnen dazu führt, dass sich diese mit jenen solidarisieren, die am meisten unterdrückt werden. So kommt es dazu, dass sich in der tadschikischen Gesellschaft ein stabiles Anwachsen jener feststellen lässt, die die Lösung ihrer Probleme in übermäßiger Religiosität sehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-56-moscheen-in-kindergaerten-und-teehaeuser-umgewandelt/"><strong>Tadschikistan: 56 Moscheen in Kindergärten und Teehäuser umgewandelt</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Eine neue Welle der Radikalisierung folgte nach der Rebellion des stellvertretenden Verteidigungsministers Generalmajor Abduhalim Nasarsoda (bekannt als Chodscha Halim) im Herbst 2015. In der Folge wurde die oppositionelle Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans verboten. Jedoch wurde die Partei nicht bloßverboten, sondern ihre Mitglieder sahen sich staatlicher Repression ausgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Zentralasienspezialisten <a href="https://www.wilsoncenter.org/person/edward-lemon">Edward Lemon</a> und <a href="https://socialsciences.exeter.ac.uk/politics/staff/heathershaw/">John Heathershaw</a> meinen, dass die <em>„Verlagerung und Isolierung junger Migranten und der Export von Repression seitens der Herkunftsländer die Antworten liefern, warum Zentralasien „Terrorismus exportiert“. Allerdings ist es wichtig anzumerken, dass über dieses Phänomen wenig bekannt und es eher selten ist. Die in diesem Bereich durchgeführten Forschungen sind unzureichend, viele von ihnen sind veraltet. Das einzige, was wir jetzt sagen können, ist, dass radikale Ideen für diese Leute ein Symptom sind &#8211; und nicht der Grund dafür Ihre Sinnsuche mit terroristischer Gewalt zu lösen.“</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Das, was mit diesen Leuten im transnationalen Migrationsraum passiert, ist wichtiger als die Ursachen, die in Zentralasien liegen. Es ist notwendig herauszufinden was genau in ihrem Leben außerhalb Zentralasiens passiert ist, bevor man erklärt, warum diese Region Extremismus exportiert“</em>, schließen Lemon und Heathershaw.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-extremisten-arbeitsmigranten-aus-zentralasien-anwerben/"><strong>Wie Extremisten Arbeitsmigranten aus Zentralasien anwerben</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Ihrer Meinung nach erfolgt die Radikalisierung tadschikischer Migranten auch, weil die Sicherheitsorgane ihres Landes begonnen haben, sogar im Ausland eine aktive Repressionspolitik durchzuführen. <em>„Die Analyse von Datenbanken politischer Opponenten im Ausland bestätigt, dass der staatliche Sicherheitsdienst Tadschikistans […] bei seinen Tätigkeiten im Ausland immer aktiver und grausamer agiert. Dies kann dazu führen, dass isolierte Gruppen junger Männer sich zu extremistischen Organisationen vereinigen, um Wiederstand zu leisten“</em>, zeigen die Forscher.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist bemerkenswert, dass etwa nicht die an Afghanistan grenzenden Regionen Tadschikistans am Stärksten von Radikalisierung betroffen sind, obwohl man meinen könnte, dass sich hierhin die extremistische Ideologie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taliban">Taliban</a> am leichtesten exportieren lassen würde. So zeigt <a href="https://rus.ozodi.org/a/28823476.html">Radio Osodi</a> anhand von Daten des Zentrums für Strategische Studien (ZSI), dass es in allen vier Provinzen des Landes „Hotspots“ gibt, in denen sich besonders viele Menschen sich dem IS anschließen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/extremismus-in-tadschikistan-diese-regionen-sind-am-meisten-betroffen/"><strong>Extremismus in Tadschikistan: Diese Regionen sind am meisten betroffen</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Die ExpertInnen des ZSI zeigen außerdem, dass Korruption und Bürokratismus seitens regionaler Beamter die wesentlichen Gründe für Radikalisierung sind. Beide Phänomene grassieren weiterhin. Es gibt also kaum einen Grund zu Optimismus in Bezug auf die Zukunft des Landes.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aleksandr Rybin für </strong><a href="https://fergana.agency/articles/105517/"><strong>Fergana-News</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Nach dem Gefängnisaufstand von Chudschand: Das Problem mit den wegen Extremismus verurteilten Gefängnisinsassen in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2018 11:14:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die tadschikische Staatsmacht hat offiziell best&#xE4;tigt, dass an dem Aufstand, der sich am 7. November im Gef&#xE4;ngnis von Chudschand ereignet hat, vor allem wegen Terrorismus verurteilte Insassen beteiligt gewesen sind. Diese stellen nicht nur Autorit&#xE4;ten innerhalb der Strafkolonien dar, sondern betreiben auch aktiv radikalislamische Propaganda unter den Inhaftierten. Experten meinen, dass dies zu erwarten war. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die tadschikische Staatsmacht hat offiziell bestätigt, dass an dem Aufstand, der sich am 7. November im Gefängnis von </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand"><strong>Chudschand</strong></a><strong> ereignet hat, vor allem wegen Terrorismus verurteilte Insassen beteiligt gewesen sind. Diese stellen nicht nur Autoritäten innerhalb der Strafkolonien dar, sondern betreiben auch aktiv radikalislamische Propaganda unter den Inhaftierten. Experten meinen, dass dies zu erwarten war. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf </strong><a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/security/20181204/chto-budet-v-tadzhikistane-kogda-radikali-viidut-iz-tyurem"><strong>Asia-Plus</strong></a><strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der Aufstand kam für die Staatsmacht unerwartet. Sie erwartete nicht eine derartige Dreistigkeit der Inhaftierten und schon gar nicht eine derart hohe Zahl an Opfern – 21 Inhaftierte und zwei Mitarbeiter der Sicherheitsorgane. Vermutlich schwieg sie auch deshalb so lange und schweigt im Übrigen immer noch. Wenige Details und eine offizielle Bestätigung des Zwischenfalls verlautbarte Außenminister Sirodschiddin Muchriddin während eines Besuchs in Brüssel.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/"><strong>Tadschikistan: Der Islamische Staat bekennt sich zu Aufstand in Gefängnis</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Er teilte mit, dass an dem Aufstand im Wesentlichen wegen Terrorismus verurteilte Häftlinge beteiligt waren, unter ihnen Anhänger der Terrororganisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_(Organisation)">Islamischer Staat</a> (IS). <em>„Wärter und Mitarbeiter der Strafkolonie haben die Aufständischen zum Dialog aufgerufen. Aber die Inhaftierten leisteten weiterhin Widerstand, einige unternahmen Fluchtversuche. 12 der getöteten Inhaftierten verbüßten eine Strafe wegen der Teilnahme an Kriegshandlungen in Syrien und im Irak auf Seiten des IS. Drei waren Mitglieder der extremistischen Gruppen </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ansarullah"><em>Ansorullah</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschundollah"><em>Dschundollah</em></a><em> und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Bewegung_Usbekistan"><em>Islamische Bewegung Usbekistans</em></a><em>.“</em> Dies ist alles, was der Außenminister mitteilte.</p>
<p style="text-align: justify;">Inoffiziell ist außerdem bekannt, dass gegen sieben Mitarbeiter des Gefängnisses wegen Nachlässigkeit ermittelt wird und dass Isatullo Scharifsoda, Leiter der Hauptverwaltung des Justizvollzugs, direkt in den Ruhestand geschickt wurde.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Nicht der erste Vorfall</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Während der von verurteilten Extremisten unterstützte Aufstand für die Staatsmacht unerwartet kam, so war er für Experten vorhersehbar. Vielmehr warnten sie sogar, dass in tadschikischen Gefängnissen eine zunehmende Radikalisierung der Inhaftierten vonstatten geht.</p>
<p style="text-align: justify;">Im vergangenen Jahr wurde in Tadschikistan eine Untersuchung zur Radikalisierung in Gefängnissen durchgeführt, welche vom Sicherheitsrat der Präsidialverwaltung in Auftrag gegeben wurde. An der Untersuchung nahmen Religionswissenschaftler, Psychologen, Kriminalisten sowie Mitarbeiter des Innenministeriums, des Justizministeriums und des Staatlichen Komitees für nationale Sicherheit teil. Die Ergebnisse sind nicht öffentlich zugänglich und werden es vermutlich auch bleiben.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Rahmen der Untersuchung wurden Kämpfer interviewt, die sich jetzt in Gefängnissen befinden. <em>„Echte Kämpfer mit Kampferfahrung und nicht die, die wegen Likes, Reposts oder langen Bärten inhaftiert wurden“</em>, merkt einer der tadschikischen Experten an<em>. „Schon vor fünf Jahren war ersichtlich, dass die nicht „gebrochen“ werden, sondern, dass ihre Autorität unter Kriminellen wächst und dass sich „grüne Zonen“ bilden (Gefängnisse, in denen islamistische Ideen populär sind, Anm. d. Red. von Asia-Plus).“</em></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/extremismus-in-tadschikistan-diese-regionen-sind-am-meisten-betroffen/"><strong>Extremismus in Tadschikistan: Diese Regionen sind am meisten betroffen</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Der Vorfall im Gefängnis von Chudschand ist nicht der erste Fall, in dem wegen Extremismus oder Terrorismus verurteile Bürger zu Teilnehmern oder Anstiftern von Unruhen werden. Es begann 2015 mit den ersten Kämpfern in den Gefängnissen“,</em> sagt ein anderer tadschikischer Experte. <em>„Ein ähnlicher Fall ereignete sich im April in der Strafvollzugsanstalt Nr.1, als „Syrier“ eine Pamir-Autorität töteten. Dies war das erste Warnsignal, das aber nicht ernst genommen wurde. Im Sommer ereignete sich dann in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahdat"><em>Wahdat</em></a><em> eine Auseinandersetzung zwischen Dieben und Islamisten. Die Anstifter wurden damals einfach auf verschiedene Gefängnisse verteilt.“</em></p>
<p style="text-align: justify;">Nach Angaben der Spezialisten wurde im vergangenen Jahr in Tadschikistan ungefähr 500 Personen wegen Extremismus oder Terrorismus verurteilt. <em>„Aber von denen sind ungefähr 100 wirklich radikalisiert. Die anderen wurden aufgrund einer Dummheit verurteilt, weil sie irgendetwas in den sozialen Netzwerken geteilt haben oder weil sie verbotene Literatur besaßen oder sie sind sogar unschuldig“</em>, sagt ein Experte. <em>„Doch diese „Zufallsextremisten“ sind auch eine große Risikogruppe. Sie meinen, dass sie zu Unrecht verurteilt wurden und fühlen sich von der Macht gekränkt. In der Folge sind sie anfälliger für radikale Ansichten und in unseren Gefängnissen gibt es genug, von denen sie lernen.“</em></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Muss man Sondergefängnisse bauen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Experten meinen, dass es an der Zeit ist, das Problem zu lösen. Damit die Terroristen in den Gefängnissen nicht neue Mitstreiter anwerben, muss man sie von anderen Inhaftierten trennen. Dafür ist es notwendig, entweder Sondergefängnisse zu bauen oder aber in den bestehenden Gefängnissen abgetrennte Blöcke einzurichten. Darüber wird derzeit auch in Russland nachgedacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Isolierung würde es ermöglichen die Verbreitung extremistischer Ideologien sowie die Werbung für Terrororganisationen unter Inhaftierten zu minimieren, meinen Experten. Faridun Chodisoda, Experte für Religionsfragen, sagt, dass es schwer ist, den Aufstand in Chudschand zu kommentieren, da die Ermittlungen zu den Gründen noch laufen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch werfen die Ereignisse seiner Meinung nach Fragen auf: <em>„Der Außenminister hat zum Beispiel gesagt, dass zwölf der getöteten Inhaftierten eine Strafe dafür verbüßten, dass sie auf Seiten des IS an Kampfhandlungen in Syrien und im Irak teilgenommen haben. Wie können sie Einfluss auf die 200 anderen Inhaftierten haben? Das heißt, dass da etwas nicht funktioniert, wie es sollte.“</em></p>
<p style="text-align: justify;">Laut Chodisoda könnte es eine Notwendigkeit geben, wegen Terrorismus und Extremismus inhaftierte Personen separat unterzubringen: <em>„Aber diese Spezialgefängnisse wie (das US-amerikanische Lager, Anm. d. Ü.) </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base"><em>Guantanamo</em></a><em> in Kuba oder Schaslik in Usbekistan gibt es bei uns derzeit nicht. Und Propaganda extremistischer Ideen sowie Anwerbung von Mitstreitern gibt es nicht nur in Gefängnissen, sondern überall. Deswegen ist es wichtiger das Augenmerk auf die Haftbedingungen zu legen und darauf, wie man mit den Inhaftierten umgeht.“</em></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-extremisten-arbeitsmigranten-aus-zentralasien-anwerben/"><strong>Wie Extremisten Arbeitsmigranten aus Zentralasien anwerben</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Man darf nicht die rote Linie überschreiten und die Ehre und Würde der Inhaftierten angreifen“,</em> erklärt er. <em>„Die Gefängnisse nennen sich Besserungsanstalten und die Leute, die dort hinein geraten, sollen sie umerzogen verlassen und nicht mit radikalen Ansichten. Wenn sich die Gefängnisverwaltungen nicht dieser Aufgabe annehmen, kommt der Mensch dort mit einem seelischen Trauma raus und wird für sein Umfeld inadäquat.“</em> Faridun Chodisoda ist überzeugt, dass man in den Gefängnissen Ordnung halten und Reformen durchführen sowie die Korruption im Justizsystem bekämpfen muss.</p>
<p style="text-align: justify;">Chursched Kunguratow, oberster Psychiater Tadschikistans, meint, dass es keine gute Idee ist, Extremisten zusammen mit anderen Verbrechern zu inhaftieren: <em>„Die Sache ist die: Der Mensch, der ins Gefängnis kommt, wird häufig aufgrund der Ausweglosigkeit seiner Situation religiöser, wendet sich an Gott, fängt an den Koran zu lesen und wenn in diesem Moment jemand ihm radikale Ideen predigt, kann er von ihnen infiziert werden. Extremisten wissen in der Regel wie man agitiert und anwirbt. Außerdem sind sie sehr gute Psychologen und fähig jemanden für sich einzunehmen. Deswegen ist es gefährlich, sie mit anderen Verbrechern zu verwahren.“</em></p>
<p style="text-align: justify;">Er meint, dass für diese Kategorie von Verbrechern strengere Bedingungen herrschen müssen, zum Beispiel Einzelhaft<em>. „Unter solchen Umständen können sie nicht Einfluss auf andere Inhaftierte ausüben und ihre Gemeinde innerhalb der Strafkolonie gründen“</em>, ist sich der oberste Psychiater Tadschikistans sicher.</p>
<p style="text-align: justify;">Überwiegend positiv nehmen die Experten auf, dass der stellvertretende Vorsitzende des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit Mansurdschon Umarow an die Spitze der Hauptverwaltung des Justizvollzugs wechselt, da er sich mit den Problemen in den Gefängnissen auskenne.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Rolle der „Speznas“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nach Meinung der Experten bleibt aber eine unbequeme Frage für den Sicherheitsapparat bestehen, obwohl diese Frage niemand öffentlich stellt. Bei der Niederschlagung des Aufstands in Chudschand wurde die „Speznas“ eingesetzt – eine Sondereinheit der Armee. 21 Inhaftierte wurden getötet.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Wir haben keine Einheiten zur Niederschlagung von Aufständen und Unruhen – keine „anti riot troops“. Das bedeutet, dass jeder Aufstand, also auch einer von BürgerInnen, von Alfa (der besagten Speznas-Einheit, Anm. d.Red.) niedergeschlagen wird, einer Gruppe die für andere Aufgaben trainiert wird“</em>, sagt einer der Experten. <em>„Sie ist für gewalttätige Niederschlagung ausgebildet und nicht um zu deeskalieren. Es ist eine Sondereinheit der Armee für die Lösung von Problemen in Kriegssituationen.“</em></p>
<p style="text-align: justify;">Im gegebenen Fall hat die Speznas gemäß ihrer Instruktionen gehandelt. Sie ist mit Waffen für den Kampf ausgerüstet und darauf ausgerichtet in Kriegssituationen Bedrohungen physisch zu liquidieren. In ihrem Arsenal gibt es weder Tränengas, noch Wasserwerfer oder Technik zum Blockieren von Straßen. Sie ist im Umgang mit solchen Dingen nicht einmal geschult. Man kann nur hoffen, dass diese Einheit nicht einmal gegen protestierende BürgerInnen eingesetzt wird, bloß weil es keine anderen Einheiten gibt.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Olga Tutubalina auf </strong><a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/security/20181204/chto-budet-v-tadzhikistane-kogda-radikali-viidut-iz-tyurem"><strong>Asia-Plus</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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