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	<title>IS-K Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 07 Jul 2025 07:37:18 +0000</lastBuildDate>
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	<title>IS-K Archives</title>
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		<title>Russlands Annäherung mit den Taliban vor dem Hintergrund der Beziehungen mit Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2025 19:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[IS-K]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im April hat der Oberste Gerichtshof Russlands die Taliban von der Liste der terroristischen Organisationen getsrichen. Dieser Schritt Richtung Normalisierung der Beziehungen zwischen Moskau und Afghanistan deutet auf eine verst&#xE4;rkte Zusammenarbeit zwischen den beiden L&#xE4;ndern in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Verkehrsinfrastruktur hin. Zusammen mit Staatsangeh&#xF6;rigen aus elf weiteren L&#xE4;ndern verh&#xE4;ngte Pr&#xE4;sident Donald Trump k&#xFC;rzlich [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im April hat der Oberste Gerichtshof Russlands die Taliban von der Liste der terroristischen Organisationen getsrichen. Dieser Schritt Richtung Normalisierung der Beziehungen zwischen Moskau und Afghanistan deutet auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Verkehrsinfrastruktur hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammen mit Staatsangehörigen aus elf weiteren Ländern verhängte Präsident Donald Trump kürzlich gegen afghanische Staatsangehörige ein „<a href="https://www.france24.com/en/americas/20250605-trump-travel-ban-12-countries-us">Einreiseverbot</a>“, das den Betroffenen die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt. Während sich die USA mit dieser Maßnahme weiter von Afghanistan entfernen, strich der russische Oberste Gerichtshof die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taliban">Taliban</a> von der Liste der von der Russischen Föderation anerkannten terroristischen Organisationen, <a href="https://www.rferl.org/a/russia-court-ruling-ban-taliban-afghanistan-recognition/33388428.html">wie Radio Free Europe berichtet</a>. Seit der Eroberung Kabuls im August 2021 regieren die Taliban de facto Afghanistan. Dennoch wird die Rechtmäßigkeit ihrer Herrschaft bis heute von keinem anderen Land der Welt anerkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar ist die gesamte afghanische Bevölkerung nicht mit der sie regierenden Taliban-Minderheit gleichzusetzen, doch die Gleichzeitigkeit dieser Statuswechsel sind nicht bedeutungslos. Russlands ausgestreckte Hand gegenüber den Taliban scheint ein weiterer Schritt in Richtung der offiziellen Anerkennung des „<a href="https://www.alemarahenglish.af/">Islamischen Emirats Afghanistan</a>“ zu sein und bleibt damit eines der wenigen Länder, die nach 2021 eine offizielle diplomatische Vertretung in Kabul besitzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Taliban, Erben des sowjetisch-afghanischen Krieges</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Situation erinnert an die besondere Stellung Afghanistans innerhalb der eurasischen Geografie: Fast vierzig Jahre nach dem Scheitern der Sowjetunion, das Land <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_(1979%E2%80%931989)">mit Waffengewalt zu kontrollieren</a>, scheint Russland nun bestrebt zu sein, dessen umstrittenen Führer mit diplomatischen Mitteln zu zähmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Taliban-Bewegung, die 1994 offiziell auf der politisch-militärischen Bühne Afghanistans erschien, bildete sich größtenteils aus jungen Menschen, die nach dem langen Krieg der Sowjetunion in Afghanistan zwischen 1979 und 1989 nach Pakistan ins Exil gegangen waren. Ehemalige Mudschaheddin, die gegen die Sowjets gekämpft hatten, wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalaluddin_Haqqani">Dschallaludin Haqqani</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Omar">Mullah Omar</a>, setzten sich in den ersten Jahren der Bewegung an deren Spitze durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usa-planen-einreisebeschraenkung-fuer-turkmenische-staatsangehoerige/">USA planen Einreisebeschränkung für turkmenische Staatsangehörige</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Konflikt, der in Afghanistan stark mit einem von Russland geführten Invasionskrieg in Verbindung gebracht wird, führte zum Tod hunderttausender Zivilist:innen und zum Exil von Millionen Afghan:innen. Die Taliban, wörtlich „die Studenten”, die vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sunniten">Sunnismus</a> und noch mehr vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dar_ul-Ulum_Deoband">Deobandi-Synkretismus</a> beeinflusst sind und die Ordnung in einem durch Jahre des Krieges verwüsteten Land wiederherstellen wollten, sind also weitgehend ein Produkt des sowjetisch-afghanischen Krieges.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach zwanzig Jahren amerikanischer Präsenz wird die Figur des ausländischen Besatzers, insbesondere von den jüngeren Generationen, heute eng mit den Streitkräften der von den Vereinigten Staaten angeführten westlichen Koalition assoziiert. Auch wenn die <a href="https://andrewsolomon.com/articles/earth-and-ashes/">traumatische Erinnerung an die militärische Präsenz der Sowjetunion</a> bei den Älteren und an bestimmten Orten noch immer lebendig ist, hat diese nicht mehr denselben Stellenwert, und Russland genießt heute in Afghanistan ein <a href="https://www.business-standard.com/article/pti-stories/30-years-on-russia-views-afghan-war-with-pride-119021400651_1.html?utm_source=chatgpt.com">differenzierteres Image</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Russland, langjähriger Unterstützer der Taliban</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch seine internationale Isolation ist das Taliban-Regime bemüht, sich an der Macht zu halten. Auch wenn Russland mit den ehemaligen sowjetischen Feinden identifiziert werden kann, scheinen die Taliban bereit, sich dem Land anzunähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die Regierung unter <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Haibatullah_Akhundzada">Haibatullah Akhundzada</a>, die mit einer <a href="https://news.un.org/fr/story/2023/04/1134327#:~:text=Alors%20que%20la%20situation%20%C3%A9conomique%20continue%20de%20s%E2%80%99aggraver%2C,%C3%A9tude%20d%E2%80%99une%20agence%20des%20Nations%20Unies%20publi%C3%A9e%20mardi.">katastrophalen wirtschaftlichen und humanitären Lage</a> konfrontiert ist, kann sich in der Diplomatie gegenüber potenziellen internationalen Partnern nicht wählerisch zeigen, erst recht nicht gegenüber Akteuren vom Kaliber Russlands.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usbekistan-und-afghanistan-verlaengern-vertrag-ueber-stromexport/">Usbekistan und Afghanistan verlängern Vertrag über Stromexport</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Moskau hielt während der „Rückeroberung“ des Landes den diplomatischen Dialog mit den Taliban <a href="https://thediplomat.com/2019/01/russia-and-the-taliban-talking-with-terrorists/">aufrecht</a>. Aus russischer Sicht verkörperten die Taliban-Behörden wohl ein Instrument, das zur Verdrängung der amerikanischen Militärpräsenz in Afghanistan beitragen konnte. Da dieses Ziel nun erreicht ist, stellt sich die Frage, wie dieses neue Zeichen der Annäherung an die Bewegung seitens Russlands zu verstehen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der &#8222;Islamische Staat Khorasan&#8220;, gemeinsamer Feind Moskaus und der Taliban?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Paradoxerweise ist es gerade die Schwierigkeit, Afghanistan zu kontrollieren, was dem Land seine strategische Bedeutung verleiht. Seine schwierige geografische Lage stellt in der Tat erhebliche Hindernisse für jedes logistische oder infrastrukturelle Großprojekt dar, was bestimmte Bevölkerungsgruppen Afghanistans veranlasste, dort Zuflucht zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch erhält Afghanistan geostrategische Bedeutung, wo doch das Land historisch gesehen das Vordringen der persischen und nahöstlichen Reiche, der Moguln aus Indien, der Chinesen und Russen begrenzte. Diese heutige Lage als Schnittstelle zwischen verschiedenen Siedlungsgebieten ist ein Erbe dieser Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Situation erklärt auch die Anziehungskraft, die dieses Land auf terroristische Gruppen ausübt; das bekannteste Beispiel ist wohl Al-Qaida, die einst von Bin Laden angeführt wurde. Dies gilt heute auch für den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_%E2%80%93_Provinz_Khorasan">Islamischen Staat Khorasan</a> (IS-K), den <a href="https://www.hoover.org/research/jihadi-reactions-us-taliban-deal-and-afghan-peace-talks-0">erklärten Gegner</a> der Taliban. Diese Organisation, die hinter dem <a href="https://tass.ru/proisshestviya/20320557">Anschlag auf die Crocus City Hall</a> in Moskau am 22. März 2024 stand, bei dem 145 Menschen ums Leben kamen, ist ein gemeinsamer Feind Russlands und der Taliban-Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.longwarjournal.org/archives/2015/01/islamic_state_appoin.php">Offiziell gegründet</a> am 26. Januar 2015 nach der Ankündigung der „Wilayat Khorasan” durch den Sprecher des Islamischen Staates <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ab%C5%AB_Muhammad_al-%CA%BFAdn%C4%81n%C4%AB">Abu Muhammad al-Adnani</a>, befindet sich der Rückzugsort dieser Terroristengruppe an der afghanisch-pakistanischen Grenze zwischen der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nangarhar">Nangarhar</a> in Afghanistan und den ehemaligen pakistanischen Stammesgebieten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurram_(Distrikt)">Kurram</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orakzai_(Distrikt)">Orakzai</a>. In der Nähe der Achse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalalabad">Dschalalabad</a>–<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peschawar">Peshawar</a> und des berühmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chaiber-Pass">Chaiber-Passes</a> gelegen, besteht sie ursprünglich aus dissidenten Stammesführern der <a href="https://www.counterextremism.com/threat/tehrik-i-taliban-pakistan-ttp">Tehrik-i-Taliban Pakistan</a> (TTP), einem Ableger der in Pakistan aktiven Taliban-Bewegung, wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Hafiz_Saeed_Khan">Hafiz Saeed Khan</a> oder <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Omar_Khalid_Khorasani">Omar Khalid Khorasani</a>, die ursprünglich dem Islamischen Staat die Treue schworen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-chorasan-fuer-den-islamischen-staat-bedeutet/">Was Chorasan für den „Islamischen Staat“ bedeutet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Tod von Hafiz Saeed Khan, der 2016 getötet wurde, ereilte viele kurzlebige Anführer an der Spitze des IS-K das gleiche Schicksal. Die meisten von ihnen stammten aus dem Stammesgebiet an der Grenze und <a href="https://www.theguardian.com/world/2016/jul/23/hazara-minority-targeted-by-suicide-bombs-at-kabul-protest?utm_source=chatgpt.com">konzentrierten</a> ihre Aktivitäten hauptsächlich auf Kabul und Peshawar, wobei sie vor allem die schiitischen Gemeinschaften der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hazara">Hazara</a> oder <a href="https://pakistan.asia-news.com/en_GB/articles/cnmi_pf/features/2020/02/04/feature-01?utm_source=chatgpt.com">Pakistani</a> ins Visier nahmen. Im Jahr 2020 jedoch veränderte sich die Organisation unter der Führung eines neuen Anführers, <a href="https://www.counterextremism.com/extremists/shahab-al-muhajir">Sanuallah Ghafari</a>, auch bekannt als Shabab al-Muhajir, der ein ganz anderes Profil als seine Vorgänger hatte. Der wahrscheinlich aus Kabul stammende Ingenieur und Spezialist für den Stadtkampf soll hinter dem schrecklichen <a href="https://www.rferl.org/a/kabul-airport-bombings-death-toll/31431729.html">Anschlag auf den Flughafen von Kabul</a> stehen, bei dem am 26. August 2021 fast 190 Menschen ums Leben kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter seiner Führung beschränkt der IS-K, der zudem mit der brutalen Unterdrückung durch die Taliban <a href="https://docs.un.org/en/S/2025/71/Rev.1">konfrontiert ist</a>, die nun das Land beherrschen, seinen Einfluss in Afghanistan, indem er Guerillataktiken und die Zerstörung von Infrastrukturen entwickelt und gleichzeitig spektakuläre internationale Aktionen durchführt. Die tödlichen Anschläge in Moskau, <a href="https://thediplomat.com/2024/04/islamic-state-khorasans-westward-network-expansion-into-iran-turkey-and-europe/">Kerman im Iran</a>, New Orleans oder die gescheiterten Anschläge in Europa sind Teil dieser Strategie. Diese Art von Operationen, die darauf abzielen, der Organisation durch immer widerstandsfähigere und ausgefeiltere Strategien Sichtbarkeit, Rekrutierung und Finanzierungsquellen zu sichern, haben es dem IS-K ermöglicht, in Zentralasien unter den verschiedenen Akteuren der dschihadistischen Gewalt eine führende Stellung einzunehmen, insbesondere bei der tadschikischen und usbekischen Bevölkerung, die von der Propaganda der Organisation <a href="https://www.asiaplustj.info/news/tajikistan/security/20240408/stoit-li-tadzhikistanu-boyatsya-igil-horasan">angesprochen wird</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekische-und-tadschikische-terroristengruppen-in-afghanistan/">Usbekische und tadschikische Terroristengruppen in Afghanistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der IS-K, der von den Experten des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen als derzeit größte Bedrohung für die regionale Stabilität <a href="https://docs.un.org/en/S/2025/71/Rev.1">eingestuft wird</a>, hat sich kürzlich durch die <a href="https://thekhorasandiary.com/en/2024/12/11/haqqanis-assassination-could-widen-a-deeper-fault-line">Ermordung</a> des afghanischen Ministers für Flüchtlinge und Rückführungen, <a href="https://main.un.org/securitycouncil/en/sanctions/1988/materials/summaries/individual/khalil-ahmed-haqqani">Kalil Ur Rehman Haqqani</a>, dem Bruder von Jallaludin, am 11. Dezember 2024 hervorgetan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Organisation ließ es sich nicht nehmen, die Entscheidung Russlands bezüglich der Taliban <a href="https://thekhorasandiary.com/en/2025/05/30/tkd-monitoring-iskp-releases-booklet-criticizing-russias-decision-to-remove-afghan-taliban-from-blacklist">öffentlich zu kritisieren</a>. Russland seinerseits sieht die Zusammenarbeit mit den Taliban als unverzichtbar an, um den im afghanisch-pakistanischen Gebiet ansässigen IS-K zu bekämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Unterstützung eines Staates im Bereich der Sicherheit, einschließlich der militärischen, bedeutet jedoch eine Form der rechtlichen Anerkennung des unterstützten Regimes, da sonst der Vorwurf der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung droht. Dies würde den Grundsätzen der <a href="https://eng.sectsco.org/">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a>, deren Gründungsmitglied Russland ist, jedoch widersprechen. Um solche Anschuldigungen zu vermeiden, wird Russland zweifellos seine SCO-Verbündeten dazu bewegen, die Beziehungen zur afghanischen Regierung zu normalisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Frage der wirtschaftlichen Vernetzung und der Infrastrukturprojekte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses relative diplomatische Risiko Russlands lässt sich weiter durch die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen erklären, die seit der Invasion der Ukraine gegen das Land verhängt wurden. Tatsächlich könnte der Gewinn einer Unterstützung der Taliban erheblich sein und Russland einen Vorteil gegenüber vielen anderen geostrategischen Akteuren verschaffen, die sich in Zentralasien positionieren wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Taliban-Würdenträger wurden bereits zum internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg im Juni 2024 <a href="https://www.rbc.ru/rbcfreenews/66543d439a7947ae8027dd17">eingeladen</a>. Neben den russischen Projekten zur Rohstoffgewinnung auf afghanischem Boden erfordern auch die Infrastrukturprojekte, die den indischen und pakistanischen Markt erschließen sollen, einen sicheren Transit durch Afghanistan und die Unterstützung der dortigen Regierung. Russland plant nämlich den <a href="https://www.fontanka.ru/2024/05/27/73627862/">Bau einer transafghanischen Gaspipeline</a>, um diese wachsenden Verbrauchsmärkte zu versorgen, die eine nachhaltige Alternative zur EU für den Absatz von russischem Gas darstellen. Darüber hinaus möchte Russland sich an dem transafghanischen Eisenbahnprojekt beteiligen, das auch von Usbekistan und Pakistan gewünscht wird. Die Umsetzung könnte jedoch durch Sicherheitsprobleme gefährdet sein: Ein Abschnitt der geplanten Strecke soll <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kabul">Kabul</a> mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peschawar">Peschawar</a> verbinden, also genau die Achse, auf der der IS-K am aktivsten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit ihrer Machtübernahme haben die Taliban besonders repressive Gesetze für Frauen und Mädchen <a href="https://news.un.org/fr/story/2023/08/1137652">erlassen</a>, deren Zugang zu Bildung, Arbeitsplätzen, öffentlichen Räumen und sogar der Möglichkeit, zu singen und ihre Stimme zu erheben, eingeschränkt ist. Das fast ausschließlich aus Paschtunen bestehende Taliban-Regime neigt weiter dazu, die Enteignung von Eigentum ethnischer Minderheiten wie Tadschiken, Usbeken und Hazara zugunsten der Paschtunen und Anhänger der Regierung zu <a href="https://www.amnesty.fr/conflits-armes-et-populations/actualites/sous-le-regime-taliban-une-annee-de-terreur-pour-la">fördern</a>.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jonathan Bonjean für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/rapprochement-de-la-russie-avec-les-talibans-quelles-implications-en-asie-centrale/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
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		<title>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Mar 2024 22:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Crocus City Hall]]></category>
		<category><![CDATA[Entschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[IS-K]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
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		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. Der t&#xF6;dliche Anschlag bei Moskau hat f&#xFC;r Schlagzeilen &#xFC;ber die Beteiligung von Tadschik:innen in internationalen Terrororganisationen wie dem sogenannten &#x201E;Islamischen Staat&#x201C; gesorgt. Dies hat unter anderem zu einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Russland gef&#xFC;hrt. Am Abend des 22. M&#xE4;rz haben bewaffnete M&#xE4;nner die Konzerthalle &#x201E;Crocus City Hall&#x201C; bei Moskau angegriffen und 140 Menschen get&#xF6;tet. [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. Der tödliche Anschlag bei Moskau hat für Schlagzeilen über die Beteiligung von Tadschik:innen in internationalen Terrororganisationen wie dem sogenannten „Islamischen Staat“ gesorgt. Dies hat unter anderem zu einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Russland geführt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 22. März haben bewaffnete Männer die Konzerthalle „Crocus City Hall“ bei Moskau angegriffen und 140 Menschen getötet. Tags darauf wurden elf Personen festgenommen, berichtete die russische Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/proisshestviya/20320557">TASS</a>. Die vier Männer, denen die Ausführung des Anschlags vorgeworfen wird, sind tadschikische Staatsangehörige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn vieles vorerst im Dunkeln bleibt und die Schuld der Angeklagten nicht bewiesen ist, wurde der Angriff vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ISIS-K">Islamischen Staat &#8211; Khorasan (IS-K)</a> für sich beansprucht, einem IS-Ableger, dem sich viele Tadschik:innen angeschlossen haben. Wie das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240310/emomali-rahmon-virazil-nedovolstvo-mnogokratnim-hadzhem-tadzhikistantsev">Asia-Plus</a> berichtete, hatte Tadschikistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> nur zwei Wochen vor dem Anschlag erklärt: <em>„Laut verfügbaren Daten haben 24 unserer Mitbürger in den letzten drei Jahren in zehn Ländern Terroranschläge begangen.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Angriff in Russland ist auf dessen Intervention in Syrien zurückzuführen, womit es sich in offener Gegnerschaft zum IS positionierte. Die wiederholte Beteiligung von Tadschik:innen bei Angriffen des IS-K wirft Fragen auf, nähert allerdings auch unbegründete Vorstellungen von Tadschikistans Rolle im globalen Terrorismus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Russland rekrutiert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://bush.tamu.edu/faculty/elemon/">Edward Lemon</a>, auf Zentralasien spezialisierter Forscher und Präsident der <a href="https://oxussociety.org/">Oxus Society</a>, <a href="https://twitter.com/EdwardLemon3/status/1771532009325633964">erklärt</a>, dass Tadschikistan im Verhältnis zur Einwohner:innen-Zahl den drittgrößten Anteil an Staatsangehörigen hat, die sich den Reihen des IS in Syrien angeschlossen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten tödlichen Angriffe des IS-K, die bisher hauptsächlich auf den Iran, Afghanistan und die Türkei abzielten, wurden von Tadschik:innen verübt, erläutert <a href="https://thediplomat.com/2024/01/unveiling-the-motivations-tajik-iskps-calculated-strikes-on-iran/">The Diplomat</a>. Dies gilt insbesondere für den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bombenanschläge_in_Kerman_2024">Anschlag im iranischen Kerman</a>, bei dem im Januar fast 100 Menschen ums Leben kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/"><strong>Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Tadschikistan jedoch zunehmend als Brutstätte des islamistischen Radikalismus wahrgenommen wird, ist diese Darstellung verkürzt. So <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/insights/terror-attack-russia-shines-spotlight-isis-k-recruiting-among-central-asians">zeigen Studien</a>, dass die Rekrutierung von Tadschik:innen durch den IS-K hauptsächlich in Russland erfolgt – beziehungsweise unter Menschen, die in Russland gelebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein im ersten Halbjahr 2023 wurden 1,28 Millionen Tadschik:innen von den russischen Migrationsbehörden registriert, darunter mehr als 963.000 in der Arbeitsmigration. Die Zahlen könnten aber tatsächlich höher sein, berichtet das russische Wirtschaftsmedium <a href="https://nsk.rbc.ru/nsk/24/08/2023/64e6c63a9a79471c6e4adea5">RBC</a>. Im Jahr 2022 stammten nach Angaben der <a href="https://blogs.worldbank.org/en/peoplemove/remittances-europe-and-central-asia-post-strong-growth">Weltbank</a> 51 Prozent des BIP von Arbeitsmigrant:innen, was Tadschikistan zum am stärksten von Überweisungen abhängigen Land der Welt macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Motivationen, die oft weit vom radikalen Islam entfernt sind</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese oft prekäre Situation macht sie jedoch anfällig für die Rekrutierung. <a href="https://www.wilsoncenter.org/person/melanie-sadozai">Mélanie Sadozaï</a>, eine auf die tadschikisch-afghanische Grenze spezialisierte Forscherin, erklärt gegenüber Novastan: <em>„Die Gründe, warum diese Personen rekrutiert werden, sind vielfältig: Suche nach einem besseren Leben, Ablehnung des Staates und seiner Institutionen, der Wunsch, den Islam ohne Diskriminierung zu praktizieren, attraktive finanzielle &nbsp;Angebote der Anwerber, Verurteilung des russischen Engagements in Syrien, wo sich der Kern des IS befindet und so weiter.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie sind <em>„die Beweggründe also keineswegs mit einer uneingeschränkten Unterstützung des in der IS-Propaganda propagierten radikalen Islamismus verbunden.“</em> In Bezug auf den Anschlag bei Moskau weist Edward Lemon jedoch <a href="https://twitter.com/EdwardLemon3/status/1772797999204221251">darauf hin</a>, dass die mutmaßlichen Terroristen ein ähnliches Profil hätten: Sie seien kürzlich nach Russland ausgewandert und nicht besonders religiös gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf tadschikischem Boden gab es hingegen nur wenige IS-Angriffe, zuletzt einen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/islamischer-staat-bekennt-sich-zur-attacke-die-zum-tod-von-4-rad-touristen-in-tadschikistan-fuhrte/">Anschlag auf ausländische Radfahrer:innen 2018</a> und einen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/">Gefängnis-Aufstand in Chudschand 2019</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine vage Definition von Extremismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beitritt zum IS kann jedoch auch als Reaktion auf die ultrasäkulare tadschikische Politik erfolgen. Extremismusvorwürfe in Tadschikistan richten sich weniger gegen den strengen Islam als gegen jede Form von Handlungen, die der Regierung missfallen: Nicht selten werden Aktivist:innen, Menschenrechtler:innen oder Journalist:innen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">wegen Extremismus verurteilt</a>. Religiöse Praxis wird als politische Opposition interpretiert und unterdrückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Mélanie Sadozaï verschärfen die Behörden Tadschikistans <em>„die Beschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf religiöse Praktiken und potenzielle Rivalen oder Destabilisatoren des bestehenden Regimes, was nur Frustrationen schürt, die die Form von Terroranschlägen annehmen können.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Grenze zu Afghanistan ist weniger durchlässig, als es scheint</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem die Aufmerksamkeit auf Tadschikistan und den IS-K gerichtet ist, wird die gemeinsame Grenze mit Afghanistan, einer Hochburg des IS-K, als potenzieller Korridor für Dschihadist:innen erwähnt. Auch hier betont Mélanie Sadozaï, dass die Unsicherheit entlang der Grenze eine vorgefasste Meinung sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Gegensatz zu dem, was man denken könnte, überqueren keine Bürger Tadschikistans die Grenze in Richtung Afghanistan. Der fehlende Zusammenhang zwischen Terrorismus und dieser Grenze führt dazu, dass sie im September 2023 wieder für grenzüberschreitenden Handel geöffnet wurde“</em>, erklärt Mélanie Sadozaï.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kazan-und-kebab-womit-an-der-tadschikisch-afghanischen-grenze-gehandelt-wird/"><strong>Kazan und Kebab – Womit an der tadschikisch-afghanischen Grenze gehandelt wird</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelfälle sind nicht auszuschließen – und die Grenze kann auch in die entgegengesetzte Richtung durchlässig sein, insbesondere für <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/foerdert-der-drogenhandel-den-terrorismus-in-zentralasien/">den Drogenhandel</a>. Aber Tadschik:innen, die sich Terrororganisationen anschließen, tun dies in der Regel über Russland. Die Forscherin fasst zusammen: <em>„Der IS-K ist eine multinationale und keine grenzüberschreitende [im wahrsten Sinne des Wortes, Anm. d. Ü.] Terrorgruppe.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit mit den Taliban</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus arbeitet Duschanbe in bestimmten Sicherheitsfragen mit Kabul zusammen. Afghanistan bleibt Tadschikistans feindseligster Nachbar, insbesondere aufgrund der Präsenz der Terrorgruppe Dschamaat Ansarullah, die aus ethnischen Tadschik:innen besteht, welche Feinde von Duschanbe sind und von den Taliban unterstützt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch andere Terrorgruppen erzwingen den Dialog. <em>„Der IS-K ist ein innenpolitisches Problem für Tadschikistan und für die Taliban, denn die von dieser Gruppe beanspruchten Anschläge untergraben die Glaubwürdigkeit dieser Regime in Bezug auf ihre Fähigkeit, die Sicherheit in ihren Ländern aufrechtzuerhalten“</em>, schließt Mélanie Sadozaï.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Welle der Fremdenfeindlichkeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss daher klargestellt werden, dass die tadschikische Bevölkerung in ihrer überwiegenden Mehrheit den IS-K nicht unterstützt. Sowohl in Tadschikistan als auch in Russland würdigten Tadschik:innen die Opfer. In Duschanbe wurde die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz">Noruz-Feier</a>, die am 24. März stattfinden sollte, <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240325/karnaval-navruza-proidet-segodnya-v-dushanbe">auf den nächsten Tag verschoben</a>. Der Grund wurde nicht offiziell kommuniziert, lokale Medien interpretierten die Geste jedoch als Reaktion auf die Ankündigung eines nationalen Trauertages in Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Reaktionen reichten nicht aus, um ultranationalistische Strömungen in Russland zu beruhigen. Fake News und rassistische Verschwörungstheorien <a href="https://twitter.com/bahruz_samad/status/1772024022449950811">florieren</a> oder tauchen wieder auf – zum Beispiel die Behauptung eines Völkermords an Russ:innen während des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_Bürgerkrieg">Tadschikischen Bürgerkriegs</a> in den 1990er Jahren. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/"><strong>Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://eurasianet.org/tajik-diaspora-in-russia-living-in-terror-following-crocus-city-massacre">Eurasianet</a> und <a href="https://rus.ozodi.org/a/32876078.html">Radio Ozodi</a> berichteten, haben fremdenfeindliche Taten in Russland in den letzten Tagen so stark zugenommen, dass viele Migrant:innen Angst davor haben, ihre Wohnungen zu verlassen, und manchmal sogar aufhören, zur Arbeit zu gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zunehmende Aggression</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die tadschikische Botschaft, die sich für gewöhnlich <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiatische-arbeitende-nach-streik-in-russland-entlassen/?noredirect=de-DE">nicht für die Interessen ihrer Bürger:innen in Russland einsetzt</a>, hat ihren Staatsangehörigen empfohlen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Usbekische Bürger:innen wurden außerdem <a href="https://www.centralasian.org/a/32879280.html">aufgefordert</a>, öffentliche Orte zu meiden, während die Kirgis:innen <a href="https://www.reuters.com/world/europe/kyrgyzstan-urges-citizens-limit-travel-russia-2024-03-27/">angehalten sind</a>, jegliche Reisen nach Russland zu meiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In russischen Städten kam es bereits zuvor häufig zu Jagden auf Migrant:innen, doch der Anschlag löste eine weitere Welle aus. Nach Angaben der Menschenrechtlerin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ULePKWtMtfo">Valentina Tschupik</a> meldeten Zentralasiat:innen in den beiden darauf folgenden Tagen 2.500 Fälle von Aggression, darunter 30 Fälle von Folter. Angesichts von Bildern, auf denen FSB-Agenten die tadschikischen Verdächtigen foltern, scheint körperliche Gewalt gegen Zentralasiat:innen nun völlig legitim zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu gewalttätigen Übergriffen an öffentlichen Orten kam es zu einem massiven Boykott gegen tadschikische Taxifahrer:innen. Andere Zentralasiat:innen sagen, sie seien aus ihren Wohnungen geworfen oder sogar entlassen worden, ohne ihr Gehalt zu erhalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Langfristige Folgen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Somit wird die Beteiligung von Tadschiken an dem Anschlag vom 22. März – ob real oder nicht – auf längere Sicht katastrophale Folgen für das Leben der Tadschik:innen in Russland haben. Wie Valentina Tschupik erklärt, wird <em>„unkontrollierbare Migration“</em> dafür verantwortlich gemacht, während Politiker:innen bereits vorschlagen, ein <a href="https://www.kommersant.ru/doc/6593947">Visaregime für Tadschik:innen</a> einzuführen oder sie beim kleinsten Fehler auszuweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland braucht diese Arbeitskräfte und solche Maßnahmen sind unwahrscheinlich, aber Bedrohungen für die Sicherheit von Migrant:innen sind real in einem Kontext, in dem Fremdenfeindlichkeit und Gewalt öffentlich akzeptiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-moskauer-traum/"><strong>Der Moskauer Traum</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es besteht die Befürchtung, dass diese schlechte Presse auch Zentralasiat:innen in Europa betreffen wird. Während die Region in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, gelangt Tadschikistan immer wieder als Brutstätte des religiösen Extremismus in die Presse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiat:innen wird häufig ein Visum für Europa verweigert und bei Asylanträgen kommt es zu Ablehnungen, wobei fabrizierte Extremismusvorwürfe im Herkunftsland – wie <a href="https://novastan.org/fr/europe-et-asie-centrale/citoyen-ouzbek-expulse-france-risques-de-torture/">zuletzt bei einem Fall in Frankreich</a> – eine Rolle spielen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Behörden der europäischen Länder nach den jüngsten Ereignissen in der Lage sein werden, den Kontext zu berücksichtigen und falsche Anschuldigungen von echten zu unterscheiden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Judith Robert für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/attentat-russie-tadjiks-face-a-xenophobie-massive/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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