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	<title>Islam Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="(max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



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		<title>Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 17:22:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Nawruz]]></category>
		<category><![CDATA[Nouruz]]></category>
		<category><![CDATA[Nowruz]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erkl&#xE4;rt die Gr&#xFC;nde der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Fr&#xFC;hzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem. Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten &#xFC;ber Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erklärt die Gründe der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Frühzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten über Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. Unser Partnermedium Asia-Plus veröffentlichte ihn erneut, da die hier diskutierten Fragen nach wie vor aktuell sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für uns Tadschiken symbolisiert Nawruz, als Brücke zwischen sozialen Epochen, nicht nur die Überlebung unserer Urahnen über schwere Zeiten hinweg, sondern auch die Aufbewahrung des historischen Lebens unserer Generation in der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anerkennung von Nawruz als Nationalfeiertag nach während der politischen Unabhängigkeit unserer sowjetischen Republik war eine zeitgemäße Maßnahme, ein Mittel und ein wichtiger Schritt auf dem Weg der historischen Entwicklung und Festigung der tadschikischen Nation im modernen Sinne des Wortes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese zukunftsorientierte Entscheidung hatte auch einen wichtigen pädagogischen Zweck: Sie war ein wichtiger Schritt zur Gestaltung und Stärkung der Generationen und der Wurzeln im Kontext der historischen und kulturellen Integrität der iranisch-turanischen Zivilisation, einer der ältesten Zivilisationen der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der reichen Bräuche und Traditionen unserer frühen Vergangenheit hat sich der Horizont des tadschikischen Patriotismus erweitert, und die nationale Einheit der Tadschiken erhielt eine besondere historische und spirituelle Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider gibt es unter den persisch- und turksprachigen Geistlichen heute noch Gelehrte, die Nawruz ausschließlich als Fest des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrismus</a> sehen und gleichzeitig deren Anhänger als Feueranbeter, also Götzenanbeter, und die Feier von Nawruz als „verbotenen“ Ritus für Muslime betrachten. Es ist schade, dass dieses wissenschaftlich bedeutsame und gesellschaftlich wichtige Thema bis heute keine angemessene akademische Aufmerksamkeit genießt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gründe und Ziele der Proteste gegen Nawruz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist der Grund und das Ziel der aktuellen Proteste gegen Nawruz? Ich halte die Handlungen dieser islamischen Gelehrter nicht für einen Akt der Opposition gegen den Nationalstaat oder eine Art Selbstdarstellung. Deshalb werde ich keine Namen nennen und nicht ins Detail gehen. In der Tat bin ich überzeugt, dass die kritische Stellung dieser neuen Gegner von Nawruz nicht aus den heiligen Quellen des Islam stammt. Ich kritisiere jedoch nicht die religiösen Überzeugungen der Kritiker und halte sie nicht für dogmatisch oder nachahmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zurueck-in-die-zukunft-identitaetspolitik-mal-anders-zarathustra-und-die-politische-dimension-des-nouruz-festes/"><strong>Zurück in die Zukunft – Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nur mit den Worten des Heiligen Korans: <em>„Warum streitet ihr über etwas, von dem ihr keine Kenntnis habt? Und möge euer Argument in dem, was ihr wisst, richtig sein!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann… wenn wir diese Frage grundsätzlich stellen, stoßen wir unvermeidlich auf eine Quelle der Meinungsverschiedenheit mit dem salafitischen Klerus. Nämlich geht es in diesem Fall um das richtige Verständnis bestimmter Koranverse und prophetischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>. Bei ihrer Auslegung spielt der menschliche Faktor keine Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was ist denn nun der „menschliche Faktor“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese Frage zu beantworten, greife ich auf ein bekanntes Zitat von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschamal_ad-Din_al-Afghani">Dschamaluddin Asadabadi</a> zurück. In einem Gedicht, einer Diskussion mit dem französischen Islamwissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Renan">Ernest Renan</a> gewidmet, meinte er: <em>„Im Wesen des Islams selbst gibt es keine Mängel. Alle existierende Mängel entspringen daraus, dass wir Muslime sind! “</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Satz erkennen wir, dass Asadabadi zwei miteinander verbundene Begriffe unterscheidet: „Islam“ und „Muslim“. Diese Unterscheidung ist methodologisch sehr relevant. Im Wesentlichen verkörpert der Islam die göttliche Offenbarung durch das Koran und die Überlieferungen des Propheten (der Sunna), und dieser Titel ist eine ewige Wahrheit. Das Muslimsein ist das menschliche Verständnis religiöser Prinzipien und Heiligtümer aufgrund der Auslegung und Interpretation von maßgeblichen Quellen des Islam, darunter Analogien und Konsens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/"><strong>Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundlagen der Religionsgemeinschaft bleiben an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unverändert. Doch die Auslegung und das Verständnis religiöser Prinzipien können im Laufe der Zeit verbessert, korrigiert oder verändert werden. Wenn das nicht so wäre, hätte sich der Islam nicht in verschiedene Strömungen, Sekten und verfeindete Richtungen gespalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Krisensituation kann man mit den Worten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi_(Dichter)">Rumis</a> erklären: <em>„Ich bin in meinem Streben nach dem richtigen Verständnis gestorben!“ </em>In Bezug darauf muss eine wissenschaftliche Diskussion zwangsläufig die Wurzel des Problems untersuchen. Wenn wir die eine oder andere islamische Regelung zum „Haram“ („bid’a“ oder „makruh“) im Bezug auf Nawruz betrachten, wird deutlich, dass es neben rein religiösen Argumenten eine Vielzahl eigennütziger oder opportunistischer Überlegungen gab, die ideologisch, politisch und wirtschaftlich gefärbt waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verbote seit über tausend Jahren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir die Zeit des arabischen Kalifats: Im ersten Jahrhundert nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra">Hidschra</a> wurde Nawruz als heidnischer Ritus verboten. Doch später fanden die arabischen Kalifen und ihre Ideologen an zwei Dingen Gefallen: Erstens die Tradition, zu Nawruz Geschenke zu machen und anzunehmen, die an den Höfen der persischen Könige besonders verbreitet war. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Chayy%C4%81m">Omar Khayyam</a> beschrieb in seiner Abhandlung „Nawrunama“, die er als eine Art Unterweisung für die Nachkommen des Seldschuken-Sultans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Malik_Schah_I.">Malik-Shah</a> verfasste, ausführlich den Brauch, dem König am Tag des Großen Nawruz Geschenke zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verstanden die Kalifen sofort: Statt die Bräuche und Traditionen der Nichtmuslime zu verbieten, war es vorteilhafter, ihnen zu ermöglichen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und ihre Bräuche und Traditionen beizubehalten, im Austausch gegen die Zahlung einer zusätzlichen Steuer (der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschizya">Dschizya</a>). Die besondere Bedeutung dieser Religionspolitik lag darin, dass man dadurch, wie ein tadschikisches Sprichwort sagt, sowohl gewinnen als auch nichts verlieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Grund war rein politischer Natur. Der Gelehrte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadriddin_Ainij">Ustod Aini</a> erläuterte ihn am Beispiel des Verhaltens der Manghitumaren-Dynastie, die unter Berücksichtigung der Ratschläge und Empfehlungen der Gelehrten von Buchara regierten: <em>„Unter den Emiren von Buchara hat Emir Musaffar das Nawruz-Fest seiner volkstümlichen Form entzogen und ihm formellen Charakter verliehen. Das tat er nach der Niederlage im Krieg gegen Russland. Nach den Worten ehrlicher alter Männer verlor Emir Musaffar nach der Kriegsniederlage jegliches Ansehen unter dem Volk. Insbesondere, als er die Menschen ausraubte und versuchte, die durch den Krieg leere Staatskasse wieder aufzufüllen, wuchs der Hass des Volkes auf ihn noch mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Deshalb organisierte er überall, wo er sich niederließ, ein Fest (d. h. einen öffentlichen Feiertag) und beschäftigte die Menschen damit, ihn zu beobachten, damit sie die Augen vor seinen unbeliebten Handlungen verschlossen oder keine Zeit hatten, diese zu sehen… Die letzten Emire von Buchara nutzten dieses Fest, um die Menschen lange Zeit mit nutzlosen und schädlichen Dingen zu beschäftigen und so in Frieden für sich selbst zu leben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aussagen des Korans und anderer heiliger islamischer Quellen ging die Gier des Klerus manchmal so weit, dass sie sogar das Wort Allahs missachteten. Die Suren Al´-Baqara und Al´-Imran enthalten einen sehr interessanten Hinweis: Einige der früheren Propheten und ihre Anhänger verdrehten willkürlich die Worte Allahs und stellten ihre Verfälschungen als Gebote und Taten Allahs selbst dar; damit versuchten sie immer wieder, die Menschen in die Irre zu führen. Zweifellos taten sie dies absichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits sind die koranischen Zeugnisse eine heilige Bestätigung der universellen Wahrheit: Die Ausleger des Korans und der Sunna stammen nicht aus dem Geschlecht der Engel; da sie Menschen sind, waren und sind sie nicht vor Verständnislücken und Ungenauigkeiten in der Auslegung sicher. Eben das gilt auch für ihr spirituelles Bild, das ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ebendieses menschlichen Faktors ist. (Vergleichen Sie dies mit den Worten und Taten derer, die im Koran als „Heuchler“ dargestellt werden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne ist der Muslim gewissermaßen ein Spiegelbild der Reife der spirituellen Kultur seiner Gesellschaft. Angesichts all dieser allgemeinen Argumente und Überlegungen muss man sich fragen: Womit genau steht die Feier des Nawruz im Widerspruch? Mit den Vorschriften des Islam im Allgemeinen? Oder mit der Auslegung und Interpretation einzelner koranischer Vorschriften? Oder vielleicht mit bestimmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwas</a>, die einige muslimische Rechtsgelehrte oder Gelehrte unter bestimmten Umständen oder in Bezug auf eine bestimmte Frage verfasst oder schriftlich geäußert haben?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kein einheitlicher Ansatz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Überlegung ist im Endeffekt, dass es keinen einheitlichen, allumfassenden, grundlegenden islamischen Ansatz zum Nawruz-Fest gibt, den alle Denkschulen, Sekten oder Rechtsschulen (zumindest im Rahmen des geistigen Bereichs der beiden wichtigsten islamischen Denkschulen) als universelle Wahrheit anerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Quelle der heutigen Protesten gegen Nawruz-Feierlichkeiten sind die religiösen Schriften von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Ghaz%C4%81l%C4%AB">al´-Ghazali</a>, einer der einflussreichsten sunnitischen Gelehrten. In der Geschichte der islamischen Wissenschaft ist al´-Ghazali nicht nur als Autor einer Reihe grundlegender Werke: Der Imam verfügte zudem über ein seltenes kritisches Denken, das sich durch Scharfsinn und Einsicht auszeichnete. So suchte Ghazali beispielsweise in seinem berühmten Werk „Tahafut al-Falasifa“ Spuren von Gotteslästerung und Ketzerei in den Gedanken und Taten seiner Vorgänger und Zeitgenossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den prominenten Denkern, die der Imam scharf kritisierte und verurteilte, gehörte auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">Ibn Sina</a>: Ghazali verurteilte nicht nur seine Werke, sondern auch seinen Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/avicenna-filmische-biografie-eines-grossen-gelehrten/"><strong>Avicenna – Filmische Biografie eines großen Gelehrten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Imame stammten zwar selbst von den Tadschiken aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Khorasan</a> ab; an manchen Orten lehnten sie jedoch systematisch und sogar fanatisch die wichtigsten Teile des kostbaren Erbes ihrer Vorfahren ab, insbesondere jene, die heute als Perlen der tadschikischen und iranischen Kultur gelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So forderte Ghazali in seinem Buch „Die Alchemie des Glücks“ von den Muslimen, insbesondere von der persischsprachigen Gemeinschaft, die Namen und Symbole zweier alter tadschikischer und iranischer Feste – Nawruz und Sada – aus dem Gedächtnis zu löschen: <em>„Das Verwenden von Parolen der Verstorbenen ist verboten und widerspricht dem Gesetz … Nawruz und Sada müssen ausgelöscht werden und niemand darf sie erwähnen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wechselten die Imame vom Bereich der Moral direkt in den Bereich der militanten Ideologie. Ihr Hauptziel war es, die Feierlichkeiten der vorislamischen Feste der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAdscham">Adscham</a> aus Sicht des (vermeintlich) rechtschaffenen Islam offiziell zu verbieten.“</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Akbar Tursun für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/27/iranskie-vlasti-zayavili-o-mobilizaczii-svyshe-odnogo-milliona-rezervistov/"><strong>Russischen</strong></a><strong> (und gekürzt) von Giulia Manca</strong></p>



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		<item>
		<title>Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rferl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 07:22:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
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		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tausende von Zentralasiat:innen erhalten Einreiseverbote nach Russland, nachdem sie ihre Heimatl&#xE4;nder besucht haben. Sie f&#xFC;hren dies auf ihre Religion zur&#xFC;ck. Die russischen Beh&#xF6;rden s&#xE4;hen in praktizierenden Muslimen pauschal eine Gefahr. &#x201E;Wir wurden gezwungen, das Kopftuch abzunehmen.&#x201C; Die Kirgistanerin Adschar (Name ge&#xE4;ndert) kehrte im vergangenen Jahr in ihre Heimat zur&#xFC;ck, nachdem sie zehn Jahre in Russland [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Tausende von Zentralasiat:innen erhalten Einreiseverbote nach Russland, nachdem sie ihre Heimatländer besucht haben. Sie führen dies auf ihre Religion zurück. Die russischen Behörden sähen in praktizierenden Muslimen pauschal eine Gefahr.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Wir wurden gezwungen, das Kopftuch abzunehmen.“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kirgistanerin Adschar (Name geändert) kehrte im vergangenen Jahr in ihre Heimat zurück, nachdem sie zehn Jahre in Russland gearbeitet hatte. Sie trägt aus religiösen Gründen ein Kopftuch. Während ihrer Zeit in Russland war ihr Aussehen des Öfteren Anlass für Polizeikontrollen, erinnert sich Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich einmal von der Arbeit nach Hause ging, wurde ich in der Metro von Polizisten herausgezogen. Sie kontrollierten mein Handy. Darauf hatte ich Fotos von Hidschab tragenden Frauen sowie von mir. Ich wurde auf das örtliche Polizeirevier gebracht. Dort wurden andere und ich eingeschüchtert, indem uns mit der Ausweisung aus Russland gedroht wurde. Uns wurde alles Geld, das wir bei uns hatten, abgenommen. Man nannte uns eine Kontoverbindung und sagte uns: „Überweist hier das Geld hin“. Dann wurden uns Pässe und Dokumente abgenommen und wir wurden zum Geldautomaten geschickt. Die, die kein Geld hatten, liehen sich welches von Bekannten. Wir überwiesen es und brachten die Quittungen zu den Polizisten. Neben mir ist das noch weiteren Frauen aus Kirgistan passiert“, erzählt Adschar.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Auch am Arbeitsplatz wurde wegen des Kopftuchs Druck ausgeübt, berichtet Adschar. Die Kirgistanerin war in einer Konditorei angestellt. Die Chefs drohten, den Lohn nicht zu bezahlen und sie zu entlassen, wenn sie das Kopftuch nicht abnehme. „Ich habe das Kopftuch damals abgenommen und bereue es jetzt“, sagt Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ihre Verwandte, ebenfalls praktizierende Muslime, seien diskriminiert worden. Ihrem Onkel wurde die Einreise am Flughafen untersagt und er wurde zurückgeschickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er wurde am Flughafen in Gewahrsam genommen und sein Handy wurde durchsucht. Dabei fanden sie Videoaufnahmen des bedeutenden kirgisischen Predigers Tschubak adschy Dschalilov. Aus diesem Grund und wegen seines langen Bartes haben sie ihn abgeschoben. Für meinen Onkel war das nicht angenehm, er hat sich große Sorgen gemacht. In Moskau kann man mehr Geld verdienen als zu Hause in Kirgistan“, erzählt Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-und-kirgistan-mit-unterschiedlichen-reaktionen-auf-verschaerfte-lage-von-arbeitsmigrantinnen-in-russland/">Tadschikistan und Kirgistan mit unterschiedlichen Reaktionen auf verschärfte Lage von Arbeitsmigrant:innen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Russland hat die Islamophobie seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall bei Moskau 2024 zugenommen. Die Behörden machen Tadschiken für den blutigen Anschlag verantwortlich, die der IS-Untergruppe „Wilajat Korosan“ angehören sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Anschlag begannen die Sicherheitsbehörden Razzien in Unternehmen und Hostels, wo Arbeitsmigrant:innen aus Zentralasien arbeiten und leben. Verhaftungen wurden unter Gewaltanwendung und Erniedrigungen vollzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben eine Umfrage zur Diskriminierung und Rechtsverletzungen gegenüber Migranten durchgeführt. An ihr nahmen ca. 200 Menschen teil. 80 Prozent von ihnen gaben an, mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert worden zu sein. Dabei geht es um gängige russische Beleidigungen gegenüber Zentralasiaten, z.B. <em>tschurka</em> und <em>tschornyj</em> (letzteres bedeutet so viel wie <em>Schwarzer</em> – Anm. d. Übers.), Vorwürfe wie „Ihr sprecht kein Russisch“ und eine generelle Behandlung als Mensch zweiter Klasse. Solche Verunglimpfungen sind ein offenes Geheimnis. So etwas gab es auch früher schon, aber in letzter Zeit hat es besonders zugenommen“, berichtet Rachat Scheraly, Mitarbeiter einer Stiftung, die sich für die Rechte von zentralasiatischen Arbeitsmigrant:innen in Russland einsetzt. Er unterstreicht, dass insbesondere offen religiöse Migrant:innen Druck ausgesetzt seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Viele mussten ihre Bärte abschneiden“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eldijar Esenbek uulu hat zwölf Jahre in Russland gearbeitet. Bei jeder Einreise sei er am Flughafen zu seinen religiösen Überzeugungen befragt worden, so der Kirgistaner.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du bei der Passkontrolle an der Reihe bist, sagen sie: „Warten Sie bitte“, dann kommen Beamten in Uniform. Sie werden nicht handgreiflich, aber sie bringen einen in einen gesonderten Raum und stellen unterschiedliche Fragen: „Hörst du die Predigten von Tschubak adschy?“, „Welchem Maddhab (Strömung im Islam – Anm. d. Übers.) gehörst du an?“. Ich habe gesagt, dass ich Hanafit bin. Da haben sie mir das Wort verdreht und gefragt „Seid ihr nicht Terroristen?“. Manchmal wurde ich zwei oder drei Stunden festgehalten. Es kamen verschiedene Beamten, die immer die gleichen Fragen stellten. Am Ende ließen sie mich gehen. Ich gewöhnte mich daran“, so erzählt Eldijar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren habe der Druck zugenommen, berichtet er. Die Sicherheitsbehörden suchten Moscheen und Gebeträume von Migrant:innen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiatische-arbeitende-nach-streik-in-russland-entlassen/">Zentralasiatische Arbeitende nach Streik in Russland entlassen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da gab es so eine Datscha in der Stadt Ljuberzy bei Moskau. Kirgisen und Usbeken sind da zum Freitagsgebet hingegangen. Als wir einmal da waren, wurde das Gelände von maskierten Polizisten mit Sturmgewehren umstellt. Alle mussten sich in einer Reihe aufstellen. Russländische Staatsbürger wurden abgeführt und von den Bürgern der anderen GUS-Staaten separiert. Ich sagte damals einem Moscheediener, dass meine Dokumente nicht in Ordnung seien, und er brachte mich durch den Hintereingang raus“, erzählt er weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2023 wurde Eldijar verhaftet und ins Migrationszentrum nach Sacharowo bei Moskau gebracht. Dort verbrachte er 29 Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gefängnis. In einer Zelle sind 10 bis 15 Personen. Essen geben sie nicht ausreichend, es wird grammweise abgewogen. Essen von Verwandten wird nicht angenommen. Da gibt es lange Zellenblöcke. In einem Block sind 300 bis 400 Personen untergebracht. Nach draußen führen sie einen für eine Stunde am Tag. Als wir dort einsaßen, hörten wir von einer Kirgisin, die dort eine Fehlgeburt hatte. Sie wurde nicht ins Krankenhaus gebracht. Man wird dort sehr grob behandelt, beschimpft und geschlagen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er gibt an, dass er sich in Sacharowo den Bart abrasieren musste: „Dort wurde vielen der Bart abrasiert. Ich habe gesehen, wie sie sie geschlagen haben und die meisten haben Angst bekommen und ihn sich selbst abgeschnitten. Wir wurden tagelang kameraüberwacht.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Ich wurde zur unerwünschten Person erklärt“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Luisa kam das erste Mal mit 15 Jahren nach Russland. Als sie älter wurde, heiratete sie dort und bekam Kinder. Sie war gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Familie ausgewandert und reiste ab und an nach Kirgistan. Als sie 2023 von Bischkek aus nach Russland flog, wurde ihr am Flughafen mitgeteilt, dass gegen sie ein lebenslanges Einreiseverbot verhängt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/auf-der-flucht-kirgisische-gastarbeiter-in-russland/">Auf der Flucht – Kirgisische Gastarbeiter in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich wurde zur unerwünschten Person erklärt. Den Grund nannten sie nicht. Ich war gemeldet und hatte keine Vorstrafen. Als sie mir sagten, dass ich ein lebenslanges Einreiseverbot hätte, war ich wie gelähmt“, erzählt Luisa. „Ich las das Dokument wieder und wieder durch. Um mich herum waren andere Leute in der gleichen Situation wie ich. Sie haben geweint. Als ich sie gesehen habe, habe ich meine Kräfte zusammengenommen, mich beruhigt und mir gesagt, dass ich jetzt in mein eigenes Land Kirgistan zurückfahre. Warum sollte ich weinen. Aber damals schien es mir so, als sei mein Leben plötzlich stehen geblieben“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-arbeitsgenehmigungen-fuer-migrantinnen-in-russland-koennten-bald-deutlich-teurer-werden/">Die Arbeitsgenehmigungen für Migrant:innen in Russland könnten bald deutlich teurer werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Familienmitglieder standen nicht auf der Liste. Nur Luisa wurde abgeschoben. Ihrem Mann, ihren Eltern und ihrer Tochter wurden keine Beschränkungen auferlegt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Manche sagten, dass sei wegen religiöser Videos. Wir wurden dort kontrolliert und befragt. Ich habe alle Videos gelöscht. Vielleicht war es, weil ich sie erst vor kurzem gelöscht hatte. Vielleicht war der Grund auch ein anderer, ich weiß es nicht. Man bekommt den Grund nicht genannt. Da waren noch zwei oder drei andere mit mir. Denen haben sie fünf oder zehn Jahre Einreiseverbot gegeben. Lebenslang nur mir“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause in Kirgistan hat Luisa sich ein kleines Geschäft aufgebaut und verkauft Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heute bin ich der Meinung, dass das ein Geschenk Gottes war. Uns wurde eine Tür versperrt und eine neue geöffnet. Jetzt habe ich ein Geschäft, wenn auch kein großes, aber ich habe es. Davon leben wir jetzt“, fasst sie zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Beschränkungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Russland hat seine Einwanderungsgesetze 2024 und 2025 verschärft. Seit Februar 2025 gibt es ein Register, in dem das Innenministerium Ausländer:innen vermerkt, die gegen die Einwanderungsgesetze verstoßen und somit ihr Aufenthaltsrecht verloren haben. Wenn man in dem Register landet, darf man automatisch nicht mehr arbeiten und keine Immobilienverträge mehr abschließen, keine Ehe mehr schließen, kein Konto mehr eröffnen, keinen Führerschein mehr erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt raten wir Menschen, die nach Russland ausreisen wollen, vorher ihre Telefone „zu säubern“, d. h. alle Telegramkanäle und Chats bei Whatsapp zu löschen und Accounts bei Instagram auf religiöse Inhalte hin zu überprüfen und solchen zu entfolgen. „Kontrolliert alles noch einmal, bevor ihr nach Russland fahrt.“ In Russland gibt es immer mehr Razzien und wenn auf einem Handy irgendeine religiöse Chatgruppe gefunden wird, wird die betroffene Person sofort in Gewahrsam genommen“, berichtet Rachat Scheraly.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/mehr-russische-paesse-weniger-arbeitsmigrantinnen-zentralasiatische-migration-nach-russland-im-jahr-2020/">Mehr russische Pässe, weniger ArbeitsmigrantInnen: Zentralasiatische Migration nach Russland im Jahr 2020</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daten des kirgistanischen Arbeitsministeriums zufolge lebten im Dezember 2025 fast 800.000 Kirgistaner:innen im Ausland (was ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2020 darstellt, als mehr als eine Million im Ausland arbeiteten). Mit 341.000 ist die Gruppe in Russland die größte. Jedoch arbeiten immer weniger Kirgistaner:innen dort. So lebten dort Ende 2025 37.000 weniger als noch zu Beginn des Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verschärfung der russländischen Einwanderungspolitik geht währenddessen unvermindert weiter. Im Februar 2026 wurde ein Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht, nachdem es in Zukunft verboten sein soll, in Mehrfamilienhäusern und nicht dafür ausdrücklich vorgesehenen Nicht-Wohnhäusern, Gebete und andere religiöse Zeremonien abzuhalten. In der Wohnung „den eigenen Glauben praktizieren“ dürfen nur dort gemeldete Personen. Die Initiator:innen, 67 Abgeordnete, begründen ihren Vorschlag damit, dass Gebete in Mehrfamilienhäusern „die Rechte und gesetzlich verankerten Interessen der Nachbarn stören“. Der stellvertretende Parlamentssprecher Pjotr Tolstoj erklärte zudem, dass Mehrfamilienhäuser ein „Ort der Ruhe“ seien.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyk Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Hauptsache, es ist ein Sohn: Über Familien in Tadschikistan, die ausschließlich Töchter haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 21:10:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan, wie auch in ganz Zentralasien, ist die Geburt von S&#xF6;hnen ein Grund zum Stolz, ein Zeichen f&#xFC;r Reichtum und eine sorgenfreie Altersvorsorge der Eltern. Bei der Geburt eines Jungen wird in der Familie ein gro&#xDF;es Fest gefeiert. Wenn jedoch T&#xF6;chter geboren werden, kann dies f&#xFC;r die Mutter zu Vorw&#xFC;rfen und Anschuldigungen f&#xFC;hren, sie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan, wie auch in ganz Zentralasien, ist die Geburt von Söhnen ein Grund zum Stolz, ein Zeichen für Reichtum und eine sorgenfreie Altersvorsorge der Eltern. Bei der Geburt eines Jungen wird in der Familie ein großes Fest gefeiert. Wenn jedoch Töchter geboren werden, kann dies für die Mutter zu Vorwürfen und Anschuldigungen führen, sie sei minderwertig und unzulänglich. Wie es ist, als Mädchen in eine tadschikische Familie geboren zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> erinnert sich an ihre Kindheit nur als einen Albtraum voller Demütigungen, Tränen, Angst und Liebesentzug. Und das alles nur, weil sie als Mädchen geboren wurde. Sie wuchs als Älteste in einer Familie mit insgesamt vier Töchtern auf. Ihr Vater träumte immer von einem Sohn als Erben, und als wieder eine Tochter geboren wurde, wurde Nosanins Mutter beschuldigt, unzulänglich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Die Beziehung zwischen meinem Vater und meiner Mutter begann sich zu verschlechtern, als meine zweite Schwester geboren wurde“</em>, erzählt Nosanin. <em>„Mein Vater wünschte sich sehnlichst einen Sohn und hatte schon im Voraus einen Namen für einen Jungen ausgesucht. Aber dann wurde das dritte Kind geboren, und wieder war es ein Mädchen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie er meine Mutter nur deshalb erniedrigte, weil sie nur Töchter zur Welt brachte.&#8220;</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nosanin hat in ihrer Kindheit keine väterliche Liebe erfahren. <em>„Wäre sie als Junge geboren worden, hätte sie wie ein Prinz gelebt“</em>, rechtfertigte ihr Vater oft seine Haltung gegenüber seinen Kindern. Von Verwöhnung konnte keine Rede sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin war bereits erwachsen, als ihre Eltern begannen, ein viertes Kind zu planen. Astrologen, Heiler, Mullahs – sie wandten sich an alle möglichen Leute. Ein gesundes Kind kam zur Welt, aber wieder war es ein Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als meine vierte Schwester geboren wurde, war das einfach schrecklich. Wir hatten Angst, unserem Vater zu begegnen und ein falsches Wort zu sagen“</em>, erzählt Nosanin mit zitternder Stimme, wenn sie sich an diese unangenehmen Erinnerungen zurückerinnert. <em>„Papa wollte nichts von seiner jüngsten Tochter wissen. In den ersten sechs Monaten hat er sie nicht einmal angesehen. In diesen sechs Monaten wuchs sie ohne Namen auf, da ihre Eltern bereits einen Namen für einen Sohn ausgewählt hatten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/miss-world-2025-vertreterin-kirgistans-prangert-gewalt-gegen-frauen-an/">Miss World 2025: Vertreterin Kirgistans prangert Gewalt gegen Frauen an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Skandale in der Familie nahmen zu. Nach der Arbeit kam der Vater wütend nach Hause und stritt sich mit der Mutter. Nosanin und ihre Schwestern lebten ständig in Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Viele Leute in der Stadt kannten meinen Vater. Deshalb war er sehr abhängig von der Gesellschaft und der Meinung seiner Freunde“</em>, sagt Nozanin. <em>„Wenn sie sich trafen, prahlten seine Freunde mit ihren Söhnen und fragten jedes Mal, wann er endlich einen Erben bekommen würde.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beeinflusst von der Meinung anderer ließ mein Vater seine ganze Wut und Hilflosigkeit an meiner Mutter und mir aus. <em>„Das sind deine Töchter, nicht meine“</em>, wiederholte er seiner Frau gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Worte schmerzen Nosanin noch heute im Herzen. Und dann ist da noch dieses schreckliche Gefühl der Leere, wenn man nicht geliebt wird, nur weil man als Mädchen geboren wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Zuhause arbeiteten wir wie Sklaven&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Kind fragte Nosanin ihre Mutter oft, warum sie alles ertrage und weiterhin mit einem Mann zusammenlebe, der seine Töchter nicht anerkenne und sie als fremd bezeichne. Aber ihrer Mutter fehlte die Willenskraft, und ihre Zuversicht und Entschlossenheit waren durch Demütigungen und Beleidigungen endgültig zermürbt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise wollte sie nicht mit dem Stigma einer alleinerziehenden Mutter leben und fürchtete die Verurteilung durch die Gesellschaft. Damit der Vater nicht schimpfte, bat die Mutter ihre Töchter immer, ihm zu helfen und so die Söhne zu ersetzen. Aber egal, wie sehr sich die Mädchen auch bemühten, alles war vergeblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zu Hause arbeiteten wir wie Sklaven, um wenigstens ein gutes Wort von unserem Vater zu verdienen“</em>, erzählt Nosanin. <em>„Und wenn ich das Haus verließ, setzte ich eine Maske auf, die mich als glückliches und sorgloses Mädchen zeigte, das in elterlicher Liebe badete. Niemand wusste, was in meiner Seele vorging, wenn ich lächelte. Äußerlich gepflegt, mit perfekter Maniküre, hätte niemand gedacht, dass meine Hände die schmutzigste Männerarbeit verrichten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/social-media-trend-in-tadschikistan-wie-frauen-gegen-stereotype-kaempfen/">Social Media Trend in Tadschikistan: Wie Frauen gegen Stereotype kämpfen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie die Schule mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, träumte Nosanin davon, an die Universität zu gehen. Aber ihr Vater war dagegen – es gebe genug Arbeit im Haushalt, und die zusätzlichen Kosten seien unnötig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Verlass dich nicht auf mich“</em>, entgegnete der Vater auf die erneute Bitte seiner Tochter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Ablehnung ihres Vaters hielt das Mädchen nicht auf. Nosanin schrieb sich dennoch an der Universität ein, arbeitete nebenbei und finanzierte ihr Studium selbst. Ihr Vater wusste, dass seine Tochter sich selbst eingeschrieben hatte, interessierte sich aber nicht dafür, wo und für welchen Studiengang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„So habe ich gelernt, mich nur auf mich selbst zu verlassen. Als ich an der Universität gefragt wurde, wer mein Vater ist und was er beruflich macht, sagte ich allen, dass er Testpilot ist und vermisst wird. Von allen vier Schwestern haben nur ich und meine jüngste Schwester versucht, einen Hochschulabschluss zu machen&#8220;</em>, erzählt sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kindheitstrauma für ein ganzes Leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Erwachsene und verheiratete Frau hatte Nosanin Angst, das Schicksal ihrer Mutter zu wiederholen. Die Angst vor der Geburt einer Tochter war so stark in ihrem Bewusstsein verankert, dass sie ihre gesamte Schwangerschaft nicht in freudiger Erwartung ihres ersten Kindes verbrachte, sondern mit Bildern aus ihrer Kindheit und ihrem streitsüchtigen Vater, die immer wieder in ihrem Gedächtnis auftauchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatte das Gefühl, dass alle um sie herum erwarteten, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde. Aber sie gebar eine Tochter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Die zweite Schwangerschaft war von starker Übelkeit begleitet, und aus heiterem Himmel stieg plötzlich meine Temperatur. Meine Ängste wurden immer stärker, es war unerträglich. Ich hielt es nicht mehr aus und ließ eine Ultraschalluntersuchung machen – man sagte mir, es würde ein Junge werden. Sie werden es nicht glauben, aber danach verschwanden die Übelkeit, das Unwohlsein und die Temperatur wie von Zauberhand. Ich habe verstanden, dass unsere Ängste sich direkt auf den Körper auswirken und einen Selbstzerstörungsprozess in Gang setzen“</em>, erzählt Nosanin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kindheitstrauma und Erinnerungen lassen die junge Frau nie los. Und obwohl sie bereits eine eigene Familie und Kinder hat, ist das Gefühl der Liebesentbehrung immer präsent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eigentlich träume ich gar nicht von materiellem Reichtum. Das Wertvollste für mich ist das Gefühl, dass man dich nicht wegen etwas liebt, sondern trotz etwas. Einfach dafür, dass du auf dieser Welt bist“</em>, sagt sie. Heute ist Nosanin eine erfolgreiche junge Frau, aber das sei allein ihr Verdienst. Seit ihrer Kindheit ist sie es gewohnt, sich nur auf sich selbst zu verlassen, und hat ohne die Unterstützung ihrer Eltern viel erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweifellos ist das ein Grund zum Stolz, aber es schmerzt die junge Frau bis heute, zu wissen, dass die Demütigungen, die sie in ihrer Kindheit erdulden musste, nur darauf zurückzuführen sind, dass sie nicht als Junge geboren wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin erzählt: <em>&#8222;Jetzt unterstütze ich meine Eltern sowohl physisch als auch finanziell. Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen, und ich bin ihnen dankbar, dass sie mir das Leben geschenkt haben. Oft höre ich jetzt von meinem Vater, dass ich besser bin als zehn Söhne. Diese Worte machen es mir jedoch nicht leichter, sondern im Gegenteil, sie tun mir noch mehr weh. Seit meiner Kindheit sehnte ich mich nach der Liebe meines Vaters, träumte davon, dass er mich umarmt und mir sagt, wie sehr er mich liebt und auf mich stolz ist. Aber in meinen Erinnerungen gibt es keine solchen schönen Momente.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/arbeitslosigkeit-armut-und-missbrauch-das-leben-der-frauen-in-den-entlegenen-gebieten-tadschikistans/">Arbeitslosigkeit, Armut und Missbrauch: Das Leben der Frauen in den entlegenen Gebieten Tadschikistans</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin ist der Meinung, dass diese tief verwurzelten Stereotypen der Gesellschaft die Rechte von Mädchen von Kindheit an beeinträchtigen. Infolgedessen wachsen sie mit einem geringen Selbstwertgefühl und einer traumatisierten Psyche auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Es steht uns nicht zu, zu entscheiden, wer auf die Welt kommt. Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes, das leider nicht allen zuteilwird. Viel wichtiger ist, zu welchem Menschen das Kind heranwächst und ob es seinen Eltern im Alter eine Stütze sein wird. Die unsinnigen ungeschriebenen Gesetze unserer Gesellschaft, dass in einer Familie unbedingt ein Junge geboren werden muss, zerstören Familien und machen Kinder unglücklich. So kommt es, dass manche Frauen so lange gebären, bis sie einen Jungen bekommen, um ihrem Mann zu gefallen, der einen Erben braucht. Dabei spielt es keine Rolle, was die Frau dabei empfindet&#8220;</em>, so Nosanin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie selbst erklärt ihren Kindern, dass die Meinung der Gesellschaft niemals an erster Stelle stehen sollte. Sie versucht, ihnen das zu geben, was ihr in ihrer Kindheit so sehr gefehlt hat. Denn alles, was einem Kind in Erinnerung bleibt, ist die Liebe und Fürsorge seiner Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, wofür Nosanin ihren Eltern dankbar ist, ist ihre Selbstständigkeit, Entschlossenheit und ihr Mut. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt sie es auch um, egal was es sie kostet. Ihren männlichen Charakter verbirgt sie hinter einem femininen, gepflegten Äußeren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nosanin gibt zu, dass viele sie für eine verwöhnte „Weißhand“ [leicht spöttischer Begriff für eine nicht körperlich arbeitende Person, Anm. d. Übers.] halten, aber nur wenige wissen, was sie diese Verschleierung kostet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vorzüge von Töchtern im Islam</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Nachrichten aus Zentralasien liest man immer wieder von Aufsehen erregenden Selbstmordfällen von Frauen – sie haben sich vor einen Zug geworfen, sind von einer Brücke in einen Fluss gesprungen oder haben sich erhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im März dieses Jahres erschütterte der Selbstmord einer jungen Frau in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Navoiy">Navoiy</a>&nbsp;in Usbekistan die Öffentlichkeit. Sie versuchte, sich zusammen mit ihren drei Kindern vor einen Zug zu werfen. Es stellte sich heraus, dass der Grund für den Selbstmord ein Konflikt mit ihrem Ehemann war, der ihr vorwarf, dass sie ihm keinen Sohn gebären könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Gesellschaften Zentralasiens gilt es bis heute als selbstverständlich, dass ein Sohn besser ist als eine Tochter. Diese Stereotypen reichen weit in die Vergangenheit zurück, als Väter gemäß einem grausamen Brauch ihre neugeborenen Töchter beseitigten, indem sie sie lebendig begruben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glücklicherweise sind diese vorislamischen Zeiten (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsch%C4%81hil%C4%ABya">Dschahiliya</a>) längst vorbei. Der Islam, der die Unwissenheit abgelöst hat, verkündete, dass eine Tochter ebenso wie ein Sohn ein Segen Gottes ist. Davon zeugen zahlreiche <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>, die von den unzähligen Segnungen für diejenigen berichten, die Töchter großziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdulvohid Chimidow, Experte für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a>-Verwaltung beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_der_H%C3%B6chsten_Religionsgelehrten">Rat der Ulemas</a> von Tadschikistan, führte mehrere Hadithe als Beispiele an. In einem davon wird erwähnt, dass Gott diejenigen ins Paradies aufnehmen wird, die Töchter haben und ihnen keinen Schaden zufügen, sie nicht erniedrigen und sie nicht ihren Söhnen vorziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chimidow betont die Bedeutung der Erziehung von Mädchen, da sie die zukünftigen Mütter sind, die Helden und Gestalter der Geschichte zur Welt bringen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Alija Chamidullina für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20250425/eto-tvoi-docheri-ne-moi-kak-zhivut-tadzhikskie-mnogodetnie-semi-v-kotorih-rodilis-tolko-devochki">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Mosaike in Shohizinda</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Feb 2025 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Mosaike]]></category>
		<category><![CDATA[Muslime]]></category>
		<category><![CDATA[Samarkand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Islam ist es normalerweise verp&#xF6;nt, Lebewesen oder Menschen in Kunstwerken abzubilden. Die Mosaike von Shohizinda in Samarkand, Usbekistan, stellen Symbole dar, die f&#xFC;r die muslimische Religion von Bedeutung sind. Photo : Ashley und Quentin (Frankreich, https://www.enselle.voyage)</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Islam ist es normalerweise verpönt, Lebewesen oder Menschen in Kunstwerken abzubilden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mosaike von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shohizinda"><strong>Shohizinda</strong></a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand"><strong>Samarkand</strong></a>, Usbekistan, stellen Symbole dar, die für die muslimische Religion von Bedeutung sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Photo : Ashley und Quentin</strong> (Frankreich, <strong>https://www.enselle.voyage</strong>)</p>


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		<title>Das majestätische Minarett von Vobkent, ein Zeuge der usbekischen Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jan 2025 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Minarett]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Vobkent]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Minarett von Vobkent, gelegen in der Buchara Region in Usbekistan, ist ein Meisterwerk islamischer Architektur aus dem Jahr 1198. Es ist 40 Meter hoch, obwohl ein Teil davon im Boden vergraben ist. Aus Terrakottaziegeln, Holz, Steinen und Gips erbaut, erhebt es sich mit seinen geometrischen Mustern und t&#xFC;rkisfarbenen Mosaikverzierungen am oberen Teil. Dieses ikonische [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Minarett">Minarett</a></strong> von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vobkent">Vobkent</a></strong>, gelegen in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Buxoro"><strong>Buchara Region</strong></a> in Usbekistan, ist ein Meisterwerk islamischer Architektur aus dem Jahr 1198. Es ist 40 Meter hoch, obwohl ein Teil davon im Boden vergraben ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Terrakottaziegeln, Holz, Steinen und Gips erbaut, erhebt es sich mit seinen geometrischen Mustern und türkisfarbenen Mosaikverzierungen am oberen Teil. Dieses ikonische Bauwerk diente einst sowohl als Orientierungspunkt für Reisende als auch als Gebetsruf. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute steht es als Zeugnis des goldenen Zeitalters Zentralasiens und fasziniert Besucher mit seiner schlanken Silhouette und zeitlosen Eleganz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto : Michèle Sibille Bossard</strong> (Frankreich)</p>


<p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>„Jetzt darf ich das Kopftuch wie eine traditionelle Tadschikin tragen“ – Drei Geschichten von Frauen in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Sep 2024 18:25:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Hidschab]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tadschikistan hat im Juni das Tragen von &#x201E;der tadschikischen Kultur fremder Kleidung&#x201C; verboten. Dies betrifft insbesondere islamische Kleidung wie den Hidschab. Die Entscheidung f&#xFC;hrte zu Debatten dar&#xFC;ber, ob die Ma&#xDF;nahme die Situation f&#xFC;r Frauen verschlechtern oder verbessern k&#xF6;nne. Asia Plus erz&#xE4;hlt hier die Geschichten dreier Frauen, die den Hidschab unfreiwillig trugen und nun froh &#xFC;ber [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan hat im Juni das Tragen von „der tadschikischen Kultur fremder Kleidung“ verboten. Dies betrifft insbesondere islamische Kleidung wie den Hidschab. Die Entscheidung führte zu Debatten darüber, ob die Maßnahme die Situation für Frauen verschlechtern oder verbessern könne. <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20240625/teper-ya-mogu-nosit-platok-kak-traditsionnaya-tadzhichka-tri-istorii-zhentshin-tadzhikistana">Asia Plus</a> erzählt hier die Geschichten dreier Frauen, die den Hidschab unfreiwillig trugen und nun froh über das neue Gesetz sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das neue Gesetz sorgte sofort für hitzige Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Einige halten es für übertrieben bzw. kontraproduktiv, da es das Risiko berge Frauen aus traditionellen Familien noch weiter zu isolieren: In öffentlichen Einrichtungen ist das Tragen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidsch%C4%81b">Hidschabs</a> schon seit einigen <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-mit-hidschab-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/">Jahren verboten</a>, weshalb einige Familien beispielsweise den Schulbesuch nur bis zur obligatorischen 9. Klasse erlauben. Manche Frauen sehen sich aus demselben Grund auch gezwungen ihre Arbeit aufzugeben. (Anm. d.Ü.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere hingegen begrüßen das Gesetz als Chance für diejenigen Frauen, die bislang durch männliche Familienmitglieder zum Tragen des Hidschabs gezwungen wurden und sich nun besser dagegen wenden könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-mit-hidschab-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/">Wie Frauen mit Hidschab in Tadschikistan diskriminiert werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn unterschiedliche Meinungen existieren, sprechen sich nur wenige offen für das Gesetz aus. Möglicherweise trauen sich Befürworter:innen aber auch nicht an die Öffentlichkeit, aus Angst davor, von der &nbsp;der Gesellschaft verurteilt zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier sind drei Geschichten von Frauen, die von dem Gesetz profitieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lola</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Lola ist 29 Jahre alt. Schon immer bevorzugte sie europäische Kleidung und war überzeugt, dass man Spiritualität nicht durch äußere Merkmale definieren sollte. Nach ihrer Heirat zwang ihr Mann sie jedoch, den Hidschab zu tragen. Das stellte Lola vor ein Problem: ihr Mann verlangte von ihr das Kopftuch zu tragen, aber das durfte sie weder an der Universität noch am Arbeitsplatz. Sie stand sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause unter Druck.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Als Tadschikistan das neue Gesetz verabschiedetet hatte, erlaubte ihr Mann ihr, die Regeln zu befolgen. Lola seufzt beruhigt, denn nun kann sie das locker sitzende tadschikische Kopftuch tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Jetzt kann ich das Kopftuch wie eine traditionelle tadschikische Frau tragen. Ich fühle mich freier und glücklicher. Ich bin froh, dass ich zu dem zurückkehren kann, was mir mehr liegt, und ich ganz ich selbst sein kann, ohne mich unter Druck gesetzt und beurteilt zu fühlen</em>“, erklärt die junge Frau.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zarnigor</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zarnigor ist das fünfte Kind in ihrer Familie: Sie hat zwei Brüder und zwei ältere Schwestern. In der Schule trugen sie und ihre Schwestern sowohl tadschikische als auch europäische Kleidung. Nach dem Schulabschluss bestanden ihre Brüder jedoch darauf, dass ihre Schwestern den Hidschab trugen.<br>Dabei hatten alle Mädchen der Familie eine höhere Schulbildung erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Nach dem Schulabschluss begann zuerst meine ältere Schwester, den Hidschab zu tragen, dann meine zweite Schwester und schließlich ich. Wir wollten es nicht, konnten uns aber unseren Brüdern nicht widersetzen, denn wir wussten, dass es zwecklos war, mit ihnen zu streiten – sie würden sowieso ihren Willen durchsetzen. Deshalb haben wir beim Betreten der Universität unser Kopftuch im tadschikischen Stil gebunden und beim Verlassen der Universität den Hidschab wieder angelegt. Das war sehr unangenehm</em>“, sagte Zarnigor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachbarn seien von der plötzlichen Veränderung ihres Aussehens überrascht gewesen, da die Schwestern zuvor nicht einmal das landestypische Kopftuch getragen hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Nachbarn schauten uns verwundert an, und einige Jungen, mit denen wir zusammen aufgewachsen sind und die wie Geschwister waren, trauten sich nicht einmal, mit uns zu sprechen. Aber mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt“,</em> erzählt die Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-in-tadschikistan-von-der-justiz-diskriminiert-werden/"><strong>Wie Frauen in Tadschikistan von der Justiz diskriminiert werden</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sind ihre beiden älteren Schwestern verheiratet, Zarnigor ist noch ledig. Alle arbeiten, und niemand behindert sie bei ihren beruflichen Aktivitäten.<br>Bei der Arbeit wurde Zarnigor allerdings mehrmals aufgefordert, das tadschikische Kopftuch zu tragen, und einmal wurde sie auf der Straße vom Frauenausschuss angehalten.<br>Vor kurzem besprach Zarnigor das Problem mit ihren Brüdern, und zu ihrer Überraschung, erlaubten sie ihr ohne Probleme, das Kopftuch auf tadschikische Art und Weise zu tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich war sehr überrascht, dass sie einen Kompromiss eingegangen sind, jetzt fühle ich mich viel wohler“, </em>sagt sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zumrad</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zumrad (Name geändert) ist Hausfrau. Als sie 60 Jahre alt wurde, verlangte ihr ältester Sohn von ihr, den Hidschab zu tragen. Zuvor hatte Zumrad immer ein großes Kopftuch getragen, dessen Ende sie über die Schulter gelegt hatte (diese Art, das Kopftuch zu binden, ist beispielweise im Iran sowie in manchen Regionen Afghanistans verbreitet, Anm.d.Ü.). Zunächst weigerte sich die Frau der Forderung ihres Sohnes nachzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich erklärte meinem Sohn, dass ich ein großes Tuch auf dem Kopf trage, was für mich bequem und gewohnt ist. Aber er sagte, ich solle den Hidschab tragen. Mehrmals gab es deswegen Meinungsverschiedenheiten im Haus. Schließlich stimmte ich zu. Er ging los und kaufte mir große Hijab-Schals. Ich trug sie, obwohl ich mich dabei unwohl fühlte“</em>, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verhalten ihres Sohnes hatte sich geändert, nachdem die Familie vom Dorf in die Stadt gezogen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wenn ich aber ins Dorf zurückkehrte, trug ich wieder das Kopftuch,</em> <em>nicht den Hidschab, denn meine Art, das Kopftuch zu tragen, unterscheidet sich meiner Meinung nach nicht sehr vom Hidschab. Aber es war einfacher und bequemer für mich, es auf diese Weise zu binden</em>“, sagte Zumrad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit gewöhnte sie sich an den Hidschab, aber damit ging sie nur selten in die Stadt und verbrachte mehr Zeit zu Hause.<br>Als sie einmal ihren Enkel vom Kindergarten abholen musste, hielt sie eine Gruppe von Frauen an:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>An diesem Tag trug ich einen schwarzen Hidschab, und diese Frauen baten mich, das Kopftuch nicht mehr so zu tragen. Sie schlugen mir vor, ein helles Kopftuch zu tragen und es auf tadschikische Weise zu binden, so wie wir es früher im Dorf taten</em>“, erzählt Zumrad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erzählte ihrem Sohn von der Begegnung, weil sie sich langsam wieder unsicher fühlte. Er antwortete: „<em>Es wird kein Problem sein, gehen Sie so (in Tadschikistan ist es üblich, Eltern zu siezen)</em>“. Zumrad weigerte sich jedoch und trägt nun das Kopftuch wieder so, wie sie sich wohlfühlt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20240625/teper-ya-mogu-nosit-platok-kak-traditsionnaya-tadzhichka-tri-istorii-zhentshin-tadzhikistana">Russischen</a> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Tadschikistan verbietet fremde Kleidung und einige religiöse Bräuche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Aug 2024 19:39:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Brauch]]></category>
		<category><![CDATA[Hochzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Kleidung]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Unterhaus des tadschikischen Parlaments hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den Brauch Idgardak &#x2013; Kinderfeste an den muslimischen Feiertagen Idi Ramadan (Zuckerfest) und Idi Qurbon (Opferfest) &#x2013; verbietet. Au&#xDF;erdem wird das Tragen von Kleidung verboten, die nicht der nationalen Kultur entspricht. Dar&#xFC;ber hinaus f&#xFC;hrte das Parlament neue Beschr&#xE4;nkungen f&#xFC;r Hochzeiten, Feiern und den Empfang von [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Unterhaus des tadschikischen Parlaments hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den Brauch Idgardak &#8211; Kinderfeste an den muslimischen Feiertagen Idi Ramadan (Zuckerfest) und Idi Qurbon (Opferfest) &#8211; verbietet. Außerdem wird das Tragen von Kleidung verboten, die nicht der nationalen Kultur entspricht. Darüber hinaus führte das Parlament neue Beschränkungen für Hochzeiten, Feiern und den Empfang von Pilgern ein.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über diese Änderungen und Ergänzungen des Gesetzes „Über die Regulierung von Traditionen und Riten“ beriet das Parlament am 8. Mai. Der Vorsitzende des Ausschusses für religiöse Angelegenheiten, Sulaimon Davlatzoda, erklärte den Abgeordneten, dass die neue Fassung nun den Anforderungen der Moderne entspräche.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Idgardak“ ist jetzt endgültig verboten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel des Verbots ist es, die Kinder angemessen zu erziehen und deren Sicherheit während des Idi Ramadan und des Idi Qurbon zu gewährleisten, heißt es in einer Veröffentlichung der Zeitung <a href="https://sadoimardum.tj/ma-lisi-ol/du-onuni-mill-dar-ta-riri-nav-abul-shud/">Sadoi Mardum</a>. Ausschweifungen und Verschwendung an diesen Tagen sowie das Verschenken von Süßigkeiten und anderen Geschenken sind nun verboten. Der Vorsitzende des Religionsausschusses sagte vor dem Parlament, dass der Idgardak-Brauch in anderen Ländern nicht existiere und auch in den heiligen Texten nicht erwähnt werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan gehen Kinder während des Zuckerfestes und der Qurban-Feiertage zu Verwandten und Nachbarn, um ihnen zu gratulieren und Geschenke zu erhalten. Auch Erwachsene ziehen den ganzen Tag lang von Haus zu Haus, sitzen eine Weile am jeweils üppigen Festmahl und gehen dann weiter zum nächsten Freund der Verwandten, wo das nächste Büffet wartet.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Zum ersten Mal haben die religiösen Autoritäten Tadschikistans im Jahr 2017 ihre Ablehnung gegenüber der Verschwendungssucht der Bürger zum Ausdruck gebracht. Schon damals erklärte der Gelehrtenrat des Islamischen Zentrums Tadschikistans, dass diese Traditionen in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithen</a> nicht erwähnt werden und für Kinder außerdem gefährlich seien: Sie gehen an unbekannte Orte und überqueren vielbefahrene Straßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits zuvor hatten die tadschikischen Behörden informell zu Beschränkungen für den Idgardak aufgerufen: So forderten Vertreter der Staatsanwaltschaft beispielsweise Eltern auf, ihre Kinder nicht zum Idgardak gehen zu lassen. In einigen Bildungseinrichtungen wurden von Eltern schriftliche Erklärungen eingeholt, dass sie dies nicht tun.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Beschränkungen für Hochzeiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sulaimon Davlatzoda, Vorsitzender des „Ausschusses für Religion, Ordnung der Traditionen, Feste und Riten“, erklärte im Parlament, dass Artikel 11 des Gesetzentwurfs die Frist für die kostenlose Beschneidung von Jungen in medizinischen Zentren von 20 Tagen auf einen Monat nach der Geburt des Kindes verlängert. &nbsp;Vorschriften für die Beschneidung zu „wohltätigen Zwecken“ wurden gestrichen, weil diese zum Familienritual geworden ist (was damit genau gemeint ist, ist noch nicht klar).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Artikel 12 des Gesetzentwurfs erlaubt, dass höchstens zwei Hochzeitsempfänge pro Trauung stattfinden, und verbietet andere mit der Hochzeit verbundene Veranstaltungen. Die Bürger werden ermutigt, das Geld für wohltätige Zwecke anstelle eines Buffets oder eines Hochzeitsessens auszugeben, zum Beispiel für die Reparatur von Straßen, die Verlegung von Wasserleitungen und den Bau sozialer Einrichtungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/verordnete-bescheidenheit-usbekistan-schraenkt-hochzeitsfeiern-ein/">Verordnete Bescheidenheit: Usbekistan schränkt Hochzeitsfeiern ein</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Davlatzoda sei es auch unangemessen, eine große Anzahl von Autos für die Begleitung des Brautpaares zu verwenden, so dass nun nicht mehr als vier kleine Autos erlaubt sind. Die Einwohner des Landes können jetzt außerdem Genehmigungen für die Registrierung von Hochzeiten und Beerdigungen auf elektronischem Wege erhalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Abholen von Pilgern ist nicht mehr erlaubt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Davlatzoda hat die Zahl der Pilger in den letzten Jahren zugenommen, und einige Bürger gehen beim Abholen und Begrüßen der Pilger nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haddsch">Hadsch</a> verschwenderisch vor. Daher erlaubt der Gesetzentwurf die Verabschiedung und Begrüßung von Hadsch- und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmra">Umrah</a>-Pilgern nur im Familienkreis. Dabei verbietet er beim Empfang der Pilger auch das Verteilen von Geschenken, die festliche Dekoration von Höfen, Straßen, Stadtvierteln und Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch den Pilgern stehe die Möglichkeit offen, sich anstelle der Feierlichkeiten an wohltätigen Aktivitäten zu beteiligen, wie an der Reparatur von Straßen, dem Bau von Wasserleitungen, dem Bau oder der Reparatur von sozialen Einrichtungen und Brücken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fremde Nationalkleidung wird verboten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Davlatzoda erklärte den Parlamentariern, dass nach dem Gesetzentwurf <em>„die Einfuhr, der Verkauf und die Propagierung von Kleidung, die der nationalen Kultur fremd ist, sowie das Tragen solcher Kleidung an öffentlichen Orten verboten ist“</em>. Er präzisierte dabei aber nicht, welche Kleidungsstücke „fremd“ sind. (Es ist aber wahrscheinlich, dass die Maßnahme das Tragen von Hijabs unterbinden soll., Anm.d.Ü.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gesetzentwurf enthält auch neue Artikel über die Befugnisse der Regierung Tadschikistans, der bevollmächtigten Staatsorgane, der lokalen Exekutivorgane der Staatsmacht und der Selbstverwaltungsorgane der Städte und Dörfer. Artikel 18 regelt erneut die Verantwortung natürlicher und juristischer Personen bei Festen und Zeremonien sowie die Verantwortung von Führern, Imamen, inoffiziellen religiösen Persönlichkeiten, Ortsvorstehern und Leitern von öffentlichen Selbstverwaltungsorganen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/tiktok-imam-und-pater-blogger-warum-sind-religioese-influencer-in-kasachstan-so-beliebt/">Tiktok-Imam und Pater Blogger: Warum sind religiöse Influencer in Kasachstan so beliebt?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bevollmächtigte Stelle, die lokalen Exekutivorgane der Staatsmacht und die Selbstverwaltungsorgane der Städte und Dörfer können ihrerseits öffentliche und religiöse Vereinigungen zur Durchführung von Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen ermutigen, um die Einhaltung der Anforderungen dieses Gesetzes sicherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehört auch die Verhinderung von Ausschreitungen und Veruntreuungen bei Feiern und Zeremonien, vorzeitigen und informellen Eheschließungen und andere diesbezügliche Straftaten. Der Gesetzentwurf wurde vom Parlament angenommen und muss nun vom Präsidenten des Landes unterzeichnet werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240515/v-tadzhikistane-zapretili-idgardak-nosit-chuzhduyu-natsionalnuyu-odezhdu-i-vstrechat-palomnikov">Russischen</a> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kirgistan: Nationalflaggen verbrannt und ersetzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vlprzybylinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jun 2024 09:15:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Flagge]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Nacht zum 30. Mai wurden im Gebiet Dschalalabad mehrere Flaggen der Kirgisischen Republik abgenommen, verbrannt und dann durch &#x201E;wei&#xDF;e Fahnen mit arabischen Aufschriften&#x201C; ersetzt. Zwei Verd&#xE4;chtige wurden festgenommen. Im Dorf Bek-Abad in dem im Westen Kirgistans gelegenen Gebiet Dschalalabad sind in der Nacht zum 30. Mai kirgisische Flaggen verbrannt worden. Sie seien dann [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In der Nacht zum 30. Mai wurden im Gebiet Dschalalabad mehrere Flaggen der Kirgisischen Republik abgenommen, verbrannt und dann durch „weiße Fahnen mit arabischen Aufschriften“ ersetzt. Zwei Verdächtige wurden festgenommen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dorf Bek-Abad in dem im Westen Kirgistans gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Dschalal-Abad">Gebiet Dschalalabad</a> sind in der Nacht zum 30. Mai <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/debatte-um-staatsflagge-erschuettert-kirgistan/">kirgisische Flaggen</a> verbrannt worden. Sie seien dann durch <em>„weiße Fahnen mit arabischen Aufschriften“</em> ersetzt worden, berichtet das kirgisische Nachrichtenportal <a href="https://kloop.kg/blog/2024/06/05/sozhzhenie-flaga-v-suzake-gknb-zaderzhal-dvuh-devushek/">Kloop</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei junge Frauen im Alter von 19 und 16 Jahren, die beide aus dem Dorf stammen, wurden von den Geheimdiensten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, die Ideologie der extremistischen Organisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hizb_ut-Tahrir">Hizb ut-Tahrir</a> zu verbreiten. Zwei Familienangehörige eines der Mädchen sowie zwei Frauen, die im Verdacht stehen, extremistische Literatur zu verbreiten, wurden ebenfalls festgenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schulen als Ziel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem ehemaligen Vorsitzenden des Ausschusses für religiöse Angelegenheiten, Orosbek Moldalijew, ist es kein Zufall, dass die Täterinnen ein öffentliches Gebäude und Schulen angegriffen haben. Er erklärte gegenüber <a href="https://rus.azattyk.org/a/32975189.html">Radio Azattyk</a>, dem kirgisischen Dienst von Radio Free Europe: <em>„Auch wenn die Inschrift auf der Leinwand nicht zu Gewalt aufruft, deutet allein die Tatsache, dass sie die Staatsflagge entfernt und verbrannt haben, darauf hin, dass sie den Staat nicht anerkennen, und [dass sie] die Schule auffordern, dasselbe zu tun.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Einige Anwohner:innen, die am Tag nach dem Vorfall befragt wurden, haben jedoch Zweifel an dieser Version und sind der Auffassung, dass es sich <em>„um die Tat rücksichtsloser Kinder gehandelt haben muss“</em>, was sich nach der Verhaftung der beiden jungen Frauen zu bestätigen scheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Experte Kanatbek Mursahalilow teilt diese Meinung: Für ihn handelt es sich um einen Protestakt junger Menschen auf der Suche nach Identität, welche sie in der Religion zu finden hoffen. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art: Bereits im Mai 2023 wurde die Flagge des Islamischen Staates in einer Schule in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kysyl-Kyja">Kysyl-Kyja</a> im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Gebiet Batken</a> aufgehängt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Gründe für diesen Vorfall</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nurlan Ismailov, Professor an der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ala-Too_International_University">Ala-Too International University</a>, erklärte gegenüber <a href="https://rus.azattyk.org/a/32978427.html">Radio Azattyk</a>, dass dieses Ereignis nicht beispielhaft für die gesamte kirgisische Gesellschaft stehe. Dennoch komme es in bestimmten Regionen des Landes zu einer Radikalisierung – darunter auch im Bezirk Susak, in dem Bek-Abad liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ismailov sieht auch den Staat in der Verantwortung für solche Ereignisse, da dieser seiner Meinung nach <em>„in den letzten zwei bis drei Jahren die Bildungsarbeit in jenen Gebieten geschwächt hat, in denen diese Organisationen am stärksten konzentriert sind“</em>. Der Umstand, dass der Staat bestimmte Regionen des Landes im Stich gelassen und insbesondere Aufklärungskampagnen unter jungen Menschen eingestellt habe, habe das Wiederaufleben des radikalen Islamismus ermöglicht, welche in den letzten Jahrzehnten an Boden verloren hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zu hoher Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der kirgisische Staat beansprucht für sich, säkular zu sein und Religionsfreiheit zu garantieren. Seit einiger Zeit verfolge er jedoch eine Politik, die von einem Teil der Bevölkerung als im Widerspruch dazu stehend empfunden wird, berichtet Radio Azattyk nach einem Gespräch mit dem Rat der Religionsgelehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der NGO <a href="https://forum18.org/archive.php?article_id=2875">Forum 18</a> müssen sich religiöse Organisationen registrieren lassen, um legal zu bleiben. Für Minderheiten, die weder der sunnitischen Mehrheit noch der orthodoxen Kirche angehören, stellt dies eine große Hürde dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/">Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hat der Abgeordnete Scharapatkan Maschitow im November einen Gesetzentwurf eingebracht, der das Tragen der Burka und „voluminöser“ Bärte verbieten soll. Der Rat der Religionsgelehrten sieht darin einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit und die Ausübung des Islam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kanatbek Mursahalilow ist die Häufung solcher restriktiver Vorstöße nicht unbedingt positiv zu bewerten, denn ein Verbot werde das Problem nicht lösen. <em>„Im Gegenteil: Es kann Bedingungen schaffen, die das Wachstum des Extremismus begünstigen. Es ist wie ein physikalisches Gesetz: Je höher der Druck, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Explosion.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Vladimir Przybylinski für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/kirghizstan-drapeaux-nationaux-brules-et-remplaces/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[masamedia]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2024 20:47:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte des Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Hamas]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Koran]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Radikalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Debatte &#xFC;ber den radikalen Islamismus tobt weltweit. Die einen meinen, der Islam sei schon immer eine &#x201E;Religion des Schwertes&#x201C; gewesen, andere sagen, er trage den Wert des Friedens in sich und fundamentalistische Gruppen stellten seine wahre Bedeutung verzerrt dar. In solchen Debatten werden oft die sozialen Faktoren &#xFC;bersehen, die jede religi&#xF6;se Auslegung mit beeinflussen. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte über den radikalen Islamismus tobt weltweit. Die einen meinen, der Islam sei schon immer eine „Religion des Schwertes“ gewesen, andere sagen, er trage den Wert des Friedens in sich und fundamentalistische Gruppen stellten seine wahre Bedeutung verzerrt dar. In solchen Debatten werden oft die sozialen Faktoren übersehen, die jede religiöse Auslegung mit beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Masa.media</em> hat mit dem Sozialwissenschaftler Galym Zhussipbek gesprochen, der die Beziehung zwischen dem Islam und dem Konzept der Menschenrechte untersucht. Er beantwortet unter anderem die Fragen: Welchen Einfluss hat die Gesellschaft auf die Religion? Ist ein islamischer Radikalismus in Kasachstan zu befürchten oder kann der Islam die Universalität der Menschenrechte akzeptieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Verhältnis von Religion und Gesellschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Religion, auch der Islam, ist <strong>ein sozial konstruiertes Phänomen</strong>. Religionen sind das Resultat einer jahrzehntelangen und jahrhundertelangen historischen Entwicklung sowie ihres sozialen Kontextes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was heute in der muslimischen Welt vorherrscht, ist bis zu einem gewissen Grad ein Spiegelbild der muslimischen Gesellschaften. Afghanistan dient hierzu als konkretes Beispiel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Afghanistan ein ganz anderes Land. Zu dieser Zeit lebte dort ein bekannter muslimischer Gelehrter und Reformer. Er stammte aus Russland und hieß <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Musa_Bigiev">Musa Jarullah Bigiev</a>. Er formulierte die Theorie der <strong>Allumfassenden Göttlichen Gnade</strong>. Dabei handelt es sich um ein islamisches Konzept, nach dem alle, die an einen Schöpfer glauben, in das Paradies kommen werden, also Gläubige aller abrahamitischen Religionen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musa Bigiev war einer der prominentesten islamischen Reformer, der sich für<strong> die Gleichstellung der Geschlechter einsetzte</strong>. Er war einer der Organisatoren des Allrussischen Muslimischen Kongresses, bei denen Geschlechterfragen hohe Relevanz genossen und auf der Tagesordnung Platz fanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nach der Machtübernahme der Bolschewiken in Russland begann Musa Bigievs Verfolgung. Er war ein Flüchtling, ein Mann ohne Pass, dem der afghanische Emir Asyl gewährte. Vor 100 Jahren hat also Afghanistan als Land und Gesellschaft, einem islamischen Reformer einen Pass gegeben. Heute haben die Taliban die Macht in Afghanistan inne. Sehen Sie, wie sehr sich eine Gesellschaft verändern kann?&nbsp;Keine Religion kann von den sozioökonomischen und politischen Prozessen in ihrem Umfeld losgelöst werden.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der islamische Rationalismus und die Unterschiede zu konservativen Strömungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die religiösen Lehren, die wir heute haben, sind sehr vielfältig. Auch der Islam ist vielfältig. Es gibt nicht nur viele Richtungen, sondern auch viele Epistemologien, d.h. verschiedene Erkenntnismethoden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich hatte der Islam eine <strong>rationalistische Auslegungstradition</strong>. Das war die erste Periode der Entstehung der islamischen Wissenschaften &#8211; damals stand die Vernunft fast an erster Stelle.&nbsp;Diese Epoche wird häufig als „<strong>Östliche Renaissance</strong>“ bezeichnet. Sie ist gekennzeichnet durch Pluralismus in den muslimischen Gesellschaften, einer Vielzahl von Übersetzungen antiker und altindischer Literatur sowie einem wachsenden Interesse an Wissenschaften.&nbsp;</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese Tradition der rationalen Interpretation ging einher mit dem <strong>ethischen Objektivismus</strong>. Nach diesem Konzept sind <strong>ethische und moralische Haltungen objektiv </strong>in dem Sinne, dass sie mit der Vernunft und ohne göttliche Offenbarung verstanden werden können. Zum Beispiel verstehen wir mit unserer eigenen Vernunft, dass es falsch ist, einen Menschen zu töten. Kein vernünftiger Mensch würde unter normalen Umständen einfach losgehen und jemanden töten. Dieses Prinzip des ethischen Objektivismus wurde in den islamischen Rationalismus (arabisch: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ahl_al-Ra%27y"><em>Ahl al-Ra&#8217;y</em></a><em>,</em> wörtlich: „Leute des Urteils, der vernünftigen Meinung“) integriert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens <strong>war auch die </strong><strong>hanafitische-Rechtsschule, </strong><strong>eine traditionelle Strömung der zentralasiatischen Muslime</strong>, <strong>ursprünglich <em>Ahl al-Ra‘y</em></strong>. Ihr Gründer, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ab%C5%AB_Han%C4%ABfa"><strong><em>Abu Hanifa</em></strong></a><em>,</em> war ein Rationalist. Heutzutage haben viele Muslime vergessen, dass Rationalismus und ethischer Objektivismus zusammengehören, dass sie zwei Teile ein und desselben Ganzen sind.&nbsp;Die Rationalisten betrachteten die Vernunft als Gabe Gottes, die es dem Menschen ermöglicht, auch ohne göttliche Offenbarungen, den Koran und die früheren Schriften, als eine moralische&nbsp; Richtlinie für das eigene Leben zu nutzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu entwickelte sich jedoch eine andere Schule, die heute fast in der gesamten sunnitisch-islamischen Welt vorherrscht. Es handelt sich um die <strong>ascharitische Schule</strong>, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Asch%CA%BFar%C4%ABya"><em>aschʿarīya</em></a>. Sie wird gewöhnlich als eine rationalistische Schule dargestellt, aber das ist nicht ganz richtig, denn die <em>aschʿarīya</em> akzeptiert keinen ethischen Objektivismus. Stattdessen gibt es das Prinzip des ethischen Voluntarismus. Dieser ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil des Objektivismus und geht davon aus, dass <strong>die Vernunft nicht in der Lage ist, Gut und Böse zu erkennen. Dazu bedarf es der göttlichen Offenbarung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-kasachstan-die-verbreitung-von-religioesen-inhalten-bestraft/">Wie Kasachstan die Verbreitung von religiösen Inhalten bestraft</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar eine radikal-ascharitische Auffassung, nach der <strong>Islam und Demokratie unvereinbar sind, da der Koran keine Erwähnung des Begriffs <em>Demokratie </em>enthält</strong>. Einige explizite <strong>Elemente der Demokratie, die im Koran enthalten sind</strong>, werden von Anhängern der radikal-ascharitischen Auffassung dabei ignoriert. Zum Beispiel, dass wir uns bei allem, was wir tun, beraten sollen, was auf eine Gewaltenteilung hindeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt noch eine andere Schule, die in diesen Fragen viel extremer ist &#8211; die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ash%C4%81b_al-had%C4%ABth"><em>Ahl al-Hadith</em></a> (wörtlich aus dem Arabischen: „Leute/Anhänger der Tradition“). Sie <strong>legte den Grundstein für den modernen Salafismus</strong> (eine fundamentalistische Strömung des Islam, die manchmal Teil radikaler dschihadistischer Bewegungen ist, aber auch gemäßigt sein kann).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die islamische Geschichte ist ein beständiger Kampf zwischen diesen Strömungen. </strong>Bedauerlicherweise wurde die traditionelle islamische Wissenschaft in den vergangenen Jahrhunderten von ascharitischen und mitunter salafistischen Ansätzen dominiert. Der islamische Rationalismus wurde an den Rand gedrängt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Frage, warum sich die Bedeutung islamischer Vorschriften im Laufe der Zeit ändern kann</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es besteht ein besonderes Problem mit den konservativen islamischen Wissenschaften, insbesondere mit der Hadithwissenschaft. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith"><em>Hadithe</em></a><em> </em>sind Aussagen, die dem Propheten Muhammad zugeschrieben werden.&nbsp; Aus bestimmten historischen und theologischen Gründen wurde <strong>nicht die Authentizität der Bedeutung, sondern die Authentizität des Überlieferers</strong> zum wichtigsten Faktor bei der Anerkennung des einen oder anderen Hadith. Und das ist heute eine Sackgasse für die konservative islamische Gelehrsamkeit.&nbsp;Ein ganzer Zweig der islamischen Wissenschaft beschäftigt sich mit der Frage, wer einen bestimmten Ausspruch des Propheten überliefert hat. Ein Überlieferer kann etwas metaphorisch ausdrücken, kann etwas vergessen, und so kann sich die Bedeutung der Hadithe nach vielen Generationen ändern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über den Umgang islamischer Rationalisten mit autoritärer Herrschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konzentration auf die Glaubwürdigkeit der Bedeutung ist ein charakteristisches Merkmal für rationalistischen Islam. Allerdings hat er seine ursprüngliche Position als „Nummer eins“ unter den Traditionen verloren. Hierbei darf der politische Faktor nicht außer Acht gelassen werden. Der islamische Rationalismus war für die herrschenden Dynastien aufgrund seiner starken Ausrichtung auf die Gerechtigkeit nicht vorteilhaft. Die islamischen Rationalisten haben es sogar so ausgedrückt: <strong>„Der Staat braucht weder Islam noch Glaube, er braucht Gerechtigkeit“.</strong> Man könnte sagen, dass dies ein modernes demokratisches Prinzip ist, das vor 1200 Jahren entwickelt wurde. Für die damalige Zeit war das ein sehr revolutionäres Prinzip.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der islamische Rationalist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ab%C5%AB_Mans%C5%ABr_al-M%C4%81tur%C4%ABd%C4%AB"><em>Abu Mansur al-Maturidi</em></a> trug seinen Schülern auf, ihn <strong>weit entfernt vom Palast zu begraben</strong>, damit er auch im Jenseits von autoritären Herrschern ferngehalten werde. Er hat eine sehr interessante <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa"><em>Fatwa</em></a><em> </em>(ein Rechtsgutachten, das von einer muslimischen Autorität auf Anfrage gegeben wird und die Übereinstimmung bestimmter Entscheidungen und Handlungen mit den Normen des Islams überprüft), in der er sagt, dass ein muslimischer Gelehrter seinen Glauben verliert, wenn er sagt, dass ein despotischer Herrscher gerecht ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb der islamischen Rationalisten findet sich die folgende Interpretation: <strong>„Frömmigkeit und Glaube sind subjektiv, Gerechtigkeit ist objektiv“</strong>. Als Beispiel wird der islamische Herrscher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Haddsch%C4%81dsch_ibn_Y%C5%ABsuf"><em>Haddschādsch</em></a> angeführt. Er war ein sehr frommer Mann, betete die ganze Nacht und baute viele Moscheen. <strong>Aber gleichzeitig ließ er Tausende von Menschen hinrichten, töten und foltern</strong>. In der islamischen Geschichte wurde er als <em>Haddschādsch Zalim</em> bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Haddschādsch der Unterdrücker“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die islamischen Rationalisten betrachteten die Gerechtigkeit als objektiv, da Gerechtigkeit durch Taten beurteilt werden konnte, während der Glaube etwas sei, das nur zwischen einer Person und Gott existieren würde. Sie glaubten, dass <strong>sogar der Teufel den </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haddsch"><strong>Haddsch</strong></a><strong> machen und fasten könne</strong>, aber was in der Seele des Menschen sei, wisse nur Gott.&nbsp;Der ascharitische und noch mehr der salafistische Ansatz sind sehr stark vom Ritualismus durchdrungen. Und die Tragödie der islamischen Welt besteht darin, dass die allererste Auslegungstradition des Islam ihre Position verloren hat, wobei politische Faktoren eine wichtige Rolle gespielt haben.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über islamisches Recht und Politik im Koran</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Prophet Muhammad wird im Allgemeinen sowohl als religiöser als auch als politischer Führer und sogar als Herrscher angesehen. Es gibt jedoch auch eine andere Ansicht, die dies für übertrieben hält. Und warum? Erstens sagte er, er sei ein „Prophet-Sklave Gottes“ und lehnte es ab, als „Prophet-Herrscher“ bezeichnet zu werden. Zweitens konnte die Stadt Medina zur Zeit des Propheten Muhammad kaum als Staat bezeichnet werden. Zudem war es eine pluralistische Stadt, in der die Muslime mit etwa einem Fünftel der Bevölkerung in der Minderheit waren. Aus diesem Grund wurde die <strong>erste muslimische Gemeinde gemeinsam mit den Juden gegründet </strong>– das ist heute in Vergessenheit geraten, viele Muslime kennen diesen Teil der Geschichte nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien/">Die bucharischen Juden – wie kamen sie nach Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Begriff <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Umma#:~:text=Umma%20oder%20Ummah%20(arabisch%20%D8%A3%D9%85%D8%A9,fundierte%20Gemeinschaft%20der%20Muslime%20verwendet."><em>Ummah</em></a>, der heute für Mitgläubige verwendet wird, bezog sich ursprünglich auf Juden und Muslime, die sich gegen die Götzendiener in Medina zusammenschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Medina war eine Gemeinschaft, kein Staat &#8211; es gab keine Grenzen, kein Gericht, kein klares Steuersystem.</strong> Das Dokument, das einige muslimische Gelehrte als Verfassung darstellen, war keine Verfassung &#8211; es war ein Vertrag zwischen jüdischen Stämmen und Muslimen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell steht im Koran auch nichts über ein politisches System. Lediglich einige Prinzipien &#8211; <strong>Gerechtigkeit und Beratung</strong> &#8211; werden beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Phänomen des islamischen Rechts entstand mit der Expansion der ersten muslimischen Länder. Wichtig ist, dass einige Elemente des islamischen Rechts, insbesondere jene, die sich auf die Verwaltung des Staates beziehen, aus dem Byzantinischen Reich und des Persischen Reichs übernommen wurden. Es fand also ein kultureller Austausch statt und somit <strong>gibt es kein „reines“ islamisches Staatsmodell.</strong> Das Kalifat war eine Synthese verschiedener Kulturen. Und die Hadithe, die zur Rechtfertigung bestimmter Politiken herangezogen werden, sind sehr ambivalent, sie enthalten keine konkreten Aussagen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über den Islamismus, seine Entstehung und seine historischen Wurzeln</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Islamismus, oder politischer Islam, ist die <strong>Instrumentalisierung des Islam für politische Zwecke</strong>. Das ist eine mehr oder weniger kurze Erklärung, über die es in den Sozialwissenschaften keinen Konsens gibt. Da das gesellschaftliche Leben immer komplexer und komplizierter wird, ist eine Definition notwendig.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist wichtig festzuhalten, dass <strong>Islamismus ein Phänomen der Moderne ist</strong> (eine historische Periode, die mit dem 19. Jahrhundert beginnt und in der die wichtigsten Merkmale der modernen Gesellschaft entstanden sind). Er wurde zu einer Antwort muslimischer Aktivisten und muslimischer Gemeinschaften auf die Herausforderungen des modernen Staates &#8211; und in erster Linie eine Antwort auf die Kolonialpolitik der europäischen Länder. Der politische Islam wurde zu einem Element <strong>des antikolonialen Kampfes</strong>. In diesem Sinne war er oft von einem <strong>befreienden und egalitären Geist</strong> geprägt (Egalitarismus ist die Idee der Gleichheit in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-und-politik-bleibt-zentralasien-sakular/">Islam und Politik: Bleibt Zentralasien säkular?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass der politische Islam tief in der Geschichte verwurzelt ist und seine Vorläufer bereits im ersten Jahrhundert des Islam existierten. Aber der Begriff „Islamismus“, und das Phänomen in seiner modernen Form selbst, existierten nicht, es gab keine modernen Staaten mit klaren Grenzen und anderen charakteristischen Elementen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann sagen, dass die Vorläufer des politischen Islam den Muslimen selbst großen Schaden zugefügt haben, was sich in <strong>internen teils blutigen Kriegen zwischen verschiedenen Gruppen von Muslimen</strong> manifestierte. Die ersten dieser internen Kriege begannen einige Jahrzehnte nach dem Tod des Propheten Muhammad zwischen der ersten Generation seiner Gefährten, den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sah%C4%81ba"><em>Sahaba</em></a>. Interessanterweise ist <strong>die Zahl der Opfer in diesen Auseinandersetzungen zehn- bis hundertmal höher als in den Konflikten mit den Götzendienern.</strong>&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen behaupten viele &#8211; nicht nur Islamophobe, sondern auch Muslime selbst -, <strong>der Islam sei eine Religion des Schwertes</strong> und der Prophet Mohammed sei ein Prophet des Krieges gewesen, aber interessanterweise <strong>stützt die Statistik diese These nicht</strong>. Gemäß islamischen Angaben erstreckte sich die Zeit des Propheten über einen Zeitraum von 23 Jahren, was etwa 8.000 Tagen entspricht. Von diesen 8.000 Tagen verbrachte der Prophet Muhammad nur 13 Stunden in Kämpfen obwohl die erste muslimische Gemeinschaft von Feinden umgeben war, die diese vernichten wollten. Und keine glaubwürdige Quelle bestätigt, dass der Prophet Muhammad selbst jemanden getötet hat. Selbst wenn man die Vorbereitungen und das Zusammenziehen der Truppen mitrechnet, dauerte der Kampf nur drei von 8000 Tagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/">Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage ist der politische Islam in vielen mehrheitlich muslimischen Ländern <strong>ein Instrument des Autoritarismus, er wird als Mittel des Kampfes zwischen einer Gruppe von Muslimen gegen andere eingesetzt</strong>. Im schiitisch dominierten Iran zum Beispiel setzen die Behörden ihre Version des politischen Islam gegen die sunnitische Minderheit ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Islamwissenschaftler weisen darauf hin, dass alle Schulen, die es heute in der islamischen Welt gibt, <strong>aus dem politischen Kampf der Dynastien </strong>hervorgegangen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn eine Dynastie an die Macht kam, suchte sie sich Gelehrte und Interpreten, die ihr politisches Regime und ihre Version des Islam legitimierten. Das auffälligste Beispiel aus der Neuzeit ist die Koalition zwischen der saudischen Dynastie und der wahhabitischen Strömung des Islam. Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert war dies in der islamischen Welt eine weit verbreitete Praxis.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Entstehung und Radikalisierung der Hamas</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den palästinensischen Gebieten lässt sich eine starke Radikalisierung des politischen Islam beobachten, die auf die gesellschaftliche Situation zurückzuführen ist. Die Religion passt sich den Anforderungen der Gesellschaft an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1930er Jahren hätte es zum Beispiel die Hamas nicht geben können, weil es keinen Staat Israel gab. Dasselbe gilt für die 1960er Jahre. Warum konnte die Hamas damals nicht entstehen? Damals war <strong>der palästinensische Widerstand säkularisiert und basierte weitgehend auf sozialistischen Ideen.</strong> Das war der allgemeine Geist in der arabischen Welt, fast alle arabischen Führer waren sozialistisch orientiert. <strong>Auch </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassir_Arafat"><strong>Jassir Arafat</strong></a><strong>, der damalige Führer des palästinensischen Widerstands, war Sozialist.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Nahe Osten war säkularer, er existierte in einer anderen Form. Wenn wir heute sehen, was im Iran passiert oder was die Hamas macht, denken wir, das war schon immer so. <strong>Aber das ist ein großer Irrtum.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem gesellschaftlichen Wandel verändern sich auch die religiösen Präferenzen der Menschen. <strong>Die </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamas"><strong>Hamas</strong></a><strong> entstand Ende der 1980er Jahre.</strong> Zu dieser Zeit erlebte die Welt den Zusammenbruch des sozialistischen Blocks, den Niedergang der atheistischen Politik der Sowjetunion und einen Prozess der religiösen Wiederbelebung. Diese war in der arabischen Welt sehr deutlich zu spüren. Zum Beispiel ging Jassir Arafat, der säkulare Ansichten vertrat, in die Moschee und kleidete sich wie ein muslimischer Rechtsgelehrter. Aus diesen religiösen Wiederbelebungen heraus entstand auch die Hamas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei war <strong>die Hamas nicht von Anfang an radikal</strong> &#8211; sie wurde zum Teil von Israel gestärkt, um Arafats <em>Palästinensische Nationale Befreiungsbewegung </em>(Fatah) zu schwächen. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatah#Geschichte">Fatah</a> war damals Israels Hauptgegner und &nbsp;so galt etwas wie: der Feind meines Feindes ist mein Freund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hamas hat sich zu einer starken politischen Kraft entwickelt und ist inzwischen zu einem Quasi-Staat geworden. Es gibt sogar Krankenhäuser, die dank der Hamas eröffnet wurden und funktionieren. Wir wissen, dass es in Gaza keinen Staat als Institution gibt und dass viele der staatlichen Aufgaben von der Hamas übernommen werden. Allerdings hat die Hamas auch einen <strong>radikalen militanten Flügel</strong>, der terroristische Kampfmethoden anwendet. Dies ist eine Tatsache, die nicht geleugnet werden kann. <strong>Die Angriffe der Hamas im vergangenen Oktober stellen Kriegsverbrechen dar</strong>, die in keiner Weise zu rechtfertigen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber warum hat sich die Hamas in diese Richtung entwickelt? Der Grund ist die Stimmung in der Gesellschaft unter der Besatzung. Wir wissen, dass <strong>Gaza das größte Gefängnis unter freiem Himmel ist.</strong> Diese Menschen haben seit Generationen kein Recht auf Selbstbestimmung und sie sehen sich ständiger Bedrohung ausgesetzt. Vor allem haben die Menschen in Gaza das Gefühl, dass ihre Ehre und ihre Menschenwürde systematisch herabgesetzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zum Verhältnis von Islam zur Demokratie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Vielzahl muslimischer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich für ähnliche Positionen, wie z.B. die Verfechter der säkularen Menschenrechte, starkmachen. Bedauerlicherweise leben sie zumeist in demokratischen Ländern. <strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist es sehr wichtig, den gesellschaftlichen Einfluss zu sehen. <a href="https://law.ucla.edu/faculty/faculty-profiles/khaled-m-abou-el-fadl">Khaled Abou El-Fadl</a> zum Beispiel, ein kuwaitisch-amerikanischer muslimischer Aktivist, hätte in Kuwait kaum predigen und forschen können. Heute lebt er in Kalifornien und ist Professor an der UC Berkeley. Er leitet eine Moschee und <strong>predigt dieselben Werte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte enthalten sind</strong>. Das wirft die Frage auf: <strong>Was ist wichtiger &#8211; der Habitus der Gesellschaft (politischer, sozialer Kontext) oder die Religion?</strong> In der Tat sind beide Faktoren sehr wichtig. Ein anderes Beispiel: <strong>in Russland gibt es sehr progressive islamische Persönlichkeiten</strong> wie z.B. <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%98%D0%B1%D1%80%D0%B0%D0%B3%D0%B8%D0%BC,_%D0%A2%D0%B0%D1%83%D1%84%D0%B8%D0%BA_%D0%9A%D0%B0%D0%BC%D0%B5%D0%BB%D1%8C">Taufik Ibragim</a>. Seine Ansichten sind progressiv, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, den sie nicht überschreiten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Islamische Persönlichkeiten im Westen können offen und ohne Angst um sich selbst über die Rechte sexueller Minderheiten sprechen und den Islam sehr inklusiv und pluralistisch interpretieren. Dies ist in Russland nicht der Fall. Auch wenn Taufik Ibrahim und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Damir_Waissowitsch_Muchetdinow">Damir Mukhetdinov</a> in Fragen der Geschlechtergleichstellung recht weit gegangen sind. Hier zeigt sich ein enger Zusammenhang zwischen dem Pluralismus der religiösen Auslegung und dem sozio-politischen Kontext des Landes.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zu den Ursachen der Radikalisierung des Islam in Kasachstan&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir unser soziales und politisches Umfeld, unsere Familien, unser Bildungssystem in Kasachstan &#8211; sie sind autoritär. Wer <strong>in einem autoritären Umfeld aufwächst</strong>, sucht unbewusst Halt in dogmatischen Auslegungen der Religion und widersetzt sich nicht dem Puritanismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf, ist <strong>die soziale Ungerechtigkeit</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Egalitarismus ist im Islam zunächst sehr stark ausgeprägt.</strong> In puritanischen Bewegungen steht der Egalitarismus mitunter im Vordergrund. Dies kann dazu führen, dass diese Strömungen autoritäre und hierarchische Auslegungen in Fragen der Religionsfreiheit und der Geschlechterbeziehungen vertreten. In anderen Fragen können sie jedoch durchaus egalitäre Auslegungen vertreten, z.B. <strong>in Bezug auf die Verteilung wirtschaftlicher Güter.</strong> Die Anhänger solcher Strömungen können sagen, dass wir alle gleich sind und alle Reichtümer gottgegeben sind, die gerecht verteilt werden sollten. Und dass wir unsere Unzufriedenheit offen äußern sollten. Das ist natürlich sehr attraktiv für Menschen, die soziale Ungerechtigkeit sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-traditionelle-religion-der-kasachinnen/">Die traditionelle Religion der Kasach:innen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist besonders im Westen Kasachstans zu beobachten. Da gibt es Ölregionen, die grob gesagt, ihrem eigenen Schicksal überlassen werden. Wenn die Menschen sehen, dass die Öleinnahmen nicht ihrer eigenen Region zugute kommen, dann fühlen sich die Bewohner abgehängt, was wiederum zu einer hohen Unzufriedenheit unter den Menschen führt. <strong>In diesem Kontext wird der religiöse Diskurs zu einem Hebel, um die Unzufriedenheit zu legitimieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wir können natürlich nicht leugnen, dass bestimmte politische Gruppen diese Situation für bestimmte Zwecke nutzen können. Auf der anderen Seite &#8211; und das ist ein rein postsowjetisches Phänomen &#8211; <strong>gibt es eine Verbindung zwischen radikalen islamistischen Gruppen und kriminellen Kreisen.</strong> Die Mentalität dieser Gruppen ähnelt sich sehr und sie finden leicht zueinander.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Bedrohung Kasachstans durch den radikalen Islamismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin gegen Versicherheitlichung (Securitization), d.h. gegen die Schaffung eines nationalen Bedrohungsbildes um ein bestimmtes Thema herum. <strong>Versicherheitlichung ist möglich und sollte sich nur auf soziale Ungerechtigkeit beziehen </strong>&#8211; sie hat in der Geschichte immer wieder zu Bürgerkriegen und großen sozialen Explosionen geführt. Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Transformationsprozess. Ich selbst bin nicht unmittelbar in der Religionssoziologie tätig, jedoch lässt sich eine gewisse Sättigung mit Religion, insbesondere bei der jüngeren Generation, beobachten. Die ständigen Ermahnungen, dem religiösen Weg unserer Vorfahren zu folgen, werden zunehmend als Belastung empfunden. <strong>Heute suchen viele Menschen Spiritualität, aber nicht Religiosität</strong> [als Bekenntnis zu einer bestimmten Religion]. Die Gesellschaft verändert sich, und selbst Menschen, die früher radikaler waren, werden mit der Zeit gemäßigter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir <strong>sind kein völlig autoritäres Land</strong> und sollten uns nicht selbst hassen. Wir sind offen für die Welt und die Globalisierung, wir haben verschiedene soziale, kulturelle und religiöse Hintergründe. Im Hinblick all dieser Aspekte gibt es in dieser Hinsicht eine gewisse Entwicklung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Universalität der Menschenrechte im Kontext des Islam</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der heutigen Zeit muss das Konzept der Universalität der Menschenrechte verteidigt werden. Daher ist es von großer Bedeutung, dass <strong>es inklusive und pluralistische Interpretationen des Islam</strong> gibt, die von fortschrittlichen Gelehrten, die aus politischen Gründen in demokratischen Ländern leben, entwickelt werden. So gibt es beispielsweise ein ganzes Konzept einer inklusiven Interpretation des Islam durch moderne Gelehrte &#8211; „<em>al-karamiyyah al-insaniyyah“</em> (wörtlich aus dem Arabischen „der von Gott erschaffene Mensch, ungeachtet seiner Herkunft, seines Geschlechts und seines Glaubens“).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/30-jahre-menschenrechtsschutz-wendepunkte-in-zentralasien/">30 Jahre Menschenrechtsschutz: Wendepunkte in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute sehen wir, dass <strong>rechte Werte, Konservatismus und Militarismus das Konzept der Universalität der Menschenrechte bedrohen</strong>, indem sie Relativismus proklamieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn religiöse Menschen, insbesondere Vertreter des Islams, sagen: <strong>„Die Universalität der Ehre und Würde jedes Menschen ist Teil meiner Religion, Teil meines Glaubens“</strong> – dann wird dies eine große Unterstützung für das Konzept der Menschenrechte sein.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://masa.media/ru/site/gosudarstvo-ne-nuzhdaetsya-ni-v-islame-ni-v-imane-ono-nuzhdaetsya-v-spravedlivosti"><em><strong>Masa.media</strong></em></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Usmon Rakhmonov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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